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	<title>Sacra.Wiki - Benutzerbeiträge [de-at]</title>
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	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_Klosterneuburg&amp;diff=10810</id>
		<title>Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg</title>
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		<updated>2024-10-15T10:35:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Wien, Floridsdorf */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
==Bergen (Norwegen)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Haselbach==&lt;br /&gt;
1785 von der Pfarre Niederhollabrunn abgetrennt und 1788 dem Stift Klosterneuburg übergeben. Haselbach, das zum ältesten Besitz des Stiftes gehörte, erbaute 1745 bis 1749 die schöne Wallfahrtskirche auf dem Michelsberg. Nach der Pfarrerrichtung wurde diese Kirche abgetragen, in verkleinerter Form im Dorf wieder aufgebaut und 1788 geweiht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Höflein an der Donau==&lt;br /&gt;
Ursprünglich zu Klosterneuburg gehörig, Kapelle schon um 1150 erwähnt. 1248 verkauft Graf Liutold v. Hardegg dem Stift den Ort und die Kirche. Die Pfarre wird dem Stift 1399 inkorporiert. Gotische, später erweiterte Dorfkirche mit barocker Ausstattung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kierling==&lt;br /&gt;
Pfarre seit 1233, seit Ende des 14. Jahrhunderts beim Stift Klosterneuburg ohne förmliche Inkorporation. Die alte romanische Dorfkirche steht noch als Seitenschiff, heutige Kirche 1912 bis 1914 von Richard Jordan mit interessanter Jugendstilausstattung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Klosterneuburg, St. Leopold (Sachsengasse)==&lt;br /&gt;
1940 von der Stiftspfarre Klosterneuburg abgetrennt und dem Stift anvertraut. Als Kriegergedächtniskirche nach Plänen von Rudolf Wondracek 1936/38 erbaut, der Innenraum 1972 umgestaltet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)==&lt;br /&gt;
Kirche seit 8./9. Jahrhundert nachweisbar, Pfarre seit 11. Jahrhundert, dem Stift 1135 übergeben. Heute gotische Kirche mit reicher Barockausstattung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Klosterneuburg, Stift (Obere Stadt)==&lt;br /&gt;
Kirche 1114 bis 1136 erbaut, von der Mutterpfarre St. Martin noch im 12. Jahrhundert abgetrennt. Seither dient die Stiftskirche zugleich als Pfarrkirche.&lt;br /&gt;
Spitalkirche St. Gertrud: erbaut in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Sebastianikapelle am Stiftsplatz: geweiht 1422, entweiht 1787, 1965 bis 1981 wieder als Gotteshaus eingerichtet (Stiftsgruft).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Korneuburg (St. Aegyd)==&lt;br /&gt;
Ursprünglich zu Klosterneuburg gehörig, um 1170 bereits als Pfarre genannt, seit 1212 Kirche am heutigen Platz; Inkorporation 1329, päpstliche Bestätigung 1349. Gotischer Bau mit teilweise späterer Einrichtung.&lt;br /&gt;
Ehemalige Augustinerkirche: 1746 bis 1773 erbaut, Barockausstattung von &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Pranz&amp;lt;/span&amp;gt; Anton Maulpertsch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritzendorf==&lt;br /&gt;
1783 von der Pfarre St. Martin in Klosterneuburg abgetrennt und dem Stift übergeben. Gotische Dorfkirche, 1489 geweiht, mit moderner Ausstattung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Langenzersdorf==&lt;br /&gt;
1326 von Korneuburg abgetrennt und 1403 dem Stift inkorporiert. Gotische Dorfkirche mit schöner Barockausstattung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Maria Lourdes==&lt;br /&gt;
1935 von der Pfarre Meidling abgetrennt, 1949 dem Stift Klosterneuburg anvertraut. An Stelle der früheren Notkirche wurde 1956/58 nach Plänen von Robert Kramreiter die neue Pfarrkirche erbaut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Donaufeld==&lt;br /&gt;
1914 von Floridsdorf abgetrennt und dem Stift inkorporiert. Die monumentale, 1904 bis 1914 nach Plänen von Franz von Neumann erbaute Kirche zeigt eine interessante Synthese von Historismus und Jugendstil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Floridsdorf==&lt;br /&gt;
In der 1786 gegründeten Siedlung, die nach Propst Floridus Leeb benannt wurde, kam es 1800 zur Errichtung einer Kapelle, die jedoch in den Napoleonischen Kriegen zerstört wurde. 1834 begann der Neubau der Kapelle, die am 27. September 1835 Jakob Ruttenstock einweihte. 1836 gründete das Stift Klosterneuburg eine eigene Lokalkaplanei, trennte sie von der Pfarre Leopoldau ab und ordnete dieser die Gegend Zwischenbrücken zu. Am 30. Juni 1845 wurde per Konsistorialdekret die Kapelle zur Pfarre zum Hl. Jakob der schnell wachsenden Siedlung erhoben, deren Pfarrgrenzen den „Spitz“ und das Mühlschüttel einschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Grinzing==&lt;br /&gt;
1783 von der Pfarre Heiligenstadt abgetrennt und dem Stift übergeben. In der gotischen Hl.-Kreuz-Kirche stiftete schon 1426 die Gemeinde Grinzing eine tägliche Frühmesse. Die schöne Kirche wurde mehrmals restauriert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Heiligenstadt==&lt;br /&gt;
Ursprünglich zu Klosterneuburg gehörig. Kirche schon 1095 bezeugt, Pfarre seit dem 12. Jahrhundert, dem Stift 1307 inkorporiert, päpstliche Bestätigung 1514. Gotische Kirche mit moderner Einrichtung.&lt;br /&gt;
Filialkirche St. Jakob im Pfarrhof: romanischer Bau über römischen Resten mit moderner Ausstattung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Kahlenbergerdorf==&lt;br /&gt;
Ursprünglich zu Klosterneuburg gehörig, als Pfarre schon im 13. Jahrhundert bezeugt, 1482 dem Stift inkorporiert. Gotische Dorfkirche, barock umgestaltet. 1530 bis 1781 wurde die Pfarre vom Höfleiner Pfarrer mitbetreut.&lt;br /&gt;
Filialkirche St. Leopold auf dem Leopoldsberg: erbaut 1717 von Antonio Beduzzi, 1945 schwer beschädigt, 1957 wiederhergestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Leopoldau==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Maria Hietzing==&lt;br /&gt;
1786 von der Pfarre Penzing abgetrennt und endgültig dem Stift inkorporiert. Die 1414 bis 1419 erbaute Kirche war schon 1534 durch den päpstlichen Nuntius dem Stift inkorporiert worden, was zu langwierigen Konflikten mit der Pfarre Penzing führte. Die in der Türkenbelagerung verwüstete Kirche wurde 1539 renoviert und 1587 bis 1589 neuerlich umgestaltet. Nach der zweiten Türkenbelagerung 1683 reiche, barocke Neugestaltung des Innenraums, neugotischer Turm und Fassade von Karl Roesner 1863/64.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Meidling==&lt;br /&gt;
1783 von der Pfarre Penzing abgetrennt, seit 1784 als selbständige Pfarre dem Stift übergeben. Eine erste kleine Kirche wurde 1732 errichtet, die heutige, große Pfarrkirche 1842 bis 1845 nach Plänen von Karl Roesner erbaut. 1945 durch Bomben weitgehend zerstört, beim Wiederaufbau blieb die äußere Gestalt erhalten, das Innere wurde größtenteils neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Neustift am Walde==&lt;br /&gt;
1783 von der Pfarre Sievering abgetrennt und dem Stift St. Dorothea übergeben, das damals bereits von Klosterneuburg administriert wurde. 1786 ging die Pfarre an dieses Stift über. Die 1713/14 errichtete barocke Rundkapelle wurde 1783/85 und 1851 durch Anbauten vergrößert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Nussdorf==&lt;br /&gt;
1783 von der Pfarre Heiligenstadt abgetrennt und dem Stift zugeteilt. Schon 1450 wurde eine Kapelle zum heiligen Thomas in Nussdorf geweiht und 1787 bis 1789 durch den heutigen, schlichten Neubau von Joseph Gerl ersetzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Sievering==&lt;br /&gt;
1348 von Heiligenstadt abgetrennt und 1500 dem Stift inkorporiert. Gotische Dorfkirche, später mehrmals verändert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reinprechtspölla==&lt;br /&gt;
Die dem hl. Pankraz geweihte Pfarre Reinprechtspölla ist die einzige des Stiftes, die sich in der Diözese St. Pölten befindet. Die Grundherrschaft Reinprechtspölla kam zwischen 1195 und 1213 durch eine Stiftung von Irmgard von Polan an das Stift. Im Zuge dessen kam es zur Exemtion der dazugehörigen Schlosskapelle aus der Garser Pfarre, die nun zur Pfarre erhoben wurde. Nachdem die Urkunde über diesen Vorgang verloren gegangen und es zu Rechtsstreitigkeiten zwischen dem Garser Pfarrer und dem Klosterneuburger Propst gekommen war, bestätigte der Passauer Bischof Mangold am 24. Juni 1213 die pfarrlichen Rechte von Reinprechtspölla und gewährte dem Stift Klosterneuburg, das Präsentationsrecht ausüben zu dürfen.&amp;lt;ref&amp;gt;StiAKl, Urk 1213 Juni 24, online unter: [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiAK/KlosterneuburgCanReg/1213_VI_24 ] (zuletzt am 26. November 2021)&amp;lt;/ref&amp;gt; Zunächst erstreckte sich das Gebiet des Pfarrsprengels nicht über das gesamte Dorf von Reinprechtspölla, sondern nur über die dortige Grundherrschaft des Stiftes. Der restliche Teil verblieb bei der Pfarre Gars. In den folgenden Jahrhunderten kam es wiederholt zu Auseinandersetzungen um die Pfarrgrenzen. Im 18. Jahrhundert wurden mehrere Ortsteile der Pfarre Reinprechtspölla zugeteilt. Die spätromanische Kirche wurde im Verlauf des 18. Jahrhundert barockisiert und später mehrmals umgebaut, wie z. B. zwischen 1735 und 1737. Erste Renovierungsarbeiten fanden 1853 und 1909/10 statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Glen Cove, St. Patrick (New York, USA)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Glen Cove, St. Rocco (New York, USA)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Glen Head, St. Hyacinth (New York, USA)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sea Cliff, St. Boniface (New York, USA)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stoitzendorf==&lt;br /&gt;
1784 von der Pfarre Eggenburg abgetrennt und dem Stift übergeben. Als Jakobskapelle 1467 geweiht, wurde die Kirche mit dem Patrozinium St. Leopold 1620 erneuert und im 19. Jahrhundert umgebaut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Tattendorf==&lt;br /&gt;
Im 14. Jahrhundert von der Mutterpfarre Traiskirchen getrennt und dem Stift Melk übergeben, 1585 vom Stift Klosterneuburg gekauft. Barocke Dorfkirche, 1693 bis 1695 erbaut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weidling==&lt;br /&gt;
1783 von der Stiftspfarre Klosterneuburg abgetrennt und dem Stift übergeben. Gotische Dorfkirche, 1403 bis 1407 erbaut, mit barockem Turm und späterer Einrichtung. Filialkirche Mariae Namen in Weidlingbach, erbaut 1931 bis 1932 von Joseph Schömer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_Klosterneuburg&amp;diff=10809</id>
		<title>Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg</title>
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		<updated>2024-10-15T10:35:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Wien, Floridsdorf */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
==Bergen (Norwegen)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Haselbach==&lt;br /&gt;
1785 von der Pfarre Niederhollabrunn abgetrennt und 1788 dem Stift Klosterneuburg übergeben. Haselbach, das zum ältesten Besitz des Stiftes gehörte, erbaute 1745 bis 1749 die schöne Wallfahrtskirche auf dem Michelsberg. Nach der Pfarrerrichtung wurde diese Kirche abgetragen, in verkleinerter Form im Dorf wieder aufgebaut und 1788 geweiht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Höflein an der Donau==&lt;br /&gt;
Ursprünglich zu Klosterneuburg gehörig, Kapelle schon um 1150 erwähnt. 1248 verkauft Graf Liutold v. Hardegg dem Stift den Ort und die Kirche. Die Pfarre wird dem Stift 1399 inkorporiert. Gotische, später erweiterte Dorfkirche mit barocker Ausstattung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kierling==&lt;br /&gt;
Pfarre seit 1233, seit Ende des 14. Jahrhunderts beim Stift Klosterneuburg ohne förmliche Inkorporation. Die alte romanische Dorfkirche steht noch als Seitenschiff, heutige Kirche 1912 bis 1914 von Richard Jordan mit interessanter Jugendstilausstattung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Klosterneuburg, St. Leopold (Sachsengasse)==&lt;br /&gt;
1940 von der Stiftspfarre Klosterneuburg abgetrennt und dem Stift anvertraut. Als Kriegergedächtniskirche nach Plänen von Rudolf Wondracek 1936/38 erbaut, der Innenraum 1972 umgestaltet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)==&lt;br /&gt;
Kirche seit 8./9. Jahrhundert nachweisbar, Pfarre seit 11. Jahrhundert, dem Stift 1135 übergeben. Heute gotische Kirche mit reicher Barockausstattung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Klosterneuburg, Stift (Obere Stadt)==&lt;br /&gt;
Kirche 1114 bis 1136 erbaut, von der Mutterpfarre St. Martin noch im 12. Jahrhundert abgetrennt. Seither dient die Stiftskirche zugleich als Pfarrkirche.&lt;br /&gt;
Spitalkirche St. Gertrud: erbaut in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Sebastianikapelle am Stiftsplatz: geweiht 1422, entweiht 1787, 1965 bis 1981 wieder als Gotteshaus eingerichtet (Stiftsgruft).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Korneuburg (St. Aegyd)==&lt;br /&gt;
Ursprünglich zu Klosterneuburg gehörig, um 1170 bereits als Pfarre genannt, seit 1212 Kirche am heutigen Platz; Inkorporation 1329, päpstliche Bestätigung 1349. Gotischer Bau mit teilweise späterer Einrichtung.&lt;br /&gt;
Ehemalige Augustinerkirche: 1746 bis 1773 erbaut, Barockausstattung von &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Pranz&amp;lt;/span&amp;gt; Anton Maulpertsch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritzendorf==&lt;br /&gt;
1783 von der Pfarre St. Martin in Klosterneuburg abgetrennt und dem Stift übergeben. Gotische Dorfkirche, 1489 geweiht, mit moderner Ausstattung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Langenzersdorf==&lt;br /&gt;
1326 von Korneuburg abgetrennt und 1403 dem Stift inkorporiert. Gotische Dorfkirche mit schöner Barockausstattung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Maria Lourdes==&lt;br /&gt;
1935 von der Pfarre Meidling abgetrennt, 1949 dem Stift Klosterneuburg anvertraut. An Stelle der früheren Notkirche wurde 1956/58 nach Plänen von Robert Kramreiter die neue Pfarrkirche erbaut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Donaufeld==&lt;br /&gt;
1914 von Floridsdorf abgetrennt und dem Stift inkorporiert. Die monumentale, 1904 bis 1914 nach Plänen von Franz von Neumann erbaute Kirche zeigt eine interessante Synthese von Historismus und Jugendstil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Floridsdorf==&lt;br /&gt;
In der 1786 gegründeten Siedlung, die nach Propst Floridus Leeb benannt wurde, kam es 1800 zur Errichtung einer Kapelle, die jedoch in den Napoleonischen Kriegen zerstört wurde. 1834 begann der Neubau der Kapelle, die am 27. September 1835 Jakob Ruttenstock einweihte. 1836 gründete das Stift Klosterneuburg eine eigene Lokalkaplanei, trennte sie von der Pfarre Leopoldau ab und ordnete dieser die Gegend Zwischenbrücken zu. Am 30. Juni 1845 wurde per Konsistorialdekret die Kapelle zur Pfarre der schnell wachsenden Siedlung erhoben, deren Pfarrgrenzen den „Spitz“ und das Mühlschüttel einschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Grinzing==&lt;br /&gt;
1783 von der Pfarre Heiligenstadt abgetrennt und dem Stift übergeben. In der gotischen Hl.-Kreuz-Kirche stiftete schon 1426 die Gemeinde Grinzing eine tägliche Frühmesse. Die schöne Kirche wurde mehrmals restauriert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Heiligenstadt==&lt;br /&gt;
Ursprünglich zu Klosterneuburg gehörig. Kirche schon 1095 bezeugt, Pfarre seit dem 12. Jahrhundert, dem Stift 1307 inkorporiert, päpstliche Bestätigung 1514. Gotische Kirche mit moderner Einrichtung.&lt;br /&gt;
Filialkirche St. Jakob im Pfarrhof: romanischer Bau über römischen Resten mit moderner Ausstattung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Kahlenbergerdorf==&lt;br /&gt;
Ursprünglich zu Klosterneuburg gehörig, als Pfarre schon im 13. Jahrhundert bezeugt, 1482 dem Stift inkorporiert. Gotische Dorfkirche, barock umgestaltet. 1530 bis 1781 wurde die Pfarre vom Höfleiner Pfarrer mitbetreut.&lt;br /&gt;
Filialkirche St. Leopold auf dem Leopoldsberg: erbaut 1717 von Antonio Beduzzi, 1945 schwer beschädigt, 1957 wiederhergestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Leopoldau==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Maria Hietzing==&lt;br /&gt;
1786 von der Pfarre Penzing abgetrennt und endgültig dem Stift inkorporiert. Die 1414 bis 1419 erbaute Kirche war schon 1534 durch den päpstlichen Nuntius dem Stift inkorporiert worden, was zu langwierigen Konflikten mit der Pfarre Penzing führte. Die in der Türkenbelagerung verwüstete Kirche wurde 1539 renoviert und 1587 bis 1589 neuerlich umgestaltet. Nach der zweiten Türkenbelagerung 1683 reiche, barocke Neugestaltung des Innenraums, neugotischer Turm und Fassade von Karl Roesner 1863/64.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Meidling==&lt;br /&gt;
1783 von der Pfarre Penzing abgetrennt, seit 1784 als selbständige Pfarre dem Stift übergeben. Eine erste kleine Kirche wurde 1732 errichtet, die heutige, große Pfarrkirche 1842 bis 1845 nach Plänen von Karl Roesner erbaut. 1945 durch Bomben weitgehend zerstört, beim Wiederaufbau blieb die äußere Gestalt erhalten, das Innere wurde größtenteils neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Neustift am Walde==&lt;br /&gt;
1783 von der Pfarre Sievering abgetrennt und dem Stift St. Dorothea übergeben, das damals bereits von Klosterneuburg administriert wurde. 1786 ging die Pfarre an dieses Stift über. Die 1713/14 errichtete barocke Rundkapelle wurde 1783/85 und 1851 durch Anbauten vergrößert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Nussdorf==&lt;br /&gt;
1783 von der Pfarre Heiligenstadt abgetrennt und dem Stift zugeteilt. Schon 1450 wurde eine Kapelle zum heiligen Thomas in Nussdorf geweiht und 1787 bis 1789 durch den heutigen, schlichten Neubau von Joseph Gerl ersetzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wien, Sievering==&lt;br /&gt;
1348 von Heiligenstadt abgetrennt und 1500 dem Stift inkorporiert. Gotische Dorfkirche, später mehrmals verändert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reinprechtspölla==&lt;br /&gt;
Die dem hl. Pankraz geweihte Pfarre Reinprechtspölla ist die einzige des Stiftes, die sich in der Diözese St. Pölten befindet. Die Grundherrschaft Reinprechtspölla kam zwischen 1195 und 1213 durch eine Stiftung von Irmgard von Polan an das Stift. Im Zuge dessen kam es zur Exemtion der dazugehörigen Schlosskapelle aus der Garser Pfarre, die nun zur Pfarre erhoben wurde. Nachdem die Urkunde über diesen Vorgang verloren gegangen und es zu Rechtsstreitigkeiten zwischen dem Garser Pfarrer und dem Klosterneuburger Propst gekommen war, bestätigte der Passauer Bischof Mangold am 24. Juni 1213 die pfarrlichen Rechte von Reinprechtspölla und gewährte dem Stift Klosterneuburg, das Präsentationsrecht ausüben zu dürfen.&amp;lt;ref&amp;gt;StiAKl, Urk 1213 Juni 24, online unter: [https://www.monasterium.net/mom/AT-StiAK/KlosterneuburgCanReg/1213_VI_24 ] (zuletzt am 26. November 2021)&amp;lt;/ref&amp;gt; Zunächst erstreckte sich das Gebiet des Pfarrsprengels nicht über das gesamte Dorf von Reinprechtspölla, sondern nur über die dortige Grundherrschaft des Stiftes. Der restliche Teil verblieb bei der Pfarre Gars. In den folgenden Jahrhunderten kam es wiederholt zu Auseinandersetzungen um die Pfarrgrenzen. Im 18. Jahrhundert wurden mehrere Ortsteile der Pfarre Reinprechtspölla zugeteilt. Die spätromanische Kirche wurde im Verlauf des 18. Jahrhundert barockisiert und später mehrmals umgebaut, wie z. B. zwischen 1735 und 1737. Erste Renovierungsarbeiten fanden 1853 und 1909/10 statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Glen Cove, St. Patrick (New York, USA)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Glen Cove, St. Rocco (New York, USA)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Glen Head, St. Hyacinth (New York, USA)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sea Cliff, St. Boniface (New York, USA)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stoitzendorf==&lt;br /&gt;
1784 von der Pfarre Eggenburg abgetrennt und dem Stift übergeben. Als Jakobskapelle 1467 geweiht, wurde die Kirche mit dem Patrozinium St. Leopold 1620 erneuert und im 19. Jahrhundert umgebaut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Tattendorf==&lt;br /&gt;
Im 14. Jahrhundert von der Mutterpfarre Traiskirchen getrennt und dem Stift Melk übergeben, 1585 vom Stift Klosterneuburg gekauft. Barocke Dorfkirche, 1693 bis 1695 erbaut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weidling==&lt;br /&gt;
1783 von der Stiftspfarre Klosterneuburg abgetrennt und dem Stift übergeben. Gotische Dorfkirche, 1403 bis 1407 erbaut, mit barockem Turm und späterer Einrichtung. Filialkirche Mariae Namen in Weidlingbach, erbaut 1931 bis 1932 von Joseph Schömer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Wolfgang_Eduard_Pauker&amp;diff=10808</id>
		<title>Wolfgang Eduard Pauker</title>
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		<updated>2023-10-12T09:11:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Mitgliedschaften und Ehrungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Person&lt;br /&gt;
|Name=Wolfgang Eduard Pauker&lt;br /&gt;
|Geschlecht=männlich&lt;br /&gt;
|Geburtsdatum=1867-12-14&lt;br /&gt;
|Geburtsort=Tracht/Strachotín (Mähren)&lt;br /&gt;
|Einkleidung=1886-09-19&lt;br /&gt;
|Profess=1890-10-05&lt;br /&gt;
|Primiz=1891-07-30&lt;br /&gt;
|Sterbedatum=1950-01-09&lt;br /&gt;
|Sterbeort=Klosterneuburg (Niederösterreich)&lt;br /&gt;
|Institution=Stift Klosterneuburg&lt;br /&gt;
|Funktion=Chorherr&lt;br /&gt;
|GND=http://d-nb.info/gnd/142475955&lt;br /&gt;
|Quelle=[[Berthold Otto Černík]]: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905, S. 270–271. [https://archive.org/details/dieschriftstell00mittgoog/page/n291/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nekrolog der Österreichischen Kongregation der Lateranensischen Augustinerchorherren 1907-1957. Hg. im Auftrag von [[Gebhard Koberger]], S. 22.&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Wolfgang Pauker.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Wolfgang Pauker (1900), &amp;lt;br /&amp;gt;Stiftsbibliothek Klosterneuburg, Fotosammlung&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Dr. Wolfgang Eduard Pauker, * 14. Dezember 1867 in Tracht/Strachotín (Mähren), &amp;amp;dagger; 9. Jänner 1950 in Klosterneuburg (Niederösterreich), war Schatzmeister, Jubilarpriester, Kunsthistoriker, Doktor der Philosophie und Chorherr des [[Stift Klosterneuburg|Stiftes Klosterneuburg]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Klostereintritt und Ausbildung===&lt;br /&gt;
Pauker besuchte in seinem Heimatort Tracht die Volksschule und anschließend das k.k. Staatsgymnasium in Nikolsburg, wo er am 7. Juli 1886 die Matura ablegte. Am 19. September 1886 wurde er, nachdem die Bewerbung für den Eintritt in eine Benediktinerkloster scheiterte, Novize des Stiftes Klosterneuburg. Pauker studierte zugleich an der theologischen Hauslehranstalt, legte am 5. Oktober 1890 die feierlichen Gelübde ab und zelebrierte am 30. Juli 1891 sein erstes heiliges Messopfer. Er wirkte danach als Kaplan in [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Heiligenstadt|Heiligenstadt]] dann in [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Floridsdorf|Floridsdorf]] und von 1897 bis 1902 in [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Maria Hietzing|Maria Hietzing]] im 13. Wiener Gemeindebezirk, wo er zugleich am k. k. Staatsgymnasium eine Stelle als Religionslehrer bekleidete. Am 19. März 1896 promovierte er an der Universität in Wien zum Doktor der Philosophie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Tätigkeiten im Stift und als Lehrer===&lt;br /&gt;
1902 kehrte er in das Stift Klosterneuburg zurück und wurde als Religionsprofessor am Landesrealgymnasium und an der k. k. höheren Lehranstalt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg eingesetzt. Nach zehnjähriger Lehrtätigkeit wurde er im September 1912 zum Kustos der Stiftskirche und der stiftlichen Sammlungen sowie zum Schatzmeister des Stiftes ernannt. Neben diesen Ämtern wurde er im Jänner 1913 stiftlicher Gastmeister, was er bis August 1928 blieb. Von September bis Dezember 1919 war Pauker außerdem Honorardozent für Liturgik an der Kunstgewerbeschule in Wien, die dem k. k. Österreichischen Museum für Kunst und Industrie (heute: Museum für Angewandte Kunst) angehörte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hatte Pauker bereits in seiner Zeit als Kaplan in Maria Hietzing für die dortigen Kunstschätze ein Museum eingerichtet, engagierte er sich auch im Stift Klosterneuburg mit einer Neuaufstellung der Sammlungen des Museums, das im September 1922 eröffnet werden konnte. In den Folgejahren konnte Pauker umfangreiche Neuerwerbungen, u. a. von Münzen, Medaillen und Plaketten, tätigen und unterhielt engen Kontakt zu einer Vielzahl damals bekannter Kunstmäzene, Maler, Literaten und Schauspieler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Mitgliedschaften und Ehrungen===&lt;br /&gt;
Wolfgang Pauker war zudem ab 1899 korrespondierendes Mitglied der k. k. Zentralkommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale und schrieb zahlreiche Beiträge in den ''Blättern für Kanzelberedsamkeit''. 1907 wurde Pauker zum korrespondierenden Mitglied des Vereins für Landeskunde in Niederösterreich ernannt, und 1908 wurde er zum ehrenamtlichen Konservator der k. k. Zentralkommission für den politischen Bezirk Tulln ernannt. Letztere Position hatte er bis zum Jahr 1940 inne. Am 3. März 1929 wurde Pauker zum Ehrenbürger von Klosterneuburg ernannt. Das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich erhielt er am 25. November 1933 vom damaligen Unterrichtsminister Emmerich Czermak (1885–1965). Ein Jahr später erfolgte die Ernennung zum Ehrenkanonikus des Domkapitels Olmütz, und im Dezember 1935 wurde er zum erbischöflichen Rat in Wien ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pauker starb am 9. Jänner 1950 in Klosterneuburg.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werke==&lt;br /&gt;
* Die Roesnerkinder. Ein Stück Kunst- und Kulturgeschichte aus der Alt-Wiener Zeit an der Hand von Briefen, Tagebiuchnotizen und sonstigen Aufzeichnungen. Wien / Leipzig 1915.&lt;br /&gt;
* Regesten zur Geschichte von Hietzing. Separatabdruck aus dem &amp;quot;Vaterland&amp;quot;. Wien 1898.&lt;br /&gt;
* Die Pfarrkirche von Hietzing. Separatabdruck aus der Zeitschrift &amp;quot;Alt-Wien&amp;quot;. Wien 1899.&lt;br /&gt;
* Predigt zur Primizfeier des Hochwürdigen neugeweihten Priesters und reg. Lat. Chorherren [[Engelbert Frodl]]. Klosterneuburg 1902.&lt;br /&gt;
* Der marianische Bildercyklus des Stiftes Klosterneuburg. Eine ikonographische Studie. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereines in Wien 35 (1900), S. 1–32.&lt;br /&gt;
* Gesangbuch zum Gebrauche beim kathol. Gottesdienste an Mittelschulen. Wien 1902.&lt;br /&gt;
* Lehrbuch der katholischen Liturgik für österreichische Mittelschulen. Wien 1905.&lt;br /&gt;
* Lehrbuch der Offenbarungsgeschichte des Alten Bundes für österreichische Mittelschulen. Wien 1905.&lt;br /&gt;
* Beiträge zur Baugeschichte des Stiftes Klosterneuburg. 2 Bände. Wien / Leipzig 1907–1908.&lt;br /&gt;
* Wagner Ferdinand – Erzählungen aus der Wiener Kirchengeschichte. Wien 1922.&lt;br /&gt;
* Beiträge zur Orts- und Pfarrgeschichte von Hietzing. In: Unsere Heimat. Zeitschrift für Landeskunde von Niederösterreich 2 (1929), S. 83–95.&lt;br /&gt;
* Gemeinsam mit [[Karl Drexler]]: Klosterneuburg. In: Topographie von Niederösterreich. Alphabetische Reihenfolge der Schilderung der Ortschaften in Niederösterreich. Teilband 5. Hg. von Max Vansca. Wien 1898, S. 193–266.&lt;br /&gt;
* Lenaus Freundin Nanette Wolf in Gmunden. Wien / Leipzig 1923.&lt;br /&gt;
* Gemeinsam mit Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut im Stifte Klosterneuburg. Historisch und kunsthistorisch betrachtet. Klosterneuburg 1933.&lt;br /&gt;
* Führer durch die Sehenswürdigkeiten des Stiftes Klosterneuburg. Klosterneuburg 1933.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen im Stiftsarchiv Klosterneuburg==&lt;br /&gt;
* Nachlass Wolfgang Pauker&lt;br /&gt;
** Karton [K.] IX: Erinnerungen aus meinem Leben (maschinschriftlicher Text von 1916)&lt;br /&gt;
** K. I–IV: Korrespondenz&lt;br /&gt;
** K. VIII: Libri Intentionum&lt;br /&gt;
** K. I Tagebuch aus Hietzing&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Murray G. Hall / Gerhard Renner: Handbuch der Nachlässe und Sammlungen österreichischer Autoren. Wien / Köln / Weimar 1995 (2. Auflage), S. 250.&lt;br /&gt;
* Edith Specht: Dr. Wolfgang Pauker. Chorherr, Freund und Förderer der Künste. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 22 (2015), S. 7–86.&lt;br /&gt;
* Reinhard Steiner: Egon Schiele, 1890–1918. The Midnight Soul of the Artist. Köln 2004, S. 22.&lt;br /&gt;
* Gertraud Womacka: Dr. Wolfgang Eduard Heinrich Pauker. Eine Lebensbeschreibung. Maschinschriftl. Diss. Univ. Wien. Wien 1966.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Dissertation wurde abgeschlossen, aber nicht formal eingereicht. Als Betreuer fungierte Alphons Lhotsky, dessen Onkel und Taufpate der Chorherr Alphons Josef Lhotsky (1867–1967) und damit ein Mitbruder Paukers war. Siehe dazu ferner: Specht, Dr. Wolfgang Pauker, S. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren in Mähren]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stift Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kunstgeschichte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Schatzmeister]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Jubilarpriester]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kaplan]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religionslehrer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Doktor (Philosophie)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kustos]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gastmeister]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Universität Wien]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erzbischöflicher Rat]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Ernest_Sauer&amp;diff=10807</id>
		<title>Ernest Sauer</title>
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		<updated>2023-09-27T06:46:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Werke */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Person&lt;br /&gt;
|Name=Ernest Sauer&lt;br /&gt;
|Geschlecht=männlich&lt;br /&gt;
|Geburtsort=Wien&lt;br /&gt;
|Institution=Stift Klosterneuburg&lt;br /&gt;
|Funktion=Chorherr&lt;br /&gt;
|GND=http://d-nb.info/gnd/103117725&lt;br /&gt;
|Quelle=[[Berthold Otto Černík]]: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905, S. 211. [https://archive.org/details/dieschriftstell00mittgoog/page/n231/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Ernest Sauer, * 1631 in Wien, war Chorherr des [[Stift Klosterneuburg|Stiftes Klosterneuburg]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
Sauer wurde im Jahr 1649 im Stift Klosterneuburg in den Orden der Augustiner Chorherren aufgenommen. Das Jahr darauf, im Alter von 19 Jahren, legte er die feierlichen Gelübde ab und 1655 empfing er die Priesterweihe. Seit 1658 versah er die Seelsorge in der Stiftspfarre in [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Kierling|Kierling]]. Als ihn bald darauf Propst [[Bernhard II. Schmeddingh|Bernhard II.]] in eines der von ihm geleiteten böhmischen Augustiner Chorherrenstifte, [[Stift Wittingau/Třeboň|Stift Wittingau]] (Třeboň) und [[Stift Forbes/Borovany|Stift Forbes]] (Borovany), schicken wollte, weigerte er sich, nach Böhmen zu gehen. Er begab sich allerdings 1660 als Pönitentiar an die Wallfahrtskirche [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Maria Hietzing|Maria Hietzing]]. Später suchte er die Bewilligung zum Austritt aus dem Stift Klosterneuburg zu erlangen, dieser wurde ihm jedoch nicht gestattet. Das ist wohl der Grund, weshalb er im Jahr 1663 gänzlich verscholl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werke==&lt;br /&gt;
* Maria Hiezingensis, seu miraculorum multitudo famosissimae imaginis Hiezingensis beatae et gloriosae Virginis Mariae. Viennae 1662. [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN791933113 (Digitalisat)] – Im Jahr 1717 wurde das ins Deutsche übersetzt und erneut aufgelegt.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe dazu die Auflistung bei Johann Paul Kaltenbaeck: Die Mariensagen in Österreich. Wien 1845, S. 357. [https://books.google.at/books?id=nQOzL0b-e0UC&amp;amp;dq=maria%20hietzing%20ernest%20sauer&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA357#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Stefan Benz: Zwischen Tradition und Kritik. Katholische Geschichtsschreibung im barocken Heiligen Römischen Reich. Husum 2003, S. 660.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren in Wien]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stift Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stift Forbes/Borovany]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stift Wittingau/Třeboň]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Pönitentiar]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Eberndorf&amp;diff=10806</id>
		<title>Stift Eberndorf</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Eberndorf&amp;diff=10806"/>
		<updated>2023-09-21T09:47:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Gedruckte Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift Eberndorf.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Ebernorf, Kupferstich (1681) von Johann Weikhard von Valvasor&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das spätmittelalterliche Nekrologium des Stiftes Eberndorf nennt zum 16. Mai „''Achacius comesfundator huius monasterii, Chunigundis vxor sua''“, wobei über dem Namen Achacius von anderer (späterer) Hand „''Gatzelinus''&amp;quot; geschrieben wurde. An diesem Tag beging man im Stift den Jahrtag dieses und aller anderen Stifter mit einergetreidespende an die Armen, eines „Schinkens&amp;quot; und einer Urne Wein.&lt;br /&gt;
Bei „''Achacius''&amp;quot; handelte es sich um den in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts in Friaul begüterten Graf Chazil, in der Literatur als Graf in Friaul, von Eberndorf und von Moggio bezeichnet. Chazil bzw. Kazelin ist die Kurzform von Kadalhoch, eines Namens, der in der Nachkommenschaft desgrafen Otakar (von Leoben, in Karantanien, 904) üblich war. Als Patriarch Sighard von Aquileja 1072 die Abtei Michaelbeuern bei Salzburg erneuerte, befand sich in seinem Gefolge auch sein Vasall Chazilide Mvosiza (= Moggio in Friaul). Der Patriarch und Kazelin waren miteinander entfernt verwandt. Kazelin war ein Urenkel Aribos und seiner Frau Adala (Adula), der Stifter von Göss, der Patriarch aber nach Heinrich Dopsch (1991) ein Enkel Adulas aus ihrer zweiten Ehe (diese von Plank 1981 bestritten). Diese Verwandtschaft und das Vasallenverhältnis Chazelins zu Aqileja bedingten enge Beziehungen zum Patriarchat. Aus ihnen erflossen nach Kazelins Tod zwei Klostergründungen.&lt;br /&gt;
Da Kazelin kinderlos war - seine Gemahlin Kunigunde wird nur im Eberndorfer Nekrolog aus dem späten 15. Jahrhundert genannt - und auch der Letzte seiner Linie, übergab er um 1085 dem Patriarchen Friedrich II. von Aquileja (1084-1086) Eigengüter in Friaul, vor allem um Moggio an der Fella, zur Stiftung eines Klosters. Diese Dotation verwendete Patriarch Ulrich I. (1086 - 1121) zur Errichtung der Benediktinerabtei Moggio, deren Kirche 1119 geweiht wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kazelin hatte aber vor seinem Tod auch seinen in Unterkärnten gelegenen Allodbesitz der Kirche von Aquileja mit der Bedingung überantwortet, ''dass durch die an dem Ort, wo er begraben würde, lebenden Brüder immerfort mit gebeten gott gedient werde.'' Kazelin starb im oder bald nach dem Jahr 1090 und wurde zuerst in Gösseling (nicht Gösselsdorf bei Eberndorf), unmittelbar bei St. Georgen am Längsee in Kärnten, wo 1002 - 1018 Adalas Schwester Wichburg ein Nonnenklostergestiftet hatte, begraben.	&lt;br /&gt;
Weil Gösseling im Bereich der Erzdiözese Salzburg lag, ordnete Patriarch Ulrich die Überführung des Leichnams Kazelins in die Kirche „''sanctae Mariae Jun in Dobrendorf''“&lt;br /&gt;
(= Eberndorf), die im Diözesansprengel des Patriarchats und auf Kazelins Eigengut lag, an und veranlasste deren Erweiterung. Die angebliche Anwesenheit von drei Suffraganbischöfen Aquilejas (Erhard von Pola, Riwin von Concorda, Hartwig von Triest) bei der Überführung und endgültigen Grablegung Kazelins fällt auf. Kurz vor 1106 soll Bischof Riwin von Concordia im Auftrag des Patriarchen die neue Kirche in Eberndorf geweiht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1106 kam Patriarch Ulrich I. persönlich nach Eberndorf und stellte dort eine Urkunde aus, durch die er dem Gotteshaus und den bereits am Ort lebenden Kanonikern zu ihrem Unterhalt folgende Güter, Einkünfte und Kirchen übertrug : die Dörfergösseling (Goztelich), Eberndorf (Dobrendorf) und was Graf Kazelin in Köcking (Coken), Pribelsdorf (Prilep),gablern (Gablarn, alle drei bei Eberndorf) und anderen Dörfern besaß, die Hügel Kolm (Chulm), Krugl (Chrugel), auf dem das Stift liegt, und Unarach (Vnistiz) bei Eberndorf. Die Wälder mit Jagd- und Fischrechten zwischen dem Jaunberg (Jvnberch, jetzt Hemmaberg bei Jaunstein) und Zelach (Seelach bei St. Kanzian oder Sielach bei Sittersdorf?) und die Zehente zu Windischgraz/Slov.gradec (Graz) und Eberndorf (Ivn) samt den vier Pfarren (plebibus) und ihren Zehenten in Rosegg (im Rosental, Ras), St. Kanzian, St. Michael in Bleiburg und Windischgraz (Graz, eigentlich [[Liste der Pfarren des Stiftes Eberndorf #St.Pankraz in Altenmarkt bei Windischgraz|St. Pankraz in Altenmarkt]]).&lt;br /&gt;
Diese „Stiftungsurkunde&amp;quot; von 1106 Eberndorf (eine genauere Datumsangabe fehlt) ist nur als „Innovation&amp;quot; vom Jahre 1226 erhalten. An ihr hängt aber ein Siegel Patriarch Ulrichs I. (1086-1121), das an der Originalurkunde, nach der Sitte der Zeit, aufgedrückt gewesen wäre. Dieses Siegel ist übrigens das älteste authentische eines Patriarchen von Aquileja. Reinhard Härtel (dem ich hier für vielfache Hinweise aufrichtig danke)gab zu bedenken, dass es heute von Patriarch Ulrich I. keine einzige authentische Urkunde gibt.&lt;br /&gt;
1154 bestätigte der Patriarch Pellegrino I. nach Errichtung des Augustiner-Chorherrenstiftes bei der Pfarre Eberndorf den dem Kloster zugewiesenen Besitz. Als solcher wird genannt: Die Pfarre Eberndorf samt Zehenten und sechs Kapellen, die Pfarre Leifling mit zwei Kapellen, ein Teil Zehent in der Pfarre Skalis bei Schönstein in der Untersteiermark und die Kapelle St. Georgen am Georgiberg bei Eberndorf. Die angeblich schon 1106 inkorporierten großen Pfarren St. Michael in Rosegg, St. Kanzian, St. Michael in Bleiburg und Graz werden 1154 nicht erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die Urkunde von 1106 angeblich in Eberndorf ausgestellt wurde, nennt sie als Zeugen der Rechtshandlung weder einen höheren oder niederen Geistlichen in der Begleitung des Patriarchen, noch den ersten Propst - nach Marian hätte es der von ihm zu 1111 genannte Hartwig (im Nekrolog von Eberndorf zum 3. August eingetragen) sein können - oder einen der Kanoniker. Auch die weltliche Zeugenreihe beinhaltet nur Vornamen, was R. Härtel jedoch als Kriterium der Echtheit der Urkunde ansieht. Auch die zum Schluss der Urkunde ausgesprochene ''Commina cio spiritualis'' ist damals nicht unüblich gewesen und findet sich auch in anderen Urkunden dieser Zeit. In der päpstlichen Bestätigung für den Patriarchen Pellegrino I. von 1132 fehlt Eberndorf richtigerweise unter den zum Patriarchat gehörigen Klöstern, weil es einerseits immer im Herzogtum Kärnten lag, andererseits noch nicht als reguliertes Stift existiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1106 hört man fast fünfzig Jahre überhaupt nichts von Eberndorf. Erst 1149, 1151 und 1152 erscheint in „''Leoprepositus Iunensis''“ der erste auch durch Urkunden nachweisbare Vorsteher einer Priesterkommunität in Eberndorf. Dies hat W. Fresacher, J. Rainer, E. Webernig und andere bewogen, die Errichtung des Augustiner-Chorherren Klosters zwischen 1149 und 1154 anzusetzen. 1154, unter Leos Nachfolger Roman, war sie durch die Einführung der Augustinerregel für die Kanoniker seitens des Patriarchen Pellegrino I. bereits vollzogen und 1177 wird Eberndorf erstmals als Kloster aquilejischer Jurisdiktion bezeichnet.&lt;br /&gt;
Auffallend ist, dass Patriarch Ulrich I. die Gründung Eberndorfs als Säkularstift schon 1106 ins Werk setzte, während er sich bei Moggio länger Zeit ließ, dessen Gründung erst 1119 zum Abschluss kam. R. Härtel hat in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass Ulrich I. der letzte seines Hauses (Eppenstein) war. Deshalb und seines zuletzt hohen Alters wegen könnte sein Interesse an der weiteren Verfügung über die Güter Kazelins erlahmt sein. Andererseits konnte er auch ohne größere Bedenken aus Eigenem für Klostergründungengeben. Wegen der Übergabe der Güter Kazelins und der Inkorporation der vier Pfarren wurde Ulrich im Ebendorfer Nekrolog als „Stifter&amp;quot; eingetragen. Ein besonderer Freund der regulierten Chorherren scheint er aber nicht gewesen zu sein, hat er doch das nach der Augustinerregel lebende Kloster Rosazzo im Patriarchat Aquileja um 1090 in ein Benediktinerkloster umgewandelt, das der Hirsauer Reformbewegung nahestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die besondere Stellung Ulrichs I. (Alter, Letzter seines Hauses) könnte - nach Meinung Härtels - auch dafür verantwortlich sein, dass für beide Klöster aus ihrer Gründungszeit heute so wenig schriftliches Material vorhanden ist, vielmehr erst Patriarch Pellegrino I. die Verhältnisse sowohl in Moggio als auch in Eberndorf stabilisiert bzw. geordnet hat. Es herrscht die Meinung vor, Eberndorf sei die letzte Stiftsgründung in Kärnten gewesen, die in einen unmittelbaren Zusammenhang mit der von Salzburg getragenen Reformbewegung in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts gebracht werden könne.&lt;br /&gt;
Denn die Chorherren waren, zum Unterschied von den Mönchen, auch in der Seelsorge tätig. Und um diese ist es Patriarch Pellegrino I. wohlgegangen. Erzbischof Konrad I. von Salzburg (1106-1147) führte die Augustinerregel in den Dom stiften Salzburg und Gurk ein und errichtete eine stattliche Zahl von Chorherrenstiften in seiner Diözese. Eberndorf wird mit den Stiften [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (Oberösterreich) und [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] (Niederösterreich) als zur Salzburger Observanz gehörig bezeichnet.&lt;br /&gt;
Die Frage nach der Herkunft der Chorherren des Jahres 1154 ist momentan nicht zu beantworten. Im Falle einer „Umwandlung&amp;quot; des Säkularstiftes in ein reguliertes, erübrigt sich die Frage weitgehend. Die Meinung, es könnten (auch) Kanoniker aus dem oberbayrischen Kloster Rottenbuch nach Eberndorf gekommen sein, wurde widerlegt und statt diesem der eben erwähnte Salzburger Reformkreis in Vorschlag gebracht. Trotzdem gab es schon um 1170 enge Beziehungen zwischen Eberndorf und Rottenbuch, weil damals ein und derselbe Propst beiden Klöstern vorstand.&lt;br /&gt;
Vogtei und Blutgericht über Eberndorf lagen ursprünglich bei den Herren von Trixen, dann wurde die Blutgerichtsbarkeit von den Herrschaften Sonnegg bzw. Rechberg als Sitze des Landgerichts Jauntal, seit 1454 aber vom herzoglichen Landgericht Stein im Jauntal ausgeübt. Die Niederegerichtsbarkeit über die Bewohner im Burgfried Eberndorf und über die stiftischen Untertanen hatte der Propst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kapitel von Eberndorf hatte das Recht, seine Pröpste aus seiner Mitte zu wählen, dem Patriarchat blieb als Ordinarius das Bestätigungsrecht. Unter dem bedeutendsten Propst des frühen Mittelalters Otto (II.) erreichten die Beziehungen zu Aguileja geradezu familiären Charakter. Otto, Propst des Reformklosters [[Stift Rottenbuch|Rottenbuch]] am Ammersee (dort 1144 zur Regierung gekommen), war eingeborener Graf von Falkenstein, Bruder des Abtes Rupert von Tegernsee (1156–1186) und hatte einen dritten Bruder Gebhard von Sanegg, der die Schwester des Patriarchen Ulrich II. Graf von Treffen (1161–1182) geheiratet hatte. Wohl deshalb wurde Propst [[Otto (Stift Eberndorf)|Otto]] 1173 (oder kurz davor) auch Propst von Eberndorf, dessen zusätzliche Einkünfte Otto für seine vom Patriarchen gewünschte Mitarbeit beweglicher machen und das Kloster Rottenbuch finanziell entlasten sollten. Aus den Jahren 1177 bis 1179 existiert ein Briefwechsel zwischen Otto, seinem Bruder Abt Rupert, dem Patriarchen und anderen Prälaten. Dieser zeigt Otto im aufreibenden Dienst beim Patriarchen, mit dem er sich in Venedig beim Friedensschluss zwischen Papst und Kaiser (1177) aufhielt. Er gehörte in den Auseinandersetzungen Kaiser Friedrichs I. Barbarossa mit Papst Alexander III. der päpstlichen Partei, das heißt der streng kirchlichen Richtung an und hatte deshalb manche Verfolgung von Seiten Welfs von Bayern zu ertragen. Aber selbst die Mittel aus zwei Propsteien scheinen für Otto nicht ausgereicht zu haben, um den Aufträgen des Patriarchen nachkommen. Der Propst beklagte sich beim Archidiakon von Villach darüber, dass er sich nicht einmal neue Kleider leisten könne, denn er musste häufig zwischen Rottenbuch, Eberndorf und Aguileja pendeln.&lt;br /&gt;
Eine Familienaffäre brachte Propst Otto sogar in Gegensatz zum Patriarchen. Herrand von Wildon, der schon mit Graf Wilhelm von Heunburg zwei Töchter Leutolds von Gutenberg-Waldstein entführt hatte, um für sich und seinen Freund zu reichen Bräuten zu kommen, entführte – diesmal nicht für sich – die minderjährige Tochter des inzwischen verstorbenen Gebhard von Sanegg. Die Mutter des Mädchens war damit einverstanden, denn sie wollte ihre beiden Kinder, die Tochter und deren Bruder, an nicht standesgemäße Partner verheiraten, um ihnen nicht das ganze elterliche Erbe als Mitgiftgeben zu müssen. Den größten Teil des Erbes gedachte sie dem Patriarchat Aquileia zuhanden ihres Bruders, des Patriarchen, zuzuwenden. Propst Otto gelang es, mit Unterstützung seines äbtlichen Bruders, den Knaben unter seine Obhut zu bringen und ihm nach langen Verhandlungen sein reiches väterliches Erbe gegen die Absichten der Mutter und des Patriarchen zu sichern. Der Knabe wurde dadurch der Stammvater der späteren Grafen von Cilli.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang des 13. Jahrhunderts bestanden auch Beziehungen zwischen Eberndorf und der Kanonie Reichersberg am Inn. Dort resignierte 1206 Propst [[Leonhard I.|Leonhard]]. Er verließ in diesem Jahr sein Kloster, nachdem er den dortigen Kanonikern noch einige Wohltaten erwiesen hatte, und wandte sich nach Eberndorf, wo er sofort zum Propst gewählt wurde. Auch hier wirkte er für seine neuen Mitbrüder segensreich. Auf ihn ging die Widmung der Einkünfte von 20 Huben zur Kleiderkammer der Chorherren zurück.&lt;br /&gt;
Das 14. und 15. Jahrhundert war auch für Eberndorf die große Zeit der Jahrtagsstiftungen. Die Schenkungen aus diesem Titel bedeuteten für die Propstei einen respektablen Besitzzuwachs. 1312 errichtete der Burgherr von Sonnegg im Jauntal eine große Stiftung, die von zwölf Priestern bedient werden sollte und gab dafür sechs Huben. Ob das Stift damals so viele Priesterkanoniker hatte ist unbekannt. Die zwölf Messen dürften wohl auch von den Säkularpriestern, die zum Jahrtag ins Stiftgeholt wurden, gelesen worden sein. Die Sonnegg–Stiftung wurde in der Folge noch erweitert, doch kam Ebendorf nicht sofort in den Besitz der Liegenschaften, denn diese wurden von späteren Burgbesitzern widerrechtlich zurückbehalten und erst 1394 den Stift eingeantwortet. 1313 verlieh Graf Heinrich von Görz-Tirol dem Stift Lehenhuben in Grabelsdorf bei Ebendorf, damit der Konvent für ihn und seine Vorfahren bete. Auch mehrere Mitglieder der im Jauntal ansässigen ritterlichen Familie der Christendorfer errichteten in dieser Zeit Messstiftungen. größere Jahrtagsstifungen gingen auf Wulfing von Sunneck (1344), die adeligen Schrampf (1501), den Kardinalbischof von Santa Sabina oder den Bischof Warunensis de Pruscia zurück. 1330 errichtete Patriarch Paganus für sich eine Jahrtagsstiftung in Eberndorf und gab dazu einen Weingarten bei Sittersdorf. 1362 erfolgte die Jahrtagsstiftung des Dechants Jacob von Eberndorf. Eine letzte Stiftung machte noch kurz vor der Reformation Martin Luthers der vermögende Propst Valentin Fabri 1508.&lt;br /&gt;
Durch die Munifizenz des Patriarchen Bertold (1218–1251) besaß Eberndorf schon früh auch eine Spitalstiftung. 1397 erlaubte der Patriarch der Propstei, die Stiftung von einem Kanoniker verwalten zu lassen. Sie überlebte nicht nur die Aufhebung des Stiftes, sondern auch die des Jesuitenordens und existierte noch im 20. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformbestrebungen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hatte schon früher (1309) der Patriarch in das geistliche Leben der Kanonie Eberndorf eingegriffen, gab der Klerus in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, nicht nur in der Diözese Aquileja, Anlass zu herber Kritik. Der Patriarch schickte Visitatoren auch nach Eberndorf. Diese fanden am 10. Oktober 1475 die dortigen Verhältnisse ziemlich liederlich. Unpassende Kleidung, intime Beziehungen zu Frauen und regelwidriges Leben waren die Hauptvorwürfe. Man schärfte Propst und Kapitel die schon früher ergangenen Reformvorschriften erneut ein. Bald danach wurde Leonhard von Keutschach zum Propst gewählt. Er hatte sich vordringlich um die Sicherheit der Propstei in den Auseinandersetzungen Kaiser Friedrichs III. mit den ins Land eingedrungenen Truppen des Ungarnkönigs Matthias Corvinus zu kümmern. Als Keutschach 1490 zum Dom Propst von Salzburg gewählt wurde, behielt er Eberndorf noch drei Jahre lang als Kommende bei. Schließlich wurde er Erzbischof von Salzburg, wo sein Andenken mit dem Ausbau der Festung Hohensalzburg verknüpft ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1497 kam ein Mann zur Propstwürde, der als typischer Vertreter des höher en Klerus am Vorabend der Reformation erscheint: [[Valentin Fabri]]. Er stammte aus Ponigl in der Untersteiermark, war als Säkularpriester 1478 schon Vikar, drei Jahre später ordentlicher Pfarrer von Gonobitz/Konjice. Im nächsten Jahr wurde er Statthalter des Patriarchats, dann Vizearchidiakon und 1486 Archidiakon von Saunien. &lt;br /&gt;
Im März resignierte Propst [[Andreas Erlpacher|Erlpacher]] und Fabri wurde von den Kanonikern dem Patriarchen als Propst präsentiert und auch bestätigt. 1498 nannte er sich Propst von Eberndorf, Archidiakon im Jaun- und Sanntal, ewiger Kommendator der Pfarren St. Georg in Gonobitz und St. Nikolaus in Saldenhofen/Vuzenica. 1487 bereiste der Bischof von Caorle im Auftrag des Patriarchen den Archidiakonatsdistrikt Saunien und traf mehrmals mit dem Archidiakon Fabri zusammen. Paolo Santonino beschreibt Fabri als an Körpermaß und Tugend wahrlich großen Mann, der in Gonobitz einen Haushalt mit 43 Personen (darunter neungeistliche) führte und acht Pferde unterhielt. Die Gastmähler, die Fabri der Reisegesellschaft gab, waren eines Kardinals würdig. Die Pfarre Gonobitz hatte 25 Filialkirchen, fetteste Einkünfte und warf ihrem Inhaber im Jahr 200 Dukaten ab. Kein Wunder, dass die Eberndorfer Chorherren Fabri als Propst wünschten, denn sie erhofften sich von ihm wirtschaftliche Vorteile für ihr Stift. Eine Ebendorfer Inschrift von 1506 nennt ihn ''prepositus et reformator'' des Klosters. Fabri residierte abwechselnd in Eberndorf und Gonobitz, wo er an der Beulenpest starb und eingrabmal erhielt. Dessen Inschrift lautete:&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;''Hoc sub signo requiescat in Pace Rev. Pater Valentinus Fabri honorandusque praepositus in Aberdorfiis et huius ecclesiae plebanus et reformator et archidiaconus Sauniae. Obiit bubonnibus anno Domini 1505''&amp;quot;. &amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seiner Todeskrankheit wegen wollte man Fabri nicht nach Ebendorf überführen, was aber Jahre später von Aquileja aus angeordnet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 16. Jahrhundert - das Völkermarkter Bistumsprojekt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es hätte mehrere Pröpste wie Valentin Fabri bedurft, um Eberndorf durch die schweren Zeiten des 16. Jahrhunderts zu führen. 1529 musste das Stift ein Viertel seines Grundbesitzes König Ferdinand I. als Subsidium zum Türkenkrieg opfern. Einiges konnte das Stift in bar ablösen, trotzdem war der Verlust so vieler Güter und ihrer Einkünfte empfindlich und eigentlich der Anfang vom Ende des Klosters. Hausgemacht war die Misswirtschaft, die man Propstes [[Lucas Mayr]] von Seiten des Stiftes wie der Regierung vorwarf. Sie endete 1573 mit seiner Absetzung. Mayr hatte mit seiner Haushälterin einige Kinder gezeugt, denen er in Bleiburg Haus und Grund kaufte. Dar auf angesprochen antwortete er lapidar, er habe sich das Geld noch als Pfarrer von Sittersdorf verdient. Vom Regularleben hielten er und etliche Chorherren nichts mehr. Diese Zeit ist die&amp;quot; protestantische Phase&amp;quot; des Stiftes. 1569 forderte Erzherzog Karl den Propst auf, den von ihm verlangten Bericht über die Profanierung und Einziehung der Benefizien und geistlichen Güter, deren sich vor allem die evangelischen Ungnad als Schlossherrn von Sonnegg schuldig gemacht hatten, unverzüglich nach Graz einzuschicken.&lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes [[Bartholomäus Kranich]] (1583) war die Administration der wirtschaftlichen und geistlichen Agenden Eberndorfs nicht mehr zu umgehen. Die ökonomischen Verhältnisse waren so desolat, dass ab 1588 der Bischof von Laibach (vertreten durch einen Stiftsökonomen) die Stiftswirtschaft sechs Jahre hindurchführte, ohne deren Gesundung zu erreichen. In dieser Zeit verfiel das Stift auch personell zunehmend. Die miserablen Zustände lenkt en die Aufmerksamkeit des Grazer Hofes auf die Propstei. Mitte Februar 1587 richtete Erzherzog Karl an den Papst ein Schreiben mit der Bitte, an der Kollegiat- und Pfarr Kirche Völkermarkt in Kärnten einen Bischofsitz zu errichten und dem Bistum alle Pfarren und Filialkirchen des Kollegiatstiftes von der Erzdiözese Salzburg sowie auch die dem Patriarchat Aquileja unterstehenden Kärntner Pfarren von ihren Bistümern abzutrennen und dem neuen Bistum zuzuweisen. Als Dotation der bischöflichen Mensa sollte das schlecht verwaltete Stift Eberndorf verwendet werden. Als Gründe für die Bistumserrichtung wurden gegenreformatorische Erwägungen genannt. Doch gab es 1588 im Ort Eberndorf selbst angeblich nur drei Lutheraner. Der Heilige Stuhl war diesem Plan nicht abgeneigt und ordnete einen Informationsprozess an, der im August 1588 begann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Zeugen wurden der Propst von Völkermarkt und zwei Eberndorfer Chorherren einvernommen. Der eine von ihnen war der ehemalige Propst [[Matthäus Scharrer]], der andere der Chorherr und Pfarrer von Gutenstein. Beide bekannten, häufig bis öfter zu beichten und fast täglich bis häufig zu zelebrieren. Das Land habe in den vergangenen Jahren durch die Pest furchtbaren Schaden erlitten, der noch immer spürbar sei. Die Bevölkerung sei fast ganz lutherisch. Die Zahl der dem Stift inkorporierten Pfarren wurde (ohne die Stiftspfarre) mit zwölf angegeben, wozu noch zwei Benefizien kamen. Das Leben der Chorherren nannte der Expropst skandalös, sie seien eher Kaufleute als Religiosen, eine Reform daher dringend erforderlich. Im Jahr darauf (1589) wurde der Administrator in temporalibus Peter Crobat, 29 Jahre alt, zur wirtschaftlichen Lage befragt. Er wusste nicht, wer gerade Propst und Dechant in Eberndorf war, konnte aber detaillierte Angaben zu den Einkünften des Klosters machen. Nach seinen und des Expropstes Angaben waren sie beträchtlich, doch standen ihnen hohe Schuldengegenüber. Das günstige Gutachten der Kommission führte Ende Februar zum formellen Antrag des Grazer Hofes in Rom zur Errichtung des Bistums. Nur der im Juli eingetretener Tod des Erzherzogs verhinderte die Ausführung des Plans. Andernfalls wäre Eberndorf bereits damals untergegangen. Die Ruhe war aber nur von kurzer Dauer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftlicher und personeller Niedergang===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der immer deutlicher zu Tage tretende Verfall in der Wirtschaft des Klosters und der Disziplin der Chorherren rief den Patriarchen auf den Plan. Er wollte dem Stift helfen und sandte den Bischof von Triest nach Eberndorf, um die Situation festzustellen (13. April 1590). Der unfähige Propst wurde zur Abdankung veranlasst und der Kapitular [[Zacharias Fladnitzer]] in Anwesenheit eines aquileischen Provikars gewählt, von der Regierung aber nicht bestätigt, weil die landesfürstlichen Kommissäre nicht zur Wahl beigezogen worden waren. Kanonisch war Fladnitzers Wahl rechtmäßig, trotzdem musste er sich zurückziehen. An die Stelle Fladnitzers trat auf Empfehlung der Erzherzogin Witwe Maria deren Sekretär und Rat [[Ursinus de Bertis|Ursinus (Orsino) de Bertis]] (4. Juli 1591). Weil aber auch diese Wahl „aus irgendwelchen gründen“ den Anschein der Illegitimität hatte, resignierte der gewählte, in zwischen Bischof von Triest geworden, die Würde. Erst die folgende Propstwahl brachte vorläufig Beruhigung. Da kam der Koadjutor des Patriarchen im Spätherbst 1593 auf einer Visitationsreise nach Eberndorf. Auch er musste die desolaten Zustände feststellen, ohne sie nachhaltig verbessern zu können. Zu allem Unglück wurde das Stift bald darauf auch noch Opfer frecher Räuber. Nicht nur Immobilien und Zehenterträge, sondern auch Bargeld, Kirchenkleinodien, Paramente, Dokumente und anderes verschwanden, ohne dass die Diebe bekannt geworden wären. Der Schaden war so hoch, dass sich der Propst an den Papst um Hilfe wandte. Dieser beauftragte mit der Ausforschung der Räuber und Hehler den Patriarchen von Aquileja, den Erzbischof von Salzburg und den Bischof von Lavant, damit dem Stift das Geraubte zurückgegeben werde, was wahrscheinlich nicht geschehen ist.&lt;br /&gt;
Die Administration Eberndorfs durch den Laibacher Bischof blieb auch unter Propst Bertis noch aufrecht, doch keiner von beiden vermochte das Stift finanziell zu sanieren. Zu einer Zeit, da es mit den meisten Stiften des Landes in jeder Beziehung wieder aufwärts ging, siechte Eberndorf nicht nur wirtschaftlich weiter dahin, sondern entbehrte geeigneten Nachwuchses, obwohl damals mehrere junge Männer aus dem Ort Eberndorf an der Grazer Jesuitenuniversität studierten und sich Kandidaten für den Eintritt in Eberndorf meldeten. Ende Jänner 1599 bestellte der Erzherzog [[Sebastian Kobl]], Pfarrer von Pettau/Ptuj, zum Administrator in temporalibus. Der Patriarch von Aquileja sprach den Wunsch aus, es möge ein neuer Propst bestellt werden, worauf der Erzherzog Anfang Mai erlaubte, Kobl zum Propst einzusetzen, der auch der Wunschkandidat des Patriarchen war. Das Kapitel hatte aber – in Ausübung seines freien Wahlrechts – den Gurker Kanoniker Matthias von Staudach zum Propst gewählt, denn Kobl gehörte nicht dem Orden an. Die Regierung verweigerte Staudach die Bestätigung, weshalb das Kapitel Kobl akzeptieren musste, der schließlich den Orden annahm. Mit Kobls Regierungsantritt ging auch die Zeit der wirtschaftlich en Administration zu Ende. 1601 erfolgte letztmalig die Bestätigung der Stiftsprivilegien durch den Landesfürsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kobl regierte ganz im Sinne der Gegenreformation, wie seine Bemühungen um die Wiedererrichtung des Schlossbenefiziums Sonnegg zeigen, das die evangelischen Freiherrn Ungnad hatten abkommen lassen. Das Stift hatte früher dem Besitzer von Sonnegg 8.000 Gulden geliehen, als Pfand aber zum Teilgüter der Schloss-Kaplanei, die ohnehin dem Stift inkorporiert war, angenommen. Insofern hatte das Stift das Geld für Untertanen verliehen, die es bereits besaß. Die Grazer Regierung legte dem Propst nahe, sich darüber mit den Ungnad'schen Erben vor Gericht auseinanderzusetzen. Kobl hat für die Restaurierung von Kirche und Kloster viel getan und sich um die Weiterexistenz der Kanonie gesorgt, auch wenn ihm die erforderlichen Neuaufnahmen von Chorherren aus unerfindlichen Gründen nicht gelangen. Selbst bei seinen wenigen noch vorhandenen Konventualen vermochte er die Ordensdisziplin nicht wiederherzustellen. Drei von ihnen, die dem Konkubinat verfallen waren, wollte er aus dem Stift in ein anderes überstellen, damit nicht auch die jungen Kleriker verführt würden. Über alle diese Probleme ist Kobl unvermutet am 10. Oktober 1602 gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufhebung 1604 und Übergabe an den Jesuitenorden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der frühe Tod Propst Kohls hinterließ im Stift ein gefährliches Vakuum. Zwar wählten die Chorherren im darauffolgenden April neuerlich Matthias von Staudach zum Propst, und das in Anwesenheit des Abtes von Arnoldstein als Vertreter des Patriarchen, doch auch diesmal ohne Regierungskommissär. Wieder verweigerte die Grazer Regierung dem gewählten die Anerkennung und verbot ihm die Führung der Geschäfte. Die Kanoniker wandten sich an den Erzherzog und wiesen auf ihre Privilegien und die Zustimmung des Patriarchen bezüglich der vorgenommenen Wahl hin. Auch die Ernennung Staudachs zum Administrator Eberndorfs und Vikar durch den Patriarchen (14. November 1603) nützte nichts. Der Erzherzog hatte längst andere Pläne und hielt die Kanoniker hin.&lt;br /&gt;
Der Koadjutor des Patriarchen, Francesco Barbara, hatte bei seinen Visitationen in Kärnten 1593/94 die katastrophale Lage des Katholizismus in diesem Teil der Diözese kennengelernt und befürwortete die Errichtung eines Jesuitenkollegiums in Kärnten. Als er Patriarch geworden war, hegte er die Absicht, die Einkünfte von Eberndorf für ein zu errichten des Jesuitenkolleg in Görz und die Installierung eines Archidiakons des Patriarchen für Unterkärnten mit Sitz in Eberndorf zu verwenden. Für ein Kolleg im erzprotestantischen Villach war die personell schwache Abtei Arnoldstein in Aussichtgenommen, doch legte sich diesfalls der Bischof von Bamberg, dem dieses Stift unterstand, quer. Das Stift Millstatt hatte der Jesuitenorden bereits 1598 „okkupiert&amp;quot;, bevor es ihm 1600 vom Papst bestätigt wurde, und für ein Jesuitenkolleg in Laibach verwendete man die Kartause von Pletriach/Pleterje. Wollte der Erzherzog ein neues Kolleg gründen, konnte er dies – mangels eigenen Geldes – nur auf Kosten bestehender Stifte oder Klöster tun. Der erzherzogliche Plan, in Klagenfurt ein Jesuitenkolleg ein zurichten und dazu Eberndorf und seine inkorporierten Pfarren zu verwenden, stieß aber nun auf den Widerstand des sonst jesuitenfreundlichen Patriarchen. Denn dieser fürchtete um seine Jurisdiktion über die Eberndorfer Pfarren, sollten diese jesuitisch werden. Die Jesuiten, bereits auf Eberndorf aufmerksam gemacht, bemühten sich, die Bedenken Barbaras zu zerstreuen und fanden im Erzherzog einen konsequenten Förderer ihres Anliegens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lavanter Bischof Georg Stobäus von Palmburg (1584-1618) erwuchs der Propstei zuletzt ein Gegner, dem das personell schwache Kapitel nicht gewachsen war. Stobäus besaß das uneingeschränkte Vertrauen des Erzherzogs und war ein erklärter Feind der Protestanten, zu deren Zurückdrängung in Kärnten er das Kolleg in Klagenfurt ins Leben rief, wo 1602 die ersten Jesuiten eintrafen. Stobäus beredete den Erzherzog, die reiche Propstei Eberndorf den Klagenfurter Jesuiten zu schenken. Im Stiftgäbe es derzeit keinen Propst und nur sehr wenige Kanoniker, deren Lebenswandel wenig erbaulich sei.&lt;br /&gt;
Ohne die päpstliche Zustimmung zur Aufhebung abzuwarten ließ Erzherzog Ferdinand per Dekret vom 29. Juli 1603 die mobilen und immobilen Temporalia den Jesuiten für ein zu errichtendes Kolleg in Klagenfurt übergeben. Die Eberndorfer Kanoniker wandten sich an Kardinalstaatssekretär Aldobrandini um Hilfe gegen die Jesuiten, die sie als Usurpatoren bezeichneten. Sie wandten sich auch schriftlich an den Papst selbst, der dem Erzherzog durch den Nuntius in Graz mitteilen ließ, dass er sich des Verbrechens der unerlaubten Besitzergreifung von Kirchenvermögen schuldig gemacht habe. Der Erzherzog sah seinen Fehler ein und war bereit, die beiden Jesuiten aus Eberndorf abzuziehen und die Besitzergreifung zu widerrufen. Auch die Jesuiten schienen geneigt, Eberndorf aufzugeben. Nun appellierten die Kanoniker an den Patriarchen, ihnen zu sagen, was sie tun und wovon sie leben sollten. Er möge ihnen seinen Schutzgewähren und den früheren Zustand wiederherstellen. Aus dem Streit über die Gültigkeit der letzten Propstwahl war ein Tauziehen um den Fortbestand des Stiftes geworden, das eineinhalb Jahre dauerte. Der Patriarch stand mittlerweile ganz auf Seite des Kapitels, weil das Stift seit seiner ersten Gründung im Jahre 1146 (! - richtiges Datum oder irrig statt 1106?) zur Kirche von Aquileja gehöre. Da erkrankte der Papst und die Angelegenheit blieb in Rom vorerst unerledigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den ganzen Winter 1603/1604 gab es über diese Frage einen regen Briefwechsel zwischen Graz, Eberndorf, Aquileja und Rom. Letztendlich war nicht das Fehlen eines Propstes – der Gurker Domherr Matthias von Staudach wäre gerne bereit gewesen, dem Stift als Propst wieder aufzuhelfen –, der personell überalterte und geschrumpfte Konvent oder die schlechte Wirtschaftslage des Stiftes für seine Aufhebung ausschlaggebend.&lt;br /&gt;
Allein gegenreformatorische Gründe führten die Entscheidung herbei. Der katholische Erzherzog brauchte die Jesuiten, um mit ihrer Hilfe den Protestantismus aus seinen Erblanden zu verdrängen. Da er aber die zu errichtenden Kollegien nicht mit landesfürstlichem Kammergut dotieren wollte, griff er nach geistlichem Gut, das ohnehin seit jeher als Kammergut galt. Deshalb musste Eberndorf als Augustiner-Chorherrenstift unter-gehen. Das gegenreformatorische Argument und die persönliche Intervention Erzherzog Maximilians, eines Bruders Ferdinands, beim neuen Papst dürften diesen letztendlich umgestimmt haben. Aquilejas Position war zu schwach, um die Propstei vor dem Zugriff der Jesuiten zu bewahren. Denn der Erzherzog hatte gedroht, das Patriarchat militärisch anzugreifen, sollte der Patriarch als venezianischer Adeliger den venezianischen Gesandten am Heiligen Stuhl um Intervention beim Papst bitten.&lt;br /&gt;
Am 5. April 1604 erließ Clemens VIII. das Aufhebungsdekret bezüglich Eberndorf. Er berief sich darin auf ein schon früher erlassenes Dekret, wonach alle vakanten Propsteien und Konvente seiner Verleihung oder Verfügung vorbehalten seien. Dies sei nun bei Eberndorf der Fall und deshalb gebe er der Bitte des Erzherzogs, die Propstei zur besseren Dotierung eines Jesuitenkollegs verwenden zu dürfen, nach. Er hebe deshalb die Propstei auf, ordne aber die gerechte Versorgung der Chorherren für ihr auch fernerhin an die Klosterregel gebundenes Leben an. Der Patriarch stimmte der Aufhebung resigniert zu, da er sah, dass er den Ausgang der Sache nicht mehr verhindern konnte. Am 29. Juli fand in Beisein des päpstlichen Nuntius in Graz Gerolamo Porcia, des Sekkauer Bischofs Martin Brenner als Regierungskommissär, des Kärntner Landeshauptmanns, des Landesvizedoms und des Jesuitenprovinzials P. Alphons Carrillius die Übergabe der Kanonie an den habgierigen Orden statt. Im Kloster lebten noch fünf Chorherren, von denen vier angeblich so krank waren, dass sie nicht zelebrieren konnten. Ihre Versorgung übernahmen die Jesuiten. Der jeweilige Jesuitenrektor von Klagenfurt erhielt Titel und Rechte eines Propstes von Eberndorf und Archidiakons des Jauntales. Der Patriarch konnte die Aufhebung des Stiftes nie verschmerzen. Noch 1611 beklagte er die Unterdrückung der reichen Propstei Eberndof durch den Erzherzog, während die Seckauer Chorherren in ihrer Chronik den Untergang des Bruderstiftes mit den Worten kommentierten: „Devoraverunt hanc canoniam patres Jesuitae iam aliunde locupletes.“&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wurde Eberndorf staatliche Studienherrschaft. 1809 übernahmen die von St. Blasien gekommenen Benediktiner des wieder errichteten Stiftes St. Paul im Lavanttal die Herrschaft als Eigentümer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schule==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aachener Synode von 789 bestimmte, dass jedes Kloster oder Domstift eine Schule errichten sollte, in der neben (lateinischer) Grammatik, Rhetorik und Dialektik auch die artes reales Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik gelehrt werden sollten. Eine Klosterschule hatte sich überdies um den Nachwuchs für das Haus zu kümmern, also Kleriker heranzubilden. Dazu schrieb das 4. Laterankonzil (1215) allen Kapitelkirchen vor, einen „magister“ zu halten, der die Kleriker in Grammatik und anderen Wissenschaften unterrichten sollte. Dies betraf in Eberndorf das Lesen und Studium der Bibel ebenso wie der Schriften des Ordensvaters Augustinus und der anderen „Väter&amp;quot;. Dann aber auch das Erlernen des Chorgebetes und -gesanges und der Liturgie allgemein. Die Urkunde von 1236 September 20 Saldenhofen, mit der Cholo von Saldenhofen gegenüber dem Stift auf seine Betvogtei verzichtete, schrieb ein gewisser Johannes Scholaris, „sub diaconus Junensis“. Zur gleichen Zeit wird ein „magister Hailwardus“ genannt. Dies sind die frühesten Nachrichten, aus denen auf die Existenz einer Klosterschule geschlossen werden kann. 1298 wird ein Chuonrat, 1310 Johann der Jussel von Völkermarkt als Schulmeister in Eberndorf und 1362 ein „scolasticus“ (Erzieher) der Schüler urkundlich erwähnt. Der 1440 gestorbene Kantor Johannes schenkte dem Stift „solemnia gradualia“ für den Chor. Vor 1480 gab es einen Magister Nikolaus und seine Frau Krispa, die ins Eberndorfer Nekrolog eingetragen wurden. 1531 starb der Organist des Klosters. Einer seiner Nachfolger war der aus Meißen stammende Klosterorganist Sigmund Quas. Sollte er evangelisch gewesen sein und reformatorische Orgelwerke und Lieder gespielt haben? 1588 unterhielt das Stift sieben oder acht Schüler, andere frequentierten bloß die Schule. Noch zwei Jahre später gab es ein en Schulmeister und einen Organisten in Eberndorf. Das sind die eher spärlichen Hinweise auf eine Schule, die feierliche Liturgiegestaltung und die Existenz einer Orgel im alten Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Spital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon Patriarch Berthold von Aquileja (1218–1251) hatte – nach einer späteren Nachricht – dem Stift Zehente im Dorf Edling in der Pfarre St. Michael ob Bleiburg zwecks Errichtung eines Spitals für Arme geschenkt. Dieses soll um 1226 – noch zu Lebzeiten des Patriarchen – tatsächlich errichtet worden sein. Es war mit der dazugehörigen Kirche dem heiligen Antonius von Padua geweiht und stand nordwestlich des alten Ortes Eberndorf, unweit des Stiftsmeierhofes. Mit der Zeit erhielt das Spital weitere Güter übertragen. 1397 erlaubte der Patriarch dem Konvent, den Besitz des Spitals durch ein en Kanoniker verwalten zu lassen. Der erste könnte der 1419 gestorbene Chorherr Andreas de Sittersdorf, Provisor des Spitals, gewesen sein. Die Spitalstiftung überdauerte alle Wechselfälle der Zeit, war 1886 der Gemeinde Eberndorf zur Verwaltung übertragen und existierte noch im 20. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit liegenden Gütern aus dem Erbegraf Chazelins und vom Patriarchen mit Pfarren und ihren Zehenten seit der Gründung gut dotiert, scheint die Propstei die ersten zwei Jahrhunderte ihres Bestehens – trotz einiger Anfangsschwierigkeiten mit ihren Vögten – gut gewirtschaftet zu haben. Zahlreiche Güterschenkungen und Ankäufe erhöhten die Einkünfte kontinuierlich. Dies zeigen die von der Propstei geleisteten Steuern. An den Grafen von Tirol hatte die Propstei 1292 zwei Goldgulden zu entrichten und das Aquilejer Zehentregister von 1296 weist hinsichtlich des von Papst Bonifaz VIII. auferlegte Zehents die Propstei für zwei Termine mit 25 solidos grossarum aus. Die 1323 veranstaltete Sammlung des päpstlichen Legaten im Archidiakonat Kärnten nennt die Propstei an erster Stelle mit einem Sammelergebnis von 15 Mark Agleier Pfennige. Zur selben Zeit befand sich das herzoglich kärntnerische Landgericht im Jauntal als Pfand in der Hand des Propstes und noch 1391 hatte das Stift 250 Mark Silber auf dem Landgericht sichergestellt liegen. Um diese Zeit beginnen weitere umfangreiche Güterankäufe in und um Eberndorf, aber auch in entfernteren Gegenden, wie z.B. Lembach/Limbuc bei Marburg/Maribor. Dort war das Stift schon früh zu Weingärten gekommen. Zwischen 1272 und 1277 erhielt das Stift das Fischrecht mit einem Netz am Klopeinersee, 1508 besaß es dort bereits das Recht auf drei Fischer. 1316 erwarb es einen Teil am Sablatniggsee (Zapottnicksee) in der Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes Eberndorf # St. Veit im Jauntal|St. Veit im Jauntal]]. Auch in der Drau und in dem in diese fließenden Vellachbach (südlich von Möchling) fischte das Kloster, hatte aber deshalb jahrelang Streit mit dem Stift St. Paul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Großen Besitzzuwachs erzielte das Stift durch Propst [[Georg („de Capella“, aus Eisenkappel)|Georg]] († 1421), der den Besitz des Stiftes auf beinahe 100 Huben vermehrte und Weingärten, Wiesen und anderes erwarb. In den dreißiger Jahren des 15. Jahrhunderts veräußerte die Familie Kriegfelder zahlreiche ihrer Besitzungen an Eberndorf, ebenso die adeligen Rechberger. Letztere wollten aber dann den Verkauf nicht anerkennen. Sie griffen sogar das Kloster an, verwüsteten es mit Feuer und Schwert und raubten den Kaufbrief. Deshalb der kaiserlichen Ungnade verfallen, wurde ein Teil ihrer Güter vom Kaiser eingezogen und an andere vergeben, die der Propstei verkauften aber dieser bestätigt (1441).&lt;br /&gt;
In den Jahren 1473 und 1476 bedrohten die Türken das Land, gleichzeitig drangsalierten die Soldaten des Ungarnkönigs Matthias Corvinus Stift und Bevölkerung schwer. Wehrbauten mussten errichtet werden, um die Klostergebäude und Pfarrkirchen zu schützen, was viel Geld kostete. 1476 übergab ein Adeliger dem Stift 120 ungarische Goldgulden mit dem Auftrag, das Stift durch Mauern und Gräben vor den Türken und anderen Feinden zu schützen. Dafür sollte das Stift für ihn einen Jahrtag halten. In diesen Notzeiten suchte sich der damalige Propst [[Lorenz]] vermehrt der Gebete anderer Klöster zu versichern, mit denen sich Eberndorf zahlreich verbrüderte. 1483 richtete ein durch Blitzschlag entstandener Großbrand schwere Zerstörungen an Kirche und Kloster an.&lt;br /&gt;
Zwei Jahre später beauftragte der Patriarch seinen Generalvikar mit dem besonderen Schutz der Propstei, die durch Beraubung schweren Schaden erlitten habe. Darüber hinaus hatte die Propstei erhöhte und immer wieder aufs neue geforderte Landes- und außerordentliche Steuern aufzubringen, die die finanziellen Möglichkeiten des Klosters erschöpften. Propst [[Leonhard von Keutschach]] (1480-1490) bemühte sich deshalb um ein Darlehen, um das arme Gottshaus vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch zu bewahren, erntete aber dafür beim Kapitel wenig Dank. Dass Kaiser Friedrich III. dem Stift und seinen Untertanen die ihm zu leistende Robot erließ, konnte sich da höchstens lindernd auswirken. Eine spürbare Hilfe bedeutete die Übernahme des landesfürstlichen Amtes Stein samt dem Landgericht im Jauntal auf Rechnung, die Propst Keutschach erreichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verkauf von Chorherrenpfründen durch das Stift, wie 1507 geschehen, ist besonders im 16. Jahrhundert in den meisten Stiften gang und gäbe gewesen. Die Chorherren besaßen Geld und mitunter beträchtlichen Eigenbesitz zur persönlichen Verfügung.1362 stiftete der Dechant Jakob mit einem Gut, das er gekaut hatte, einen Jahrtag in Eberndorf. 1460 leistete der Chorherr Martin Lempl von seinen Gütern dem Prokurator eines spanischen Ordens zum Loskauf von Gefangenen einen entsprechenden Beitrag und erhielt dafür Ablässe. Noch 1537 kaufte der Chorherr Jakob Pruethe von seiner Mutter ein Gut samt drei Äckern, weil er seinen Eltern seinerzeit Geld für den Kauf des Gutes dazugegeben hatte. Besonders vermögend war Propst Valentin Fabri, der aus eigenem Geld etliche Stiftungen errichtete.&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Johannes Wildensteiner]] (1509–1532) und seinem Nachfolger [[Andreas Lochner]], der gleichzeitig Propst von Völkermarkt und zuerst einige Jahre Koadjutor in Eberndorf war (1527/1532–1544), scheint sich die Propstei insgesamt erholt zu haben. Und dies trotz der vom Landesfürsten 1529/30 von Eberndorf – wie allen anderen Klöstern in den österreichischen Erblanden – verlangten „Quart&amp;quot;. Diese bedeutete, dass von allem geistlichen Grundbesitz der vierte Teil der Gülten (Steuereinheitswert des Grundbesitzes) zu veräußern und der Erlös König Ferdinand I. zur Fortführung des Türkenkrieges in bar zu übergeben war. Eberndorf besaß damals Gülten im Ausmaß von 648 Pfund, 7 Schilling und 22 Pfennigen, die einen Geldwert von 14.900 Pfund Pfennigen (=Gulden) hatten. Ein Viertel von beiden waren 3.725 Pfund 6 Pfennige Bargeld oder 162 Pfund zu verkaufende Gülten. Bei allen Verkäufen war das Rückkaufrecht vertraglich gesichert, wurde von den Käufern aber meistens ignoriert. Als Käufer der Gülten traten Hans Ungnad, Landeshauptmann in Steiermark, und sein Bruder Andrä, als Besitzer der Burg Sonnegg und Nachbarn des Stiftes, auf. Sie erwarben um 2.367 Pfund Pfennige (oder Gulden) etwas über 100 Pfundgülten, wovon das Schlossgut Wasserhofen bei Kühnsdorf 2.000 Pfund Pfennige wert war. 1530 jedoch übernahm das Stift diese Güter, ausgenommen sechs Stück, von den Käufern wieder als Pfand. 21 Pfundgülten kaufte zu freiem Eigen (!) Sigmund Freiherr von Dietrichstein, der damit seine Herrschaft Hollenburg in Südkärnten arrondierte. Es handelte sich um Huben, Güter und Zulehen bei Niederdorf, Gallizien,,,Kleinperg &amp;quot; und anderen Orten. Weitere 12 Pfund gingen an andere Interessenten. Der Propst selbst bezahlte 110 Pfund Pfennige bar und erbot sich, die noch unverkauften 29 Pfundgülten (im Wert von ca. 450 Gulden) ebenfalls selbst zu bezahlen. Damit erwies sich das Kloster nicht nur als wirtschaftlich um sichtig, sondern auch als liquid. Propst Wildensteiner tätigte darüber hinaus noch mehrere größere Ankäufe, darunter freieigene Güter im Jauntal und in Gonobitz/Konjice, aber auch eine Mühle und etliche Huben in Kappel, die landesfürstliche Lehen waren, konnte er für das Stift erwerben. Die meisten stiftischen Huben wurden von diesem zu Kaufrecht gegen Reichung des jährlichen Urbarzinses und des dritten Pfennigs beim Weiterverkauf durch den Besitzer vergeben. Außerdem hat Propst Wildensteiner das Kloster durch Zubauten erweitert und verschönert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreich sind die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts angekauften Weingärten, mit denen das Stift seinen Weingartenbesitz bei Marburg/Maribor systematisch erweiterte. Da dieser aber von Eberndorf weit entfernt lag und sowohl Bewirtschaftung als auch Transport kostenintensiv waren, hielt sich der Gewinn für das Stift in Grenzen. Dabei hätte der überschüssige Wein bei günstigem Verkauf das Bargeld ins Hausgebracht. 1589 warfen die Weingärten des Stiftes 50 Fässer Wein ab, von denen aber nur 20 Fässer als Reinertrag übrigblieben, mehr als die Hälfte des Gewinns verschlangen die Kosten. Propst Valentin war ein großer Gönner seines Stiftes. Er besaß als elterliches Erbe mehrere Weingärten in Skalitz bei Gonobitz, Frauheim bei Marburg/Pram und Marburg und hatte 1505 sechs Huben zu Preurat bei Gonobitz und eine Hofstatt zu Gonobitz selbst, später noch mehrere andere Weingärten und Äcker bei Gonobitz gekauft. Er übergab sie seinem Kloster, indem er sie teils mit geistlichen Stiftungen zugunsten seiner Familie verband, teils zum Tisch des Pfarrers von St. Peter und Paul in Tainach bei Gonobitz widmete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Lucas Mayr (1560–1573) wird für den wirtschaftlichen und sittlichen Verfall des Stiftes verantwortlich gemacht. Beides ist eine Tatsache. Mayr dürfte aber ein bereits schwer verschuldetes Heimwesen übernommen haben. Schon Propst Andreas Lochner hatte das Amt im Lavanttal um 600 Gulden verpfänden müssen, um den vom König Ferdinand I. geforderten Kriegsbeitrag von 2.000 Gulden aufzubringen. 1563 soll Propst Mayr mit dem Abt von Viktring dem Kaiser 30.000 (?) Gulden geliehen haben. Im selben Jahr lieh er dem Hans Ungnad, Besitzer von Sonnegg, 8.000 Gulden, wofür das Stift Realitäten bei Sonnegg und Eberndorf als Pfand erhielt. Dass sich darunter auch Güter befanden, die zur gestifteten Kaplanei im Schloss gehörten, zeigt, was der evangelische Adel von geistlichen Benefizien hielt. Das Stift hatte nämlich Güter zum Pfanderhalten und angenommen, die ohnedies schon ihm gehörten. Sie wurden erst kurz vor der Stiftsaufhebung wieder der Kaplanei und deren Verwaltung dem Propst zugesprochen.&lt;br /&gt;
Die Regierung glaubte, mit der Absetzung Mayrs die Probleme gelöst zu haben. Die nachfolgenden Pröpste – zum Teil Kloster- und Ordensfremde – regierten jedoch viel zu kurz, um den wirtschaftlichen Aufschwung des Stiftes bewerkstelligen zu können. Sie waren mit ihrer Aufgabe wohl auch überfordert. Streitigkeiten des Kapitels mit dem Grazer Hof um das Recht zur Wahl neuer Pröpste und ihre landesfürstliche Bestätigung erschwerten zusätzlich die notwendige Konsolidierung der Propstei nach innen und außen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1577 sahen sich die Stifte Eberndorf und Viktring mit einer Klage der Erben des Leonhard von Siegersdorf auf Bezahlung von 6.000 Gulden samt Zinsen konfrontiert, die dem Erzherzog geliehen worden waren. Beide Stifte waren quasi ohne Vorstände und der Schaffer von Eberndorf bat den Erzherzog um Abwendung der Zahlung. Gleichzeitig informierte der Schaffer namens des Konvents den Landesfürsten, dass der abgesetzte Propst Lucas Mayr mit seinem verstorbenen Nachfolger Wolfgang von Neuhaus vereinbart habe, dass Mayr lebenslänglich und danach seinen Kindern und Verwandten ein Deputat vom Kloster gereicht werden solle. Außerdem seien ohne Wissen des Konvents vom Expropst Schulden gemacht und die Schuldbriefe dem Erzherzog zur Bestätigung eingereicht worden. Der Konvent könne diese Zahlungen nicht ohne Schaden für das Kloster leisten. Er bitte den Erzherzog, die Ratifikation für die Schuldverschreibungen abzulehnen und den abgesetzten Propst auf seine gewöhnliche Herrenpfründe zu verweisen.&lt;br /&gt;
Im selben Jahr (1577) konnte Propst [[Vitus Preysl]] eine Schuld an Christoph Reinwald zu Rojach über 1.200 Pfund Pfennige (= 1.200 Gulden) nicht bezahlen und wurde vor das Klagenfurter Landrecht zitiert. Ob und wie er das Geld aufgebracht hat, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
Vielleicht mit Hilfe des Propstes von Griffen, von dem er sich drei Jahre später mit landesfürstlicher Bewilligung 3.000 Gulden lieh. Bei dieser aussichtslosen Finanzlage mutet das Begehren Erzherzog Karls an die Prälaten von Eberndorf und Viktring um Bedeckung von 10.000 Gulden zur Abfertigung Moriz Christoph Khevenhüllers mehr als seltsam an. Der Erzherzog hatte Khevenhüller an die Stiftsvorstände gewiesen und Khevenhüller wollte nun das Geld von diesen einklagen. Der Erzherzog beruhigte 1583 die Prälaten, er habe die Klage abgewendet, sie sollten das Geld aber irgendwo auf ihren Kredit aufnehmen.&lt;br /&gt;
Aus diesen und vielen anderen Ursachen verschlechterten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Propstei so sehr, dass ein Administrator in temporalibus bestellt werden musste. 1583 übernahm Propst Gregor Latonius von Völkermarkt die finanzielle Verantwortung für Eberndorf. Propst [[Matthäus Scharrer|Matthäus]] von Eberndorf führte die Misere seines Stiftes auf schlechte Hauswirtschaft seiner Vorgänger und darauf zurück, dass einige von ihnen mehr für ihre Verwandten, als für das Stift gesorgt hätten. Propst Lucas habe in Bleiburg ein Haus gebaut und zwei Huben gekauft, die nicht in das Eigentum des Stiftes gelangt seien. Auch sein Nachfolger Bartholomäus habe in der kurzen Zeit seiner Regierung mit Stiftsgeldern Grundstücke gekauft, die Kaufbriefe aber vordatiert, um den Anschein zu erwecken, er hätte die Ankäufe noch als Pfarrer von Sittersdorf getätigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Propst Bartholomäus 1583 in Windischgraz starb, sei dessen Nachlass samt den Kaufbriefen bei seinem dort lebenden Vater verblieben. Das Stift ersuchte den Erzherzog um Einantwortung der betreffenden Güter und um die Erlaubnis, sie zur Schuldentilgung verkaufen zu dürfen.&lt;br /&gt;
1588 setzte der Erzherzog den Laibacher Bischof Johann Tautscher zum Administrator in temporalibus ein, der die undankbare Aufgabe hatte, das schwer verschuldete Stift durch sparsames Wirtschaften zu sanieren. Dies rief den lebhaften Widerspruch des Kapitels her vor. Als Aquileja dem Propst Matthäus auch die geistliche Leitung entziehen wollte, wählten die Kanoniker gegen alles Herkommen und unter Ausschluss der Regierung einen neuen Propst. Sie beklagten sich über unzulängliche Kleidung und Kost, was der Administrator bestritt. Dieser berichtete dem Erzherzog, dass er den Konventualen immer fünf Speisen und drei Halbe Weingeben lasse. Trotzdem sei ihnen alles zu wenig und zu schlecht. Sie würden die Tage für den Empfang eines außerordentlichen Weines besser kennen, als die Tage der Heiligen im Brevier. Währender schon über 8.000 Gulden Schulden bezahlt habe, hätten sie heimlich neue gemacht. Eine persönliche Aussprache mit den Chorherren in seiner und des Bischofs von Triest Anwesenheit sei ergebnislos verlaufen. Die Antwort des Hofes, vom damaligen Hofsekretär und späteren Propst Ursinus Berthis unterschrieben, lautete dahingehend, die vom neuen Propst und den Kapitularen gemachten Schulden seien nicht zu bezahlen und dies solle auch künftig nicht geschehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bischof Tautscher hatte nicht nur den Vorteil des Stiftes, sondern auch seinen eigenen im Auge. 1593 schloss der Administrator mit der Pfarrgemeinde von Seeland (südwestlich von Kappel) einen Vertrag über die Einsetzung eines dort ständig residierenden Kaplans. Die Pfarrgemeinde hatte dafür dem Pfarrer von Kappel jährlich fünf Gulden, dem Administrator aber – nicht dem Stift – „zu freyer jährlicher Verehrung“ 15 Pfund Käse zugeben. Propst Ursinus de Berthis betrieb energisch die Eintreibung von Untertanenausständen, so Anfang 1592 die der stiftischen Holden zu Gonobitz. Aus der selben Zeit sind auch eine ganze Anzahl von Kaufrechtsbriefen an Eberndorfer Untertanen vorhanden, die Zehente und Bergrechte betreffen. Die Vergabe von Gütern zu Kaufrecht war für die Untertanen günstiger, weil damit das Erbrecht ihrer Nachkommen am Besitzgesichert bzw. auch der Verkauf des Gutes seitens der Untertanen möglich wurde. Dem Stift hingegen verschafften die beim Besitzerwechsel fälligen Gebühren das so dringend benötigte Bargeld. Eine noch größere Zahl von Anlait- (= Übernahmsgebühr) und Kaufrechtsbriefen hat dann Propst Sebastian Kobl ausgestellt. Dazu bedurfte er aber der Zustimmung des Landesfürsten, der bereits seine Hand auf den Stiftsbesitzgelegt hatte. Die landesfürstliche Verfügung vom Dezember 1601, der Propst möge künftig um solche Konsense bei der Grazer Hofkammer ansuchen, war nur ein weiterer Schritt in Richtung Enteignung der Stiftsgüter zugunsten Dritter.&lt;br /&gt;
Einige Jahre vor der Aufhebung des Stiftes wurde eine Übersicht über seine Wirtschaftslage erstellt. Nach ihr sollen 1588 die Schulden des Klosters 20.000 Gulden betragen haben, während die Einkünfte jährlich 4.000 Gulden ausmachten. Letztere setzten sich zusammen aus etwa 2.000 Star (ca. 160.000 Liter) Zinsgetreide, aus Zehenten, Ehrungen und Strafgeldern. Je 200 Joch Äcker und Wiesen Eigenwirtschaft mussten von den Bauern durch Robotdienst bearbeitet werden, wobei ihnen nur ein Frühstück zustand. An Getreide konnten durchschnittlich 1.000 Star (davon 250 Star Buchweizen) geerntet werden. Heu wurde für 60 Stück Großvieh eingebracht und die Klosterweingärten warfen 50 Fass (10.000 Liter) Wein ab, von denen nach Abzug aller Spesen nur 20 Fass übrigblieben, deren Wert 300 Gulden ausmachte. Für die Küche des Propstes und des Kapitels reichten diese Erträge hin länglich, wie der Expropst 1589 feststellte. Während der Administrator Tautscher durch sparsames Wirtschaften Schulden tilgte, ging Propst Bertis einen anderen Weg. Er nahm zur Verringerung der Schuldenlast neuerlich Kapitalien auf, erzielte aber damit nicht den erhofften Erfolg. Die permanente Finanzmisere brachte das Stift nicht nur an den Rand des wirtschaftlichen Ruins, sondern alarmierte auch den Grazer Hof. Dieser betrieb die Übergabe des Stiftes an den Jesuitenorden deshalb so energisch, weil er für ihn noch möglichst viel an Klostergütern retten wollte, bevor der Konkurs Eberndorf wertlos machen würde. Unter Erzherzog Karl musste das Stift auch das Urbar nach Graz einsenden, weshalb erst aus 1614 Urbare der Eberndorfer Besitzungen und Pfarrpfründen vorhanden sind, die von den Jesuiten angelegt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Mittelalter ergaben sich Berührungen zwischen Landesfürst und Stift hauptsächlich wegen der Vogtei oder der Privilegienbestätigungen. Die Vogtei über Eberndorf übten, soweit dies zurückverfolgt werden kann, die Herren von Trixen aus, ohne dass bekannt wäre, wie das Vogtei recht in ihren Besitzgekommen ist. Die Trixener bedrückten das Stift in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts dermaßen, dass es angeblich sogar zu tätlichen Übergriffen gegen Propst Leo kam, der zwischen 1152 und 1154 von Kuno von Lonck im Streit um die Eberndorfer Kirche zweimal aus dem Stift vertrieben, darum sogar geblendet worden und in der Fremde gestorben sein soll. Vor 1194 gerieten die Brüder Cholo und Heinrich von Trixen mit Haward von Jau in Streit über die Vogtei. In diesem Jahr überließ Heinrich die Vogtei vertraglich an Hawards Sohn Cuno, der diese nach einem Jahr gegen eine hohe Entschädigung zugunsten Heinrichs in die Hände des Herzogs von Kärnten – als Lehensherr Cunos – resignierte. Der Patriarch bestätigte im selben Jahr die diesbezüglichen Vereinbarungen. Sie bestimmten, dass der Vogt vom Kloster und vom Dorf Eberndorf keine Abgaben fordern und dort auch keine Gerichtstage halten dürfe, außer er würde vom Propst dazu erbeten. Blutfälle sollten dem Vogt vorbehalten, Bußgelder bei Straffällen der niederen Gerichtsbarkeit zwischen Propst und Vogt im Verhältnis zwei zu eins geteilt werden. Alle Beamten konnten vom Propst ohne Mitsprache des Vogtes ein- oder abgesetzt werden. Dass 1220 Herzog Leopold VI. von Österreich und Steiermark als Vogteiherr über Eberndorf auftritt und damals urkundlich gelobte, die Vogtei nicht mehr zu vergeben, sondern selbst auszuüben und dies auch für sein Nachfolger versprach, wird mit zeitweiligen Ansprüchen des Babenbergers auf die Vogtei als Lehensherr der Trixener erklärt. Die Bestätigung des Vertrages von 1194 durch Herzog Ulrich III. von Kärnten erwähnt bezeichnenderweise die Urkunde von 1220 nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Aussterben der Herren von Jaun (Juneck) fiel deren Erbschaft an den Herzog von Kärnten, weil im Urbar des Schlosses Rechberg Herzog Ulrichs III. 1267/68 die Vogtei über Eberndorf ausdrücklich als Erbe nach Cuno von Junek bezeichnet wir d. Deshalb wurde das Blutgericht über Eberndorf zuerst von der Burg Sonnegg (wahrscheinlich früher Junek genannt) und spät er von Rechberg aus wahrgenommen. Erst als das Schloss Slein im Jauntal in den Besitz Kaiser Friedrichs III. kam, wurde Eberndorf 1454 bezüglich des Blutgerichts dem Landgericht Stein unterstellt, bei dem das Stift weiterhin verblieb. Damals wurden auch die Grenzen des Burgfrieds von Eberndorf (dieser schon seit 1194 festgelegt), die der Freiung Sittersdorf, die zum Landgericht im Jauntal gehören den Kirchtage etlicher Kirchen, die der Propst zu „behüten&amp;quot; hatte, so wie die Fischrechte im Vellachbach festgehalten. Die Vogtei lag also seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts beim Kärntner Landesfürsten. Ab 1394 zahlte das Kloster für die landesfürstliche Vogtei des Jauntals jährlich nur noch 10 Gulden, wobei Besitz und Untertanen der Propstei im herzoglichen Landgericht Jauntal denselben Status wie des Hezogs Leute daselbst hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle zeitlich später erwähnten Vogteirechte betrafen nur mehr einzelne, dem Stift geschenkte oder verkaufte Güter bzw. Kirchen, wie z. B. das Patronat und die Vogtei der Marienkirche in Globasnitz, welche der Herzog von Kärnten 1265 dem Propst Johann wegen dessen großer, aber nicht näher benannten Verdienste schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestätigungen von Privilegien ergingen von 1266 (Herzog Ulrich III. von Kärnten) bis 1601 (Erzherzog Ferdinand II.), während päpstliche Privilegien- und Besitzbestätigungen ohne Nennung der Rechte und Stücke in den Jahren 1341, 1448 (Kardialdiakon Johannes von St. Angeli, päpstlicher Legat) und 1450 erfolgte. Vor 1329 besaß der Propst das herzogliche Landgericht im Jautal als Pfand, verzichtete aber 1391 auf die Pfandsumme von 250 Mark Silber und erhielt dafür vom Landesfürst die Gleichstellung seiner im Landgericht befindlichen Untertane und Güter mit jenen der herzoglichen Dienstherren, Ritter, Untertanen und Güter. Das damals festgesetzte Vogteigeld von jährlich zehn Gulden erließ Friedrich III. 1481 dem Stift, weil es kurz zuvor schwere Schäden durch den Türkeneinfall und die Ungarn erlitten hatte. 1408 gestattete Herzog Ernst dem Stift, den Nachlass der verstorbenen Pfarrer der stiftischen Lehenspfarre Rechberg, Globasnitz, St. Kanzian, Gallizien, Schwabegg, Neuhaus und Leifling gegen Reichung eines Winterpelzes und zweier Filzschuhe an ihn – zur Erinnerung an seine Vogtei über diese Pfarren – einzuziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den schweren Verwüstungen, die dem Stift und seinen Gütern durch die Ritter von Rechberg zugefügt wurden, wobei auch Urkunden verloren gingen, ließ Kaiser Friedrich III. 1454 die stiftischen Privilegie neu erheben und festschreiben. Es handelte sich um das Gericht im Burgfried Eberndorf, desen Grenzen genau angegeben wurden, die fürstliche Freiung zu Sittersdorf und die Kirchtage, die zur Vogtei und zum Landgericht Stein im Jauntal gehörte, aber vom Propst zu beaufsichtigen waren. Schließlich wurde auch das Fischrecht des Propstes, das dieser gemeinsam mit dem Kloster St. Paul und dem Besitzer von Sonnegg ausübte, anerkannt. 1455 behielt sich der Papst die Besetzung von zehn Abteien und Propsteien, darunter Eberndorf, nach den Vorschlägen des Kaisers vor. Damit war die freie Wahl unterdrückt, der Landesfürst ernannte, der Papst bestätigte. Darauf lief die Praxis hinaus. Ob Eberndorf davon betroffen war, ist fraglich, da der damalige Propst noch mehr als zwanzig Jahre regierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1476 wird in Eberndorf erstmals ein Richter (später „Hofrichter&amp;quot;) erwähnt, der die Niederegerichtsbarkeit über die Stiftsuntertanen besorgte. Die zur selben Zeit genannten zwei Offiziale waren wohl Verwaltungsbeamte des Stiftes. nach 1481 befreite der Kaiser das Stift von jeder Gerichtsbarkeit, ausgenommen die dem Landgericht vorbehaltenen Blutfälle, und unterstellte es direkt dem kaiserlichen Gericht. Eine Verfügung von 1487 setzte die gerichtliche Zuständigkeit des Propstes auf dessen Lebenszeit für seine im Landgericht wohnenden Untertanen fest, ausgenommen wieder todeswürdige Verbrechen.&lt;br /&gt;
Da das Stift politisch zum Herzogtum Kärnten gehörte, hatte es bei den Landes- und sonstigen Steuern mitzuzahlen. Ende des 16. Jahrhunderts musste Eberndorf – ähnlich wie andere Stifte – für die zur Landesverteidigung von ihm aufzubietende waffenfähige Mannschaft einen Adeligen als Rüstmeister bestellen und besolden. Seit mindestens 1446 gehörte der Propst als Mitglied der geistlichen Landstände zu den „Landleuten&amp;quot; Kärntens. Denn anlässlich einer damals im Hause Habsburg begangenen Hochzeit betrug der Beitrag Eberndorfs 200 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit dem Regierungsantritt Ferdinands I. in den Erblandenahm der Landesfürst verstärkt Einfluss auf die internen Geschicke der Propstei, nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht. 1532 bevollmächtigte das Stift erstmals zwei Prokuratoren, um bei König Ferdinand I. die Bestätigung der Postulation des Propstes von Völkermarkt nach Eberndorf zu erwirken. 1573 zeigte Erzherzog Karl dem Stift an, dass die Grazer Regierung künftig neu gewählte Prälaten nur noch dann bestätigen werde, wenn diese mit ihrem Wahldekret vor ihm oder seinem Vertreter erscheinen und einen Revers unterschreiben. Damit wollte der Erzherzog verhindern, dass häretische oder unfähige Männer zu Stiftsvorstehern gewählt würden. Die Verfügung bedeutete jedoch einen gravierenden Eingriff in die Freiheit des Klosters, den Propst ohne Einflussnahme von außen wählen zu dürfen, und somit ein Präjudiz für künftige Wahlen. Dementsprechend wurde dieses Mandat vom Eberndorfer Kapitel bei der Propstwahl 1577 missachtet, was sofort eine Rüge durch den Erzherzog zur Folge hatte. Später verlangte die Grazer Regierung unnachgiebig die Beiziehung landesfürstlicher Kommissäre zu den Wahlen und verweigerte den gewählten Pröpsten die Bestätigung, wenn ihre Wahl in Abwesenheit landesfürstlicher Vertreter stattgefunden hatte. Deshalb kam es bei der Bestellung der letzten Pröpste zu erhebliche Spannungen zwischen dem Kapitel und dem Patriarchen einerseits und der Regierung in Graz andererseits. Letztere verzögerte nach dem Tod des Propstes Kobl eine Neuwahl. Das beschleunigte die Aufhebung Eberndorfs, die vom Erzherzog auch gegen den Widerstand des Patriarchen als kirchlichen Ordinarius durchgedrückt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Jesuitenzeit fungierten die Klagenfurter Rektoren als Pröpste von Eberndorf. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens wurde dem jeweiligen Pfarrer von Eberndorf und seinen. Nachfolgern durch Bestätigung Maria Theresias die Würde eines Propstes und Archidiakons des Jauntales zuerkannt, was das Gurker Ordiariat 1865 neuerlich bestätigt hat und noch 1938 galt. Der letzte Pfarrer, der noch den Titel Propst führte, aber nicht mehr infuliert war, starb vor einigen Jahren, der jetzige führt auch den Titel Propst nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eberndorf und das Patriarchat Aquileja===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbindung Eberndorfs zum Patriarchat blieb seit der Gründung des Stiftes durch alle Jahrhunderte aufrecht und traditionell gut. Zahlreiche Urkunden der Patriarchen dokumentiere nicht nur deren Sorge für das Stift, sondern auch für den Aufbau einer Organisation der Stiftspfarren. Die Marienkirche in Eberndorf ist wahrscheinlich eine Eigenkirchengründung Chazelins und scheint erst 1154 oder kurz davor zu einer Pfarre erhoben worden zu sein. 1106 wurden dem Kloster angeblich die vier plebes St. Michael in Rosegg (Ras), St. Kanzian, St. Michael ob Bleiburg und Windischgraz/Slovenjgradec (Graz) übergeben. Damit wären Eberndorf alle Taufkirchenpfarren von Villach abwärts bis zur heutigen Staats- und Landesgrenze zur seelsorglichen Betreuung anvertraut gewesen, ausgenommen die ehemalige Eigenkirche Kappel im Rosental, die in der Hand des Patriarchen blieb. Bestätigungen der „Gründungsurkunde&amp;quot; Eberndorfs von 1106 durch die Patriarchen erfolgten 1404 und 1452.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelsorge auf den Eberndorfer Pfarren übten sowohl Weltgeistliche wie Kanoniker aus. Letztere waren Anfang des 14. Jahrhunderts disziplinär bereits reformbedürftig, da der Patriarch ihnen 1304 diesbezüglich einen Brief schrieb. 1309 ermahnte der Patriarch Ottobono alle Prälaten und Kirchenvosteher seiner Diözese, darunter Propst Johannes von Eberndorf, sich innerhalb von sechs Monaten in ihre Residenzen zu verfügen und dort zu bleiben, andernfalls ihnen Kirchenstrafen drohten. Propst Eberhard fungierte 1328 offenbar als Sammler von Geldern, deren Zahlung der päpstliche Legat angeordnet hatte, denn der Propst bestätigte dem Abt von Rosazzo den Erlag von 18 Mark Agleier Pfennigen. Im darauffolgenden Jahr schrieb der Propst dem Patriarchen, er habe den Pfarrer Ulrich von [[Liste der Pfarren des Stiftes Eberndorf #St.Philippen bei Pfannsdorf im Jauntal|St. Philippen bei Pfannsdorf]], der ein skandalöses Leben führte, mit Kirchenstrafen belegt, weshalb er nun um sein Leben fürchten müsse. 1335 verlangte der Patriarch vom Propst unter Androhung der Exkommunikation, die Pfarre Gutenstein/Prevalje künftig keinem Säkularpriester mehr zu verleihen, sondern mit einem Kanoniker zu besetzen, wie dies alter Gewohnheit entspreche. Einige Jahre später bestätigte er dem Stift gegen den Anspruch ein es Säkularpriesters neuerlich den Besitz dieser Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erfolgte Wahl der Pröpste wurde vom Kapitel dem Patriarchen angezeigt und ihre Bestätigung erbeten. Sie wurde auch stets gegeben. Wahlurkunden des Kapitels existieren von 1583 und 1599. Noch Mitte November 1603 ernannte der Patriarch den Gurker Domherrn Matthias von Staudach zum Administrator und Vikar von Eberndorf, dem der Erzherzog jedoch die Anerkennung verweigerte. 1213 wird Propst Leonhard vom Patriarchen als capellanus noster angesprochen. Propst Johannes (III.) wird 1324 aquilejanischer vicearchidiaconus von Kärnten genannt und Propst Hermann von Freg wurde noch als Pfarrer von Rosegg vom Patriarchen zum Archidiakon von Kärnten bestellt (1362), was er als nachheriger Propst von Eberndorf wohl nicht mehr war. Ab 1469 fungierten alle Pröpste als Archidiakone Aquilejas im Jauntal. Valentin Fabri, der bei seiner Wahl zum Eberndorfer Propst den Orden annahm, war Archidiakon des Jaun- und Sanntals. 1571 nennt der Patriarch Propst Lucas, dessen Lebensführung sonst zu Kritik Anlass gab, seinen Archidiaconum Patriarchalem natum und bestellte ihn zu seinem bevollmächtigten Prokurator und Generalvertreter bei der Rekuperation etlicher von den Bischöfen von Laibach der Kirche von Aquileja entfremdeter Rechte und Güter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Pröpste waren vor ihrer Postulation Säkularpfarrer nicht stiftischer Pfarren (zuletzt Sebastian Kobl in Pettau), regierten gleichzeitig ein zweites Stift (Otto [II.] von Rottenbuch und Eberndorf) oder waren ordensfremd (z. B. Andreas Lochner, gleichzeitig Säkularpropst von St. Maria Magdalena in Völkermarkt). Sie alle fanden trotzdem die Bestätigung Aquilejas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als cumulus beneftciorum zu betrachten ist die Verleihung einer großen Pfarre an den Propst, wie dies mit der Pfarre St. Michael ob Bleiburg geschah, die von 1298 bis nach 1335 im Besitz Eberndorfer Pröpste erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Namensliste von Chorherren stammt aus dem Jahre 1236, in der neben dem Propst neun Kanoniker genannt werden, die alle Priester waren. Einer trug den Titel Magister, ein anderer fungierte als Kustos. Anlässlich der Verleihung der Pontifikalien und der Pelzmozzetta durch den Papst an den Propst 1449 wird das hohe Ansehen des Stiftes gerühmt, welches besonders Adelige zu Kanonikern aufnehme. Im Dezember 1493 unterschrieben acht Chorherren das Wahlinstrumet, mit dem sie ihren Mitbruder Andreas Erlpacher zum Propst gewählt hatten, 1497 wählten der Dechant und acht Priesterkanoniker den neuen Propst. Mehr als zehn Chorherren dürfte das Stift aber nur selten gezählt haben. Beim Regierungsantritt der Pröpste Matthäus Scharrer und Sebastian Kobl (November 1583 bzw. Anfang März 1599) bestand der Konvent außer dem Propst aus sieben bzw. acht Kanonikern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu diesem Zeitpunkt war die Disziplin im Konvent stark gesunken – mehrere Chorherren frönten dem Laster des Konkubinats, wie dem Patriarchen berichtet werden musste. Diese Zustände waren auch der Grazer Regierung seit langem bekannt und Wasser auf ihre Mühlen. Bei der Übernahme des Klosters durch die Jesuiten Ende Juli 1604 lebten außer dem Dechant noch vier Chorherren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die soziale Herkunft der ersten Pröpste ist fast nichts bekannt, da sie nur mit ihren Vornamen erwähnt werden. Eine Ausnahme ist Propst Otto II. (†1179). Er war als Graf von Falkenstein Angehöriger des bayrischen Hochadels und mit Patriarch Ulrich II. verschwägert, außer dem gleichzeitig Propst von Rottenbuch. Erst aus dem späten Mittelalter werden auch die Familiennamen der Pröpste überliefert. Propst Hermann von Freg (1378) stammt e aus einem Kärntner Rittergeschlecht, gesessen auf dem Turm Frög unter Rosegg im Drautal, ebenso ritterlicher Herkunft war Propst Ulrich von Christendorf († 1405). Propst Georg „de Capella&amp;quot; († 1421) stammte aus dem Markt Eisenkappel und dürfte bürgerlich gewesen sein. Von reichen Gonobitzer Bürgern stammte Propst Valentin Fabri (1497–1509). Adelig hingegen waren die Pröpste Leonhard von Keutschach, der 1490 Dom Propst in Salzburg wurde und Eberndorf noch drei Jahre als Administrator verwaltete, Johann Wildensteiner († 1532), Andreas Lochner zu Liebenfels († 1544) und Wolfgang von Neuhaus (1573–1577). Die nachfolgenden Pröpste gehörten bürgerlichen Familien an, ausgenommen Ursinus de Bertis, der aus einer Görzer Adelsfamilie stammte, Säkularpriester, Doktor beider Rechte und vor seiner Berufung nach Eberndorf Sekretär bei Erzherzogin Maria in Graz war. 1499 postulierte Erzbischof Leonhard von Salzburg den Eberndorfer Chorherrn Christoph Hofmann auf die Propstei St. Magdalena und St. Mauritzen in Friesach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Lucas Mayr und Bartholomäus Kranich amtierten vor ihrer Wahl als Pfarrer in Sittersdorf. Beim Regierungsatritt Mayrs befanden sich neun Chorherren im Stift, angeblich ohne jene, die auf den Pfarren wirkten. Doch haben sicher alle wahlberechtigten Herren den euen Propst gewählt, weshalb es kaum m ehr als zehn gewesen sein dürften. Propst Jakob Pruethe (1544–1559) war vorher Pfarrer zu Stein im Jauntal. Der letzte Propst Sebastian Kobl war Pfarrer in Pettau, wurde Ende Jänner 1599 Administrator in temporalibs und im Mai zum Propst gewählt, nachdem er sich gegenüber dem Kapitel bereit erklärt hatte, in den Orden zu treten. Seltsamer weise gibt es von den vielen Pröpsten, die Eberndorf hatte, in der dortigen Pfarrkirche und früheren Stiftskirche nur von einem einen Grabstein. Dieser gehört Propst Andreas Lochner, der sich seinen Grabstein zu Lebzeiten errichten ließ. Er trägt die Jahreszahl 1540, während der Propst erst 1544 starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Herkunft der Chorherren im 13. und 14. Jahrhundert ist kaum etwas festzustellen, außer dass der 1298 urkundlich erwähnte Kanoniker Johannes – vielleicht der spätere Propst Johannes II. – ein Schwager des Ritters Wulfing von Rechberg war. Anfangs dürfte sich der Konvent wohl mehrheitlich aus dem Adel der Umgebung Eberndorfs bzw. Unterkärntens rekrutiert haben. Ab dem späten 15. Jahrhundert traten verstärkt bürgerliche Kandidaten ins Stift. Für diese werden im Necrologium als Heimatorte Eberndorf, Gmünd und Straßburg (Kärnten), Cilli/Celje (Steiermark) und Eferding (Oberösterreich) genannt. Die Chorherren des 16. Jahrhunderts stammten nach den Angaben des Nekrologs aus Eberndorf, Bleiburg, Eisenkappel, Klagenfurt, Maria Saal und St. Leonhard im Lavanttal (Kärnten), Voitsberg (Steiermark) und Rudolfswerth (Krain). Adelig war kaum einer von ihnen. Der Konvent hatte immer einige Mitglieder windischer (sloweischer) Zunge, weil die Kenntnis dieser Sprache für die Seelsorge bei der windischen Bevölkerung in den Eberndorfer Pfarren Vorraussetzung war. Die Namen der meisten Chorherren, soweit im Nekrolog verzeichnet, verraten aber deutsche Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Skriptorium und Bibliothek==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1280 nennt sich Johannes dictus Shawer de Juna als scriptor aut compilator einer Urkunde Privater für das Kloster Arnoldstein. Ob es sich bei ihm um einen Eberndorfer Chorherrn gehandelt hat, und wenn ja, ob diese Erwähnung bereits als Nachweis eines mittelalterlichen Skriptoriums in Eberndorf ausreicht, ist mehr als fraglich. Denn später bediente sich das Stift für Beurkundungen eigener Notare, die die Urkunden aufsetzten und schrieben. Im Nekrolog von Eberndorf erscheint im 14. Jahrhundert Johannes Polierer von Prag als Notar des Klosters und noch 1469 stellte der Notar des Propstes ein Transsumpt einer Urkunde aus. Eindeutig belegt ist skriptorische Tätigkeit im Stift nur aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Denn vom Dechant Johannes de Everding, der wohl aus dem oberösterreichischen Eferding stammte und 1444 starb, heißt es, dass er schöne Gradualien, Antiphonarien und andere Bücher geschrieben, illuminiert und auch selbst gebunden habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn 1298 bereits ein Schulmeister in Eberndorf genannt wird, musste auch dieser, wie seine Nachfolger, Bücher besessen haben. Ob die nach Eberndorf postulierten Pröpste des Hoch- und Spätmittelalters sowie des 16. Jahrhunderts Handschriften und Bücher in das Stift mitgebracht oder gekauft haben, entzieht sich mangels Hinweisen der Kenntnis. Der 1476 verstorbene Priester Antonius von Bleiburg schenkte dem Stift außer Geld auch Bücher. Auch andere Priester, Pfarrer, Chorherren und Private haben im Laufe der Zeit dem Kloster Bücher geschenkt, wofür ihre Namen in den Nekrolog gesetzt wurden. Daher ist schon für das 15. Jahrhundert ein gewisser Bücherschatz in Eberndorf anzunehmen. 1588 allerdings befanden sich nach der Aussage des Dechanen in der Bibliothek nur antike, keine neueren Bücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menhardt vertrat die Meinung, Wolfgang Lazius habe 1549 bei seiner Kärntner Bibliotheksreise neben anderen Stiften auch Eberndorf besucht und Hadschriften für die kaiserliche Hofbibliothek in Wien requiriert. Daraus würde sich das gänzliche Fehlen von Handschriften aus manchen der aufgehobenen Klöster erklären. Dies mag hinsichtlich Eberndorfs seine Bestätigung darin finden, dass nach Aufhebung des Jesuitenordens nur sehr wenige und unbedeutende Handschriften aus Eberndorf nach Klagenfurt gekommen sind. In der dortigen Studienbibliothek konnten 1882 nur zwei Handschriften sicher als von Eberndorf stammend identifiziert werden, und zwar die Papiercodices Nr. 99 und 170, letzterer früher im Besitz der Jesuiten. Darüber hinaus wurde auch vermutet, dass einiges an Manuskripten nach der Aufhebung aus der Bibliothek der Jesuiten zerstreut, verschleppt oder beiseitegeschafft worden sein könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessat ist die Nachricht, in der Sakristei der ehemaligen Eberndorfer Filialkirche von Loibegg/Belovice habe sich noch 1938 ein Rituale aus dem 15. Jahrhundert befunden, desse Buchstaben auf das Pergament teils mit der Handgeschrieben, teils mitgotischen Lettern gedruckt waren. In die Grazer Universitätsbibliothek ist über die Jesuiten aus Eberndorfer Bestäden nichts gelangt. Im Stiftsarchiv St. Paul wird der Eberndorfer Rotulus aufbewahrt, der zwischen Juli 1528 und Juli 1529 die Eintragungen von rund 80 Stiften und Klöstern aus Kärnten, Salzburg, Tirol, Ober- und Niederösterreich und Wien aufweist. Aus dem Jahre 1604 stammt ein Archivregister von Eberndorf (''„Primus Index litterarum Archivii Oberndorfensis cum earum summis&amp;quot;''), das als Pergametumschlag ein Doppelblatt eines Orationale aus den 14. Jahrhundert (gotische Minuskel, rote und blaue Initialen) besitzt. Es ist heute die Geschichtsvereins-Handschrift 2/40 im Kärntner Landesarchiv. Im selben Archiv existiert als Geschichtsvereins-Handschrift 2/14 das von den Jesuiten angelegte Eberndorfer Kopialbuch („Liber variorum contractum&amp;quot;, 1106-1663).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Aufhebung Eberndorfs existierte jedenfalls auch eine Bibliothek. Diese dürfte 1603 den Grundstock für die Bibliothek des Jesuitenkollegiums in Klagenfurt gebildet haben, denn sie wurde in diese aufgenommen. Nach Aufhebung des Ordens wurde sie in der Klagenfurter Lyceumsbibliothek aufgestellt, worauf die Bestände in die Klagenfurter bundesstaatliche Studienbibliothek kamen. Dort befanden sich im Jahre 1882 Bücher, deren Herkunft aus Eberndorf durch Vermerke (''Exlibris Eberndorfensis coenobii Col. Clagenf. Soc. Jesu Catalogo inscriptus'') erwiesen ist. Wie viele Werke davon aus dem alten Chorherrenstift stammten und von den Jesuiten nur übernommen worden waren, wurde damals nicht angegeben. Die Bestäde der ehemaligen Studiebibliothek befinden sich jetzt in der Klagenfurter Universitätsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Baugeschichte==&lt;br /&gt;
===Kirche===&lt;br /&gt;
Die alte Kirche von Eberndorf reichte bis in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts zurück. Es wurde vermutet, dass das Muttergottes-Patrozinium deshalb gewählt wurde, um eine früher am Ort verehrte weibliche Gottheit zu verdrägen. Von dieser vor 1106 nachgewiesenen Marienkirche ist nichts mehr vorhanden. Patriarch Ulrich ließ sie um 1106 erweitern und darin die sterblichen Überreste des Grafen Chazelin bestatten. Auch der östliche Teil des einstigen Presbyteriums, das um 2,20 m höher liegt als das Schiff und 11 m im Quadrat misst, samt der darunter liegenden ersten Krypta stammen von dieser Kirche. Das Chorquadrat hatte im Osten eine Halbkreisapsis, zwei Eingänge unter dem Priesterchor führten in die Krypta. Die Kirche hatte eine hölzerne Flachdecke, die 3 m niederer als die jetzige Decke war und auf in die Wände gemauerten Pfeilern ruhte.&lt;br /&gt;
Propst Ulrich Christendorfer (1387-1405) errichtete das jetzige, erhöhte Presbyterium. Es ist 13 m lang, hat ein Kreuzrippengewölbe und Strebepfeiler sowie einen 5/8 - Chorschluss, darunter eine gleichlange 3-schiffige Krypta als Verlängerung der bereits bestehenden. Die Weihe des neuen Hochaltares und der Krypta erfolgten 1391 durch den Bischof von Triest Heinrich von Wildenstin gemeinsam mit dem Generalvikar von Aquileja Johann Cado. Die Krypta ist die bedeutendste eben der von Gurk.&lt;br /&gt;
Die Ungnad, seit 1442 Herren auf Schloss Sonnegg, pflegten ihre Toten an der südlichen Außenseite der Kirche zu bestatten. Um die Grabstätte mit der Kirche zu verbinden, entfernten sie die Kirchenmauer und errichteten parallel zur früheren eine neue, wodurch das südliche Seitenschiff mit einer Länge von 20 m und einer Breite von 8 m entstand. Bis 1500 waren dort sieben (nicht 37!) Familienmitglieder begraben worden.&lt;br /&gt;
1483 fiel die Holzdecke der Kirche einem Brand zum Opfer, worauf die Wiederherstellung im Stil der Spätgotik begann. Propst Valentin Fabri vollendete aus Mitteln sei-nes Familienerbes die Einwölbung der Kirche, wobei der Dechant Lucas Fellpacher unter Feierlichkeiten und im Beisein des ganzen Konventes am 7. Oktober 1505 den Schlussstein setzte. Dieses Schlingrippengewölbe trägt die Jahreszahl „''1506''&amp;quot;. Da beim Altar aus dem 15. Jahrhundert, eine von einem Flügelaltar stammende Statue Mariä Verkündigung, die 1938 in der Sakristei stand, und eine Anna Selbdritt Halbrelief aus dem 16. Jahrhundert. Arbeiten der Spätgotik sind auch die Statuen des Florianialtars. Die übrige Kircheneinrichtung stammt aus der Jesuitenzeit und ist barock.&lt;br /&gt;
In der Kirche hängt noch ein Bild in Form eines Altaraufsatzes in der Größe von 3 x 4 m. Der letzte Propst ließ es 1601 ''ad sui suorumque memoriam'' malen. Das Mittelbild stellt das Allerheiligste in der Monstranz dar, die Attika zeigt die Aufnahme Mariens in den Himmel. In der Predella knien vor einem Kruzifix der Propst und die sieben letzten Chorherren, alle mit Rosenkräzen in den Händen und ihren Namen bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Patriarch Peregrin I. erklärte 1154, er habe in Eberndorf nicht nur eine Kanonie regulierter Augustinermönche errichtet, sondern auch das Kloster für die vita regularis der Chorherren gebaut. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um eine Erweiterung der vorhandenen, noch eher bescheidenen Wohngebäude des Säkularkapitels.&lt;br /&gt;
Das jetzige Stiftsgebäude, mit runden Ecktürmen und Schießscharten versehen, stammt aus verschiedenen Epochen. Propst Laurentius (1445-1479) ließ anlässlich des Türkeneinfalls 1473 das Stift mit Wall und Graben befestigen, wozu ihm Georg Löschenpfeffer 120 ungarische Dukatengulden als Messstiftung beisteuerte. Am 14. Oktober 1476 griffen die Türken Eberndorf neuerlich an, wurden aber durch die Befestigungen und die Verteidigung der Klosterleute abgewehrt. Deshalb trieb Propst Leonhard von Keutschach (1480-1490), dessen Brüder in der Eberndorfer Kirche begraben waren, die Befestigungsarbeiten zum Schutz des Klosters voran und gab Anleitungen zur Errichtung von Wehrgalerien an den von den Türken bedrohten Kirchen. Dazu und zum Brand der Kirche von 1483 passt die Erwähnung der Jabrica, also einer Zeche (Bauhütte), aus 1489, ebenso einer fabrica ecclesiaeet monasterii im 16. Jahrhundert. Denn Propst Johannes Wildensteiner (1509-1532) vergrößerte und verschönerte das Kloster und baute Gebäude hinzu. Der im 17. Jahrhundert erwähnte „Dreikönigssaal &amp;quot; war vor der Jesuitenzeit wahrscheinlich eine Kapelle, die sich im Osttrakt der Stiftsgebäude befand, wo man vor dem Zweiten Weltkrieg an der Außenseite in nördlicher Richtung vom Presbyterium der Pfarrkirche vermauerte spitzbogige Fenster sah. 1588 waren die Dächer der Gebäude undicht, letztere deshalb schadhaft.&lt;br /&gt;
Als die Jesuiten Eberndorf übernahmen, unterzogen sie das Ganze Stift einem großzügigen Umbau, denn sie hatten das Geld dazu. Die nördlich der Kirche einen geschlossenen Hofbildenden Gebäude stammen mit Ausnahme der Trakte im Westen und norden vorwiegend aus dem zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts. Durch die teilweise Einbeziehung mittelalterlicher Gebäude und Mauern entstand der unregelmäßig viereckige Hof. Die Trakte weisen dreigeschossige Pfeilerarkaden unterschiedlicher Achsenzahl auf. 1634 wurden laut Inschrift das Eingangstor mit dem zweistöckigen Aufbau und ein Pfarrhof (,,Benefiziatenhaus&amp;quot;) errichtet. Der Erweiterungsumbau und die Fassadierung werden Peter Franz Carlone zugeschrieben.&lt;br /&gt;
Der weitläufige Bau diente den Jesuiten zuerst als Noviziat, wobei gewöhnlich nur vier Patres im ehemaligen Stift lebten. 1658 wurde das Noviziat aufgegeben und es blieben nur zwei bis drei Patres zurück, die die Seelsorge ausübten und die Wirtschaft betrieben. Um die Räumlichkeiten des Klosters doch zu nützen, führt en die Jesuiten Exerzitien für Priester -meist in der ersten Fastenwoche abgehalten - ein. 1690 richtete ein Erdbeben beträchtlichen Schaden an Gebäuden, Kaminen und Türmen des Stiftes an. 1723 vernichtete ein großer Brand Kloster und Kirche. Der Wiederaufbau dauerte mehrere Jahre und kostete 60.000 fl. 1751 wurde der jetzige Bau fertiggestellt. 1809 übergab Kaiser Franz I. den Benediktinern des ehemaligen Klosters St. Blasien im Schwarzwald das leerstehende Stift St. Paul i. L. und als Dotation u. a. Kloster und Herrschaft Eberndorf samt Gut und Schloss Wasserhofen. Die Stiftsgebäude gehören jetzt der Marktgemeinde Eberndorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Über das Archiv des Klosters im Mittelalter fehlen alle Nachrichten. Vor 1447 wurden dem Kloster angeblich viele Urkunden geraubt und gingen deshalb zugrunde, doch kann sich dies wohl nur auf jene Stücke bezogen haben, die die Güterverkäufe der Rechberger an das Stift betrafen. 1588 wurden die Schriften in einer hölzernen Truhe in der Sakristei aufbewahrt. Das Archiv des untergegangenen Stiftes verblieb größtenteils auch unter den Jesuiten in Eberndorf, einige wichtige Urkunden verwahrten sie allerdings in Klagenfurt. Davon kamen nach der Aufhebung dieses Ordens 36 Originalurkunden (von 1220 bis 1601) in die k. k. Hofbibliothek und liegen jetzt im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Die „älteste&amp;quot; Eberndorfer Urkunde von 1106 (Innovation 13. Jahrhundert) gelangte 1849 an den Kärntner Geschichtsverein und befindet sich im Kärntner Landesarchiv.&lt;br /&gt;
Der übrige Archivkörper verblieb weiter in Eberndorf, mit dem nun auch wieder die Eberndorf-Bestände im Klagenfurter Jesuitenkolleg vereinigt wurden. Alles zusammen ging dann 1809 in den Besitz des wieder errichteten Stiftes St. Paul über, wo sich die Archivalien nach wie vor befinden. Die wichtigsten darunter sind: l. Zahlreiche Originalurkunden. 2. Ein von den Jesuiten angelegtes Eberndorfer Kopialbuch aus dem ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts. 3. Das Nekrolog der Propstei in Form eines Pergament-Codex. Dabei scheint es sich um ein erneuertes Nekrolog aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu handeln, dessen Vorläufer um die Mitte des 14. Jahrhunderts begonnen worden war. In der vorliegenden Fassung von zwei Händen geschrieben (A bis ca. 1480, B bis 1592 fortgesetzt) ist es jedoch unvollständig, weil etliche Blätter schon 1886 fehlten. Als letzte Eintragungen haben die Jesuiten die Sterbedaten einiger Exchorherren festgehalten. 4. Rotulae aus Eberndorf. 5. Urbare (erst von 1614). 6. Akten über Vorgänge aus den letzten Jahrzehnten der Propstei im Dekanatsarchiv Eberndorf. 7. Zahlreiche Faszikel „Herrschaft Eberndorf&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Diese Quellen hat B. Schroll entweder ediert oder für seine Publikationen benützt. Die meisten Eberndorfer Urkunden haben Eingang in die MDC und andere gedruckte Urkundenbücher gefunden. Laschitzer hat einige Urkunden des HHStA als Nachtrag zu Schroll ediert. Im Archivio della Curia Arcivesovile di Udine (ACAU) liegen zahlreiche Faszikel mit Akten über das Stift (Prepositura di Eberndorf), die die Beziehungen zwischen dem Patriarchat Aquileja und der Propstei, hauptsächlich im 16. Jahrhundert bis zur Aufhebung, dokumentieren. Diese Faszikel enthalten auch einige wenige Original-Urkunden des genannten Zeitraums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pläne und Ansichten==&lt;br /&gt;
Ein Grundrissplan der Stiftsanlage von der Hand F. X. Kohlas (?), Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden, ist im 1. Band der „Kärntner Burgenkunde&amp;quot;, wiedergegeben.&lt;br /&gt;
Die älteste überlieferte Ortsansicht von Eberndorf ist auf einer gemalten Grenzkarte der Landgerichte Sonnegg und Feuersberg von 1668 zu finden (Papier auf Lw., Tinte aquarelliert). Das in der Stiftskirche hängende Stifterbild (Öl/Lw.) darstellend COMES ACHAZIVS CAZELINVS FVNDATOR KVNIGVDA CON IVNX, das angeblich aus dem frühen 17. Jahrhundert stammen soll, zeigt eine Ansicht des Stiftes, wie es sich zur Zeit der Renaissance (2. Hälfte 16. Jahrhundert) präsentiert haben mag. Der größte Teil der Gebäude ist noch gotisch, ein Hof hat schon zweistöckige Renaissance-Arkaden. Die Abbildung erweckt den Eindruck von Zuverlässigkeit, zumindest scheint ihr die Absicht zugrunde zu liegen, den Zustand der Stiftsanlage vor dem Umbau durch Carlone festzuhalten.&lt;br /&gt;
Der prächtige Kupferstich des Stiftes von Peter Mungerstorf in J. W. Valvasors Topographia Archiducatus Carinthiae von 1688 stellt die Gebäude noch in einer Anordnung dar, die sehr an jene im Stifterbild erinnert. Doch sollte sie bereits die Erweiterung des Komplexes durch die Jesuiten zeigen. Beide Darstellungen weichen von der heutigen Wirklichkeit beträchtlich ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Siegel===&lt;br /&gt;
Das Kapitel in Eberndorf führte ein von 1335 bis 1471 nachweisbares spitzovales Siegel. Im Siegelfeld ist die Muttergottes mit dem unbekleideten Jesuskind dargestellt. Maria sitzt auf einem gepolsterten Thronsessel, der auf einem mit einer Lilie geschmückten Podest steht, und reicht dem Kind mit der Rechten eine Kugel, nach der dieses greift. Bekleidet ist sie mit einem langen Mantel und auf dem Haupt trägt sie einen Schleier.&lt;br /&gt;
Beide Figuren sind nimbiert sowie links von drei Sechsternen und rechts von einem begleitet. Zwischen zwei Perllinien ist eine mit einem Kreuzzeichen beginnende unziale Umschrift angeordnet:&lt;br /&gt;
+	S(igillum). S(an)C(t)E:  MARIE: IVN/ENSIS: ECCLESIE&lt;br /&gt;
Von diesem Stift konnte bisher kein nachfolgendes (Konvent-) Siegeltypar angetroffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wappen===&lt;br /&gt;
Nach heraldisch rechts in Blau über einem silbernen Bogenschildfuß (Berg) aufgerichtet ein goldenes Einhorn.&lt;br /&gt;
Das Wappenbild dürfte von den Stifterngraf Chazilo und seiner Gemahlin Kunigunde herkommen. In der Stiftskirche befindet sich ein barockes Gemälde von dem Paar. Unter ihnen sind zwei Wappentartschen zu sehen: nach links aufgerichtet ein goldenes Einhorn in Blau. Früher wurde es fälschlich, so von Megiser 1612 und ihm folgend von anderen Autoren, dem Kapitel von St. Andrä im Lavattal zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedruckte Quellen==&lt;br /&gt;
* [[Josef Chmel]]: Materialien zur österreichischen Geschichte Aus Archiven und Bibliotheken. Wien 1838. [https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/titleinfo/3079904 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Simon Laschitzer: Die Archive und Bibliotheken des Jesuitencollegiums in Klagenfurt und der Stifter Eberndorf und Millstatt In: Carinthia I 72 (1882), S. 113–121. [https://www.zobodat.at/pdf/Car-I_72_0113-0121.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Relazione della visita apostolica in Carniola. Stiria e Carinzia fatta da Francesco Barvaro. Patriarca eletto d´Aquileja l’anno1593 e presentata a papa Clemente VIII. Udine 1862. [https://books.google.at/books?id=y6EOot30pDoC&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PP5#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Beda Schroll: Rotulae des Augustiner-Chorherren-Stiftes zu Eberndorf. In: Archiv für Vaterländische Topographie 9 (1864) 1–22. [https://books.google.com.cy/books?id=9uI4AQAAMAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=RA1-PA1#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Beda Schroll: Urkunden. Regesten des Augustiner-Chorherren-Stiftes Eberndorf im Jaunthale. Klagenfurt 1870. [https://books.google.at/books?id=hoevmaXLteQC&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA1#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Beda Schroll: Necrologium des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Maria in Juna oder Eberndorf in Kärnten. In: In: Archiv für österreichische Geschichte 68 (1886) 209–325. [https://www.google.at/books/edition/Archiv_f%C3%BCr_%C3%B6sterreichische_Geschichte/PYQJAAAAIAAJ?hl=de&amp;amp;gbpv=1&amp;amp;pg=RA1-PA209&amp;amp;printsec=frontcover (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Giorlamo Conte de Renaldis: Memorie storiche dei tre ultimi secoli del Patriacarto d’Aquileia (1411–1751). Udine 1888. [https://books.google.at/books?id=kecTAAAAQAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PP7#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Bernardo Maria de Rubeis: Monumenta ecclesiae Aquileiensis (…). Argentinae 1740. [https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11348525?page=,1 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Guiseppe Vale: Itinerario di Paolo Santonino in Carintia, Stiria e Carniola negli anni 1485–1487 (studi e testi 103). Cittá del Caticano 1943.&lt;br /&gt;
* Hermann Weißner (Bearb.): Monumenta historica ducatus Carinthiae. Bände 1–4. Bearbeitet von Anton von Jaksch. Klagenfurt 1896–1906. Bände 5–11. Klagenfurt 1956–72.&lt;br /&gt;
* Oskar Veselsky: Die Konsekrationsberichte aus den Ordinations- und Konsekrationsprotokollen der Bischöfe von Lavant im 16. Jahrhundert. Graz 1997 (Quellen zur Geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, 11).&lt;br /&gt;
* Helmut Pechl (Hg.) / Wener Bergmann (Bearb.): Die Tegernseer Briefsammlung des 12. Jahrhunderts. Hannover 2002 (Monumenta Germaniae Historica. Epistolae. Die Briefe der deutschen Kaiserzeit, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Wilhelm Deuer: Eine abgekommene Filialkirche in Eberndort von 1668. In: Carinthia I 191 (2001), S. 705–706.&lt;br /&gt;
* Francesco di Manzano: Annali del Friuli (…). Band IV. Udine 1862.&lt;br /&gt;
* Heinz Dopsch: Die Aribonen – Stifter des Klosters Seeon. In: Kloster Seeon. Beiträge zur Geschichte, Kunst und Kultur der ehemaligen Benediktinerabtei. Hg. von Hans von Malottki. Weißenhorn 1993, S. 55–92.&lt;br /&gt;
* Heinz Dopsch / Hans Spatzenegger: Geschichte Salzburgs Stadt und Land. Band I/2. Salzburg 1983.&lt;br /&gt;
* Bernhard Duhr: Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge im XVI. Jahrhundert. Band 2/1. Freiburg im Breisgau 1913.&lt;br /&gt;
* Rudolf Egger (Bearb.): Die Reisetagebücher des Paolo Santonino 1485–1486. Klagenfurt 1947.&lt;br /&gt;
* Walther Fresacher: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer. 2. Abteilung: Die Kirchen- und Grafschaftskarte. Teil 8/1: Kärnten südlich der Drau. Klagenfurt 1966.&lt;br /&gt;
* Reinhard Härtel: Le fonti diplomatiche e la fondazione dell‘ Abbazia di Moggio. In: Le origini dell’Abbazia di Moggio e i suoi rapport con l’Abbazia svizzera di S. Gallo. Hg. von Gian Carlo Menis. Udine 1994 (Publicationi della Deputazione di Storia partia per il Friuli, 21), S. 17–44. &lt;br /&gt;
* Reinhard Härtel: Tre secoli di diplomatica patriarcale (944–1251). In: Il patriarcato di Aquileia uno stato nell’ Europa medieval. Hg. von Paolo Cammarosano. Udine 1999, S. 229–262. &lt;br /&gt;
* Reinhard Härtel: Moggio. In: Die benediktinischen Mönchs- und Nonnenklöster in Österreich und Südtirol. Band 3/2. Hg. von Ulrich Faust / Waltraud Krassnig. St. Ottilien 2000 (Germania Benedictina, 3/2), S. 832–862. &lt;br /&gt;
* Alfred von Jaksch / Martin Wutte u.a.: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer 1. Abt. Die Landgerichtskarte, 4. Teil Kärnten, Krain, Görz und Istrien, 1. Heft: Kärnten Görz und Gradisca. Wien 1914.&lt;br /&gt;
* Renate Jernej: Das Kollegiatstift St. Bartholomäus in Friesach. Klagenfurt 2001 (Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie, 85).&lt;br /&gt;
* Ernst Klebel: Zur Geschichte der Pfarren und Kirchen Kärntens. B. Die kirchliche Organisation im Patriarchat Aquileja. In: Carinthia I 116 (1926), S. 1–47.&lt;br /&gt;
* Ernst Klebel: Eigenklosterrechte und Vogteien in Bayern und Deutschösterreich. In:  	Hans Hirsch dargebracht als Festgabe zu seinem 60. Geburtstag von seinen Kollegen, Mitarbeitern und Schülern. Wien 1939 (Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsband 14), S. 175–214. &lt;br /&gt;
* Ernst Klebel: Zur Geschichte der Patriarchen von Aquileja. In: Festschrift Rudolf Egger. Beiträge zur älteren deutschen Kulturgeschichte Band 1. Klagenfurt 1952, S. 396–422.&lt;br /&gt;
* Irmtraud Koller-Neumann: Eine Statistik zum österreichischen Klosterwesen von 1593. In: Historische Blickpunkte. Festschrift für Johann Rainer zum 65. Geburtstag dargebracht von Freunden, Kollegen und Schülern. Hg. von Sabine Weiss. Innsbruck 1988 (Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft 25), S. 331–344. &lt;br /&gt;
* Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten. 2 Bände. Klagenfurt 1956–58 (Archiv für vaterländische Geschichte, 56–57).&lt;br /&gt;
* Simon Laschitzer: Geschichte der Klosterbibliotheken und Archive Kärntens zur Zeit ihrer Aufhebung unter Kaiser Joseph II. In: Carinthia I 73 (1883), S. 129–148.&lt;br /&gt;
* Giacomo Marcuzzi: Sinodi Aquileiesi. Udine 1910.&lt;br /&gt;
* Hermann Meinhardt: Handschriftenverzeichnis der Kärntner Bibliotheken. Band 1: Klagenfurt, Maria Saal, Friesach. Wien 1927 ((Handschriftenverzeichnisse österreichischer Bibliotheken, 1). [https://manuscripta.at/diglit/menhardt_1927/0001 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Hermann Meinhardt: Die Kärntner Bibliotheksreise des Wolfgang Lazius 1549. In: Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 24/25 (1936), S. 100–112.&lt;br /&gt;
* Gian Carlo Menis: Storia del friuli dlalle origini alla caduta dello stato patriarcale (1420). Udine 1978.&lt;br /&gt;
* Jacob Mois: Das Stift Rottenbuch in der Kirchenreform des 11.-12. Jahrhunderts: ein Beitrag zur Ordens-Geschichte der Augustiner-Chorherren. München 1953 (Beiträge zur altbayrischen Kirchengeschichte, 3/19).&lt;br /&gt;
* Jacob Mois: Das Stift Rottenbuch im Mittelalter. In: Rottenbuch. Das Augustinerchorherrenstift im Ammergau. Beiträge zur Geschichte, Kunst und Kultur. Hg. von Hans Pörnbacher. Weißenhorn 1980, S. 9–25.&lt;br /&gt;
* Trudpert Neugart: Das Chorherrenstift Eberndorf. In: Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 1 (1849), S. 97–114.&lt;br /&gt;
* Miroslav Ortravsky: Beiträge zur Kirchengeschichte im Patriarchate Aquileja. Klagenfurt 1965 (Kärntner Museumsschriften, XXX).&lt;br /&gt;
* Miroslav Ortravsky: Die Visitation des Patriarchen Franz Barbaro 1593/94 in Kärnten und seine Diözesan- und Provinzsynode im Patriarchat Aquileja. In: Carinthia I 62 (1972) S. 227–233.&lt;br /&gt;
* Pio Paschini: Bertoldo di Merania, patriarca d'Aquileia (1218–1251). In: Memorie storiche Forogiuliesi 15 (1919), S. 1–97.&lt;br /&gt;
* Hans Pirchegger: Der Besitz der Kärntner Klöster und Pfarren in der Steiermark. In: Carinthia I 151 (1961), S. 514–519.&lt;br /&gt;
* Carl Plank: Rihni. Graf Otokar von Leoben und Erzbischof Odalbert von Salzburg. In: Siedlung, Macht und Wirtschaft. Festschrift Fritz Posch zum 70. Geburtstag. Hg. von Gerhard Pferschy. Graz 1981 (Veröffentlichungen des Steiermärkischen Landesarchives, 12), S. 65–80.&lt;br /&gt;
* Helmut Plechl: Studien zur Tegernseer Briefsammlung des 12. Jahrhunderts 3. Briefe zur Reichs- und Landesgeschichte aus der Zeit des Venetianer Friedenskongresses bis zum 3. Laterankonzil (Februar 1177 – März 1179) In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 12 (1956), S. 388–452.&lt;br /&gt;
* Helmut Plechl: Studien zur Tegernseer Briefsammlung des 12. Jahrhunderts 4. Tegernsee unter den Äbten Konrad I. und Rupert (1126–1186). In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 13 (1957), S. 394–481.&lt;br /&gt;
* Johann Rainer: Das geplante Bistum Völkermarkt. In: Carinthia I 150 (1960), S. 804–828.&lt;br /&gt;
* Johann Rainer: Die Jesuiten in Klagenfurt und Eberndorf. In: Symposium zur Geschichte von Millstatt und Kärnten. Hg. von Franz Nikolasch. Millstatt 1994, S. 52–64.&lt;br /&gt;
* Cesar Scalon: Diplomi patriarcali. I documenti dei patriarchi Aquileiesi anteriori alla metà del XIII secolo nell'Archivio Capitolare di Udine. Udine 1983 (Quaderni e dispense dell’ Istituto di sroia dell’ Universitá degli Studi di Udine 8).&lt;br /&gt;
* Rudolf Schäffer: Die Ungnad 1450-1530. In: Adler. Zeitschrift für Genealogie und Heraldik 12 (1981), S. 166, Anm. 15.&lt;br /&gt;
* Michael Schmid: Das Augustinerchorherrenstift Eberndorf in Kärnten. In: In Unum Congregati 2 (1955), S. 68–73.&lt;br /&gt;
* Heinrich Schmidinger: Patriarch und Landherr. Die weltliche Herrschaft der Patriarchen von Aquileia bis zum Ende der Stauffer.  Graz / Köln 1954 (Publikationen des Österreichischen Kulturinstituts in Rom, I/1).&lt;br /&gt;
* Heinrich Schmidinger: Die Besetzung des Patriarchenstuhls von Aquileja bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 60 (1952), S. 335–354.&lt;br /&gt;
* Monika Siedler: Marktgemeinde Eberndorf Einst und heute. Klagenfurt 1992.&lt;br /&gt;
* Stephan Singer: Kultur- und Kirchengeschichte des Jauntales. Band 3: Dekanat Eberndorf. Kappel 1938.&lt;br /&gt;
* Stephan Singer: Kultur. Und Kirchengeschichte des Jauntales. Band 4: Dekanat Bleiburg. Klagenfurt 1983.&lt;br /&gt;
* Albert Starzer: Die Uebergabe des Chorherrenstiftes Eberndorf an die Jesuiten. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsband 6 (1901), S. 624–633.&lt;br /&gt;
* Guiseppe Trebbi: Francesco Barbaro. Patrizio veneto e patriarca di Aquileia. Storia della societá Friulana. Sezione studi e testi. Udine 1984.&lt;br /&gt;
* Adolf Trende: Die Stiftsbibliothek in St. Paul. In: Carinthia I 142 (1952), S. 609–669.&lt;br /&gt;
* Peter Tropper: Von Missionsgebiet zum Landesbistum. Organisation und Administration der katholischen Kirche in Kärnten von Chorbischof Modestus bis zu Bischof Köstner. Klagenfurt 1996.&lt;br /&gt;
* Johann Weichard Freiherr Valvasor: Topographia Archiducatus Carinthiae. Nürnberg 1688.&lt;br /&gt;
* Evelyne Webernig: Geschichtliches über Eberndorf. Klagenfurt 2000 (Ausstellungskatalog des Kärntner Landesarchivs, 6).&lt;br /&gt;
* Erika Weinzierl-Fischer: Die Quart in Kärntens Stiften und Klöstern. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchiv 4 (1951), S. 138–166.&lt;br /&gt;
* Hermann Weissner / Gerhard Seebach: Burgen und Schlösser in Kärnten. Klagenfurt, Feldkirchen, Völkermarkt. Wien 1980.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<title>Stift Eberndorf</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Gedruckte Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift Eberndorf.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Ebernorf, Kupferstich (1681) von Johann Weikhard von Valvasor&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das spätmittelalterliche Nekrologium des Stiftes Eberndorf nennt zum 16. Mai „''Achacius comesfundator huius monasterii, Chunigundis vxor sua''“, wobei über dem Namen Achacius von anderer (späterer) Hand „''Gatzelinus''&amp;quot; geschrieben wurde. An diesem Tag beging man im Stift den Jahrtag dieses und aller anderen Stifter mit einergetreidespende an die Armen, eines „Schinkens&amp;quot; und einer Urne Wein.&lt;br /&gt;
Bei „''Achacius''&amp;quot; handelte es sich um den in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts in Friaul begüterten Graf Chazil, in der Literatur als Graf in Friaul, von Eberndorf und von Moggio bezeichnet. Chazil bzw. Kazelin ist die Kurzform von Kadalhoch, eines Namens, der in der Nachkommenschaft desgrafen Otakar (von Leoben, in Karantanien, 904) üblich war. Als Patriarch Sighard von Aquileja 1072 die Abtei Michaelbeuern bei Salzburg erneuerte, befand sich in seinem Gefolge auch sein Vasall Chazilide Mvosiza (= Moggio in Friaul). Der Patriarch und Kazelin waren miteinander entfernt verwandt. Kazelin war ein Urenkel Aribos und seiner Frau Adala (Adula), der Stifter von Göss, der Patriarch aber nach Heinrich Dopsch (1991) ein Enkel Adulas aus ihrer zweiten Ehe (diese von Plank 1981 bestritten). Diese Verwandtschaft und das Vasallenverhältnis Chazelins zu Aqileja bedingten enge Beziehungen zum Patriarchat. Aus ihnen erflossen nach Kazelins Tod zwei Klostergründungen.&lt;br /&gt;
Da Kazelin kinderlos war - seine Gemahlin Kunigunde wird nur im Eberndorfer Nekrolog aus dem späten 15. Jahrhundert genannt - und auch der Letzte seiner Linie, übergab er um 1085 dem Patriarchen Friedrich II. von Aquileja (1084-1086) Eigengüter in Friaul, vor allem um Moggio an der Fella, zur Stiftung eines Klosters. Diese Dotation verwendete Patriarch Ulrich I. (1086 - 1121) zur Errichtung der Benediktinerabtei Moggio, deren Kirche 1119 geweiht wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kazelin hatte aber vor seinem Tod auch seinen in Unterkärnten gelegenen Allodbesitz der Kirche von Aquileja mit der Bedingung überantwortet, ''dass durch die an dem Ort, wo er begraben würde, lebenden Brüder immerfort mit gebeten gott gedient werde.'' Kazelin starb im oder bald nach dem Jahr 1090 und wurde zuerst in Gösseling (nicht Gösselsdorf bei Eberndorf), unmittelbar bei St. Georgen am Längsee in Kärnten, wo 1002 - 1018 Adalas Schwester Wichburg ein Nonnenklostergestiftet hatte, begraben.	&lt;br /&gt;
Weil Gösseling im Bereich der Erzdiözese Salzburg lag, ordnete Patriarch Ulrich die Überführung des Leichnams Kazelins in die Kirche „''sanctae Mariae Jun in Dobrendorf''“&lt;br /&gt;
(= Eberndorf), die im Diözesansprengel des Patriarchats und auf Kazelins Eigengut lag, an und veranlasste deren Erweiterung. Die angebliche Anwesenheit von drei Suffraganbischöfen Aquilejas (Erhard von Pola, Riwin von Concorda, Hartwig von Triest) bei der Überführung und endgültigen Grablegung Kazelins fällt auf. Kurz vor 1106 soll Bischof Riwin von Concordia im Auftrag des Patriarchen die neue Kirche in Eberndorf geweiht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1106 kam Patriarch Ulrich I. persönlich nach Eberndorf und stellte dort eine Urkunde aus, durch die er dem Gotteshaus und den bereits am Ort lebenden Kanonikern zu ihrem Unterhalt folgende Güter, Einkünfte und Kirchen übertrug : die Dörfergösseling (Goztelich), Eberndorf (Dobrendorf) und was Graf Kazelin in Köcking (Coken), Pribelsdorf (Prilep),gablern (Gablarn, alle drei bei Eberndorf) und anderen Dörfern besaß, die Hügel Kolm (Chulm), Krugl (Chrugel), auf dem das Stift liegt, und Unarach (Vnistiz) bei Eberndorf. Die Wälder mit Jagd- und Fischrechten zwischen dem Jaunberg (Jvnberch, jetzt Hemmaberg bei Jaunstein) und Zelach (Seelach bei St. Kanzian oder Sielach bei Sittersdorf?) und die Zehente zu Windischgraz/Slov.gradec (Graz) und Eberndorf (Ivn) samt den vier Pfarren (plebibus) und ihren Zehenten in Rosegg (im Rosental, Ras), St. Kanzian, St. Michael in Bleiburg und Windischgraz (Graz, eigentlich [[Liste der Pfarren des Stiftes Eberndorf #St.Pankraz in Altenmarkt bei Windischgraz|St. Pankraz in Altenmarkt]]).&lt;br /&gt;
Diese „Stiftungsurkunde&amp;quot; von 1106 Eberndorf (eine genauere Datumsangabe fehlt) ist nur als „Innovation&amp;quot; vom Jahre 1226 erhalten. An ihr hängt aber ein Siegel Patriarch Ulrichs I. (1086-1121), das an der Originalurkunde, nach der Sitte der Zeit, aufgedrückt gewesen wäre. Dieses Siegel ist übrigens das älteste authentische eines Patriarchen von Aquileja. Reinhard Härtel (dem ich hier für vielfache Hinweise aufrichtig danke)gab zu bedenken, dass es heute von Patriarch Ulrich I. keine einzige authentische Urkunde gibt.&lt;br /&gt;
1154 bestätigte der Patriarch Pellegrino I. nach Errichtung des Augustiner-Chorherrenstiftes bei der Pfarre Eberndorf den dem Kloster zugewiesenen Besitz. Als solcher wird genannt: Die Pfarre Eberndorf samt Zehenten und sechs Kapellen, die Pfarre Leifling mit zwei Kapellen, ein Teil Zehent in der Pfarre Skalis bei Schönstein in der Untersteiermark und die Kapelle St. Georgen am Georgiberg bei Eberndorf. Die angeblich schon 1106 inkorporierten großen Pfarren St. Michael in Rosegg, St. Kanzian, St. Michael in Bleiburg und Graz werden 1154 nicht erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die Urkunde von 1106 angeblich in Eberndorf ausgestellt wurde, nennt sie als Zeugen der Rechtshandlung weder einen höheren oder niederen Geistlichen in der Begleitung des Patriarchen, noch den ersten Propst - nach Marian hätte es der von ihm zu 1111 genannte Hartwig (im Nekrolog von Eberndorf zum 3. August eingetragen) sein können - oder einen der Kanoniker. Auch die weltliche Zeugenreihe beinhaltet nur Vornamen, was R. Härtel jedoch als Kriterium der Echtheit der Urkunde ansieht. Auch die zum Schluss der Urkunde ausgesprochene ''Commina cio spiritualis'' ist damals nicht unüblich gewesen und findet sich auch in anderen Urkunden dieser Zeit. In der päpstlichen Bestätigung für den Patriarchen Pellegrino I. von 1132 fehlt Eberndorf richtigerweise unter den zum Patriarchat gehörigen Klöstern, weil es einerseits immer im Herzogtum Kärnten lag, andererseits noch nicht als reguliertes Stift existiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1106 hört man fast fünfzig Jahre überhaupt nichts von Eberndorf. Erst 1149, 1151 und 1152 erscheint in „''Leoprepositus Iunensis''“ der erste auch durch Urkunden nachweisbare Vorsteher einer Priesterkommunität in Eberndorf. Dies hat W. Fresacher, J. Rainer, E. Webernig und andere bewogen, die Errichtung des Augustiner-Chorherren Klosters zwischen 1149 und 1154 anzusetzen. 1154, unter Leos Nachfolger Roman, war sie durch die Einführung der Augustinerregel für die Kanoniker seitens des Patriarchen Pellegrino I. bereits vollzogen und 1177 wird Eberndorf erstmals als Kloster aquilejischer Jurisdiktion bezeichnet.&lt;br /&gt;
Auffallend ist, dass Patriarch Ulrich I. die Gründung Eberndorfs als Säkularstift schon 1106 ins Werk setzte, während er sich bei Moggio länger Zeit ließ, dessen Gründung erst 1119 zum Abschluss kam. R. Härtel hat in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass Ulrich I. der letzte seines Hauses (Eppenstein) war. Deshalb und seines zuletzt hohen Alters wegen könnte sein Interesse an der weiteren Verfügung über die Güter Kazelins erlahmt sein. Andererseits konnte er auch ohne größere Bedenken aus Eigenem für Klostergründungengeben. Wegen der Übergabe der Güter Kazelins und der Inkorporation der vier Pfarren wurde Ulrich im Ebendorfer Nekrolog als „Stifter&amp;quot; eingetragen. Ein besonderer Freund der regulierten Chorherren scheint er aber nicht gewesen zu sein, hat er doch das nach der Augustinerregel lebende Kloster Rosazzo im Patriarchat Aquileja um 1090 in ein Benediktinerkloster umgewandelt, das der Hirsauer Reformbewegung nahestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die besondere Stellung Ulrichs I. (Alter, Letzter seines Hauses) könnte - nach Meinung Härtels - auch dafür verantwortlich sein, dass für beide Klöster aus ihrer Gründungszeit heute so wenig schriftliches Material vorhanden ist, vielmehr erst Patriarch Pellegrino I. die Verhältnisse sowohl in Moggio als auch in Eberndorf stabilisiert bzw. geordnet hat. Es herrscht die Meinung vor, Eberndorf sei die letzte Stiftsgründung in Kärnten gewesen, die in einen unmittelbaren Zusammenhang mit der von Salzburg getragenen Reformbewegung in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts gebracht werden könne.&lt;br /&gt;
Denn die Chorherren waren, zum Unterschied von den Mönchen, auch in der Seelsorge tätig. Und um diese ist es Patriarch Pellegrino I. wohlgegangen. Erzbischof Konrad I. von Salzburg (1106-1147) führte die Augustinerregel in den Dom stiften Salzburg und Gurk ein und errichtete eine stattliche Zahl von Chorherrenstiften in seiner Diözese. Eberndorf wird mit den Stiften [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (Oberösterreich) und [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] (Niederösterreich) als zur Salzburger Observanz gehörig bezeichnet.&lt;br /&gt;
Die Frage nach der Herkunft der Chorherren des Jahres 1154 ist momentan nicht zu beantworten. Im Falle einer „Umwandlung&amp;quot; des Säkularstiftes in ein reguliertes, erübrigt sich die Frage weitgehend. Die Meinung, es könnten (auch) Kanoniker aus dem oberbayrischen Kloster Rottenbuch nach Eberndorf gekommen sein, wurde widerlegt und statt diesem der eben erwähnte Salzburger Reformkreis in Vorschlag gebracht. Trotzdem gab es schon um 1170 enge Beziehungen zwischen Eberndorf und Rottenbuch, weil damals ein und derselbe Propst beiden Klöstern vorstand.&lt;br /&gt;
Vogtei und Blutgericht über Eberndorf lagen ursprünglich bei den Herren von Trixen, dann wurde die Blutgerichtsbarkeit von den Herrschaften Sonnegg bzw. Rechberg als Sitze des Landgerichts Jauntal, seit 1454 aber vom herzoglichen Landgericht Stein im Jauntal ausgeübt. Die Niederegerichtsbarkeit über die Bewohner im Burgfried Eberndorf und über die stiftischen Untertanen hatte der Propst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kapitel von Eberndorf hatte das Recht, seine Pröpste aus seiner Mitte zu wählen, dem Patriarchat blieb als Ordinarius das Bestätigungsrecht. Unter dem bedeutendsten Propst des frühen Mittelalters Otto (II.) erreichten die Beziehungen zu Aguileja geradezu familiären Charakter. Otto, Propst des Reformklosters [[Stift Rottenbuch|Rottenbuch]] am Ammersee (dort 1144 zur Regierung gekommen), war eingeborener Graf von Falkenstein, Bruder des Abtes Rupert von Tegernsee (1156–1186) und hatte einen dritten Bruder Gebhard von Sanegg, der die Schwester des Patriarchen Ulrich II. Graf von Treffen (1161–1182) geheiratet hatte. Wohl deshalb wurde Propst [[Otto (Stift Eberndorf)|Otto]] 1173 (oder kurz davor) auch Propst von Eberndorf, dessen zusätzliche Einkünfte Otto für seine vom Patriarchen gewünschte Mitarbeit beweglicher machen und das Kloster Rottenbuch finanziell entlasten sollten. Aus den Jahren 1177 bis 1179 existiert ein Briefwechsel zwischen Otto, seinem Bruder Abt Rupert, dem Patriarchen und anderen Prälaten. Dieser zeigt Otto im aufreibenden Dienst beim Patriarchen, mit dem er sich in Venedig beim Friedensschluss zwischen Papst und Kaiser (1177) aufhielt. Er gehörte in den Auseinandersetzungen Kaiser Friedrichs I. Barbarossa mit Papst Alexander III. der päpstlichen Partei, das heißt der streng kirchlichen Richtung an und hatte deshalb manche Verfolgung von Seiten Welfs von Bayern zu ertragen. Aber selbst die Mittel aus zwei Propsteien scheinen für Otto nicht ausgereicht zu haben, um den Aufträgen des Patriarchen nachkommen. Der Propst beklagte sich beim Archidiakon von Villach darüber, dass er sich nicht einmal neue Kleider leisten könne, denn er musste häufig zwischen Rottenbuch, Eberndorf und Aguileja pendeln.&lt;br /&gt;
Eine Familienaffäre brachte Propst Otto sogar in Gegensatz zum Patriarchen. Herrand von Wildon, der schon mit Graf Wilhelm von Heunburg zwei Töchter Leutolds von Gutenberg-Waldstein entführt hatte, um für sich und seinen Freund zu reichen Bräuten zu kommen, entführte – diesmal nicht für sich – die minderjährige Tochter des inzwischen verstorbenen Gebhard von Sanegg. Die Mutter des Mädchens war damit einverstanden, denn sie wollte ihre beiden Kinder, die Tochter und deren Bruder, an nicht standesgemäße Partner verheiraten, um ihnen nicht das ganze elterliche Erbe als Mitgiftgeben zu müssen. Den größten Teil des Erbes gedachte sie dem Patriarchat Aquileia zuhanden ihres Bruders, des Patriarchen, zuzuwenden. Propst Otto gelang es, mit Unterstützung seines äbtlichen Bruders, den Knaben unter seine Obhut zu bringen und ihm nach langen Verhandlungen sein reiches väterliches Erbe gegen die Absichten der Mutter und des Patriarchen zu sichern. Der Knabe wurde dadurch der Stammvater der späteren Grafen von Cilli.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang des 13. Jahrhunderts bestanden auch Beziehungen zwischen Eberndorf und der Kanonie Reichersberg am Inn. Dort resignierte 1206 Propst [[Leonhard I.|Leonhard]]. Er verließ in diesem Jahr sein Kloster, nachdem er den dortigen Kanonikern noch einige Wohltaten erwiesen hatte, und wandte sich nach Eberndorf, wo er sofort zum Propst gewählt wurde. Auch hier wirkte er für seine neuen Mitbrüder segensreich. Auf ihn ging die Widmung der Einkünfte von 20 Huben zur Kleiderkammer der Chorherren zurück.&lt;br /&gt;
Das 14. und 15. Jahrhundert war auch für Eberndorf die große Zeit der Jahrtagsstiftungen. Die Schenkungen aus diesem Titel bedeuteten für die Propstei einen respektablen Besitzzuwachs. 1312 errichtete der Burgherr von Sonnegg im Jauntal eine große Stiftung, die von zwölf Priestern bedient werden sollte und gab dafür sechs Huben. Ob das Stift damals so viele Priesterkanoniker hatte ist unbekannt. Die zwölf Messen dürften wohl auch von den Säkularpriestern, die zum Jahrtag ins Stiftgeholt wurden, gelesen worden sein. Die Sonnegg–Stiftung wurde in der Folge noch erweitert, doch kam Ebendorf nicht sofort in den Besitz der Liegenschaften, denn diese wurden von späteren Burgbesitzern widerrechtlich zurückbehalten und erst 1394 den Stift eingeantwortet. 1313 verlieh Graf Heinrich von Görz-Tirol dem Stift Lehenhuben in Grabelsdorf bei Ebendorf, damit der Konvent für ihn und seine Vorfahren bete. Auch mehrere Mitglieder der im Jauntal ansässigen ritterlichen Familie der Christendorfer errichteten in dieser Zeit Messstiftungen. größere Jahrtagsstifungen gingen auf Wulfing von Sunneck (1344), die adeligen Schrampf (1501), den Kardinalbischof von Santa Sabina oder den Bischof Warunensis de Pruscia zurück. 1330 errichtete Patriarch Paganus für sich eine Jahrtagsstiftung in Eberndorf und gab dazu einen Weingarten bei Sittersdorf. 1362 erfolgte die Jahrtagsstiftung des Dechants Jacob von Eberndorf. Eine letzte Stiftung machte noch kurz vor der Reformation Martin Luthers der vermögende Propst Valentin Fabri 1508.&lt;br /&gt;
Durch die Munifizenz des Patriarchen Bertold (1218–1251) besaß Eberndorf schon früh auch eine Spitalstiftung. 1397 erlaubte der Patriarch der Propstei, die Stiftung von einem Kanoniker verwalten zu lassen. Sie überlebte nicht nur die Aufhebung des Stiftes, sondern auch die des Jesuitenordens und existierte noch im 20. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformbestrebungen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hatte schon früher (1309) der Patriarch in das geistliche Leben der Kanonie Eberndorf eingegriffen, gab der Klerus in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, nicht nur in der Diözese Aquileja, Anlass zu herber Kritik. Der Patriarch schickte Visitatoren auch nach Eberndorf. Diese fanden am 10. Oktober 1475 die dortigen Verhältnisse ziemlich liederlich. Unpassende Kleidung, intime Beziehungen zu Frauen und regelwidriges Leben waren die Hauptvorwürfe. Man schärfte Propst und Kapitel die schon früher ergangenen Reformvorschriften erneut ein. Bald danach wurde Leonhard von Keutschach zum Propst gewählt. Er hatte sich vordringlich um die Sicherheit der Propstei in den Auseinandersetzungen Kaiser Friedrichs III. mit den ins Land eingedrungenen Truppen des Ungarnkönigs Matthias Corvinus zu kümmern. Als Keutschach 1490 zum Dom Propst von Salzburg gewählt wurde, behielt er Eberndorf noch drei Jahre lang als Kommende bei. Schließlich wurde er Erzbischof von Salzburg, wo sein Andenken mit dem Ausbau der Festung Hohensalzburg verknüpft ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1497 kam ein Mann zur Propstwürde, der als typischer Vertreter des höher en Klerus am Vorabend der Reformation erscheint: [[Valentin Fabri]]. Er stammte aus Ponigl in der Untersteiermark, war als Säkularpriester 1478 schon Vikar, drei Jahre später ordentlicher Pfarrer von Gonobitz/Konjice. Im nächsten Jahr wurde er Statthalter des Patriarchats, dann Vizearchidiakon und 1486 Archidiakon von Saunien. &lt;br /&gt;
Im März resignierte Propst [[Andreas Erlpacher|Erlpacher]] und Fabri wurde von den Kanonikern dem Patriarchen als Propst präsentiert und auch bestätigt. 1498 nannte er sich Propst von Eberndorf, Archidiakon im Jaun- und Sanntal, ewiger Kommendator der Pfarren St. Georg in Gonobitz und St. Nikolaus in Saldenhofen/Vuzenica. 1487 bereiste der Bischof von Caorle im Auftrag des Patriarchen den Archidiakonatsdistrikt Saunien und traf mehrmals mit dem Archidiakon Fabri zusammen. Paolo Santonino beschreibt Fabri als an Körpermaß und Tugend wahrlich großen Mann, der in Gonobitz einen Haushalt mit 43 Personen (darunter neungeistliche) führte und acht Pferde unterhielt. Die Gastmähler, die Fabri der Reisegesellschaft gab, waren eines Kardinals würdig. Die Pfarre Gonobitz hatte 25 Filialkirchen, fetteste Einkünfte und warf ihrem Inhaber im Jahr 200 Dukaten ab. Kein Wunder, dass die Eberndorfer Chorherren Fabri als Propst wünschten, denn sie erhofften sich von ihm wirtschaftliche Vorteile für ihr Stift. Eine Ebendorfer Inschrift von 1506 nennt ihn ''prepositus et reformator'' des Klosters. Fabri residierte abwechselnd in Eberndorf und Gonobitz, wo er an der Beulenpest starb und eingrabmal erhielt. Dessen Inschrift lautete:&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;''Hoc sub signo requiescat in Pace Rev. Pater Valentinus Fabri honorandusque praepositus in Aberdorfiis et huius ecclesiae plebanus et reformator et archidiaconus Sauniae. Obiit bubonnibus anno Domini 1505''&amp;quot;. &amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seiner Todeskrankheit wegen wollte man Fabri nicht nach Ebendorf überführen, was aber Jahre später von Aquileja aus angeordnet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 16. Jahrhundert - das Völkermarkter Bistumsprojekt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es hätte mehrere Pröpste wie Valentin Fabri bedurft, um Eberndorf durch die schweren Zeiten des 16. Jahrhunderts zu führen. 1529 musste das Stift ein Viertel seines Grundbesitzes König Ferdinand I. als Subsidium zum Türkenkrieg opfern. Einiges konnte das Stift in bar ablösen, trotzdem war der Verlust so vieler Güter und ihrer Einkünfte empfindlich und eigentlich der Anfang vom Ende des Klosters. Hausgemacht war die Misswirtschaft, die man Propstes [[Lucas Mayr]] von Seiten des Stiftes wie der Regierung vorwarf. Sie endete 1573 mit seiner Absetzung. Mayr hatte mit seiner Haushälterin einige Kinder gezeugt, denen er in Bleiburg Haus und Grund kaufte. Dar auf angesprochen antwortete er lapidar, er habe sich das Geld noch als Pfarrer von Sittersdorf verdient. Vom Regularleben hielten er und etliche Chorherren nichts mehr. Diese Zeit ist die&amp;quot; protestantische Phase&amp;quot; des Stiftes. 1569 forderte Erzherzog Karl den Propst auf, den von ihm verlangten Bericht über die Profanierung und Einziehung der Benefizien und geistlichen Güter, deren sich vor allem die evangelischen Ungnad als Schlossherrn von Sonnegg schuldig gemacht hatten, unverzüglich nach Graz einzuschicken.&lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes [[Bartholomäus Kranich]] (1583) war die Administration der wirtschaftlichen und geistlichen Agenden Eberndorfs nicht mehr zu umgehen. Die ökonomischen Verhältnisse waren so desolat, dass ab 1588 der Bischof von Laibach (vertreten durch einen Stiftsökonomen) die Stiftswirtschaft sechs Jahre hindurchführte, ohne deren Gesundung zu erreichen. In dieser Zeit verfiel das Stift auch personell zunehmend. Die miserablen Zustände lenkt en die Aufmerksamkeit des Grazer Hofes auf die Propstei. Mitte Februar 1587 richtete Erzherzog Karl an den Papst ein Schreiben mit der Bitte, an der Kollegiat- und Pfarr Kirche Völkermarkt in Kärnten einen Bischofsitz zu errichten und dem Bistum alle Pfarren und Filialkirchen des Kollegiatstiftes von der Erzdiözese Salzburg sowie auch die dem Patriarchat Aquileja unterstehenden Kärntner Pfarren von ihren Bistümern abzutrennen und dem neuen Bistum zuzuweisen. Als Dotation der bischöflichen Mensa sollte das schlecht verwaltete Stift Eberndorf verwendet werden. Als Gründe für die Bistumserrichtung wurden gegenreformatorische Erwägungen genannt. Doch gab es 1588 im Ort Eberndorf selbst angeblich nur drei Lutheraner. Der Heilige Stuhl war diesem Plan nicht abgeneigt und ordnete einen Informationsprozess an, der im August 1588 begann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Zeugen wurden der Propst von Völkermarkt und zwei Eberndorfer Chorherren einvernommen. Der eine von ihnen war der ehemalige Propst [[Matthäus Scharrer]], der andere der Chorherr und Pfarrer von Gutenstein. Beide bekannten, häufig bis öfter zu beichten und fast täglich bis häufig zu zelebrieren. Das Land habe in den vergangenen Jahren durch die Pest furchtbaren Schaden erlitten, der noch immer spürbar sei. Die Bevölkerung sei fast ganz lutherisch. Die Zahl der dem Stift inkorporierten Pfarren wurde (ohne die Stiftspfarre) mit zwölf angegeben, wozu noch zwei Benefizien kamen. Das Leben der Chorherren nannte der Expropst skandalös, sie seien eher Kaufleute als Religiosen, eine Reform daher dringend erforderlich. Im Jahr darauf (1589) wurde der Administrator in temporalibus Peter Crobat, 29 Jahre alt, zur wirtschaftlichen Lage befragt. Er wusste nicht, wer gerade Propst und Dechant in Eberndorf war, konnte aber detaillierte Angaben zu den Einkünften des Klosters machen. Nach seinen und des Expropstes Angaben waren sie beträchtlich, doch standen ihnen hohe Schuldengegenüber. Das günstige Gutachten der Kommission führte Ende Februar zum formellen Antrag des Grazer Hofes in Rom zur Errichtung des Bistums. Nur der im Juli eingetretener Tod des Erzherzogs verhinderte die Ausführung des Plans. Andernfalls wäre Eberndorf bereits damals untergegangen. Die Ruhe war aber nur von kurzer Dauer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftlicher und personeller Niedergang===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der immer deutlicher zu Tage tretende Verfall in der Wirtschaft des Klosters und der Disziplin der Chorherren rief den Patriarchen auf den Plan. Er wollte dem Stift helfen und sandte den Bischof von Triest nach Eberndorf, um die Situation festzustellen (13. April 1590). Der unfähige Propst wurde zur Abdankung veranlasst und der Kapitular [[Zacharias Fladnitzer]] in Anwesenheit eines aquileischen Provikars gewählt, von der Regierung aber nicht bestätigt, weil die landesfürstlichen Kommissäre nicht zur Wahl beigezogen worden waren. Kanonisch war Fladnitzers Wahl rechtmäßig, trotzdem musste er sich zurückziehen. An die Stelle Fladnitzers trat auf Empfehlung der Erzherzogin Witwe Maria deren Sekretär und Rat [[Ursinus de Bertis|Ursinus (Orsino) de Bertis]] (4. Juli 1591). Weil aber auch diese Wahl „aus irgendwelchen gründen“ den Anschein der Illegitimität hatte, resignierte der gewählte, in zwischen Bischof von Triest geworden, die Würde. Erst die folgende Propstwahl brachte vorläufig Beruhigung. Da kam der Koadjutor des Patriarchen im Spätherbst 1593 auf einer Visitationsreise nach Eberndorf. Auch er musste die desolaten Zustände feststellen, ohne sie nachhaltig verbessern zu können. Zu allem Unglück wurde das Stift bald darauf auch noch Opfer frecher Räuber. Nicht nur Immobilien und Zehenterträge, sondern auch Bargeld, Kirchenkleinodien, Paramente, Dokumente und anderes verschwanden, ohne dass die Diebe bekannt geworden wären. Der Schaden war so hoch, dass sich der Propst an den Papst um Hilfe wandte. Dieser beauftragte mit der Ausforschung der Räuber und Hehler den Patriarchen von Aquileja, den Erzbischof von Salzburg und den Bischof von Lavant, damit dem Stift das Geraubte zurückgegeben werde, was wahrscheinlich nicht geschehen ist.&lt;br /&gt;
Die Administration Eberndorfs durch den Laibacher Bischof blieb auch unter Propst Bertis noch aufrecht, doch keiner von beiden vermochte das Stift finanziell zu sanieren. Zu einer Zeit, da es mit den meisten Stiften des Landes in jeder Beziehung wieder aufwärts ging, siechte Eberndorf nicht nur wirtschaftlich weiter dahin, sondern entbehrte geeigneten Nachwuchses, obwohl damals mehrere junge Männer aus dem Ort Eberndorf an der Grazer Jesuitenuniversität studierten und sich Kandidaten für den Eintritt in Eberndorf meldeten. Ende Jänner 1599 bestellte der Erzherzog [[Sebastian Kobl]], Pfarrer von Pettau/Ptuj, zum Administrator in temporalibus. Der Patriarch von Aquileja sprach den Wunsch aus, es möge ein neuer Propst bestellt werden, worauf der Erzherzog Anfang Mai erlaubte, Kobl zum Propst einzusetzen, der auch der Wunschkandidat des Patriarchen war. Das Kapitel hatte aber – in Ausübung seines freien Wahlrechts – den Gurker Kanoniker Matthias von Staudach zum Propst gewählt, denn Kobl gehörte nicht dem Orden an. Die Regierung verweigerte Staudach die Bestätigung, weshalb das Kapitel Kobl akzeptieren musste, der schließlich den Orden annahm. Mit Kobls Regierungsantritt ging auch die Zeit der wirtschaftlich en Administration zu Ende. 1601 erfolgte letztmalig die Bestätigung der Stiftsprivilegien durch den Landesfürsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kobl regierte ganz im Sinne der Gegenreformation, wie seine Bemühungen um die Wiedererrichtung des Schlossbenefiziums Sonnegg zeigen, das die evangelischen Freiherrn Ungnad hatten abkommen lassen. Das Stift hatte früher dem Besitzer von Sonnegg 8.000 Gulden geliehen, als Pfand aber zum Teilgüter der Schloss-Kaplanei, die ohnehin dem Stift inkorporiert war, angenommen. Insofern hatte das Stift das Geld für Untertanen verliehen, die es bereits besaß. Die Grazer Regierung legte dem Propst nahe, sich darüber mit den Ungnad'schen Erben vor Gericht auseinanderzusetzen. Kobl hat für die Restaurierung von Kirche und Kloster viel getan und sich um die Weiterexistenz der Kanonie gesorgt, auch wenn ihm die erforderlichen Neuaufnahmen von Chorherren aus unerfindlichen Gründen nicht gelangen. Selbst bei seinen wenigen noch vorhandenen Konventualen vermochte er die Ordensdisziplin nicht wiederherzustellen. Drei von ihnen, die dem Konkubinat verfallen waren, wollte er aus dem Stift in ein anderes überstellen, damit nicht auch die jungen Kleriker verführt würden. Über alle diese Probleme ist Kobl unvermutet am 10. Oktober 1602 gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufhebung 1604 und Übergabe an den Jesuitenorden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der frühe Tod Propst Kohls hinterließ im Stift ein gefährliches Vakuum. Zwar wählten die Chorherren im darauffolgenden April neuerlich Matthias von Staudach zum Propst, und das in Anwesenheit des Abtes von Arnoldstein als Vertreter des Patriarchen, doch auch diesmal ohne Regierungskommissär. Wieder verweigerte die Grazer Regierung dem gewählten die Anerkennung und verbot ihm die Führung der Geschäfte. Die Kanoniker wandten sich an den Erzherzog und wiesen auf ihre Privilegien und die Zustimmung des Patriarchen bezüglich der vorgenommenen Wahl hin. Auch die Ernennung Staudachs zum Administrator Eberndorfs und Vikar durch den Patriarchen (14. November 1603) nützte nichts. Der Erzherzog hatte längst andere Pläne und hielt die Kanoniker hin.&lt;br /&gt;
Der Koadjutor des Patriarchen, Francesco Barbara, hatte bei seinen Visitationen in Kärnten 1593/94 die katastrophale Lage des Katholizismus in diesem Teil der Diözese kennengelernt und befürwortete die Errichtung eines Jesuitenkollegiums in Kärnten. Als er Patriarch geworden war, hegte er die Absicht, die Einkünfte von Eberndorf für ein zu errichten des Jesuitenkolleg in Görz und die Installierung eines Archidiakons des Patriarchen für Unterkärnten mit Sitz in Eberndorf zu verwenden. Für ein Kolleg im erzprotestantischen Villach war die personell schwache Abtei Arnoldstein in Aussichtgenommen, doch legte sich diesfalls der Bischof von Bamberg, dem dieses Stift unterstand, quer. Das Stift Millstatt hatte der Jesuitenorden bereits 1598 „okkupiert&amp;quot;, bevor es ihm 1600 vom Papst bestätigt wurde, und für ein Jesuitenkolleg in Laibach verwendete man die Kartause von Pletriach/Pleterje. Wollte der Erzherzog ein neues Kolleg gründen, konnte er dies – mangels eigenen Geldes – nur auf Kosten bestehender Stifte oder Klöster tun. Der erzherzogliche Plan, in Klagenfurt ein Jesuitenkolleg ein zurichten und dazu Eberndorf und seine inkorporierten Pfarren zu verwenden, stieß aber nun auf den Widerstand des sonst jesuitenfreundlichen Patriarchen. Denn dieser fürchtete um seine Jurisdiktion über die Eberndorfer Pfarren, sollten diese jesuitisch werden. Die Jesuiten, bereits auf Eberndorf aufmerksam gemacht, bemühten sich, die Bedenken Barbaras zu zerstreuen und fanden im Erzherzog einen konsequenten Förderer ihres Anliegens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lavanter Bischof Georg Stobäus von Palmburg (1584-1618) erwuchs der Propstei zuletzt ein Gegner, dem das personell schwache Kapitel nicht gewachsen war. Stobäus besaß das uneingeschränkte Vertrauen des Erzherzogs und war ein erklärter Feind der Protestanten, zu deren Zurückdrängung in Kärnten er das Kolleg in Klagenfurt ins Leben rief, wo 1602 die ersten Jesuiten eintrafen. Stobäus beredete den Erzherzog, die reiche Propstei Eberndorf den Klagenfurter Jesuiten zu schenken. Im Stiftgäbe es derzeit keinen Propst und nur sehr wenige Kanoniker, deren Lebenswandel wenig erbaulich sei.&lt;br /&gt;
Ohne die päpstliche Zustimmung zur Aufhebung abzuwarten ließ Erzherzog Ferdinand per Dekret vom 29. Juli 1603 die mobilen und immobilen Temporalia den Jesuiten für ein zu errichtendes Kolleg in Klagenfurt übergeben. Die Eberndorfer Kanoniker wandten sich an Kardinalstaatssekretär Aldobrandini um Hilfe gegen die Jesuiten, die sie als Usurpatoren bezeichneten. Sie wandten sich auch schriftlich an den Papst selbst, der dem Erzherzog durch den Nuntius in Graz mitteilen ließ, dass er sich des Verbrechens der unerlaubten Besitzergreifung von Kirchenvermögen schuldig gemacht habe. Der Erzherzog sah seinen Fehler ein und war bereit, die beiden Jesuiten aus Eberndorf abzuziehen und die Besitzergreifung zu widerrufen. Auch die Jesuiten schienen geneigt, Eberndorf aufzugeben. Nun appellierten die Kanoniker an den Patriarchen, ihnen zu sagen, was sie tun und wovon sie leben sollten. Er möge ihnen seinen Schutzgewähren und den früheren Zustand wiederherstellen. Aus dem Streit über die Gültigkeit der letzten Propstwahl war ein Tauziehen um den Fortbestand des Stiftes geworden, das eineinhalb Jahre dauerte. Der Patriarch stand mittlerweile ganz auf Seite des Kapitels, weil das Stift seit seiner ersten Gründung im Jahre 1146 (! - richtiges Datum oder irrig statt 1106?) zur Kirche von Aquileja gehöre. Da erkrankte der Papst und die Angelegenheit blieb in Rom vorerst unerledigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den ganzen Winter 1603/1604 gab es über diese Frage einen regen Briefwechsel zwischen Graz, Eberndorf, Aquileja und Rom. Letztendlich war nicht das Fehlen eines Propstes – der Gurker Domherr Matthias von Staudach wäre gerne bereit gewesen, dem Stift als Propst wieder aufzuhelfen –, der personell überalterte und geschrumpfte Konvent oder die schlechte Wirtschaftslage des Stiftes für seine Aufhebung ausschlaggebend.&lt;br /&gt;
Allein gegenreformatorische Gründe führten die Entscheidung herbei. Der katholische Erzherzog brauchte die Jesuiten, um mit ihrer Hilfe den Protestantismus aus seinen Erblanden zu verdrängen. Da er aber die zu errichtenden Kollegien nicht mit landesfürstlichem Kammergut dotieren wollte, griff er nach geistlichem Gut, das ohnehin seit jeher als Kammergut galt. Deshalb musste Eberndorf als Augustiner-Chorherrenstift unter-gehen. Das gegenreformatorische Argument und die persönliche Intervention Erzherzog Maximilians, eines Bruders Ferdinands, beim neuen Papst dürften diesen letztendlich umgestimmt haben. Aquilejas Position war zu schwach, um die Propstei vor dem Zugriff der Jesuiten zu bewahren. Denn der Erzherzog hatte gedroht, das Patriarchat militärisch anzugreifen, sollte der Patriarch als venezianischer Adeliger den venezianischen Gesandten am Heiligen Stuhl um Intervention beim Papst bitten.&lt;br /&gt;
Am 5. April 1604 erließ Clemens VIII. das Aufhebungsdekret bezüglich Eberndorf. Er berief sich darin auf ein schon früher erlassenes Dekret, wonach alle vakanten Propsteien und Konvente seiner Verleihung oder Verfügung vorbehalten seien. Dies sei nun bei Eberndorf der Fall und deshalb gebe er der Bitte des Erzherzogs, die Propstei zur besseren Dotierung eines Jesuitenkollegs verwenden zu dürfen, nach. Er hebe deshalb die Propstei auf, ordne aber die gerechte Versorgung der Chorherren für ihr auch fernerhin an die Klosterregel gebundenes Leben an. Der Patriarch stimmte der Aufhebung resigniert zu, da er sah, dass er den Ausgang der Sache nicht mehr verhindern konnte. Am 29. Juli fand in Beisein des päpstlichen Nuntius in Graz Gerolamo Porcia, des Sekkauer Bischofs Martin Brenner als Regierungskommissär, des Kärntner Landeshauptmanns, des Landesvizedoms und des Jesuitenprovinzials P. Alphons Carrillius die Übergabe der Kanonie an den habgierigen Orden statt. Im Kloster lebten noch fünf Chorherren, von denen vier angeblich so krank waren, dass sie nicht zelebrieren konnten. Ihre Versorgung übernahmen die Jesuiten. Der jeweilige Jesuitenrektor von Klagenfurt erhielt Titel und Rechte eines Propstes von Eberndorf und Archidiakons des Jauntales. Der Patriarch konnte die Aufhebung des Stiftes nie verschmerzen. Noch 1611 beklagte er die Unterdrückung der reichen Propstei Eberndof durch den Erzherzog, während die Seckauer Chorherren in ihrer Chronik den Untergang des Bruderstiftes mit den Worten kommentierten: „Devoraverunt hanc canoniam patres Jesuitae iam aliunde locupletes.“&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wurde Eberndorf staatliche Studienherrschaft. 1809 übernahmen die von St. Blasien gekommenen Benediktiner des wieder errichteten Stiftes St. Paul im Lavanttal die Herrschaft als Eigentümer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schule==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aachener Synode von 789 bestimmte, dass jedes Kloster oder Domstift eine Schule errichten sollte, in der neben (lateinischer) Grammatik, Rhetorik und Dialektik auch die artes reales Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik gelehrt werden sollten. Eine Klosterschule hatte sich überdies um den Nachwuchs für das Haus zu kümmern, also Kleriker heranzubilden. Dazu schrieb das 4. Laterankonzil (1215) allen Kapitelkirchen vor, einen „magister“ zu halten, der die Kleriker in Grammatik und anderen Wissenschaften unterrichten sollte. Dies betraf in Eberndorf das Lesen und Studium der Bibel ebenso wie der Schriften des Ordensvaters Augustinus und der anderen „Väter&amp;quot;. Dann aber auch das Erlernen des Chorgebetes und -gesanges und der Liturgie allgemein. Die Urkunde von 1236 September 20 Saldenhofen, mit der Cholo von Saldenhofen gegenüber dem Stift auf seine Betvogtei verzichtete, schrieb ein gewisser Johannes Scholaris, „sub diaconus Junensis“. Zur gleichen Zeit wird ein „magister Hailwardus“ genannt. Dies sind die frühesten Nachrichten, aus denen auf die Existenz einer Klosterschule geschlossen werden kann. 1298 wird ein Chuonrat, 1310 Johann der Jussel von Völkermarkt als Schulmeister in Eberndorf und 1362 ein „scolasticus“ (Erzieher) der Schüler urkundlich erwähnt. Der 1440 gestorbene Kantor Johannes schenkte dem Stift „solemnia gradualia“ für den Chor. Vor 1480 gab es einen Magister Nikolaus und seine Frau Krispa, die ins Eberndorfer Nekrolog eingetragen wurden. 1531 starb der Organist des Klosters. Einer seiner Nachfolger war der aus Meißen stammende Klosterorganist Sigmund Quas. Sollte er evangelisch gewesen sein und reformatorische Orgelwerke und Lieder gespielt haben? 1588 unterhielt das Stift sieben oder acht Schüler, andere frequentierten bloß die Schule. Noch zwei Jahre später gab es ein en Schulmeister und einen Organisten in Eberndorf. Das sind die eher spärlichen Hinweise auf eine Schule, die feierliche Liturgiegestaltung und die Existenz einer Orgel im alten Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Spital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon Patriarch Berthold von Aquileja (1218–1251) hatte – nach einer späteren Nachricht – dem Stift Zehente im Dorf Edling in der Pfarre St. Michael ob Bleiburg zwecks Errichtung eines Spitals für Arme geschenkt. Dieses soll um 1226 – noch zu Lebzeiten des Patriarchen – tatsächlich errichtet worden sein. Es war mit der dazugehörigen Kirche dem heiligen Antonius von Padua geweiht und stand nordwestlich des alten Ortes Eberndorf, unweit des Stiftsmeierhofes. Mit der Zeit erhielt das Spital weitere Güter übertragen. 1397 erlaubte der Patriarch dem Konvent, den Besitz des Spitals durch ein en Kanoniker verwalten zu lassen. Der erste könnte der 1419 gestorbene Chorherr Andreas de Sittersdorf, Provisor des Spitals, gewesen sein. Die Spitalstiftung überdauerte alle Wechselfälle der Zeit, war 1886 der Gemeinde Eberndorf zur Verwaltung übertragen und existierte noch im 20. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit liegenden Gütern aus dem Erbegraf Chazelins und vom Patriarchen mit Pfarren und ihren Zehenten seit der Gründung gut dotiert, scheint die Propstei die ersten zwei Jahrhunderte ihres Bestehens – trotz einiger Anfangsschwierigkeiten mit ihren Vögten – gut gewirtschaftet zu haben. Zahlreiche Güterschenkungen und Ankäufe erhöhten die Einkünfte kontinuierlich. Dies zeigen die von der Propstei geleisteten Steuern. An den Grafen von Tirol hatte die Propstei 1292 zwei Goldgulden zu entrichten und das Aquilejer Zehentregister von 1296 weist hinsichtlich des von Papst Bonifaz VIII. auferlegte Zehents die Propstei für zwei Termine mit 25 solidos grossarum aus. Die 1323 veranstaltete Sammlung des päpstlichen Legaten im Archidiakonat Kärnten nennt die Propstei an erster Stelle mit einem Sammelergebnis von 15 Mark Agleier Pfennige. Zur selben Zeit befand sich das herzoglich kärntnerische Landgericht im Jauntal als Pfand in der Hand des Propstes und noch 1391 hatte das Stift 250 Mark Silber auf dem Landgericht sichergestellt liegen. Um diese Zeit beginnen weitere umfangreiche Güterankäufe in und um Eberndorf, aber auch in entfernteren Gegenden, wie z.B. Lembach/Limbuc bei Marburg/Maribor. Dort war das Stift schon früh zu Weingärten gekommen. Zwischen 1272 und 1277 erhielt das Stift das Fischrecht mit einem Netz am Klopeinersee, 1508 besaß es dort bereits das Recht auf drei Fischer. 1316 erwarb es einen Teil am Sablatniggsee (Zapottnicksee) in der Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes Eberndorf # St. Veit im Jauntal|St. Veit im Jauntal]]. Auch in der Drau und in dem in diese fließenden Vellachbach (südlich von Möchling) fischte das Kloster, hatte aber deshalb jahrelang Streit mit dem Stift St. Paul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Großen Besitzzuwachs erzielte das Stift durch Propst [[Georg („de Capella“, aus Eisenkappel)|Georg]] († 1421), der den Besitz des Stiftes auf beinahe 100 Huben vermehrte und Weingärten, Wiesen und anderes erwarb. In den dreißiger Jahren des 15. Jahrhunderts veräußerte die Familie Kriegfelder zahlreiche ihrer Besitzungen an Eberndorf, ebenso die adeligen Rechberger. Letztere wollten aber dann den Verkauf nicht anerkennen. Sie griffen sogar das Kloster an, verwüsteten es mit Feuer und Schwert und raubten den Kaufbrief. Deshalb der kaiserlichen Ungnade verfallen, wurde ein Teil ihrer Güter vom Kaiser eingezogen und an andere vergeben, die der Propstei verkauften aber dieser bestätigt (1441).&lt;br /&gt;
In den Jahren 1473 und 1476 bedrohten die Türken das Land, gleichzeitig drangsalierten die Soldaten des Ungarnkönigs Matthias Corvinus Stift und Bevölkerung schwer. Wehrbauten mussten errichtet werden, um die Klostergebäude und Pfarrkirchen zu schützen, was viel Geld kostete. 1476 übergab ein Adeliger dem Stift 120 ungarische Goldgulden mit dem Auftrag, das Stift durch Mauern und Gräben vor den Türken und anderen Feinden zu schützen. Dafür sollte das Stift für ihn einen Jahrtag halten. In diesen Notzeiten suchte sich der damalige Propst [[Lorenz]] vermehrt der Gebete anderer Klöster zu versichern, mit denen sich Eberndorf zahlreich verbrüderte. 1483 richtete ein durch Blitzschlag entstandener Großbrand schwere Zerstörungen an Kirche und Kloster an.&lt;br /&gt;
Zwei Jahre später beauftragte der Patriarch seinen Generalvikar mit dem besonderen Schutz der Propstei, die durch Beraubung schweren Schaden erlitten habe. Darüber hinaus hatte die Propstei erhöhte und immer wieder aufs neue geforderte Landes- und außerordentliche Steuern aufzubringen, die die finanziellen Möglichkeiten des Klosters erschöpften. Propst [[Leonhard von Keutschach]] (1480-1490) bemühte sich deshalb um ein Darlehen, um das arme Gottshaus vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch zu bewahren, erntete aber dafür beim Kapitel wenig Dank. Dass Kaiser Friedrich III. dem Stift und seinen Untertanen die ihm zu leistende Robot erließ, konnte sich da höchstens lindernd auswirken. Eine spürbare Hilfe bedeutete die Übernahme des landesfürstlichen Amtes Stein samt dem Landgericht im Jauntal auf Rechnung, die Propst Keutschach erreichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verkauf von Chorherrenpfründen durch das Stift, wie 1507 geschehen, ist besonders im 16. Jahrhundert in den meisten Stiften gang und gäbe gewesen. Die Chorherren besaßen Geld und mitunter beträchtlichen Eigenbesitz zur persönlichen Verfügung.1362 stiftete der Dechant Jakob mit einem Gut, das er gekaut hatte, einen Jahrtag in Eberndorf. 1460 leistete der Chorherr Martin Lempl von seinen Gütern dem Prokurator eines spanischen Ordens zum Loskauf von Gefangenen einen entsprechenden Beitrag und erhielt dafür Ablässe. Noch 1537 kaufte der Chorherr Jakob Pruethe von seiner Mutter ein Gut samt drei Äckern, weil er seinen Eltern seinerzeit Geld für den Kauf des Gutes dazugegeben hatte. Besonders vermögend war Propst Valentin Fabri, der aus eigenem Geld etliche Stiftungen errichtete.&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Johannes Wildensteiner]] (1509–1532) und seinem Nachfolger [[Andreas Lochner]], der gleichzeitig Propst von Völkermarkt und zuerst einige Jahre Koadjutor in Eberndorf war (1527/1532–1544), scheint sich die Propstei insgesamt erholt zu haben. Und dies trotz der vom Landesfürsten 1529/30 von Eberndorf – wie allen anderen Klöstern in den österreichischen Erblanden – verlangten „Quart&amp;quot;. Diese bedeutete, dass von allem geistlichen Grundbesitz der vierte Teil der Gülten (Steuereinheitswert des Grundbesitzes) zu veräußern und der Erlös König Ferdinand I. zur Fortführung des Türkenkrieges in bar zu übergeben war. Eberndorf besaß damals Gülten im Ausmaß von 648 Pfund, 7 Schilling und 22 Pfennigen, die einen Geldwert von 14.900 Pfund Pfennigen (=Gulden) hatten. Ein Viertel von beiden waren 3.725 Pfund 6 Pfennige Bargeld oder 162 Pfund zu verkaufende Gülten. Bei allen Verkäufen war das Rückkaufrecht vertraglich gesichert, wurde von den Käufern aber meistens ignoriert. Als Käufer der Gülten traten Hans Ungnad, Landeshauptmann in Steiermark, und sein Bruder Andrä, als Besitzer der Burg Sonnegg und Nachbarn des Stiftes, auf. Sie erwarben um 2.367 Pfund Pfennige (oder Gulden) etwas über 100 Pfundgülten, wovon das Schlossgut Wasserhofen bei Kühnsdorf 2.000 Pfund Pfennige wert war. 1530 jedoch übernahm das Stift diese Güter, ausgenommen sechs Stück, von den Käufern wieder als Pfand. 21 Pfundgülten kaufte zu freiem Eigen (!) Sigmund Freiherr von Dietrichstein, der damit seine Herrschaft Hollenburg in Südkärnten arrondierte. Es handelte sich um Huben, Güter und Zulehen bei Niederdorf, Gallizien,,,Kleinperg &amp;quot; und anderen Orten. Weitere 12 Pfund gingen an andere Interessenten. Der Propst selbst bezahlte 110 Pfund Pfennige bar und erbot sich, die noch unverkauften 29 Pfundgülten (im Wert von ca. 450 Gulden) ebenfalls selbst zu bezahlen. Damit erwies sich das Kloster nicht nur als wirtschaftlich um sichtig, sondern auch als liquid. Propst Wildensteiner tätigte darüber hinaus noch mehrere größere Ankäufe, darunter freieigene Güter im Jauntal und in Gonobitz/Konjice, aber auch eine Mühle und etliche Huben in Kappel, die landesfürstliche Lehen waren, konnte er für das Stift erwerben. Die meisten stiftischen Huben wurden von diesem zu Kaufrecht gegen Reichung des jährlichen Urbarzinses und des dritten Pfennigs beim Weiterverkauf durch den Besitzer vergeben. Außerdem hat Propst Wildensteiner das Kloster durch Zubauten erweitert und verschönert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreich sind die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts angekauften Weingärten, mit denen das Stift seinen Weingartenbesitz bei Marburg/Maribor systematisch erweiterte. Da dieser aber von Eberndorf weit entfernt lag und sowohl Bewirtschaftung als auch Transport kostenintensiv waren, hielt sich der Gewinn für das Stift in Grenzen. Dabei hätte der überschüssige Wein bei günstigem Verkauf das Bargeld ins Hausgebracht. 1589 warfen die Weingärten des Stiftes 50 Fässer Wein ab, von denen aber nur 20 Fässer als Reinertrag übrigblieben, mehr als die Hälfte des Gewinns verschlangen die Kosten. Propst Valentin war ein großer Gönner seines Stiftes. Er besaß als elterliches Erbe mehrere Weingärten in Skalitz bei Gonobitz, Frauheim bei Marburg/Pram und Marburg und hatte 1505 sechs Huben zu Preurat bei Gonobitz und eine Hofstatt zu Gonobitz selbst, später noch mehrere andere Weingärten und Äcker bei Gonobitz gekauft. Er übergab sie seinem Kloster, indem er sie teils mit geistlichen Stiftungen zugunsten seiner Familie verband, teils zum Tisch des Pfarrers von St. Peter und Paul in Tainach bei Gonobitz widmete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Lucas Mayr (1560–1573) wird für den wirtschaftlichen und sittlichen Verfall des Stiftes verantwortlich gemacht. Beides ist eine Tatsache. Mayr dürfte aber ein bereits schwer verschuldetes Heimwesen übernommen haben. Schon Propst Andreas Lochner hatte das Amt im Lavanttal um 600 Gulden verpfänden müssen, um den vom König Ferdinand I. geforderten Kriegsbeitrag von 2.000 Gulden aufzubringen. 1563 soll Propst Mayr mit dem Abt von Viktring dem Kaiser 30.000 (?) Gulden geliehen haben. Im selben Jahr lieh er dem Hans Ungnad, Besitzer von Sonnegg, 8.000 Gulden, wofür das Stift Realitäten bei Sonnegg und Eberndorf als Pfand erhielt. Dass sich darunter auch Güter befanden, die zur gestifteten Kaplanei im Schloss gehörten, zeigt, was der evangelische Adel von geistlichen Benefizien hielt. Das Stift hatte nämlich Güter zum Pfanderhalten und angenommen, die ohnedies schon ihm gehörten. Sie wurden erst kurz vor der Stiftsaufhebung wieder der Kaplanei und deren Verwaltung dem Propst zugesprochen.&lt;br /&gt;
Die Regierung glaubte, mit der Absetzung Mayrs die Probleme gelöst zu haben. Die nachfolgenden Pröpste – zum Teil Kloster- und Ordensfremde – regierten jedoch viel zu kurz, um den wirtschaftlichen Aufschwung des Stiftes bewerkstelligen zu können. Sie waren mit ihrer Aufgabe wohl auch überfordert. Streitigkeiten des Kapitels mit dem Grazer Hof um das Recht zur Wahl neuer Pröpste und ihre landesfürstliche Bestätigung erschwerten zusätzlich die notwendige Konsolidierung der Propstei nach innen und außen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1577 sahen sich die Stifte Eberndorf und Viktring mit einer Klage der Erben des Leonhard von Siegersdorf auf Bezahlung von 6.000 Gulden samt Zinsen konfrontiert, die dem Erzherzog geliehen worden waren. Beide Stifte waren quasi ohne Vorstände und der Schaffer von Eberndorf bat den Erzherzog um Abwendung der Zahlung. Gleichzeitig informierte der Schaffer namens des Konvents den Landesfürsten, dass der abgesetzte Propst Lucas Mayr mit seinem verstorbenen Nachfolger Wolfgang von Neuhaus vereinbart habe, dass Mayr lebenslänglich und danach seinen Kindern und Verwandten ein Deputat vom Kloster gereicht werden solle. Außerdem seien ohne Wissen des Konvents vom Expropst Schulden gemacht und die Schuldbriefe dem Erzherzog zur Bestätigung eingereicht worden. Der Konvent könne diese Zahlungen nicht ohne Schaden für das Kloster leisten. Er bitte den Erzherzog, die Ratifikation für die Schuldverschreibungen abzulehnen und den abgesetzten Propst auf seine gewöhnliche Herrenpfründe zu verweisen.&lt;br /&gt;
Im selben Jahr (1577) konnte Propst [[Vitus Preysl]] eine Schuld an Christoph Reinwald zu Rojach über 1.200 Pfund Pfennige (= 1.200 Gulden) nicht bezahlen und wurde vor das Klagenfurter Landrecht zitiert. Ob und wie er das Geld aufgebracht hat, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
Vielleicht mit Hilfe des Propstes von Griffen, von dem er sich drei Jahre später mit landesfürstlicher Bewilligung 3.000 Gulden lieh. Bei dieser aussichtslosen Finanzlage mutet das Begehren Erzherzog Karls an die Prälaten von Eberndorf und Viktring um Bedeckung von 10.000 Gulden zur Abfertigung Moriz Christoph Khevenhüllers mehr als seltsam an. Der Erzherzog hatte Khevenhüller an die Stiftsvorstände gewiesen und Khevenhüller wollte nun das Geld von diesen einklagen. Der Erzherzog beruhigte 1583 die Prälaten, er habe die Klage abgewendet, sie sollten das Geld aber irgendwo auf ihren Kredit aufnehmen.&lt;br /&gt;
Aus diesen und vielen anderen Ursachen verschlechterten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Propstei so sehr, dass ein Administrator in temporalibus bestellt werden musste. 1583 übernahm Propst Gregor Latonius von Völkermarkt die finanzielle Verantwortung für Eberndorf. Propst [[Matthäus Scharrer|Matthäus]] von Eberndorf führte die Misere seines Stiftes auf schlechte Hauswirtschaft seiner Vorgänger und darauf zurück, dass einige von ihnen mehr für ihre Verwandten, als für das Stift gesorgt hätten. Propst Lucas habe in Bleiburg ein Haus gebaut und zwei Huben gekauft, die nicht in das Eigentum des Stiftes gelangt seien. Auch sein Nachfolger Bartholomäus habe in der kurzen Zeit seiner Regierung mit Stiftsgeldern Grundstücke gekauft, die Kaufbriefe aber vordatiert, um den Anschein zu erwecken, er hätte die Ankäufe noch als Pfarrer von Sittersdorf getätigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Propst Bartholomäus 1583 in Windischgraz starb, sei dessen Nachlass samt den Kaufbriefen bei seinem dort lebenden Vater verblieben. Das Stift ersuchte den Erzherzog um Einantwortung der betreffenden Güter und um die Erlaubnis, sie zur Schuldentilgung verkaufen zu dürfen.&lt;br /&gt;
1588 setzte der Erzherzog den Laibacher Bischof Johann Tautscher zum Administrator in temporalibus ein, der die undankbare Aufgabe hatte, das schwer verschuldete Stift durch sparsames Wirtschaften zu sanieren. Dies rief den lebhaften Widerspruch des Kapitels her vor. Als Aquileja dem Propst Matthäus auch die geistliche Leitung entziehen wollte, wählten die Kanoniker gegen alles Herkommen und unter Ausschluss der Regierung einen neuen Propst. Sie beklagten sich über unzulängliche Kleidung und Kost, was der Administrator bestritt. Dieser berichtete dem Erzherzog, dass er den Konventualen immer fünf Speisen und drei Halbe Weingeben lasse. Trotzdem sei ihnen alles zu wenig und zu schlecht. Sie würden die Tage für den Empfang eines außerordentlichen Weines besser kennen, als die Tage der Heiligen im Brevier. Währender schon über 8.000 Gulden Schulden bezahlt habe, hätten sie heimlich neue gemacht. Eine persönliche Aussprache mit den Chorherren in seiner und des Bischofs von Triest Anwesenheit sei ergebnislos verlaufen. Die Antwort des Hofes, vom damaligen Hofsekretär und späteren Propst Ursinus Berthis unterschrieben, lautete dahingehend, die vom neuen Propst und den Kapitularen gemachten Schulden seien nicht zu bezahlen und dies solle auch künftig nicht geschehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bischof Tautscher hatte nicht nur den Vorteil des Stiftes, sondern auch seinen eigenen im Auge. 1593 schloss der Administrator mit der Pfarrgemeinde von Seeland (südwestlich von Kappel) einen Vertrag über die Einsetzung eines dort ständig residierenden Kaplans. Die Pfarrgemeinde hatte dafür dem Pfarrer von Kappel jährlich fünf Gulden, dem Administrator aber – nicht dem Stift – „zu freyer jährlicher Verehrung“ 15 Pfund Käse zugeben. Propst Ursinus de Berthis betrieb energisch die Eintreibung von Untertanenausständen, so Anfang 1592 die der stiftischen Holden zu Gonobitz. Aus der selben Zeit sind auch eine ganze Anzahl von Kaufrechtsbriefen an Eberndorfer Untertanen vorhanden, die Zehente und Bergrechte betreffen. Die Vergabe von Gütern zu Kaufrecht war für die Untertanen günstiger, weil damit das Erbrecht ihrer Nachkommen am Besitzgesichert bzw. auch der Verkauf des Gutes seitens der Untertanen möglich wurde. Dem Stift hingegen verschafften die beim Besitzerwechsel fälligen Gebühren das so dringend benötigte Bargeld. Eine noch größere Zahl von Anlait- (= Übernahmsgebühr) und Kaufrechtsbriefen hat dann Propst Sebastian Kobl ausgestellt. Dazu bedurfte er aber der Zustimmung des Landesfürsten, der bereits seine Hand auf den Stiftsbesitzgelegt hatte. Die landesfürstliche Verfügung vom Dezember 1601, der Propst möge künftig um solche Konsense bei der Grazer Hofkammer ansuchen, war nur ein weiterer Schritt in Richtung Enteignung der Stiftsgüter zugunsten Dritter.&lt;br /&gt;
Einige Jahre vor der Aufhebung des Stiftes wurde eine Übersicht über seine Wirtschaftslage erstellt. Nach ihr sollen 1588 die Schulden des Klosters 20.000 Gulden betragen haben, während die Einkünfte jährlich 4.000 Gulden ausmachten. Letztere setzten sich zusammen aus etwa 2.000 Star (ca. 160.000 Liter) Zinsgetreide, aus Zehenten, Ehrungen und Strafgeldern. Je 200 Joch Äcker und Wiesen Eigenwirtschaft mussten von den Bauern durch Robotdienst bearbeitet werden, wobei ihnen nur ein Frühstück zustand. An Getreide konnten durchschnittlich 1.000 Star (davon 250 Star Buchweizen) geerntet werden. Heu wurde für 60 Stück Großvieh eingebracht und die Klosterweingärten warfen 50 Fass (10.000 Liter) Wein ab, von denen nach Abzug aller Spesen nur 20 Fass übrigblieben, deren Wert 300 Gulden ausmachte. Für die Küche des Propstes und des Kapitels reichten diese Erträge hin länglich, wie der Expropst 1589 feststellte. Während der Administrator Tautscher durch sparsames Wirtschaften Schulden tilgte, ging Propst Bertis einen anderen Weg. Er nahm zur Verringerung der Schuldenlast neuerlich Kapitalien auf, erzielte aber damit nicht den erhofften Erfolg. Die permanente Finanzmisere brachte das Stift nicht nur an den Rand des wirtschaftlichen Ruins, sondern alarmierte auch den Grazer Hof. Dieser betrieb die Übergabe des Stiftes an den Jesuitenorden deshalb so energisch, weil er für ihn noch möglichst viel an Klostergütern retten wollte, bevor der Konkurs Eberndorf wertlos machen würde. Unter Erzherzog Karl musste das Stift auch das Urbar nach Graz einsenden, weshalb erst aus 1614 Urbare der Eberndorfer Besitzungen und Pfarrpfründen vorhanden sind, die von den Jesuiten angelegt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Mittelalter ergaben sich Berührungen zwischen Landesfürst und Stift hauptsächlich wegen der Vogtei oder der Privilegienbestätigungen. Die Vogtei über Eberndorf übten, soweit dies zurückverfolgt werden kann, die Herren von Trixen aus, ohne dass bekannt wäre, wie das Vogtei recht in ihren Besitzgekommen ist. Die Trixener bedrückten das Stift in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts dermaßen, dass es angeblich sogar zu tätlichen Übergriffen gegen Propst Leo kam, der zwischen 1152 und 1154 von Kuno von Lonck im Streit um die Eberndorfer Kirche zweimal aus dem Stift vertrieben, darum sogar geblendet worden und in der Fremde gestorben sein soll. Vor 1194 gerieten die Brüder Cholo und Heinrich von Trixen mit Haward von Jau in Streit über die Vogtei. In diesem Jahr überließ Heinrich die Vogtei vertraglich an Hawards Sohn Cuno, der diese nach einem Jahr gegen eine hohe Entschädigung zugunsten Heinrichs in die Hände des Herzogs von Kärnten – als Lehensherr Cunos – resignierte. Der Patriarch bestätigte im selben Jahr die diesbezüglichen Vereinbarungen. Sie bestimmten, dass der Vogt vom Kloster und vom Dorf Eberndorf keine Abgaben fordern und dort auch keine Gerichtstage halten dürfe, außer er würde vom Propst dazu erbeten. Blutfälle sollten dem Vogt vorbehalten, Bußgelder bei Straffällen der niederen Gerichtsbarkeit zwischen Propst und Vogt im Verhältnis zwei zu eins geteilt werden. Alle Beamten konnten vom Propst ohne Mitsprache des Vogtes ein- oder abgesetzt werden. Dass 1220 Herzog Leopold VI. von Österreich und Steiermark als Vogteiherr über Eberndorf auftritt und damals urkundlich gelobte, die Vogtei nicht mehr zu vergeben, sondern selbst auszuüben und dies auch für sein Nachfolger versprach, wird mit zeitweiligen Ansprüchen des Babenbergers auf die Vogtei als Lehensherr der Trixener erklärt. Die Bestätigung des Vertrages von 1194 durch Herzog Ulrich III. von Kärnten erwähnt bezeichnenderweise die Urkunde von 1220 nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Aussterben der Herren von Jaun (Juneck) fiel deren Erbschaft an den Herzog von Kärnten, weil im Urbar des Schlosses Rechberg Herzog Ulrichs III. 1267/68 die Vogtei über Eberndorf ausdrücklich als Erbe nach Cuno von Junek bezeichnet wir d. Deshalb wurde das Blutgericht über Eberndorf zuerst von der Burg Sonnegg (wahrscheinlich früher Junek genannt) und spät er von Rechberg aus wahrgenommen. Erst als das Schloss Slein im Jauntal in den Besitz Kaiser Friedrichs III. kam, wurde Eberndorf 1454 bezüglich des Blutgerichts dem Landgericht Stein unterstellt, bei dem das Stift weiterhin verblieb. Damals wurden auch die Grenzen des Burgfrieds von Eberndorf (dieser schon seit 1194 festgelegt), die der Freiung Sittersdorf, die zum Landgericht im Jauntal gehören den Kirchtage etlicher Kirchen, die der Propst zu „behüten&amp;quot; hatte, so wie die Fischrechte im Vellachbach festgehalten. Die Vogtei lag also seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts beim Kärntner Landesfürsten. Ab 1394 zahlte das Kloster für die landesfürstliche Vogtei des Jauntals jährlich nur noch 10 Gulden, wobei Besitz und Untertanen der Propstei im herzoglichen Landgericht Jauntal denselben Status wie des Hezogs Leute daselbst hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle zeitlich später erwähnten Vogteirechte betrafen nur mehr einzelne, dem Stift geschenkte oder verkaufte Güter bzw. Kirchen, wie z. B. das Patronat und die Vogtei der Marienkirche in Globasnitz, welche der Herzog von Kärnten 1265 dem Propst Johann wegen dessen großer, aber nicht näher benannten Verdienste schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestätigungen von Privilegien ergingen von 1266 (Herzog Ulrich III. von Kärnten) bis 1601 (Erzherzog Ferdinand II.), während päpstliche Privilegien- und Besitzbestätigungen ohne Nennung der Rechte und Stücke in den Jahren 1341, 1448 (Kardialdiakon Johannes von St. Angeli, päpstlicher Legat) und 1450 erfolgte. Vor 1329 besaß der Propst das herzogliche Landgericht im Jautal als Pfand, verzichtete aber 1391 auf die Pfandsumme von 250 Mark Silber und erhielt dafür vom Landesfürst die Gleichstellung seiner im Landgericht befindlichen Untertane und Güter mit jenen der herzoglichen Dienstherren, Ritter, Untertanen und Güter. Das damals festgesetzte Vogteigeld von jährlich zehn Gulden erließ Friedrich III. 1481 dem Stift, weil es kurz zuvor schwere Schäden durch den Türkeneinfall und die Ungarn erlitten hatte. 1408 gestattete Herzog Ernst dem Stift, den Nachlass der verstorbenen Pfarrer der stiftischen Lehenspfarre Rechberg, Globasnitz, St. Kanzian, Gallizien, Schwabegg, Neuhaus und Leifling gegen Reichung eines Winterpelzes und zweier Filzschuhe an ihn – zur Erinnerung an seine Vogtei über diese Pfarren – einzuziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den schweren Verwüstungen, die dem Stift und seinen Gütern durch die Ritter von Rechberg zugefügt wurden, wobei auch Urkunden verloren gingen, ließ Kaiser Friedrich III. 1454 die stiftischen Privilegie neu erheben und festschreiben. Es handelte sich um das Gericht im Burgfried Eberndorf, desen Grenzen genau angegeben wurden, die fürstliche Freiung zu Sittersdorf und die Kirchtage, die zur Vogtei und zum Landgericht Stein im Jauntal gehörte, aber vom Propst zu beaufsichtigen waren. Schließlich wurde auch das Fischrecht des Propstes, das dieser gemeinsam mit dem Kloster St. Paul und dem Besitzer von Sonnegg ausübte, anerkannt. 1455 behielt sich der Papst die Besetzung von zehn Abteien und Propsteien, darunter Eberndorf, nach den Vorschlägen des Kaisers vor. Damit war die freie Wahl unterdrückt, der Landesfürst ernannte, der Papst bestätigte. Darauf lief die Praxis hinaus. Ob Eberndorf davon betroffen war, ist fraglich, da der damalige Propst noch mehr als zwanzig Jahre regierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1476 wird in Eberndorf erstmals ein Richter (später „Hofrichter&amp;quot;) erwähnt, der die Niederegerichtsbarkeit über die Stiftsuntertanen besorgte. Die zur selben Zeit genannten zwei Offiziale waren wohl Verwaltungsbeamte des Stiftes. nach 1481 befreite der Kaiser das Stift von jeder Gerichtsbarkeit, ausgenommen die dem Landgericht vorbehaltenen Blutfälle, und unterstellte es direkt dem kaiserlichen Gericht. Eine Verfügung von 1487 setzte die gerichtliche Zuständigkeit des Propstes auf dessen Lebenszeit für seine im Landgericht wohnenden Untertanen fest, ausgenommen wieder todeswürdige Verbrechen.&lt;br /&gt;
Da das Stift politisch zum Herzogtum Kärnten gehörte, hatte es bei den Landes- und sonstigen Steuern mitzuzahlen. Ende des 16. Jahrhunderts musste Eberndorf – ähnlich wie andere Stifte – für die zur Landesverteidigung von ihm aufzubietende waffenfähige Mannschaft einen Adeligen als Rüstmeister bestellen und besolden. Seit mindestens 1446 gehörte der Propst als Mitglied der geistlichen Landstände zu den „Landleuten&amp;quot; Kärntens. Denn anlässlich einer damals im Hause Habsburg begangenen Hochzeit betrug der Beitrag Eberndorfs 200 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit dem Regierungsantritt Ferdinands I. in den Erblandenahm der Landesfürst verstärkt Einfluss auf die internen Geschicke der Propstei, nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht. 1532 bevollmächtigte das Stift erstmals zwei Prokuratoren, um bei König Ferdinand I. die Bestätigung der Postulation des Propstes von Völkermarkt nach Eberndorf zu erwirken. 1573 zeigte Erzherzog Karl dem Stift an, dass die Grazer Regierung künftig neu gewählte Prälaten nur noch dann bestätigen werde, wenn diese mit ihrem Wahldekret vor ihm oder seinem Vertreter erscheinen und einen Revers unterschreiben. Damit wollte der Erzherzog verhindern, dass häretische oder unfähige Männer zu Stiftsvorstehern gewählt würden. Die Verfügung bedeutete jedoch einen gravierenden Eingriff in die Freiheit des Klosters, den Propst ohne Einflussnahme von außen wählen zu dürfen, und somit ein Präjudiz für künftige Wahlen. Dementsprechend wurde dieses Mandat vom Eberndorfer Kapitel bei der Propstwahl 1577 missachtet, was sofort eine Rüge durch den Erzherzog zur Folge hatte. Später verlangte die Grazer Regierung unnachgiebig die Beiziehung landesfürstlicher Kommissäre zu den Wahlen und verweigerte den gewählten Pröpsten die Bestätigung, wenn ihre Wahl in Abwesenheit landesfürstlicher Vertreter stattgefunden hatte. Deshalb kam es bei der Bestellung der letzten Pröpste zu erhebliche Spannungen zwischen dem Kapitel und dem Patriarchen einerseits und der Regierung in Graz andererseits. Letztere verzögerte nach dem Tod des Propstes Kobl eine Neuwahl. Das beschleunigte die Aufhebung Eberndorfs, die vom Erzherzog auch gegen den Widerstand des Patriarchen als kirchlichen Ordinarius durchgedrückt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Jesuitenzeit fungierten die Klagenfurter Rektoren als Pröpste von Eberndorf. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens wurde dem jeweiligen Pfarrer von Eberndorf und seinen. Nachfolgern durch Bestätigung Maria Theresias die Würde eines Propstes und Archidiakons des Jauntales zuerkannt, was das Gurker Ordiariat 1865 neuerlich bestätigt hat und noch 1938 galt. Der letzte Pfarrer, der noch den Titel Propst führte, aber nicht mehr infuliert war, starb vor einigen Jahren, der jetzige führt auch den Titel Propst nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eberndorf und das Patriarchat Aquileja===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbindung Eberndorfs zum Patriarchat blieb seit der Gründung des Stiftes durch alle Jahrhunderte aufrecht und traditionell gut. Zahlreiche Urkunden der Patriarchen dokumentiere nicht nur deren Sorge für das Stift, sondern auch für den Aufbau einer Organisation der Stiftspfarren. Die Marienkirche in Eberndorf ist wahrscheinlich eine Eigenkirchengründung Chazelins und scheint erst 1154 oder kurz davor zu einer Pfarre erhoben worden zu sein. 1106 wurden dem Kloster angeblich die vier plebes St. Michael in Rosegg (Ras), St. Kanzian, St. Michael ob Bleiburg und Windischgraz/Slovenjgradec (Graz) übergeben. Damit wären Eberndorf alle Taufkirchenpfarren von Villach abwärts bis zur heutigen Staats- und Landesgrenze zur seelsorglichen Betreuung anvertraut gewesen, ausgenommen die ehemalige Eigenkirche Kappel im Rosental, die in der Hand des Patriarchen blieb. Bestätigungen der „Gründungsurkunde&amp;quot; Eberndorfs von 1106 durch die Patriarchen erfolgten 1404 und 1452.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelsorge auf den Eberndorfer Pfarren übten sowohl Weltgeistliche wie Kanoniker aus. Letztere waren Anfang des 14. Jahrhunderts disziplinär bereits reformbedürftig, da der Patriarch ihnen 1304 diesbezüglich einen Brief schrieb. 1309 ermahnte der Patriarch Ottobono alle Prälaten und Kirchenvosteher seiner Diözese, darunter Propst Johannes von Eberndorf, sich innerhalb von sechs Monaten in ihre Residenzen zu verfügen und dort zu bleiben, andernfalls ihnen Kirchenstrafen drohten. Propst Eberhard fungierte 1328 offenbar als Sammler von Geldern, deren Zahlung der päpstliche Legat angeordnet hatte, denn der Propst bestätigte dem Abt von Rosazzo den Erlag von 18 Mark Agleier Pfennigen. Im darauffolgenden Jahr schrieb der Propst dem Patriarchen, er habe den Pfarrer Ulrich von [[Liste der Pfarren des Stiftes Eberndorf #St.Philippen bei Pfannsdorf im Jauntal|St. Philippen bei Pfannsdorf]], der ein skandalöses Leben führte, mit Kirchenstrafen belegt, weshalb er nun um sein Leben fürchten müsse. 1335 verlangte der Patriarch vom Propst unter Androhung der Exkommunikation, die Pfarre Gutenstein/Prevalje künftig keinem Säkularpriester mehr zu verleihen, sondern mit einem Kanoniker zu besetzen, wie dies alter Gewohnheit entspreche. Einige Jahre später bestätigte er dem Stift gegen den Anspruch ein es Säkularpriesters neuerlich den Besitz dieser Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erfolgte Wahl der Pröpste wurde vom Kapitel dem Patriarchen angezeigt und ihre Bestätigung erbeten. Sie wurde auch stets gegeben. Wahlurkunden des Kapitels existieren von 1583 und 1599. Noch Mitte November 1603 ernannte der Patriarch den Gurker Domherrn Matthias von Staudach zum Administrator und Vikar von Eberndorf, dem der Erzherzog jedoch die Anerkennung verweigerte. 1213 wird Propst Leonhard vom Patriarchen als capellanus noster angesprochen. Propst Johannes (III.) wird 1324 aquilejanischer vicearchidiaconus von Kärnten genannt und Propst Hermann von Freg wurde noch als Pfarrer von Rosegg vom Patriarchen zum Archidiakon von Kärnten bestellt (1362), was er als nachheriger Propst von Eberndorf wohl nicht mehr war. Ab 1469 fungierten alle Pröpste als Archidiakone Aquilejas im Jauntal. Valentin Fabri, der bei seiner Wahl zum Eberndorfer Propst den Orden annahm, war Archidiakon des Jaun- und Sanntals. 1571 nennt der Patriarch Propst Lucas, dessen Lebensführung sonst zu Kritik Anlass gab, seinen Archidiaconum Patriarchalem natum und bestellte ihn zu seinem bevollmächtigten Prokurator und Generalvertreter bei der Rekuperation etlicher von den Bischöfen von Laibach der Kirche von Aquileja entfremdeter Rechte und Güter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Pröpste waren vor ihrer Postulation Säkularpfarrer nicht stiftischer Pfarren (zuletzt Sebastian Kobl in Pettau), regierten gleichzeitig ein zweites Stift (Otto [II.] von Rottenbuch und Eberndorf) oder waren ordensfremd (z. B. Andreas Lochner, gleichzeitig Säkularpropst von St. Maria Magdalena in Völkermarkt). Sie alle fanden trotzdem die Bestätigung Aquilejas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als cumulus beneftciorum zu betrachten ist die Verleihung einer großen Pfarre an den Propst, wie dies mit der Pfarre St. Michael ob Bleiburg geschah, die von 1298 bis nach 1335 im Besitz Eberndorfer Pröpste erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Namensliste von Chorherren stammt aus dem Jahre 1236, in der neben dem Propst neun Kanoniker genannt werden, die alle Priester waren. Einer trug den Titel Magister, ein anderer fungierte als Kustos. Anlässlich der Verleihung der Pontifikalien und der Pelzmozzetta durch den Papst an den Propst 1449 wird das hohe Ansehen des Stiftes gerühmt, welches besonders Adelige zu Kanonikern aufnehme. Im Dezember 1493 unterschrieben acht Chorherren das Wahlinstrumet, mit dem sie ihren Mitbruder Andreas Erlpacher zum Propst gewählt hatten, 1497 wählten der Dechant und acht Priesterkanoniker den neuen Propst. Mehr als zehn Chorherren dürfte das Stift aber nur selten gezählt haben. Beim Regierungsantritt der Pröpste Matthäus Scharrer und Sebastian Kobl (November 1583 bzw. Anfang März 1599) bestand der Konvent außer dem Propst aus sieben bzw. acht Kanonikern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu diesem Zeitpunkt war die Disziplin im Konvent stark gesunken – mehrere Chorherren frönten dem Laster des Konkubinats, wie dem Patriarchen berichtet werden musste. Diese Zustände waren auch der Grazer Regierung seit langem bekannt und Wasser auf ihre Mühlen. Bei der Übernahme des Klosters durch die Jesuiten Ende Juli 1604 lebten außer dem Dechant noch vier Chorherren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die soziale Herkunft der ersten Pröpste ist fast nichts bekannt, da sie nur mit ihren Vornamen erwähnt werden. Eine Ausnahme ist Propst Otto II. (†1179). Er war als Graf von Falkenstein Angehöriger des bayrischen Hochadels und mit Patriarch Ulrich II. verschwägert, außer dem gleichzeitig Propst von Rottenbuch. Erst aus dem späten Mittelalter werden auch die Familiennamen der Pröpste überliefert. Propst Hermann von Freg (1378) stammt e aus einem Kärntner Rittergeschlecht, gesessen auf dem Turm Frög unter Rosegg im Drautal, ebenso ritterlicher Herkunft war Propst Ulrich von Christendorf († 1405). Propst Georg „de Capella&amp;quot; († 1421) stammte aus dem Markt Eisenkappel und dürfte bürgerlich gewesen sein. Von reichen Gonobitzer Bürgern stammte Propst Valentin Fabri (1497–1509). Adelig hingegen waren die Pröpste Leonhard von Keutschach, der 1490 Dom Propst in Salzburg wurde und Eberndorf noch drei Jahre als Administrator verwaltete, Johann Wildensteiner († 1532), Andreas Lochner zu Liebenfels († 1544) und Wolfgang von Neuhaus (1573–1577). Die nachfolgenden Pröpste gehörten bürgerlichen Familien an, ausgenommen Ursinus de Bertis, der aus einer Görzer Adelsfamilie stammte, Säkularpriester, Doktor beider Rechte und vor seiner Berufung nach Eberndorf Sekretär bei Erzherzogin Maria in Graz war. 1499 postulierte Erzbischof Leonhard von Salzburg den Eberndorfer Chorherrn Christoph Hofmann auf die Propstei St. Magdalena und St. Mauritzen in Friesach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Lucas Mayr und Bartholomäus Kranich amtierten vor ihrer Wahl als Pfarrer in Sittersdorf. Beim Regierungsatritt Mayrs befanden sich neun Chorherren im Stift, angeblich ohne jene, die auf den Pfarren wirkten. Doch haben sicher alle wahlberechtigten Herren den euen Propst gewählt, weshalb es kaum m ehr als zehn gewesen sein dürften. Propst Jakob Pruethe (1544–1559) war vorher Pfarrer zu Stein im Jauntal. Der letzte Propst Sebastian Kobl war Pfarrer in Pettau, wurde Ende Jänner 1599 Administrator in temporalibs und im Mai zum Propst gewählt, nachdem er sich gegenüber dem Kapitel bereit erklärt hatte, in den Orden zu treten. Seltsamer weise gibt es von den vielen Pröpsten, die Eberndorf hatte, in der dortigen Pfarrkirche und früheren Stiftskirche nur von einem einen Grabstein. Dieser gehört Propst Andreas Lochner, der sich seinen Grabstein zu Lebzeiten errichten ließ. Er trägt die Jahreszahl 1540, während der Propst erst 1544 starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Herkunft der Chorherren im 13. und 14. Jahrhundert ist kaum etwas festzustellen, außer dass der 1298 urkundlich erwähnte Kanoniker Johannes – vielleicht der spätere Propst Johannes II. – ein Schwager des Ritters Wulfing von Rechberg war. Anfangs dürfte sich der Konvent wohl mehrheitlich aus dem Adel der Umgebung Eberndorfs bzw. Unterkärntens rekrutiert haben. Ab dem späten 15. Jahrhundert traten verstärkt bürgerliche Kandidaten ins Stift. Für diese werden im Necrologium als Heimatorte Eberndorf, Gmünd und Straßburg (Kärnten), Cilli/Celje (Steiermark) und Eferding (Oberösterreich) genannt. Die Chorherren des 16. Jahrhunderts stammten nach den Angaben des Nekrologs aus Eberndorf, Bleiburg, Eisenkappel, Klagenfurt, Maria Saal und St. Leonhard im Lavanttal (Kärnten), Voitsberg (Steiermark) und Rudolfswerth (Krain). Adelig war kaum einer von ihnen. Der Konvent hatte immer einige Mitglieder windischer (sloweischer) Zunge, weil die Kenntnis dieser Sprache für die Seelsorge bei der windischen Bevölkerung in den Eberndorfer Pfarren Vorraussetzung war. Die Namen der meisten Chorherren, soweit im Nekrolog verzeichnet, verraten aber deutsche Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Skriptorium und Bibliothek==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1280 nennt sich Johannes dictus Shawer de Juna als scriptor aut compilator einer Urkunde Privater für das Kloster Arnoldstein. Ob es sich bei ihm um einen Eberndorfer Chorherrn gehandelt hat, und wenn ja, ob diese Erwähnung bereits als Nachweis eines mittelalterlichen Skriptoriums in Eberndorf ausreicht, ist mehr als fraglich. Denn später bediente sich das Stift für Beurkundungen eigener Notare, die die Urkunden aufsetzten und schrieben. Im Nekrolog von Eberndorf erscheint im 14. Jahrhundert Johannes Polierer von Prag als Notar des Klosters und noch 1469 stellte der Notar des Propstes ein Transsumpt einer Urkunde aus. Eindeutig belegt ist skriptorische Tätigkeit im Stift nur aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Denn vom Dechant Johannes de Everding, der wohl aus dem oberösterreichischen Eferding stammte und 1444 starb, heißt es, dass er schöne Gradualien, Antiphonarien und andere Bücher geschrieben, illuminiert und auch selbst gebunden habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn 1298 bereits ein Schulmeister in Eberndorf genannt wird, musste auch dieser, wie seine Nachfolger, Bücher besessen haben. Ob die nach Eberndorf postulierten Pröpste des Hoch- und Spätmittelalters sowie des 16. Jahrhunderts Handschriften und Bücher in das Stift mitgebracht oder gekauft haben, entzieht sich mangels Hinweisen der Kenntnis. Der 1476 verstorbene Priester Antonius von Bleiburg schenkte dem Stift außer Geld auch Bücher. Auch andere Priester, Pfarrer, Chorherren und Private haben im Laufe der Zeit dem Kloster Bücher geschenkt, wofür ihre Namen in den Nekrolog gesetzt wurden. Daher ist schon für das 15. Jahrhundert ein gewisser Bücherschatz in Eberndorf anzunehmen. 1588 allerdings befanden sich nach der Aussage des Dechanen in der Bibliothek nur antike, keine neueren Bücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menhardt vertrat die Meinung, Wolfgang Lazius habe 1549 bei seiner Kärntner Bibliotheksreise neben anderen Stiften auch Eberndorf besucht und Hadschriften für die kaiserliche Hofbibliothek in Wien requiriert. Daraus würde sich das gänzliche Fehlen von Handschriften aus manchen der aufgehobenen Klöster erklären. Dies mag hinsichtlich Eberndorfs seine Bestätigung darin finden, dass nach Aufhebung des Jesuitenordens nur sehr wenige und unbedeutende Handschriften aus Eberndorf nach Klagenfurt gekommen sind. In der dortigen Studienbibliothek konnten 1882 nur zwei Handschriften sicher als von Eberndorf stammend identifiziert werden, und zwar die Papiercodices Nr. 99 und 170, letzterer früher im Besitz der Jesuiten. Darüber hinaus wurde auch vermutet, dass einiges an Manuskripten nach der Aufhebung aus der Bibliothek der Jesuiten zerstreut, verschleppt oder beiseitegeschafft worden sein könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessat ist die Nachricht, in der Sakristei der ehemaligen Eberndorfer Filialkirche von Loibegg/Belovice habe sich noch 1938 ein Rituale aus dem 15. Jahrhundert befunden, desse Buchstaben auf das Pergament teils mit der Handgeschrieben, teils mitgotischen Lettern gedruckt waren. In die Grazer Universitätsbibliothek ist über die Jesuiten aus Eberndorfer Bestäden nichts gelangt. Im Stiftsarchiv St. Paul wird der Eberndorfer Rotulus aufbewahrt, der zwischen Juli 1528 und Juli 1529 die Eintragungen von rund 80 Stiften und Klöstern aus Kärnten, Salzburg, Tirol, Ober- und Niederösterreich und Wien aufweist. Aus dem Jahre 1604 stammt ein Archivregister von Eberndorf (''„Primus Index litterarum Archivii Oberndorfensis cum earum summis&amp;quot;''), das als Pergametumschlag ein Doppelblatt eines Orationale aus den 14. Jahrhundert (gotische Minuskel, rote und blaue Initialen) besitzt. Es ist heute die Geschichtsvereins-Handschrift 2/40 im Kärntner Landesarchiv. Im selben Archiv existiert als Geschichtsvereins-Handschrift 2/14 das von den Jesuiten angelegte Eberndorfer Kopialbuch („Liber variorum contractum&amp;quot;, 1106-1663).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Aufhebung Eberndorfs existierte jedenfalls auch eine Bibliothek. Diese dürfte 1603 den Grundstock für die Bibliothek des Jesuitenkollegiums in Klagenfurt gebildet haben, denn sie wurde in diese aufgenommen. Nach Aufhebung des Ordens wurde sie in der Klagenfurter Lyceumsbibliothek aufgestellt, worauf die Bestände in die Klagenfurter bundesstaatliche Studienbibliothek kamen. Dort befanden sich im Jahre 1882 Bücher, deren Herkunft aus Eberndorf durch Vermerke (''Exlibris Eberndorfensis coenobii Col. Clagenf. Soc. Jesu Catalogo inscriptus'') erwiesen ist. Wie viele Werke davon aus dem alten Chorherrenstift stammten und von den Jesuiten nur übernommen worden waren, wurde damals nicht angegeben. Die Bestäde der ehemaligen Studiebibliothek befinden sich jetzt in der Klagenfurter Universitätsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Baugeschichte==&lt;br /&gt;
===Kirche===&lt;br /&gt;
Die alte Kirche von Eberndorf reichte bis in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts zurück. Es wurde vermutet, dass das Muttergottes-Patrozinium deshalb gewählt wurde, um eine früher am Ort verehrte weibliche Gottheit zu verdrägen. Von dieser vor 1106 nachgewiesenen Marienkirche ist nichts mehr vorhanden. Patriarch Ulrich ließ sie um 1106 erweitern und darin die sterblichen Überreste des Grafen Chazelin bestatten. Auch der östliche Teil des einstigen Presbyteriums, das um 2,20 m höher liegt als das Schiff und 11 m im Quadrat misst, samt der darunter liegenden ersten Krypta stammen von dieser Kirche. Das Chorquadrat hatte im Osten eine Halbkreisapsis, zwei Eingänge unter dem Priesterchor führten in die Krypta. Die Kirche hatte eine hölzerne Flachdecke, die 3 m niederer als die jetzige Decke war und auf in die Wände gemauerten Pfeilern ruhte.&lt;br /&gt;
Propst Ulrich Christendorfer (1387-1405) errichtete das jetzige, erhöhte Presbyterium. Es ist 13 m lang, hat ein Kreuzrippengewölbe und Strebepfeiler sowie einen 5/8 - Chorschluss, darunter eine gleichlange 3-schiffige Krypta als Verlängerung der bereits bestehenden. Die Weihe des neuen Hochaltares und der Krypta erfolgten 1391 durch den Bischof von Triest Heinrich von Wildenstin gemeinsam mit dem Generalvikar von Aquileja Johann Cado. Die Krypta ist die bedeutendste eben der von Gurk.&lt;br /&gt;
Die Ungnad, seit 1442 Herren auf Schloss Sonnegg, pflegten ihre Toten an der südlichen Außenseite der Kirche zu bestatten. Um die Grabstätte mit der Kirche zu verbinden, entfernten sie die Kirchenmauer und errichteten parallel zur früheren eine neue, wodurch das südliche Seitenschiff mit einer Länge von 20 m und einer Breite von 8 m entstand. Bis 1500 waren dort sieben (nicht 37!) Familienmitglieder begraben worden.&lt;br /&gt;
1483 fiel die Holzdecke der Kirche einem Brand zum Opfer, worauf die Wiederherstellung im Stil der Spätgotik begann. Propst Valentin Fabri vollendete aus Mitteln sei-nes Familienerbes die Einwölbung der Kirche, wobei der Dechant Lucas Fellpacher unter Feierlichkeiten und im Beisein des ganzen Konventes am 7. Oktober 1505 den Schlussstein setzte. Dieses Schlingrippengewölbe trägt die Jahreszahl „''1506''&amp;quot;. Da beim Altar aus dem 15. Jahrhundert, eine von einem Flügelaltar stammende Statue Mariä Verkündigung, die 1938 in der Sakristei stand, und eine Anna Selbdritt Halbrelief aus dem 16. Jahrhundert. Arbeiten der Spätgotik sind auch die Statuen des Florianialtars. Die übrige Kircheneinrichtung stammt aus der Jesuitenzeit und ist barock.&lt;br /&gt;
In der Kirche hängt noch ein Bild in Form eines Altaraufsatzes in der Größe von 3 x 4 m. Der letzte Propst ließ es 1601 ''ad sui suorumque memoriam'' malen. Das Mittelbild stellt das Allerheiligste in der Monstranz dar, die Attika zeigt die Aufnahme Mariens in den Himmel. In der Predella knien vor einem Kruzifix der Propst und die sieben letzten Chorherren, alle mit Rosenkräzen in den Händen und ihren Namen bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Patriarch Peregrin I. erklärte 1154, er habe in Eberndorf nicht nur eine Kanonie regulierter Augustinermönche errichtet, sondern auch das Kloster für die vita regularis der Chorherren gebaut. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um eine Erweiterung der vorhandenen, noch eher bescheidenen Wohngebäude des Säkularkapitels.&lt;br /&gt;
Das jetzige Stiftsgebäude, mit runden Ecktürmen und Schießscharten versehen, stammt aus verschiedenen Epochen. Propst Laurentius (1445-1479) ließ anlässlich des Türkeneinfalls 1473 das Stift mit Wall und Graben befestigen, wozu ihm Georg Löschenpfeffer 120 ungarische Dukatengulden als Messstiftung beisteuerte. Am 14. Oktober 1476 griffen die Türken Eberndorf neuerlich an, wurden aber durch die Befestigungen und die Verteidigung der Klosterleute abgewehrt. Deshalb trieb Propst Leonhard von Keutschach (1480-1490), dessen Brüder in der Eberndorfer Kirche begraben waren, die Befestigungsarbeiten zum Schutz des Klosters voran und gab Anleitungen zur Errichtung von Wehrgalerien an den von den Türken bedrohten Kirchen. Dazu und zum Brand der Kirche von 1483 passt die Erwähnung der Jabrica, also einer Zeche (Bauhütte), aus 1489, ebenso einer fabrica ecclesiaeet monasterii im 16. Jahrhundert. Denn Propst Johannes Wildensteiner (1509-1532) vergrößerte und verschönerte das Kloster und baute Gebäude hinzu. Der im 17. Jahrhundert erwähnte „Dreikönigssaal &amp;quot; war vor der Jesuitenzeit wahrscheinlich eine Kapelle, die sich im Osttrakt der Stiftsgebäude befand, wo man vor dem Zweiten Weltkrieg an der Außenseite in nördlicher Richtung vom Presbyterium der Pfarrkirche vermauerte spitzbogige Fenster sah. 1588 waren die Dächer der Gebäude undicht, letztere deshalb schadhaft.&lt;br /&gt;
Als die Jesuiten Eberndorf übernahmen, unterzogen sie das Ganze Stift einem großzügigen Umbau, denn sie hatten das Geld dazu. Die nördlich der Kirche einen geschlossenen Hofbildenden Gebäude stammen mit Ausnahme der Trakte im Westen und norden vorwiegend aus dem zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts. Durch die teilweise Einbeziehung mittelalterlicher Gebäude und Mauern entstand der unregelmäßig viereckige Hof. Die Trakte weisen dreigeschossige Pfeilerarkaden unterschiedlicher Achsenzahl auf. 1634 wurden laut Inschrift das Eingangstor mit dem zweistöckigen Aufbau und ein Pfarrhof (,,Benefiziatenhaus&amp;quot;) errichtet. Der Erweiterungsumbau und die Fassadierung werden Peter Franz Carlone zugeschrieben.&lt;br /&gt;
Der weitläufige Bau diente den Jesuiten zuerst als Noviziat, wobei gewöhnlich nur vier Patres im ehemaligen Stift lebten. 1658 wurde das Noviziat aufgegeben und es blieben nur zwei bis drei Patres zurück, die die Seelsorge ausübten und die Wirtschaft betrieben. Um die Räumlichkeiten des Klosters doch zu nützen, führt en die Jesuiten Exerzitien für Priester -meist in der ersten Fastenwoche abgehalten - ein. 1690 richtete ein Erdbeben beträchtlichen Schaden an Gebäuden, Kaminen und Türmen des Stiftes an. 1723 vernichtete ein großer Brand Kloster und Kirche. Der Wiederaufbau dauerte mehrere Jahre und kostete 60.000 fl. 1751 wurde der jetzige Bau fertiggestellt. 1809 übergab Kaiser Franz I. den Benediktinern des ehemaligen Klosters St. Blasien im Schwarzwald das leerstehende Stift St. Paul i. L. und als Dotation u. a. Kloster und Herrschaft Eberndorf samt Gut und Schloss Wasserhofen. Die Stiftsgebäude gehören jetzt der Marktgemeinde Eberndorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Über das Archiv des Klosters im Mittelalter fehlen alle Nachrichten. Vor 1447 wurden dem Kloster angeblich viele Urkunden geraubt und gingen deshalb zugrunde, doch kann sich dies wohl nur auf jene Stücke bezogen haben, die die Güterverkäufe der Rechberger an das Stift betrafen. 1588 wurden die Schriften in einer hölzernen Truhe in der Sakristei aufbewahrt. Das Archiv des untergegangenen Stiftes verblieb größtenteils auch unter den Jesuiten in Eberndorf, einige wichtige Urkunden verwahrten sie allerdings in Klagenfurt. Davon kamen nach der Aufhebung dieses Ordens 36 Originalurkunden (von 1220 bis 1601) in die k. k. Hofbibliothek und liegen jetzt im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Die „älteste&amp;quot; Eberndorfer Urkunde von 1106 (Innovation 13. Jahrhundert) gelangte 1849 an den Kärntner Geschichtsverein und befindet sich im Kärntner Landesarchiv.&lt;br /&gt;
Der übrige Archivkörper verblieb weiter in Eberndorf, mit dem nun auch wieder die Eberndorf-Bestände im Klagenfurter Jesuitenkolleg vereinigt wurden. Alles zusammen ging dann 1809 in den Besitz des wieder errichteten Stiftes St. Paul über, wo sich die Archivalien nach wie vor befinden. Die wichtigsten darunter sind: l. Zahlreiche Originalurkunden. 2. Ein von den Jesuiten angelegtes Eberndorfer Kopialbuch aus dem ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts. 3. Das Nekrolog der Propstei in Form eines Pergament-Codex. Dabei scheint es sich um ein erneuertes Nekrolog aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu handeln, dessen Vorläufer um die Mitte des 14. Jahrhunderts begonnen worden war. In der vorliegenden Fassung von zwei Händen geschrieben (A bis ca. 1480, B bis 1592 fortgesetzt) ist es jedoch unvollständig, weil etliche Blätter schon 1886 fehlten. Als letzte Eintragungen haben die Jesuiten die Sterbedaten einiger Exchorherren festgehalten. 4. Rotulae aus Eberndorf. 5. Urbare (erst von 1614). 6. Akten über Vorgänge aus den letzten Jahrzehnten der Propstei im Dekanatsarchiv Eberndorf. 7. Zahlreiche Faszikel „Herrschaft Eberndorf&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Diese Quellen hat B. Schroll entweder ediert oder für seine Publikationen benützt. Die meisten Eberndorfer Urkunden haben Eingang in die MDC und andere gedruckte Urkundenbücher gefunden. Laschitzer hat einige Urkunden des HHStA als Nachtrag zu Schroll ediert. Im Archivio della Curia Arcivesovile di Udine (ACAU) liegen zahlreiche Faszikel mit Akten über das Stift (Prepositura di Eberndorf), die die Beziehungen zwischen dem Patriarchat Aquileja und der Propstei, hauptsächlich im 16. Jahrhundert bis zur Aufhebung, dokumentieren. Diese Faszikel enthalten auch einige wenige Original-Urkunden des genannten Zeitraums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pläne und Ansichten==&lt;br /&gt;
Ein Grundrissplan der Stiftsanlage von der Hand F. X. Kohlas (?), Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden, ist im 1. Band der „Kärntner Burgenkunde&amp;quot;, wiedergegeben.&lt;br /&gt;
Die älteste überlieferte Ortsansicht von Eberndorf ist auf einer gemalten Grenzkarte der Landgerichte Sonnegg und Feuersberg von 1668 zu finden (Papier auf Lw., Tinte aquarelliert). Das in der Stiftskirche hängende Stifterbild (Öl/Lw.) darstellend COMES ACHAZIVS CAZELINVS FVNDATOR KVNIGVDA CON IVNX, das angeblich aus dem frühen 17. Jahrhundert stammen soll, zeigt eine Ansicht des Stiftes, wie es sich zur Zeit der Renaissance (2. Hälfte 16. Jahrhundert) präsentiert haben mag. Der größte Teil der Gebäude ist noch gotisch, ein Hof hat schon zweistöckige Renaissance-Arkaden. Die Abbildung erweckt den Eindruck von Zuverlässigkeit, zumindest scheint ihr die Absicht zugrunde zu liegen, den Zustand der Stiftsanlage vor dem Umbau durch Carlone festzuhalten.&lt;br /&gt;
Der prächtige Kupferstich des Stiftes von Peter Mungerstorf in J. W. Valvasors Topographia Archiducatus Carinthiae von 1688 stellt die Gebäude noch in einer Anordnung dar, die sehr an jene im Stifterbild erinnert. Doch sollte sie bereits die Erweiterung des Komplexes durch die Jesuiten zeigen. Beide Darstellungen weichen von der heutigen Wirklichkeit beträchtlich ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Siegel===&lt;br /&gt;
Das Kapitel in Eberndorf führte ein von 1335 bis 1471 nachweisbares spitzovales Siegel. Im Siegelfeld ist die Muttergottes mit dem unbekleideten Jesuskind dargestellt. Maria sitzt auf einem gepolsterten Thronsessel, der auf einem mit einer Lilie geschmückten Podest steht, und reicht dem Kind mit der Rechten eine Kugel, nach der dieses greift. Bekleidet ist sie mit einem langen Mantel und auf dem Haupt trägt sie einen Schleier.&lt;br /&gt;
Beide Figuren sind nimbiert sowie links von drei Sechsternen und rechts von einem begleitet. Zwischen zwei Perllinien ist eine mit einem Kreuzzeichen beginnende unziale Umschrift angeordnet:&lt;br /&gt;
+	S(igillum). S(an)C(t)E:  MARIE: IVN/ENSIS: ECCLESIE&lt;br /&gt;
Von diesem Stift konnte bisher kein nachfolgendes (Konvent-) Siegeltypar angetroffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wappen===&lt;br /&gt;
Nach heraldisch rechts in Blau über einem silbernen Bogenschildfuß (Berg) aufgerichtet ein goldenes Einhorn.&lt;br /&gt;
Das Wappenbild dürfte von den Stifterngraf Chazilo und seiner Gemahlin Kunigunde herkommen. In der Stiftskirche befindet sich ein barockes Gemälde von dem Paar. Unter ihnen sind zwei Wappentartschen zu sehen: nach links aufgerichtet ein goldenes Einhorn in Blau. Früher wurde es fälschlich, so von Megiser 1612 und ihm folgend von anderen Autoren, dem Kapitel von St. Andrä im Lavattal zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedruckte Quellen==&lt;br /&gt;
* [[Josef Chmel]]: Materialien zur österreichischen Geschichte Aus Archiven und Bibliotheken. Wien 1838. [https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/titleinfo/3079904 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Simon Laschitzer: Die Archive und Bibliotheken des Jesuitencollegiums in Klagenfurt und der Stifter Eberndorf und Millstatt In: Carinthia I 72 (1882), S. 113–121. [https://www.zobodat.at/pdf/Car-I_72_0113-0121.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Relazione della visita apostolica in Carniola. Stiria e Carinzia fatta da Francesco Barvaro. Patriarca eletto d´Aquileja l’anno1593 e presentata a papa Clemente VIII. Udine 1862.&lt;br /&gt;
* Beda Schroll: Rotulae des Augustiner-Chorherren-Stiftes zu Eberndorf. In: Archiv für Vaterländische Topographie 9 (1864) 1–22. [https://books.google.com.cy/books?id=9uI4AQAAMAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=RA1-PA1#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Beda Schroll: Urkunden. Regesten des Augustiner-Chorherren-Stiftes Eberndorf im Jaunthale. Klagenfurt 1870. [https://books.google.at/books?id=hoevmaXLteQC&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA1#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Beda Schroll: Necrologium des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Maria in Juna oder Eberndorf in Kärnten. In: In: Archiv für österreichische Geschichte 68 (1886) 209–325. [https://www.google.at/books/edition/Archiv_f%C3%BCr_%C3%B6sterreichische_Geschichte/PYQJAAAAIAAJ?hl=de&amp;amp;gbpv=1&amp;amp;pg=RA1-PA209&amp;amp;printsec=frontcover (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Giorlamo Conte de Renaldis: Memorie storiche dei tre ultimi secoli del Patriacarto d’Aquileia (1411–1751). Udine 1888.&lt;br /&gt;
* Bernardo Maria de Rubeis: Monumenta ecclesiae Aquileiensis (…). Argentinae 1740. [https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11348525?page=,1 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Guiseppe Vale: Itinerario di Paolo Santonino in Carintia, Stiria e Carniola negli anni 1485–1487 (studi e testi 103). Cittá del Caticano 1943.&lt;br /&gt;
* Hermann Weißner (Bearb.): Monumenta historica ducatus Carithiae. Bände 1–4. Bearbeitet von Anton von Jaksch. Klagenfurt 1896–1906. Bände 5–11. Klagenfurt 1956–72.&lt;br /&gt;
* Oskar Veselsky: Die Konsekrationsberichte aus den Ordinations- und Konsekrationsprotokollen der Bischöfe von Lavant im 16. Jahrhundert. Graz 1997 (Quellen zur Geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, 11).&lt;br /&gt;
* Helmut Pechl (Hg.) / Wener Bergmann (Bearb.): Die Tegernseer Briefsammlung des 12. Jahrhunderts. Hannover 2002 (Monumenta Germaniae Historica. Epistolae. Die Briefe der deutschen Kaiserzeit, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Wilhelm Deuer: Eine abgekommene Filialkirche in Eberndort von 1668. In: Carinthia I 191 (2001), S. 705–706.&lt;br /&gt;
* Francesco di Manzano: Annali del Friuli (…). Band IV. Udine 1862.&lt;br /&gt;
* Heinz Dopsch: Die Aribonen – Stifter des Klosters Seeon. In: Kloster Seeon. Beiträge zur Geschichte, Kunst und Kultur der ehemaligen Benediktinerabtei. Hg. von Hans von Malottki. Weißenhorn 1993, S. 55–92.&lt;br /&gt;
* Heinz Dopsch / Hans Spatzenegger: Geschichte Salzburgs Stadt und Land. Band I/2. Salzburg 1983.&lt;br /&gt;
* Bernhard Duhr: Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge im XVI. Jahrhundert. Band 2/1. Freiburg im Breisgau 1913.&lt;br /&gt;
* Rudolf Egger (Bearb.): Die Reisetagebücher des Paolo Santonino 1485–1486. Klagenfurt 1947.&lt;br /&gt;
* Walther Fresacher: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer. 2. Abteilung: Die Kirchen- und Grafschaftskarte. Teil 8/1: Kärnten südlich der Drau. Klagenfurt 1966.&lt;br /&gt;
* Reinhard Härtel: Le fonti diplomatiche e la fondazione dell‘ Abbazia di Moggio. In: Le origini dell’Abbazia di Moggio e i suoi rapport con l’Abbazia svizzera di S. Gallo. Hg. von Gian Carlo Menis. Udine 1994 (Publicationi della Deputazione di Storia partia per il Friuli, 21), S. 17–44. &lt;br /&gt;
* Reinhard Härtel: Tre secoli di diplomatica patriarcale (944–1251). In: Il patriarcato di Aquileia uno stato nell’ Europa medieval. Hg. von Paolo Cammarosano. Udine 1999, S. 229–262. &lt;br /&gt;
* Reinhard Härtel: Moggio. In: Die benediktinischen Mönchs- und Nonnenklöster in Österreich und Südtirol. Band 3/2. Hg. von Ulrich Faust / Waltraud Krassnig. St. Ottilien 2000 (Germania Benedictina, 3/2), S. 832–862. &lt;br /&gt;
* Alfred von Jaksch / Martin Wutte u.a.: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer 1. Abt. Die Landgerichtskarte, 4. Teil Kärnten, Krain, Görz und Istrien, 1. Heft: Kärnten Görz und Gradisca. Wien 1914.&lt;br /&gt;
* Renate Jernej: Das Kollegiatstift St. Bartholomäus in Friesach. Klagenfurt 2001 (Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie, 85).&lt;br /&gt;
* Ernst Klebel: Zur Geschichte der Pfarren und Kirchen Kärntens. B. Die kirchliche Organisation im Patriarchat Aquileja. In: Carinthia I 116 (1926), S. 1–47.&lt;br /&gt;
* Ernst Klebel: Eigenklosterrechte und Vogteien in Bayern und Deutschösterreich. In:  	Hans Hirsch dargebracht als Festgabe zu seinem 60. Geburtstag von seinen Kollegen, Mitarbeitern und Schülern. Wien 1939 (Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsband 14), S. 175–214. &lt;br /&gt;
* Ernst Klebel: Zur Geschichte der Patriarchen von Aquileja. In: Festschrift Rudolf Egger. Beiträge zur älteren deutschen Kulturgeschichte Band 1. Klagenfurt 1952, S. 396–422.&lt;br /&gt;
* Irmtraud Koller-Neumann: Eine Statistik zum österreichischen Klosterwesen von 1593. In: Historische Blickpunkte. Festschrift für Johann Rainer zum 65. Geburtstag dargebracht von Freunden, Kollegen und Schülern. Hg. von Sabine Weiss. Innsbruck 1988 (Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft 25), S. 331–344. &lt;br /&gt;
* Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten. 2 Bände. Klagenfurt 1956–58 (Archiv für vaterländische Geschichte, 56–57).&lt;br /&gt;
* Simon Laschitzer: Geschichte der Klosterbibliotheken und Archive Kärntens zur Zeit ihrer Aufhebung unter Kaiser Joseph II. In: Carinthia I 73 (1883), S. 129–148.&lt;br /&gt;
* Giacomo Marcuzzi: Sinodi Aquileiesi. Udine 1910.&lt;br /&gt;
* Hermann Meinhardt: Handschriftenverzeichnis der Kärntner Bibliotheken. Band 1: Klagenfurt, Maria Saal, Friesach. Wien 1927 ((Handschriftenverzeichnisse österreichischer Bibliotheken, 1). [https://manuscripta.at/diglit/menhardt_1927/0001 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Hermann Meinhardt: Die Kärntner Bibliotheksreise des Wolfgang Lazius 1549. In: Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 24/25 (1936), S. 100–112.&lt;br /&gt;
* Gian Carlo Menis: Storia del friuli dlalle origini alla caduta dello stato patriarcale (1420). Udine 1978.&lt;br /&gt;
* Jacob Mois: Das Stift Rottenbuch in der Kirchenreform des 11.-12. Jahrhunderts: ein Beitrag zur Ordens-Geschichte der Augustiner-Chorherren. München 1953 (Beiträge zur altbayrischen Kirchengeschichte, 3/19).&lt;br /&gt;
* Jacob Mois: Das Stift Rottenbuch im Mittelalter. In: Rottenbuch. Das Augustinerchorherrenstift im Ammergau. Beiträge zur Geschichte, Kunst und Kultur. Hg. von Hans Pörnbacher. Weißenhorn 1980, S. 9–25.&lt;br /&gt;
* Trudpert Neugart: Das Chorherrenstift Eberndorf. In: Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 1 (1849), S. 97–114.&lt;br /&gt;
* Miroslav Ortravsky: Beiträge zur Kirchengeschichte im Patriarchate Aquileja. Klagenfurt 1965 (Kärntner Museumsschriften, XXX).&lt;br /&gt;
* Miroslav Ortravsky: Die Visitation des Patriarchen Franz Barbaro 1593/94 in Kärnten und seine Diözesan- und Provinzsynode im Patriarchat Aquileja. In: Carinthia I 62 (1972) S. 227–233.&lt;br /&gt;
* Pio Paschini: Bertoldo di Merania, patriarca d'Aquileia (1218–1251). In: Memorie storiche Forogiuliesi 15 (1919), S. 1–97.&lt;br /&gt;
* Hans Pirchegger: Der Besitz der Kärntner Klöster und Pfarren in der Steiermark. In: Carinthia I 151 (1961), S. 514–519.&lt;br /&gt;
* Carl Plank: Rihni. Graf Otokar von Leoben und Erzbischof Odalbert von Salzburg. In: Siedlung, Macht und Wirtschaft. Festschrift Fritz Posch zum 70. Geburtstag. Hg. von Gerhard Pferschy. Graz 1981 (Veröffentlichungen des Steiermärkischen Landesarchives, 12), S. 65–80.&lt;br /&gt;
* Helmut Plechl: Studien zur Tegernseer Briefsammlung des 12. Jahrhunderts 3. Briefe zur Reichs- und Landesgeschichte aus der Zeit des Venetianer Friedenskongresses bis zum 3. Laterankonzil (Februar 1177 – März 1179) In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 12 (1956), S. 388–452.&lt;br /&gt;
* Helmut Plechl: Studien zur Tegernseer Briefsammlung des 12. Jahrhunderts 4. Tegernsee unter den Äbten Konrad I. und Rupert (1126–1186). In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 13 (1957), S. 394–481.&lt;br /&gt;
* Johann Rainer: Das geplante Bistum Völkermarkt. In: Carinthia I 150 (1960), S. 804–828.&lt;br /&gt;
* Johann Rainer: Die Jesuiten in Klagenfurt und Eberndorf. In: Symposium zur Geschichte von Millstatt und Kärnten. Hg. von Franz Nikolasch. Millstatt 1994, S. 52–64.&lt;br /&gt;
* Cesar Scalon: Diplomi patriarcali. I documenti dei patriarchi Aquileiesi anteriori alla metà del XIII secolo nell'Archivio Capitolare di Udine. Udine 1983 (Quaderni e dispense dell’ Istituto di sroia dell’ Universitá degli Studi di Udine 8).&lt;br /&gt;
* Rudolf Schäffer: Die Ungnad 1450-1530. In: Adler. Zeitschrift für Genealogie und Heraldik 12 (1981), S. 166, Anm. 15.&lt;br /&gt;
* Michael Schmid: Das Augustinerchorherrenstift Eberndorf in Kärnten. In: In Unum Congregati 2 (1955), S. 68–73.&lt;br /&gt;
* Heinrich Schmidinger: Patriarch und Landherr. Die weltliche Herrschaft der Patriarchen von Aquileia bis zum Ende der Stauffer.  Graz / Köln 1954 (Publikationen des Österreichischen Kulturinstituts in Rom, I/1).&lt;br /&gt;
* Heinrich Schmidinger: Die Besetzung des Patriarchenstuhls von Aquileja bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 60 (1952), S. 335–354.&lt;br /&gt;
* Monika Siedler: Marktgemeinde Eberndorf Einst und heute. Klagenfurt 1992.&lt;br /&gt;
* Stephan Singer: Kultur- und Kirchengeschichte des Jauntales. Band 3: Dekanat Eberndorf. Kappel 1938.&lt;br /&gt;
* Stephan Singer: Kultur. Und Kirchengeschichte des Jauntales. Band 4: Dekanat Bleiburg. Klagenfurt 1983.&lt;br /&gt;
* Albert Starzer: Die Uebergabe des Chorherrenstiftes Eberndorf an die Jesuiten. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsband 6 (1901), S. 624–633.&lt;br /&gt;
* Guiseppe Trebbi: Francesco Barbaro. Patrizio veneto e patriarca di Aquileia. Storia della societá Friulana. Sezione studi e testi. Udine 1984.&lt;br /&gt;
* Adolf Trende: Die Stiftsbibliothek in St. Paul. In: Carinthia I 142 (1952), S. 609–669.&lt;br /&gt;
* Peter Tropper: Von Missionsgebiet zum Landesbistum. Organisation und Administration der katholischen Kirche in Kärnten von Chorbischof Modestus bis zu Bischof Köstner. Klagenfurt 1996.&lt;br /&gt;
* Johann Weichard Freiherr Valvasor: Topographia Archiducatus Carinthiae. Nürnberg 1688.&lt;br /&gt;
* Evelyne Webernig: Geschichtliches über Eberndorf. Klagenfurt 2000 (Ausstellungskatalog des Kärntner Landesarchivs, 6).&lt;br /&gt;
* Erika Weinzierl-Fischer: Die Quart in Kärntens Stiften und Klöstern. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchiv 4 (1951), S. 138–166.&lt;br /&gt;
* Hermann Weissner / Gerhard Seebach: Burgen und Schlösser in Kärnten. Klagenfurt, Feldkirchen, Völkermarkt. Wien 1980.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<title>Stift Eberndorf</title>
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		<updated>2023-09-21T09:39:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Gedruckte Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift Eberndorf.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Ebernorf, Kupferstich (1681) von Johann Weikhard von Valvasor&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das spätmittelalterliche Nekrologium des Stiftes Eberndorf nennt zum 16. Mai „''Achacius comesfundator huius monasterii, Chunigundis vxor sua''“, wobei über dem Namen Achacius von anderer (späterer) Hand „''Gatzelinus''&amp;quot; geschrieben wurde. An diesem Tag beging man im Stift den Jahrtag dieses und aller anderen Stifter mit einergetreidespende an die Armen, eines „Schinkens&amp;quot; und einer Urne Wein.&lt;br /&gt;
Bei „''Achacius''&amp;quot; handelte es sich um den in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts in Friaul begüterten Graf Chazil, in der Literatur als Graf in Friaul, von Eberndorf und von Moggio bezeichnet. Chazil bzw. Kazelin ist die Kurzform von Kadalhoch, eines Namens, der in der Nachkommenschaft desgrafen Otakar (von Leoben, in Karantanien, 904) üblich war. Als Patriarch Sighard von Aquileja 1072 die Abtei Michaelbeuern bei Salzburg erneuerte, befand sich in seinem Gefolge auch sein Vasall Chazilide Mvosiza (= Moggio in Friaul). Der Patriarch und Kazelin waren miteinander entfernt verwandt. Kazelin war ein Urenkel Aribos und seiner Frau Adala (Adula), der Stifter von Göss, der Patriarch aber nach Heinrich Dopsch (1991) ein Enkel Adulas aus ihrer zweiten Ehe (diese von Plank 1981 bestritten). Diese Verwandtschaft und das Vasallenverhältnis Chazelins zu Aqileja bedingten enge Beziehungen zum Patriarchat. Aus ihnen erflossen nach Kazelins Tod zwei Klostergründungen.&lt;br /&gt;
Da Kazelin kinderlos war - seine Gemahlin Kunigunde wird nur im Eberndorfer Nekrolog aus dem späten 15. Jahrhundert genannt - und auch der Letzte seiner Linie, übergab er um 1085 dem Patriarchen Friedrich II. von Aquileja (1084-1086) Eigengüter in Friaul, vor allem um Moggio an der Fella, zur Stiftung eines Klosters. Diese Dotation verwendete Patriarch Ulrich I. (1086 - 1121) zur Errichtung der Benediktinerabtei Moggio, deren Kirche 1119 geweiht wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kazelin hatte aber vor seinem Tod auch seinen in Unterkärnten gelegenen Allodbesitz der Kirche von Aquileja mit der Bedingung überantwortet, ''dass durch die an dem Ort, wo er begraben würde, lebenden Brüder immerfort mit gebeten gott gedient werde.'' Kazelin starb im oder bald nach dem Jahr 1090 und wurde zuerst in Gösseling (nicht Gösselsdorf bei Eberndorf), unmittelbar bei St. Georgen am Längsee in Kärnten, wo 1002 - 1018 Adalas Schwester Wichburg ein Nonnenklostergestiftet hatte, begraben.	&lt;br /&gt;
Weil Gösseling im Bereich der Erzdiözese Salzburg lag, ordnete Patriarch Ulrich die Überführung des Leichnams Kazelins in die Kirche „''sanctae Mariae Jun in Dobrendorf''“&lt;br /&gt;
(= Eberndorf), die im Diözesansprengel des Patriarchats und auf Kazelins Eigengut lag, an und veranlasste deren Erweiterung. Die angebliche Anwesenheit von drei Suffraganbischöfen Aquilejas (Erhard von Pola, Riwin von Concorda, Hartwig von Triest) bei der Überführung und endgültigen Grablegung Kazelins fällt auf. Kurz vor 1106 soll Bischof Riwin von Concordia im Auftrag des Patriarchen die neue Kirche in Eberndorf geweiht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1106 kam Patriarch Ulrich I. persönlich nach Eberndorf und stellte dort eine Urkunde aus, durch die er dem Gotteshaus und den bereits am Ort lebenden Kanonikern zu ihrem Unterhalt folgende Güter, Einkünfte und Kirchen übertrug : die Dörfergösseling (Goztelich), Eberndorf (Dobrendorf) und was Graf Kazelin in Köcking (Coken), Pribelsdorf (Prilep),gablern (Gablarn, alle drei bei Eberndorf) und anderen Dörfern besaß, die Hügel Kolm (Chulm), Krugl (Chrugel), auf dem das Stift liegt, und Unarach (Vnistiz) bei Eberndorf. Die Wälder mit Jagd- und Fischrechten zwischen dem Jaunberg (Jvnberch, jetzt Hemmaberg bei Jaunstein) und Zelach (Seelach bei St. Kanzian oder Sielach bei Sittersdorf?) und die Zehente zu Windischgraz/Slov.gradec (Graz) und Eberndorf (Ivn) samt den vier Pfarren (plebibus) und ihren Zehenten in Rosegg (im Rosental, Ras), St. Kanzian, St. Michael in Bleiburg und Windischgraz (Graz, eigentlich [[Liste der Pfarren des Stiftes Eberndorf #St.Pankraz in Altenmarkt bei Windischgraz|St. Pankraz in Altenmarkt]]).&lt;br /&gt;
Diese „Stiftungsurkunde&amp;quot; von 1106 Eberndorf (eine genauere Datumsangabe fehlt) ist nur als „Innovation&amp;quot; vom Jahre 1226 erhalten. An ihr hängt aber ein Siegel Patriarch Ulrichs I. (1086-1121), das an der Originalurkunde, nach der Sitte der Zeit, aufgedrückt gewesen wäre. Dieses Siegel ist übrigens das älteste authentische eines Patriarchen von Aquileja. Reinhard Härtel (dem ich hier für vielfache Hinweise aufrichtig danke)gab zu bedenken, dass es heute von Patriarch Ulrich I. keine einzige authentische Urkunde gibt.&lt;br /&gt;
1154 bestätigte der Patriarch Pellegrino I. nach Errichtung des Augustiner-Chorherrenstiftes bei der Pfarre Eberndorf den dem Kloster zugewiesenen Besitz. Als solcher wird genannt: Die Pfarre Eberndorf samt Zehenten und sechs Kapellen, die Pfarre Leifling mit zwei Kapellen, ein Teil Zehent in der Pfarre Skalis bei Schönstein in der Untersteiermark und die Kapelle St. Georgen am Georgiberg bei Eberndorf. Die angeblich schon 1106 inkorporierten großen Pfarren St. Michael in Rosegg, St. Kanzian, St. Michael in Bleiburg und Graz werden 1154 nicht erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die Urkunde von 1106 angeblich in Eberndorf ausgestellt wurde, nennt sie als Zeugen der Rechtshandlung weder einen höheren oder niederen Geistlichen in der Begleitung des Patriarchen, noch den ersten Propst - nach Marian hätte es der von ihm zu 1111 genannte Hartwig (im Nekrolog von Eberndorf zum 3. August eingetragen) sein können - oder einen der Kanoniker. Auch die weltliche Zeugenreihe beinhaltet nur Vornamen, was R. Härtel jedoch als Kriterium der Echtheit der Urkunde ansieht. Auch die zum Schluss der Urkunde ausgesprochene ''Commina cio spiritualis'' ist damals nicht unüblich gewesen und findet sich auch in anderen Urkunden dieser Zeit. In der päpstlichen Bestätigung für den Patriarchen Pellegrino I. von 1132 fehlt Eberndorf richtigerweise unter den zum Patriarchat gehörigen Klöstern, weil es einerseits immer im Herzogtum Kärnten lag, andererseits noch nicht als reguliertes Stift existiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1106 hört man fast fünfzig Jahre überhaupt nichts von Eberndorf. Erst 1149, 1151 und 1152 erscheint in „''Leoprepositus Iunensis''“ der erste auch durch Urkunden nachweisbare Vorsteher einer Priesterkommunität in Eberndorf. Dies hat W. Fresacher, J. Rainer, E. Webernig und andere bewogen, die Errichtung des Augustiner-Chorherren Klosters zwischen 1149 und 1154 anzusetzen. 1154, unter Leos Nachfolger Roman, war sie durch die Einführung der Augustinerregel für die Kanoniker seitens des Patriarchen Pellegrino I. bereits vollzogen und 1177 wird Eberndorf erstmals als Kloster aquilejischer Jurisdiktion bezeichnet.&lt;br /&gt;
Auffallend ist, dass Patriarch Ulrich I. die Gründung Eberndorfs als Säkularstift schon 1106 ins Werk setzte, während er sich bei Moggio länger Zeit ließ, dessen Gründung erst 1119 zum Abschluss kam. R. Härtel hat in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass Ulrich I. der letzte seines Hauses (Eppenstein) war. Deshalb und seines zuletzt hohen Alters wegen könnte sein Interesse an der weiteren Verfügung über die Güter Kazelins erlahmt sein. Andererseits konnte er auch ohne größere Bedenken aus Eigenem für Klostergründungengeben. Wegen der Übergabe der Güter Kazelins und der Inkorporation der vier Pfarren wurde Ulrich im Ebendorfer Nekrolog als „Stifter&amp;quot; eingetragen. Ein besonderer Freund der regulierten Chorherren scheint er aber nicht gewesen zu sein, hat er doch das nach der Augustinerregel lebende Kloster Rosazzo im Patriarchat Aquileja um 1090 in ein Benediktinerkloster umgewandelt, das der Hirsauer Reformbewegung nahestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die besondere Stellung Ulrichs I. (Alter, Letzter seines Hauses) könnte - nach Meinung Härtels - auch dafür verantwortlich sein, dass für beide Klöster aus ihrer Gründungszeit heute so wenig schriftliches Material vorhanden ist, vielmehr erst Patriarch Pellegrino I. die Verhältnisse sowohl in Moggio als auch in Eberndorf stabilisiert bzw. geordnet hat. Es herrscht die Meinung vor, Eberndorf sei die letzte Stiftsgründung in Kärnten gewesen, die in einen unmittelbaren Zusammenhang mit der von Salzburg getragenen Reformbewegung in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts gebracht werden könne.&lt;br /&gt;
Denn die Chorherren waren, zum Unterschied von den Mönchen, auch in der Seelsorge tätig. Und um diese ist es Patriarch Pellegrino I. wohlgegangen. Erzbischof Konrad I. von Salzburg (1106-1147) führte die Augustinerregel in den Dom stiften Salzburg und Gurk ein und errichtete eine stattliche Zahl von Chorherrenstiften in seiner Diözese. Eberndorf wird mit den Stiften [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (Oberösterreich) und [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] (Niederösterreich) als zur Salzburger Observanz gehörig bezeichnet.&lt;br /&gt;
Die Frage nach der Herkunft der Chorherren des Jahres 1154 ist momentan nicht zu beantworten. Im Falle einer „Umwandlung&amp;quot; des Säkularstiftes in ein reguliertes, erübrigt sich die Frage weitgehend. Die Meinung, es könnten (auch) Kanoniker aus dem oberbayrischen Kloster Rottenbuch nach Eberndorf gekommen sein, wurde widerlegt und statt diesem der eben erwähnte Salzburger Reformkreis in Vorschlag gebracht. Trotzdem gab es schon um 1170 enge Beziehungen zwischen Eberndorf und Rottenbuch, weil damals ein und derselbe Propst beiden Klöstern vorstand.&lt;br /&gt;
Vogtei und Blutgericht über Eberndorf lagen ursprünglich bei den Herren von Trixen, dann wurde die Blutgerichtsbarkeit von den Herrschaften Sonnegg bzw. Rechberg als Sitze des Landgerichts Jauntal, seit 1454 aber vom herzoglichen Landgericht Stein im Jauntal ausgeübt. Die Niederegerichtsbarkeit über die Bewohner im Burgfried Eberndorf und über die stiftischen Untertanen hatte der Propst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kapitel von Eberndorf hatte das Recht, seine Pröpste aus seiner Mitte zu wählen, dem Patriarchat blieb als Ordinarius das Bestätigungsrecht. Unter dem bedeutendsten Propst des frühen Mittelalters Otto (II.) erreichten die Beziehungen zu Aguileja geradezu familiären Charakter. Otto, Propst des Reformklosters [[Stift Rottenbuch|Rottenbuch]] am Ammersee (dort 1144 zur Regierung gekommen), war eingeborener Graf von Falkenstein, Bruder des Abtes Rupert von Tegernsee (1156–1186) und hatte einen dritten Bruder Gebhard von Sanegg, der die Schwester des Patriarchen Ulrich II. Graf von Treffen (1161–1182) geheiratet hatte. Wohl deshalb wurde Propst [[Otto (Stift Eberndorf)|Otto]] 1173 (oder kurz davor) auch Propst von Eberndorf, dessen zusätzliche Einkünfte Otto für seine vom Patriarchen gewünschte Mitarbeit beweglicher machen und das Kloster Rottenbuch finanziell entlasten sollten. Aus den Jahren 1177 bis 1179 existiert ein Briefwechsel zwischen Otto, seinem Bruder Abt Rupert, dem Patriarchen und anderen Prälaten. Dieser zeigt Otto im aufreibenden Dienst beim Patriarchen, mit dem er sich in Venedig beim Friedensschluss zwischen Papst und Kaiser (1177) aufhielt. Er gehörte in den Auseinandersetzungen Kaiser Friedrichs I. Barbarossa mit Papst Alexander III. der päpstlichen Partei, das heißt der streng kirchlichen Richtung an und hatte deshalb manche Verfolgung von Seiten Welfs von Bayern zu ertragen. Aber selbst die Mittel aus zwei Propsteien scheinen für Otto nicht ausgereicht zu haben, um den Aufträgen des Patriarchen nachkommen. Der Propst beklagte sich beim Archidiakon von Villach darüber, dass er sich nicht einmal neue Kleider leisten könne, denn er musste häufig zwischen Rottenbuch, Eberndorf und Aguileja pendeln.&lt;br /&gt;
Eine Familienaffäre brachte Propst Otto sogar in Gegensatz zum Patriarchen. Herrand von Wildon, der schon mit Graf Wilhelm von Heunburg zwei Töchter Leutolds von Gutenberg-Waldstein entführt hatte, um für sich und seinen Freund zu reichen Bräuten zu kommen, entführte – diesmal nicht für sich – die minderjährige Tochter des inzwischen verstorbenen Gebhard von Sanegg. Die Mutter des Mädchens war damit einverstanden, denn sie wollte ihre beiden Kinder, die Tochter und deren Bruder, an nicht standesgemäße Partner verheiraten, um ihnen nicht das ganze elterliche Erbe als Mitgiftgeben zu müssen. Den größten Teil des Erbes gedachte sie dem Patriarchat Aquileia zuhanden ihres Bruders, des Patriarchen, zuzuwenden. Propst Otto gelang es, mit Unterstützung seines äbtlichen Bruders, den Knaben unter seine Obhut zu bringen und ihm nach langen Verhandlungen sein reiches väterliches Erbe gegen die Absichten der Mutter und des Patriarchen zu sichern. Der Knabe wurde dadurch der Stammvater der späteren Grafen von Cilli.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang des 13. Jahrhunderts bestanden auch Beziehungen zwischen Eberndorf und der Kanonie Reichersberg am Inn. Dort resignierte 1206 Propst [[Leonhard I.|Leonhard]]. Er verließ in diesem Jahr sein Kloster, nachdem er den dortigen Kanonikern noch einige Wohltaten erwiesen hatte, und wandte sich nach Eberndorf, wo er sofort zum Propst gewählt wurde. Auch hier wirkte er für seine neuen Mitbrüder segensreich. Auf ihn ging die Widmung der Einkünfte von 20 Huben zur Kleiderkammer der Chorherren zurück.&lt;br /&gt;
Das 14. und 15. Jahrhundert war auch für Eberndorf die große Zeit der Jahrtagsstiftungen. Die Schenkungen aus diesem Titel bedeuteten für die Propstei einen respektablen Besitzzuwachs. 1312 errichtete der Burgherr von Sonnegg im Jauntal eine große Stiftung, die von zwölf Priestern bedient werden sollte und gab dafür sechs Huben. Ob das Stift damals so viele Priesterkanoniker hatte ist unbekannt. Die zwölf Messen dürften wohl auch von den Säkularpriestern, die zum Jahrtag ins Stiftgeholt wurden, gelesen worden sein. Die Sonnegg–Stiftung wurde in der Folge noch erweitert, doch kam Ebendorf nicht sofort in den Besitz der Liegenschaften, denn diese wurden von späteren Burgbesitzern widerrechtlich zurückbehalten und erst 1394 den Stift eingeantwortet. 1313 verlieh Graf Heinrich von Görz-Tirol dem Stift Lehenhuben in Grabelsdorf bei Ebendorf, damit der Konvent für ihn und seine Vorfahren bete. Auch mehrere Mitglieder der im Jauntal ansässigen ritterlichen Familie der Christendorfer errichteten in dieser Zeit Messstiftungen. größere Jahrtagsstifungen gingen auf Wulfing von Sunneck (1344), die adeligen Schrampf (1501), den Kardinalbischof von Santa Sabina oder den Bischof Warunensis de Pruscia zurück. 1330 errichtete Patriarch Paganus für sich eine Jahrtagsstiftung in Eberndorf und gab dazu einen Weingarten bei Sittersdorf. 1362 erfolgte die Jahrtagsstiftung des Dechants Jacob von Eberndorf. Eine letzte Stiftung machte noch kurz vor der Reformation Martin Luthers der vermögende Propst Valentin Fabri 1508.&lt;br /&gt;
Durch die Munifizenz des Patriarchen Bertold (1218–1251) besaß Eberndorf schon früh auch eine Spitalstiftung. 1397 erlaubte der Patriarch der Propstei, die Stiftung von einem Kanoniker verwalten zu lassen. Sie überlebte nicht nur die Aufhebung des Stiftes, sondern auch die des Jesuitenordens und existierte noch im 20. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformbestrebungen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hatte schon früher (1309) der Patriarch in das geistliche Leben der Kanonie Eberndorf eingegriffen, gab der Klerus in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, nicht nur in der Diözese Aquileja, Anlass zu herber Kritik. Der Patriarch schickte Visitatoren auch nach Eberndorf. Diese fanden am 10. Oktober 1475 die dortigen Verhältnisse ziemlich liederlich. Unpassende Kleidung, intime Beziehungen zu Frauen und regelwidriges Leben waren die Hauptvorwürfe. Man schärfte Propst und Kapitel die schon früher ergangenen Reformvorschriften erneut ein. Bald danach wurde Leonhard von Keutschach zum Propst gewählt. Er hatte sich vordringlich um die Sicherheit der Propstei in den Auseinandersetzungen Kaiser Friedrichs III. mit den ins Land eingedrungenen Truppen des Ungarnkönigs Matthias Corvinus zu kümmern. Als Keutschach 1490 zum Dom Propst von Salzburg gewählt wurde, behielt er Eberndorf noch drei Jahre lang als Kommende bei. Schließlich wurde er Erzbischof von Salzburg, wo sein Andenken mit dem Ausbau der Festung Hohensalzburg verknüpft ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1497 kam ein Mann zur Propstwürde, der als typischer Vertreter des höher en Klerus am Vorabend der Reformation erscheint: [[Valentin Fabri]]. Er stammte aus Ponigl in der Untersteiermark, war als Säkularpriester 1478 schon Vikar, drei Jahre später ordentlicher Pfarrer von Gonobitz/Konjice. Im nächsten Jahr wurde er Statthalter des Patriarchats, dann Vizearchidiakon und 1486 Archidiakon von Saunien. &lt;br /&gt;
Im März resignierte Propst [[Andreas Erlpacher|Erlpacher]] und Fabri wurde von den Kanonikern dem Patriarchen als Propst präsentiert und auch bestätigt. 1498 nannte er sich Propst von Eberndorf, Archidiakon im Jaun- und Sanntal, ewiger Kommendator der Pfarren St. Georg in Gonobitz und St. Nikolaus in Saldenhofen/Vuzenica. 1487 bereiste der Bischof von Caorle im Auftrag des Patriarchen den Archidiakonatsdistrikt Saunien und traf mehrmals mit dem Archidiakon Fabri zusammen. Paolo Santonino beschreibt Fabri als an Körpermaß und Tugend wahrlich großen Mann, der in Gonobitz einen Haushalt mit 43 Personen (darunter neungeistliche) führte und acht Pferde unterhielt. Die Gastmähler, die Fabri der Reisegesellschaft gab, waren eines Kardinals würdig. Die Pfarre Gonobitz hatte 25 Filialkirchen, fetteste Einkünfte und warf ihrem Inhaber im Jahr 200 Dukaten ab. Kein Wunder, dass die Eberndorfer Chorherren Fabri als Propst wünschten, denn sie erhofften sich von ihm wirtschaftliche Vorteile für ihr Stift. Eine Ebendorfer Inschrift von 1506 nennt ihn ''prepositus et reformator'' des Klosters. Fabri residierte abwechselnd in Eberndorf und Gonobitz, wo er an der Beulenpest starb und eingrabmal erhielt. Dessen Inschrift lautete:&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;''Hoc sub signo requiescat in Pace Rev. Pater Valentinus Fabri honorandusque praepositus in Aberdorfiis et huius ecclesiae plebanus et reformator et archidiaconus Sauniae. Obiit bubonnibus anno Domini 1505''&amp;quot;. &amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seiner Todeskrankheit wegen wollte man Fabri nicht nach Ebendorf überführen, was aber Jahre später von Aquileja aus angeordnet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 16. Jahrhundert - das Völkermarkter Bistumsprojekt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es hätte mehrere Pröpste wie Valentin Fabri bedurft, um Eberndorf durch die schweren Zeiten des 16. Jahrhunderts zu führen. 1529 musste das Stift ein Viertel seines Grundbesitzes König Ferdinand I. als Subsidium zum Türkenkrieg opfern. Einiges konnte das Stift in bar ablösen, trotzdem war der Verlust so vieler Güter und ihrer Einkünfte empfindlich und eigentlich der Anfang vom Ende des Klosters. Hausgemacht war die Misswirtschaft, die man Propstes [[Lucas Mayr]] von Seiten des Stiftes wie der Regierung vorwarf. Sie endete 1573 mit seiner Absetzung. Mayr hatte mit seiner Haushälterin einige Kinder gezeugt, denen er in Bleiburg Haus und Grund kaufte. Dar auf angesprochen antwortete er lapidar, er habe sich das Geld noch als Pfarrer von Sittersdorf verdient. Vom Regularleben hielten er und etliche Chorherren nichts mehr. Diese Zeit ist die&amp;quot; protestantische Phase&amp;quot; des Stiftes. 1569 forderte Erzherzog Karl den Propst auf, den von ihm verlangten Bericht über die Profanierung und Einziehung der Benefizien und geistlichen Güter, deren sich vor allem die evangelischen Ungnad als Schlossherrn von Sonnegg schuldig gemacht hatten, unverzüglich nach Graz einzuschicken.&lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes [[Bartholomäus Kranich]] (1583) war die Administration der wirtschaftlichen und geistlichen Agenden Eberndorfs nicht mehr zu umgehen. Die ökonomischen Verhältnisse waren so desolat, dass ab 1588 der Bischof von Laibach (vertreten durch einen Stiftsökonomen) die Stiftswirtschaft sechs Jahre hindurchführte, ohne deren Gesundung zu erreichen. In dieser Zeit verfiel das Stift auch personell zunehmend. Die miserablen Zustände lenkt en die Aufmerksamkeit des Grazer Hofes auf die Propstei. Mitte Februar 1587 richtete Erzherzog Karl an den Papst ein Schreiben mit der Bitte, an der Kollegiat- und Pfarr Kirche Völkermarkt in Kärnten einen Bischofsitz zu errichten und dem Bistum alle Pfarren und Filialkirchen des Kollegiatstiftes von der Erzdiözese Salzburg sowie auch die dem Patriarchat Aquileja unterstehenden Kärntner Pfarren von ihren Bistümern abzutrennen und dem neuen Bistum zuzuweisen. Als Dotation der bischöflichen Mensa sollte das schlecht verwaltete Stift Eberndorf verwendet werden. Als Gründe für die Bistumserrichtung wurden gegenreformatorische Erwägungen genannt. Doch gab es 1588 im Ort Eberndorf selbst angeblich nur drei Lutheraner. Der Heilige Stuhl war diesem Plan nicht abgeneigt und ordnete einen Informationsprozess an, der im August 1588 begann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Zeugen wurden der Propst von Völkermarkt und zwei Eberndorfer Chorherren einvernommen. Der eine von ihnen war der ehemalige Propst [[Matthäus Scharrer]], der andere der Chorherr und Pfarrer von Gutenstein. Beide bekannten, häufig bis öfter zu beichten und fast täglich bis häufig zu zelebrieren. Das Land habe in den vergangenen Jahren durch die Pest furchtbaren Schaden erlitten, der noch immer spürbar sei. Die Bevölkerung sei fast ganz lutherisch. Die Zahl der dem Stift inkorporierten Pfarren wurde (ohne die Stiftspfarre) mit zwölf angegeben, wozu noch zwei Benefizien kamen. Das Leben der Chorherren nannte der Expropst skandalös, sie seien eher Kaufleute als Religiosen, eine Reform daher dringend erforderlich. Im Jahr darauf (1589) wurde der Administrator in temporalibus Peter Crobat, 29 Jahre alt, zur wirtschaftlichen Lage befragt. Er wusste nicht, wer gerade Propst und Dechant in Eberndorf war, konnte aber detaillierte Angaben zu den Einkünften des Klosters machen. Nach seinen und des Expropstes Angaben waren sie beträchtlich, doch standen ihnen hohe Schuldengegenüber. Das günstige Gutachten der Kommission führte Ende Februar zum formellen Antrag des Grazer Hofes in Rom zur Errichtung des Bistums. Nur der im Juli eingetretener Tod des Erzherzogs verhinderte die Ausführung des Plans. Andernfalls wäre Eberndorf bereits damals untergegangen. Die Ruhe war aber nur von kurzer Dauer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftlicher und personeller Niedergang===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der immer deutlicher zu Tage tretende Verfall in der Wirtschaft des Klosters und der Disziplin der Chorherren rief den Patriarchen auf den Plan. Er wollte dem Stift helfen und sandte den Bischof von Triest nach Eberndorf, um die Situation festzustellen (13. April 1590). Der unfähige Propst wurde zur Abdankung veranlasst und der Kapitular [[Zacharias Fladnitzer]] in Anwesenheit eines aquileischen Provikars gewählt, von der Regierung aber nicht bestätigt, weil die landesfürstlichen Kommissäre nicht zur Wahl beigezogen worden waren. Kanonisch war Fladnitzers Wahl rechtmäßig, trotzdem musste er sich zurückziehen. An die Stelle Fladnitzers trat auf Empfehlung der Erzherzogin Witwe Maria deren Sekretär und Rat [[Ursinus de Bertis|Ursinus (Orsino) de Bertis]] (4. Juli 1591). Weil aber auch diese Wahl „aus irgendwelchen gründen“ den Anschein der Illegitimität hatte, resignierte der gewählte, in zwischen Bischof von Triest geworden, die Würde. Erst die folgende Propstwahl brachte vorläufig Beruhigung. Da kam der Koadjutor des Patriarchen im Spätherbst 1593 auf einer Visitationsreise nach Eberndorf. Auch er musste die desolaten Zustände feststellen, ohne sie nachhaltig verbessern zu können. Zu allem Unglück wurde das Stift bald darauf auch noch Opfer frecher Räuber. Nicht nur Immobilien und Zehenterträge, sondern auch Bargeld, Kirchenkleinodien, Paramente, Dokumente und anderes verschwanden, ohne dass die Diebe bekannt geworden wären. Der Schaden war so hoch, dass sich der Propst an den Papst um Hilfe wandte. Dieser beauftragte mit der Ausforschung der Räuber und Hehler den Patriarchen von Aquileja, den Erzbischof von Salzburg und den Bischof von Lavant, damit dem Stift das Geraubte zurückgegeben werde, was wahrscheinlich nicht geschehen ist.&lt;br /&gt;
Die Administration Eberndorfs durch den Laibacher Bischof blieb auch unter Propst Bertis noch aufrecht, doch keiner von beiden vermochte das Stift finanziell zu sanieren. Zu einer Zeit, da es mit den meisten Stiften des Landes in jeder Beziehung wieder aufwärts ging, siechte Eberndorf nicht nur wirtschaftlich weiter dahin, sondern entbehrte geeigneten Nachwuchses, obwohl damals mehrere junge Männer aus dem Ort Eberndorf an der Grazer Jesuitenuniversität studierten und sich Kandidaten für den Eintritt in Eberndorf meldeten. Ende Jänner 1599 bestellte der Erzherzog [[Sebastian Kobl]], Pfarrer von Pettau/Ptuj, zum Administrator in temporalibus. Der Patriarch von Aquileja sprach den Wunsch aus, es möge ein neuer Propst bestellt werden, worauf der Erzherzog Anfang Mai erlaubte, Kobl zum Propst einzusetzen, der auch der Wunschkandidat des Patriarchen war. Das Kapitel hatte aber – in Ausübung seines freien Wahlrechts – den Gurker Kanoniker Matthias von Staudach zum Propst gewählt, denn Kobl gehörte nicht dem Orden an. Die Regierung verweigerte Staudach die Bestätigung, weshalb das Kapitel Kobl akzeptieren musste, der schließlich den Orden annahm. Mit Kobls Regierungsantritt ging auch die Zeit der wirtschaftlich en Administration zu Ende. 1601 erfolgte letztmalig die Bestätigung der Stiftsprivilegien durch den Landesfürsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kobl regierte ganz im Sinne der Gegenreformation, wie seine Bemühungen um die Wiedererrichtung des Schlossbenefiziums Sonnegg zeigen, das die evangelischen Freiherrn Ungnad hatten abkommen lassen. Das Stift hatte früher dem Besitzer von Sonnegg 8.000 Gulden geliehen, als Pfand aber zum Teilgüter der Schloss-Kaplanei, die ohnehin dem Stift inkorporiert war, angenommen. Insofern hatte das Stift das Geld für Untertanen verliehen, die es bereits besaß. Die Grazer Regierung legte dem Propst nahe, sich darüber mit den Ungnad'schen Erben vor Gericht auseinanderzusetzen. Kobl hat für die Restaurierung von Kirche und Kloster viel getan und sich um die Weiterexistenz der Kanonie gesorgt, auch wenn ihm die erforderlichen Neuaufnahmen von Chorherren aus unerfindlichen Gründen nicht gelangen. Selbst bei seinen wenigen noch vorhandenen Konventualen vermochte er die Ordensdisziplin nicht wiederherzustellen. Drei von ihnen, die dem Konkubinat verfallen waren, wollte er aus dem Stift in ein anderes überstellen, damit nicht auch die jungen Kleriker verführt würden. Über alle diese Probleme ist Kobl unvermutet am 10. Oktober 1602 gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufhebung 1604 und Übergabe an den Jesuitenorden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der frühe Tod Propst Kohls hinterließ im Stift ein gefährliches Vakuum. Zwar wählten die Chorherren im darauffolgenden April neuerlich Matthias von Staudach zum Propst, und das in Anwesenheit des Abtes von Arnoldstein als Vertreter des Patriarchen, doch auch diesmal ohne Regierungskommissär. Wieder verweigerte die Grazer Regierung dem gewählten die Anerkennung und verbot ihm die Führung der Geschäfte. Die Kanoniker wandten sich an den Erzherzog und wiesen auf ihre Privilegien und die Zustimmung des Patriarchen bezüglich der vorgenommenen Wahl hin. Auch die Ernennung Staudachs zum Administrator Eberndorfs und Vikar durch den Patriarchen (14. November 1603) nützte nichts. Der Erzherzog hatte längst andere Pläne und hielt die Kanoniker hin.&lt;br /&gt;
Der Koadjutor des Patriarchen, Francesco Barbara, hatte bei seinen Visitationen in Kärnten 1593/94 die katastrophale Lage des Katholizismus in diesem Teil der Diözese kennengelernt und befürwortete die Errichtung eines Jesuitenkollegiums in Kärnten. Als er Patriarch geworden war, hegte er die Absicht, die Einkünfte von Eberndorf für ein zu errichten des Jesuitenkolleg in Görz und die Installierung eines Archidiakons des Patriarchen für Unterkärnten mit Sitz in Eberndorf zu verwenden. Für ein Kolleg im erzprotestantischen Villach war die personell schwache Abtei Arnoldstein in Aussichtgenommen, doch legte sich diesfalls der Bischof von Bamberg, dem dieses Stift unterstand, quer. Das Stift Millstatt hatte der Jesuitenorden bereits 1598 „okkupiert&amp;quot;, bevor es ihm 1600 vom Papst bestätigt wurde, und für ein Jesuitenkolleg in Laibach verwendete man die Kartause von Pletriach/Pleterje. Wollte der Erzherzog ein neues Kolleg gründen, konnte er dies – mangels eigenen Geldes – nur auf Kosten bestehender Stifte oder Klöster tun. Der erzherzogliche Plan, in Klagenfurt ein Jesuitenkolleg ein zurichten und dazu Eberndorf und seine inkorporierten Pfarren zu verwenden, stieß aber nun auf den Widerstand des sonst jesuitenfreundlichen Patriarchen. Denn dieser fürchtete um seine Jurisdiktion über die Eberndorfer Pfarren, sollten diese jesuitisch werden. Die Jesuiten, bereits auf Eberndorf aufmerksam gemacht, bemühten sich, die Bedenken Barbaras zu zerstreuen und fanden im Erzherzog einen konsequenten Förderer ihres Anliegens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lavanter Bischof Georg Stobäus von Palmburg (1584-1618) erwuchs der Propstei zuletzt ein Gegner, dem das personell schwache Kapitel nicht gewachsen war. Stobäus besaß das uneingeschränkte Vertrauen des Erzherzogs und war ein erklärter Feind der Protestanten, zu deren Zurückdrängung in Kärnten er das Kolleg in Klagenfurt ins Leben rief, wo 1602 die ersten Jesuiten eintrafen. Stobäus beredete den Erzherzog, die reiche Propstei Eberndorf den Klagenfurter Jesuiten zu schenken. Im Stiftgäbe es derzeit keinen Propst und nur sehr wenige Kanoniker, deren Lebenswandel wenig erbaulich sei.&lt;br /&gt;
Ohne die päpstliche Zustimmung zur Aufhebung abzuwarten ließ Erzherzog Ferdinand per Dekret vom 29. Juli 1603 die mobilen und immobilen Temporalia den Jesuiten für ein zu errichtendes Kolleg in Klagenfurt übergeben. Die Eberndorfer Kanoniker wandten sich an Kardinalstaatssekretär Aldobrandini um Hilfe gegen die Jesuiten, die sie als Usurpatoren bezeichneten. Sie wandten sich auch schriftlich an den Papst selbst, der dem Erzherzog durch den Nuntius in Graz mitteilen ließ, dass er sich des Verbrechens der unerlaubten Besitzergreifung von Kirchenvermögen schuldig gemacht habe. Der Erzherzog sah seinen Fehler ein und war bereit, die beiden Jesuiten aus Eberndorf abzuziehen und die Besitzergreifung zu widerrufen. Auch die Jesuiten schienen geneigt, Eberndorf aufzugeben. Nun appellierten die Kanoniker an den Patriarchen, ihnen zu sagen, was sie tun und wovon sie leben sollten. Er möge ihnen seinen Schutzgewähren und den früheren Zustand wiederherstellen. Aus dem Streit über die Gültigkeit der letzten Propstwahl war ein Tauziehen um den Fortbestand des Stiftes geworden, das eineinhalb Jahre dauerte. Der Patriarch stand mittlerweile ganz auf Seite des Kapitels, weil das Stift seit seiner ersten Gründung im Jahre 1146 (! - richtiges Datum oder irrig statt 1106?) zur Kirche von Aquileja gehöre. Da erkrankte der Papst und die Angelegenheit blieb in Rom vorerst unerledigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den ganzen Winter 1603/1604 gab es über diese Frage einen regen Briefwechsel zwischen Graz, Eberndorf, Aquileja und Rom. Letztendlich war nicht das Fehlen eines Propstes – der Gurker Domherr Matthias von Staudach wäre gerne bereit gewesen, dem Stift als Propst wieder aufzuhelfen –, der personell überalterte und geschrumpfte Konvent oder die schlechte Wirtschaftslage des Stiftes für seine Aufhebung ausschlaggebend.&lt;br /&gt;
Allein gegenreformatorische Gründe führten die Entscheidung herbei. Der katholische Erzherzog brauchte die Jesuiten, um mit ihrer Hilfe den Protestantismus aus seinen Erblanden zu verdrängen. Da er aber die zu errichtenden Kollegien nicht mit landesfürstlichem Kammergut dotieren wollte, griff er nach geistlichem Gut, das ohnehin seit jeher als Kammergut galt. Deshalb musste Eberndorf als Augustiner-Chorherrenstift unter-gehen. Das gegenreformatorische Argument und die persönliche Intervention Erzherzog Maximilians, eines Bruders Ferdinands, beim neuen Papst dürften diesen letztendlich umgestimmt haben. Aquilejas Position war zu schwach, um die Propstei vor dem Zugriff der Jesuiten zu bewahren. Denn der Erzherzog hatte gedroht, das Patriarchat militärisch anzugreifen, sollte der Patriarch als venezianischer Adeliger den venezianischen Gesandten am Heiligen Stuhl um Intervention beim Papst bitten.&lt;br /&gt;
Am 5. April 1604 erließ Clemens VIII. das Aufhebungsdekret bezüglich Eberndorf. Er berief sich darin auf ein schon früher erlassenes Dekret, wonach alle vakanten Propsteien und Konvente seiner Verleihung oder Verfügung vorbehalten seien. Dies sei nun bei Eberndorf der Fall und deshalb gebe er der Bitte des Erzherzogs, die Propstei zur besseren Dotierung eines Jesuitenkollegs verwenden zu dürfen, nach. Er hebe deshalb die Propstei auf, ordne aber die gerechte Versorgung der Chorherren für ihr auch fernerhin an die Klosterregel gebundenes Leben an. Der Patriarch stimmte der Aufhebung resigniert zu, da er sah, dass er den Ausgang der Sache nicht mehr verhindern konnte. Am 29. Juli fand in Beisein des päpstlichen Nuntius in Graz Gerolamo Porcia, des Sekkauer Bischofs Martin Brenner als Regierungskommissär, des Kärntner Landeshauptmanns, des Landesvizedoms und des Jesuitenprovinzials P. Alphons Carrillius die Übergabe der Kanonie an den habgierigen Orden statt. Im Kloster lebten noch fünf Chorherren, von denen vier angeblich so krank waren, dass sie nicht zelebrieren konnten. Ihre Versorgung übernahmen die Jesuiten. Der jeweilige Jesuitenrektor von Klagenfurt erhielt Titel und Rechte eines Propstes von Eberndorf und Archidiakons des Jauntales. Der Patriarch konnte die Aufhebung des Stiftes nie verschmerzen. Noch 1611 beklagte er die Unterdrückung der reichen Propstei Eberndof durch den Erzherzog, während die Seckauer Chorherren in ihrer Chronik den Untergang des Bruderstiftes mit den Worten kommentierten: „Devoraverunt hanc canoniam patres Jesuitae iam aliunde locupletes.“&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wurde Eberndorf staatliche Studienherrschaft. 1809 übernahmen die von St. Blasien gekommenen Benediktiner des wieder errichteten Stiftes St. Paul im Lavanttal die Herrschaft als Eigentümer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schule==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aachener Synode von 789 bestimmte, dass jedes Kloster oder Domstift eine Schule errichten sollte, in der neben (lateinischer) Grammatik, Rhetorik und Dialektik auch die artes reales Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik gelehrt werden sollten. Eine Klosterschule hatte sich überdies um den Nachwuchs für das Haus zu kümmern, also Kleriker heranzubilden. Dazu schrieb das 4. Laterankonzil (1215) allen Kapitelkirchen vor, einen „magister“ zu halten, der die Kleriker in Grammatik und anderen Wissenschaften unterrichten sollte. Dies betraf in Eberndorf das Lesen und Studium der Bibel ebenso wie der Schriften des Ordensvaters Augustinus und der anderen „Väter&amp;quot;. Dann aber auch das Erlernen des Chorgebetes und -gesanges und der Liturgie allgemein. Die Urkunde von 1236 September 20 Saldenhofen, mit der Cholo von Saldenhofen gegenüber dem Stift auf seine Betvogtei verzichtete, schrieb ein gewisser Johannes Scholaris, „sub diaconus Junensis“. Zur gleichen Zeit wird ein „magister Hailwardus“ genannt. Dies sind die frühesten Nachrichten, aus denen auf die Existenz einer Klosterschule geschlossen werden kann. 1298 wird ein Chuonrat, 1310 Johann der Jussel von Völkermarkt als Schulmeister in Eberndorf und 1362 ein „scolasticus“ (Erzieher) der Schüler urkundlich erwähnt. Der 1440 gestorbene Kantor Johannes schenkte dem Stift „solemnia gradualia“ für den Chor. Vor 1480 gab es einen Magister Nikolaus und seine Frau Krispa, die ins Eberndorfer Nekrolog eingetragen wurden. 1531 starb der Organist des Klosters. Einer seiner Nachfolger war der aus Meißen stammende Klosterorganist Sigmund Quas. Sollte er evangelisch gewesen sein und reformatorische Orgelwerke und Lieder gespielt haben? 1588 unterhielt das Stift sieben oder acht Schüler, andere frequentierten bloß die Schule. Noch zwei Jahre später gab es ein en Schulmeister und einen Organisten in Eberndorf. Das sind die eher spärlichen Hinweise auf eine Schule, die feierliche Liturgiegestaltung und die Existenz einer Orgel im alten Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Spital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon Patriarch Berthold von Aquileja (1218–1251) hatte – nach einer späteren Nachricht – dem Stift Zehente im Dorf Edling in der Pfarre St. Michael ob Bleiburg zwecks Errichtung eines Spitals für Arme geschenkt. Dieses soll um 1226 – noch zu Lebzeiten des Patriarchen – tatsächlich errichtet worden sein. Es war mit der dazugehörigen Kirche dem heiligen Antonius von Padua geweiht und stand nordwestlich des alten Ortes Eberndorf, unweit des Stiftsmeierhofes. Mit der Zeit erhielt das Spital weitere Güter übertragen. 1397 erlaubte der Patriarch dem Konvent, den Besitz des Spitals durch ein en Kanoniker verwalten zu lassen. Der erste könnte der 1419 gestorbene Chorherr Andreas de Sittersdorf, Provisor des Spitals, gewesen sein. Die Spitalstiftung überdauerte alle Wechselfälle der Zeit, war 1886 der Gemeinde Eberndorf zur Verwaltung übertragen und existierte noch im 20. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit liegenden Gütern aus dem Erbegraf Chazelins und vom Patriarchen mit Pfarren und ihren Zehenten seit der Gründung gut dotiert, scheint die Propstei die ersten zwei Jahrhunderte ihres Bestehens – trotz einiger Anfangsschwierigkeiten mit ihren Vögten – gut gewirtschaftet zu haben. Zahlreiche Güterschenkungen und Ankäufe erhöhten die Einkünfte kontinuierlich. Dies zeigen die von der Propstei geleisteten Steuern. An den Grafen von Tirol hatte die Propstei 1292 zwei Goldgulden zu entrichten und das Aquilejer Zehentregister von 1296 weist hinsichtlich des von Papst Bonifaz VIII. auferlegte Zehents die Propstei für zwei Termine mit 25 solidos grossarum aus. Die 1323 veranstaltete Sammlung des päpstlichen Legaten im Archidiakonat Kärnten nennt die Propstei an erster Stelle mit einem Sammelergebnis von 15 Mark Agleier Pfennige. Zur selben Zeit befand sich das herzoglich kärntnerische Landgericht im Jauntal als Pfand in der Hand des Propstes und noch 1391 hatte das Stift 250 Mark Silber auf dem Landgericht sichergestellt liegen. Um diese Zeit beginnen weitere umfangreiche Güterankäufe in und um Eberndorf, aber auch in entfernteren Gegenden, wie z.B. Lembach/Limbuc bei Marburg/Maribor. Dort war das Stift schon früh zu Weingärten gekommen. Zwischen 1272 und 1277 erhielt das Stift das Fischrecht mit einem Netz am Klopeinersee, 1508 besaß es dort bereits das Recht auf drei Fischer. 1316 erwarb es einen Teil am Sablatniggsee (Zapottnicksee) in der Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes Eberndorf # St. Veit im Jauntal|St. Veit im Jauntal]]. Auch in der Drau und in dem in diese fließenden Vellachbach (südlich von Möchling) fischte das Kloster, hatte aber deshalb jahrelang Streit mit dem Stift St. Paul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Großen Besitzzuwachs erzielte das Stift durch Propst [[Georg („de Capella“, aus Eisenkappel)|Georg]] († 1421), der den Besitz des Stiftes auf beinahe 100 Huben vermehrte und Weingärten, Wiesen und anderes erwarb. In den dreißiger Jahren des 15. Jahrhunderts veräußerte die Familie Kriegfelder zahlreiche ihrer Besitzungen an Eberndorf, ebenso die adeligen Rechberger. Letztere wollten aber dann den Verkauf nicht anerkennen. Sie griffen sogar das Kloster an, verwüsteten es mit Feuer und Schwert und raubten den Kaufbrief. Deshalb der kaiserlichen Ungnade verfallen, wurde ein Teil ihrer Güter vom Kaiser eingezogen und an andere vergeben, die der Propstei verkauften aber dieser bestätigt (1441).&lt;br /&gt;
In den Jahren 1473 und 1476 bedrohten die Türken das Land, gleichzeitig drangsalierten die Soldaten des Ungarnkönigs Matthias Corvinus Stift und Bevölkerung schwer. Wehrbauten mussten errichtet werden, um die Klostergebäude und Pfarrkirchen zu schützen, was viel Geld kostete. 1476 übergab ein Adeliger dem Stift 120 ungarische Goldgulden mit dem Auftrag, das Stift durch Mauern und Gräben vor den Türken und anderen Feinden zu schützen. Dafür sollte das Stift für ihn einen Jahrtag halten. In diesen Notzeiten suchte sich der damalige Propst [[Lorenz]] vermehrt der Gebete anderer Klöster zu versichern, mit denen sich Eberndorf zahlreich verbrüderte. 1483 richtete ein durch Blitzschlag entstandener Großbrand schwere Zerstörungen an Kirche und Kloster an.&lt;br /&gt;
Zwei Jahre später beauftragte der Patriarch seinen Generalvikar mit dem besonderen Schutz der Propstei, die durch Beraubung schweren Schaden erlitten habe. Darüber hinaus hatte die Propstei erhöhte und immer wieder aufs neue geforderte Landes- und außerordentliche Steuern aufzubringen, die die finanziellen Möglichkeiten des Klosters erschöpften. Propst [[Leonhard von Keutschach]] (1480-1490) bemühte sich deshalb um ein Darlehen, um das arme Gottshaus vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch zu bewahren, erntete aber dafür beim Kapitel wenig Dank. Dass Kaiser Friedrich III. dem Stift und seinen Untertanen die ihm zu leistende Robot erließ, konnte sich da höchstens lindernd auswirken. Eine spürbare Hilfe bedeutete die Übernahme des landesfürstlichen Amtes Stein samt dem Landgericht im Jauntal auf Rechnung, die Propst Keutschach erreichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verkauf von Chorherrenpfründen durch das Stift, wie 1507 geschehen, ist besonders im 16. Jahrhundert in den meisten Stiften gang und gäbe gewesen. Die Chorherren besaßen Geld und mitunter beträchtlichen Eigenbesitz zur persönlichen Verfügung.1362 stiftete der Dechant Jakob mit einem Gut, das er gekaut hatte, einen Jahrtag in Eberndorf. 1460 leistete der Chorherr Martin Lempl von seinen Gütern dem Prokurator eines spanischen Ordens zum Loskauf von Gefangenen einen entsprechenden Beitrag und erhielt dafür Ablässe. Noch 1537 kaufte der Chorherr Jakob Pruethe von seiner Mutter ein Gut samt drei Äckern, weil er seinen Eltern seinerzeit Geld für den Kauf des Gutes dazugegeben hatte. Besonders vermögend war Propst Valentin Fabri, der aus eigenem Geld etliche Stiftungen errichtete.&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Johannes Wildensteiner]] (1509–1532) und seinem Nachfolger [[Andreas Lochner]], der gleichzeitig Propst von Völkermarkt und zuerst einige Jahre Koadjutor in Eberndorf war (1527/1532–1544), scheint sich die Propstei insgesamt erholt zu haben. Und dies trotz der vom Landesfürsten 1529/30 von Eberndorf – wie allen anderen Klöstern in den österreichischen Erblanden – verlangten „Quart&amp;quot;. Diese bedeutete, dass von allem geistlichen Grundbesitz der vierte Teil der Gülten (Steuereinheitswert des Grundbesitzes) zu veräußern und der Erlös König Ferdinand I. zur Fortführung des Türkenkrieges in bar zu übergeben war. Eberndorf besaß damals Gülten im Ausmaß von 648 Pfund, 7 Schilling und 22 Pfennigen, die einen Geldwert von 14.900 Pfund Pfennigen (=Gulden) hatten. Ein Viertel von beiden waren 3.725 Pfund 6 Pfennige Bargeld oder 162 Pfund zu verkaufende Gülten. Bei allen Verkäufen war das Rückkaufrecht vertraglich gesichert, wurde von den Käufern aber meistens ignoriert. Als Käufer der Gülten traten Hans Ungnad, Landeshauptmann in Steiermark, und sein Bruder Andrä, als Besitzer der Burg Sonnegg und Nachbarn des Stiftes, auf. Sie erwarben um 2.367 Pfund Pfennige (oder Gulden) etwas über 100 Pfundgülten, wovon das Schlossgut Wasserhofen bei Kühnsdorf 2.000 Pfund Pfennige wert war. 1530 jedoch übernahm das Stift diese Güter, ausgenommen sechs Stück, von den Käufern wieder als Pfand. 21 Pfundgülten kaufte zu freiem Eigen (!) Sigmund Freiherr von Dietrichstein, der damit seine Herrschaft Hollenburg in Südkärnten arrondierte. Es handelte sich um Huben, Güter und Zulehen bei Niederdorf, Gallizien,,,Kleinperg &amp;quot; und anderen Orten. Weitere 12 Pfund gingen an andere Interessenten. Der Propst selbst bezahlte 110 Pfund Pfennige bar und erbot sich, die noch unverkauften 29 Pfundgülten (im Wert von ca. 450 Gulden) ebenfalls selbst zu bezahlen. Damit erwies sich das Kloster nicht nur als wirtschaftlich um sichtig, sondern auch als liquid. Propst Wildensteiner tätigte darüber hinaus noch mehrere größere Ankäufe, darunter freieigene Güter im Jauntal und in Gonobitz/Konjice, aber auch eine Mühle und etliche Huben in Kappel, die landesfürstliche Lehen waren, konnte er für das Stift erwerben. Die meisten stiftischen Huben wurden von diesem zu Kaufrecht gegen Reichung des jährlichen Urbarzinses und des dritten Pfennigs beim Weiterverkauf durch den Besitzer vergeben. Außerdem hat Propst Wildensteiner das Kloster durch Zubauten erweitert und verschönert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreich sind die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts angekauften Weingärten, mit denen das Stift seinen Weingartenbesitz bei Marburg/Maribor systematisch erweiterte. Da dieser aber von Eberndorf weit entfernt lag und sowohl Bewirtschaftung als auch Transport kostenintensiv waren, hielt sich der Gewinn für das Stift in Grenzen. Dabei hätte der überschüssige Wein bei günstigem Verkauf das Bargeld ins Hausgebracht. 1589 warfen die Weingärten des Stiftes 50 Fässer Wein ab, von denen aber nur 20 Fässer als Reinertrag übrigblieben, mehr als die Hälfte des Gewinns verschlangen die Kosten. Propst Valentin war ein großer Gönner seines Stiftes. Er besaß als elterliches Erbe mehrere Weingärten in Skalitz bei Gonobitz, Frauheim bei Marburg/Pram und Marburg und hatte 1505 sechs Huben zu Preurat bei Gonobitz und eine Hofstatt zu Gonobitz selbst, später noch mehrere andere Weingärten und Äcker bei Gonobitz gekauft. Er übergab sie seinem Kloster, indem er sie teils mit geistlichen Stiftungen zugunsten seiner Familie verband, teils zum Tisch des Pfarrers von St. Peter und Paul in Tainach bei Gonobitz widmete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Lucas Mayr (1560–1573) wird für den wirtschaftlichen und sittlichen Verfall des Stiftes verantwortlich gemacht. Beides ist eine Tatsache. Mayr dürfte aber ein bereits schwer verschuldetes Heimwesen übernommen haben. Schon Propst Andreas Lochner hatte das Amt im Lavanttal um 600 Gulden verpfänden müssen, um den vom König Ferdinand I. geforderten Kriegsbeitrag von 2.000 Gulden aufzubringen. 1563 soll Propst Mayr mit dem Abt von Viktring dem Kaiser 30.000 (?) Gulden geliehen haben. Im selben Jahr lieh er dem Hans Ungnad, Besitzer von Sonnegg, 8.000 Gulden, wofür das Stift Realitäten bei Sonnegg und Eberndorf als Pfand erhielt. Dass sich darunter auch Güter befanden, die zur gestifteten Kaplanei im Schloss gehörten, zeigt, was der evangelische Adel von geistlichen Benefizien hielt. Das Stift hatte nämlich Güter zum Pfanderhalten und angenommen, die ohnedies schon ihm gehörten. Sie wurden erst kurz vor der Stiftsaufhebung wieder der Kaplanei und deren Verwaltung dem Propst zugesprochen.&lt;br /&gt;
Die Regierung glaubte, mit der Absetzung Mayrs die Probleme gelöst zu haben. Die nachfolgenden Pröpste – zum Teil Kloster- und Ordensfremde – regierten jedoch viel zu kurz, um den wirtschaftlichen Aufschwung des Stiftes bewerkstelligen zu können. Sie waren mit ihrer Aufgabe wohl auch überfordert. Streitigkeiten des Kapitels mit dem Grazer Hof um das Recht zur Wahl neuer Pröpste und ihre landesfürstliche Bestätigung erschwerten zusätzlich die notwendige Konsolidierung der Propstei nach innen und außen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1577 sahen sich die Stifte Eberndorf und Viktring mit einer Klage der Erben des Leonhard von Siegersdorf auf Bezahlung von 6.000 Gulden samt Zinsen konfrontiert, die dem Erzherzog geliehen worden waren. Beide Stifte waren quasi ohne Vorstände und der Schaffer von Eberndorf bat den Erzherzog um Abwendung der Zahlung. Gleichzeitig informierte der Schaffer namens des Konvents den Landesfürsten, dass der abgesetzte Propst Lucas Mayr mit seinem verstorbenen Nachfolger Wolfgang von Neuhaus vereinbart habe, dass Mayr lebenslänglich und danach seinen Kindern und Verwandten ein Deputat vom Kloster gereicht werden solle. Außerdem seien ohne Wissen des Konvents vom Expropst Schulden gemacht und die Schuldbriefe dem Erzherzog zur Bestätigung eingereicht worden. Der Konvent könne diese Zahlungen nicht ohne Schaden für das Kloster leisten. Er bitte den Erzherzog, die Ratifikation für die Schuldverschreibungen abzulehnen und den abgesetzten Propst auf seine gewöhnliche Herrenpfründe zu verweisen.&lt;br /&gt;
Im selben Jahr (1577) konnte Propst [[Vitus Preysl]] eine Schuld an Christoph Reinwald zu Rojach über 1.200 Pfund Pfennige (= 1.200 Gulden) nicht bezahlen und wurde vor das Klagenfurter Landrecht zitiert. Ob und wie er das Geld aufgebracht hat, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
Vielleicht mit Hilfe des Propstes von Griffen, von dem er sich drei Jahre später mit landesfürstlicher Bewilligung 3.000 Gulden lieh. Bei dieser aussichtslosen Finanzlage mutet das Begehren Erzherzog Karls an die Prälaten von Eberndorf und Viktring um Bedeckung von 10.000 Gulden zur Abfertigung Moriz Christoph Khevenhüllers mehr als seltsam an. Der Erzherzog hatte Khevenhüller an die Stiftsvorstände gewiesen und Khevenhüller wollte nun das Geld von diesen einklagen. Der Erzherzog beruhigte 1583 die Prälaten, er habe die Klage abgewendet, sie sollten das Geld aber irgendwo auf ihren Kredit aufnehmen.&lt;br /&gt;
Aus diesen und vielen anderen Ursachen verschlechterten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Propstei so sehr, dass ein Administrator in temporalibus bestellt werden musste. 1583 übernahm Propst Gregor Latonius von Völkermarkt die finanzielle Verantwortung für Eberndorf. Propst [[Matthäus Scharrer|Matthäus]] von Eberndorf führte die Misere seines Stiftes auf schlechte Hauswirtschaft seiner Vorgänger und darauf zurück, dass einige von ihnen mehr für ihre Verwandten, als für das Stift gesorgt hätten. Propst Lucas habe in Bleiburg ein Haus gebaut und zwei Huben gekauft, die nicht in das Eigentum des Stiftes gelangt seien. Auch sein Nachfolger Bartholomäus habe in der kurzen Zeit seiner Regierung mit Stiftsgeldern Grundstücke gekauft, die Kaufbriefe aber vordatiert, um den Anschein zu erwecken, er hätte die Ankäufe noch als Pfarrer von Sittersdorf getätigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Propst Bartholomäus 1583 in Windischgraz starb, sei dessen Nachlass samt den Kaufbriefen bei seinem dort lebenden Vater verblieben. Das Stift ersuchte den Erzherzog um Einantwortung der betreffenden Güter und um die Erlaubnis, sie zur Schuldentilgung verkaufen zu dürfen.&lt;br /&gt;
1588 setzte der Erzherzog den Laibacher Bischof Johann Tautscher zum Administrator in temporalibus ein, der die undankbare Aufgabe hatte, das schwer verschuldete Stift durch sparsames Wirtschaften zu sanieren. Dies rief den lebhaften Widerspruch des Kapitels her vor. Als Aquileja dem Propst Matthäus auch die geistliche Leitung entziehen wollte, wählten die Kanoniker gegen alles Herkommen und unter Ausschluss der Regierung einen neuen Propst. Sie beklagten sich über unzulängliche Kleidung und Kost, was der Administrator bestritt. Dieser berichtete dem Erzherzog, dass er den Konventualen immer fünf Speisen und drei Halbe Weingeben lasse. Trotzdem sei ihnen alles zu wenig und zu schlecht. Sie würden die Tage für den Empfang eines außerordentlichen Weines besser kennen, als die Tage der Heiligen im Brevier. Währender schon über 8.000 Gulden Schulden bezahlt habe, hätten sie heimlich neue gemacht. Eine persönliche Aussprache mit den Chorherren in seiner und des Bischofs von Triest Anwesenheit sei ergebnislos verlaufen. Die Antwort des Hofes, vom damaligen Hofsekretär und späteren Propst Ursinus Berthis unterschrieben, lautete dahingehend, die vom neuen Propst und den Kapitularen gemachten Schulden seien nicht zu bezahlen und dies solle auch künftig nicht geschehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bischof Tautscher hatte nicht nur den Vorteil des Stiftes, sondern auch seinen eigenen im Auge. 1593 schloss der Administrator mit der Pfarrgemeinde von Seeland (südwestlich von Kappel) einen Vertrag über die Einsetzung eines dort ständig residierenden Kaplans. Die Pfarrgemeinde hatte dafür dem Pfarrer von Kappel jährlich fünf Gulden, dem Administrator aber – nicht dem Stift – „zu freyer jährlicher Verehrung“ 15 Pfund Käse zugeben. Propst Ursinus de Berthis betrieb energisch die Eintreibung von Untertanenausständen, so Anfang 1592 die der stiftischen Holden zu Gonobitz. Aus der selben Zeit sind auch eine ganze Anzahl von Kaufrechtsbriefen an Eberndorfer Untertanen vorhanden, die Zehente und Bergrechte betreffen. Die Vergabe von Gütern zu Kaufrecht war für die Untertanen günstiger, weil damit das Erbrecht ihrer Nachkommen am Besitzgesichert bzw. auch der Verkauf des Gutes seitens der Untertanen möglich wurde. Dem Stift hingegen verschafften die beim Besitzerwechsel fälligen Gebühren das so dringend benötigte Bargeld. Eine noch größere Zahl von Anlait- (= Übernahmsgebühr) und Kaufrechtsbriefen hat dann Propst Sebastian Kobl ausgestellt. Dazu bedurfte er aber der Zustimmung des Landesfürsten, der bereits seine Hand auf den Stiftsbesitzgelegt hatte. Die landesfürstliche Verfügung vom Dezember 1601, der Propst möge künftig um solche Konsense bei der Grazer Hofkammer ansuchen, war nur ein weiterer Schritt in Richtung Enteignung der Stiftsgüter zugunsten Dritter.&lt;br /&gt;
Einige Jahre vor der Aufhebung des Stiftes wurde eine Übersicht über seine Wirtschaftslage erstellt. Nach ihr sollen 1588 die Schulden des Klosters 20.000 Gulden betragen haben, während die Einkünfte jährlich 4.000 Gulden ausmachten. Letztere setzten sich zusammen aus etwa 2.000 Star (ca. 160.000 Liter) Zinsgetreide, aus Zehenten, Ehrungen und Strafgeldern. Je 200 Joch Äcker und Wiesen Eigenwirtschaft mussten von den Bauern durch Robotdienst bearbeitet werden, wobei ihnen nur ein Frühstück zustand. An Getreide konnten durchschnittlich 1.000 Star (davon 250 Star Buchweizen) geerntet werden. Heu wurde für 60 Stück Großvieh eingebracht und die Klosterweingärten warfen 50 Fass (10.000 Liter) Wein ab, von denen nach Abzug aller Spesen nur 20 Fass übrigblieben, deren Wert 300 Gulden ausmachte. Für die Küche des Propstes und des Kapitels reichten diese Erträge hin länglich, wie der Expropst 1589 feststellte. Während der Administrator Tautscher durch sparsames Wirtschaften Schulden tilgte, ging Propst Bertis einen anderen Weg. Er nahm zur Verringerung der Schuldenlast neuerlich Kapitalien auf, erzielte aber damit nicht den erhofften Erfolg. Die permanente Finanzmisere brachte das Stift nicht nur an den Rand des wirtschaftlichen Ruins, sondern alarmierte auch den Grazer Hof. Dieser betrieb die Übergabe des Stiftes an den Jesuitenorden deshalb so energisch, weil er für ihn noch möglichst viel an Klostergütern retten wollte, bevor der Konkurs Eberndorf wertlos machen würde. Unter Erzherzog Karl musste das Stift auch das Urbar nach Graz einsenden, weshalb erst aus 1614 Urbare der Eberndorfer Besitzungen und Pfarrpfründen vorhanden sind, die von den Jesuiten angelegt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Mittelalter ergaben sich Berührungen zwischen Landesfürst und Stift hauptsächlich wegen der Vogtei oder der Privilegienbestätigungen. Die Vogtei über Eberndorf übten, soweit dies zurückverfolgt werden kann, die Herren von Trixen aus, ohne dass bekannt wäre, wie das Vogtei recht in ihren Besitzgekommen ist. Die Trixener bedrückten das Stift in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts dermaßen, dass es angeblich sogar zu tätlichen Übergriffen gegen Propst Leo kam, der zwischen 1152 und 1154 von Kuno von Lonck im Streit um die Eberndorfer Kirche zweimal aus dem Stift vertrieben, darum sogar geblendet worden und in der Fremde gestorben sein soll. Vor 1194 gerieten die Brüder Cholo und Heinrich von Trixen mit Haward von Jau in Streit über die Vogtei. In diesem Jahr überließ Heinrich die Vogtei vertraglich an Hawards Sohn Cuno, der diese nach einem Jahr gegen eine hohe Entschädigung zugunsten Heinrichs in die Hände des Herzogs von Kärnten – als Lehensherr Cunos – resignierte. Der Patriarch bestätigte im selben Jahr die diesbezüglichen Vereinbarungen. Sie bestimmten, dass der Vogt vom Kloster und vom Dorf Eberndorf keine Abgaben fordern und dort auch keine Gerichtstage halten dürfe, außer er würde vom Propst dazu erbeten. Blutfälle sollten dem Vogt vorbehalten, Bußgelder bei Straffällen der niederen Gerichtsbarkeit zwischen Propst und Vogt im Verhältnis zwei zu eins geteilt werden. Alle Beamten konnten vom Propst ohne Mitsprache des Vogtes ein- oder abgesetzt werden. Dass 1220 Herzog Leopold VI. von Österreich und Steiermark als Vogteiherr über Eberndorf auftritt und damals urkundlich gelobte, die Vogtei nicht mehr zu vergeben, sondern selbst auszuüben und dies auch für sein Nachfolger versprach, wird mit zeitweiligen Ansprüchen des Babenbergers auf die Vogtei als Lehensherr der Trixener erklärt. Die Bestätigung des Vertrages von 1194 durch Herzog Ulrich III. von Kärnten erwähnt bezeichnenderweise die Urkunde von 1220 nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Aussterben der Herren von Jaun (Juneck) fiel deren Erbschaft an den Herzog von Kärnten, weil im Urbar des Schlosses Rechberg Herzog Ulrichs III. 1267/68 die Vogtei über Eberndorf ausdrücklich als Erbe nach Cuno von Junek bezeichnet wir d. Deshalb wurde das Blutgericht über Eberndorf zuerst von der Burg Sonnegg (wahrscheinlich früher Junek genannt) und spät er von Rechberg aus wahrgenommen. Erst als das Schloss Slein im Jauntal in den Besitz Kaiser Friedrichs III. kam, wurde Eberndorf 1454 bezüglich des Blutgerichts dem Landgericht Stein unterstellt, bei dem das Stift weiterhin verblieb. Damals wurden auch die Grenzen des Burgfrieds von Eberndorf (dieser schon seit 1194 festgelegt), die der Freiung Sittersdorf, die zum Landgericht im Jauntal gehören den Kirchtage etlicher Kirchen, die der Propst zu „behüten&amp;quot; hatte, so wie die Fischrechte im Vellachbach festgehalten. Die Vogtei lag also seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts beim Kärntner Landesfürsten. Ab 1394 zahlte das Kloster für die landesfürstliche Vogtei des Jauntals jährlich nur noch 10 Gulden, wobei Besitz und Untertanen der Propstei im herzoglichen Landgericht Jauntal denselben Status wie des Hezogs Leute daselbst hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle zeitlich später erwähnten Vogteirechte betrafen nur mehr einzelne, dem Stift geschenkte oder verkaufte Güter bzw. Kirchen, wie z. B. das Patronat und die Vogtei der Marienkirche in Globasnitz, welche der Herzog von Kärnten 1265 dem Propst Johann wegen dessen großer, aber nicht näher benannten Verdienste schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestätigungen von Privilegien ergingen von 1266 (Herzog Ulrich III. von Kärnten) bis 1601 (Erzherzog Ferdinand II.), während päpstliche Privilegien- und Besitzbestätigungen ohne Nennung der Rechte und Stücke in den Jahren 1341, 1448 (Kardialdiakon Johannes von St. Angeli, päpstlicher Legat) und 1450 erfolgte. Vor 1329 besaß der Propst das herzogliche Landgericht im Jautal als Pfand, verzichtete aber 1391 auf die Pfandsumme von 250 Mark Silber und erhielt dafür vom Landesfürst die Gleichstellung seiner im Landgericht befindlichen Untertane und Güter mit jenen der herzoglichen Dienstherren, Ritter, Untertanen und Güter. Das damals festgesetzte Vogteigeld von jährlich zehn Gulden erließ Friedrich III. 1481 dem Stift, weil es kurz zuvor schwere Schäden durch den Türkeneinfall und die Ungarn erlitten hatte. 1408 gestattete Herzog Ernst dem Stift, den Nachlass der verstorbenen Pfarrer der stiftischen Lehenspfarre Rechberg, Globasnitz, St. Kanzian, Gallizien, Schwabegg, Neuhaus und Leifling gegen Reichung eines Winterpelzes und zweier Filzschuhe an ihn – zur Erinnerung an seine Vogtei über diese Pfarren – einzuziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den schweren Verwüstungen, die dem Stift und seinen Gütern durch die Ritter von Rechberg zugefügt wurden, wobei auch Urkunden verloren gingen, ließ Kaiser Friedrich III. 1454 die stiftischen Privilegie neu erheben und festschreiben. Es handelte sich um das Gericht im Burgfried Eberndorf, desen Grenzen genau angegeben wurden, die fürstliche Freiung zu Sittersdorf und die Kirchtage, die zur Vogtei und zum Landgericht Stein im Jauntal gehörte, aber vom Propst zu beaufsichtigen waren. Schließlich wurde auch das Fischrecht des Propstes, das dieser gemeinsam mit dem Kloster St. Paul und dem Besitzer von Sonnegg ausübte, anerkannt. 1455 behielt sich der Papst die Besetzung von zehn Abteien und Propsteien, darunter Eberndorf, nach den Vorschlägen des Kaisers vor. Damit war die freie Wahl unterdrückt, der Landesfürst ernannte, der Papst bestätigte. Darauf lief die Praxis hinaus. Ob Eberndorf davon betroffen war, ist fraglich, da der damalige Propst noch mehr als zwanzig Jahre regierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1476 wird in Eberndorf erstmals ein Richter (später „Hofrichter&amp;quot;) erwähnt, der die Niederegerichtsbarkeit über die Stiftsuntertanen besorgte. Die zur selben Zeit genannten zwei Offiziale waren wohl Verwaltungsbeamte des Stiftes. nach 1481 befreite der Kaiser das Stift von jeder Gerichtsbarkeit, ausgenommen die dem Landgericht vorbehaltenen Blutfälle, und unterstellte es direkt dem kaiserlichen Gericht. Eine Verfügung von 1487 setzte die gerichtliche Zuständigkeit des Propstes auf dessen Lebenszeit für seine im Landgericht wohnenden Untertanen fest, ausgenommen wieder todeswürdige Verbrechen.&lt;br /&gt;
Da das Stift politisch zum Herzogtum Kärnten gehörte, hatte es bei den Landes- und sonstigen Steuern mitzuzahlen. Ende des 16. Jahrhunderts musste Eberndorf – ähnlich wie andere Stifte – für die zur Landesverteidigung von ihm aufzubietende waffenfähige Mannschaft einen Adeligen als Rüstmeister bestellen und besolden. Seit mindestens 1446 gehörte der Propst als Mitglied der geistlichen Landstände zu den „Landleuten&amp;quot; Kärntens. Denn anlässlich einer damals im Hause Habsburg begangenen Hochzeit betrug der Beitrag Eberndorfs 200 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit dem Regierungsantritt Ferdinands I. in den Erblandenahm der Landesfürst verstärkt Einfluss auf die internen Geschicke der Propstei, nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht. 1532 bevollmächtigte das Stift erstmals zwei Prokuratoren, um bei König Ferdinand I. die Bestätigung der Postulation des Propstes von Völkermarkt nach Eberndorf zu erwirken. 1573 zeigte Erzherzog Karl dem Stift an, dass die Grazer Regierung künftig neu gewählte Prälaten nur noch dann bestätigen werde, wenn diese mit ihrem Wahldekret vor ihm oder seinem Vertreter erscheinen und einen Revers unterschreiben. Damit wollte der Erzherzog verhindern, dass häretische oder unfähige Männer zu Stiftsvorstehern gewählt würden. Die Verfügung bedeutete jedoch einen gravierenden Eingriff in die Freiheit des Klosters, den Propst ohne Einflussnahme von außen wählen zu dürfen, und somit ein Präjudiz für künftige Wahlen. Dementsprechend wurde dieses Mandat vom Eberndorfer Kapitel bei der Propstwahl 1577 missachtet, was sofort eine Rüge durch den Erzherzog zur Folge hatte. Später verlangte die Grazer Regierung unnachgiebig die Beiziehung landesfürstlicher Kommissäre zu den Wahlen und verweigerte den gewählten Pröpsten die Bestätigung, wenn ihre Wahl in Abwesenheit landesfürstlicher Vertreter stattgefunden hatte. Deshalb kam es bei der Bestellung der letzten Pröpste zu erhebliche Spannungen zwischen dem Kapitel und dem Patriarchen einerseits und der Regierung in Graz andererseits. Letztere verzögerte nach dem Tod des Propstes Kobl eine Neuwahl. Das beschleunigte die Aufhebung Eberndorfs, die vom Erzherzog auch gegen den Widerstand des Patriarchen als kirchlichen Ordinarius durchgedrückt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Jesuitenzeit fungierten die Klagenfurter Rektoren als Pröpste von Eberndorf. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens wurde dem jeweiligen Pfarrer von Eberndorf und seinen. Nachfolgern durch Bestätigung Maria Theresias die Würde eines Propstes und Archidiakons des Jauntales zuerkannt, was das Gurker Ordiariat 1865 neuerlich bestätigt hat und noch 1938 galt. Der letzte Pfarrer, der noch den Titel Propst führte, aber nicht mehr infuliert war, starb vor einigen Jahren, der jetzige führt auch den Titel Propst nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eberndorf und das Patriarchat Aquileja===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbindung Eberndorfs zum Patriarchat blieb seit der Gründung des Stiftes durch alle Jahrhunderte aufrecht und traditionell gut. Zahlreiche Urkunden der Patriarchen dokumentiere nicht nur deren Sorge für das Stift, sondern auch für den Aufbau einer Organisation der Stiftspfarren. Die Marienkirche in Eberndorf ist wahrscheinlich eine Eigenkirchengründung Chazelins und scheint erst 1154 oder kurz davor zu einer Pfarre erhoben worden zu sein. 1106 wurden dem Kloster angeblich die vier plebes St. Michael in Rosegg (Ras), St. Kanzian, St. Michael ob Bleiburg und Windischgraz/Slovenjgradec (Graz) übergeben. Damit wären Eberndorf alle Taufkirchenpfarren von Villach abwärts bis zur heutigen Staats- und Landesgrenze zur seelsorglichen Betreuung anvertraut gewesen, ausgenommen die ehemalige Eigenkirche Kappel im Rosental, die in der Hand des Patriarchen blieb. Bestätigungen der „Gründungsurkunde&amp;quot; Eberndorfs von 1106 durch die Patriarchen erfolgten 1404 und 1452.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelsorge auf den Eberndorfer Pfarren übten sowohl Weltgeistliche wie Kanoniker aus. Letztere waren Anfang des 14. Jahrhunderts disziplinär bereits reformbedürftig, da der Patriarch ihnen 1304 diesbezüglich einen Brief schrieb. 1309 ermahnte der Patriarch Ottobono alle Prälaten und Kirchenvosteher seiner Diözese, darunter Propst Johannes von Eberndorf, sich innerhalb von sechs Monaten in ihre Residenzen zu verfügen und dort zu bleiben, andernfalls ihnen Kirchenstrafen drohten. Propst Eberhard fungierte 1328 offenbar als Sammler von Geldern, deren Zahlung der päpstliche Legat angeordnet hatte, denn der Propst bestätigte dem Abt von Rosazzo den Erlag von 18 Mark Agleier Pfennigen. Im darauffolgenden Jahr schrieb der Propst dem Patriarchen, er habe den Pfarrer Ulrich von [[Liste der Pfarren des Stiftes Eberndorf #St.Philippen bei Pfannsdorf im Jauntal|St. Philippen bei Pfannsdorf]], der ein skandalöses Leben führte, mit Kirchenstrafen belegt, weshalb er nun um sein Leben fürchten müsse. 1335 verlangte der Patriarch vom Propst unter Androhung der Exkommunikation, die Pfarre Gutenstein/Prevalje künftig keinem Säkularpriester mehr zu verleihen, sondern mit einem Kanoniker zu besetzen, wie dies alter Gewohnheit entspreche. Einige Jahre später bestätigte er dem Stift gegen den Anspruch ein es Säkularpriesters neuerlich den Besitz dieser Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erfolgte Wahl der Pröpste wurde vom Kapitel dem Patriarchen angezeigt und ihre Bestätigung erbeten. Sie wurde auch stets gegeben. Wahlurkunden des Kapitels existieren von 1583 und 1599. Noch Mitte November 1603 ernannte der Patriarch den Gurker Domherrn Matthias von Staudach zum Administrator und Vikar von Eberndorf, dem der Erzherzog jedoch die Anerkennung verweigerte. 1213 wird Propst Leonhard vom Patriarchen als capellanus noster angesprochen. Propst Johannes (III.) wird 1324 aquilejanischer vicearchidiaconus von Kärnten genannt und Propst Hermann von Freg wurde noch als Pfarrer von Rosegg vom Patriarchen zum Archidiakon von Kärnten bestellt (1362), was er als nachheriger Propst von Eberndorf wohl nicht mehr war. Ab 1469 fungierten alle Pröpste als Archidiakone Aquilejas im Jauntal. Valentin Fabri, der bei seiner Wahl zum Eberndorfer Propst den Orden annahm, war Archidiakon des Jaun- und Sanntals. 1571 nennt der Patriarch Propst Lucas, dessen Lebensführung sonst zu Kritik Anlass gab, seinen Archidiaconum Patriarchalem natum und bestellte ihn zu seinem bevollmächtigten Prokurator und Generalvertreter bei der Rekuperation etlicher von den Bischöfen von Laibach der Kirche von Aquileja entfremdeter Rechte und Güter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Pröpste waren vor ihrer Postulation Säkularpfarrer nicht stiftischer Pfarren (zuletzt Sebastian Kobl in Pettau), regierten gleichzeitig ein zweites Stift (Otto [II.] von Rottenbuch und Eberndorf) oder waren ordensfremd (z. B. Andreas Lochner, gleichzeitig Säkularpropst von St. Maria Magdalena in Völkermarkt). Sie alle fanden trotzdem die Bestätigung Aquilejas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als cumulus beneftciorum zu betrachten ist die Verleihung einer großen Pfarre an den Propst, wie dies mit der Pfarre St. Michael ob Bleiburg geschah, die von 1298 bis nach 1335 im Besitz Eberndorfer Pröpste erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Namensliste von Chorherren stammt aus dem Jahre 1236, in der neben dem Propst neun Kanoniker genannt werden, die alle Priester waren. Einer trug den Titel Magister, ein anderer fungierte als Kustos. Anlässlich der Verleihung der Pontifikalien und der Pelzmozzetta durch den Papst an den Propst 1449 wird das hohe Ansehen des Stiftes gerühmt, welches besonders Adelige zu Kanonikern aufnehme. Im Dezember 1493 unterschrieben acht Chorherren das Wahlinstrumet, mit dem sie ihren Mitbruder Andreas Erlpacher zum Propst gewählt hatten, 1497 wählten der Dechant und acht Priesterkanoniker den neuen Propst. Mehr als zehn Chorherren dürfte das Stift aber nur selten gezählt haben. Beim Regierungsantritt der Pröpste Matthäus Scharrer und Sebastian Kobl (November 1583 bzw. Anfang März 1599) bestand der Konvent außer dem Propst aus sieben bzw. acht Kanonikern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu diesem Zeitpunkt war die Disziplin im Konvent stark gesunken – mehrere Chorherren frönten dem Laster des Konkubinats, wie dem Patriarchen berichtet werden musste. Diese Zustände waren auch der Grazer Regierung seit langem bekannt und Wasser auf ihre Mühlen. Bei der Übernahme des Klosters durch die Jesuiten Ende Juli 1604 lebten außer dem Dechant noch vier Chorherren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die soziale Herkunft der ersten Pröpste ist fast nichts bekannt, da sie nur mit ihren Vornamen erwähnt werden. Eine Ausnahme ist Propst Otto II. (†1179). Er war als Graf von Falkenstein Angehöriger des bayrischen Hochadels und mit Patriarch Ulrich II. verschwägert, außer dem gleichzeitig Propst von Rottenbuch. Erst aus dem späten Mittelalter werden auch die Familiennamen der Pröpste überliefert. Propst Hermann von Freg (1378) stammt e aus einem Kärntner Rittergeschlecht, gesessen auf dem Turm Frög unter Rosegg im Drautal, ebenso ritterlicher Herkunft war Propst Ulrich von Christendorf († 1405). Propst Georg „de Capella&amp;quot; († 1421) stammte aus dem Markt Eisenkappel und dürfte bürgerlich gewesen sein. Von reichen Gonobitzer Bürgern stammte Propst Valentin Fabri (1497–1509). Adelig hingegen waren die Pröpste Leonhard von Keutschach, der 1490 Dom Propst in Salzburg wurde und Eberndorf noch drei Jahre als Administrator verwaltete, Johann Wildensteiner († 1532), Andreas Lochner zu Liebenfels († 1544) und Wolfgang von Neuhaus (1573–1577). Die nachfolgenden Pröpste gehörten bürgerlichen Familien an, ausgenommen Ursinus de Bertis, der aus einer Görzer Adelsfamilie stammte, Säkularpriester, Doktor beider Rechte und vor seiner Berufung nach Eberndorf Sekretär bei Erzherzogin Maria in Graz war. 1499 postulierte Erzbischof Leonhard von Salzburg den Eberndorfer Chorherrn Christoph Hofmann auf die Propstei St. Magdalena und St. Mauritzen in Friesach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Lucas Mayr und Bartholomäus Kranich amtierten vor ihrer Wahl als Pfarrer in Sittersdorf. Beim Regierungsatritt Mayrs befanden sich neun Chorherren im Stift, angeblich ohne jene, die auf den Pfarren wirkten. Doch haben sicher alle wahlberechtigten Herren den euen Propst gewählt, weshalb es kaum m ehr als zehn gewesen sein dürften. Propst Jakob Pruethe (1544–1559) war vorher Pfarrer zu Stein im Jauntal. Der letzte Propst Sebastian Kobl war Pfarrer in Pettau, wurde Ende Jänner 1599 Administrator in temporalibs und im Mai zum Propst gewählt, nachdem er sich gegenüber dem Kapitel bereit erklärt hatte, in den Orden zu treten. Seltsamer weise gibt es von den vielen Pröpsten, die Eberndorf hatte, in der dortigen Pfarrkirche und früheren Stiftskirche nur von einem einen Grabstein. Dieser gehört Propst Andreas Lochner, der sich seinen Grabstein zu Lebzeiten errichten ließ. Er trägt die Jahreszahl 1540, während der Propst erst 1544 starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Herkunft der Chorherren im 13. und 14. Jahrhundert ist kaum etwas festzustellen, außer dass der 1298 urkundlich erwähnte Kanoniker Johannes – vielleicht der spätere Propst Johannes II. – ein Schwager des Ritters Wulfing von Rechberg war. Anfangs dürfte sich der Konvent wohl mehrheitlich aus dem Adel der Umgebung Eberndorfs bzw. Unterkärntens rekrutiert haben. Ab dem späten 15. Jahrhundert traten verstärkt bürgerliche Kandidaten ins Stift. Für diese werden im Necrologium als Heimatorte Eberndorf, Gmünd und Straßburg (Kärnten), Cilli/Celje (Steiermark) und Eferding (Oberösterreich) genannt. Die Chorherren des 16. Jahrhunderts stammten nach den Angaben des Nekrologs aus Eberndorf, Bleiburg, Eisenkappel, Klagenfurt, Maria Saal und St. Leonhard im Lavanttal (Kärnten), Voitsberg (Steiermark) und Rudolfswerth (Krain). Adelig war kaum einer von ihnen. Der Konvent hatte immer einige Mitglieder windischer (sloweischer) Zunge, weil die Kenntnis dieser Sprache für die Seelsorge bei der windischen Bevölkerung in den Eberndorfer Pfarren Vorraussetzung war. Die Namen der meisten Chorherren, soweit im Nekrolog verzeichnet, verraten aber deutsche Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Skriptorium und Bibliothek==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1280 nennt sich Johannes dictus Shawer de Juna als scriptor aut compilator einer Urkunde Privater für das Kloster Arnoldstein. Ob es sich bei ihm um einen Eberndorfer Chorherrn gehandelt hat, und wenn ja, ob diese Erwähnung bereits als Nachweis eines mittelalterlichen Skriptoriums in Eberndorf ausreicht, ist mehr als fraglich. Denn später bediente sich das Stift für Beurkundungen eigener Notare, die die Urkunden aufsetzten und schrieben. Im Nekrolog von Eberndorf erscheint im 14. Jahrhundert Johannes Polierer von Prag als Notar des Klosters und noch 1469 stellte der Notar des Propstes ein Transsumpt einer Urkunde aus. Eindeutig belegt ist skriptorische Tätigkeit im Stift nur aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Denn vom Dechant Johannes de Everding, der wohl aus dem oberösterreichischen Eferding stammte und 1444 starb, heißt es, dass er schöne Gradualien, Antiphonarien und andere Bücher geschrieben, illuminiert und auch selbst gebunden habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn 1298 bereits ein Schulmeister in Eberndorf genannt wird, musste auch dieser, wie seine Nachfolger, Bücher besessen haben. Ob die nach Eberndorf postulierten Pröpste des Hoch- und Spätmittelalters sowie des 16. Jahrhunderts Handschriften und Bücher in das Stift mitgebracht oder gekauft haben, entzieht sich mangels Hinweisen der Kenntnis. Der 1476 verstorbene Priester Antonius von Bleiburg schenkte dem Stift außer Geld auch Bücher. Auch andere Priester, Pfarrer, Chorherren und Private haben im Laufe der Zeit dem Kloster Bücher geschenkt, wofür ihre Namen in den Nekrolog gesetzt wurden. Daher ist schon für das 15. Jahrhundert ein gewisser Bücherschatz in Eberndorf anzunehmen. 1588 allerdings befanden sich nach der Aussage des Dechanen in der Bibliothek nur antike, keine neueren Bücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menhardt vertrat die Meinung, Wolfgang Lazius habe 1549 bei seiner Kärntner Bibliotheksreise neben anderen Stiften auch Eberndorf besucht und Hadschriften für die kaiserliche Hofbibliothek in Wien requiriert. Daraus würde sich das gänzliche Fehlen von Handschriften aus manchen der aufgehobenen Klöster erklären. Dies mag hinsichtlich Eberndorfs seine Bestätigung darin finden, dass nach Aufhebung des Jesuitenordens nur sehr wenige und unbedeutende Handschriften aus Eberndorf nach Klagenfurt gekommen sind. In der dortigen Studienbibliothek konnten 1882 nur zwei Handschriften sicher als von Eberndorf stammend identifiziert werden, und zwar die Papiercodices Nr. 99 und 170, letzterer früher im Besitz der Jesuiten. Darüber hinaus wurde auch vermutet, dass einiges an Manuskripten nach der Aufhebung aus der Bibliothek der Jesuiten zerstreut, verschleppt oder beiseitegeschafft worden sein könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessat ist die Nachricht, in der Sakristei der ehemaligen Eberndorfer Filialkirche von Loibegg/Belovice habe sich noch 1938 ein Rituale aus dem 15. Jahrhundert befunden, desse Buchstaben auf das Pergament teils mit der Handgeschrieben, teils mitgotischen Lettern gedruckt waren. In die Grazer Universitätsbibliothek ist über die Jesuiten aus Eberndorfer Bestäden nichts gelangt. Im Stiftsarchiv St. Paul wird der Eberndorfer Rotulus aufbewahrt, der zwischen Juli 1528 und Juli 1529 die Eintragungen von rund 80 Stiften und Klöstern aus Kärnten, Salzburg, Tirol, Ober- und Niederösterreich und Wien aufweist. Aus dem Jahre 1604 stammt ein Archivregister von Eberndorf (''„Primus Index litterarum Archivii Oberndorfensis cum earum summis&amp;quot;''), das als Pergametumschlag ein Doppelblatt eines Orationale aus den 14. Jahrhundert (gotische Minuskel, rote und blaue Initialen) besitzt. Es ist heute die Geschichtsvereins-Handschrift 2/40 im Kärntner Landesarchiv. Im selben Archiv existiert als Geschichtsvereins-Handschrift 2/14 das von den Jesuiten angelegte Eberndorfer Kopialbuch („Liber variorum contractum&amp;quot;, 1106-1663).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Aufhebung Eberndorfs existierte jedenfalls auch eine Bibliothek. Diese dürfte 1603 den Grundstock für die Bibliothek des Jesuitenkollegiums in Klagenfurt gebildet haben, denn sie wurde in diese aufgenommen. Nach Aufhebung des Ordens wurde sie in der Klagenfurter Lyceumsbibliothek aufgestellt, worauf die Bestände in die Klagenfurter bundesstaatliche Studienbibliothek kamen. Dort befanden sich im Jahre 1882 Bücher, deren Herkunft aus Eberndorf durch Vermerke (''Exlibris Eberndorfensis coenobii Col. Clagenf. Soc. Jesu Catalogo inscriptus'') erwiesen ist. Wie viele Werke davon aus dem alten Chorherrenstift stammten und von den Jesuiten nur übernommen worden waren, wurde damals nicht angegeben. Die Bestäde der ehemaligen Studiebibliothek befinden sich jetzt in der Klagenfurter Universitätsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Baugeschichte==&lt;br /&gt;
===Kirche===&lt;br /&gt;
Die alte Kirche von Eberndorf reichte bis in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts zurück. Es wurde vermutet, dass das Muttergottes-Patrozinium deshalb gewählt wurde, um eine früher am Ort verehrte weibliche Gottheit zu verdrägen. Von dieser vor 1106 nachgewiesenen Marienkirche ist nichts mehr vorhanden. Patriarch Ulrich ließ sie um 1106 erweitern und darin die sterblichen Überreste des Grafen Chazelin bestatten. Auch der östliche Teil des einstigen Presbyteriums, das um 2,20 m höher liegt als das Schiff und 11 m im Quadrat misst, samt der darunter liegenden ersten Krypta stammen von dieser Kirche. Das Chorquadrat hatte im Osten eine Halbkreisapsis, zwei Eingänge unter dem Priesterchor führten in die Krypta. Die Kirche hatte eine hölzerne Flachdecke, die 3 m niederer als die jetzige Decke war und auf in die Wände gemauerten Pfeilern ruhte.&lt;br /&gt;
Propst Ulrich Christendorfer (1387-1405) errichtete das jetzige, erhöhte Presbyterium. Es ist 13 m lang, hat ein Kreuzrippengewölbe und Strebepfeiler sowie einen 5/8 - Chorschluss, darunter eine gleichlange 3-schiffige Krypta als Verlängerung der bereits bestehenden. Die Weihe des neuen Hochaltares und der Krypta erfolgten 1391 durch den Bischof von Triest Heinrich von Wildenstin gemeinsam mit dem Generalvikar von Aquileja Johann Cado. Die Krypta ist die bedeutendste eben der von Gurk.&lt;br /&gt;
Die Ungnad, seit 1442 Herren auf Schloss Sonnegg, pflegten ihre Toten an der südlichen Außenseite der Kirche zu bestatten. Um die Grabstätte mit der Kirche zu verbinden, entfernten sie die Kirchenmauer und errichteten parallel zur früheren eine neue, wodurch das südliche Seitenschiff mit einer Länge von 20 m und einer Breite von 8 m entstand. Bis 1500 waren dort sieben (nicht 37!) Familienmitglieder begraben worden.&lt;br /&gt;
1483 fiel die Holzdecke der Kirche einem Brand zum Opfer, worauf die Wiederherstellung im Stil der Spätgotik begann. Propst Valentin Fabri vollendete aus Mitteln sei-nes Familienerbes die Einwölbung der Kirche, wobei der Dechant Lucas Fellpacher unter Feierlichkeiten und im Beisein des ganzen Konventes am 7. Oktober 1505 den Schlussstein setzte. Dieses Schlingrippengewölbe trägt die Jahreszahl „''1506''&amp;quot;. Da beim Altar aus dem 15. Jahrhundert, eine von einem Flügelaltar stammende Statue Mariä Verkündigung, die 1938 in der Sakristei stand, und eine Anna Selbdritt Halbrelief aus dem 16. Jahrhundert. Arbeiten der Spätgotik sind auch die Statuen des Florianialtars. Die übrige Kircheneinrichtung stammt aus der Jesuitenzeit und ist barock.&lt;br /&gt;
In der Kirche hängt noch ein Bild in Form eines Altaraufsatzes in der Größe von 3 x 4 m. Der letzte Propst ließ es 1601 ''ad sui suorumque memoriam'' malen. Das Mittelbild stellt das Allerheiligste in der Monstranz dar, die Attika zeigt die Aufnahme Mariens in den Himmel. In der Predella knien vor einem Kruzifix der Propst und die sieben letzten Chorherren, alle mit Rosenkräzen in den Händen und ihren Namen bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Patriarch Peregrin I. erklärte 1154, er habe in Eberndorf nicht nur eine Kanonie regulierter Augustinermönche errichtet, sondern auch das Kloster für die vita regularis der Chorherren gebaut. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um eine Erweiterung der vorhandenen, noch eher bescheidenen Wohngebäude des Säkularkapitels.&lt;br /&gt;
Das jetzige Stiftsgebäude, mit runden Ecktürmen und Schießscharten versehen, stammt aus verschiedenen Epochen. Propst Laurentius (1445-1479) ließ anlässlich des Türkeneinfalls 1473 das Stift mit Wall und Graben befestigen, wozu ihm Georg Löschenpfeffer 120 ungarische Dukatengulden als Messstiftung beisteuerte. Am 14. Oktober 1476 griffen die Türken Eberndorf neuerlich an, wurden aber durch die Befestigungen und die Verteidigung der Klosterleute abgewehrt. Deshalb trieb Propst Leonhard von Keutschach (1480-1490), dessen Brüder in der Eberndorfer Kirche begraben waren, die Befestigungsarbeiten zum Schutz des Klosters voran und gab Anleitungen zur Errichtung von Wehrgalerien an den von den Türken bedrohten Kirchen. Dazu und zum Brand der Kirche von 1483 passt die Erwähnung der Jabrica, also einer Zeche (Bauhütte), aus 1489, ebenso einer fabrica ecclesiaeet monasterii im 16. Jahrhundert. Denn Propst Johannes Wildensteiner (1509-1532) vergrößerte und verschönerte das Kloster und baute Gebäude hinzu. Der im 17. Jahrhundert erwähnte „Dreikönigssaal &amp;quot; war vor der Jesuitenzeit wahrscheinlich eine Kapelle, die sich im Osttrakt der Stiftsgebäude befand, wo man vor dem Zweiten Weltkrieg an der Außenseite in nördlicher Richtung vom Presbyterium der Pfarrkirche vermauerte spitzbogige Fenster sah. 1588 waren die Dächer der Gebäude undicht, letztere deshalb schadhaft.&lt;br /&gt;
Als die Jesuiten Eberndorf übernahmen, unterzogen sie das Ganze Stift einem großzügigen Umbau, denn sie hatten das Geld dazu. Die nördlich der Kirche einen geschlossenen Hofbildenden Gebäude stammen mit Ausnahme der Trakte im Westen und norden vorwiegend aus dem zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts. Durch die teilweise Einbeziehung mittelalterlicher Gebäude und Mauern entstand der unregelmäßig viereckige Hof. Die Trakte weisen dreigeschossige Pfeilerarkaden unterschiedlicher Achsenzahl auf. 1634 wurden laut Inschrift das Eingangstor mit dem zweistöckigen Aufbau und ein Pfarrhof (,,Benefiziatenhaus&amp;quot;) errichtet. Der Erweiterungsumbau und die Fassadierung werden Peter Franz Carlone zugeschrieben.&lt;br /&gt;
Der weitläufige Bau diente den Jesuiten zuerst als Noviziat, wobei gewöhnlich nur vier Patres im ehemaligen Stift lebten. 1658 wurde das Noviziat aufgegeben und es blieben nur zwei bis drei Patres zurück, die die Seelsorge ausübten und die Wirtschaft betrieben. Um die Räumlichkeiten des Klosters doch zu nützen, führt en die Jesuiten Exerzitien für Priester -meist in der ersten Fastenwoche abgehalten - ein. 1690 richtete ein Erdbeben beträchtlichen Schaden an Gebäuden, Kaminen und Türmen des Stiftes an. 1723 vernichtete ein großer Brand Kloster und Kirche. Der Wiederaufbau dauerte mehrere Jahre und kostete 60.000 fl. 1751 wurde der jetzige Bau fertiggestellt. 1809 übergab Kaiser Franz I. den Benediktinern des ehemaligen Klosters St. Blasien im Schwarzwald das leerstehende Stift St. Paul i. L. und als Dotation u. a. Kloster und Herrschaft Eberndorf samt Gut und Schloss Wasserhofen. Die Stiftsgebäude gehören jetzt der Marktgemeinde Eberndorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Über das Archiv des Klosters im Mittelalter fehlen alle Nachrichten. Vor 1447 wurden dem Kloster angeblich viele Urkunden geraubt und gingen deshalb zugrunde, doch kann sich dies wohl nur auf jene Stücke bezogen haben, die die Güterverkäufe der Rechberger an das Stift betrafen. 1588 wurden die Schriften in einer hölzernen Truhe in der Sakristei aufbewahrt. Das Archiv des untergegangenen Stiftes verblieb größtenteils auch unter den Jesuiten in Eberndorf, einige wichtige Urkunden verwahrten sie allerdings in Klagenfurt. Davon kamen nach der Aufhebung dieses Ordens 36 Originalurkunden (von 1220 bis 1601) in die k. k. Hofbibliothek und liegen jetzt im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Die „älteste&amp;quot; Eberndorfer Urkunde von 1106 (Innovation 13. Jahrhundert) gelangte 1849 an den Kärntner Geschichtsverein und befindet sich im Kärntner Landesarchiv.&lt;br /&gt;
Der übrige Archivkörper verblieb weiter in Eberndorf, mit dem nun auch wieder die Eberndorf-Bestände im Klagenfurter Jesuitenkolleg vereinigt wurden. Alles zusammen ging dann 1809 in den Besitz des wieder errichteten Stiftes St. Paul über, wo sich die Archivalien nach wie vor befinden. Die wichtigsten darunter sind: l. Zahlreiche Originalurkunden. 2. Ein von den Jesuiten angelegtes Eberndorfer Kopialbuch aus dem ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts. 3. Das Nekrolog der Propstei in Form eines Pergament-Codex. Dabei scheint es sich um ein erneuertes Nekrolog aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu handeln, dessen Vorläufer um die Mitte des 14. Jahrhunderts begonnen worden war. In der vorliegenden Fassung von zwei Händen geschrieben (A bis ca. 1480, B bis 1592 fortgesetzt) ist es jedoch unvollständig, weil etliche Blätter schon 1886 fehlten. Als letzte Eintragungen haben die Jesuiten die Sterbedaten einiger Exchorherren festgehalten. 4. Rotulae aus Eberndorf. 5. Urbare (erst von 1614). 6. Akten über Vorgänge aus den letzten Jahrzehnten der Propstei im Dekanatsarchiv Eberndorf. 7. Zahlreiche Faszikel „Herrschaft Eberndorf&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Diese Quellen hat B. Schroll entweder ediert oder für seine Publikationen benützt. Die meisten Eberndorfer Urkunden haben Eingang in die MDC und andere gedruckte Urkundenbücher gefunden. Laschitzer hat einige Urkunden des HHStA als Nachtrag zu Schroll ediert. Im Archivio della Curia Arcivesovile di Udine (ACAU) liegen zahlreiche Faszikel mit Akten über das Stift (Prepositura di Eberndorf), die die Beziehungen zwischen dem Patriarchat Aquileja und der Propstei, hauptsächlich im 16. Jahrhundert bis zur Aufhebung, dokumentieren. Diese Faszikel enthalten auch einige wenige Original-Urkunden des genannten Zeitraums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pläne und Ansichten==&lt;br /&gt;
Ein Grundrissplan der Stiftsanlage von der Hand F. X. Kohlas (?), Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden, ist im 1. Band der „Kärntner Burgenkunde&amp;quot;, wiedergegeben.&lt;br /&gt;
Die älteste überlieferte Ortsansicht von Eberndorf ist auf einer gemalten Grenzkarte der Landgerichte Sonnegg und Feuersberg von 1668 zu finden (Papier auf Lw., Tinte aquarelliert). Das in der Stiftskirche hängende Stifterbild (Öl/Lw.) darstellend COMES ACHAZIVS CAZELINVS FVNDATOR KVNIGVDA CON IVNX, das angeblich aus dem frühen 17. Jahrhundert stammen soll, zeigt eine Ansicht des Stiftes, wie es sich zur Zeit der Renaissance (2. Hälfte 16. Jahrhundert) präsentiert haben mag. Der größte Teil der Gebäude ist noch gotisch, ein Hof hat schon zweistöckige Renaissance-Arkaden. Die Abbildung erweckt den Eindruck von Zuverlässigkeit, zumindest scheint ihr die Absicht zugrunde zu liegen, den Zustand der Stiftsanlage vor dem Umbau durch Carlone festzuhalten.&lt;br /&gt;
Der prächtige Kupferstich des Stiftes von Peter Mungerstorf in J. W. Valvasors Topographia Archiducatus Carinthiae von 1688 stellt die Gebäude noch in einer Anordnung dar, die sehr an jene im Stifterbild erinnert. Doch sollte sie bereits die Erweiterung des Komplexes durch die Jesuiten zeigen. Beide Darstellungen weichen von der heutigen Wirklichkeit beträchtlich ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Siegel===&lt;br /&gt;
Das Kapitel in Eberndorf führte ein von 1335 bis 1471 nachweisbares spitzovales Siegel. Im Siegelfeld ist die Muttergottes mit dem unbekleideten Jesuskind dargestellt. Maria sitzt auf einem gepolsterten Thronsessel, der auf einem mit einer Lilie geschmückten Podest steht, und reicht dem Kind mit der Rechten eine Kugel, nach der dieses greift. Bekleidet ist sie mit einem langen Mantel und auf dem Haupt trägt sie einen Schleier.&lt;br /&gt;
Beide Figuren sind nimbiert sowie links von drei Sechsternen und rechts von einem begleitet. Zwischen zwei Perllinien ist eine mit einem Kreuzzeichen beginnende unziale Umschrift angeordnet:&lt;br /&gt;
+	S(igillum). S(an)C(t)E:  MARIE: IVN/ENSIS: ECCLESIE&lt;br /&gt;
Von diesem Stift konnte bisher kein nachfolgendes (Konvent-) Siegeltypar angetroffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wappen===&lt;br /&gt;
Nach heraldisch rechts in Blau über einem silbernen Bogenschildfuß (Berg) aufgerichtet ein goldenes Einhorn.&lt;br /&gt;
Das Wappenbild dürfte von den Stifterngraf Chazilo und seiner Gemahlin Kunigunde herkommen. In der Stiftskirche befindet sich ein barockes Gemälde von dem Paar. Unter ihnen sind zwei Wappentartschen zu sehen: nach links aufgerichtet ein goldenes Einhorn in Blau. Früher wurde es fälschlich, so von Megiser 1612 und ihm folgend von anderen Autoren, dem Kapitel von St. Andrä im Lavattal zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedruckte Quellen==&lt;br /&gt;
* Johannes Fr. Bernardus Mariae de Rubeis: Monumenta ecclesiae Aquileiensis (…). Argentinae 1740.&lt;br /&gt;
* [[Josef Chmel]]: Materialien zur österreichischen Geschichte Aus Archiven und Bibliotheken. Wien 1838. [https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/titleinfo/3079904 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Simon Laschitzer: Die Archive und Bibliotheken des Jesuitencollegiums in Klagenfurt und der Stifter Eberndorf und Millstatt In: Carinthia I 72 (1882), S. 113–121. [https://www.zobodat.at/pdf/Car-I_72_0113-0121.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Relazione della visita apostolica in Carniola. Stiria e Carinzia fatta da Francesco Barvaro. Patriarca eletto d´Aquileja l’anno1593 e presentata a papa Clemente VIII. Udine 1862.&lt;br /&gt;
* Beda Schroll: Rotulae des Augustiner-Chorherren-Stiftes zu Eberndorf. In: Archiv für Vaterländische Topographie 9 (1864) 1–22. [https://books.google.com.cy/books?id=9uI4AQAAMAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=RA1-PA1#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Beda Schroll: Urkunden. Regesten des Augustiner-Chorherren-Stiftes Eberndorf im Jaunthale. Klagenfurt 1870. [https://books.google.at/books?id=hoevmaXLteQC&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA1#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Beda Schroll:  Necrologium des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Maria in Juna oder Eberndorf in Kärnten 68 (1886), S. 209–325.&lt;br /&gt;
* Giorlamo Conte de Renaldis: Memorie storiche dei tre ultimi secoli del Patriacarto d’Aquileia (1411–1751). Udine 1888.&lt;br /&gt;
* Guiseppe Vale: Itinerario di Paolo Santonino in Carintia, Stiria e Carniola negli anni 1485–1487 (studi e testi 103). Cittá del Caticano 1943.&lt;br /&gt;
* Hermann Weißner (Bearb.): Monumenta historica ducatus Carithiae. Bände 1–4. Bearbeitet von Anton von Jaksch. Klagenfurt 1896–1906. Bände 5–11. Klagenfurt 1956–72.&lt;br /&gt;
* Oskar Veselsky: Die Konsekrationsberichte aus den Ordinations- und Konsekrationsprotokollen der Bischöfe von Lavant im 16. Jahrhundert. Graz 1997 (Quellen zur Geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, 11).&lt;br /&gt;
* Helmut Pechl (Hg.) / Wener Bergmann (Bearb.): Die Tegernseer Briefsammlung des 12. Jahrhunderts. Hannover 2002 (Monumenta Germaniae Historica. Epistolae. Die Briefe der deutschen Kaiserzeit, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Wilhelm Deuer: Eine abgekommene Filialkirche in Eberndort von 1668. In: Carinthia I 191 (2001), S. 705–706.&lt;br /&gt;
* Francesco di Manzano: Annali del Friuli (…). Band IV. Udine 1862.&lt;br /&gt;
* Heinz Dopsch: Die Aribonen – Stifter des Klosters Seeon. In: Kloster Seeon. Beiträge zur Geschichte, Kunst und Kultur der ehemaligen Benediktinerabtei. Hg. von Hans von Malottki. Weißenhorn 1993, S. 55–92.&lt;br /&gt;
* Heinz Dopsch / Hans Spatzenegger: Geschichte Salzburgs Stadt und Land. Band I/2. Salzburg 1983.&lt;br /&gt;
* Bernhard Duhr: Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge im XVI. Jahrhundert. Band 2/1. Freiburg im Breisgau 1913.&lt;br /&gt;
* Rudolf Egger (Bearb.): Die Reisetagebücher des Paolo Santonino 1485–1486. Klagenfurt 1947.&lt;br /&gt;
* Walther Fresacher: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer. 2. Abteilung: Die Kirchen- und Grafschaftskarte. Teil 8/1: Kärnten südlich der Drau. Klagenfurt 1966.&lt;br /&gt;
* Reinhard Härtel: Le fonti diplomatiche e la fondazione dell‘ Abbazia di Moggio. In: Le origini dell’Abbazia di Moggio e i suoi rapport con l’Abbazia svizzera di S. Gallo. Hg. von Gian Carlo Menis. Udine 1994 (Publicationi della Deputazione di Storia partia per il Friuli, 21), S. 17–44. &lt;br /&gt;
* Reinhard Härtel: Tre secoli di diplomatica patriarcale (944–1251). In: Il patriarcato di Aquileia uno stato nell’ Europa medieval. Hg. von Paolo Cammarosano. Udine 1999, S. 229–262. &lt;br /&gt;
* Reinhard Härtel: Moggio. In: Die benediktinischen Mönchs- und Nonnenklöster in Österreich und Südtirol. Band 3/2. Hg. von Ulrich Faust / Waltraud Krassnig. St. Ottilien 2000 (Germania Benedictina, 3/2), S. 832–862. &lt;br /&gt;
* Alfred von Jaksch / Martin Wutte u.a.: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer 1. Abt. Die Landgerichtskarte, 4. Teil Kärnten, Krain, Görz und Istrien, 1. Heft: Kärnten Görz und Gradisca. Wien 1914.&lt;br /&gt;
* Renate Jernej: Das Kollegiatstift St. Bartholomäus in Friesach. Klagenfurt 2001 (Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie, 85).&lt;br /&gt;
* Ernst Klebel: Zur Geschichte der Pfarren und Kirchen Kärntens. B. Die kirchliche Organisation im Patriarchat Aquileja. In: Carinthia I 116 (1926), S. 1–47.&lt;br /&gt;
* Ernst Klebel: Eigenklosterrechte und Vogteien in Bayern und Deutschösterreich. In:  	Hans Hirsch dargebracht als Festgabe zu seinem 60. Geburtstag von seinen Kollegen, Mitarbeitern und Schülern. Wien 1939 (Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsband 14), S. 175–214. &lt;br /&gt;
* Ernst Klebel: Zur Geschichte der Patriarchen von Aquileja. In: Festschrift Rudolf Egger. Beiträge zur älteren deutschen Kulturgeschichte Band 1. Klagenfurt 1952, S. 396–422.&lt;br /&gt;
* Irmtraud Koller-Neumann: Eine Statistik zum österreichischen Klosterwesen von 1593. In: Historische Blickpunkte. Festschrift für Johann Rainer zum 65. Geburtstag dargebracht von Freunden, Kollegen und Schülern. Hg. von Sabine Weiss. Innsbruck 1988 (Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft 25), S. 331–344. &lt;br /&gt;
* Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten. 2 Bände. Klagenfurt 1956–58 (Archiv für vaterländische Geschichte, 56–57).&lt;br /&gt;
* Simon Laschitzer: Geschichte der Klosterbibliotheken und Archive Kärntens zur Zeit ihrer Aufhebung unter Kaiser Joseph II. In: Carinthia I 73 (1883), S. 129–148.&lt;br /&gt;
* Giacomo Marcuzzi: Sinodi Aquileiesi. Udine 1910.&lt;br /&gt;
* Hermann Meinhardt: Handschriftenverzeichnis der Kärntner Bibliotheken. Band 1: Klagenfurt, Maria Saal, Friesach. Wien 1927 ((Handschriftenverzeichnisse österreichischer Bibliotheken, 1). [https://manuscripta.at/diglit/menhardt_1927/0001 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Hermann Meinhardt: Die Kärntner Bibliotheksreise des Wolfgang Lazius 1549. In: Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 24/25 (1936), S. 100–112.&lt;br /&gt;
* Gian Carlo Menis: Storia del friuli dlalle origini alla caduta dello stato patriarcale (1420). Udine 1978.&lt;br /&gt;
* Jacob Mois: Das Stift Rottenbuch in der Kirchenreform des 11.-12. Jahrhunderts: ein Beitrag zur Ordens-Geschichte der Augustiner-Chorherren. München 1953 (Beiträge zur altbayrischen Kirchengeschichte, 3/19).&lt;br /&gt;
* Jacob Mois: Das Stift Rottenbuch im Mittelalter. In: Rottenbuch. Das Augustinerchorherrenstift im Ammergau. Beiträge zur Geschichte, Kunst und Kultur. Hg. von Hans Pörnbacher. Weißenhorn 1980, S. 9–25.&lt;br /&gt;
* Trudpert Neugart: Das Chorherrenstift Eberndorf. In: Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 1 (1849), S. 97–114.&lt;br /&gt;
* Miroslav Ortravsky: Beiträge zur Kirchengeschichte im Patriarchate Aquileja. Klagenfurt 1965 (Kärntner Museumsschriften, XXX).&lt;br /&gt;
* Miroslav Ortravsky: Die Visitation des Patriarchen Franz Barbaro 1593/94 in Kärnten und seine Diözesan- und Provinzsynode im Patriarchat Aquileja. In: Carinthia I 62 (1972) S. 227–233.&lt;br /&gt;
* Pio Paschini: Bertoldo di Merania, patriarca d'Aquileia (1218–1251). In: Memorie storiche Forogiuliesi 15 (1919), S. 1–97.&lt;br /&gt;
* Hans Pirchegger: Der Besitz der Kärntner Klöster und Pfarren in der Steiermark. In: Carinthia I 151 (1961), S. 514–519.&lt;br /&gt;
* Carl Plank: Rihni. Graf Otokar von Leoben und Erzbischof Odalbert von Salzburg. In: Siedlung, Macht und Wirtschaft. Festschrift Fritz Posch zum 70. Geburtstag. Hg. von Gerhard Pferschy. Graz 1981 (Veröffentlichungen des Steiermärkischen Landesarchives, 12), S. 65–80.&lt;br /&gt;
* Helmut Plechl: Studien zur Tegernseer Briefsammlung des 12. Jahrhunderts 3. Briefe zur Reichs- und Landesgeschichte aus der Zeit des Venetianer Friedenskongresses bis zum 3. Laterankonzil (Februar 1177 – März 1179) In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 12 (1956), S. 388–452.&lt;br /&gt;
* Helmut Plechl: Studien zur Tegernseer Briefsammlung des 12. Jahrhunderts 4. Tegernsee unter den Äbten Konrad I. und Rupert (1126–1186). In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 13 (1957), S. 394–481.&lt;br /&gt;
* Johann Rainer: Das geplante Bistum Völkermarkt. In: Carinthia I 150 (1960), S. 804–828.&lt;br /&gt;
* Johann Rainer: Die Jesuiten in Klagenfurt und Eberndorf. In: Symposium zur Geschichte von Millstatt und Kärnten. Hg. von Franz Nikolasch. Millstatt 1994, S. 52–64.&lt;br /&gt;
* Cesar Scalon: Diplomi patriarcali. I documenti dei patriarchi Aquileiesi anteriori alla metà del XIII secolo nell'Archivio Capitolare di Udine. Udine 1983 (Quaderni e dispense dell’ Istituto di sroia dell’ Universitá degli Studi di Udine 8).&lt;br /&gt;
* Rudolf Schäffer: Die Ungnad 1450-1530. In: Adler. Zeitschrift für Genealogie und Heraldik 12 (1981), S. 166, Anm. 15.&lt;br /&gt;
* Michael Schmid: Das Augustinerchorherrenstift Eberndorf in Kärnten. In: In Unum Congregati 2 (1955), S. 68–73.&lt;br /&gt;
* Heinrich Schmidinger: Patriarch und Landherr. Die weltliche Herrschaft der Patriarchen von Aquileia bis zum Ende der Stauffer.  Graz / Köln 1954 (Publikationen des Österreichischen Kulturinstituts in Rom, I/1).&lt;br /&gt;
* Heinrich Schmidinger: Die Besetzung des Patriarchenstuhls von Aquileja bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 60 (1952), S. 335–354.&lt;br /&gt;
* Monika Siedler: Marktgemeinde Eberndorf Einst und heute. Klagenfurt 1992.&lt;br /&gt;
* Stephan Singer: Kultur- und Kirchengeschichte des Jauntales. Band 3: Dekanat Eberndorf. Kappel 1938.&lt;br /&gt;
* Stephan Singer: Kultur. Und Kirchengeschichte des Jauntales. Band 4: Dekanat Bleiburg. Klagenfurt 1983.&lt;br /&gt;
* Albert Starzer: Die Uebergabe des Chorherrenstiftes Eberndorf an die Jesuiten. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsband 6 (1901), S. 624–633.&lt;br /&gt;
* Guiseppe Trebbi: Francesco Barbaro. Patrizio veneto e patriarca di Aquileia. Storia della societá Friulana. Sezione studi e testi. Udine 1984.&lt;br /&gt;
* Adolf Trende: Die Stiftsbibliothek in St. Paul. In: Carinthia I 142 (1952), S. 609–669.&lt;br /&gt;
* Peter Tropper: Von Missionsgebiet zum Landesbistum. Organisation und Administration der katholischen Kirche in Kärnten von Chorbischof Modestus bis zu Bischof Köstner. Klagenfurt 1996.&lt;br /&gt;
* Johann Weichard Freiherr Valvasor: Topographia Archiducatus Carinthiae. Nürnberg 1688.&lt;br /&gt;
* Evelyne Webernig: Geschichtliches über Eberndorf. Klagenfurt 2000 (Ausstellungskatalog des Kärntner Landesarchivs, 6).&lt;br /&gt;
* Erika Weinzierl-Fischer: Die Quart in Kärntens Stiften und Klöstern. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchiv 4 (1951), S. 138–166.&lt;br /&gt;
* Hermann Weissner / Gerhard Seebach: Burgen und Schlösser in Kärnten. Klagenfurt, Feldkirchen, Völkermarkt. Wien 1980.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<title>Stift Seckau</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Politische und kirchliche Topographie */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=in loco Seccowe dicto (1142), Secowe (1146 ), Seccowa (1147), Sechowe (1151 ), Secveve (1188), Secoe (1205), Secvve (1208), Seccovwe (1230), Sekawe (1250), Sykouia / Sykauia (1267), Sechaw (1346), Sekkawe (1364), Seccaw (1400), Sekkaw (1429)&lt;br /&gt;
|Benannt nach=slaw. &amp;quot;zegova&amp;quot; (Brandrodung, Lichtung, Schlägerung)&lt;br /&gt;
|Quelle=Norbert Allmer: Seckau 1140-1782. In: Die ehemaligen Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich und Südtirol. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg 2005, S. 503-559.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=seit 1492 Patronat der allerseligsten Mutter Gottes&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Fyrstliche Tumstyft Secau.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Fyrstliche Tumstyft Secau&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Das Seckauer Gebiet war ursprünglich Teil der Karantanischen Mark, später Teil des Steirischen Herzogtums. Mit der Gründung 1140 unterstand das Stift dem Erzbischof von Salzburg. Durch die Errichtung der Diözese Seckau am 22. Juni 1218 durch Papst Honorius III. wurde das Augustiner Chorfrauen- und Chorherrenstift Seckau gleichzeitig zum Sitz des Domkapitels und die Basilika zur Kathedralkirche des neuen Bistums erhoben. Im Zuge der Aufhebung des Seckauer Chorherrenstiftes wurde der Seckauer Bischofssitz 1786 nach Graz verlegt und dort die bisherige Jesuiten- bzw. Ägydiuskirche zur Kathedrale erhoben. Die Pfarre Seckau selbst wurde 1786 durch die josephinische Diözesanregulierung dem Bistum Leoben zugeordnet. 1859 wurde die Diözese Leoben wiederum aufgehoben und der alten Seckauer eingegliedert. Das 1883 wiederbesiedelte Kloster bzw. die 1887 errichtete Benediktinerabtei Seckau liegen im Dekanat und politischen Bezirk Knittelfeld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte=== &lt;br /&gt;
Nach den drei benediktinischen Klostergründungen des 11. Jahrhunderts sollte auch die Zeit der augustinischen Klöster in der Steiermark anbrechen. Als erstes von diesen wurde 1140 das Stift Seckau gegründet, dem dann die Stifte [[Stift Vorau|Vorau]] (1163) und [[Stift Stainz|Stainz]] (1229) folgten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem väterlichen Erbe nach Hartnid von Traisen hatte [[Adalram von Waldeck]], als einer der vier Söhne, im Pittener Land Waldeck mit den Dörfern Strelz, Willendorf, Dreistetten, Wopfing, den Hof Badendorf mit drei Weingärten und Gerasdorf mit seinen Weingärten und Zubehör, den Hof am Kamp und an der Erlach sowie Starhemberg erhalten. In Oberösterreich nördlich der Donau, damals in Bawaria genannt , besaß Adalram Waltenstein mit allen Gütern auf dem Windberg, je drei Weingärten zu Aschach und Pesenbach, die Höfe Eppenberg, Erbenberg, Ottensheim und Lindham. Dazukamen noch die oststeirischen Besitzungen wie das Hauptgut Kumberg, Arndorf, Hainersdorf, mit Lebern südlich von Graz und Leutzendorf. Weiters erhielt er den ältesten Aribonenbesitz auf steirischem Boden: Feistritz (= St. Marein bei Knittelfeld), den ersten Gründungsort des Stiftes Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 1060 und 1088 erwarb Hartnid für seine Kirche in Feistritz Pfarrechte und überließ dafür dem Erzbischof Gebhard von Salzburg seine Kirche St. Lorenzen zu Leistach an der Mur bei Knittelfeld. In Feistritz befand sich auch ein Herrenhof, nach welchem sich Adalram bisweilen nannte, dessen Besitz sich von Kraubath bis gegen Pöls erstreckte und von einigen Enklaven durch setzt war. Adalram war in erster Ehe mit Perchta aus dem Geschlecht der Offenberg verehelicht. Nachdem Perchta an einem 15. November kinderlos verstorben war, heiratete Adalram um 1130 abermals. Richinza, Tochter des Rudolf von Perg, der die Vogtei über das Augustiner-Chorherrenstift [[Stift St. Florian|St. Florian]] inne hatte, brachte den Besitz am Windberg im Mühlviertel als ansehnliche Mitgift in die Ehe. Außer der Tochter Benedicta, die in das Erentrudiskloster am Nonnberg in Salzburg eintrat, entsprossen der Ehe von Richinza und Adalram keine weiteren Kinder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der eigentliche Anlass zur Stiftsgründung liegt im Dunkeln. Obwohl erbenlos, wollte der damals gut 50-jährige Adalram seine Besitzungen auch für die Zukunft in guten Händen wissen. Vielleicht wollte er seinen Besitz auch bloß vor dem Zugriff des Landesfürsten retten. In der Stiftungsurkunde finden sich als Gründungsanlass dort nicht näher erklärte ''delicta'', also Vergehen Adalrams, angeführt. Im Hintergrund dafür steht wohl der Totschlag Adalrams an seinem Vetter Adalbero von Feistritz um 1138, der mit Richinza die Ehe gebrochen hatte, weshalb Adalram seine Gattin verstieß. Als Sühne für seine Bluttat übergab nun Adalram am 10. Januar 1140 in Friesach dem Salzburger Erzbischof Konrad I. beinahe seine gesamten Besitzungen zur Errichtung und Ausstattung eines Klosters. Anlässlich der Propstwahl am 22. Mai 1141 in Friesach ergänzte Adalram seine Stiftung durch die Schenkung von Liegenschaften zwischen Pyhrn, Semmering und Wechsel, womit die Besitzungen in Kumberg und Hainersdorf gemeint waren. Richinza fühlte sich wegen der Vergabe ihres Heiratsgu tes durch Adalram übergangen und wollte diese Sache widerrufen wissen. Dies strengte sie in Anwesenheit ihres Gatten in einer Klage vor König Konrad III. am 15. Mai 1149 an, der sich auf dem Rückmarsch vom gescheiterten Kreuzzug in Friesach aufhielt. König Konrad bestätigte ihre Position, woraufhin nun beide Gatten, die sich schon zuvor ausgesöhnt hatten , die Stiftung jener Güter mit gesamter Hand in aller Form erneuerten und damit das Eigentumsrecht des Stiftes garantierten. Auch die Einigung wurde von König Konrad beurkundet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der erste Konvent in Feistritz-St. Marein 1140-1142=== &lt;br /&gt;
Mit 10. Januar 1140 hatte Adalram den eigentlichen Gründungsakt in Friesach vollzogen und bestimmt, dass man daselbst (in Feistritz) unter der Regel des seligen Augustinus in geistlich und kanonisch festgesetzter Weise lebt. Im Salzburger Erzbischof Konrad I., der selbst ein Augustiner-Chorherr war und sein Domkapitel in ein Chorherrenstift umgewandelt hatte, erhielt er die volle Unterstützung. Dieser schickte nun aus seinem Domstift St. Rupert die ersten sechs Chorherren, welche mit Freitag, dem 20. Juli 1140 in Feistritz eintrafen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Namen sind überliefert: Wernher (von Galler), Liupold von Travesse (= Traföß bei Mixnitz), Otto von Friesach, Adalbert von Ossiach, Rudger von Salzburg und Gerold von Eppenstein. Diese richteten sich hier ein und bauten ihr erstes Kloster wohl aus Holz. Die Tradition weiß darum, dass das Kloster im Bereich des späteren pfarrlichen Wirtschaftsgebäudes von St. Marein gestanden habe. Nach zehn Monaten war man soweit organisiert, dass sich der kleine Konvent in Wernher von Galler am 22. Mai 1141 in Friesach unter Anwesenheit von Bischof Roman von Gurk den ersten Propst wählte. Bischof Roman führte den Neugewählten in Feistritz feierlich in sein Amt ein. Unter der Führung von Propst Wernher machte man sich allerdings auf die Suche nach einer endgültigen Bleibe für den Konvent, da man mit der Situation in Feistritz nicht vollauf zufrieden war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1142 kamen die Chorherren mit Erzbischof Konrad I. darin überein, im weiter westlich und höher gelegenen Seckau jenen Ort gefunden zu haben, der ihren Vorstellungen von klösterlicher Abgeschiedenheit und geistlicher Konzentration entspreche . In Erinnerung an die ursprüngliche Errichtung des Klosters an diesem Ort, bestimmte Erzbischof Konrad, solle die Seelsorge in Feistritz fortan durch einen Seckauer Chorherren versehen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übertragung der Stiftung nach Seckau 1142=== &lt;br /&gt;
Folgende Gründungslegende ist für die Übertragung der Stiftung nach Seckau überliefert: Auf der Jagd geriet Adalram von Waldeck in undurchdringlichen Forst, wo er sich erschöpft niederließ und einschlief. Im Traum sah er die Muttergottes mit dem Jesuskind und hörte eine Stimme, die ihm sagte: &amp;quot;Hie seca! Hier fälle!&amp;quot; Er berichtete Propst Wernher von diesem wunderbaren Ereignis und untersuchte gemeinsam mit ihm den Ort. Beim Fällen des ersten Baumes fanden sie in dessen Inneren ein Muttergottesbild und verstanden darin den Fingerzeig, hier das Kloster zu errichten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Auftrag im Traum erhielt das Kloster den Namen Seckau. Erzählt die Legende auch von himmlischen Zeichen, dürfte für die Übertragung der Stiftung auf die Hochebene von Seckau doch sehr wesentlich mitgespielt haben, dass man hier einen guten Sandsteinbruch entdeckt hatte, dessen Material für die Kirchenbauten der gesamten Gegend Verwendung fand. Er sollte nicht nur jetzt, sondern auch nach der Turmsturzkatastrophe 1886 wieder das Baumaterial liefern. Eine gemauerte Kapelle dürfte eines der ersten Gebäude gewesen sein, das man errichtete. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb der Grundmauern der ehemaligen Ulrich-Liechtenstein-Kapelle fand man bei Grabungen Mauerreste einer Apsis, die von dieser ersten Kapelle stammen könnten. Mit 12. März 1143 genehmigte Papst Innozenz II. die Stiftung und zugleich die Übertragung der Propstei nach Seckau und befreite sie von allen geistlichen und weltlichen Zehentpflichten. Noch vor seinem eigenen Eintritt in das Stift Seckau bemühte sich der Gründer Adalram, die Vogteifrage einwandfrei zu lösen. Zusammen mit Propst Wernher begab er sich im Sommer 1152 nach Regensburg zum Reichstag. Auf ihr Bitten und die Mitwirkung des Salzburger Erzbischofs hin übertrug Friedrich Barbarossa dort dem steirischen Markgrafen Otakar III. die Vogteigewalt, welche zuvor Adalram als Gründer selber inne gehabt hatte. Man vereinbarte sogar auch die Möglichkeit der Aberkennung der Vogtei, sollten dafür Gründe vorliegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Es gibt keine überlieferten Daten von einer Grundsteinlegung oder vom Baubeginn der Basilika. Man geht aber kaum fehl, sieht man mit den zum Leben und Wohnen notwendigen Klosterbauten auch die Kirche im Stil der Hirsauer Bauhütte emporwachsen. Zwischen 1143 und 1146 wurde bereits ein Friedhof von Bischof Roman eingeweiht.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Erzbischof Eberhard I. (1147–1164) legte den Grundsteinund weihte vor 1152 den Altar der hl. Magdalena in der sogenannten Magdalenenkapelle. Des Weiteren ergeben sich 1159 bauliche Hinweise durch die Weihen des Petrus- bzw. Johannesaltars im Kloster. Am 16. September 1164 konnte Bischof Hartmann von Brixen die Weihe der Stiftskirche vornehmen und stellte sie unter den Schutz &amp;quot;der allerseligsten Gottesmutter&amp;quot;. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich Erzbischof Konrad II. in Italien auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Marienpatrozinium hatte man wohl von der Marienkirche in Feistritz übernommen. Bischof Hartmann konsekrierte auch den Hochaltar, der das Patrozinium der Drei Heiligen Könige erhielt. Dietriumphale Übertragung ihrer Reliquien nach der Zerstörung Mailands im Sommer 1164 nach Köln zog damals alle Aufmerksamkeit auf sich. Erst nach ihrer Vollendung erhielt die Kirche im Westen zwei Türme. Seckauer Konventualen wurden schon früh in andere Chorherrenstifte gesandt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem 1163 gegründeten Chorherrenstift Vorau stand als erster Propst der vorherige Seckauer Dechant [[Liupold von Travesse]] bis 1185 vor. Sein Nachfolger, Propst Bernhard (1185–1202), war ebenfalls davor in Seckau als Kustos und Bibliothekar sowie Mitarbeiter der Kanzlei des letzten Traungauers, des Herzogs Otakar I., tätig. Als Propst des neu gegründeten Chorherrenstiftes Stainz wirkte der aus Seckau gekommene Gerold zwischen 1229 und 1242. Noch vor 1150 traten das Gründerehepaar Richinza und Adalram als Knversen in die Seckauer Konvente der Chorfrauen bzw. Chorherren ein. Richinza verstarb dort an einem 7. Juli unbekannten Jahres, Adalram an einem 26. Dezember zwischen 1174 und 1182. Ihre Grablegen befinden sich in der Mitte des Langhauses der Basilika, die anlässlich der Erneuerung des Bodenbelags in der Basilika 1890 entdeckt wurden. 1964 wurden die Gebeine des Gründerpaares bei der Neugestaltung der Ostpartie der Basilika zum 800-jährigen Weihejubiläum neuerlich bestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Chorfrauenstift=== &lt;br /&gt;
Seit wann hier auch Chorfrauen lebten, ist nicht genau überliefert. Vermutlich werden sie schon sehr bald ihren Gebetsdienst versehen haben, da die Gründung von Doppelklöstern üblich war. Die Gründungsurkunde spricht ja in offener Form davon, dass man daselbst unter der Regel des seligen Augustinus in geistlich und kanonisch festgesetzter Weise lebt und legt sich nicht näher fest. 1147 heißt es in einer Urkunde, dass der spätere Propst Wernher und Dechant Liupold mit weiteren Ordenspersonen beiderlei Geschlechts am 20. Juli 1140 eingetroffen seien. Das Dotationsgut zum Chorfrauenstift stammte von Richinza, die 1149 ihre Stiftung bekräftigte. Die früheste sichere Nachricht über Chorfrauen in Seckau stammt aus einer undatierten Urkunde - bisher um 1150 angenommen-, wonach Burchard von Mureck auch den Schwestern eine Schenkung zukommen ließ. In dieser Urkunde wird allerdings auch eine Schenkung für die Markuskirche in Strelzhof erwähnt, welche Bischof Hartmann aber erst 1158 geweiht hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Somit stammt die früheste Quelle zum Chorfrauenkloster erst aus 1158. Die Chorfrauen unterstanden einer Meisterin, lebten in Klausur im Nordteil der Klosteranlage und hatten regen Zulauf. Ihr Zentrum für das Chorgebet war die St-Margareten-Kapelle (heute: Bischofskapelle). Sichtbare Leistungen brachten die Kanonissen in der Mitarbeit in der Schreib- und Malschule hervor. Eine ganze Reihe an Handschriften, die sich heute in der Universitätsbibliothek Graz befinden, zeugt von ihrer Kunst und Meisterschaft. Die wirtschaftlichen Belange wurden vom Chorherrenpropst mitversehen. Es existierte nie ein eigenes Besitzverzeichnis. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mitgliederzahl des Frauenklosters war bisweilen so hoch, dass Bischof Heinrich I. 1242 die Höchstzahl mit 50 und Bischof Woche 1334 die Höchstzahl auf 40 Frauen festlegen musste, damit die Chorfrauen nicht so zusammengepfercht zu leben hatten. 1488 starb die letzte Chorfrau, weshalb das Frauenstift 1491 aufgelöst wurde. Als sichtbare Erinnerungen an den Frauenkonvent in Seckau existieren noch die Grabplatte von [[Agnes Enstaler]]  und der letzte Kragstein bei der Westempore in der Basilika, der einen Nonnenkopf darstellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Brandkatastrophe 1259 und neuerliches Erstarken=== &lt;br /&gt;
Eine schwere Brandkatastrophe ereignete sich am 7. November 1259: In der kaiserlosen Zeit hatte Philipp von Ortenburg, ein Bruder des Kärntner Herzogs Ulrich, mit Hilfe seines Vetters, des Böhmenkönigs Ottokar II., den erzbischöflichen Stuhl in Salzburg an sich gerissen. Philipp, &amp;quot;der Erwählte&amp;quot;, der als Subdiakon zum Empfang der höheren Weihen nicht bereit war, hätte allzu gern einen seiner Parteigänger, Ulrich von Hautzenbichl, als Propst von Seckau gesehen. Da der Konvent jedoch zu seinem Bischof Ulrich I. (1244–1268) stand und zudem auch aus Salzburg vor dem Wüterich Philipp nach Seckau geflohene Domherren vorübergehend aufgenommen hatte, veranlasste „der Erwählte&amp;quot; den Kleriker Ludwig von Dillingen aus Rache dazu, das Stift Seckau in Brand zu stecken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem die Basilika mit ihren romanischen Holzdecken in den Haupt- und Seitenschiffen ging in Flammen auf. Auch eine Laienschwester aus dem Chorfrauenstift kam dabei ums Leben. Schwer getroffen von diesen Ereignissen resignierte Propst [[Otto von Ehrenhausen]] (1256–1259) und trat in den Dominikanerorden über. Sein Nachfolger als Propst wurde [[Ortolf von Prank]] (1260–1289), der in Wilhalmus, einem Konversen, einen initiativen und guten Bauherrn und in seinem leiblichen Bruder, Herzog Ulrich von Kärnten, einen finanzkräftigen Wohltäter zur Seite hatte . Dank einer gelungenen Wirtschaftspolitik war die Erneuerung der Basilika, der Decken und des Kreuzganges mit der St-Johann -Baptist-Kapelle möglich. 1264 wurde in Seckau das Fronleichnamsfest eingeführt und im Sommer an allen Sonntagen ein Umgang mit dem &amp;quot;Gottesleichnam &amp;quot; gehalten, um Segen für Feld und Flur zu erbitten. Der Minnesänger und Landeshauptmann Ulrich von Liechtenstein und seine Gattin Perchta von Weissenstein standen in enger Beziehung zu Propst Ortolf und erwählten deshalb Seckau zum Ort einer Grabstätte für sich und ihre Familie. Ulrich begann mit dem Bau einer Kapelle in unmittelbarem Anschluss an den Kapitelsaal des Stiftes, verstarb aber bereits 1275, weshalb sein Sohn Otto den Bau fortsetzte und vollendete. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bischof Wernhard weihte diese frühgotische Kapelle am 6. Mai 1279 zu Ehren des Evangelisten Johannes und der hl. Katharina von Alexandrien. Propst [[Ulrich I. Caesar]] (1302–1304) war der Begründer des Seckauer Oblaywesens. Unter seinem Nachfolger Propst [[Christian Feistritzer]] (1304–1325) musste Bischof Wocho (1317–1334) wegen des sittlichen und wirtschaftlichen Tiefstandes des Domstiftes korrigierend eingreifen. 1320 verordnete er im Einklang mit Propst und Kapitel die Einführung neuer Statuten, die vor allem ökonomische und disziplinäre Dinge betrafen. Vom Schlag getroffen, wurde der Propst vom Bischof mit 11. Juli 1323 seines Amtes enthoben. Noch vor seinem Sterbetag (17. Juli 1325) wurde der bisherige Dechant [[Ulrich II. von Prank]] vor dem 24. April zum Propst gewählt (1325–1333). Ihm oblag es, an der Verkleinerung der steigenden Schuldenlast und der Besserung der Disziplin zu arbeiten. Deshalb benannte er acht Mitbrüder, die ein Jahr lang in anderen Klöstern leben sollten. Er ordnete die Einkünfte neu und nahm sich und seinen Aufwand nicht aus. Um der Lage schneller Herr zu werden, legte der Bischof den Chorfrauen und -herren neue Einschränkungen auf, indem die einzelnen Ämter insgesamt 156 Mark Silber zur Schuldentilgung zu leisten hatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 14. Jahrhundert blühte Seckau als Wallfahrtsort neben Mariazell und Straßengel auf. Aus dem ganzen Murtal kamen Prozessionen besonders am sog. &amp;quot;hübschen Mittwoch&amp;quot; (Mittwoch nach Pfingsten) nach Seckau, um das „Ursprungsbild &amp;quot; zu verehren. Papst Johann es XXII. verlieh den Gläubigen der Diözese Seckau mit 17. Dezember 1332 bei jedem Besuch des Gnadenbildes einen Ablass von 40 Tagen. Propst [[Peter Freisinger]] (1348–1380) erhielt von Papst Innozenz VI. 1359 das Recht, die Pontifikalien zu führen. War Propst [[Ulrich III. von Trapp]] (1382–1414) ein erfolgreicher Wirtschafter, kümmerte sich [[Ulrich IV. Colusser]] (1414–1436) besonders um die Vermehrung der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Blütezeit des Stiftes=== &lt;br /&gt;
In Propst [[Andreas Enstaler]] (1436–1480) erlebte Seckau einen Eiferer für die Zierde des Hauses Gottes. 1438 vollendete Hans Mitter aus Judenburg die für das Domstift in Auftrag gebrachte Glocke, 1437 wurde mit dem Bau der gotischen Kirche von St. Marein begonnen. In dieser Zeit sollte Seckau drei „Gottesplagen&amp;quot; erleben: 1466 starben vier Chorherren und in der Pfarre Seckau 700 Menschen an der Pest. Am 18. August 1478 überfielen die Seckauer Gegend durch die Steiermark ziehende Heuschreckenschwärme, die alles kurz und klein fraßen. Zuletzt drangen im August 1480 auch noch die Türken ins obere Murtal vor, konnten aber, wie die Legende erzählt, das Stift bei dem herrschenden dichten Nebel nicht finden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer der glänzend sten Seckauer Pröpste überhaupt war [[Johannes Dümberger]] (1480–1510). Er sorgte für die Wiederherstellung der Kirche von St. Marein, die durch die Türken großen Schaden gelitten hatte, verlieh der Basilika das Netzgewölbe und umgab das Kloster mit einer schützenden Mauer. Seine Beziehungen zu Bischof Matthias Scheit (1481–1503) verschlechterten sich hingegen zusehends. Als der Bischof gegen den Ungarnkönig Matthias Corvinus Krieg führte, wurde er 1485 verwundet und gefangen genommen. Propst Dürnberger musste ihn deshalb um 2.000 fl loskaufen. Schon im folgenden Jahr zog Scheit erneut gegen die Ungarn zu Felde, wurde wieder verwundet und gefangen. Erneut hatte ihn der Dompropst freizukaufen. Die Meinung des Dompropstes als ''archidiaconus natus'' und die des Bischofs gingen in der Frage der ''jurisdictio ordinaria'' weit auseinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich Bischof Scheit auch nicht dem päpstlichen Entscheid fügte, wurde er zuletzt abgesetzt und exkommuniziert. Der Streit sollte erst nach gut 200 Jahren mit einem Vergleich enden. Nach der Schlacht bei Mohacs von 1526 gegen die Türken musste Propst [[Gregor Schärdinger]] (1510–1531) die Kleinodien des Klosters abliefern. Der Landesherr verordnete wegen der Türkengefahr schon 1523 die Terz und danach 1528 auch noch die Quart, wurden die Klöster und Stifte doch als kaiserliche Kammergüter angesehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die geforderte Barschaft aufbringen zu können, musste Seckau 1529 etliche Güter verkaufen. Damit war ein finanzieller Aderlass geschehen, der auch für das Kunstschaffen in Seckau eine tiefe Zäsur bedeutete. Vom Türkeneinfall war Seckau 1529 auch betroffen, da die feindlichen Horden das Schloss Witschein bei ihrem Rückzug von Graz nach Untersteier in Brand steckten und vernichteten. Der Wiederaufbau der dortigen Wirtschaftsgebäude und der Weingärten, die für Seckau eine bedeutende Einnahmequelle waren, verschlang viel Geld. Mit Propst [[Leonhard Arnberger]] (1541–1560) übernahm ein guter Wirtschafter das Ruder. Nur durch Verkäufe von Gülten konnte er den Anforderungen entsprechen und Schulden tilgen. Erneut fiel am 17. August 1544 ein Heuschreckenschwarm über die Steiermark herein und verwüstete Äcker und Wiesen. Als erster verfasste Propst Arnberger einen Pröpstekatalog. Er bemühte sich sehr um privates Studium und um seinen Konvent in Zeiten der neuen Lehre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation=== &lt;br /&gt;
Über die Ausbreitung einzelner geistlicher Strömungen vor Reformation im Seckauer Raum, z.B. Geißler und Springer, der Kult der 24 Ältesten und in der Obersteiermark traditionell stark vertretenen Waldenser ist nur sehr wenig bekannt. Die Rezeption der reformatorischen Lehre lässt sich im Seckauer Stift erstmals anhand des Visitationsprotokolls aus dem Jahr 1528 nachvollziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Ferdinand I. und der Salzburger Erzbischof Matthäus Lang hatten sich dahin verständigt, eine kirchliche und religiöse Bestandsaufnahme vorzunehmen. Infolgedessen kam es am 15. Juni 1528 in Seckau zur Visitation. Der Konvent ''des glaubens halben und in khlesterlichen wesens unsträfflich befunden''. Die 21 Chorherren hielten am katholischen Glauben fest, als sich in anderen Klöstern schon heftige Diskussionen ergaben. Im Rahmen der landesfürstlichen Visitation von 1544 zeigten sich aber auch hier deutliche Veränderungen: So gab es ''ehmals 12 priester und 6 jung herrn gewest, darneben ein bettbrueder'' (Konversen), nun lebten in Seckau nur mehr ''11 personen und ein jung herr, aber kein bettbrueder''. Ein personeller Tiefstand von fünf verbliebenen Geistlichen erreichte das Stift 1575. In dieser Zeit des geistigen Umbruchs ist Dechant [[Lorenz Sechtan]] zu nennen, der an der altgläubigen Kirche und Lehre festhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Laurentius Spielberger]] stand als Propst (1566–1587) in enger Beziehung zu Erzherzog Karl II. und den protestantischen Ständen, die ihn mehrmals zum Verordneten wählten. In dessen Auftrag kämpfte Spielberger 1571 gegen die neue Lehre. Aufgrund des guten Einvernehmens mit dem Stift Seckau ließ Karl II. im Dom zu Seckau seine Begräbnisstätte noch zu Lebzeiten errichten. Im Sommer 1581 führte auch der seit dem Vorjahr in Graz residierende Nuntius Germanico Malaspina in den meisten steirischen Klöstern sowie in einigen Pfarren genaue Befragungen durch: Propst Laurentius Spielberger lebte seit 15 Jahren mit einer Konkubine zusammen, die er unmittelbar vor Eintreffen der Visitationskommission entließ. Mit ihr hatte er sieben Kinder. Er gelobte dem Nuntis gegenüber Besserung und durfte deshalb auch im Amt bleiben. Der Konvent neige zu Trunksucht und Luxus, wie der Propst aussagte, und leiste ihm wenig Gehorsam. Einige Chorherren hätten ebenfalls Konkubinen. Zwei seiner Kanoniker wurden deshalb ihrer geistlichen Funktionen enthoben und für zwei Monate in ihren Zellen in Haft gehalten. Der Propst und die beiden Konkubinarier bekannten ihre Schuld auf den Knien vor dem Nuntius und dem anwesenden Konvent und versprachen Besserung. Nach dem gemeinsam gesungenen Psalm &amp;quot;De profundis&amp;quot; sowie weiteren Gebeten erteilte der Nuntius den drei Bußfertigen die Absolution. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Auswirkung dieser Visitation brachte die Neufassung der Seckauer Statuten mit sich, die das Kapitel am 13. September 1583 beschlossen hat. 1586 wurden noch weitere Ergänzungen durchgeführt. Damit hatte man nun sämtliche Bereiche des innerklösterlichen Lebens neu geregelt und die Einhaltung der Ordensregel sowie den Gehorsam gegenüber Propst und Bischof betont. Der Bibliotheksbestand spiegelt die Auseinandersetzung mit verschiedenen geistigen Strömungen wider, die zahlreiche Werke der bedeutsamsten Kontroverstheologen aus dieser Zeit versammelt. Wenige Schriften haben sich aber erhalten, die von reformatorischem Inhalt sind. Entsprechend gab es auch keine Aufsehen erregenden Übertritte von Seckauer Chorherren zur neuen Lehre wie andernorts. Zwei Seckauer Chorherren wurden in dieser Zeit als Pröpste von Rottenmann postuliert: [[Laurentius Reisacher]] (1574–1575) und [[Johannes Muchitsch]] (1578–1608). In St. Andrä an der Traisen lenkten gleich drei aus Seckau postulierte Chorherren das Stift: [[Johannes Zwicker]] (1490–1493), dem [[Oswald Rieger]] bis 1507 folgte, und [[Bonaventura Hahn]] (1629–1640). In Herzogenburg wirkte der Seckauer Chorherr [[Martin Müller]] von 1621 bis 1640 als Propst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Die anbrechende neue Zeit wurde unter Propst [[Wolfgang Schweiger]] (1587–1589) in der baulichen Veränderung des Mitteltraktes des Klosterhauptgebäudes und in der Umgestaltung des ursprünglich romanischen Kreuzganges in der Formensprache der Spätrenaissance durch Bernhard de Silvo 1588 sichtbar. Schon nach wenigen Jahren resignierte Propst Wolfgang und übersiedelte in das Chorherrenstift nach St. Andrä an der Traisen. 1591 kam er von dort wieder nach Seckau zurück. 1587 begann Alexander de Verda mit dem Bau des Mausoleums für Erzherzog Karl II. und dessen Familie. 1612 konnte Sebastian Carlone mit seinen Gehilfen das Habsburgergrab vollenden, eine Manifestation des konfessionellen Absolutismus im manieristischen Stil unter Propst [[Sebastian Kueler]] (1589–1619), die die Finanzen des Klosters ziemlich erschöpft hatte. Kueler gelang es jedoch als Verwaltungsgenie, die immensen Schulden in den Griff zu bekommen und das Stift zu neuer Blüte zu führen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dankbar für seine Dienste, die er dem Lande geleistet hatte , ließen die Stände Kueler 1606 sogar eine silberne Münze prägen. Um das Geld für den Wiederaufbau der 1603 abgebrannten Prälatur aufzubringen, soll Kueler einem Alchimisten 1.000 fl zur Verfügung gestellt haben, was sowohl bei Bischof Brenner als auch bei der Regierung großes Ärgernis hervorrief. Er unter stütze eine von Papst Johannes XXI. bereits 1317 verbotene Kunst, hieß es von dort. Mit Propst[[ Anton von Potiis]] (1619–1657) erfuhr Seckau neuen inneren und äußeren Aufschwung. In Stiftsdechant [[Thomas Jurichius]] hatte er einen um den inneren Fortschritt bemühten Partner in der Leitung der Mitbrüder. Der Propst sorgte für den weiteren Ausbau des Stiftes. Er erwarb 1635 die Herrschaft Liechtenstein und kaufte 1636 den Prankmairhof in Prank sowie 1646 das Schloss Hautzenbichl neben etlichen Gütern bei Bruck an der Mur, Leoben, St. Michael, Trofaiach, Mautern und im Mürztal. Er errichtete 1625 bis 1628 den 160 m langen Westtrakt und 1640 den Kaisersaal sowie Radmeistersaal (heute Zeichensaal des Abteigymnasiums). An den vier Ecken ließ er ursprünglich mit weißem Blech gedeckte Türme und Schutzwehren errichten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Kleriker ließ Propst Potiis auch an auswärtigen Universitäten studieren. Damals erwarben sie sich akademische Lorbeeren verschiedener Fakultäten. Die erfolgreiche Tätigkeit von Propst [[Maximilian Graf Gleispach]] (1657–1700) als Verordneter im Landtag brachte es mit sich, dass Kaiser Leopold I. Seckau bei seinem Aufenthalt am 21. August 1660 zum Markt erhob und den Propst zum Geheimen Rat ernannte. Gleispach betrieb mit Energie den Exemtionsstreit, konnte aber nicht dessen Abschluss erleben. In der Bautätigkeit übertraf er trotz angeblicher Schulden von 300.000 fl sogar noch seinen Vorgänger. Propst Gleispach hatte im Leobener Baumeister Peter Franz Carlone einen kongenialen Partner für seine Vorhaben gefunden. 1658 bis 1682 setzten sie gemeinsam ihre Ideen um und gaben dem Stift ein neues Aussehen. 1660 wurde auf die Initiative und Finanzierung von Dechant [[Peter Auer]] hin auf der Hochalm für die Senner eine Kirche zu Ehren des hl. Hieronymus, des Viehpatrons, gebaut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem fließenden Übergang entwickelte sich jedoch daraus ein Marienheiligtum und das Patrozinium wechselte in der Folgezeit zu &amp;quot;Maria Schnee&amp;quot; . Die Hochalmkirche ist die höchst gelegene Wallfahrtskirche in der Steiermark und wird besonders zu Mariä Heimsuchung am 2. Juli und Maria Schnee 5. August (seit der Nazizeit an den ersten Monatssonntagen im Juli und August) - heute ergänzt durch den Mutter-Anna-Tag (20. Juli) - von den Pilgern aufgesucht. Zum 300-jährigen Jubiläum wurde die Kirche 1960 gänzlich renoviert und die Wallfahrt neu belebt. 1662 gelangten die Besitzungen um Strelzhof in Niederösterreich durch Verkauf an das Neukloster der Zisterzienser in Wiener Neustadt. Für den Fall einer über die ganze Steiermark hereinbrechenden Invasion der Türken hatte Gleispach mit dem Propst von Berchtesgaden die Evakuierung des Seckauer Kapitels dorthin vereinbart. Seckauer Untertanen planten für den 27. Juli 1683 einen Aufstand gegen das Stift, der jedoch frühzeitig aufgedeckt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anstifter und Rädelsführer wurden sehr hart bestraft. 1696 erhielt das Kapitel neue Statuten. Durch den ehrenden Vergleich von Propst [[Franz Sigismund von Schrott]] (1700–1703) mit Bischof Rudolf Graf Thun am 11. Januar 1701 konnte der beinahe 200 Jahre lang dauernde Exemtionsstreit ohne Gesichtsverlust einer Seite endlich beendet werden. Die angeblich 300.000 fl Schulden aus dem langen Prozess konnte Propst [[Paul Franz Poiz]] (1703–1733) nur durch den Verkauf von mehreren Besitzungen tilgen. Er begann deshalb 1705 auch wieder mit dem Betrieb des Kupferbergwerkes in Flatschach bei Schönberg. Zum Dank für die Abwendung der 1713 wütenden Pest ließ Propst Poiz am Zellenplatz eine Mariensäule aufstellen. Der hochtalentierte DDr. [[Maximilian Mayr]] war vor seiner Wahl zum Propst (1733–1737) beim Seckauer Bischof Dominicus von Lamberg bis 1723 und danach bei dessen Beförderung auf den Passauer Bischofsstuhl als Kanzler tätig. Mit der eigenen Wahl zum Propst endete seine Tätigkeit auf höchster Ebene, um sich voll auf sein Stift konzentrieren zu können. Unter Propst [[Franz Xaver von Waiz]] (1737–1751) konnte der Konvent das 600-jährige Gründungsjubiläum begehen, zu welchem Anlass auch die Jesuitenschüler in Judenburg ein Festspiel aufführten.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Propst [[Josef Urban von Schurian]] (1751–1769) konnte trotz allem Bemühen den wirtschaftlichen Niedergang des Stiftes nicht aufhalten. Diese schwierige finanzielle Situation des Domstiftes brachte den damaligen Seckauer Bischof, Josef II. Philipp Graf von Spaur, auf den Gedanken, das Regular-Domstift Seckau in ein Säkular-Dom stift zu verändern und den Sitz in die Landeshauptstadt Graz zu verlegen. [[Johannes von Poldt]] war als letzter Propst (1770–1782) dem Säkularisierungsplan des Bischofs nicht abgeneigt und dafür noch zusätzlich bereit den Stiftsbesitz dem Meistbietenden zu verpachten, um die anstehenden Schulden tilgen zu können. Der innere Zusammenhalt und die klösterliche Disziplin hatten in diesen Jahren ziemlich gelitten, wie die Visitation von 1776 recht deutlich zeigte. Der Propst legte nun seinem Kapitel Mitte Februar 1780 in einer Kapitelsitzung den Plan zur Säkularisierung vor, wogegen die Kanoniker aber Sturm liefen. Poldt ließ in der Folge alle Kanoniker auf sein Zimmer zu einem Einzelgespräch kommen - der Widerstand blieb bestehen. Erst als er erneuten Druck ausübte und &amp;quot;diesen zu wagenden Schritt auf sein eigenes Gewissen zu nehmen wüste&amp;quot;, erhielt er die Unterschriften des Kapitels zu seinem Vorhaben. Sodann unterbreitete er dieses Vorhaben der Kaiserin Maria Theresia, deren Tod am 29. November 1780 die Ausführung dieses Plans verhinderte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für dessen Umsetzung sorgte aber Kaiser Joseph II. am 13. Mai 1782 in überraschender Weise. Die Dom- und Stiftskirche von Seckau wurde nun zur Pfarrkirche umgewandelt und die Jakobskirche abgetragen. Was nicht niet- und nagelfest war, wurde weggebracht. Ein guter Teil der Bibliothek kam nach Wien. Den Kapitularen blieb nur ihr geringes Eigentum. Jeder erhielt 100 fl für Kleidung, ein Paar silberne Messer, Gabeln und Löffeln und als Pension jährlich 300 fl. Der Prälat hingegen empfing 800 fl und der Dechant 600 fl. Am 12. August 1782 ging der Konvent auseinander. Mit der Einführung des Domkapitels in Graz wurde Poldt zum Dompropst in Graz (1786-1798) ernannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vom Religionsfonds zur Radmeister-Communität Vordernberg 1782–1883=== &lt;br /&gt;
Bei seinem Besuch in Seckau am 12. September 1810 schrieb Erzherzog Johann in sein Tagebuch: &amp;quot;Das Stift Seckau war eines der schönsten ... alles war auf einem guten Fuße und sehr ordentlich verwaltet; jetzt sind die Meierhöfe stückweise verpachtet; die Alpen ebenfalls; die Waldungen werden theils für die eigenen Hammer, theils für Vordernberg benutzt: 11.166 Joch Waldungen, 242 Äcker, 465 Wiesen, 2575 Hutweiden, 1100 Unterthanen, 600 Forst-und Zehentholden, Teiche, Mühlen und ein schönes Hammerwerk, welches jetzt getrennt verwaltet wird. Alles war in Mappen aufgenommen, Seckau im Relief in Holz; alles ist weg; die Einrichtung versteigert und verbrannt, wahrlich Spuren des Vandalismus; der unvergeßliche Kaiser Joseph wurde schlecht bedient.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass die Radmeister-Communität von Vordernberg am 3. November 1823 die „Stiftsherrschaft&amp;quot; Seckau mit einem Waldbestand von 7.400 Hektar auf dem Lizitationsweg um 125.100 fl C.M. aus dem Religionsfonds erwarb. Die Tatsache, dass man große Waldbestände für die Versorgung der eigenen Hochöfen mit Holzkohlen brauchte, war das Hauptmotiv für die Übernahme von Seckau. Auch das Patronat ging in die Hände der Radmeister-Communität über, welche nun für die dringend notwendige Restaurierung des Habsburger-Mausoleums Sorge trug.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Wiederbesiedelung durch Benediktiner 1883 und Neugründung der Abtei Seckau 1887=== &lt;br /&gt;
Durch die im Kulturkampf unter Reichskanzler Otto von Bismarck erlassenen Maigesetze vom 31. Mai 1875 wurden alle Orden in Preußen aufgehoben. Auch der 72-köpfige Konvent der Benediktinerabtei Beuron hatte nach einer neuen Heimstätte zu suchen. Abt Dr. Maurus Wolter wandte sich mit seinem besonderen Problem an Kaiser Franz Joseph in Wien, der ihm zu Hilfe kam. Gut die Hälfte des Konvents lebte nun von 1875 bis 1880 im beinahe leer stehenden Servitenkloster in Volders bei Hall in Tirol. Der Kaiser schenkte den Benediktinern sein Eigenkloster Emaus in Prag 1880, wo sich eine so gute personelle Entwicklung zeigte, dass man schon 1883 an eine Neugründung gehen musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ihm Dompropst Alois Karlon, Abgeordneter zum Reichsrat, und dessen Bruder Johann Karlon davon berichteten, bot Bischof Johann Baptist Zwerger von Seckau den Benediktinern nun das ehemalige Dom- und Chorherrenstift an der„ Wiege&amp;quot; seiner Diözese in Seckau an. Die Radmeister-Communität Vordernberg verkaufte deshalb die Herrschaft &amp;quot;Seckau&amp;quot; um 70.000 fl samt den nicht ganz 240 Hektar Grundbesitz an die Beuroner Benediktiner, wobei offiziell Dompropst Prälat Alois Karlon als Käufer auftrat. Mit 9. Juli 1883 trafen bereits die ersten Mönche ein, um den Einzug der Benediktinerkommunität vorzubereiten. Am Fest Mariä Geburt, am 8. September 1883, wurde der Geburtstag von Neu-Seckau in Gegenwart des Bischofs Zwerger, des Abtes Maurus Wolter von Beuron und der 16-köpfigen Ordensgemeinschaft gefeiert. Nach 100 Jahren wurde die Kirche wieder von klösterlichem Gesang und Gebet erfüllt. Zwischen 1885 und 1887 war das junge Priorat sogar Sitz des Beuroner Erzabtes. Nach einer kurzen Einführungsphase wurde das Kloster Seckau mit 3. Juli 1887 zur eigenständigen Abtei erhoben. Kraft eines päpstlichen Dekrets wurde die Abteikirche mit 7. Oktober 1930 ausgezeichnet und erhielt den Rang einer ''Basilika minor''. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Abteischule wurde am 9. Juni 1931 zum „Abteigymnasium&amp;quot; mit Öffentlichkeitsrecht ernannt. Kurz nach dem 800-jährigen Gründungsjubiläum am 10. Januar 1940 wurde die Abtei durch die Geheime Staatspolizei aufgehoben. Das Gebäude diente während des Zweiten Weltkriegs zur Ausbildung von Burschen durch die NAPOLA. Am 8. September 1945 konnte Abt Benedikt wieder sein Kloster in Besitz nehmen, auch wenn dieser Schritt durch die gesetzliche Rückstellungsverordnung erst mit 16. Juni 1947 offiziell vollzogen wurde. Zur liturgischen Erneuerung leisteten die Seckauer Mönche durch die Pflege des Choralgesangs und ihre einschlägigen Veröffentlichungen einen unverzichtbaren Beitrag. Gerade die mit der Erneuerung des Lebens aus christlichem Geist bemühte Jugendbewegung „Bund Neuland&amp;quot; schöpfte aus den Impulsen und der Spiritualität des benediktinischen Mönchtums. Die wirtschaftliche Grundlage der Abtei war von Beginn an unzureichend. Die notwendigen Umbau- und Renovierungsarbeiten besonders der 1980er Jahre bedeuteten beinahe den finanziellen Ruin. Der seit 1933 von 91 auf inzwischen 20 Mönche verkleinerte Konvent erfreut sich aber eines ausgezeichneten Rufes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konföderationen== &lt;br /&gt;
1305 standen die Seckauer Chorherren mit einem weiten Kreis an Klöstern in enger Verbindung und mit welchen sie sich geistlich verbrüdert wussten. Zunächst waren das folgende Chorherrenkonvente: Domkapitel Salzburg, Gurk, St. Andrä im Lavanttal, Klosterneuburg, Herzogenburg, St. Andrä an der Traisen, Reichersberg, Waldhausen, Berchtesgaden, Neustift bei Brixen und Oberndorf. - Zu diesen kamen auch Klöster anderer Orden hinzu: St. Peter Salzburg, Admont, St. Lambrecht , St. Paul im Lavanttal, Kremsmünster, Rein, Neuberg, Garsten, Suben, Vornbach, Baumburg, Gleink, Lambach, lndersdorf, Gars, Au, St. Zeno in Reichenhall, Heiligenkreuz, Chiemsee, Gries bei Bozen, Ranshofen , Göttweig, Dürnstein, Lilienfeld, St. Maurice, Niederaltaich, Langenzenn, Ossiach und St. Michael an der Etsch. Eine ganze Reihe an Konföderationsurkunden ist uns erhalten geblieben. Bisweilen wurden sogar bestehende Konföderationen erneuert und wiederum bestätigt: Dominikanerprovinz Österreich (1270), Franziskanerprovinz Italien (1282), Gurk (1295), Stainz (1296 ), Vorau (1302), St. Florian (1302), St. Pölten (1302), St. Nikola in Passau (1304), St. Paul im Lavanttal (1305), Stainz (1311), Rein (1319), St. Andrä an der Traisen (1330), Neustift bei Brixen (1331), St. Andrä an der Traisen (1334), Neustift bei Brixen (1336), St. Peter in Salzburg (1346), Klosterneuburg (1372), Kremsmünster (1373), St. Lambrecht (1377), Reichersberg (1377), Herzogenburg (1377), Eberndorf (1395), Waldhausen (1398), Rein (1411), Admont (mit Propst Ulrich Colusser 1414- 1436), Neuberg (1424), Rebdorf (1442), Garsten (1478), Gleink (1495), Heiligenkreuz (1495), Lambach (1495), Chiemsee (1496), Gries bei Bozen (1496), lndersdorf (1496), Ranshofen (1497), Suben (1497), Göttweig (1501), Dürnstein (1502), Lilienfeld (1502), Kremsmünster (1503), Niederaltaich (1503), Langenzenn (1509), Ossiach (1516), St. Peter in Salzburg (1517).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Karitative Tätigkeit== &lt;br /&gt;
Die Chorherren hatten sich nicht nur um die Ordensmitglieder, sondern auch um ihre anvertrauten Laien im Stift und auf den inkorporierten Pfarren zu kümmern. Die Sorge für Arme und Kranke war im Mittelalter ja vornehmlich Aufgabe der Kirche. So errichtete auch Propst Wernher in der Nähe des Stiftes ein Hospiz und ein Armenhaus mit einer dem hl. Jakob 1194 geweihten Kapelle, die bei der Abtrennung Seckaus von Kobenz 1197 Pfarr- bzw . Leutekirche wurde und es bis zur Aufhebung 1782 blieb. Bald danach wurde sie jedoch geschleift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Nekrolog des Armenspitals informiert über die einstigen Insassen vom 12. bis zum 14. Jahrhundert. Mit dem übrig gebliebenen Kapital des 1488 ausgestorbenen und 1491 aufgehobenen Chorfrauenstiftes ließ Propst Dürnberger ein Spital bauen, welches am 5. August 1502 eingeweiht wurde. Für die Insassen dieses Armenspitals galten eigene Statuten, die auf einer Holztafel aus dem 17. Jahrhundert überliefert sind. Von diesem Dürnberger-Spital ist heute nur noch die Luziakapelle als Kleinod gotischer Architektur und spätgotischer Wandmalereien erhalten. Die Reste des Spitals wurden 1912 abgerissen. Die Klosterschule (''schola interna'') besuchten nicht nur die eigenen Kleriker, sondern stand auch für Schüler offen (''schola externa''), die weltliche Berufe ergreifen sollten. Diese Schule war insofern auch ein unverzichtbarer sozialer Beitrag zur Ausbildung von Personen, die einmal hohe Verantwortung übernehmen sollten. Auch das Bruderschaftswesen ist hier zu erwähnen, zumal sich dort religiöse wie soziale Motivation trafen. U.a. sei hier etwa an die &amp;quot;Aller Christgläubigen Bruderschaft&amp;quot; in der Maria-Magdalenen-Kapelle erinnert, die Propst Haller 1377 gründete. 1480 errichtete Propst Enstaler die Liebfrauenbruderschaft zum Dank für die Befreiung aus Türkennot. 1486 wurde in der Basilika die Mariä-Opferungs-Bruderschaft eingeführt. Im 17. Jahrhundert kamen auch die Arme-Seelen- und die Sebastianibruderschaft sowie 1753 die Namen-Jesu-Bruderschaft dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Klosterschule== &lt;br /&gt;
In Seckau wurde schon früh eine Schule geführt. In einer Urkunde von 1156 wird von einem Udalricus berichtet, der einst im Kloster Seckau mit den Kanonikern erzogen, jetzt zum jungen Mann herangewachsen ist. Damit finden wir die ''schola interna'' angesprochen, welche sich als &amp;quot;Konventschule&amp;quot; um die Ausbildung des Ordensnachwuchses kümmerte. 1197 machte Erzbischof Adalbert III. für diese Schüler eine Spende (''oblatio puerorum''). Die Besucher der ''schola interna'' trugen die Tonsur wie die Chorherren. Beim gemeinsamen Gebet in der Schule wurden die Schüler mit Weihwasser besprengt. Beim Gottesdienst trugen sie eigene Umhänge und waren als Sänger der gregorianischen Choräle unverzichtbar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausbildung jener Schüler, die weltliche Berufe ergreifen wollten, versah die ''schola externa'', welche auch außerhalb der Klausur untergebracht war. Mit der Erhebung des Stiftes zum Domstift wurde die ''schola externa'' 1218 zu einer Domschule. Ihre Schüler trugen weltliche Kleidung. 1242 wurde vom Bischof vorgeschrieben, dass die Schüler künftig nicht mehr im Kloster, sondern im Ort zu wohnen hätten. Der ''Scholasticus'' war mit der Leitung der Schule betraut und wurde direkt vom Propst eingesetzt. Ihm unterstanden der Regenschori und ein Kantor, die ihn beide in der Leitung der Domschule unterstützten. Im Chorherrn Rudolf verstarb 1289 der frühest bekannte Scholasticus. Dann ist erst wieder Michael Bruchlius 1613 genannt und danach die geschlossene Reihe der Scholastiker bis 1782. Nach 1300 scheint das Bildungsniveau gesunken zu sein, da bei der Propstwahl von &lt;br /&gt;
1383 einige Chorherren nicht einmal schreiben konnten. Zum Vergleich sei darauf hingewiesen, dass etwa in St. Lambrecht 1387 kein einziger Mönch schreiben konnte. Um 1500 gab es in Seckau diese Form der Schule nicht mehr. Die Aufgaben des Scholastikers versahen nun der Regenschori und der Kantor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaftliche Tätigkeit== &lt;br /&gt;
Einige Chorherren waren besonders talentiert bzw . wissenschaftlich interessiert. So haben 68 Seckauer Kleriker an der Universität in Graz studiert, 15 aber auch andere Universitäten besucht: jeweils ein Chorherr inskribierte in Ingolstadt, Mainz, Padua, Rom, Salzburg und Trier, drei in Dillingen und sechs in Wien. 83 der insgesamt 396 Kanoniker besuchten eine Universität, was 21 % entspricht. 15 von diesen brachten es dann sogar bis zur Doktorwürde. Was aber wissenschaftliches Arbeiten nach dem Studienabschluss betrifft, sind nur wenige Informationen bekannt. Im Steiermärkischen Landesarchiv werden einige wenige Manuskripte theologischer Abhandlungen aufbewahrt, weiters sind einige historische Werke erhalten geblieben, die einen guten Einblick zur Seckauer Geschichte liefern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leonhard Arnberger (1541–1560) verfasste den frühesten Pröpstekatalog. Propst [[Jakob Waschl]] (1560–1566) erstellte wiederum einen Katalog der Pröpste samt ihren Wappen. Die leiblichen Brüder Johannes und Thomas Jurrick aus Wittgenau, die in der latinisierten Form ihres Namens, &amp;quot;Jurichius&amp;quot;, bekannt geworden sind, haben für Archiv und Bibliothek wertvollste Arbeit geleistet. [[Thomas Jurichius]] (1589–1658) war ab 1622 Stiftsdechant und verfasste die wichtige Urkundensammlung „Chronicon sive Diplomatarium Seccoviense&amp;quot;. Seinem Bruder [[Johannes Jurichius]] (1616–1671) ist der &amp;quot;Liber benefactorum Ecclesiae Seccoviense&amp;quot;, das Wohltäterbuch der Seckauer Kirche, und der „Rapsodus seu Index Rerurn &amp;quot;, ein Archivkatalog, zu verdanken. Großartiges leistete wieder der unermüdliche [[Matthias Ferdinand Gauster]] (1699–1749), Autor des umfangreichen vierhändigen „Praesulatus Seccoviensis&amp;quot; und der „Collectanea ad Praesulatum Seccoviensem&amp;quot;. Seine Aufzeichnungen haben auch durch qualitätvolle Aquarelle dokumentarischen und kunsthistorischen Wert. Des weiteren stammen aus Gausters Feder das &amp;quot;Viridarium Rituum&amp;quot;, die vierbändigen &amp;quot;Monum entorum Seccoviensium&amp;quot; und die &amp;quot;Diarii Seccoviensis&amp;quot;. Auch der letzte Seckauer Archivar, [[Georg Scheidl]] (1750–1835), schrieb eine kompakte Geschichte der Seckauer Dompröpste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Von seinem Vater hatte Adalram von Waldeck ein schönes Erbe erhalten: Waldeck im Pittener Land mit den Dörfern Strelz, Willendorf, Dreistetten, Wopfing, den Hof Badendorf mit drei Weingärten wie Gerasdorf mit seinen Weingärten und Zubehör, den Hof am Kamp und an der Erlach sowie Starhemberg. In Oberösterreich nördlich der Donau besaß er Waltenstein mit den Gütern auf dem Windberg, je drei Weingärten zu Aschach und Pesenbach, die Höfe Eppenberg, Erbenberg, Ottens heim und Lindham. Zu diesen kamen noch die oststeirischen Besitzungen Kumberg, Arndorf, Hainersdorf, mit Lebern südlich von Graz und Leutzendorf. Dazu erhielt er noch Feistritz, den ersten Gründungsort des Stiftes Seckau. Fast seine gesamten Besitzungen übergab Adalram dem Salzburger Erzbischof mit 10. Januar 1140 zur Gründung eines Chorherrenstiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgestattet durch dieses Dotationsgut hatten sich die ersten Chorherren zunächst einmal in Feistritz einzuleben und die Grundlagen für ihr Fortkommen zu sichern. Die Befreiung von jeglichen steuerlichen Abgaben war als Erleichterung zu sehen, wie es in der Gründungsurkunde festgelegt war. Das erste Kloster stand, wie die Tradition weiß, im Bereich des späteren pfarrlichen Wirtschaftsgebäudes von St. Marein. Dieser Ort erwies sich jedoch als ungeeignet, weshalb man sich schon bald zu einem Neubeginn in Seckau entschloss. Neben dem Dotationsgut des Gründerehepaares vergrößerte sich der Besitz durch weitere Schenkungen aus weltlicher und geistlicher Hand. Seckau besorgte nun wiederum die Errichtung von Kirchen und Kapellen für seine Untertanen. In den Seelgerätstiftungen an das Seckauer Kloster trafen sich die spirituellen Interessen der Stifter mit den materiellen Hoffnungen der jungen Klosterkommunität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1170 widmete der Erzbischof auf Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Seckauer Propstes hin eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten - wahrscheinlich zur Eisengewinnung - als Unterstützung der Klöster in Seckau und Vorau. Beiden im Aufbau begriffenen Stiften war damit gut gedient. Mit 10. Februar 1171 bestätigte Papst Alexander III. den Seckauer Besitzstand, der sich seit der Gründung schon ein wenig vergrößert hatte. Der Besitzzuwachs von 1171 bis zur Anlegung des ältesten Urbars kam hauptsächlich durch Schenkungen in die ''Oblay'' zustande. Dabei handelte sich vornehmlich um Streubesitz im oberen Murtal, im Palten- und Liesingtal, im Ennstal, zwischen Leoben und Bruck, im Mürztal sowie in der Oststeiermark, bei Leibnitz und in der Untersteiermark bei Witschein. Der Besitz nördlich der Donau gelangte schon bald als Lehen in die Hände der Herren von Ort. Durch die Gründung der Diözese Seckau wurde das Chorherrenstift mit 8. Juli 1218 zum Domstift und damit auch zum Domkapitel erhoben - in seinen Besitzungen wie Rechten aber klar vom Bistum getrennt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Urbar ließ Propst Ortolf in der Zeit um 1270 verfassen. Es hält den trotz der Folgen der Brandkatastrophe von 1259 recht kompakten Klosterbesitz zwischen Judenburg und Kraubath sowie im Gebiet des Hochplateaus um Seckau fest. Von allgemein wirtschaftsgeschichtlichem Interesse sind die Leistungen der darin erwähnten &amp;quot;Schafschwaigen&amp;quot;. Die am Georgi- und Michaelifest zu leistenden Abgaben der Untertanen bestanden nur zum Teil aus Geld. Dem Grundherrn war auch durch die Abgabe von Naturalien gut gedient: Eier, Getreide, Hühner, Käse, Kraut, Kühe und Schafe. Wegen der raschen Verderblichkeit wurde die Abgabe von Fischen in eine Geldleistung umgewandelt. Die Abgaben von gewerblichen Betrieben erfolgten meistens in Geld. Für die Besitzungen in Niederösterreich gab es ein eigenes Urbar, das allerdings nicht erhalten geblieben ist. Nicht unerwähnt darf hier der Silberbergbau am Dobritsch zwischen Friesach und Hüttenberg in Kärnten bleiben. Dort konnte sich Seckau damals sehr maßgebliche Summen erwirtschaften. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des wirtschaftlichen Tiefstandes des Stiftes musste Bischof Wocho (1317–1334) eingreifen. Er gab mit 23. August 1320 gemeinsam mit Propst Christian Feistritzer und Kapitelbeschluss dem Stift neue Statuten, die vor allem ökonomische und disziplinäre Dinge betrafen. Unter Propst Dietmar Cholbo (1339–1346) erreichte das Stift eine Blütezeit in geistlicher und wirtschaftlicher Beziehung. Auch Propst Ulrich III. von Trapp (1382–1414) hatte für die Wirtschaft eine glückliche Hand, sodass er als ''alter fundator'' bezeichnet wurde. Das Urbar des Stiftes St. Florian von 1373 zeigt, dass Seckau seine aus der Gründungsdotation stammenden Besitzungen nördlich der Donau bereits an das verbrüderte Chorherrenstift veräußert hatte. Für Seckau liegen aus dem 14. Jahrhundert allerdings keine Urbare oder urbarialen Aufzeichnungen vor. Die allmähliche Verdrängung der Naturalabgaben durch deren Ablöse in Geld brachte wiederum neue schriftliche Aufzeichnungen der stiftischen Untertanen mit sich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner beinahe 45-jährigen Regierunszeit sorgte Propst Andreas Enstaler (1436–1480) für viele Anschaffungen und Neuerungen im Stift und seinen Pfarren. Mit den erworbenen Gütern kam eine ganze Reihe von Untertanen in der Seckauer Gegend zum Stift. Seckau hatte damals gut 1.200 Untertanen. Die Aufzeichnungen des Stiftsarchivars Matthias Ferdinand Gauster aus dem 18. Jahrhundert machen gerade auch die Besitzveränderungen im Lauf der Jahrhunderte nachvollziehbar. Um 1400 hatte man mit dem Bergbau in Flatschach bei Knittelfeld begonnen und zunächst Gold zutage gefördert. Im Lauf der Zeit wurden aber die Kupfervorräte immer ertragreicher und bedeutungsvoller. Durch die kaiserliche Abforderung der Terz (= eines Drittels der gesamten Einkünfte eines Jahres) 1523, der Kirchenkleinodien - nach der Schlacht bei Mohacs 1526- und der Quart (= eines Viertels) 1528 hatte das Stift jedoch schwere finanzielle Herausforderungen aufgelastet bekommen und konnte sich, trotz eingelegten Protests, nur durch den Verkauf von Gülten um Bruck, im Enns-, Mürz- und Paltental über Wasser halten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1529 beließ der Kaiser jeder Kirche nur mehr einen Kelch und eine Monstranz - der Rest war abzuliefern. Der Kaiser musste alle Mittel ausschöpfen, um im Kampf gegen die Türken bestehen zu können. Vor der Quart (1528) betrug der Seckauer Besitzstand 1752 Pfd. 7 Sch. 9 Pf. - nachher (1540) waren es nur noch 1271 Pfd. und 23 Pf. Damit war das Domstift im Vergleich mit den anderen Stiften des Landes relativ am schlechtesten bestellt. Bischof [[Georg III. von Tessing]] (1536–1541} führte beim Februar-Landtag 1540 deutliche Klage über den schlechten Wirtschaftsstand seines Domstiftes. Gemäß der Gültenschätzung von 1542 wurde das Kloster mit seinen Gütern mit 2.000 fl angeschlagen. Um Schulden zu tilgen, sah sich Propst Leonhard Arnberger (1541–1560) zum Verkauf weiterer Gülten bei Bruck, im Mürztal und in Kärnten bis 1543 gezwungen. Auf den Beschluss des Prager Landtages 1542 veranlasste Propst Arnberger die Gültenschätzung des Stiftes und gab den Anstoß zur Abfassung eines neuen &amp;quot;Urbarpuech zw Seggaw 1543&amp;quot;. Das erhalten gebliebene Urbar verzeichnet keinesfalls den gesamten damaligen Besitzstand. Es muss noch weitere Urbare gegeben haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Brand der Prälatur ließ Propst Sebastian Kueler (1589–1619) sie wieder aufbauen. Er war ein Verwaltungsgenie und zahlte im Lauf der Jahre die stiftischen Schulden zurück, löste die versetzten Grundstücke wieder ein und vermehrte das Stiftsvermögen. 1603 kaufte er der Landschaft in Graz sogar noch den Rauberhof ab und schuf damit den Seckauerhof. Propst Anton von Potiis (1619-1657} brachte weitere Güter in den Stiftsbesitz. So kaufte er 1635 die Herrschaft Liechtenstein um 23.000 fl, 1636 den Prankmairhof in Prank um 10.300 fl und noch 1646 das Schloss Hautzenbichl um 10.000 fl. Georg Ludwig Graf zu Schwarzenberg schenkte 1644 dem Stift Seckau etliche Gülten. 1654 kaufte Propst Potiis das Amt St. Peter im Viertel Vogau mit Weingärten in der Südsteiermark um Luttenberg, Kerschbach, Zvwiankh und &amp;quot;Waiglstorffberg&amp;quot; um 25.000 fl. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift Seckau schürfte im kärntnerischen Gebiet um Wolfsberg nach Silber und fuhr damit bedeutende Summen ein. So war es den Pröpsten des 17. Jahrhunderts möglich, bedeutende bauliche Veränderungen vorzunehmen. Die beabsichtigte Barockisierung der romanischen Basilika fiel jedoch der drohenden Türkengefahr und den damit geringer werdenden Geldmitteln zum Opfer. Nach dem Vergleich im nahezu 200 Jahre währenden Streit mit dem Seckauer Bischof um die Rechte des ''archidiaconus natus'' war Propst Paul Franz Poiz (1703–1733) zur Tilgung der Schulden aus den enormen Prozesskosten zur leidlichen Veräußerung von Gülten und Grundherrschaften gezwungen. So hatte Seckau wieder Besitzungen abzustoßen, die erst im 17. Jahrhundert angekauft worden waren. Die grandiose Bautätigkeit der letzten Pröpste hatte das Stift allerdings in eine missliche Lage gestürzt. So nahm man auch die einst ergiebigen Arbeiten im Kupferbergwerk in Flatschach bei Schönberg 1705 wieder auf. Propst [[Josef Urban von Schurian]] (1751–1769) konnte trotz aller Bemühungen den wirtschaftlichen Niedergang des Stiftes nicht aufhalten. Die schwierige finanzielle Situation des Domstiftes brachte den damaligen Seckauer Bischof, Josef II. Philipp Graf von Spaur, nach dem Ableben von Propst Schurian auf den Gedanken, das Regular-Domstift Seckau in ein Säkular-Domstift zu verwandeln und den Sitz in die Landeshauptstadt Graz zu verlegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Mit 10. Januar 1140 hatte Adalram den eigentlichen Gründungsakt in Friesach vollzogen und bestimmt, &amp;quot;daß man daselbst (in Feistritz) unter der Regel des seligen Augustinus in geistlich und kanonisch festgesetzter Weise lebt.&amp;quot; Damit unterstanden auch die schon früher mit Eigenkirchenrecht errichteten Kirchen von Feistritz, St. Lorenzen und St. Marein bei Prank dem Salzburger Erzbischof, da sich die Regularkanoniker laut ihrem Selbstverständnis im Dienst des Bischofs wussten . Durch die 1151 erfolgte Inkorporation der Pfarre Kobenz in das Chorherrenstift Seckau wurde dem Propst die Funktion des Archidiakons übertragen, da mit der Mutterkirche St. Rupert der Sitz des Archidiakons für die obere Mark verbunden war. Ab nun nannten sich die Stiftspröpste auch &amp;quot;archidiaconi nati&amp;quot;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die klaglose Abklärung der Vogteifrage gab es besitzgeschichtliche Voraussetzungen: Durch die Traungauer Urkunde vom 29. November 1182 bestätigte Markgraf Otakar IV. die dem Kloster Seckau von seinem Vater verliehenen Freiheiten. Darin wird auch die Übertragung der Schirmvogtei vom Gründer Adalram auf Otakar III. beim Reichstag zu Regensburg 1152 erwähnt. Vor seinem Eintritt in das Kloster schenkte Adalram dem Markgrafen deshalb Starhemberg und das Dorf Dreistetten samt ritterlicher Mannschaft wohl als Gegengabe zur Übernahme der Vogtei für das Stift Seckau. Die Vogtei über das Stift Seckau übte also der Landesfürst seit 1152 aus. Mit der Gründung der Diözese Seckau am 22. Juni 1218 wurde das Chorherrenstift zum Domstift und damit auch das Stiftskapitel zum Domkapitel erhoben. Zwischen Domstift und Bistum wurde jedoch in den Besitzungen und Rechten klar unterschieden und getrennt. Die Wahl eines neuen Diözesanbischofs war nie Aufgabe des Seckauer Domkapitels gewesen. Der Bischof kam übrigens nur sehr selten nach Seckau. Meistens wurde er hier bloß inthronisiert und zuletzt bestattet, da die bischöflichen Funktionen gewöhnlich auf Schloss Seggau bei Leibnitz oder in Graz vollzogen wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besaßen die Pröpste zunächst keine Zeichen des sie auszeichnenden Amtes, erteilte Papst Innozenz VI. dem Propst Petrus Freisinger 1359 das Recht, die Pontifikalien zu führen. Ein unseliger Streit entbrannte 1497 zwischen Bischof Matthias Scheit und dem Dompropst als ''archidiaconus natus''. Bischof Scheit glaubte sich in Fragen der Jurisdiktion durch das Agieren des Dompropstes beschnitten. Im Bistum bestand die schwierige rechtliche Situation, dass der Bischof bloß die ihm 1218 zugestandenen Ordinationsrechte innehatte, während der Dompropst als Archidiakon im Auftrag des Erzbischofs von Salzburg die übrigen bischöflichen Rechte ausüben konnte. So besaß der Dompropst gegenüber dem Klerus auch das Synodalrecht und versammelte die Geistlichen mindestens einmal jährlich. Die Sorge um den Klerus lag damit wohl auch mehr beim Archidiakon als beim Bischof. Vor allem in Ehesachen übte er auch zusätzlich die kirchliche Gerichtsbarkeit aus. Jede Appellation ging von seinem Forum nicht etwa an den Bischof von Seckau, sondern richtete sich an den Erzbischof von Salzburg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich Bischof Scheit selbst dem päpstlichen Entscheid in dieser heiklen Frage nicht fügte, wurde er abgesetzt und exkommuniziert. Die Streitsache sollte aber erst nach 200 Jahren mit einem Vergleich im Jahr 1701 zu einem Ende gebracht werden. Damit anerkannte Bischof Rudolf Graf Thun (1687-1702) die völlige Exemtion des Domstiftes. Bereits am 24. November 1498 schloss sich das Stift Seckau unter Propst Johannes Dürnberger der Lateranensischen Kongregation an, weshalb man sich nun auch hier als &amp;quot;Lateranensische Äbte&amp;quot; und &amp;quot;Lateranensische Chorherren&amp;quot; betiteln konnte . &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Seckau ist von Anfang an als gemeinständiges Kloster zu bezeichnen, war also offen für jeden. Insofern finden sich Adelige und Bürgerliche in der Kommunität beisammen, wie es auch dem Seckauer Umfeld entspricht. In den 642 Jahren seiner Existenz sind uns 396 Konventualen bekannt. Die ersten sechs Chorherren kamen 1140 aus dem Salzburger Domstift. Wie qualifiziert ihre Auswahl war, beweist der Umstand, dass drei von ihnen die Propstwürde erlangten: Wernher von Galler (1141–1196) und Gerold von Eppenstein (1196–1216) in Seckau sowie Liupold von Travesse in Vorau (1163–1185). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Seckauer Kapitel hatte zunächst nur geringe Mitgliederzahlen. Erst die Kapitelprotokolle im 15. Jahrhundert tragen zehn bis zwölf Unterschriften, wobei die Kleriker und Novizen dort nicht genannt sind. 1528 gab es etwa 21 Chorherren, während es im Rahmen der landesfürstlichen Visitation von 1544 heißt, dass &amp;quot;ehmals 12 priester und 6 jung herrn gewest, darneben ein bettbrueder&amp;quot; (=Konverse). Jetzt seien aktuell &amp;quot;11 personen und ein jung herr, aber kein bettbrueder&amp;quot; mehr vorhanden. Den personellen Tiefpunkt hatte Seckau 1575 mit verbliebenen fünf Geistlichen erreicht. Um 1700 belief sich die Zahl dann auf 28 bis 30, wie etwa das letzte Protokoll vom 13. Mai 1782 zeigt. Unter Propst Sebastian Prägartner (1531–1541) verstarb der letzte Konverse. Von den 46 bekannten Mitgliedern des 13. Jahrhunderts stammten 18 von Ministerialen ab, drei waren von bürgerlich-bäuerlicher Abkunft. Zu 25 Chorherren gibt es keine näheren Informationen. Das 14. Jahrhundert kennt 67 Kanoniker (28 Ministeriale, 14 Bürger, 21 unbekannt). Mit den 61 Chorherren des 15. Jahrhunderts trat eine Wende ein. Nun überwiegen jene der bürgerlich-bäuerlichen Herkunft, während 15 von ministerialer und acht unbekannter Abstammung sind. Mit dem 16. Jahrhundert nahmen die Adeligen immer mehr ab. Zehn Adeligen stehen 41 bürgerlich-bäuerliche Chorherren gegenüber, gesamt also 51. Von den 76 Domherren des 17. Jahrhunderts entfallen 31 auf den Adel und 45 auf Bürger. Im 18. Jahrhundert ist ein verstärkter Zustrom des neuen Adels im Kloster, ferner des reichen und studierenden Bürgertums, besonders aus Graz, zu verzeichnen. Das führte zu einer Hochblüte des klösterlichen Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 99 Domherren sind 51 adeliger und 48 bürgerlicher Herkunft. Das starke Ansteigen der Chorherren aus Graz ist vermutlich u. a. den vier angesehenen Pröpsten Schrott, Poiz, Mayr und Waiz (1700–1751) - allesamt geborene Grazer - zu verdanken. Nachdem gezählte 68 Seckauer Kleriker auch in Graz die Universität besuchten und im Seckauerhof wohnten, werden wohl auch Freundschaften mit diesen zum Eintritt in Seckau geführt haben. Bezüglich der geographischen Herkunft kann gesagt werden, dass von den gesamt 396 Kanonikern 256 aus der Steiermark abstammen. Bei 54 ist die Herkunft nicht bestimmbar, wird aber auch zumeist die Steiermark sein. Die restlichen 86 verteilen sich auf 14 Diözesen, wobei wieder aus Gurk 22 und aus Wien 26 abstammten. Die verbleibenden 38 kamen aus Aquileja, Augsburg, Bamberg, Breslau, Brixen, Hildesheim, Lavant, Magdeburg und Olmütz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Rahmen der Besiedelung hat der Gründungskonvent aus Salzburg 1140 wohl nur einzelne Bücher mitgebracht. Die Handschrift 408 der Universitätsbibliothek Graz aus der Schreibschule des Erzbischofs Arno um 800 war nachweislich darunter. Ab nun hatte man für die Vermehrung der Bibliothek selbst zu sorgen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im hiesigen Skriptorium sollten Handschriften mit hervorragender Qualität entstehen, für deren Herstellung fleißige Chorfrauen und Chorherren sorgten. Bekannt unter ihnen ist der Schreiber Bernhard, der als Kustos und Bibliothekar die Schreibschule leitete und selbst viele Bücher schrieb, als Notar die Traungauer begleitete und spät er dem Stift Vorau 1185 bis 1202 als Propst vorstand. Auch in Vorau finden sich Codices mit seiner Schrift bzw. Seckauer Provenienz, wie vermutlich bei der Gründung des Stiftes Stainz 1229 Handschriften aus Seckau auch dorthin gelangten. Weitere Schreiber des 13. Jahrhunderts waren etwa Pipinus, Waltherus, Francho, Johannes, Konrad und Engelbert und Dietreich im 14. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwähnenswert sind Hs. 807, ein Graduale des 12. Jahrhunderts, welches das älteste deutsche Beispiel einer Choralnotation auf vier Zeilen bringt, während Hs. 1501 mit ihrer &amp;quot;Heinrichslitanei&amp;quot; für Germanisten von Bedeutung ist. Besondere Beachtung errang wiederum Hs. 756, welche die ältesten deutschen Kirchenlieder der Steiermark (größtenteils Übersetzungen lateinischer Hymnen und Sequenzen) enthält und auch die Überlieferung der mittelalterlichen Osterliturgie mit den frühesten deutschsprachigen Osterliedern &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot; und &amp;quot;Es gingen drei vrouwen&amp;quot; niederschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Versuch der Verbindung des Kirchenvolkes mit der liturgischen Gemeinschaft zeugt etwa auch die Seckauer Weihnachtskomplet aus dem Jahre 1345, wobei sich hier besonders auch der beliebte weihnachtliche Volksbrauch des sog. &amp;quot;Kindlwiegens&amp;quot; wiederfindet. Unter Propst Dürnberger (1480-1510) wurde das Graduale und &amp;quot;Sequentiarium Seccoviense&amp;quot;, Hs. 17, geschrieben, das mit seinen wunderbaren Initialen, Miniaturen, Ranken mit Bildern aus der Pflanzen- und Tierwelt nach der Natur, den künstlerischen Realismus des 15. Jahrhunderts wiedergibt. Die Initiale auf fol. 217v zeigt den Stiftsgründer Adalram samt Modell des Domes mit seinen beiden verschiedenen Türmen, womit dieser Abbildung baugeschichtliche Bedeutung zukommt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Blütezeit der Seckauer Schreib- und Malkunst fällt in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts und hält im 13. Jahrhundert an. 71 Seckauer Handschriften des 12. Jahrhunderts befinden sich heute in der Universitätsbibliothek Graz, was auf eine erstaunlich produktive Schreibschule schließen lässt. Zu den Zimelien gehören vor allem die von den Chorfrauen erzeugten Handschriften. H. 286, ein Psalterium aus der Zeit um 1150, zeigt im Widmungsbild auf fol. 62v etwa die Stiftsgründerin Richinza und die vermutliche Meisterin Chunigundis. Hs. 287 enthält das älteste deutsche Marienlied der Steiermark, eine &amp;quot;Mariensequenz&amp;quot;, die eine Übertragung der lateinischen Sequenz &amp;quot;Ave praeclara maris stella&amp;quot; darstellt. Hs. 1505, das Gebetbuch einer Nonne, ist nicht nur eine Sammelhandschrift des 12. Jahrhunderts u. a. mit deutschen Gebeten und einem ungewöhnlichen Wurmsegen (fol. 133r). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert liefern die Chorfrauen verlässliche Kontinuität ihrer Schreibkunst und in der Technik des Federzeichnens. Bücherlegate waren willkommen. Bischof Matthias Scheit (t 1512) etwa vermachte seine umfangreiche Bibliothek mit ca. 100 Inkunabeln dem Domstift. Diese Bände wurden in Seckau rubriziert und mit Initialen versehen. Etliches davon ging im Josephinismus durch den Bibliothekar Herzl der Universitätsbibliothek in Graz verloren, da dieser aus der Scheit-Bibliothek Verkäufe an die Universitätsbibliothek in Lemberg tätigte. Nach der Aufhebung des Stiftes Seckau 1782 kamen aus Seckau 341 Handschriften, 200 Inkunabeln und rund 700 andere Druckwerke über Wien nach Graz und wurden dort der Universitätsbibliothek eingereiht. Anhand der Kataloge hatte man zunächst Spezialwerke nach Wien geholt, um sie dann aber wieder nach Graz abzugeben. Vieles ging aber gleich direkt nach Graz. Der im 18. Jahrhundert angelegte &amp;quot;Catalogus antiquus bibliothecae Seccoviensis&amp;quot; (Universitätsbibliothek Graz Hs. 2039) verzeichnet 3.178 Werke. Rund 1.300 von diesen sind heute noch erhalten. Der ehemalige Bibliotheksraum der Augustiner-Chorherren, 1660 gebaut, wurde später von den Benediktinern zu einem Refektorium umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
Nur die mündliche Tradition weiß noch davon zu berichten , dass sich das ehemalige Chorherrenkloster, von dem natürlich keinerlei Reste mehr zu entdecken sind, im Bereich des späteren Wirtschaftsgebäudes des Pfarrhofes in St. Marein befunden habe. Mit vereinten Kräften ging man an die Errichtung des Klosters in Seckau, das zunächst wohl hölzerne Gebäude erhielt. Der entdeckte Sandsteinbruch sollte das benötigte Baumaterial für die geplanten Gebäude liefern. Das erste Gotteshaus der hiesigen Chorherren war die Magdalenenkapelle, deren Altar noch vor 1152 geweiht wurde. Dieser romanische Rundbau barg im unteren Teil eine Art Gruft, im oberen Teil die Kapelle. Wenige Meter hinter der Apsis der Basilika sind heute noch ihre Mauerreste zu sehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in Seckau ordnete man die Räumlichkeiten anhand des traditionellen Grundrisses für die Errichtung von Klöstern an, wie er laut dem Schema von St. Gallen aus dem 9. Jahrhundert bekannt ist, welches auf die althergebrachte Praxis der Römerlager zurückging. Wahrscheinlich waren die Baumeister und Steinmetze für den Bau der Klosterkirche 1142 aus Sachsen gerufen worden. Die Basilika entstammt der Bauschule Hirsau (Vorbild St. Godehard in Hildesheim) mit ihrer schlichten Grundrissform (61,6 m lang), dem Wechsel von zwei Säulen mit einem Pfeiler, den drei Apsiden und zwei Türmen an der Westfront. Breite (7,90 m) und Höhe (15,87 m) der Kirche stehen zueinander im für die Hirsauer Schule üblichen Verhältnis 1:2. Erzbischof Konrad I., der ja in seinem mehrjährigen Aufenthalt in Hildesheim die dortige Kultur und Kunst kennengelernt hatte, stand wohl als Initiator für die Berufung der sächsischen Bauhütte nach Seckau im Hintergrund. Es sind uns keine Namen von Baumeistern außer den beiden Maurern (''cementarii'') Gundram und Heinrich überliefert, die hier mühsame Arbeit leisteten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf alle Fälle waren Fachleute am Werk, da man ihre romanischen Steinmetzzeichen auch in Kärnten wieder erkannte. Bischof Hartmann von Brixen weihte die Kirche und den Hochaltar am 16. September 1164. In der Basilika war auch ein Lettneraltar für die Laien errichtet worden. Erst 1601 wurde der Dreikönigsaltar mit seinen plastischen Darstellungen durch einen neuen Hochaltar ersetzt. Der eigentliche Innenraum der dreischiffigen romanischen Basilika bis zum Chor ist unversehrt erhalten und übt eine überwältigende Raumwirkung aus. Im Westen finden sich zwei quadratische Türme mit Vorhalle und im Osten drei Apsiden in einer Flucht neben einander, welche allerdings 1892 durch den Einbau eines Querschiffes verändert wurden. Der nördliche der beiden Achteckpfeiler in der Basilika trägt sechs Hochreliefdarstellungen, um deren Bedeutung lange gerätselt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reliefs gliedern sich in zwei Gruppen zu je drei Darstellungen gegen Westen und Osten. Auf der Westseite finden sich Moses, ein Bischof und ein Rind, auf der Ostseite ein Mensch mit Buch, ein Adler mit einem nackten Kauernden sowie ein Löwe abgebildet. Im Kontext der zeitgenössischen Ikonographie und der Theologie des Rupert von Deutz ergeben sich jedoch eindeutige Hinweise, dass sich hier beim Achteckpfeiler ehemals der Standort des Taufbrunnens befunden haben muss. Die vier Wesen erscheinen als symbolische Abbilder der ''principalia sacramenta'', nämlich der Menschwerdung, Passion, der Auferstehung und Himmelfahrt Christi. Das Menschwesen symbolisiert die ''incarnatio'', das Rind die ''passio'', der Löwe die ''resurrectio'' und der Ad er schließlich die ''ascensio'' Christi. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das westlich situierte Bild des Rindes weist auf den Opfertod Christi, während gegenüber Mensch, Adler und Löwe auf den Triumph Christi und die Erlangung des Heils verweisen . Der Adler symbolisiert die Himmelfahrt Christi, der die Seinen - den nackten Kauernden - mit sich zum Vater führt. Der Bischof vollzieht am Täufling die genannten Stationen christlicher Erlösung. Moses, als nachdenklich er Prophet dargestellt, nimmt auf die Taufe Bezug, indem er mit dem Stab auf das Quellwunder bzw. auf den Durchzug durch das Rote Meer verweist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achteckform des Pfeilers ist als Symbol für die Auferstehung zu deuten, während durch die Sechszahl der reliefierten Pfeilerseiten auf den sakramentalen Tod des Menschen mit Christus im Taufritus angespielt wird. Zu den bis heute erhalten gebliebenen Schätzen aus der Romanik gehört auch die berühmte Kreuzigungsgruppe aus der Zeit um 1160, die unter Propst Dürnberger um 1490 aus der Basilika entfernt und in der Pfarrkirche St. Jakob aufgestellt wurde, wo sie bis zu deren Abtragung 1786 verblieb. Danach wurde der Kruzifixus in einer Wegkapelle beim Vorwitzhof, in der Ortsgemeinde Gaal gelegen, aufgestellt. Die Assistenzfiguren wurden mit einem etwas jüngeren Kreuz vereinigt und kamen 1890 wieder an den ehemaligen Standort unter dem Triumphbogen des Mittelschiffes in der Basilika. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1930 konnte das Bundesdenkmalamt den Verkauf des &amp;quot;Gaaler Kruzifixus&amp;quot; in das Ausland gerade noch verhindern. Heute befindet sich dieses Kreuz im Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck. In die Zeit zwischen 1164 und 1181 fällt die Weihe der Margarethenkapelle an der Nordseite der Basilika. Hier verrichteten angeblich die Chorfrauen ihre Gebetszeiten. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erfolgte die Gotisierung der Kapelle und der Patroziniumswechsel zur hl. Barbara. Mit dem Aussterben des Frauenkonvents wurde die Kapelle 1590 von Bischof Martin Brenner als Grablege der Bischöfe bestimmt und ist seither als Bischofskapelle bekannt. Brenner wollte die Bischöfe und die Landesfürsten (Habsburgermausoleurn) im Tode nebeneinander ruhen sehen, da man auch im Leben für die Erhaltung des katholischen Glaubens vereint gestritten hatte. Bischof Brenner ließ dort 1595 Porträts von 32 seiner Vorgänger im Bischofsamt ''al Fresco'' malen und mit Texten aus der Hl. Schrift versehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier befindet sich seit 1950 auch der berühmte Dreifaltigskeits- oder Mariä-Krönungs-Altar von 1489, der wahrscheinlich von einem Südtiroler Schnitzer stammt. Heute dient die Bischofskapelle als Taufkapelle. Erst nach ihrer Weihe 1164 erhielt die Kirche im Westen Türme. Den südlichen, der von der Giebelwand getrennt war und frei stand, ziert das Wappen von Propst Wernher (t 1196). Der Nordturm wurde erst unter Bischof Wocho 1333 vollendet und im vierten Stockwerk als Achteck ausgeführt, wie eine Miniatur in Hs. 17, fol. 217 belegt. Das Seckauer Gnadenbild aus dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts - &amp;quot;Unsere liebe Hausfrau&amp;quot; bzw. &amp;quot;Ursprungsbild&amp;quot; genannt - stellt die thronende Gottesmutter mit dem Christusknaben am Schoß in einem Alabaster- bzw. Jaderelief dar. Die Nikopoia dürfte einer venezianischen Werkstatt mit byzantinischem Vorbild entstammen und befand sich zunächst in der Chorfrauenkapelle, kam dann in den Kreuzgang bzw . wurde im Kapitelsaal über dem Eingang zur Liechtensteinkapelle aufgehängt und wurde immer viel besucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitelsaal wurde wegen des Gnadenbildes auch &amp;quot;Ursprungskapelle&amp;quot; genannt. Auf welchem Weg bzw. durch wen das &amp;quot;Ursprungsbild&amp;quot; nach Seckau kam, dafür gibt es keine Belege. Schon mit 17. Dezember 1332 wurde von Papst Johannes XXII. in Avignon ein vierzigtägiger Ablass für den Besuch des Bildes erteilt, wodurch sich Seckau zu einem wahren Wallfahrtsort entwickelte. Das Gnadenbild wurde 1789 auf den Hochaltar übertragen bzw. 1883 in der Bischofskapelle aufgestellt. 1953 wurde das Bild von Br. Bernward Schmid OSB neu gefasst und fand 1954, anlässlich des &amp;quot;Marianischen Jahres&amp;quot;, in der Sakramentskapelle den nunmehrigen Platz zur Verehrung. Nach dem Stiftsbrand vom 7. Nov. 1259 erstand das Kloster wieder auf die Initiative und gute Wirtschaftspolitik des neuen Propstes Ortolf von Prank (1259–1289) und die Tatkraft des Konversen Wilhalmus hin, der das Kloster, vor allem aber die Basilika, Decken und Kreuzgang mit St-Johann-Baptist-Kapelle (Fresken mit der Vita St. Joannis Baptistae um 1280 in 17 Szenen) aufbaute. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die Autorenschaft des Freskenzyklus mit der Johannesvita kommt am ehesten der ''constructor monasterii conversus Wilhalmus'' in Frage. Beachtung verdient auch das Tympanonrelief von 1260 über dem Portal der Basilika, welches die Madonna mit dem Kind auf einem von zwei Löwen begrenzten Thron darstellt. Seit Ende des 15. Jahrhunderts befand es sich über dem Sakristeieingang, seit 1964 über dem Westportal der Basilika. Aufgrund der guten Beziehungen zu Propst Ortolf und zu den Chorherren erwählte der letzte Minnesänger, Ulrich von Liechtenstein, Seckau zum Ort einer Grabstätte für sich und seine Familie. Er begann mit dem Bau einer Kapelle in unmittelbarem Anschluss an den romanischen Kapitelsaal im Osten des Kreuzganges, verstarb aber bereits 1275, weshalb sein Sohn Otto den Bau fortsetzte und vollendete. Bischof Wernhard weihte diese frühgotische Kapelle am 6. Mai 1279. Da die Kosten für die dringend notwendige Renovierung der Kapelle und ihren reichen Freskenschmuck nicht aufzubringen waren - von Seiten des Staates bestand nach der Aufhebung des Stiftes kein Interesse - wurde 1837 durch den Verwalter der Radmeister-Communität, Leopold von Pebal, die Abtragung veranlasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pebal hatte die Kapelle zuvor wen gstens genau vermessen und dokumentieren lassen. Demnach handelte es sich bei dem Bau um einen aus drei Jochbögen bestehenden mit Rippengewölbe überspannten Raum, der nach Osten mit einem aus sieben Seiten des Zwölfecks gebildeten Chorabschluss. Innen war die Kapelle mit Fresken ausgestaltet und nach außen durch Strebepfeiler gestützt. Aus der Zeit vor 1400 stammt das Seckauer Vesperbild in der Basilika, eine Vollplastik aus Lindenholz, die in enger Verbindung mit dem Klosterneuburger Vesperbild steht. Mit Propst Andreas Enstaler (1436–1480) begann eine der produktivsten Zeiten in der Seckauer Kunstgeschichte. Trotz schwieriger Zeitumstände, wie es die drei &amp;quot;Gottesplagen&amp;quot; Türken, Pest und Heuschrecken waren, konnte er Großartiges leisten. So ließ er 1438 von Hans Mitter aus Judenburg und 1443 eine Glocke gießen, von welchen nur mehr die St.-Augustinus-Glocke erhalten ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1437 begann der Bau der spätgotischen Kirche von St. Marein durch den Admonter Baumeister Niklas Velbacher, wie die Inschrift von 1445 besagt. Geweiht wurde die Kirche aber erst 1491. Auch für die Seckauer Basilika ließ Enstaler Kunstwerke anschaffen: 1439 einen zierlichen Kronleuchter aus Bronze, der ursprünglich über dem Grabmal des Stifters, jetzt vor dem Mariä-Krönungs-Altar in der Bischofskapelle hängt; 1459 das Weihwasserbecken, ein sog. &amp;quot;Quendelstein&amp;quot;, das heute in der Vorhalle der Basilika steht; mehrere Epitaphien sind beachtenswert: der Grabstein des Bischofs Georg I. von Lembucher (1443–1446), des Bischofs Georg II. von Überacker (1452–1477), des Edlen Johannes Prancker von Prank (1450) sowie der Meisterin des Chorfrauenkonventes Agnes Enstaler (1455), der leiblichen Schwester des Propstes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert sind die beiden Seckauer Chorherren, der Maler Albert (verstorben unter Propst Andreas Enstaler) und der Steinmetz Marcus Male (t 11. April 1495 an der Pest) als Meister ihres Faches bekannt. Letzterer schuf u.a. das Netzgewölbe in der Basilika . Propst Johannes Dürnberger (1480–1510) ging als Kunstmäzen in die Geschichte ein. Er besorgte die Wiederherstellung und 1490 die Neuausstattung mit Gewölbemalereien der durch die Türken schwer beschädigten Kirche von St. Marein. Im Dom ließ er mehrere Altäre und auch eine neue Orgel mit 55 Zinnpfeifen von Meister Hans Pruner aus St. Veit an der Triesting um 1500 aufstellen, die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ihren Dienst tat. Sein Wahlspruch ''Ave spes mea, Jesus et virgo Maria'' findet sich auf sämtlichen Kunstwerken seiner Zeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein markante Arbeit aus Dürnbergers Zeit ist auch das Tafelgemälde der Seckauer Gregoriusmesse von 1486, das seit 1986 im Oratorium der Abtei hängt. In der Folge des Türkensturmes rief Papst Sixtus IV. 1481 zum Kampf gegen die Feinde auf. Es wurden deshalb Kardinäle als Kommissäre zur Finanzaufbringung ausgeschickt, die 1482 auch nach Seckau kamen, wie das Gemälde zeigt. Hier wird die Lehre von Papst Gregor optisch umgesetzt, welcher betonte, dass sich Christus in der Eucharistie immer wieder als Schmerzensmann zur Sühne hingibt und sein Blut in den Kelch am Altar fließen lässt. Das Tafelbild hing wohl nicht ganz ohne Grund ursprünglich in St. Marein, das ja unter den Türken besonders zu leiden hatte. Stifter waren die Brüder Zwickl. Laurentius Zwickl war Pfarrer von St. Margarethen an der Raab, während sein Bruder Johannes als Chorherr in Seckau wirkte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Glanzstück voll Liebreiz aus Dürnbergers Schaffenszeit ist der Mariä-Krönungs-Altar oder Dreifaltigkeitsaltar, der 1950 in der Bischofskapelle seine Aufstellung fand. Interessant ist die Darstellung der drei göttlichen Personen in Menschengestalt: Drei bekrönte Häupter entstammen einem einzigen Körper mit zwei Händen, mit denen die Krönung Mariens, die direkt zum Betrachter sieht, vollzogen wird. Die Mittelgruppe wird von einem Doppelkreis mit einer Fülle von Gestalten der Heilsgeschichte umgeben. Der Altar wurde 1489 geweiht, wechselte öfters seinen Standort und diente vorübergehend 1848 bis 1893 sogar als Hochaltar. Wer dieses Kunstwerk schuf, ist unbekannt. Der Charakter dieses Schnitzwerkes und die guten Beziehungen zum Chorherrenstift Neustift bei Brixen lassen sogar einen Meister aus Südtirol (Hans Klocker, Schüler von Michael Pacher) vermuten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die plastische Gruppe &amp;quot;Vermählung der hl. Katharina&amp;quot;, die Maria mit dem Jesuskind, das der hl. Katharina von Alexandrien den Ring ansteckt, sowie den Apostel Jakobus als Pilger darstellt, verdient besonderes Augenmerk. Sie entstand um 1520 und wird dem Meister von Rabenden zugeschrieben. 1502 wurde die St.-Luzia-Kapelle im Ort eingeweiht, welche mit dem Armenspital aus dem Vermögen des aufgehobenen Chorfrauenklosters errichtet worden war. Obwohl ab 1782 als Gemeindearrest missbraucht, blieben die wunderbaren spätgotischen al-secco-Fresken über Krankheit, Leid und die helfende Caritas (u.a. hl. Elisabeth und hl. Martin) unter der Tünche erhalten und gehören heute zu den Kostbarkeiten von Seckau. 1969 erfolgte die letzte und rettende Renovierung dieser Fresken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn auch Propst Gregor Schärdinger (1510–1531) unter den Forderungen der Terz und der Quart mit großen wirtschaftlichen Einbußen zu kämpfen hatte, besorgte er dennoch einige kunstvolle Neuerungen in den Pfarren und auch im Dom. Gehören die Schnitzaltäre und Tafelgemälde, wie sie für die Pfarren und Filialen angeschafft wurden, noch ganz der Gotik an, bestellte Propst Gregor für den Dom den zierlichen Kreuzaltar 1523, der bereits den neuen Geist der Renaissance atmet. Der aus Neustift bei Brixen stammende Propst Leonhard Arnberger (1541–1560) wurde 1509 in Seckau aufgenommen. Wie auch andere Verwandte seiner Familie hatte er künstlerisches Talent und dürfte wohl vor seiner Zeit in der Stiftsführung auch als Bildhauer gearbeitet haben, gab man ihm doch den Beinamen &amp;quot;plastes&amp;quot;. Es gibt jedoch keine direkten Hinweise auf Werke aus seiner Hand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl II. von Innerösterreich (1564–1590) und seine Gemahlin Maria von Bayern erwählten sich den Seckauer Dom als standesgemäße Grabstätte. Ihre besonderen Verdienste liegen im erfolgreichen Bemühen um die Rekatholisierung ihrer Länder Steiermark, Kärnten, Krain, Görz und Istrien. Propst [[Laurentius Spielberger]] (1566–1587) konnte bei Karl II. 1580 mit seinem Vorschlag der Vision des Propheten Ezechiel (Ez 37, 1-14) als Programm zum bereits 1575 geplanten Mausoleum nicht durchdringen. Szenen aus der Passionsgeschichte nebst Bildern aus Heiligenleben und der griechischen wie römischen Mythologie kamen stattdessen zur plastischen Umsetzung. Dieses Grabmal wurde eine prunkvolle Manifestation der beginnenden Gegenreformation. Zwischen 1587 und 1611 arbeiteten eine ganze Reihe an Künstlern an diesem grandiosen Werk. Der zunächst beauftragte Baumeister Alexander de Verda vollendete die Gruft 1588, während sich dann Sebastian Carlone mit bis zu 24 Gehilfen 1589 bis 1595 um das eigentliche Mausoleum mit dem Kenotaph und die Ausgestaltung kümmerte. Endgültig fertiggestellt war das Mausoleum 1611 mit der Stuckierung der Wände. Dort sieht man obenauf Erzherzog Karl II. und seine Gattin Maria als lebensgroße Figuren am Totenbett liegend. Maria wurde jedoch nicht in Seckau, sondern im Grazer Mausoleum zur letzten Ruhe bestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Theodor Ghisi zeichnete mit seinen Gehilfen für den Decken- und Wandschmuck mit seinen Ölgemälden auf Leinwand verantwortlich. Im Ganzen ist diese Fürstenkapelle mit 50 Ganzfiguren, 150 kleineren Relieffiguren und mehr als 60 Köpfen aus Stuck und Marmor ausgestattet. Die neun Särge in der Habsburgergruft blieben bis 1827 unberührt. Der damalige Verwalter der Radmeister-Communität, Leopold von Pebal, ließ die Zinnsärge durch solche aus Zirbenholz ersetzen, um das Zinn einzuschmelzen und sich zu bereichern. 1588 wurde durch Bernhard de Silvo der romanische Kreuzgang bis auf ein kleines Stück abgebrochen und durch einen neuen im Stil der Renaissance mit zweigeschossigen Arkaden ersetzt. Bei den Renovierungsarbeiten 1966/ 67 stieß man auf diese Reste aus der Zeit der Romanik mit ihren Säulchen und Flechtwerkkapitellen, die freigelegt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1603 brannte die Prälatur ab, die Propst Sebastian II. Kueler (1589–1619) wieder aufbauen und Neubauten im Südflügel errichten ließ. Von der eigentlichen romanischen bzw. gotischen Klosteranlage ist fast nichts mehr erhalten, da die Neubauten im Renaissancestil im 16. und 17. Jahrhundert die Vorgängerbauten verdrängten. Unter Propst Andreas von Potiis (1619–1657) erstanden der &amp;quot;Huldigungssaal&amp;quot; 1620 als Repräsentationsraum mit seinem mächtigen Renaissanceluster, angeblich aus erbeuteten Türkenkanonen gegossen, sowie zwischen 1625 und 1628 der Westtrakt und der bis zum Mittelbau reichende Südflügel. 1640 wurde der &amp;quot;Kaisersaal&amp;quot; errichtet, der anlässlich des Besuchs von Kaiser Leopold I. in Seckau 1660 mit Fresken der Wappen der österreichischen Erbländer geschmückt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Graf von Gleispach (1657–1700) fand im Leobener Baumeister Peter Franz Carlone einen ebenbürtigen Partner für die geplanten baulichen Vorhaben. Carlone trat 1658 seinen Dienst an und war bis zu seinem Tod 1682 für Seckau tätig. So erstanden unter seiner Führung der Umbau der östlichen Hälfte des Südflügels zu einem zweigeschossigen Bau mit ebenerdiger Klosterküche und Refektorium im Obergeschoss; Aufstockung des gesamten Ostflügels zwischen den beiden Ecktürmen im Nord-Südosten durch ein zweites Stockwerk; Umbau des Westflügels des Kreuzganges durch Aufstockung zwischen Kirche und Huldigungssaal; Errichtung des heute noch bestehenden Wirtschaftsgebäudes mit Stallungen und Meierhaus; Bau der noch bestehenden Gartenmauer; Neubau der Hoftaverne (Hofwirt); Behausung für den Hofbinder; Bau eines neuen zweigeschossigen Badehauses. 1660 wurde die Bibliothek erbaut, die heute als Refektorium Verwendung findet. Ab 1671 besorgte Carlone auch den Umbau der Westfassade und die Erhöhung der Türme der Basilika um gut fünf Meter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obenauf kamen noch ungefähr 12,5 Meter hohe Zwiebelhauben. Die Portalgestaltung führte laut Carlones Plänen der Judenburger Steinmetz Matthias Pruner durch. Aus der 1672/73 beabsichtigten Baruckbierung der Basilika wurde jedoch nichts, da die ständige Türkengefahr zu viele Geldmittel für die Abwehr verschlang, die der Kaiser vor allem den Klöstern abforderte. Die einzige Neuerung in der Basilika war also der neue Hochaltar von Sebastian Carlone, der 1601 aufgestellt wurde und 1848 weichen musste. Propst Paul Franz Poiz (1703–1733) besorgte als Kunstmäzen bzw. als Auftraggeber für spätbarockes Kunstschaffen in Seckau selbst und in den inkorporierten Pfarren umfassende Veränderungen. Zum Dank für die Abwendung der Pest wurde 1715 auch eine Votivsäule in Auftrag gegeben. Propst Maximilian Mayr (1733–1737) ließ in seiner nur kurzen Amtszeit prächtige Pontifikalien für das Domstift anschaffen und führte die Renovierung des Schlosses Hautzenbichl durch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung ging es mit dem Stiftsgebäude nach 1782 steil bergab. Soweit die Gebäude nicht in Verwendung waren, begann für die weitläufige Anlage ein rascher Verfall. Der Ostflügel aus dem 17. Jahrhundert sank nieder und musste abgetragen werden. Mit Ausnahme eines Teiles des Nordflügels, in welchem die Pfarrgeistlichkeit wohnte, des Süd- und Westflügels - letzterer diente den Beamten der Radmeister-Communität Vordernberg als Wohnung und Verwaltung, ferner war auch die Schule darin untergebracht - wurde alles dem Verfall preisgegeben. Nur zwei der ehemals vier imposanten Wehrtürme sind noch existent. Auch die frühgotische Ulrich-Liechtenstein-Kapelle musste 1837 abgetragen werden, weil sich kein Finanzier für die dringend notwendige Restaurierung fand. Der Verwalter, Leopold von Pebal, der das volle Vertrauen Erzherzog Johanns besaß, hinterging alle, störte die Grabesruhe, raubte den Schmuck der Habsburger aus dem Mausoleum, ließ die neun Zinnsärge einschmelzen und schreckte auch vor den bischöflichen Gräbern nicht zurück. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Turmsturzkatastrophe vom 26. Mai 1886 richtete alle Aufmerksamkeit auf die Abtragung auch des südlichen Turmes und die neuerliche Errichtung 1891 bis 1893 nach den Plänen von P. Pirmin Campani mit einer Höhe von 47,5 m. Als man die Basilika 1892 im Osten von 61,6 m auf 73 m verlängerte, wurde auch ein Querbau (Transept) eingezogen, um mehr Platz für den Chorraum zu schaffen. 1894 folgte dort der neoromanische Hochaltar mit dem Baldachin nach dem Vorbild von S. Giorgio in Velabro und S. Stefano in Campo Verano in Rom. Mit der Neugestaltung des Presbyteriums 1964 kam dieser Hochaltar in die Kaiserjubiläumskirche an der Reichsbrücke nach Wien am Mexikoplatz. Der Architekt Prof. Clemens Holzmeister aus Wien sorgte nun für die Neuordnung um den einfachen Tischaltar und ließ die romanische Kreuzigungsgruppe auf einem Eichenholzbalken über diesem aufhängen. In seinen Plänen waren bereits die Anordnungen des Zweiten Vatikanischen Konzils vorweggenommen. Der neue Hochaltar war ein Geschenk der Diözese Graz-Seckau und wurde am 5. September 1964 konsekriert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Dank für die Gymnasialausbildung seiner beiden Söhne in Seckau schuf der Wiener Künstler Herbert Boeckl zwischen 1952 und 1960 durch die Ausmalung der Engelkapelle mit Fresken aus der Apokalypse und Heilsgeschichte eines der bedeutendsten Werke sakraler Kunst des 20. Jahrhunderts. Zum l00-jährigen Bestehen als Benediktinerkloster wurden 1980 bis 1983 umfangreiche Renovierungen an den Außenfassaden vorgenommen. Statt des bisherigen &amp;quot;Schönbrunner-Gelbs&amp;quot; schlug das Bundesdenkmalamt einen stumpfen Ocker in rötlich-braunen Farbton vor. Die sachgerechte Auffrischung des Reliefschmucks an den Arkaden des großen Hofes bedurfte besonderer Sorgfalt. Republik Österreich, Land Steiermark und die Abtei teilten sich die Kosten. Dringend notwendig ist er eine grundlegende Sanierung, wofür derzeit sehr viel Energie und Mühe aufgebracht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Sämtliche bis zur Gründung des Stiftes zurückreichenden Archivalien wurden bei der Aufhebung des Chorherrenstiftes 1782 ausgelagert und kamen nach Graz. Die Bestände wurden im Lauf der Zeit kaum beeinträchtigt. Der Katalog des 17. Jahrhunderts erwähnt Archivalien aus dem 15. Jahrhundert, die nicht erhalten geblieben sind. Das Urbar von 1474 ist etwa verloren gegangen, von dem aber wenigstens noch Auszüge durch die Arbeiten des Archivars Matthias Ferdinand Gauster erhalten blieben. Die umfangreiche Seckauer Urkundensammlung mit knapp 2.000 Stück wurde den Beständen des Diözesanarchivs Graz (Urkundenreihe II) und des Steiermärkischen Landesarchivs (allgemeine Urkundenreihe) einverleibt. Im ''Chronicon sive Diplomatarium Seccoviense'' finden sich die entsprechenden Regesten zu diesen Dokumenten. Das Steiermärkische Landesarchiv bewahrt die gesamten Bestände des Stiftsarchivs Seckau wohl geordnet und katalogisiert in 870 Schubern. Im Diözesanarchiv umfassen die Archivalien zum Chorherrenstift Seckau sechs Schachteln. Die bedeutenden Werke zur Seckauer Stiftsgeschichte aus den Federn der drei Archivare Johannes und Thomas Jurichius&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Liber benefactorum Ecclesiae Seccoviensis&amp;quot;; &amp;quot;Protocollum Capituli Seccoviensis&amp;quot; 1140–1457; &amp;quot;Rapsodus seu Index Rerum omnium&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie Matthias Ferdinand Gauster&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Praesulatus Seccoviensis&amp;quot; in vier Teilen; &amp;quot;Collectanea ad Praesulatum Seccoviensem&amp;quot;; &amp;quot;Viridarium Rituum ecclesiasticorum&amp;quot;; &amp;quot;Monumenta Seccoviensia&amp;quot; in vier Teilen; &amp;quot;Diarii Seccoviensis&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; befinden sich teils im Abteiarchiv, teils im Diözesanarchiv Graz. Dank der zahlreichen Veröffentlichungen von Benno Roth (1903–1983) zur Geschichte des Chorherrenstifts und der späteren Benediktinerabtei gehört Seckau wohl zu den wenigen Klöstern, die ihre Geschichte von der Gründung bis zur Gegenwart gewissenhaft aufgearbeitet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne== &lt;br /&gt;
Aus der ersten Zeit sind keine Darstellungen oder Pläne des Seckauer Stiftes erhalten geblieben. Die frühesten Abbildungen ab 1150 zeigen Personen aus den Herren- und Frauenkonventen. Die Initiale T und die darin enthaltene Miniatur aus Hs. 17, fol. 217v zeigt den Stiftsgründer Adalram von Waldeck mit dem Modell der Kirche in seinen Händen. Diese Darstellung aus der Zeit um 1480 hat baugeschichtliche Bedeutung, da sie nicht nur den romanischen Kirchenbau, sondern auch die beiden Türme zeigt, wobei der Nordturm bereits in der Höhe des Dachstuhls des Hauptschiffes gotisiert wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1333 erfolgte der Bau des vierstöckigen Nordturmes, dessen oberste Etage als Oktogon ausgeführt wurde. Georg Matthäus Vischer brachte 1681 in seiner &amp;quot;Topographia du catus Styriae&amp;quot; auch zwei Kupferstiche, die „DAS FÜRSTI: TVMSTYFT SECAV&amp;quot; zeigen. Das eine Mal &amp;quot;Wie es von Occidente hiemali zu sehen&amp;quot;  und das andere Mal &amp;quot;Wie es von Auffgang der Sonnen zu sehen&amp;quot;. Gerade als Druckwerk sind diese beiden Darstellungen die verbreitetsten. Man erhält einen guten Überblick zum gesamten Stiftskomplex samt Umgebung. Im Süden sind der Getreidekasten, das Dürnberger-Spital und die Leutekirche St. Jakob mit Markt zu sehen. Im Westen der Meierhof mit Wirtschaftsgebäude und auch der Hofwirt noch vor dem barocken Umbau. Im Osten die Schlösser Diernberg und Pranckh. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei lavierte Federzeichnungen aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert zeigen große Ähnlichkeit zu den Kupferstichen von Vischer. Auf dem Kupferstich &amp;quot;Die gnaden Mutter Maria Schnee auf der Hochalpen bey Sekkauin Obersteyer&amp;quot; ist auch eine Teilansicht des Westflügels des Stiftes samt Mariensäule und Markt aus der Zeit nach 1720 zu sehen. Das an der Nordwand der Vorhalle der Basilika hängende Votivbild des Dompropstes Paul Franz Poiz stellt die drei Gottesplagen (Heuschrecken, Türken und Pest) dar und trägt die Aufschrift „SVB TVVM PRAESIDIVM CONFVGIMUS SANCTAE DEI GENITRIX:&amp;quot;. Das Ölgemälde stammt aus der Zeit um 1729. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein prächtiges Thesenblatt, das der landschaftliche Kupferstecher Christof Diettel 1737 für den Chorherrn Antonius Aigentler schuf, zeigt in der oberen Hälfte das Innere des Habsburgermausoleums und darunter die Stiftsanlage aus westlicher Blickrichtung. Auch die Magdalenen-, Ulrich-Liechtenstein-Kapelle und der Karner sind zu sehen. Links und rechts umgeben sämtliche Propstwappen von der Gründung bis zum gegenwärtigen Propst Franz Xaver von Waiz das Blatt. Dem Archivar Matthias Ferdinand Gauster sind viele Aquarelle, die besonders das Innere des Domes zeigen, verdanken. Durch diese Abbildungen ist der Zustand in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts anschaulich dokumentiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem 18. Jahrhundert stammt das Ölgemälde „Heilige Apostel bittet bey Gott für uns&amp;quot;, auf welchem auch das Stift abgebildet ist. Vorzügliche Aquarelle von Seckau malte Leopold Kuwasseg. Einerseits eine Stiftsansieht von Osten um 1800 und auch eine Ansicht von Südwesten mit Beschriftung „Leopold Kuwasseg 1836&amp;quot;. Eine Lithographie von S. Kölbl mit dem Text „Der Kommunität Vordernberg gehörig im Judenb.(urger) Kr.(eis)&amp;quot; stellt das Seckauer Klostergebäude dar. Die Abbildung entstammt der Kaisersuite 1832-1835. Eine weitere aquarellierte Lithographie zeigt Seckau. Sie stammt von C. Reichert, Einst und Jetzt. Album, Steiermarks sämmtliche interessante Schlösser, Burgruinen, Städte, Märkte, Kirchen und Klöster. Ein vaterländisches Bilderwerk. Graz 1863- 1866, 3 Bde. Die „Abtei U. L. Frau zu Seckau&amp;quot; im Blick von Westen nach Osten zeichnete mit Bleistift auf Papier und signierte „21. 1. 1886, Fr. Hellrigl&amp;quot;. Die Situation ist noch aus der Zeit vor der Restaurierung der Kirche und dem Anbau des Transeptes. Ein aquarellierter Holzschnitt um 1890 von Viktor Luntz zeigt die Basilika noch vor dem Anbau des Transeptes und der Westtürme. Weeser-Krell schuf eine Lithographie der Abtei Seckau von Süd nach Nord 1931.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Anton Albrecher: Die landesfürstliche Visitation und Inquisition von 1528 in der Steiermark. Graz 1997 (Quellen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, 13).&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Chorherrenstifte in der Steiermark. In: In Unum Congregati 35/3-4 (1988), S. 21–33.&lt;br /&gt;
* Karl Amon / Maximilian  Liebmann (Hg.): Kirchengeschichte der Steiermark. Graz 1993. &lt;br /&gt;
* Franz Attems / Johannes Koren: Kirchen und Stifte der Steiermark. Innsbruck 1988, S. 59–62. &lt;br /&gt;
* Nikola Barazutti: Die Seckauer Liechtensteinkapelle. In: Heft Seckau 8/32-4 (1998), S. 5ff. &lt;br /&gt;
* Harald Berger: Das Stift Seckau und die Universität Wien im Mittelalter. In: Künstliche Intelligenz in Bibliotheken. 34. Österreichischer Bibliothekartag Graz 2019. Hg. von Christina Köstner-Pemsel / Elisabeth Stadler / Markus Stumpf  (Schriften der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare, 15), S. 353–366. [https://resolver.obvsg.at/urn:nbn:at:at-ubg:3-8098 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Sebastian Bock: Österreichs Stifte unter dem Hakenkreuz. Zeugnisse und Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus 1938 bis 1945. In: Ordensnachrichten 34/4a (1995), S. 218–225. &lt;br /&gt;
* Sebastian Brunner: Ein Chorherrenbuch. Wien 1883, S. 66. &lt;br /&gt;
* Odo Burböck: Die Pfarren und ihre Entwicklung im Bereich des Dekanates Knittelfeld bis zur Gründung desselben im Jahre 1787. Diss. Univ. Graz. Graz 1966. &lt;br /&gt;
* Liselotte Caithaml: Die Schrankenarchitektur des Mausoleums in der Seckauer Basilika. In: Heft Seckau 1/43-3 (2001), S. 5ff., Forts.: Heft Seckau 11/44-4 (2001), S. 6ff.&lt;br /&gt;
* Thomas Csanády: Von rohen und kunstvollen Stichen. Pergamentvernähungen an mittelalterlichen Handschriften aus Seckau. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Buchforschung in Österreich 1 (2019), S. 7–19.&lt;br /&gt;
* Thomas Csanády / Erich Renhart (Hg.): Libri Seccovienses. Studien zur Bibliothek des Augustiner Chorherrenstiftes Seckau. Graz 2018.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Deuer: Die romanischen Klosterkirchen der Steiermark. Hausarbeit des Institutes für österreichische Geschichtsforschung. Univ. Wien. Wien 1980.&lt;br /&gt;
* Susanne Frursch u.a.: Zeichenstein und Wunderbaum. Österreichs Kirchen und Klöster in ihren Ursprungslegenden. Klosterneuburg 2000, S. 152f. &lt;br /&gt;
* Kat. Ausst. Stift St. Lambrecht 1978. Gotik in der Steiermark. &lt;br /&gt;
* Johann Graus: Der Dom zu Seckau und die romanische Kunstperiode. In: Kirchenschmuck 2 (1871), Nr. 1, S. 1-3; Nr. 2, S. 17ff.; Nr 3, S. 25ff.; Nr. 4, S. 41f.; Nr. 5, S. 49ff.; Nr. 6, S. 65ff.; Nr. 8, S. 89ff. &lt;br /&gt;
* Johann Graus: Der Dom zu Seckau. In: Mitteilungen der K.K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale 19 (1874), S. 61–70. [https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/meeb1874/0067 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Johann Graus: Das &amp;quot;Ursprungsbild&amp;quot; zu Seckau. In: Kirchenschmuck 11/7 (1880), S. 77–79. &lt;br /&gt;
* Johann Graus: Die kirchliche Kunst im Stift Seckau. In: Küchenschmuck 14 (1883), Nr. 6, S. 70ff.; Nr. 9, 9. S. 101ff., S. 108ff. &lt;br /&gt;
* Johann Graus: Vom roten Ornat zu Seckau. In: Kirchenschmuck 21/1 (1890), S. 15f. &lt;br /&gt;
* Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 4: Kärnten und Steiermark. Wien 1956, S. 254. &lt;br /&gt;
* Josef Hasitschka: Auf den Spuren der Rotelboten. Alte Verbindungen zwischen den Stiften Admont und Seckau. In: Da schau her 23/4 (2002), S. 3–7. &lt;br /&gt;
* Heine: Der gotische Kronleuchter in der Klosterkirche zu Seckau. In: Mitteilungen der K.K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale 4 (1859), S. 139f. &lt;br /&gt;
* Albert Höfer: Die Entwicklung von Kerygma und Paränese in den Seckauer Kirchweih-Sermones vom 12. bis 15. Jahrhundert. Diss. Univ. Graz. Graz 1963.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Irtenkauf: Die Weihnachtskomplet im Jahre 1345 in Seckau. In: Musikforschung 9/3 (1956), S. 257-262; &lt;br /&gt;
* Josef Andreas Janisch: Topographisch-statistisches Lexikon von Steiermark. Bd. 3. Graz 1885, S. 867–893. [https://books.google.at/books?id=6WLRAAAAMAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA866-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Gregor Keller: Abtei Seckau in Obersteiermark. Graz 1902.&lt;br /&gt;
* Festschrift zum 50-jährigen Gründungsjubiläum der Abtei Seckau. Seckau 1933. &lt;br /&gt;
* Anton Kern: Die Handschriften der Universitätsbibliothek Graz. Band 1. Leipzig 1942; Bd. 2. Wien 1956. &lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark. Festschrift der K.K. Karl-Franzens-Universität in Graz für das Studienjahr 1915/16. Graz / Wien 1916. &lt;br /&gt;
* Georg Kodolotisch: Die spätgotischen Schnitzaltäre in Steiermark. Dissertation Universität Graz. Graz 1951. &lt;br /&gt;
* Georg Kodolotisch: Drei steirische Mausoleen - Seckau, Graz und Ehrenhausen. In: Innerösterreich 1564-1619. Joannea. Bd. III. Graz 1967, S. 325ff. &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1953, S. 133ff. &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Steirische Bildhauer vom Römerstein zum Rokoko. Graz 1956, S. 439ff. &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Steirische Baumeister. Tausendundein Werkmann. Graz 1961, S. 435–438. [https://diglib.tugraz.at/download.php?id=602f965619bdc&amp;amp;location=browse (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Johann Krainz: Mythen und Sagen aus dem steirischen Hochland. Bruck/Mur 1880, S. 72. &lt;br /&gt;
* Josef Krassler: Der Figurenpfeiler im Seckauer Dom. In: Zeitschrift des historischen Vereins für Steiermark, Sonderbd. 16. Festschrift Otto Lamprecht. 1968, S. 119-123. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Krauss: Die eherne Mark. Eine Wanderung durch das steirische Oberland Bd. 2. Graz 1897, S. 326ff. &lt;br /&gt;
* Michaela Kronthaler: Prägende Frauen der steirischen Kirchengeschichte. In: Christentum und Kirche in der Steiermark 5 (2000). Kehl a. Rhein 2000, S. 4f. &lt;br /&gt;
* Alois Lang: Der Prozeß des Seckauer Bischofs Matthias Scheit mit seinem Domkapitel 1497- 1512. In: Aus Archiv und Chronik 1950, S. 10-18, S. 36-44, S. 76-87, S. 104-117, S. 145-159. &lt;br /&gt;
* U. Laubert-Konietzny: Studien zur mittelalterlichen Plastik im Bereich der Südostalpen. Diss. Univ. München. München 1978. &lt;br /&gt;
* Josef Litzner: Bau- und Kunstgeschichte der Basilika und des Augustinerchorherrenstiftes Seckau. Seckauer geschichtliche Studien 2 (1934) (vorher Diss. Univ. Graz 1933). &lt;br /&gt;
* Rudolf List: Steirischer Kirchenführer Bd. 2. Graz 1979, S. 210ff. &lt;br /&gt;
* Maria Mairold: Die Handschriften der Universitätsbibliothek Graz. Band 3: Nachträge und Register. Wien 1967. [http://sosa2.uni-graz.at/sosa/katalog/MAIRO.htm (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Maria Mairold: Die gotischen Bucheinbände des Stiftes Seckau. In: Codices manuscripti 1 (1975), S. 13–22. &lt;br /&gt;
* Maria Mairold: Renaissance- und Barockeinbände des Stifts Seckau. In: Codices Manuscripti 1 (1975), S. 65–73.&lt;br /&gt;
* Maria Mairold: Seckauer illuminierte Inkunabeln in der Universitäts-Bibliothek Graz. In: Dorn im Gebirge. Hg. von Benno Roth, S. 408–413. &lt;br /&gt;
* Maria Mairold: Die Bucheinbände des Stiftes Seckau in der Universitäts-Bibliothek Graz. Graz, S. 414–429. &lt;br /&gt;
* Franz Graf von Meran: Der Prankher-Helm aus Stift Seckau. Graz 1878. [https://archive.org/details/derpranckherhel00mgoog/page/n8/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Helmut J. Mezler-Andelberg: Landesfürst und Klöster in Steiermark bis zum 13. Jahrhundert. In: Festschrift Julius Franz Schütz. Hg. von Berthold Sutter. Graz 1954, S. 437-449. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Moser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. Band 3: Steiermark. Graz 1961, S. 8892.&lt;br /&gt;
* Nicola Naderer: Eine spätmittelalterliche deutsche Professformel aus Seckau. Dipl.Arb. Univ. Graz. Graz 1998. &lt;br /&gt;
* P. Naredi-Rainer / M. Böckl: Vision und Schicksal - Herbert Boeckls Seckauer Fresken. Graz 1990. &lt;br /&gt;
* Ulrich Ocherbauer: Die Aufdeckung und Restaurierung romanischer Arkaturen im Kreuzgang des Stiftes Seckau. In: Österreichiche Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 25 (1971), S. 174–178.&lt;br /&gt;
* Michael Offenbacher: Die letzten Chorherren des im Jahre 1782 aufgehobenen Stiftes Seckau. Unter besonderer Berücksichtigung ihrer nachmaligen Verwendung in der Seelsorge. Diss. Univ. Graz. Graz 1982. &lt;br /&gt;
* Carl F. Panagl-Holbein: Demut und Pracht. Ein Blick in die Klöster- und Ordenslandschaft Österreichs. Wien 1991, S. 85ff. &lt;br /&gt;
* Johann Rainer / Sabine Weiß: Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581. Graz 1977 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, 30). &lt;br /&gt;
* Michael Rainer / Thomas Rainer: Der Seckauer Achteckpfeiler und die Bedeutung seiner Figurenreliefs. Heft Seckau 9/36-4 (1999), S. 12-24. &lt;br /&gt;
* Athanas Recheis: Die Seckauer Friedhofkirche ein Stück Alt-Seckau. In: Seckauer Hefte 20 (1967), S. 13ff. &lt;br /&gt;
* Athanas Recheis: Aus der Geschichte der Doppelklöster. In: Heft Seckau 8/30-2 (1998), S. 23-26. &lt;br /&gt;
* Athanas Recheis: Das Geheimnis des Achteckpfeilers. In: Heft Seckau 9/36-4 (1999), S. 8-11. &lt;br /&gt;
* Athanas Recheis: Aus der Geschichte der Seckauer Hochalmkirche. In: Heft Seckau 11/42-2 (2001), S. 10-23. &lt;br /&gt;
* Athanas Recheis: Die Seckauer Luziakapelle. In: Heft Seckau 12/45-1 (2002), S. 15ff. &lt;br /&gt;
* Ellinor Reckenzaun: Ms. 832 der Universitätsbibliothek Graz. Ein Seckauer Codex der Romanik und sein Bildproömium. Graz 2001 (Forschungsberichte. Kunstgeschichte Steiermark, 2). &lt;br /&gt;
* Josef Riegler: Die vermeintliche Rebellion der Bauern des Mareiner Bodens gegen das Stift Seckau im Jahre 1683. In: Festschrift Gerhard Pferschy. Graz 2000, S. 565-569. &lt;br /&gt;
* J. Rohmeder: Der Meister des Hochaltars in Rabenden. Münchener Kunsthistorische Abhandlungen. Hg. vom Kunsthistorischen Seminar der Universität München. W. Braunfeld / N. Lieb: Bd. 3. München 1971. &lt;br /&gt;
* Otto Rommel: Das Seckauer Domkapitel in seiner persönlichen Zusammensetzung (1218–1782). Diss. Univ. Wien. Wien 1955.&lt;br /&gt;
* Johann Roth: Zur Besitzgeschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherren- und Domstiftes Seckau in Obersteiermark. Diss. Univ. Graz. Graz 1932.&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Besitzgeschichte des Augustinerchorherren- und Domstiftes Seckau. Zeitraum 1140–1270. Seckau (Seckauer geschichtliche Studien, 3). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter. Ein Beitrag zur historisch-kritischen Untersuchung der mittelalterlichen Osterfeiern. Seckau 1935 (Seckauer geschichtliche Studien, 4). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer Gregoriusmesse. Tafelgemälde 1486. In: Blätter für Heimatkunde 18 (1940), S. 31–36. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Besitzgeschichte des ehemaligen Augustinerchorherren- und Domstiftes Seckau 1270-1782. Seckau 1940 (Seckauer geschichtliche Studien, 7). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die literarhistorische Bedeutung des ehemaligen Augustinerchorherren- und Chorfrauenstiftes Seckau. In: Blätter für Heimatkunde 22 (1948), S. 61–66. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Matthias Ferdinand Gauster. Seckauer Archivar und Stiftschronist 1699-1749. In: Aus Archiv und Chronik 1 (1948), S. 23–27. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Symbolik der Reliefs am achteckigen Pfeiler in der Seckauer Basilika. In: Jahrbuch des Abteigymnasiums Seckau 1948/49, S. 3-6. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Was weiß die Seckauer Pfarrchronik über die Habsburgergruft daselbst zu erzählen? In: Aus Archiv und Chronik 2 (1949), S. 26–31. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die ehemalige Innenausstattung der Seckauer Basilika. Seckau 1950 (Seckauer geschichtliche Studien, 9).&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Aus Seckaus Kunstgeschichte. In: Aus Archiv und Chronik 3 (1950), S. 159–169. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Dompropst Johannes Dürnberger. Ein Kunstmäzen im ausgehenden Mittelalter. Seckau 1951 (Seckauer geschichtliche Studien, 10).&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Das Seckauer Oblaywesen. In: Festschrift zur 200jährigen Bestandes des Haus-, Hof- und Staatsarchivs Wien. Band 2. Hg. von Leo Santifaller. Wien 1952, S. 197–225.&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Kunst unter Dompropst Gregor Schärdinger 1510- 1531. Seckau 1952 (Seckauer geschichtliche Studien 11). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Unsere Liebe Hausfrau Die Seckauer &amp;quot;Nikopoia&amp;quot;. In: Jahresbericht des Abteigymnasiums Seckau 1953/54, S. 1–13.&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Der Hochaltar der Seckauer Basilika im Wandel der Jahrhunderte. In: Jahrbuch des Abteigymnasiums Seckau 1954/55, S. 1–16. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Quellen und Bibliographie zur Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherren- und Domstiftes Seckau. Seckau 1957 (Seckauer geschichtliche Studien, 13).&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Das Habsburger-Mausoleum in der Seckauer Basilika. Seckau 1958 (Seckauer geschichtliche Studien, 14).&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Der selige Hartmann von Brixen, Konsekrator der Seckauer Basilika. In: Seckauer Hefte 21/1 (1958), S. 33–36. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Doppeljubiläum in Seckau (300 Jahre Seckauer Hochalmkirche „Maria Schnee&amp;quot; und 300-Jahr-Feier der Markterhebung). In: Seckauer Hefte 23 (1960), S. 49-55. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Spätbarockes Kunstschaffen unter den Seckauer Dompröpsten. Seckau 1961 (Seckauer geschichtliche Studien, 16). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Peter Franz Carlon als Seckauer Baumeister 1658-1682. Seckau 1962 (Seckauer geschichtliche Studien, 17). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Seckau. In: Steirisches Musiklexikon. Hg. von Wolfgang Suppan. Graz 1962-1966, S. 529–537. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Das Gründergrab in der Seckauer Basilika. Seckau 1964 (Seckauer geschichtliche Studien, 19). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Seckau. Geschichte und Kultur 1164-1964. Zur 800-Jahr-Feier der Weihe der Basilika. Wien 1964.&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Beschlagnahme und Enteignung der Benediktinerabtei Seckau in Obersteiermark am 8. April 1940 durch die Gestapo. Seckau 1965 (Seckauer geschichtliche Studien, 20).&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Seckauer Apokalypse und ihre Deutung. Boeckl-Fresken. Band 2. Wien 1965 (Österreich-Reihe, 139/140). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Bischof Matthias Scheit und sein Testament von 1511. Seckau 1968 (Seckauer geschichtliche Studien, 22). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Das Seckauer Spital und die St.-Luzia-Kapelle. Seckau 1969 (Seckauer geschichtliche Studien, 23). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Zur Ikonologie der &amp;quot;Maria stabat&amp;quot; in der Seckauer Kreuzigungsgruppe 1160/1170. In: Carinthia I 162 (1972), S. 65–94.&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Pranker-Totenschilde in der Seckauer Basilika. Seckau 1973 (Seckauer geschichtliche Studien, 26). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Regesten zur Bau- und Kunstgeschichte. Seckau 1975 (Seckauer geschichtliche Studien, 27). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Basilika zu Seckau. München 1975. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Grabstätte des letzten Minnesängers Ulrich von Liechtenstein in Seckau. Seckau 1976 (Seckauer geschichtliche Studien, 28). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Benediktinerabtei Seckau. München 1976. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Zum Problem der Datierung der Seckauer Kreuzigungsgruppe. Seckau 1978 (Seckauer geschichtliche Studien, 30). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Seckau. Der Dom im Gebirge. Kunsttopographie vom 12. bis zum 20. Jahrhundert. Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Maria Schaffler: Romanische Miniaturmalerei aus Seckau in der Universitätsbibliothek Graz. Diss. Univ. Graz. Graz 1952. &lt;br /&gt;
* Hans Schmeja: Zu den Inschriften der Schrankenarchitektur des Habsburger-Mausoleums in der Seckauer Basilika. In: Heft Seckau, 12/47-3 (2002), S. 10ff. &lt;br /&gt;
* Severin Schneider: Abtei Seckau. In: Österreichs Museen stellen sich vor, F. 18. Hg. vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. Wien 1983, 40ff. &lt;br /&gt;
* Alfred Schnerich: Leopold von Pebal (1787-1851), Anwalt von Seckau. Zur Geschichte der Denkmalpflege. In: Blätter für Heimatkunde 14/2 (1936), 24–30.&lt;br /&gt;
* Helga Schuller: Niederösterreicher im Domkapitel von Seckau während des Mittelalters. In: Blätter für Heimatkunde 48 (1974), S. 16-26. [https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/B_Jg48_Helga-SCHULLER-Nieder%C3%B6sterreicher-im-Domkapitel-von-Seckau-w%C3%A4hrend-des-Mittelalters.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Helga Schuller: Das Chorfrauenstift zu Seckau. Seine personelle und standesgemäße Zusammensetzung. In: Zeitschrift des historischen Vereins für Steiermark 66 (1975), S. 65–97. [https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/Z_Jg66_Helga-SCHULLER-Das-Chorfrauenstift-zu-Seckau.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Michael Semff: Die Triumphkreuzgruppe im Dom zu Seckau. Studien zur Holzskulptur des 12. und 13. Jahrhunderts in den östlichen Alpenländern. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 30/31 (1977/78), S. 47–88.&lt;br /&gt;
* Anselm Sparber: Leben und Wirken des seligen Hartmann, Bischofs von Brixen. Wien 1957 (Institutum historicum Ordinis Canonicorum regularium S. Augustini, 1). &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Eine mittelalterliche Kirchweihpredigt aus dem Stift Seckau. In: Seckauer Hefte 1964, S. S. 53-66. &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Die Bibliothek des Chorherren- und Domstiftes Seckau zur Zeit der Glaubensspaltung. Diss. Univ. Graz. Graz 1971. &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Die Bibliothek des Chorherren- und Domstiftes Seckau zur Zeit der Glaubensspaltung. In: Seckau, der Dom im Gebirge. Kunsttopographie vom 12. bis zum 20. Jahrhundert. Hg. von Benno Roth. Graz 1983, S. 373–376. &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Thomas Jurichius und die Erneuerung des klösterlichen Lebens im Chorherrenstift Seckau zu Beginn des 17. Jahrhunderts. In: Forschungen zur Landes- und Kirchengeschichte. Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg zum 65. Geburtstag. Hg. von Herwig Ebner / Walter Höflechner / Othmar Pickl. Graz 1988, S. 497–499. &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Benediktinerabtei Seckau. Seckau 1999. &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Seckau. In: Die benediktinischen Mönchs- und Nonnenklöster in Österreich und Südtirol. Band 3/3. Hg. von Ulrich Faust / Waltraud Krassnig. St. Ottilien 2002 (Germania Benedictina, 3/3), S. 485–521.&lt;br /&gt;
* Manfred Straka: Verwaltungsgrenzen und Bevölkerungsentwicklung in der Steiermark 1770–1850. Graz 1978 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, 31). &lt;br /&gt;
* Monika Taferner: Die Pest im Jahre 1714 und 1715 im oberen Murtal. Diss. Univ. Graz. Graz 1971. &lt;br /&gt;
* Ernst Tomek: Geschichte der Diözese Seckau, Bd. I. Graz 1917, S. 320–328. &lt;br /&gt;
* Josef Wastler: Das Mausoleum des Erzherzogs Carl II. von Steiermark in Seckau. In: Mittheilungen der K. K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale N.F. 7 (1881), S. 50–57. [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=edb&amp;amp;datum=1881&amp;amp;page=54&amp;amp;size=45 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Jakob Wichner: Beiträge zur Geschichte des Heilswesens, der Volksmedizin, der Bäder und Heilquellen in Steiermark bis inklusive 1700. In: Mitteilungen des Historischen Vereins für Steiermark 33 (1885), S. 70–73. &lt;br /&gt;
* Adam Wolf: Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Graz 1871, S. 69f. [https://books.google.at/books?id=8SdZAAAAcAAJ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Maria Würfel: Lernort Kloster Hirsau. Schwäbisch Gmünd 1998. &lt;br /&gt;
* Peter Wind: Die Entstehung des Vorauer Evangeliars in der Steiermar. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark Jahrgang 86 (1995), S. 45–61.[https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/Z_Jg86_Peter-WIND-Die-Entstehung-des-Vorauer-Evangeliars-in-der-Steiermark.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Josef von Zahn: Ortsnamenbuch der Steiermark im Mittelalter. Wien 1893, S. 456. [https://diglib.tugraz.at/download.php?id=532c34359e919&amp;amp;location=browse (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Seckau&amp;diff=10802</id>
		<title>Stift Seckau</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Seckau&amp;diff=10802"/>
		<updated>2023-09-21T07:41:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Protestantismus und Gegenreformation */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=in loco Seccowe dicto (1142), Secowe (1146 ), Seccowa (1147), Sechowe (1151 ), Secveve (1188), Secoe (1205), Secvve (1208), Seccovwe (1230), Sekawe (1250), Sykouia / Sykauia (1267), Sechaw (1346), Sekkawe (1364), Seccaw (1400), Sekkaw (1429)&lt;br /&gt;
|Benannt nach=slaw. &amp;quot;zegova&amp;quot; (Brandrodung, Lichtung, Schlägerung)&lt;br /&gt;
|Quelle=Norbert Allmer: Seckau 1140-1782. In: Die ehemaligen Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich und Südtirol. hg. v. Floridus Röhrig. Klosterneuburg 2005, S. 503-559.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=seit 1492 Patronat der allerseligsten Mutter Gottes&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Fyrstliche Tumstyft Secau.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Fyrstliche Tumstyft Secau&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Politische und kirchliche Topographie==&lt;br /&gt;
Das Seckauer Gebiet war ursprünglich Teil der Karantaner Mark, dann Teil der Steiermark; ab der Gründung 1140 unterstand das Stift dem Erzbischof von Salzburg. Durch die Errichtung der Diözese Seckau mit 22. Juni 1218 durch Papst Honorius III. wurde das Chorherrenstift Seckau gleichzeitig zum Sitz des Domkapitels und die Basilika zur Kathedralkirche des neuen Bistums erhoben. Im Zuge der Aufhebung des Seckauer Chorherrenstiftes wurde der Seckauer Bischofssitz 1786 nach Graz verlegt und dort die bisherige Jesuiten- bzw. Ägydiuskirche zur Kathedrale erhoben. Die Pfarre Seckau selbst wurde 1786 durch die josephinische Diözesanregulierung zum Bistum Leoben geschlagen. 1859 wurde die Diözese Leoben wiederum aufgehoben und der alten Seckauer eingegliedert. Das 1883 wiederbesiedelte Kloster bzw. die 1887 errichtete Benediktinerabtei Seckau liegen im Dekanat und politischen Bezirk Knittelfeld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte=== &lt;br /&gt;
Nach den drei benediktinischen Klostergründungen des 11. Jahrhunderts sollte auch die Zeit der augustinischen Klöster in der Steiermark anbrechen. Als erstes von diesen wurde 1140 das Stift Seckau gegründet, dem dann die Stifte [[Stift Vorau|Vorau]] (1163) und [[Stift Stainz|Stainz]] (1229) folgten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem väterlichen Erbe nach Hartnid von Traisen hatte [[Adalram von Waldeck]], als einer der vier Söhne, im Pittener Land Waldeck mit den Dörfern Strelz, Willendorf, Dreistetten, Wopfing, den Hof Badendorf mit drei Weingärten und Gerasdorf mit seinen Weingärten und Zubehör, den Hof am Kamp und an der Erlach sowie Starhemberg erhalten. In Oberösterreich nördlich der Donau, damals in Bawaria genannt , besaß Adalram Waltenstein mit allen Gütern auf dem Windberg, je drei Weingärten zu Aschach und Pesenbach, die Höfe Eppenberg, Erbenberg, Ottensheim und Lindham. Dazukamen noch die oststeirischen Besitzungen wie das Hauptgut Kumberg, Arndorf, Hainersdorf, mit Lebern südlich von Graz und Leutzendorf. Weiters erhielt er den ältesten Aribonenbesitz auf steirischem Boden: Feistritz (= St. Marein bei Knittelfeld), den ersten Gründungsort des Stiftes Seckau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 1060 und 1088 erwarb Hartnid für seine Kirche in Feistritz Pfarrechte und überließ dafür dem Erzbischof Gebhard von Salzburg seine Kirche St. Lorenzen zu Leistach an der Mur bei Knittelfeld. In Feistritz befand sich auch ein Herrenhof, nach welchem sich Adalram bisweilen nannte, dessen Besitz sich von Kraubath bis gegen Pöls erstreckte und von einigen Enklaven durch setzt war. Adalram war in erster Ehe mit Perchta aus dem Geschlecht der Offenberg verehelicht. Nachdem Perchta an einem 15. November kinderlos verstorben war, heiratete Adalram um 1130 abermals. Richinza, Tochter des Rudolf von Perg, der die Vogtei über das Augustiner-Chorherrenstift [[Stift St. Florian|St. Florian]] inne hatte, brachte den Besitz am Windberg im Mühlviertel als ansehnliche Mitgift in die Ehe. Außer der Tochter Benedicta, die in das Erentrudiskloster am Nonnberg in Salzburg eintrat, entsprossen der Ehe von Richinza und Adalram keine weiteren Kinder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der eigentliche Anlass zur Stiftsgründung liegt im Dunkeln. Obwohl erbenlos, wollte der damals gut 50-jährige Adalram seine Besitzungen auch für die Zukunft in guten Händen wissen. Vielleicht wollte er seinen Besitz auch bloß vor dem Zugriff des Landesfürsten retten. In der Stiftungsurkunde finden sich als Gründungsanlass dort nicht näher erklärte ''delicta'', also Vergehen Adalrams, angeführt. Im Hintergrund dafür steht wohl der Totschlag Adalrams an seinem Vetter Adalbero von Feistritz um 1138, der mit Richinza die Ehe gebrochen hatte, weshalb Adalram seine Gattin verstieß. Als Sühne für seine Bluttat übergab nun Adalram am 10. Januar 1140 in Friesach dem Salzburger Erzbischof Konrad I. beinahe seine gesamten Besitzungen zur Errichtung und Ausstattung eines Klosters. Anlässlich der Propstwahl am 22. Mai 1141 in Friesach ergänzte Adalram seine Stiftung durch die Schenkung von Liegenschaften zwischen Pyhrn, Semmering und Wechsel, womit die Besitzungen in Kumberg und Hainersdorf gemeint waren. Richinza fühlte sich wegen der Vergabe ihres Heiratsgu tes durch Adalram übergangen und wollte diese Sache widerrufen wissen. Dies strengte sie in Anwesenheit ihres Gatten in einer Klage vor König Konrad III. am 15. Mai 1149 an, der sich auf dem Rückmarsch vom gescheiterten Kreuzzug in Friesach aufhielt. König Konrad bestätigte ihre Position, woraufhin nun beide Gatten, die sich schon zuvor ausgesöhnt hatten , die Stiftung jener Güter mit gesamter Hand in aller Form erneuerten und damit das Eigentumsrecht des Stiftes garantierten. Auch die Einigung wurde von König Konrad beurkundet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der erste Konvent in Feistritz-St. Marein 1140-1142=== &lt;br /&gt;
Mit 10. Januar 1140 hatte Adalram den eigentlichen Gründungsakt in Friesach vollzogen und bestimmt, dass man daselbst (in Feistritz) unter der Regel des seligen Augustinus in geistlich und kanonisch festgesetzter Weise lebt. Im Salzburger Erzbischof Konrad I., der selbst ein Augustiner-Chorherr war und sein Domkapitel in ein Chorherrenstift umgewandelt hatte, erhielt er die volle Unterstützung. Dieser schickte nun aus seinem Domstift St. Rupert die ersten sechs Chorherren, welche mit Freitag, dem 20. Juli 1140 in Feistritz eintrafen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Namen sind überliefert: Wernher (von Galler), Liupold von Travesse (= Traföß bei Mixnitz), Otto von Friesach, Adalbert von Ossiach, Rudger von Salzburg und Gerold von Eppenstein. Diese richteten sich hier ein und bauten ihr erstes Kloster wohl aus Holz. Die Tradition weiß darum, dass das Kloster im Bereich des späteren pfarrlichen Wirtschaftsgebäudes von St. Marein gestanden habe. Nach zehn Monaten war man soweit organisiert, dass sich der kleine Konvent in Wernher von Galler am 22. Mai 1141 in Friesach unter Anwesenheit von Bischof Roman von Gurk den ersten Propst wählte. Bischof Roman führte den Neugewählten in Feistritz feierlich in sein Amt ein. Unter der Führung von Propst Wernher machte man sich allerdings auf die Suche nach einer endgültigen Bleibe für den Konvent, da man mit der Situation in Feistritz nicht vollauf zufrieden war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1142 kamen die Chorherren mit Erzbischof Konrad I. darin überein, im weiter westlich und höher gelegenen Seckau jenen Ort gefunden zu haben, der ihren Vorstellungen von klösterlicher Abgeschiedenheit und geistlicher Konzentration entspreche . In Erinnerung an die ursprüngliche Errichtung des Klosters an diesem Ort, bestimmte Erzbischof Konrad, solle die Seelsorge in Feistritz fortan durch einen Seckauer Chorherren versehen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übertragung der Stiftung nach Seckau 1142=== &lt;br /&gt;
Folgende Gründungslegende ist für die Übertragung der Stiftung nach Seckau überliefert: Auf der Jagd geriet Adalram von Waldeck in undurchdringlichen Forst, wo er sich erschöpft niederließ und einschlief. Im Traum sah er die Muttergottes mit dem Jesuskind und hörte eine Stimme, die ihm sagte: &amp;quot;Hie seca! Hier fälle!&amp;quot; Er berichtete Propst Wernher von diesem wunderbaren Ereignis und untersuchte gemeinsam mit ihm den Ort. Beim Fällen des ersten Baumes fanden sie in dessen Inneren ein Muttergottesbild und verstanden darin den Fingerzeig, hier das Kloster zu errichten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Auftrag im Traum erhielt das Kloster den Namen Seckau. Erzählt die Legende auch von himmlischen Zeichen, dürfte für die Übertragung der Stiftung auf die Hochebene von Seckau doch sehr wesentlich mitgespielt haben, dass man hier einen guten Sandsteinbruch entdeckt hatte, dessen Material für die Kirchenbauten der gesamten Gegend Verwendung fand. Er sollte nicht nur jetzt, sondern auch nach der Turmsturzkatastrophe 1886 wieder das Baumaterial liefern. Eine gemauerte Kapelle dürfte eines der ersten Gebäude gewesen sein, das man errichtete. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb der Grundmauern der ehemaligen Ulrich-Liechtenstein-Kapelle fand man bei Grabungen Mauerreste einer Apsis, die von dieser ersten Kapelle stammen könnten. Mit 12. März 1143 genehmigte Papst Innozenz II. die Stiftung und zugleich die Übertragung der Propstei nach Seckau und befreite sie von allen geistlichen und weltlichen Zehentpflichten. Noch vor seinem eigenen Eintritt in das Stift Seckau bemühte sich der Gründer Adalram, die Vogteifrage einwandfrei zu lösen. Zusammen mit Propst Wernher begab er sich im Sommer 1152 nach Regensburg zum Reichstag. Auf ihr Bitten und die Mitwirkung des Salzburger Erzbischofs hin übertrug Friedrich Barbarossa dort dem steirischen Markgrafen Otakar III. die Vogteigewalt, welche zuvor Adalram als Gründer selber inne gehabt hatte. Man vereinbarte sogar auch die Möglichkeit der Aberkennung der Vogtei, sollten dafür Gründe vorliegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter===&lt;br /&gt;
Es gibt keine überlieferten Daten von einer Grundsteinlegung oder vom Baubeginn der Basilika. Man geht aber kaum fehl, sieht man mit den zum Leben und Wohnen notwendigen Klosterbauten auch die Kirche im Stil der Hirsauer Bauhütte emporwachsen. Zwischen 1143 und 1146 wurde bereits ein Friedhof von Bischof Roman eingeweiht.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Erzbischof Eberhard I. (1147–1164) legte den Grundsteinund weihte vor 1152 den Altar der hl. Magdalena in der sogenannten Magdalenenkapelle. Des Weiteren ergeben sich 1159 bauliche Hinweise durch die Weihen des Petrus- bzw. Johannesaltars im Kloster. Am 16. September 1164 konnte Bischof Hartmann von Brixen die Weihe der Stiftskirche vornehmen und stellte sie unter den Schutz &amp;quot;der allerseligsten Gottesmutter&amp;quot;. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich Erzbischof Konrad II. in Italien auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Marienpatrozinium hatte man wohl von der Marienkirche in Feistritz übernommen. Bischof Hartmann konsekrierte auch den Hochaltar, der das Patrozinium der Drei Heiligen Könige erhielt. Dietriumphale Übertragung ihrer Reliquien nach der Zerstörung Mailands im Sommer 1164 nach Köln zog damals alle Aufmerksamkeit auf sich. Erst nach ihrer Vollendung erhielt die Kirche im Westen zwei Türme. Seckauer Konventualen wurden schon früh in andere Chorherrenstifte gesandt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem 1163 gegründeten Chorherrenstift Vorau stand als erster Propst der vorherige Seckauer Dechant [[Liupold von Travesse]] bis 1185 vor. Sein Nachfolger, Propst Bernhard (1185–1202), war ebenfalls davor in Seckau als Kustos und Bibliothekar sowie Mitarbeiter der Kanzlei des letzten Traungauers, des Herzogs Otakar I., tätig. Als Propst des neu gegründeten Chorherrenstiftes Stainz wirkte der aus Seckau gekommene Gerold zwischen 1229 und 1242. Noch vor 1150 traten das Gründerehepaar Richinza und Adalram als Knversen in die Seckauer Konvente der Chorfrauen bzw. Chorherren ein. Richinza verstarb dort an einem 7. Juli unbekannten Jahres, Adalram an einem 26. Dezember zwischen 1174 und 1182. Ihre Grablegen befinden sich in der Mitte des Langhauses der Basilika, die anlässlich der Erneuerung des Bodenbelags in der Basilika 1890 entdeckt wurden. 1964 wurden die Gebeine des Gründerpaares bei der Neugestaltung der Ostpartie der Basilika zum 800-jährigen Weihejubiläum neuerlich bestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Chorfrauenstift=== &lt;br /&gt;
Seit wann hier auch Chorfrauen lebten, ist nicht genau überliefert. Vermutlich werden sie schon sehr bald ihren Gebetsdienst versehen haben, da die Gründung von Doppelklöstern üblich war. Die Gründungsurkunde spricht ja in offener Form davon, dass man daselbst unter der Regel des seligen Augustinus in geistlich und kanonisch festgesetzter Weise lebt und legt sich nicht näher fest. 1147 heißt es in einer Urkunde, dass der spätere Propst Wernher und Dechant Liupold mit weiteren Ordenspersonen beiderlei Geschlechts am 20. Juli 1140 eingetroffen seien. Das Dotationsgut zum Chorfrauenstift stammte von Richinza, die 1149 ihre Stiftung bekräftigte. Die früheste sichere Nachricht über Chorfrauen in Seckau stammt aus einer undatierten Urkunde - bisher um 1150 angenommen-, wonach Burchard von Mureck auch den Schwestern eine Schenkung zukommen ließ. In dieser Urkunde wird allerdings auch eine Schenkung für die Markuskirche in Strelzhof erwähnt, welche Bischof Hartmann aber erst 1158 geweiht hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Somit stammt die früheste Quelle zum Chorfrauenkloster erst aus 1158. Die Chorfrauen unterstanden einer Meisterin, lebten in Klausur im Nordteil der Klosteranlage und hatten regen Zulauf. Ihr Zentrum für das Chorgebet war die St-Margareten-Kapelle (heute: Bischofskapelle). Sichtbare Leistungen brachten die Kanonissen in der Mitarbeit in der Schreib- und Malschule hervor. Eine ganze Reihe an Handschriften, die sich heute in der Universitätsbibliothek Graz befinden, zeugt von ihrer Kunst und Meisterschaft. Die wirtschaftlichen Belange wurden vom Chorherrenpropst mitversehen. Es existierte nie ein eigenes Besitzverzeichnis. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mitgliederzahl des Frauenklosters war bisweilen so hoch, dass Bischof Heinrich I. 1242 die Höchstzahl mit 50 und Bischof Woche 1334 die Höchstzahl auf 40 Frauen festlegen musste, damit die Chorfrauen nicht so zusammengepfercht zu leben hatten. 1488 starb die letzte Chorfrau, weshalb das Frauenstift 1491 aufgelöst wurde. Als sichtbare Erinnerungen an den Frauenkonvent in Seckau existieren noch die Grabplatte von [[Agnes Enstaler]]  und der letzte Kragstein bei der Westempore in der Basilika, der einen Nonnenkopf darstellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Brandkatastrophe 1259 und neuerliches Erstarken=== &lt;br /&gt;
Eine schwere Brandkatastrophe ereignete sich am 7. November 1259: In der kaiserlosen Zeit hatte Philipp von Ortenburg, ein Bruder des Kärntner Herzogs Ulrich, mit Hilfe seines Vetters, des Böhmenkönigs Ottokar II., den erzbischöflichen Stuhl in Salzburg an sich gerissen. Philipp, &amp;quot;der Erwählte&amp;quot;, der als Subdiakon zum Empfang der höheren Weihen nicht bereit war, hätte allzu gern einen seiner Parteigänger, Ulrich von Hautzenbichl, als Propst von Seckau gesehen. Da der Konvent jedoch zu seinem Bischof Ulrich I. (1244–1268) stand und zudem auch aus Salzburg vor dem Wüterich Philipp nach Seckau geflohene Domherren vorübergehend aufgenommen hatte, veranlasste „der Erwählte&amp;quot; den Kleriker Ludwig von Dillingen aus Rache dazu, das Stift Seckau in Brand zu stecken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem die Basilika mit ihren romanischen Holzdecken in den Haupt- und Seitenschiffen ging in Flammen auf. Auch eine Laienschwester aus dem Chorfrauenstift kam dabei ums Leben. Schwer getroffen von diesen Ereignissen resignierte Propst [[Otto von Ehrenhausen]] (1256–1259) und trat in den Dominikanerorden über. Sein Nachfolger als Propst wurde [[Ortolf von Prank]] (1260–1289), der in Wilhalmus, einem Konversen, einen initiativen und guten Bauherrn und in seinem leiblichen Bruder, Herzog Ulrich von Kärnten, einen finanzkräftigen Wohltäter zur Seite hatte . Dank einer gelungenen Wirtschaftspolitik war die Erneuerung der Basilika, der Decken und des Kreuzganges mit der St-Johann -Baptist-Kapelle möglich. 1264 wurde in Seckau das Fronleichnamsfest eingeführt und im Sommer an allen Sonntagen ein Umgang mit dem &amp;quot;Gottesleichnam &amp;quot; gehalten, um Segen für Feld und Flur zu erbitten. Der Minnesänger und Landeshauptmann Ulrich von Liechtenstein und seine Gattin Perchta von Weissenstein standen in enger Beziehung zu Propst Ortolf und erwählten deshalb Seckau zum Ort einer Grabstätte für sich und ihre Familie. Ulrich begann mit dem Bau einer Kapelle in unmittelbarem Anschluss an den Kapitelsaal des Stiftes, verstarb aber bereits 1275, weshalb sein Sohn Otto den Bau fortsetzte und vollendete. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bischof Wernhard weihte diese frühgotische Kapelle am 6. Mai 1279 zu Ehren des Evangelisten Johannes und der hl. Katharina von Alexandrien. Propst [[Ulrich I. Caesar]] (1302–1304) war der Begründer des Seckauer Oblaywesens. Unter seinem Nachfolger Propst [[Christian Feistritzer]] (1304–1325) musste Bischof Wocho (1317–1334) wegen des sittlichen und wirtschaftlichen Tiefstandes des Domstiftes korrigierend eingreifen. 1320 verordnete er im Einklang mit Propst und Kapitel die Einführung neuer Statuten, die vor allem ökonomische und disziplinäre Dinge betrafen. Vom Schlag getroffen, wurde der Propst vom Bischof mit 11. Juli 1323 seines Amtes enthoben. Noch vor seinem Sterbetag (17. Juli 1325) wurde der bisherige Dechant [[Ulrich II. von Prank]] vor dem 24. April zum Propst gewählt (1325–1333). Ihm oblag es, an der Verkleinerung der steigenden Schuldenlast und der Besserung der Disziplin zu arbeiten. Deshalb benannte er acht Mitbrüder, die ein Jahr lang in anderen Klöstern leben sollten. Er ordnete die Einkünfte neu und nahm sich und seinen Aufwand nicht aus. Um der Lage schneller Herr zu werden, legte der Bischof den Chorfrauen und -herren neue Einschränkungen auf, indem die einzelnen Ämter insgesamt 156 Mark Silber zur Schuldentilgung zu leisten hatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 14. Jahrhundert blühte Seckau als Wallfahrtsort neben Mariazell und Straßengel auf. Aus dem ganzen Murtal kamen Prozessionen besonders am sog. &amp;quot;hübschen Mittwoch&amp;quot; (Mittwoch nach Pfingsten) nach Seckau, um das „Ursprungsbild &amp;quot; zu verehren. Papst Johann es XXII. verlieh den Gläubigen der Diözese Seckau mit 17. Dezember 1332 bei jedem Besuch des Gnadenbildes einen Ablass von 40 Tagen. Propst [[Peter Freisinger]] (1348–1380) erhielt von Papst Innozenz VI. 1359 das Recht, die Pontifikalien zu führen. War Propst [[Ulrich III. von Trapp]] (1382–1414) ein erfolgreicher Wirtschafter, kümmerte sich [[Ulrich IV. Colusser]] (1414–1436) besonders um die Vermehrung der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Blütezeit des Stiftes=== &lt;br /&gt;
In Propst [[Andreas Enstaler]] (1436–1480) erlebte Seckau einen Eiferer für die Zierde des Hauses Gottes. 1438 vollendete Hans Mitter aus Judenburg die für das Domstift in Auftrag gebrachte Glocke, 1437 wurde mit dem Bau der gotischen Kirche von St. Marein begonnen. In dieser Zeit sollte Seckau drei „Gottesplagen&amp;quot; erleben: 1466 starben vier Chorherren und in der Pfarre Seckau 700 Menschen an der Pest. Am 18. August 1478 überfielen die Seckauer Gegend durch die Steiermark ziehende Heuschreckenschwärme, die alles kurz und klein fraßen. Zuletzt drangen im August 1480 auch noch die Türken ins obere Murtal vor, konnten aber, wie die Legende erzählt, das Stift bei dem herrschenden dichten Nebel nicht finden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer der glänzend sten Seckauer Pröpste überhaupt war [[Johannes Dümberger]] (1480–1510). Er sorgte für die Wiederherstellung der Kirche von St. Marein, die durch die Türken großen Schaden gelitten hatte, verlieh der Basilika das Netzgewölbe und umgab das Kloster mit einer schützenden Mauer. Seine Beziehungen zu Bischof Matthias Scheit (1481–1503) verschlechterten sich hingegen zusehends. Als der Bischof gegen den Ungarnkönig Matthias Corvinus Krieg führte, wurde er 1485 verwundet und gefangen genommen. Propst Dürnberger musste ihn deshalb um 2.000 fl loskaufen. Schon im folgenden Jahr zog Scheit erneut gegen die Ungarn zu Felde, wurde wieder verwundet und gefangen. Erneut hatte ihn der Dompropst freizukaufen. Die Meinung des Dompropstes als ''archidiaconus natus'' und die des Bischofs gingen in der Frage der ''jurisdictio ordinaria'' weit auseinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich Bischof Scheit auch nicht dem päpstlichen Entscheid fügte, wurde er zuletzt abgesetzt und exkommuniziert. Der Streit sollte erst nach gut 200 Jahren mit einem Vergleich enden. Nach der Schlacht bei Mohacs von 1526 gegen die Türken musste Propst [[Gregor Schärdinger]] (1510–1531) die Kleinodien des Klosters abliefern. Der Landesherr verordnete wegen der Türkengefahr schon 1523 die Terz und danach 1528 auch noch die Quart, wurden die Klöster und Stifte doch als kaiserliche Kammergüter angesehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die geforderte Barschaft aufbringen zu können, musste Seckau 1529 etliche Güter verkaufen. Damit war ein finanzieller Aderlass geschehen, der auch für das Kunstschaffen in Seckau eine tiefe Zäsur bedeutete. Vom Türkeneinfall war Seckau 1529 auch betroffen, da die feindlichen Horden das Schloss Witschein bei ihrem Rückzug von Graz nach Untersteier in Brand steckten und vernichteten. Der Wiederaufbau der dortigen Wirtschaftsgebäude und der Weingärten, die für Seckau eine bedeutende Einnahmequelle waren, verschlang viel Geld. Mit Propst [[Leonhard Arnberger]] (1541–1560) übernahm ein guter Wirtschafter das Ruder. Nur durch Verkäufe von Gülten konnte er den Anforderungen entsprechen und Schulden tilgen. Erneut fiel am 17. August 1544 ein Heuschreckenschwarm über die Steiermark herein und verwüstete Äcker und Wiesen. Als erster verfasste Propst Arnberger einen Pröpstekatalog. Er bemühte sich sehr um privates Studium und um seinen Konvent in Zeiten der neuen Lehre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation=== &lt;br /&gt;
Über die Ausbreitung einzelner geistlicher Strömungen vor Reformation im Seckauer Raum, z.B. Geißler und Springer, der Kult der 24 Ältesten und in der Obersteiermark traditionell stark vertretenen Waldenser ist nur sehr wenig bekannt. Die Rezeption der reformatorischen Lehre lässt sich im Seckauer Stift erstmals anhand des Visitationsprotokolls aus dem Jahr 1528 nachvollziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Ferdinand I. und der Salzburger Erzbischof Matthäus Lang hatten sich dahin verständigt, eine kirchliche und religiöse Bestandsaufnahme vorzunehmen. Infolgedessen kam es am 15. Juni 1528 in Seckau zur Visitation. Der Konvent ''des glaubens halben und in khlesterlichen wesens unsträfflich befunden''. Die 21 Chorherren hielten am katholischen Glauben fest, als sich in anderen Klöstern schon heftige Diskussionen ergaben. Im Rahmen der landesfürstlichen Visitation von 1544 zeigten sich aber auch hier deutliche Veränderungen: So gab es ''ehmals 12 priester und 6 jung herrn gewest, darneben ein bettbrueder'' (Konversen), nun lebten in Seckau nur mehr ''11 personen und ein jung herr, aber kein bettbrueder''. Ein personeller Tiefstand von fünf verbliebenen Geistlichen erreichte das Stift 1575. In dieser Zeit des geistigen Umbruchs ist Dechant [[Lorenz Sechtan]] zu nennen, der an der altgläubigen Kirche und Lehre festhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Laurentius Spielberger]] stand als Propst (1566–1587) in enger Beziehung zu Erzherzog Karl II. und den protestantischen Ständen, die ihn mehrmals zum Verordneten wählten. In dessen Auftrag kämpfte Spielberger 1571 gegen die neue Lehre. Aufgrund des guten Einvernehmens mit dem Stift Seckau ließ Karl II. im Dom zu Seckau seine Begräbnisstätte noch zu Lebzeiten errichten. Im Sommer 1581 führte auch der seit dem Vorjahr in Graz residierende Nuntius Germanico Malaspina in den meisten steirischen Klöstern sowie in einigen Pfarren genaue Befragungen durch: Propst Laurentius Spielberger lebte seit 15 Jahren mit einer Konkubine zusammen, die er unmittelbar vor Eintreffen der Visitationskommission entließ. Mit ihr hatte er sieben Kinder. Er gelobte dem Nuntis gegenüber Besserung und durfte deshalb auch im Amt bleiben. Der Konvent neige zu Trunksucht und Luxus, wie der Propst aussagte, und leiste ihm wenig Gehorsam. Einige Chorherren hätten ebenfalls Konkubinen. Zwei seiner Kanoniker wurden deshalb ihrer geistlichen Funktionen enthoben und für zwei Monate in ihren Zellen in Haft gehalten. Der Propst und die beiden Konkubinarier bekannten ihre Schuld auf den Knien vor dem Nuntius und dem anwesenden Konvent und versprachen Besserung. Nach dem gemeinsam gesungenen Psalm &amp;quot;De profundis&amp;quot; sowie weiteren Gebeten erteilte der Nuntius den drei Bußfertigen die Absolution. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Auswirkung dieser Visitation brachte die Neufassung der Seckauer Statuten mit sich, die das Kapitel am 13. September 1583 beschlossen hat. 1586 wurden noch weitere Ergänzungen durchgeführt. Damit hatte man nun sämtliche Bereiche des innerklösterlichen Lebens neu geregelt und die Einhaltung der Ordensregel sowie den Gehorsam gegenüber Propst und Bischof betont. Der Bibliotheksbestand spiegelt die Auseinandersetzung mit verschiedenen geistigen Strömungen wider, die zahlreiche Werke der bedeutsamsten Kontroverstheologen aus dieser Zeit versammelt. Wenige Schriften haben sich aber erhalten, die von reformatorischem Inhalt sind. Entsprechend gab es auch keine Aufsehen erregenden Übertritte von Seckauer Chorherren zur neuen Lehre wie andernorts. Zwei Seckauer Chorherren wurden in dieser Zeit als Pröpste von Rottenmann postuliert: [[Laurentius Reisacher]] (1574–1575) und [[Johannes Muchitsch]] (1578–1608). In St. Andrä an der Traisen lenkten gleich drei aus Seckau postulierte Chorherren das Stift: [[Johannes Zwicker]] (1490–1493), dem [[Oswald Rieger]] bis 1507 folgte, und [[Bonaventura Hahn]] (1629–1640). In Herzogenburg wirkte der Seckauer Chorherr [[Martin Müller]] von 1621 bis 1640 als Propst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Die anbrechende neue Zeit wurde unter Propst [[Wolfgang Schweiger]] (1587–1589) in der baulichen Veränderung des Mitteltraktes des Klosterhauptgebäudes und in der Umgestaltung des ursprünglich romanischen Kreuzganges in der Formensprache der Spätrenaissance durch Bernhard de Silvo 1588 sichtbar. Schon nach wenigen Jahren resignierte Propst Wolfgang und übersiedelte in das Chorherrenstift nach St. Andrä an der Traisen. 1591 kam er von dort wieder nach Seckau zurück. 1587 begann Alexander de Verda mit dem Bau des Mausoleums für Erzherzog Karl II. und dessen Familie. 1612 konnte Sebastian Carlone mit seinen Gehilfen das Habsburgergrab vollenden, eine Manifestation des konfessionellen Absolutismus im manieristischen Stil unter Propst [[Sebastian Kueler]] (1589–1619), die die Finanzen des Klosters ziemlich erschöpft hatte. Kueler gelang es jedoch als Verwaltungsgenie, die immensen Schulden in den Griff zu bekommen und das Stift zu neuer Blüte zu führen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dankbar für seine Dienste, die er dem Lande geleistet hatte , ließen die Stände Kueler 1606 sogar eine silberne Münze prägen. Um das Geld für den Wiederaufbau der 1603 abgebrannten Prälatur aufzubringen, soll Kueler einem Alchimisten 1.000 fl zur Verfügung gestellt haben, was sowohl bei Bischof Brenner als auch bei der Regierung großes Ärgernis hervorrief. Er unter stütze eine von Papst Johannes XXI. bereits 1317 verbotene Kunst, hieß es von dort. Mit Propst[[ Anton von Potiis]] (1619–1657) erfuhr Seckau neuen inneren und äußeren Aufschwung. In Stiftsdechant [[Thomas Jurichius]] hatte er einen um den inneren Fortschritt bemühten Partner in der Leitung der Mitbrüder. Der Propst sorgte für den weiteren Ausbau des Stiftes. Er erwarb 1635 die Herrschaft Liechtenstein und kaufte 1636 den Prankmairhof in Prank sowie 1646 das Schloss Hautzenbichl neben etlichen Gütern bei Bruck an der Mur, Leoben, St. Michael, Trofaiach, Mautern und im Mürztal. Er errichtete 1625 bis 1628 den 160 m langen Westtrakt und 1640 den Kaisersaal sowie Radmeistersaal (heute Zeichensaal des Abteigymnasiums). An den vier Ecken ließ er ursprünglich mit weißem Blech gedeckte Türme und Schutzwehren errichten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Kleriker ließ Propst Potiis auch an auswärtigen Universitäten studieren. Damals erwarben sie sich akademische Lorbeeren verschiedener Fakultäten. Die erfolgreiche Tätigkeit von Propst [[Maximilian Graf Gleispach]] (1657–1700) als Verordneter im Landtag brachte es mit sich, dass Kaiser Leopold I. Seckau bei seinem Aufenthalt am 21. August 1660 zum Markt erhob und den Propst zum Geheimen Rat ernannte. Gleispach betrieb mit Energie den Exemtionsstreit, konnte aber nicht dessen Abschluss erleben. In der Bautätigkeit übertraf er trotz angeblicher Schulden von 300.000 fl sogar noch seinen Vorgänger. Propst Gleispach hatte im Leobener Baumeister Peter Franz Carlone einen kongenialen Partner für seine Vorhaben gefunden. 1658 bis 1682 setzten sie gemeinsam ihre Ideen um und gaben dem Stift ein neues Aussehen. 1660 wurde auf die Initiative und Finanzierung von Dechant [[Peter Auer]] hin auf der Hochalm für die Senner eine Kirche zu Ehren des hl. Hieronymus, des Viehpatrons, gebaut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem fließenden Übergang entwickelte sich jedoch daraus ein Marienheiligtum und das Patrozinium wechselte in der Folgezeit zu &amp;quot;Maria Schnee&amp;quot; . Die Hochalmkirche ist die höchst gelegene Wallfahrtskirche in der Steiermark und wird besonders zu Mariä Heimsuchung am 2. Juli und Maria Schnee 5. August (seit der Nazizeit an den ersten Monatssonntagen im Juli und August) - heute ergänzt durch den Mutter-Anna-Tag (20. Juli) - von den Pilgern aufgesucht. Zum 300-jährigen Jubiläum wurde die Kirche 1960 gänzlich renoviert und die Wallfahrt neu belebt. 1662 gelangten die Besitzungen um Strelzhof in Niederösterreich durch Verkauf an das Neukloster der Zisterzienser in Wiener Neustadt. Für den Fall einer über die ganze Steiermark hereinbrechenden Invasion der Türken hatte Gleispach mit dem Propst von Berchtesgaden die Evakuierung des Seckauer Kapitels dorthin vereinbart. Seckauer Untertanen planten für den 27. Juli 1683 einen Aufstand gegen das Stift, der jedoch frühzeitig aufgedeckt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anstifter und Rädelsführer wurden sehr hart bestraft. 1696 erhielt das Kapitel neue Statuten. Durch den ehrenden Vergleich von Propst [[Franz Sigismund von Schrott]] (1700–1703) mit Bischof Rudolf Graf Thun am 11. Januar 1701 konnte der beinahe 200 Jahre lang dauernde Exemtionsstreit ohne Gesichtsverlust einer Seite endlich beendet werden. Die angeblich 300.000 fl Schulden aus dem langen Prozess konnte Propst [[Paul Franz Poiz]] (1703–1733) nur durch den Verkauf von mehreren Besitzungen tilgen. Er begann deshalb 1705 auch wieder mit dem Betrieb des Kupferbergwerkes in Flatschach bei Schönberg. Zum Dank für die Abwendung der 1713 wütenden Pest ließ Propst Poiz am Zellenplatz eine Mariensäule aufstellen. Der hochtalentierte DDr. [[Maximilian Mayr]] war vor seiner Wahl zum Propst (1733–1737) beim Seckauer Bischof Dominicus von Lamberg bis 1723 und danach bei dessen Beförderung auf den Passauer Bischofsstuhl als Kanzler tätig. Mit der eigenen Wahl zum Propst endete seine Tätigkeit auf höchster Ebene, um sich voll auf sein Stift konzentrieren zu können. Unter Propst [[Franz Xaver von Waiz]] (1737–1751) konnte der Konvent das 600-jährige Gründungsjubiläum begehen, zu welchem Anlass auch die Jesuitenschüler in Judenburg ein Festspiel aufführten.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Propst [[Josef Urban von Schurian]] (1751–1769) konnte trotz allem Bemühen den wirtschaftlichen Niedergang des Stiftes nicht aufhalten. Diese schwierige finanzielle Situation des Domstiftes brachte den damaligen Seckauer Bischof, Josef II. Philipp Graf von Spaur, auf den Gedanken, das Regular-Domstift Seckau in ein Säkular-Dom stift zu verändern und den Sitz in die Landeshauptstadt Graz zu verlegen. [[Johannes von Poldt]] war als letzter Propst (1770–1782) dem Säkularisierungsplan des Bischofs nicht abgeneigt und dafür noch zusätzlich bereit den Stiftsbesitz dem Meistbietenden zu verpachten, um die anstehenden Schulden tilgen zu können. Der innere Zusammenhalt und die klösterliche Disziplin hatten in diesen Jahren ziemlich gelitten, wie die Visitation von 1776 recht deutlich zeigte. Der Propst legte nun seinem Kapitel Mitte Februar 1780 in einer Kapitelsitzung den Plan zur Säkularisierung vor, wogegen die Kanoniker aber Sturm liefen. Poldt ließ in der Folge alle Kanoniker auf sein Zimmer zu einem Einzelgespräch kommen - der Widerstand blieb bestehen. Erst als er erneuten Druck ausübte und &amp;quot;diesen zu wagenden Schritt auf sein eigenes Gewissen zu nehmen wüste&amp;quot;, erhielt er die Unterschriften des Kapitels zu seinem Vorhaben. Sodann unterbreitete er dieses Vorhaben der Kaiserin Maria Theresia, deren Tod am 29. November 1780 die Ausführung dieses Plans verhinderte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für dessen Umsetzung sorgte aber Kaiser Joseph II. am 13. Mai 1782 in überraschender Weise. Die Dom- und Stiftskirche von Seckau wurde nun zur Pfarrkirche umgewandelt und die Jakobskirche abgetragen. Was nicht niet- und nagelfest war, wurde weggebracht. Ein guter Teil der Bibliothek kam nach Wien. Den Kapitularen blieb nur ihr geringes Eigentum. Jeder erhielt 100 fl für Kleidung, ein Paar silberne Messer, Gabeln und Löffeln und als Pension jährlich 300 fl. Der Prälat hingegen empfing 800 fl und der Dechant 600 fl. Am 12. August 1782 ging der Konvent auseinander. Mit der Einführung des Domkapitels in Graz wurde Poldt zum Dompropst in Graz (1786-1798) ernannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vom Religionsfonds zur Radmeister-Communität Vordernberg 1782–1883=== &lt;br /&gt;
Bei seinem Besuch in Seckau am 12. September 1810 schrieb Erzherzog Johann in sein Tagebuch: &amp;quot;Das Stift Seckau war eines der schönsten ... alles war auf einem guten Fuße und sehr ordentlich verwaltet; jetzt sind die Meierhöfe stückweise verpachtet; die Alpen ebenfalls; die Waldungen werden theils für die eigenen Hammer, theils für Vordernberg benutzt: 11.166 Joch Waldungen, 242 Äcker, 465 Wiesen, 2575 Hutweiden, 1100 Unterthanen, 600 Forst-und Zehentholden, Teiche, Mühlen und ein schönes Hammerwerk, welches jetzt getrennt verwaltet wird. Alles war in Mappen aufgenommen, Seckau im Relief in Holz; alles ist weg; die Einrichtung versteigert und verbrannt, wahrlich Spuren des Vandalismus; der unvergeßliche Kaiser Joseph wurde schlecht bedient.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass die Radmeister-Communität von Vordernberg am 3. November 1823 die „Stiftsherrschaft&amp;quot; Seckau mit einem Waldbestand von 7.400 Hektar auf dem Lizitationsweg um 125.100 fl C.M. aus dem Religionsfonds erwarb. Die Tatsache, dass man große Waldbestände für die Versorgung der eigenen Hochöfen mit Holzkohlen brauchte, war das Hauptmotiv für die Übernahme von Seckau. Auch das Patronat ging in die Hände der Radmeister-Communität über, welche nun für die dringend notwendige Restaurierung des Habsburger-Mausoleums Sorge trug.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Wiederbesiedelung durch Benediktiner 1883 und Neugründung der Abtei Seckau 1887=== &lt;br /&gt;
Durch die im Kulturkampf unter Reichskanzler Otto von Bismarck erlassenen Maigesetze vom 31. Mai 1875 wurden alle Orden in Preußen aufgehoben. Auch der 72-köpfige Konvent der Benediktinerabtei Beuron hatte nach einer neuen Heimstätte zu suchen. Abt Dr. Maurus Wolter wandte sich mit seinem besonderen Problem an Kaiser Franz Joseph in Wien, der ihm zu Hilfe kam. Gut die Hälfte des Konvents lebte nun von 1875 bis 1880 im beinahe leer stehenden Servitenkloster in Volders bei Hall in Tirol. Der Kaiser schenkte den Benediktinern sein Eigenkloster Emaus in Prag 1880, wo sich eine so gute personelle Entwicklung zeigte, dass man schon 1883 an eine Neugründung gehen musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ihm Dompropst Alois Karlon, Abgeordneter zum Reichsrat, und dessen Bruder Johann Karlon davon berichteten, bot Bischof Johann Baptist Zwerger von Seckau den Benediktinern nun das ehemalige Dom- und Chorherrenstift an der„ Wiege&amp;quot; seiner Diözese in Seckau an. Die Radmeister-Communität Vordernberg verkaufte deshalb die Herrschaft &amp;quot;Seckau&amp;quot; um 70.000 fl samt den nicht ganz 240 Hektar Grundbesitz an die Beuroner Benediktiner, wobei offiziell Dompropst Prälat Alois Karlon als Käufer auftrat. Mit 9. Juli 1883 trafen bereits die ersten Mönche ein, um den Einzug der Benediktinerkommunität vorzubereiten. Am Fest Mariä Geburt, am 8. September 1883, wurde der Geburtstag von Neu-Seckau in Gegenwart des Bischofs Zwerger, des Abtes Maurus Wolter von Beuron und der 16-köpfigen Ordensgemeinschaft gefeiert. Nach 100 Jahren wurde die Kirche wieder von klösterlichem Gesang und Gebet erfüllt. Zwischen 1885 und 1887 war das junge Priorat sogar Sitz des Beuroner Erzabtes. Nach einer kurzen Einführungsphase wurde das Kloster Seckau mit 3. Juli 1887 zur eigenständigen Abtei erhoben. Kraft eines päpstlichen Dekrets wurde die Abteikirche mit 7. Oktober 1930 ausgezeichnet und erhielt den Rang einer ''Basilika minor''. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Abteischule wurde am 9. Juni 1931 zum „Abteigymnasium&amp;quot; mit Öffentlichkeitsrecht ernannt. Kurz nach dem 800-jährigen Gründungsjubiläum am 10. Januar 1940 wurde die Abtei durch die Geheime Staatspolizei aufgehoben. Das Gebäude diente während des Zweiten Weltkriegs zur Ausbildung von Burschen durch die NAPOLA. Am 8. September 1945 konnte Abt Benedikt wieder sein Kloster in Besitz nehmen, auch wenn dieser Schritt durch die gesetzliche Rückstellungsverordnung erst mit 16. Juni 1947 offiziell vollzogen wurde. Zur liturgischen Erneuerung leisteten die Seckauer Mönche durch die Pflege des Choralgesangs und ihre einschlägigen Veröffentlichungen einen unverzichtbaren Beitrag. Gerade die mit der Erneuerung des Lebens aus christlichem Geist bemühte Jugendbewegung „Bund Neuland&amp;quot; schöpfte aus den Impulsen und der Spiritualität des benediktinischen Mönchtums. Die wirtschaftliche Grundlage der Abtei war von Beginn an unzureichend. Die notwendigen Umbau- und Renovierungsarbeiten besonders der 1980er Jahre bedeuteten beinahe den finanziellen Ruin. Der seit 1933 von 91 auf inzwischen 20 Mönche verkleinerte Konvent erfreut sich aber eines ausgezeichneten Rufes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konföderationen== &lt;br /&gt;
1305 standen die Seckauer Chorherren mit einem weiten Kreis an Klöstern in enger Verbindung und mit welchen sie sich geistlich verbrüdert wussten. Zunächst waren das folgende Chorherrenkonvente: Domkapitel Salzburg, Gurk, St. Andrä im Lavanttal, Klosterneuburg, Herzogenburg, St. Andrä an der Traisen, Reichersberg, Waldhausen, Berchtesgaden, Neustift bei Brixen und Oberndorf. - Zu diesen kamen auch Klöster anderer Orden hinzu: St. Peter Salzburg, Admont, St. Lambrecht , St. Paul im Lavanttal, Kremsmünster, Rein, Neuberg, Garsten, Suben, Vornbach, Baumburg, Gleink, Lambach, lndersdorf, Gars, Au, St. Zeno in Reichenhall, Heiligenkreuz, Chiemsee, Gries bei Bozen, Ranshofen , Göttweig, Dürnstein, Lilienfeld, St. Maurice, Niederaltaich, Langenzenn, Ossiach und St. Michael an der Etsch. Eine ganze Reihe an Konföderationsurkunden ist uns erhalten geblieben. Bisweilen wurden sogar bestehende Konföderationen erneuert und wiederum bestätigt: Dominikanerprovinz Österreich (1270), Franziskanerprovinz Italien (1282), Gurk (1295), Stainz (1296 ), Vorau (1302), St. Florian (1302), St. Pölten (1302), St. Nikola in Passau (1304), St. Paul im Lavanttal (1305), Stainz (1311), Rein (1319), St. Andrä an der Traisen (1330), Neustift bei Brixen (1331), St. Andrä an der Traisen (1334), Neustift bei Brixen (1336), St. Peter in Salzburg (1346), Klosterneuburg (1372), Kremsmünster (1373), St. Lambrecht (1377), Reichersberg (1377), Herzogenburg (1377), Eberndorf (1395), Waldhausen (1398), Rein (1411), Admont (mit Propst Ulrich Colusser 1414- 1436), Neuberg (1424), Rebdorf (1442), Garsten (1478), Gleink (1495), Heiligenkreuz (1495), Lambach (1495), Chiemsee (1496), Gries bei Bozen (1496), lndersdorf (1496), Ranshofen (1497), Suben (1497), Göttweig (1501), Dürnstein (1502), Lilienfeld (1502), Kremsmünster (1503), Niederaltaich (1503), Langenzenn (1509), Ossiach (1516), St. Peter in Salzburg (1517).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Karitative Tätigkeit== &lt;br /&gt;
Die Chorherren hatten sich nicht nur um die Ordensmitglieder, sondern auch um ihre anvertrauten Laien im Stift und auf den inkorporierten Pfarren zu kümmern. Die Sorge für Arme und Kranke war im Mittelalter ja vornehmlich Aufgabe der Kirche. So errichtete auch Propst Wernher in der Nähe des Stiftes ein Hospiz und ein Armenhaus mit einer dem hl. Jakob 1194 geweihten Kapelle, die bei der Abtrennung Seckaus von Kobenz 1197 Pfarr- bzw . Leutekirche wurde und es bis zur Aufhebung 1782 blieb. Bald danach wurde sie jedoch geschleift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Nekrolog des Armenspitals informiert über die einstigen Insassen vom 12. bis zum 14. Jahrhundert. Mit dem übrig gebliebenen Kapital des 1488 ausgestorbenen und 1491 aufgehobenen Chorfrauenstiftes ließ Propst Dürnberger ein Spital bauen, welches am 5. August 1502 eingeweiht wurde. Für die Insassen dieses Armenspitals galten eigene Statuten, die auf einer Holztafel aus dem 17. Jahrhundert überliefert sind. Von diesem Dürnberger-Spital ist heute nur noch die Luziakapelle als Kleinod gotischer Architektur und spätgotischer Wandmalereien erhalten. Die Reste des Spitals wurden 1912 abgerissen. Die Klosterschule (''schola interna'') besuchten nicht nur die eigenen Kleriker, sondern stand auch für Schüler offen (''schola externa''), die weltliche Berufe ergreifen sollten. Diese Schule war insofern auch ein unverzichtbarer sozialer Beitrag zur Ausbildung von Personen, die einmal hohe Verantwortung übernehmen sollten. Auch das Bruderschaftswesen ist hier zu erwähnen, zumal sich dort religiöse wie soziale Motivation trafen. U.a. sei hier etwa an die &amp;quot;Aller Christgläubigen Bruderschaft&amp;quot; in der Maria-Magdalenen-Kapelle erinnert, die Propst Haller 1377 gründete. 1480 errichtete Propst Enstaler die Liebfrauenbruderschaft zum Dank für die Befreiung aus Türkennot. 1486 wurde in der Basilika die Mariä-Opferungs-Bruderschaft eingeführt. Im 17. Jahrhundert kamen auch die Arme-Seelen- und die Sebastianibruderschaft sowie 1753 die Namen-Jesu-Bruderschaft dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Klosterschule== &lt;br /&gt;
In Seckau wurde schon früh eine Schule geführt. In einer Urkunde von 1156 wird von einem Udalricus berichtet, der einst im Kloster Seckau mit den Kanonikern erzogen, jetzt zum jungen Mann herangewachsen ist. Damit finden wir die ''schola interna'' angesprochen, welche sich als &amp;quot;Konventschule&amp;quot; um die Ausbildung des Ordensnachwuchses kümmerte. 1197 machte Erzbischof Adalbert III. für diese Schüler eine Spende (''oblatio puerorum''). Die Besucher der ''schola interna'' trugen die Tonsur wie die Chorherren. Beim gemeinsamen Gebet in der Schule wurden die Schüler mit Weihwasser besprengt. Beim Gottesdienst trugen sie eigene Umhänge und waren als Sänger der gregorianischen Choräle unverzichtbar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausbildung jener Schüler, die weltliche Berufe ergreifen wollten, versah die ''schola externa'', welche auch außerhalb der Klausur untergebracht war. Mit der Erhebung des Stiftes zum Domstift wurde die ''schola externa'' 1218 zu einer Domschule. Ihre Schüler trugen weltliche Kleidung. 1242 wurde vom Bischof vorgeschrieben, dass die Schüler künftig nicht mehr im Kloster, sondern im Ort zu wohnen hätten. Der ''Scholasticus'' war mit der Leitung der Schule betraut und wurde direkt vom Propst eingesetzt. Ihm unterstanden der Regenschori und ein Kantor, die ihn beide in der Leitung der Domschule unterstützten. Im Chorherrn Rudolf verstarb 1289 der frühest bekannte Scholasticus. Dann ist erst wieder Michael Bruchlius 1613 genannt und danach die geschlossene Reihe der Scholastiker bis 1782. Nach 1300 scheint das Bildungsniveau gesunken zu sein, da bei der Propstwahl von &lt;br /&gt;
1383 einige Chorherren nicht einmal schreiben konnten. Zum Vergleich sei darauf hingewiesen, dass etwa in St. Lambrecht 1387 kein einziger Mönch schreiben konnte. Um 1500 gab es in Seckau diese Form der Schule nicht mehr. Die Aufgaben des Scholastikers versahen nun der Regenschori und der Kantor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wissenschaftliche Tätigkeit== &lt;br /&gt;
Einige Chorherren waren besonders talentiert bzw . wissenschaftlich interessiert. So haben 68 Seckauer Kleriker an der Universität in Graz studiert, 15 aber auch andere Universitäten besucht: jeweils ein Chorherr inskribierte in Ingolstadt, Mainz, Padua, Rom, Salzburg und Trier, drei in Dillingen und sechs in Wien. 83 der insgesamt 396 Kanoniker besuchten eine Universität, was 21 % entspricht. 15 von diesen brachten es dann sogar bis zur Doktorwürde. Was aber wissenschaftliches Arbeiten nach dem Studienabschluss betrifft, sind nur wenige Informationen bekannt. Im Steiermärkischen Landesarchiv werden einige wenige Manuskripte theologischer Abhandlungen aufbewahrt, weiters sind einige historische Werke erhalten geblieben, die einen guten Einblick zur Seckauer Geschichte liefern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leonhard Arnberger (1541–1560) verfasste den frühesten Pröpstekatalog. Propst [[Jakob Waschl]] (1560–1566) erstellte wiederum einen Katalog der Pröpste samt ihren Wappen. Die leiblichen Brüder Johannes und Thomas Jurrick aus Wittgenau, die in der latinisierten Form ihres Namens, &amp;quot;Jurichius&amp;quot;, bekannt geworden sind, haben für Archiv und Bibliothek wertvollste Arbeit geleistet. [[Thomas Jurichius]] (1589–1658) war ab 1622 Stiftsdechant und verfasste die wichtige Urkundensammlung „Chronicon sive Diplomatarium Seccoviense&amp;quot;. Seinem Bruder [[Johannes Jurichius]] (1616–1671) ist der &amp;quot;Liber benefactorum Ecclesiae Seccoviense&amp;quot;, das Wohltäterbuch der Seckauer Kirche, und der „Rapsodus seu Index Rerurn &amp;quot;, ein Archivkatalog, zu verdanken. Großartiges leistete wieder der unermüdliche [[Matthias Ferdinand Gauster]] (1699–1749), Autor des umfangreichen vierhändigen „Praesulatus Seccoviensis&amp;quot; und der „Collectanea ad Praesulatum Seccoviensem&amp;quot;. Seine Aufzeichnungen haben auch durch qualitätvolle Aquarelle dokumentarischen und kunsthistorischen Wert. Des weiteren stammen aus Gausters Feder das &amp;quot;Viridarium Rituum&amp;quot;, die vierbändigen &amp;quot;Monum entorum Seccoviensium&amp;quot; und die &amp;quot;Diarii Seccoviensis&amp;quot;. Auch der letzte Seckauer Archivar, [[Georg Scheidl]] (1750–1835), schrieb eine kompakte Geschichte der Seckauer Dompröpste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Von seinem Vater hatte Adalram von Waldeck ein schönes Erbe erhalten: Waldeck im Pittener Land mit den Dörfern Strelz, Willendorf, Dreistetten, Wopfing, den Hof Badendorf mit drei Weingärten wie Gerasdorf mit seinen Weingärten und Zubehör, den Hof am Kamp und an der Erlach sowie Starhemberg. In Oberösterreich nördlich der Donau besaß er Waltenstein mit den Gütern auf dem Windberg, je drei Weingärten zu Aschach und Pesenbach, die Höfe Eppenberg, Erbenberg, Ottens heim und Lindham. Zu diesen kamen noch die oststeirischen Besitzungen Kumberg, Arndorf, Hainersdorf, mit Lebern südlich von Graz und Leutzendorf. Dazu erhielt er noch Feistritz, den ersten Gründungsort des Stiftes Seckau. Fast seine gesamten Besitzungen übergab Adalram dem Salzburger Erzbischof mit 10. Januar 1140 zur Gründung eines Chorherrenstiftes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgestattet durch dieses Dotationsgut hatten sich die ersten Chorherren zunächst einmal in Feistritz einzuleben und die Grundlagen für ihr Fortkommen zu sichern. Die Befreiung von jeglichen steuerlichen Abgaben war als Erleichterung zu sehen, wie es in der Gründungsurkunde festgelegt war. Das erste Kloster stand, wie die Tradition weiß, im Bereich des späteren pfarrlichen Wirtschaftsgebäudes von St. Marein. Dieser Ort erwies sich jedoch als ungeeignet, weshalb man sich schon bald zu einem Neubeginn in Seckau entschloss. Neben dem Dotationsgut des Gründerehepaares vergrößerte sich der Besitz durch weitere Schenkungen aus weltlicher und geistlicher Hand. Seckau besorgte nun wiederum die Errichtung von Kirchen und Kapellen für seine Untertanen. In den Seelgerätstiftungen an das Seckauer Kloster trafen sich die spirituellen Interessen der Stifter mit den materiellen Hoffnungen der jungen Klosterkommunität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1170 widmete der Erzbischof auf Vorsprache des Bischofs von Gurk und des Seckauer Propstes hin eine Hube auf dem Berg Zossen bei Hüttenberg in Kärnten - wahrscheinlich zur Eisengewinnung - als Unterstützung der Klöster in Seckau und Vorau. Beiden im Aufbau begriffenen Stiften war damit gut gedient. Mit 10. Februar 1171 bestätigte Papst Alexander III. den Seckauer Besitzstand, der sich seit der Gründung schon ein wenig vergrößert hatte. Der Besitzzuwachs von 1171 bis zur Anlegung des ältesten Urbars kam hauptsächlich durch Schenkungen in die ''Oblay'' zustande. Dabei handelte sich vornehmlich um Streubesitz im oberen Murtal, im Palten- und Liesingtal, im Ennstal, zwischen Leoben und Bruck, im Mürztal sowie in der Oststeiermark, bei Leibnitz und in der Untersteiermark bei Witschein. Der Besitz nördlich der Donau gelangte schon bald als Lehen in die Hände der Herren von Ort. Durch die Gründung der Diözese Seckau wurde das Chorherrenstift mit 8. Juli 1218 zum Domstift und damit auch zum Domkapitel erhoben - in seinen Besitzungen wie Rechten aber klar vom Bistum getrennt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Urbar ließ Propst Ortolf in der Zeit um 1270 verfassen. Es hält den trotz der Folgen der Brandkatastrophe von 1259 recht kompakten Klosterbesitz zwischen Judenburg und Kraubath sowie im Gebiet des Hochplateaus um Seckau fest. Von allgemein wirtschaftsgeschichtlichem Interesse sind die Leistungen der darin erwähnten &amp;quot;Schafschwaigen&amp;quot;. Die am Georgi- und Michaelifest zu leistenden Abgaben der Untertanen bestanden nur zum Teil aus Geld. Dem Grundherrn war auch durch die Abgabe von Naturalien gut gedient: Eier, Getreide, Hühner, Käse, Kraut, Kühe und Schafe. Wegen der raschen Verderblichkeit wurde die Abgabe von Fischen in eine Geldleistung umgewandelt. Die Abgaben von gewerblichen Betrieben erfolgten meistens in Geld. Für die Besitzungen in Niederösterreich gab es ein eigenes Urbar, das allerdings nicht erhalten geblieben ist. Nicht unerwähnt darf hier der Silberbergbau am Dobritsch zwischen Friesach und Hüttenberg in Kärnten bleiben. Dort konnte sich Seckau damals sehr maßgebliche Summen erwirtschaften. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des wirtschaftlichen Tiefstandes des Stiftes musste Bischof Wocho (1317–1334) eingreifen. Er gab mit 23. August 1320 gemeinsam mit Propst Christian Feistritzer und Kapitelbeschluss dem Stift neue Statuten, die vor allem ökonomische und disziplinäre Dinge betrafen. Unter Propst Dietmar Cholbo (1339–1346) erreichte das Stift eine Blütezeit in geistlicher und wirtschaftlicher Beziehung. Auch Propst Ulrich III. von Trapp (1382–1414) hatte für die Wirtschaft eine glückliche Hand, sodass er als ''alter fundator'' bezeichnet wurde. Das Urbar des Stiftes St. Florian von 1373 zeigt, dass Seckau seine aus der Gründungsdotation stammenden Besitzungen nördlich der Donau bereits an das verbrüderte Chorherrenstift veräußert hatte. Für Seckau liegen aus dem 14. Jahrhundert allerdings keine Urbare oder urbarialen Aufzeichnungen vor. Die allmähliche Verdrängung der Naturalabgaben durch deren Ablöse in Geld brachte wiederum neue schriftliche Aufzeichnungen der stiftischen Untertanen mit sich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner beinahe 45-jährigen Regierunszeit sorgte Propst Andreas Enstaler (1436–1480) für viele Anschaffungen und Neuerungen im Stift und seinen Pfarren. Mit den erworbenen Gütern kam eine ganze Reihe von Untertanen in der Seckauer Gegend zum Stift. Seckau hatte damals gut 1.200 Untertanen. Die Aufzeichnungen des Stiftsarchivars Matthias Ferdinand Gauster aus dem 18. Jahrhundert machen gerade auch die Besitzveränderungen im Lauf der Jahrhunderte nachvollziehbar. Um 1400 hatte man mit dem Bergbau in Flatschach bei Knittelfeld begonnen und zunächst Gold zutage gefördert. Im Lauf der Zeit wurden aber die Kupfervorräte immer ertragreicher und bedeutungsvoller. Durch die kaiserliche Abforderung der Terz (= eines Drittels der gesamten Einkünfte eines Jahres) 1523, der Kirchenkleinodien - nach der Schlacht bei Mohacs 1526- und der Quart (= eines Viertels) 1528 hatte das Stift jedoch schwere finanzielle Herausforderungen aufgelastet bekommen und konnte sich, trotz eingelegten Protests, nur durch den Verkauf von Gülten um Bruck, im Enns-, Mürz- und Paltental über Wasser halten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1529 beließ der Kaiser jeder Kirche nur mehr einen Kelch und eine Monstranz - der Rest war abzuliefern. Der Kaiser musste alle Mittel ausschöpfen, um im Kampf gegen die Türken bestehen zu können. Vor der Quart (1528) betrug der Seckauer Besitzstand 1752 Pfd. 7 Sch. 9 Pf. - nachher (1540) waren es nur noch 1271 Pfd. und 23 Pf. Damit war das Domstift im Vergleich mit den anderen Stiften des Landes relativ am schlechtesten bestellt. Bischof [[Georg III. von Tessing]] (1536–1541} führte beim Februar-Landtag 1540 deutliche Klage über den schlechten Wirtschaftsstand seines Domstiftes. Gemäß der Gültenschätzung von 1542 wurde das Kloster mit seinen Gütern mit 2.000 fl angeschlagen. Um Schulden zu tilgen, sah sich Propst Leonhard Arnberger (1541–1560) zum Verkauf weiterer Gülten bei Bruck, im Mürztal und in Kärnten bis 1543 gezwungen. Auf den Beschluss des Prager Landtages 1542 veranlasste Propst Arnberger die Gültenschätzung des Stiftes und gab den Anstoß zur Abfassung eines neuen &amp;quot;Urbarpuech zw Seggaw 1543&amp;quot;. Das erhalten gebliebene Urbar verzeichnet keinesfalls den gesamten damaligen Besitzstand. Es muss noch weitere Urbare gegeben haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Brand der Prälatur ließ Propst Sebastian Kueler (1589–1619) sie wieder aufbauen. Er war ein Verwaltungsgenie und zahlte im Lauf der Jahre die stiftischen Schulden zurück, löste die versetzten Grundstücke wieder ein und vermehrte das Stiftsvermögen. 1603 kaufte er der Landschaft in Graz sogar noch den Rauberhof ab und schuf damit den Seckauerhof. Propst Anton von Potiis (1619-1657} brachte weitere Güter in den Stiftsbesitz. So kaufte er 1635 die Herrschaft Liechtenstein um 23.000 fl, 1636 den Prankmairhof in Prank um 10.300 fl und noch 1646 das Schloss Hautzenbichl um 10.000 fl. Georg Ludwig Graf zu Schwarzenberg schenkte 1644 dem Stift Seckau etliche Gülten. 1654 kaufte Propst Potiis das Amt St. Peter im Viertel Vogau mit Weingärten in der Südsteiermark um Luttenberg, Kerschbach, Zvwiankh und &amp;quot;Waiglstorffberg&amp;quot; um 25.000 fl. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift Seckau schürfte im kärntnerischen Gebiet um Wolfsberg nach Silber und fuhr damit bedeutende Summen ein. So war es den Pröpsten des 17. Jahrhunderts möglich, bedeutende bauliche Veränderungen vorzunehmen. Die beabsichtigte Barockisierung der romanischen Basilika fiel jedoch der drohenden Türkengefahr und den damit geringer werdenden Geldmitteln zum Opfer. Nach dem Vergleich im nahezu 200 Jahre währenden Streit mit dem Seckauer Bischof um die Rechte des ''archidiaconus natus'' war Propst Paul Franz Poiz (1703–1733) zur Tilgung der Schulden aus den enormen Prozesskosten zur leidlichen Veräußerung von Gülten und Grundherrschaften gezwungen. So hatte Seckau wieder Besitzungen abzustoßen, die erst im 17. Jahrhundert angekauft worden waren. Die grandiose Bautätigkeit der letzten Pröpste hatte das Stift allerdings in eine missliche Lage gestürzt. So nahm man auch die einst ergiebigen Arbeiten im Kupferbergwerk in Flatschach bei Schönberg 1705 wieder auf. Propst [[Josef Urban von Schurian]] (1751–1769) konnte trotz aller Bemühungen den wirtschaftlichen Niedergang des Stiftes nicht aufhalten. Die schwierige finanzielle Situation des Domstiftes brachte den damaligen Seckauer Bischof, Josef II. Philipp Graf von Spaur, nach dem Ableben von Propst Schurian auf den Gedanken, das Regular-Domstift Seckau in ein Säkular-Domstift zu verwandeln und den Sitz in die Landeshauptstadt Graz zu verlegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Mit 10. Januar 1140 hatte Adalram den eigentlichen Gründungsakt in Friesach vollzogen und bestimmt, &amp;quot;daß man daselbst (in Feistritz) unter der Regel des seligen Augustinus in geistlich und kanonisch festgesetzter Weise lebt.&amp;quot; Damit unterstanden auch die schon früher mit Eigenkirchenrecht errichteten Kirchen von Feistritz, St. Lorenzen und St. Marein bei Prank dem Salzburger Erzbischof, da sich die Regularkanoniker laut ihrem Selbstverständnis im Dienst des Bischofs wussten . Durch die 1151 erfolgte Inkorporation der Pfarre Kobenz in das Chorherrenstift Seckau wurde dem Propst die Funktion des Archidiakons übertragen, da mit der Mutterkirche St. Rupert der Sitz des Archidiakons für die obere Mark verbunden war. Ab nun nannten sich die Stiftspröpste auch &amp;quot;archidiaconi nati&amp;quot;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die klaglose Abklärung der Vogteifrage gab es besitzgeschichtliche Voraussetzungen: Durch die Traungauer Urkunde vom 29. November 1182 bestätigte Markgraf Otakar IV. die dem Kloster Seckau von seinem Vater verliehenen Freiheiten. Darin wird auch die Übertragung der Schirmvogtei vom Gründer Adalram auf Otakar III. beim Reichstag zu Regensburg 1152 erwähnt. Vor seinem Eintritt in das Kloster schenkte Adalram dem Markgrafen deshalb Starhemberg und das Dorf Dreistetten samt ritterlicher Mannschaft wohl als Gegengabe zur Übernahme der Vogtei für das Stift Seckau. Die Vogtei über das Stift Seckau übte also der Landesfürst seit 1152 aus. Mit der Gründung der Diözese Seckau am 22. Juni 1218 wurde das Chorherrenstift zum Domstift und damit auch das Stiftskapitel zum Domkapitel erhoben. Zwischen Domstift und Bistum wurde jedoch in den Besitzungen und Rechten klar unterschieden und getrennt. Die Wahl eines neuen Diözesanbischofs war nie Aufgabe des Seckauer Domkapitels gewesen. Der Bischof kam übrigens nur sehr selten nach Seckau. Meistens wurde er hier bloß inthronisiert und zuletzt bestattet, da die bischöflichen Funktionen gewöhnlich auf Schloss Seggau bei Leibnitz oder in Graz vollzogen wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besaßen die Pröpste zunächst keine Zeichen des sie auszeichnenden Amtes, erteilte Papst Innozenz VI. dem Propst Petrus Freisinger 1359 das Recht, die Pontifikalien zu führen. Ein unseliger Streit entbrannte 1497 zwischen Bischof Matthias Scheit und dem Dompropst als ''archidiaconus natus''. Bischof Scheit glaubte sich in Fragen der Jurisdiktion durch das Agieren des Dompropstes beschnitten. Im Bistum bestand die schwierige rechtliche Situation, dass der Bischof bloß die ihm 1218 zugestandenen Ordinationsrechte innehatte, während der Dompropst als Archidiakon im Auftrag des Erzbischofs von Salzburg die übrigen bischöflichen Rechte ausüben konnte. So besaß der Dompropst gegenüber dem Klerus auch das Synodalrecht und versammelte die Geistlichen mindestens einmal jährlich. Die Sorge um den Klerus lag damit wohl auch mehr beim Archidiakon als beim Bischof. Vor allem in Ehesachen übte er auch zusätzlich die kirchliche Gerichtsbarkeit aus. Jede Appellation ging von seinem Forum nicht etwa an den Bischof von Seckau, sondern richtete sich an den Erzbischof von Salzburg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich Bischof Scheit selbst dem päpstlichen Entscheid in dieser heiklen Frage nicht fügte, wurde er abgesetzt und exkommuniziert. Die Streitsache sollte aber erst nach 200 Jahren mit einem Vergleich im Jahr 1701 zu einem Ende gebracht werden. Damit anerkannte Bischof Rudolf Graf Thun (1687-1702) die völlige Exemtion des Domstiftes. Bereits am 24. November 1498 schloss sich das Stift Seckau unter Propst Johannes Dürnberger der Lateranensischen Kongregation an, weshalb man sich nun auch hier als &amp;quot;Lateranensische Äbte&amp;quot; und &amp;quot;Lateranensische Chorherren&amp;quot; betiteln konnte . &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Seckau ist von Anfang an als gemeinständiges Kloster zu bezeichnen, war also offen für jeden. Insofern finden sich Adelige und Bürgerliche in der Kommunität beisammen, wie es auch dem Seckauer Umfeld entspricht. In den 642 Jahren seiner Existenz sind uns 396 Konventualen bekannt. Die ersten sechs Chorherren kamen 1140 aus dem Salzburger Domstift. Wie qualifiziert ihre Auswahl war, beweist der Umstand, dass drei von ihnen die Propstwürde erlangten: Wernher von Galler (1141–1196) und Gerold von Eppenstein (1196–1216) in Seckau sowie Liupold von Travesse in Vorau (1163–1185). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Seckauer Kapitel hatte zunächst nur geringe Mitgliederzahlen. Erst die Kapitelprotokolle im 15. Jahrhundert tragen zehn bis zwölf Unterschriften, wobei die Kleriker und Novizen dort nicht genannt sind. 1528 gab es etwa 21 Chorherren, während es im Rahmen der landesfürstlichen Visitation von 1544 heißt, dass &amp;quot;ehmals 12 priester und 6 jung herrn gewest, darneben ein bettbrueder&amp;quot; (=Konverse). Jetzt seien aktuell &amp;quot;11 personen und ein jung herr, aber kein bettbrueder&amp;quot; mehr vorhanden. Den personellen Tiefpunkt hatte Seckau 1575 mit verbliebenen fünf Geistlichen erreicht. Um 1700 belief sich die Zahl dann auf 28 bis 30, wie etwa das letzte Protokoll vom 13. Mai 1782 zeigt. Unter Propst Sebastian Prägartner (1531–1541) verstarb der letzte Konverse. Von den 46 bekannten Mitgliedern des 13. Jahrhunderts stammten 18 von Ministerialen ab, drei waren von bürgerlich-bäuerlicher Abkunft. Zu 25 Chorherren gibt es keine näheren Informationen. Das 14. Jahrhundert kennt 67 Kanoniker (28 Ministeriale, 14 Bürger, 21 unbekannt). Mit den 61 Chorherren des 15. Jahrhunderts trat eine Wende ein. Nun überwiegen jene der bürgerlich-bäuerlichen Herkunft, während 15 von ministerialer und acht unbekannter Abstammung sind. Mit dem 16. Jahrhundert nahmen die Adeligen immer mehr ab. Zehn Adeligen stehen 41 bürgerlich-bäuerliche Chorherren gegenüber, gesamt also 51. Von den 76 Domherren des 17. Jahrhunderts entfallen 31 auf den Adel und 45 auf Bürger. Im 18. Jahrhundert ist ein verstärkter Zustrom des neuen Adels im Kloster, ferner des reichen und studierenden Bürgertums, besonders aus Graz, zu verzeichnen. Das führte zu einer Hochblüte des klösterlichen Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den 99 Domherren sind 51 adeliger und 48 bürgerlicher Herkunft. Das starke Ansteigen der Chorherren aus Graz ist vermutlich u. a. den vier angesehenen Pröpsten Schrott, Poiz, Mayr und Waiz (1700–1751) - allesamt geborene Grazer - zu verdanken. Nachdem gezählte 68 Seckauer Kleriker auch in Graz die Universität besuchten und im Seckauerhof wohnten, werden wohl auch Freundschaften mit diesen zum Eintritt in Seckau geführt haben. Bezüglich der geographischen Herkunft kann gesagt werden, dass von den gesamt 396 Kanonikern 256 aus der Steiermark abstammen. Bei 54 ist die Herkunft nicht bestimmbar, wird aber auch zumeist die Steiermark sein. Die restlichen 86 verteilen sich auf 14 Diözesen, wobei wieder aus Gurk 22 und aus Wien 26 abstammten. Die verbleibenden 38 kamen aus Aquileja, Augsburg, Bamberg, Breslau, Brixen, Hildesheim, Lavant, Magdeburg und Olmütz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Rahmen der Besiedelung hat der Gründungskonvent aus Salzburg 1140 wohl nur einzelne Bücher mitgebracht. Die Handschrift 408 der Universitätsbibliothek Graz aus der Schreibschule des Erzbischofs Arno um 800 war nachweislich darunter. Ab nun hatte man für die Vermehrung der Bibliothek selbst zu sorgen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im hiesigen Skriptorium sollten Handschriften mit hervorragender Qualität entstehen, für deren Herstellung fleißige Chorfrauen und Chorherren sorgten. Bekannt unter ihnen ist der Schreiber Bernhard, der als Kustos und Bibliothekar die Schreibschule leitete und selbst viele Bücher schrieb, als Notar die Traungauer begleitete und spät er dem Stift Vorau 1185 bis 1202 als Propst vorstand. Auch in Vorau finden sich Codices mit seiner Schrift bzw. Seckauer Provenienz, wie vermutlich bei der Gründung des Stiftes Stainz 1229 Handschriften aus Seckau auch dorthin gelangten. Weitere Schreiber des 13. Jahrhunderts waren etwa Pipinus, Waltherus, Francho, Johannes, Konrad und Engelbert und Dietreich im 14. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwähnenswert sind Hs. 807, ein Graduale des 12. Jahrhunderts, welches das älteste deutsche Beispiel einer Choralnotation auf vier Zeilen bringt, während Hs. 1501 mit ihrer &amp;quot;Heinrichslitanei&amp;quot; für Germanisten von Bedeutung ist. Besondere Beachtung errang wiederum Hs. 756, welche die ältesten deutschen Kirchenlieder der Steiermark (größtenteils Übersetzungen lateinischer Hymnen und Sequenzen) enthält und auch die Überlieferung der mittelalterlichen Osterliturgie mit den frühesten deutschsprachigen Osterliedern &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot; und &amp;quot;Es gingen drei vrouwen&amp;quot; niederschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Versuch der Verbindung des Kirchenvolkes mit der liturgischen Gemeinschaft zeugt etwa auch die Seckauer Weihnachtskomplet aus dem Jahre 1345, wobei sich hier besonders auch der beliebte weihnachtliche Volksbrauch des sog. &amp;quot;Kindlwiegens&amp;quot; wiederfindet. Unter Propst Dürnberger (1480-1510) wurde das Graduale und &amp;quot;Sequentiarium Seccoviense&amp;quot;, Hs. 17, geschrieben, das mit seinen wunderbaren Initialen, Miniaturen, Ranken mit Bildern aus der Pflanzen- und Tierwelt nach der Natur, den künstlerischen Realismus des 15. Jahrhunderts wiedergibt. Die Initiale auf fol. 217v zeigt den Stiftsgründer Adalram samt Modell des Domes mit seinen beiden verschiedenen Türmen, womit dieser Abbildung baugeschichtliche Bedeutung zukommt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Blütezeit der Seckauer Schreib- und Malkunst fällt in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts und hält im 13. Jahrhundert an. 71 Seckauer Handschriften des 12. Jahrhunderts befinden sich heute in der Universitätsbibliothek Graz, was auf eine erstaunlich produktive Schreibschule schließen lässt. Zu den Zimelien gehören vor allem die von den Chorfrauen erzeugten Handschriften. H. 286, ein Psalterium aus der Zeit um 1150, zeigt im Widmungsbild auf fol. 62v etwa die Stiftsgründerin Richinza und die vermutliche Meisterin Chunigundis. Hs. 287 enthält das älteste deutsche Marienlied der Steiermark, eine &amp;quot;Mariensequenz&amp;quot;, die eine Übertragung der lateinischen Sequenz &amp;quot;Ave praeclara maris stella&amp;quot; darstellt. Hs. 1505, das Gebetbuch einer Nonne, ist nicht nur eine Sammelhandschrift des 12. Jahrhunderts u. a. mit deutschen Gebeten und einem ungewöhnlichen Wurmsegen (fol. 133r). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert liefern die Chorfrauen verlässliche Kontinuität ihrer Schreibkunst und in der Technik des Federzeichnens. Bücherlegate waren willkommen. Bischof Matthias Scheit (t 1512) etwa vermachte seine umfangreiche Bibliothek mit ca. 100 Inkunabeln dem Domstift. Diese Bände wurden in Seckau rubriziert und mit Initialen versehen. Etliches davon ging im Josephinismus durch den Bibliothekar Herzl der Universitätsbibliothek in Graz verloren, da dieser aus der Scheit-Bibliothek Verkäufe an die Universitätsbibliothek in Lemberg tätigte. Nach der Aufhebung des Stiftes Seckau 1782 kamen aus Seckau 341 Handschriften, 200 Inkunabeln und rund 700 andere Druckwerke über Wien nach Graz und wurden dort der Universitätsbibliothek eingereiht. Anhand der Kataloge hatte man zunächst Spezialwerke nach Wien geholt, um sie dann aber wieder nach Graz abzugeben. Vieles ging aber gleich direkt nach Graz. Der im 18. Jahrhundert angelegte &amp;quot;Catalogus antiquus bibliothecae Seccoviensis&amp;quot; (Universitätsbibliothek Graz Hs. 2039) verzeichnet 3.178 Werke. Rund 1.300 von diesen sind heute noch erhalten. Der ehemalige Bibliotheksraum der Augustiner-Chorherren, 1660 gebaut, wurde später von den Benediktinern zu einem Refektorium umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
Nur die mündliche Tradition weiß noch davon zu berichten , dass sich das ehemalige Chorherrenkloster, von dem natürlich keinerlei Reste mehr zu entdecken sind, im Bereich des späteren Wirtschaftsgebäudes des Pfarrhofes in St. Marein befunden habe. Mit vereinten Kräften ging man an die Errichtung des Klosters in Seckau, das zunächst wohl hölzerne Gebäude erhielt. Der entdeckte Sandsteinbruch sollte das benötigte Baumaterial für die geplanten Gebäude liefern. Das erste Gotteshaus der hiesigen Chorherren war die Magdalenenkapelle, deren Altar noch vor 1152 geweiht wurde. Dieser romanische Rundbau barg im unteren Teil eine Art Gruft, im oberen Teil die Kapelle. Wenige Meter hinter der Apsis der Basilika sind heute noch ihre Mauerreste zu sehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in Seckau ordnete man die Räumlichkeiten anhand des traditionellen Grundrisses für die Errichtung von Klöstern an, wie er laut dem Schema von St. Gallen aus dem 9. Jahrhundert bekannt ist, welches auf die althergebrachte Praxis der Römerlager zurückging. Wahrscheinlich waren die Baumeister und Steinmetze für den Bau der Klosterkirche 1142 aus Sachsen gerufen worden. Die Basilika entstammt der Bauschule Hirsau (Vorbild St. Godehard in Hildesheim) mit ihrer schlichten Grundrissform (61,6 m lang), dem Wechsel von zwei Säulen mit einem Pfeiler, den drei Apsiden und zwei Türmen an der Westfront. Breite (7,90 m) und Höhe (15,87 m) der Kirche stehen zueinander im für die Hirsauer Schule üblichen Verhältnis 1:2. Erzbischof Konrad I., der ja in seinem mehrjährigen Aufenthalt in Hildesheim die dortige Kultur und Kunst kennengelernt hatte, stand wohl als Initiator für die Berufung der sächsischen Bauhütte nach Seckau im Hintergrund. Es sind uns keine Namen von Baumeistern außer den beiden Maurern (''cementarii'') Gundram und Heinrich überliefert, die hier mühsame Arbeit leisteten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf alle Fälle waren Fachleute am Werk, da man ihre romanischen Steinmetzzeichen auch in Kärnten wieder erkannte. Bischof Hartmann von Brixen weihte die Kirche und den Hochaltar am 16. September 1164. In der Basilika war auch ein Lettneraltar für die Laien errichtet worden. Erst 1601 wurde der Dreikönigsaltar mit seinen plastischen Darstellungen durch einen neuen Hochaltar ersetzt. Der eigentliche Innenraum der dreischiffigen romanischen Basilika bis zum Chor ist unversehrt erhalten und übt eine überwältigende Raumwirkung aus. Im Westen finden sich zwei quadratische Türme mit Vorhalle und im Osten drei Apsiden in einer Flucht neben einander, welche allerdings 1892 durch den Einbau eines Querschiffes verändert wurden. Der nördliche der beiden Achteckpfeiler in der Basilika trägt sechs Hochreliefdarstellungen, um deren Bedeutung lange gerätselt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reliefs gliedern sich in zwei Gruppen zu je drei Darstellungen gegen Westen und Osten. Auf der Westseite finden sich Moses, ein Bischof und ein Rind, auf der Ostseite ein Mensch mit Buch, ein Adler mit einem nackten Kauernden sowie ein Löwe abgebildet. Im Kontext der zeitgenössischen Ikonographie und der Theologie des Rupert von Deutz ergeben sich jedoch eindeutige Hinweise, dass sich hier beim Achteckpfeiler ehemals der Standort des Taufbrunnens befunden haben muss. Die vier Wesen erscheinen als symbolische Abbilder der ''principalia sacramenta'', nämlich der Menschwerdung, Passion, der Auferstehung und Himmelfahrt Christi. Das Menschwesen symbolisiert die ''incarnatio'', das Rind die ''passio'', der Löwe die ''resurrectio'' und der Ad er schließlich die ''ascensio'' Christi. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das westlich situierte Bild des Rindes weist auf den Opfertod Christi, während gegenüber Mensch, Adler und Löwe auf den Triumph Christi und die Erlangung des Heils verweisen . Der Adler symbolisiert die Himmelfahrt Christi, der die Seinen - den nackten Kauernden - mit sich zum Vater führt. Der Bischof vollzieht am Täufling die genannten Stationen christlicher Erlösung. Moses, als nachdenklich er Prophet dargestellt, nimmt auf die Taufe Bezug, indem er mit dem Stab auf das Quellwunder bzw. auf den Durchzug durch das Rote Meer verweist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Achteckform des Pfeilers ist als Symbol für die Auferstehung zu deuten, während durch die Sechszahl der reliefierten Pfeilerseiten auf den sakramentalen Tod des Menschen mit Christus im Taufritus angespielt wird. Zu den bis heute erhalten gebliebenen Schätzen aus der Romanik gehört auch die berühmte Kreuzigungsgruppe aus der Zeit um 1160, die unter Propst Dürnberger um 1490 aus der Basilika entfernt und in der Pfarrkirche St. Jakob aufgestellt wurde, wo sie bis zu deren Abtragung 1786 verblieb. Danach wurde der Kruzifixus in einer Wegkapelle beim Vorwitzhof, in der Ortsgemeinde Gaal gelegen, aufgestellt. Die Assistenzfiguren wurden mit einem etwas jüngeren Kreuz vereinigt und kamen 1890 wieder an den ehemaligen Standort unter dem Triumphbogen des Mittelschiffes in der Basilika. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1930 konnte das Bundesdenkmalamt den Verkauf des &amp;quot;Gaaler Kruzifixus&amp;quot; in das Ausland gerade noch verhindern. Heute befindet sich dieses Kreuz im Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck. In die Zeit zwischen 1164 und 1181 fällt die Weihe der Margarethenkapelle an der Nordseite der Basilika. Hier verrichteten angeblich die Chorfrauen ihre Gebetszeiten. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erfolgte die Gotisierung der Kapelle und der Patroziniumswechsel zur hl. Barbara. Mit dem Aussterben des Frauenkonvents wurde die Kapelle 1590 von Bischof Martin Brenner als Grablege der Bischöfe bestimmt und ist seither als Bischofskapelle bekannt. Brenner wollte die Bischöfe und die Landesfürsten (Habsburgermausoleurn) im Tode nebeneinander ruhen sehen, da man auch im Leben für die Erhaltung des katholischen Glaubens vereint gestritten hatte. Bischof Brenner ließ dort 1595 Porträts von 32 seiner Vorgänger im Bischofsamt ''al Fresco'' malen und mit Texten aus der Hl. Schrift versehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier befindet sich seit 1950 auch der berühmte Dreifaltigskeits- oder Mariä-Krönungs-Altar von 1489, der wahrscheinlich von einem Südtiroler Schnitzer stammt. Heute dient die Bischofskapelle als Taufkapelle. Erst nach ihrer Weihe 1164 erhielt die Kirche im Westen Türme. Den südlichen, der von der Giebelwand getrennt war und frei stand, ziert das Wappen von Propst Wernher (t 1196). Der Nordturm wurde erst unter Bischof Wocho 1333 vollendet und im vierten Stockwerk als Achteck ausgeführt, wie eine Miniatur in Hs. 17, fol. 217 belegt. Das Seckauer Gnadenbild aus dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts - &amp;quot;Unsere liebe Hausfrau&amp;quot; bzw. &amp;quot;Ursprungsbild&amp;quot; genannt - stellt die thronende Gottesmutter mit dem Christusknaben am Schoß in einem Alabaster- bzw. Jaderelief dar. Die Nikopoia dürfte einer venezianischen Werkstatt mit byzantinischem Vorbild entstammen und befand sich zunächst in der Chorfrauenkapelle, kam dann in den Kreuzgang bzw . wurde im Kapitelsaal über dem Eingang zur Liechtensteinkapelle aufgehängt und wurde immer viel besucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitelsaal wurde wegen des Gnadenbildes auch &amp;quot;Ursprungskapelle&amp;quot; genannt. Auf welchem Weg bzw. durch wen das &amp;quot;Ursprungsbild&amp;quot; nach Seckau kam, dafür gibt es keine Belege. Schon mit 17. Dezember 1332 wurde von Papst Johannes XXII. in Avignon ein vierzigtägiger Ablass für den Besuch des Bildes erteilt, wodurch sich Seckau zu einem wahren Wallfahrtsort entwickelte. Das Gnadenbild wurde 1789 auf den Hochaltar übertragen bzw. 1883 in der Bischofskapelle aufgestellt. 1953 wurde das Bild von Br. Bernward Schmid OSB neu gefasst und fand 1954, anlässlich des &amp;quot;Marianischen Jahres&amp;quot;, in der Sakramentskapelle den nunmehrigen Platz zur Verehrung. Nach dem Stiftsbrand vom 7. Nov. 1259 erstand das Kloster wieder auf die Initiative und gute Wirtschaftspolitik des neuen Propstes Ortolf von Prank (1259–1289) und die Tatkraft des Konversen Wilhalmus hin, der das Kloster, vor allem aber die Basilika, Decken und Kreuzgang mit St-Johann-Baptist-Kapelle (Fresken mit der Vita St. Joannis Baptistae um 1280 in 17 Szenen) aufbaute. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die Autorenschaft des Freskenzyklus mit der Johannesvita kommt am ehesten der ''constructor monasterii conversus Wilhalmus'' in Frage. Beachtung verdient auch das Tympanonrelief von 1260 über dem Portal der Basilika, welches die Madonna mit dem Kind auf einem von zwei Löwen begrenzten Thron darstellt. Seit Ende des 15. Jahrhunderts befand es sich über dem Sakristeieingang, seit 1964 über dem Westportal der Basilika. Aufgrund der guten Beziehungen zu Propst Ortolf und zu den Chorherren erwählte der letzte Minnesänger, Ulrich von Liechtenstein, Seckau zum Ort einer Grabstätte für sich und seine Familie. Er begann mit dem Bau einer Kapelle in unmittelbarem Anschluss an den romanischen Kapitelsaal im Osten des Kreuzganges, verstarb aber bereits 1275, weshalb sein Sohn Otto den Bau fortsetzte und vollendete. Bischof Wernhard weihte diese frühgotische Kapelle am 6. Mai 1279. Da die Kosten für die dringend notwendige Renovierung der Kapelle und ihren reichen Freskenschmuck nicht aufzubringen waren - von Seiten des Staates bestand nach der Aufhebung des Stiftes kein Interesse - wurde 1837 durch den Verwalter der Radmeister-Communität, Leopold von Pebal, die Abtragung veranlasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pebal hatte die Kapelle zuvor wen gstens genau vermessen und dokumentieren lassen. Demnach handelte es sich bei dem Bau um einen aus drei Jochbögen bestehenden mit Rippengewölbe überspannten Raum, der nach Osten mit einem aus sieben Seiten des Zwölfecks gebildeten Chorabschluss. Innen war die Kapelle mit Fresken ausgestaltet und nach außen durch Strebepfeiler gestützt. Aus der Zeit vor 1400 stammt das Seckauer Vesperbild in der Basilika, eine Vollplastik aus Lindenholz, die in enger Verbindung mit dem Klosterneuburger Vesperbild steht. Mit Propst Andreas Enstaler (1436–1480) begann eine der produktivsten Zeiten in der Seckauer Kunstgeschichte. Trotz schwieriger Zeitumstände, wie es die drei &amp;quot;Gottesplagen&amp;quot; Türken, Pest und Heuschrecken waren, konnte er Großartiges leisten. So ließ er 1438 von Hans Mitter aus Judenburg und 1443 eine Glocke gießen, von welchen nur mehr die St.-Augustinus-Glocke erhalten ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1437 begann der Bau der spätgotischen Kirche von St. Marein durch den Admonter Baumeister Niklas Velbacher, wie die Inschrift von 1445 besagt. Geweiht wurde die Kirche aber erst 1491. Auch für die Seckauer Basilika ließ Enstaler Kunstwerke anschaffen: 1439 einen zierlichen Kronleuchter aus Bronze, der ursprünglich über dem Grabmal des Stifters, jetzt vor dem Mariä-Krönungs-Altar in der Bischofskapelle hängt; 1459 das Weihwasserbecken, ein sog. &amp;quot;Quendelstein&amp;quot;, das heute in der Vorhalle der Basilika steht; mehrere Epitaphien sind beachtenswert: der Grabstein des Bischofs Georg I. von Lembucher (1443–1446), des Bischofs Georg II. von Überacker (1452–1477), des Edlen Johannes Prancker von Prank (1450) sowie der Meisterin des Chorfrauenkonventes Agnes Enstaler (1455), der leiblichen Schwester des Propstes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert sind die beiden Seckauer Chorherren, der Maler Albert (verstorben unter Propst Andreas Enstaler) und der Steinmetz Marcus Male (t 11. April 1495 an der Pest) als Meister ihres Faches bekannt. Letzterer schuf u.a. das Netzgewölbe in der Basilika . Propst Johannes Dürnberger (1480–1510) ging als Kunstmäzen in die Geschichte ein. Er besorgte die Wiederherstellung und 1490 die Neuausstattung mit Gewölbemalereien der durch die Türken schwer beschädigten Kirche von St. Marein. Im Dom ließ er mehrere Altäre und auch eine neue Orgel mit 55 Zinnpfeifen von Meister Hans Pruner aus St. Veit an der Triesting um 1500 aufstellen, die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ihren Dienst tat. Sein Wahlspruch ''Ave spes mea, Jesus et virgo Maria'' findet sich auf sämtlichen Kunstwerken seiner Zeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein markante Arbeit aus Dürnbergers Zeit ist auch das Tafelgemälde der Seckauer Gregoriusmesse von 1486, das seit 1986 im Oratorium der Abtei hängt. In der Folge des Türkensturmes rief Papst Sixtus IV. 1481 zum Kampf gegen die Feinde auf. Es wurden deshalb Kardinäle als Kommissäre zur Finanzaufbringung ausgeschickt, die 1482 auch nach Seckau kamen, wie das Gemälde zeigt. Hier wird die Lehre von Papst Gregor optisch umgesetzt, welcher betonte, dass sich Christus in der Eucharistie immer wieder als Schmerzensmann zur Sühne hingibt und sein Blut in den Kelch am Altar fließen lässt. Das Tafelbild hing wohl nicht ganz ohne Grund ursprünglich in St. Marein, das ja unter den Türken besonders zu leiden hatte. Stifter waren die Brüder Zwickl. Laurentius Zwickl war Pfarrer von St. Margarethen an der Raab, während sein Bruder Johannes als Chorherr in Seckau wirkte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Glanzstück voll Liebreiz aus Dürnbergers Schaffenszeit ist der Mariä-Krönungs-Altar oder Dreifaltigkeitsaltar, der 1950 in der Bischofskapelle seine Aufstellung fand. Interessant ist die Darstellung der drei göttlichen Personen in Menschengestalt: Drei bekrönte Häupter entstammen einem einzigen Körper mit zwei Händen, mit denen die Krönung Mariens, die direkt zum Betrachter sieht, vollzogen wird. Die Mittelgruppe wird von einem Doppelkreis mit einer Fülle von Gestalten der Heilsgeschichte umgeben. Der Altar wurde 1489 geweiht, wechselte öfters seinen Standort und diente vorübergehend 1848 bis 1893 sogar als Hochaltar. Wer dieses Kunstwerk schuf, ist unbekannt. Der Charakter dieses Schnitzwerkes und die guten Beziehungen zum Chorherrenstift Neustift bei Brixen lassen sogar einen Meister aus Südtirol (Hans Klocker, Schüler von Michael Pacher) vermuten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die plastische Gruppe &amp;quot;Vermählung der hl. Katharina&amp;quot;, die Maria mit dem Jesuskind, das der hl. Katharina von Alexandrien den Ring ansteckt, sowie den Apostel Jakobus als Pilger darstellt, verdient besonderes Augenmerk. Sie entstand um 1520 und wird dem Meister von Rabenden zugeschrieben. 1502 wurde die St.-Luzia-Kapelle im Ort eingeweiht, welche mit dem Armenspital aus dem Vermögen des aufgehobenen Chorfrauenklosters errichtet worden war. Obwohl ab 1782 als Gemeindearrest missbraucht, blieben die wunderbaren spätgotischen al-secco-Fresken über Krankheit, Leid und die helfende Caritas (u.a. hl. Elisabeth und hl. Martin) unter der Tünche erhalten und gehören heute zu den Kostbarkeiten von Seckau. 1969 erfolgte die letzte und rettende Renovierung dieser Fresken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn auch Propst Gregor Schärdinger (1510–1531) unter den Forderungen der Terz und der Quart mit großen wirtschaftlichen Einbußen zu kämpfen hatte, besorgte er dennoch einige kunstvolle Neuerungen in den Pfarren und auch im Dom. Gehören die Schnitzaltäre und Tafelgemälde, wie sie für die Pfarren und Filialen angeschafft wurden, noch ganz der Gotik an, bestellte Propst Gregor für den Dom den zierlichen Kreuzaltar 1523, der bereits den neuen Geist der Renaissance atmet. Der aus Neustift bei Brixen stammende Propst Leonhard Arnberger (1541–1560) wurde 1509 in Seckau aufgenommen. Wie auch andere Verwandte seiner Familie hatte er künstlerisches Talent und dürfte wohl vor seiner Zeit in der Stiftsführung auch als Bildhauer gearbeitet haben, gab man ihm doch den Beinamen &amp;quot;plastes&amp;quot;. Es gibt jedoch keine direkten Hinweise auf Werke aus seiner Hand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl II. von Innerösterreich (1564–1590) und seine Gemahlin Maria von Bayern erwählten sich den Seckauer Dom als standesgemäße Grabstätte. Ihre besonderen Verdienste liegen im erfolgreichen Bemühen um die Rekatholisierung ihrer Länder Steiermark, Kärnten, Krain, Görz und Istrien. Propst [[Laurentius Spielberger]] (1566–1587) konnte bei Karl II. 1580 mit seinem Vorschlag der Vision des Propheten Ezechiel (Ez 37, 1-14) als Programm zum bereits 1575 geplanten Mausoleum nicht durchdringen. Szenen aus der Passionsgeschichte nebst Bildern aus Heiligenleben und der griechischen wie römischen Mythologie kamen stattdessen zur plastischen Umsetzung. Dieses Grabmal wurde eine prunkvolle Manifestation der beginnenden Gegenreformation. Zwischen 1587 und 1611 arbeiteten eine ganze Reihe an Künstlern an diesem grandiosen Werk. Der zunächst beauftragte Baumeister Alexander de Verda vollendete die Gruft 1588, während sich dann Sebastian Carlone mit bis zu 24 Gehilfen 1589 bis 1595 um das eigentliche Mausoleum mit dem Kenotaph und die Ausgestaltung kümmerte. Endgültig fertiggestellt war das Mausoleum 1611 mit der Stuckierung der Wände. Dort sieht man obenauf Erzherzog Karl II. und seine Gattin Maria als lebensgroße Figuren am Totenbett liegend. Maria wurde jedoch nicht in Seckau, sondern im Grazer Mausoleum zur letzten Ruhe bestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Theodor Ghisi zeichnete mit seinen Gehilfen für den Decken- und Wandschmuck mit seinen Ölgemälden auf Leinwand verantwortlich. Im Ganzen ist diese Fürstenkapelle mit 50 Ganzfiguren, 150 kleineren Relieffiguren und mehr als 60 Köpfen aus Stuck und Marmor ausgestattet. Die neun Särge in der Habsburgergruft blieben bis 1827 unberührt. Der damalige Verwalter der Radmeister-Communität, Leopold von Pebal, ließ die Zinnsärge durch solche aus Zirbenholz ersetzen, um das Zinn einzuschmelzen und sich zu bereichern. 1588 wurde durch Bernhard de Silvo der romanische Kreuzgang bis auf ein kleines Stück abgebrochen und durch einen neuen im Stil der Renaissance mit zweigeschossigen Arkaden ersetzt. Bei den Renovierungsarbeiten 1966/ 67 stieß man auf diese Reste aus der Zeit der Romanik mit ihren Säulchen und Flechtwerkkapitellen, die freigelegt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1603 brannte die Prälatur ab, die Propst Sebastian II. Kueler (1589–1619) wieder aufbauen und Neubauten im Südflügel errichten ließ. Von der eigentlichen romanischen bzw. gotischen Klosteranlage ist fast nichts mehr erhalten, da die Neubauten im Renaissancestil im 16. und 17. Jahrhundert die Vorgängerbauten verdrängten. Unter Propst Andreas von Potiis (1619–1657) erstanden der &amp;quot;Huldigungssaal&amp;quot; 1620 als Repräsentationsraum mit seinem mächtigen Renaissanceluster, angeblich aus erbeuteten Türkenkanonen gegossen, sowie zwischen 1625 und 1628 der Westtrakt und der bis zum Mittelbau reichende Südflügel. 1640 wurde der &amp;quot;Kaisersaal&amp;quot; errichtet, der anlässlich des Besuchs von Kaiser Leopold I. in Seckau 1660 mit Fresken der Wappen der österreichischen Erbländer geschmückt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Graf von Gleispach (1657–1700) fand im Leobener Baumeister Peter Franz Carlone einen ebenbürtigen Partner für die geplanten baulichen Vorhaben. Carlone trat 1658 seinen Dienst an und war bis zu seinem Tod 1682 für Seckau tätig. So erstanden unter seiner Führung der Umbau der östlichen Hälfte des Südflügels zu einem zweigeschossigen Bau mit ebenerdiger Klosterküche und Refektorium im Obergeschoss; Aufstockung des gesamten Ostflügels zwischen den beiden Ecktürmen im Nord-Südosten durch ein zweites Stockwerk; Umbau des Westflügels des Kreuzganges durch Aufstockung zwischen Kirche und Huldigungssaal; Errichtung des heute noch bestehenden Wirtschaftsgebäudes mit Stallungen und Meierhaus; Bau der noch bestehenden Gartenmauer; Neubau der Hoftaverne (Hofwirt); Behausung für den Hofbinder; Bau eines neuen zweigeschossigen Badehauses. 1660 wurde die Bibliothek erbaut, die heute als Refektorium Verwendung findet. Ab 1671 besorgte Carlone auch den Umbau der Westfassade und die Erhöhung der Türme der Basilika um gut fünf Meter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obenauf kamen noch ungefähr 12,5 Meter hohe Zwiebelhauben. Die Portalgestaltung führte laut Carlones Plänen der Judenburger Steinmetz Matthias Pruner durch. Aus der 1672/73 beabsichtigten Baruckbierung der Basilika wurde jedoch nichts, da die ständige Türkengefahr zu viele Geldmittel für die Abwehr verschlang, die der Kaiser vor allem den Klöstern abforderte. Die einzige Neuerung in der Basilika war also der neue Hochaltar von Sebastian Carlone, der 1601 aufgestellt wurde und 1848 weichen musste. Propst Paul Franz Poiz (1703–1733) besorgte als Kunstmäzen bzw. als Auftraggeber für spätbarockes Kunstschaffen in Seckau selbst und in den inkorporierten Pfarren umfassende Veränderungen. Zum Dank für die Abwendung der Pest wurde 1715 auch eine Votivsäule in Auftrag gegeben. Propst Maximilian Mayr (1733–1737) ließ in seiner nur kurzen Amtszeit prächtige Pontifikalien für das Domstift anschaffen und führte die Renovierung des Schlosses Hautzenbichl durch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung ging es mit dem Stiftsgebäude nach 1782 steil bergab. Soweit die Gebäude nicht in Verwendung waren, begann für die weitläufige Anlage ein rascher Verfall. Der Ostflügel aus dem 17. Jahrhundert sank nieder und musste abgetragen werden. Mit Ausnahme eines Teiles des Nordflügels, in welchem die Pfarrgeistlichkeit wohnte, des Süd- und Westflügels - letzterer diente den Beamten der Radmeister-Communität Vordernberg als Wohnung und Verwaltung, ferner war auch die Schule darin untergebracht - wurde alles dem Verfall preisgegeben. Nur zwei der ehemals vier imposanten Wehrtürme sind noch existent. Auch die frühgotische Ulrich-Liechtenstein-Kapelle musste 1837 abgetragen werden, weil sich kein Finanzier für die dringend notwendige Restaurierung fand. Der Verwalter, Leopold von Pebal, der das volle Vertrauen Erzherzog Johanns besaß, hinterging alle, störte die Grabesruhe, raubte den Schmuck der Habsburger aus dem Mausoleum, ließ die neun Zinnsärge einschmelzen und schreckte auch vor den bischöflichen Gräbern nicht zurück. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Turmsturzkatastrophe vom 26. Mai 1886 richtete alle Aufmerksamkeit auf die Abtragung auch des südlichen Turmes und die neuerliche Errichtung 1891 bis 1893 nach den Plänen von P. Pirmin Campani mit einer Höhe von 47,5 m. Als man die Basilika 1892 im Osten von 61,6 m auf 73 m verlängerte, wurde auch ein Querbau (Transept) eingezogen, um mehr Platz für den Chorraum zu schaffen. 1894 folgte dort der neoromanische Hochaltar mit dem Baldachin nach dem Vorbild von S. Giorgio in Velabro und S. Stefano in Campo Verano in Rom. Mit der Neugestaltung des Presbyteriums 1964 kam dieser Hochaltar in die Kaiserjubiläumskirche an der Reichsbrücke nach Wien am Mexikoplatz. Der Architekt Prof. Clemens Holzmeister aus Wien sorgte nun für die Neuordnung um den einfachen Tischaltar und ließ die romanische Kreuzigungsgruppe auf einem Eichenholzbalken über diesem aufhängen. In seinen Plänen waren bereits die Anordnungen des Zweiten Vatikanischen Konzils vorweggenommen. Der neue Hochaltar war ein Geschenk der Diözese Graz-Seckau und wurde am 5. September 1964 konsekriert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Dank für die Gymnasialausbildung seiner beiden Söhne in Seckau schuf der Wiener Künstler Herbert Boeckl zwischen 1952 und 1960 durch die Ausmalung der Engelkapelle mit Fresken aus der Apokalypse und Heilsgeschichte eines der bedeutendsten Werke sakraler Kunst des 20. Jahrhunderts. Zum l00-jährigen Bestehen als Benediktinerkloster wurden 1980 bis 1983 umfangreiche Renovierungen an den Außenfassaden vorgenommen. Statt des bisherigen &amp;quot;Schönbrunner-Gelbs&amp;quot; schlug das Bundesdenkmalamt einen stumpfen Ocker in rötlich-braunen Farbton vor. Die sachgerechte Auffrischung des Reliefschmucks an den Arkaden des großen Hofes bedurfte besonderer Sorgfalt. Republik Österreich, Land Steiermark und die Abtei teilten sich die Kosten. Dringend notwendig ist er eine grundlegende Sanierung, wofür derzeit sehr viel Energie und Mühe aufgebracht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Sämtliche bis zur Gründung des Stiftes zurückreichenden Archivalien wurden bei der Aufhebung des Chorherrenstiftes 1782 ausgelagert und kamen nach Graz. Die Bestände wurden im Lauf der Zeit kaum beeinträchtigt. Der Katalog des 17. Jahrhunderts erwähnt Archivalien aus dem 15. Jahrhundert, die nicht erhalten geblieben sind. Das Urbar von 1474 ist etwa verloren gegangen, von dem aber wenigstens noch Auszüge durch die Arbeiten des Archivars Matthias Ferdinand Gauster erhalten blieben. Die umfangreiche Seckauer Urkundensammlung mit knapp 2.000 Stück wurde den Beständen des Diözesanarchivs Graz (Urkundenreihe II) und des Steiermärkischen Landesarchivs (allgemeine Urkundenreihe) einverleibt. Im ''Chronicon sive Diplomatarium Seccoviense'' finden sich die entsprechenden Regesten zu diesen Dokumenten. Das Steiermärkische Landesarchiv bewahrt die gesamten Bestände des Stiftsarchivs Seckau wohl geordnet und katalogisiert in 870 Schubern. Im Diözesanarchiv umfassen die Archivalien zum Chorherrenstift Seckau sechs Schachteln. Die bedeutenden Werke zur Seckauer Stiftsgeschichte aus den Federn der drei Archivare Johannes und Thomas Jurichius&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Liber benefactorum Ecclesiae Seccoviensis&amp;quot;; &amp;quot;Protocollum Capituli Seccoviensis&amp;quot; 1140–1457; &amp;quot;Rapsodus seu Index Rerum omnium&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie Matthias Ferdinand Gauster&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Praesulatus Seccoviensis&amp;quot; in vier Teilen; &amp;quot;Collectanea ad Praesulatum Seccoviensem&amp;quot;; &amp;quot;Viridarium Rituum ecclesiasticorum&amp;quot;; &amp;quot;Monumenta Seccoviensia&amp;quot; in vier Teilen; &amp;quot;Diarii Seccoviensis&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; befinden sich teils im Abteiarchiv, teils im Diözesanarchiv Graz. Dank der zahlreichen Veröffentlichungen von Benno Roth (1903–1983) zur Geschichte des Chorherrenstifts und der späteren Benediktinerabtei gehört Seckau wohl zu den wenigen Klöstern, die ihre Geschichte von der Gründung bis zur Gegenwart gewissenhaft aufgearbeitet haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne== &lt;br /&gt;
Aus der ersten Zeit sind keine Darstellungen oder Pläne des Seckauer Stiftes erhalten geblieben. Die frühesten Abbildungen ab 1150 zeigen Personen aus den Herren- und Frauenkonventen. Die Initiale T und die darin enthaltene Miniatur aus Hs. 17, fol. 217v zeigt den Stiftsgründer Adalram von Waldeck mit dem Modell der Kirche in seinen Händen. Diese Darstellung aus der Zeit um 1480 hat baugeschichtliche Bedeutung, da sie nicht nur den romanischen Kirchenbau, sondern auch die beiden Türme zeigt, wobei der Nordturm bereits in der Höhe des Dachstuhls des Hauptschiffes gotisiert wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1333 erfolgte der Bau des vierstöckigen Nordturmes, dessen oberste Etage als Oktogon ausgeführt wurde. Georg Matthäus Vischer brachte 1681 in seiner &amp;quot;Topographia du catus Styriae&amp;quot; auch zwei Kupferstiche, die „DAS FÜRSTI: TVMSTYFT SECAV&amp;quot; zeigen. Das eine Mal &amp;quot;Wie es von Occidente hiemali zu sehen&amp;quot;  und das andere Mal &amp;quot;Wie es von Auffgang der Sonnen zu sehen&amp;quot;. Gerade als Druckwerk sind diese beiden Darstellungen die verbreitetsten. Man erhält einen guten Überblick zum gesamten Stiftskomplex samt Umgebung. Im Süden sind der Getreidekasten, das Dürnberger-Spital und die Leutekirche St. Jakob mit Markt zu sehen. Im Westen der Meierhof mit Wirtschaftsgebäude und auch der Hofwirt noch vor dem barocken Umbau. Im Osten die Schlösser Diernberg und Pranckh. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei lavierte Federzeichnungen aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert zeigen große Ähnlichkeit zu den Kupferstichen von Vischer. Auf dem Kupferstich &amp;quot;Die gnaden Mutter Maria Schnee auf der Hochalpen bey Sekkauin Obersteyer&amp;quot; ist auch eine Teilansicht des Westflügels des Stiftes samt Mariensäule und Markt aus der Zeit nach 1720 zu sehen. Das an der Nordwand der Vorhalle der Basilika hängende Votivbild des Dompropstes Paul Franz Poiz stellt die drei Gottesplagen (Heuschrecken, Türken und Pest) dar und trägt die Aufschrift „SVB TVVM PRAESIDIVM CONFVGIMUS SANCTAE DEI GENITRIX:&amp;quot;. Das Ölgemälde stammt aus der Zeit um 1729. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein prächtiges Thesenblatt, das der landschaftliche Kupferstecher Christof Diettel 1737 für den Chorherrn Antonius Aigentler schuf, zeigt in der oberen Hälfte das Innere des Habsburgermausoleums und darunter die Stiftsanlage aus westlicher Blickrichtung. Auch die Magdalenen-, Ulrich-Liechtenstein-Kapelle und der Karner sind zu sehen. Links und rechts umgeben sämtliche Propstwappen von der Gründung bis zum gegenwärtigen Propst Franz Xaver von Waiz das Blatt. Dem Archivar Matthias Ferdinand Gauster sind viele Aquarelle, die besonders das Innere des Domes zeigen, verdanken. Durch diese Abbildungen ist der Zustand in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts anschaulich dokumentiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem 18. Jahrhundert stammt das Ölgemälde „Heilige Apostel bittet bey Gott für uns&amp;quot;, auf welchem auch das Stift abgebildet ist. Vorzügliche Aquarelle von Seckau malte Leopold Kuwasseg. Einerseits eine Stiftsansieht von Osten um 1800 und auch eine Ansicht von Südwesten mit Beschriftung „Leopold Kuwasseg 1836&amp;quot;. Eine Lithographie von S. Kölbl mit dem Text „Der Kommunität Vordernberg gehörig im Judenb.(urger) Kr.(eis)&amp;quot; stellt das Seckauer Klostergebäude dar. Die Abbildung entstammt der Kaisersuite 1832-1835. Eine weitere aquarellierte Lithographie zeigt Seckau. Sie stammt von C. Reichert, Einst und Jetzt. Album, Steiermarks sämmtliche interessante Schlösser, Burgruinen, Städte, Märkte, Kirchen und Klöster. Ein vaterländisches Bilderwerk. Graz 1863- 1866, 3 Bde. Die „Abtei U. L. Frau zu Seckau&amp;quot; im Blick von Westen nach Osten zeichnete mit Bleistift auf Papier und signierte „21. 1. 1886, Fr. Hellrigl&amp;quot;. Die Situation ist noch aus der Zeit vor der Restaurierung der Kirche und dem Anbau des Transeptes. Ein aquarellierter Holzschnitt um 1890 von Viktor Luntz zeigt die Basilika noch vor dem Anbau des Transeptes und der Westtürme. Weeser-Krell schuf eine Lithographie der Abtei Seckau von Süd nach Nord 1931.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Anton Albrecher: Die landesfürstliche Visitation und Inquisition von 1528 in der Steiermark. Graz 1997 (Quellen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, 13).&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Chorherrenstifte in der Steiermark. In: In Unum Congregati 35/3-4 (1988), S. 21–33.&lt;br /&gt;
* Karl Amon / Maximilian  Liebmann (Hg.): Kirchengeschichte der Steiermark. Graz 1993. &lt;br /&gt;
* Franz Attems / Johannes Koren: Kirchen und Stifte der Steiermark. Innsbruck 1988, S. 59–62. &lt;br /&gt;
* Nikola Barazutti: Die Seckauer Liechtensteinkapelle. In: Heft Seckau 8/32-4 (1998), S. 5ff. &lt;br /&gt;
* Harald Berger: Das Stift Seckau und die Universität Wien im Mittelalter. In: Künstliche Intelligenz in Bibliotheken. 34. Österreichischer Bibliothekartag Graz 2019. Hg. von Christina Köstner-Pemsel / Elisabeth Stadler / Markus Stumpf  (Schriften der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare, 15), S. 353–366. [https://resolver.obvsg.at/urn:nbn:at:at-ubg:3-8098 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Sebastian Bock: Österreichs Stifte unter dem Hakenkreuz. Zeugnisse und Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus 1938 bis 1945. In: Ordensnachrichten 34/4a (1995), S. 218–225. &lt;br /&gt;
* Sebastian Brunner: Ein Chorherrenbuch. Wien 1883, S. 66. &lt;br /&gt;
* Odo Burböck: Die Pfarren und ihre Entwicklung im Bereich des Dekanates Knittelfeld bis zur Gründung desselben im Jahre 1787. Diss. Univ. Graz. Graz 1966. &lt;br /&gt;
* Liselotte Caithaml: Die Schrankenarchitektur des Mausoleums in der Seckauer Basilika. In: Heft Seckau 1/43-3 (2001), S. 5ff., Forts.: Heft Seckau 11/44-4 (2001), S. 6ff.&lt;br /&gt;
* Thomas Csanády: Von rohen und kunstvollen Stichen. Pergamentvernähungen an mittelalterlichen Handschriften aus Seckau. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Buchforschung in Österreich 1 (2019), S. 7–19.&lt;br /&gt;
* Thomas Csanády / Erich Renhart (Hg.): Libri Seccovienses. Studien zur Bibliothek des Augustiner Chorherrenstiftes Seckau. Graz 2018.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Deuer: Die romanischen Klosterkirchen der Steiermark. Hausarbeit des Institutes für österreichische Geschichtsforschung. Univ. Wien. Wien 1980.&lt;br /&gt;
* Susanne Frursch u.a.: Zeichenstein und Wunderbaum. Österreichs Kirchen und Klöster in ihren Ursprungslegenden. Klosterneuburg 2000, S. 152f. &lt;br /&gt;
* Kat. Ausst. Stift St. Lambrecht 1978. Gotik in der Steiermark. &lt;br /&gt;
* Johann Graus: Der Dom zu Seckau und die romanische Kunstperiode. In: Kirchenschmuck 2 (1871), Nr. 1, S. 1-3; Nr. 2, S. 17ff.; Nr 3, S. 25ff.; Nr. 4, S. 41f.; Nr. 5, S. 49ff.; Nr. 6, S. 65ff.; Nr. 8, S. 89ff. &lt;br /&gt;
* Johann Graus: Der Dom zu Seckau. In: Mitteilungen der K.K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale 19 (1874), S. 61–70. [https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/meeb1874/0067 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Johann Graus: Das &amp;quot;Ursprungsbild&amp;quot; zu Seckau. In: Kirchenschmuck 11/7 (1880), S. 77–79. &lt;br /&gt;
* Johann Graus: Die kirchliche Kunst im Stift Seckau. In: Küchenschmuck 14 (1883), Nr. 6, S. 70ff.; Nr. 9, 9. S. 101ff., S. 108ff. &lt;br /&gt;
* Johann Graus: Vom roten Ornat zu Seckau. In: Kirchenschmuck 21/1 (1890), S. 15f. &lt;br /&gt;
* Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 4: Kärnten und Steiermark. Wien 1956, S. 254. &lt;br /&gt;
* Josef Hasitschka: Auf den Spuren der Rotelboten. Alte Verbindungen zwischen den Stiften Admont und Seckau. In: Da schau her 23/4 (2002), S. 3–7. &lt;br /&gt;
* Heine: Der gotische Kronleuchter in der Klosterkirche zu Seckau. In: Mitteilungen der K.K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale 4 (1859), S. 139f. &lt;br /&gt;
* Albert Höfer: Die Entwicklung von Kerygma und Paränese in den Seckauer Kirchweih-Sermones vom 12. bis 15. Jahrhundert. Diss. Univ. Graz. Graz 1963.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Irtenkauf: Die Weihnachtskomplet im Jahre 1345 in Seckau. In: Musikforschung 9/3 (1956), S. 257-262; &lt;br /&gt;
* Josef Andreas Janisch: Topographisch-statistisches Lexikon von Steiermark. Bd. 3. Graz 1885, S. 867–893. [https://books.google.at/books?id=6WLRAAAAMAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA866-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Gregor Keller: Abtei Seckau in Obersteiermark. Graz 1902.&lt;br /&gt;
* Festschrift zum 50-jährigen Gründungsjubiläum der Abtei Seckau. Seckau 1933. &lt;br /&gt;
* Anton Kern: Die Handschriften der Universitätsbibliothek Graz. Band 1. Leipzig 1942; Bd. 2. Wien 1956. &lt;br /&gt;
* Johann Köck: Handschriftliche Missalien in Steiermark. Festschrift der K.K. Karl-Franzens-Universität in Graz für das Studienjahr 1915/16. Graz / Wien 1916. &lt;br /&gt;
* Georg Kodolotisch: Die spätgotischen Schnitzaltäre in Steiermark. Dissertation Universität Graz. Graz 1951. &lt;br /&gt;
* Georg Kodolotisch: Drei steirische Mausoleen - Seckau, Graz und Ehrenhausen. In: Innerösterreich 1564-1619. Joannea. Bd. III. Graz 1967, S. 325ff. &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1953, S. 133ff. &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Steirische Bildhauer vom Römerstein zum Rokoko. Graz 1956, S. 439ff. &lt;br /&gt;
* Rochus Kohlbach: Steirische Baumeister. Tausendundein Werkmann. Graz 1961, S. 435–438. [https://diglib.tugraz.at/download.php?id=602f965619bdc&amp;amp;location=browse (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Johann Krainz: Mythen und Sagen aus dem steirischen Hochland. Bruck/Mur 1880, S. 72. &lt;br /&gt;
* Josef Krassler: Der Figurenpfeiler im Seckauer Dom. In: Zeitschrift des historischen Vereins für Steiermark, Sonderbd. 16. Festschrift Otto Lamprecht. 1968, S. 119-123. &lt;br /&gt;
* Ferdinand Krauss: Die eherne Mark. Eine Wanderung durch das steirische Oberland Bd. 2. Graz 1897, S. 326ff. &lt;br /&gt;
* Michaela Kronthaler: Prägende Frauen der steirischen Kirchengeschichte. In: Christentum und Kirche in der Steiermark 5 (2000). Kehl a. Rhein 2000, S. 4f. &lt;br /&gt;
* Alois Lang: Der Prozeß des Seckauer Bischofs Matthias Scheit mit seinem Domkapitel 1497- 1512. In: Aus Archiv und Chronik 1950, S. 10-18, S. 36-44, S. 76-87, S. 104-117, S. 145-159. &lt;br /&gt;
* U. Laubert-Konietzny: Studien zur mittelalterlichen Plastik im Bereich der Südostalpen. Diss. Univ. München. München 1978. &lt;br /&gt;
* Josef Litzner: Bau- und Kunstgeschichte der Basilika und des Augustinerchorherrenstiftes Seckau. Seckauer geschichtliche Studien 2 (1934) (vorher Diss. Univ. Graz 1933). &lt;br /&gt;
* Rudolf List: Steirischer Kirchenführer Bd. 2. Graz 1979, S. 210ff. &lt;br /&gt;
* Maria Mairold: Die Handschriften der Universitätsbibliothek Graz. Band 3: Nachträge und Register. Wien 1967. [http://sosa2.uni-graz.at/sosa/katalog/MAIRO.htm (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Maria Mairold: Die gotischen Bucheinbände des Stiftes Seckau. In: Codices manuscripti 1 (1975), S. 13–22. &lt;br /&gt;
* Maria Mairold: Renaissance- und Barockeinbände des Stifts Seckau. In: Codices Manuscripti 1 (1975), S. 65–73.&lt;br /&gt;
* Maria Mairold: Seckauer illuminierte Inkunabeln in der Universitäts-Bibliothek Graz. In: Dorn im Gebirge. Hg. von Benno Roth, S. 408–413. &lt;br /&gt;
* Maria Mairold: Die Bucheinbände des Stiftes Seckau in der Universitäts-Bibliothek Graz. Graz, S. 414–429. &lt;br /&gt;
* Franz Graf von Meran: Der Prankher-Helm aus Stift Seckau. Graz 1878. [https://archive.org/details/derpranckherhel00mgoog/page/n8/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Helmut J. Mezler-Andelberg: Landesfürst und Klöster in Steiermark bis zum 13. Jahrhundert. In: Festschrift Julius Franz Schütz. Hg. von Berthold Sutter. Graz 1954, S. 437-449. &lt;br /&gt;
* Gerlinde Moser-Mersky: Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. Band 3: Steiermark. Graz 1961, S. 8892.&lt;br /&gt;
* Nicola Naderer: Eine spätmittelalterliche deutsche Professformel aus Seckau. Dipl.Arb. Univ. Graz. Graz 1998. &lt;br /&gt;
* P. Naredi-Rainer / M. Böckl: Vision und Schicksal - Herbert Boeckls Seckauer Fresken. Graz 1990. &lt;br /&gt;
* Ulrich Ocherbauer: Die Aufdeckung und Restaurierung romanischer Arkaturen im Kreuzgang des Stiftes Seckau. In: Österreichiche Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 25 (1971), S. 174–178.&lt;br /&gt;
* Michael Offenbacher: Die letzten Chorherren des im Jahre 1782 aufgehobenen Stiftes Seckau. Unter besonderer Berücksichtigung ihrer nachmaligen Verwendung in der Seelsorge. Diss. Univ. Graz. Graz 1982. &lt;br /&gt;
* Carl F. Panagl-Holbein: Demut und Pracht. Ein Blick in die Klöster- und Ordenslandschaft Österreichs. Wien 1991, S. 85ff. &lt;br /&gt;
* Johann Rainer / Sabine Weiß: Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581. Graz 1977 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, 30). &lt;br /&gt;
* Michael Rainer / Thomas Rainer: Der Seckauer Achteckpfeiler und die Bedeutung seiner Figurenreliefs. Heft Seckau 9/36-4 (1999), S. 12-24. &lt;br /&gt;
* Athanas Recheis: Die Seckauer Friedhofkirche ein Stück Alt-Seckau. In: Seckauer Hefte 20 (1967), S. 13ff. &lt;br /&gt;
* Athanas Recheis: Aus der Geschichte der Doppelklöster. In: Heft Seckau 8/30-2 (1998), S. 23-26. &lt;br /&gt;
* Athanas Recheis: Das Geheimnis des Achteckpfeilers. In: Heft Seckau 9/36-4 (1999), S. 8-11. &lt;br /&gt;
* Athanas Recheis: Aus der Geschichte der Seckauer Hochalmkirche. In: Heft Seckau 11/42-2 (2001), S. 10-23. &lt;br /&gt;
* Athanas Recheis: Die Seckauer Luziakapelle. In: Heft Seckau 12/45-1 (2002), S. 15ff. &lt;br /&gt;
* Ellinor Reckenzaun: Ms. 832 der Universitätsbibliothek Graz. Ein Seckauer Codex der Romanik und sein Bildproömium. Graz 2001 (Forschungsberichte. Kunstgeschichte Steiermark, 2). &lt;br /&gt;
* Josef Riegler: Die vermeintliche Rebellion der Bauern des Mareiner Bodens gegen das Stift Seckau im Jahre 1683. In: Festschrift Gerhard Pferschy. Graz 2000, S. 565-569. &lt;br /&gt;
* J. Rohmeder: Der Meister des Hochaltars in Rabenden. Münchener Kunsthistorische Abhandlungen. Hg. vom Kunsthistorischen Seminar der Universität München. W. Braunfeld / N. Lieb: Bd. 3. München 1971. &lt;br /&gt;
* Otto Rommel: Das Seckauer Domkapitel in seiner persönlichen Zusammensetzung (1218–1782). Diss. Univ. Wien. Wien 1955.&lt;br /&gt;
* Johann Roth: Zur Besitzgeschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherren- und Domstiftes Seckau in Obersteiermark. Diss. Univ. Graz. Graz 1932.&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Besitzgeschichte des Augustinerchorherren- und Domstiftes Seckau. Zeitraum 1140–1270. Seckau (Seckauer geschichtliche Studien, 3). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer und Vorauer Osterliturgie im Mittelalter. Ein Beitrag zur historisch-kritischen Untersuchung der mittelalterlichen Osterfeiern. Seckau 1935 (Seckauer geschichtliche Studien, 4). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Seckauer Gregoriusmesse. Tafelgemälde 1486. In: Blätter für Heimatkunde 18 (1940), S. 31–36. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Besitzgeschichte des ehemaligen Augustinerchorherren- und Domstiftes Seckau 1270-1782. Seckau 1940 (Seckauer geschichtliche Studien, 7). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die literarhistorische Bedeutung des ehemaligen Augustinerchorherren- und Chorfrauenstiftes Seckau. In: Blätter für Heimatkunde 22 (1948), S. 61–66. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Matthias Ferdinand Gauster. Seckauer Archivar und Stiftschronist 1699-1749. In: Aus Archiv und Chronik 1 (1948), S. 23–27. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Symbolik der Reliefs am achteckigen Pfeiler in der Seckauer Basilika. In: Jahrbuch des Abteigymnasiums Seckau 1948/49, S. 3-6. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Was weiß die Seckauer Pfarrchronik über die Habsburgergruft daselbst zu erzählen? In: Aus Archiv und Chronik 2 (1949), S. 26–31. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die ehemalige Innenausstattung der Seckauer Basilika. Seckau 1950 (Seckauer geschichtliche Studien, 9).&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Aus Seckaus Kunstgeschichte. In: Aus Archiv und Chronik 3 (1950), S. 159–169. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Dompropst Johannes Dürnberger. Ein Kunstmäzen im ausgehenden Mittelalter. Seckau 1951 (Seckauer geschichtliche Studien, 10).&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Das Seckauer Oblaywesen. In: Festschrift zur 200jährigen Bestandes des Haus-, Hof- und Staatsarchivs Wien. Band 2. Hg. von Leo Santifaller. Wien 1952, S. 197–225.&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Kunst unter Dompropst Gregor Schärdinger 1510- 1531. Seckau 1952 (Seckauer geschichtliche Studien 11). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Unsere Liebe Hausfrau Die Seckauer &amp;quot;Nikopoia&amp;quot;. In: Jahresbericht des Abteigymnasiums Seckau 1953/54, S. 1–13.&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Der Hochaltar der Seckauer Basilika im Wandel der Jahrhunderte. In: Jahrbuch des Abteigymnasiums Seckau 1954/55, S. 1–16. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Quellen und Bibliographie zur Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherren- und Domstiftes Seckau. Seckau 1957 (Seckauer geschichtliche Studien, 13).&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Das Habsburger-Mausoleum in der Seckauer Basilika. Seckau 1958 (Seckauer geschichtliche Studien, 14).&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Der selige Hartmann von Brixen, Konsekrator der Seckauer Basilika. In: Seckauer Hefte 21/1 (1958), S. 33–36. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Doppeljubiläum in Seckau (300 Jahre Seckauer Hochalmkirche „Maria Schnee&amp;quot; und 300-Jahr-Feier der Markterhebung). In: Seckauer Hefte 23 (1960), S. 49-55. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Spätbarockes Kunstschaffen unter den Seckauer Dompröpsten. Seckau 1961 (Seckauer geschichtliche Studien, 16). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Peter Franz Carlon als Seckauer Baumeister 1658-1682. Seckau 1962 (Seckauer geschichtliche Studien, 17). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Seckau. In: Steirisches Musiklexikon. Hg. von Wolfgang Suppan. Graz 1962-1966, S. 529–537. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Das Gründergrab in der Seckauer Basilika. Seckau 1964 (Seckauer geschichtliche Studien, 19). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Seckau. Geschichte und Kultur 1164-1964. Zur 800-Jahr-Feier der Weihe der Basilika. Wien 1964.&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Beschlagnahme und Enteignung der Benediktinerabtei Seckau in Obersteiermark am 8. April 1940 durch die Gestapo. Seckau 1965 (Seckauer geschichtliche Studien, 20).&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Seckauer Apokalypse und ihre Deutung. Boeckl-Fresken. Band 2. Wien 1965 (Österreich-Reihe, 139/140). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Bischof Matthias Scheit und sein Testament von 1511. Seckau 1968 (Seckauer geschichtliche Studien, 22). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Das Seckauer Spital und die St.-Luzia-Kapelle. Seckau 1969 (Seckauer geschichtliche Studien, 23). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Zur Ikonologie der &amp;quot;Maria stabat&amp;quot; in der Seckauer Kreuzigungsgruppe 1160/1170. In: Carinthia I 162 (1972), S. 65–94.&lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Pranker-Totenschilde in der Seckauer Basilika. Seckau 1973 (Seckauer geschichtliche Studien, 26). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Regesten zur Bau- und Kunstgeschichte. Seckau 1975 (Seckauer geschichtliche Studien, 27). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Basilika zu Seckau. München 1975. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Die Grabstätte des letzten Minnesängers Ulrich von Liechtenstein in Seckau. Seckau 1976 (Seckauer geschichtliche Studien, 28). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Benediktinerabtei Seckau. München 1976. &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Zum Problem der Datierung der Seckauer Kreuzigungsgruppe. Seckau 1978 (Seckauer geschichtliche Studien, 30). &lt;br /&gt;
* Benno Roth: Seckau. Der Dom im Gebirge. Kunsttopographie vom 12. bis zum 20. Jahrhundert. Graz 1983. &lt;br /&gt;
* Maria Schaffler: Romanische Miniaturmalerei aus Seckau in der Universitätsbibliothek Graz. Diss. Univ. Graz. Graz 1952. &lt;br /&gt;
* Hans Schmeja: Zu den Inschriften der Schrankenarchitektur des Habsburger-Mausoleums in der Seckauer Basilika. In: Heft Seckau, 12/47-3 (2002), S. 10ff. &lt;br /&gt;
* Severin Schneider: Abtei Seckau. In: Österreichs Museen stellen sich vor, F. 18. Hg. vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. Wien 1983, 40ff. &lt;br /&gt;
* Alfred Schnerich: Leopold von Pebal (1787-1851), Anwalt von Seckau. Zur Geschichte der Denkmalpflege. In: Blätter für Heimatkunde 14/2 (1936), 24–30.&lt;br /&gt;
* Helga Schuller: Niederösterreicher im Domkapitel von Seckau während des Mittelalters. In: Blätter für Heimatkunde 48 (1974), S. 16-26. [https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/B_Jg48_Helga-SCHULLER-Nieder%C3%B6sterreicher-im-Domkapitel-von-Seckau-w%C3%A4hrend-des-Mittelalters.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Helga Schuller: Das Chorfrauenstift zu Seckau. Seine personelle und standesgemäße Zusammensetzung. In: Zeitschrift des historischen Vereins für Steiermark 66 (1975), S. 65–97. [https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/Z_Jg66_Helga-SCHULLER-Das-Chorfrauenstift-zu-Seckau.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Michael Semff: Die Triumphkreuzgruppe im Dom zu Seckau. Studien zur Holzskulptur des 12. und 13. Jahrhunderts in den östlichen Alpenländern. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 30/31 (1977/78), S. 47–88.&lt;br /&gt;
* Anselm Sparber: Leben und Wirken des seligen Hartmann, Bischofs von Brixen. Wien 1957 (Institutum historicum Ordinis Canonicorum regularium S. Augustini, 1). &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Eine mittelalterliche Kirchweihpredigt aus dem Stift Seckau. In: Seckauer Hefte 1964, S. S. 53-66. &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Die Bibliothek des Chorherren- und Domstiftes Seckau zur Zeit der Glaubensspaltung. Diss. Univ. Graz. Graz 1971. &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Die Bibliothek des Chorherren- und Domstiftes Seckau zur Zeit der Glaubensspaltung. In: Seckau, der Dom im Gebirge. Kunsttopographie vom 12. bis zum 20. Jahrhundert. Hg. von Benno Roth. Graz 1983, S. 373–376. &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Thomas Jurichius und die Erneuerung des klösterlichen Lebens im Chorherrenstift Seckau zu Beginn des 17. Jahrhunderts. In: Forschungen zur Landes- und Kirchengeschichte. Festschrift Helmut J. Mezler-Andelberg zum 65. Geburtstag. Hg. von Herwig Ebner / Walter Höflechner / Othmar Pickl. Graz 1988, S. 497–499. &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Benediktinerabtei Seckau. Seckau 1999. &lt;br /&gt;
* Othmar Stary: Seckau. In: Die benediktinischen Mönchs- und Nonnenklöster in Österreich und Südtirol. Band 3/3. Hg. von Ulrich Faust / Waltraud Krassnig. St. Ottilien 2002 (Germania Benedictina, 3/3), S. 485–521.&lt;br /&gt;
* Manfred Straka: Verwaltungsgrenzen und Bevölkerungsentwicklung in der Steiermark 1770–1850. Graz 1978 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, 31). &lt;br /&gt;
* Monika Taferner: Die Pest im Jahre 1714 und 1715 im oberen Murtal. Diss. Univ. Graz. Graz 1971. &lt;br /&gt;
* Ernst Tomek: Geschichte der Diözese Seckau, Bd. I. Graz 1917, S. 320–328. &lt;br /&gt;
* Josef Wastler: Das Mausoleum des Erzherzogs Carl II. von Steiermark in Seckau. In: Mittheilungen der K. K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale N.F. 7 (1881), S. 50–57. [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=edb&amp;amp;datum=1881&amp;amp;page=54&amp;amp;size=45 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Jakob Wichner: Beiträge zur Geschichte des Heilswesens, der Volksmedizin, der Bäder und Heilquellen in Steiermark bis inklusive 1700. In: Mitteilungen des Historischen Vereins für Steiermark 33 (1885), S. 70–73. &lt;br /&gt;
* Adam Wolf: Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Graz 1871, S. 69f. [https://books.google.at/books?id=8SdZAAAAcAAJ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Maria Würfel: Lernort Kloster Hirsau. Schwäbisch Gmünd 1998. &lt;br /&gt;
* Peter Wind: Die Entstehung des Vorauer Evangeliars in der Steiermar. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark Jahrgang 86 (1995), S. 45–61.[https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/Z_Jg86_Peter-WIND-Die-Entstehung-des-Vorauer-Evangeliars-in-der-Steiermark.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Josef von Zahn: Ortsnamenbuch der Steiermark im Mittelalter. Wien 1893, S. 456. [https://diglib.tugraz.at/download.php?id=532c34359e919&amp;amp;location=browse (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Josef_Chmel&amp;diff=10794</id>
		<title>Josef Chmel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Josef_Chmel&amp;diff=10794"/>
		<updated>2023-09-19T13:43:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Beiträge im Geschichtsforscher */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Person&lt;br /&gt;
|Name=Josef Chmel&lt;br /&gt;
|Geschlecht=männlich&lt;br /&gt;
|Geburtsdatum=1798-03-18&lt;br /&gt;
|Geburtsort=Olmütz (Mähren)&lt;br /&gt;
|Einkleidung=1816-09-19&lt;br /&gt;
|Profess=1820-09-19&lt;br /&gt;
|Primiz=1821-09-02&lt;br /&gt;
|Sterbedatum=1858-11-28&lt;br /&gt;
|Sterbeort=Wien&lt;br /&gt;
|Institution=Stift St. Florian&lt;br /&gt;
|Funktion=Chorherr&lt;br /&gt;
|GND=https://d-nb.info/gnd/116506067&lt;br /&gt;
|Quelle=[[Berthold Otto Černík]]: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905, S. 74–100. [https://archive.org/details/dieschriftstell00mittgoog/page/n95/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Josef Chmel.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Porträt von Josef Chmel, Litographie (19. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
|Beruf=Chorherr&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Josef Chmel, * 18. März 1798 in Olmütz (Mähren), † 28. November 1858, war Augustiner Chorherr im [[Stift St. Florian]] sowie Archivar und Historiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Klostereintritt und ersten Jahre im Stift===&lt;br /&gt;
Cheml kam schon 1803 in frühester Jugend nach Linz. Sein Vater Adam Chmel, ein bekannter Mathematiker, bekleidete von 1794 bis 1803 das Lehramt des Geniefaches an der mährisch-ständischen Akademie in Olmütz. In Linz besuchte Josef Chmel von 1809 bis 1811 das Gymnasium, die übrigen Gymnasialklassen und die philosophischen Studien absolvierte er mit ausgezeichnetem Erfolg im Konvikt von Kremsmünster. Am 19. September 1816 wurde er in St. Florian eingekleidet. Vier Jahre später legte er die Gelübde ab und empfing 1821, nachdem er die theologischen Studien am Lyzeum in Linz vollendet hatte, die Priesterweihe. Am 2. September 1821 feierte er seine Primiz. Zunähst war Chmel in der Seelsorge tätig. Nach einjährigem Dienst in [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Wallern|Wallern]] wurde er 1822 Kaplan in [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Martin im Mühlkreis|St. Martin]], 1824 in [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ansfelden|Ansfelden]], im April 1826 an der Stiftspfarre von [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #St. Florian|St. Florian]]. Von Chmel haben sich insgesamt etwa 200 handschriftlich erhaltene Predigten erhalten. Propst [[Michael II. Arneth|Michael Arneth]] ernannte ihn zugleich zum Adjunkten des alternden Bibliothekars [[Karl Eduard Klein]] und entsprach so einem schon lange gehegten Wunsch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufnahme archivarischer Tätigkeiten===&lt;br /&gt;
Chmel beschäftigte sich zunächst mit den Handschriften der Bibliothek, wobei ihn vor allem [[Franz Kurz]] untersützte. 1829 übernahm er auf Ersuchen des Grafen Heinrich von Starhemberg die Ordnung des Archivs von Riedeck. Aber auch andere Archive im Land unter der Enns durchforschte Chmel. 1830 ging er auf Anraten von Kurz für weitere historischer Studien nach Wien.&amp;lt;ref&amp;gt;Bewilligung zur Benützung des Archivs: HHStA, StK Interiora Archiv [http://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=4116668 1-1-3] (11. Jänner 1830).&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Staatsarchiv fand er in den Registraturbüchern eine überreiche Quelle für seine geschichtlichen Arbeiten. Von nachhaltigem Nutzen für Chmel sollte seine Verbindung mit Johann Freidrich Böhmer (1795–1863) werden. Im Jahr 1831 konnte Chmel nur eine kleine literarische Reise unternehmen. Er durchforschte namentlich die Handschriften im Benediktinerkloster Seitenstetten. Im März 1832 traf er wieder in Wien ein. Er hatte sich diesmal einen möglichst vollständigen Realkatalog der österreichischen Geschichtsquellen und über alle Urkunden Regesten angefertigt, um schneller und sicherer arbeiten zu können als bei seinem ersten Besuch 1830. Chmels Vorrat stieg; schon 1832 hatte er über 50.000 Regestennummern gesammelt, und diese Zahl hoffte er noch zu verdoppeln. Mitte Juni des nächsten Jahres war er wieder in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anstellung im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien===&lt;br /&gt;
Um diese Zeit erfüllte sich auch ein Wunsch, den Chmel lange gehegt hatte. Lebhaft drängte sich ihm oft das Bedürfnis auf, sich mit Männern von wissenschaftlicher Bildung wie Böhmer und Pertz über seine Arbeiten zu besprechen. Etwa Ende August 1833 kam Böhmer mit Pertz nach Wien und &amp;quot;schloß mit Chmel Freundschaft, die fürs Leben dauerte&amp;quot;. Am 5. November verließ Chmel Wien wieder; er musste sich aushilfsweise in der Seelsorge verwenden lassen. In [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Ried in der Riedmark|Ried bei Mauthausen]] erhielt er am 14. März 1834 die Nachricht, dass er zum zweiten Archivar des k. k. Haus-, Hof- und Staatsarchivs in Wien ernannt worden sei. Am 27. März war er bereits in Wien. Im Herbst 1835 lernte er in Wien Kopp kennen und schloss mit ihm innige Freundschaft. 1840 wurde Chmel zum ersten Archivar und k. k. wirklichen Regierungsrat ernannt; 1843 wurde ihm nach Baron Reinharts Tod die provisorische Leitung des Archivs übertragen. Das Direktorat fiel 1846 Baron Hügel zu, Chmel wurde Vizedirektor. Eine besondere Auszeichnung und die beste Anerkennung seiner wissenschaftlichen Tüchtigkeit war es, als die Germanistenversammlung von Frankfurt 1846 zur beschlossenen Herausgabe der Reichstagsakten Chmel, Stälin und Stenzel &amp;quot;einmüthig als die Tüchtigsten der Bundesversammlung empfahl&amp;quot;. Chmel selbst war zwar nicht nach Frankfurt gekommen, obwohl er kurz vorher in Berlin gewesen war. Doch der Plan der Herausgabe der deutschen Reichstagsakten scheiterte infolge der Stürme der nächsten Zeit. Erst ein Jahrzehnt später wurde er mit glücklicherem Erfolg wieder aufgenommen. Chmel nahm aber trotz einer freundlichen Einladung Sybels an der Durchführung dieses Unternehmens nicht mehr teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weitere Karriere und Tod===&lt;br /&gt;
Mit der Gründung der Akademie der Wissenschaften in Wien, zu deren ersten am 14. Mai 1847 ernannten wirklichen Mitgliedern Chmel zählte, begann für sein literarisches Wirken eine neue Epoche. Er war einige Jahre Berichterstatter der Historischen Kommission und redigierte dann das ''Notizenblatt'', für das er selbst die meisten und umfangreichsten Beiträge lieferte. Daneben führte er eine ausgebreitete wissenschaftliche und geschäftliche Korrespondenz und unternahm mehrere literarische Reisen. In den ersten Jahren war er geradezu die Seele der historischen Bestrebungen der Akademie. Die Akademie betraute ihn mit der Redaktion der ''Monumenta Habsburgica'', deren Herausgabe von Chmel selbst am 20. Juni 1849 beantragt worden war. Zu dem Zweck unternahm er 1850 eine viermonatliche literarische Reise, die zugleich für die Konzilsakten des XV. Jahrhunderts, deren Kommission er beigetreten war, nicht unbedeutenden Stoff lieferte. Die größte Ausbeute bot München, wo Schmeller und Deutinger ihm in der zuvorkommendsten Weise an die Hand gingen; reiches Material lieferten auch Stuttgart und Basel. Am 3. November 1851 legte Chmel, &amp;quot;der sich bis dahin überwiegend und mit wahrer Aufopferung den Geschäften der Historischen Kommission unterzogen hatte&amp;quot;, seine Stelle als Berichterstatter derselben nieder. Kurz vorher hatte Chmel wieder eine literarische Reise unternommen. Er ging über Laibach und Triest nach Venedig. Der Rückweg führte ihn über Klagenfurt, von wo er mit Ankershofen einen Ausflug nach Maria-Saal machte. Nach Italien kam er nur noch einmal im Jahr 1856. Das Ziel dieser Reise war Mailand. Im Herbst 1857 und im Sommer 1858 war Chmel in Kärnten. Mitteilungen über den verwahrlosten Zustand des Archivs führten ihn nach Millstatt. Die Ausbeute war jedoch geringer, als er gehofft hatte. Leidend kehrte er nach Wien zurück. Das rastlose Arbeiten begann seine Kräfte aufzureiben. Chmel konnte auch nicht mehr an der konstituierenden Konferenz der Historischen Kommission in München, zu der er eingeladen worden war, teilnehmen. Er starb am 28. November 1858. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Chmel zählt zu den bedeutendsten und tüchtigsten Geschichtsforschern Österreichs, er ist durch mehr als zwei Dezennien der eigentliche Träger und Vertreter der Geschichtswissenschaft seines Vaterlandes. Dies wurde auch im Ausland anerkannt. Die hervorragendsten gelehrten Gesellschaften (im ganzen 27) ehrten ihn durch die Wahl zu ihrem Mitglied: Chmel war Mitglied der Akademie der Wissenschaften in München, Berlin, Pest, Prag, der Sozietät in Göttingen, der Gesellschaft für nordische Altertumskunde in Kopenhagen und Ehrenmitglied einer ganzen Reihe historischer Vereine Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Von der Prager Universität erhielt er auch das Doktordiplom der Philosophie. 1854 wurde er mit dem Franz Joseph-Orden ausgezeichnet. Was Chmel fehlte, war der kritische Blick für das Wesentliche, die sichtende Beherrschung des massenhaften Stoffes und die Gabe der Darstellung. Mit wahrer Begeisterung hing Chmel an seiner Wissenschaft; dieser Begeisterung entsprang auch eine Fülle von trefflichen Plänen und Anregungen, die Geschichtswissenschaft zu heben, ihr in Österreich ein frisches Gedeihen zu sichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werke==&lt;br /&gt;
===Selbständige Werke und Sammelwerke===&lt;br /&gt;
* Regesta chronologico-diplomatica Ruperti, regis Romanorum. Auszug aus den im k. k. Archiv zu Wien sich befindenden Reichsregistraturbüchern vom Jahre 1400 bis 1410. Mit Benützung der gedruckten Quellen. Frankfurt am Main 1834.&lt;br /&gt;
* Materialien zur österreichischen Geschichte. Aus Archiven und Bibliotheken. 2 Bände. Wien 1837/1838.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu die Rezension: Vier lnstructionen des Erzherzogs Albrecht VI. an seine Münzmeister. Aus Chmels Materialien zur österreichscen Geschichte. In: 40. Bericht über das Museum Francisco-Carolinum. 40 (1882), Anh. S. 153–166.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Regesta chronologico-diplomatica Friderici IV. Romanorum Regis (Imperatoris III.). Auszug aus den im k. k. geheimen Haus-, Hof- und Staatsarchiv zu Wien sich befindenden Reichsregistraturbüchern vom Jahre 1440 bis 1493. Nebst Auszügen aus Original-Urkunden, Manuscripten und Büchern. 2 Bände. Wien 1838/1840&lt;br /&gt;
* Geschichte Kaiser Friedrichs IV. und seines Sohnes Maximilian I. 2 Bände. Hamburg 1840/1843:&lt;br /&gt;
** Band 1: Geschichte K. Friedrichs IV. vor seiner Königswahl.&lt;br /&gt;
** Band 2: Geschichte K. Friedrichs IV. als König (1440–1452).&lt;br /&gt;
* Urkunden, Briefe und Aktenstücke zur Geschichte Maximilians I. und seiner Zeit. Stuttgart 1845.&lt;br /&gt;
* Die Handschriften der k. k. Hofbibliothek in Wien, im Interesse der Geschichte, besonders der österreichischen, verzeichnet und excerpirt. 2 Bände. Wien 1840/41.&lt;br /&gt;
* Habsburgisches Archiv. Wien 1846:&lt;br /&gt;
** Teil 1: Herbersteins Gesandtschaftsreise nach Spanien 1519.&lt;br /&gt;
** Teil 2: Actenstücke zur Geschichte Kroatiens und Slavoniens in den Jahren 1526 und 1527.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beiträge im ''Geschichtsforscher''===&lt;br /&gt;
* Band 1 (1837):&lt;br /&gt;
** Vorwort, S. III- VIII. &lt;br /&gt;
** Beyträge zum österreichischen Codex diplomaticus. 1. Zum österreichischen Städtewesen, S. 1–27 [https://books.google.at/books?id=6gFQAAAAcAAJ&amp;amp;lpg=PA1&amp;amp;ots=mi8LgqzeEa&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PA1#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]: &lt;br /&gt;
*** A. Waidhofen an der Ybbs, S. 2–11;&lt;br /&gt;
*** B. Ybbs. S. 12–20;&lt;br /&gt;
*** C. Nußdorf (Gerechtsame der Schiffer-Innung zu Nussdorf 1450), S. 21–27. &lt;br /&gt;
** Zur österreichischen Finanzgeschichte in der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts. Rationarium der österreichischen Herzoge von den Jahren 1326 bis 1338, S. 28–49. [https://www.google.at/books/edition/Der_%C3%B6sterreichische_Geschichtsforscher/E72jZJVEo-oC?hl=de&amp;amp;gbpv=1&amp;amp;pg=PA203&amp;amp;printsec=frontcover (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
** Zur Geschichte der Wiener Universität im fünfzehnten Jahrhundert, S. 50–63 [https://www.google.at/books/edition/Zur_Geschichte_der_Wiener_Universit%C3%A4t_i/9TYIAAAAQAAJ?hl=de&amp;amp;gbpv=1&amp;amp;pg=PA1&amp;amp;printsec=frontcover (Digitalisat)]:&lt;br /&gt;
*** a) Ein Edict des Rectors an die Studierenden, vom 20. Sept. 1450;&lt;br /&gt;
*** b) und c) Medizinische Vorlesungen und Vorlesebücher.&lt;br /&gt;
*** d) Publicandum der medizinischen Fakultät gegen Kurpfuscherei etc. 1465. &lt;br /&gt;
** Historia Friderici IV. et Maximiliani I. ab Jos. Grünheck, S. 64–97. &lt;br /&gt;
** Auszüge aus (5) interessanten Handschriften der k. k. Hofbibliothek, zur Geschichte des sechzehnten Jahrhunderts. S. 98–152. &lt;br /&gt;
** Notizenblatt, S. 153–167:&lt;br /&gt;
*** a) Auszug aus dem Handschriftenverzeichnis der Bibliothek und des Archivs zu Riedeck. S. 153–155;&lt;br /&gt;
*** b) Die Inhaltsangabe von zwei interessanten ausländischen Quellenwerken (1. Gachard's Collection de Documens inédits concernant l'histoire de la Belgique III. Tomes. – 2. Histor. Zeitschr. für den Unter-Mainkreis in Bayern). S. 156–163 und 163–165;&lt;br /&gt;
*** c) Varia (Notizen. Hist. Arbeiten und Bestrebungen). S. 165–167. &lt;br /&gt;
** Notizenblatt, S. 331–399. Literatur der österr. Geschichte seit 1829. Acht Jahrgänge der öst. hist. Zeitschr. (v. Mühlfeld-Hohler 2, Ridler 3 und Kaltenbäck 3). 1829 bis 1837. Hist. Arbeiten und Bestrebungen. &lt;br /&gt;
** Diplomatischer Anhang zu Johanns Frast's: &amp;quot;Das Nonnenkloster Imbach (Minnbach).&amp;quot; XIV Urkunden von 1269 bis 1280 mitgetheilt und erläutert, S. 547–565. &lt;br /&gt;
** Notizenblatt. S. 586–604. Literatur der österr. Geschichte seit 1829. Acht Jahrgänge der öst. hist. Zeitschr. 1829 bis 1837. Bemerkungen über die Leistungen und Ergebnisse dieser acht Jahrg. (der öst. hist. Zeitschr. von 1829 bis 1837). &lt;br /&gt;
* Band 2 (####):&lt;br /&gt;
** Vorwort, S. III–IV. &lt;br /&gt;
** Zur Geschichte der tirolischen Landesfürsten im ersten Drittel des vierzehnten Jahrhunderts. 1300 bis 1330. S. 133–187. &lt;br /&gt;
** Amtsrechnungen über die fürstlichen Gefälle in der Grafschaft Tirol von den Jahren 1303 bis 1305. S. 133–171. &lt;br /&gt;
** Auszüge aus einem Diplomatarium des tirolischen Landesfürsten K. Heinrichs von Böhmen, Herzogs von Kärnthen und Grafen von Görz und Tirol. Von den Jahren 1326 bis 1330. Aus dem k. k. geheimen Hausarchiv. S. 172–187. &lt;br /&gt;
** Notizenblatt für österreichische Geschichte, Nr. 1, S. I–XXVII.&lt;br /&gt;
** Literatur. I. Österreich unter der Enns. – Wien. Bergmann, Medaillen auf berühmte und ausgezeichnete Männer des Kaiserthums Österreich vom 15. bis zum 19. Jahrhundert; Schultheß-Rechberg, Thaler-Kabinett. II. Österreich ob der Enns. Musealbl. 1839 bis 1840; Vierter Bericht über das Museum Francisco-Carolinum. Nebst der 1. Lief. der Beiträge zur Landeskunde von Österreich ob der Enns und Salzburg. III. Tirol und Vorarlberg. Neue Zeitschrift des Ferdinandeums. 6 Bde.; Sopra qualche punto della Storia Trentina Discorsi. Von Fr. Filos. Rovereto dall' I. R. Stamperia di L. Marchesani 1839; Della Storia e della Condizione del Trentino sotto la dominazione Romana discorso di Giuseppe Frapporti Trentino. Trento dall' Imp . Regia. Stamperia Monauni, 1840; Della Storia e della Condizione del Trentino sotto Ia dominazione de' Goti, de' Franco -Baioarii, e de' Longobardi discorso di Giuseppe Frapporti Trentino. Trento dall' lmp. Reg. Stamperia Monauni MDCCCXL; IV. Siebenbürgen Notitia Hist.-Diplomatica Archivi et Literalium Capituli Albensis Transsilvaniae Auctore Kemény. 1836. 2 Tomi. – Kemény, Deutsche Fundgruben der Geschichte Siebenbürgens, 2 Bde., 1839 bis 1840. &lt;br /&gt;
** Über das Troppauer Museum und ein Ms. in demselben. Varia. &lt;br /&gt;
** 2. Heft: Zur österr. Finanzgeschichte in der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts. Aus einem Cod. mscr. des k. k. geh. Haus-Archivs: Rationarium der öst. Herzoge von 1326 bis 1338. S. 203–259. (Fortsetz. der Arbeit im I. Bd. 1. H., S. 28–49.)&lt;br /&gt;
* Zur Geschichte der tirolischen Landesfürsten im ersten Drittel des vierzehnten Jahrhunderts. 1300 bis 1330: Urkunden von und an König Heinrich von Böhmen und Polen, Herzog von Kärnthen und Grafen von Görz und Tirol. (39 Stücke von 1311 bis 1332.) Aus den im k. k. Haus-Archiv befindlichen Originalen mitgeteilt. S. 350–398. (Fortsetz. der Arbeit im II. Bd., 1. Heft, S. 133–187.) &lt;br /&gt;
* Notizenblatt für österreichische Geschichte. Nr. 2. S. XXIX–LXXIV. &lt;br /&gt;
* Handschriften in der Bibliothek des Klosters Göttweich. &lt;br /&gt;
* Literatur des Auslandes. (1. Anzeiger für Kunde des deutschen Mittelalters von Aufseß und Mone, acht Jahrgänge 1832–1839. 2. Taschenbuch für Geschichte etc. von Dr. H. Schreiber, 3 Jahrgänge 1839, 1840, 1841. 3. Jahrbücher des Zittauischen Stadtschreibers Johannes v. Guben, von E. Fr. Haupt. 4. Le Glay, Correspondance de l'Empereur Maximilien I. et de Marguerite d' Autriche, sa fille etc. 2 Tomes. 5. Mémoires etc. de la Société etc. du Hainaut etc. etc. 1839.) &lt;br /&gt;
* Varia. 1. Wapen am Herzoghof in Medling. 2. Preisaufgabe. &lt;br /&gt;
* 3. Heft: Zur österr. Finanzgeschichte in der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts. Aus einem Cod. mscr. des k. k. geh. Hausarchivs: Rationarium der österr. Herzoge von 1326 bis 1338. S. 418–447. (Fortsetz. der Arbeit im 2. H., II. Bd., S. 203–259; im ganzen LXXVIII Urkunden.) &lt;br /&gt;
* Zur Geschichte Herzog Sigmunds von Österreich. (1448 bis 1451.) Nachtrag zu den Materialien zur österr. Geschichte I. Bd.; S. 448–474. &lt;br /&gt;
* I. (20) Akten-Stücke zur Geschichte der Vermählung mit Eleonoren von Schottland (1448). &lt;br /&gt;
* II. Übereinkunft des H. Sigmund v. Österreich mit der Markgräfin Elisabeth v. Hochberg (1449). &lt;br /&gt;
* III. Herzog Siegmund v. Österreich erläßt ein Münzpatent (1450). &lt;br /&gt;
* IV. Bericht der Salz-Amtleute an den Herzog Sigmund von Österreich (1450). &lt;br /&gt;
* V. Aufzeichnung einiger Geschäfte H. Sigmunds v. Österreich (1451). &lt;br /&gt;
* Zur Geschichte des Grafen Heinrich (V.) von Görz (1444 bis 1451. 40 Urkunden.) Als Nachtrag zu den Materialien zur österr. Geschichte I. Bd. Mitgetheilt aus den Original-Documenten und gleichzeitigen Abschriften im geheimen Hausarchiv. S. 498–535. &lt;br /&gt;
* Urkunden zur Geschichte des Nonnenklosters Imbach. 23 Stücke aus dem 13 Jahrh. Mitgeteilt aus den Originalurkunden des k. k. geh. Hausarchivs. S. 559–575. (S. Geschichtsforscher I. Bd., 3. H., S. 547–565. Im ganzen XXXVII Urkunden.) &lt;br /&gt;
* Notizenblatt für österr. Geschichte. Nr. 3. S. LXXV–CXXVII. &lt;br /&gt;
* Inländische Literatur der Geschichte. &lt;br /&gt;
* I. Österreich unter der Enns. Wien. v. Gévay: Urkunden und Aktenstücke zur Geschichte der Verhältnisse zwischen Österreich, Ungarn und der Pforte im XVI. und XVII. Jahrhunderte. Aus Archiven und Bibliotheken. 2 Bde. Wien 1838–41, Schaumburg und Comp. S. LXXXV–XCIII. II. Österreich ob der Enns. 1. V. Bericht über das Museum Francisco-Carolinum nebst der 2. Lief. der Beiträge zur Landeskunde von Österreich ob der Enns und Salzburg. 2. Monographien einzelner Städte, Klöster, Geschlechter usw. im Lande ob der Enns (Steyr [Pritz], Stift St. Florian [Stülz], Kloster Wilhering [Stülz]). S. XCIII–CXXIII. &lt;br /&gt;
* Bestrebungen und Arbeiten a) in Wiener-Neustadt; b) in Yps; c) in den Klöstern Unter-Österreichs). S. CXXIII–CXXVII. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1843 erschien das Notizenblatt selbständig unter dem Titel: Notizenblatt für österreichische Geschichte und Literatur. Wien, in Kommission in Fr. Becks Universitätsbuchhandlung. Herausgeber: J. Chmel, k. k. Hof- und Hausarchivar. In der neuen Ausgabe des &amp;quot;Notizenblatts&amp;quot; sind von Chmel einige kleinere Beiträge enthalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Diverse Beiträge in periodischen Schriften und Sammelwerken===&lt;br /&gt;
====''Jahrbücher der Literatur''====&lt;br /&gt;
* Band 39 (1827):&lt;br /&gt;
** Probe des in der Stiftsbibliothek zu St. Florian aufbewahrten &amp;quot;Psalterium trilinque&amp;quot; (lateinisch, deutsch und polnisch), S. 38–41;&lt;br /&gt;
* Band 40 (1827):&lt;br /&gt;
** Das Chunigel (mittelhochdeutsches Gedicht). Aus dem reichen Handschriftenschatze der Kanonie St. Florian. Aus einem Papierkodex aus den Tagen Kaiser Friedrichs IV., und zwar aus der zweyten Hälfte seiner Regierung, S. 15–17; &lt;br /&gt;
** Hymnus Pange linqua gloriosi (alte deutsche Übersetzung) aus demselben Kodex, S. 17–18. &lt;br /&gt;
** Ein Beytrag zur Botanik der Väter. Aus einer Handschrift des Macer de virtutibus herbarum von Pergament aus dem 12. oder 13. Jahrhundert, S. 18–19. &lt;br /&gt;
** &amp;quot;Notiz&amp;quot; aus einer Handschrift (einem alten Evangelienbuch mit Kommentar) der Stiftsbibliothek St. Florian als Berichtigung zu Kurz' &amp;quot;Friedrich dem Schönen&amp;quot; (S. 207–209), S. 19.&lt;br /&gt;
* Band 41 (1828):&lt;br /&gt;
** Literarische Notizen aus der Bücher- und Manuskriptensammlung des Stiftes St. Florian, S. 13–30;&lt;br /&gt;
*** I. Nachtrag und Berichtigung zu dem im Anzeige-Blatt der Wiener Jahrbücher (XXXVII. Bd.) abgedruckten Glossarium aus dem zehnten Jahrhunderte, S. 13–16;&lt;br /&gt;
*** II. Auszug aus einem lateinisch-deutschen Vocabular in einem Codex des XIV. Jahrhundert in St. Florian, S. 16–26; &lt;br /&gt;
*** III. a) Aus einem Kodex aus dem 15. Jahrhundert (XI, 102); Eine Flugschrift des bekannten Johann von Gmunden, der das Gerücht von einem verkündeten concursus planetarum widerlegt; b) Calendarium des Johann von Gmunden. Cod. XI, 569 (anno 1461); c) Ein noch älterer Kalender des Johann von Gmunden (anno 1416); d) Kalender des Johannes Regiomontansis (Xylographie), S. 26–30.&lt;br /&gt;
* Band 101 (1843):&lt;br /&gt;
** J. E. Schlager: Wiener Skizzen aus dem Mittelalter. Wien 1835 bis 1842. 4 Bände, S. 217–253. &lt;br /&gt;
* Band 102 (1843):&lt;br /&gt;
** Archiv für schweizerische Geschichte, herausgegeben auf Veranstaltung der allgemeinen geschichtforschenden Gesellschaft der Schweiz. Band Zürich 1843, S. 182–214. &lt;br /&gt;
* Band 103 (1843):&lt;br /&gt;
** Michael Beheim's Buch von den Wienern 1462 bis 1465. Herausgegeben von Th. G. von Karajan. Wien 1843, S. 222–244.&lt;br /&gt;
* Band 105&lt;br /&gt;
** Beiträge zur Geschichte Basels, herausgegeben von der historischen Gesellschaft zu Basel. Basel 1839; Beiträge zur vaterländischen Geschichte, herausgegeben von der historischen Gesellschaft zu Basel. Basel 1843, S. 250–270.&lt;br /&gt;
* Band 106 (1844): &lt;br /&gt;
** Regesten Kaiser Ludwigs des Baiern und seiner Zeit (1314 bis 1347). Von Johann Friedrich Böhmer. Frankfurt am Main 1839; – Additamentum primum ad Regesta lmperii inde ab anno 1314 usque ad annum 1347. Von Johann Friedrich Böhmer. Frankfurt am Main 1841. – Fontes rerum Germanicarum. Herausgegeben Von Johann Friedrich Böhmer. Band 1. Stuttgart 1843, S. 225–260. &lt;br /&gt;
** Geschichte des Hauses Habsburg. Von dem Fürsten E. M. Lichnowsky. 8 Bände. Wien 1836 bis 1844, S. 147–187; 109 (1845), S. 246–268.&lt;br /&gt;
* Band 113 (1846):&lt;br /&gt;
** Korrespondenz des Kaisers Carl V. [...] von Dr. Carl Lanz. Leipzig 1844–1845. 2 Bände, S. 178–209; 111 (1845) S. 174–198;&lt;br /&gt;
** Messager des sciences historiques de Belgique. 6 Jahrgänge. 1839–1844. – Histoire des Belges à la fin du dixhuitième siècle, par Ad. Borgnet. 2 Tomes. 1844, S. 118–143; 114 (1846), S. 178–218.&lt;br /&gt;
* Band 118 (1847):&lt;br /&gt;
** Beitrag zur Geschichte Wallensteins. Warhaffte Relation wie der endleibte Hertzog von Friedtlandt under dem praetext gesuechter Winterquartieren vor die Kayserliche Soldatesca, sich des hohen Ertzstüfft Salczburg impatroniren wollen, so Ihme aber durch sonderbahre schickhung Gottes mießlungen, und dadurch seine vorgehabte grausambe Rebellion vornemblich an Tag komben, deßwegen dan auch die gerechte Straff Gottes über Ihnen und seine vornembste Redelsführer ergangen, so alles auf das kurtzest hierinen erzehlet und mit vollen Kayserlichen, Chur-Bayrischen, Friedländischen, Gallaßischen Aldringerischen, Piccolominischen und andern annoch vorhandenen Schrifften erweiset und probirt wird, S. 54–73; 119 (1847), S. 1–18.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====''Österreichisches Archiv für Geschichte, Erdbeschreibung, Staatenkunde, Kunst und Literatur''====&lt;br /&gt;
* Jahrgang I (1831):&lt;br /&gt;
** Ruedolff der Annder von Gottes genaden Erwelter Römischer Kaiser zu Allen Zeiten Merer des Reichs etc. Ordnung und hofstat für Alle und Jede unser Hohe und Nidere Ambtleit, Offizier und Diener An unserm Kayserlichen Hofe auch was aines Jeden Ambt und Dienst sein und wie es mit der Besoldung gehalten werden solle. Jetzt von Neuen genedigelich fürgenommen und verordnet Alls hernach volgt. (Aus einem Cod. ms. [...] Lincz. Im 1577 Jar. Im Archive des Schlosses Riedegg), Urkundenblatt Nr. 1, 2, 3. &lt;br /&gt;
** Briefe des Prinzen Eugen von Savoyen an den Grafen Guido von Stahremberg. Aus dem Archiv zu Riedeck, Nr. 48, 49, 52, 53, 54, 157.&lt;br /&gt;
* Jahrgang II (1832):&lt;br /&gt;
** Memorial des Evangelisch Exercitium im Landt Ob der Ennß betreffendt, Urkundenbl. Nr. 1. &lt;br /&gt;
** Urkunden des 13. Jahrhunderts, aus dem Archiv zu Riedeck (13 Nummern), Urkundenbl. Nr. 1, 2, 3. &lt;br /&gt;
** Briefe des Prinzen Eugen von Savoyen an den Grafen Guido von Stahremberg, Nr. 2, 5; Urkundenbl. Nr. 8–12.&lt;br /&gt;
** Beneficia curata ad praesentationem D. Ducis Austrie pertinentia. Secuntur non curata beneficia ad praesentationem Ducis pertinentia. Aus einem Ms. auf Perg in 12° (14 Bl.) mit der Aufschrift: Auszug aller fürstlichen einkomen und geistlichen Lehenschaften 1438, Urkundenblatt Nr. 10.&lt;br /&gt;
** Briefe Carls III., Königs von Spanien (Kaiser Carls VI.), an den Grafen Guido von Stahremberg, in den Jahren 1706, 1708 bis 1713. Aus dem Archiv zu Riedegg gesammelt, und diplomatarisch copirt, Nr. 38, 39, 40, 43, 44, 45, 50, 64.&lt;br /&gt;
** Nachtrag zur Anzeige des ersten Heftes der Materialien zur österreichischen Geschichte, aus Archiven und Bibliotheken etc. in den Nummern 111 und 112 des österreichischen Archivs vom 15. und 18. September 1832, Nr. 118, 119.&lt;br /&gt;
* Jahrgang III (1833):&lt;br /&gt;
** Briefe des Prinzen Eugen von Savoyen an den Grafen Guido von Stahremberg. Aus dem Archiv zu Riedeck, Urkundenbl. Nr. 11–13, 15. &lt;br /&gt;
** Briefe Carls III., Königs von Spanien (Kaiser Carls VI.), an den Grafen Guido von Stahremberg, in den Jahren 1706, 1708 bis 1713. Aus dem Archiv zu Riedegg gesammelt, und diplomatarisch copirt, Nr. 142, 144, 145, 146, 148, 151, 153; Urkundenbl. Nr. 15, 16, 17.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====In den Österreichischen Blättern für Literatur und Kunst, Geschichte, Geographie, Statistik und Naturkunde.====&lt;br /&gt;
* Über die neueste Geschichtsliteratur Kärntens. 1. Reihe der Bischöfe von Lavant. Von Karlmann Tangl. Klagenfurt 1841. 2. Handbuch der Geschichte des Herzogtums Kärnten bis zur Vereinigung mit den österr. Fürstenthümern. Von Gottlieb Freiherrn v. Ankershofen. 2 Hefte. Klagenfurt 1842. 3. Handbuch der Geschichte des Herzogthums Kärnten in Vereinigung mit den österr. Fürstenthümern. Von Heinrich Hermann. 1. Heft. Klagenfurt 1843. 4. Kärntens röm. Alterthümer in Abbildungen. Herausg. von M. F. v. Jabornigg-Altenfels und Grafen Alfred Christalnigg. 1. Heft. Klagenfurt 1843. Erster Jahrg. (1844), Literaturblatt Nr. 2, S. 9–15; Nr. 3, S. 22–24; Nr. 4, S. 30–32; Nr. 14, S. 110–112; Nr. 15, S. 119–120. &lt;br /&gt;
* Archiv des Vereins für siebenbürgische Landeskunde. 1. Bd., 1. Heft. Hermannstadt 1843. Erster Jahrg. (1844), Literatur Nr. 32, S. 249–250. &lt;br /&gt;
* Was thut der österreichischen Geschichte noth? Zweiter Jahrg. (1845), Nr. 1, S. 1–6. &lt;br /&gt;
* Magazin für Geschichte, Literatur und alle Denk- und Merkwürdigkeiten Siebenbürgens [...] von Anton Kurz. 1. Bd., 1. Heft. Kronstadt 1844. Zweiter Jahrg. (1845), Nr. 54, S. 419–421. &lt;br /&gt;
* Mittheilungen zur Geschichte und Topographie. Zusammengestellt von Josef Chmel. 165 S. 4°. Nr. I–IX. (1–26.) Vierter Jahrgang (1847), Nr. 27, S. 105–108; Nr. 28, S. 109–112; Nr. 33, S. 129–132; Nr. 34, S. 133–136; Nr. 41, S. 161–164; Nr. 42, S. 165–168; Nr. 47, S. 185–188; Nr. 48, S. 189–192; Nr. 51, S. 201–204; Nr. 52, S. 205–208; Nr. 53, S. 209–212; Nr. 59, S. 233–236; Nr. 60, S. 237–240; Nr. 65, S. 257–260; Nr. 66, S. 261–264; Nr. 71, S. 281–284; Nr. 72, S. 285–288; Nr. 77, S. 305–308; Nr. 84, S. 333–336; Nr. 85, S. 337–340; Nr. 89, S. 353–356; Nr. 90, S. 357–360; Nr. 101, S. 401–404; Nr. 102, S. 405–408; Nr. 107, S. 425–428; Nr. 113, S. 449–452; Nr. 114, S. 453–456; Nr. 120, S. 477–480; Nr. 124, S. 493–496; Nr. 125, S. 497–500; Nr. 133, S. 525–528; Nr. 137, S. 541–544; Nr. 144, S. 569–572; Nr. 150, S. 593–596; Nr. 162, S. 641–644; Nr. 168, S. 665–668; Nr. 174, S. 689–692; Nr. 179, S. 709–712; Nr. 180, S. 713–716; Nr. 187, S. 741–744. Auch besonders abgedruckt. &lt;br /&gt;
Darunter vom Zusammensteller folgende Nummern: &lt;br /&gt;
* I, 1: Zeitschrift für die Archive Deutschlands. Besorgt von Friedrich Traugott Friedemann. Gotha 1846, Verl. v. Friedrich und Andreas Perthes. 1. Heft, VIII und 89 S. in 8°. Nr. 27, S. 105–108; Nr. 28, S. 109–110. &lt;br /&gt;
* I, 5: K. Rudolfs II. Liebe zur Kunst etc., beleuchtet durch Briefe usw. Nr. 33, S. 131–132; Nr. 34, S. 134–136; Nr. 51, S. 202–204. &lt;br /&gt;
* II, 6: Beiträge zur Geschichte und Literatur vorzüglich aus den Archiven und Bibliotheken des Kantons Aargau. Herausg. v. Dr. Heinr. Kurz und Placidus Weißenbach. 1. Heft. Aargau 1846. H. R. Sauerländers Verlagsbuchhdlg. VIII und 136 S. in 8°. Nr. 41, S. 161–164; Nr. 42, S. 165–168. &lt;br /&gt;
* II, 7: Geschichte der rheinischen Pfalz nach ihren polit., kirchl. und lit. Verhältnissen, von Dr. Ludwig Häußer. Heidelberg 1845, ak. Verlagshandlung von J. C. B. Mohr. 2 Bde. 8°. Nr. 47, S. 185–188; Nr. 48, S. 189–190. &lt;br /&gt;
* IV, 11: Der Konstanzer Sturm im Jahre 1548 von Georg Vögeli, [...] Belle-Vue bei Constanz 1846. Verlagsbuchhandlung zu Belle-Vue. Mit dem lithogr. Bildnisse des Ambrosius Blaurer. X und 183 S. 8. Nr. 52, S. 205–206. &lt;br /&gt;
* IV, 12: Beiträge zur Adelsgeschichte des Landes unter der Enns. 1. Die Familie der Eyzinger von Eyzing. Nr. 53, S. 209–210; Nr. 59, S. 234–236; Nr. 60, S. 238–240; Nr. 65, S. 258–260; Nr. 66, S. 261–264; Nr. 71, S. 283–284. &lt;br /&gt;
* VI, 16: Zur Geschichte der bischöflich Freisingischen Herrschaften in Österreich, während der Zeit Bischofs Sixtus (1474 bis 1494). Nr. 77, S. 305–308; Nr. 84, S. 334–336; Nr. 85, S. 338–340; Nr. 89, S. 354–356; Nr. 90, S. 358–360; Nr. 101, S. 402–404; Nr. 102, S. 405–407. [In der Einleitung dazu schreibt Chmel das Verdienst dieser Arbeit Stülz zu. Chmel hat sie eigentlich nur veröffentlicht.]  &lt;br /&gt;
* VIII, 22: Zur Geschichte K. Maximilians I. Nr. 107, S. 425–428; Nr. 113, S. 450–452; Nr. 114, S. 454–456; Nr. 120, S. 478–480; Nr. 124, S. 494–496; Nr. 125, S. 499–500. &lt;br /&gt;
* VIII, 24: Zur Chronik österreichischer Städte und Märkte. 1. Markt Bertholdsdorf, gewöhnlich Petersdorf genannt. Nr. 125, S. 497–499; Nr. 133, S. 525–528; Nr. 137, S. 541–543; Nr. 144, S. 569–572; Nr. 150, S. 594–596; Nr. 162, S. 641–643. &lt;br /&gt;
4. In der Österreichischen Zeitschrift für Geschichts- und Staatskunde. Herausgegeben und redig. v. J. P. Kaltenbäck. In Kommission der F. Beck'schen Buchhandlung. Gedr. bei den Edlen v. Ghelen'schen Erben. Wien. 4. (Als Beilage: Blätter für Literatur, Kunst und Kritik.) &lt;br /&gt;
* An die österreichischen Geschichtsforscher. Erster Jahrg. (1835), Nr. 11, S. 41–44. &lt;br /&gt;
* Der Würfel. Gedicht von Suchenwirt. Aus dem Papierkodex in 4° Nr. 69 der Stiftsbibliothek zu Kremsmünster. Erster Jahrg. (1835), Blätter für Lit., Kunst [...] Nr. 16, S. 61–63. &lt;br /&gt;
* Reichard Strein's Guetbeduncken wegen des Paurn-Aufstand anno 1598. Aus dem Archiv zu Riedegg. Erster Jahrg. (1835), Nr. 40, S. 159–160; Nr. 41, S. 164; Nr. 42, S. 167–168; Nr. 43, S. 172; Nr. 44, S. 174–176. &lt;br /&gt;
* Über die Behandlungsweise der Geschichte Österreichs im Mittelalter. Eine unmaßgebliche Meinung. Zweiter Jahrg. (1836), Nr. 78, S. 309–310; Nr. 79, S. 313–316. &lt;br /&gt;
* Das vaterländische Museum zu Linz. Zweiter Jahrg. (1836), Nr. 84, S. 335–336; Nr. 85, S. 337–339; Nr. 86, S. 343–344. &lt;br /&gt;
* Bericht über eine im Jahre 1831 unternommene kleine Reise zum Behufe der Österr. Geschichts-Quellen-Sammlung. Zweiter Jahrg. (1836), Nr. 93, S. 369–371; Nr. 94, S. 376; Nr. 95, S. 379–380; Nr. 96, S. 383–384; Nr. 97, S. 388; Nr. 98, S. 392; Nr. 99, S. 395–396; Nr. 101, S. 404; Nr. 102, S. 407–408. &lt;br /&gt;
* Zwei Gutachten von Reichard Strein. Aus dem Riedecker-Archiv. I. Guetbeduncken, Ob Ir fürstliche Durchlaucht etc. sich zu Haltung des Reichstags gebrauchen lassen soll. Anno 1597. II. Guetbeduncken per Aufbott des zwainczigisten Manns 19. Nouembris Anno etc. 97. Dritter Jahrg. (1837), Nr. 3, S. 11–12. &lt;br /&gt;
* Ausstattung eines adelichen Fräuleins im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts. (Aus dem Riedecker-Archiv.) Dritter Jahrg. (1837), Nr. 7, S. 28. &lt;br /&gt;
* Beilagen zu dem Bericht über eine im Jahre 1831 unternommene kleine Reise zum Behufe der Österr. Geschichts-Quellen-Sammlung. Dritter Jahrg. (1837), Nr. 32, S. 127–128; Nr. 33, S. 131–132; Nr. 35, S. 139–140; Nr. 38, S. 152; Nr. 39, S. 156; Nr. 40, S. 159–160; Nr. 41, S. 164; Nr. 44, S. 176. &lt;br /&gt;
====Beiträge in verschiedenen Zeitschriften====&lt;br /&gt;
* Literarische Notizen aus der Bücher- und Manuscripten-Sammlung des Stiftes St. Florian. (S. Wiener Jahrbücher der Literatur Bd. 41. A. Bl. S. 13.) IV. Pergamentkodex des XIV. Jahrh., 80 Bl. gr.-8°. 1. Metrische Bearbeitung der fünf Bücher Decretalium. 2. Constitutiones Passavienses apud S. Hyppolitum (a. 1284). 3. Brief des Bischofs Bernhard von Passau, dat. von Eferding, den 21. August 1286, an seine Diözesangeistlichkeit, in welchem er ein Einladungsschreiben des Erzbischofs Rudolf von Salzburg zu einer abzuhaltenden Provinzial-Synode mitteilt. Zweyter Jahrg. (XXI. als Fortsetzung). 1830. Nr. 102 S. 712. &lt;br /&gt;
6. In der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft [...] von Dr. W. Adolf Schmidt. Berlin. Verlag von Veit und Comp. 8°. &lt;br /&gt;
* Rilatione di M. Vicenzo Quirini Oratore a Massimiliano lmperatore l‘anno 1506. Aus dem k. k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Zweiter Band (1844), S. 272–288 und 334–356. &lt;br /&gt;
7. lm Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde zur Beförderung einer Gesamtausgabe der Quellenschriften deutscher Geschichten des Mittelalters, herausgegeben von G. H. Pertz. Hannover, in der Hahnschen Hofbuchhandlung. 8°. &lt;br /&gt;
* Petrus de Vinea. VII. Bd. (1839.) 1. Wilhering. mbr. sec. XIV. in 4to. in Rothlederband, eine umfassende Sammlung päpstl. und kaiserl. Briefe, denen ein Formular der Kanzleien vorhergeht. S. 892–912. 2. St. Florian. membr. in 4to. sec. XV. 67 Bl. S. 948. 3. Kremsmünster. Nr. 183. 2. 32. chart. sec. XV. S. 971. &lt;br /&gt;
8. Im Österreichischen Kalender zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse. Für das Schaltjahr 1844. Herausgegeben v. Dr. Moritz v. Stubenrauch und Dr. Eduard v. Tomaschek. &lt;br /&gt;
* Maria Theresia und der Geist ihrer Regierung. S. 32–33. &lt;br /&gt;
9. In den Monumenta Germaniae historica medii aevi. &lt;br /&gt;
* &amp;quot;Abschriften und Kollationierungen päpstl. und kaiserl. Briefe aus obderennsischen Klöstern.&amp;quot; &lt;br /&gt;
10. Beiträge für das &amp;quot;Urkundenbuch des Landes ob der Enns&amp;quot;. &lt;br /&gt;
12. In der Wiener Zeitung. &lt;br /&gt;
* An die deutschen Katholiken. 1848 Juli 28, Nr. 207, Beilage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===III. Aufsätze, Abhandlungen, Anzeigen, Berichte, Mitteilungen in den Publikationen der Kais. Akademie der Wissensch. in Wien, philos.-histor. Klasse. ===&lt;br /&gt;
1. In den Sitzungsberichten der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften. [Einige ganz kurze Berichte, Anträge etc. wurden übergangen.] Philosophisch-historische Klasse. Wien. Aus der k. k. Hof- und Staatsdruckerei. In Kommission bei W. Braumüller. 8°. &lt;br /&gt;
Erster Band. 1848. [Der erste Band der Sitzungsberichte erschien in zweifacher Ausgabe; bei der reichhaltigeren Ausgabe sind die Hefte einzeln paginiert, die andere hat eine durchgängige Paginierung, auf die wir bei den folgenden Beiträgen Chmels innerhalb der eckigen Klammern Rücksicht nehmen.]  &lt;br /&gt;
* Vortrag in der Sitzung der histor.-philolog. Klasse am 24. Nov. 1847 über die Aufgaben der Akademie. 1. Heft, S. 59–64. [S. 3–8.] &lt;br /&gt;
* Programm der Hist. Kommission. (Sitzung am 22. Dez. 1847.) 1. H., S. 72–77. [S. 16–21.] &lt;br /&gt;
* Vorträge: 1. Über die hist. Vereine und Provinzialmuseen und die wünschenswerte Verbindung mit denselben. 2. Über Firnhaber's hist. Aufsatz: Vincenzo Guidoto's Gesandtschaft am Hofe König Ludwig's von Ungarn 1523 bis 1525 und Karajan's Leistungen. (Sitzung vom 5. Jänner 1848.) 1. H., S. 80–85. [S. 24–29.] &lt;br /&gt;
* Vorschlag zur ersten hist. Preisaufgabe. (Sitzung vom 12. Jänner 1848.) 1. H., S. 89–90. [S. 33–34.] &lt;br /&gt;
* Vorschlag zu einem Cyclus von fünf consecutiv auszuschreibenden Preis-Aufgaben. (Sitzung vom 28. Jänner 1848.) 1. Heft, S. 97–103. Vergl. 1. H., S. 43–47. [S. 41–48.] &lt;br /&gt;
* Vortrag über Dr. Rößler's Bearbeitung der &amp;quot;Notitia bonorum ecclesiae Frisingensis&amp;quot; und über das erste Heft des &amp;quot;Archivs&amp;quot;. (Sitzung vom 16. Febr. 1848.) 2. Heft, S. 7–13. [S. 50–57.] &lt;br /&gt;
* Über die Pflege der Geschichtswissenschaft in Österreich. (Sechs Vorträge.) 2. Heft, S. 16–36, 90–108; 3. H., S. 54–86; 5. H., S. 55–81; 4. Bd. 1850, S. 29–49, 122–143. [S. 60–80, 131–149, 197–228, 345–372.] Auch besonders abgedruckt. 39, 32, 27, 21, 21 S. 8°. &lt;br /&gt;
* Bericht über die Erfolge der durch die Hist. Kommission getroffenen Einleitungen. (Sitzung vom 23. Febr. 1848). 2. Heft, S. 38–42, it. (Sitzung vom 22. März 1848.) S. 60–65. [S. 82–85, 103–108.] &lt;br /&gt;
* Vorschlag zur Stiftung eines hist.-archäolog. Vereines in Wien. (Sitzung vorn 12. April 1848.) 2. Heft, S. 85–87; 3. H., S. 33–38. [S. 127–129, 177–182.] &lt;br /&gt;
* Literarische Berichte über historische Arbeiten auf dem Felde deutscher Geschichte. 4. Heft, S. 19–43. (Sitzung vom 4. Okt. 1848). [S. 273–295.] Auch besonders abgedruckt. 25 S. 8°. &lt;br /&gt;
* Bericht über eine Actensendung des hohen Ministeriums des Innern, rücksichtlich hist. Materialien für d. Hist. Comm. der Kais. Akad. d. Wissenschaften in Wien. 5. H., S. 4–9. [S. 297–302.] &lt;br /&gt;
* Kleinere historische Mitteilungen. (Sitzung vom 6. Dez. 1848.) 5. Heft, S. 25–38; 2. Bd. 1849, S. 23–34, 46–102, 142–187, 207–211, 360–406, 427–491; 3. Bd. 1849, S. 12–48, 329–366. [S. 317–330.] Auch besonders abgedruckt unter dem Titel: Hist. Mitteilungen. &lt;br /&gt;
Zweiter Band. 1849. &lt;br /&gt;
* Bericht über ein hist. Manuscript: Beiträge zur neueren Geschichte aus unbenützten Handschriften, gesammelt von Matthias Koch. (Sitzung vom 3. Jänner 1849.) S. 3–5. &lt;br /&gt;
* Bericht und Antrag über Dr. Andreas v. Meiller's Werk: &amp;quot;Die öst. Landesfürsten aus dem Geschlechte der Babenberger, nachgewiesen aus Urkunden und Saalbüchern.&amp;quot; (Sitzung vorn 10. Jänner 1849.) S. 11–23. &lt;br /&gt;
* Bericht über zwei Manuscripte von Max. Fischer, Chorherrn von Klosterneuburg. (&amp;quot;Einstige Klöster und Ortschaften im Lande unter der Enns aus dem Klosterneuburger Archiv nachgewiesen&amp;quot; und &amp;quot;Beiträge zu den lateinischen und deutschen Glossarien des Mittelalters süddeutscher Zunge aus den Klosterneuburgschen Archivschriften&amp;quot;.) (Sitzung vom 7. März 1849.) S. 221–222. &lt;br /&gt;
* Bericht über die Leistungen der Hist. Commission im ersten Jahre ihrer Wirksamkeit (1848). (Sitzung vom 14. März 1849.) S. 244–247. &lt;br /&gt;
* Bericht über die Einsendungen des Hist. Vereines für Kärnten. (Sitzung vom 18. April 1849.) S. 357–360. &lt;br /&gt;
Dritter Band. 1849. &lt;br /&gt;
* Bericht und Antrag über eine Abhandlung von Dr. Gustav Heider: &amp;quot;Über Tiersymbolik und das Symbol des Löwen in der christl. Kunst&amp;quot; (Wien 1849) und die zu unterstützende Arbeit über &amp;quot;Die romanische Kirche zu Schöngrabern und ihre Sculpturwerke&amp;quot;. (Sitzung vom 13. Juni 1849.) S. 6–12. &lt;br /&gt;
* Bericht über Geschichtsquellen für Tirol und Antrag auf Vermehrung der der Hist. Commission bewilligten Bogenzahl ihrer jährlichen Publicationen (150 statt 100). (Sitzung vom 3. Okt. 1849.) S. 115–129. &lt;br /&gt;
* Bericht über die Leistungen des Hist. Vereines zu Bamberg, insbesondere über die &amp;quot;Quellensammlung für fränkische Geschichte&amp;quot;, herausgegeben &amp;quot;von dem Hist. Vereine zu Bamberg&amp;quot;. Baireuth, 1849. 2 Hefte. 8°. (Sitzung vom 31. Okt. 1849.) S. 183–216. Auch besonders abgedruckt. 34 S. 8°. &lt;br /&gt;
* Bericht über das Werk &amp;quot;Quellen und Forschungen zur vaterländischen Geschichte, Literatur und Kunst&amp;quot;. (Sitzung vom 28. Nov. 1849.) S. 283–300. Auch besonders abgedruckt. 18 S. 3°. &lt;br /&gt;
* Bericht über die Zeitschrift des Hist. Vereins für Innerösterreich, Heft 1, und über das von Palacky herausgegebene &amp;quot;Archiv český&amp;quot; (20 Hefte) und Antrag auf Übersetzung einiger wichtigen Urkunden dieses &amp;quot;Archivs&amp;quot; und auf die Verstärkung der Hist. Kommission durch Beitritt des Herrn Schafařik und Palacky. (Sitzung vom 12. Dez. 1849.) S. 407–425. &lt;br /&gt;
Vierter Band. 1850. &lt;br /&gt;
* Schreiben an Herrn Palacky in Angelegenheit der Hist. Kommission. (Sitzung vom 16. Jänner 1850.) S. 55–64. &lt;br /&gt;
Fünfter Band. 1850. &lt;br /&gt;
* Antrag der Hist. Kommission, einige ausländische hist. Vereine mit den Schriften der Klasse zu betheilen. (Sitzung vorn 9. Okt. 1850.) S. 209–212. &lt;br /&gt;
* Bericht über Kink's Bearbeitung des Codex Wangianus. (Sitzung vom 9. Okt. 1850.) S. 356–360. &lt;br /&gt;
* Bericht über die von ihm im Frühjahr und Sommer 1850 unternommene literarische Reise. (Sitzung vom 9. Okt. 1850), S. 361–450; (Sitzung vorn 13. Nov. 1850), S. 591–728; 6. Bd. (Sitzung vom 8. Jänner 1851), S. 44–100. Auch besonders abgedruckt. 288 S. 8°.&lt;br /&gt;
* &amp;quot;Eine Hypothese.&amp;quot; (Sitzung vom 4. Dez. 1850), S. 806–816. Auch besonders abgedruckt. 11 S. 8°. &lt;br /&gt;
* Vorwort zu Jäger's Aufsatz: Über die den Kardinal und Bischof von Brixen, Nicolaus v. Cusa, betreffenden Geschichtsquellen in den Tiroler Archiven. (Sitzung vom 11. Dez. 1850.) S. 868–869. &lt;br /&gt;
Sechster Band. 1861. &lt;br /&gt;
* &amp;quot;Habsburgische Exkurse.&amp;quot; (Sitzung vom 12. März 1851) S. 240–277; 7. Bd. (1851), (Sitzung vom 25. Juni 1851), S. 94–134; 8. Bd. (1852), Sitzung vom 4. Febr. 1852), S. 54–112; 9. Bd. (1853), (Sitzung vom 14. Juli 1852), S. 254–305; 11. Bd. (1854), (Sitzung vorn 6. Juli 1853), S. 183–241; 18. Bd. (1856), (Sitzung vom 14. Nov. 1855) S. 63–114; 25. Bd. (1858), (Sitzung vom 4. und 11. Nov. 1857), S. 161–212; 28. Bd. (1858), (Sitzung vom 13. Okt. 1858), S. 473–536. Anch besonders abgedruckt. 39, 42, 60, 54, 61, 54 S. 8°. &lt;br /&gt;
Siebenter Band. 1851. &lt;br /&gt;
* Mittheilung eines Schreibens von Herrn Dudik aus Stockholm vorn 24. Juni 1851. (Sitzung vom 16. Juli 1851.) S. 238–242. &lt;br /&gt;
* Bericht über zwei lit. Reisen, eine kleine im Inlande, eine große im Auslande. (Sitzung vom 29. Okt. 1851.) S. 656–682. Auch besonders abgedruckt. 28 S. 8°. &lt;br /&gt;
Achter Band. 1852. &lt;br /&gt;
* Versuch einer Begründung meiner &amp;quot;Hypothese&amp;quot; über den Ursprung des &amp;quot;Privilegium majus&amp;quot; von 1156. (Sitzung vom 12. Mai 1852.) S. 435–481. Auch besonders abgedruckt. 48 S. 8°. &lt;br /&gt;
Neunter Band. 1853. &lt;br /&gt;
* Zur Streitfrage über den Ursprung des Fridericianum majus von 1156. (Sitzung vom 10. Nov. 1852.) S. 616–642. Auch besonders abgedruckt. 29 S. 8°. &lt;br /&gt;
Zehnter Band. 1853. &lt;br /&gt;
&amp;quot; Beiträge zur Lösung akademischer Aufgaben. (Sitzung vom 23. Febr. 1853.) S. 206–258; 11. Bd. (1854), (Sitzung vom 30. Nov. 1853), S. 871–953. Auch besonders abgedruckt. 55, 85 S. 8°. &lt;br /&gt;
Dreizehnter Band. 1854. &lt;br /&gt;
* Die Pflege der Geschichte und Statistik in Österreich seit dem Jahre 1848. (Im Auszuge.) (Sitzung vorn 14. Juni 1854.) S. 4–7. &lt;br /&gt;
Neunzehnter Band. 1856. &lt;br /&gt;
* Über den zweiten Bericht an S. E. den Herrn Minister des Innern über die Literatur im österr. Kaiserstaate im Jahre 1854. (Sitzung vom 13. Febr. 1856.) S. 163–165. &lt;br /&gt;
Zwanzigster Band. 1856. &lt;br /&gt;
* Das Recht des Hauses Habsburg auf Kärnten. (Sitzung vom 26. März 1856.) S. 169–184. Auch besonders abgedruckt. 18 S. 8°. &lt;br /&gt;
Zweiundzwanzigster Band. 1857. &lt;br /&gt;
* Bericht über den Fortgang einiger akademischer Unternehmungen, namentlich der &amp;quot;Monumenta Habsburgica&amp;quot;. (Sitzung vom 12. Nov. 1856.) S. 29–90. Auch besonders abgedruckt. 64 S. 8°. &lt;br /&gt;
Dreiundzwanzigster Band. 1857. &lt;br /&gt;
* Die österreichischen Freiheitsbriefe. (Sitzung vom 15. April 1857.) S. 517–574, (Sitzung vom 23. Juni 1858), 28. Bd. (1858) S. 91–126. Auch besonders abgedruckt. 60, 38 S. 8°. &lt;br /&gt;
Sechsundzwanzigster Band. 1858. &lt;br /&gt;
* Studien zur Geschichte des 13. Jahrhunderts. (Sitzung vom 10. März 1858.) S. 3–56. Auch besonders abgedruckt. 56 S. 8°. &lt;br /&gt;
2. In den &amp;quot;Fontes rerum Austriacarum&amp;quot;. Österreichische Geschichtsquellen. Herausgegeben von der Hist. Kommission der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien. Wien. Aus der k. k. Hof- und Staatsdruckerei. 8°. &lt;br /&gt;
* Urkunden zur Geschichte von Österreich, Steiermark, Kärnten, Krain, Görz, Triest, Istrien, Tirol. Aus den Jahren 1246 bis 1300. Aus den Originalen des kais. kön. Haus-, Hof- und Staatsarchivs. Zweite Abteilung. Diplomataria et Acta. I. Bd. Diplomatarium miscellum seculi XIII. 1849. CIX und 320 S. Urkunden, Briefe und Aktenstücke zur Geschichte der Habsburgischen Fürsten K. Ladislaus Posth., Erzherzog Albrecht VI. und Herzog Siegmund von Österreich. Aus den Jahren 1443–1473. Aus Originalen oder gleichzeitigen Abschriften. (Meist des k. k. Haus- , Hof- und Staatsarchivs.) Zweite Abtheilung. Diplomataria et Acta. II. Bd. Diplomatarium Habsburgense seculi XV. 1850. LXXV und 454 S. &lt;br /&gt;
===Beiträge im ''Notizenblatt. Beilage zum Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen'' zwischen 1851–1859===&lt;br /&gt;
Erster Jahrgang. 1851. &lt;br /&gt;
* Vorwort. Nr. 1, S. 1–2. &lt;br /&gt;
* Eilfter Bericht des Museums Francisco-Carolinum in Linz. 1850. Nr. 1, S. 3–4. &lt;br /&gt;
* Carlo Cerri: Straßen- und Postkarte von Italien. Wien 1850. Nr. 1, S. 4–5. &lt;br /&gt;
* C. Halm (in München): Zur Handschriftenkunde der Ciceronischen Schriften. 1850. Nr. 1, S. 5.&lt;br /&gt;
* Über die &amp;quot;österreichischen Geschichtsquellen&amp;quot;. Nr. 1, S. 6–7. &lt;br /&gt;
* Über die &amp;quot;Monumenta Habsburgica&amp;quot;. Nr. 1, S. 7–8. &lt;br /&gt;
* 1307, 5. Februar . H. Friedrich. Nr. 1, S. 9. &lt;br /&gt;
* 1301, 28. Juni. H. Rudolf . Nr. 1, S. 9–10. &lt;br /&gt;
* 1303, 13. Dezember. HH. Rudolph, Friedrich, Leopold (Teck). Nr. 1, S. 10. &lt;br /&gt;
* 1307, 15. März. H. Friedrich (Voitsberg). Nr. 1, S. 11. &lt;br /&gt;
* 1307, 6. Mai. H. Friedrich (Meiflau und Chyau). Nr. 1, S. 11–12. &lt;br /&gt;
* 1314, 31. Mai. Türkheim im Elsaß (Herzoge von Österr.). Nr. 1, S. 13–14. &lt;br /&gt;
* Die schwäbische Familie der &amp;quot;Wallsee&amp;quot;. Anm. unter d. Striche, Nr. 1, S. 16. &lt;br /&gt;
* Mittheilungen des Hist. Vereines für Steiermark. Gratz 1850. 1. Heft. Nr. 2, S. 17–20. &lt;br /&gt;
* Keiblinger: Geschichte von Melk etc. 1851. Nr. 2, S. 20–22. &lt;br /&gt;
* M. Borgnet: Philippe II. et la Belgique. (1555 bis 1598.) 1851. Nr. 2, S. 22–23. &lt;br /&gt;
* Lepsius: Geschichte der Bischöfe des Hochstifts Naumburg vor der Reformation etc. 1. Theil. 1846. (Mit einer Urkunde des Bischofs Berthold II. für die St. Peterskirche in Zeitz, vom Jahre 1196.) Nr. 2, S. 23–27. &lt;br /&gt;
* 1301, 20. Mai. Herzoge von Österreich (Pfirt). Nr. 2, S. 27–28. &lt;br /&gt;
* 1310, 26. April. H. Friedrich (Frauenkloster Tuln). Nr. 2, S. 28–29. &lt;br /&gt;
* 1316, 4. Dezember. Margarethe von Lanzberg (Amt Kiburg). Nr. 2, S. 29–30. &lt;br /&gt;
* 1322, 23. Mai. Die Brüder Schurberg für H. Otto. Nr. 2, S. 30–31.&lt;br /&gt;
* Handschriften über das Basler Konzil in Ulm, Melk, München, Stuttgart, Basel. Nr. 2, S. 32. &lt;br /&gt;
* B. Dudik: Mährens Geschichtsquellen. I. Bd. Cerroni's Handschriftensammlung. Brünn 1850. Nr. 3, S. 33–35. &lt;br /&gt;
* J. C. Schuller: Das k. k. geh. Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien, als Quelle siebenbürg. Fürstengeschichte. Hermannstadt 1850. Nr. 3, S. 35–37. &lt;br /&gt;
* Urbar der (ehemaligen) Staatsherrschaft Falkenstein (im Mühlkreise) vom J. 1570. Nr. 3, S. 37–43; Nr. 4, S. 51–57; Nr. 5, S. 66–74. &lt;br /&gt;
* 1313, 29. September. Stadt Ulm (an Österreich). Nr. 3, S. 43–44. &lt;br /&gt;
* 1315, 26. März. Vermittlung zwischen K. Friedrich und einigen Anhängern Ludwigs von Baiern. Nr. 3, S. 44–45. &lt;br /&gt;
* 1316, 13. August. Grafen von Wirtenberg mit K. Friedrich. Nr. 3, S. 45–46. &lt;br /&gt;
* Nachträge zu Lichnowsky: Regesten der habsburgischen Fürsten. (Von 1361–1397) Nr. 3, S. 46–47; (von 1399–1422) Nr. 4, S. 60–61. &lt;br /&gt;
* Nachträge zur Geschichte K. Friedrichs IV. etc. etc. Von Jos. Chmel. 2 Bde. (Hamburg 1840 bis 1843.) Nr. 3, S. 47–48. &lt;br /&gt;
* Mittheilungen des Histor. Vereines für Krain. Jahrgang 1850. Nr. 4, S. 49–51. &lt;br /&gt;
* Allgemeine Bemerkungen über einen Codex diplomaticus Austriae inferioris. Nr. 4, S. 61–62. &lt;br /&gt;
* Angabe einiger handschriftl. Sammlungen zur Geschichte von Seitenstetten. Nr. 4, S. 63. &lt;br /&gt;
* Altenburg Kloster (150 Urk. kopiert.) Nr. 4, S. 63. &lt;br /&gt;
* Handschriften in der Bibliothek des Stiftes Neukloster (Cisterzienser) in Wiener-Neustadt. Nr. 4, S. 63–64. &lt;br /&gt;
* Geschichte und Verhandlungen der Gesellschaft des böhm. Museums in den Jahren 1846 bis 1850. Prag 1851. Nr. 5, S. 65–66. &lt;br /&gt;
* Einleitung zu W. Biêlsky's Arbeit: Nachträge (und Bemerkungen) zu v. Meiller's Regesten. Nr. 5, S. 75. Zur Geschichte des deutschen Kaiserreiches. Nr. 6, S. 85–86. &lt;br /&gt;
* 1308, 6. Dezember. H. Leopold (Teck). Nr. 6, S. 93–95. &lt;br /&gt;
* 1315, 20. Jänner. Erzbischof Peter von Mainz (K. Ludwig). Nr. 6, S. 95–96. &lt;br /&gt;
* Verzeichniss von 283 Original-Urkunden im Franzens-Museum zu Brünn, die sich auf &amp;quot;Österreich&amp;quot; (Erzherzogthum) beziehen. Nr. 7 S. 106–111; Nr. 8, S. 119–123. &lt;br /&gt;
* Volkslied über den Aufruhr der windischen Bauern in Kärnthen, Steiermark etc. 1516. Nr. 7, S. 111–112. &lt;br /&gt;
* Maximilians I. Ansichten über Regentenweisheit. (Gedicht: &amp;quot;Gespräch der Vögel.&amp;quot;) Nr. 10, S. 153–156. &lt;br /&gt;
* Herzogenburger Constitutions-Urkunde von 1378. Mitgeteilt von Biélsky, mit Bemerkungen von Chmel. Nr. 10, S. 158–160. &lt;br /&gt;
* Pertz: Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde etc. X. Bd., 4. Heft (Wattenbach: Reise nach Österreich in den Jahren 1847 bis 1849). Hannover 1851. Nr. 14, S. 209–212. &lt;br /&gt;
* Die Regiments-Räthe des Niederösterreichischen Regiments. Von 1529–1657. Die Cammer-Räthe der Niederösterreichischen Kammer. Von 1539–1606. Aus dem Friedeshaimischen Wappen- und Regentenbuche in der Bibliothek des Klosters Göttweig. (Nr. 629, 630 und 631, 3 Bde. in 4.) Nr. 14, S. 212–224; Nr. 15, S. 228–240; Nr. 16, S. 241–251; Nr. 17, S. 263–268. &lt;br /&gt;
* Allgemeine Bemerkungen über den &amp;quot;Hist. Atlas für Alt-Österreich&amp;quot;. Nr. 17, S. 268–269.&lt;br /&gt;
* Zur Geschichte der Stadt Friesach in Kärnthen. Nr. 18, S. 277–283; Nr. 19, S. 294–298; Nr. 20, S. 310–314; Nr. 21, S. 325–328; Nr. 22, S. 337–341; Nr. 23, S. 354–361. &lt;br /&gt;
* Abhandlungen der K. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften. Fünfter Folge sechster Band. 1848–1850. Prag 1851. Nr. 19, S. 289–294. &lt;br /&gt;
* Histor. Verein in München: Oberbaierisches Archiv für vaterl. Geschichte. XII. Bd., 1. Heft. München 1851. It. dreizehnter Jahresbericht des Hist. Vereines (1850). Nr. 21, S. 321–325. &lt;br /&gt;
* Dr. Fr. Wimmer: Vertraulicher Briefwechsel des Kard. Otto, Truchseß von Waldburg, Bischofs von Augsburg, mit Herzog Albrecht von Baiern. 1851. Nr. 23, S. 353–354. &lt;br /&gt;
* Solothurn: Urkundio etc. 1. Bd., 1. Heft. 1851. Nr. 24, S. 369–371. &lt;br /&gt;
Zweiter Jahrgang. 1852. &lt;br /&gt;
* J. Ed. Jörg: Deutschland in der Revolutionsperiode von 1522–1526 etc. Freiburg im Breisgau 1851. 8°. – Nachträge dazu aus dem Wiener Haus-, Hofund Staatsarchiv aus den Jahren 1522 bis 1524. Nr. 2, S. 17–25; Nr. 3, S. 36–43; Nr. 4, S. 52–58; Nr. 6, S. 81–87; Nr. 7, S. 97–103; Nr. 8, S. 113–118; Nr. 16, S. 241–254; Nr. 17, S. 257–262; Nr. 18, S. 273–279. &lt;br /&gt;
* Auszüge aus einem Kanzleibuche (Konzeptensammlung) K. Friedrich's IV. Vom Jahre 1478. Nr. 3, S. 43–48; Nr. 4, S. 58–64; Nr. 6, S. 93–96; Nr. 7, S. 110–112; Nr. 8, S. 118–124; Nr. 9, S. 138–144; Nr. 10, S. 157–160; Nr. 11, S. 172–176; Nr. 12, S. 183–189; Nr. 20, S. 317–320; Nr. 22, S. 340–350; Nr. 23, S. 361–368; Nr. 24, S. 377–384. &lt;br /&gt;
* Geschichte und Beschreibung der Prager Universitäts-Bibliothek. Von J. A. Hanslik. Prag 1851, 8°. Nr. 4, S. 49. &lt;br /&gt;
* Schriften der historisch-statistischen Section der K. k. mährisch-schlesischen Gesellschaft des Ackerbaues der Natur- und Landeskunde. Brünn 1851, gr.-8°. 1. Heft. Die Olmützer Chronik. (1619, 1620.) Nr. 4, S. 49–50. &lt;br /&gt;
* Schreiben Herzog Albrechts V. (c. 1420?) an den Papst über Ablösung von Zinsen. Nr. 12, S. 192. Schreiben an König Maximilian (II.) von Primus Truber und für ihn. Nr. 13, S. 199–208; Nr. 14, S. 213–224. &lt;br /&gt;
* Die Salzburger Diöcese im fünfzehnten Jahrhunderte. Nr. 17, S. 265–272; Nr. 18, S. 279–288; Nr. 19, S. 289–291. &lt;br /&gt;
* &amp;quot;Zur österr. Adelsgeschichte.&amp;quot; Urkunden zur Geschichte der Herren von Wallsee. Nr. 20, S. 313–317; Nr. 21, S. 329–336; Nr. 24, S. 374–377; dritter Jg. (1853): Nr. 1, S. 6–11. &lt;br /&gt;
* Die Glockeninschrift von Feldbach in Steiermark. Schreiben des Freiherrn von Hammer-Purgstall. Bemerkung der Redaction. Nr. 21, S. 321–323. &lt;br /&gt;
Dritter Jahrgang. 1853. &lt;br /&gt;
* Register der Einkünfte des Bischofs von Passau von den Besitzungen in Österreich, im ersten Viertel des vierzehnten Jahrhunderts. Nr. 1, S. 12–16; Nr. 2, S. 27–32; Nr. 3, S. 40–45; Nr. 4, S. 57–64; Nr. 5, S. 75–88; Nr. 6, S. 92–96; Nr. 7, S. 112–118; Nr. 8, S. 142–150; Nr. 9, S. 162–176; Nr. 10, S. 193-200. &lt;br /&gt;
* Forschungen in Schweden für mährische Geschichte. Im Auftrage des hohen mährischen Landes-Ausschusses im Jahre 1851, unternommen und veröffentlicht von Doctor Beda Dudik (Benediktiner von Raygern). Brünn 1852. Druck von K. Winiker. Nr. 3, S. 33–40.&lt;br /&gt;
* Urkundenbuch des Landes ob der Enns. Herausgegeben vom Verwaltungs-Ausschusse des Museums Francisco-Carolinum zu Linz. I. Bd. Wien 1852. Aus der k. k. Hof- und Staatsdruckerei. Nr. 6, S. 89. &lt;br /&gt;
* Urkundenbuch für die Geschichte des Benediktinerstiftes Kremsmünster, seiner Pfarreien und Besitzungen vom Jahre 777–1400. Im Auftrage des P. T. hochw. Herrn Abtes Thomas Mitterndorfer, bearbeitet von P. Theodorich Hagn, Stiftsarchivar. Gedruckt in der k. k. Hof- und Staatsdruckerei in Wien, 1852. Nr. 6, S. 89–92. &lt;br /&gt;
* Meißau'sche Herrschaften und Erträgnisse im 14. Jahrhundert. Nr. 6, S. 97–104; Nr. 7, S. 119–128; Nr. 8, S. 150–152. &lt;br /&gt;
* Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Herausgegeben von dem Landesarchiv zu Karlsruhe, durch den Direktor desselben F. J. Mone. I. Bd. in 4 Heften. Karlsruhe 1850; II. Bd. 1851: III. Bd. 1852; Nr. 7, S. 105–112; Nr. 8, S. 129–137. &lt;br /&gt;
* Noch einmal die Glocken-Inschrift in Feldbach. (Aus einem Schreiben des Herrn Professors Hofmann in Gratz.) Bemerk der Red. Nr. 8, S. 137–142. &lt;br /&gt;
* Briefe von Kepler. Nr. 9, S. 153–162. &lt;br /&gt;
* Auszug aus den Handschriften-Verzeichnissen der Bibliotheken zu Stuttgart und Basel. Nr. 10, S. 186–192; Nr. 11, S. 201–212. &lt;br /&gt;
* Salzburgische Urkunden und Urkunden-Auszüge von 1440 bis 1457 aus dem k. k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Nr. 11, S. 212–219; Nr. 12, S. 225–228; Nr. 13, S. 243–254; Nr. 14, S. 267–276; Nr. 15, S. 285–289; Nr. 16, S. 297–303; Nr. 17, S. 321–329; Nr. 19, S. 361–368; Nr. 20, S. 385–393; Nr. 21, S. 409–416; Nr. 22, S. 425–428; Nr. 24, S. 473–479. Vierter Jahrg. 1854: Nr. 1, S. 1–9; Nr. 2, S. 25–37; Nr. 10, S. 230–232; Nr. 11, S. 251–256; Nr. 13, S. 289–294. &lt;br /&gt;
* Zins- und Dienst-Buch der Grafschaft Litschau. Anno 1369. Nr. 13 S. 255–264.&lt;br /&gt;
* Über Nationalgeschichte und den gegenwärtigen Stand ihrer Pflege in Österreich. Von Jos. Alex. Helfert. Prag 1853. Nr. 15, S. 281–285. &lt;br /&gt;
* Aus einem Rationarium und Diplomatarium der Grafen von Görz. Aus den Jahren 1398 und 1402. Nr. 15, S. 290–296; Nr. 16, S. 311–320. &lt;br /&gt;
* Urkunden und Briefe zur Geschichte Herzog Albrechts V. (als König Albrechts II.). Von 1411–1437. Aus dem k. k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv . Nr. 16, S. 303–311; Nr. 17, S. 329–336; Nr. 18, S. 352–360; Nr. 19, S. 378–384; Nr. 20, S. 405–408. &lt;br /&gt;
Vierter Jahrgang. 1854. &lt;br /&gt;
* Das Lehenbuch Königs Ladislaus Posth. für Österreich ob und unter der Enns. (In alphabet. Ordnung.) Nr. 1, S. 15–24; Nr. 2, S. 41–48; Nr. 3, S. 65–72; Nr. 4, S. 89–96; Nr. 5, S. 113–120; Nr. 6, S. 137–144; Nr. 7, S. 161–168; Nr. 8, S. 185–192; Nr. 9, S. 209–216; Nr. 10, S. 233–240; Nr. 11, S. 257–264; Nr.12, S. 281–288; Nr.13, S. 305–312; Nr.14, S. 329–336; Nr.15, S. 353–360; Nr. 16, S. 377–384; Nr. 17, S. 401–408; Nr. 18, S. 425–432. &lt;br /&gt;
* Einleitung zur Arbeit Valentinelli's: &amp;quot;Zur Geschichte der Patriarchen von Aquileja.&amp;quot; Nr. 3, S. 49–50. &lt;br /&gt;
* Urkundliche Beiträge zur Adelsgeschichte. I. Die Herren von Wallsee im 14. Jahrhunderte. Nr. 4, S. 79–88; Nr. 5, S. 100–108; Nr. 6, S. 125–132; Nr. 12, S. 278–280; Nr. 13, S. 294–296; Nr. 14, S. 316–321; Nr. 15, S. 337–345; Nr. 17, S. 385–390; Nr. 19, S. 433–437; Nr. 22, S. 531–536; Nr. 23, S. 549–568; Nr. 24, S. 589–607. &lt;br /&gt;
* Actenstücke zur Geschichte der Gesandtschaft, welche K. Maximilian II. im Jahre 1567 an die Königin Elisabeth von England abgeschickt hat. Nr. 7, S. 145–160; Nr. 8, S. 169–184; Nr. 9, S. 200–208; Nr. 10, S. 217–219. &lt;br /&gt;
* Vor Vernichtung Gerettetes. Nr. 10, S. 222–230; Nr. 16, S. 361–371. &lt;br /&gt;
* Fürstenbriefe usw. aus dem 15. Jahrhunderte, unter der Regierung K. Friedrich's IV. (Im Germanischen Museum zu Nürnberg und im Archiv zu München die Originale oder die Abschriften.) Nr. 18, S. 417–424; fünfter Jg. 1855: Nr. 4, S. 83–88; Nr. 7, S. 158–160; Nr. 9, S. 202–208; Nr. 10, S. 222–232; Nr. 11, S. 249–256; Nr. 12, S. 278–280. &lt;br /&gt;
* Vorerinnerung zur &amp;quot;Literatur&amp;quot;. Nr. 20, S. 457–458. &lt;br /&gt;
* Kriegerische Ereignisse im Herzogthume Salzburg in den Jahren 1800, 1805 und 1809. Bearbeitet von Anton Ritter v. Schallhammer, k. k. Hauptmann. Mit drei Karten und zwei Stahlstichen. Salzburg 1854, in Commission der Mayr'schen Buchhandlung. 8°. VI und 592 S. Nr. 20, S. 458–461. &lt;br /&gt;
* Die Besitzungen des Benediktinerklosters Nieder-Altaich in der Passaner Diözese. Nr. 20, S. 473–480; Nr. 21, S. 505–512; Nr. 22, S. 537–544; Nr. 23, S. 569–576; fünfter Jg. 1855: Nr. 4, S. 89–96; Nr. 5, S. 113–120; Nr. 6, S. 137–144; Nr. 7, S. 161–168; Nr. 8, S. 185–192; Nr. 9, S. 209–216; Nr. 10, S. 233–240; Nr. 11, S. 257–264; Nr. 12, S. 281–288; Nr. 13, S. 309–312; Nr. 14, S. 329–333; sechster Jg. 1856: Nr. 15, S. 353–360; Nr. 16, S. 377–384; Nr. 17, S. 401–408; Nr. 18, S. 425–432; Nr. 19, S. 449–456; Nr. 20, S. 473–480; Nr. 21, S. 505–512; Nr. 22, S. 537–544; Nr. 23, S. 569–576; Nr. 24, S. 603–608. &lt;br /&gt;
* Die Stadtrechte von Brünn aus dem XIII. und XIV. Jahrhundert [...] von Emil Franz Rößler [...] Mit fünf Steindrucktaf. (Vorstellungen aus den Rechtsbüchern). Prag 1852, J. G. Calve'sche Buchhandlung Friedr. Tempsky. 8°. XXIV, CXXXI und 432 S., 1 Blatt Nachträge und Berichtigungen. Nr. 21, S. 481–482. &lt;br /&gt;
* Hofmarch- und Lanndtgerichts-Puechl der Herrschaft Wartenburg im Lande ob der Enns. 1611. Nr. 21, S. 484–496. &lt;br /&gt;
* Vollständige Topographie der Karlstädter Militär-Grenze in Kroatien, [...] von Franz Julius Fras [...] 2. Aufl. Agram 1850. Gedr. und im Verl. bei Franz Suppan. In Leipzig bei F. A. Herbig. In Wien bei F. Tendler und Comp. XIX und 426 S. 8°, dann 11 Bl. Subskribentenverzeichnis. (553.) Nr. 22, S. 513–515. &lt;br /&gt;
* (Zur Austria sacra.) Die Kirchen der Stadt Krakau. Eine Monographie zur Geschichte und Kirchengeschichte des einstigen Königreichs Polen. Von Dr. Konstantin Wurzbach [...] Wien 1853. Druck und Verl. der Mechitaristen-Kongregations-Buchhandlung. In 8°. XIV und 402 S. (S. 380–402 Inhalt, das ist Register.) Nr. 23, S. 545–549. &lt;br /&gt;
* Lungau, historisch, ethnographisch, statistisch [...] von Ignaz v. Kürsinger, [...] Inglorius, dum utilis. Mit artistischen Beigaben. Salzburg 1853. In Commission der Oberer 'schen Buchhandlung. 785 S. in 8°. Nr. 24, S. 577–589. &lt;br /&gt;
Fünfter Jahrgang. 1855. &lt;br /&gt;
* Pflege der Geschichte und Statistik in Österreich seit 1848. Nr. 1, S. 1–9; Nr. 2, S. 25–36; Nr. 3, S. 49–64; Nr. 4, S. 73–83. &lt;br /&gt;
* Relazione dell' Ambasciata estraordinaria inviata nel 1763 dalla Republica di Venezia in Inghilterra per lo avvenimento al trono del Re Giorgio III. Venezia 1854 dalla tipografia di F. A. Perini. 43 pp. in 8°. Nr. 5, S. 97–98. &lt;br /&gt;
* Der Landgraf Georg von Hessen-Darmstadt im Felde und am Hofe in Spanien 1695 bis 1701. Nach den Urkunden dargestellt von Heinrich Künzel. (Im 1. H. des 8. Bdes. des Archivs für hessische Geschichte und Alterthumskunde. Artikel III. 1854. S. 65–200.) Nr. 5, S. 98–102. &lt;br /&gt;
* Mittheilungen der Geschichts- und Alterthumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg. Von 1841–1848, 2 Bde. in 7 Heften. Nr. 6, S. 121–131. &lt;br /&gt;
* Das Bischofs- und Dienstmannenrecht von Basel in deutscher Aufzeichnung des XIII. Jahrh. Herausgegeben von W. Wackernagel. Basel 1852, in der Schweighauser'schen Universitäts-Buchdruckerei. 43 Seiten 4°. Nr. 7, S. 145–146. &lt;br /&gt;
* Beiträge zur vaterländ. Geschichte. Herausgegeben von der Hist. Gesellschaft zu Basel. 4. Bd. 1850. XI und 404 S. in 8°. 5. Bd. 1854. X und 318 S. 8°. Schweighauser'sche Verlagsbuchhandlung. Nr. 7, S. 146–154. &lt;br /&gt;
* Basler Taschenbuch auf das Jahr 1853. Herausgegeben von Dr. Wilhelm Theodor Streuber. 4. Jahrg. Basel 1853. Schweighauser'sche Verlagsbuchhandlung. VIII und 207 S. in 12°. Nr. 7, S. 155–158. &lt;br /&gt;
* Die Zeit Constantins des Großen. Von Jak. Burckhardt. Basel 1853. Druck und Verl. der Schweighauser'schen Verlagsbuchhandlung. VII und 512 S. in 8°. Nr. 7, S. 158. &lt;br /&gt;
* Zeitschrift des Vereins für thüringische Geschichte und Alterthumskunde. 1. Bd. in 4 Heften. Jena 1852 bis 1854. Friedr. Frommann. 450 S. in 8°. Mit lithogr. Taf. Nr. 11, S. 241–247. &lt;br /&gt;
* Zwei Programme als Einladungsschriften zu den General-Versammlungen des Vereins für thüringische Geschichte und Alterthumskunde in den Jahren 1853 und 1854. Vom Justizrath und Professor Michelsen. 1. Der Mainzer Hof zu Erfurt. 1853. 46 S. in 4°. Über die Ehrenstücke und den Rautenkranz als hist. Probleme der Heraldik. 1854. 43 S. in 4°. Nr. 11, S. 247–248. &lt;br /&gt;
* Michelsen: Specimen Codicis diplomatici Jenensis. 1852. 16 S. in 4°. Nr. 11, S. 248–249. &lt;br /&gt;
* Rechtsdenkmale aus Thüringen. 1. Lief. Namens des Vereins für thüringische Geschichte und Alterthumskunde, herausgegeben von A. L. J. Michelsen. Jena 1852. Friedr. Frommann. 100 S. 8°. 2. Lief. Jena 1853. S. 101–198. 8°. Nr. 12, S. 265–267. &lt;br /&gt;
* Michelsen: Die Hausmarke. Eine germanistische Abhandlung. Mit drei lithogr. Taf. Jena 1853. Fr. Frommann. 68 S. gr.-8°. Nr. 12, S. 267. &lt;br /&gt;
* Codex Thuringiae diplomaticus. Sammlung ungedruckter Urkunden zur Geschichte Thüringens. 1. Lief. [...] von A. L. F. Michelsen. Jena 1854. Fr. Frommann. 96 S. in 4°. Nr. 12, S. 267–268. &lt;br /&gt;
* Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae. Tom. V. VI. (Chytil.) 1850, 1854. Nr. 13, S. 289–295. &lt;br /&gt;
* Die Landtafel des Markgrafthums Mähren. 1. Lief. Bog. 1–24. Erstes Buch der Olmützer Cuda. Brünn 1854. (R. v. Chlumecky.) Nr. 13, S. 295–297. &lt;br /&gt;
* Bibliographisch-statistische Übersicht der Literatur des österr. Kaiserstaates. Vom 1. Sept. 1852 bis letzten Dez. 1853. Erster Bericht, verfaßt [...] von [...] Dr. C. v. Wurzbach. Wien 1854. Buchdruckerei der Edlen von Ghelenschen Erben. VI und 111 (109) S. in 8°. Nr. 14, S. 313–316. (In der Note 1, S. 314, über Wurzbachs Buch: Die Sprichwörter der Polen etc. etc.) &lt;br /&gt;
* Zur Geschichte der Stadt Wien. (Wiener Stadtrechnungen usw. 1368 bis 1403.) Aus einem Original-Codex des 14. Jahrh. (Papierkodex in Fol.) und aus einem Original-Heft des 15. Jahrhunderts. (13 Bl. Fol.) Im Besitze des Herrn v. Feil. Nr. 14, S. 325–328; Nr. 15, S. 350–352; Nr. 16, S. 365–376; Nr. 17, S. 391–400. &lt;br /&gt;
* Rationarium Austriacum (c. 1275). Original, auf Pergament in 12°, 31 Blatt in Folio. Haus- und Staatsarchiv. Nr. 14, S. 333–336; Nr. 15, S. 353–360; Nr. 16, S. 377–384; Nr. 17, S. 401–408; Nr. 18, S. 425–428. &lt;br /&gt;
* Germanisches Museum zu Nürnberg. Erster Jahresbericht des German. Nationalmuseums zu Nürnberg vom Sept. 1853 bis Ende August 1854 mit Rückblick auf das Jahr 1852, verfaßt von [...] Dr. W. Harleß. Nürnberg, in der lit.-artist. Anstalt des German. Museums. Leipzig, bei Friedr. Fleischer 1854. 4°. 18 S. Nr. 16, S. 361–364. &lt;br /&gt;
* Gesammtverein der deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine. 1. Correspondenzblatt des Gesammtvereins der deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine [...] von Prof. Dr. M. L. Löwe. 1. Jg. 1853 (Nov. 1852 bis Sept. 1853). 13 Nummern. 112 S. in 4°. Dresden. In Commiss. der Arnoldischen Buchhandlung; 2. Jg. 1854 (Okt. 1853 bis Sept. 1854). 13 Nummern. 128 S. in 4°. 3. Jg. 1855 (Okt. 1854 bis Sept. 1855). Nr. 1–4 noch in Dresden unter Dr. Löwe's Redakt. Von Nr. 5 angefangen in Hannover, in Commiss. der Hahnschen Hofhuchhandlung. Redaction besorgt vom Archivsekretär Dr. C. L. Grotefend. (Nr. 5–8.) 2. Beschreibung der deutschen Gaue. Herausgegeben durch den Gesammtverein der deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine. 1. Bd.: Beschreibung des Gaues Wettereiba, von Dr. G. Landau. Mit einer Karte. Kassel 1855. Nr. 18, S. 409–412. &lt;br /&gt;
* Zechend, Dienst- und Sammlungsregister der Pfarre Gallneukirchen Anno 1682. Nr. 18, S. 428. &lt;br /&gt;
* Zeugnisbrief des Äneas Sylvius (als Pfarrer zu Aspach) über eine gestiftete Messe in der Schloß-Capelle zu Wildenau. Nr. 18, S. 428–430. &lt;br /&gt;
* Urbarium. Pfarr Althamb oder Maurnperg betreffend. Nr. 18, S. 430–432; Nr. 19, S. 455–456. &lt;br /&gt;
* Denkschrift zur Feier ihres 50jährigen Bestehens, herausgegeben von der schlesischen Gesellschaft für vaterländ. Cultur. Breslau 1853. Verl. von Josef Max et Comp. 282 S. 4°. Nr. 19, S. 433–442. &lt;br /&gt;
* Die Landtafel des Markgrafthums Mähren. 2. und 3. Lief. Bog. 1–60 . Das I. bis VI. Buch der Brünner Cuda mit vier Beilagen. Nr. 20, S. 457–458. &lt;br /&gt;
* Schriften der hist.-statist. Section der K. k. mähr.-schles. Ges. des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde. Heft II. Brünn 1852. 98 S., gr.-8°. Heft III, 148 S., gr.-8°. Heft IV, Brünn 1852, 200 S., gr.-8°. Heft V, Brünn 1853, 268 S., gr.-8°. Bd. VI, Brünn 1854, 340 S., gr.-8°. Bd. VII, Brünn 1854, 109 und 312 S., gr.-8°. Nr. 20, S. 458–469; Nr. 21, S. 481–495.&lt;br /&gt;
* Liber delegationum, seu traditionum rerum Salzburgensium canonicorum. (Cod. Ms. Perg. in Fol. saec. XII et XIII im Haus-, Hof- und Staatsarchiv zu Wien.) Nr. 20, S. 472–480; Nr. 21, S. 506–512; Nr. 22, S. 523–544; Nr. 23, S. 554–576; Nr. 24, S. 596–608. &lt;br /&gt;
* Mittheilungen des Hist. Ver. für Steiermark. 2. Heft. Mit 7 Steindruckbeilagen. Graz 1851. In Commiss. bei Aug. Hesse. 8°. IV und 183 S. 3. H. Mit 8 Steindruckbeil. Graz 1852. IV, 227 S. 8°. 4. H. Mit 2 Taf. Abbildungen. Graz 1853. IV und 260 S. 8°. 5. H. Mit 2 Taf. Abb. Gratz 1854, IV 240 S. 8°. – 2. Jahresbericht über den Zustand und das Wirken des Hist. Ver. für Steiermark vom 1. Febr. 1854 bis 1. März 1855. Von Dr. Göth. Gratz 1855. 47 S. 8°. – 3. Bericht über die 5. allg. Vers. des Hist. Ver. f. Steiermark am 22. März 1855. Von Dr. Göth [...] Gratz. 6 S. 8°. – 4. Der angebliche Götterdualismus an den Votivsteinen zu Videm und Aquileja gegen den neuesten Behauptungs-Versuch wiederholt in Abrede gestellt vom Pfarrer Richard Knabl [...] Gratz 1855. In Commiss. bei Aug. Hesses Buchhandlung. 52 S. 8°. Nr. 22, S. 513–520, Nr. 23, S. 545–554; Nr. 24, S. 577–590.&lt;br /&gt;
Sechster Jahrgang. 1856. &lt;br /&gt;
* Neues Lausitz'sches Magazin. 32. Bd., 1., 2. und 3. (Doppelheft) Heft. Mit 9 Taf. Görlitz 1855. Herausgabe besorgt vom Sekretär der Ges., K. G. Th. Neumann. 316 und 64 S. in 8°. Nr. 1, S. 1–3. &lt;br /&gt;
* Donaciones fundaciones et dotaciones ecclesie sancti petri Salczburge. Liber primus anno 1004 editus. (Ad Cistam M. sub Nr. IX. E. Nr. 17. 236. (Orig. zu St. Peter in Salzburg.) Nr. 1, S. 17–24; Nr. 2, S. 41–48; Nr. 3, S. 65–72; Nr. 4, S. 89–96; Nr. 5, S. 113–120; Nr. 6, S. 137–144; Nr. 7, S. 161–168; Nr. 8, S. 185–192; Nr. 9, S. 209–216; Nr. 10, S. 233–240; Nr. 11, S. 257–264; Nr. 12, S. 281–288; Nr. 13, S. 305–312; Nr. 14, S. 331–336. &lt;br /&gt;
* Briefe und Actenstücke zur Geschichte der Herzoge von Mailand von 1452 bis 1513. Nr. 2, S. 30–38; Nr. 3, S. 56–64; Nr. 4, S. 77–88; Nr. 5, S. 109–112; Nr. 6, S. 129–136; Nr. 7, S. 156–160; Nr. 8, S. 176–184; Nr. 9, S. 193–201; Nr. 10, S. 217–227; Nr. 11, S. 245–256; Nr. 12, S. 271–280; Nr. 13, S. 298–302; Nr. 14, S. 325–330; Nr. 15, S. 346–352; Nr.16, S. 370–376; Nr. 17, S. 395–400; Nr. 18, S. 420–424; Nr. 19, S. 443–448; Nr. 20, S. 466–472; Nr. 21, S. 484–494. &lt;br /&gt;
* Hist. Verein zu Altenburg: &amp;quot;Mittheilungen der geschichts- und alterthumsforschenden Ges. des Osterlande s zu Altenburg.&amp;quot; 3. Bd. und Heft 1 des 4. Bdes. 1850–1854. (Vgl. Notizenbl. 1855, Nr. 6.) 5 Hefte. Nr. 3, S. 49–55. &lt;br /&gt;
* 1. Zeitschrift für deutsche Mythologie und Sittenkunde. Herausgegeben von J. W. Wolf. 1. Bd. Göttingen 1853. Verl. der Dietrichschen Buchhandlung. VIII und 480 S. 8°. 2. Bd. 1855, 448 S. 8°. (8 Hefte.) 2. Beitrag zur deutschen Mythologie von Friedr. Panzer. 1. Bd. Mit vier Kupfertafeln. München 1848. Christian Kaiser. IV und 407 S. 8°. 2. Bd. Mit vier Kupfertaf. 1855. XXIV und 592 S. Auch unter dem Titel: Baierische Sagen und Gebräuche. 3. Beitrag zur deutschen Mythologie und Sittenkunde aus dem Volksleben der Deutschen in Ungarn [...] Mitgetheilt durch K. J. Schröer. Preßburg 1855. Maschinendruck der vormals Schmid'schen Buchdruckerei. In Commiss. bei K. F. Wigand. 40 S. in 4°. Nr. 4, S, 73–77; Nr. 5, S. 97–99. &lt;br /&gt;
* Vidimus der österreichischen Freiheitsbriefe, vom 11. Juli 1360. Nr. 5, S. 99–109. &lt;br /&gt;
* &amp;quot;Austria sacra.&amp;quot; &amp;quot;Mähren.&amp;quot; 1. Kirchliche Topographie von Mähren, [...] durch P. Gregor Wolny [...] 1. Abtheil. Olmützer Erzdiözese. 1. Bd. Brünn 1855. Selbstverlag des Verf. In Kommission der Nitsch' und Grosse'schen Buchhandlung. Gedr. bei W. Burkart. XI und 454 S. 8°. 2. Chronica domus Sarensis [...] von Dr. Richard Roepell [...] 1854. 63 S. 8°. 3. Iter Romanum. Im Auftrage des hohen mähr. Landesausschusses in den Jahren 1852 und 1853 unternommen und veröffentlicht von Dr. Beda Dudik [...] I. Theil. Hist. Forschungen. Wien 1855. In Kommiss. bei F. Manz und Comp. XX und 366 S. in 8°. II. Theil. Das päpstliche Regestenwessen. Wien 1855. X und 231 S. in 8°. Nr. 6, S. 121–129; Nr. 7, S. 145–156; Nr. 8, S. 169–173. &lt;br /&gt;
* Herzog Siegmund's Gesandtschaft nach Oberösterreich, nach dem Tode Erzherzogs Albrecht, Dezember 1463 und Jänner 1464. Als Ergänzung zu dem 2. Bande der 2. Abth. der &amp;quot;Fontes rerum Austriacarum&amp;quot;. Nr. 9, S. 201–208; Nr. 10, S. 229–232. &lt;br /&gt;
* Zur Literatur der Geographie, Geschichte und Statistik Österreichs seit 1848. Nr. 11, S. 241–245; Nr. 12, S. 265–266. &lt;br /&gt;
* (Zur Germania sacra.) Thüringen. 1. Zeitschr. des Ver. für thüring. Geschichte und Alterthumskunde. 2. Bandes 1. und 2. H. Jena 1855. Fr. Fromann. 156 S. 8°. 2. Thüring. Geschichtsquellen. 2. Bd.: Chronicon Ecclesiasticum Nicolai de Siegen O. S. B. [...] von Dr. Franz X. Wegele [...] Jena 1855. Fr. Fromann. XVI und 510 S. in 8°. 3. Die Rathsverfassung von Erfurt im Mittelalter. Eine urkundliche Mitteilung, als Programm zu der 3., am 30. Juli 1855 in Erfurt zu haltenden Generalvers. des Ver. f. thüring. Gesch. und Alterthumskunde [...] von A. L. J. Michelsen. Jena 1855. Fr. Fromann. 47 S. in 4°. Nr. 15, S. 337–341; Nr. 16, S. 361–365; Nr. 17, S. 385–389. &lt;br /&gt;
* Die Regesten der Archive im Markgrafthume Mähren und Anton Boczek's Berichte über die Forschungen in diesem Lande. I. Bd. I. Abth. [...] von P. Ritter v. Chlumeck. [...] Mit einem Schriftfacsimile. Brünn 1856. In Kommiss. bei Nitsch und Grosse. XLI, 222 und 334 S. in 8°. – Druck von Franz Gastl in Brünn. Nr. 18, S. 409–413; Nr. 19, S. 433–438; Nr. 20, S. 457–461; Nr. 21, S. 481–484. &lt;br /&gt;
* Archäologie, Kunstgeschichte. a) Leistungen der K. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale. (Mittheilungen. VIII Hefte in 4°. 1856. Jahrbuch. I. Jahrg. in 4°.) Nr. 22, S. 513–523; Nr. 23, S. 548–553. Nr. 24, S. 577–586. &lt;br /&gt;
Siebenter Jahrgang. 1857. &lt;br /&gt;
* Jahresbericht des Vereines für siebenbürg. Landeskunde 1854–1856. Nr. 2 S. 17–18. &lt;br /&gt;
* Teutsch, Programm des evang. Gymnasiums in Schäßburg. 1855–1856, Nr. 2, S. 18–20. &lt;br /&gt;
* Haltrich, Die Stifmütter etc. Nr. 2, S. 20–21. &lt;br /&gt;
* Meißauisches Lehenbuch. Nr. 2, S. 28–32; Nr. 3, S. 44–48; Nr. 4, S. 61–64; Nr. 6, S. 93–96; Nr. 7, S. 109–112; Nr. 8, S. 125–128; Nr. 9, S. 141–144; Nr. 10, S. 157–160; Nr. 11, S. 173–176; Nr. 12, S. 188–192; Nr. 13, S. 205–208; Nr. 14, S. 221–224; Nr. 15, S. 237–240; Nr. 16, S. 253–256; Nr. 17, S. 269–272; Nr. 18, S. 285–288; Nr. 19, S. 301–304; Nr. 20, S. 317–320: Nr. 21, S. 333–336; Nr. 22, S. 347–352. &lt;br /&gt;
* Venedig. (Friaul, Dalmatien.) 1. Cicogna (a–f) usw. Nr. 3, S. 33–37; Nr. 4, S. 49–51. 2. Foucard. Zwei Publikationen. Nr. 4, S. 51–53. 3. Valentinelli, Gliubich. (Dalmatien.) Nr. 7, S. 97–103; Nr. 9, S. 129–133. (Aquileja, Friaul.) 4. Tafel und Thomas (Venedig). Cornet. Cantu. Nr. 10, S. 145–148. &lt;br /&gt;
* Fraternitätsbuch des Chorherrenstiftes Pölau in Steiermark. (Cod. Ms. sec. XVI. in 4°. chartaceus, foliorum 12.) Nr. 16, S. 248–250; Nr. 17, S. 261–264. &lt;br /&gt;
Urkunden des XIII. Jahrhunderts zur Geschichte von lnnerösterreich und Tirol. (Aus den Originalen des k. k. geh. Haus-, Hof- und Staatsarchivs.) Nr. 17, S. 264–266; Nr. 18, S. 277–282; Nr. 19, S. 297–300; Nr. 20, S. 313–316; Nr. 21, S. 328–331. &lt;br /&gt;
* Bischöflich-Chiemsee'sches Urbar aus den Jahren 1486–1496. Papier-Kodex des XV. Jahrhunderts in Quart. 102 Bl. Nr. 23, S. 364–368; Nr. 24, S. 380–384. Achter Jahrg. 1858: Nr. 1, S. 12–16; Nr. 2, S. 33–40; Nr. 3, S. 53–56; Nr. 4, S. 73–80; Nr. 5, S. 90–96; Nr. 6, S. 113–120; Nr. 7, S.132–136; Nr. 8, S. 153–160; Nr. 9, S. 173–176; Nr. 10, S. 193–200; Nr. 11, S. 213–216; Nr. 12, S. 233–240. &lt;br /&gt;
Achter Jahrgang. 1858. &lt;br /&gt;
* Mähren. Prachtausgabe der ältesten mähr. Landtafel. – Geschichte der Landtafel der Markgrafschaft Mähren, von K. J. Demuth. – Kirchliche Topographie von Mähren, von Wolny. – Schriften der hist.-stat. Sektion der K. k. mähr.-schles. Ges., des Ackerbaues, der Natur- u. Landeskunde. Notizenblatt der hist.-statist. Sektion der K. k. mähr.-schles. Ges. etc. Redig. von Christian d'Elvert. Nr. 15, S. 281–286; Nr. 16, S. 297–302; Nr. 17, S. 321–324; Nr. 18, S. 337–341. &lt;br /&gt;
* Zur Streitfrage über den Ursprung des Majus. Nr. 19, S. 361–364. &lt;br /&gt;
* Das Lehenbuch Herzog Albrecht's V. von Österreich. Papier-Handschr. des k. k. Haus-, Hof- und Staatsarchivs in Fol. – Nr. 61. Österr. Mskr. Nr. 20, S. 393–400; Nr. 21, S. 417–424; Nr. 22, S. 441–448; Nr. 23, S. 466–472; Nr. 24, S. 490–496; neunter Jahrg. 1859: Nr. 1, S. 13–16; Nr. 2, S. 33–40; Nr. 3, S. 53–56; Nr. 4, S. 73–80; Nr. 5, S. 93–96; Nr. 6, S. 107–112; Nr. 7, S. 125–128; Nr. 8, S. 140–144; Nr. 9, S. 156–160; Nr. 10, S. 172–176; Nr. 11, S. 187–192; Nr. 12, S. 204–208; Nr. 13, S. 219–224; Nr. 14, S. 235–240; Nr. 15, S. 257–264; Nr. 16, S. 280–288. &lt;br /&gt;
* Mähren. Bericht über das mähr.-ständ. Landes-Archiv, dem hochlöbl. mähr.-ständ. Landesausschusse erstattet vort Peter Ritter v. Chlumecky und Dr. J. Chytil. Für das Jahr 1857. Nr. 21, S. 401–402. &lt;br /&gt;
* XIII. bis XVII. Bericht des Mus. Francisco-Carolinum in Linz 1853 bis 1857. Nr. 22, S. 425–430. &lt;br /&gt;
* Mittheilungen der K. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale. I. und II. Bd., 1856 bis 1857. – Jahrbuch der K. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale. II. Bd. 1857. Nr. 23, S. 449–456; Nr. 24, S. 473–484. Neunter Jahrgang 1859: Nr. 1, S. 1–7; Nr. 2, S. 17–26; Nr. 3, S. 41–45; Nr. 4, S. 57–67. &lt;br /&gt;
Neunter Jahrgang. 1859. &lt;br /&gt;
* Notizia della J. R. scuola di Paleografia in Venezia presso l'archivio generale e degli studi paleografici e storici fatti degli allievi ed uditori dall' Aprile 1855, all' Agosto 1858. Venezia 1858. 8°. Nr. 6, S. 97–102. &lt;br /&gt;
4. Im &amp;quot;Almanach der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften&amp;quot;. Wien. Aus der k. k. Hof- und Staatsdruckerei. In Commiss. bei Karl Gerold's Sohn. 8°. &lt;br /&gt;
* Die Aufgabe einer Geschichte des österreichischen Kaiserstaates. Ein Vortrag, gehalten in der feierlichen Sitzung der Kais. Akademie d. Wiss. am 30. Mai 1857. Achter Jahrg. 1858. S. 221–250. &lt;br /&gt;
5. In den &amp;quot;Denkschriften der Kais. Akademie der Wissenschaften&amp;quot;. Philos.-hist. Klasse. Wien. Aus der k. k. Hof- und Staatsdruckerei. 4°. &lt;br /&gt;
* Zur Kritik der österreichischen Geschichte. Vorgetragen in der Sitzung der philos.-hist. Klasse am 21. Juni 1848. I. Bd. 1850, 1. Abth., S. 219–272. Auch besonders abgedruckt. Wien 1849. 54 S. 4°. &lt;br /&gt;
* Zur Kritik der österreichischen Geschichte. Beiträge zur Beleuchtung der kirchlichen Zustände Österreichs im 15. Jahrhunderte. Vorgelesen in der Sitzung der philosoph.-hist. Klasse am 14. Febr. 1849. II. Bd. 1851, 1. Abth., S. 315–408. Auch besonders abgedruckt. Wien 1851. 78 S. 4°. &lt;br /&gt;
6. Im &amp;quot;Archiv für Kunde österr. Geschichtsquellen&amp;quot;. Herausgegeben von der zur Pflege vaterländischer Geschichte aufgestellten Commission der Kais. Akademie der Wissenschaften. Wien. Aus der k. k. Hofund Staatsdruckerei. 8°. &lt;br /&gt;
* &amp;quot;Hermannus Altahensis etc.&amp;quot; Urkunden- und Notizensammlung des Abtes Hermann von Niederaltaich und mehrerer seiner Nachfolger. 1242 bis c. 1300. (Pergamenthandschrift im k. k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv in 4°. 247 Bl.) Erster Jahrg. 1848. 1. H. S. 1–72. &lt;br /&gt;
* Zur Geschichte des Königs Matthias (Corvinus) von Ungarn. Eilf Documente, aus den Originalen des Mailänder-Archiv's. Erster Jahrg. 1848. I. H. S. 73–100. &lt;br /&gt;
* Zur Geschichte des österreichischen Freiherrengeschlechtes der Eizinger von Eizing. Auszüge aus einem Diplomatarium dieses Geschlechtes, das in dem Archiv der Herrschaft Aspern an der Zaya aufbewahrt wird. I. (Nr. 1–136. 1438 bis 1450.) (Als Fortsetzung der in den Österr. Blättern für Literatur etc. Jahrgang 1847, Nr. 59, 60, 65, 66 und 71 mitgeteilten Auszüge aus den Jahren 1402 bis 1437.) Erster Jahrg. 1848. II. H. S. 1–69. II. (Nr. 136–271. Regesten und 16 Beilagen vollständig abgedruckt. Aus den Jahren 1438 bis 1561.) Erster Jahrgang 1848. V. H. S. 19–146. &lt;br /&gt;
* Instruction Erzherzog Ferdinands von Österreich etc. etc. für Carl von Burgund, Herrn zu Bredam, den er zu seinem Bruder Kaiser Karl (V.) abgesendet hat. 1524 im Juni. Aus dem gegenwärtig im k. k. Haus- und Staatsarchiv aufbewahrten Original. Erster Jahrg. 1848. II. H. S. 83–149. &lt;br /&gt;
* Ältestes Urbarium der Abtei Seitenstätten. Aus einer Pergamenthandschrift des vierzehnten Jahrhunderts (aus der Zeit des Abtes Konrad IV., von 1290 bis 1308) in Quarto (34 Blätter), mit der Signatur: Lit. N. Sig. 1. Erster Jahrgang 1848. V. H. S. 3–18. Auch besonders abgedruckt. 16 S. 8°. &lt;br /&gt;
* Kaiser Ferdinand's I. Antwort auf einen Rathschlag, den ihm die oberösterreichische Regierung zu Innsbruck vorgelegt hatte. 29. Jänner 1562. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Ferdinand's I. Zweiter Jahrg. 1849. I. Bd. S. 137–172. Auch besonders abgedruckt. 36 S. 8°. &lt;br /&gt;
* Das Formelbuch K. Albrechts I. Aus der im k. k. geh. Haus-, Hof- und Staatsarchiv aufbewahrten Handschrift. Zweiter Jahrg. 1849. I. Bd. S. 211–307. Auch besonders abgedruckt. 97 S. 8°. &lt;br /&gt;
* Zur Geschichte K. Friedrichs des Schönen. Zweiter Jahrg. 1849. I. Bd. S. 511–557. Auch besonders abgedruckt. 47 S. 8°. &lt;br /&gt;
* Urkundliches zur Geschichte K. Friedrichs IV. Zweiter Jahrg. 1849. II. Bd S. 77–157. Auch besonders abgedruckt. 81 S. 8°. &lt;br /&gt;
* Actenstücke zur Geschichte des österreichischen römisch-katholischen Kirchenwesens unter K. Leopold II. (1790.) Dritter Jahrg. 1850. I. Bd. S. 1–156. Auch besonders abgedruckt. 156 S. 8°. &lt;br /&gt;
7. In den Monumenta Habsburgica. Sammlung von Actenstücken und Briefen zur Geschichte des Hauses Habsburg in dem Zeitraume von 1473 bis 1576. Herausgegeben von der Historischen Kommission der kaiserl. Akademie der Wissenschaften zu Wien. Wien. Aus der Kaiserlich königIichen Hof- und Staatsdruckerei. 8°. &lt;br /&gt;
* Actenstücke und Briefe zur Geschichte des Hauses Habsburg im Zeitalter Maximilians I. Aus Archiven und Bibliotheken. Erste Abtheilung: Das Zeitalter Maximilians I. Erster Band 1854. CXLIV und 545 S. Zweiter Band 1855. LVI und 963 S. Dritter Band 1858. LII und 799 S. &lt;br /&gt;
===IV. Handschriftlicher Nachlass===&lt;br /&gt;
====Stiftsbibliothek St. Florian====&lt;br /&gt;
* Cod. XI 358 A: Predigten aus den Jahren 1824 bis 1831, gehalten zu Ansfelden und St. Florian, einzelne an verschiedenen Orten.&lt;br /&gt;
* Cod. XI 541 A (1827): Skizze der Bibliothek St. Florian.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Haus-, Hof- und Staatsarchiv (HHStA), Wien====&lt;br /&gt;
* SB KA HHStA SR Personalien [http://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=1119337 2-1-9] Joseph Chmel (1830-1858).&lt;br /&gt;
* Amtliche Gutachten, die kleine historische Abhandlungen bilden: Über die im Hausarchiv noch befindlichen Adelssachen und das Recht zu adeln (1843), das angebliche Vorrecht der Grafen von Puchheim und der Bischöfe von Laibach oder Seckau, den Adel verleihen zu können (1842), das Eigentumsrecht der deutschen Reichskleinodien (1857) und  Mutanellis ''Storia arcana ed aneddotica d' ltalia'' (1857)&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe dazu den Berichte an das Außenministerium in: HHStA, StK Interiora Archiv [http://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=4131340 4-2-167] (7. Juni 1857).&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Almanach der Kais. Akademie der Wissenschaften in Wien 1851, S. 149–168, und Sitzungsberichte der Kais. Akademie der Wissenschaften 1 b, S. 24–26 (Verzeichnis der bis dato veröffentlichten Arbeiten Chmels).&lt;br /&gt;
* Art. Chmel (Joseph). In: Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon. Band 4 (1852, 10. Auflage), S. 133f. [https://books.google.at/books?id=ENUUAAAAYAAJ&amp;amp;vq=Chmel&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA133#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Richard Blaas: Der Archivar Joseph Chmel. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 71 (1963), S. 420–440.&lt;br /&gt;
* Franz Branky: Zwei Briefe von J. Grimm und Kopp an Chmel. In: Zeitschrift für deutsche Philologie 14 (1882), S. 237–239.&lt;br /&gt;
* Friedrich Buchmayr, Art. Chmel, Joseph (1798–1858). In: Biographisch-bibliographisches Kirchenlexikon. Band 14 (1998), Sp. 878–885.&lt;br /&gt;
* Friedrich Buchmayr: Die Pilgerreise nach Jerusalem. Adalbert Stifters Beziehungen zum Stift St. Florian. Mit einem unveröffentlichen Brief Stifters. In: Stifter und Stifterforschung im 21. Jahrhundert. Biographie – Wissenschaft – Poetik. Hg. von Alfred Doppler / Johannes John / Johann Lachinger / Hartmut Laufhütte. Tübingen 2007, S. 97–116, hier: 105–107.&lt;br /&gt;
* Johann Czikann / Franz Gräffer: Art. Chmel, Joseph. In: Österreichische National-Enzyklopädie. Band 1 (1835) S. 531. [https://austria-forum.org/web-books/osterreichische01de1835kfu/00000545 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Patrick Fiska: Die österreichischen Stifte als Schrittmacher der österreichischen Geschichtsforschung. In: Ordensnachrichten 48 (2009), S. 78–91.&lt;br /&gt;
* [[Josef Gaisberger]]: Joseph Chmel (Nekrolog). In: Linzer Zeitung (1858), Nr. 288.&lt;br /&gt;
* Walter Goldinger: Chmel, Joseph. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3 (1957), S. 212. [https://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016319/images/index.html?seite=226 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Wolfgang Häusler: &amp;quot;Geschichtsforschung&amp;quot;, &amp;quot;Humanität&amp;quot; und &amp;quot;Nationalität&amp;quot;. Franz Grillparzer und der Historiker Joseph Chmel. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 100 (1992), S. 376–409.&lt;br /&gt;
* Adalbert Horawitz: Art. Chmel, Joseph. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 4 (1876), S. 130–132.&lt;br /&gt;
* Alphns Lhotsky: Josef Chmel zum 100. Todestag. In: Alphons Lhotsky. Aufsätze und Vorträge. Ausgewählt und hg. von Hans Wagner / Heinrich Koller. Band 4. Wien 1974, S. 244–269.&lt;br /&gt;
* Art. Chmel, Joseph. In: Meyers Konversationslexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Supplementband 2 (1853), S. 983. [https://books.google.at/books?id=XKZGAAAAcAAJ&amp;amp;vq=Chmel&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA983#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* [[Engelbert Mühlbacher]]: Die literarischen Leistungen des Stiftes St. Florian bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Innsbruck 1905, S. 255–365.&lt;br /&gt;
* Christine Ottner: Die Entwicklung von Fachzeitschriften in der historischen Quellenforschung des 19. Jahrhundert. In: Wissenschaftliche Forschung in Österreich 1800–1900. Spezialisierung, Organisation, Praxis. Hg. von Ders. / Gerhard Holzer / Petra Svatek. Göttingen 2015 (Schriften des Archivs der Universität Wien, 21), S. 171–196.&lt;br /&gt;
* Christine Ottner: &amp;quot;Für den Mann vom Fache&amp;quot;. Redaktion und Standardisierung historischer Publikationen der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. In: Geschichtsforschung in Deutschland und Österreich im 19. Jahrhundert. Ideen – Akteure – Institutionen. Hg. Ders. / Klaus Ries. Stuttgart 2014 (Pallas Athene, 48), S. 243–265.&lt;br /&gt;
* Christine Ottner: Historical Research and Cultural History in Nineteenth-Century Austria. The Archivist Joseph Chmel (1798–1858). In: Austrian History Yearbook 45 (2014), S. 115–133.&lt;br /&gt;
* Christine Ottner: Joseph Chmel und Johann Friedrich Böhmer. Die Anfänge der Regesta Imperii im Spannungsfeld von Freundschaft und Wissenschaft. In: Wege zur Urkunde – Wege der Urkunde – Wege der Forschung. Beiträge zur europäischen Diplomatik des Mittelalters. Hg. von Karel Hruza / Paul Herold. Wien 2005 (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters, 24), S. 259–293.&lt;br /&gt;
* Thomas Stockinger: Die &amp;quot;leidige Urkunde&amp;quot;. Pathos und Wissenschaftsethos rund um die &amp;quot;österreichischen Freiheitsbriefe von Hormayr bis Lhotsky. In: Privilegium maius. Autopsie, Kontext und Karriere der Fälschungen Rudolfs IV. von Österreich. Hg. von Thomas Just / Andrea Sommerlechner / Herwig Weigl / Kathrin Kininger. Wien 2018 (Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, 69), S. 349–378.&lt;br /&gt;
* Thomas Winkelbauer: Das Fach Geschichte an der Universität Wien: Von den Anfängen um 1500 bis etwa 1975. Göttingen 2018 (Schriften des Archives der Universität Wien, 24), S. 63, 175–178.&lt;br /&gt;
* Constantin Wurzbach: Art. Chmel, Joseph. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Band 2 (1857), S. 351–355 [http://www.literature.at/viewer.alo?objid=11806&amp;amp;page=353&amp;amp;scale=3.33&amp;amp;viewmode=fullscreen (Digitalisat)]; Band 11 (18##), S. 379.&lt;br /&gt;
* Nekrolog in der &amp;quot;Augsburger allgem. Zeitung&amp;quot; 1858, Nr. 338 a. Beil.&lt;br /&gt;
* Almanach der Wiener Akademie der Wissenschaften 1859, S. 83–91&lt;br /&gt;
* 21. Jahresbericht des Historischen Vereines von Oberbayern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
* [http://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=1940855 Portrait von Josef Chmel] im Haus-, Hof- und Staatsarchiv&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einzelnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren in Mähren]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stift St. Florian]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Archivar]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bibliothekar]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kaplan]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichtsforschung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Österreichische Akademie der Wissenschaften]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Franz-Joseph-Orden]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
	</entry>
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		<title>Stift Rottenmann</title>
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		<updated>2023-09-15T10:06:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Sakralbauten */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=47.52427, 14.35884&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Vischer_-_Topographia_Ducatus_Stiriae_-_359_Stift_Rottenmann.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Rottenmann, Kupferstich bei Vischer (1681)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tod, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr in [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden hatte, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und erwarb für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;aufs glänzendste zurückgelegt&amp;lt;/span&amp;gt; und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollen 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St.-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten. Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, wahrscheinlich weil man keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Lauf der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedhof bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr in Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr im Namen des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administrator, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis – er war bereits der dritte Administrator – folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern in Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain bei Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauerngütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgischen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk in Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger von Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz samt einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und in Pichl, je zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente in Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift in St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetzung der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlauf des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der – entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes – die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt – neben den Wappen der übrigen Verordneten – die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant in Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St.-Georgs-Ordens in Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebürtiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot; erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer in Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer in Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahr 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeblich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche war eine Filiale der Pfarre Lassing. Als Rottenmann zur Stadt erhoben wurde, kehrte sich das Verhältnis beider Kirchen um, als die Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche nun selbst zur Mutterpfarre wurde. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann, um die Mitte des 14. Jahrhundert werden mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und Leonhard geweiht waren. Angesichts der stark wachsenden Stadtbevölkerung wurde die bis dahin romanische Kirche ab 1446 um- bzw. ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung der Pfarre in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau finanziert, an deren Turm das Stadtwappen prangte. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs, wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar handelte. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St.-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Aufgrund der fragmentierten Überlieferungslage fehlen eingehende Untersuchungen zur Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude. Auch Kendlmayrs Chronik, die bis 1592 reicht, bietet zur baulichen Entwicklung nur wenige Anhaltspunkte. Gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anlässlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der ''Topographia Ducatus Stiriae''. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche aus dem 15. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) ließ 1520 einen Kornspeicher neben der Propstei und ein daran anschließendes Haus bauen, weitere Neubauten im Garten und einer Küche folgten. Unter Georg Ritzinger (1539–1545) erfolgte die Errichtung eines Weinkellers, verschiedener Gewölbebogen für den Getreidekasten, einer Krankenstube, der Gartenmauer, eines Bad mit Brunnen und die Sanierung der aller Dächer. hohe Summen in die Instandhaltung und Renovierung investierte auch Propst David Panichner (1558–1573). Aus dieser Zeit dürfte das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. In den darauffolgenden Jahrzehnten kam es im Stift zu keinen größeren Bautätigkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Propst Mourat (1672–1683) kam es zu kostspieligen Aus- und Umbauten, die Kritik des Konvent nach sich zog, vorgeworfen. Nachdem er sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; errichten ließ, erfolgte bereits im nächsten Jahr ein erneuter Umbau, während die Stube des Stiftsschaffers und Getreidekasten ebenso baulich verändert wurden. Ob auch Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz – den &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; – an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden. 1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem ''supra portatili'' Messen gelesen werden durften. Zur Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und etwa 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei nach den Angaben Wichners 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgeschlossen dargestellten Stift übereinstimmen, ist noch nicht letztgültig geklärt. Jedenfalls sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude heute nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Eine erste Ausstattung der Bibliothek erfolgte durch das Mutterkloster, die einen Grundstock an Büchern beisteuerte. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden. Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament angeschafft, auch sein Nachfolger Ulrich von Konstanz (1463–1475) investierte in die Erweiterung der Bibliotheksbestände. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten, schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens ein Skriptorium einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Insbesonders der Rottenmanner Chorherr [[Bernhard Faber]] und [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr in St. Dorothea, haben verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher, darunter wertvolle Pergamenthandschriften und wohl auch Inkunabeln. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau 1545 war in Rottenmann bereits ein ''schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern''. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erfuhr die Bibliothek kaum eine nennenswerte Vergrößerung. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. Hinweise auf die Bibliothek und deren Benutzung sind in weiterer Folge selten: 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. 1663 wird ein Chorherren als Bibliothek genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift in dieser Zeit schwer verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein. Nur wenige Mitglieder des Konvents haben sich wissenschaftlich oder schriftstellerisch betätigt. Eine Ausnahme stellt Propst Kendlmayr dar, der ''Chronicon Rottenmannense'' verfasst hat. Der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]] erstellte dum 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot;, die er seinem Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] übergab, zugleich veranlasste er durch einen anderen Mitbruder eine Aufstellung aller vorhandenen Rottenmanner Urkunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob im Jahr 1785, zum Zeitpunkt der Stiftsaufhebung, der vorgefundene Bibliotheksbestand noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen ist, lässt sich nicht beurteilen. Der Schätzwert der Bibliothek betrug 400 Gulden, wobei unklar ist, was mit der Büchersammlung nach der Aufhebung geschah. Nur ein einziger Nürnberger Frühdruck (''Fortalicium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos'', gedruckt bei Anton Koberger) von 1494 konnte in der Admonter Stiftsbibliothek nachgewiesen werden. Trotz fehlendem Katalog konnte die Aufhebungskommission eine Bibliothek mit einer beträchtlichen Anzahl an Büchern sicherstellen. Mehrere hundert Werke wurden in 764 Bänden erfasst, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat sowie 800 minderwertige Bücher in verschiedenen Formaten, einige davon noch ungebunden. Die Sammlung umfasste hauptsächlich theologische und historiographische Werke, wie etwa die ''Scriptores Rerum Germanicarum'', die ''Historia Friderici III.'' von Eneas Silvius Piccolomini oder die ''Japonische Geschichte'' von Jean Crasset.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv befanden sich 1785 fast ausschließlich Urkunden, welche die Gründung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftsgeschichte bis etwa 1500 betrafen. Allein diese Urkunden erachtete die Aufhebungskommission der Inventarisierung für erhaltenswert, alle Urkunden späteren Datums fehlen. Aus dem Rottenmanner Urkundenbestand ging in der Allgemeine Urkundenreihe des Steiermärkischen Landesarchivs auf, wo auch Aktenmaterial im Umfang von 33 Kartons lagert, darunter ein Kopialbuch mit über 300 Urkunden. Ein weiterer Aktenbestand von fünf Kartons befindet sich Grazer Diözesanarchiv. Das ''Chronicon Rottenmannense'' von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek, wohin auch eine kleinen Anzahl an Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek gebracht wurde. Akten zur Aufhebung des Stiftes bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das ''Fundationsurbarium'' ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Äbte von Admont in Rottenmann in unterschiedlichen Angelegenheiten intervenierten, befindet sich im dortigen Stiftsarchiv von Archivalien zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert, die Rottenmann betreffen und Jacob Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn sowie zwei Eigenkompositionen des letzten Rottenmanner Dechants [[Franz Xaver Ortner]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (= In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* Karl Amon / Maximilian Liebmann (Hrsg.): Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* Elga Lanc: Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<title>Stift Rottenmann</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Stiftsgebäude */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=47.52427, 14.35884&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Vischer_-_Topographia_Ducatus_Stiriae_-_359_Stift_Rottenmann.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Rottenmann, Kupferstich bei Vischer (1681)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tod, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr in [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden hatte, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und erwarb für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;aufs glänzendste zurückgelegt&amp;lt;/span&amp;gt; und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollen 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St.-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten. Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, wahrscheinlich weil man keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Lauf der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedhof bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr in Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr im Namen des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administrator, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis – er war bereits der dritte Administrator – folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern in Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain bei Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauerngütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgischen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk in Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger von Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz samt einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und in Pichl, je zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente in Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift in St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetzung der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlauf des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der – entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes – die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt – neben den Wappen der übrigen Verordneten – die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant in Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St.-Georgs-Ordens in Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebürtiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot; erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer in Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer in Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahr 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeblich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs, wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar handelte. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St.-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Aufgrund der fragmentierten Überlieferungslage fehlen eingehende Untersuchungen zur Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude. Auch Kendlmayrs Chronik, die bis 1592 reicht, bietet zur baulichen Entwicklung nur wenige Anhaltspunkte. Gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anlässlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der ''Topographia Ducatus Stiriae''. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche aus dem 15. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) ließ 1520 einen Kornspeicher neben der Propstei und ein daran anschließendes Haus bauen, weitere Neubauten im Garten und einer Küche folgten. Unter Georg Ritzinger (1539–1545) erfolgte die Errichtung eines Weinkellers, verschiedener Gewölbebogen für den Getreidekasten, einer Krankenstube, der Gartenmauer, eines Bad mit Brunnen und die Sanierung der aller Dächer. hohe Summen in die Instandhaltung und Renovierung investierte auch Propst David Panichner (1558–1573). Aus dieser Zeit dürfte das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. In den darauffolgenden Jahrzehnten kam es im Stift zu keinen größeren Bautätigkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Propst Mourat (1672–1683) kam es zu kostspieligen Aus- und Umbauten, die Kritik des Konvent nach sich zog, vorgeworfen. Nachdem er sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; errichten ließ, erfolgte bereits im nächsten Jahr ein erneuter Umbau, während die Stube des Stiftsschaffers und Getreidekasten ebenso baulich verändert wurden. Ob auch Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz – den &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; – an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden. 1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem ''supra portatili'' Messen gelesen werden durften. Zur Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und etwa 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei nach den Angaben Wichners 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgeschlossen dargestellten Stift übereinstimmen, ist noch nicht letztgültig geklärt. Jedenfalls sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude heute nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Eine erste Ausstattung der Bibliothek erfolgte durch das Mutterkloster, die einen Grundstock an Büchern beisteuerte. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden. Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament angeschafft, auch sein Nachfolger Ulrich von Konstanz (1463–1475) investierte in die Erweiterung der Bibliotheksbestände. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten, schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens ein Skriptorium einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Insbesonders der Rottenmanner Chorherr [[Bernhard Faber]] und [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr in St. Dorothea, haben verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher, darunter wertvolle Pergamenthandschriften und wohl auch Inkunabeln. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau 1545 war in Rottenmann bereits ein ''schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern''. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erfuhr die Bibliothek kaum eine nennenswerte Vergrößerung. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. Hinweise auf die Bibliothek und deren Benutzung sind in weiterer Folge selten: 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. 1663 wird ein Chorherren als Bibliothek genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift in dieser Zeit schwer verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein. Nur wenige Mitglieder des Konvents haben sich wissenschaftlich oder schriftstellerisch betätigt. Eine Ausnahme stellt Propst Kendlmayr dar, der ''Chronicon Rottenmannense'' verfasst hat. Der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]] erstellte dum 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot;, die er seinem Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] übergab, zugleich veranlasste er durch einen anderen Mitbruder eine Aufstellung aller vorhandenen Rottenmanner Urkunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob im Jahr 1785, zum Zeitpunkt der Stiftsaufhebung, der vorgefundene Bibliotheksbestand noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen ist, lässt sich nicht beurteilen. Der Schätzwert der Bibliothek betrug 400 Gulden, wobei unklar ist, was mit der Büchersammlung nach der Aufhebung geschah. Nur ein einziger Nürnberger Frühdruck (''Fortalicium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos'', gedruckt bei Anton Koberger) von 1494 konnte in der Admonter Stiftsbibliothek nachgewiesen werden. Trotz fehlendem Katalog konnte die Aufhebungskommission eine Bibliothek mit einer beträchtlichen Anzahl an Büchern sicherstellen. Mehrere hundert Werke wurden in 764 Bänden erfasst, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat sowie 800 minderwertige Bücher in verschiedenen Formaten, einige davon noch ungebunden. Die Sammlung umfasste hauptsächlich theologische und historiographische Werke, wie etwa die ''Scriptores Rerum Germanicarum'', die ''Historia Friderici III.'' von Eneas Silvius Piccolomini oder die ''Japonische Geschichte'' von Jean Crasset.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv befanden sich 1785 fast ausschließlich Urkunden, welche die Gründung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftsgeschichte bis etwa 1500 betrafen. Allein diese Urkunden erachtete die Aufhebungskommission der Inventarisierung für erhaltenswert, alle Urkunden späteren Datums fehlen. Aus dem Rottenmanner Urkundenbestand ging in der Allgemeine Urkundenreihe des Steiermärkischen Landesarchivs auf, wo auch Aktenmaterial im Umfang von 33 Kartons lagert, darunter ein Kopialbuch mit über 300 Urkunden. Ein weiterer Aktenbestand von fünf Kartons befindet sich Grazer Diözesanarchiv. Das ''Chronicon Rottenmannense'' von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek, wohin auch eine kleinen Anzahl an Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek gebracht wurde. Akten zur Aufhebung des Stiftes bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das ''Fundationsurbarium'' ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Äbte von Admont in Rottenmann in unterschiedlichen Angelegenheiten intervenierten, befindet sich im dortigen Stiftsarchiv von Archivalien zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert, die Rottenmann betreffen und Jacob Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn sowie zwei Eigenkompositionen des letzten Rottenmanner Dechants [[Franz Xaver Ortner]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (= In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* Karl Amon / Maximilian Liebmann (Hrsg.): Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* Elga Lanc: Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<title>Stift Rottenmann</title>
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		<updated>2023-09-15T08:16:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Bibliothek */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=47.52427, 14.35884&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Vischer_-_Topographia_Ducatus_Stiriae_-_359_Stift_Rottenmann.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Rottenmann, Kupferstich bei Vischer (1681)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tod, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr in [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden hatte, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und erwarb für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;aufs glänzendste zurückgelegt&amp;lt;/span&amp;gt; und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollen 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St.-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten. Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, wahrscheinlich weil man keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Lauf der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedhof bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr in Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr im Namen des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administrator, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis – er war bereits der dritte Administrator – folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern in Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain bei Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauerngütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgischen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk in Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger von Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz samt einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und in Pichl, je zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente in Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift in St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetzung der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlauf des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der – entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes – die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt – neben den Wappen der übrigen Verordneten – die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant in Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St.-Georgs-Ordens in Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebürtiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot; erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer in Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer in Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahr 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeblich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs, wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar handelte. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St.-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Über die Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude, deren jüngster Teil heute &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird, fehlen eingehende Untersuchungen, was mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Auch Kendlmayrs Chronik bietet zur baulichen Entwicklung des Stiftes nur wenige Andeutungen, außerdem schließt sie mit 1592. Historisch gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten drei Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anlässlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der &amp;quot;Topographia Ducatus Stiriae&amp;quot; des G. M. Vischer von 1681. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche (Kern 15. Jahrhundert), jetzt als Pfarrhof genützt. Er wird auf einem Stich von Vischer mit z. T. zweigeschossigen Arkaden abgebildet, was nicht der Wirklichkeit entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) baute 1520 den Kornspeicher neben der Propstei, dann ein Haus daran. Im übernächsten Jahr folgte ein &amp;quot;Neubau&amp;quot; im Garten gegen das Bad zugekehrt, dann errichtete er eine (neue) Küche und Claffter. Sein Nachfolger Georg Ritzinger (1539–1545) baute einen Weinkeller, verschiedene Gewölbebogen für den Getreidekasten, eine Krankenstube, die Gartenmauer, ein Bad mit Brunnen und sanierte noch die Dächer des ganzen Klosters, alles mit ungeheuren Kosten verbunden. Von Propst David Panichner (1558–1573) schließlich heißt es nur lapidar, er habe das Kloster in Ruinen vorgefunden, aber wohnhaft hergerichtet hinterlassen, wobei für Bauten 1.500 Gulden aufgegangen seien. Aus dieser Zeit muss das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. Dann scheint am Stift für viele Jahre nichts mehr gebaut worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst in der Barockzeit wurde die Bautätigkeit am Stift wieder aufgenommen. Besonders Propst Mourat (1672–1683) huldigte einer kostspieligen Bau- und Repräsentationslust, denn es wurde ihm vom Konvent u. a. vorgeworfen, sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; neu gebaut, im nächsten Jahr aber wieder umgeändert, die Stube des Stiftsschaffers überbaut, den Getreidekasten baulich verändert und überhaupt manches &amp;quot;unnotwendige Gebey&amp;quot; aufgeführt zu haben. Der Propst bestritt die überstürzten Bauänderungen nicht, sondern meinte nur, der Konvent habe ihn selbst dazu &amp;quot;angeraizt&amp;quot;, da sonst kein Novize mehr &amp;quot;in dieses zerissene Closter&amp;quot; käme. Ob Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes, wurde &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; genannt und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem &amp;quot;supra portatili&amp;quot; Messen gelesen werden durften. Zwecks Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711. Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der i. ö. Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner (verstorben nach 1708) tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und angeblich 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei Wichner wohl eher Recht hat, wenn er schreibt, dass 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgeschlossen dargestellten Stift übereinstimmen bzw. zu ergänzen sind, muss der kunstgeschichtlichen Lokalforschung vorbehalten bleiben. Heute sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Eine erste Ausstattung der Bibliothek erfolgte durch das Mutterkloster, die einen Grundstock an Büchern beisteuerte. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden. Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament angeschafft, auch sein Nachfolger Ulrich von Konstanz (1463–1475) investierte in die Erweiterung der Bibliotheksbestände. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten, schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens ein Skriptorium einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Insbesonders der Rottenmanner Chorherr [[Bernhard Faber]] und [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr in St. Dorothea, haben verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher, darunter wertvolle Pergamenthandschriften und wohl auch Inkunabeln. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau 1545 war in Rottenmann bereits ein ''schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern''. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erfuhr die Bibliothek kaum eine nennenswerte Vergrößerung. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. Hinweise auf die Bibliothek und deren Benutzung sind in weiterer Folge selten: 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. 1663 wird ein Chorherren als Bibliothek genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift in dieser Zeit schwer verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein. Nur wenige Mitglieder des Konvents haben sich wissenschaftlich oder schriftstellerisch betätigt. Eine Ausnahme stellt Propst Kendlmayr dar, der ''Chronicon Rottenmannense'' verfasst hat. Der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]] erstellte dum 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot;, die er seinem Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] übergab, zugleich veranlasste er durch einen anderen Mitbruder eine Aufstellung aller vorhandenen Rottenmanner Urkunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob im Jahr 1785, zum Zeitpunkt der Stiftsaufhebung, der vorgefundene Bibliotheksbestand noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen ist, lässt sich nicht beurteilen. Der Schätzwert der Bibliothek betrug 400 Gulden, wobei unklar ist, was mit der Büchersammlung nach der Aufhebung geschah. Nur ein einziger Nürnberger Frühdruck (''Fortalicium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos'', gedruckt bei Anton Koberger) von 1494 konnte in der Admonter Stiftsbibliothek nachgewiesen werden. Trotz fehlendem Katalog konnte die Aufhebungskommission eine Bibliothek mit einer beträchtlichen Anzahl an Büchern sicherstellen. Mehrere hundert Werke wurden in 764 Bänden erfasst, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat sowie 800 minderwertige Bücher in verschiedenen Formaten, einige davon noch ungebunden. Die Sammlung umfasste hauptsächlich theologische und historiographische Werke, wie etwa die ''Scriptores Rerum Germanicarum'', die ''Historia Friderici III.'' von Eneas Silvius Piccolomini oder die ''Japonische Geschichte'' von Jean Crasset.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv befanden sich 1785 fast ausschließlich Urkunden, welche die Gründung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftsgeschichte bis etwa 1500 betrafen. Allein diese Urkunden erachtete die Aufhebungskommission der Inventarisierung für erhaltenswert, alle Urkunden späteren Datums fehlen. Aus dem Rottenmanner Urkundenbestand ging in der Allgemeine Urkundenreihe des Steiermärkischen Landesarchivs auf, wo auch Aktenmaterial im Umfang von 33 Kartons lagert, darunter ein Kopialbuch mit über 300 Urkunden. Ein weiterer Aktenbestand von fünf Kartons befindet sich Grazer Diözesanarchiv. Das ''Chronicon Rottenmannense'' von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek, wohin auch eine kleinen Anzahl an Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek gebracht wurde. Akten zur Aufhebung des Stiftes bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das ''Fundationsurbarium'' ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Äbte von Admont in Rottenmann in unterschiedlichen Angelegenheiten intervenierten, befindet sich im dortigen Stiftsarchiv von Archivalien zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert, die Rottenmann betreffen und Jacob Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn sowie zwei Eigenkompositionen des letzten Rottenmanner Dechants [[Franz Xaver Ortner]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (= In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* Karl Amon / Maximilian Liebmann (Hrsg.): Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* Elga Lanc: Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Bibliothek */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=47.52427, 14.35884&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Vischer_-_Topographia_Ducatus_Stiriae_-_359_Stift_Rottenmann.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Rottenmann, Kupferstich bei Vischer (1681)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tod, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr in [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden hatte, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und erwarb für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;aufs glänzendste zurückgelegt&amp;lt;/span&amp;gt; und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollen 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St.-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten. Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, wahrscheinlich weil man keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Lauf der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedhof bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr in Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr im Namen des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administrator, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis – er war bereits der dritte Administrator – folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern in Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain bei Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauerngütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgischen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk in Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger von Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz samt einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und in Pichl, je zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente in Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift in St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetzung der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlauf des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der – entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes – die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt – neben den Wappen der übrigen Verordneten – die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant in Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St.-Georgs-Ordens in Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebürtiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot; erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer in Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer in Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahr 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeblich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs, wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar handelte. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St.-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Über die Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude, deren jüngster Teil heute &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird, fehlen eingehende Untersuchungen, was mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Auch Kendlmayrs Chronik bietet zur baulichen Entwicklung des Stiftes nur wenige Andeutungen, außerdem schließt sie mit 1592. Historisch gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten drei Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anlässlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der &amp;quot;Topographia Ducatus Stiriae&amp;quot; des G. M. Vischer von 1681. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche (Kern 15. Jahrhundert), jetzt als Pfarrhof genützt. Er wird auf einem Stich von Vischer mit z. T. zweigeschossigen Arkaden abgebildet, was nicht der Wirklichkeit entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) baute 1520 den Kornspeicher neben der Propstei, dann ein Haus daran. Im übernächsten Jahr folgte ein &amp;quot;Neubau&amp;quot; im Garten gegen das Bad zugekehrt, dann errichtete er eine (neue) Küche und Claffter. Sein Nachfolger Georg Ritzinger (1539–1545) baute einen Weinkeller, verschiedene Gewölbebogen für den Getreidekasten, eine Krankenstube, die Gartenmauer, ein Bad mit Brunnen und sanierte noch die Dächer des ganzen Klosters, alles mit ungeheuren Kosten verbunden. Von Propst David Panichner (1558–1573) schließlich heißt es nur lapidar, er habe das Kloster in Ruinen vorgefunden, aber wohnhaft hergerichtet hinterlassen, wobei für Bauten 1.500 Gulden aufgegangen seien. Aus dieser Zeit muss das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. Dann scheint am Stift für viele Jahre nichts mehr gebaut worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst in der Barockzeit wurde die Bautätigkeit am Stift wieder aufgenommen. Besonders Propst Mourat (1672–1683) huldigte einer kostspieligen Bau- und Repräsentationslust, denn es wurde ihm vom Konvent u. a. vorgeworfen, sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; neu gebaut, im nächsten Jahr aber wieder umgeändert, die Stube des Stiftsschaffers überbaut, den Getreidekasten baulich verändert und überhaupt manches &amp;quot;unnotwendige Gebey&amp;quot; aufgeführt zu haben. Der Propst bestritt die überstürzten Bauänderungen nicht, sondern meinte nur, der Konvent habe ihn selbst dazu &amp;quot;angeraizt&amp;quot;, da sonst kein Novize mehr &amp;quot;in dieses zerissene Closter&amp;quot; käme. Ob Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes, wurde &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; genannt und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem &amp;quot;supra portatili&amp;quot; Messen gelesen werden durften. Zwecks Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711. Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der i. ö. Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner (verstorben nach 1708) tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und angeblich 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei Wichner wohl eher Recht hat, wenn er schreibt, dass 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgeschlossen dargestellten Stift übereinstimmen bzw. zu ergänzen sind, muss der kunstgeschichtlichen Lokalforschung vorbehalten bleiben. Heute sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Eine erste Ausstattung der Bibliothek erfolgte durch das Mutterkloster, die einen Grundstock an Büchern beisteuerte. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament angeschafft, auch sein Nachfolger Ulrich von Konstanz (1463–1475) investierte in die Erweiterung der Bibliotheksbestände. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten, schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens ein Skriptorium einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Insbesonders der Rottenmanner Chorherr [[Bernhard Faber]] und [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr in St. Dorothea, haben verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher, darunter wertvolle Pergamenthandschriften und wohl auch Inkunabeln. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau 1545 war in Rottenmann bereits ein ''schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern''. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erfuhr die Bibliothek kaum eine nennenswerte Vergrößerung. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. Hinweise auf die Bibliothek und deren Benutzung sind in weiterer Folge selten: 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. 1663 wird ein Chorherren als Bibliothek genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift in dieser Zeit schwer verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein. Nur wenige Mitglieder des Konvents haben sich wissenschaftlich oder schriftstellerisch betätigt. Eine Ausnahme stellt Propst Kendlmayr dar, der ''Chronicon Rottenmannense'' verfasst hat. Der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]] erstellte dum 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot;, die er seinem Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] übergab, zugleich veranlasste er durch einen anderen Mitbruder eine Aufstellung aller vorhandenen Rottenmanner Urkunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob im Jahr 1785, zum Zeitpunkt der Stiftsaufhebung, der vorgefundene Bibliotheksbestand noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen ist, lässt sich nicht beurteilen. Ein einziger Nürnberger Frühdruck (''Fortalicium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos'', gedruckt bei Anton Koberger) von 1494 aus dem Rottenmanner Bestand konnte in der Admonter Stiftsbibliothek nachgewiesen werden. Trotz fehlendem Katalog konnte die Aufhebungskommission eine Bibliothek mit eine beträchtlichen Anzahl an Büchern sicherstellen. Mehrere hundert Werke wurden in 764 Bänden erfasst, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat sowie 800 minderwertige Bücher in verschiedenen Formaten, einige davon noch ungebunden. Die Sammlung umfasste hauptsächlich Werke zur Theologie und ihren verschiedenen Disziplinen, sowie Publikationen zur Historiographie wie die &amp;quot;Scriptores Rerum Germanicarum&amp;quot;, die &amp;quot;Historia Friderici III.&amp;quot; von Eneas Silvius Piccolomini, die &amp;quot;Japonische Geschichte&amp;quot; von Joannes Crasset und die &amp;quot;Japonische Kirchengeschichte&amp;quot; von Arsad. Der Schätzwert der Bibliothek betrug 400 Gulden, wobei unklar ist, was mit der Büchersammlung nach der Aufhebung geschah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv befanden sich 1785 fast ausschließlich Urkunden, welche die Gründung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftsgeschichte bis etwa 1500 betrafen. Allein diese Urkunden erachtete die Aufhebungskommission der Inventarisierung für erhaltenswert, alle Urkunden späteren Datums fehlen. Aus dem Rottenmanner Urkundenbestand ging in der Allgemeine Urkundenreihe des Steiermärkischen Landesarchivs auf, wo auch Aktenmaterial im Umfang von 33 Kartons lagert, darunter ein Kopialbuch mit über 300 Urkunden. Ein weiterer Aktenbestand von fünf Kartons befindet sich Grazer Diözesanarchiv. Das ''Chronicon Rottenmannense'' von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek, wohin auch eine kleinen Anzahl an Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek gebracht wurde. Akten zur Aufhebung des Stiftes bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das ''Fundationsurbarium'' ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Äbte von Admont in Rottenmann in unterschiedlichen Angelegenheiten intervenierten, befindet sich im dortigen Stiftsarchiv von Archivalien zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert, die Rottenmann betreffen und Jacob Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn sowie zwei Eigenkompositionen des letzten Rottenmanner Dechants [[Franz Xaver Ortner]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (= In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* Karl Amon / Maximilian Liebmann (Hrsg.): Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* Elga Lanc: Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Archivalien */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=47.52427, 14.35884&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Vischer_-_Topographia_Ducatus_Stiriae_-_359_Stift_Rottenmann.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Rottenmann, Kupferstich bei Vischer (1681)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tod, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr in [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden hatte, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und erwarb für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;aufs glänzendste zurückgelegt&amp;lt;/span&amp;gt; und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollen 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St.-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten. Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, wahrscheinlich weil man keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Lauf der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedhof bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr in Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr im Namen des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administrator, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis – er war bereits der dritte Administrator – folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern in Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain bei Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauerngütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgischen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk in Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger von Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz samt einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und in Pichl, je zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente in Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift in St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetzung der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlauf des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der – entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes – die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt – neben den Wappen der übrigen Verordneten – die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant in Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St.-Georgs-Ordens in Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebürtiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot; erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer in Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer in Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahr 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeblich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs, wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar handelte. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St.-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Über die Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude, deren jüngster Teil heute &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird, fehlen eingehende Untersuchungen, was mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Auch Kendlmayrs Chronik bietet zur baulichen Entwicklung des Stiftes nur wenige Andeutungen, außerdem schließt sie mit 1592. Historisch gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten drei Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anlässlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der &amp;quot;Topographia Ducatus Stiriae&amp;quot; des G. M. Vischer von 1681. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche (Kern 15. Jahrhundert), jetzt als Pfarrhof genützt. Er wird auf einem Stich von Vischer mit z. T. zweigeschossigen Arkaden abgebildet, was nicht der Wirklichkeit entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) baute 1520 den Kornspeicher neben der Propstei, dann ein Haus daran. Im übernächsten Jahr folgte ein &amp;quot;Neubau&amp;quot; im Garten gegen das Bad zugekehrt, dann errichtete er eine (neue) Küche und Claffter. Sein Nachfolger Georg Ritzinger (1539–1545) baute einen Weinkeller, verschiedene Gewölbebogen für den Getreidekasten, eine Krankenstube, die Gartenmauer, ein Bad mit Brunnen und sanierte noch die Dächer des ganzen Klosters, alles mit ungeheuren Kosten verbunden. Von Propst David Panichner (1558–1573) schließlich heißt es nur lapidar, er habe das Kloster in Ruinen vorgefunden, aber wohnhaft hergerichtet hinterlassen, wobei für Bauten 1.500 Gulden aufgegangen seien. Aus dieser Zeit muss das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. Dann scheint am Stift für viele Jahre nichts mehr gebaut worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst in der Barockzeit wurde die Bautätigkeit am Stift wieder aufgenommen. Besonders Propst Mourat (1672–1683) huldigte einer kostspieligen Bau- und Repräsentationslust, denn es wurde ihm vom Konvent u. a. vorgeworfen, sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; neu gebaut, im nächsten Jahr aber wieder umgeändert, die Stube des Stiftsschaffers überbaut, den Getreidekasten baulich verändert und überhaupt manches &amp;quot;unnotwendige Gebey&amp;quot; aufgeführt zu haben. Der Propst bestritt die überstürzten Bauänderungen nicht, sondern meinte nur, der Konvent habe ihn selbst dazu &amp;quot;angeraizt&amp;quot;, da sonst kein Novize mehr &amp;quot;in dieses zerissene Closter&amp;quot; käme. Ob Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes, wurde &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; genannt und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem &amp;quot;supra portatili&amp;quot; Messen gelesen werden durften. Zwecks Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711. Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der i. ö. Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner (verstorben nach 1708) tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und angeblich 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei Wichner wohl eher Recht hat, wenn er schreibt, dass 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgeschlossen dargestellten Stift übereinstimmen bzw. zu ergänzen sind, muss der kunstgeschichtlichen Lokalforschung vorbehalten bleiben. Heute sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Zuge der Errichtung der Kanonie hat diese vom Mutterkloster eine gewisse Anzahl von Büchern mitbekommen, um die kanonischen Zeiten ebenso wie die Seelsorge halten zu können. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament um 9 Pfund Pfennige angekauft, was das &amp;quot;Chronicon&amp;quot; mit &amp;quot;damals ein sehr hoher Preis&amp;quot; kommentierte. Propst Ulrich von Konstanz (1463–1475) kaufte ebenfalls um viel Geld mehrere Bücher. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten, schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Kanonie ein &amp;quot;scriptorium&amp;quot; einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Vom Rottenmanner Chorherren [[Bernhard Faber]] wird ebenso wie von [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr in St. Dorothea, berichtet, sie seien fleißige und tüchtige Schreiber gewesen. Sie hätten verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern, das mehrere Jahre in Anspruch genommen habe und 1499 unter Propst Johann Kuglperger, wohl einem Bruder des Sigmund, fertiggestellt worden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger (verstorben 1512) war ein ausgesprochener Bücherfreund. Er hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher – worunter wohl Wiegendrucke zu verstehen sein werden – im Wert von 350 Pfund Pfennigen und zwei Lektionarien in Pergament von der Zeit und den Heiligen im Wert von 70 Pfund. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau (1545) war in Rottenmann bereits ein &amp;quot;schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern&amp;quot; und in einem Gewölbe das Archiv mit den in &amp;quot;Ladlen&amp;quot; aufbewahrten Urkunden vorhanden. Fünf besonders kostbare, silberne Bücher ruhten in einer eigenen Truhe. In den nächsten Jahrzehnten wurde für die Bibliothek nicht mehr viel getan, denn das Inventar der Propstei 1578 hält nur mehr lapidar fest: &amp;quot;In der Liberay allerley allte Büecher&amp;quot;, ohne ein einziges namentlich anzuführen. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. Immerhin wird von einer Bibliothek gesprochen. Dementsprechend gab es 1663 einen Chorherren als &amp;quot;bibliothecarius&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift damals bereits tief verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein, was sich auf das geistige Niveau des Konventes ausgewirkt haben muss. Mit diesem war es bezüglich wissenschaftlicher Interessen lange Zeit hindurch nicht gut bestellt, sieht man vom historiographisch tätigen Propst Kendlmayr als Verfasser des &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; ab. An der geistigen Stagnation konnten auch die aus Vorau gekommenen und alle später noch in Rottenmann eintretenden Chorherren nicht allzuviel ändern. Denn diese Kanoniker konzentrierten sich in erster Linie auf die Aufrechterhaltung der Seelsorge in den Stiftspfarren. Dass wissenschaftliches Arbeiten im damaligen Konvent aber nicht gänzlich erloschen war, beweist der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]], der seinem berühmten Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] um 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot; gab und durch einen anderen Mitbruder die vorhandenen Rottenmanner Klosterurkunden zusammenstellen ließ. Ob die 1785 vorhandenen Bücherbestände zum größeren Teil noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen sind, ist schwer zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich Stiftsaufhebung wird sowohl das Archiv als auch die Bibliothek erwähnt. Ein einziger Nürnberger Frühdruck (''Fortalicium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos'', gedruckt bei Anton Koberger) von 1494 aus dem Rottenmanner Bestand konnte in der Admonter Stiftsbibliothek nachgewiesen werden. Trotz fehlendem Katalog konnte die Aufhebungskommission eine Bibliothek mit eine beträchtlichen Anzahl an Büchern sicherstellen. Mehrere hundert Werke wurden in 764 Bänden erfasst, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat sowie 800 minderwertige Bücher in verschiedenen Formaten, einige davon noch ungebunden. Die Sammlung umfasste hauptsächlich Werke zur Theologie und ihren verschiedenen Disziplinen, sowie Publikationen zur Historiographie wie die &amp;quot;Scriptores Rerum Germanicarum&amp;quot;, die &amp;quot;Historia Friderici III.&amp;quot; von Eneas Silvius Piccolomini, die &amp;quot;Japonische Geschichte&amp;quot; von Joannes Crasset und die &amp;quot;Japonische Kirchengeschichte&amp;quot; von Arsad. Der Schätzwert der Bibliothek betrug 400 Gulden, wobei unklar ist, was mit der Büchersammlung nach der Aufhebung geschah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv befanden sich 1785 fast ausschließlich Urkunden, welche die Gründung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftsgeschichte bis etwa 1500 betrafen. Allein diese Urkunden erachtete die Aufhebungskommission der Inventarisierung für erhaltenswert, alle Urkunden späteren Datums fehlen. Aus dem Rottenmanner Urkundenbestand ging in der Allgemeine Urkundenreihe des Steiermärkischen Landesarchivs auf, wo auch Aktenmaterial im Umfang von 33 Kartons lagert, darunter ein Kopialbuch mit über 300 Urkunden. Ein weiterer Aktenbestand von fünf Kartons befindet sich Grazer Diözesanarchiv. Das ''Chronicon Rottenmannense'' von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek, wohin auch eine kleinen Anzahl an Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek gebracht wurde. Akten zur Aufhebung des Stiftes bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das ''Fundationsurbarium'' ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Äbte von Admont in Rottenmann in unterschiedlichen Angelegenheiten intervenierten, befindet sich im dortigen Stiftsarchiv von Archivalien zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert, die Rottenmann betreffen und Jacob Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn sowie zwei Eigenkompositionen des letzten Rottenmanner Dechants [[Franz Xaver Ortner]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (= In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* Karl Amon / Maximilian Liebmann (Hrsg.): Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* Elga Lanc: Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<title>Stift Rottenmann</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Bibliothek */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=47.52427, 14.35884&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Vischer_-_Topographia_Ducatus_Stiriae_-_359_Stift_Rottenmann.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Rottenmann, Kupferstich bei Vischer (1681)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tod, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr in [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden hatte, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und erwarb für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;aufs glänzendste zurückgelegt&amp;lt;/span&amp;gt; und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollen 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St.-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten. Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, wahrscheinlich weil man keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Lauf der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedhof bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr in Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr im Namen des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administrator, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis – er war bereits der dritte Administrator – folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern in Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain bei Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauerngütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgischen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk in Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger von Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz samt einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und in Pichl, je zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente in Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift in St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetzung der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlauf des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der – entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes – die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt – neben den Wappen der übrigen Verordneten – die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant in Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St.-Georgs-Ordens in Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebürtiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot; erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer in Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer in Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahr 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeblich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs, wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar handelte. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St.-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Über die Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude, deren jüngster Teil heute &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird, fehlen eingehende Untersuchungen, was mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Auch Kendlmayrs Chronik bietet zur baulichen Entwicklung des Stiftes nur wenige Andeutungen, außerdem schließt sie mit 1592. Historisch gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten drei Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anlässlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der &amp;quot;Topographia Ducatus Stiriae&amp;quot; des G. M. Vischer von 1681. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche (Kern 15. Jahrhundert), jetzt als Pfarrhof genützt. Er wird auf einem Stich von Vischer mit z. T. zweigeschossigen Arkaden abgebildet, was nicht der Wirklichkeit entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) baute 1520 den Kornspeicher neben der Propstei, dann ein Haus daran. Im übernächsten Jahr folgte ein &amp;quot;Neubau&amp;quot; im Garten gegen das Bad zugekehrt, dann errichtete er eine (neue) Küche und Claffter. Sein Nachfolger Georg Ritzinger (1539–1545) baute einen Weinkeller, verschiedene Gewölbebogen für den Getreidekasten, eine Krankenstube, die Gartenmauer, ein Bad mit Brunnen und sanierte noch die Dächer des ganzen Klosters, alles mit ungeheuren Kosten verbunden. Von Propst David Panichner (1558–1573) schließlich heißt es nur lapidar, er habe das Kloster in Ruinen vorgefunden, aber wohnhaft hergerichtet hinterlassen, wobei für Bauten 1.500 Gulden aufgegangen seien. Aus dieser Zeit muss das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. Dann scheint am Stift für viele Jahre nichts mehr gebaut worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst in der Barockzeit wurde die Bautätigkeit am Stift wieder aufgenommen. Besonders Propst Mourat (1672–1683) huldigte einer kostspieligen Bau- und Repräsentationslust, denn es wurde ihm vom Konvent u. a. vorgeworfen, sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; neu gebaut, im nächsten Jahr aber wieder umgeändert, die Stube des Stiftsschaffers überbaut, den Getreidekasten baulich verändert und überhaupt manches &amp;quot;unnotwendige Gebey&amp;quot; aufgeführt zu haben. Der Propst bestritt die überstürzten Bauänderungen nicht, sondern meinte nur, der Konvent habe ihn selbst dazu &amp;quot;angeraizt&amp;quot;, da sonst kein Novize mehr &amp;quot;in dieses zerissene Closter&amp;quot; käme. Ob Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes, wurde &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; genannt und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem &amp;quot;supra portatili&amp;quot; Messen gelesen werden durften. Zwecks Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711. Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der i. ö. Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner (verstorben nach 1708) tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und angeblich 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei Wichner wohl eher Recht hat, wenn er schreibt, dass 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgeschlossen dargestellten Stift übereinstimmen bzw. zu ergänzen sind, muss der kunstgeschichtlichen Lokalforschung vorbehalten bleiben. Heute sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Zuge der Errichtung der Kanonie hat diese vom Mutterkloster eine gewisse Anzahl von Büchern mitbekommen, um die kanonischen Zeiten ebenso wie die Seelsorge halten zu können. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament um 9 Pfund Pfennige angekauft, was das &amp;quot;Chronicon&amp;quot; mit &amp;quot;damals ein sehr hoher Preis&amp;quot; kommentierte. Propst Ulrich von Konstanz (1463–1475) kaufte ebenfalls um viel Geld mehrere Bücher. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten, schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Kanonie ein &amp;quot;scriptorium&amp;quot; einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Vom Rottenmanner Chorherren [[Bernhard Faber]] wird ebenso wie von [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr in St. Dorothea, berichtet, sie seien fleißige und tüchtige Schreiber gewesen. Sie hätten verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern, das mehrere Jahre in Anspruch genommen habe und 1499 unter Propst Johann Kuglperger, wohl einem Bruder des Sigmund, fertiggestellt worden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger (verstorben 1512) war ein ausgesprochener Bücherfreund. Er hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher – worunter wohl Wiegendrucke zu verstehen sein werden – im Wert von 350 Pfund Pfennigen und zwei Lektionarien in Pergament von der Zeit und den Heiligen im Wert von 70 Pfund. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau (1545) war in Rottenmann bereits ein &amp;quot;schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern&amp;quot; und in einem Gewölbe das Archiv mit den in &amp;quot;Ladlen&amp;quot; aufbewahrten Urkunden vorhanden. Fünf besonders kostbare, silberne Bücher ruhten in einer eigenen Truhe. In den nächsten Jahrzehnten wurde für die Bibliothek nicht mehr viel getan, denn das Inventar der Propstei 1578 hält nur mehr lapidar fest: &amp;quot;In der Liberay allerley allte Büecher&amp;quot;, ohne ein einziges namentlich anzuführen. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. Immerhin wird von einer Bibliothek gesprochen. Dementsprechend gab es 1663 einen Chorherren als &amp;quot;bibliothecarius&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift damals bereits tief verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein, was sich auf das geistige Niveau des Konventes ausgewirkt haben muss. Mit diesem war es bezüglich wissenschaftlicher Interessen lange Zeit hindurch nicht gut bestellt, sieht man vom historiographisch tätigen Propst Kendlmayr als Verfasser des &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; ab. An der geistigen Stagnation konnten auch die aus Vorau gekommenen und alle später noch in Rottenmann eintretenden Chorherren nicht allzuviel ändern. Denn diese Kanoniker konzentrierten sich in erster Linie auf die Aufrechterhaltung der Seelsorge in den Stiftspfarren. Dass wissenschaftliches Arbeiten im damaligen Konvent aber nicht gänzlich erloschen war, beweist der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]], der seinem berühmten Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] um 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot; gab und durch einen anderen Mitbruder die vorhandenen Rottenmanner Klosterurkunden zusammenstellen ließ. Ob die 1785 vorhandenen Bücherbestände zum größeren Teil noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen sind, ist schwer zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich Stiftsaufhebung wird sowohl das Archiv als auch die Bibliothek erwähnt. Ein einziger Nürnberger Frühdruck (''Fortalicium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos'', gedruckt bei Anton Koberger) von 1494 aus dem Rottenmanner Bestand konnte in der Admonter Stiftsbibliothek nachgewiesen werden. Trotz fehlendem Katalog konnte die Aufhebungskommission eine Bibliothek mit eine beträchtlichen Anzahl an Büchern sicherstellen. Mehrere hundert Werke wurden in 764 Bänden erfasst, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat sowie 800 minderwertige Bücher in verschiedenen Formaten, einige davon noch ungebunden. Die Sammlung umfasste hauptsächlich Werke zur Theologie und ihren verschiedenen Disziplinen, sowie Publikationen zur Historiographie wie die &amp;quot;Scriptores Rerum Germanicarum&amp;quot;, die &amp;quot;Historia Friderici III.&amp;quot; von Eneas Silvius Piccolomini, die &amp;quot;Japonische Geschichte&amp;quot; von Joannes Crasset und die &amp;quot;Japonische Kirchengeschichte&amp;quot; von Arsad. Der Schätzwert der Bibliothek betrug 400 Gulden, wobei unklar ist, was mit der Büchersammlung nach der Aufhebung geschah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv befanden sich 1785 fast ausschließlich Urkunden, welche die Gründung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftsgeschichte bis etwa 1500 betrafen. Allein diese Urkunden erachtete die Aufhebungskommission der Inventarisierung für erhaltenswert, alle Urkunden späteren Datums fehlen. Aus dem Rottenmanner Urkundenbestand ging in der Allgemeine Urkundenreihe des Steiermärkischen Landesarchivs auf, wo auch Aktenmaterial im Umfang von 33 Kartons lagert, darunter ein Kopialbuch mit über 300 Urkunden. Ein weiterer Aktenbestand von fünf Kartons befindet sich Grazer Diözesanarchiv. Das ''Chronicon Rottenmannense'' von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Akten zur Aufhebung des Stiftes bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das ''Fundationsurbarium'' ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Äbte von Admont in Rottenmann in unterschiedlichen Angelegenheiten intervenierten, befindet sich im dortigen Stiftsarchiv von Archivalien zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert, die Rottenmann betreffen und Jacob Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn sowie zwei Eigenkompositionen des letzten Rottenmanner Dechants [[Franz Xaver Ortner]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (= In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* Karl Amon / Maximilian Liebmann (Hrsg.): Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* Elga Lanc: Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<title>Stift Rottenmann</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Archivalien */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=47.52427, 14.35884&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Vischer_-_Topographia_Ducatus_Stiriae_-_359_Stift_Rottenmann.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Rottenmann, Kupferstich bei Vischer (1681)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tod, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr in [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden hatte, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und erwarb für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;aufs glänzendste zurückgelegt&amp;lt;/span&amp;gt; und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollen 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St.-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten. Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, wahrscheinlich weil man keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Lauf der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedhof bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr in Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr im Namen des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administrator, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis – er war bereits der dritte Administrator – folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern in Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain bei Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauerngütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgischen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk in Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger von Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz samt einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und in Pichl, je zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente in Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift in St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetzung der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlauf des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der – entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes – die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt – neben den Wappen der übrigen Verordneten – die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant in Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St.-Georgs-Ordens in Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebürtiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot; erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer in Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer in Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahr 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeblich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs, wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar handelte. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St.-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Über die Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude, deren jüngster Teil heute &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird, fehlen eingehende Untersuchungen, was mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Auch Kendlmayrs Chronik bietet zur baulichen Entwicklung des Stiftes nur wenige Andeutungen, außerdem schließt sie mit 1592. Historisch gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten drei Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anlässlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der &amp;quot;Topographia Ducatus Stiriae&amp;quot; des G. M. Vischer von 1681. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche (Kern 15. Jahrhundert), jetzt als Pfarrhof genützt. Er wird auf einem Stich von Vischer mit z. T. zweigeschossigen Arkaden abgebildet, was nicht der Wirklichkeit entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) baute 1520 den Kornspeicher neben der Propstei, dann ein Haus daran. Im übernächsten Jahr folgte ein &amp;quot;Neubau&amp;quot; im Garten gegen das Bad zugekehrt, dann errichtete er eine (neue) Küche und Claffter. Sein Nachfolger Georg Ritzinger (1539–1545) baute einen Weinkeller, verschiedene Gewölbebogen für den Getreidekasten, eine Krankenstube, die Gartenmauer, ein Bad mit Brunnen und sanierte noch die Dächer des ganzen Klosters, alles mit ungeheuren Kosten verbunden. Von Propst David Panichner (1558–1573) schließlich heißt es nur lapidar, er habe das Kloster in Ruinen vorgefunden, aber wohnhaft hergerichtet hinterlassen, wobei für Bauten 1.500 Gulden aufgegangen seien. Aus dieser Zeit muss das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. Dann scheint am Stift für viele Jahre nichts mehr gebaut worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst in der Barockzeit wurde die Bautätigkeit am Stift wieder aufgenommen. Besonders Propst Mourat (1672–1683) huldigte einer kostspieligen Bau- und Repräsentationslust, denn es wurde ihm vom Konvent u. a. vorgeworfen, sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; neu gebaut, im nächsten Jahr aber wieder umgeändert, die Stube des Stiftsschaffers überbaut, den Getreidekasten baulich verändert und überhaupt manches &amp;quot;unnotwendige Gebey&amp;quot; aufgeführt zu haben. Der Propst bestritt die überstürzten Bauänderungen nicht, sondern meinte nur, der Konvent habe ihn selbst dazu &amp;quot;angeraizt&amp;quot;, da sonst kein Novize mehr &amp;quot;in dieses zerissene Closter&amp;quot; käme. Ob Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes, wurde &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; genannt und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem &amp;quot;supra portatili&amp;quot; Messen gelesen werden durften. Zwecks Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711. Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der i. ö. Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner (verstorben nach 1708) tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und angeblich 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei Wichner wohl eher Recht hat, wenn er schreibt, dass 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgeschlossen dargestellten Stift übereinstimmen bzw. zu ergänzen sind, muss der kunstgeschichtlichen Lokalforschung vorbehalten bleiben. Heute sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Zuge der Errichtung der Kanonie hat diese vom Mutterkloster eine gewisse Anzahl von Büchern mitbekommen, um die kanonischen Zeiten ebenso wie die Seelsorge halten zu können. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament um 9 Pfund Pfennige angekauft, was das &amp;quot;Chronicon&amp;quot; mit &amp;quot;damals ein sehr hoher Preis&amp;quot; kommentierte. Propst Ulrich von Konstanz (1463–1475) kaufte ebenfalls um viel Geld mehrere Bücher. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten, schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Kanonie ein &amp;quot;scriptorium&amp;quot; einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Vom Rottenmanner Chorherren [[Bernhard Faber]] wird ebenso wie von [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr in St. Dorothea, berichtet, sie seien fleißige und tüchtige Schreiber gewesen. Sie hätten verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern, das mehrere Jahre in Anspruch genommen habe und 1499 unter Propst Johann Kuglperger, wohl einem Bruder des Sigmund, fertiggestellt worden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger (verstorben 1512) war ein ausgesprochener Bücherfreund. Er hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher – worunter wohl Wiegendrucke zu verstehen sein werden – im Wert von 350 Pfund Pfennigen und zwei Lektionarien in Pergament von der Zeit und den Heiligen im Wert von 70 Pfund. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau (1545) war in Rottenmann bereits ein &amp;quot;schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern&amp;quot; und in einem Gewölbe das Archiv mit den in &amp;quot;Ladlen&amp;quot; aufbewahrten Urkunden vorhanden. Fünf besonders kostbare, silberne Bücher ruhten in einer eigenen Truhe. In den nächsten Jahrzehnten wurde für die Bibliothek nicht mehr viel getan, denn das Inventar der Propstei 1578 hält nur mehr lapidar fest: &amp;quot;In der Liberay allerley allte Büecher&amp;quot;, ohne ein einziges namentlich anzuführen. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. Immerhin wird von einer Bibliothek gesprochen. Dementsprechend gab es 1663 einen Chorherren als &amp;quot;bibliothecarius&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift damals bereits tief verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein, was sich auf das geistige Niveau des Konventes ausgewirkt haben muss. Mit diesem war es bezüglich wissenschaftlicher Interessen lange Zeit hindurch nicht gut bestellt, sieht man vom historiographisch tätigen Propst Kendlmayr als Verfasser des &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; ab. An der geistigen Stagnation konnten auch die aus Vorau gekommenen und alle später noch in Rottenmann eintretenden Chorherren nicht allzuviel ändern. Denn diese Kanoniker konzentrierten sich in erster Linie auf die Aufrechterhaltung der Seelsorge in den Stiftspfarren. Dass wissenschaftliches Arbeiten im damaligen Konvent aber nicht gänzlich erloschen war, beweist der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]], der seinem berühmten Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] um 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot; gab und durch einen anderen Mitbruder die vorhandenen Rottenmanner Klosterurkunden zusammenstellen ließ. Ob die 1785 vorhandenen Bücherbestände zum größeren Teil noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen sind, ist schwer zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich der Aufhebung des Stiftes ist auch vom Archiv und der Bibliothek die Rede, während J. Wichner über die Bibliothek nur zu sagen wusste, dass darüber nichts bekannt geworden sei. Lediglich einen Nürnberger Frühdruck (1494, Anton Koberger) aus ehemals Rottenmanner Bestand, betitelt &amp;quot;Fortalicium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos&amp;quot;, konnte er in der Admonter Stiftsbibliothek nachweisen. Dagegen stellte die Aufhebungskommission fest, dass es sehr wohl eine Menge Bücher in der Bibliothek gab, auch wenn dazu kein Katalog vorhanden war. Allein mehrere hundert Werke in 764 Bänden wurden mit Verfasser und Titel aufgenommen, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat und 800 schlechte nichts &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bedeidende&amp;lt;/span&amp;gt; Bücher aller Formate, einiges auch noch ungebunden. Die Bücher waren auf Holzstellagen, aber nach Wissensgebieten völlig vermischt aufgestellt. Es handelte sich vor allem um Werke der Theologie und ihrer verschiedenen Disziplinen, aber auch Publikationen zur Historiographie, darunter die &amp;quot;Scriptores Rerum Germanicarum&amp;quot;, die &amp;quot;Historia Friderici III.&amp;quot; von Eneas Silvius Piccolomini, die &amp;quot;Japonische Geschichte&amp;quot; von Joannes Crasset oder die &amp;quot;Japonische Kirchengeschichte&amp;quot; von Arsad, weiters waren Druckwerke aus den Gebieten der Philosophie, der antiken Schriftsteller, der Geographie usw. einschließlich der Erbauungsliteratur vorhanden. Der Wert der Bibliothek wurde auf 400 Gulden geschätzt. Das Inventar gibt keine Auskunft darüber, was mit dem Bücherschatz geschah. Kendlmayrs &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; befindet sich heute in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Dorthin kam auch eine nicht allzugroße Zahl von Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv befanden sich 1785 fast ausschließlich Urkunden, welche die Gründung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftsgeschichte bis etwa 1500 betrafen. Allein diese Urkunden erachtete die Aufhebungskommission der Inventarisierung für erhaltenswert, alle Urkunden späteren Datums fehlen. Aus dem Rottenmanner Urkundenbestand ging in der Allgemeine Urkundenreihe des Steiermärkischen Landesarchivs auf, wo auch Aktenmaterial im Umfang von 33 Kartons lagert, darunter ein Kopialbuch mit über 300 Urkunden. Ein weiterer Aktenbestand von fünf Kartons befindet sich Grazer Diözesanarchiv. Das ''Chronicon Rottenmannense'' von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Akten zur Aufhebung des Stiftes bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das ''Fundationsurbarium'' ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Äbte von Admont in Rottenmann in unterschiedlichen Angelegenheiten intervenierten, befindet sich im dortigen Stiftsarchiv von Archivalien zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert, die Rottenmann betreffen und Jacob Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn sowie zwei Eigenkompositionen des letzten Rottenmanner Dechants [[Franz Xaver Ortner]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (= In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* Karl Amon / Maximilian Liebmann (Hrsg.): Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* Elga Lanc: Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<title>Stift Rottenmann</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Archivalien */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=47.52427, 14.35884&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Vischer_-_Topographia_Ducatus_Stiriae_-_359_Stift_Rottenmann.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Rottenmann, Kupferstich bei Vischer (1681)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tod, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr in [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden hatte, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und erwarb für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;aufs glänzendste zurückgelegt&amp;lt;/span&amp;gt; und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollen 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St.-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten. Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, wahrscheinlich weil man keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Lauf der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedhof bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr in Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr im Namen des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administrator, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis – er war bereits der dritte Administrator – folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern in Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain bei Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauerngütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgischen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk in Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger von Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz samt einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und in Pichl, je zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente in Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift in St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetzung der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlauf des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der – entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes – die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt – neben den Wappen der übrigen Verordneten – die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant in Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St.-Georgs-Ordens in Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebürtiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot; erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer in Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer in Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahr 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeblich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs, wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar handelte. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St.-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Über die Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude, deren jüngster Teil heute &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird, fehlen eingehende Untersuchungen, was mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Auch Kendlmayrs Chronik bietet zur baulichen Entwicklung des Stiftes nur wenige Andeutungen, außerdem schließt sie mit 1592. Historisch gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten drei Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anlässlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der &amp;quot;Topographia Ducatus Stiriae&amp;quot; des G. M. Vischer von 1681. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche (Kern 15. Jahrhundert), jetzt als Pfarrhof genützt. Er wird auf einem Stich von Vischer mit z. T. zweigeschossigen Arkaden abgebildet, was nicht der Wirklichkeit entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) baute 1520 den Kornspeicher neben der Propstei, dann ein Haus daran. Im übernächsten Jahr folgte ein &amp;quot;Neubau&amp;quot; im Garten gegen das Bad zugekehrt, dann errichtete er eine (neue) Küche und Claffter. Sein Nachfolger Georg Ritzinger (1539–1545) baute einen Weinkeller, verschiedene Gewölbebogen für den Getreidekasten, eine Krankenstube, die Gartenmauer, ein Bad mit Brunnen und sanierte noch die Dächer des ganzen Klosters, alles mit ungeheuren Kosten verbunden. Von Propst David Panichner (1558–1573) schließlich heißt es nur lapidar, er habe das Kloster in Ruinen vorgefunden, aber wohnhaft hergerichtet hinterlassen, wobei für Bauten 1.500 Gulden aufgegangen seien. Aus dieser Zeit muss das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. Dann scheint am Stift für viele Jahre nichts mehr gebaut worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst in der Barockzeit wurde die Bautätigkeit am Stift wieder aufgenommen. Besonders Propst Mourat (1672–1683) huldigte einer kostspieligen Bau- und Repräsentationslust, denn es wurde ihm vom Konvent u. a. vorgeworfen, sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; neu gebaut, im nächsten Jahr aber wieder umgeändert, die Stube des Stiftsschaffers überbaut, den Getreidekasten baulich verändert und überhaupt manches &amp;quot;unnotwendige Gebey&amp;quot; aufgeführt zu haben. Der Propst bestritt die überstürzten Bauänderungen nicht, sondern meinte nur, der Konvent habe ihn selbst dazu &amp;quot;angeraizt&amp;quot;, da sonst kein Novize mehr &amp;quot;in dieses zerissene Closter&amp;quot; käme. Ob Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes, wurde &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; genannt und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem &amp;quot;supra portatili&amp;quot; Messen gelesen werden durften. Zwecks Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711. Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der i. ö. Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner (verstorben nach 1708) tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und angeblich 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei Wichner wohl eher Recht hat, wenn er schreibt, dass 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgeschlossen dargestellten Stift übereinstimmen bzw. zu ergänzen sind, muss der kunstgeschichtlichen Lokalforschung vorbehalten bleiben. Heute sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Zuge der Errichtung der Kanonie hat diese vom Mutterkloster eine gewisse Anzahl von Büchern mitbekommen, um die kanonischen Zeiten ebenso wie die Seelsorge halten zu können. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament um 9 Pfund Pfennige angekauft, was das &amp;quot;Chronicon&amp;quot; mit &amp;quot;damals ein sehr hoher Preis&amp;quot; kommentierte. Propst Ulrich von Konstanz (1463–1475) kaufte ebenfalls um viel Geld mehrere Bücher. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten, schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Kanonie ein &amp;quot;scriptorium&amp;quot; einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Vom Rottenmanner Chorherren [[Bernhard Faber]] wird ebenso wie von [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr in St. Dorothea, berichtet, sie seien fleißige und tüchtige Schreiber gewesen. Sie hätten verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern, das mehrere Jahre in Anspruch genommen habe und 1499 unter Propst Johann Kuglperger, wohl einem Bruder des Sigmund, fertiggestellt worden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger (verstorben 1512) war ein ausgesprochener Bücherfreund. Er hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher – worunter wohl Wiegendrucke zu verstehen sein werden – im Wert von 350 Pfund Pfennigen und zwei Lektionarien in Pergament von der Zeit und den Heiligen im Wert von 70 Pfund. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau (1545) war in Rottenmann bereits ein &amp;quot;schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern&amp;quot; und in einem Gewölbe das Archiv mit den in &amp;quot;Ladlen&amp;quot; aufbewahrten Urkunden vorhanden. Fünf besonders kostbare, silberne Bücher ruhten in einer eigenen Truhe. In den nächsten Jahrzehnten wurde für die Bibliothek nicht mehr viel getan, denn das Inventar der Propstei 1578 hält nur mehr lapidar fest: &amp;quot;In der Liberay allerley allte Büecher&amp;quot;, ohne ein einziges namentlich anzuführen. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. Immerhin wird von einer Bibliothek gesprochen. Dementsprechend gab es 1663 einen Chorherren als &amp;quot;bibliothecarius&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift damals bereits tief verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein, was sich auf das geistige Niveau des Konventes ausgewirkt haben muss. Mit diesem war es bezüglich wissenschaftlicher Interessen lange Zeit hindurch nicht gut bestellt, sieht man vom historiographisch tätigen Propst Kendlmayr als Verfasser des &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; ab. An der geistigen Stagnation konnten auch die aus Vorau gekommenen und alle später noch in Rottenmann eintretenden Chorherren nicht allzuviel ändern. Denn diese Kanoniker konzentrierten sich in erster Linie auf die Aufrechterhaltung der Seelsorge in den Stiftspfarren. Dass wissenschaftliches Arbeiten im damaligen Konvent aber nicht gänzlich erloschen war, beweist der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]], der seinem berühmten Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] um 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot; gab und durch einen anderen Mitbruder die vorhandenen Rottenmanner Klosterurkunden zusammenstellen ließ. Ob die 1785 vorhandenen Bücherbestände zum größeren Teil noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen sind, ist schwer zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich der Aufhebung des Stiftes ist auch vom Archiv und der Bibliothek die Rede, während J. Wichner über die Bibliothek nur zu sagen wusste, dass darüber nichts bekannt geworden sei. Lediglich einen Nürnberger Frühdruck (1494, Anton Koberger) aus ehemals Rottenmanner Bestand, betitelt &amp;quot;Fortalicium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos&amp;quot;, konnte er in der Admonter Stiftsbibliothek nachweisen. Dagegen stellte die Aufhebungskommission fest, dass es sehr wohl eine Menge Bücher in der Bibliothek gab, auch wenn dazu kein Katalog vorhanden war. Allein mehrere hundert Werke in 764 Bänden wurden mit Verfasser und Titel aufgenommen, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat und 800 schlechte nichts &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bedeidende&amp;lt;/span&amp;gt; Bücher aller Formate, einiges auch noch ungebunden. Die Bücher waren auf Holzstellagen, aber nach Wissensgebieten völlig vermischt aufgestellt. Es handelte sich vor allem um Werke der Theologie und ihrer verschiedenen Disziplinen, aber auch Publikationen zur Historiographie, darunter die &amp;quot;Scriptores Rerum Germanicarum&amp;quot;, die &amp;quot;Historia Friderici III.&amp;quot; von Eneas Silvius Piccolomini, die &amp;quot;Japonische Geschichte&amp;quot; von Joannes Crasset oder die &amp;quot;Japonische Kirchengeschichte&amp;quot; von Arsad, weiters waren Druckwerke aus den Gebieten der Philosophie, der antiken Schriftsteller, der Geographie usw. einschließlich der Erbauungsliteratur vorhanden. Der Wert der Bibliothek wurde auf 400 Gulden geschätzt. Das Inventar gibt keine Auskunft darüber, was mit dem Bücherschatz geschah. Kendlmayrs &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; befindet sich heute in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Dorthin kam auch eine nicht allzugroße Zahl von Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv befanden sich 1785 fast ausschließlich Urkunden, welche die Gründung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftsgeschichte bis etwa 1500 betrafen. Allein diese Urkunden erachtete die Aufhebungskommission der Inventarisierung für erhaltenswert, alle Urkunden späteren Datums fehlen. Aus dem Rottenmanner Urkundenbestand ging in der Allgemeine Urkundenreihe des Steiermärkischen Landesarchivs auf, wo auch Aktenmaterial im Umfang von 33 Kartons lagert, darunter ein Kopialbuch mit über 300 Urkunden. Ein weiterer Aktenbestand von fünf Kartons befindet sich Grazer Diözesanarchiv. Das &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Akten zur Aufhebung des Stiftes bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das &amp;quot;Fundationsurbarium &amp;quot; ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Äbte von Admont in Rottenmann in unterschiedlichen Angelegenheiten intervenierten, befindet sich im dortigen Stiftsarchiv von Archivalien zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert, die Rottenmann betreffen und Jacob Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn sowie zwei Eigenkompositionen des letzten Rottenmanner Dechants [[Franz Xaver Ortner]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (= In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* Karl Amon / Maximilian Liebmann (Hrsg.): Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* Elga Lanc: Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<title>Stift Rottenmann</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=47.52427, 14.35884&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Vischer_-_Topographia_Ducatus_Stiriae_-_359_Stift_Rottenmann.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Rottenmann, Kupferstich bei Vischer (1681)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tod, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr in [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden hatte, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und erwarb für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;aufs glänzendste zurückgelegt&amp;lt;/span&amp;gt; und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollen 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St.-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten. Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, wahrscheinlich weil man keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Lauf der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedhof bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr in Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr im Namen des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administrator, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis – er war bereits der dritte Administrator – folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern in Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain bei Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauerngütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgischen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk in Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger von Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz samt einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und in Pichl, je zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente in Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift in St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetzung der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlauf des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der – entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes – die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt – neben den Wappen der übrigen Verordneten – die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant in Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St.-Georgs-Ordens in Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebürtiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot; erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer in Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer in Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahr 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeblich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs, wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar handelte. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St.-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Über die Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude, deren jüngster Teil heute &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird, fehlen eingehende Untersuchungen, was mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Auch Kendlmayrs Chronik bietet zur baulichen Entwicklung des Stiftes nur wenige Andeutungen, außerdem schließt sie mit 1592. Historisch gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten drei Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anlässlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der &amp;quot;Topographia Ducatus Stiriae&amp;quot; des G. M. Vischer von 1681. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche (Kern 15. Jahrhundert), jetzt als Pfarrhof genützt. Er wird auf einem Stich von Vischer mit z. T. zweigeschossigen Arkaden abgebildet, was nicht der Wirklichkeit entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) baute 1520 den Kornspeicher neben der Propstei, dann ein Haus daran. Im übernächsten Jahr folgte ein &amp;quot;Neubau&amp;quot; im Garten gegen das Bad zugekehrt, dann errichtete er eine (neue) Küche und Claffter. Sein Nachfolger Georg Ritzinger (1539–1545) baute einen Weinkeller, verschiedene Gewölbebogen für den Getreidekasten, eine Krankenstube, die Gartenmauer, ein Bad mit Brunnen und sanierte noch die Dächer des ganzen Klosters, alles mit ungeheuren Kosten verbunden. Von Propst David Panichner (1558–1573) schließlich heißt es nur lapidar, er habe das Kloster in Ruinen vorgefunden, aber wohnhaft hergerichtet hinterlassen, wobei für Bauten 1.500 Gulden aufgegangen seien. Aus dieser Zeit muss das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. Dann scheint am Stift für viele Jahre nichts mehr gebaut worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst in der Barockzeit wurde die Bautätigkeit am Stift wieder aufgenommen. Besonders Propst Mourat (1672–1683) huldigte einer kostspieligen Bau- und Repräsentationslust, denn es wurde ihm vom Konvent u. a. vorgeworfen, sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; neu gebaut, im nächsten Jahr aber wieder umgeändert, die Stube des Stiftsschaffers überbaut, den Getreidekasten baulich verändert und überhaupt manches &amp;quot;unnotwendige Gebey&amp;quot; aufgeführt zu haben. Der Propst bestritt die überstürzten Bauänderungen nicht, sondern meinte nur, der Konvent habe ihn selbst dazu &amp;quot;angeraizt&amp;quot;, da sonst kein Novize mehr &amp;quot;in dieses zerissene Closter&amp;quot; käme. Ob Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes, wurde &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; genannt und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem &amp;quot;supra portatili&amp;quot; Messen gelesen werden durften. Zwecks Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711. Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der i. ö. Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner (verstorben nach 1708) tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und angeblich 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei Wichner wohl eher Recht hat, wenn er schreibt, dass 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgeschlossen dargestellten Stift übereinstimmen bzw. zu ergänzen sind, muss der kunstgeschichtlichen Lokalforschung vorbehalten bleiben. Heute sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Zuge der Errichtung der Kanonie hat diese vom Mutterkloster eine gewisse Anzahl von Büchern mitbekommen, um die kanonischen Zeiten ebenso wie die Seelsorge halten zu können. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament um 9 Pfund Pfennige angekauft, was das &amp;quot;Chronicon&amp;quot; mit &amp;quot;damals ein sehr hoher Preis&amp;quot; kommentierte. Propst Ulrich von Konstanz (1463–1475) kaufte ebenfalls um viel Geld mehrere Bücher. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten, schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Kanonie ein &amp;quot;scriptorium&amp;quot; einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Vom Rottenmanner Chorherren [[Bernhard Faber]] wird ebenso wie von [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr in St. Dorothea, berichtet, sie seien fleißige und tüchtige Schreiber gewesen. Sie hätten verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern, das mehrere Jahre in Anspruch genommen habe und 1499 unter Propst Johann Kuglperger, wohl einem Bruder des Sigmund, fertiggestellt worden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger (verstorben 1512) war ein ausgesprochener Bücherfreund. Er hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher – worunter wohl Wiegendrucke zu verstehen sein werden – im Wert von 350 Pfund Pfennigen und zwei Lektionarien in Pergament von der Zeit und den Heiligen im Wert von 70 Pfund. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau (1545) war in Rottenmann bereits ein &amp;quot;schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern&amp;quot; und in einem Gewölbe das Archiv mit den in &amp;quot;Ladlen&amp;quot; aufbewahrten Urkunden vorhanden. Fünf besonders kostbare, silberne Bücher ruhten in einer eigenen Truhe. In den nächsten Jahrzehnten wurde für die Bibliothek nicht mehr viel getan, denn das Inventar der Propstei 1578 hält nur mehr lapidar fest: &amp;quot;In der Liberay allerley allte Büecher&amp;quot;, ohne ein einziges namentlich anzuführen. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. Immerhin wird von einer Bibliothek gesprochen. Dementsprechend gab es 1663 einen Chorherren als &amp;quot;bibliothecarius&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift damals bereits tief verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein, was sich auf das geistige Niveau des Konventes ausgewirkt haben muss. Mit diesem war es bezüglich wissenschaftlicher Interessen lange Zeit hindurch nicht gut bestellt, sieht man vom historiographisch tätigen Propst Kendlmayr als Verfasser des &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; ab. An der geistigen Stagnation konnten auch die aus Vorau gekommenen und alle später noch in Rottenmann eintretenden Chorherren nicht allzuviel ändern. Denn diese Kanoniker konzentrierten sich in erster Linie auf die Aufrechterhaltung der Seelsorge in den Stiftspfarren. Dass wissenschaftliches Arbeiten im damaligen Konvent aber nicht gänzlich erloschen war, beweist der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]], der seinem berühmten Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] um 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot; gab und durch einen anderen Mitbruder die vorhandenen Rottenmanner Klosterurkunden zusammenstellen ließ. Ob die 1785 vorhandenen Bücherbestände zum größeren Teil noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen sind, ist schwer zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich der Aufhebung des Stiftes ist auch vom Archiv und der Bibliothek die Rede, während J. Wichner über die Bibliothek nur zu sagen wusste, dass darüber nichts bekannt geworden sei. Lediglich einen Nürnberger Frühdruck (1494, Anton Koberger) aus ehemals Rottenmanner Bestand, betitelt &amp;quot;Fortalicium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos&amp;quot;, konnte er in der Admonter Stiftsbibliothek nachweisen. Dagegen stellte die Aufhebungskommission fest, dass es sehr wohl eine Menge Bücher in der Bibliothek gab, auch wenn dazu kein Katalog vorhanden war. Allein mehrere hundert Werke in 764 Bänden wurden mit Verfasser und Titel aufgenommen, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat und 800 schlechte nichts &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bedeidende&amp;lt;/span&amp;gt; Bücher aller Formate, einiges auch noch ungebunden. Die Bücher waren auf Holzstellagen, aber nach Wissensgebieten völlig vermischt aufgestellt. Es handelte sich vor allem um Werke der Theologie und ihrer verschiedenen Disziplinen, aber auch Publikationen zur Historiographie, darunter die &amp;quot;Scriptores Rerum Germanicarum&amp;quot;, die &amp;quot;Historia Friderici III.&amp;quot; von Eneas Silvius Piccolomini, die &amp;quot;Japonische Geschichte&amp;quot; von Joannes Crasset oder die &amp;quot;Japonische Kirchengeschichte&amp;quot; von Arsad, weiters waren Druckwerke aus den Gebieten der Philosophie, der antiken Schriftsteller, der Geographie usw. einschließlich der Erbauungsliteratur vorhanden. Der Wert der Bibliothek wurde auf 400 Gulden geschätzt. Das Inventar gibt keine Auskunft darüber, was mit dem Bücherschatz geschah. Kendlmayrs &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; befindet sich heute in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Dorthin kam auch eine nicht allzugroße Zahl von Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Archiv des Stiftes lagen 1785 fast ausschließlich Urkunden, die die Stiftung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftszeit bis um 1500 betrafen. Allein diese Urkunden wurden von der Aufhebungskommission der Inventarisierung für wert befunden, während alle zeitlich späteren Urkunden im Verzeichnis fehlen. Sie lagen möglicherweise nicht im Archiv, sondern in der Stiftskanzlei oder anderswo. Im Steiermärkischen Landesarchiv ist einiges aus dem Rottenmanner Urkundenbestand in die Allgemeine Urkundenreihe eingeflossen, und es existiert in diesem Archiv Aktenmaterial zu Rottenmann, Stift und Herrschaft, in 33 Kartons, darunter auch das Kopialbuch mit über 300 Urkunden, die bis etwas über das Jahr 1500 reichen, sowie Akten über das Stift im Archivkörper Altes Landrecht. Diese Archivalien werden ergänzt durch fünf Kartons Akten, die das Grazer Diözesanarchiv unter der Bezeichnung &amp;quot;Stift Rottenmann&amp;quot; besitzt. Das &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Akten über die Aufhebung bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das &amp;quot;Fundationsurbarium &amp;quot; ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da immer wieder die Äbte von Admont in Rottenmann intervenieren mussten, befindet sich im Stiftsarchiv Admont eine größere Anzahl von Archivalien des 16. bis 18. Jahrhunderts bezüglich Rottenmann, die J. Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält u. a. Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn. Auch der letzte Rottenmanner Dechant Franz Xaver Ortner ist mit zwei Eigenkompositionen vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (= In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* Karl Amon: Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* Karl Amon / Maximilian Liebmann (Hrsg.): Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* Elga Lanc: Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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	<entry>
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		<title>Bernhard I. Enoch von Waitz</title>
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		<updated>2023-06-09T12:22:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Leben */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Person&lt;br /&gt;
|Name=Bernhard Enoch von Waitz&lt;br /&gt;
|Geschlecht=männlich&lt;br /&gt;
|Geburtsort=Salzungen (Thüringen)&lt;br /&gt;
|Einkleidung=1620-06-03&lt;br /&gt;
|Profess=1622-08-28&lt;br /&gt;
|Primiz=1622-02-01&lt;br /&gt;
|Sterbedatum=1643-04-07&lt;br /&gt;
|Institution=Stift Klosterneuburg&lt;br /&gt;
|Funktion=Propst&lt;br /&gt;
|Quelle=Karl Holubar (Hg.), Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg. Geschichtliche und statistische Daten. Klosterneuburg &amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;2014, S. 284.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Bernhard I. Enoch von Waitz, * 1590 in Salzungen (Thüringen), † 7. April 1643, war Chorherr und von 1630 bis 1643 der 43. Propst des [[Stift Klosterneuburg|Stiftes Klosterneuburg]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
Von Waitz wurde 1620 im Stift Klosterneuburg eingekleidet, legte am 28. August 1622 die Profess ab und war 1622-1630 Pfarrverweser in [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]] in Klosterneuburg. Am 16. Jänner 1630 wurde Bernhard zum Propst gewählt und am 27. Jänner 1630 infuliert. Propst Bernhard I. starb am 7. April 1643 und wurde am 11. April 1643 in der Stiftskirche vor dem St. Leopoldsaltar bestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ #invoke: Funktionsleiste | Execute&lt;br /&gt;
|VORGÄNGER1=[[Andreas Mosmiller]]&lt;br /&gt;
|FUNKTION1=[[Liste der Pröpste des Stiftes Klosterneuburg|Propst des Stiftes Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
|ZEITRAUM1=1630–1643&lt;br /&gt;
|NACHFOLGER1=[[Rudolf II. Tobias von Millner]] &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
* Stiftsarchiv Klosterneuburg, Hs. 26/5: Syllabus canonicorum secularium et regularium, S. 89 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren in Thüringen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stift Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Pfarrverweser]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Propst]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Bernhard_I._Enoch_von_Waitz&amp;diff=10721</id>
		<title>Bernhard I. Enoch von Waitz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Bernhard_I._Enoch_von_Waitz&amp;diff=10721"/>
		<updated>2023-06-09T12:21:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Person&lt;br /&gt;
|Name=Bernhard Enoch von Waitz&lt;br /&gt;
|Geschlecht=männlich&lt;br /&gt;
|Geburtsort=Salzungen (Thüringen)&lt;br /&gt;
|Einkleidung=1620-06-03&lt;br /&gt;
|Profess=1622-08-28&lt;br /&gt;
|Primiz=1622-02-01&lt;br /&gt;
|Sterbedatum=1643-04-07&lt;br /&gt;
|Institution=Stift Klosterneuburg&lt;br /&gt;
|Funktion=Propst&lt;br /&gt;
|Quelle=Karl Holubar (Hg.), Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg. Geschichtliche und statistische Daten. Klosterneuburg &amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;2014, S. 284.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Bernhard I. Enoch von Waitz, * 1590 in Salzungen (Thüringen), † 7. April 1643, war Chorherr und von 1630 bis 1643 der 43. Propst des [[Stift Klosterneuburg|Stiftes Klosterneuburg]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
Von Waitz wurde 1621 im Stift Klosterneuburg eingekleidet, legte am 28. August 1622 die Profess ab und war 1622-1630 Pfarrverweser in [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]] in Klosterneuburg. Am 16. Jänner 1630 wurde Bernhard zum Propst gewählt und am 27. Jänner 1630 infuliert. Propst Bernhard I. starb am 7. April 1643 und wurde am 11. April 1643 in der Stiftskirche vor dem St. Leopoldsaltar bestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ #invoke: Funktionsleiste | Execute&lt;br /&gt;
|VORGÄNGER1=[[Andreas Mosmiller]]&lt;br /&gt;
|FUNKTION1=[[Liste der Pröpste des Stiftes Klosterneuburg|Propst des Stiftes Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
|ZEITRAUM1=1630–1643&lt;br /&gt;
|NACHFOLGER1=[[Rudolf II. Tobias von Millner]] &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
* Stiftsarchiv Klosterneuburg, Hs. 26/5: Syllabus canonicorum secularium et regularium, S. 89 f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren in Thüringen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stift Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Pfarrverweser]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Propst]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Lukas_I._Fridensteiner_von_Maur&amp;diff=10713</id>
		<title>Lukas I. Fridensteiner von Maur</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Lukas_I._Fridensteiner_von_Maur&amp;diff=10713"/>
		<updated>2022-12-16T07:43:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Person&lt;br /&gt;
|Name=Lukas I. Fridensteiner von Maur&lt;br /&gt;
|Geschlecht=männlich&lt;br /&gt;
|Institution=Stift St. Florian&lt;br /&gt;
|Funktion=Propst&lt;br /&gt;
|Quelle=Karl Rehberger u. Christiane Wunschheim (Hg.): Series Praelatorum (1740), HS 79a Stiftsarchiv St. Florian. Linz 2010, S. 118-120.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Lukas I. Fridensteiner von Maur, † 1459, war von 1436 bis 1459 der 27. Propst des [[Stift St. Florian|Stiftes St. Florian]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
Nachdem Lukas Fridensteiner von Maur nach der Regel des Heiligen Augustinus feierlich die Gelübde abgelegt und die priesterliche Würde erlangt hatte, übernahm er verschiedene Aufgaben innerhalb und außerhalb des Klosters St. Florian. 1436 wurde er durch allgemeine Zustimmung der Kapitularen zur Würde eines Prälaten erhoben und auch im selben Jahr vom Passauer Bischof Leonhard von Laiming in diesem Amt bestätigt. Zu Ehren des heiligen Erzengels Michael errichtete er einen Altar in der Kirche, welche er besonders ausschmücken ließ. Deshalb erhielt er als Erster für sich und seine Nachfolger von Papst Pius II. im Jahr 1458 das Recht der Pontifikalien, im Besonderen der Infel. Lukas starb 1459.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ #invoke: Funktionsleiste | Execute&lt;br /&gt;
|VORGÄNGER1=[[Kaspar I. Seisenecker]]&lt;br /&gt;
|FUNKTION1=[[Liste der Pröpste des Stiftes St. Florian|Propst des Stiftes St. Florian]]&lt;br /&gt;
|ZEITRAUM1=1436–1459&lt;br /&gt;
|NACHFOLGER1=[[Johannes II. Stieger]]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stift St. Florian]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Propst]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Richard_Adolf_Goweditsch&amp;diff=10712</id>
		<title>Richard Adolf Goweditsch</title>
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		<updated>2022-12-09T09:40:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Person&lt;br /&gt;
|Name=Richard Adolf Goweditsch&lt;br /&gt;
|Geschlecht=männlich&lt;br /&gt;
|Geburtsdatum=1897-06-15&lt;br /&gt;
|Geburtsort=Oberburg (Slowenien)&lt;br /&gt;
|Einkleidung=1918-12-04&lt;br /&gt;
|Profess=1922-06-05&lt;br /&gt;
|Primiz=1922-07-02&lt;br /&gt;
|Sterbedatum=1977-09-20&lt;br /&gt;
|Institution=Stift Vorau&lt;br /&gt;
|Funktion=Chorherr&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1900. In: 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988. Vorau 1988 (In Unum Congregati 3-4), S. 55.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferdinand Hutz: Stift Vorau im 20. Jahrhundert. Stift Vorau 2004, S. 229.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Richard Adolf Goweditsch, * 15. Juni 1897 in Oberburg (Slowenien), † 20. September 1977, war Chorherr des [[Stift Vorau|Stiftes Vorau]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
Goweditsch wurde am 4. Dezember 1918 im Stift Vorau eingekleidet, legte am 5. Juni 1922 die Profess ab und wurde am 2. Juli 1922 zum Priester geweiht. Goweditsch war Pfarrer von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob im Walde]]. Er starb am 20. September 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
* [https://st-jakob-walde.graz-seckau.at/pfarre/6435/gruppenarbeitskreise/kirchenchor Kirchenchor der Pfarre St. Jakob im Walde] – mit Aufnahmen von Pfarrer Goweditsch aus dem Jahr 1941 (Stand: 09.12.2022)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren in Slowenien]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stift Vorau]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Richard_Adolf_Goweditsch&amp;diff=10711</id>
		<title>Richard Adolf Goweditsch</title>
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		<updated>2022-12-09T09:40:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Person&lt;br /&gt;
|Name=Richard Adolf Goweditsch&lt;br /&gt;
|Geschlecht=männlich&lt;br /&gt;
|Geburtsdatum=1897-06-15&lt;br /&gt;
|Geburtsort=Oberburg (Slowenien)&lt;br /&gt;
|Einkleidung=1918-12-04&lt;br /&gt;
|Profess=1922-06-05&lt;br /&gt;
|Primiz=1922-07-02&lt;br /&gt;
|Sterbedatum=1977-09-20&lt;br /&gt;
|Institution=Stift Vorau&lt;br /&gt;
|Funktion=Chorherr&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1900. In: 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988. Vorau 1988 (In Unum Congregati 3-4), S. 55.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferdinand Hutz: Stift Vorau im 20. Jahrhundert. Stift Vorau 2004, S. 229.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Richard Adolf Goweditsch, * 15. Juni 1897 in Oberburg (Slowenien), † 20. September 1977, war Chorherr des [[Stift Vorau|Stiftes Vorau]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
Goweditsch wurde am 4. Dezember 1918 im Stift Vorau eingekleidet, legte am 5. Juni 1922 die Profess ab und wurde am 2. Juli 1922 zum Priester geweiht. Goweditsch war Pfarrer von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob im Walde]]. Er starb am 20. September 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goweditsch wurde am 4. Dezember 1918 im Stift Vorau eingekleidet, legte am 5. Juni 1922 die Profess ab und wurde am 2. Juli 1922 zum Priester geweiht. Goweditsch war Pfarrer von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob im Walde]]. Er starb am 20. September 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
* [https://st-jakob-walde.graz-seckau.at/pfarre/6435/gruppenarbeitskreise/kirchenchor Kirchenchor der Pfarre St. Jakob im Walde – mit Aufnahmen von Pfarrer Goweditsch aus dem Jahr 1941 (Stand: 09.12.2022)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren in Slowenien]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stift Vorau]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
	</entry>
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		<title>Richard Adolf Goweditsch</title>
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		<updated>2022-12-09T08:27:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Person&lt;br /&gt;
|Name=Richard Adolf Goweditsch&lt;br /&gt;
|Geschlecht=männlich&lt;br /&gt;
|Geburtsdatum=1897-06-15&lt;br /&gt;
|Geburtsort=Oberburg (Slowenien)&lt;br /&gt;
|Einkleidung=1918-12-04&lt;br /&gt;
|Profess=1922-06-05&lt;br /&gt;
|Primiz=1922-07-02&lt;br /&gt;
|Sterbedatum=1977-09-20&lt;br /&gt;
|Institution=Stift Vorau&lt;br /&gt;
|Funktion=Chorherr&lt;br /&gt;
|Quelle=Ferdinand Hutz: Nekrolog der Vorauer Chorherren seit 1900. In: 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988. Vorau 1988 (In Unum Congregati 3-4), S. 55.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferdinand Hutz: Stift Vorau im 20. Jahrhundert. Stift Vorau 2004, S. 229.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Richard Adolf Goweditsch, * 15. Juni 1897 in Oberburg (Slowenien), † 20. September 1977, war Chorherr des [[Stift Vorau|Stiftes Vorau]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
Goweditsch wurde am 4. Dezember 1918 im Stift Vorau eingekleidet, legte am 5. Juni 1922 die Profess ab und wurde am 2. Juli 1922 zum Priester geweiht. Goweditsch war Pfarrer von [[Liste der Pfarren des Stiftes Vorau #St. Jakob im Walde|St. Jakob im Walde]]. Er starb am 20. September 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren in Slowenien]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stift Vorau]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pr%C3%B6pste_des_Stiftes_Klosterneuburg&amp;diff=10709</id>
		<title>Liste der Pröpste des Stiftes Klosterneuburg</title>
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		<updated>2022-11-25T09:29:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
Folgende Personen waren Vorsteher des [[Stift Klosterneuburg|Stiftes Klosterneuburg]]:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Name !! von !! bis&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Otto I.]]&lt;br /&gt;
|1114&lt;br /&gt;
|1126&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Otto II.]]&lt;br /&gt;
|1126&lt;br /&gt;
|1132&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Opold]]&lt;br /&gt;
|1132&lt;br /&gt;
|1133&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Hartmann|Hartmann I.]] aus Polling&lt;br /&gt;
|1133&lt;br /&gt;
|1140&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Marquard I.]] aus Polling&lt;br /&gt;
|1140&lt;br /&gt;
|1167&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Rudiger I.]] aus Polling&lt;br /&gt;
|1167&lt;br /&gt;
|1168&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Wernher]]&lt;br /&gt;
|1168&lt;br /&gt;
|1185&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Gottschalk]]&lt;br /&gt;
|1185&lt;br /&gt;
|1192&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Wernher]]&lt;br /&gt;
|1192&lt;br /&gt;
|1194&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Otto III.]]&lt;br /&gt;
|1194&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Rudolf I.]]&lt;br /&gt;
|1194&lt;br /&gt;
|1195&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Dietrich Purger]]&lt;br /&gt;
|1195&lt;br /&gt;
|1216&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Wisinto]]&lt;br /&gt;
|1216&lt;br /&gt;
|1219&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Walther]]&lt;br /&gt;
|1220&lt;br /&gt;
|1224&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Marquard II.]]&lt;br /&gt;
|1224&lt;br /&gt;
|1226&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Konrad Colstan|Konrad Goltstein]] aus Wien&lt;br /&gt;
|1226&lt;br /&gt;
|1257&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Nikolaus I.]]&lt;br /&gt;
|1257&lt;br /&gt;
|1279&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Pabo]]&lt;br /&gt;
|1279&lt;br /&gt;
|1291&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Pabo]]&lt;br /&gt;
|1293&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Hadmar Asinus|Hadmar der Esel von Gaaden]]&lt;br /&gt;
|1293&lt;br /&gt;
|1301&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Rudiger II.]]&lt;br /&gt;
|1301&lt;br /&gt;
|1306&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Berthold I.]]&lt;br /&gt;
|1306&lt;br /&gt;
|1317&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Stephan von Sierndorf]]&lt;br /&gt;
|1317&lt;br /&gt;
|1335&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Nikolaus II. Neidhart]]&lt;br /&gt;
|1335&lt;br /&gt;
|1336&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Rudwein von Knappen]] aus Haselbach&lt;br /&gt;
|1336&lt;br /&gt;
|1349&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Ortolf von Wolkersdorf]]&lt;br /&gt;
|1349&lt;br /&gt;
|1371&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Koloman von Laa]]&lt;br /&gt;
|1371&lt;br /&gt;
|1394&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Petrus I. Lenhofer]]&lt;br /&gt;
|1394&lt;br /&gt;
|1399&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Bartholomäus von Bierbaum|Bartholomäus von Pierbaum]]&lt;br /&gt;
|1399&lt;br /&gt;
|1409&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Albert Stöck|Albert Steckh]]&lt;br /&gt;
|1409&lt;br /&gt;
|1418&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Georg I. Muestinger]] aus Petronell&lt;br /&gt;
|1418&lt;br /&gt;
|1442&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Simon I. vom Thurm]] aus Klosterneuburg&lt;br /&gt;
|1442&lt;br /&gt;
|1451&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Simon II. Heindl]]&lt;br /&gt;
|1451&lt;br /&gt;
|1465&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Johannes Hechtel|Johannes Hecht]]&lt;br /&gt;
|1465&lt;br /&gt;
|1485&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Jakob I. Paperl]]&lt;br /&gt;
|1485&lt;br /&gt;
|1509&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Georg II. Hausmanstetter]]&lt;br /&gt;
|1509&lt;br /&gt;
|1541&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Wolfgang Hayden]] aus Klosterneuburg&lt;br /&gt;
|1541&lt;br /&gt;
|1551&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Christoph I. Stärl|Christoph I. Starl]] aus Klosterneuburg&lt;br /&gt;
|1551&lt;br /&gt;
|1558&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Petrus II. Hübner|Peter II. Hübner]]&lt;br /&gt;
|1558&lt;br /&gt;
|1563&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Leopold Hintermayr]] aus Hochwang&lt;br /&gt;
|1563&lt;br /&gt;
|1577&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Kaspar Christiani|Kaspar Christian]] aus Ardensee&lt;br /&gt;
|1578&lt;br /&gt;
|1584&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Balthasar Polzman]] aus Wien&lt;br /&gt;
|1584&lt;br /&gt;
|1596&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Thomas Rueff]] aus Wien&lt;br /&gt;
|1600&lt;br /&gt;
|1612&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Andreas Mosmiller]] aus Landsberg&lt;br /&gt;
|1616&lt;br /&gt;
|1629&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Bernhard Enoch von Waitz|Bernhard I. Enoch Waitz]] aus Salzugen&lt;br /&gt;
|1630&lt;br /&gt;
|1643&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Rudolf II. Tobias von Millner|Rudolf II. Tobias Miller]] aus Kestenholz&lt;br /&gt;
|1643&lt;br /&gt;
|1648&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Bernhard II. Schmeddingh]] aus Münster&lt;br /&gt;
|1648&lt;br /&gt;
|1675&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Adam I. Scharrer]] aus Krems&lt;br /&gt;
|1675&lt;br /&gt;
|1681&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Sebastian Mayr]] aus Eberswang&lt;br /&gt;
|1681&lt;br /&gt;
|1686&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Christoph II. Mathaei|Christoph II. Matthäi]] aus Neustadt&lt;br /&gt;
|1686&lt;br /&gt;
|1706&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Jakob II. Johannes Cini]] aus Bruck a. d. Leitha&lt;br /&gt;
|1706&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Ernest Johannes Perger]] aus Horn&lt;br /&gt;
|1707&lt;br /&gt;
|1748&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Berthold II. Johannes Paulus Staudinger|Berthold II. Johannes Paul Staudinger]] aus Waidhofen a. d. Ybbs&lt;br /&gt;
|1749&lt;br /&gt;
|1766&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Gottfried Johannes von Roleman|Gottfried Johannes von Rolemann]] aus Wien&lt;br /&gt;
|1766&lt;br /&gt;
|1772&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Ambros Ignaz Lorenz]] aus Wien&lt;br /&gt;
|1772&lt;br /&gt;
|1781&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Johannes Leeb]] aus Nikolsburg&lt;br /&gt;
|1782&lt;br /&gt;
|1799&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Gaudenz Andreas Dunkler]] aus Piesling&lt;br /&gt;
|1800&lt;br /&gt;
|1829&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Jakob III. Ruttenstock]] aus Wien&lt;br /&gt;
|1830&lt;br /&gt;
|1844&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Wilhelm Ludwig Sedlaczek]] aus Großseelowitz&lt;br /&gt;
|1844&lt;br /&gt;
|1853&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Adam II. Schreck]] aus Wien&lt;br /&gt;
|1853&lt;br /&gt;
|1871&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Berthold III. Ignaz Fröschl]] aus Weinsteig&lt;br /&gt;
|1871&lt;br /&gt;
|1882&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Ubald Ewald Kostersitz]] aus Littau&lt;br /&gt;
|1882&lt;br /&gt;
|1902&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Bernhard III. Johannes Peitl]] aus Wollmannsberg&lt;br /&gt;
|1903&lt;br /&gt;
|1906&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Friedrich Gustav Piffl]] aus Landskron&lt;br /&gt;
|1907&lt;br /&gt;
|1913&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Josef Eduard Kluger|Joseph Eduard Kluger]] aus Reitendorf&lt;br /&gt;
|1913&lt;br /&gt;
|1937&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Alipius Josef Linda|Alipius Joseph Linda]] aus Wien&lt;br /&gt;
|1937&lt;br /&gt;
|1953&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Gebhard Ferdinand Koberger]] aus Wien&lt;br /&gt;
|1953&lt;br /&gt;
|1995&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Bernhard IV. Hermann Backovsky]] aus Wien&lt;br /&gt;
|1995&lt;br /&gt;
|2020&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Josef Clemens]] (Apostolischer Delegat)&lt;br /&gt;
|2020&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Maximilian Fürsinn]] (Administrator)&lt;br /&gt;
|2021&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Roland Kubanda: Herkunft, Stand und Kirchenpolitik der Pröpste von Klosterneuburg zur Zeit der Babenberger. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 17 (1999), S. 221–278.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg bis zum Ende des 14. Jahrhunderts. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 1 (1961), S. 11–68.&lt;br /&gt;
* Alfred Grenser: Die Wappen der infulirten Pröpste von Klosterneuburg in Niederösterreich. In: Jahrbuch der heraldischen Gesellschaft Adler in Wien 1 (1874), S. 69–78.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pr%C3%B6pste_des_Stiftes_Klosterneuburg&amp;diff=10708</id>
		<title>Liste der Pröpste des Stiftes Klosterneuburg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pr%C3%B6pste_des_Stiftes_Klosterneuburg&amp;diff=10708"/>
		<updated>2022-11-25T09:29:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
Folgende Personen waren Vorsteher des [[Stift Klosterneuburg|Stiftes Klosterneuburg]]:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Name !! von !! bis&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Otto I.]]&lt;br /&gt;
|1114&lt;br /&gt;
|1126&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Otto II.]]&lt;br /&gt;
|1126&lt;br /&gt;
|1132&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Opold]]&lt;br /&gt;
|1132&lt;br /&gt;
|1133&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Hartmann|Hartmann I.]] aus Polling&lt;br /&gt;
|1133&lt;br /&gt;
|1140&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Marquard I.]] aus Polling&lt;br /&gt;
|1140&lt;br /&gt;
|1167&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Rudiger I.]] aus Polling&lt;br /&gt;
|1167&lt;br /&gt;
|1168&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Wernher]]&lt;br /&gt;
|1168&lt;br /&gt;
|1185&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Gottschalk]]&lt;br /&gt;
|1185&lt;br /&gt;
|1192&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Wernher]]&lt;br /&gt;
|1192&lt;br /&gt;
|1194&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Otto III.]]&lt;br /&gt;
|1194&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Rudolf I.]]&lt;br /&gt;
|1194&lt;br /&gt;
|1195&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Dietrich Purger]]&lt;br /&gt;
|1195&lt;br /&gt;
|1216&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Wisinto]]&lt;br /&gt;
|1216&lt;br /&gt;
|1219&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Walther]]&lt;br /&gt;
|1220&lt;br /&gt;
|1224&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Marquard II.]]&lt;br /&gt;
|1224&lt;br /&gt;
|1226&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Konrad Colstan|Konrad Goltstein]] aus Wien&lt;br /&gt;
|1226&lt;br /&gt;
|1257&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Nikolaus I.]]&lt;br /&gt;
|1257&lt;br /&gt;
|1279&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Pabo]]&lt;br /&gt;
|1279&lt;br /&gt;
|1291&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Pabo]]&lt;br /&gt;
|1293&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Hadmar Asinus|Hadmar der Esel von Gaaden]]&lt;br /&gt;
|1293&lt;br /&gt;
|1301&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Rudiger II.]]&lt;br /&gt;
|1301&lt;br /&gt;
|1306&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Berthold I.]]&lt;br /&gt;
|1306&lt;br /&gt;
|1317&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Stephan von Sierndorf]]&lt;br /&gt;
|1317&lt;br /&gt;
|1335&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Nikolaus II. Neidhart]]&lt;br /&gt;
|1335&lt;br /&gt;
|1336&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Rudwein von Knappen]] aus Haselbach&lt;br /&gt;
|1336&lt;br /&gt;
|1349&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Ortolf von Wolkersdorf]]&lt;br /&gt;
|1349&lt;br /&gt;
|1371&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Koloman von Laa]]&lt;br /&gt;
|1371&lt;br /&gt;
|1394&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Petrus I. Lenhofer]]&lt;br /&gt;
|1394&lt;br /&gt;
|1399&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Bartholomäus von Bierbaum|Bartholomäus von Pierbaum]]&lt;br /&gt;
|1399&lt;br /&gt;
|1409&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Albert Stöck|Albert Steckh]]&lt;br /&gt;
|1409&lt;br /&gt;
|1418&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Georg I. Muestinger]] aus Petronell&lt;br /&gt;
|1418&lt;br /&gt;
|1442&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Simon I. vom Thurm]] aus Klosterneuburg&lt;br /&gt;
|1442&lt;br /&gt;
|1451&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Simon II. Heindl]]&lt;br /&gt;
|1451&lt;br /&gt;
|1465&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Johannes Hechtel|Johannes Hecht]]&lt;br /&gt;
|1465&lt;br /&gt;
|1485&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Jakob I. Paperl]]&lt;br /&gt;
|1485&lt;br /&gt;
|1509&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Georg II. Hausmanstetter]]&lt;br /&gt;
|1509&lt;br /&gt;
|1541&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Wolfgang Hayden]] aus Klosterneuburg&lt;br /&gt;
|1541&lt;br /&gt;
|1551&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Christoph I. Stärl|Christoph I. Starl]] aus Klosterneuburg&lt;br /&gt;
|1551&lt;br /&gt;
|1558&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Petrus II. Hübner|Peter II. Hübner]]&lt;br /&gt;
|1558&lt;br /&gt;
|1563&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Leopold Hintermayr]] aus Hochwang&lt;br /&gt;
|1563&lt;br /&gt;
|1577&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Kaspar Christiani|Kaspar Christian]] aus Ardensee&lt;br /&gt;
|1578&lt;br /&gt;
|1584&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Balthasar Polzman]] aus Wien&lt;br /&gt;
|1584&lt;br /&gt;
|1596&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Thomas Rueff]] aus Wien&lt;br /&gt;
|1600&lt;br /&gt;
|1612&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Andreas Mosmiller]] aus Landsberg&lt;br /&gt;
|1616&lt;br /&gt;
|1629&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Bernhard Enoch von Waitz|Bernhard I. Enoch Waitz]] aus Salzugen&lt;br /&gt;
|1630&lt;br /&gt;
|1643&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Rudolf II. Tobias von Millner|Rudolf II. Tobias Miller]] aus Kestenholz&lt;br /&gt;
|1643&lt;br /&gt;
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|-&lt;br /&gt;
|[[Bernhard II. Schmeddingh]] aus Münster&lt;br /&gt;
|1648&lt;br /&gt;
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|-&lt;br /&gt;
|[[Adam I. Scharrer]] aus Krems&lt;br /&gt;
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|-&lt;br /&gt;
|[[Sebastian Mayr]] aus Eberswang&lt;br /&gt;
|1681&lt;br /&gt;
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|[[Christoph II. Mathaei|Christoph II. Matthäi]] aus Neustadt&lt;br /&gt;
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|-&lt;br /&gt;
|[[Jakob II. Johannes Cini]] aus Bruck a. d. Leitha&lt;br /&gt;
|1706&lt;br /&gt;
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|-&lt;br /&gt;
|[[Ernest Johannes Perger]] aus Horn&lt;br /&gt;
|1707&lt;br /&gt;
|1748&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Berthold II. Johannes Paulus Staudinger|Berthold II. Johannes Paul Staudinger]] aus Waidhofen a. d. Ybbs&lt;br /&gt;
|1749&lt;br /&gt;
|1766&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Gottfried Johannes von Roleman|Gottfried Johannes von Rolemann]] aus Wien&lt;br /&gt;
|1766&lt;br /&gt;
|1772&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Ambros Ignaz Lorenz]] aus Wien&lt;br /&gt;
|1772&lt;br /&gt;
|1781&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Johannes Leeb]] aus Nikolsburg&lt;br /&gt;
|1782&lt;br /&gt;
|1799&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Gaudenz Andreas Dunkler]] aus Piesling&lt;br /&gt;
|1800&lt;br /&gt;
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|[[Jakob III. Ruttenstock]] aus Wien&lt;br /&gt;
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|[[Wilhelm Ludwig Sedlaczek]] aus Großseelowitz&lt;br /&gt;
|1844&lt;br /&gt;
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|1853&lt;br /&gt;
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|1871&lt;br /&gt;
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|-&lt;br /&gt;
|[[Ubald Ewald Kostersitz]] aus Littau&lt;br /&gt;
|1882&lt;br /&gt;
|1902&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Bernhard III. Johannes Peitl]] aus Wollmannsberg&lt;br /&gt;
|1903&lt;br /&gt;
|1906&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Friedrich Gustav Piffl]] aus Landskron&lt;br /&gt;
|1907&lt;br /&gt;
|1913&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Josef Eduard Kluger|Joseph Eduard Kluger]] aus Reitendorf&lt;br /&gt;
|1913&lt;br /&gt;
|1937&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Alipius Josef Linda|Alipius Joseph Linda]] aus Wien&lt;br /&gt;
|1937&lt;br /&gt;
|1953&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Gebhard Ferdinand Koberger]] aus Wien&lt;br /&gt;
|1953&lt;br /&gt;
|1995&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Bernhard IV. Hermann Backovsky]] aus Wien&lt;br /&gt;
|1995&lt;br /&gt;
|2020&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Josef Clemens]] (Apostolischer Delegat)&lt;br /&gt;
|2020&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Maximilian Fürsinn]] (Administrator)&lt;br /&gt;
|2021&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Roland Kubanda: Herkunft, Stand und Kirchenpolitik der Pröpste von Klosterneuburg zur Zeit der Babenberger. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 17 (1999), S. 221–278.&lt;br /&gt;
* Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg bis zum Ende des 14. Jahrhunderts. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 1 (1961), S. 11–68.&lt;br /&gt;
* Alfred Grenser: Die Wappen der infulirten Pröpste von Klosterneuburg in Niederösterreich. In: Jahrbuch der heraldischen Gesellschaft Adler in Wien 1 (1874), S. 69–78.&lt;br /&gt;
Rill, Gerhard. (1961)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Simon_II._Heindl&amp;diff=10706</id>
		<title>Simon II. Heindl</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Simon_II._Heindl&amp;diff=10706"/>
		<updated>2022-11-11T08:46:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Person&lt;br /&gt;
|Name=Simon Heindl&lt;br /&gt;
|Geschlecht=männlich&lt;br /&gt;
|Sterbedatum=1475-04-16&lt;br /&gt;
|Institution=Stift Klosterneuburg&lt;br /&gt;
|Funktion=Propst&lt;br /&gt;
|GND=http://d-nb.info/gnd/143906100&lt;br /&gt;
|Quelle=Karl Holubar (Hg.): Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg. Geschichtliche und statistische Daten. Klosterneuburg &amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;2014, S. 280.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Simon II. Heindl (Haundl, Hawndel), † 16. April 1475, war Doktor des kanonischen Rechtes, Chorherr und von 1451 bis 1465 der 31. Propst des [[Stift Klosterneuburg|Stiftes Klosterneuburg]].  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
Heindl wurde 1436 zum Priester geweiht. Er war von 1448 bis 1451 Pfarrverweser in [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Heiligenstadt|Heiligenstadt]] und wurde am 28. Juli 1451 zum Propst gewählt. Heindl resignierte 1465 und starb am 16. April 1475. Er wurde in der St. Nikolauskapelle bestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ #invoke: Funktionsleiste | Execute&lt;br /&gt;
|VORGÄNGER1=[[Simon I. vom Thurm]]&lt;br /&gt;
|FUNKTION1=[[Liste der Pröpste des Stiftes Klosterneuburg|Propst des Stiftes Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
|ZEITRAUM1=1451–1465&lt;br /&gt;
|NACHFOLGER1=[[Johannes Hechtel]] &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stift Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Propst]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Pfarrverweser]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Pfarrer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Doktor (Kanonisches Recht)]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Reichersberg&amp;diff=10704</id>
		<title>Stift Reichersberg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Reichersberg&amp;diff=10704"/>
		<updated>2022-11-04T10:56:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Soziale Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.33765, 13.36098&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132–1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurk in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde. Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286–1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346–1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368–1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415–1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst: ''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558–1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578). Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588–1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten. Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten. Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. [[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört. Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben. Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [[Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915–1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935–1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre. Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963–1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386–1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415–1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister [[Roman Foissner]], zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet. Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung. An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386–1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;. Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt. Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728. 1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132–1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare – es waren nur mehr 13 – zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben. Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204). Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts. Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert. Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter 27 (1973), S. 81–88.&lt;br /&gt;
* Franz Berger / Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 98–113.&lt;br /&gt;
* Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern Band 109 (1983), S. 33–55.&lt;br /&gt;
* Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315–377.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung. Teil 1. Dipl.-Arb. Univ. München. München 1979.&lt;br /&gt;
* Helga Litschel (Bearb.): 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Linz 1983.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn, S. 23–42.&lt;br /&gt;
** Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495), S. 84–105.&lt;br /&gt;
** Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg, S. 295–216.&lt;br /&gt;
** Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg, S. 250–296.&lt;br /&gt;
* Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
* Marktgemeindeamt Reichersberg (Hg.): Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
* Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg vom Antritte der Regierung des Propstes Ambros Kreuzmayr bis zum Tode des Propstes Petrus Schmid 1770–1882. Eine Festgabe zur Priester-Jubelfeier des Propstes [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]]. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PP5#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich infolge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Eine geschichtliche Reminiscenz zur hundertjährigen Jubelfeier, seinen Landsleuten gewidmet. Linz 1879. [https://books.google.at/books?id=cgWcGmqfyIkC&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PA1#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462–1469, Registrum procurationis rei domesticae pro familia Reichersperg. In: Archiv für österreichische Geschichte 61 (1880), S. 33–88.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882), S. 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. Leiden / Köln 1959 (Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters, 4). [https://archive.org/details/kircheundheilsge0000meut_c7n0/page/n7/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Univ. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Univ. Fordham. New York 1972.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31/3-4 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
** Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg, S. 93–99.&lt;br /&gt;
** Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
* Otto Wutzel (Hg.): Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633-1848. Vom Barock zum Klassizismus. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich. Reichersberg am Inn 1974.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779. Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis. Linz 1979, S. 141–151.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Soziale Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.33765, 13.36098&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132–1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurk in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde. Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286–1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346–1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368–1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415–1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst: ''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558–1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578). Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588–1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten. Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten. Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. [[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört. Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben. Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [[Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915–1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935–1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre. Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963–1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386–1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415–1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister [[Roman Foissner]], zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet. Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung. An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386–1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;. Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt. Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728. 1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132–1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben. Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204). Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts. Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert. Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter 27 (1973), S. 81–88.&lt;br /&gt;
* Franz Berger / Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 98–113.&lt;br /&gt;
* Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern Band 109 (1983), S. 33–55.&lt;br /&gt;
* Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315–377.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung. Teil 1. Dipl.-Arb. Univ. München. München 1979.&lt;br /&gt;
* Helga Litschel (Bearb.): 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Linz 1983.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn, S. 23–42.&lt;br /&gt;
** Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495), S. 84–105.&lt;br /&gt;
** Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg, S. 295–216.&lt;br /&gt;
** Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg, S. 250–296.&lt;br /&gt;
* Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
* Marktgemeindeamt Reichersberg (Hg.): Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
* Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg vom Antritte der Regierung des Propstes Ambros Kreuzmayr bis zum Tode des Propstes Petrus Schmid 1770–1882. Eine Festgabe zur Priester-Jubelfeier des Propstes [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]]. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PP5#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich infolge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Eine geschichtliche Reminiscenz zur hundertjährigen Jubelfeier, seinen Landsleuten gewidmet. Linz 1879. [https://books.google.at/books?id=cgWcGmqfyIkC&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PA1#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462–1469, Registrum procurationis rei domesticae pro familia Reichersperg. In: Archiv für österreichische Geschichte 61 (1880), S. 33–88.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882), S. 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. Leiden / Köln 1959 (Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters, 4). [https://archive.org/details/kircheundheilsge0000meut_c7n0/page/n7/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Univ. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Univ. Fordham. New York 1972.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31/3-4 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
** Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg, S. 93–99.&lt;br /&gt;
** Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
* Otto Wutzel (Hg.): Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633-1848. Vom Barock zum Klassizismus. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich. Reichersberg am Inn 1974.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779. Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis. Linz 1979, S. 141–151.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<updated>2022-11-04T09:39:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Das niederösterreichische Lehen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.33765, 13.36098&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132–1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurk in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde. Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286–1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346–1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368–1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415–1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst: ''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558–1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578). Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588–1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten. Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten. Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. [[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört. Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben. Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [[Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915–1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935–1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre. Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963–1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386–1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415–1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister [[Roman Foissner]], zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet. Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung. An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386–1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;. Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt. Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben. Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204). Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts. Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert. Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter 27 (1973), S. 81–88.&lt;br /&gt;
* Franz Berger / Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 98–113.&lt;br /&gt;
* Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern Band 109 (1983), S. 33–55.&lt;br /&gt;
* Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315–377.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung. Teil 1. Dipl.-Arb. Univ. München. München 1979.&lt;br /&gt;
* Helga Litschel (Bearb.): 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Linz 1983.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn, S. 23–42.&lt;br /&gt;
** Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495), S. 84–105.&lt;br /&gt;
** Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg, S. 295–216.&lt;br /&gt;
** Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg, S. 250–296.&lt;br /&gt;
* Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
* Marktgemeindeamt Reichersberg (Hg.): Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
* Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg vom Antritte der Regierung des Propstes Ambros Kreuzmayr bis zum Tode des Propstes Petrus Schmid 1770–1882. Eine Festgabe zur Priester-Jubelfeier des Propstes [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]]. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PP5#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich infolge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Eine geschichtliche Reminiscenz zur hundertjährigen Jubelfeier, seinen Landsleuten gewidmet. Linz 1879. [https://books.google.at/books?id=cgWcGmqfyIkC&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PA1#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462–1469, Registrum procurationis rei domesticae pro familia Reichersperg. In: Archiv für österreichische Geschichte 61 (1880), S. 33–88.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882), S. 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. Leiden / Köln 1959 (Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters, 4). [https://archive.org/details/kircheundheilsge0000meut_c7n0/page/n7/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Univ. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Univ. Fordham. New York 1972.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31/3-4 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
** Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg, S. 93–99.&lt;br /&gt;
** Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
* Otto Wutzel (Hg.): Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633-1848. Vom Barock zum Klassizismus. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich. Reichersberg am Inn 1974.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779. Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis. Linz 1979, S. 141–151.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Wirtschaftliche Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.33765, 13.36098&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132–1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurk in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde. Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286–1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346–1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368–1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415–1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst: ''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558–1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578). Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588–1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten. Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten. Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. [[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört. Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben. Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [[Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915–1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935–1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre. Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963–1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386–1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415–1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister [[Roman Foissner]], zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet. Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung. An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;. Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt. Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben. Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204). Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts. Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert. Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter 27 (1973), S. 81–88.&lt;br /&gt;
* Franz Berger / Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 98–113.&lt;br /&gt;
* Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern Band 109 (1983), S. 33–55.&lt;br /&gt;
* Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315–377.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung. Teil 1. Dipl.-Arb. Univ. München. München 1979.&lt;br /&gt;
* Helga Litschel (Bearb.): 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Linz 1983.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn, S. 23–42.&lt;br /&gt;
** Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495), S. 84–105.&lt;br /&gt;
** Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg, S. 295–216.&lt;br /&gt;
** Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg, S. 250–296.&lt;br /&gt;
* Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
* Marktgemeindeamt Reichersberg (Hg.): Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
* Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg vom Antritte der Regierung des Propstes Ambros Kreuzmayr bis zum Tode des Propstes Petrus Schmid 1770–1882. Eine Festgabe zur Priester-Jubelfeier des Propstes [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]]. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PP5#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich infolge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Eine geschichtliche Reminiscenz zur hundertjährigen Jubelfeier, seinen Landsleuten gewidmet. Linz 1879. [https://books.google.at/books?id=cgWcGmqfyIkC&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PA1#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462–1469, Registrum procurationis rei domesticae pro familia Reichersperg. In: Archiv für österreichische Geschichte 61 (1880), S. 33–88.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882), S. 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. Leiden / Köln 1959 (Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters, 4). [https://archive.org/details/kircheundheilsge0000meut_c7n0/page/n7/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Univ. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Univ. Fordham. New York 1972.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31/3-4 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
** Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg, S. 93–99.&lt;br /&gt;
** Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
* Otto Wutzel (Hg.): Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633-1848. Vom Barock zum Klassizismus. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich. Reichersberg am Inn 1974.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779. Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis. Linz 1979, S. 141–151.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Das 20. Jahrhundert */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.33765, 13.36098&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132–1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurk in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde. Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286–1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346–1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368–1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415–1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst: ''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558–1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578). Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588–1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten. Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten. Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. [[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört. Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben. Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [[Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915–1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935–1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre. Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963–1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister [[Roman Foissner]], zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet. Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung. An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;. Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt. Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben. Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204). Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts. Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert. Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter 27 (1973), S. 81–88.&lt;br /&gt;
* Franz Berger / Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 98–113.&lt;br /&gt;
* Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern Band 109 (1983), S. 33–55.&lt;br /&gt;
* Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315–377.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung. Teil 1. Dipl.-Arb. Univ. München. München 1979.&lt;br /&gt;
* Helga Litschel (Bearb.): 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Linz 1983.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn, S. 23–42.&lt;br /&gt;
** Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495), S. 84–105.&lt;br /&gt;
** Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg, S. 295–216.&lt;br /&gt;
** Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg, S. 250–296.&lt;br /&gt;
* Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
* Marktgemeindeamt Reichersberg (Hg.): Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
* Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg vom Antritte der Regierung des Propstes Ambros Kreuzmayr bis zum Tode des Propstes Petrus Schmid 1770–1882. Eine Festgabe zur Priester-Jubelfeier des Propstes [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]]. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PP5#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich infolge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Eine geschichtliche Reminiscenz zur hundertjährigen Jubelfeier, seinen Landsleuten gewidmet. Linz 1879. [https://books.google.at/books?id=cgWcGmqfyIkC&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PA1#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462–1469, Registrum procurationis rei domesticae pro familia Reichersperg. In: Archiv für österreichische Geschichte 61 (1880), S. 33–88.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882), S. 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. Leiden / Köln 1959 (Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters, 4). [https://archive.org/details/kircheundheilsge0000meut_c7n0/page/n7/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Univ. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Univ. Fordham. New York 1972.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31/3-4 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
** Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg, S. 93–99.&lt;br /&gt;
** Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
* Otto Wutzel (Hg.): Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633-1848. Vom Barock zum Klassizismus. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich. Reichersberg am Inn 1974.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779. Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis. Linz 1979, S. 141–151.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<updated>2022-11-04T09:20:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Die Reformationszeit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.33765, 13.36098&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132–1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurk in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde. Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286–1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346–1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368–1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415–1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst: ''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558–1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578). Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588–1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten. Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten. Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. [[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört. Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben. Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [[Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister [[Roman Foissner]], zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet. Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung. An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;. Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt. Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben. Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204). Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts. Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert. Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter 27 (1973), S. 81–88.&lt;br /&gt;
* Franz Berger / Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 98–113.&lt;br /&gt;
* Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern Band 109 (1983), S. 33–55.&lt;br /&gt;
* Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315–377.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung. Teil 1. Dipl.-Arb. Univ. München. München 1979.&lt;br /&gt;
* Helga Litschel (Bearb.): 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Linz 1983.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn, S. 23–42.&lt;br /&gt;
** Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495), S. 84–105.&lt;br /&gt;
** Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg, S. 295–216.&lt;br /&gt;
** Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg, S. 250–296.&lt;br /&gt;
* Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
* Marktgemeindeamt Reichersberg (Hg.): Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
* Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg vom Antritte der Regierung des Propstes Ambros Kreuzmayr bis zum Tode des Propstes Petrus Schmid 1770–1882. Eine Festgabe zur Priester-Jubelfeier des Propstes [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]]. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PP5#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich infolge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Eine geschichtliche Reminiscenz zur hundertjährigen Jubelfeier, seinen Landsleuten gewidmet. Linz 1879. [https://books.google.at/books?id=cgWcGmqfyIkC&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PA1#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462–1469, Registrum procurationis rei domesticae pro familia Reichersperg. In: Archiv für österreichische Geschichte 61 (1880), S. 33–88.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882), S. 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. Leiden / Köln 1959 (Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters, 4). [https://archive.org/details/kircheundheilsge0000meut_c7n0/page/n7/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Univ. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Univ. Fordham. New York 1972.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31/3-4 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
** Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg, S. 93–99.&lt;br /&gt;
** Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
* Otto Wutzel (Hg.): Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633-1848. Vom Barock zum Klassizismus. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich. Reichersberg am Inn 1974.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779. Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis. Linz 1979, S. 141–151.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Zwischen Blüte und Reform */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.33765, 13.36098&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132–1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurk in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde. Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286–1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346–1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368–1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415–1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst: ''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten. Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. [[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört. Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben. Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [[Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister [[Roman Foissner]], zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet. Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung. An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;. Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt. Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben. Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204). Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts. Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert. Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter 27 (1973), S. 81–88.&lt;br /&gt;
* Franz Berger / Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 98–113.&lt;br /&gt;
* Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern Band 109 (1983), S. 33–55.&lt;br /&gt;
* Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315–377.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung. Teil 1. Dipl.-Arb. Univ. München. München 1979.&lt;br /&gt;
* Helga Litschel (Bearb.): 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Linz 1983.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn, S. 23–42.&lt;br /&gt;
** Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495), S. 84–105.&lt;br /&gt;
** Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg, S. 295–216.&lt;br /&gt;
** Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg, S. 250–296.&lt;br /&gt;
* Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
* Marktgemeindeamt Reichersberg (Hg.): Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
* Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg vom Antritte der Regierung des Propstes Ambros Kreuzmayr bis zum Tode des Propstes Petrus Schmid 1770–1882. Eine Festgabe zur Priester-Jubelfeier des Propstes [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]]. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PP5#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich infolge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Eine geschichtliche Reminiscenz zur hundertjährigen Jubelfeier, seinen Landsleuten gewidmet. Linz 1879. [https://books.google.at/books?id=cgWcGmqfyIkC&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PA1#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462–1469, Registrum procurationis rei domesticae pro familia Reichersperg. In: Archiv für österreichische Geschichte 61 (1880), S. 33–88.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882), S. 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. Leiden / Köln 1959 (Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters, 4). [https://archive.org/details/kircheundheilsge0000meut_c7n0/page/n7/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Univ. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Univ. Fordham. New York 1972.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31/3-4 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
** Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg, S. 93–99.&lt;br /&gt;
** Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
* Otto Wutzel (Hg.): Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633-1848. Vom Barock zum Klassizismus. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich. Reichersberg am Inn 1974.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779. Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis. Linz 1979, S. 141–151.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Zwischen Blüte und Reform */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
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|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132–1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurk in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde. Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286–1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346–1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415–1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten. Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. [[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört. Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben. Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [[Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister [[Roman Foissner]], zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet. Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung. An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;. Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt. Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben. Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204). Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts. Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert. Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter 27 (1973), S. 81–88.&lt;br /&gt;
* Franz Berger / Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 98–113.&lt;br /&gt;
* Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern Band 109 (1983), S. 33–55.&lt;br /&gt;
* Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315–377.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung. Teil 1. Dipl.-Arb. Univ. München. München 1979.&lt;br /&gt;
* Helga Litschel (Bearb.): 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Linz 1983.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn, S. 23–42.&lt;br /&gt;
** Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495), S. 84–105.&lt;br /&gt;
** Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg, S. 295–216.&lt;br /&gt;
** Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg, S. 250–296.&lt;br /&gt;
* Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
* Marktgemeindeamt Reichersberg (Hg.): Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
* Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg vom Antritte der Regierung des Propstes Ambros Kreuzmayr bis zum Tode des Propstes Petrus Schmid 1770–1882. Eine Festgabe zur Priester-Jubelfeier des Propstes [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]]. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PP5#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich infolge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Eine geschichtliche Reminiscenz zur hundertjährigen Jubelfeier, seinen Landsleuten gewidmet. Linz 1879. [https://books.google.at/books?id=cgWcGmqfyIkC&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PA1#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462–1469, Registrum procurationis rei domesticae pro familia Reichersperg. In: Archiv für österreichische Geschichte 61 (1880), S. 33–88.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882), S. 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. Leiden / Köln 1959 (Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters, 4). [https://archive.org/details/kircheundheilsge0000meut_c7n0/page/n7/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Univ. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Univ. Fordham. New York 1972.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31/3-4 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
** Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg, S. 93–99.&lt;br /&gt;
** Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
* Otto Wutzel (Hg.): Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633-1848. Vom Barock zum Klassizismus. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich. Reichersberg am Inn 1974.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779. Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis. Linz 1979, S. 141–151.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
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|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132–1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurk in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde. Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten. Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. [[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört. Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben. Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [[Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister [[Roman Foissner]], zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet. Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung. An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;. Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt. Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben. Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204). Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts. Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert. Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter 27 (1973), S. 81–88.&lt;br /&gt;
* Franz Berger / Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 98–113.&lt;br /&gt;
* Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern Band 109 (1983), S. 33–55.&lt;br /&gt;
* Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315–377.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung. Teil 1. Dipl.-Arb. Univ. München. München 1979.&lt;br /&gt;
* Helga Litschel (Bearb.): 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Linz 1983.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn, S. 23–42.&lt;br /&gt;
** Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495), S. 84–105.&lt;br /&gt;
** Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg, S. 295–216.&lt;br /&gt;
** Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg, S. 250–296.&lt;br /&gt;
* Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
* Marktgemeindeamt Reichersberg (Hg.): Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
* Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg vom Antritte der Regierung des Propstes Ambros Kreuzmayr bis zum Tode des Propstes Petrus Schmid 1770–1882. Eine Festgabe zur Priester-Jubelfeier des Propstes [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]]. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PP5#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich infolge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Eine geschichtliche Reminiscenz zur hundertjährigen Jubelfeier, seinen Landsleuten gewidmet. Linz 1879. [https://books.google.at/books?id=cgWcGmqfyIkC&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PA1#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462–1469, Registrum procurationis rei domesticae pro familia Reichersperg. In: Archiv für österreichische Geschichte 61 (1880), S. 33–88.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882), S. 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. Leiden / Köln 1959 (Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters, 4). [https://archive.org/details/kircheundheilsge0000meut_c7n0/page/n7/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Univ. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Univ. Fordham. New York 1972.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31/3-4 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
** Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg, S. 93–99.&lt;br /&gt;
** Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
* Otto Wutzel (Hg.): Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633-1848. Vom Barock zum Klassizismus. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich. Reichersberg am Inn 1974.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779. Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis. Linz 1979, S. 141–151.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.33765, 13.36098&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten. Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. [[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört. Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben. Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [[Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister [[Roman Foissner]], zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter 27 (1973), S. 81–88.&lt;br /&gt;
* Franz Berger / Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 98–113.&lt;br /&gt;
* Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern Band 109 (1983), S. 33–55.&lt;br /&gt;
* Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315–377.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung. Teil 1. Dipl.-Arb. Univ. München. München 1979.&lt;br /&gt;
* Helga Litschel (Bearb.): 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Linz 1983.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn, S. 23–42.&lt;br /&gt;
** Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495), S. 84–105.&lt;br /&gt;
** Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg, S. 295–216.&lt;br /&gt;
** Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg, S. 250–296.&lt;br /&gt;
* Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
* Marktgemeindeamt Reichersberg (Hg.): Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
* Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg vom Antritte der Regierung des Propstes Ambros Kreuzmayr bis zum Tode des Propstes Petrus Schmid 1770–1882. Eine Festgabe zur Priester-Jubelfeier des Propstes [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]]. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PP5#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich infolge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Eine geschichtliche Reminiscenz zur hundertjährigen Jubelfeier, seinen Landsleuten gewidmet. Linz 1879. [https://books.google.at/books?id=cgWcGmqfyIkC&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PA1#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462–1469, Registrum procurationis rei domesticae pro familia Reichersperg. In: Archiv für österreichische Geschichte 61 (1880), S. 33–88.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882), S. 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. Leiden / Köln 1959 (Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters, 4). [https://archive.org/details/kircheundheilsge0000meut_c7n0/page/n7/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Univ. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Univ. Fordham. New York 1972.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31/3-4 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
** Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg, S. 93–99.&lt;br /&gt;
** Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
* Otto Wutzel (Hg.): Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633-1848. Vom Barock zum Klassizismus. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich. Reichersberg am Inn 1974.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779. Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis. Linz 1979, S. 141–151.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
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|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister [[Roman Foissner]], zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter 27 (1973), S. 81–88.&lt;br /&gt;
* Franz Berger / Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 98–113.&lt;br /&gt;
* Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern Band 109 (1983), S. 33–55.&lt;br /&gt;
* Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315–377.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung. Teil 1. Dipl.-Arb. Univ. München. München 1979.&lt;br /&gt;
* Helga Litschel (Bearb.): 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Linz 1983.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn, S. 23–42.&lt;br /&gt;
** Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495), S. 84–105.&lt;br /&gt;
** Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg, S. 295–216.&lt;br /&gt;
** Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg, S. 250–296.&lt;br /&gt;
* Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
* Marktgemeindeamt Reichersberg (Hg.): Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
* Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg vom Antritte der Regierung des Propstes Ambros Kreuzmayr bis zum Tode des Propstes Petrus Schmid 1770–1882. Eine Festgabe zur Priester-Jubelfeier des Propstes [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]]. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PP5#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich infolge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Eine geschichtliche Reminiscenz zur hundertjährigen Jubelfeier, seinen Landsleuten gewidmet. Linz 1879. [https://books.google.at/books?id=cgWcGmqfyIkC&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PA1#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462–1469, Registrum procurationis rei domesticae pro familia Reichersperg. In: Archiv für österreichische Geschichte 61 (1880), S. 33–88.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882), S. 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. Leiden / Köln 1959 (Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters, 4). [https://archive.org/details/kircheundheilsge0000meut_c7n0/page/n7/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Univ. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Univ. Fordham. New York 1972.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31/3-4 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
** Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg, S. 93–99.&lt;br /&gt;
** Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
* Otto Wutzel (Hg.): Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633-1848. Vom Barock zum Klassizismus. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich. Reichersberg am Inn 1974.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779. Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis. Linz 1979, S. 141–151.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
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|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister [[Roman Foissner]], zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter 27 (1973), S. 81–88.&lt;br /&gt;
* Franz Berger / Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 99.&lt;br /&gt;
* Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern Band 109 (1983), S. 33f.&lt;br /&gt;
* Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315-377.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung. Teil 1. Dipl.-Arb. Univ. München. München 1979.&lt;br /&gt;
* Helga Litschel (Bearb.): 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Linz 1983.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn, S. 23–42.&lt;br /&gt;
** Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495), S. 84–105.&lt;br /&gt;
** Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg, S. 295–216.&lt;br /&gt;
* Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg, S. 250–296.&lt;br /&gt;
* Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
* Marktgemeindeamt Reichersberg (Hg.): Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
* Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg vom Antritte der Regierung des Propstes Ambros Kreuzmayr bis zum Tode des Propstes Petrus Schmid 1770–1882. Eine Festgabe zur Priester-Jubelfeier des Propstes [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]]. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PP5#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich infolge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Eine geschichtliche Reminiscenz zur hundertjährigen Jubelfeier, seinen Landsleuten gewidmet. Linz 1879. [https://books.google.at/books?id=cgWcGmqfyIkC&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PA1#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, Registrum procurationis rei domesticae pro familia Reichersperg. In: Archiv für österreichische Geschichte 61 (1880), S. 33-88.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882), S. 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. Leiden / Köln 1959 (Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters, 4). [https://archive.org/details/kircheundheilsge0000meut_c7n0/page/n7/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Univ. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Univ. Fordham. New York 1972.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31/3-4 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
** Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg, S. 93–99.&lt;br /&gt;
** Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
* Otto Wutzel (Hg.): Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633-1848. Vom Barock zum Klassizismus. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich. Reichersberg am Inn 1974.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779. Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis. Linz 1979, S. 141–151.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
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|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister [[Roman Foissner]], zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter 27 (1973), S. 81–88.&lt;br /&gt;
* Franz Berger / Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 99.&lt;br /&gt;
* Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern Band 109 (1983), S. 33f.&lt;br /&gt;
* Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315-377.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung. Teil 1. Dipl.-Arb. Univ. München. München 1979.&lt;br /&gt;
* Helga Litschel (Bearb.): 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Linz 1983.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn, S. 23–42.&lt;br /&gt;
** Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495), S. 84–105.&lt;br /&gt;
** Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg, S. 295–216.&lt;br /&gt;
* Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg, S. 250–296.&lt;br /&gt;
* Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
* Marktgemeindeamt Reichersberg (Hg.): Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
* Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg vom Antritte der Regierung des Propstes Ambros Kreuzmayr bis zum Tode des Propstes Petrus Schmid 1770–1882. Eine Festgabe zur Priester-Jubelfeier des Propstes [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]]. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PP5#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich infolge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Eine geschichtliche Reminiscenz zur hundertjährigen Jubelfeier, seinen Landsleuten gewidmet. Linz 1879. [https://books.google.at/books?id=cgWcGmqfyIkC&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PA1#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, Registrum procurationis rei domesticae pro familia Reichersperg. In: Archiv für österreichische Geschichte 61 (1880), S. 33-88.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882), S. 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. Leiden / Köln 1959 (Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters, 4). [https://archive.org/details/kircheundheilsge0000meut_c7n0/page/n7/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Univ. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Univ. Fordham. New York 1972.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31/3-4 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
** Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg, S. 93–99.&lt;br /&gt;
** Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
* Otto Wutzel (Hg.): Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633-1848. Vom Barock zum Klassizismus. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich. Reichersberg am Inn 1974.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779. Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis. Linz 1979, S. 141–151.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
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|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter 27 (1973), S. 81–88.&lt;br /&gt;
* Franz Berger / Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 99.&lt;br /&gt;
* Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern Band 109 (1983), S. 33f.&lt;br /&gt;
* Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315-377.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung. Teil 1. Dipl.-Arb. Univ. München. München 1979.&lt;br /&gt;
* Helga Litschel (Bearb.): 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Linz 1983.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn, S. 23–42.&lt;br /&gt;
** Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495), S. 84–105.&lt;br /&gt;
** Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg, S. 295–216.&lt;br /&gt;
* Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg, S. 250–296.&lt;br /&gt;
* Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
* Marktgemeindeamt Reichersberg (Hg.): Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
* Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg vom Antritte der Regierung des Propstes Ambros Kreuzmayr bis zum Tode des Propstes Petrus Schmid 1770–1882. Eine Festgabe zur Priester-Jubelfeier des Propstes [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]]. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PP5#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich infolge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Eine geschichtliche Reminiscenz zur hundertjährigen Jubelfeier, seinen Landsleuten gewidmet. Linz 1879. [https://books.google.at/books?id=cgWcGmqfyIkC&amp;amp;dq=de&amp;amp;pg=PA1#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, Registrum procurationis rei domesticae pro familia Reichersperg. In: Archiv für österreichische Geschichte 61 (1880), S. 33-88.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882), S. 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. Leiden / Köln 1959 (Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters, 4). [https://archive.org/details/kircheundheilsge0000meut_c7n0/page/n7/mode/2up (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Univ. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Univ. Fordham. New York 1972.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31/3-4 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
** Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg, S. 93–99.&lt;br /&gt;
** Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
* Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
* Otto Wutzel (Hg.): Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633-1848. Vom Barock zum Klassizismus. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich. Reichersberg am Inn 1974.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779. Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis. Linz 1979, S. 141–151.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
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|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung. Teil 1. Dipl.-Arb. Univ. München. München 1979.&lt;br /&gt;
* Helga Litschel (Bearb.): 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Linz 1983.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn, S. 23–42.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
** Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg. In: 900 Jahre Stift Reichersberg, S.93–99.&lt;br /&gt;
** Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;hl=de&amp;amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;amp;cad=0#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882),S. 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 99.&lt;br /&gt;
* Heinz Dopsch: Benediktinerabtei Micheaelbeuern. Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. University Fordham. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reicherer. In: Festschrift 1983. S. 295.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882), S. 28–51.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern Band 109 (1983), S. 33f.&lt;br /&gt;
*Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: Festschrift 1983. S.250–296.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg. In: Festschrift 1983. S. 300.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ansichten und Pläne===&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sphragistik und Heraldik===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495). In: Festschrift 1983. S.84–105.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===allgemeine Literatur===&lt;br /&gt;
*Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter (1973), S. 81–88. &lt;br /&gt;
*Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
*Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Hg. vom Marktgemeindeamt Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
*Festschrift 900 Jahre Augustiner Chorherrenstift Reichersberg (Redaktion Helga Litschel). Linz 1983.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
*Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315-377.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1974: Die Bildhauerfamilie Schwanthaler, Linz 1974.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg, Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
*Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. In: Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters Band 4. Leiden / Köln 1959.&lt;br /&gt;
*Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Universität Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
*Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Arnold_I.&amp;diff=10674</id>
		<title>Arnold I.</title>
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		<updated>2022-10-28T07:07:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Person&lt;br /&gt;
|Name=Arnold I.&lt;br /&gt;
|Geschlecht=männlich&lt;br /&gt;
|Institution=Stift St. Florian&lt;br /&gt;
|Funktion=Propst&lt;br /&gt;
|Quelle=Karl Rehberger u. Christiane Wunschheim (Hg.): Series Praelatorum (1740), HS 79a Stiftsarchiv St. Florian. Linz 2010, S. 64–66.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Arnold I., † 1256, war von 1250 bis 1256 der zehnte Propst des [[Stift St. Florian|Stiftes St. Florian]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
Arnold I. folgte 1250 auf [[Dietmar II.]] als Propst des Stiftes St. Florian und wurde im selben Jahr vom Passauer Bischof Rudiger in diesem Amt bestätigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus seiner Regierungszeit gibt es kaum Zeugnisse, außer, dass offenbar 1250 die Gebeine der seligen Valeria (römische Witwe) aufgefunden wurde. Sie hatte einst, durch einen Traum veranlasst, den heiligen Märtyrer Florian hier begraben. Die Gebeine ihres Körpers wurden gesäubert, mit Wein gewaschen und von Propst Arnold I. um das Jahr 1256 am Kreuzaltar in einem Sarkophag beigesetzt. Später wurden sie zusammen mit dem Steinsarg, der die Überreste der seligen Jungfrau Wilbirg (Klausnerin, † 11. Dezember 1289) barg, wegen des Neubaus der Kirche durch [[David Fuhrmann|Propst David]] (Propst 1667-1689) 1684 in das Archiv des Stiftes gebracht. Schließlich wurden sie 1727 durch den 40. Prälaten dieses Stiftes, [[Johann Baptist III. Födermayr|Propst Johann Baptist Födermayr]] (1716-1732), an die Grabstätte des heiligen Florian übertragen, wo sie bis jetzt für die Besucher sichtbar ausgestellt sind. Dort ist auch der eingemauerte Mühlstein zu sehen, bei dem es sich um jenen Stein handeln soll, mit dem der heilige Florian in die Enns gestürzt wurde. Dieser Stein wurde in einem kunstvoll erbauten Gewölbe 1722 zufällig von Arbeitern gefunden. Im Kreuzgang des Klosters über dieser Grotte war ein Bild des heiligen Florian mit einer Inschrift angebracht. Propst Arnold I. starb 1256.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{ #invoke: Funktionsleiste | Execute&lt;br /&gt;
|VORGÄNGER1=[[Dietmar II.]]&lt;br /&gt;
|FUNKTION1=[[Liste der Pröpste des Stiftes St. Florian|Propst des Stiftes St. Florian]]&lt;br /&gt;
|ZEITRAUM1=1250–1256&lt;br /&gt;
|NACHFOLGER1=[[Siboto]]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stift St. Florian]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Propst]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Julius_Arnleitner&amp;diff=10671</id>
		<title>Julius Arnleitner</title>
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		<updated>2022-10-14T12:37:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Person&lt;br /&gt;
|Name=Julis Arnleitner&lt;br /&gt;
|Geschlecht=männlich&lt;br /&gt;
|Sterbedatum=1941-04-05&lt;br /&gt;
|Institution=Stift St. Florian&lt;br /&gt;
|Funktion=Chorherr&lt;br /&gt;
|Quelle=Nekrolog der Österreichischen Kongregation der Lateranensischen Augustinerchorherren 1907–1957. Hg. im Auftrag von [[Gebhard Koberger]], S. 19.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Julius Arnleitner, † 5. April 1941, war Pfarrer in [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Windhaag bei Freistadt|Windhaag bei Freistadt]] und Chorherr des [[Stift St. Florian|Stiftes St. Florian]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben== &lt;br /&gt;
Julius war Sohn von Friedrich Arnleitner (1845–1903), einem bekannten Komponist und Musikkritiker Oberösterreichs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werke==&lt;br /&gt;
* Auf der Herbergsuche: Volksstück mit Gesang in 5 Akten. Graz 1931 (Christlich-deutsche Volksbühne, 21).&lt;br /&gt;
* Unerforschliche Wege oder Was ein Kind vermag: Volksstück in 5 Akten. Graz 1929 (Christlich-deutsche Volksbühne, 18).&lt;br /&gt;
* Grüass enk Gott, liabö Hoamkehra! Den tapferen Heimkehrern gewidmet. 1919.&lt;br /&gt;
* Ein sicherer Treffer. Ein lustiges Bühnenstückchen in 2 Akten für die katholische Mädchenbühne zur Missionsfeier oder zu einer Feier zu Ehren der kl. heiligen Theresia. Graz 1931 (Christliche Schul- und Vereinsbühne, 19).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stift St. Florian]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Pfarrer]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<title>Julius Arnleitner</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Person&lt;br /&gt;
|Name=Julis Arnleitner&lt;br /&gt;
|Geschlecht=männlich&lt;br /&gt;
|Sterbedatum=1941-04-05&lt;br /&gt;
|Institution=Stift St. Florian&lt;br /&gt;
|Funktion=Chorherr&lt;br /&gt;
|Quelle=Nekrolog der Österreichischen Kongregation der Lateranensischen Augustinerchorherren 1907–1957. Hg. im Auftrag von [[Gebhard Koberger]], S. 19.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
Julius Arnleitner, † 5. April 1941, war Pfarrer in [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Florian #Windhaag bei Freistadt|Windhaag bei Freistadt]] und Chorherr des [[Stift St. Florian|Stiftes St. Florian]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werke==&lt;br /&gt;
* Auf der Herbergsuche: Volksstück mit Gesang in 5 Akten. Graz 1931 (Christlich-deutsche Volksbühne, 21).&lt;br /&gt;
* Unerforschliche Wege oder Was ein Kind vermag: Volksstück in 5 Akten. Graz 1929 (Christlich-deutsche Volksbühne, 18).&lt;br /&gt;
* Grüass enk Gott, liabö Hoamkehra! Den tapferen Heimkehrern gewidmet. 1919.&lt;br /&gt;
* Ein sicherer Treffer. Ein lustiges Bühnenstückchen in 2 Akten für die katholische Mädchenbühne zur Missionsfeier oder zu einer Feier zu Ehren der kl. heiligen Theresia. Graz 1931 (Christliche Schul- und Vereinsbühne, 19).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stift St. Florian]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Pfarrer]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Salzburg&amp;diff=10667</id>
		<title>Stift Salzburg</title>
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		<updated>2022-10-14T07:03:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1122&lt;br /&gt;
|Datum bis=1514&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Das vom hl. Bonifatius 739 als eines von vier baierischen Bistümern (neben Passau, Innsbruck, Freising) gegründete Bistum Salzburg wurde 798 zum Erzbistum erhoben. Heute gehören zum Erzbistum Salzburg als Suffragane die Bistümer Graz–Seckau, Gurk–Klagenfurt, Innsbruck und Feldkirch.&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Juvavum (ab 1. Jhd. in Inschriften)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Petrus, hl. Rupert, hl. Virgil, Salvatorpatrozinium&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Stadt an der Salzach, heute Landeshauptstadt des Bundeslandes Salzburg.&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Salzburg vom Kapuzinerberg 1553.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Salzburg am Kapuzinerberg (1553)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
Hier sollen knapp 400 Jahre der Geschichte des Salzburger Erzkapitels skizziert werden, nämlich die Jahre 1122 bis 1514, in denen die Salzburger Domherrn als Regularkanoniker lebten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vorgeschichte des Salzburger Chorherrenstiftes=== &lt;br /&gt;
In der &amp;quot;Vita Severini&amp;quot; von Eugippius (511) steht: &amp;quot;... oppidum, quod Iuvao appellabatur, ...&amp;quot; (c. 13). An der zitierten Stelle der singulären Quelle aus der Völkerwanderungszeit wird ein Konvent von drei &amp;quot;viri spirituales&amp;quot; erwähnt, die eine wichtige &amp;quot;Basilika&amp;quot; betreuten. Das soll nicht heißen, dass diese schon Mönche oder &amp;quot;Kanoniker&amp;quot; im späteren Sinn waren, dass es aber schon früh Vergleichbares gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch den hl. Bischof Rupert aus Worms (596) wurde das durch die Barbareneinfälle halb zerstörte und verfallene Iuvavum wiederentdeckt bzw. wiederhergestellt. Er dürfte schon in der Gegend des heutigen Friedhofs von St. Peter eine Mönchsgemeinschaft vorgefunden haben, für die er ein Kloster errichtete und deren Mitglieder den Abtbischöfen in der Folge auch als Kapitularen dienten. 739 errichtete der hl. Bonifatius die Nebenresidenz der Agilolfinger zu einem &amp;quot;kanonischen&amp;quot; Bistumssitz mit bereits weitgehend fixiertem Sprengel. Unter dem hl. Bischof Virgil (745–784) ist schon früh eine gemischte Gemeinschaft von Mönchen und Klerikern erwähnt, die man als Vorform des späteren Kapitels ansehen darf. Die Reihe der Kapitulare weist zahlreiche romanische Namen auf, deren Träger für die Karantanenmission wichtig wurden. Ein formelles Domkapitel neben dem Mönchskapitel von St. Peter ist erst 925 belegt. Das ursprüngliche Klosterkapitel von St. Peter und das nach Virgils Dombau (774) immer unentbehrlicher werdende Domkapitel hatte zunächst weder getrennte Bibliothek, noch Schule und Skriptorium. Demnach waren dem Domkapitel bereits seit den von uns geschilderten Anfängen gewisse Frühformen des Ordenslebens keineswegs unbekannt. Erst als die missionsgeschichtlich bedingte Einrichtung des &amp;quot;Abtbischofs&amp;quot; allgemein aufgegeben wurde (987), machte man das Dom- und Erzkapitel vom hl. Rupert in Salzburg zu einer eigenständigen juridischen Person. Erzbischof Konrad I. wandelte das Domkapitel 1122 in ein Kloster von Augustiner Chorherren um.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das reformierte Erzkapitel=== &lt;br /&gt;
[[Bernhard von Clairvaux]] (verstorben 1153), ein großer Freund der Regularkanoniker in der Champagne, in Lothringen und in Burgund, förderte die Umformung von weltlichen Kollegiatskapiteln in Regularkanoniker, wo er konnte. Die diesbezüglich auffallendste Konversion war die Reform der Stiftsherrn in Vorles/Châtillon, bei denen er in die Schule gegangen war. Er war ein Freund Norberts von Xanten (verstorben 1134) und Zeitgenosse [[Gerhoch von Reichersberg|Gerhochs von Reichersberg]]. Bernhard formulierte die diesbezüglichen gregorianischen Reformideen und die Hoffnungen der religiösen Bewegungen seiner Zeit wiederholt mit Hilfe seiner Hochzeitsallegorese: Der göttliche Bräutigam habe für seine Braut, die Kirche, in jenen schwierigen Zeiten zwei besondere &amp;quot;Morgengaben&amp;quot; bereitgestellt: Zuerst als Bekleidung für den Winter die Kukulle der Reformmönche als Sinnbild der Zurückgezogenheit, Einkehr und Demut (mit einem Wort der ''humilitas''), sozusagen das Weihnachtsgeheimnis; dann die farbenfrohe Kanonikerkleidung mit dem adeligen Hermelin &lt;br /&gt;
als Sinnbild der apostolischen Zuwendung, der Auferstehungsfreude und der Glaubensverkündigung (mit einem Wort der ''caritas''), sozusagen das Ostergeheimnis. Die dunklen Pelzschwänzchen auf den Kanoniker Hermelinen stünden für die feurigen Zungen der Apostel, welche die Osterbotschaft laut verkündeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Ideenwelt lebte auch der gelehrte Augustiner Gerhoch, als er vom Reformzentrum Rottenbuch in Oberbaiern, über Regensburg/Stadtamhof (St. Mang), Passau/St. Nikola und schließlich [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] am Inn von Erzbischof Konrad I., Graf von Abensberg (1106–1147) nach Salzburg berufen worden war. Er sollte 1122 behilflich sein, das Domkapitel zu regulieren und zu einem Mutterkloster einer ganzen Chorherren-Kongregation von 14 bzw. 17 mehr oder weniger affiliierten und unterstellten Propsteien zu machen. Es waren dies: [[Stift Suben|Suben]], [[Stift Reichersberg|Reichersberg am Inn]] (Passau), [[Stift Au-Gries|Au]], Gars, Weyarn am Salzburger Innbogen, Höglwörth und [[Stift St. Zeno|St. Zeno Reichenhall]] im &amp;quot;baierischen&amp;quot; Anteil Salzburgs, [[Stift Bischofshofen|Bischofshofen im Pongau]] und [[Stift Zell am See|Zell am See]] im Pinzgau, Maria Saal und [[Stift Gurk|Gurk]] in Kärnten, [[Stift Seckau|Seckau]] und [[Stift Vorau|Vorau]] in der Steiermark - und das Salzburger Domkloster; dazu wurden die künftige Fürstabtei Berchtesgaden und Baumburg am Innbogen affiliiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Salzburger Reform diente auch für andere Klöster als Vorbild in der Observanz (etwa für [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] und [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]]). Der Erzbischof, der eines der größten Bistümer des Reiches zu verwalten hatte, gedachte künftig, seine bischöflichen Aufgaben gleichsam als Generalabt einer Chorherrenkongregation auszuüben, nachdem es im Bereich des Salzburger Bistumssprengels den Erzbischöfen relativ früh gelungen war, die Eigenkirchenrechte der Laien in die eigene Hand zu bekommen. Eigentlich hatte diese Entwicklung schon mit der Eigenkirchenpolitik Bischof Virgils (745–784) begonnen. Der Erzbischof nahm selbst den Ordenshabit, was damals mehr galt als eine bloße Äußerlichkeit. Er verzichtete damit im ersten Reformeifer auf die traditionell eigenkirchlichen Rechte des Hochstifts gegenüber seiner Klosterklientel; seine eigenen Maßnahmen führten aber eher zu einer weitgehenden Emanzipation der Klöster, auf deren Obedienz Salzburg vielfach nur mehr bei Synoden und ähnlichen Feierlichkeiten bestand - allerdings noch bis in die frühe Neuzeit hinein. Sogar bei Berchtesgaden mit seinem reichsrechtlichen Sonderstatus blieben diese symbolischen Bande. Es waren ausgerechnet Reformmönche im Salzburgischen ''Chrisam'', die später darauf pochten, dem Erzbischof keine Obedienz zu schulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Umwandlung des Salzburger Domstifts besser zu verstehen, empfiehlt es sich auch Werdegang und Motive des aus mittelfränkischem Adel stammenden Erzbischofs kurz zu berühren. Im bekannten Investiturstreit zur Zeit Gregors VII. und nachher bis zum Wormser Konkordat (1122) war der deutsche Episkopat gespalten. Die Mehrheit hielt zum Kaiser, jeweils eine Minderheit, zu der die Salzburger gehörten, zum Papst. Das war schon unter Erzbischof Gebhard der Fall. Bischof Altmann von Passau, ein Mitstreiter, war damals ein leidenschaftlicher Förderer der Chorherrenreform geworden. [[Konrad I.]] nahm noch als Anhänger Kaiser Heinrich V. 1111 am Romzug, an der Synode zu Sutri und an den turbulenten Ereignissen in Rom teil, als Pascal II. gezwungen wurde, die uneingeschränkte Laieninvestitur zuzugestehen. Diese unerhörte Demütigung des Papstes führte zu einer Entfremdung zwischen Konrad und dem Kaiser. In der Folge musste er eine über zehnjährige Verbannung in Tuszien, in Admont und in Halberstadt bei Bischof Reinhard auf sich nehmen. 1111 hatte Konrad schon vergeblich eine Reform des Salzburger Kapitels versucht, indem er an der Reformunwilligkeit der Betroffenen und den Ministerialen, deren weltlichem Anhang, gescheitert war. Nachdem Worms (1122) theoretisch einen Kompromiss, praktisch aber einen Sieg der Laieninvestitur gebracht hatte, weigerte sich der Erzbischof, die Regelungen anzunehmen und setzte neben dem umsichtigen Ausbau eines Burgensystems und einer Modernisierung der Verwaltung energisch auf die &amp;quot;innere&amp;quot; Emigration, nämlich den späten Gregorianisrnus. Das war seine erstrebte Priesterreform auf dem Weg über die reformierten Kapitel. Er ging ziemlich konsequent vor und tauschte reformunwillige Kanoniker gegen reformbereite aus, die er etwa auch vom Rhein (und von Limburg, d. h. aus Klosterrath bei Aachen und aus Springiersbach an der Mosel) kommen ließ. Tatkräftig wurde er unterstützt: vom Regularpropst [[Gerhoch von Reichersberg]], von Bischof [[Roman I.]] von Gurk und dem sel. Domdekan [[Hartmann]], in der Folge Propst von Chiemsee und Klosterneuburg und Bischof von Brixen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konrad plante auf dem Areal des heutigen &amp;quot;Kapitelplatzes&amp;quot; an der Südseite des dann von seinem Nachfolger Konrad III. ausgeführten spätromanischen Dornes eine großzügige Klosteranlage. Sie bestand aus drei Teilen, einem für das Stiftskapitel, einem für die Laienbrüder und dem dritten, den an die heutige Franziskanerkirche anschließenden, für die Chorfrauen. Der heutige Domplatz hieß damals deretwegen &amp;quot;Frauenplatz&amp;quot;. Jedem der drei Stände wurde ein eigener Kreuzgang bereitgestellt. Die Augustinerinnen verrichteten in der damaligen Stadtpfarrkirche (Franziskanerkirche) ihren Gottesdienst. Der Salzburger Codex 1482 aus dem 12. Jahrhundert in der Wiener Nationalbibliothek enthält Chorherrenstatuten, deren Text auf den bedeutenden Rechtsgelehrten und Kanoniker, den hl. Ivo von Chartres (verstorben 1116), zurückgeht. Sie sind so allgemein gehalten, dass sie je nach Bedarf äußerst anpassungsfähig waren. Für Historiker sind sie allerdings weniger ergiebig. Die regulierten Chorherren, normalerweise 24 an der Zahl, die in Krisenzeiten jeweils sogar bis auf nur sieben reduziert wurde, hatten ein gemeinsames Dormitorium wie etwa auch die Ordensritter auf ihren Burgen. Die adeligen Herrn mussten mit insgesamt vier Dienern auskommen, zwei für den privaten Bedarf und zwei für den Tischdienst im gemeinsamen Refektorium. Ein wichtiges Amt hatte der Spitalmeister (Hospitalarius) bei St. Johann (Kapitelgasse/Kaigasse) inne. Die Errichtung des Spitals durch den Erzbischof wurde 1143 beurkundet. Daneben gab es noch den Magister infirmariae, den Aufseher über die Krankenabteilung innerhalb der Klausur. Eine Seltenheit war der Oblajar, der Verwalter der Messstiftungen. Immer wieder sind Kustoden genannt. Die Ämter des Scholasticus (des Schulmeisters bzw . Novizenmeisters, wie spätere Zeiten gesagt hätten) und des Kantors wurden 1243 besonders dotiert. Beide standen sie für Wissenschaft und Kunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kanoniker wurden im Sinne der Regel des hl. Augustin auch zur Handarbeit angehalten. So verursachte eine Metallschmelze in einer der Werkstätten 1127 den Dombrand. Die Kapitulare bekamen ein &amp;quot;peculium&amp;quot;, das im späten Mittelalter (1366) 200 Gulden betrug. Dazu kamen Chorgelder als Anreiz für die persönliche Teilnahme am Offizium. Am 28. Oktober 1427 bestätigte Martin V. eine Neuregelung zur Verteilung der Pfründenerträgnisse. Die Chorherren waren aber rechtlich keine Pfründeninhaber. Für studierende Domicelli gab es im allgemeinen keine kirchlichen Pfründe, was sonst eher üblich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Erlahmung des regulären Geistes am Ende des Mittelalters wurde die Eigentumslosigkeit immer mehr zum Problem. Da der Dompropst seine Disziplinargewalt streng ausübte, wurde die Residenzpflicht im Unterschied zu später sehr ernst genommen. Dadurch wurde die viel beklagte Ansammlung von Ämtern und Pfründen verhindert. Die strenge Beobachtung des Gehorsamsgelübdes wurde von den meisten Kapitularen eher als ein Segen denn als ungebührliche Beschränkung der Freiheit verstanden. Nur zum Beginn der Neuzeit lechzten manch jüngere Domherrn nach den Freiheiten, von denen sie aus der Begegnung mit den benachbarten Kapitularen Bescheid wussten. Das Institut der Chorfrauen, das rechtsgeschichtlich noch an die Doppelklöster der &amp;quot;vita apostolica&amp;quot;-Bewegung des 12. Jahrhunderts erinnert, löste erst der Erzbischof Burckhard II. von Weißpriach (1462) auf. Das Kapitel bekam einträgliche Pfarren - vor allem im Lungau. Das Domkloster übernahm die bislang von St. Peter in der Michaelskirche ausgeübten Pfarr- und Begräbnisrechte in der Stadt Salzburg. Durch den Regularstatus des Salzburger Domkapitels stammten die weitaus meisten Erzbichöfe aus dem Kapitel, wobei sich die Pröpste als prädestinierte Anwärter auf das Amt des Fürsterzbischofs fühlten. Nicht nur der päpstlichen Kurie, auch dem Kaiser glückte es nur selten, den Erzstuhl mit einem direkten Protege zu providieren, so 1481 mit Johann von Gran. Als des Kaisers Besetzungspolitik bei Kardinal Lang erfolgreich wurde (1514), war es auch mit dem Regularstatus zu Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Säkularisierung=== &lt;br /&gt;
Die erwähnten Vorteile des Salzburger Propriums eines Augustinerchorherren-Stiftes, das gleichzeitig für die Dauer von 400 Jahren als Domkapitel gedient hatte, wurden noch lange nach der Aufhebung deutlich gesehen. Die &amp;quot;Zimmerische Chronik&amp;quot; des 17. Jahrhunderts überliefert die volkstümliche Bezeichnung des Salzburger Domstiftes als das &amp;quot;geistlichste Kapitel in deutschen Landen&amp;quot;. So lautete die bekannte Eingabe der Salzburger Landstände bei Erzbischof Leonhard von Keutschach 1513: Die ganze Kirchenprovinz habe durch das &amp;quot;ehrbare und geistliche Leben in ihrer Domkirche&amp;quot; gewonnen. Durch die Aufhebung drohte ein großes Ärgernis beim &amp;quot;gemeinen Mann&amp;quot;, der sich die Gründe für die Aufhebung nicht erklären könne. Die Abschaffung der Ordensobservanz würde einem &amp;quot;ungeordneten Leben&amp;quot; in den benachbarten Domkapiteln Vorschub leisten. Die freie Wahl der Erzbischöfe sei dann nicht mehr gewährleistet. Denn die Ordensregel habe das Eindringen von päpstlichen und kaiserlichen Günstlingen verhindert. Sollte es dem Erzbischof gelingen, das &amp;quot;drohende Unheil&amp;quot; der Säkularisation abzuwenden, würden Seiner &amp;quot;fürstlich Gnad von dem heilligen lieben Augustin, Sant Ruprecht und Virgilien den Lohn und von der ganzen Landschaft groß Lob und Danck empfangen.&amp;quot; Gegenüber dem Papst argumentierten die Stände am 25. April 1513 mit dem Konkordat von 1448, den &amp;quot;Kompaktaten der deutschen Nation&amp;quot;: Die Aufzwingung eines Koadjutors gegen den Willen des Erzbischofs und des Kapitels verstoße gegen zwischenstaatliches Recht und sei demnach rechtswidrig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das regulierte Erzkapitel war keineswegs in schlechtem moralischen Zustand und deshalb reif für eine Liquidierung. Allerdings wehrte sich eine qualifizierte Minderheit heftig gegen den Regularenstatus – und nicht nur aus den eben angeführten kirchenpolitischen Gründen. Der Erzbischof, selbst ein überzeugter Chorherr und ehemaliger Propst von [[Stift Eberndorf|Eberndorf an der Drau]], verhinderte die Durchführung der Säkularisation bis zu seinem Tod 1519. Der Medicipapst Leo X. musste ihn dazu noch sanft ermahnen, nachdem die diplomatische Mission des Ordensvikars der Augustinereremiten Johannes Staupitz, bekanntlich des Lehrers Martin Luthers, in Rom gescheitert war. Leonhard hatte das durch Krieg und Misswirtschaft zerrüttete Hochstift wieder durch größte Sparsamkeit und kluge Wirtschaft saniert. Nun erfolgte in seinen Augen ein Dammbruch von einer Seite, an die er am allerwenigsten gedacht hätte. Der Erzbischof verfügte, dass er im Augustinerhabit begraben würde. Anhänger der alten Ordensidee wie der Dompropst Rudolf von Kienburg (Kuenburg) erwirkten sich sogar noch in Rom als Bekenner die Erlaubnis, unter ihrer Kanonikerrobe den Ordenshabit zu tragen. Er führte ein besonderes Gelübde anlässlich einer schweren Krankheit ins Treffen. Der Kapitelsenior Balthasar von Stubenberg war der einzige, der sich sogar weigerte, den Vertrag mit Kardinal Lang zu unterschreiben. Er verschloss sich auch, den &amp;quot;neuen&amp;quot; nepotistischen Gepflogenheiten nachzugeben und einen Neffen für sein Kanonikat namhaft zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Salzburg vom Kapuzinerberg 1553.png|mini|Salzburg vom Kapuzinerberg, Federzeichnung von 1553 &amp;lt;br /&amp;gt;Erzarbtei St. Peter, Salzburg]]&lt;br /&gt;
Die Befürworter der Säkularisation führte der Domdekan Andreas von Trautmannsdorff an. An ihm ließ Leonhard Tornator, der Chronist von St. Peter, kein gutes Haar: Er habe Habit und Regel des hl. Augustinus eine &amp;quot;Phantasterei&amp;quot; genannt. Polemisch, vielleicht auch un gerecht, aber auch nicht ganz unr ealistisch hieß es: &amp;quot;Sie zögen den Habit aus, um leichter ihrem Fleische frönen zu können.&amp;quot; In Wirklichkeit lockten echter Pfründenbesitz, Ämterhäufung, Lockerung der Residenzpflicht, Palais, eigener Haushalt, adeliger Lebensstil, Stammbaum, Adelsprestige, dazu weltliche Würden und Ämter und – der Vergleich mit benachbarten Kapiteln und den Möglichkeiten, die man dort besaß. Der greise Erzbischof machte mit Recht einzig und allein die Uneinigkeit der Kapitulare dafür verantwortlich, dass der Humanistenfreund und Diplomat von europäischem Format, Matthäus Lang von Wellenburg 1514 Koadjutor von Salzburg und damit prospektiver Nachfolger des Erzbischofs Leonhard wurde. Dabei hatte der intelligente Renaissancemensch und Emporkömmling Lang die schwache Stelle des Regularkapitels blitzartig erkannt, um die uralte Kunst des &amp;quot;Divide et impera!&amp;quot; zu üben. Die Säkularisationsbulle Leo X. war mit 22. September 1514 erlassen worden und hätte binnen Jahresfrist (am 18. September 1515) durchgeführt werden sollen. In diesem Zusammenhang würde es wohl zu weit führen, die Ereignisse von Salzburg als &amp;quot;Reformation vor der Reformation&amp;quot; zu bewerten. Der Vorgang war harmlos, wenn man ihn etwa mit der reformationsbedingten Säkularisation des preußischen Ordenslands vergleicht (1525). Aber eine gewisse Umwidmung von zweckgebundenem Kirchengut war doch insofern gegeben, als der Kanoniker neuen Rechts nach 1514 immer mehr in weltlichen Regierungsgeschäften aufging und immer weniger für die eigentlich geistlichen Aufgaben zu verwenden war. Einige Jahrzehnte später musste das Konzil von Trient &amp;quot;labore improbo&amp;quot; gegen Pfründenkumulation und für die Residenzpflicht streiten, welche die Salzburger für ein Linsenmus verspielt hatten. Sie waren kaum mehr für die großen geistlichen Aufbrüche, die im Kommen waren, zu gebrauchen. Die Trienter Dekrete wurden auf anderen Wegen als über das Adelskapitel ausgeführt. Im Zuge der nachtridentinischen Reform wurde die Rede vom unreformierbaren Erzkapitel gang und gäbe. Das war nicht nur als polemischer Topos gemeint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Schule und Wissenschaft=== &lt;br /&gt;
Heinz Dopsch betont, dass die Wissenschaftspflege des Regularkapitels im Schatten der Salzburger Benediktiner zu St. Peter gestanden sei. Man wird sich diesen Beobachtungen nicht ganz verschließen können. Jedoch sei eine Erklärung versucht, die sich aus dem Vergleich ähnlicher Institutionen u. a. auch ergibt. Zur Pflege der Wissenschaft gehören Traditionen, Kulturpolitik, Talent und Stille. Man kann zeigen, dass bedeutende Fürstabteien, große Bistümer mit deren Kapiteln und etwa tätige Ritterorden mit einem weitverzweigten Vermögensstand ihre begabtesten Mitglieder vielfach für Verwaltungsaufgaben einsetzen mussten, sodass dem einzelnen zum Bücherlesen und -schreiben wenig Zeit blieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Salzburger Chorherren hatten vielfältige Verwaltungsaufgaben zu übernehmen, auch wenn die Hofmeister, Hofrichter, Pfleger, Vizedome, Kastellane und andere Amtsleute meist von Laien gestellt wurden. Sie waren auch in der fürsterzbischöflichen Diplomatie und in der Verwaltung des Hochstifts tätig. D. h. mit anderen Worten, die Chorh erren mit Begabung und Vorbildung wurden eher von der entsagenden Arbeit der Studierstube und Bibliothek durch die Geschäfte dieser Welt abgehalten. Trotzdem war die Domschule im 12. und 13. Jahrhundert sehr angesehen, war doch auch die Zeit der Universitäten Prag, Wien, Leipzig und Avignon noch nicht gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter dem Babenberger Konrad II. (1164–1168), der selbst in Paris und Chartres studiert hatte, erfreute sich die Lehranstalt guten Zuspruchs – vor allem für Studierende, die der päpstlichen Partei anhingen. Erzbischof Eberhard I. (1200–1246) der selbst Scholasticus in Bamberg gewesen war, berief tüchtige Lektoren aus jenem Erzbistum an die Kapitelschule. Eberhard II. (1247–1264) übertrug die Ämter des Scholasticus und Kantors definitiv dem Regularkapitel mit dem strengen Auftrag der Jugenderziehung, nachdem eine gewisse Ermattung im Lehrbetrieb eingetreten war. Er berief auch bereits einen Dominikaner in den Lehrkörper – aus einem Orden, der nie direkt in Salzburg Fuß fassen konnte (außer mit den sog. Termineien ordenseigener Stadthäuser), aber trotzdem Räte des Fürsten stellte und so bis in die Neuzeit hinein eine wichtige Rolle spielte. Eine nicht unbedeutende Quelle zur Geschichte des späten Investiturstreits zur Zeit Friedrich Barbarossas und Alexander III. schrieb 1170 der Chorherr Heinrich, Archidiakon von Unterkärnten: &amp;quot;Historia calamitatum ecclesiae Salisburgensis&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der in Österreich übliche Begriff &amp;quot;Stift&amp;quot; und &amp;quot;Stifte&amp;quot; für die Prälatenklöster erinnert daran, dass es im Mittelalter bis zur Entstehung der Bettelorden weder Mönche noch Chorherren gab, die ohne eine entsprechende materielle Grundlage der Versorgung, nämlich die &amp;quot;Stiftung&amp;quot;, ausgekommen wären. D. h. die Freigebigkeit, Einsicht und Möglichkeit von Stiftern war die Voraussetzung für die Entstehung einer ganzen Klosterlandschaft. Es ist daher kein Zufall, dass mit der ersten Nennung eines selbständigen Salzburger Domkapitels (925) auch erstmalig urkundlich belegt ist, dass das Domstift neben dem Besitz von St. Peter und dem Erzstift über eine eigene Ausstattung verfügte, über die es bereits als juridische Person rechtmäßig verfügen konnte. Daran hatte auch durch die Einführung der Kanonikerreform (1122) nichts geändert. Es scheint im Gegenteil sogar so, dass die Reformer als Befürworter des &amp;quot;gemeinsamen Lebens&amp;quot; und des Verzichts auf Privateigentum größten Wert darauf legten, dass das Wirtschaftsgebaren des Kapitels besser überprüfbar wurde. Deshalb ist aus diesen Jahren das erste Traditionsbuch der Reformkanoniker mit insgesamt 372 Eintragungen erhalten. D. h. das Kapitel konnte erstmals seinen gesamten Besitz in Evidenz halten und natürlich auch gegen Entfremdung schützen. Vor allem bewahrte man aber so den jeweiligen Wohltätern (&amp;quot;benefactores&amp;quot;) und Stiftern ein liturgisches Andenken im Offizium und in regelmäßigen Requiemmessen. Die &amp;quot;vita communis&amp;quot; bedeutete ja auch, dass von jetzt an nicht mehr jeder Kanoniker für sich seine eigene Pfründe nutzte und betreute, sondern das zweckgebundene Kirchengut gemeinschaftlich verwalten ließ. Dabei war es von Interesse für die Gemeinschaft zu wissen, mit welchen Einkünften das Kapitel jährlich überhaupt zu rechnen hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor die Gegenüberstellung von Besitz und jährlichen Erträgnissen in den bekannten Urbaren (ab 1392) systematisch aufgezeichnet wurde, gibt es schon im Traditionsbuch (zu 1210) das älteste Verzeichnis der Einkünfte des Domkapitels in seinen Ämtern im Lungau. Die waren beträchtlich und übertrafen in diesem Gau die des Erzstifts bei weitem. Der Grundstock für den Lungauer &amp;quot;Kirchenstaat&amp;quot; wurde noch vor der Kanonikerreform bezeichnenderweise durch Heinrich II. (1002) gelegt. Diesen kennen wir sonst als Gründer des [[Stift Bamberg|Hochstifts Bamberg]]. Für ihn war die Entwicklung des Salzburger Domstifts aber auch kein unwesentlicher Bestandteil seiner kirchlichen Reichspolitik und seines kaiserlichen Wächteramtes. Durch entsprechende Schenkungen und Käufe wurde der Besitz so abgerundet, dass das Augustiner-Chorherrenstift zu Beginn des 13. Jahrhunderts in fünf Ämtern jeweils von einem Pfleger verwaltet werden konnte. Man nannte den stiftischen Besitz die &amp;quot;befreiten Winkeln&amp;quot;, weil Höfe und Orte aus verschiedenen Herrschaften in die Ägide des Domkapitels übergegangen waren: Diese Ämter waren St. Michael, Weißpriach, Althofen bei Mariapfarr, Göriach und Judendorf. 1514 war die Zahl der fünf Ämter auf neun angestiegen: Murwinkel, St. Michael, Kendlbruck, Weißpriach, Sondergut, Göriach, Althofen, Judendorf und Mauterndorf. Das Kapitel war demnach der größte Grundherr im Lungau. Es übte relativ geschlossen die niedere Gerichtsbarkeit durch einen Hofurbarrichter aus. Das Blutsgericht verblieb allerdings beim Hochstift. Todeswürdige Verbrecher mussten an den erzbischöflichen Vizedom ausgeliefert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sukzessive wurde Mauterndorf zum Zentrum der Verwaltung, der Wirtschaft und der Gerichtsbarkeit ausgebaut. Das Schloss wurde errichtet, in dem ein stiftischer Pfleger wie in einer Hauptstadt residierte. Mauterndorf war die älteste bekannte Zollstätte in den Ostalpen überhaupt. Deren wirtschaftliche Bedeutung war schon Heinrich II. bei seiner Stiftung von 1002 bekannt. Dazu gewährte Kaiser Friedrich II. (1217) dem Salzburger Domkapitel das Recht der Markterhebung (1227). Die Marktgemeinde war die einzige in Salzburg, die nicht dem Erzbischof unterstand, und gehörte zu den Landständen mit Sitz im Landtag. Nach Heinz Dopsch war das stiftische Mauterndorf zeitweise der größte und bedeutendste Markt im Erzstift Salzburg. Grund dafür war, wie gesagt, der uralte Handelsweg zur Überquerung der Tauern, auf dem schon der hl. Severin von Ufernorikum nach Binnennorikum gezogen war. Hier nächtigten Fernhändler aus Nord und Süd mit ihren Karawanen und Lasttieren. Hier bezahlten sie ihre Maut und ließen so beträchtliche Summen Geldes zurück. Dazu kam die Vermarktung der Bergbauprodukte aus dem Murtal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Kuriosität war der namhafte Grundbesitz in Friaul (San Odorico am Tagliamento), den Graf Friedrich der Eppensteiner schon früh (1058) gestiftet hatte, den aber das Kapitel nicht lange zu halten vermochte. Der übrige Streubesitz des Domstiftes außerhalb des Lungaus war in neun Ämtern zusammengefasst: Abersee, Abtenau, Ennstal (um Haus), Radstadt , Gaißau, Kuchl (Taugl), Pinzgau, Pongau und Salzburg-Stadt. Ähnlich wie in Mauterndorf (Lungau) besaß das Domkapitel dazu Herrschaftsrechte außerhalb der Salzburger Hoheit zu Arnsdorf in der Wachau und Traismauer an der Traisen, wo heute noch das Salzburger Schloss zu sehen ist, zwischen Tulln und Krems. Das Domstift besaß Weingärten in der Gegend von St. Pölten, Krems und Melk, die jeweils einem Hofmeister, zeitweise auch einem geistlichen, unterstanden. Hans Wagner verweist darauf, dass die Chorherren mit ihrem &amp;quot;Arnsdorfer Wein&amp;quot; durchaus zufrieden waren, bis die &amp;quot;Säkularisierten&amp;quot; kamen und über seine Säure klagten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Führung und ständige Überprüfung der Urbare war bis zur Auflösung des Ordensstatus (1514) die vordringlichste Verwaltungstätigkeit des Dompropstes. Er trug innerhalb des Kapitels die Verantwortung dafür, dass die Finanzen stimmten, salopp ausgedrückt. Er verwaltete innerhalb dieses Gemeinwesens von Augustiner-Religiosen eine Art von &amp;quot;Rechnungshof&amp;quot;. Die tägliche Urbarverwaltung führten innerhalb des Kapitels der Kustos, der Kämmerer und der Kellermeister. Jährlich gab es ein &amp;quot;Stifttaiding&amp;quot; unter Vorsitz des Urbarpropstes, auf dem sich die Amtsleute (&amp;quot;officiales&amp;quot;) trafen, Rechenschaft ablegten und der Lösung anstehender Fragen harrten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Höfe und Güter wurden von bäuerlichen Eigenleuten bewirtschaftet, deren Abgaben und Dienste an das Domkapitel genau geregelt waren. Das alles konnte, kodifiziert im Stiftrecht des Salzburger Domkapitels, jeweils nachgeprüft werden. Zu den stiftischen Eigenleuten gehörten bis ins 13. Jahrhundert auch Angehörige des städtischen Bürgertums – etwa in der Salinenstadt Reichenhall. Die Domherrn hatten im 12. Jahrhundert auch eine wehrfähige Ministerialität, die aber bald vom Hochstift übernommen wurde. Das Domstift bewahrte sich durch die Jahrunderte einen gebührenden Anteil am Salinenwesen Salzburgs. Als es mit den Chorherren von Berchtesgaden im 12. Jahrhundert zu einem Rechtsstreit um das Halleiner Salz kam (am Tuval bzw. Gutratsberg), vermittelte der Erzbischof durch eine Drittelung der Gottesgabe für alle drei Anrainer, Berchtesgaden, Domstift und Hochstift (1198). 1237 gestattete außerdem Eberhard II. den Chorherren, zusammen mit den Zisterziensern aus Salem am Bodensee, das Sudhaus Oberhof in Hallein zu betreiben. Bis ins Jahr 1530 baute das Kapitel das Salz mit Hilfe der Zisterzienser ab. Wenn im Volksmund die Redeweise blieb &amp;quot;Unterm Krummstab ist gut sein!&amp;quot;, so gilt das sicher besonders auch für die wirtschaftliche Berechenbarkeit des Domstiftes als einer Grundherrschaft und seine durch Jahrhunderte gepflegte Rechtskultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker erfreuten sich des praktisch unangefochtenen Rechts, den Erzbischof und Landesfürsten – meist aus ihren Reihen – zu wählen, bei Erledigung des Erzstuhls das Land zu regieren und vertraglich abgesicherte Bedingungen an den Kandidaten zu stellen (die sog. Wahlkapitulationen). Im Wormser Konkordat (1122) hieß es noch formelhaft, Klerus und Volk wählten den Erzbischof, bevor ihn der Kaiser mit dem Stift belehnen würde. In Wirklichkeit wählten nach 1246 nur mehr die Kanoniker. Im Sinne einer Prinzipienverwahrung pflegte die Kurie den Neugewählten nicht anzuerkennen, gab aber praktisch in der Regel immer nach. Eine Doppelwahl wie die 1403 zur Zeit des Abendländischen Schismas war damals ein gesamtkirchliches Problem, das für Salzburg nicht zu überschätzen ist. Selbst die Wahl des kaiserlichen Kandidaten Johann III. Beckenschlager (von Gran: 1481) kam nicht ohne eine Minorität von wählenden Domherrn zustande. Bei Sedisvakanz hat en die Domherrn die volle Regierungsgewalt über das Land Salzburg inne. Solch eine Machtfülle war bei Ordensleuten sicher einzigartig und fand sich höchstens noch in souveränen Ritterorden. Das Kapitel hatte auch das Nominationsrecht bei den auswärtigen Propstwahlen in Weyarn, Suben und Höglwörth inne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer wieder stammten auswärtige Pröpste und Bischöfe aus dem Salzburger Kapitel. Auffallend viele Bischofskandidaten auf den Suffragansitzen kamen aus dem Erzkapitel wie aus einer Bischofsschmiede. Die Salzburger Kapitulare bildeten ohnedies die bevorzugten Kandidaten für die verbriefte Besetzung der innerösterreichischen Bistümer (Gurk, Seckau, Lavant), sie schlugen aber wiederholt die „Zwetschkenbistümer&amp;quot;, wie sie z. B. Lavant nannten, wegen der geringen Bedeutung aus. Diese Zurückhaltung war allerdings keine Salzburger Besonderheit. Sie findet sich auch anderswo. Der Dompropst fungierte seit 1139 als Archidiakon für die Pfarreien des Rupertiwinkels und die übrigen Salzburger Gaue. Erst 1478 musste er die Präzedenz an die Eigenbischöfe (Gurk, Seckau, Lavant und Chiemsee) abgegeben. Allerdings erfreuten sich noch im 16. Jahrhundert die Kapitularen von St. Peter der Präzedenz vor den Kanonikern, den Propst ausgenommen. Das war eine Salzburger Besonderheit und geschichtliche Reminiszenz der bedeutenden Vergangenheit in der Diözesanverwaltung, auf welche das Mönchskapitel in den ersten Jahrhunderten zurückblicken konnte. Dadurch, dass sich der Erzbischof das Vogteirecht vorbehielt, konnte sich das Kapitel von allzuviel Einmischung der Laien schützen. Das alte Vogteirecht wurde wie bei den Reformmönchen ein freigewähltes Defensorenamt. Während andere Kapitel dieser Art wie etwa das Mainzer bereits nach 100 Jahren wieder ihren Ordensstatus aufgaben, behielten diesen die Salzburger mit ihren Eigenbistümern bis zum Vorabend der Reformation. Zur Aufnahme in das Kapitel genügte nach allgemeinem Recht das Subdiakonat; die Salzburger verlangten hingegen die Priesterweihe zur Erlangung der vollen Kapitelrechte, d. h. vor allem des aktiven und passiven Wahlrechts. Das Recht der Pontifikalien wurde dem Dompropst schon im Jahre 1233 verliehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Die personelle Zusammensetzung der Regularkanoniker spiegelte die Universalität der Gesamtkirche. Ihre ritterbürtigen Familien stammten etwa in der gleichen Zahl aus Bayern und aus den österreichischen Erblanden, weniger aus den hochstiftlichen Salzburger Gauen. Im 14. Jahrhundert sind nur zwei – allerdings promovierte – Nichtadelige bezeugt: der Reichenhaller Pilgrim Laubez und Karl Muschopf, stiftungsfreudiger Patrizier aus Regensburg. Dazu kamen noch drei nicht näher bekannte bürgerliche Domherrn, zwei aus Wien und einer aus Kraiburg am Inn. Das ist aber nichts Besonderes, weil im späten Mittelalter ein höherer Universitätsgrad dem Adelsbrief gleichgesetzt wurde. Außerdem brauchte ein Kapitel auch ausgebildete Kanonisten, was vor allem ab dem 15. Jahrhundert immer spürbarer wurde. Die bürgerlichen Kapitulare stammten alle, wenn der Anschein nicht trügt, aus wohlhabenden Geschlechtern bzw. aus dem städtischen Patriziat. Die Salzburger Kanoniker finden sich mit denen aus anderen Diözesen bei Gesandtschaften, an Reichstagen und sonstigen diplomatischen Missionen wieder. Etwa ein Drittel der Domherrn hatte nach 1300 an einer Universität studiert, die meisten von ihnen (nämlich 27 Kapitulare) studierten in Wien, sieben auch in Bologna, dazu auch in Paris, in Prag, in Avignon und in Leipzig. Das war für adelige Kapitel damals vergleichweise viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
===Baugeschichte=== &lt;br /&gt;
Als Erzbischof Konrad I. 1122 die &amp;quot;vita communis&amp;quot; im Domstift Salzburg einführte, errichtete er für Kleriker, Laien und Domfrauen drei zusammengeschlossene Klosterbereiche. Diese erstreckten sich an der Südseite des frühmittelalterlichen Domes, eines dreischiffigen Saalbaues mit langgestreckter Apsis und Eingangshalle im Westen, an die Konrad zwei Türme anbauen ließ. Nach der Weigerung Konrads II., den von Kaiser Friedrich I. erhobenen Gegenpapst Paschalis anzuerkennen, wurde die Stadt Salzburg 1167 von den Pfalzgrafen überfallen und in Flammen gesetzt, Dom und Klöster wurden dabei vernichtet. Die spätromanische, monumentale Gestalt des Domes in der Stadtansicht von 1553 geht auf den Neubau seit 1181 unter Erzbischof Konrad III. zurück. Man bekommt hier also ein ungefähres Bild vom Aussehen des regulierten Domstiftes vom Beginn des 13. Jahrhunderts bis zur Säkularisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1956/58 und 1966/67 durchgeführte Grabungen haben eine genauere Rekonstruktion ermöglicht: ein sechsjochiges, eingewölbtes Langhaus von 73,5 m Länge grenzt an ein Querhaus von 57,5 m Breite mit Apsiden an den Stirn- und Ostseiten. Das hochragende Mittelschiff flankieren (nach F. Pagitz) zwei Seitenschiffe, im Süden bildet eine Kapellenreihe ein weiteres Seitenschiff. An die Vierung schließt der 22 m lange Chor mit Rundapsis an. Vom Hauptschiff aus führen zwei Abgänge in die dreischiffige Hallenkrypta, dem Bestattungsort der Bischöfe. Seitlich des achteckigen Vierungsturmes ragen zwei Rundtürme über der nördlichen und südlichen Querhausapsis empor. Die beiden hohen Westtürme mit der Eingangshalle sind noch aus der Zeit Konrads I. erhalten. Von den Vorgängerbauten des Domes unter Bischof Virgil (Weihe 774), Erzbischof Arno (785–821) und Erzbischof Hartwik (991–1023) wurden für den Konrad-III.-Dom die wesentlichen Baulinien und auch die Maßeinheiten des Langhauses übernommen, der Kirchenbau aber nach Osten hin noch etwas ausgedehnt. An das südliche Seitenschiff schließt unmittelbar der nördliche Kreuzgangarm des Konvents an. Im Westen des quadratischen Kreuzganges befindet sich die Propstei, im Osten das Kapitelhaus mit dem Dormitorium, weiters drei Kapellen, deren Funktion der Chronist Johann Stainhauser im beginnenden 17. Jahrhundert folgendermaßen beschreibt: die St-Augustin-Kapelle habe als Grablege der Pröpste gedient, in der 1442 geweihten Katharinenkapelle habe sich das Kapitel zur täglichen Lesung versammelt, in der 1223 geweihten Heinrichskapelle seien die Domherren zur Wahl der Erzbischöfe und der Dompröpste zusammengekommen. Das Frauenkloster ist nun räumlich getrennt an der Nordseite der Pfarrkirche (der heutigen Franziskanerkirche) angesiedelt. Nach der Säkularisation des Domstiftes ließ Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau infolge der irreparablen Brandschäden von 1598 schließlich den alten Dom vollständig abtragen und den frühbarocken Neubau nach Plänen von Vincenzo Scamozzi errichten. Seine Hauptachse ist gegenüber den geosteten Vorgängerbauten leicht nach Süden hin verschoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildende Kunst===&lt;br /&gt;
Salzburg gehörte als geographischer Knotenpunkt durch das ganze Mittelalter hindurch zu den großen Zentren der bildenden Kunst im Hl. Römischen Reich. Schwierigkeiten bereitet es, die Kunstproduktion im Auftrag des Domstifts bzw. der schöpferisch tätigen Domherren von den Kunstaufträgen für den Erzbischof zu trennen. Weiters, in der Buchmalerei, zwischen den Schreibschulen der einzelnen Klöster zu differenzieren. Nach der Ausgliederung des Klosters St. Peter aus der Gesamtheit der Domgeistlichkeit Ende des 10. Jahrhunderts bildeten sich mit St. Peter und dem Domkapitel zumindest zwei unterschiedliche Entwicklungsströmungen in der Buchkunst heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auswirkungen des einflussreichen Schaffens des Salzburger Domskriptoriums zeigen sich in den Werken anderer österreichischer Chorherrenstifte bis nach Klosterneuburg. Den typischen flächigen Federzeichenstil des Domskriptoriums weisen zwei ganzseitige Zeichnungen auf, die den Text des aus fünf Nekrologen bestehenden Totenbuches des Domstiftes ergänzen. Es enthält Eintragungen von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. Einzig erhaltenes Kunstwerk aus der Chorherrenzeit im heutigen Dom ist das bronzene Taufbecken (1321 von Meister Heinrich gegossen), das auf vier liegenden Löwen mit stilisierten Mähnen (um 1220) ruht. Die Außenwand des Beckens ziert ein reliefierter Fries aus 16 Rundbögen, in denen Bischofsfiguren stehen. Das Museum Carolinum Augusteum verwahrt – wahrscheinlich vom alten Dom – ein marmornes Marientympanon, entstanden um 1220. Eine zweiflügelige Holztüre von 1450 mit zwölf Reliefs (Maria mit Kind, Johannes d. T. und zehn Apostel) wurde von Erzbischof Wolf Dietrich in die Salzburger Kapuzinerkirche übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Quellen wird hinsichtlich der Ausstattung des mittelalterlichen Domes von Wand- und Glasmalereien berichtet, 1219 von der Weihe des Johannesaltars in der Krypta, 1201 wird ein Rupertialtar vor dem Lettner erwähnt. Immer wieder richteten Feuersbrünste große Schäden an. 1393 stiftete Erzbischof Pilgrim in der ehemaligen Nikolaikapelle eine neue Kapelle mit sechs Altären und sechs Benifizien. Erzbischof Gregor Schenk von Osterwitz (1396–1403) ließ eine große Orgel über dem Westeingang einbauen und eine neue Kanzel aufstellen. Erzbischof Sigmund I. von Volkersdorf (1452–1461) beauftragte Stefan Krumenauer, das Westportal aufzuführen. Mehrere Erzbischöfe beauftragten ihre Grablegen im Dom, so auch Leonhard von Keutschach im nördlichen Seitenschiff. Die blühende Salzburger Plastik um 1500 reflektiert das Keutschachdenkmal auf der Festung Hohensalzburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Goldschmiedearbeiten des Domschatzes sind großteils verlorengegangen. So ließ Erzbischof Wolf Dietrich das bedeutendste silberne Kunstwerk, den Passionsaltar des Salzburger Goldschmieds Wolfgang Faust von 1466, einschmelzen. Viele Objekte der erzbischöflichen Silberkammer gelangten durch Großherzog Ferdinand III. von der Toskana, der während der napoleonischen Kriege vorübergehend das reichsfürstliche Gebiet des Erzstiftes Salzburg als Kurfürstentum erhalten hatte, nach Florenz in den Palazzo Pitti, z. B. sog . &amp;quot;Heiltümer&amp;quot;, kostbar gefasste Naturmaterialien wie Greifenklauen oder Doppelpokale, die zu liturgischen Zwecken dienten. Wenige Stücke befinden sich noch im Salzburger Domschatz, darunter die ursprünglich über dem Taufbecken hängende Hostientaube, eine Arbeit aus Limoges um 1200, oder der sog. &amp;quot;Rupertikelch&amp;quot;, ein Messkelch aus dem dritten Viertel des 13. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der Handschriftenbestand des alten Regularkapitels betrug etwa die Hälfte der Manuskripte, die das [[Stift St. Florian|Augustinerstift St. Florian]] heute noch besitzt. Vom Ende des 12. Jahrhunderts ist ein erster Katalog mit 30 verzeichneten Handschriften erhalten. 1433 zählte der Bibliothekar Mag. Johannes Holveld 393 Handschriften, die mit Ketten an der Wand auf 18 Stellagen befestigt waren und auf bereitgestellten Stehpulten gelesen werden konnten. Mehr als die Hälfte der Bücher befassten sich mit Theologie, dazu kamen liturgische Handschriften und solche juridischen Inhalts. Geschichte, Philosophie und Literatur galten dagegen eher als Freizeitbeschäftigung und waren kaum vertreten. Historisches wird man wohl bei Tisch vorgelesen haben. Der wichtigste &amp;quot;Bücherlieferant&amp;quot; für das Domkapitel war die oberbaierische Reichsabtei Tegernsee. Durch deren Schreibschule kamen auch Wiener Scholastiker nach Salzburg. Die Exemplare befinden sich seit der Säkularisation zum Teil in der Erzabtei St. Peter (mit dem Totenbuch Cod aIX 7), teilweise in Paris (1801), Wien (1806, Consuetudines von Klosterrath) und München. Mit der Auflösung des Domklosters ging die Bibliothek keineswegs in den Besitz des Erzbischofs oder des neuen Domkapitels über, sondern wurde zunächst in alle Himmelsrichtungen zerstreut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Wind konnte schon vor einigen Jahren kompetent zeigen, dass die Benediktinische Schreibschule und die der &amp;quot;ecclesia maior&amp;quot; von Salzburg doch sehr unterschiedlich arbeiteten. Man habe viel zu vorschnell in Millstadt, St. Peter, Michelbeuern, Admont, bei den Petersfrauen mit ihrem berühmten Graduale oder beim Orationale vom Nonnberg und anderswo ohne Unterschied von &amp;quot;Salzburger&amp;quot; Provenienz und Einfluss gesprochen. Nach Wind wurde sehr wohl ein Unterschied nach Ordenszugehörigkeit gemacht. Das zeigte sich schon in den Kalendarien, wo eben die Ordensheiligen unterschiedlichen Rang einnahmen. Auch die Zusammensetzung der Autoren war von der Ordenszugehörigkeit beeinflusst, wenn nicht bestimmt. Bei den Chorherren findet sich daher viel Augustin und Theologen aus der augustinischen Tradition wie Honorius von Autun, Rupert von Deutz, Hugo von Saint-Victor in Paris u. a. Über die aus dem Salzburgischen &amp;quot;Territorium&amp;quot; Friesach in Kärnten stammenden Dominikaner, die Eberhard II., wie schon erwähnt , als Professoren der Philosophie und Theologie an die Kapitelschule gebracht hatte, kamen weiters die Scholastiker in die Bibliothek, und nicht zu vergessen, der neue Aristotelismus. Es fanden sich jetzt Peter Lombardus, Thomas von Aquin, Kommentare zu den Dekretalien und Formelbücher ein. Auch die Homiliare (Sermonare) in St. Peter aus dem 15. Jahrhundert stammen von den Chorherren. Zu den Augustinerbeständen gehörten ferner die Pastoralregel des hl. Gregor I. und der Volksprediger Berthold von Regensburg. Es hat den Anschein, als hätten die Chorherren auch mit ihrer Büchersammlung an die 19 inkorporierten Pfarreien mit ihren Vikaren gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Was wir bei der Bibliothek und ihrem Schicksal beobachten konnten, gilt auch für die Archivalien. Heinz Dopsch beklagt, dass das Archiv der regulierten Domherrn ohnedies nicht sehr reich war und dass es offenbar fast zur Gänze im 19. Jahrhundert nach Wien ausgelagert wurde. Das Domkapitelarchiv fand demnach ziemlich geschlossen seinen Weg in das HHStA Wien, einiges auch in das BStA München. Die diesbezügliche Quellenlage könnte auch im Mittelalter besser gewesen sein. Hans Wagner interpretiert das als Folge des Religiosenstandes der Archivbesitzer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur== &lt;br /&gt;
* Heinz Dopsch: Geschichte Salzburgs - Stadt und Land, Mittelalter Band I/2:  Vorgeschichte, Altertum, Mittelalter. Salzburg 1983, S. 1042–1047.&lt;br /&gt;
* Heinz Dopsch: Das Domstift Salzburg. Von den Anfängen bis zur Säkularisation (1514). In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 171–188.&lt;br /&gt;
* Franz Fuhrmann: Salzburg in alten Ansichten. Salzburg / Wien 3. Aufl. 1981.&lt;br /&gt;
* Christian Greinz: Die fürsterzbischöfliche Kurie und das Stadtdekanat zu Salzburg. Ein Beitrag zur historisch-statistischen Beschreibung der Erzdiözese Salzburg. Salzburg 1929, S. 62f.&lt;br /&gt;
* Karl Friedrich Hermann: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer. 2. Abteilung: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, Teil 9: Salzburg. Salzburg 1957.&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die mittelalterliche Buchkunst der Chorherrenstifte am Inn. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 205–231.&lt;br /&gt;
* Franz Hörburger: Salzburger Ortsnamenbuch. Bearb. von Ingo Reifenstein / Leopold Ziller. Salzburg 1982.&lt;br /&gt;
* Ulrich Kopf: Kann man von einer Spiritualiät der Augustiner-Chorherren sprechen?. In: Die Stiftskirche in Südwestdeutschland: Aufgaben und Perspektiven der Forschung. Hg. von Sören Lorenz / Oliver Auge. Leinfelden-Echterdingen 2002, S. 141–158.&lt;br /&gt;
* Franz Ortner: Salzburger Kirchengeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Salzburg 1988.&lt;br /&gt;
* Franz Pagitz: Quellenkundliches zu den mittelalterlichen Domen und zum Domkloster in Salzburg. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 108 (1958), S. 21–156.&lt;br /&gt;
* Franz Pagitz: Die mittelalterlichen Dome in historischer Sicht u. Versuch einer Rekonstruktion des Konrad-III-Domes, in: 1200 Jahre Dom zu Salzburg, 774–1974. Festschrift zum 1200jährigen Jubiläum des Domes zu Salzburg. Hg. von Hans Spatzenegger. Salzburg 1974, S. 31–62, 83–89.&lt;br /&gt;
* Kurt Rossacher: Der Schatz des Erzstiftes Salzburg. Ein Jahrtausend deutscher Goldschmiedekunst. Salzburg 1966.&lt;br /&gt;
* Johann Sallaberger: Kardinal Matthäus Lang. Salzburg 1997.&lt;br /&gt;
* Teréz Gerszi (Bearb.): Die Salzburger Skizzenbücher des Paulus van Vianen. Mit topographischen Erläuterungen von Herbert Klein. Salzburg 1983 (Schriften des Salzburger Barockmuseums, 10).&lt;br /&gt;
* Rudolf Schieffer: Die Entstehung von Domkapiteln in Deutschland. Band 2. Bonn 1982 (Bonner Historische Forschungen, 43).&lt;br /&gt;
* Georg Schreiber: Kurie und Kloster im 12. Jahrhundert: Studien zur Privilegierung, Verfassung und besonders zum Eigenkirchenwesen der vorfranziskanischen Orden vornehmlich auf Grund der Papsturkunden von Paschalis II. bis auf Lucius III. (1099–1181). 2 Bände. Stuttgart 1910.&lt;br /&gt;
* Georg Schreiber: Gregor VII., Cluny, Cîteaux, Prémontré zu Eigenkirche, Parochie, Seelsorge. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Kanonistische Abt. 45 (1947), S. 31–171. [http://www.digizeitschriften.de/dms/img/?PPN=PPN602167337_0034&amp;amp;DMDID=DMDLOG_0006 (Digitalisat)] &lt;br /&gt;
* Hermann Vetters: Die mittelalterlichen Dome in archäologischer Sicht: In: 1200 Jahre Dom zu Salzburg, 774–1974. Festschrift zum 1200jährigen Jubiläum des Domes zu Salzburg. Hg. von Hans Spatzenegger. Salzburg 1974, S. 73–82.&lt;br /&gt;
* Hans Wagner: Das Domkapitel von Salzburg zur Zeit des Augustinerchorherrenstiftes 1122 bis 1514. Salzburg um 1958, Typoskript.&lt;br /&gt;
* Hans Wagner / Herbert Klein: Salzburgs Domherren 1300–1514. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 92 (1992), 1–81.&lt;br /&gt;
* Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert. Köln / Wien 1975 (Kölner Historische Abhandlungen, 24).&lt;br /&gt;
* Peter Wind: Zum Skriptorium des Salzburger Domstifts (1122–1514). In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 189–203.&lt;br /&gt;
* Gerhard B. Winkler: Die nachtridentinischen Synoden im Reich. Salzburger Provinzialkonzilien 1569, 1573, 1576. Wien / Köln / Graz 1988.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<title>Stift Salzburg</title>
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		<updated>2022-10-14T07:02:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1122&lt;br /&gt;
|Datum bis=1514&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Das vom hl. Bonifatius 739 als eines von vier baierischen Bistümern (neben Passau, Innsbruck, Freising) gegründete Bistum Salzburg wurde 798 zum Erzbistum erhoben. Heute gehören zum Erzbistum Salzburg als Suffragane die Bistümer Graz–Seckau, Gurk–Klagenfurt, Innsbruck und Feldkirch.&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Juvavum (ab 1. Jhd. in Inschriften)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Petrus, hl. Rupert, hl. Virgil, Salvatorpatrozinium&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Stadt an der Salzach, heute Landeshauptstadt des Bundeslandes Salzburg.&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Salzburg vom Kapuzinerberg 1553.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Salzburg am Kapuzinerberg (1553)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
Hier sollen knapp 400 Jahre der Geschichte des Salzburger Erzkapitels skizziert werden, nämlich die Jahre 1122 bis 1514, in denen die Salzburger Domherrn als Regularkanoniker lebten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vorgeschichte des Salzburger Chorherrenstiftes=== &lt;br /&gt;
In der &amp;quot;Vita Severini&amp;quot; von Eugippius (511) steht: &amp;quot;... oppidum, quod Iuvao appellabatur, ...&amp;quot; (c. 13). An der zitierten Stelle der singulären Quelle aus der Völkerwanderungszeit wird ein Konvent von drei &amp;quot;viri spirituales&amp;quot; erwähnt, die eine wichtige &amp;quot;Basilika&amp;quot; betreuten. Das soll nicht heißen, dass diese schon Mönche oder &amp;quot;Kanoniker&amp;quot; im späteren Sinn waren, dass es aber schon früh Vergleichbares gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch den hl. Bischof Rupert aus Worms (596) wurde das durch die Barbareneinfälle halb zerstörte und verfallene Iuvavum wiederentdeckt bzw. wiederhergestellt. Er dürfte schon in der Gegend des heutigen Friedhofs von St. Peter eine Mönchsgemeinschaft vorgefunden haben, für die er ein Kloster errichtete und deren Mitglieder den Abtbischöfen in der Folge auch als Kapitularen dienten. 739 errichtete der hl. Bonifatius die Nebenresidenz der Agilolfinger zu einem &amp;quot;kanonischen&amp;quot; Bistumssitz mit bereits weitgehend fixiertem Sprengel. Unter dem hl. Bischof Virgil (745–784) ist schon früh eine gemischte Gemeinschaft von Mönchen und Klerikern erwähnt, die man als Vorform des späteren Kapitels ansehen darf. Die Reihe der Kapitulare weist zahlreiche romanische Namen auf, deren Träger für die Karantanenmission wichtig wurden. Ein formelles Domkapitel neben dem Mönchskapitel von St. Peter ist erst 925 belegt. Das ursprüngliche Klosterkapitel von St. Peter und das nach Virgils Dombau (774) immer unentbehrlicher werdende Domkapitel hatte zunächst weder getrennte Bibliothek, noch Schule und Skriptorium. Demnach waren dem Domkapitel bereits seit den von uns geschilderten Anfängen gewisse Frühformen des Ordenslebens keineswegs unbekannt. Erst als die missionsgeschichtlich bedingte Einrichtung des &amp;quot;Abtbischofs&amp;quot; allgemein aufgegeben wurde (987), machte man das Dom- und Erzkapitel vom hl. Rupert in Salzburg zu einer eigenständigen juridischen Person. Erzbischof Konrad I. wandelte das Domkapitel 1122 in ein Kloster von Augustiner Chorherren um.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das reformierte Erzkapitel=== &lt;br /&gt;
[[Bernhard von Clairvaux]] (verstorben 1153), ein großer Freund der Regularkanoniker in der Champagne, in Lothringen und in Burgund, förderte die Umformung von weltlichen Kollegiatskapiteln in Regularkanoniker, wo er konnte. Die diesbezüglich auffallendste Konversion war die Reform der Stiftsherrn in Vorles/Châtillon, bei denen er in die Schule gegangen war. Er war ein Freund Norberts von Xanten (verstorben 1134) und Zeitgenosse [[Gerhoch von Reichersberg|Gerhochs von Reichersberg]]. Bernhard formulierte die diesbezüglichen gregorianischen Reformideen und die Hoffnungen der religiösen Bewegungen seiner Zeit wiederholt mit Hilfe seiner Hochzeitsallegorese: Der göttliche Bräutigam habe für seine Braut, die Kirche, in jenen schwierigen Zeiten zwei besondere &amp;quot;Morgengaben&amp;quot; bereitgestellt: Zuerst als Bekleidung für den Winter die Kukulle der Reformmönche als Sinnbild der Zurückgezogenheit, Einkehr und Demut (mit einem Wort der ''humilitas''), sozusagen das Weihnachtsgeheimnis; dann die farbenfrohe Kanonikerkleidung mit dem adeligen Hermelin &lt;br /&gt;
als Sinnbild der apostolischen Zuwendung, der Auferstehungsfreude und der Glaubensverkündigung (mit einem Wort der ''caritas''), sozusagen das Ostergeheimnis. Die dunklen Pelzschwänzchen auf den Kanoniker Hermelinen stünden für die feurigen Zungen der Apostel, welche die Osterbotschaft laut verkündeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Ideenwelt lebte auch der gelehrte Augustiner Gerhoch, als er vom Reformzentrum Rottenbuch in Oberbaiern, über Regensburg/Stadtamhof (St. Mang), Passau/St. Nikola und schließlich [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] am Inn von Erzbischof Konrad I., Graf von Abensberg (1106–1147) nach Salzburg berufen worden war. Er sollte 1122 behilflich sein, das Domkapitel zu regulieren und zu einem Mutterkloster einer ganzen Chorherren-Kongregation von 14 bzw. 17 mehr oder weniger affiliierten und unterstellten Propsteien zu machen. Es waren dies: [[Stift Suben|Suben]], [[Stift Reichersberg|Reichersberg am Inn]] (Passau), [[Stift Au-Gries|Au]], Gars, Weyarn am Salzburger Innbogen, Höglwörth und [[Stift St. Zeno|St. Zeno Reichenhall]] im &amp;quot;baierischen&amp;quot; Anteil Salzburgs, [[Stift Bischofshofen|Bischofshofen im Pongau]] und [[Stift Zell am See|Zell am See]] im Pinzgau, Maria Saal und [[Stift Gurk|Gurk]] in Kärnten, [[Stift Seckau|Seckau]] und [[Stift Vorau|Vorau]] in der Steiermark - und das Salzburger Domkloster; dazu wurden die künftige Fürstabtei Berchtesgaden und Baumburg am Innbogen affiliiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Salzburger Reform diente auch für andere Klöster als Vorbild in der Observanz (etwa für [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] und [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]]). Der Erzbischof, der eines der größten Bistümer des Reiches zu verwalten hatte, gedachte künftig, seine bischöflichen Aufgaben gleichsam als Generalabt einer Chorherrenkongregation auszuüben, nachdem es im Bereich des Salzburger Bistumssprengels den Erzbischöfen relativ früh gelungen war, die Eigenkirchenrechte der Laien in die eigene Hand zu bekommen. Eigentlich hatte diese Entwicklung schon mit der Eigenkirchenpolitik Bischof Virgils (745–784) begonnen. Der Erzbischof nahm selbst den Ordenshabit, was damals mehr galt als eine bloße Äußerlichkeit. Er verzichtete damit im ersten Reformeifer auf die traditionell eigenkirchlichen Rechte des Hochstifts gegenüber seiner Klosterklientel; seine eigenen Maßnahmen führten aber eher zu einer weitgehenden Emanzipation der Klöster, auf deren Obedienz Salzburg vielfach nur mehr bei Synoden und ähnlichen Feierlichkeiten bestand - allerdings noch bis in die frühe Neuzeit hinein. Sogar bei Berchtesgaden mit seinem reichsrechtlichen Sonderstatus blieben diese symbolischen Bande. Es waren ausgerechnet Reformmönche im Salzburgischen ''Chrisam'', die später darauf pochten, dem Erzbischof keine Obedienz zu schulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Umwandlung des Salzburger Domstifts besser zu verstehen, empfiehlt es sich auch Werdegang und Motive des aus mittelfränkischem Adel stammenden Erzbischofs kurz zu berühren. Im bekannten Investiturstreit zur Zeit Gregors VII. und nachher bis zum Wormser Konkordat (1122) war der deutsche Episkopat gespalten. Die Mehrheit hielt zum Kaiser, jeweils eine Minderheit, zu der die Salzburger gehörten, zum Papst. Das war schon unter Erzbischof Gebhard der Fall. Bischof Altmann von Passau, ein Mitstreiter, war damals ein leidenschaftlicher Förderer der Chorherrenreform geworden. [[Konrad I.]] nahm noch als Anhänger Kaiser Heinrich V. 1111 am Romzug, an der Synode zu Sutri und an den turbulenten Ereignissen in Rom teil, als Pascal II. gezwungen wurde, die uneingeschränkte Laieninvestitur zuzugestehen. Diese unerhörte Demütigung des Papstes führte zu einer Entfremdung zwischen Konrad und dem Kaiser. In der Folge musste er eine über zehnjährige Verbannung in Tuszien, in Admont und in Halberstadt bei Bischof Reinhard auf sich nehmen. 1111 hatte Konrad schon vergeblich eine Reform des Salzburger Kapitels versucht, indem er an der Reformunwilligkeit der Betroffenen und den Ministerialen, deren weltlichem Anhang, gescheitert war. Nachdem Worms (1122) theoretisch einen Kompromiss, praktisch aber einen Sieg der Laieninvestitur gebracht hatte, weigerte sich der Erzbischof, die Regelungen anzunehmen und setzte neben dem umsichtigen Ausbau eines Burgensystems und einer Modernisierung der Verwaltung energisch auf die &amp;quot;innere&amp;quot; Emigration, nämlich den späten Gregorianisrnus. Das war seine erstrebte Priesterreform auf dem Weg über die reformierten Kapitel. Er ging ziemlich konsequent vor und tauschte reformunwillige Kanoniker gegen reformbereite aus, die er etwa auch vom Rhein (und von Limburg, d. h. aus Klosterrath bei Aachen und aus Springiersbach an der Mosel) kommen ließ. Tatkräftig wurde er unterstützt: vom Regularpropst [[Gerhoch von Reichersberg]], von Bischof [[Roman I.]] von Gurk und dem sel. Domdekan [[Hartmann]], in der Folge Propst von Chiemsee und Klosterneuburg und Bischof von Brixen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konrad plante auf dem Areal des heutigen &amp;quot;Kapitelplatzes&amp;quot; an der Südseite des dann von seinem Nachfolger Konrad III. ausgeführten spätromanischen Dornes eine großzügige Klosteranlage. Sie bestand aus drei Teilen, einem für das Stiftskapitel, einem für die Laienbrüder und dem dritten, den an die heutige Franziskanerkirche anschließenden, für die Chorfrauen. Der heutige Domplatz hieß damals deretwegen &amp;quot;Frauenplatz&amp;quot;. Jedem der drei Stände wurde ein eigener Kreuzgang bereitgestellt. Die Augustinerinnen verrichteten in der damaligen Stadtpfarrkirche (Franziskanerkirche) ihren Gottesdienst. Der Salzburger Codex 1482 aus dem 12. Jahrhundert in der Wiener Nationalbibliothek enthält Chorherrenstatuten, deren Text auf den bedeutenden Rechtsgelehrten und Kanoniker, den hl. Ivo von Chartres (verstorben 1116), zurückgeht. Sie sind so allgemein gehalten, dass sie je nach Bedarf äußerst anpassungsfähig waren. Für Historiker sind sie allerdings weniger ergiebig. Die regulierten Chorherren, normalerweise 24 an der Zahl, die in Krisenzeiten jeweils sogar bis auf nur sieben reduziert wurde, hatten ein gemeinsames Dormitorium wie etwa auch die Ordensritter auf ihren Burgen. Die adeligen Herrn mussten mit insgesamt vier Dienern auskommen, zwei für den privaten Bedarf und zwei für den Tischdienst im gemeinsamen Refektorium. Ein wichtiges Amt hatte der Spitalmeister (Hospitalarius) bei St. Johann (Kapitelgasse/Kaigasse) inne. Die Errichtung des Spitals durch den Erzbischof wurde 1143 beurkundet. Daneben gab es noch den Magister infirmariae, den Aufseher über die Krankenabteilung innerhalb der Klausur. Eine Seltenheit war der Oblajar, der Verwalter der Messstiftungen. Immer wieder sind Kustoden genannt. Die Ämter des Scholasticus (des Schulmeisters bzw . Novizenmeisters, wie spätere Zeiten gesagt hätten) und des Kantors wurden 1243 besonders dotiert. Beide standen sie für Wissenschaft und Kunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kanoniker wurden im Sinne der Regel des hl. Augustin auch zur Handarbeit angehalten. So verursachte eine Metallschmelze in einer der Werkstätten 1127 den Dombrand. Die Kapitulare bekamen ein &amp;quot;peculium&amp;quot;, das im späten Mittelalter (1366) 200 Gulden betrug. Dazu kamen Chorgelder als Anreiz für die persönliche Teilnahme am Offizium. Am 28. Oktober 1427 bestätigte Martin V. eine Neuregelung zur Verteilung der Pfründenerträgnisse. Die Chorherren waren aber rechtlich keine Pfründeninhaber. Für studierende Domicelli gab es im allgemeinen keine kirchlichen Pfründe, was sonst eher üblich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Erlahmung des regulären Geistes am Ende des Mittelalters wurde die Eigentumslosigkeit immer mehr zum Problem. Da der Dompropst seine Disziplinargewalt streng ausübte, wurde die Residenzpflicht im Unterschied zu später sehr ernst genommen. Dadurch wurde die viel beklagte Ansammlung von Ämtern und Pfründen verhindert. Die strenge Beobachtung des Gehorsamsgelübdes wurde von den meisten Kapitularen eher als ein Segen denn als ungebührliche Beschränkung der Freiheit verstanden. Nur zum Beginn der Neuzeit lechzten manch jüngere Domherrn nach den Freiheiten, von denen sie aus der Begegnung mit den benachbarten Kapitularen Bescheid wussten. Das Institut der Chorfrauen, das rechtsgeschichtlich noch an die Doppelklöster der &amp;quot;vita apostolica&amp;quot;-Bewegung des 12. Jahrhunderts erinnert, löste erst der Erzbischof Burckhard II. von Weißpriach (1462) auf. Das Kapitel bekam einträgliche Pfarren - vor allem im Lungau. Das Domkloster übernahm die bislang von St. Peter in der Michaelskirche ausgeübten Pfarr- und Begräbnisrechte in der Stadt Salzburg. Durch den Regularstatus des Salzburger Domkapitels stammten die weitaus meisten Erzbichöfe aus dem Kapitel, wobei sich die Pröpste als prädestinierte Anwärter auf das Amt des Fürsterzbischofs fühlten. Nicht nur der päpstlichen Kurie, auch dem Kaiser glückte es nur selten, den Erzstuhl mit einem direkten Protege zu providieren, so 1481 mit Johann von Gran. Als des Kaisers Besetzungspolitik bei Kardinal Lang erfolgreich wurde (1514), war es auch mit dem Regularstatus zu Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Säkularisierung=== &lt;br /&gt;
Die erwähnten Vorteile des Salzburger Propriums eines Augustinerchorherren-Stiftes, das gleichzeitig für die Dauer von 400 Jahren als Domkapitel gedient hatte, wurden noch lange nach der Aufhebung deutlich gesehen. Die &amp;quot;Zimmerische Chronik&amp;quot; des 17. Jahrhunderts überliefert die volkstümliche Bezeichnung des Salzburger Domstiftes als das &amp;quot;geistlichste Kapitel in deutschen Landen&amp;quot;. So lautete die bekannte Eingabe der Salzburger Landstände bei Erzbischof Leonhard von Keutschach 1513: Die ganze Kirchenprovinz habe durch das &amp;quot;ehrbare und geistliche Leben in ihrer Domkirche&amp;quot; gewonnen. Durch die Aufhebung drohte ein großes Ärgernis beim &amp;quot;gemeinen Mann&amp;quot;, der sich die Gründe für die Aufhebung nicht erklären könne. Die Abschaffung der Ordensobservanz würde einem &amp;quot;ungeordneten Leben&amp;quot; in den benachbarten Domkapiteln Vorschub leisten. Die freie Wahl der Erzbischöfe sei dann nicht mehr gewährleistet. Denn die Ordensregel habe das Eindringen von päpstlichen und kaiserlichen Günstlingen verhindert. Sollte es dem Erzbischof gelingen, das &amp;quot;drohende Unheil&amp;quot; der Säkularisation abzuwenden, würden Seiner &amp;quot;fürstlich Gnad von dem heilligen lieben Augustin, Sant Ruprecht und Virgilien den Lohn und von der ganzen Landschaft groß Lob und Danck empfangen.&amp;quot; Gegenüber dem Papst argumentierten die Stände am 25. April 1513 mit dem Konkordat von 1448, den &amp;quot;Kompaktaten der deutschen Nation&amp;quot;: Die Aufzwingung eines Koadjutors gegen den Willen des Erzbischofs und des Kapitels verstoße gegen zwischenstaatliches Recht und sei demnach rechtswidrig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das regulierte Erzkapitel war keineswegs in schlechtem moralischen Zustand und deshalb reif für eine Liquidierung. Allerdings wehrte sich eine qualifizierte Minderheit heftig gegen den Regularenstatus – und nicht nur aus den eben angeführten kirchenpolitischen Gründen. Der Erzbischof, selbst ein überzeugter Chorherr und ehemaliger Propst von [[Stift Eberndorf|Eberndorf an der Drau]], verhinderte die Durchführung der Säkularisation bis zu seinem Tod 1519. Der Medicipapst Leo X. musste ihn dazu noch sanft ermahnen, nachdem die diplomatische Mission des Ordensvikars der Augustinereremiten Johannes Staupitz, bekanntlich des Lehrers Martin Luthers, in Rom gescheitert war. Leonhard hatte das durch Krieg und Misswirtschaft zerrüttete Hochstift wieder durch größte Sparsamkeit und kluge Wirtschaft saniert. Nun erfolgte in seinen Augen ein Dammbruch von einer Seite, an die er am allerwenigsten gedacht hätte. Der Erzbischof verfügte, dass er im Augustinerhabit begraben würde. Anhänger der alten Ordensidee wie der Dompropst Rudolf von Kienburg (Kuenburg) erwirkten sich sogar noch in Rom als Bekenner die Erlaubnis, unter ihrer Kanonikerrobe den Ordenshabit zu tragen. Er führte ein besonderes Gelübde anlässlich einer schweren Krankheit ins Treffen. Der Kapitelsenior Balthasar von Stubenberg war der einzige, der sich sogar weigerte, den Vertrag mit Kardinal Lang zu unterschreiben. Er verschloss sich auch, den &amp;quot;neuen&amp;quot; nepotistischen Gepflogenheiten nachzugeben und einen Neffen für sein Kanonikat namhaft zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Salzburg vom Kapuzinerberg 1553.png|mini|Salzburg vom Kapuzinerberg, Federzeichnung von 1553 &amp;lt;br /&amp;gt;Erzarbtei St. Peter, Salzburg]]&lt;br /&gt;
Die Befürworter der Säkularisation führte der Domdekan Andreas von Trautmannsdorff an. An ihm ließ Leonhard Tornator, der Chronist von St. Peter, kein gutes Haar: Er habe Habit und Regel des hl. Augustinus eine &amp;quot;Phantasterei&amp;quot; genannt. Polemisch, vielleicht auch un gerecht, aber auch nicht ganz unr ealistisch hieß es: &amp;quot;Sie zögen den Habit aus, um leichter ihrem Fleische frönen zu können.&amp;quot; In Wirklichkeit lockten echter Pfründenbesitz, Ämterhäufung, Lockerung der Residenzpflicht, Palais, eigener Haushalt, adeliger Lebensstil, Stammbaum, Adelsprestige, dazu weltliche Würden und Ämter und – der Vergleich mit benachbarten Kapiteln und den Möglichkeiten, die man dort besaß. Der greise Erzbischof machte mit Recht einzig und allein die Uneinigkeit der Kapitulare dafür verantwortlich, dass der Humanistenfreund und Diplomat von europäischem Format, Matthäus Lang von Wellenburg 1514 Koadjutor von Salzburg und damit prospektiver Nachfolger des Erzbischofs Leonhard wurde. Dabei hatte der intelligente Renaissancemensch und Emporkömmling Lang die schwache Stelle des Regularkapitels blitzartig erkannt, um die uralte Kunst des &amp;quot;Divide et impera!&amp;quot; zu üben. Die Säkularisationsbulle Leo X. war mit 22. September 1514 erlassen worden und hätte binnen Jahresfrist (am 18. September 1515) durchgeführt werden sollen. In diesem Zusammenhang würde es wohl zu weit führen, die Ereignisse von Salzburg als &amp;quot;Reformation vor der Reformation&amp;quot; zu bewerten. Der Vorgang war harmlos, wenn man ihn etwa mit der reformationsbedingten Säkularisation des preußischen Ordenslands vergleicht (1525). Aber eine gewisse Umwidmung von zweckgebundenem Kirchengut war doch insofern gegeben, als der Kanoniker neuen Rechts nach 1514 immer mehr in weltlichen Regierungsgeschäften aufging und immer weniger für die eigentlich geistlichen Aufgaben zu verwenden war. Einige Jahrzehnte später musste das Konzil von Trient &amp;quot;labore improbo&amp;quot; gegen Pfründenkumulation und für die Residenzpflicht streiten, welche die Salzburger für ein Linsenmus verspielt hatten. Sie waren kaum mehr für die großen geistlichen Aufbrüche, die im Kommen waren, zu gebrauchen. Die Trienter Dekrete wurden auf anderen Wegen als über das Adelskapitel ausgeführt. Im Zuge der nachtridentinischen Reform wurde die Rede vom unreformierbaren Erzkapitel gang und gäbe. Das war nicht nur als polemischer Topos gemeint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Schule und Wissenschaft=== &lt;br /&gt;
Heinz Dopsch betont, dass die Wissenschaftspflege des Regularkapitels im Schatten der Salzburger Benediktiner zu St. Peter gestanden sei. Man wird sich diesen Beobachtungen nicht ganz verschließen können. Jedoch sei eine Erklärung versucht, die sich aus dem Vergleich ähnlicher Institutionen u. a. auch ergibt. Zur Pflege der Wissenschaft gehören Traditionen, Kulturpolitik, Talent und Stille. Man kann zeigen, dass bedeutende Fürstabteien, große Bistümer mit deren Kapiteln und etwa tätige Ritterorden mit einem weitverzweigten Vermögensstand ihre begabtesten Mitglieder vielfach für Verwaltungsaufgaben einsetzen mussten, sodass dem einzelnen zum Bücherlesen und -schreiben wenig Zeit blieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Salzburger Chorherren hatten vielfältige Verwaltungsaufgaben zu übernehmen, auch wenn die Hofmeister, Hofrichter, Pfleger, Vizedome, Kastellane und andere Amtsleute meist von Laien gestellt wurden. Sie waren auch in der fürsterzbischöflichen Diplomatie und in der Verwaltung des Hochstifts tätig. D. h. mit anderen Worten, die Chorh erren mit Begabung und Vorbildung wurden eher von der entsagenden Arbeit der Studierstube und Bibliothek durch die Geschäfte dieser Welt abgehalten. Trotzdem war die Domschule im 12. und 13. Jahrhundert sehr angesehen, war doch auch die Zeit der Universitäten Prag, Wien, Leipzig und Avignon noch nicht gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter dem Babenberger Konrad II. (1164–1168), der selbst in Paris und Chartres studiert hatte, erfreute sich die Lehranstalt guten Zuspruchs – vor allem für Studierende, die der päpstlichen Partei anhingen. Erzbischof Eberhard I. (1200–1246) der selbst Scholasticus in Bamberg gewesen war, berief tüchtige Lektoren aus jenem Erzbistum an die Kapitelschule. Eberhard II. (1247–1264) übertrug die Ämter des Scholasticus und Kantors definitiv dem Regularkapitel mit dem strengen Auftrag der Jugenderziehung, nachdem eine gewisse Ermattung im Lehrbetrieb eingetreten war. Er berief auch bereits einen Dominikaner in den Lehrkörper – aus einem Orden, der nie direkt in Salzburg Fuß fassen konnte (außer mit den sog. Termineien ordenseigener Stadthäuser), aber trotzdem Räte des Fürsten stellte und so bis in die Neuzeit hinein eine wichtige Rolle spielte. Eine nicht unbedeutende Quelle zur Geschichte des späten Investiturstreits zur Zeit Friedrich Barbarossas und Alexander III. schrieb 1170 der Chorherr Heinrich, Archidiakon von Unterkärnten: &amp;quot;Historia calamitatum ecclesiae Salisburgensis&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der in Österreich übliche Begriff &amp;quot;Stift&amp;quot; und &amp;quot;Stifte&amp;quot; für die Prälatenklöster erinnert daran, dass es im Mittelalter bis zur Entstehung der Bettelorden weder Mönche noch Chorherren gab, die ohne eine entsprechende materielle Grundlage der Versorgung, nämlich die &amp;quot;Stiftung&amp;quot;, ausgekommen wären. D. h. die Freigebigkeit, Einsicht und Möglichkeit von Stiftern war die Voraussetzung für die Entstehung einer ganzen Klosterlandschaft. Es ist daher kein Zufall, dass mit der ersten Nennung eines selbständigen Salzburger Domkapitels (925) auch erstmalig urkundlich belegt ist, dass das Domstift neben dem Besitz von St. Peter und dem Erzstift über eine eigene Ausstattung verfügte, über die es bereits als juridische Person rechtmäßig verfügen konnte. Daran hatte auch durch die Einführung der Kanonikerreform (1122) nichts geändert. Es scheint im Gegenteil sogar so, dass die Reformer als Befürworter des &amp;quot;gemeinsamen Lebens&amp;quot; und des Verzichts auf Privateigentum größten Wert darauf legten, dass das Wirtschaftsgebaren des Kapitels besser überprüfbar wurde. Deshalb ist aus diesen Jahren das erste Traditionsbuch der Reformkanoniker mit insgesamt 372 Eintragungen erhalten. D. h. das Kapitel konnte erstmals seinen gesamten Besitz in Evidenz halten und natürlich auch gegen Entfremdung schützen. Vor allem bewahrte man aber so den jeweiligen Wohltätern (&amp;quot;benefactores&amp;quot;) und Stiftern ein liturgisches Andenken im Offizium und in regelmäßigen Requiemmessen. Die &amp;quot;vita communis&amp;quot; bedeutete ja auch, dass von jetzt an nicht mehr jeder Kanoniker für sich seine eigene Pfründe nutzte und betreute, sondern das zweckgebundene Kirchengut gemeinschaftlich verwalten ließ. Dabei war es von Interesse für die Gemeinschaft zu wissen, mit welchen Einkünften das Kapitel jährlich überhaupt zu rechnen hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor die Gegenüberstellung von Besitz und jährlichen Erträgnissen in den bekannten Urbaren (ab 1392) systematisch aufgezeichnet wurde, gibt es schon im Traditionsbuch (zu 1210) das älteste Verzeichnis der Einkünfte des Domkapitels in seinen Ämtern im Lungau. Die waren beträchtlich und übertrafen in diesem Gau die des Erzstifts bei weitem. Der Grundstock für den Lungauer &amp;quot;Kirchenstaat&amp;quot; wurde noch vor der Kanonikerreform bezeichnenderweise durch Heinrich II. (1002) gelegt. Diesen kennen wir sonst als Gründer des [[Stift Bamberg|Hochstifts Bamberg]]. Für ihn war die Entwicklung des Salzburger Domstifts aber auch kein unwesentlicher Bestandteil seiner kirchlichen Reichspolitik und seines kaiserlichen Wächteramtes. Durch entsprechende Schenkungen und Käufe wurde der Besitz so abgerundet, dass das Augustiner-Chorherrenstift zu Beginn des 13. Jahrhunderts in fünf Ämtern jeweils von einem Pfleger verwaltet werden konnte. Man nannte den stiftischen Besitz die &amp;quot;befreiten Winkeln&amp;quot;, weil Höfe und Orte aus verschiedenen Herrschaften in die Ägide des Domkapitels übergegangen waren: Diese Ämter waren St. Michael, Weißpriach, Althofen bei Mariapfarr, Göriach und Judendorf. 1514 war die Zahl der fünf Ämter auf neun angestiegen: Murwinkel, St. Michael, Kendlbruck, Weißpriach, Sondergut, Göriach, Althofen, Judendorf und Mauterndorf. Das Kapitel war demnach der größte Grundherr im Lungau. Es übte relativ geschlossen die niedere Gerichtsbarkeit durch einen Hofurbarrichter aus. Das Blutsgericht verblieb allerdings beim Hochstift. Todeswürdige Verbrecher mussten an den erzbischöflichen Vizedom ausgeliefert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sukzessive wurde Mauterndorf zum Zentrum der Verwaltung, der Wirtschaft und der Gerichtsbarkeit ausgebaut. Das Schloss wurde errichtet, in dem ein stiftischer Pfleger wie in einer Hauptstadt residierte. Mauterndorf war die älteste bekannte Zollstätte in den Ostalpen überhaupt. Deren wirtschaftliche Bedeutung war schon Heinrich II. bei seiner Stiftung von 1002 bekannt. Dazu gewährte Kaiser Friedrich II. (1217) dem Salzburger Domkapitel das Recht der Markterhebung (1227). Die Marktgemeinde war die einzige in Salzburg, die nicht dem Erzbischof unterstand, und gehörte zu den Landständen mit Sitz im Landtag. Nach Heinz Dopsch war das stiftische Mauterndorf zeitweise der größte und bedeutendste Markt im Erzstift Salzburg. Grund dafür war, wie gesagt, der uralte Handelsweg zur Überquerung der Tauern, auf dem schon der hl. Severin von Ufernorikum nach Binnennorikum gezogen war. Hier nächtigten Fernhändler aus Nord und Süd mit ihren Karawanen und Lasttieren. Hier bezahlten sie ihre Maut und ließen so beträchtliche Summen Geldes zurück. Dazu kam die Vermarktung der Bergbauprodukte aus dem Murtal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Kuriosität war der namhafte Grundbesitz in Friaul (San Odorico am Tagliamento), den Graf Friedrich der Eppensteiner schon früh (1058) gestiftet hatte, den aber das Kapitel nicht lange zu halten vermochte. Der übrige Streubesitz des Domstiftes außerhalb des Lungaus war in neun Ämtern zusammengefasst: Abersee, Abtenau, Ennstal (um Haus), Radstadt , Gaißau, Kuchl (Taugl), Pinzgau, Pongau und Salzburg-Stadt. Ähnlich wie in Mauterndorf (Lungau) besaß das Domkapitel dazu Herrschaftsrechte außerhalb der Salzburger Hoheit zu Arnsdorf in der Wachau und Traismauer an der Traisen, wo heute noch das Salzburger Schloss zu sehen ist, zwischen Tulln und Krems. Das Domstift besaß Weingärten in der Gegend von St. Pölten, Krems und Melk, die jeweils einem Hofmeister, zeitweise auch einem geistlichen, unterstanden. Hans Wagner verweist darauf, dass die Chorherren mit ihrem &amp;quot;Arnsdorfer Wein&amp;quot; durchaus zufrieden waren, bis die &amp;quot;Säkularisierten&amp;quot; kamen und über seine Säure klagten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Führung und ständige Überprüfung der Urbare war bis zur Auflösung des Ordensstatus (1514) die vordringlichste Verwaltungstätigkeit des Dompropstes. Er trug innerhalb des Kapitels die Verantwortung dafür, dass die Finanzen stimmten, salopp ausgedrückt. Er verwaltete innerhalb dieses Gemeinwesens von Augustiner-Religiosen eine Art von &amp;quot;Rechnungshof&amp;quot;. Die tägliche Urbarverwaltung führten innerhalb des Kapitels der Kustos, der Kämmerer und der Kellermeister. Jährlich gab es ein &amp;quot;Stifttaiding&amp;quot; unter Vorsitz des Urbarpropstes, auf dem sich die Amtsleute (&amp;quot;officiales&amp;quot;) trafen, Rechenschaft ablegten und der Lösung anstehender Fragen harrten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Höfe und Güter wurden von bäuerlichen Eigenleuten bewirtschaftet, deren Abgaben und Dienste an das Domkapitel genau geregelt waren. Das alles konnte, kodifiziert im Stiftrecht des Salzburger Domkapitels, jeweils nachgeprüft werden. Zu den stiftischen Eigenleuten gehörten bis ins 13. Jahrhundert auch Angehörige des städtischen Bürgertums – etwa in der Salinenstadt Reichenhall. Die Domherrn hatten im 12. Jahrhundert auch eine wehrfähige Ministerialität, die aber bald vom Hochstift übernommen wurde. Das Domstift bewahrte sich durch die Jahrunderte einen gebührenden Anteil am Salinenwesen Salzburgs. Als es mit den Chorherren von Berchtesgaden im 12. Jahrhundert zu einem Rechtsstreit um das Halleiner Salz kam (am Tuval bzw. Gutratsberg), vermittelte der Erzbischof durch eine Drittelung der Gottesgabe für alle drei Anrainer, Berchtesgaden, Domstift und Hochstift (1198). 1237 gestattete außerdem Eberhard II. den Chorherren, zusammen mit den Zisterziensern aus Salem am Bodensee, das Sudhaus Oberhof in Hallein zu betreiben. Bis ins Jahr 1530 baute das Kapitel das Salz mit Hilfe der Zisterzienser ab. Wenn im Volksmund die Redeweise blieb &amp;quot;Unterm Krummstab ist gut sein!&amp;quot;, so gilt das sicher besonders auch für die wirtschaftliche Berechenbarkeit des Domstiftes als einer Grundherrschaft und seine durch Jahrhunderte gepflegte Rechtskultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker erfreuten sich des praktisch unangefochtenen Rechts, den Erzbischof und Landesfürsten – meist aus ihren Reihen – zu wählen, bei Erledigung des Erzstuhls das Land zu regieren und vertraglich abgesicherte Bedingungen an den Kandidaten zu stellen (die sog. Wahlkapitulationen). Im Wormser Konkordat (1122) hieß es noch formelhaft, Klerus und Volk wählten den Erzbischof, bevor ihn der Kaiser mit dem Stift belehnen würde. In Wirklichkeit wählten nach 1246 nur mehr die Kanoniker. Im Sinne einer Prinzipienverwahrung pflegte die Kurie den Neugewählten nicht anzuerkennen, gab aber praktisch in der Regel immer nach. Eine Doppelwahl wie die 1403 zur Zeit des Abendländischen Schismas war damals ein gesamtkirchliches Problem, das für Salzburg nicht zu überschätzen ist. Selbst die Wahl des kaiserlichen Kandidaten Johann III. Beckenschlager (von Gran: 1481) kam nicht ohne eine Minorität von wählenden Domherrn zustande. Bei Sedisvakanz hat en die Domherrn die volle Regierungsgewalt über das Land Salzburg inne. Solch eine Machtfülle war bei Ordensleuten sicher einzigartig und fand sich höchstens noch in souveränen Ritterorden. Das Kapitel hatte auch das Nominationsrecht bei den auswärtigen Propstwahlen in Weyarn, Suben und Höglwörth inne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer wieder stammten auswärtige Pröpste und Bischöfe aus dem Salzburger Kapitel. Auffallend viele Bischofskandidaten auf den Suffragansitzen kamen aus dem Erzkapitel wie aus einer Bischofsschmiede. Die Salzburger Kapitulare bildeten ohnedies die bevorzugten Kandidaten für die verbriefte Besetzung der innerösterreichischen Bistümer (Gurk, Seckau, Lavant), sie schlugen aber wiederholt die „Zwetschkenbistümer&amp;quot;, wie sie z. B. Lavant nannten, wegen der geringen Bedeutung aus. Diese Zurückhaltung war allerdings keine Salzburger Besonderheit. Sie findet sich auch anderswo. Der Dompropst fungierte seit 1139 als Archidiakon für die Pfarreien des Rupertiwinkels und die übrigen Salzburger Gaue. Erst 1478 musste er die Präzedenz an die Eigenbischöfe (Gurk, Seckau, Lavant und Chiemsee) abgegeben. Allerdings erfreuten sich noch im 16. Jahrhundert die Kapitularen von St. Peter der Präzedenz vor den Kanonikern, den Propst ausgenommen. Das war eine Salzburger Besonderheit und geschichtliche Reminiszenz der bedeutenden Vergangenheit in der Diözesanverwaltung, auf welche das Mönchskapitel in den ersten Jahrhunderten zurückblicken konnte. Dadurch, dass sich der Erzbischof das Vogteirecht vorbehielt, konnte sich das Kapitel von allzuviel Einmischung der Laien schützen. Das alte Vogteirecht wurde wie bei den Reformmönchen ein freigewähltes Defensorenamt. Während andere Kapitel dieser Art wie etwa das Mainzer bereits nach 100 Jahren wieder ihren Ordensstatus aufgaben, behielten diesen die Salzburger mit ihren Eigenbistümern bis zum Vorabend der Reformation. Zur Aufnahme in das Kapitel genügte nach allgemeinem Recht das Subdiakonat; die Salzburger verlangten hingegen die Priesterweihe zur Erlangung der vollen Kapitelrechte, d. h. vor allem des aktiven und passiven Wahlrechts. Das Recht der Pontifikalien wurde dem Dompropst schon im Jahre 1233 verliehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Die personelle Zusammensetzung der Regularkanoniker spiegelte die Universalität der Gesamtkirche. Ihre ritterbürtigen Familien stammten etwa in der gleichen Zahl aus Bayern und aus den österreichischen Erblanden, weniger aus den hochstiftlichen Salzburger Gauen. Im 14. Jahrhundert sind nur zwei – allerdings promovierte – Nichtadelige bezeugt: der Reichenhaller Pilgrim Laubez und Karl Muschopf, stiftungsfreudiger Patrizier aus Regensburg. Dazu kamen noch drei nicht näher bekannte bürgerliche Domherrn, zwei aus Wien und einer aus Kraiburg am Inn. Das ist aber nichts Besonderes, weil im späten Mittelalter ein höherer Universitätsgrad dem Adelsbrief gleichgesetzt wurde. Außerdem brauchte ein Kapitel auch ausgebildete Kanonisten, was vor allem ab dem 15. Jahrhundert immer spürbarer wurde. Die bürgerlichen Kapitulare stammten alle, wenn der Anschein nicht trügt, aus wohlhabenden Geschlechtern bzw. aus dem städtischen Patriziat. Die Salzburger Kanoniker finden sich mit denen aus anderen Diözesen bei Gesandtschaften, an Reichstagen und sonstigen diplomatischen Missionen wieder. Etwa ein Drittel der Domherrn hatte nach 1300 an einer Universität studiert, die meisten von ihnen (nämlich 27 Kapitulare) studierten in Wien, sieben auch in Bologna, dazu auch in Paris, in Prag, in Avignon und in Leipzig. Das war für adelige Kapitel damals vergleichweise viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
===Baugeschichte=== &lt;br /&gt;
Als Erzbischof Konrad I. 1122 die &amp;quot;vita communis&amp;quot; im Domstift Salzburg einführte, errichtete er für Kleriker, Laien und Domfrauen drei zusammengeschlossene Klosterbereiche. Diese erstreckten sich an der Südseite des frühmittelalterlichen Domes, eines dreischiffigen Saalbaues mit langgestreckter Apsis und Eingangshalle im Westen, an die Konrad zwei Türme anbauen ließ. Nach der Weigerung Konrads II., den von Kaiser Friedrich I. erhobenen Gegenpapst Paschalis anzuerkennen, wurde die Stadt Salzburg 1167 von den Pfalzgrafen überfallen und in Flammen gesetzt, Dom und Klöster wurden dabei vernichtet. Die spätromanische, monumentale Gestalt des Domes in der Stadtansicht von 1553 geht auf den Neubau seit 1181 unter Erzbischof Konrad III. zurück. Man bekommt hier also ein ungefähres Bild vom Aussehen des regulierten Domstiftes vom Beginn des 13. Jahrhunderts bis zur Säkularisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1956/58 und 1966/67 durchgeführte Grabungen haben eine genauere Rekonstruktion ermöglicht: ein sechsjochiges, eingewölbtes Langhaus von 73,5 m Länge grenzt an ein Querhaus von 57,5 m Breite mit Apsiden an den Stirn- und Ostseiten. Das hochragende Mittelschiff flankieren (nach F. Pagitz) zwei Seitenschiffe, im Süden bildet eine Kapellenreihe ein weiteres Seitenschiff. An die Vierung schließt der 22 m lange Chor mit Rundapsis an. Vom Hauptschiff aus führen zwei Abgänge in die dreischiffige Hallenkrypta, dem Bestattungsort der Bischöfe. Seitlich des achteckigen Vierungsturmes ragen zwei Rundtürme über der nördlichen und südlichen Querhausapsis empor. Die beiden hohen Westtürme mit der Eingangshalle sind noch aus der Zeit Konrads I. erhalten. Von den Vorgängerbauten des Domes unter Bischof Virgil (Weihe 774), Erzbischof Arno (785–821) und Erzbischof Hartwik (991–1023) wurden für den Konrad-III.-Dom die wesentlichen Baulinien und auch die Maßeinheiten des Langhauses übernommen, der Kirchenbau aber nach Osten hin noch etwas ausgedehnt. An das südliche Seitenschiff schließt unmittelbar der nördliche Kreuzgangarm des Konvents an. Im Westen des quadratischen Kreuzganges befindet sich die Propstei, im Osten das Kapitelhaus mit dem Dormitorium, weiters drei Kapellen, deren Funktion der Chronist Johann Stainhauser im beginnenden 17. Jahrhundert folgendermaßen beschreibt: die St-Augustin-Kapelle habe als Grablege der Pröpste gedient, in der 1442 geweihten Katharinenkapelle habe sich das Kapitel zur täglichen Lesung versammelt, in der 1223 geweihten Heinrichskapelle seien die Domherren zur Wahl der Erzbischöfe und der Dompröpste zusammengekommen. Das Frauenkloster ist nun räumlich getrennt an der Nordseite der Pfarrkirche (der heutigen Franziskanerkirche) angesiedelt. Nach der Säkularisation des Domstiftes ließ Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau infolge der irreparablen Brandschäden von 1598 schließlich den alten Dom vollständig abtragen und den frühbarocken Neubau nach Plänen von Vincenzo Scamozzi errichten. Seine Hauptachse ist gegenüber den geosteten Vorgängerbauten leicht nach Süden hin verschoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildende Kunst===&lt;br /&gt;
Salzburg gehörte als geographischer Knotenpunkt durch das ganze Mittelalter hindurch zu den großen Zentren der bildenden Kunst im Hl. Römischen Reich. Schwierigkeiten bereitet es, die Kunstproduktion im Auftrag des Domstifts bzw. der schöpferisch tätigen Domherren von den Kunstaufträgen für den Erzbischof zu trennen. Weiters, in der Buchmalerei, zwischen den Schreibschulen der einzelnen Klöster zu differenzieren. Nach der Ausgliederung des Klosters St. Peter aus der Gesamtheit der Domgeistlichkeit Ende des 10. Jahrhunderts bildeten sich mit St. Peter und dem Domkapitel zumindest zwei unterschiedliche Entwicklungsströmungen in der Buchkunst heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auswirkungen des einflussreichen Schaffens des Salzburger Domskriptoriums zeigen sich in den Werken anderer österreichischer Chorherrenstifte bis nach Klosterneuburg. Den typischen flächigen Federzeichenstil des Domskriptoriums weisen zwei ganzseitige Zeichnungen auf, die den Text des aus fünf Nekrologen bestehenden Totenbuches des Domstiftes ergänzen. Es enthält Eintragungen von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. Einzig erhaltenes Kunstwerk aus der Chorherrenzeit im heutigen Dom ist das bronzene Taufbecken (1321 von Meister Heinrich gegossen), das auf vier liegenden Löwen mit stilisierten Mähnen (um 1220) ruht. Die Außenwand des Beckens ziert ein reliefierter Fries aus 16 Rundbögen, in denen Bischofsfiguren stehen. Das Museum Carolinum Augusteum verwahrt – wahrscheinlich vom alten Dom – ein marmornes Marientympanon, entstanden um 1220. Eine zweiflügelige Holztüre von 1450 mit zwölf Reliefs (Maria mit Kind, Johannes d. T. und zehn Apostel) wurde von Erzbischof Wolf Dietrich in die Salzburger Kapuzinerkirche übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Quellen wird hinsichtlich der Ausstattung des mittelalterlichen Domes von Wand- und Glasmalereien berichtet, 1219 von der Weihe des Johannesaltars in der Krypta, 1201 wird ein Rupertialtar vor dem Lettner erwähnt. Immer wieder richteten Feuersbrünste große Schäden an. 1393 stiftete Erzbischof Pilgrim in der ehemaligen Nikolaikapelle eine neue Kapelle mit sechs Altären und sechs Benifizien. Erzbischof Gregor Schenk von Osterwitz (1396–1403) ließ eine große Orgel über dem Westeingang einbauen und eine neue Kanzel aufstellen. Erzbischof Sigmund I. von Volkersdorf (1452–1461) beauftragte Stefan Krumenauer, das Westportal aufzuführen. Mehrere Erzbischöfe beauftragten ihre Grablegen im Dom, so auch Leonhard von Keutschach im nördlichen Seitenschiff. Die blühende Salzburger Plastik um 1500 reflektiert das Keutschachdenkmal auf der Festung Hohensalzburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Goldschmiedearbeiten des Domschatzes sind großteils verlorengegangen. So ließ Erzbischof Wolf Dietrich das bedeutendste silberne Kunstwerk, den Passionsaltar des Salzburger Goldschmieds Wolfgang Faust von 1466, einschmelzen. Viele Objekte der erzbischöflichen Silberkammer gelangten durch Großherzog Ferdinand III. von der Toskana, der während der napoleonischen Kriege vorübergehend das reichsfürstliche Gebiet des Erzstiftes Salzburg als Kurfürstentum erhalten hatte, nach Florenz in den Palazzo Pitti, z. B. sog . &amp;quot;Heiltümer&amp;quot;, kostbar gefasste Naturmaterialien wie Greifenklauen oder Doppelpokale, die zu liturgischen Zwecken dienten. Wenige Stücke befinden sich noch im Salzburger Domschatz, darunter die ursprünglich über dem Taufbecken hängende Hostientaube, eine Arbeit aus Limoges um 1200, oder der sog. &amp;quot;Rupertikelch&amp;quot;, ein Messkelch aus dem dritten Viertel des 13. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der Handschriftenbestand des alten Regularkapitels betrug etwa die Hälfte der Manuskripte, die das [[Stift St. Florian|Augustinerstift St. Florian]] heute noch besitzt. Vom Ende des 12. Jahrhunderts ist ein erster Katalog mit 30 verzeichneten Handschriften erhalten. 1433 zählte der Bibliothekar Mag. Johannes Holveld 393 Handschriften, die mit Ketten an der Wand auf 18 Stellagen befestigt waren und auf bereitgestellten Stehpulten gelesen werden konnten. Mehr als die Hälfte der Bücher befassten sich mit Theologie, dazu kamen liturgische Handschriften und solche juridischen Inhalts. Geschichte, Philosophie und Literatur galten dagegen eher als Freizeitbeschäftigung und waren kaum vertreten. Historisches wird man wohl bei Tisch vorgelesen haben. Der wichtigste &amp;quot;Bücherlieferant&amp;quot; für das Domkapitel war die oberbaierische Reichsabtei Tegernsee. Durch deren Schreibschule kamen auch Wiener Scholastiker nach Salzburg. Die Exemplare befinden sich seit der Säkularisation zum Teil in der Erzabtei St. Peter (mit dem Totenbuch Cod aIX 7), teilweise in Paris (1801), Wien (1806, Consuetudines von Klosterrath) und München. Mit der Auflösung des Domklosters ging die Bibliothek keineswegs in den Besitz des Erzbischofs oder des neuen Domkapitels über, sondern wurde zunächst in alle Himmelsrichtungen zerstreut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Wind konnte schon vor einigen Jahren kompetent zeigen, dass die Benediktinische Schreibschule und die der &amp;quot;ecclesia maior&amp;quot; von Salzburg doch sehr unterschiedlich arbeiteten. Man habe viel zu vorschnell in Millstadt, St. Peter, Michelbeuern, Admont, bei den Petersfrauen mit ihrem berühmten Graduale oder beim Orationale vom Nonnberg und anderswo ohne Unterschied von &amp;quot;Salzburger&amp;quot; Provenienz und Einfluss gesprochen. Nach Wind wurde sehr wohl ein Unterschied nach Ordenszugehörigkeit gemacht. Das zeigte sich schon in den Kalendarien, wo eben die Ordensheiligen unterschiedlichen Rang einnahmen. Auch die Zusammensetzung der Autoren war von der Ordenszugehörigkeit beeinflusst, wenn nicht bestimmt. Bei den Chorherren findet sich daher viel Augustin und Theologen aus der augustinischen Tradition wie Honorius von Autun, Rupert von Deutz, Hugo von Saint-Victor in Paris u. a. Über die aus dem Salzburgischen &amp;quot;Territorium&amp;quot; Friesach in Kärnten stammenden Dominikaner, die Eberhard II., wie schon erwähnt , als Professoren der Philosophie und Theologie an die Kapitelschule gebracht hatte, kamen weiters die Scholastiker in die Bibliothek, und nicht zu vergessen, der neue Aristotelismus. Es fanden sich jetzt Peter Lombardus, Thomas von Aquin, Kommentare zu den Dekretalien und Formelbücher ein. Auch die Homiliare (Sermonare) in St. Peter aus dem 15. Jahrhundert stammen von den Chorherren. Zu den Augustinerbeständen gehörten ferner die Pastoralregel des hl. Gregor I. und der Volksprediger Berthold von Regensburg. Es hat den Anschein, als hätten die Chorherren auch mit ihrer Büchersammlung an die 19 inkorporierten Pfarreien mit ihren Vikaren gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Was wir bei der Bibliothek und ihrem Schicksal beobachten konnten, gilt auch für die Archivalien. Heinz Dopsch beklagt, dass das Archiv der regulierten Domherrn ohnedies nicht sehr reich war und dass es offenbar fast zur Gänze im 19. Jahrhundert nach Wien ausgelagert wurde. Das Domkapitelarchiv fand demnach ziemlich geschlossen seinen Weg in das HHStA Wien, einiges auch in das BStA München. Die diesbezügliche Quellenlage könnte auch im Mittelalter besser gewesen sein. Hans Wagner interpretiert das als Folge des Religiosenstandes der Archivbesitzer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur== &lt;br /&gt;
* Heinz Dopsch: Geschichte Salzburgs - Stadt und Land, Mittelalter Band I/2:  Vorgeschichte, Altertum, Mittelalter. Salzburg 1983, S. 1042–1047.&lt;br /&gt;
* Heinz Dopsch: Das Domstift Salzburg. Von den Anfängen bis zur Säkularisation (1514). In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 171–188.&lt;br /&gt;
* Franz Fuhrmann: Salzburg in alten Ansichten. Salzburg / Wien 3. Aufl. 1981.&lt;br /&gt;
* Christian Greinz: Die fürsterzbischöfliche Kurie und das Stadtdekanat zu Salzburg. Ein Beitrag zur historisch-statistischen Beschreibung der Erzdiözese Salzburg. Salzburg 1929, S. 62f.&lt;br /&gt;
* Karl Friedrich Hermann: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer. 2. Abteilung: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, Teil 9: Salzburg. Salzburg 1957.&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die mittelalterliche Buchkunst der Chorherrenstifte am Inn. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 205–231.&lt;br /&gt;
* Franz Hörburger: Salzburger Ortsnamenbuch. Bearb. von Ingo Reifenstein / Leopold Ziller. Salzburg 1982.&lt;br /&gt;
* Ulrich Kopf: Kann man von einer Spiritualiät der Augustiner-Chorherren sprechen?. In: Die Stiftskirche in Südwestdeutschland: Aufgaben und Perspektiven der Forschung. Hg. von Sören Lorenz / Oliver Auge. Leinfelden-Echterdingen 2002, S. 141–158.&lt;br /&gt;
* Franz Ortner: Salzburger Kirchengeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Salzburg 1988.&lt;br /&gt;
* Franz Pagitz: Quellenkundliches zu den mittelalterlichen Domen und zum Domkloster in Salzburg. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 108 (1958), S. 21–156.&lt;br /&gt;
* DERS., Die mittelalterlichen Dome in historischer Sicht u. Versuch einer Rekonstruktion des Konrad-III-Domes, in: 1200 Jahre Dom zu Salzburg, 774–1974. Festschrift zum 1200jährigen Jubiläum des Domes zu Salzburg. Hg. von Hans Spatzenegger. Salzburg 1974, S. 31–62, 83–89.&lt;br /&gt;
* Kurt Rossacher: Der Schatz des Erzstiftes Salzburg. Ein Jahrtausend deutscher Goldschmiedekunst. Salzburg 1966.&lt;br /&gt;
* Johann Sallaberger: Kardinal Matthäus Lang. Salzburg 1997.&lt;br /&gt;
* Teréz Gerszi (Bearb.): Die Salzburger Skizzenbücher des Paulus van Vianen. Mit topographischen Erläuterungen von Herbert Klein. Salzburg 1983 (Schriften des Salzburger Barockmuseums, 10).&lt;br /&gt;
* Rudolf Schieffer: Die Entstehung von Domkapiteln in Deutschland. Band 2. Bonn 1982 (Bonner Historische Forschungen, 43).&lt;br /&gt;
* Georg Schreiber: Kurie und Kloster im 12. Jahrhundert: Studien zur Privilegierung, Verfassung und besonders zum Eigenkirchenwesen der vorfranziskanischen Orden vornehmlich auf Grund der Papsturkunden von Paschalis II. bis auf Lucius III. (1099–1181). 2 Bände. Stuttgart 1910.&lt;br /&gt;
* Georg Schreiber: Gregor VII., Cluny, Cîteaux, Prémontré zu Eigenkirche, Parochie, Seelsorge. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Kanonistische Abt. 45 (1947), S. 31–171. [http://www.digizeitschriften.de/dms/img/?PPN=PPN602167337_0034&amp;amp;DMDID=DMDLOG_0006 (Digitalisat)] &lt;br /&gt;
* Hermann Vetters: Die mittelalterlichen Dome in archäologischer Sicht: In: 1200 Jahre Dom zu Salzburg, 774–1974. Festschrift zum 1200jährigen Jubiläum des Domes zu Salzburg. Hg. von Hans Spatzenegger. Salzburg 1974, S. 73–82.&lt;br /&gt;
* Hans Wagner: Das Domkapitel von Salzburg zur Zeit des Augustinerchorherrenstiftes 1122 bis 1514. Salzburg um 1958, Typoskript.&lt;br /&gt;
* Hans Wagner / Herbert Klein: Salzburgs Domherren 1300–1514. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 92 (1992), 1–81.&lt;br /&gt;
* Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert. Köln / Wien 1975 (Kölner Historische Abhandlungen, 24).&lt;br /&gt;
* Peter Wind: Zum Skriptorium des Salzburger Domstifts (1122–1514). In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 189–203.&lt;br /&gt;
* Gerhard B. Winkler: Die nachtridentinischen Synoden im Reich. Salzburger Provinzialkonzilien 1569, 1573, 1576. Wien / Köln / Graz 1988.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<title>Stift Salzburg</title>
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		<updated>2022-10-14T07:01:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1122&lt;br /&gt;
|Datum bis=1514&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Das vom hl. Bonifatius 739 als eines von vier baierischen Bistümern (neben Passau, Innsbruck, Freising) gegründete Bistum Salzburg wurde 798 zum Erzbistum erhoben. Heute gehören zum Erzbistum Salzburg als Suffragane die Bistümer Graz–Seckau, Gurk–Klagenfurt, Innsbruck und Feldkirch.&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Juvavum (ab 1. Jhd. in Inschriften)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Petrus, hl. Rupert, hl. Virgil, Salvatorpatrozinium&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Stadt an der Salzach, heute Landeshauptstadt des Bundeslandes Salzburg.&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Salzburg vom Kapuzinerberg 1553.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Salzburg am Kapuzinerberg (1553)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
Hier sollen knapp 400 Jahre der Geschichte des Salzburger Erzkapitels skizziert werden, nämlich die Jahre 1122 bis 1514, in denen die Salzburger Domherrn als Regularkanoniker lebten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vorgeschichte des Salzburger Chorherrenstiftes=== &lt;br /&gt;
In der &amp;quot;Vita Severini&amp;quot; von Eugippius (511) steht: &amp;quot;... oppidum, quod Iuvao appellabatur, ...&amp;quot; (c. 13). An der zitierten Stelle der singulären Quelle aus der Völkerwanderungszeit wird ein Konvent von drei &amp;quot;viri spirituales&amp;quot; erwähnt, die eine wichtige &amp;quot;Basilika&amp;quot; betreuten. Das soll nicht heißen, dass diese schon Mönche oder &amp;quot;Kanoniker&amp;quot; im späteren Sinn waren, dass es aber schon früh Vergleichbares gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch den hl. Bischof Rupert aus Worms (596) wurde das durch die Barbareneinfälle halb zerstörte und verfallene Iuvavum wiederentdeckt bzw. wiederhergestellt. Er dürfte schon in der Gegend des heutigen Friedhofs von St. Peter eine Mönchsgemeinschaft vorgefunden haben, für die er ein Kloster errichtete und deren Mitglieder den Abtbischöfen in der Folge auch als Kapitularen dienten. 739 errichtete der hl. Bonifatius die Nebenresidenz der Agilolfinger zu einem &amp;quot;kanonischen&amp;quot; Bistumssitz mit bereits weitgehend fixiertem Sprengel. Unter dem hl. Bischof Virgil (745–784) ist schon früh eine gemischte Gemeinschaft von Mönchen und Klerikern erwähnt, die man als Vorform des späteren Kapitels ansehen darf. Die Reihe der Kapitulare weist zahlreiche romanische Namen auf, deren Träger für die Karantanenmission wichtig wurden. Ein formelles Domkapitel neben dem Mönchskapitel von St. Peter ist erst 925 belegt. Das ursprüngliche Klosterkapitel von St. Peter und das nach Virgils Dombau (774) immer unentbehrlicher werdende Domkapitel hatte zunächst weder getrennte Bibliothek, noch Schule und Skriptorium. Demnach waren dem Domkapitel bereits seit den von uns geschilderten Anfängen gewisse Frühformen des Ordenslebens keineswegs unbekannt. Erst als die missionsgeschichtlich bedingte Einrichtung des &amp;quot;Abtbischofs&amp;quot; allgemein aufgegeben wurde (987), machte man das Dom- und Erzkapitel vom hl. Rupert in Salzburg zu einer eigenständigen juridischen Person. Erzbischof Konrad I. wandelte das Domkapitel 1122 in ein Kloster von Augustiner Chorherren um.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das reformierte Erzkapitel=== &lt;br /&gt;
[[Bernhard von Clairvaux]] (verstorben 1153), ein großer Freund der Regularkanoniker in der Champagne, in Lothringen und in Burgund, förderte die Umformung von weltlichen Kollegiatskapiteln in Regularkanoniker, wo er konnte. Die diesbezüglich auffallendste Konversion war die Reform der Stiftsherrn in Vorles/Châtillon, bei denen er in die Schule gegangen war. Er war ein Freund Norberts von Xanten (verstorben 1134) und Zeitgenosse [[Gerhoch von Reichersberg|Gerhochs von Reichersberg]]. Bernhard formulierte die diesbezüglichen gregorianischen Reformideen und die Hoffnungen der religiösen Bewegungen seiner Zeit wiederholt mit Hilfe seiner Hochzeitsallegorese: Der göttliche Bräutigam habe für seine Braut, die Kirche, in jenen schwierigen Zeiten zwei besondere &amp;quot;Morgengaben&amp;quot; bereitgestellt: Zuerst als Bekleidung für den Winter die Kukulle der Reformmönche als Sinnbild der Zurückgezogenheit, Einkehr und Demut (mit einem Wort der ''humilitas''), sozusagen das Weihnachtsgeheimnis; dann die farbenfrohe Kanonikerkleidung mit dem adeligen Hermelin &lt;br /&gt;
als Sinnbild der apostolischen Zuwendung, der Auferstehungsfreude und der Glaubensverkündigung (mit einem Wort der ''caritas''), sozusagen das Ostergeheimnis. Die dunklen Pelzschwänzchen auf den Kanoniker Hermelinen stünden für die feurigen Zungen der Apostel, welche die Osterbotschaft laut verkündeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Ideenwelt lebte auch der gelehrte Augustiner Gerhoch, als er vom Reformzentrum Rottenbuch in Oberbaiern, über Regensburg/Stadtamhof (St. Mang), Passau/St. Nikola und schließlich [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] am Inn von Erzbischof Konrad I., Graf von Abensberg (1106–1147) nach Salzburg berufen worden war. Er sollte 1122 behilflich sein, das Domkapitel zu regulieren und zu einem Mutterkloster einer ganzen Chorherren-Kongregation von 14 bzw. 17 mehr oder weniger affiliierten und unterstellten Propsteien zu machen. Es waren dies: [[Stift Suben|Suben]], [[Stift Reichersberg|Reichersberg am Inn]] (Passau), [[Stift Au-Gries|Au]], Gars, Weyarn am Salzburger Innbogen, Höglwörth und [[Stift St. Zeno|St. Zeno Reichenhall]] im &amp;quot;baierischen&amp;quot; Anteil Salzburgs, [[Stift Bischofshofen|Bischofshofen im Pongau]] und [[Stift Zell am See|Zell am See]] im Pinzgau, Maria Saal und [[Stift Gurk|Gurk]] in Kärnten, [[Stift Seckau|Seckau]] und [[Stift Vorau|Vorau]] in der Steiermark - und das Salzburger Domkloster; dazu wurden die künftige Fürstabtei Berchtesgaden und Baumburg am Innbogen affiliiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Salzburger Reform diente auch für andere Klöster als Vorbild in der Observanz (etwa für [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] und [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]]). Der Erzbischof, der eines der größten Bistümer des Reiches zu verwalten hatte, gedachte künftig, seine bischöflichen Aufgaben gleichsam als Generalabt einer Chorherrenkongregation auszuüben, nachdem es im Bereich des Salzburger Bistumssprengels den Erzbischöfen relativ früh gelungen war, die Eigenkirchenrechte der Laien in die eigene Hand zu bekommen. Eigentlich hatte diese Entwicklung schon mit der Eigenkirchenpolitik Bischof Virgils (745–784) begonnen. Der Erzbischof nahm selbst den Ordenshabit, was damals mehr galt als eine bloße Äußerlichkeit. Er verzichtete damit im ersten Reformeifer auf die traditionell eigenkirchlichen Rechte des Hochstifts gegenüber seiner Klosterklientel; seine eigenen Maßnahmen führten aber eher zu einer weitgehenden Emanzipation der Klöster, auf deren Obedienz Salzburg vielfach nur mehr bei Synoden und ähnlichen Feierlichkeiten bestand - allerdings noch bis in die frühe Neuzeit hinein. Sogar bei Berchtesgaden mit seinem reichsrechtlichen Sonderstatus blieben diese symbolischen Bande. Es waren ausgerechnet Reformmönche im Salzburgischen ''Chrisam'', die später darauf pochten, dem Erzbischof keine Obedienz zu schulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Umwandlung des Salzburger Domstifts besser zu verstehen, empfiehlt es sich auch Werdegang und Motive des aus mittelfränkischem Adel stammenden Erzbischofs kurz zu berühren. Im bekannten Investiturstreit zur Zeit Gregors VII. und nachher bis zum Wormser Konkordat (1122) war der deutsche Episkopat gespalten. Die Mehrheit hielt zum Kaiser, jeweils eine Minderheit, zu der die Salzburger gehörten, zum Papst. Das war schon unter Erzbischof Gebhard der Fall. Bischof Altmann von Passau, ein Mitstreiter, war damals ein leidenschaftlicher Förderer der Chorherrenreform geworden. [[Konrad I.]] nahm noch als Anhänger Kaiser Heinrich V. 1111 am Romzug, an der Synode zu Sutri und an den turbulenten Ereignissen in Rom teil, als Pascal II. gezwungen wurde, die uneingeschränkte Laieninvestitur zuzugestehen. Diese unerhörte Demütigung des Papstes führte zu einer Entfremdung zwischen Konrad und dem Kaiser. In der Folge musste er eine über zehnjährige Verbannung in Tuszien, in Admont und in Halberstadt bei Bischof Reinhard auf sich nehmen. 1111 hatte Konrad schon vergeblich eine Reform des Salzburger Kapitels versucht, indem er an der Reformunwilligkeit der Betroffenen und den Ministerialen, deren weltlichem Anhang, gescheitert war. Nachdem Worms (1122) theoretisch einen Kompromiss, praktisch aber einen Sieg der Laieninvestitur gebracht hatte, weigerte sich der Erzbischof, die Regelungen anzunehmen und setzte neben dem umsichtigen Ausbau eines Burgensystems und einer Modernisierung der Verwaltung energisch auf die &amp;quot;innere&amp;quot; Emigration, nämlich den späten Gregorianisrnus. Das war seine erstrebte Priesterreform auf dem Weg über die reformierten Kapitel. Er ging ziemlich konsequent vor und tauschte reformunwillige Kanoniker gegen reformbereite aus, die er etwa auch vom Rhein (und von Limburg, d. h. aus Klosterrath bei Aachen und aus Springiersbach an der Mosel) kommen ließ. Tatkräftig wurde er unterstützt: vom Regularpropst [[Gerhoch von Reichersberg]], von Bischof [[Roman I.]] von Gurk und dem sel. Domdekan [[Hartmann]], in der Folge Propst von Chiemsee und Klosterneuburg und Bischof von Brixen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konrad plante auf dem Areal des heutigen &amp;quot;Kapitelplatzes&amp;quot; an der Südseite des dann von seinem Nachfolger Konrad III. ausgeführten spätromanischen Dornes eine großzügige Klosteranlage. Sie bestand aus drei Teilen, einem für das Stiftskapitel, einem für die Laienbrüder und dem dritten, den an die heutige Franziskanerkirche anschließenden, für die Chorfrauen. Der heutige Domplatz hieß damals deretwegen &amp;quot;Frauenplatz&amp;quot;. Jedem der drei Stände wurde ein eigener Kreuzgang bereitgestellt. Die Augustinerinnen verrichteten in der damaligen Stadtpfarrkirche (Franziskanerkirche) ihren Gottesdienst. Der Salzburger Codex 1482 aus dem 12. Jahrhundert in der Wiener Nationalbibliothek enthält Chorherrenstatuten, deren Text auf den bedeutenden Rechtsgelehrten und Kanoniker, den hl. Ivo von Chartres (verstorben 1116), zurückgeht. Sie sind so allgemein gehalten, dass sie je nach Bedarf äußerst anpassungsfähig waren. Für Historiker sind sie allerdings weniger ergiebig. Die regulierten Chorherren, normalerweise 24 an der Zahl, die in Krisenzeiten jeweils sogar bis auf nur sieben reduziert wurde, hatten ein gemeinsames Dormitorium wie etwa auch die Ordensritter auf ihren Burgen. Die adeligen Herrn mussten mit insgesamt vier Dienern auskommen, zwei für den privaten Bedarf und zwei für den Tischdienst im gemeinsamen Refektorium. Ein wichtiges Amt hatte der Spitalmeister (Hospitalarius) bei St. Johann (Kapitelgasse/Kaigasse) inne. Die Errichtung des Spitals durch den Erzbischof wurde 1143 beurkundet. Daneben gab es noch den Magister infirmariae, den Aufseher über die Krankenabteilung innerhalb der Klausur. Eine Seltenheit war der Oblajar, der Verwalter der Messstiftungen. Immer wieder sind Kustoden genannt. Die Ämter des Scholasticus (des Schulmeisters bzw . Novizenmeisters, wie spätere Zeiten gesagt hätten) und des Kantors wurden 1243 besonders dotiert. Beide standen sie für Wissenschaft und Kunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kanoniker wurden im Sinne der Regel des hl. Augustin auch zur Handarbeit angehalten. So verursachte eine Metallschmelze in einer der Werkstätten 1127 den Dombrand. Die Kapitulare bekamen ein &amp;quot;peculium&amp;quot;, das im späten Mittelalter (1366) 200 Gulden betrug. Dazu kamen Chorgelder als Anreiz für die persönliche Teilnahme am Offizium. Am 28. Oktober 1427 bestätigte Martin V. eine Neuregelung zur Verteilung der Pfründenerträgnisse. Die Chorherren waren aber rechtlich keine Pfründeninhaber. Für studierende Domicelli gab es im allgemeinen keine kirchlichen Pfründe, was sonst eher üblich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Erlahmung des regulären Geistes am Ende des Mittelalters wurde die Eigentumslosigkeit immer mehr zum Problem. Da der Dompropst seine Disziplinargewalt streng ausübte, wurde die Residenzpflicht im Unterschied zu später sehr ernst genommen. Dadurch wurde die viel beklagte Ansammlung von Ämtern und Pfründen verhindert. Die strenge Beobachtung des Gehorsamsgelübdes wurde von den meisten Kapitularen eher als ein Segen denn als ungebührliche Beschränkung der Freiheit verstanden. Nur zum Beginn der Neuzeit lechzten manch jüngere Domherrn nach den Freiheiten, von denen sie aus der Begegnung mit den benachbarten Kapitularen Bescheid wussten. Das Institut der Chorfrauen, das rechtsgeschichtlich noch an die Doppelklöster der &amp;quot;vita apostolica&amp;quot;-Bewegung des 12. Jahrhunderts erinnert, löste erst der Erzbischof Burckhard II. von Weißpriach (1462) auf. Das Kapitel bekam einträgliche Pfarren - vor allem im Lungau. Das Domkloster übernahm die bislang von St. Peter in der Michaelskirche ausgeübten Pfarr- und Begräbnisrechte in der Stadt Salzburg. Durch den Regularstatus des Salzburger Domkapitels stammten die weitaus meisten Erzbichöfe aus dem Kapitel, wobei sich die Pröpste als prädestinierte Anwärter auf das Amt des Fürsterzbischofs fühlten. Nicht nur der päpstlichen Kurie, auch dem Kaiser glückte es nur selten, den Erzstuhl mit einem direkten Protege zu providieren, so 1481 mit Johann von Gran. Als des Kaisers Besetzungspolitik bei Kardinal Lang erfolgreich wurde (1514), war es auch mit dem Regularstatus zu Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Säkularisierung=== &lt;br /&gt;
Die erwähnten Vorteile des Salzburger Propriums eines Augustinerchorherren-Stiftes, das gleichzeitig für die Dauer von 400 Jahren als Domkapitel gedient hatte, wurden noch lange nach der Aufhebung deutlich gesehen. Die &amp;quot;Zimmerische Chronik&amp;quot; des 17. Jahrhunderts überliefert die volkstümliche Bezeichnung des Salzburger Domstiftes als das &amp;quot;geistlichste Kapitel in deutschen Landen&amp;quot;. So lautete die bekannte Eingabe der Salzburger Landstände bei Erzbischof Leonhard von Keutschach 1513: Die ganze Kirchenprovinz habe durch das &amp;quot;ehrbare und geistliche Leben in ihrer Domkirche&amp;quot; gewonnen. Durch die Aufhebung drohte ein großes Ärgernis beim &amp;quot;gemeinen Mann&amp;quot;, der sich die Gründe für die Aufhebung nicht erklären könne. Die Abschaffung der Ordensobservanz würde einem &amp;quot;ungeordneten Leben&amp;quot; in den benachbarten Domkapiteln Vorschub leisten. Die freie Wahl der Erzbischöfe sei dann nicht mehr gewährleistet. Denn die Ordensregel habe das Eindringen von päpstlichen und kaiserlichen Günstlingen verhindert. Sollte es dem Erzbischof gelingen, das &amp;quot;drohende Unheil&amp;quot; der Säkularisation abzuwenden, würden Seiner &amp;quot;fürstlich Gnad von dem heilligen lieben Augustin, Sant Ruprecht und Virgilien den Lohn und von der ganzen Landschaft groß Lob und Danck empfangen.&amp;quot; Gegenüber dem Papst argumentierten die Stände am 25. April 1513 mit dem Konkordat von 1448, den &amp;quot;Kompaktaten der deutschen Nation&amp;quot;: Die Aufzwingung eines Koadjutors gegen den Willen des Erzbischofs und des Kapitels verstoße gegen zwischenstaatliches Recht und sei demnach rechtswidrig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das regulierte Erzkapitel war keineswegs in schlechtem moralischen Zustand und deshalb reif für eine Liquidierung. Allerdings wehrte sich eine qualifizierte Minderheit heftig gegen den Regularenstatus – und nicht nur aus den eben angeführten kirchenpolitischen Gründen. Der Erzbischof, selbst ein überzeugter Chorherr und ehemaliger Propst von [[Stift Eberndorf|Eberndorf an der Drau]], verhinderte die Durchführung der Säkularisation bis zu seinem Tod 1519. Der Medicipapst Leo X. musste ihn dazu noch sanft ermahnen, nachdem die diplomatische Mission des Ordensvikars der Augustinereremiten Johannes Staupitz, bekanntlich des Lehrers Martin Luthers, in Rom gescheitert war. Leonhard hatte das durch Krieg und Misswirtschaft zerrüttete Hochstift wieder durch größte Sparsamkeit und kluge Wirtschaft saniert. Nun erfolgte in seinen Augen ein Dammbruch von einer Seite, an die er am allerwenigsten gedacht hätte. Der Erzbischof verfügte, dass er im Augustinerhabit begraben würde. Anhänger der alten Ordensidee wie der Dompropst Rudolf von Kienburg (Kuenburg) erwirkten sich sogar noch in Rom als Bekenner die Erlaubnis, unter ihrer Kanonikerrobe den Ordenshabit zu tragen. Er führte ein besonderes Gelübde anlässlich einer schweren Krankheit ins Treffen. Der Kapitelsenior Balthasar von Stubenberg war der einzige, der sich sogar weigerte, den Vertrag mit Kardinal Lang zu unterschreiben. Er verschloss sich auch, den &amp;quot;neuen&amp;quot; nepotistischen Gepflogenheiten nachzugeben und einen Neffen für sein Kanonikat namhaft zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Salzburg vom Kapuzinerberg 1553.png|mini|Salzburg vom Kapuzinerberg, Federzeichnung von 1553 &amp;lt;br /&amp;gt;Erzarbtei St. Peter, Salzburg]]&lt;br /&gt;
Die Befürworter der Säkularisation führte der Domdekan Andreas von Trautmannsdorff an. An ihm ließ Leonhard Tornator, der Chronist von St. Peter, kein gutes Haar: Er habe Habit und Regel des hl. Augustinus eine &amp;quot;Phantasterei&amp;quot; genannt. Polemisch, vielleicht auch un gerecht, aber auch nicht ganz unr ealistisch hieß es: &amp;quot;Sie zögen den Habit aus, um leichter ihrem Fleische frönen zu können.&amp;quot; In Wirklichkeit lockten echter Pfründenbesitz, Ämterhäufung, Lockerung der Residenzpflicht, Palais, eigener Haushalt, adeliger Lebensstil, Stammbaum, Adelsprestige, dazu weltliche Würden und Ämter und – der Vergleich mit benachbarten Kapiteln und den Möglichkeiten, die man dort besaß. Der greise Erzbischof machte mit Recht einzig und allein die Uneinigkeit der Kapitulare dafür verantwortlich, dass der Humanistenfreund und Diplomat von europäischem Format, Matthäus Lang von Wellenburg 1514 Koadjutor von Salzburg und damit prospektiver Nachfolger des Erzbischofs Leonhard wurde. Dabei hatte der intelligente Renaissancemensch und Emporkömmling Lang die schwache Stelle des Regularkapitels blitzartig erkannt, um die uralte Kunst des &amp;quot;Divide et impera!&amp;quot; zu üben. Die Säkularisationsbulle Leo X. war mit 22. September 1514 erlassen worden und hätte binnen Jahresfrist (am 18. September 1515) durchgeführt werden sollen. In diesem Zusammenhang würde es wohl zu weit führen, die Ereignisse von Salzburg als &amp;quot;Reformation vor der Reformation&amp;quot; zu bewerten. Der Vorgang war harmlos, wenn man ihn etwa mit der reformationsbedingten Säkularisation des preußischen Ordenslands vergleicht (1525). Aber eine gewisse Umwidmung von zweckgebundenem Kirchengut war doch insofern gegeben, als der Kanoniker neuen Rechts nach 1514 immer mehr in weltlichen Regierungsgeschäften aufging und immer weniger für die eigentlich geistlichen Aufgaben zu verwenden war. Einige Jahrzehnte später musste das Konzil von Trient &amp;quot;labore improbo&amp;quot; gegen Pfründenkumulation und für die Residenzpflicht streiten, welche die Salzburger für ein Linsenmus verspielt hatten. Sie waren kaum mehr für die großen geistlichen Aufbrüche, die im Kommen waren, zu gebrauchen. Die Trienter Dekrete wurden auf anderen Wegen als über das Adelskapitel ausgeführt. Im Zuge der nachtridentinischen Reform wurde die Rede vom unreformierbaren Erzkapitel gang und gäbe. Das war nicht nur als polemischer Topos gemeint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Schule und Wissenschaft=== &lt;br /&gt;
Heinz Dopsch betont, dass die Wissenschaftspflege des Regularkapitels im Schatten der Salzburger Benediktiner zu St. Peter gestanden sei. Man wird sich diesen Beobachtungen nicht ganz verschließen können. Jedoch sei eine Erklärung versucht, die sich aus dem Vergleich ähnlicher Institutionen u. a. auch ergibt. Zur Pflege der Wissenschaft gehören Traditionen, Kulturpolitik, Talent und Stille. Man kann zeigen, dass bedeutende Fürstabteien, große Bistümer mit deren Kapiteln und etwa tätige Ritterorden mit einem weitverzweigten Vermögensstand ihre begabtesten Mitglieder vielfach für Verwaltungsaufgaben einsetzen mussten, sodass dem einzelnen zum Bücherlesen und -schreiben wenig Zeit blieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Salzburger Chorherren hatten vielfältige Verwaltungsaufgaben zu übernehmen, auch wenn die Hofmeister, Hofrichter, Pfleger, Vizedome, Kastellane und andere Amtsleute meist von Laien gestellt wurden. Sie waren auch in der fürsterzbischöflichen Diplomatie und in der Verwaltung des Hochstifts tätig. D. h. mit anderen Worten, die Chorh erren mit Begabung und Vorbildung wurden eher von der entsagenden Arbeit der Studierstube und Bibliothek durch die Geschäfte dieser Welt abgehalten. Trotzdem war die Domschule im 12. und 13. Jahrhundert sehr angesehen, war doch auch die Zeit der Universitäten Prag, Wien, Leipzig und Avignon noch nicht gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter dem Babenberger Konrad II. (1164–1168), der selbst in Paris und Chartres studiert hatte, erfreute sich die Lehranstalt guten Zuspruchs – vor allem für Studierende, die der päpstlichen Partei anhingen. Erzbischof Eberhard I. (1200–1246) der selbst Scholasticus in Bamberg gewesen war, berief tüchtige Lektoren aus jenem Erzbistum an die Kapitelschule. Eberhard II. (1247–1264) übertrug die Ämter des Scholasticus und Kantors definitiv dem Regularkapitel mit dem strengen Auftrag der Jugenderziehung, nachdem eine gewisse Ermattung im Lehrbetrieb eingetreten war. Er berief auch bereits einen Dominikaner in den Lehrkörper – aus einem Orden, der nie direkt in Salzburg Fuß fassen konnte (außer mit den sog. Termineien ordenseigener Stadthäuser), aber trotzdem Räte des Fürsten stellte und so bis in die Neuzeit hinein eine wichtige Rolle spielte. Eine nicht unbedeutende Quelle zur Geschichte des späten Investiturstreits zur Zeit Friedrich Barbarossas und Alexander III. schrieb 1170 der Chorherr Heinrich, Archidiakon von Unterkärnten: &amp;quot;Historia calamitatum ecclesiae Salisburgensis&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der in Österreich übliche Begriff &amp;quot;Stift&amp;quot; und &amp;quot;Stifte&amp;quot; für die Prälatenklöster erinnert daran, dass es im Mittelalter bis zur Entstehung der Bettelorden weder Mönche noch Chorherren gab, die ohne eine entsprechende materielle Grundlage der Versorgung, nämlich die &amp;quot;Stiftung&amp;quot;, ausgekommen wären. D. h. die Freigebigkeit, Einsicht und Möglichkeit von Stiftern war die Voraussetzung für die Entstehung einer ganzen Klosterlandschaft. Es ist daher kein Zufall, dass mit der ersten Nennung eines selbständigen Salzburger Domkapitels (925) auch erstmalig urkundlich belegt ist, dass das Domstift neben dem Besitz von St. Peter und dem Erzstift über eine eigene Ausstattung verfügte, über die es bereits als juridische Person rechtmäßig verfügen konnte. Daran hatte auch durch die Einführung der Kanonikerreform (1122) nichts geändert. Es scheint im Gegenteil sogar so, dass die Reformer als Befürworter des &amp;quot;gemeinsamen Lebens&amp;quot; und des Verzichts auf Privateigentum größten Wert darauf legten, dass das Wirtschaftsgebaren des Kapitels besser überprüfbar wurde. Deshalb ist aus diesen Jahren das erste Traditionsbuch der Reformkanoniker mit insgesamt 372 Eintragungen erhalten. D. h. das Kapitel konnte erstmals seinen gesamten Besitz in Evidenz halten und natürlich auch gegen Entfremdung schützen. Vor allem bewahrte man aber so den jeweiligen Wohltätern (&amp;quot;benefactores&amp;quot;) und Stiftern ein liturgisches Andenken im Offizium und in regelmäßigen Requiemmessen. Die &amp;quot;vita communis&amp;quot; bedeutete ja auch, dass von jetzt an nicht mehr jeder Kanoniker für sich seine eigene Pfründe nutzte und betreute, sondern das zweckgebundene Kirchengut gemeinschaftlich verwalten ließ. Dabei war es von Interesse für die Gemeinschaft zu wissen, mit welchen Einkünften das Kapitel jährlich überhaupt zu rechnen hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor die Gegenüberstellung von Besitz und jährlichen Erträgnissen in den bekannten Urbaren (ab 1392) systematisch aufgezeichnet wurde, gibt es schon im Traditionsbuch (zu 1210) das älteste Verzeichnis der Einkünfte des Domkapitels in seinen Ämtern im Lungau. Die waren beträchtlich und übertrafen in diesem Gau die des Erzstifts bei weitem. Der Grundstock für den Lungauer &amp;quot;Kirchenstaat&amp;quot; wurde noch vor der Kanonikerreform bezeichnenderweise durch Heinrich II. (1002) gelegt. Diesen kennen wir sonst als Gründer des [[Stift Bamberg|Hochstifts Bamberg]]. Für ihn war die Entwicklung des Salzburger Domstifts aber auch kein unwesentlicher Bestandteil seiner kirchlichen Reichspolitik und seines kaiserlichen Wächteramtes. Durch entsprechende Schenkungen und Käufe wurde der Besitz so abgerundet, dass das Augustiner-Chorherrenstift zu Beginn des 13. Jahrhunderts in fünf Ämtern jeweils von einem Pfleger verwaltet werden konnte. Man nannte den stiftischen Besitz die &amp;quot;befreiten Winkeln&amp;quot;, weil Höfe und Orte aus verschiedenen Herrschaften in die Ägide des Domkapitels übergegangen waren: Diese Ämter waren St. Michael, Weißpriach, Althofen bei Mariapfarr, Göriach und Judendorf. 1514 war die Zahl der fünf Ämter auf neun angestiegen: Murwinkel, St. Michael, Kendlbruck, Weißpriach, Sondergut, Göriach, Althofen, Judendorf und Mauterndorf. Das Kapitel war demnach der größte Grundherr im Lungau. Es übte relativ geschlossen die niedere Gerichtsbarkeit durch einen Hofurbarrichter aus. Das Blutsgericht verblieb allerdings beim Hochstift. Todeswürdige Verbrecher mussten an den erzbischöflichen Vizedom ausgeliefert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sukzessive wurde Mauterndorf zum Zentrum der Verwaltung, der Wirtschaft und der Gerichtsbarkeit ausgebaut. Das Schloss wurde errichtet, in dem ein stiftischer Pfleger wie in einer Hauptstadt residierte. Mauterndorf war die älteste bekannte Zollstätte in den Ostalpen überhaupt. Deren wirtschaftliche Bedeutung war schon Heinrich II. bei seiner Stiftung von 1002 bekannt. Dazu gewährte Kaiser Friedrich II. (1217) dem Salzburger Domkapitel das Recht der Markterhebung (1227). Die Marktgemeinde war die einzige in Salzburg, die nicht dem Erzbischof unterstand, und gehörte zu den Landständen mit Sitz im Landtag. Nach Heinz Dopsch war das stiftische Mauterndorf zeitweise der größte und bedeutendste Markt im Erzstift Salzburg. Grund dafür war, wie gesagt, der uralte Handelsweg zur Überquerung der Tauern, auf dem schon der hl. Severin von Ufernorikum nach Binnennorikum gezogen war. Hier nächtigten Fernhändler aus Nord und Süd mit ihren Karawanen und Lasttieren. Hier bezahlten sie ihre Maut und ließen so beträchtliche Summen Geldes zurück. Dazu kam die Vermarktung der Bergbauprodukte aus dem Murtal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Kuriosität war der namhafte Grundbesitz in Friaul (San Odorico am Tagliamento), den Graf Friedrich der Eppensteiner schon früh (1058) gestiftet hatte, den aber das Kapitel nicht lange zu halten vermochte. Der übrige Streubesitz des Domstiftes außerhalb des Lungaus war in neun Ämtern zusammengefasst: Abersee, Abtenau, Ennstal (um Haus), Radstadt , Gaißau, Kuchl (Taugl), Pinzgau, Pongau und Salzburg-Stadt. Ähnlich wie in Mauterndorf (Lungau) besaß das Domkapitel dazu Herrschaftsrechte außerhalb der Salzburger Hoheit zu Arnsdorf in der Wachau und Traismauer an der Traisen, wo heute noch das Salzburger Schloss zu sehen ist, zwischen Tulln und Krems. Das Domstift besaß Weingärten in der Gegend von St. Pölten, Krems und Melk, die jeweils einem Hofmeister, zeitweise auch einem geistlichen, unterstanden. Hans Wagner verweist darauf, dass die Chorherren mit ihrem &amp;quot;Arnsdorfer Wein&amp;quot; durchaus zufrieden waren, bis die &amp;quot;Säkularisierten&amp;quot; kamen und über seine Säure klagten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Führung und ständige Überprüfung der Urbare war bis zur Auflösung des Ordensstatus (1514) die vordringlichste Verwaltungstätigkeit des Dompropstes. Er trug innerhalb des Kapitels die Verantwortung dafür, dass die Finanzen stimmten, salopp ausgedrückt. Er verwaltete innerhalb dieses Gemeinwesens von Augustiner-Religiosen eine Art von &amp;quot;Rechnungshof&amp;quot;. Die tägliche Urbarverwaltung führten innerhalb des Kapitels der Kustos, der Kämmerer und der Kellermeister. Jährlich gab es ein &amp;quot;Stifttaiding&amp;quot; unter Vorsitz des Urbarpropstes, auf dem sich die Amtsleute (&amp;quot;officiales&amp;quot;) trafen, Rechenschaft ablegten und der Lösung anstehender Fragen harrten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Höfe und Güter wurden von bäuerlichen Eigenleuten bewirtschaftet, deren Abgaben und Dienste an das Domkapitel genau geregelt waren. Das alles konnte, kodifiziert im Stiftrecht des Salzburger Domkapitels, jeweils nachgeprüft werden. Zu den stiftischen Eigenleuten gehörten bis ins 13. Jahrhundert auch Angehörige des städtischen Bürgertums – etwa in der Salinenstadt Reichenhall. Die Domherrn hatten im 12. Jahrhundert auch eine wehrfähige Ministerialität, die aber bald vom Hochstift übernommen wurde. Das Domstift bewahrte sich durch die Jahrunderte einen gebührenden Anteil am Salinenwesen Salzburgs. Als es mit den Chorherren von Berchtesgaden im 12. Jahrhundert zu einem Rechtsstreit um das Halleiner Salz kam (am Tuval bzw. Gutratsberg), vermittelte der Erzbischof durch eine Drittelung der Gottesgabe für alle drei Anrainer, Berchtesgaden, Domstift und Hochstift (1198). 1237 gestattete außerdem Eberhard II. den Chorherren, zusammen mit den Zisterziensern aus Salem am Bodensee, das Sudhaus Oberhof in Hallein zu betreiben. Bis ins Jahr 1530 baute das Kapitel das Salz mit Hilfe der Zisterzienser ab. Wenn im Volksmund die Redeweise blieb &amp;quot;Unterm Krummstab ist gut sein!&amp;quot;, so gilt das sicher besonders auch für die wirtschaftliche Berechenbarkeit des Domstiftes als einer Grundherrschaft und seine durch Jahrhunderte gepflegte Rechtskultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker erfreuten sich des praktisch unangefochtenen Rechts, den Erzbischof und Landesfürsten – meist aus ihren Reihen – zu wählen, bei Erledigung des Erzstuhls das Land zu regieren und vertraglich abgesicherte Bedingungen an den Kandidaten zu stellen (die sog. Wahlkapitulationen). Im Wormser Konkordat (1122) hieß es noch formelhaft, Klerus und Volk wählten den Erzbischof, bevor ihn der Kaiser mit dem Stift belehnen würde. In Wirklichkeit wählten nach 1246 nur mehr die Kanoniker. Im Sinne einer Prinzipienverwahrung pflegte die Kurie den Neugewählten nicht anzuerkennen, gab aber praktisch in der Regel immer nach. Eine Doppelwahl wie die 1403 zur Zeit des Abendländischen Schismas war damals ein gesamtkirchliches Problem, das für Salzburg nicht zu überschätzen ist. Selbst die Wahl des kaiserlichen Kandidaten Johann III. Beckenschlager (von Gran: 1481) kam nicht ohne eine Minorität von wählenden Domherrn zustande. Bei Sedisvakanz hat en die Domherrn die volle Regierungsgewalt über das Land Salzburg inne. Solch eine Machtfülle war bei Ordensleuten sicher einzigartig und fand sich höchstens noch in souveränen Ritterorden. Das Kapitel hatte auch das Nominationsrecht bei den auswärtigen Propstwahlen in Weyarn, Suben und Höglwörth inne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer wieder stammten auswärtige Pröpste und Bischöfe aus dem Salzburger Kapitel. Auffallend viele Bischofskandidaten auf den Suffragansitzen kamen aus dem Erzkapitel wie aus einer Bischofsschmiede. Die Salzburger Kapitulare bildeten ohnedies die bevorzugten Kandidaten für die verbriefte Besetzung der innerösterreichischen Bistümer (Gurk, Seckau, Lavant), sie schlugen aber wiederholt die „Zwetschkenbistümer&amp;quot;, wie sie z. B. Lavant nannten, wegen der geringen Bedeutung aus. Diese Zurückhaltung war allerdings keine Salzburger Besonderheit. Sie findet sich auch anderswo. Der Dompropst fungierte seit 1139 als Archidiakon für die Pfarreien des Rupertiwinkels und die übrigen Salzburger Gaue. Erst 1478 musste er die Präzedenz an die Eigenbischöfe (Gurk, Seckau, Lavant und Chiemsee) abgegeben. Allerdings erfreuten sich noch im 16. Jahrhundert die Kapitularen von St. Peter der Präzedenz vor den Kanonikern, den Propst ausgenommen. Das war eine Salzburger Besonderheit und geschichtliche Reminiszenz der bedeutenden Vergangenheit in der Diözesanverwaltung, auf welche das Mönchskapitel in den ersten Jahrhunderten zurückblicken konnte. Dadurch, dass sich der Erzbischof das Vogteirecht vorbehielt, konnte sich das Kapitel von allzuviel Einmischung der Laien schützen. Das alte Vogteirecht wurde wie bei den Reformmönchen ein freigewähltes Defensorenamt. Während andere Kapitel dieser Art wie etwa das Mainzer bereits nach 100 Jahren wieder ihren Ordensstatus aufgaben, behielten diesen die Salzburger mit ihren Eigenbistümern bis zum Vorabend der Reformation. Zur Aufnahme in das Kapitel genügte nach allgemeinem Recht das Subdiakonat; die Salzburger verlangten hingegen die Priesterweihe zur Erlangung der vollen Kapitelrechte, d. h. vor allem des aktiven und passiven Wahlrechts. Das Recht der Pontifikalien wurde dem Dompropst schon im Jahre 1233 verliehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Die personelle Zusammensetzung der Regularkanoniker spiegelte die Universalität der Gesamtkirche. Ihre ritterbürtigen Familien stammten etwa in der gleichen Zahl aus Bayern und aus den österreichischen Erblanden, weniger aus den hochstiftlichen Salzburger Gauen. Im 14. Jahrhundert sind nur zwei – allerdings promovierte – Nichtadelige bezeugt: der Reichenhaller Pilgrim Laubez und Karl Muschopf, stiftungsfreudiger Patrizier aus Regensburg. Dazu kamen noch drei nicht näher bekannte bürgerliche Domherrn, zwei aus Wien und einer aus Kraiburg am Inn. Das ist aber nichts Besonderes, weil im späten Mittelalter ein höherer Universitätsgrad dem Adelsbrief gleichgesetzt wurde. Außerdem brauchte ein Kapitel auch ausgebildete Kanonisten, was vor allem ab dem 15. Jahrhundert immer spürbarer wurde. Die bürgerlichen Kapitulare stammten alle, wenn der Anschein nicht trügt, aus wohlhabenden Geschlechtern bzw. aus dem städtischen Patriziat. Die Salzburger Kanoniker finden sich mit denen aus anderen Diözesen bei Gesandtschaften, an Reichstagen und sonstigen diplomatischen Missionen wieder. Etwa ein Drittel der Domherrn hatte nach 1300 an einer Universität studiert, die meisten von ihnen (nämlich 27 Kapitulare) studierten in Wien, sieben auch in Bologna, dazu auch in Paris, in Prag, in Avignon und in Leipzig. Das war für adelige Kapitel damals vergleichweise viel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
===Baugeschichte=== &lt;br /&gt;
Als Erzbischof Konrad I. 1122 die &amp;quot;vita communis&amp;quot; im Domstift Salzburg einführte, errichtete er für Kleriker, Laien und Domfrauen drei zusammengeschlossene Klosterbereiche. Diese erstreckten sich an der Südseite des frühmittelalterlichen Domes, eines dreischiffigen Saalbaues mit langgestreckter Apsis und Eingangshalle im Westen, an die Konrad zwei Türme anbauen ließ. Nach der Weigerung Konrads II., den von Kaiser Friedrich I. erhobenen Gegenpapst Paschalis anzuerkennen, wurde die Stadt Salzburg 1167 von den Pfalzgrafen überfallen und in Flammen gesetzt, Dom und Klöster wurden dabei vernichtet. Die spätromanische, monumentale Gestalt des Domes in der Stadtansicht von 1553 geht auf den Neubau seit 1181 unter Erzbischof Konrad III. zurück. Man bekommt hier also ein ungefähres Bild vom Aussehen des regulierten Domstiftes vom Beginn des 13. Jahrhunderts bis zur Säkularisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1956/58 und 1966/67 durchgeführte Grabungen haben eine genauere Rekonstruktion ermöglicht: ein sechsjochiges, eingewölbtes Langhaus von 73,5 m Länge grenzt an ein Querhaus von 57,5 m Breite mit Apsiden an den Stirn- und Ostseiten. Das hochragende Mittelschiff flankieren (nach F. Pagitz) zwei Seitenschiffe, im Süden bildet eine Kapellenreihe ein weiteres Seitenschiff. An die Vierung schließt der 22 m lange Chor mit Rundapsis an. Vom Hauptschiff aus führen zwei Abgänge in die dreischiffige Hallenkrypta, dem Bestattungsort der Bischöfe. Seitlich des achteckigen Vierungsturmes ragen zwei Rundtürme über der nördlichen und südlichen Querhausapsis empor. Die beiden hohen Westtürme mit der Eingangshalle sind noch aus der Zeit Konrads I. erhalten. Von den Vorgängerbauten des Domes unter Bischof Virgil (Weihe 774), Erzbischof Arno (785–821) und Erzbischof Hartwik (991–1023) wurden für den Konrad-III.-Dom die wesentlichen Baulinien und auch die Maßeinheiten des Langhauses übernommen, der Kirchenbau aber nach Osten hin noch etwas ausgedehnt. An das südliche Seitenschiff schließt unmittelbar der nördliche Kreuzgangarm des Konvents an. Im Westen des quadratischen Kreuzganges befindet sich die Propstei, im Osten das Kapitelhaus mit dem Dormitorium, weiters drei Kapellen, deren Funktion der Chronist Johann Stainhauser im beginnenden 17. Jahrhundert folgendermaßen beschreibt: die St-Augustin-Kapelle habe als Grablege der Pröpste gedient, in der 1442 geweihten Katharinenkapelle habe sich das Kapitel zur täglichen Lesung versammelt, in der 1223 geweihten Heinrichskapelle seien die Domherren zur Wahl der Erzbischöfe und der Dompröpste zusammengekommen. Das Frauenkloster ist nun räumlich getrennt an der Nordseite der Pfarrkirche (der heutigen Franziskanerkirche) angesiedelt. Nach der Säkularisation des Domstiftes ließ Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau infolge der irreparablen Brandschäden von 1598 schließlich den alten Dom vollständig abtragen und den frühbarocken Neubau nach Plänen von Vincenzo Scamozzi errichten. Seine Hauptachse ist gegenüber den geosteten Vorgängerbauten leicht nach Süden hin verschoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildende Kunst===&lt;br /&gt;
Salzburg gehörte als geographischer Knotenpunkt durch das ganze Mittelalter hindurch zu den großen Zentren der bildenden Kunst im Hl. Römischen Reich. Schwierigkeiten bereitet es, die Kunstproduktion im Auftrag des Domstifts bzw. der schöpferisch tätigen Domherren von den Kunstaufträgen für den Erzbischof zu trennen. Weiters, in der Buchmalerei, zwischen den Schreibschulen der einzelnen Klöster zu differenzieren. Nach der Ausgliederung des Klosters St. Peter aus der Gesamtheit der Domgeistlichkeit Ende des 10. Jahrhunderts bildeten sich mit St. Peter und dem Domkapitel zumindest zwei unterschiedliche Entwicklungsströmungen in der Buchkunst heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auswirkungen des einflussreichen Schaffens des Salzburger Domskriptoriums zeigen sich in den Werken anderer österreichischer Chorherrenstifte bis nach Klosterneuburg. Den typischen flächigen Federzeichenstil des Domskriptoriums weisen zwei ganzseitige Zeichnungen auf, die den Text des aus fünf Nekrologen bestehenden Totenbuches des Domstiftes ergänzen. Es enthält Eintragungen von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. Einzig erhaltenes Kunstwerk aus der Chorherrenzeit im heutigen Dom ist das bronzene Taufbecken (1321 von Meister Heinrich gegossen), das auf vier liegenden Löwen mit stilisierten Mähnen (um 1220) ruht. Die Außenwand des Beckens ziert ein reliefierter Fries aus 16 Rundbögen, in denen Bischofsfiguren stehen. Das Museum Carolinum Augusteum verwahrt – wahrscheinlich vom alten Dom – ein marmornes Marientympanon, entstanden um 1220. Eine zweiflügelige Holztüre von 1450 mit zwölf Reliefs (Maria mit Kind, Johannes d. T. und zehn Apostel) wurde von Erzbischof Wolf Dietrich in die Salzburger Kapuzinerkirche übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Quellen wird hinsichtlich der Ausstattung des mittelalterlichen Domes von Wand- und Glasmalereien berichtet, 1219 von der Weihe des Johannesaltars in der Krypta, 1201 wird ein Rupertialtar vor dem Lettner erwähnt. Immer wieder richteten Feuersbrünste große Schäden an. 1393 stiftete Erzbischof Pilgrim in der ehemaligen Nikolaikapelle eine neue Kapelle mit sechs Altären und sechs Benifizien. Erzbischof Gregor Schenk von Osterwitz (1396–1403) ließ eine große Orgel über dem Westeingang einbauen und eine neue Kanzel aufstellen. Erzbischof Sigmund I. von Volkersdorf (1452–1461) beauftragte Stefan Krumenauer, das Westportal aufzuführen. Mehrere Erzbischöfe beauftragten ihre Grablegen im Dom, so auch Leonhard von Keutschach im nördlichen Seitenschiff. Die blühende Salzburger Plastik um 1500 reflektiert das Keutschachdenkmal auf der Festung Hohensalzburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Goldschmiedearbeiten des Domschatzes sind großteils verlorengegangen. So ließ Erzbischof Wolf Dietrich das bedeutendste silberne Kunstwerk, den Passionsaltar des Salzburger Goldschmieds Wolfgang Faust von 1466, einschmelzen. Viele Objekte der erzbischöflichen Silberkammer gelangten durch Großherzog Ferdinand III. von der Toskana, der während der napoleonischen Kriege vorübergehend das reichsfürstliche Gebiet des Erzstiftes Salzburg als Kurfürstentum erhalten hatte, nach Florenz in den Palazzo Pitti, z. B. sog . &amp;quot;Heiltümer&amp;quot;, kostbar gefasste Naturmaterialien wie Greifenklauen oder Doppelpokale, die zu liturgischen Zwecken dienten. Wenige Stücke befinden sich noch im Salzburger Domschatz, darunter die ursprünglich über dem Taufbecken hängende Hostientaube, eine Arbeit aus Limoges um 1200, oder der sog. &amp;quot;Rupertikelch&amp;quot;, ein Messkelch aus dem dritten Viertel des 13. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der Handschriftenbestand des alten Regularkapitels betrug etwa die Hälfte der Manuskripte, die das [[Stift St. Florian|Augustinerstift St. Florian]] heute noch besitzt. Vom Ende des 12. Jahrhunderts ist ein erster Katalog mit 30 verzeichneten Handschriften erhalten. 1433 zählte der Bibliothekar Mag. Johannes Holveld 393 Handschriften, die mit Ketten an der Wand auf 18 Stellagen befestigt waren und auf bereitgestellten Stehpulten gelesen werden konnten. Mehr als die Hälfte der Bücher befassten sich mit Theologie, dazu kamen liturgische Handschriften und solche juridischen Inhalts. Geschichte, Philosophie und Literatur galten dagegen eher als Freizeitbeschäftigung und waren kaum vertreten. Historisches wird man wohl bei Tisch vorgelesen haben. Der wichtigste &amp;quot;Bücherlieferant&amp;quot; für das Domkapitel war die oberbaierische Reichsabtei Tegernsee. Durch deren Schreibschule kamen auch Wiener Scholastiker nach Salzburg. Die Exemplare befinden sich seit der Säkularisation zum Teil in der Erzabtei St. Peter (mit dem Totenbuch Cod aIX 7), teilweise in Paris (1801), Wien (1806, Consuetudines von Klosterrath) und München. Mit der Auflösung des Domklosters ging die Bibliothek keineswegs in den Besitz des Erzbischofs oder des neuen Domkapitels über, sondern wurde zunächst in alle Himmelsrichtungen zerstreut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Wind konnte schon vor einigen Jahren kompetent zeigen, dass die Benediktinische Schreibschule und die der &amp;quot;ecclesia maior&amp;quot; von Salzburg doch sehr unterschiedlich arbeiteten. Man habe viel zu vorschnell in Millstadt, St. Peter, Michelbeuern, Admont, bei den Petersfrauen mit ihrem berühmten Graduale oder beim Orationale vom Nonnberg und anderswo ohne Unterschied von &amp;quot;Salzburger&amp;quot; Provenienz und Einfluss gesprochen. Nach Wind wurde sehr wohl ein Unterschied nach Ordenszugehörigkeit gemacht. Das zeigte sich schon in den Kalendarien, wo eben die Ordensheiligen unterschiedlichen Rang einnahmen. Auch die Zusammensetzung der Autoren war von der Ordenszugehörigkeit beeinflusst, wenn nicht bestimmt. Bei den Chorherren findet sich daher viel Augustin und Theologen aus der augustinischen Tradition wie Honorius von Autun, Rupert von Deutz, Hugo von Saint-Victor in Paris u. a. Über die aus dem Salzburgischen &amp;quot;Territorium&amp;quot; Friesach in Kärnten stammenden Dominikaner, die Eberhard II., wie schon erwähnt , als Professoren der Philosophie und Theologie an die Kapitelschule gebracht hatte, kamen weiters die Scholastiker in die Bibliothek, und nicht zu vergessen, der neue Aristotelismus. Es fanden sich jetzt Peter Lombardus, Thomas von Aquin, Kommentare zu den Dekretalien und Formelbücher ein. Auch die Homiliare (Sermonare) in St. Peter aus dem 15. Jahrhundert stammen von den Chorherren. Zu den Augustinerbeständen gehörten ferner die Pastoralregel des hl. Gregor I. und der Volksprediger Berthold von Regensburg. Es hat den Anschein, als hätten die Chorherren auch mit ihrer Büchersammlung an die 19 inkorporierten Pfarreien mit ihren Vikaren gedacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Was wir bei der Bibliothek und ihrem Schicksal beobachten konnten, gilt auch für die Archivalien. Heinz Dopsch beklagt, dass das Archiv der regulierten Domherrn ohnedies nicht sehr reich war und dass es offenbar fast zur Gänze im 19. Jahrhundert nach Wien ausgelagert wurde. Das Domkapitelarchiv fand demnach ziemlich geschlossen seinen Weg in das HHStA Wien, einiges auch in das BStA München. Die diesbezügliche Quellenlage könnte auch im Mittelalter besser gewesen sein. Hans Wagner interpretiert das als Folge des Religiosenstandes der Archivbesitzer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur== &lt;br /&gt;
* Heinz Dopsch: Geschichte Salzburgs - Stadt und Land, Mittelalter Band I/2:  Vorgeschichte, Altertum, Mittelalter. Salzburg 1983, S. 1042–1047.&lt;br /&gt;
* Heinz Dopsch: Das Domstift Salzburg. Von den Anfängen bis zur Säkularisation (1514). In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 171–188.&lt;br /&gt;
* Franz Fuhrmann: Salzburg in alten Ansichten. Salzburg / Wien 3. Aufl. 1981.&lt;br /&gt;
* Christian Greinz: Die fürsterzbischöfliche Kurie und das Stadtdekanat zu Salzburg. Ein Beitrag zur historisch-statistischen Beschreibung der Erzdiözese Salzburg. Salzburg 1929, S. 62f.&lt;br /&gt;
* Karl Friedrich Hermann: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer. 2. Abteilung: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, Teil 9: Salzburg. Salzburg 1957.&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die mittelalterliche Buchkunst der Chorherrenstifte am Inn. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 205-231.&lt;br /&gt;
* Franz Hörburger: Salzburger Ortsnamenbuch. Bearb. von Ingo Reifenstein / Leopold Ziller. Salzburg 1982.&lt;br /&gt;
* Ulrich Kopf: Kann man von einer Spiritualiät der Augustiner-Chorherren sprechen?. In: Die Stiftskirche in Südwestdeutschland: Aufgaben und Perspektiven der Forschung. Hg. von Sören Lorenz / Oliver Auge. Leinfelden-Echterdingen 2002, S. 141–158.&lt;br /&gt;
* Franz Ortner: Salzburger Kirchengeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Salzburg 1988.&lt;br /&gt;
* Franz Pagitz: Quellenkundliches zu den mittelalterlichen Domen und zum Domkloster in Salzburg. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 108 (1958), S. 21–156.&lt;br /&gt;
* DERS., Die mittelalterlichen Dome in historischer Sicht u. Versuch einer Rekonstruktion des Konrad-III-Domes, in: Festschrift 1200 Jahre Dom zu Salzburg, Salzburg 1974, hrsg. v. Metropolitankapitel v. Salzburg, 31–62 u. 83–89.&lt;br /&gt;
* Kurt Rossacher: Der Schatz des Erzstiftes Salzburg. Ein Jahrtausend deutscher Goldschmiedekunst. Salzburg 1966.&lt;br /&gt;
* Johann Sallaberger: Kardinal Matthäus Lang. Salzburg 1997.&lt;br /&gt;
* Teréz Gerszi (Bearb.): Die Salzburger Skizzenbücher des Paulus van Vianen. Mit topographischen Erläuterungen von Herbert Klein. Salzburg 1983 (Schriften des Salzburger Barockmuseums, 10).&lt;br /&gt;
* Rudolf Schieffer: Die Entstehung von Domkapiteln in Deutschland. Band 2. Bonn 1982 (Bonner Historische Forschungen, 43).&lt;br /&gt;
* Georg Schreiber: Kurie und Kloster im 12. Jahrhundert: Studien zur Privilegierung, Verfassung und besonders zum Eigenkirchenwesen der vorfranziskanischen Orden vornehmlich auf Grund der Papsturkunden von Paschalis II. bis auf Lucius III. (1099–1181). 2 Bände. Stuttgart 1910.&lt;br /&gt;
* Georg Schreiber: Gregor VII., Cluny, Cîteaux, Prémontré zu Eigenkirche, Parochie, Seelsorge. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Kanonistische Abt. 45 (1947), S. 31–171. [http://www.digizeitschriften.de/dms/img/?PPN=PPN602167337_0034&amp;amp;DMDID=DMDLOG_0006 (Digitalisat)] &lt;br /&gt;
* Hermann Vetters: Die mittelalterlichen Dome in archäologischer Sicht: In: 1200 Jahre Dom zu Salzburg, 774–1974. Festschrift zum 1200jährigen Jubiläum des Domes zu Salzburg. Hg. von Hans Spatzenegger. Salzburg 1974, S. 73–82.&lt;br /&gt;
* Hans Wagner: Das Domkapitel von Salzburg zur Zeit des Augustinerchorherrenstiftes 1122 bis 1514. Salzburg um 1958, Typoskript.&lt;br /&gt;
* Hans Wagner / Herbert Klein: Salzburgs Domherren 1300-1514. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 92 (1992), 1–81.&lt;br /&gt;
* Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert. Köln / Wien 1975 (Kölner Historische Abhandlungen, 24).&lt;br /&gt;
* Peter Wind: Zum Skriptorium des Salzburger Domstifts (1122–1514). In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 189–203.&lt;br /&gt;
* Gerhard B. Winkler: Die nachtridentinischen Synoden im Reich. Salzburger Provinzialkonzilien 1569, 1573, 1576. Wien / Köln / Graz 1988.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_St._Michael_an_der_Etsch&amp;diff=10664</id>
		<title>Stift St. Michael an der Etsch</title>
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		<updated>2022-10-14T06:04:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Herbert Krammer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1144/45&lt;br /&gt;
|Datum bis=1807&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese: Trient&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=ecclesia ad honorem domini nostri Iesu Christi et victorios issime crucis sancteque Marie perpetue virginis et sancti Michahelis archangeli (1145), ecclesia sancti Michaelis archangeli dei basilica (1174), ecclesia sancti Michaelis (1177), domus sancti Michaelis (1196), monasterium sancti Michahelis prope Tridentum (1326), conventus monasterii sancti Michahelis (1360), sanndt Michel ain brob stey (um 1500), stift und gotzhaus zu sant Michel an der Etsch (1533), prepositura sancti Michaelis (1538), monasterium sancti Michaelis ad Athesim (1566), kloster S. Michael propstei (um 1600), Welschmichel (1674), korherrn stift zu Welschmichel in Tirol (1786); heute: San Miche le all'Adige&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Erzengel Michael&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Nördlich von Trient am früheren Zusammenfluss des Noce mit der Etsch, Gemeinde San Michele all'Adige, ehemaliges Gericht Königsberg (Inhaber: Grafen von Eppan, dann Landesfürsten). Grafschaft Tirol, 1805 bis 1815 Königreich Bayern, seit 1815 Österreich, seit 1919 Königreich Italien, seit 1946 autonome Provinz Trient (Trento), Italien.&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Ansicht der Stiftsanlage von St. Michael nach 1874.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Anlage der Stiftsanlage von St. Michael, kolorierte Zeichnung (nach 1874), Stadtarchiv Bozen, Stiftung Rasmo-Zallinger, entnommen aus: Hannes Obermair: St. Michael an der Etsch. In: Österreichisches Chorherrenbuch. Die Klöster der Augustiner-Chorherren in der ehemaligen Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Hg. von Floridus Röhrig. Klosterneuburg 2005, S. 435.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
Das Augustiner-Chorherrenstift St. Michael entstand um 1144/45 rund 20 km nördlich von Trient gegenüber der (alten) Einmündung des Noce in die Etsch. Die Gründung erfolgte unter der Regierung Bischof Altmanns von Trient (1124–1149) auf Allodialgütern der Grafen von Eppan und war Teil der umfassenden Kanonikerreform und der monastischen Erneuerungsbewegung des 12. Jahrhunderts. Die nach dem 27. März 1149, dem Todestag Bischof Altmanns, redigierte und interpolierte Aufzeichnung über Weihe und Ausstattung des Stifts nennt als Gründungsdatum den 29. September 1145 (Michaelstag). Eine von der jüngeren Forschung erwogene Einordnung zu 1144 zieht den Gebrauch des &amp;quot;Calculus Pisanus&amp;quot; bzw. Überlieferungsfehler in Betracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer der Kristallisationspunkte der Kanonikerreform war das [[Stift Salzburg|Erzstift Salzburg]], nachdem Erzbischof Konrad I. (1106–1147) im Jahre 1122 sein Domkapitel zum Reformstift umgewandelt hatte. Zur Salzburger &amp;quot;Observanz&amp;quot; rechnete zweifelsohne auch der zum Metropolitanverband gehörige Diözesansprengel von Brixen, wo spätestens unter Bischof Hartmann (1140–1164) ein &amp;quot;halbreguliertes&amp;quot; Domkapitel konstituiert wurde. Die deutlichen Reserven der Brixner Kanoniker gegenüber der Salzburger Observanz dürften Hartmann 1142 zur Gründung des [[Kloster Neustift|Reformstifts Neustift]] in nächster Nähe von Brixen bewogen haben. Die Wirkung des Salzburger Reformkreises reichte aber auch über die Grenzen der Kirchenprovinz hinaus. Im unmittelbar angrenzenden Trienter Sprengel waren neben der Neuordnung des Domstiftes die Gründungen der Reformstifte St. Michael (1144/45) und [[Stift Au-Gries|Au]] bei Bozen (vor 1165/66) ein deutliches Reformsignal. Außerdem war 1146 das Kloster San Lorenzo bei Trient mit Benediktinern nach der Regel von Vallalto bei Bergamo reformiert worden. Diese äußerst beachtliche Entwicklung war sicherlich vorab auf die herausragende Persönlichkeit Bischof Altmanns zurückzuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Annahme einer aufeinander abgestimmten Aktion der beiden Hochkirchen von Trient und Brixen unter dynastisch-laikalem Beistand kann sich auch auf die ikonographische, wenngleich posthume bzw. apokryphe Überlieferung stützen, wonach sich Bischof Hartmann von Brixen als Mitfundator an der gräflich eppanischen Gründung von St. Michael beteiligt hätte (so das Bildprogramm einer Wandmalerei des 17. Jahrhunderts an der inneren Westwand der Stiftskirche). Die oft geäußerte Vermutung, die erste Generation von St. Michael sei vom [[Stift Suben|Chorherrenstift Suben am Inn]] (Oberösterreich), der Familiengründung Altmanns, gekommen, ist aufgrund dürftiger Quellenlage mit gebotener Vorsicht zu bewerten. Die Überlegung stützt sich darauf, dass Altmann – der seine Abkunft kognatisch aus dem Geschlecht der Vögte von Tegernsee herleitete – in direkter Linie von der vermuteten Gründerin Subens, Tuta (von Vornbach), abstammte. Insgesamt repräsentiert St. Michael somit den Prototyp eines unter bischöflicher Führung mit hochadeliger Assistenz gegründeten Kanonikerstifts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lässt sich die bischöfliche Initiative als Ausdruck jener Reformtendenzen deuten, unter deren Einfluss die Reformbischöfe des 12. Jahrhunderts allenthalben in ihren Diözesen an die Stelle des Eigenklosterwesens den bischöflichen Schutz treten ließen, so ist das neugegründete Stift im selben Maße Kristallisationspunkt adeligen Lebens sowie Ausdruck adeliger Frömmigkeit und Machtentfaltung im Zeichen dynastischer Mentalität, deren säkulare und spirituelle Komponenten letztlich kaum unterscheidbar sind. Ungeachtet seiner Stellung als Kollegiatkirche wurde das Stift vom Eppaner Dynastenadel offensichtlich als Familienkloster betrachtet und für Grablege und Stiftermemoria in Anspruch genommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der im 12. und frühen 13. Jahrhundert erreichte Besitzstand des Stifts entlang der beiden Achsen des Etschtals und des Nonsbergs wird erst wieder im 14. Jahrhundert etwa mit Gütern in Tramin, Enn-Neumarkt und Marling vermehrt. Die Konsolidierung des Stifts erfolgte nicht nur über die verstärkte Ausübung von Pfarrechten (St. Florian, Salurn), sondern lässt sich auch an der Erlangung der Pontifikalien unter Propst [[Jakob von Bayern]] (1404–1416) ablesen. 1636 wurde das Stift in die Kongregation der lateranensischen Chorherren in Rom eingereiht. Dennoch konnte sich das landständische Stift niemals über den Rang einer mittleren Institution hinausheben. Eine wirkungsvolle Dialektik mit dem Diözesanzentrum Trient scheint nur unzulänglich stattgefunden zu hab en.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strukturprobleme brachen verstärkt im Zeitalter der Konfessionalisierung auf. Auf der Diözesansynode von 1590 schlugen der Trienter Fürstbischof Ludwig von Madruzzo und sein Domkapitel sogar die Unterdrückung des Stifts und den Einzug seines gesamten Besitzes vor, um damit das vom Konzil von Trient vorgeschriebene Seminar zu errichten. Anlässlich einer 1585 abgehaltenen Visitation hatten Bischof und landesfürstliche Kommissäre einen äußerst negativen Eindruck vom Stiftsleben gewonnen. Die Aufhebung konnte Propst [[Wolfgang Waltenhofer]] nur durch das Versprechen der Reform verhindern, die dann vor allem von den Prälaten des 17. Jahrhunderts durchgesetzt wurde. Für die Zwecke dieser neuen Disziplinierung erbat sich Propst [[Thomas Zigainer]] (1623–1656) einige Chorherren vom Stift Neustift bei Brixen, aus dem 1653 vier Stiftsmitglieder für ein Jahr nach St. Michael zogen. Unter Propst [[Georg Adam von Teitenhofen]] (1686–1715) erlitt das Stift im Zuge des spanischen Erbfolgekriegs (1704–1714) durch militärische Einquartierungen und Plünderungen größere Schäden. Nach den Reformpröpsten [[Pilati]], [[Fedeli]] und [[Kranabitter]] übernahm der letzte Propst [[Gregor Tasser]] (1770–1807) ein als Personenverband konsolidiertes und durch die erfolgten Baumaßnahmen architektonisch repräsentatives Ganzes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die späte Blütezeit, so typisch für viele Stifte des Ancien Regime, wurde zunächst von der unter Kaiser Joseph II. (1780–1790) erstmals drohenden, schließlich jedoch abgewendeten Aufhebung getrübt. Der Konvent geriet 1796 in die Wirren des ersten Koalitionskriegs (1791–1797), als die siegreichen napoleonischen Truppen im September und im November 1796 das Stift plünderten, in das sich zuvor österreichisches Militär zurückgezogen hatte. Im April 1798 richtete der österreichische General Laudon im Stift eine Kaserne ein und schon 1801 wurde St. Michael neuerlich von den französischen Truppen heimgesucht. Im dritten Koalitionskrieg stand Bayern auf Seite Napoleons im Kampf gegen Österreich, das dabei unterlag und im Frieden von Pressburg (Dezember 1805) ganz Tirol, auch das Trentino, an Bayern abtreten musste. Die Aufhebung durch die kirchenfeindliche bayrische Regierung 1807 traf eine führungslose Gemeinschaft: Propst Tasser war am 17. Februar 1807 verstorben. Nur zwei Monate darauf kündigten die Regierungskommissäre die Beschlagnahme aller Güter und Gebäude mit dem ganzen Inventar an. Der staatliche Administrator Johann Tartarotti sicherte den meisten Chorherren, die das Stift verlassen mussten, eine Pension zu. Der Vorgang ordnet sich in die Unterdrückung auch der übrigen Tiroler Stifte und Klöster ein, deren Vermögen vom Staat eingezogen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die staatliche Bewertung ergab für St. Michael ein Gesamtvermögen von 436.007 fl. Darunter lagen nur Fiecht (303.510 fl.), Gries (404.319 fl.) und Marienberg (422.035 fl.), während Wilten (554.014 fl.), Neustift (615.643 fl.) und Stams (743.927 fl.) deutlich höhere Werte aufwiesen. Ein Großteil der Stiftsgüter von St. Michael wurde verpachtet, der noch vorhandene Kirchenschatz und die Paramente nach Innsbruck geliefert und dort 1808 versteigert. Seit 1874 ist das ehemalige Stift Sitz einer landwirtschaftlichen Schule (heute mit universitärer Anbindung), seit 1968 beherbergt es das Museo degli Usi e Costumi della Gente Trentina).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Den nachträglich verfassten Gründungsaufzeichnungen gemäß übertrug Bischof Altmann von Trient dem neuen Stift einen Hof zu Tramin, dann eine kleine Ortschaft, genannt Traversara im Nonsberg in der Pfarre Arsio, den Fennberg oberhalb Margreid, wo das Kloster auch die niedere Gerichtsbarkeit erlangte, ferner den Zehent der Gemeinde Faedo oberhalb St. Michael. Überdies verlieh ihm Altmann die Leitung der Seelsorge über den Markt St. Michael, etwas später über die ausgedehnte Pfarrei Giovo, die sich über das ganze linke Etschufer samt dem anschließenden Gebirgsgelände zwischen Etsch und Avisio von der Salurnerklause bis zur Einmündung des Avisio erstreckte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Graf Ulrich von Eppan dotierte das neue Stift mit allen im Umkreis gelegenen Eigengütern, diesseits und jenseits der Etsch. Auch schenkte er ihm einige Zehente. Weiters bestimmte er, dass die Bewohner des Marktes St. Michael von jeder Behausung am Fest des hl. Martinus 10 Solidi (Schilling) jährlich dem Kloster entrichten sollten. Am 11. August 1177 erteilte Papst Alexander III. dem Stift ein Privileg, durch das ihm alle bislang erworbenen und noch zukünftig zu erlangenden Rechte und Besitzungen bestätigt wurden. Die Bulle sicherte dem Stift auch die freie Propstwahl zu. Zu größerem Wohlstand wie die anderen Tiroler Stifte gelangte St. Michael erst später. Bezüglich des Umfanges der Gebäude blieb es ein bescheidenes Kloster. Schwere Verluste erlitt es durch Feuersbrünste, stark beschädigt wurde es immer wieder durch Überschwemmungen der Stiftsgüter an beiden Seiten der Etsch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Stiftsgründung war unter führender Beteiligung des Eppaner Grafen Ulrich (I.) und seiner Söhne Friedrich (I.) und Heinrich (II.) erfolgt. Die nach 1150 überarbeitete St. Michaeler Gründungsaufzeichnung von 1144/45–1149 hält die Ausstattung des Vogtamtes fest, indem die Dotierung des Stifts mit altem Trienter Mensalbesitz im Umfang des Unteren Fennberges (Übertragung &amp;quot;a principatu Tridentinensi&amp;quot;) Grundlagen einer eppanischen Vogteiherrschaft erkennen lässt, die in der Immunitätsgerichtsbarkeit über ein Instrument zur selbständigen politischen Machtbildung verfügte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die personellen Ressourcen des Konvents scheinen ein dauerhaftes Problem gewesen zu sein: Die Zahl der Chorherren war zeitweise sehr gering und betrug während des 13. und 14. Jahrhunderts manchmal nur zwischen drei und vier. 1492 befanden sich in St. Michael drei Kanoniker und der Dekan, ebensoviele 1567, wobei hier offenbar die Stiftsmitglieder, die außerhalb des Konvents in den verschiedenen Seelsorgestationen wirkten, nicht mitgezählt sind. Um 1700 nahm die Zahl stark zu, das Stift zählte bei der Aufhebung 21 Mitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Beginn der Neuzeit, besonders seit dem Auftreten Luthers, traten wegen Mangels an deutschem Nachwuchs immer mehr Italiener ins Stift ein. Die Sprachgrenze wurde allmählich von Lavis bis Salurn, also 8 km nördlich von St. Michael vorgeschoben. Damit war das Stift schließlich von italienischen Bewohnern umgeben und wurde seither oft &amp;quot;Welschmichl&amp;quot; genannt. Trotzdem bildeten die deutschen Chorherren auch weiterhin gewöhnlich die Mehrheit. Als erster Italiener in der Reihe der Pröpste erscheint [[Carlo Barbi von Coredo]] im Nonsberg (1657–1659). Ihm folgte [[Antonio Quetta de Liliis]] (1663–1686) von Trient. Im ganzen zählte das Stift von 43 Pröpsten sieben Italiener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Die ursprüngliche, hochromanische Konventsanlage aus dem 12. und 13. Jahrhundert ist durch zahlreiche Um- und Neubauten nur noch in Restbeständen zugänglich. Auch ein für 1267 bezeugter verheerender Brand muss die Stiftsgebäude erheblich beschädigt haben. Die seit dem 19. Jahrhundert einsetzende staatliche Nutzung des Komplexes hat zudem jegliche Stiftsarchäologie verhindert, sodass weder eine Baugeschichte noch eine fundierte kunsthistorische Aufnahme vorhanden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nähere Aussagen sind erst zu neuzeitlichen Aspekten möglich: Der Neubau der Stiftskirche in den Jahren 1663 bis 1687 fiel nicht von ungefähr in die &amp;quot;zweite&amp;quot; Reformphase der Stiftsgeschichte, die mit dem Namen des Propstes Antonio Quetta de Liliis verbunden war. Als früherer Kanzler der bischöflichen Kurie in Trient war er durch Herrschaftswissen und Politiknähe ausgezeichnet. Den äußeren Anlass zum Neubau gab ein großer Brand, der die Stiftsgebäude stark in Mitleidenschaft zog. Das 1664 nach Plänen des Baumeisters Domenico Bianchi (de Blanchis) neu errichtete Langhaus wurde nun von je zwei Kapellen auf beiden Seiten flankiert, der Chor durch eine Kuppel erhöht. Im Kirchenraum fanden neben dem zwischen Schiff und Chor freistehenden Hochaltar fünf weitere Altäre aus verschiedenfarbigem Marmor Platz. Das ganze Innere mit der Kuppel und den vier Seitenkapellen wurde mit Stukkaturen und Bildern ausgeschmückt. Die meisten der qualitätvollen Fresken und Tafelgemälde, insbesondere die fünf Altarbilder, stammen vom Weltpriester Josef Alberti (1640–1716), der aus Tesero im Fleimstal stammte und seine künstlerische Ausbildung in Venedig und Rom erhalten hatte. Propst Antonio ließ auch das Stiftsgebäude durch Aufführung des östlichen Traktes vergrößern, unter Propst [[Benedetto Fedele]] (1733–1742) kam noch der nördliche Flügel samt Turm hinzu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek und theologische Bildung==&lt;br /&gt;
Zu wissens- und bildungsgeschichtlichen Aspekten der Stiftsgeschichte sind keine vertieften Aussagen möglich, da Archiv wie Bibliothek großteils in Verlust geraten sind. So lassen sich etwa über das Bestehen eines Skriptoriums nur Mutmaßungen anstellen. Die frühen Wirtschaftsaufzeichnungen bzw. Privilegierungen weisen auf aktive Beteiligung der Empfänger hin, als es um die Verschriftlichung von rechtserheblichem Wissen ging. Insgesamt ist aufgrund der unmittelbaren Nähe des Trienter Bischofszentrums jedoch davon auszugehen, dass der Bischofshof und die Residenzstadt als überragende regionale Institutionen der Wissensbewahrung und -schöpfung, des Kulturaustauschs und der Ausbildung der Geistlichkeit auf St. Michael eine starke und intellektuelle Eigeninitiativen eher lähmende Sogwirkung ausgeübt haben dürften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine neuzeitliche lateinische Stifts- oder Mittelschule bestand in St. Michael allem Anschein nach nie, wohl aber eine theologische Hauslehranstalt, jedoch erst im 18. Jahrhundert, als Propst Ignaz Kranabitter eine Reform der theologischen Studien einführte. Die Stiftsbibliothek ging im Zuge der Aufhebung des Stifts großteils verloren. Der staatliche Administrator Johann Tartarotti verkaufte den Buchbestand wagenweise als Makulatur, ein anderer Teil wurde von den Beamten als Heizmaterial benützt. Ein vom josephinischen Kommissar Anton Leopold von Roschmann 1786, also zwei Jahrzehnte vor der Säkularisierungsmaßnahme, angelegtes Stiftsinventar überliefert keinerlei verwertbare Angaben zu den Bibliotheksbeständen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Das Archiv von St. Michael wurde 1796 erstmalig stark in Mitleidenschaft gezogen, als marodierende napoleonische Truppen Teile der Bestände verbrannten. Die Reste wurden ein Jahrzehnt später weiterhin zerstreut, wie dies ab 1807 bei den anderen tirolischen Stiften Au-Gries, Neustift, Marienberg, Stams, Wilten und Fiecht der Fall war, die von der bayerischen Regierung aufgehoben und unter staatliche Administration gestellt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich den Archiven der bereits unter Kaiser Joseph II. aufgehobenen geistlichen Anstalten im &amp;quot;Kreis an der Etsch&amp;quot;, die in das Bozner Rentamtsgebäude verbracht wurden, gelangten die bis 1822 unbeaufsichtigten St. Michaeler Bestände in das Rentamt Trient oder in die dortige Finanzdirektion. In dieser prekären Unterbringung wurden weitere Teile des Archivs entfremdet, gerieten in der Folge in Verlust oder fielen willkürlichen Aktenaussonderungen zum Opfer, wie eine 1852 angefertigte Skartierungsliste nahelegt. Die restlichen Archivalien kamen 1887 in das Statthaltereiarchiv in Innsbruck (hier besonders die Aufhebungsakten) bzw. in das Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien, von wo sie im Rahmen der österreichischen Extraditionen nach dem Ersten Weltkrieg nur teilweise an das 1926 errichtete Staatsarchiv Trient abgegeben wurden. Der Bestand S. Michele im Staatsarchiv Trient umfasst gerade vier Schuber mit Archivalien aus dem Zeitraum 1489 bis 1800.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Quelle zur Frühgeschichte des Stifts, die St. Michaeler Wirtschaftsaufzeichnungen und Traditionsnotizen aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, deren Original wie vieles andere anlässlich der Brandlegung von 1796 oder bei einem späteren Anlass zerstört wurde bzw. verloren ging, verdankt ihre beiläufige und fast &amp;quot;zufällige&amp;quot; Überlieferung einer juristischen Kontroverse des 17. Jahrhunderts. Die im Archivio Arcivescovile von Trient überlieferten Schriftstücke wurden 1664/65 von Antonio Begnudellio, Kanzler der bischöflichen Kurie Trient, notariell beglaubigt. Bei dieser Gelegenheit kopierte man auch die Traditionsnotizen, die also noch nicht an Rechtskraft eingebüßt hatten, sondern aufgrund ihres hohen Alters und ihrer vielfältigen Angaben als fundiertes Beweismaterial in einem Rechtsstreit angesehen wurden. Das älteste erhaltene Nekrolog des Stiftes St. Michael datiert 1665. Es enthält ebensowenig wie die im 12. Jahrhundert überarbeiteten Trienter Nekrologe die Namen der frühen Pröpste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Giuseppe Adami: San Michele. Memorie. Trento 1894.&lt;br /&gt;
* Karl Atz / Adelgott Schatz: Der deutsche Anteil des Bistums Trient. Topographisch-historisch-statistisch und archäologisch beschrieben. Band. 5: Das Dekanat Passeier und Schlanders und die deutschen Seelsorgen in den italienischen Dekanaten und Landesteilen der Diözese. Bozen 1910.&lt;br /&gt;
* Martin Bitschnau: Burg und Adel in Tirol zwischen 1050 und 1300. Grundlagen zu ihrer Erforschung. Wien 1983 (Österreichische Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Kl., SBB 403).&lt;br /&gt;
* Albert Brackmann: Germania Pontificia. Band 1: Provincia Salisburgensis et episcopatus Tridentinus. Berlin 1911, Nachdr. Berlin 1960.&lt;br /&gt;
* Mirta Buccella: Aspetti istituzionali ed economici nella vita di un monastero agostiniano. In: Civis 3 (1979), S. 249–303.&lt;br /&gt;
* Aldo Chemelli / Carlo Perini / Marcus Perini: Trento illustrata. La città e il territorio in piante e vedute dal XVI al XX secolo. Padova 1990 (Le citta illustrate, 3).&lt;br /&gt;
* Emanuele Curzel: Le pievi trentine. Trasformazioni e continuità nell'organizzazione territoriale della cura d'anime dalle origini al XIII secolo. Bologna 1999 (ISR, Series maior, 5).&lt;br /&gt;
* Emanuele Curzel: I canonici e il Capitolo della cattedrale di Trento dal XII al XV secolo. Bologna 2001 (ISR, Series maior, 8).&lt;br /&gt;
* Hans Constantin Faussner: Die Königsurkundenfälschungen Ottos von Freising aus rechtshistorischer Sicht, Sigmaringen 1993 (Studien zur Rechts-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte, 13).&lt;br /&gt;
* Hans Constantin Faussner: Zur Frühzeit des Klosters Seeon und ihren Quellen. In: Herrschaft, Kirche, Kultur. Festschrift für Friedrich Prinz zu seinem 65. Geburtstag. Hg. von Georg Jenal / Stephanie Haarländer. München 1993 (Monographien zur Geschichte des Mittelalters, 37), S. 339–368.&lt;br /&gt;
* Nikolaus Grass: Gefreite Abteien in Tirol. In: Ex aequo et bono. Willibald Plöchl zum 70. Geburtstag. Hg. von Peter Leisching u. a. Innsbruck 1977 (Forschungen zur Rechts- und Kulturgeschichte, 10), S. 67–98.&lt;br /&gt;
* Franz Gwercher: Historische Skizze der Gründung des Chorherren-Stiftes zu St. Michael an der Etsch und des Verfalles desselben. Brixen 1870.&lt;br /&gt;
* Hans Hirsch: Die Klosterimmunität seit dem Investiturstreit. Untersuchungen zur Verfassungsgeschichte des Deutschen Reiches und der deutschen Kirche. Weimar 1913, Nachdr. Darmstadt 1967.&lt;br /&gt;
* Ludwig Holzfurtner: Schenker und Schenkergruppen im hohen Mittelalter. Sozialgeschichtliche Studien anhand bayerischer Traditionsbücher. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte54 (1991), S. 299–323.&lt;br /&gt;
* Ludwig Holzfurtner: Ebersberg – Dießen – Scheyern. Zur Entwicklung der oberbayerischen Grafschaft in der Salierzeit. In: Die Salier und das Reich. Teilbd 1. Hg. von Stefan Weinfurter. Sigmaringen 1991, S. 549–577.&lt;br /&gt;
* Alfons Huber: Die Entstehung der weltlichen Territorien der Hochstifter Trient und Brixen, nebst Untersuchungen über die ältesten Glieder der Grafen von Eppan und Tirol. In: Archiv für österreichische Geschichte 63 (1882), S. 609–654.&lt;br /&gt;
* Franz Huter: Zur älteren Geschichte der Eppaner Grafen. In: Schiern 16 (1935), S. 304–309, 394–400.&lt;br /&gt;
* Franz Huter: Der untere Fennberg. Aus der Geschichte einer Hofgemeinde an der deutsch-romanischen Sprachgrenze. In: Salurner Büchl (2014), S. 29–48.&lt;br /&gt;
* Joachim Jahn: Kirche und Adel im ostschwäbisch-westbayerischen Gebiet um 1100. Heimatverein für den Landkreis Augsburg eV. Jahresbericht 1982. Festgabe für Hanns Ennerst. Augsburg 1982.&lt;br /&gt;
* Georg Jenal: Die geistlichen Gemeinschaften in Trentino – Alto Adige bis zu den Gründungen der Bettelorden. In: Atti dell'Accademia Roveretana degli Agiati 235/VI/25a (1985), S. 309–370.&lt;br /&gt;
* Friederike Klos-Buzek: Zur Frage der &amp;quot;vita canonica&amp;quot; im Brixner Domkapitel während des Hochmittelalters. In: Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung 67 (1959), S. 101–116.&lt;br /&gt;
* Friederike Klos-Buzek: Das Heilig-Geist-Spital auf der Insel zu Brixen in seinen Anfängen. In: Schiern 62 (1988), S. 16–24.&lt;br /&gt;
* Walter Landi: Ricerche sulla storia dei conti di Appiano: secoli XI–XIII. Tesi di laurea Universita degli studi di Trento. Trento 2001/02.&lt;br /&gt;
* Richard Loibl: Der Herrschaftsraum der Grafen von Vornbach und ihrer Nachfolger. Inauguraldiss. Univ. München. München 1993.&lt;br /&gt;
* Andreas Fiedler (= Marian): Austria Sacra. Oesterreichische Hierarchie und Monasteriologie II/3: Oberösterreich oder die gefürstete Grafschaft Tyrol. Wien 1781.&lt;br /&gt;
* Vigilio Mattevi: La prepositura di S. Michele all' Adige e la pieve di Salorno. In: Civis 13 (1989), S. 19–53.&lt;br /&gt;
* Eckhard Müllermertens / Wolfgang Huschner: Reichsintegration im Spiegel der Herrschaftspraxis Kaiser Konrads II. Weimar 1992 (Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte, 35).&lt;br /&gt;
* Josef Nössing: Die Interessen der Grafen von Eppan im Vinschgau. In: Der Vinschgau und seine Nachbarräume. Vorträge des landeskundlichen Symposiums, Schloss Goldrain, 27. bis 30. Juni 1991. Hg. von Rainer Loose. Lana 1993 (Schriftenreihe des Südtiroler Kulturinstituts, 18), S. 99–105.&lt;br /&gt;
* Hannes Obermair: Kirche und Stadtentstehung. Die Pfarrkirche Bozen im Hochmittelalter. In: Schlern 69: Die Dompfarre Bozen im Wandel der Zeiten. Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft  (1995), S. 449–474. [http://www.comune.bolzano.it/UploadDocs/5273_Kirche_und_Stadtentstehung_Schlern_1995.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Christian Perntner: Das Straßenhospiz und die Kirche St. Florian bei Laag / Neumarkt. Dipl.-arb. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1995.&lt;br /&gt;
* Daniela Rando: Vescovo e istituzioni ecclesiastiche a Trento nei secoli XI–XIII. Prime ricerche. In: Attidell' Accademia Roveretana degli Agiati 236/VI/26a (1986/87), S. 5–28.&lt;br /&gt;
* Nicolo Rasmo: Dizionario biografico degli artisti atesini. 2 Bände. Bolzano 1998.&lt;br /&gt;
* Franz Hieronymus Riedl: Ein Inventar des Stiftes Welschmichel von 1786. In: Beiträge zur geschichtlichen Landeskunde Tirols (1959), S. 273–294.&lt;br /&gt;
* Iginio Rogger: Per la storia del monastero di S. Michele: i regesti del dott. Hugo Neugebauer. In: Studi Trentini di scienze storiche 59 (1980), S. 3–39.&lt;br /&gt;
* Christine Sauer: &amp;quot;Fundatio und Memoria&amp;quot;. Stifter und Klostergründer im Bild 1100 bis 1350. Göttingen 1993 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, 109).&lt;br /&gt;
* Karl Schadelbauer: Beziehungen des Stiftes St. Michael zum Etsch-Unterland. In: Schlern 33 (1959), S. 471–475.&lt;br /&gt;
* Aloys Schulte: Adel und die deutsche Kirche im Mittelalter. Stuttgart 1922.&lt;br /&gt;
* Anselm Sparber: Leben und Wirken des seligen Hartmann, Bischofs von Brixen. Wien 1957.&lt;br /&gt;
* Anselm Sparber: St. Michael an der Etsch. In: Stifte und Klöster. Entwicklung und Bedeutung im Kulturleben Südtirols. Bozen 1962 (Jahrbuch des Südtiroler Kulturinstitutes, 2), S. 336–342.&lt;br /&gt;
* Anselm Sparber: Die Brixner Fürstbischöfe im Mittelalter. Bozen 1968.&lt;br /&gt;
* Otto Stolz: Politisch-historische Landesbeschreibung von Südtirol. 2. Teil der Landesbeschreibung von Tirol Innsbruck 1937/39 (Schlern-Schriften, 40).&lt;br /&gt;
* Wilhelm Störmer: Die Hausklöster der Wittelsbacher. In: Wittelsbach und Bayern. Bd. 1/1: Die Zeit der frühen Herzöge. Von Otto I. zu Ludwig dem Bayern. Beiträge zur Bayerischen Geschichte und Kunst 1180–1350. Hg. von Hubert Glaser. München 1980, S. 139–150.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Störmer: Zur Frage der Funktionen des kirchlichen Fernbesitzes im Gebiet der Ostalpen vom 8. bis zum 10. Jahrhundert. In: Die transalpinen Verbindungen der Bayern, Alemannen und Franken bis zum 10. Jahrhundert. Hg. von Helmut Beumann / Werner Schröder. Sigmaringen 1987 (Nationes, 6), S. 379–403.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Störmer: Adel und Ministerialität zur Zeit Hartmanns von Aue. In: Hartmann von der Aue. Epoche – Werk – Wirkung . Hg. von Christoph Cormeau / Wilhelm Störmer. München 1993 (Arbeitsbücher zur Literaturgeschichte), S. 40–79.&lt;br /&gt;
* Georg Töchterle: Graf Ulrich &amp;quot;Eppanensis&amp;quot; und die Grafschaft &amp;quot;de Sarentino&amp;quot;. In: Schlern 10 (1929), S. 302–308.&lt;br /&gt;
* Ambros Trafojer: Das Kloster Gries. Gries / Bozen 1982.&lt;br /&gt;
* Oswald Trapp: Höhlenburgen in Alt-Tirol. In: Tiroler Burgenbuch. Bd. 5: Sarntal. Hg. von Oswals Trapp. Bozen 1981, S. 251–296.&lt;br /&gt;
* Ernest Troger: Tirol in der ältesten Topographie Österreichs. In: Festschrift für Franz Huter zum 60. Geburtstag. Hg. von Ernest Troger / Georg Zwanowetz. Innsbruck 1959 (Schlern-Schriften, 207), S. 321–346.&lt;br /&gt;
* Hans von Voltelini: Beiträge zur Geschichte Tirols. Bd. 1: Zur geistlichen Verwaltung der Diöcese Trient im 12. und 13. Jahrhundert. In:  Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg III/33 (1889), S. 1–188.&lt;br /&gt;
* Hans von Voltelini: Immunität, grund- und leibherrliche Gerichtsbarkeit in Südtirol. In: Archiv für österreichische Geschichte 94 (1907), S. 311–463.&lt;br /&gt;
* Hans von Voltelini: Das welsche Südtirol. Wien 1919 (Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, I/3).&lt;br /&gt;
* Simone Weber: La prepositura Agostiniana di S. Michele all' Adige. Trento 1978.&lt;br /&gt;
* Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert. Der Erzbischof Konrad I. von Salzburg (1106–1147) und die Regularkanoniker. Köln 1975 (Kölner historische Abhandlungen, 24). &lt;br /&gt;
* Stefan Weinfurter: Neuere Forschungen zu den Regularkanonikern im Deutschen Reich des 11. und 12. Jahrhunderts. In: Historische Zeitschrift 224 (1977), S. 379–397.&lt;br /&gt;
* Hans Wieser: Über Stift- und Klostersiegel in Südtirol. In: Stifte und Klöster. Entwicklung und Bedeutung im Kulturleben Südtirols. Bozen 1962 (Jahrbuch des Südtiroler Kulturinstitutes, 2), S. 441–451.&lt;br /&gt;
* Kurt Zeillinger: Erzbischof Konrad I. von Salzburg 1106–1147. Wien 1968 (Wiener Dissertationen aus dem Gebiete der Geschichte, 10).&lt;br /&gt;
* Peter Baptist Zierler: Die Herren von Tarasp und ihre Gründungen 1042–1220. In: Forschungen und Mitteilungen zur Geschichte Tirols und Vorarlbergs 7 (1910), S. 17–37, 103–119, 191–210.&lt;br /&gt;
* Thomas Zotz: Milites Christi. Ministerialität als Träger der Kanonikerreform. In: Reformidee und Reformpolitik im spätsalisch-frühstaufischen Reich. Hg. von Stefan Weinfurter. Mainz 1992 (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte, 68), S. 301–328.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Herbert Krammer</name></author>
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