<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de-AT">
	<id>https://sacra.wiki/api.php?action=feedcontributions&amp;feedformat=atom&amp;user=Helga+Penz</id>
	<title>Sacra.Wiki - Benutzerbeiträge [de-at]</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://sacra.wiki/api.php?action=feedcontributions&amp;feedformat=atom&amp;user=Helga+Penz"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php/Spezial:Beitr%C3%A4ge/Helga_Penz"/>
	<updated>2026-04-08T12:55:09Z</updated>
	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.36.1</generator>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Kongregation_der_%C3%B6sterreichischen_Augustiner-Chorherren&amp;diff=10774</id>
		<title>Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Kongregation_der_%C3%B6sterreichischen_Augustiner-Chorherren&amp;diff=10774"/>
		<updated>2023-06-25T16:02:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1907/07/25&lt;br /&gt;
|Adresse=-75.76705, -127.2876&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stifte St. Florian, Herzogenburg, Klosterneuburg, Reichersberg, Vorau und Neustift (in Südtirol) schlossen sich 1907 zur Österreichischen Chorherren-Kongregation zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Organisation==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den Augustiner-Chorherren bildet jedes einzelne Kloster eine rechtliche Einheit, in welcher der von der Gemeinschaft gewählte Propst der sogenannte „Höhere Obere“ ist. Die Chorherrenstifte sind „exemt“, das heißt, sie sind in ihrem Eigenleben vom jeweiligen Bischof, in dessen Diözese sie sich befinden, unabhängig. Die Österreichische Augustiner-Chorherren-Kongregation ist also ein Zusammenschluss von sechs selbständigen Stiften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Kongregation werden Fragen erörtert, die alle Chorherrenstifte betreffen. Das betrifft etwa Fragen der Spiritualität und des Ordenscharisma oder zeitgemäßes Gestalten der Aufgaben und Arbeitsfelder. Diese Fragestellungen werden beim jährlichen Chorherrentag im Frühjahr oder sowie bei den Studientagen jeweils im Herbst behandelt. Einmal jährlich finden sich auch alle, die in der Ausbildung stehen, zu einem „Junioratstreffen“ zusammen. Koordination und Organisation übernimmt die Leitung der Kongregation, an deren Spitze der Generalabt und der Generalsekretär stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chorherren-Kongregation dient auch dazu, gemeinsame Interessen gegenüber der kirchlichen und zivilen Öffentlichkeit zu vertreten. Alle fünf Jahre tagt das Generalkapitel, das der Willensbildung und der Beschlussfassung zu Themen dient, die alle Häuser der Kongregation betreffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kirchenrecht fordert für jedes Kloster eine Kontrollinstanz. Eine Visitation soll im Regelfall alle fünf Jahre stattfinden. Um trotz Selbständigkeit und Exemtion jedes Chorherrenstiftes diese Kontrolle zu gewährleisten, übt der Generalabt das Visitationsrecht aus. Er prüft jedes Kloster auf seine spirituellen, personellen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Das Kloster, in dem der Generalabt selbst Propst ist, wird vom Konvisitator visitiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlage für die Zusammenarbeit der Stifte in der Kongregation sind die „Konstitutionen der österreichischen Augustiner-Chorherren-Kongregation“, die in der geltenden Fassung im Jahr 1993 in Kraft getreten sind und zum letzten Mal 2018 modifiziert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Österreichische Chorherrenkongregation gehört gemeinsam mit acht weiteren Kongregationen einer weltweiten Konföderation der Augustiner-Chorherren an, die 1956 gegründet wurde und die ein Abt-Primas präsidiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Generaläbte der Kongregation seit 1907===&lt;br /&gt;
* 1907–1920: [[Josef Sailer]]&lt;br /&gt;
* 1920–1937: [[Josef Kluger]]&lt;br /&gt;
* 1937–1944: [[Vinzenz Hartl]]&lt;br /&gt;
* 1944–1953: [[Alipius Josef Linda]]&lt;br /&gt;
* 1954–1987: [[Gebhard Koberger]]&lt;br /&gt;
* 1987–2002: [[Wilhelm Neuwirth]]&lt;br /&gt;
* 2002–2017: [[Bernhard Backovsky]]&lt;br /&gt;
* seit 2017: [[Johannes Holzinger]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Petrus Stockinger, Die Kongregation der Österreichischen Augustiner-Chorherren und die konföderierten Augustiner-Chorfrauen. Herzogenburg 2016.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
* [https://www.augustiner-chorherren.at Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Kongregation_der_%C3%B6sterreichischen_Augustiner-Chorherren&amp;diff=10773</id>
		<title>Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Kongregation_der_%C3%B6sterreichischen_Augustiner-Chorherren&amp;diff=10773"/>
		<updated>2023-06-25T16:00:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1907/07/25&lt;br /&gt;
|Adresse=-75.76705, -127.2876&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stifte St. Florian, Herzogenburg, Klosterneuburg, Reichersberg, Vorau und Neustift (in Südtirol) schlossen sich 1907 zur Österreichischen Chorherren-Kongregation zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Organisation==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den Augustiner-Chorherren bildet jedes einzelne Kloster eine rechtliche Einheit, in welcher der von der Gemeinschaft gewählte Propst der sogenannte „Höhere Obere“ ist. Die Chorherrenstifte sind „exemt“, das heißt, sie sind in ihrem Eigenleben vom jeweiligen Bischof, in dessen Diözese sie sich befinden, unabhängig. Die Österreichische Augustiner-Chorherren-Kongregation ist also ein Zusammenschluss von sechs selbständigen Stiften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Kongregation werden Fragen erörtert, die alle Chorherrenstifte betreffen. Das betrifft etwa Fragen der Spiritualität und des Ordenscharisma oder zeitgemäßes Gestalten der Aufgaben und Arbeitsfelder. Diese Fragestellungen werden beim jährlichen Chorherrentag im Frühjahr oder sowie bei den Studientagen jeweils im Herbst behandelt. Einmal jährlich finden sich auch alle, die in der Ausbildung stehen, zu einem „Junioratstreffen“ zusammen. Koordination und Organisation übernimmt die Leitung der Kongregation, an deren Spitze der Generalabt und der Generalsekretär stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chorherren-Kongregation dient auch dazu, gemeinsame Interessen gegenüber der kirchlichen und zivilen Öffentlichkeit zu vertreten. Alle fünf Jahre tagt das Generalkapitel, das der Willensbildung und der Beschlussfassung zu Themen dient, die alle Häuser der Kongregation betreffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kirchenrecht fordert für jedes Kloster eine Kontrollinstanz. Eine Visitation soll im Regelfall alle fünf Jahre stattfinden. Um trotz Selbständigkeit und Exemtion jedes Chorherrenstiftes diese Kontrolle zu gewährleisten, übt der Generalabt das Visitationsrecht aus. Er prüft jedes Kloster auf seine spirituellen, personellen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Das Kloster, in dem der Generalabt selbst Propst ist, wird vom Konvisitator visitiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlage für die Zusammenarbeit der Stifte in der Kongregation sind die „Konstitutionen der österreichischen Augustiner-Chorherren-Kongregation“, die in der geltenden Fassung im Jahr 1993 in Kraft getreten sind und zum letzten Mal 2018 modifiziert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Österreichische Chorherrenkongregation gehört gemeinsam mit acht weiteren Kongregationen einer weltweiten Konföderation der Augustiner-Chorherren an, die 1956 gegründet wurde und die ein Abt-Primas präsidiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Generaläbte der Kongregation seit 1907===&lt;br /&gt;
* 1907–1920: [[Josef Sailer]]&lt;br /&gt;
* 1920–1937: [[Josef Kluger]]&lt;br /&gt;
* 1937–1944: [[Vinzenz Hartl]]&lt;br /&gt;
* 1944–1953: [[Alipius Linda]]&lt;br /&gt;
* 1954–1987: [[Gebhard Koberger]]&lt;br /&gt;
* 1987–2002: [[Wilhelm Neuwirth]]&lt;br /&gt;
* 2002–2017: [[Bernhard Backovsky]]&lt;br /&gt;
* seit 2017: [[Johannes Holzinger]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Petrus Stockinger, Die Kongregation der Österreichischen Augustiner-Chorherren und die konföderierten Augustiner-Chorfrauen. Herzogenburg 2016.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
* [https://www.augustiner-chorherren.at Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Kongregation_der_%C3%B6sterreichischen_Augustiner-Chorherren&amp;diff=10772</id>
		<title>Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Kongregation_der_%C3%B6sterreichischen_Augustiner-Chorherren&amp;diff=10772"/>
		<updated>2023-06-25T15:56:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1907/07/25&lt;br /&gt;
|Adresse=-75.76705, -127.2876&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stifte St. Florian, Herzogenburg, Klosterneuburg, Reichersberg, Vorau und Neustift (in Südtirol) schlossen sich 1907 zur Österreichischen Chorherren-Kongregation zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Organisation==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den Augustiner-Chorherren bildet jedes einzelne Kloster eine rechtliche Einheit, in welcher der von der Gemeinschaft gewählte Propst der sogenannte „Höhere Obere“ ist. Die Chorherrenstifte sind „exemt“, das heißt, sie sind in ihrem Eigenleben vom jeweiligen Bischof, in dessen Diözese sie sich befinden, unabhängig. Die Österreichische Augustiner-Chorherren-Kongregation ist also ein Zusammenschluss von sechs selbständigen Stiften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Kongregation werden Fragen erörtert, die alle Chorherrenstifte betreffen. Das betrifft etwa Fragen der Spiritualität und des Ordenscharisma oder zeitgemäßes Gestalten der Aufgaben und Arbeitsfelder. Diese Fragestellungen werden beim jährlichen Chorherrentag im Frühjahr oder sowie bei den Studientagen jeweils im Herbst behandelt. Einmal jährlich finden sich auch alle, die in der Ausbildung stehen, zu einem „Junioratstreffen“ zusammen. Koordination und Organisation übernimmt die Leitung der Kongregation, an deren Spitze der Generalabt und der Generalsekretär stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chorherren-Kongregation dient auch dazu, gemeinsame Interessen gegenüber der kirchlichen und zivilen Öffentlichkeit zu vertreten. Alle fünf Jahre tagt das Generalkapitel, das der Willensbildung und der Beschlussfassung zu Themen dient, die alle Häuser der Kongregation betreffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kirchenrecht fordert für jedes Kloster eine Kontrollinstanz. Eine Visitation soll im Regelfall alle fünf Jahre stattfinden. Um trotz Selbständigkeit und Exemtion jedes Chorherrenstiftes diese Kontrolle zu gewährleisten, übt der Generalabt das Visitationsrecht aus. Er prüft jedes Kloster auf seine spirituellen, personellen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Das Kloster, in dem der Generalabt selbst Propst ist, wird vom Konvisitator visitiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlage für die Zusammenarbeit der Stifte in der Kongregation sind die „Konstitutionen der österreichischen Augustiner-Chorherren-Kongregation“, die in der geltenden Fassung im Jahr 1993 in Kraft getreten sind und zum letzten Mal 2018 modifiziert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Österreichische Chorherrenkongregation gehört gemeinsam mit acht weiteren Kongregationen einer weltweiten Konföderation der Augustiner-Chorherren an, die 1956 gegründet wurde und die ein Abt-Primas präsidiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Generaläbte der Kongregation seit 1907===&lt;br /&gt;
* 1907–1920: [[Josef Sailer]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Petrus Stockinger, Die Kongregation der Österreichischen Augustiner-Chorherren und die konföderierten Augustiner-Chorfrauen. Herzogenburg 2016.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
* [https://www.augustiner-chorherren.at Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Kongregation_der_%C3%B6sterreichischen_Augustiner-Chorherren&amp;diff=10771</id>
		<title>Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Kongregation_der_%C3%B6sterreichischen_Augustiner-Chorherren&amp;diff=10771"/>
		<updated>2023-06-25T15:49:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1907/07/25&lt;br /&gt;
|Adresse=-75.76705, -127.2876&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stifte St. Florian, Herzogenburg, Klosterneuburg, Reichersberg, Vorau und Neustift (in Südtirol) schlossen sich 1907 zur Österreichischen Chorherren-Kongregation zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Organisation==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den Augustiner-Chorherren sind alle Klöster „eigenen Rechtes“ – das heißt, jedes einzelne Haus bildet für sich eine rechtliche Einheit, in welcher der von der Gemeinschaft gewählte Propst der sogenannte „Höhere Obere“ ist. Außerdem sind sie „exemt“ sind, das heißt, sie sind in ihrem Eigenleben vom jeweiligen Bischof, auf dessen Diözese sie sich befinden, unabhängig. Die Österreichische Augustiner-Chorherren-Kongregation ist also ein Zusammenschluss von sechs selbständigen Stiften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Kongregation werden Fragen erörtert, die alle Chorherrenstifte betreffen: Wie soll den Herausforderungen der Zukunft begegnete werden? Welche spirituellen Impulse werden gelebt? Was bedeuten Leben und Werk des Ordensvaters, des hl. Augustinus, für die Chorherren heute? Wie sollen Arbeitsfelder zeitgemäß gestaltet werden? Für diese Fragen gibt es Veranstaltungen wie den jährlichen Chorherrentag im Frühjahr oder auch die Studientage jeweils im Herbst. Einmal jährlich finden sich auch alle, die in der Ausbildung stehenden, zu einem „Junioratstreffen“ zusammen. Koordination und Organisation übernimmt die Leitung der Kongregation, an deren Spitze der Generalabt und der Generalsekretär stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chorherren-Kongregation dient auch dazu, eine gemeinsame Stimme zu haben und gegenüber der kirchlichen und zivilen Öffentlichkeit im Bedarfsfall die Interessen der Chorherrenstifte zu vertreten, sofern dies nicht die Pröpste der einzelnen Stifte selbst tun können. Alle fünf Jahre tagt das Generalkapitel, das der Willensbildung und der Beschlussfassung zu Themen dient, die alle Häuser der Kongregation betreffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kirchenrecht fordert für jedes Kloster eine Kontrollinstanz, die sogenannte Visitation, welche zumeist alle fünf Jahre stattfindet. Diese Visitation kann je nach Struktur des Ordens z.B. ein Provinzoberer oder ein Generaloberer durchführen, vielfach auch der Diözesanbischof. Um trotz Selbständigkeit und Exemtion jedes Chorherrenstiftes diese Kontrolle zu gewährleisten, übt der Generalabt das sogenannte Visitationsrecht aus. Er prüft jedes Kloster auf seine spirituellen, personellen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Das Kloster, in dem der Generalabt selbst Propst ist, wird vom Konvisitator visitiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlage für die Zusammenarbeit der Stifte in der Kongregation sind die „Konstitutionen der österreichischen Augustiner-Chorherren-Kongregation“, die in der geltenden Fassung im Jahr 1993 in Kraft getreten sind und zum letzten Mal 2018 modifiziert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Österreichische Chorherrenkongregation gehört gemeinsam mit acht weiteren Kongregationen einer weltweiten Konföderation der Augustiner-Chorherren an, die 1956 gegründet wurde und die ein Abt-Primas präsidiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Generaläbte der Kongregation seit 1907===&lt;br /&gt;
* 1907–1920: [[Josef Sailer]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Petrus Stockinger, Die Kongregation der Österreichischen Augustiner-Chorherren und die konföderierten Augustiner-Chorfrauen. Herzogenburg 2016.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
* [https://www.augustiner-chorherren.at Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Kongregation_der_%C3%B6sterreichischen_Augustiner-Chorherren&amp;diff=10770</id>
		<title>Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Kongregation_der_%C3%B6sterreichischen_Augustiner-Chorherren&amp;diff=10770"/>
		<updated>2023-06-25T15:46:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1907/07/25&lt;br /&gt;
|Adresse=-75.76705, -127.2876&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stifte St. Florian, Herzogenburg, Klosterneuburg, Reichersberg, Vorau und Neustift (in Südtirol) schlossen sich 1907 zur Österreichischen Chorherren-Kongregation zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Organisation==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den Augustiner-Chorherren sind alle Klöster „eigenen Rechtes“ – das heißt, jedes einzelne Haus bildet für sich eine rechtliche Einheit, in welcher der von der Gemeinschaft gewählte Propst der sogenannte „Höhere Obere“ ist. Außerdem sind sie „exemt“ sind, das heißt, sie sind in ihrem Eigenleben vom jeweiligen Bischof, auf dessen Diözese sie sich befinden, unabhängig. Die Österreichische Augustiner-Chorherren-Kongregation ist also ein Zusammenschluss von sechs selbständigen Stiften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Kongregation werden Fragen erörtert, die alle Chorherrenstifte betreffen: Wie soll den Herausforderungen der Zukunft begegnete werden? Welche spirituellen Impulse werden gelebt? Was bedeuten Leben und Werk des Ordensvaters, des hl. Augustinus, für die Chorherren heute? Wie sollen Arbeitsfelder zeitgemäß gestaltet werden? Für diese Fragen gibt es Veranstaltungen wie den jährlichen Chorherrentag im Frühjahr oder auch die Studientage jeweils im Herbst. Einmal jährlich finden sich auch alle, die in der Ausbildung stehenden, zu einem „Junioratstreffen“ zusammen. Koordination und Organisation übernimmt die Leitung der Kongregation, an deren Spitze der Generalabt und der Generalsekretär stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chorherren-Kongregation dient auch dazu, eine gemeinsame Stimme zu haben und gegenüber der kirchlichen und zivilen Öffentlichkeit im Bedarfsfall die Interessen der Chorherrenstifte zu vertreten, sofern dies nicht die Pröpste der einzelnen Stifte selbst tun können. Alle fünf Jahre tagt das Generalkapitel, das der Willensbildung und der Beschlussfassung zu Themen dient, die alle Häuser der Kongregation betreffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kirchenrecht fordert für jedes Kloster eine Kontrollinstanz, die sogenannte Visitation, welche zumeist alle fünf Jahre stattfindet. Diese Visitation kann je nach Struktur des Ordens z.B. ein Provinzoberer oder ein Generaloberer durchführen, vielfach auch der Diözesanbischof. Um trotz Selbständigkeit und Exemtion jedes Chorherrenstiftes diese Kontrolle zu gewährleisten, übt der Generalabt das sogenannte Visitationsrecht aus. Er prüft jedes Kloster auf seine spirituellen, personellen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Das Kloster, in dem der Generalabt selbst Propst ist, wird vom Konvisitator visitiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlage für die Zusammenarbeit der Stifte in der Kongregation sind die „Konstitutionen der österreichischen Augustiner-Chorherren-Kongregation“, die in der geltenden Fassung im Jahr 1993 in Kraft getreten sind und zum letzten Mal 2018 modifiziert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Generaläbte der Kongregation seit 1907===&lt;br /&gt;
* 1907–1920: [[Josef Sailer]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Petrus Stockinger, Die Kongregation der Österreichischen Augustiner-Chorherren und die konföderierten Augustiner-Chorfrauen. Herzogenburg 2016.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
* [https://www.augustiner-chorherren.at Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Kongregation_der_%C3%B6sterreichischen_Augustiner-Chorherren&amp;diff=10769</id>
		<title>Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Kongregation_der_%C3%B6sterreichischen_Augustiner-Chorherren&amp;diff=10769"/>
		<updated>2023-06-25T15:44:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1907/07/25&lt;br /&gt;
|Adresse=-75.76705, -127.2876&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stifte St. Florian, Herzogenburg, Klosterneuburg, Reichersberg, Vorau und Neustift (in Südtirol) schlossen sich 1907 zur Österreichischen Chorherren-Kongregation zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Organisation==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den Augustiner-Chorherren sind alle Klöster „eigenen Rechtes“ – das heißt, jedes einzelne Haus bildet für sich eine rechtliche Einheit, in welcher der von der Gemeinschaft gewählte Propst der sogenannte „Höhere Obere“ ist. Außerdem sind sie „exemt“ sind, das heißt, sie sind in ihrem Eigenleben vom jeweiligen Bischof, auf dessen Diözese sie sich befinden, unabhängig. Die Österreichische Augustiner-Chorherren-Kongregation ist also ein Zusammenschluss von sechs selbständigen Stiften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Kongregation werden Fragen erörtert, die alle Chorherrenstifte betreffen: Wie soll den Herausforderungen der Zukunft begegnete werden? Welche spirituellen Impulse werden gelebt? Was bedeuten Leben und Werk des Ordensvaters, des hl. Augustinus, für die Chorherren heute? Wie sollen Arbeitsfelder zeitgemäß gestaltet werden? Für diese Fragen gibt es Veranstaltungen wie den jährlichen Chorherrentag im Frühjahr oder auch die Studientage jeweils im Herbst. Einmal jährlich finden sich auch alle, die in der Ausbildung stehenden, zu einem „Junioratstreffen“ zusammen. Koordination und Organisation übernimmt die Leitung der Kongregation, an deren Spitze der Generalabt und der Generalsekretär stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chorherren-Kongregation dient auch dazu, eine gemeinsame Stimme zu haben und gegenüber der kirchlichen und zivilen Öffentlichkeit im Bedarfsfall die Interessen der Chorherrenstifte zu vertreten, sofern dies nicht die Pröpste der einzelnen Stifte selbst tun können. Alle fünf Jahre tagt das Generalkapitel, das der Willensbildung und der Beschlussfassung zu Themen dient, die alle Häuser der Kongregation betreffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kirchenrecht fordert für jedes Kloster eine Kontrollinstanz, die sogenannte Visitation, welche zumeist alle fünf Jahre stattfindet. Diese Visitation kann je nach Struktur des Ordens z.B. ein Provinzoberer oder ein Generaloberer durchführen, vielfach auch der Diözesanbischof. Um trotz Selbständigkeit und Exemtion jedes Chorherrenstiftes diese Kontrolle zu gewährleisten, übt der Generalabt das sogenannte Visitationsrecht aus. Er prüft jedes Kloster auf seine spirituellen, personellen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Das Kloster, in dem der Generalabt selbst Propst ist, wird vom Konvisitator visitiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlage für die Zusammenarbeit der Stifte in der Kongregation sind die „Konstitutionen der österreichischen Augustiner-Chorherren-Kongregation“, die in der geltenden Fassung im Jahr 1993 in Kraft getreten sind und zum letzten Mal 2018 modifiziert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Generaläbte der Kongregation seit 1907===&lt;br /&gt;
* 1907–1920: [[Josef Sailer]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
* [https://www.augustiner-chorherren.at Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Kongregation_der_%C3%B6sterreichischen_Augustiner-Chorherren&amp;diff=10768</id>
		<title>Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Kongregation_der_%C3%B6sterreichischen_Augustiner-Chorherren&amp;diff=10768"/>
		<updated>2023-06-25T15:42:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1907/07/25&lt;br /&gt;
|Adresse=-75.76705, -127.2876&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Organisation==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den Augustiner-Chorherren sind alle Klöster „eigenen Rechtes“ – das heißt, jedes einzelne Haus bildet für sich eine rechtliche Einheit, in welcher der von der Gemeinschaft gewählte Propst der sogenannte „Höhere Obere“ ist. Außerdem sind sie „exemt“ sind, das heißt, sie sind in ihrem Eigenleben vom jeweiligen Bischof, auf dessen Diözese sie sich befinden, unabhängig. Die Österreichische Augustiner-Chorherren-Kongregation ist also ein Zusammenschluss von sechs selbständigen Stiften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Kongregation werden Fragen erörtert, die alle Chorherrenstifte betreffen: Wie soll den Herausforderungen der Zukunft begegnete werden? Welche spirituellen Impulse werden gelebt? Was bedeuten Leben und Werk des Ordensvaters, des hl. Augustinus, für die Chorherren heute? Wie sollen Arbeitsfelder zeitgemäß gestaltet werden? Für diese Fragen gibt es Veranstaltungen wie den jährlichen Chorherrentag im Frühjahr oder auch die Studientage jeweils im Herbst. Einmal jährlich finden sich auch alle, die in der Ausbildung stehenden, zu einem „Junioratstreffen“ zusammen. Koordination und Organisation übernimmt die Leitung der Kongregation, an deren Spitze der Generalabt und der Generalsekretär stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chorherren-Kongregation dient auch dazu, eine gemeinsame Stimme zu haben und gegenüber der kirchlichen und zivilen Öffentlichkeit im Bedarfsfall die Interessen der Chorherrenstifte zu vertreten, sofern dies nicht die Pröpste der einzelnen Stifte selbst tun können. Alle fünf Jahre tagt das Generalkapitel, das der Willensbildung und der Beschlussfassung zu Themen dient, die alle Häuser der Kongregation betreffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kirchenrecht fordert für jedes Kloster eine Kontrollinstanz, die sogenannte Visitation, welche zumeist alle fünf Jahre stattfindet. Diese Visitation kann je nach Struktur des Ordens z.B. ein Provinzoberer oder ein Generaloberer durchführen, vielfach auch der Diözesanbischof. Um trotz Selbständigkeit und Exemtion jedes Chorherrenstiftes diese Kontrolle zu gewährleisten, übt der Generalabt das sogenannte Visitationsrecht aus. Er prüft jedes Kloster auf seine spirituellen, personellen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Das Kloster, in dem der Generalabt selbst Propst ist, wird vom Konvisitator visitiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundlage für die Zusammenarbeit der Stifte in der Kongregation sind die „Konstitutionen der österreichischen Augustiner-Chorherren-Kongregation“, die in der geltenden Fassung im Jahr 1993 in Kraft getreten sind und zum letzten Mal 2018 modifiziert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Generaläbte der Kongregation seit 1907===&lt;br /&gt;
* 1907–1920: [[Josef Sailer]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
* [https://www.augustiner-chorherren.at Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Kongregation_der_%C3%B6sterreichischen_Augustiner-Chorherren&amp;diff=10767</id>
		<title>Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Kongregation_der_%C3%B6sterreichischen_Augustiner-Chorherren&amp;diff=10767"/>
		<updated>2023-06-25T15:31:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1907/07/25&lt;br /&gt;
|Adresse=-75.76705, -127.2876&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Organisation==&lt;br /&gt;
===Generaläbte der Kongregation seit 1907===&lt;br /&gt;
* 1907–1920: [[Josef Sailer]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
* [https://www.augustiner-chorherren.at Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Kongregation_der_%C3%B6sterreichischen_Augustiner-Chorherren&amp;diff=10766</id>
		<title>Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Kongregation_der_%C3%B6sterreichischen_Augustiner-Chorherren&amp;diff=10766"/>
		<updated>2023-06-25T15:31:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1907/07/25&lt;br /&gt;
|Adresse=-75.76705, -127.2876&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Organisation==&lt;br /&gt;
===Generaläbte der Kongregation seit 1907===&lt;br /&gt;
* 1907–1920: [[Josef Sailer]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
* [https://www.https://www.augustiner-chorherren.at Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Kongregation_der_%C3%B6sterreichischen_Augustiner-Chorherren&amp;diff=10765</id>
		<title>Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Kongregation_der_%C3%B6sterreichischen_Augustiner-Chorherren&amp;diff=10765"/>
		<updated>2023-06-25T15:29:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1907/07/25&lt;br /&gt;
|Adresse=-75.76705, -127.2876&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Organisation==&lt;br /&gt;
===Generaläbte der Kongregation seit 1907===&lt;br /&gt;
* 1907–1920: [[Josef Sailer]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Weblinks==&lt;br /&gt;
* [https://www.https://www.augustiner-chorherren.at/ Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10763</id>
		<title>Stift Herzogenburg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10763"/>
		<updated>2023-06-25T12:28:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1112&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (seit 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen= Stift St. Georgen&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}, Niederösterreich&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.28677, 15.69721&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Georg&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Herzogenburg gehört zum Bezirk St. Pölten.&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift_Herzogenburg.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Herzogenburg, kolorierte Radierung von Lorenz Janesch (um 1810), Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), Kartensammlung, Fideikommissbibliothek-Vues, Österreich-Ungarn, Niederösterreich H-La, Herzogenburg KAR MAG, online unter: http://data.onb.ac.at/rec/baa12918499&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Bischof [[Ulrich I. von Passau]] (1092–1121) stiftete mit der Gründungsurkunde vom 18. August 1112 ein Eigenkloster für Augustiner-Chorherren, auf einem Grundstück an der Mündung der Traisen in die Donau gelegen, das er geerbt hatte und worauf sich bereits eine Georgskirche befand. Wahrscheinlich sandte er aus dem reformierten [[Stift St. Nikola]] bei Passau Chorherren nach St. Georgen an der Traisen. Als seelsorgliches Aufgabengebiet und als Existenzgrundlage übergab der Bischof seinem Kloster St. Georgen die beiden Pfarren Traisenburg (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Stollhofen|Stollhofen]]) und [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Herzogenburg|Herzogenburg]]. Außerdem erhielt das Stift die bischöflichen Zehentrechte im oberen Waldviertel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten war die Existenz des Klosters einerseits von den Hochwassern der Donau und andererseits von der wirtschaftlichen Schwäche infolge zu geringer Dotierung bedroht. Eine Gelegenheit zur Besserung der Lage des Klosters ergab sich dreißig Jahre nach der Gründung, als ein lokaler Adeliger namens Walter von Traisen testamentarisch die Gründung eines Chorherrenklosters verfügte. Der Passauer Bischof [[Konrad]] (1148/49–1164), ein Sohn des hl. Leopold, wollte das Kloster St. Georgen mit dieser Stiftung in St. Andrä an der Traisen vereinigen und den Konvent dorthin verlegen. Nach dem Widerstand des Testamentvollstreckers Otto III. von Rehberg erfolgte jedoch noch im 12. Jahrhundert eine eigenständige Gründung des [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stiftes St. Andrä an der Traisen]]. Bischof Konrad verbesserte in den Jahren 1158 und 1160 die Situation des Stiftes St. Georgen, indem er dem Kloster, das in den sumpfigen Donauauen lag, eine Frischwasserzuleitung ermöglichte und außerdem den Chorherren die Pfarre Marquardsurvar (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Haitzendorf|Haitzendorf]]) und den Schwaighof bei Zeiselmauer schenkte. Unter den späteren Schenkungen an das Kloster während der Regierungszeit von Propst [[Wisinto II.|Wisintos II.]] (1191–1204) ist ein Stiftungsbrief von 1201 bemerkenswert, der ein Nonnenkloster in St. Georgen voraussetzt. In einer Urkunde aus der Zeit um 1230 werden die Schwestern Kunigunde und Ehrentraud von Zebing als Kanonissen von St. Georgen genannt. Dieser Frauenkonvent ist anlässlich der Übersiedlung des Männerklosters nach Herzogenburg auch mitverlegt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Engelschalk]] (1242–1267), dem zwölften Propst des Stiftes St. Georgen, erfolgte schließlich die Verlegung des Klosters, der Konvent übersiedelte im Jahr 1244 an seinen Pfarrort Herzogenburg. In der Übertragungsurkunde vom 19. März 1244 übereignete Bischof [[Rudiger]] von Passau dem Konvent die Passauer Pfarre Herzogenburg mit allen Rechten. Das Stift memoriert den Bischof als seinen „zweiten Gründer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spätmittelalter=== &lt;br /&gt;
Nach der Übersiedlung des Konvents nach Herzogenburg erfolgte der Bau einer Klosteranlage sowohl für den Männer- wie für den Frauenkonvent. Im Pfarrbezirk „auf der Widem“ entstand ein eigener Gerichtsbezirk des Stiftes, der sogenannte „Obere Markt Herzogenburg“. Der „Untere Markt Herzogenburg“ unterstand dem bayerischen Stift Formbach am Inn.&lt;br /&gt;
Im 14. Jahrhundert war die wirtschaftliche Lage des Klosters zunächst stabil, Propst [[Siegfried]] erwarb ein Haus in Wien in der Singerstraße. Der folgende Propst [[Nikolaus I. Payger von Würmla]] (1361–1374) klagte in seinen Aufzeichnungen über Missernten, Kriegssteuern an Herzog Rudolf IV. und Verschuldung seines Klosters. Die Herzöge Albrecht III. und Leopold III. gewährten dem Stift Privilegien, weil „der probst und das gotzhaus ze Herzogenburg in grozzer geltschulde und kumber sind“. Propst [[Johannes III.]] (1401–1433) einer der längstregierenden Pröpste, erreichte von den Herzögen Wilhelm und Albrecht IV. die Begünstigung, im Schankhaus des Stiftes, dem &amp;quot;Mühlhofkeller&amp;quot;, zwölf Fass Wein ohne Ungeld (Steuer) ausschenken zu dürfen. Unter Propst Johannes III. fand eine Stiftsreform nach den Bestimmungen des Konstanzer Konzils statt. Bei der Visitation im Stift Herzogenburg 1419 war nachweislich auch der erste Propst des [[Stift Dürnstein|Chorherrenstiftes Dürnstein]], das 1410 im Geist der Raudnitzer Reform gegründet worden war, anwesend. Und so wurden die Raudnitzer Statuten auch in Herzogenburg Grundlage einer Erneuerung. Propst Johannes war auch ein Förderer der Lateinschule des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert waren Markt und Stift Herzogenburg wiederholt von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. In den Hussiteneinfällen verloren etliche Bürger und Chorherren ihr Leben. Die Regierungszeit des Propstes [[Ludwig Gössel]] (1457–1465) fiel in die Zeit der Nachfolgekämpfe unter Kaiser Friedrich III., in der böhmische, mährische, ungarische und auch einheimische Söldnerverbänden in Niederösterreich plünderten. Im Jahr 1463, am dritten Tag nach dem Osterfest, wurde Herzogenburg von böhmischen Söldnerscharen unter ihrem Anführer Georg von Vetau eingenommen und verwüstet. Wahrscheinlich erlosch damals auch der Konvent der Kanonissen, oder er fand durch Mangel an Klostereintritten schon früher ein Ende. Im Lauf des Jahres 1465 begannen die Chorherren mit dem Wiederaufbau des Stiftes. Dieser zweiten gotischen Bauphase des Stiftes sollte aber kein langer Bestand gegönnt sein, denn schon 1477 belagerten und eroberten die Soldaten des ungarischen Königs Matthias Corvinus nach ihrem Sieg über Kaiser Friedrich III. Herzogenburg. Wieder brannte das Kloster nieder. Der nach St. Pölten geflohene Propst konnte seine in Rudolfsberg bei Wagram gefangengehaltenen Mitbrüder erst nach Bezahlung eines hohen Lösegelds in die Ruinen seines Klosters zurückführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Georg I. Eisner]] (1484–1513) wurde mit dem Wiederaufbau des Klosters begonnen. Dieser Propst konnte durch sorgfältige Verwaltung und durch Schenkungen des Matthias Corvinus, der die Verwüstungen seiner Söldner wieder gutzumachen versuchte, die wirtschaftlichen Verhältnisse seines Hauses sanieren und das Stiftsgebäude repräsentativ auszustatten. 1499 gewährte Papst Alexander VI. ihm und allen seinen Nachfolgern den Gebrauch der Mitra, des Stabes und Ringes und der anderen Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7. Mai 1512 brach in einem Haus auf dem Unteren Marktplatz ein Brand aus, der auch auf die Widem und auf das Kloster übergriff, alle Zellen der Brüder und das Winterrefektorium brannten aus. Außerdem wurden das Infirmarium, die Dechantei, die Bibliothek und die Sakristei zerstört. Das Feuer sprang auch auf das Mariensacellum über und vernichtete dort die Orgel. Ebenso brannte die Schule nieder. Die Kirchenausstattung – die Tafelbilder und die Altäre – wurde verschont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation bis Barock=== &lt;br /&gt;
Im Jahr der Wahl des hochgelehrten Propstes  [[Johannes V. Bernhard von Nußdorf]] (1517–1533) veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen und löste eine Reformationsbewegung aus, in der Klosterleben zunehmend kritisch beurteilt wurde. Unter Propst [[Bernhard I. Schönberger]] (1533–1541) legte der Chorherr Johann Peurl die priesterliche Kleidung ab und verließ seinen Orden, Neueintritte blieben zunehmend aus. In wirtschaftlicher Hinsicht hatte Propst Bernhard mit den Belastungen der den Klöstern vorgeschriebenen Abgaben zur Finanzierung der Kriege gegen die Osmanen zu kämpfen und konnte die Steuerleistungen nur durch den Verkauf des Stiftshauses in Wien erbringen. Für viele Jahre war Bernhard der letzte frei gewählte Propst von Herzogenburg. Die nun folgenden Pröpste waren Weltpriester oder stammten aus anderen Ordenshäusern, wurden postuliert oder vom Kaiser ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Wunsch Kaiser Ferdinands I. wurde [[Philipp von Maugis]] (1541–1550) zum Propst bestimmt. Philipp entstammte einer adeligen belgischen Familie, war ab 1545 Regent der niederösterreichischen Landesregierung und Erzieher der Söhne Ferdinands I. Noch im Jahr seines Amtsantrittes trat in Herzogenburg, wie in vielen Orten Österreichs, die Pest auf, an der täglich bis zu 30 Personen starben. Alle Chorherren im Stift mit Ausnahme des Propstes und eines Konventualen fielen der Seuche zum Opfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philipps Nachfolger war [[Bartholomäus von Cataneis]] (1550–1563). Er entstammte einer vornehmen italienischen Familie aus Bergamo, war palatinischer Graf, apostolischer Protonotar und oberster Hofkaplan. Durch sein Administrationstalent gelang es ihm, das Stift über die finanziellen Hürden zu bringen. Wegen seiner Tüchtigkeit wurde er zum Administrator von Göttweig bestellt (1556–1563). Der Klosterrat bemängelte bei seiner Visitation allerdings die Konkubinate der Stiftsherren und deren protestantische Gesinnung. Die Kommissäre erteilten dem Propst einen strengen Verweis und befahlen ihm, den Dechant abzusetzen und einzusperren. Nach dem Visitationsbericht vom Jahr 1561 befanden sich im Stift Herzogenburg nur mehr vier Konventualen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krisenzeit des Stiftes wurde der Prälat von St. Andrä [[Johannes VI. Pülzer]] (1563–1569) zum Propst bestimmt. In seinem Wahlinstrument hieß es, er sollte baldmöglichst die Zahl der Chorherren ergänzen, da sich dieselben fast alle &amp;quot;verloffen&amp;quot; hätten. Wirtschaftskrisen, Hungersnot, Erhöhung der Steuern und die Tatsache, dass viele seiner Mitbrüder lutherisch wurden, trieben Propst [[Johannes VII. Glaz]] (1569–1572) zu einem Verzweiflungsakt: in der Nacht des 14. September 1572 floh er in Begleitung eines Dieners aus dem Stift.&lt;br /&gt;
Nun folgte ein Mann aus dem eigenen Haus, [[Jakob Reisser]] (1573–1577). Durch seine Sparsamkeit und energische Haltung ging es sowohl finanziell als auch disziplinär im Stift aufwärts. Im Visitationsbericht wurde vermerkt, dass er keine goldene Kette und auch keine kostbaren Kleider trug, keine Spiele gestattete und die Musik bei Tisch abgeschafft habe. Er bemühte sich, Mitarbeiter aus dem Ausland zu bekommen, um die Ausbreitung der lutherischen Lehre zu stoppen. Denn die Gemeinde Herzogenburg war zum Großteil schon protestantisch und die Pfarrkinder gingen bereits in die umliegenden Ortschaften, um bei den &amp;quot;sektischen Predigern&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod postulierte der Klosterrat den Propst des [[Stift St. Dorothea|Chorherrenstiftes St. Dorothea]] in Wien, [[Georg II. Brenner]] (1578–1590). Georg war Hofkaplan bei Kaiser Maximilian II. gewesen und der Klosterrat schlug ihn 1588 als Bischof von Wiener Neustadt vor. Er strebte den Erwerb des Unteren Formbacher Marktes Herzogenburg, der noch immer großteils protestantisch war, an, scheiterte jedoch. Die Trennung beider Märkte Herzogenburg blieb bis 1806 bestehen. Propst Georg Brenner setzte aber Maßnahmen gegen das Luthertum durch, Herzogenburger Bürger, die zu den „Predikanten ausliefen“, wurden mit schweren Strafen bedroht. Ebenso mussten die Herzogenburger ihre Kinder in die katholische Schule schicken und dem Gesinde wurde verboten, sich während des sonntäglichen Gottesdienstes in Wirtshäusern oder auf Spielplätzen aufzuhalten. Kirche, Kloster- und Wirtschaftsgebäude wurden unter Propst Georg Brenner renoviert und ausgebaut, Messgeräte, Bücher und Musikinstrumente angekauft. Der Lesehof in Königstetten wurde renoviert und der Hof von Klosterneuburg fast zur Gänze neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Krankheit stand dem Propst in den letzten Jahren [[Paul Zynkh]] als Koadjutor zur Seite. Da es nach dem Tod des Propstes bei der Neubesetzung zwischen Klosterrat und dem Passauer Bischof zu Unstimmigkeiten gekommen war, verwaltete Paul Zynkh über ein Jahr als Administrator das Stift, bis er zum Propst gewählt wurde (1591–1602).Er setzte die gegen den Protestantismus gerichteten Maßnahmen seines Vorgängers fort und bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg, dessen Predigttätigkeit zu einer Rekatholisierung führte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der ständigen Gefahr von osmanischen Einfällen wurden die Verteidigungsanlagen des Klosters gemäß dem kaiserlichen Mandat ausgebaut und die Rüstkammer des Stiftes mit modernen Waffen versehen. Während eines halbjährigen Kuraufenthaltes des Propstes in St. Pölten entbrannte eine heftige Auseinandersetzung zwischen dem Stiftsdechant und dem Konvent. Der kranke Propst kehrte zurück und hielt ein Kapitel. Der Dechant wurde abgesetzt und im Lauf von drei Wochen bei Wasser und Brot „dasig“ gemacht. Die letzten drei Jahre seines Lebens war Propst Paul Zynkh Deputierter der niederösterreichischen Stände und hielt sich oft in Wien auf. Aus diesem Grund kaufte er dort 1601 ein Wohnhaus, den „Heidelberger Hof“ in der Annagasse. Das Gebäude ist heute noch im Besitz des Stiftes und trägt den Namen Herzogenburgerhof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als [[Melchior Kniepichler]], ehemaliger Propst des Stiftes Dürnstein, von König Matthias als Propst postuliert wurde (1609–1615), protestierte der Herzogenburger Konventuale [[Johannes Held]] in einem Schreiben an den Passauer Offizial, weil Propst Melchior in St. Andrä (1592–1599) &amp;quot;Schulden gehäuft und von dann gezogen sei&amp;quot;, er habe dann &amp;quot;Tirnstain ohne Schulden angetreten und gehe nun mit Schulden weg&amp;quot; (1599–1609); beide Male in Folge seiner verschwenderischen Freigiebigkeit gegen Verwandte und Freunde. Weiters klagt er, dass Melchior dem Trunke ergeben und &amp;quot;in diesem Zustand unausstehlich streitsüchtig sei.&amp;quot; Schließlich, dass Melchior das weibliche Geschlecht liebe und gerne Tanzunterhaltungen besuche. In den Klosterratsakten hieß es, &amp;quot;dieser Mann war mehr Schelm als Mönch&amp;quot;. Am 26. Juli 1615 kam eine Untersuchungs- und Strafkommission nach Herzogenburg. Aufgrund der strengen Linie von Bischof Melchior Klesl wurde der Propst gefangen nach Wien geführt, verhört und einige Monate eingesperrt. Erst nach drei Jahren wurde Melchior rehabilitiert und zum zweiten Mal zum Propst von Dürnstein bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Wahlturbulenzen in den folgenden Jahren bestimmte Kaiser Ferdinand II. den Dechant des Kathedralstiftes Seckau [[Martin III. Müller]] zum Vorsteher in Herzogenburg (1621–1640). Er war ein eifriger Förderer der Gegenreformation, reformierte das klösterliche Leben und führte neue Statuten ein. Er erreichte auch, dass ihm die [[Pfarre Hain]] wieder zurückgegeben wurde, wo bisher nur protestantische Prediger angestellt waren. Den Konflikt mit der dort tonangebenden protestantischen Familie der Jörger konnte erst sein Nachfolger [[Johannes Bauer]] (1640–1653) beilegen. Propst [[Joseph Kupferschein]] (1653–1669) versuchte ebenfalls auf friedliche Weise die Protestanten zum katholischen Glauben zurückzugewinnen. Er war sowohl ein gelehrter Mann (1641 war er Rektor der Universität in Wien) als auch ein tüchtiger Wirtschafter. Propst [[Anton Sardena]] (1669–1687) begann mit viel Schwung die weiteren Restaurierungsarbeiten bzw. die Barockisierung des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679/80 wütete die Pest in Herzogenburg und kostete viele Menschen das Leben. In der Stiftsgeschichte von Dechant Beyer wird auch das Erscheinen eines Kometen vermerkt, der im Jahr 1680 am Fest des hl. Stephan zum ersten Mal erschien und als Vorbote der Osmaneneinfälle interpretiert wurde. Am 14. Juli 1683 erschien eine osmanische Streifschar vor Herzogenburg. Sie ließ den gut befestigten Ort zunächst ungeschoren. Als die Gefahr immer größer wurde, flüchtete der Prälat auf Bitten seiner Geistlichen mit dem Archiv und der Schatzkammer nach Dürnstein. Unter den im Kloster verbliebenen Chorherren befand sich [[Gregor Nast]], der später einen ausführlichen Bericht über die Osmaneneinfälle verfasste. Eine größere Truppe versuchte die Erstürmung des Marktes und schichtete Stroh vor die Markttore, um sie durch Feuer zu zerstören. Die Bürger leisteten mit ihren Schusswaffen allerdings tatkräftigen Widerstand. Zahlreiche Bauernhöfe von Herzogenburger Grundholden wurden jedoch geplündert und niedergebrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) betrieb die wirtschaftliche Konsolidierung seines Hauses nach dem Krieg und den Wiederaufbau bei Pfarren und Wirtschaftshöfen. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prandtauer wurde 1714 von Propst [[Wilhelm von Schmerling]] (1709–1721) mit einem barocken Neubau des Stiftsgebäudes beauftragt. Nach Schleifung des alten Klosters – nur ein Teil des mittelalterlichen Kreuzgangs blieb erhalten – wurde eine zweihöfige neue Stiftsanlage errichtet, der zweite Hof jedoch baulich nie fertiggestellt. Die von Prandtauer gebauten Trakte sind vornehm und voll künstlerischen Lebens. Einzig an der Ostseite sprengt der Saalbau nach Plänen von Fischer von Erlach die Prandtauersche Fassade: er tritt um eine Achse hervor und überragt sie mit den Oberfenstern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Herzogenburg geborene Propst [[Leopold von Planta]] (1721–1740) schloss die Bauarbeiten ab und besorgte die wirtschaftliche Stabilisierung des Hauses. In seiner Regierungszeit wurde am 18. September 1724 das Stift in die [[Lateranensische Choherrenkongregation]] aufgenommen. Die Pröpste führen seitdem den Titel eines Lateranensischen Abtes. Propst Leopold führte nach dem Beispiel von Klosterneuburg den schwarzen Talar anstelle der weißen Kleidung für seine Mitbrüder ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Frigdian Knecht]] (1740–1775) wurde im Österreichischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen gefangengenommen, um eine Kriegssteuer in der Höhe von 14.000 Gulden zu erpressen. Er wurde nach den Worten des Stiftsdechanten „hin und hergeführt zu Schand und Spott“. Erst nach sechstägiger Gefangenschaft und Zahlung des hohen Lösegeldes konnte der Prälat wieder ins Stift zurückkehren. 1743 entschloss er sich, die Kirche durch den jungen Baumeister Franz Munggenast neu errichten zu lassen. Der Turm wurde 1767 nach Entwürfen von Johann Bernhard Fischer von Erlach durch Matthias Munggenast ausgeführt. Die Architektur dieser Kirche und die Ausstattung durch Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte können zu den großen Leistungen des österreichischen Barocks gezählt werden. In den Pfarren [[Stollhofen]], [[Hain]], [[Rottersdorf]] und [[Brunn]] ermöglichte Propst Frigdian ebenfalls die Barockisierung der Kirchen. Durch die Stiftung von 7.000 Gulden des Wiener Stadtrates Jakob Bodenreiter konnte in Theiß der Pfarrhof neu errichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seines wissenschaftlichen Interesses kaufte der Propst Jahr für Jahr viele wertvolle Bücher, ordnete das Archiv und unterstützte den Aufbau eines eigenen Münzkabinetts. Auf musikalischem Gebiet war sein Mitbruder [[Georg Johann Donberger|Georg Donberger]] tätig. Als Regens chori komponierte dieser unermüdlich und seine Werke sind in den Musikarchiven vieler österreichischer Stifte zu finden. Als Propst Frigdian Knecht nach 35-jähriger Amtszeit im Jahr 1775 starb, hinterließ er ein geordnetes Haus, das spirituell, künstlerisch und wirtschaftlich einen guten Ruf hatte. Er wird auch der dritte Gründer genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Josephinismus bis Gegenwart===&lt;br /&gt;
Propst [[Michael Teufel]] (1782–1809) war Parteigänger von Kaiser Joseph II. und administrierte für ihn die Aufhebungen der Chorherrenstifte St. Andrä an der Traisen und Dürnstein. Das Patent des Kaisers über die Klosteraufhebungen wurde für das [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stift St. Andrä an der Traisen]] wirksam, das nach dem Tod des letzten Propstes [[Gregor Grindler]] 1783 dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde. Das [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] wurde 1788 mit dem Stift Herzogenburg vereinigt. Gegen diesen Bescheid erhob zwar der Bischof von St. Pölten Einspruch, doch wurde mit Hofdekret vom 7. Juni 1788 die endgültige Aufhebung Dürnsteins angeordnet. Als durch die Aufhebung der Benediktinerabtei Formbach am Inn der Untere Markt Herzogenburg Staatseigentum wurde, konnte ihn Propst Michael im Jahr 1806 kaufen und mit dem Oberen Markt vereinigen. Ein Höhepunkt in der Regierungszeit des Propstes Michael Teufel war die Weihe der neuen Herzogenburger Stiftskirche am 2. Oktober 1785, sie erfolgte durch [[Heinrich Johannes von Kerens]] dem ersten Bischof, der in St. Pölten residierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Koalitionskriegen war Stift Herzogenburg nach der Schlacht im nahegelegenen Dürnstein-Loiben im November 1805 direkt betroffen. Französische Truppen fielen in die Stadt ein, brachen Keller auf und plünderten. Hohe Geldforderungen der französischen Offiziere und Einquartierungen von Soldaten belasteten das Stift schwer. Propst Michael floh während des Krieges mit der Münzsammlung und anderen Kostbarkeiten nach Ungarn in die Abtei Zirc. Kämmerer [[Josef Leuthner]] brachte sich mit den anderen Wertgegenständen auf das Gut Primmersdorf (Waldviertel) in Sicherheit. Im Rahmen des Österreichisch-Französischen Krieges im Jahr 1809 und der zweiten Eroberung Wiens durch Napoleon hatte Herzogenburg wieder unter französischen Truppen, ganz besonders unter den württembergischen Hilfstruppen zu leiden. Bei dieser zweiten Franzoseninvasion kam der Propst allerdings nicht mehr unbehelligt davon. Noch kurz vor seinem Tod wurde er in seinem Zimmer von einem französischen Husaren misshandelt und seines Kreuzes und Ringes beraubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Michael Teufel hat um das Stift beinahe so große Verdienste wie sein Gründer – der Volksmund unterstrich das Weiterbestehen des Stiftes mit dem Bonmot: „Der Teufel hat das Stift gerettet.“ Im Geist der neuen josephinischen Begräbnisordnung wurde er als erster Stiftsvorsteher außerhalb des Ortes auf dem allgemeinen Friedhof in einem bescheidenen Mausoleum bestattet. 1977 wurden die sterblichen Überreste des Propstes exhumiert und neben seinem Grabdenkmal in der Stiftskirche beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Amortisationsgesetze und Religionsfondsabgaben der spätjosephinischen Ära belasteten die Stiftswirtschaft und führten zu erheblicher Verschuldung. Der ehemalige Stiftsdechant Propst [[Aquilin Leuthner]] (1811–1832) konnte das Haus nur insofern aus der finanziellen Not retten, als er von Kaiser Franz I. einen Nachlass der Schulden erreichte. Dem josephinischen Nützlichkeitsgedanken entsprach das Kloster durch Errichtung eines Schulgebäudes auf dem Stiftsgelände im Jahr 1829, dem der Westtrakt des mittelalterlichen Kreuzwegs weichen musste. Die Visitationen des St. Pöltner Bischofs Jakob Frint führten in Herzogenburg zur allmählichen Umsetzung der Klosterreformen der Restaurationszeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Bernhard II. Kluwick]] (1832–1843) erreichte die Choleraepidemie auch Niederösterreich. Die Angst vor dieser Seuche veranlasste die Stiftsherren, zur Versorgung der Kranken an den Gangenden sogenannte Choleraöfen zu errichten: „... also die Küche zu weit entfernt ist, um schnell den notwendigen Tee und warmes Wasser herbeizuschaffen.“ Das Lebenswerk von Propst Bernhard war die Erbauung der Pfarrkirche in [[Theiß]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Karl Stix]] (1843–1847) konnte einen weiteren bedeutenden Schuldenerlass bei Kaiser Franz I. erreichen. Aus Dankbarkeit feierte das Stift jahrzehntelang den Todestag des Monarchen mit dem „Kaiserrequiem“. 1844 konnte er die Jubiläumsfeier der Übertragung des Stiftes von St. Georgen nach Herzogenburg (1244) festlich begehen. Aus Anlass des Jubiläums erbat sich der Herzogenburger Konvent beim Bischof das Recht, violette Mozetten anstelle der bisherigen Almutien aus Pelz tragen zu dürfen, was ihnen allerdings erst einige Jahre später gewährt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Revolutionsjahr hob am 7. September 1848 der Reichstag die bäuerliche Untertänigkeit auf und das Feudalrecht mit Robot und Zehent wurde abgeschafft. Propst [[Josef II. Neugebauer]] (1847–1856) verkaufte in der Folge 1851 das Gut Primmersdorf, das bis dahin der Einbringung der klösterlichen Zehentrechte im nördlichen Waldviertel gedient hatte. Am 8. Oktober 1848 – auf der Flucht von Wien in die Festung Olmütz – kam Kaiser Ferdinand I. mit seinem Gefolge nach Herzogenburg und wurde als Gast im Stift beherbergt. Am selben Abend unterzeichnete der Kaiser ein Manifest „An die Völker meiner deutsch-erbländischen Provinzen“. Am nächsten Morgen zog der Kaiser mit seinem Gefolge weiter. Der Name „Kaisergasse“ in Herzogenburg erinnert noch heute an diese Begebenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1853 gab es eine kanonische Visitation durch den St. Pöltener Bischof Feigerle, und zwei Jahre darauf visitierte auch der Linzer Bischof Rudiger in Vertretung des Kardinals Fürst Schwarzenberg das Stift Herzogenburg. Auch er war sehr zufrieden mit dem Stand des Hauses und „schied mit wahrer Herzensfreude vom Stift“. Auch unter dem nächsten Vorsteher des Stiftes Propst [[Norbert Zach]] (1857–1887) herrschte ein gutes Klima im Haus. Von den 34 Mitgliedern des Stiftes waren 25 Priester in der Seelsorge tätig, vier hatten häusliche Offizien, zwei Kleriker studierten an der theologischen Hauslehranstalt im [[Chorherrenstift Klosterneuburg]], zwei Novizen wurden im Haus in die Lebensordnung der Chorherren eingeführt.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1862 gründete der Stiftskurat und spätere Dechant [[Ferdinand Mann]] den katholischen Gesellenverein, der sich um die seelsorglichen und menschlichen Anliegen der arbeitenden Bevölkerung kümmerte. Die Stadt Herzogenburg begann den Schritt ins Industriezeitalter, als 1874 die Firma Vollrath (Nägel, Schrauben) von Wien nach Herzogenburg/Oberndorf übersiedelte. 1875 folgte ihm Carl Grundmann, ein pensionierter Danziger Lokomotivführer, der sich auf die Erzeugung von Türschlössern spezialisiert hatte. In diese Zeit fällt auch die Planung und der Bau der Eisenbahnlinien im Raum Herzogenburg: Am 3. August 1885 wurde die Strecke Tulln – St. Pölten, am 16. Juli 1889 die Strecke Herzogenburg – Krems eröffnet. Seit dieser Zeit „ist der Markt mit zwei Hauptverkehrsadern der Monarchie“, mit der West- und der Franz-Joseph-Bahn, verbunden. Um der rasch anwachsenden Bevölkerung eine bessere Ausbildung und damit größere Berufschancen geben zu können, wurde die Stiftsschule schon 1867 zu einer Pfarr-Hauptschule erweitert. Heute wird das neben der Stiftskirche gelegene Schulgebäude von der Herzogenburger Sonderschule und der Musikschule benützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das äußere Bild des Ortes änderte sich Mitte des 19. Jahrhunderts. Drei Tore der alten Marktbefestigung wurden abgetragen; ebenso Teile der Ringmauer. Ein Stückchen dieses mittelalterlichen Ensembles ist heute noch im nördlichen Stiftsbereich zu sehen, wo Mauer, Graben, Verteidigungsturm und das einzige noch bestehende Stadttor, das „Au-Tor“, auch „Nordtor“ genannt, erhalten blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Schlacht bei Königgrätz Mitte Juli 1866 drangen die preußischen Truppen bis ins Waldviertel vor und das österreichische Militär zog sich – größtenteils kampflos – auf das südliche Donauufer zurück. Das Stift richtete im Auftrag der k. k. Statthalterei ein Spital für die Soldaten ein. Für seine Verdienste wurde der Propst im Jahr 1879 vom Kaiser mit dem Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet. Während seiner zehnmonatigen Funktion als Administrator des Stiftes veranlasste Dechant [[Emmerich Wallner]] die Gestaltung des nach ihm benannten „Emmerichhofes“ im Westtrakt des Stiftsgebäudes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Person des folgenden Propstes [[Frigdian II. Schmolk]] (1888–1912) vereinigten sich Kirchenfürst und Staatsmann. 1902 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum Landmarschall (Vorsitzender des Landtages). Vier Jahre lang hatte er dieses Amt inne. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der Kaiser die Würde eines Wirklichen und Geheimen Rates und berief ihn auf Lebenszeit als Reichsrat in das Herrenhaus. Um 1900 erreichte das Stift seinen höchsten Personalstand: 40 Konventualen gehörten zum Kloster. Unter Propst Frigdian wurden in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das Stiftsgebäude, der Turm, die Orgel und das Innere der Kirche restauriert. Dechant [[Ferdinand Mann]] ließ auf seine Kosten 1903 den Maria-Lourdes-Altar errichten und die zwei Holzstatuen Herz-Jesu und Herz-Maria in der Kirche aufstellen. 1907 wurde der Zusammenschluss der österreichischen Chorherrenstifte zur [[Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren|&amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten Lateranensischen Chorherren“]] erreicht. Als Konvisitator wurde Propst Frigdian Schmolk gewählt. Eine enge Freundschaft verband Propst Frigdian mit dem Wiener Bürgermeister Karl Lueger. Als dieser tödlich erkrankte, berief er seinen langjährigen Freund zu sich, der ihm die die Sterbesakramente reichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmolks Nachfolger wurde [[Georg III. Baumgartner]] (1913–1927). Mit größter Sparsamkeit und Umsicht lenkte er das Stift durch die wirtschaftlichen Erschütterungen des Ersten Weltkrieges. Er stellte das Sommerrefektorium als Kaserne für die Marschkompanien und den Theatersaal dem Roten Kreuz zur Pflege der Verwundeten zur Verfügung. Vom Krieg selbst wurde Herzogenburg nur mittelbar betroffen: durch die vielen Gefallenen. Ihre Namen sind auf einer Marmortafel, rechts beim Eingang der Kirche, eingemeißelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 ließ Propst Georg das veraltete stiftliche Elektrizitätswerk – die ehemalige Stiftsmühle – in eine moderne Wasserkraftanlage mit Turbinen umbauen, die das Stift und Teile der Stadt Herzogenburg jahrelang mit Strom versorgte. Bedeutende Verdienste erwarb sich Georg Baumgartner durch seine wissenschaftliche Forschung über die Urgeschichte, inspiriert durch die archäologischen Funde aus der Hallstattzeit auf Grundstücken, die zum Stift gehörten. Bis zuletzt arbeitete er mit großer Genauigkeit an der Hausgeschichte und an der Baugeschichte der Kirche und des Stiftes und verfasste weiters den Artikel „Herzogenburg“ in der „Topographie von Niederösterreich“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die allgemeine Wirtschaftskrise machte sich auch im Stift bemerkbar. Das Steueramt St. Pölten drängte immer öfter unter Androhung der Zwangsverwaltung auf Bezahlung der Steuerschulden. Das Kapitel unter Propst Georg sah sich gezwungen, einem Beschluss zum „Verkauf einzelner Wertgegenstände näher zu treten“. Einige Pretiosen aus der Bibliothek und den Kunstsammlungen wurden verkauft. In diese politisch sehr schwierige Zeit fällt eines der größten Ereignisse für Herzogenburg, die Stadterhebung: Am 30. Juni 1927 beschloss der Landtag von Niederösterreich, den Markt Herzogenburg „trotz der verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl“ (2.800) zur Stadt zu erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der spätere Landtagsabgeordnete und Vertreter des Klerus [[Ubald Steiner]] (1927–1946) wurde zum nächsten Propst gewählt. Es gelang ihm, das Stift durch die schwierige wirtschaftliche Lage der dreißiger Jahre zu führen, was den Verkauf mehrerer Grundstücke und Kunstschätze beinhaltete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Sozialdemokratie in den 1920er Jahren wurden auch in Herzogenburg, das durch seine metallverarbeitende Industrie über einen hohen Arbeiteranteil verfügte, vehement geführt. Der Stiftsdechant und Pfarrer [[Anton Rudolf]] stand im Ruf, „der von den Sozialdemokraten wohl bestgehasste Chorherr“ zu sein. Er war der Typ von Priesterpolitiker, der die ohnehin spannungsgeladenen dreißiger Jahre durch sein Zelotentum und seine nie erlahmenden Bekehrungsversuche an ungläubigen Marxisten eher verschärfte denn beruhigte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Volksabstimmung vom 10. April 1938 brachte in Herzogenburg 2.047 Ja-Stimmen für den Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland und nur fünf Gegenstimmen. In der Folgezeit erhielt Herzogenburg den Namen „Stadt der Treue“. In diesen Jahren wurden die Repressalien gegenüber den kirchlichen Institutionen und der Geistlichkeit immer spürbarer. Die Stiftstaverne und der Theatersaal wurden beschlagnahmt. 400 Herzogenburger traten aus der Kirche aus, und rund 100 Kinder wurden vom Religionsunterricht abgemeldet. Das Herzogenburger Pfarrblatt, das seit 1915 erschien, wurde wegen „Papierknappheit“ 1941 eingestellt. Das Stift wurde von den Nationalsozialisten zwar nicht aufgehoben, war aber in seiner Wirtschaftsführung nicht mehr unabhängig. Teile des Stiftsgebäudes wurden 1940 für ein Einquartierung von bessarabischen Umsiedlern und später auch anderen Flüchtlingen beschlagnahmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum „schwarzen Montag“ wurde der 6. November 1944. 300 Bomben fielen in und um Herzogenburg: 20 Tote und große Sachschäden waren die traurige Bilanz. Am 14. April 1945 rückten nach einer kurzen Kanonade die Sowjets in Herzogenburg ein. Eine Gruppe von Herzogenburgern, unter ihnen Propst Ubald, ging ihnen mit der weißen Fahne entgegen. Die Stiftsgebäude waren durch einige Bombentreffer leicht beschädigt worden, schwerer betroffen waren die Stiftswälder, die durch die Luftangriffe schwere Schäden hatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Georg IV. Hahnl]] (1946–1963) betrieb den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit. Im Jahr 1948 wurden vier neue Glocken der Stiftskirche geweiht. 1942 hatten alle Glocken bis auf die größte, die Pummerin, der Rüstungsindustrie abgeliefert werden müssen. Wissenschaftliche Berühmtheit erlangte Propst Georg durch seine Arbeit auf dem Gebiet der Heimat- und Urgeschichtsforschung. Fast seine ganze Regierungszeit als Propst war allerdings von einer schweren Krankheit überschattet, was sich negativ auf das Klima und die Personalsituation des Stiftes auswirkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Resignation wurde [[Thomas Zettel]] (1963–1969) zum nächsten Vorsteher des Hauses gewählt. Nach langen Vorbereitungen öffnete 1964 das Stift Herzogenburg seine Räume und Säle für über 100.000 Besucher anlässlich seiner (etwas verspäteten) 850-Jahr-Feier. Der ebenerdige Teil des sogenannten „Altstiftes“, die Reste der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen alten Klosteranlage, war renoviert worden und das spätgotische Refektorium „glänzte“ durch die kurz zuvor freigelegten Fresken von ca. 1500. Daneben im frühbarocken Refektorium waren die Funde aus der Ur- und Frühgeschichte neu aufgestellt worden. Im Barockgebäude wurde im ersten Stock im ehemaligen Gästetrakt eine Ausstellung für die restaurierten Kunstschätze des Stiftes, insbesondere seine Sammlung mittelalterlicher Flügelaltäre, eingerichtet. Im Festsaal, in der Bibliothek, im Bildersaal und in elf weiteren Ausstellungsräumen erlebten und erleben Besucher das künstlerische Erbe des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1965 gab es eine einschneidende wirtschaftliche Umstellung: der Weinbau und die Landwirtschaft konnten in Eigenregie nicht mehr positiv geführt werden, deshalb wurden beide Wirtschaftszweige verpachtet. Der Forst als dritte Einnahmequelle wird bis heute noch selbst geführt, die Jagden sind verpachtet. Das Gebäude, in dem die ehemalige Stiftstaverne befand, wurde an die Stadtgemeinde Herzogenburg verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1977 erreichten die ökumenischen Gespräche und Gottesdienste, die vom späteren Propst [[Maximilian Fürnsinn] initiiert wurden, ihren Höhepunkt in der Ausstellung &amp;quot;Kunst der Ostkirche&amp;quot;. Zum ersten Mal feierten in diesem Zusammenhang die Vertreter aller elf östlichen und westlichen Kirchen in Österreich einen gemeinsamen Gottesdienst in der Herzogenburger Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Stadt Herzogenburg“ wurde die Nordeinfahrt des Stiftes restauriert und der Innenhof nach barockem Vorbild neu gestaltet. In diesem Jahr, 1977, wurde auch der Abschluss der Turmrenovierung gefeiert. Propst [[Clemens Moritz]] (1969–1979) wurde zum Ehrenbürger von Herzogenburg ernannt. Er war nicht ein Prälat im Sinne der prachtvollen Barockzeit, wohl aber im Sinne des Ordensstifters Augustinus ein Seelsorger, besorgt um seine Gemeinde und seine Mitbrüder. Auch nach der Resignation blieb Altpropst Clemens bis zum Jahr 1996 der Pfarrer von Herzogenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit [[Maximilian Fürnsinn]] (1979–2019)) bekam das Stift nach 200 Jahren wieder einen gebürtigen Herzogenburger zum Propst. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war zunächst die Renovierung der Stifte und Pfarren. Allein mit einem Kostenaufwand von rund 50 Millionen Schilling wurde das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein in der Zeit von 1985 bis 1995 restauriert. Die zehnjährige Renovierung des Stiftes Herzogenburg wurde im Jahr 2012 abgeschlossen, sie umfasste neben der Fassadensanierung unter anderem die Instandsetzung der musealen Räumlichkeiten. Die neue Dauerausstellung konnte im Jahr 2012, als das Stift das Jubiläum seines 900jährigen Bestehens beging, eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den zentralen Anliegen von Propst Maximilian gehörte, dass das Stift – entsprechend der jahrhundertelangen Tradition – eine offene Begegnungsstätte ist. So gehen auf seine Initiative viele Tagungen, Bildungsveranstaltungen und Zusammenkünfte von verschiedenen Institutionen und Vereinigungen zurück. Neben den zuvor erwähnten ökumenischen Treffen haben etwa die Ritter vom Heiligen Grab in Jerusalem der Komturei St. Pölten hier regelmäßige Zusammenkünfte. Besonders erwähnenswert sind die in der Regierungszeit von Propst Maximilian abgehaltenen &amp;quot;Herzogenburger Gespräche&amp;quot;, anlässlich derer mehrmals im Jahr 60 bis 80 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kirche zentrale gesellschaftliche Fragen behandelten. Pastorales Wirken war dem vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägten Seelsorger Maximilian Fürnsinn ein besonderes Anliegen, vor allem die Lebendigkeit in der Pfarrseelsorge lag ihm am Herzen. In der Pfarre Herzogenburg entstand aus einem Kinderfest der Katholischen Jungschar der heute größte Kinderevent Niederösterreichs, die „Niederösterreichischen Kindersommerspiele“ (NÖKISS).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein kirchliches Engagement, seine organisatorischen und kreativen Fähigkeiten und seine Leitungskompetenzen führten daszu, dass Propst [[Maximilian Fürnsinn]] 1982 zum ersten Mal zum Vorsitzenden der niederösterreichischen Äbtekonferenz gewählt wurde. Von 1989 bis 1994 war er Vizepräsident der ökumenischen Stiftung Pro Oriente. Von 1998 bis 2013 war er Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2019 wurde [[Petrus Stockinger]] zum neuen Propst von Herzogenburg gewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Bischof Ulrich I. von Passau (1092–1121) konnte seiner Neugründung, dem Augustiner-Chorherrenstift St. Georgen, nur wenig schenken. In der Gründungsurkunde des Klosters bemühte er daher auch die Heilige Schrift und erwähnt das Opfer der armen Witwe, die nur zwei Kupfermünzen in den Opferkasten des Tempels warf, die aber von Jesus gelobt wurde, weil sie alles gab, was sie besaß. Der Bischof schenkte einiges von seinem persönlichen Besitz her, vielleicht sogar alles, was er in der damaligen Ostmark sein Eigentum nannte. Und das war für die junge Kommunität gerade genug zum Überleben. Katastrophen oder wirtschaftliche Schwierigkeiten durfte es keine geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bischof übergab der Klostergemeinschaft seine ererbte Eigenkirche St. Georgen an der Traisenmündung mit Fischwassern, Weingärten, Wiesen und Wäldern. Ebenso vermachte er aus seinem persönlichen Besitz ein Gut und eine Hube zu Sebarn, eine Hube zu Perschling, Engabrunn und Gumpolding, eine halbe Hube in Pötzleinsdorf (bei Wien) und eine zu Kamp, je einen Weingarten zu Kuffern und Egelsee und zwei Weingärten in Inzersdorf. Aus dem bischöflichen Gut schenkte er drei Weingärten in Hundsheim mit einem Lehen, je einen Weingarten in Stein, Weinzierl und Plechingen (zwischen Stein und Krems), den dritten Teil des Zehents von Teras und Merzleinswerd, die Hälfte des Zehents von den Pfarren Herzogenburg und Traisenburg sowie das ganze Dorf Streithofen (im Tullnerfeld). Einige Jahre später schenkte Bischof Ulrich zur Aufbesserung noch sechs Weingärten dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der wirtschaftlichen Not des jungen Stiftes versuchte nun 1160 Bischof Konrad von Passau (1148–1164) mit einer (gefälschten) Urkunde zu helfen, in der er das neuzugründende Stift St. Andrä mit St. Georgen vereinigte. Dieser Zusammenschluss scheiterte am Widerstand Ottos von Rechberg, der schließlich ein eigenständiges Kloster St. Andrä errichten konnte. Als Entschädigung übertrug Bischof Konrad dem Stift St. Georgen die Pfarre Marquardsufer und den Schweighof bei Zeiselmauer, um der &amp;quot;materiellen Not des Stiftes abzuhelfen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam konnte das Stift in den folgenden Jahrhunderten seinen Besitz durch Schenkungen vermehren, wobei das Waldviertel und das untere Traisental zu Schwerpunkten der Besitzungen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Urkunde von 1163 werden als Zeugen zuerst die Äbte von Göttweig und Zwettl, der Propst von St. Pölten und dann der Propst von St. Georgen, Albert, angeführt. 25 Jahre später kommt Propst Berthold von St. Georgen in der Zeugenfolge nach den Äbten von Göttweig, Melk und Altenburg, jedoch vor den Pröpsten von St. Nikolai und St. Andrä. Diesen Platz in der Reihenfolge der niederösterreichischen Stifte nimmt Herzogenburg bis über die Barockzeit ein. Nach den Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II. dürfte das Stift Herzogenburg besitzmäßig an die letzte Stelle gerückt sein. Doch noch einmal zurück ins Mittelalter. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im 12. Jahrhundert konnte das Stift seine Besitzungen durch Kauf, vor allem aber durch Schenkungen vermehren. Die Vielzahl der Schenkungen im Mittelalter sind meist auch ein Zeugnis von guter Spiritualität: einem glaubensstarken Kloster vertraut man eher seine Gebetsanliegen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste große Finanzaufwand war der zweite Neubau des Klosters in Herzogenburg um 1244. Das älteste Zehentverzeichnis, das in das Jahr 1299 zurückreicht, zeigt jedoch schon eine wirtschaftliche Stabilisierung auf. Das Stift besaß nun zehn &amp;quot;Ämter&amp;quot;, i. e. Zehenthöfe, die für die Einhebung der Zehente notwendig waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten waren Abgaben für die Kreuzzüge zu entrichten. Später kamen dann die Steuern für die Finanzierung der Türkenkriege. Verwüstungen durch Kriege, Naturkatastrophen (Heuschreckenplage und Dürre) und Pestepidemien brachten einen wirtschaftlichen Tiefstand für das Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zeichen für das wirtschaftliche Auf und Ab war 1417 der Kauf eines Hauses in Wien, Johannesgasse. 1541 musste es wieder verkauft werden. Bezeichnend für diese schwierige Zeit war auch der Personalstand: 1569 war nur mehr ein Konventuale im Stift. Als 1601 wieder ein Haus in Wien, diesmal in der Annagasse, gekauft wurde, war dies zugleich auch ein Zeichen des neuen Erstarkens: sowohl wirtschaftlich als auch personell. Das Stift wurde renoviert, die Kirche barockisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Abwehr der Türken 1683 konnte das Stift im wirtschaftlichen Aufwind weitere Akzente setzen: ein Gut in Primersdorf (Waldviertel) wurde gekauft und ein großer, neuer Schüttkasten errichtet. In Wielandsthal wurde der Keller und in Haitzendorf der Pfarrhof von Prandtauer errichtet. Im barocken Neubau des Stiftes (ebenfalls von Prandtauer) und der dazugehörigen Kirche kam die wirtschaftliche Kraft zum Ausdruck. Allerdings mussten dafür Weingärten in Mautern, Mauternbach und Sallapulka, eine Mühle von St. Georgen, Meierhöfe in Reith bei Primersdorf, Großhain, Schwarzenbach usw. für eine Gesamtsumme von 17.600 Gulden verkauft werden. Das war ungefähr ein Drittel des Prandtauischen Kostenvoranschlages für den Neubau des Stiftes (54.000 Gulden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wirtschaftliches Tief lösten die napoleonischen Kriege und die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aus: 1851 wurde das Gut Primersdorf im Waldviertel veräußert. Jahre vorher konnte das Stift nur durch einen großzügigen Schuldenerlass von Kaiser Franz I. vor einem finanziellen Ruin gerettet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Stift nur durch den Verkauf von Grundstücken und von vielen Kunstgegenständen entgegenwirken. Einige Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg kam es wieder zu Veräußerungen von Kunstgegenständen, Teilen von Sammlungen (Mineraliensammlung) und Teilen der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre unter Propst Maximilian waren von einer klugen Wirtschaftspolitik gekennzeichnet. Trotz der bescheidenen Besitzungen von 2.625 ha (2.200 ha Wald, 25 ha Weinbau, 400 ha landwirtschaftliche Nutzung) konnten viele Restaurierungen am Stift und an den Kirchen und Pfarrhöfen vorgenommen werden. Am 29. April 1996 wurde die Außenrenovierung des Stiftes Dürnstein mit einem Gesamtumfang von 50 Millionen Schilling abgeschlossen. Eine Aufgabe für dieses Haus, etwa als Seminar- oder Vortragszentrum, wird noch zu finden sein.&lt;br /&gt;
Wenn auch schon vieles vollbracht worden ist, so warten doch noch weitere Aufgaben für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Vogtei===&lt;br /&gt;
Der Besitz des Bistums Passau im Raum Donau–Traisen stand unter der Vogtei der Babenberger. Diese übten sie durch die Burggrafen von Lengbach (Neulengbach) aus. Urkundlich sind die Vögte des Stiftes Herzogenburg sehr selten belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Übertragung des Stiftes nach Herzogenburg änderte sich in der Vogteiverwaltung nichts. Nach dem Aussterben der Babenberger siegelte 1252 Konrad von Zagging als Vogt des Hauses. Er dürfte in Verbindung mit König Ottokar Przemysl, dem neuen Landesherren, gestanden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Habsburger die Herrschaft übernahmen, wurden die Burggrafen von Neulengbach die Vögte von Herzogenburg. Bestätigt wird diese Annahme durch die Erklärung der Herzöge Wilhelm und Albrecht IV. vom 20. März 1396, in der sie ihre Pflicht zu besonderem Schutz und Schirm des Klosters und seiner Güter bestätigten, da sie ja jährlich das Vogtgeld von 17 Pfund und 6 Schillingen Wiener Pfennig und 1 Muth Hafer vom Stift empfingen. Das Stift Herzogenburg zahlte diese Summe bis zum Jahr 1848 nach Neulengbach, als die Herrschaft längst schon in Privatbesitz übergegangen war und das Vogtgeld umgerechnet nun 17 Gulden und 45 Kreuzer betrug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jenseits der Donau dürften die Kuenringer auf Dürnstein die Vogtei über die Stiftsgüter ausgeübt haben. Nach ihrem Aussterben erging 1356 eine Weisung des Herzogs Albrecht II. an seinen Pfleger in Krems, das Stift Herzogenburg in seinen Rechten und Besitzungen zu schirmen. Im Jahr 1445 übernahmen die Brüder Ulrich, Oswald und Stephan Eytzinger auf Bitten des Propstes die Vogtei auf 15 Jahre gegen die jährliche Abgabe von 6 Muth Hafer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Stift Herzogenburg lag jahrhundertelang wirtschaftlich im Mittelfeld der niederösterreichischen Klöster. So war es auch mit der Zahl der Mitglieder. Die frühen mittelalterlichen Chorherrengründungen waren nicht für riesige Konvente gedacht, sondern die Zahl zwölf war, von Jesus mit seinen Jüngern herkommend, die goldene Zahl. Bei der Gründung von St. Georgen werden wahrscheinlich eine Handvoll Chorherren die Aufbauarbeit an diesem Donaustift begonnen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1200 gab es die erste urkundliche Aufzählung des Konventes: zwölf Priester, drei Konversen (''fratres conversi''), fünf Familiaren und vier Brüder. Einige Jahre nach der Übersiedlung des Konventes von St. Georgen nach Herzogenburg wurden neun Priester, zwei Diakone und vier Brüder (''fratres barbati'') als Zeugen genannt. Ein Stiftshistoriker zählte diese bärtigen Brüder dem adeligen Stand zu, da er sie als Mitglieder von Bauhütten interpretierte, die Baumeister und Städteplaner waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Namen und aus der Stellung in der Zeugenreihe lassen sich auf die Abstammung der Chorherren Schlüsse ziehen. Wir finden im Konvent einige Mitglieder des niederen Adels. Diese Tatsache erklärt einen Teil der reichen Schenkungen des Adels der Umgebung, der so zur Versorgung seiner Söhne beitrug. Ein Nobelstift war Herzogenburg aber nie. Die meisten Novizen kamen aus der Umgebung, vereinzelt aus Oberösterreich, der Steiermark, Kärnten und Salzburg. Die Zusammensetzung des Konvents blieb also durchaus im Rahmen des damals Üblichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert dürfte sich die Zahl der Konventualen zwischen 20 und 25 bewegt haben. Der erste große Verlust kam durch die Ermordung einiger Chorherren bei der Eroberung von Herzogenburg im Jahr 1463 und dann durch die Pest. Die Reformation trug das ihre dazu bei, sodass es beim Tod des Propstes Bartholomäus von Cataneis 1563 wahrscheinlich überhaupt kein Konventmitglied mehr gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann gab es nur ein, später zwei Mitglieder, und mit dem Erstarken der Gegenreformation kam wieder Leben in die Stiftsgemäuer: im 17. Jahrhundert betrug der Personalstand zwischen acht und zehn Mitglieder. In der Barockzeit erreichte er die Zahl 25. Um 1800 waren 27 Priester, ein Kleriker und drei Novizen dem Stift zugehörig. Im 19. Jahrhundert stammten 47 Priester aus Niederösterreich, 21 aus der Tschechoslowakei und acht aus Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Jänner 1900 hatte dann das Haus den Höchststand in seiner Geschichte: von den 40 Mitgliedern waren 35 Priester, vier Kleriker und ein Novize. Im 20. Jahrhundert nahm die Zahl stetig ab, und zur Zeit gehören 13 Priester und drei Kleriker zum Stift. Die Priester stammten im letzen, d. h. im 20. Jahrhundert, zu gleichen Teilen aus dem Arbeiter- und Angestelltenstand bzw. aus der Landwirtschaft und aus Familien selbständig Tätiger (die Väter waren Fleischhauer, Fabrikanten usw.). Der größte Anteil von ihnen waren Niederösterreicher (15), dann Wiener (neun), sechs Priester kamen aus dem heutigen Tschechien. Je zwei stammten bzw. stammen aus Tirol, Deutschland und den Niederlanden. Je ein Professe kommt aus dem Burgenland und aus Belgien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Vom Ursprungskloster in St. Georgen haben sich keine Reste erhalten. Die frühesten Ansichten von diesem Bau stammen aus der Barockzeit. Es ist deshalb schwer zu beweisen, wie weit sie der Wirklichkeit entsprechen. Auf diesen Bildern ist eine Kirche als zentraler Rundbau zu sehen, wie es manchmal in der Romanik üblich war, davor zwei niedrigere Rundtürme mit der Prälatur, links davon der Küchenturm, der einem Rauchabzug ähnlich ist. Rechts von der Kirche befindet sich ein Fluchtturm mit den Glocken. Anschließend sind die Klostergebäude für die Chorherren und Gäste dargestellt. Der Klosterbau ist mit einer Mauer umgeben. Das Ganze ist wahrscheinlich ein liebevoller Versuch, das Ursprungskloster darzustellen. Diese Ansicht entspricht aber keiner romanischen Klosteranlage der damaligen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster in Herzogenburg sind wir besser informiert. Wahrscheinlich wurde 1244 zuerst mit dem Bau eines Konventtraktes begonnen, da der bestehende Pfarrhof für den 15 Mann starken Konvent zu klein gewesen ist. Von dieser Anlage hat sich noch der Südtrakt mit einem Kreuzgangabschnitt erhalten. Bei Renovierungsarbeiten zu Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Sandsteinsäulen mit herzförmigen Kapitellschilden und einfachen Rundsockeln freigelegt, die in die Mitte des 13. Jahrhunderts einzureihen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ehemalige Refektorium wurde zum Teil schon 1894 entdeckt, doch konnten die Fresken erst 1963 vollständig freigelegt werden. Diese Räume waren Teil des Gerichtsgebäudes: Wärterwohnung und Gefängniszellen. An der Südseite des gotischen Saales befinden sich drei Spitzbogenfenster. Den sechsjochigen Raum tragen zwei Steinpfeiler als Mittelstützen. An einem ist die Jahreszahl 1564 zu erkennen, die vielleicht auf eine spätere Renovierung zurückgeht. Ab einer Höhe von 1,70 m befinden sich figurale Wandmalereien. Die einzelnen Darstellungen des Zyklus sind unterschiedlich gut erhalten, zum Teil ist nur noch die rote Vorzeichnung vorhanden. Neben christologischen Szenen sind eine Sterbeszene im Kloster (vielleicht der Tod des Ordensgründers Augustinus) und ein hl. Georg wiedergegeben. Vom zweiten Bild der Nordwand ist die Darstellung des Stifters dieser Bilder Propst Georg Eisner mit seinem Konvent erhalten. Da er ohne Mitra gezeigt wird, ist die Entstehungszeit dieser Fresken kurz vor 1498 anzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der östlich an das Refektorium anschließende frühbarocke Saal wird auf einem Plan mit &amp;quot;Capitl&amp;quot; bezeichnet. Die Jahreszahl 1628 am Ostfenster gibt vielleicht den Abschluss des Umbaus an. Heute wird dieser Saal für das Urgeschichtsmuseum des Stiftes verwendet. Wahrscheinlich besaß dieser Konventtrakt aufgrund der Größe der Stiftsgemeinschaft ursprünglich schon einen ersten Stock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei anderen Flügel des Konventbaues wurden wegen des Kirchen- bzw. Schulneubaus weggerissen. Über die Funktion der Räumlichkeiten sind wir zum Teil durch einen Plan von Johann Michael Hergöth unterrichtet, den er um 1700 gezeichnet hat: ebenerdig gab es drei Sakristeiräume, eine Schneiderei, den Mesnerkeller und das erwähnte Refektorium. Im ersten Stock waren die Zimmer der Chorherren, die Wohnung des Dechants und die Bibliothek untergebracht. Im Kreuzgangbereich lag noch die alte Totenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite des Konventbereiches steht auch heute noch der Kirchenbau. Von der mittelalterlichen Kirche ist nur das gotische Kirchenportal aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten. Aus den Umbauplänen können wir schließen, dass dieser Bau als Pfeilerbasilika auf kreuzförmigem Grundriss errichtet war, ähnlich der Michaelerkirche in Wien. Nördlich der Kirche waren die Kanzleiräume und die Prälatur. Entlang des Baches lagen die Wirtschaftsräume mit einem weithin sichtbaren Fluchtturm (Kuchlturm). Von diesen Gebäuden steht nur noch die Mühle, die heute als Elektrizitätswerk die Wasserkraft nutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm von Schmerling (1709–1721) entschloss sich für den Neubau des Stiftes. Am 25. Mai 1714 wurde dazu der Grundstein gelegt und Jakob Prandtauer wurde mit der Planung und Ausführung betraut. Propst Hieronymus Übelbacher von Dürnstein bezeichnet Prandtauer als &amp;quot;fürnehmen baumeister zu St. Pölten und vielleicht fürnehmsten in ganz Österreich&amp;quot;. Prandtauer begann mit dem Bau des Südtraktes. Der Osttrakt mit dem großen Festsaal wurde nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet. 1720 wurde die Einfahrtshalle aufgeführt. Auch hier dürften Vorschläge von Fischer mitverarbeitet worden sein. Im Quertrakt, zwischen den beiden Höfen, wurden im Erdgeschoß die beiden Sakristeien eingerichtet: Herren- und Prälatensakristei. Die qualitätvollen Stukkaturen gehen auf Michael Bolla, 1717, zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1721 starb Propst Wilhelm Schmerling. Sein Nachfolger Leopold von Planta (1721–1740) ließ weiterbauen, und zur Zeit des Todes von Jakob Prandtauer war das Stiftsgebäude zu einem provisorischen Abschluss gekommen, der aber zum dauernden wurde, denn der Westtrakt des &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; blieb unausgeführt. Propst Leopold ließ vom Nachfolger Prandtauers, dem Stiftsbaumeister Joseph Munggenast, den Meierhof aufführen und in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts den Stiftsbau durch die Errichtung des nördlichen Vorbaues und des Georgitores äußerlich abschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Westtrakt aus Sparmaßnahmen nicht ausgeführt wurde, errichtete der Propst die dort geplante Bibliothek im Mitteltrakt, und die in diesem Teil schon begonnene Prälatur wurde in den Nordostteil des Gebäudes verlegt. Die Gärten ließ er in barocker Manier anlegen und die Brücke über den Mühlbach sowie den &amp;quot;Springbrunn unter dem Großen Saal&amp;quot; mit einigen &amp;quot;Kindln&amp;quot; (Sandsteinfiguren) versehen. Diese Gartenplastiken und auch die Zwergenfiguren aus dem Zwerglgarten sind heute verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leopold kaufte auch vom Wiener Goldschmied Johann Kaspar Holbein einige Brustkreuze, Kelche und vor allem eine wertvolle Monstranz, deren Entwurf auf Matthias Steinl zurückgehen könnte und die im Raritätenkabinett erhalten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung der fertiggestellten Stiftsgebäude erlebte Propst Leopold nicht mehr. Ein Jahr nach seinem Tod wurde die Weihe am Georgstag, den 24. April 1741, von seinem Nachfolger Frigdian Knecht (1740–1775) vorgenommen, der dann auch die &amp;quot;Kapitularen in die neue, freundliche Klausur&amp;quot; führen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich Propst Frigdian zum Neubau der Kirche. Am 26. Juni wurde unter Beisein des Malers Daniel Gran der Grundstein an der Epistelseite der Apsis (rechte Seite der Kirche) gelegt. Die Inschriftplatte aus vergoldetem Kupfer führt Franz Munggenast als Baumeister an. Im selben Jahr, in dem der Rohbau fertig wurde, 1748, starb der junge Baumeister mit 24 Jahren. Seine Genialität wird an dieser Kirche, die zu den großen Leistungen des österreichischen Barock gezählt werden darf, sichtbar. Sein Bruder Matthias folgte als Stiftsbaumeister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kircheninneren malte Daniel Gran 1746 das Hochaltarbild und im Presbyterium die beiden Fresken. Wegen finanzieller Unstimmigkeiten und anderer Meinungsverschiedenheiten kam es zum Bruch mit dem Künstler. Der Propst vergab daher die weiteren Arbeiten in der Kirche, die Freskenmalerei und sämtliche Altarbilder mit den Ovalbildern, an Bartolomeo Altomonte, der sie von 1753 bis 1771 ausführte. Die dekorative Malerei in den Kirchenkuppeln (oberhalb des Hauptgesimses) stammt von Domenico Francia aus Bologna. Die Aufbauten für den Hochaltar (1770) und die Seitenaltäre, die Ballustraden (Kommuniongitter) und die Kanzel (1773) der Kirche stammen von Jakob Mösl, die Altarplastiken von Johann Josef Rößler, das Chorgestühl (1772) und die Volksstühle (1775) vom Klostertischler Lorenz Horeß.&lt;br /&gt;
Die herrliche Ampel wurde 1770 von Johann Christoph Beuermann aus Wien geliefert. Das Glanzstück der Kirche ist die 1752 fertiggestellte Orgel von Johann Henke, dem bedeutendsten Wiener Orgelbauer dieser Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1680 befand sich in der alten Kirche ein aus Ungarn stammendes Marienbild, das &amp;quot;orientalische Frauenbild&amp;quot;, zu dem viele Wallfahrer kamen. Nach der Fertigstellung des barocken Seitenaltares im Neubau der Kirche wurde es 1771 von Propst Frigdian Knecht eigenhändig in einer Prozession, die ihn durch beide Märkte führte, auf den heutigen Platz übertragen. Gegenüber dem Marienaltar liegen in einem Schrein die Gebeine des hl. Urban. Sie stammen aus den Kalixtuskatakomben in Rom und wurden 1740 dem Stiftsdechant Michael Koch geschenkt.&lt;br /&gt;
Als 1771 der barocke Augustinusaltar fertiggestellt war, fand dort der urchristliche Märtyrer seine endgültige Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das jüngste Kunstwerk der Kirche ist der Volksaltar, der 1994 vom Wiener Künstler Wander Bertoni angefertigt wurde und die Schöpfung zum Thema hat. Die Krönung der Bautätigkeit des Propstes Frigdian Knecht war die Neugestaltung des Kirchturmes nach einem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach, unter Mithilfe des Baumeisters Matthias Munggenast. Mit Recht sieht der Stiftschronist Frigdian Mies im Turm den ins Große strebenden Geist des Propstes. Die originelle Turmspitze mit Herzogshut und Stiftskreuz wurde am 6. Juli 1767 &amp;quot;um die Mittagszeit unter Pauken- und Trompetenschall aufgesetzt&amp;quot;. 1756 hatte der Propst die Chorkapelle mit Fresken von Martin Johann Schmidt (&amp;quot;Kremser Schmidt&amp;quot;) und einem Verkündigungsbild von Martin Altomonte ausschmücken lassen. Im Festsaal malte Bartolomeo Altomonte 1772 das Fresko &amp;quot;Das seelsorgliche Wirken der Augustiner-Chorherren im Bistum Passau&amp;quot;. Das Fresko an der Decke der Prälatenstiege &amp;quot;Die Übertragung der Kanonie von St. Georgen nach Herzogenburg&amp;quot; ist signiert mit &amp;quot;Barto Altomonte fec. 1779 aetatis suae 79&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Augustin Beyer (1779–1780) wurde auch die Bildergalerie fertiggestellt. Die Gemälde sind nach einem dekorativen Schema angeordnet: ein zentrales Mittelstück, von kleineren Gemälden umrahmt. Die Bilder wurden zu diesem Zweck auch vergrößert, verkleinert oder sogar geteilt, um der Symmetrie zu entsprechen. Dieser &amp;quot;geistlichen Galerie&amp;quot; kommt nicht nur wegen ihres kulturgeschichtlichen Wertes große Bedeutung zu, es befinden sich unter den 144 Bildern auch hervorragende Kunstwerke, u. a. eine Vincenzo di Biagio Catena zugeschriebene &amp;quot;Heilige Familie&amp;quot; oder ein auf Holz gemaltes deutsches Männerporträt mit der Signatur &amp;quot;H. H. 1521&amp;quot;, das als Werk Holbein d. J. bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man in Österreich die Kunstschätze vergangener Jahrhunderte noch als entbehrlichen &amp;quot;Raritätenkram&amp;quot; verstand, förderte Propst Aguilin Leuthner (1811–1832) die seltsame Sammelleidenschaft seines Mitbruders Ludwig Mangold. Nach dem Vorbild der alten &amp;quot;Kunst- und Wunderkammern&amp;quot; aus der Renaissancezeit hatte der junge Ungar im Stift ein &amp;quot;Antiken- und Raritätenkabinett&amp;quot; im zweiten Stock über der Prälatur angelegt, das zum Grundstein der heutigen Stiftssammlung wurde. Ein Verzeichnis dieser Raritäten wurde im Juni 1815 von ihm angefangen und hat folgende Hauptabteilungen: &amp;quot;A Mahlerey und Mosaique, B Bildhauerey, Schnitz- und Gußwerk, C Kupferstiche und Handzeichnungen, D Glasarbeiten, E Uhren, F Becher und andere Gefaße, G Kleidungsstücke, H Musicalische Instrumente, I Waffen, K Römische Alterthümer, L Verschiedene Seltenheiten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die meisten der hier verzeichneten Gegenstände sind noch im Besitz des Stiftes und waren im Rahmen der Ausstellung &amp;quot;Kunstschätze im Stift Herzogenburg&amp;quot; zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunstwerke wurden 1964 in den ehemaligen Gästezimmern topographisch aufgestellt, d. h. nach Möglichkeit nach ihrem Herkunftsort gruppiert. Das Hauptstück der Sammlung ist der &amp;quot;Jüngere Aggsbacher Hochaltar&amp;quot;, ein 1501 in Krems gemaltes Werk von Jörg Breu von Augsburg. Eine vorzügliche Schnitzarbeit ist die realistisch gehaltene Skulpturengruppe des &amp;quot;Marientodes&amp;quot; um 1500, möglicherweise der Mittelteil der Predella des Jörg-Breu-Altares. Weiters soll hier die „Stiftertafel&amp;quot; aus der Zeit um 1500 erwähnt werden, eine Votivtafel mit dem Bildnis des Bischofs Ulrich I. von Passau und der &amp;quot;porträthaften&amp;quot; Darstellung des mittelalterlichen Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Höhepunkt der spätbarocken Abteilung bilden Werke von Daniel Gran, vor allem das vergoldete Modell für den Hochaltar um 1746 mit dem unmittelbaren Entwurf für das Hochaltarbild und ein äußerst lebendiges Selbstporträt. Einen besonderen Schatz stellt der Bestand von zehn Ölskizzen und Bildern von Bartolomeo Altomonte dar, darunter Entwürfe für die Fresken in der Stiftskirche und ein höchst interessantes Selbstporträt aus dem Jahr 1774. In der Prälatur haben sich auch einige erwähnenswerte Kunstgegenstände erhalten, z. B. ein seltener Venezianer Spiegel vom Beginn des 18. Jahrhunderts, der neben reichem Ornament und alter Verglasung gravierte bérainsche Ornamentik in dem Rahmenspiegelchen trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Refektorium wurde bis in die sechziger Jahre als Speisesaal der Chorherren benützt. 1975 wurde es renoviert und als &amp;quot;Augustinussaal&amp;quot; ein Veranstaltungszentrum für Stift und Pfarre. Im Südosten des Stiftes befindet sich im zweiten Stock das &amp;quot;Mexikanische Zimmer&amp;quot;. In diesem Raum war die von Propst Norbert Zach (1857–1887) erworbene Sammlung von Geräten, Waffen und Schmuckgegenständen der Ottawa-Indianer aufgestellt. Sie musste in den zwanziger Jahren veräußert werden.&lt;br /&gt;
Interessant ist das Zimmer heute wegen der zwölf Wandgemälde, die in der romantischen Gesinnung des späten 19. Jahrhunderts Motive aus Österreich darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Exponate der urgeschichtlichen Sammlung des Stiftes Herzogenburg kamen aus der Ausgrabung eines eisenzeitlichen Friedhofes von Statzendorf. Der Göttweiger Abt Adalbert Dungl war maßgeblich daran beteiligt. Die Pröpste Georg III. Baumgartner (1913–1927) und Georg IV. Hahnl (1946–1963) haben durch eigene Grabungen wesentlich zur Vervollständigung dieser Sammlung beigetragen. Zusammen mit Dungl waren sie die Pioniere der prähistorischen Archäologie im unteren Traisental.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Heute enthält die urgeschichtliche Sammlung eine Reihe von Steingeräten aus der Altsteinzeit, eine große Zahl von Fundstücken der Jungsteinzeit und Keramiken aus der frühen Bronzezeit, wie etwa den Fund von 17 Töpfen aus St. Andrä an der Traisen, Objekte der Hügelgräber und Urnenfelderkultur und weitere bedeutende Funde aus der Eisenzeit, wie Beigaben der Hallstadtkulturen aus den Gräberfeldern von St. Andrä und Statzendorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Römische Funde waren bis auf einige Münzen im Raum von Herzogenburg eher spärlich, bis 1972 aus der Zeit der römischen Kaiser ein Zeremonienhelm mit Gesichtsmaske unweit des Stiftes gefunden wurde, der zu den bedeutendsten Denkmälern römischer Kunst auf österreichischem Boden gerechnet werden muss. Mit seinen &amp;quot;Alexanderlocken&amp;quot; gehört er zum orientalischen Typus. Damit ist er ein Beispiel dafür, wie weit vorderorientalische Mysterienkulte im 2. und 3. Jahrhundert verbreitet waren. Dieses Unikat ist im Raritätenkabinett im ersten Stock ausgestellt, während alle anderen Funde im frühbarocken Refektorium im Altstift zu sehen sind. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Eine fachkundige Neuaufstellung wird derzeit von Univ.-Doz. Dr. Johannes-Wolfgang Neugebauer vorgenommen.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Als 1512 in Herzogenburg ein Großbrand wütete, wurden einige Trakte des Stiftes in Schutt und Asche gelegt. Die Bibliothek wurde dabei auch ein Raub der Flammen. Wahrscheinlich besaß damals das Stift über 100 handgeschriebene Bücher und vielleicht ebensoviele Inkunabeln. Wieviele Bücher gerettet werden konnten ist leider nicht überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten großen Förderer der mittelalterlichen Bibliothek waren die beiden Pröpste Johannes III. von Parsenbrunn (1401–1433) und Johannes IV. von Linz (1433–1457). Aus der Zeit vor dem Brand haben sich einige Buchfragmente erhalten. Fragment 42 aus dem 9. Jahrhundert ist das älteste Stück der Bibliothek.&lt;br /&gt;
Von der Wende des 12. zum 13. Jahrhundert stammt das Fragment 32 mit Teilen eines Legendars. Das Fragment 43 ist Teil eines Nekrologiums vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Es ist ein sicheres Zeugnis für die Schreibkultur des Stiftes in St. Georgen. Ob das Stift dann in Herzogenburg eine eigene Schreibschule besessen hat, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Auf jeden Fall sind keine Handschriften auf Pergament mit wertvollen Initialen auf uns gekommen, sondern nur anspruchslose, auf Papier geschriebene Bücher. Sie haben alle einen praktisch-theologischen Inhalt und stehen im Zusammenhang mit den Seelsorgeaufgaben des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Schreiber waren mit Sicherheit Klosterangehörige, von weiteren sieben ist es unsicher. Die kunsthistorisch kostbarsten Handschriften wurden erst in späteren Jahrhunderten angekauft. Den ersten größeren Zuwachs nach dem Brand erfuhr die Bibliothek durch Propst Philipp von Maugis (1541–1550), der vor allem humanistische Werke bzw. lateinische und griechische Klassikerausgaben erwarb und die von seinem Bruder ererbte Bibliothek der Stiftsbibliothek einverleibte.&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Herb (1687–1709) erbte ebenfalls von seinem Bruder 173 Bücher meist theologischen Inhalts, die in zwei Fässern und einer großen Truhe verpackt auf der Donau von Deutschland nach Krems transportiert und von dort ins Stift gebracht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge des barocken Stiftsneubaus wurde die Bibliothek von 1751 bis 1754 von Propst Frigdian Knecht (1740–1775) erbaut. Die Ornamentmalerei fertigte Domenico Francia an, die figuralen Grisaillen wurden von Bartolomeo Altomonte gemalt. Die einfachen, doppelteiligen Bücherschränke wurden vom Orgelbauer Johann Henke entworfen. Propst Frigdian sammelte die Bücher &amp;quot;mit einem unersättlichen Hunger&amp;quot;, wie er selber scherzend zu sagen pflegte. Er erwarb u. a. die Bibel von 1205 (HS 100) und die kostbare Handschrift &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; (HS 95) aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Stephan Peschka (1775–1779) und Michael Teufel (1781–1809) erwarben durch den Exjesuiten Abbé Johann Christoph Regelsberger viele Bände bei Bücherauktionen aus den Beständen aufgehobener Klöster. Mit der Übernahme der aufgehobenen Stifte St. Andrä an der Traisen 1783 und Dürnstein 1788 kamen nur wenige Bücher, nachweislich nur einige Handschriften und Inkunabeln, nach Herzogenburg. Der Großteil des Bücherschatzes kam in die Wiener Hofbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Petrus Schreiber]], von 1781 bis 1788 auch Stiftsdechant, war mit Unterbrechung fast 25 Jahre Bibliothekar. Eine große Anzahl von Büchern mit einheitlichen barocken Einbänden kam durch ihn in die Bibliothek. Sie tragen auf dem Einbanddeckel die goldenen Buchstaben &amp;quot;P. S.&amp;quot;. Ebenso vermachte er dem Stift 15 Inkunabeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Inventar von 1832 beziffert den Buchbestand summarisch mit etwa 10.000 Bänden. 1887 war der Besitz bereits auf 50.000 Bände, 253 Inkunabeln und 223 Handschriften angewachsen. Dieser Zuwachs dürfte auch die Erweiterung der Bibliotheksräumlichkeiten veranlasst haben. Unter Propst Norbert Zach (1857–1887) wurden 1870 die Gänge im zweiten Stock des Stiftes mit Bibliothekskästen ausgestattet. Unter ihm waren als Bibliothekare die bedeutenden Stiftshistoriker [[Wilhelm Bielsky]], [[Michael Faigl]] und Frigdian Schmolk tätig. Sie veröffentlichten viele Beiträge zur Stiftsgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine großzügige Erweiterung erfuhr die Stiftsbibliothek zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gräfin Maria Falkenhayn übergab 1905 dem Stift die 30.000 Bände ihrer Schlossbibliothek in Walpersdorf. Neben diesen gräflichen Exlibris finden sich in der Sammlung auch Werke mit den Besitzvermerken der Jörger, Colloredos und der Herrschaften Droß und Ottenschlag.&lt;br /&gt;
Während der Weltwirtschaftskrise kam es 1927 zur Veräußerung von Inkunabeln, die vergleichsweise die Höhe des Schätzwertes der ehemaligen Stiftstaverne ausmachten. Ebenso wurde in den sechziger Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eine große Anzahl von Büchern veräußert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anläßlich der Ausstellung im Jahr 1964 &amp;quot;Das Stift und seine Kunstschätze&amp;quot; wurde eine Neuaufstellung der Bücherbestände begonnen, die aber &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bis heute nicht fertiggestellt werden konnte&amp;lt;/span&amp;gt;. Derzeit ist die Bibliothek auf mehrere Standorte verteilt und lediglich die Handschriften, die Inkunabeln und die Druckwerke bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden nach dem Erscheinungsdatum geordnet. Der Rest ist weitgehend unbearbeitet. Der Gesamtbestand wird auf 80.000 Bände geschätzt. Dazu kommen noch 150 Inkunabeln und 150 mittelalterliche Handschriften. Die älteste Handschrift ist ein österreichisches Psalterium des 12. Jahrhunderts (HS 106). Die gut geschriebene Handschrift enthält eine Reihe von großartigen Initialen. Die bedeutendste Handschrift der Bibliothek ist Cod. 95 &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; von Gregor d. Gr. Sie wurde um 1260 in Mainz oder Regensburg geschrieben und enthält 36 ausgezeichnete Initialminiaturen im Stil der deutschen Malerei der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Cod. 223 ist eine oberitalienische Bibel der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit großen figurierten Initialen; fast alle Spalten tragen Federranken. Am Beginn der Genesis findet sich eine Gegenüberstellung der sieben Schöpfungstage mit christologischen Szenen. Ein österreichisches Graduale (HS 97) vom Beginn des 14. Jahrhunderts trägt auf jeder Seite Notenzeilen und stammt aus einem Zisterzienserkloster. Sehr schön ist eine französische Bibel mit Miniaturinitialen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (HS 99).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Ausgabe von Gregors &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; ist der zweibändige Cod. 94 aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts mit 18 figurierten Initialen, die von fünf Meistern stammen, die den Wenzelsbibelmeistern nahestehen. Die Handschrift wurde laut Eintragung in der Kartause Mauerbach geschrieben und war 1397 im Besitz der Kartause Olmütz. Wann und wie sie nach Herzogenburg kam, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der bedeutenden Sammlung von Wiegendrucken seien folgende hervorgehoben: ein sehr schöner Venezianer Druck von 1478, Lactantius Firmianus &amp;quot;Gegen die Haiden&amp;quot;; drei ausgezeichnete Kobergerdrucke aus Nürnberg, 1481; die Briefe des Ennea Sylvius Piccolomini (Papst Pius II.); ebenso von 1481 ein Kommentar zum Neuen Testament von Nicolaus de Lyra mit gezeichneten Initialen; und von 1483 ein Fastenbuch von Johannes Guitsch, gedruckt im Charakter der spätgotischen Handschriften. Ein Zisterzienser-Missale aus Paris um 1487 ist mit kleinen kolorierten Holzschnitten illustriert. Zwei sehr gute Ausgaben der interessanten Weltgeschichte von Rolewinck seien noch angeführt. Die eine Wiener Ausgabe von 1490 ist reich mit Holzschnitten illustriert, die zweite aus Köln mit vielen Holzschnitten in der Art der &amp;quot;Schedelschen Weltchronik&amp;quot; aus dem Ende des 15. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abschluss ist noch eine Postilla von Cuilcrinus, Augsburg 1495, die ebenfalls mit Holzschnitten illustriert ist, zu erwähnen. Die oben beschriebenen Handschriften und Frühdrucke sind im Hauptraum der Bibliothek in Vitrinen ausgestellt und bei jeder Führung durch das Stift zu besichtigen. In diesem Bibliothekssaal befinden sich in den Bücherschränken nur Bücher aus dem 18. Jahrhundert, um den Eindruck einer barocken Schaubibliothek zu vermitteln.&lt;br /&gt;
Durch die bescheidene Einrichtung wirkt die Bibliothek wie eine heimelige Studierstube. Die letzte Handschrift wurde 1990 erworben. Sie ist ein türkisches Gebetbuch aus dem 19. Jahrhundert in arabischer Zierschrift. In der Mitte des Buches finden sich zwei romantisch gemalte Ansichten der Moscheen in Mekka und Medina.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Das Herzogenburger Stiftsarchiv besteht aus vier Abteilungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) dem Archiv des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen/Herzogenburg mit 1.745 registrierten Urkunden (1112–1852) und zahlreichen nicht bearbeiteten Urkunden (ab 1852), 264 Büchern und 647 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit 327 registrierten Urkunden (998–1776), sechs Büchern und 225 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein mit 718 registrierten Urkunden (1306–1768), 36 Büchern und 90 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) dem Archiv des aufgehobenen Clarissenklosters Dürnstein mit 357 registrierten Urkunden (1289–1658) und ca. 20 Büchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Dokument im Stift Herzogenburg ist die Gründungsurkunde (1112) von Bischof Ulrich von Passau (Sta. Hn. 1a). Sie ist eine der formvollendetsten Urkunden aus der Schreibstube des Bistums Passau. Äußerst interessant ist die Traditionsnotiz (Sta. Hn. 1b), die ein Konzept zur Gründungsurkunde darstellt und sechs weitere protokollarische Notizen enthält, die an verschiedenen Orten abgefasst wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historisch bedeutsam für das Stift ist auch die Übertragungsurkunde von 1244 (Sta. Hn. 38). Die schweren Zeiten des 15. Jahrhunderts sowie der Brand des Klosters im Jahr 1512 dürften dem Archiv nicht allzusehr zugesetzt haben. Alle wichtigen Urkunden sind im Original vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes VII. Glaz (1569–1572) veranlasste eine Aufzeichnung und Registrierung der &amp;quot;Pergament-Brieff&amp;quot;. In dem 1570 angelegten Verzeichnis wird das Archiv als „Registratur&amp;quot; bezeichnet. Entsprechend dem damaligen Kanzleigebrauch, dessen Vorbild die Kanzlei des Regiments der niederösterreichischen Lande war, wurden auch in Herzogenburg die Urkunden, damals insgesamt 46 Stück, in einem mit Laden versehenen Kasten und die weniger wichtigen Akten in einem Sack aufbewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1683 wurden das Archiv und die Schatzkammer vor den heranrückenden Türken in das Chorherrenstift Dürnstein verlagert und 1684 wieder zurückgebracht. Die zeitlich nächstfolgende Bestandsaufnahme des Stiftsarchivs erfolgte zwischen 1730 und 1740. &amp;quot;Ain großer mit Eyßen schön beschlagener Casten, hat 36 unterschidliche litterirte gemahlene Laden&amp;quot;. Er diente als Aufbewahrungsort für das als &amp;quot;gehaimbtes Gwölb&amp;quot; bezeichnete Hauptarchiv. Diesem wurden 1745 Schriften und Akten des Hofrichters und des Stiftskämmerers einverleibt. Genaue, nach Grundherrschaften bzw. Sachgebieten angelegte und geordnete Inventarien zeugen von der Sorgfalt, mit der das Stiftsarchiv unter Propst Frigdian I. Knecht (1740–1775) betreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte im Streben nach dem Wissen über die eigene Vergangenheit die ersten wissenschaftlichen Bearbeitungen des Urkundenbestandes durch die Herzogenburger Chorherren [[Wilhelm Bielsky]] (Die ältesten Urkunden des Kanonikatsstiftes St. Georgen in Unterösterreich von 1112–1244, Wien 1852) und [[Michael Faigl]] (Die Urkunden des regulierten Chorherrenstiftes Herzogenburg vom Jahre seiner Übertragung von St. Georgen 1244–1450, Wien 1886).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich wurde in den Jahren 1930 bis 1935 der unübersehbare Bestand an Akten und Büchern durch Dr. Göhler geordnet und durch eine Zettelkartei der Forschung zugänglich gemacht. In der insgesamt 1.745 Urkunden umfassenden Urkundenreihe vom Stiftsarchiv Herzogenburg gibt es neben einer Vielzahl von Stiftungs- und Schenkungsurkunden auch Urkunden von Päpsten und Landesfürsten. Die älteste Papsturkunde wurde 1177 von Papst Alexander III. ausgestellt, die erste in deutscher Sprache abgefasste Urkunde stammt aus dem Jahr 1292.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als einzigartiges Dokument soll eine Urkunde Erwähnung finden, die von Mönchen des Katharinenklosters am Sinai und Chorherren des Stiftes Herzogenburg im Jahr 1491 gezeichnet wurde. Damals haben zwei griechische Sinaimönche Herzogenburg besucht und mit den hiesigen Chorherren eine Gebetsverbrüderung geschlossen und besiegelt – ein merkwürdiges und einmaliges Zeugnis für die Verbindung der Ost- und Westkirche im ausgehenden Mittelalter nach dem Fall von Konstantinopel (Sta. Hn. 538).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Grundbücher, wertvolle Unterlagen zur Erforschung der Besitz- und Bevölkerungsgeschichte im Raum Herzogenburg, wurden im 12. Jahrhundert angelegt. Hinzu tritt jene Masse des Archivmaterials, die als Akten des adeligen Richteramtes über die Untertanen aus der Amtstätigkeit des Stiftes erwachsen sind: Grundbuchsakten ab 1340, Testamente ab 1500, Verwaltungsakten über den Oberen Markt Herzogenburg, Korrespondenzen mit den umliegenden Grundherrschaften. Diese Schriftstücke zeigen den Kampf des Stiftes um seine Rechte und Besitzungen, unter welchen besonders Fischerei- und Wasserrechte auf der Traisen und Jagdrechte in den Auen im Vordergrund stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Rechnungsbüchern und Rechnungsakten finden sich genauere Aufzeichnungen über den Bau der barocken Stiftsgebäude und der inkorporierten Pfarrkirchen mit ihren Pfarrgebäuden. Eigenhändige Unterschriften auf den Quittungen sind zu finden von Jakob Prandtauer, der Familie Munggenast, Bartolomeo Altomonte, Daniel Gran, vom Salzburger Steinmetzmeister Jakob Mösl, vom Wiener Goldschmied Johann Caspar Holbein und vielen anderen. Bei der Durchsicht von unbearbeiteten Archivmaterialien konnte ein eigenhändig geschriebener Brief von Martin Luther von 1541 aufgefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Auflösung der Chorherrenstifte St. Andrä und Dürnstein kamen deren Archive nach Herzogenburg. Propst Michael Teufel (1781–1809) hat sich sehr um ihre Erhaltung und sichere Aufbewahrung bemüht. Die älteste Urkunde von St. Andrä ist eine Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. aus dem Jahr 998 (Sta. An. 1). Die Stiftungsurkunde von St. Andrä stammt aus dem Jahr 1160 und ist mit 44 Zeugen belegt (Sta. An. 4). Zu erwähnen ist noch eine prunkvolle Ernennungsurkunde des Chorherren Johannes Zwickl zum Kommissär für den Türkenablass des Papstes Innozenz VIII. von 1490 in teilvergoldeter Schrift mit reichen Initialen (Sta. An. 208). Alle drei Dokumente zählen zu den Zimelien dieser Urkundenreihe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Archiv der Chorherren von Dürnstein ist der Stiftungsbrief vom 18. Februar 1410 (Sta. CDn 147) der absolute Höhepunkt. Der linke Rand dieser Urkunde ist mit einer Reihe von höchst bedeutenden Miniaturen versehen, die sowohl der böhmischen wie der Wiener Buchmalerei des frühen 15. Jahrhunderts nahestehen. Die angehängten sechs Siegel sind noch vorhanden. Zwei im selben Jahr ausgestellte Urkunden tragen schöne Initialmalereien (Sta. CDn 149 und 150).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Im Gegensatz zum &amp;quot;Archiv Herzogenburg&amp;quot; sind die Urkunden, Bücher und Akten der drei anderen Archive noch nicht publiziert und daher wissenschaftlich noch wenig ausgewertet. &lt;br /&gt;
Derzeit (1995) wird die Einrichtung des Archives erneuert und auf den letzten technischen Stand gebracht. Damit ist auch der Wunsch verbunden, dass die letzten 150 Jahre archivmäßig aufgearbeitet werden.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Historische Namensformen===&lt;br /&gt;
* WEIGL, Heinrich, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, 8 Bde., Wien 1964–1981.&lt;br /&gt;
* SCHUSTER, Elisabeth, Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, 1. Teil (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B), Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
* HAUSNER, Isolde / SCHUSTER, Elisabeth, Altdeutsches Namenbuch, Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politische und kirchliche Topographie===&lt;br /&gt;
* WOLF, Hans, Niederösterreich (Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 6. Teil), Wien 1955.&lt;br /&gt;
* RUPP / SCHMIDTBAUER, Herzogenburg, 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Franz Reininger: Die Wiegendrucke der Stiftsbibliothek Herzogenburg. In: Mitteilungen des Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 12 (1908), S. 109–127.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Katalog der Handschriften der Stiftsbibliothek Herzogenburg. St. Pölten 1978. [https://manuscripta.at/diglit/winner_1978_1/0001 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Mayo Hope: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed for the Hill Monastic Manuscript Library, Austrian Libraries. Volume III: Herzogenburg. Collegeville, Minnesota, 1985. [https://archive.org/details/HMMLAustriaInventory3 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Franz Lackner: Datierte Handschriften in niederösterreichischen Archiven und Bibliotheken bis zum Jahre 1600. Wien 1988 (Katalog der datierten Schriften in lateinischer Sprache in Österreich, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kunst- und Baugeschichte===&lt;br /&gt;
* HEIDER, Gerhard / HÄUFLER, J. V., Archäologische Notizen (Archiv für österreichische Geschichte II/1), Wien 1850, 139–178.&lt;br /&gt;
* RIESENHUBER, Martin, Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Bistums St. Pölten, St. Pölten 1923.&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer. Der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* PETERMAIR, Hans, Die bauliche Anlage der Stifte in Altenburg, Herzogenburg und Seitenstetten und ihre baukünstlerischen Beziehungen im Mittelalter und in der Barocke, masch.geschr. techn. Diss., Wien 1934.&lt;br /&gt;
* STEINER, Ubald, Die Stiftskirche zu Herzogenburg. Beiträge zur Baugeschichte nach Aufzeichnungen des Propstes Georg Baumgartner, in: Pfarramtliche Nachrichten für den Kirchensprengel Herzogenburg 21 (1935), Nr. II/12.&lt;br /&gt;
* MUNGENAST, Emmerich, Joseph Munggenast. Der Stiftsbaumeister 1680–1741, Wien 1963.&lt;br /&gt;
* FEUCHTMÜLLER / WEBER, Stift und Kunstschätze, 1964.&lt;br /&gt;
* HEINZL, Brigitte, Bartolomeo Altomonte, Wien/München 1964.&lt;br /&gt;
* BIBA, Otto, Die Orgelakten des Stiftes Herzogenburg, in: Unsere Heimat, Zeitschrift des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 41 (1970), Heft 1, 9–24.&lt;br /&gt;
* GÜTHLEIN, Klaus, Der österreichische Barockbaumeister Franz Munggenast, phil. Diss., Heidelberg 1973.&lt;br /&gt;
* KNAB, Eckhart, Daniel Gran, Wien/München 1977.&lt;br /&gt;
* CÄSAR, Menz, Das Frühwerk Jörg Breus des Älteren, Augsburg 1982.&lt;br /&gt;
* EGGER / HESSLER / PAYRICH / PÜHRINGER / FASCHING, Stift Herzogenburg, 1982.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Hermann-Fichtenau: Der Bildersaal im Stift Herzogenburg, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 38 (1984).&lt;br /&gt;
* SERVUS, Die Entstehung der barocken Klosteranlage, 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Moseneder: Passau im Gedächtnis Herzogenburgs. Zur Ikonologie des Augustiner-Chorherrenstift. In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch 31 (1989), S. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;##&amp;lt;/span&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* Karl Thomas (Bearb.): Die Baumeisterfamilie Munggenast. Sonderausstellung des Stadtmuseums St. Pölten anläßlich des 250. Todestages von Joseph Munggenast. St. Pölten 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Oskar Freiherr von Mitis: Studien zum älteren österreichischen Urkundenwesen. 5 Bände. Wien 1906–1912.&lt;br /&gt;
* Franz Stundner: Das Archiv des Stiftes. In: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Hg. von Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber. Herzogenburg 1964, S. 83–86.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sonstige Literatur===&lt;br /&gt;
* Georg Baumgartner: Herzogenburg. In: Topographie von Niederösterreich. Band IV. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Wien 1896, S. 209–238.&lt;br /&gt;
* Gerhart Egger / Walter Hessler / Wolfgang Payrich / Leonore Pühringer / Herbert Fasching: Stift Herzogenburg und seine Kunstschätze. St. Pölten 1982.&lt;br /&gt;
* Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Herzogenburg 1964.&lt;br /&gt;
* Maximilian Fürnsinn: Stift Herzogenburg 1938–1945. In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 22/4 (1975), S. 132–140.&lt;br /&gt;
* Maria Hasitscha-Köck: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg während der Zeit des Propstes Michael Teufel von 1781 bis 1809. Diss. Univ. Wien. Wien 1973.&lt;br /&gt;
* Andreas Karl Kaiser: 975 Jahre Pfarre Herzogenburg (1014–1989). Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1989.&lt;br /&gt;
* Gerhard Nikodim: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg von 1513 bis 1602. Diss. Univ. Wien. Wien 1968.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich: Das Stift Herzogenburg. Die 875-jährige Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen-Herzogenburg von 1112–1987. Dipl.-Arb. Univ. Linz. Linz 1987.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich / Hans Peter Schmidtbauer: Unsere Kirche lebt. 200 Jahre Stiftskirche Herzogenburg. St. Pölten 1985.&lt;br /&gt;
* Anton Rupp / Hans Peter Schmidtbauer: Herzogenburg. St. Pölten / Wien 1991.&lt;br /&gt;
* Werner Sandner: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg von 1244 bis 1513. Diss. Univ. Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Frigdian Schmolk: Stift der regulirten lateranensischen Chorherren zu Herzogenburg in Nieder-Oesterreich. In: Ein Chorherrenbuch. Geschichte und Beschreibung der Bestehenden und Anführung der aufgehobenen Chorherrenstifte. Augustiner und Prämonstratenser in Österreich-Ungarn, Deutschland und der Schweiz. Hg. von Sebastian Brunner. Würzburg 1883, S. 200–263. [https://books.google.at/books?id=GoJJAAAAIAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA199-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Harald Servus: Die Entstehung der barocken Klosteranlage in Herzogenburg und ihre geschichtlichen Voraussetzungen. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1987.&lt;br /&gt;
* Egon Wahl: Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit besonderer Berücksichtigung der rechtlichen, besitz- und personalgeschichtlichen Verhältnisse. Diss. Univ. Wien. Wien 1945.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10762</id>
		<title>Stift Herzogenburg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10762"/>
		<updated>2023-06-25T12:27:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1112&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (seit 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen= Stift St. Georgen&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}, Niederösterreich&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.28677, 15.69721&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Georg&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Herzogenburg gehört zum Bezirk St. Pölten.&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift_Herzogenburg.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Herzogenburg, kolorierte Radierung von Lorenz Janesch (um 1810), Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), Kartensammlung, Fideikommissbibliothek-Vues, Österreich-Ungarn, Niederösterreich H-La, Herzogenburg KAR MAG, online unter: http://data.onb.ac.at/rec/baa12918499&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Bischof [[Ulrich I. von Passau]] (1092–1121) stiftete mit der Gründungsurkunde vom 18. August 1112 ein Eigenkloster für Augustiner-Chorherren, auf einem Grundstück an der Mündung der Traisen in die Donau gelegen, das er geerbt hatte und worauf sich bereits eine Georgskirche befand. Wahrscheinlich sandte er aus dem reformierten [[Stift St. Nikola]] bei Passau Chorherren nach St. Georgen an der Traisen. Als seelsorgliches Aufgabengebiet und als Existenzgrundlage übergab der Bischof seinem Kloster St. Georgen die beiden Pfarren Traisenburg (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Stollhofen|Stollhofen]]) und [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Herzogenburg|Herzogenburg]]. Außerdem erhielt das Stift die bischöflichen Zehentrechte im oberen Waldviertel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten war die Existenz des Klosters einerseits von den Hochwassern der Donau und andererseits von der wirtschaftlichen Schwäche infolge zu geringer Dotierung bedroht. Eine Gelegenheit zur Besserung der Lage des Klosters ergab sich dreißig Jahre nach der Gründung, als ein lokaler Adeliger namens Walter von Traisen testamentarisch die Gründung eines Chorherrenklosters verfügte. Der Passauer Bischof [[Konrad]] (1148/49–1164), ein Sohn des hl. Leopold, wollte das Kloster St. Georgen mit dieser Stiftung in St. Andrä an der Traisen vereinigen und den Konvent dorthin verlegen. Nach dem Widerstand des Testamentvollstreckers Otto III. von Rehberg erfolgte jedoch noch im 12. Jahrhundert eine eigenständige Gründung des [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stiftes St. Andrä an der Traisen]]. Bischof Konrad verbesserte in den Jahren 1158 und 1160 die Situation des Stiftes St. Georgen, indem er dem Kloster, das in den sumpfigen Donauauen lag, eine Frischwasserzuleitung ermöglichte und außerdem den Chorherren die Pfarre Marquardsurvar (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Haitzendorf|Haitzendorf]]) und den Schwaighof bei Zeiselmauer schenkte. Unter den späteren Schenkungen an das Kloster während der Regierungszeit von Propst [[Wisinto II.|Wisintos II.]] (1191–1204) ist ein Stiftungsbrief von 1201 bemerkenswert, der ein Nonnenkloster in St. Georgen voraussetzt. In einer Urkunde aus der Zeit um 1230 werden die Schwestern Kunigunde und Ehrentraud von Zebing als Kanonissen von St. Georgen genannt. Dieser Frauenkonvent ist anlässlich der Übersiedlung des Männerklosters nach Herzogenburg auch mitverlegt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Engelschalk]] (1242–1267), dem zwölften Propst des Stiftes St. Georgen, erfolgte schließlich die Verlegung des Klosters, der Konvent übersiedelte im Jahr 1244 an seinen Pfarrort Herzogenburg. In der Übertragungsurkunde vom 19. März 1244 übereignete Bischof [[Rudiger]] von Passau dem Konvent die Passauer Pfarre Herzogenburg mit allen Rechten. Das Stift memoriert den Bischof als seinen „zweiten Gründer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spätmittelalter=== &lt;br /&gt;
Nach der Übersiedlung des Konvents nach Herzogenburg erfolgte der Bau einer Klosteranlage sowohl für den Männer- wie für den Frauenkonvent. Im Pfarrbezirk „auf der Widem“ entstand ein eigener Gerichtsbezirk des Stiftes, der sogenannte „Obere Markt Herzogenburg“. Der „Untere Markt Herzogenburg“ unterstand dem bayerischen Stift Formbach am Inn.&lt;br /&gt;
Im 14. Jahrhundert war die wirtschaftliche Lage des Klosters zunächst stabil, Propst [[Siegfried]] erwarb ein Haus in Wien in der Singerstraße. Der folgende Propst [[Nikolaus I. Payger von Würmla]] (1361–1374) klagte in seinen Aufzeichnungen über Missernten, Kriegssteuern an Herzog Rudolf IV. und Verschuldung seines Klosters. Die Herzöge Albrecht III. und Leopold III. gewährten dem Stift Privilegien, weil „der probst und das gotzhaus ze Herzogenburg in grozzer geltschulde und kumber sind“. Propst [[Johannes III.]] (1401–1433) einer der längstregierenden Pröpste, erreichte von den Herzögen Wilhelm und Albrecht IV. die Begünstigung, im Schankhaus des Stiftes, dem &amp;quot;Mühlhofkeller&amp;quot;, zwölf Fass Wein ohne Ungeld (Steuer) ausschenken zu dürfen. Unter Propst Johannes III. fand eine Stiftsreform nach den Bestimmungen des Konstanzer Konzils statt. Bei der Visitation im Stift Herzogenburg 1419 war nachweislich auch der erste Propst des [[Stift Dürnstein|Chorherrenstiftes Dürnstein]], das 1410 im Geist der Raudnitzer Reform gegründet worden war, anwesend. Und so wurden die Raudnitzer Statuten auch in Herzogenburg Grundlage einer Erneuerung. Propst Johannes war auch ein Förderer der Lateinschule des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert waren Markt und Stift Herzogenburg wiederholt von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. In den Hussiteneinfällen verloren etliche Bürger und Chorherren ihr Leben. Die Regierungszeit des Propstes [[Ludwig Gössel]] (1457–1465) fiel in die Zeit der Nachfolgekämpfe unter Kaiser Friedrich III., in der böhmische, mährische, ungarische und auch einheimische Söldnerverbänden in Niederösterreich plünderten. Im Jahr 1463, am dritten Tag nach dem Osterfest, wurde Herzogenburg von böhmischen Söldnerscharen unter ihrem Anführer Georg von Vetau eingenommen und verwüstet. Wahrscheinlich erlosch damals auch der Konvent der Kanonissen, oder er fand durch Mangel an Klostereintritten schon früher ein Ende. Im Lauf des Jahres 1465 begannen die Chorherren mit dem Wiederaufbau des Stiftes. Dieser zweiten gotischen Bauphase des Stiftes sollte aber kein langer Bestand gegönnt sein, denn schon 1477 belagerten und eroberten die Soldaten des ungarischen Königs Matthias Corvinus nach ihrem Sieg über Kaiser Friedrich III. Herzogenburg. Wieder brannte das Kloster nieder. Der nach St. Pölten geflohene Propst konnte seine in Rudolfsberg bei Wagram gefangengehaltenen Mitbrüder erst nach Bezahlung eines hohen Lösegelds in die Ruinen seines Klosters zurückführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Georg I. Eisner]] (1484–1513) wurde mit dem Wiederaufbau des Klosters begonnen. Dieser Propst konnte durch sorgfältige Verwaltung und durch Schenkungen des Matthias Corvinus, der die Verwüstungen seiner Söldner wieder gutzumachen versuchte, die wirtschaftlichen Verhältnisse seines Hauses sanieren und das Stiftsgebäude repräsentativ auszustatten. 1499 gewährte Papst Alexander VI. ihm und allen seinen Nachfolgern den Gebrauch der Mitra, des Stabes und Ringes und der anderen Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7. Mai 1512 brach in einem Haus auf dem Unteren Marktplatz ein Brand aus, der auch auf die Widem und auf das Kloster übergriff, alle Zellen der Brüder und das Winterrefektorium brannten aus. Außerdem wurden das Infirmarium, die Dechantei, die Bibliothek und die Sakristei zerstört. Das Feuer sprang auch auf das Mariensacellum über und vernichtete dort die Orgel. Ebenso brannte die Schule nieder. Die Kirchenausstattung – die Tafelbilder und die Altäre – wurde verschont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation bis Barock=== &lt;br /&gt;
Im Jahr der Wahl des hochgelehrten Propstes  [[Johannes V. Bernhard von Nußdorf]] (1517–1533) veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen und löste eine Reformationsbewegung aus, in der Klosterleben zunehmend kritisch beurteilt wurde. Unter Propst [[Bernhard I. Schönberger]] (1533–1541) legte der Chorherr Johann Peurl die priesterliche Kleidung ab und verließ seinen Orden, Neueintritte blieben zunehmend aus. In wirtschaftlicher Hinsicht hatte Propst Bernhard mit den Belastungen der den Klöstern vorgeschriebenen Abgaben zur Finanzierung der Kriege gegen die Osmanen zu kämpfen und konnte die Steuerleistungen nur durch den Verkauf des Stiftshauses in Wien erbringen. Für viele Jahre war Bernhard der letzte frei gewählte Propst von Herzogenburg. Die nun folgenden Pröpste waren Weltpriester oder stammten aus anderen Ordenshäusern, wurden postuliert oder vom Kaiser ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Wunsch Kaiser Ferdinands I. wurde [[Philipp von Maugis]] (1541–1550) zum Propst bestimmt. Philipp entstammte einer adeligen belgischen Familie, war ab 1545 Regent der niederösterreichischen Landesregierung und Erzieher der Söhne Ferdinands I. Noch im Jahr seines Amtsantrittes trat in Herzogenburg, wie in vielen Orten Österreichs, die Pest auf, an der täglich bis zu 30 Personen starben. Alle Chorherren im Stift mit Ausnahme des Propstes und eines Konventualen fielen der Seuche zum Opfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philipps Nachfolger war [[Bartholomäus von Cataneis]] (1550–1563). Er entstammte einer vornehmen italienischen Familie aus Bergamo, war palatinischer Graf, apostolischer Protonotar und oberster Hofkaplan. Durch sein Administrationstalent gelang es ihm, das Stift über die finanziellen Hürden zu bringen. Wegen seiner Tüchtigkeit wurde er zum Administrator von Göttweig bestellt (1556–1563). Der Klosterrat bemängelte bei seiner Visitation allerdings die Konkubinate der Stiftsherren und deren protestantische Gesinnung. Die Kommissäre erteilten dem Propst einen strengen Verweis und befahlen ihm, den Dechant abzusetzen und einzusperren. Nach dem Visitationsbericht vom Jahr 1561 befanden sich im Stift Herzogenburg nur mehr vier Konventualen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krisenzeit des Stiftes wurde der Prälat von St. Andrä [[Johannes VI. Pülzer]] (1563–1569) zum Propst bestimmt. In seinem Wahlinstrument hieß es, er sollte baldmöglichst die Zahl der Chorherren ergänzen, da sich dieselben fast alle &amp;quot;verloffen&amp;quot; hätten. Wirtschaftskrisen, Hungersnot, Erhöhung der Steuern und die Tatsache, dass viele seiner Mitbrüder lutherisch wurden, trieben Propst [[Johannes VII. Glaz]] (1569–1572) zu einem Verzweiflungsakt: in der Nacht des 14. September 1572 floh er in Begleitung eines Dieners aus dem Stift.&lt;br /&gt;
Nun folgte ein Mann aus dem eigenen Haus, [[Jakob Reisser]] (1573–1577). Durch seine Sparsamkeit und energische Haltung ging es sowohl finanziell als auch disziplinär im Stift aufwärts. Im Visitationsbericht wurde vermerkt, dass er keine goldene Kette und auch keine kostbaren Kleider trug, keine Spiele gestattete und die Musik bei Tisch abgeschafft habe. Er bemühte sich, Mitarbeiter aus dem Ausland zu bekommen, um die Ausbreitung der lutherischen Lehre zu stoppen. Denn die Gemeinde Herzogenburg war zum Großteil schon protestantisch und die Pfarrkinder gingen bereits in die umliegenden Ortschaften, um bei den &amp;quot;sektischen Predigern&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod postulierte der Klosterrat den Propst des [[Stift St. Dorothea|Chorherrenstiftes St. Dorothea]] in Wien, [[Georg II. Brenner]] (1578–1590). Georg war Hofkaplan bei Kaiser Maximilian II. gewesen und der Klosterrat schlug ihn 1588 als Bischof von Wiener Neustadt vor. Er strebte den Erwerb des Unteren Formbacher Marktes Herzogenburg, der noch immer großteils protestantisch war, an, scheiterte jedoch. Die Trennung beider Märkte Herzogenburg blieb bis 1806 bestehen. Propst Georg Brenner setzte aber Maßnahmen gegen das Luthertum durch, Herzogenburger Bürger, die zu den „Predikanten ausliefen“, wurden mit schweren Strafen bedroht. Ebenso mussten die Herzogenburger ihre Kinder in die katholische Schule schicken und dem Gesinde wurde verboten, sich während des sonntäglichen Gottesdienstes in Wirtshäusern oder auf Spielplätzen aufzuhalten. Kirche, Kloster- und Wirtschaftsgebäude wurden unter Propst Georg Brenner renoviert und ausgebaut, Messgeräte, Bücher und Musikinstrumente angekauft. Der Lesehof in Königstetten wurde renoviert und der Hof von Klosterneuburg fast zur Gänze neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Krankheit stand dem Propst in den letzten Jahren [[Paul Zynkh]] als Koadjutor zur Seite. Da es nach dem Tod des Propstes bei der Neubesetzung zwischen Klosterrat und dem Passauer Bischof zu Unstimmigkeiten gekommen war, verwaltete Paul Zynkh über ein Jahr als Administrator das Stift, bis er zum Propst gewählt wurde (1591–1602).Er setzte die gegen den Protestantismus gerichteten Maßnahmen seines Vorgängers fort und bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg, dessen Predigttätigkeit zu einer Rekatholisierung führte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der ständigen Gefahr von osmanischen Einfällen wurden die Verteidigungsanlagen des Klosters gemäß dem kaiserlichen Mandat ausgebaut und die Rüstkammer des Stiftes mit modernen Waffen versehen. Während eines halbjährigen Kuraufenthaltes des Propstes in St. Pölten entbrannte eine heftige Auseinandersetzung zwischen dem Stiftsdechant und dem Konvent. Der kranke Propst kehrte zurück und hielt ein Kapitel. Der Dechant wurde abgesetzt und im Lauf von drei Wochen bei Wasser und Brot „dasig“ gemacht. Die letzten drei Jahre seines Lebens war Propst Paul Zynkh Deputierter der niederösterreichischen Stände und hielt sich oft in Wien auf. Aus diesem Grund kaufte er dort 1601 ein Wohnhaus, den „Heidelberger Hof“ in der Annagasse. Das Gebäude ist heute noch im Besitz des Stiftes und trägt den Namen Herzogenburgerhof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als [[Melchior Kniepichler]], ehemaliger Propst des Stiftes Dürnstein, von König Matthias als Propst postuliert wurde (1609–1615), protestierte der Herzogenburger Konventuale [[Johannes Held]] in einem Schreiben an den Passauer Offizial, weil Propst Melchior in St. Andrä (1592–1599) &amp;quot;Schulden gehäuft und von dann gezogen sei&amp;quot;, er habe dann &amp;quot;Tirnstain ohne Schulden angetreten und gehe nun mit Schulden weg&amp;quot; (1599–1609); beide Male in Folge seiner verschwenderischen Freigiebigkeit gegen Verwandte und Freunde. Weiters klagt er, dass Melchior dem Trunke ergeben und &amp;quot;in diesem Zustand unausstehlich streitsüchtig sei.&amp;quot; Schließlich, dass Melchior das weibliche Geschlecht liebe und gerne Tanzunterhaltungen besuche. In den Klosterratsakten hieß es, &amp;quot;dieser Mann war mehr Schelm als Mönch&amp;quot;. Am 26. Juli 1615 kam eine Untersuchungs- und Strafkommission nach Herzogenburg. Aufgrund der strengen Linie von Bischof Melchior Klesl wurde der Propst gefangen nach Wien geführt, verhört und einige Monate eingesperrt. Erst nach drei Jahren wurde Melchior rehabilitiert und zum zweiten Mal zum Propst von Dürnstein bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Wahlturbulenzen in den folgenden Jahren bestimmte Kaiser Ferdinand II. den Dechant des Kathedralstiftes Seckau [[Martin III. Müller]] zum Vorsteher in Herzogenburg (1621–1640). Er war ein eifriger Förderer der Gegenreformation, reformierte das klösterliche Leben und führte neue Statuten ein. Er erreichte auch, dass ihm die [[Pfarre Hain]] wieder zurückgegeben wurde, wo bisher nur protestantische Prediger angestellt waren. Den Konflikt mit der dort tonangebenden protestantischen Familie der Jörger konnte erst sein Nachfolger [[Johannes Bauer]] (1640–1653) beilegen. Propst [[Joseph Kupferschein]] (1653–1669) versuchte ebenfalls auf friedliche Weise die Protestanten zum katholischen Glauben zurückzugewinnen. Er war sowohl ein gelehrter Mann (1641 war er Rektor der Universität in Wien) als auch ein tüchtiger Wirtschafter. Propst [[Anton Sardena]] (1669–1687) begann mit viel Schwung die weiteren Restaurierungsarbeiten bzw. die Barockisierung des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679/80 wütete die Pest in Herzogenburg und kostete viele Menschen das Leben. In der Stiftsgeschichte von Dechant Beyer wird auch das Erscheinen eines Kometen vermerkt, der im Jahr 1680 am Fest des hl. Stephan zum ersten Mal erschien und als Vorbote der Osmaneneinfälle interpretiert wurde. Am 14. Juli 1683 erschien eine osmanische Streifschar vor Herzogenburg. Sie ließ den gut befestigten Ort zunächst ungeschoren. Als die Gefahr immer größer wurde, flüchtete der Prälat auf Bitten seiner Geistlichen mit dem Archiv und der Schatzkammer nach Dürnstein. Unter den im Kloster verbliebenen Chorherren befand sich [[Gregor Nast]], der später einen ausführlichen Bericht über die Osmaneneinfälle verfasste. Eine größere Truppe versuchte die Erstürmung des Marktes und schichtete Stroh vor die Markttore, um sie durch Feuer zu zerstören. Die Bürger leisteten mit ihren Schusswaffen allerdings tatkräftigen Widerstand. Zahlreiche Bauernhöfe von Herzogenburger Grundholden wurden jedoch geplündert und niedergebrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) betrieb die wirtschaftliche Konsolidierung seines Hauses nach dem Krieg und den Wiederaufbau bei Pfarren und Wirtschaftshöfen. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prandtauer wurde 1714 von Propst [[Wilhelm von Schmerling]] (1709–1721) mit einem barocken Neubau des Stiftsgebäudes beauftragt. Nach Schleifung des alten Klosters – nur ein Teil des mittelalterlichen Kreuzgangs blieb erhalten – wurde eine zweihöfige neue Stiftsanlage errichtet, der zweite Hof jedoch baulich nie fertiggestellt. Die von Prandtauer gebauten Trakte sind vornehm und voll künstlerischen Lebens. Einzig an der Ostseite sprengt der Saalbau nach Plänen von Fischer von Erlach die Prandtauersche Fassade: er tritt um eine Achse hervor und überragt sie mit den Oberfenstern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Herzogenburg geborene Propst [[Leopold von Planta]] (1721–1740) schloss die Bauarbeiten ab und besorgte die wirtschaftliche Stabilisierung des Hauses. In seiner Regierungszeit wurde am 18. September 1724 das Stift in die [[Lateranensische Choherrenkongregation]] aufgenommen. Die Pröpste führen seitdem den Titel eines Lateranensischen Abtes. Propst Leopold führte nach dem Beispiel von Klosterneuburg den schwarzen Talar anstelle der weißen Kleidung für seine Mitbrüder ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Frigdian Knecht]] (1740–1775) wurde im Österreichischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen gefangengenommen, um eine Kriegssteuer in der Höhe von 14.000 Gulden zu erpressen. Er wurde nach den Worten des Stiftsdechanten „hin und hergeführt zu Schand und Spott“. Erst nach sechstägiger Gefangenschaft und Zahlung des hohen Lösegeldes konnte der Prälat wieder ins Stift zurückkehren. 1743 entschloss er sich, die Kirche durch den jungen Baumeister Franz Munggenast neu errichten zu lassen. Der Turm wurde 1767 nach Entwürfen von Johann Bernhard Fischer von Erlach durch Matthias Munggenast ausgeführt. Die Architektur dieser Kirche und die Ausstattung durch Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte können zu den großen Leistungen des österreichischen Barocks gezählt werden. In den Pfarren [[Stollhofen]], [[Hain]], [[Rottersdorf]] und [[Brunn]] ermöglichte Propst Frigdian ebenfalls die Barockisierung der Kirchen. Durch die Stiftung von 7.000 Gulden des Wiener Stadtrates Jakob Bodenreiter konnte in Theiß der Pfarrhof neu errichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seines wissenschaftlichen Interesses kaufte der Propst Jahr für Jahr viele wertvolle Bücher, ordnete das Archiv und unterstützte den Aufbau eines eigenen Münzkabinetts. Auf musikalischem Gebiet war sein Mitbruder [[Georg Johann Donberger|Georg Donberger]] tätig. Als Regens chori komponierte dieser unermüdlich und seine Werke sind in den Musikarchiven vieler österreichischer Stifte zu finden. Als Propst Frigdian Knecht nach 35-jähriger Amtszeit im Jahr 1775 starb, hinterließ er ein geordnetes Haus, das spirituell, künstlerisch und wirtschaftlich einen guten Ruf hatte. Er wird auch der dritte Gründer genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Josephinismus bis Gegenwart===&lt;br /&gt;
Propst [[Michael Teufel]] (1782–1809) war Parteigänger von Kaiser Joseph II. und administrierte für ihn die Aufhebungen der Chorherrenstifte St. Andrä an der Traisen und Dürnstein. Das Patent des Kaisers über die Klosteraufhebungen wurde für das [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stift St. Andrä an der Traisen]] wirksam, das nach dem Tod des letzten Propstes [[Gregor Grindler]] 1783 dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde. Das [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] wurde 1788 mit dem Stift Herzogenburg vereinigt. Gegen diesen Bescheid erhob zwar der Bischof von St. Pölten Einspruch, doch wurde mit Hofdekret vom 7. Juni 1788 die endgültige Aufhebung Dürnsteins angeordnet. Als durch die Aufhebung der Benediktinerabtei Formbach am Inn der Untere Markt Herzogenburg Staatseigentum wurde, konnte ihn Propst Michael im Jahr 1806 kaufen und mit dem Oberen Markt vereinigen. Ein Höhepunkt in der Regierungszeit des Propstes Michael Teufel war die Weihe der neuen Herzogenburger Stiftskirche am 2. Oktober 1785, sie erfolgte durch [[Heinrich Johannes von Kerens]] dem ersten Bischof, der in St. Pölten residierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Koalitionskriegen war Stift Herzogenburg nach der Schlacht im nahegelegenen Dürnstein-Loiben im November 1805 direkt betroffen. Französische Truppen fielen in die Stadt ein, brachen Keller auf und plünderten. Hohe Geldforderungen der französischen Offiziere und Einquartierungen von Soldaten belasteten das Stift schwer. Propst Michael floh während des Krieges mit der Münzsammlung und anderen Kostbarkeiten nach Ungarn in die Abtei Zirc. Kämmerer [[Josef Leuthner]] brachte sich mit den anderen Wertgegenständen auf das Gut Primmersdorf (Waldviertel) in Sicherheit. Im Rahmen des Österreichisch-Französischen Krieges im Jahr 1809 und der zweiten Eroberung Wiens durch Napoleon hatte Herzogenburg wieder unter französischen Truppen, ganz besonders unter den württembergischen Hilfstruppen zu leiden. Bei dieser zweiten Franzoseninvasion kam der Propst allerdings nicht mehr unbehelligt davon. Noch kurz vor seinem Tod wurde er in seinem Zimmer von einem französischen Husaren misshandelt und seines Kreuzes und Ringes beraubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Michael Teufel hat um das Stift beinahe so große Verdienste wie sein Gründer – der Volksmund unterstrich das Weiterbestehen des Stiftes mit dem Bonmot: „Der Teufel hat das Stift gerettet.“ Im Geist der neuen josephinischen Begräbnisordnung wurde er als erster Stiftsvorsteher außerhalb des Ortes auf dem allgemeinen Friedhof in einem bescheidenen Mausoleum bestattet. 1977 wurden die sterblichen Überreste des Propstes exhumiert und neben seinem Grabdenkmal in der Stiftskirche beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Amortisationsgesetze und Religionsfondsabgaben der spätjosephinischen Ära belasteten die Stiftswirtschaft und führten zu erheblicher Verschuldung. Der ehemalige Stiftsdechant Propst [[Aquilin Leuthner]] (1811–1832) konnte das Haus nur insofern aus der finanziellen Not retten, als er von Kaiser Franz I. einen Nachlass der Schulden erreichte. Dem josephinischen Nützlichkeitsgedanken entsprach das Kloster durch Errichtung eines Schulgebäudes auf dem Stiftsgelände im Jahr 1829, dem der Westtrakt des mittelalterlichen Kreuzwegs weichen musste. Die Visitationen des St. Pöltner Bischofs Jakob Frint führten in Herzogenburg zur allmählichen Umsetzung der Klosterreformen der Restaurationszeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Bernhard II. Kluwick]] (1832–1843) erreichte die Choleraepidemie auch Niederösterreich. Die Angst vor dieser Seuche veranlasste die Stiftsherren, zur Versorgung der Kranken an den Gangenden sogenannte Choleraöfen zu errichten: „... also die Küche zu weit entfernt ist, um schnell den notwendigen Tee und warmes Wasser herbeizuschaffen.“ Das Lebenswerk von Propst Bernhard war die Erbauung der Pfarrkirche in [[Theiß]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Karl Stix]] (1843–1847) konnte einen weiteren bedeutenden Schuldenerlass bei Kaiser Franz I. erreichen. Aus Dankbarkeit feierte das Stift jahrzehntelang den Todestag des Monarchen mit dem „Kaiserrequiem“. 1844 konnte er die Jubiläumsfeier der Übertragung des Stiftes von St. Georgen nach Herzogenburg (1244) festlich begehen. Aus Anlass des Jubiläums erbat sich der Herzogenburger Konvent beim Bischof das Recht, violette Mozetten anstelle der bisherigen Almutien aus Pelz tragen zu dürfen, was ihnen allerdings erst einige Jahre später gewährt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Revolutionsjahr hob am 7. September 1848 der Reichstag die bäuerliche Untertänigkeit auf und das Feudalrecht mit Robot und Zehent wurde abgeschafft. Propst [[Josef II. Neugebauer]] (1847–1856) verkaufte in der Folge 1851 das Gut Primmersdorf, das bis dahin der Einbringung der klösterlichen Zehentrechte im nördlichen Waldviertel gedient hatte. Am 8. Oktober 1848 – auf der Flucht von Wien in die Festung Olmütz – kam Kaiser Ferdinand I. mit seinem Gefolge nach Herzogenburg und wurde als Gast im Stift beherbergt. Am selben Abend unterzeichnete der Kaiser ein Manifest „An die Völker meiner deutsch-erbländischen Provinzen“. Am nächsten Morgen zog der Kaiser mit seinem Gefolge weiter. Der Name „Kaisergasse“ in Herzogenburg erinnert noch heute an diese Begebenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1853 gab es eine kanonische Visitation durch den St. Pöltener Bischof Feigerle, und zwei Jahre darauf visitierte auch der Linzer Bischof Rudiger in Vertretung des Kardinals Fürst Schwarzenberg das Stift Herzogenburg. Auch er war sehr zufrieden mit dem Stand des Hauses und „schied mit wahrer Herzensfreude vom Stift“. Auch unter dem nächsten Vorsteher des Stiftes Propst [[Norbert Zach]] (1857–1887) herrschte ein gutes Klima im Haus. Von den 34 Mitgliedern des Stiftes waren 25 Priester in der Seelsorge tätig, vier hatten häusliche Offizien, zwei Kleriker studierten an der theologischen Hauslehranstalt im [[Chorherrenstift Klosterneuburg]], zwei Novizen wurden im Haus in die Lebensordnung der Chorherren eingeführt.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1862 gründete der Stiftskurat und spätere Dechant [[Ferdinand Mann]] den katholischen Gesellenverein, der sich um die seelsorglichen und menschlichen Anliegen der arbeitenden Bevölkerung kümmerte. Die Stadt Herzogenburg begann den Schritt ins Industriezeitalter, als 1874 die Firma Vollrath (Nägel, Schrauben) von Wien nach Herzogenburg/Oberndorf übersiedelte. 1875 folgte ihm Carl Grundmann, ein pensionierter Danziger Lokomotivführer, der sich auf die Erzeugung von Türschlössern spezialisiert hatte. In diese Zeit fällt auch die Planung und der Bau der Eisenbahnlinien im Raum Herzogenburg: Am 3. August 1885 wurde die Strecke Tulln – St. Pölten, am 16. Juli 1889 die Strecke Herzogenburg – Krems eröffnet. Seit dieser Zeit „ist der Markt mit zwei Hauptverkehrsadern der Monarchie“, mit der West- und der Franz-Joseph-Bahn, verbunden. Um der rasch anwachsenden Bevölkerung eine bessere Ausbildung und damit größere Berufschancen geben zu können, wurde die Stiftsschule schon 1867 zu einer Pfarr-Hauptschule erweitert. Heute wird das neben der Stiftskirche gelegene Schulgebäude von der Herzogenburger Sonderschule und der Musikschule benützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das äußere Bild des Ortes änderte sich Mitte des 19. Jahrhunderts. Drei Tore der alten Marktbefestigung wurden abgetragen; ebenso Teile der Ringmauer. Ein Stückchen dieses mittelalterlichen Ensembles ist heute noch im nördlichen Stiftsbereich zu sehen, wo Mauer, Graben, Verteidigungsturm und das einzige noch bestehende Stadttor, das „Au-Tor“, auch „Nordtor“ genannt, erhalten blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Schlacht bei Königgrätz Mitte Juli 1866 drangen die preußischen Truppen bis ins Waldviertel vor und das österreichische Militär zog sich – größtenteils kampflos – auf das südliche Donauufer zurück. Das Stift richtete im Auftrag der k. k. Statthalterei ein Spital für die Soldaten ein. Für seine Verdienste wurde der Propst im Jahr 1879 vom Kaiser mit dem Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet. Während seiner zehnmonatigen Funktion als Administrator des Stiftes veranlasste Dechant [[Emmerich Wallner]] die Gestaltung des nach ihm benannten „Emmerichhofes“ im Westtrakt des Stiftsgebäudes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Person des folgenden Propstes [[Frigdian II. Schmolk]] (1888–1912) vereinigten sich Kirchenfürst und Staatsmann. 1902 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum Landmarschall (Vorsitzender des Landtages). Vier Jahre lang hatte er dieses Amt inne. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der Kaiser die Würde eines Wirklichen und Geheimen Rates und berief ihn auf Lebenszeit als Reichsrat in das Herrenhaus. Um 1900 erreichte das Stift seinen höchsten Personalstand: 40 Konventualen gehörten zum Kloster. Unter Propst Frigdian wurden in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das Stiftsgebäude, der Turm, die Orgel und das Innere der Kirche restauriert. Dechant [[Ferdinand Mann]] ließ auf seine Kosten 1903 den Maria-Lourdes-Altar errichten und die zwei Holzstatuen Herz-Jesu und Herz-Maria in der Kirche aufstellen. 1907 wurde der Zusammenschluss der österreichischen Chorherrenstifte zur [[Kongregation der Österreichischen Augustiner-Chorherren|&amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten Lateranensischen Chorherren“]] erreicht. Als Konvisitator wurde Propst Frigdian Schmolk gewählt. Eine enge Freundschaft verband Propst Frigdian mit dem Wiener Bürgermeister Karl Lueger. Als dieser tödlich erkrankte, berief er seinen langjährigen Freund zu sich, der ihm die die Sterbesakramente reichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmolks Nachfolger wurde [[Georg III. Baumgartner]] (1913–1927). Mit größter Sparsamkeit und Umsicht lenkte er das Stift durch die wirtschaftlichen Erschütterungen des Ersten Weltkrieges. Er stellte das Sommerrefektorium als Kaserne für die Marschkompanien und den Theatersaal dem Roten Kreuz zur Pflege der Verwundeten zur Verfügung. Vom Krieg selbst wurde Herzogenburg nur mittelbar betroffen: durch die vielen Gefallenen. Ihre Namen sind auf einer Marmortafel, rechts beim Eingang der Kirche, eingemeißelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 ließ Propst Georg das veraltete stiftliche Elektrizitätswerk – die ehemalige Stiftsmühle – in eine moderne Wasserkraftanlage mit Turbinen umbauen, die das Stift und Teile der Stadt Herzogenburg jahrelang mit Strom versorgte. Bedeutende Verdienste erwarb sich Georg Baumgartner durch seine wissenschaftliche Forschung über die Urgeschichte, inspiriert durch die archäologischen Funde aus der Hallstattzeit auf Grundstücken, die zum Stift gehörten. Bis zuletzt arbeitete er mit großer Genauigkeit an der Hausgeschichte und an der Baugeschichte der Kirche und des Stiftes und verfasste weiters den Artikel „Herzogenburg“ in der „Topographie von Niederösterreich“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die allgemeine Wirtschaftskrise machte sich auch im Stift bemerkbar. Das Steueramt St. Pölten drängte immer öfter unter Androhung der Zwangsverwaltung auf Bezahlung der Steuerschulden. Das Kapitel unter Propst Georg sah sich gezwungen, einem Beschluss zum „Verkauf einzelner Wertgegenstände näher zu treten“. Einige Pretiosen aus der Bibliothek und den Kunstsammlungen wurden verkauft. In diese politisch sehr schwierige Zeit fällt eines der größten Ereignisse für Herzogenburg, die Stadterhebung: Am 30. Juni 1927 beschloss der Landtag von Niederösterreich, den Markt Herzogenburg „trotz der verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl“ (2.800) zur Stadt zu erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der spätere Landtagsabgeordnete und Vertreter des Klerus [[Ubald Steiner]] (1927–1946) wurde zum nächsten Propst gewählt. Es gelang ihm, das Stift durch die schwierige wirtschaftliche Lage der dreißiger Jahre zu führen, was den Verkauf mehrerer Grundstücke und Kunstschätze beinhaltete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Sozialdemokratie in den 1920er Jahren wurden auch in Herzogenburg, das durch seine metallverarbeitende Industrie über einen hohen Arbeiteranteil verfügte, vehement geführt. Der Stiftsdechant und Pfarrer [[Anton Rudolf]] stand im Ruf, „der von den Sozialdemokraten wohl bestgehasste Chorherr“ zu sein. Er war der Typ von Priesterpolitiker, der die ohnehin spannungsgeladenen dreißiger Jahre durch sein Zelotentum und seine nie erlahmenden Bekehrungsversuche an ungläubigen Marxisten eher verschärfte denn beruhigte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Volksabstimmung vom 10. April 1938 brachte in Herzogenburg 2.047 Ja-Stimmen für den Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland und nur fünf Gegenstimmen. In der Folgezeit erhielt Herzogenburg den Namen „Stadt der Treue“. In diesen Jahren wurden die Repressalien gegenüber den kirchlichen Institutionen und der Geistlichkeit immer spürbarer. Die Stiftstaverne und der Theatersaal wurden beschlagnahmt. 400 Herzogenburger traten aus der Kirche aus, und rund 100 Kinder wurden vom Religionsunterricht abgemeldet. Das Herzogenburger Pfarrblatt, das seit 1915 erschien, wurde wegen „Papierknappheit“ 1941 eingestellt. Das Stift wurde von den Nationalsozialisten zwar nicht aufgehoben, war aber in seiner Wirtschaftsführung nicht mehr unabhängig. Teile des Stiftsgebäudes wurden 1940 für ein Einquartierung von bessarabischen Umsiedlern und später auch anderen Flüchtlingen beschlagnahmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum „schwarzen Montag“ wurde der 6. November 1944. 300 Bomben fielen in und um Herzogenburg: 20 Tote und große Sachschäden waren die traurige Bilanz. Am 14. April 1945 rückten nach einer kurzen Kanonade die Sowjets in Herzogenburg ein. Eine Gruppe von Herzogenburgern, unter ihnen Propst Ubald, ging ihnen mit der weißen Fahne entgegen. Die Stiftsgebäude waren durch einige Bombentreffer leicht beschädigt worden, schwerer betroffen waren die Stiftswälder, die durch die Luftangriffe schwere Schäden hatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Georg IV. Hahnl]] (1946–1963) betrieb den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit. Im Jahr 1948 wurden vier neue Glocken der Stiftskirche geweiht. 1942 hatten alle Glocken bis auf die größte, die Pummerin, der Rüstungsindustrie abgeliefert werden müssen. Wissenschaftliche Berühmtheit erlangte Propst Georg durch seine Arbeit auf dem Gebiet der Heimat- und Urgeschichtsforschung. Fast seine ganze Regierungszeit als Propst war allerdings von einer schweren Krankheit überschattet, was sich negativ auf das Klima und die Personalsituation des Stiftes auswirkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Resignation wurde [[Thomas Zettel]] (1963–1969) zum nächsten Vorsteher des Hauses gewählt. Nach langen Vorbereitungen öffnete 1964 das Stift Herzogenburg seine Räume und Säle für über 100.000 Besucher anlässlich seiner (etwas verspäteten) 850-Jahr-Feier. Der ebenerdige Teil des sogenannten „Altstiftes“, die Reste der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen alten Klosteranlage, war renoviert worden und das spätgotische Refektorium „glänzte“ durch die kurz zuvor freigelegten Fresken von ca. 1500. Daneben im frühbarocken Refektorium waren die Funde aus der Ur- und Frühgeschichte neu aufgestellt worden. Im Barockgebäude wurde im ersten Stock im ehemaligen Gästetrakt eine Ausstellung für die restaurierten Kunstschätze des Stiftes, insbesondere seine Sammlung mittelalterlicher Flügelaltäre, eingerichtet. Im Festsaal, in der Bibliothek, im Bildersaal und in elf weiteren Ausstellungsräumen erlebten und erleben Besucher das künstlerische Erbe des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1965 gab es eine einschneidende wirtschaftliche Umstellung: der Weinbau und die Landwirtschaft konnten in Eigenregie nicht mehr positiv geführt werden, deshalb wurden beide Wirtschaftszweige verpachtet. Der Forst als dritte Einnahmequelle wird bis heute noch selbst geführt, die Jagden sind verpachtet. Das Gebäude, in dem die ehemalige Stiftstaverne befand, wurde an die Stadtgemeinde Herzogenburg verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1977 erreichten die ökumenischen Gespräche und Gottesdienste, die vom späteren Propst [[Maximilian Fürnsinn] initiiert wurden, ihren Höhepunkt in der Ausstellung &amp;quot;Kunst der Ostkirche&amp;quot;. Zum ersten Mal feierten in diesem Zusammenhang die Vertreter aller elf östlichen und westlichen Kirchen in Österreich einen gemeinsamen Gottesdienst in der Herzogenburger Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Stadt Herzogenburg“ wurde die Nordeinfahrt des Stiftes restauriert und der Innenhof nach barockem Vorbild neu gestaltet. In diesem Jahr, 1977, wurde auch der Abschluss der Turmrenovierung gefeiert. Propst [[Clemens Moritz]] (1969–1979) wurde zum Ehrenbürger von Herzogenburg ernannt. Er war nicht ein Prälat im Sinne der prachtvollen Barockzeit, wohl aber im Sinne des Ordensstifters Augustinus ein Seelsorger, besorgt um seine Gemeinde und seine Mitbrüder. Auch nach der Resignation blieb Altpropst Clemens bis zum Jahr 1996 der Pfarrer von Herzogenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit [[Maximilian Fürnsinn]] (1979–2019)) bekam das Stift nach 200 Jahren wieder einen gebürtigen Herzogenburger zum Propst. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war zunächst die Renovierung der Stifte und Pfarren. Allein mit einem Kostenaufwand von rund 50 Millionen Schilling wurde das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein in der Zeit von 1985 bis 1995 restauriert. Die zehnjährige Renovierung des Stiftes Herzogenburg wurde im Jahr 2012 abgeschlossen, sie umfasste neben der Fassadensanierung unter anderem die Instandsetzung der musealen Räumlichkeiten. Die neue Dauerausstellung konnte im Jahr 2012, als das Stift das Jubiläum seines 900jährigen Bestehens beging, eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den zentralen Anliegen von Propst Maximilian gehörte, dass das Stift – entsprechend der jahrhundertelangen Tradition – eine offene Begegnungsstätte ist. So gehen auf seine Initiative viele Tagungen, Bildungsveranstaltungen und Zusammenkünfte von verschiedenen Institutionen und Vereinigungen zurück. Neben den zuvor erwähnten ökumenischen Treffen haben etwa die Ritter vom Heiligen Grab in Jerusalem der Komturei St. Pölten hier regelmäßige Zusammenkünfte. Besonders erwähnenswert sind die in der Regierungszeit von Propst Maximilian abgehaltenen &amp;quot;Herzogenburger Gespräche&amp;quot;, anlässlich derer mehrmals im Jahr 60 bis 80 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kirche zentrale gesellschaftliche Fragen behandelten. Pastorales Wirken war dem vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägten Seelsorger Maximilian Fürnsinn ein besonderes Anliegen, vor allem die Lebendigkeit in der Pfarrseelsorge lag ihm am Herzen. In der Pfarre Herzogenburg entstand aus einem Kinderfest der Katholischen Jungschar der heute größte Kinderevent Niederösterreichs, die „Niederösterreichischen Kindersommerspiele“ (NÖKISS).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein kirchliches Engagement, seine organisatorischen und kreativen Fähigkeiten und seine Leitungskompetenzen führten daszu, dass Propst [[Maximilian Fürnsinn]] 1982 zum ersten Mal zum Vorsitzenden der niederösterreichischen Äbtekonferenz gewählt wurde. Von 1989 bis 1994 war er Vizepräsident der ökumenischen Stiftung Pro Oriente. Von 1998 bis 2013 war er Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2019 wurde [[Petrus Stockinger]] zum neuen Propst von Herzogenburg gewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Bischof Ulrich I. von Passau (1092–1121) konnte seiner Neugründung, dem Augustiner-Chorherrenstift St. Georgen, nur wenig schenken. In der Gründungsurkunde des Klosters bemühte er daher auch die Heilige Schrift und erwähnt das Opfer der armen Witwe, die nur zwei Kupfermünzen in den Opferkasten des Tempels warf, die aber von Jesus gelobt wurde, weil sie alles gab, was sie besaß. Der Bischof schenkte einiges von seinem persönlichen Besitz her, vielleicht sogar alles, was er in der damaligen Ostmark sein Eigentum nannte. Und das war für die junge Kommunität gerade genug zum Überleben. Katastrophen oder wirtschaftliche Schwierigkeiten durfte es keine geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bischof übergab der Klostergemeinschaft seine ererbte Eigenkirche St. Georgen an der Traisenmündung mit Fischwassern, Weingärten, Wiesen und Wäldern. Ebenso vermachte er aus seinem persönlichen Besitz ein Gut und eine Hube zu Sebarn, eine Hube zu Perschling, Engabrunn und Gumpolding, eine halbe Hube in Pötzleinsdorf (bei Wien) und eine zu Kamp, je einen Weingarten zu Kuffern und Egelsee und zwei Weingärten in Inzersdorf. Aus dem bischöflichen Gut schenkte er drei Weingärten in Hundsheim mit einem Lehen, je einen Weingarten in Stein, Weinzierl und Plechingen (zwischen Stein und Krems), den dritten Teil des Zehents von Teras und Merzleinswerd, die Hälfte des Zehents von den Pfarren Herzogenburg und Traisenburg sowie das ganze Dorf Streithofen (im Tullnerfeld). Einige Jahre später schenkte Bischof Ulrich zur Aufbesserung noch sechs Weingärten dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der wirtschaftlichen Not des jungen Stiftes versuchte nun 1160 Bischof Konrad von Passau (1148–1164) mit einer (gefälschten) Urkunde zu helfen, in der er das neuzugründende Stift St. Andrä mit St. Georgen vereinigte. Dieser Zusammenschluss scheiterte am Widerstand Ottos von Rechberg, der schließlich ein eigenständiges Kloster St. Andrä errichten konnte. Als Entschädigung übertrug Bischof Konrad dem Stift St. Georgen die Pfarre Marquardsufer und den Schweighof bei Zeiselmauer, um der &amp;quot;materiellen Not des Stiftes abzuhelfen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam konnte das Stift in den folgenden Jahrhunderten seinen Besitz durch Schenkungen vermehren, wobei das Waldviertel und das untere Traisental zu Schwerpunkten der Besitzungen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Urkunde von 1163 werden als Zeugen zuerst die Äbte von Göttweig und Zwettl, der Propst von St. Pölten und dann der Propst von St. Georgen, Albert, angeführt. 25 Jahre später kommt Propst Berthold von St. Georgen in der Zeugenfolge nach den Äbten von Göttweig, Melk und Altenburg, jedoch vor den Pröpsten von St. Nikolai und St. Andrä. Diesen Platz in der Reihenfolge der niederösterreichischen Stifte nimmt Herzogenburg bis über die Barockzeit ein. Nach den Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II. dürfte das Stift Herzogenburg besitzmäßig an die letzte Stelle gerückt sein. Doch noch einmal zurück ins Mittelalter. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im 12. Jahrhundert konnte das Stift seine Besitzungen durch Kauf, vor allem aber durch Schenkungen vermehren. Die Vielzahl der Schenkungen im Mittelalter sind meist auch ein Zeugnis von guter Spiritualität: einem glaubensstarken Kloster vertraut man eher seine Gebetsanliegen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste große Finanzaufwand war der zweite Neubau des Klosters in Herzogenburg um 1244. Das älteste Zehentverzeichnis, das in das Jahr 1299 zurückreicht, zeigt jedoch schon eine wirtschaftliche Stabilisierung auf. Das Stift besaß nun zehn &amp;quot;Ämter&amp;quot;, i. e. Zehenthöfe, die für die Einhebung der Zehente notwendig waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten waren Abgaben für die Kreuzzüge zu entrichten. Später kamen dann die Steuern für die Finanzierung der Türkenkriege. Verwüstungen durch Kriege, Naturkatastrophen (Heuschreckenplage und Dürre) und Pestepidemien brachten einen wirtschaftlichen Tiefstand für das Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zeichen für das wirtschaftliche Auf und Ab war 1417 der Kauf eines Hauses in Wien, Johannesgasse. 1541 musste es wieder verkauft werden. Bezeichnend für diese schwierige Zeit war auch der Personalstand: 1569 war nur mehr ein Konventuale im Stift. Als 1601 wieder ein Haus in Wien, diesmal in der Annagasse, gekauft wurde, war dies zugleich auch ein Zeichen des neuen Erstarkens: sowohl wirtschaftlich als auch personell. Das Stift wurde renoviert, die Kirche barockisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Abwehr der Türken 1683 konnte das Stift im wirtschaftlichen Aufwind weitere Akzente setzen: ein Gut in Primersdorf (Waldviertel) wurde gekauft und ein großer, neuer Schüttkasten errichtet. In Wielandsthal wurde der Keller und in Haitzendorf der Pfarrhof von Prandtauer errichtet. Im barocken Neubau des Stiftes (ebenfalls von Prandtauer) und der dazugehörigen Kirche kam die wirtschaftliche Kraft zum Ausdruck. Allerdings mussten dafür Weingärten in Mautern, Mauternbach und Sallapulka, eine Mühle von St. Georgen, Meierhöfe in Reith bei Primersdorf, Großhain, Schwarzenbach usw. für eine Gesamtsumme von 17.600 Gulden verkauft werden. Das war ungefähr ein Drittel des Prandtauischen Kostenvoranschlages für den Neubau des Stiftes (54.000 Gulden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wirtschaftliches Tief lösten die napoleonischen Kriege und die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aus: 1851 wurde das Gut Primersdorf im Waldviertel veräußert. Jahre vorher konnte das Stift nur durch einen großzügigen Schuldenerlass von Kaiser Franz I. vor einem finanziellen Ruin gerettet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Stift nur durch den Verkauf von Grundstücken und von vielen Kunstgegenständen entgegenwirken. Einige Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg kam es wieder zu Veräußerungen von Kunstgegenständen, Teilen von Sammlungen (Mineraliensammlung) und Teilen der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre unter Propst Maximilian waren von einer klugen Wirtschaftspolitik gekennzeichnet. Trotz der bescheidenen Besitzungen von 2.625 ha (2.200 ha Wald, 25 ha Weinbau, 400 ha landwirtschaftliche Nutzung) konnten viele Restaurierungen am Stift und an den Kirchen und Pfarrhöfen vorgenommen werden. Am 29. April 1996 wurde die Außenrenovierung des Stiftes Dürnstein mit einem Gesamtumfang von 50 Millionen Schilling abgeschlossen. Eine Aufgabe für dieses Haus, etwa als Seminar- oder Vortragszentrum, wird noch zu finden sein.&lt;br /&gt;
Wenn auch schon vieles vollbracht worden ist, so warten doch noch weitere Aufgaben für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Vogtei===&lt;br /&gt;
Der Besitz des Bistums Passau im Raum Donau–Traisen stand unter der Vogtei der Babenberger. Diese übten sie durch die Burggrafen von Lengbach (Neulengbach) aus. Urkundlich sind die Vögte des Stiftes Herzogenburg sehr selten belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Übertragung des Stiftes nach Herzogenburg änderte sich in der Vogteiverwaltung nichts. Nach dem Aussterben der Babenberger siegelte 1252 Konrad von Zagging als Vogt des Hauses. Er dürfte in Verbindung mit König Ottokar Przemysl, dem neuen Landesherren, gestanden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Habsburger die Herrschaft übernahmen, wurden die Burggrafen von Neulengbach die Vögte von Herzogenburg. Bestätigt wird diese Annahme durch die Erklärung der Herzöge Wilhelm und Albrecht IV. vom 20. März 1396, in der sie ihre Pflicht zu besonderem Schutz und Schirm des Klosters und seiner Güter bestätigten, da sie ja jährlich das Vogtgeld von 17 Pfund und 6 Schillingen Wiener Pfennig und 1 Muth Hafer vom Stift empfingen. Das Stift Herzogenburg zahlte diese Summe bis zum Jahr 1848 nach Neulengbach, als die Herrschaft längst schon in Privatbesitz übergegangen war und das Vogtgeld umgerechnet nun 17 Gulden und 45 Kreuzer betrug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jenseits der Donau dürften die Kuenringer auf Dürnstein die Vogtei über die Stiftsgüter ausgeübt haben. Nach ihrem Aussterben erging 1356 eine Weisung des Herzogs Albrecht II. an seinen Pfleger in Krems, das Stift Herzogenburg in seinen Rechten und Besitzungen zu schirmen. Im Jahr 1445 übernahmen die Brüder Ulrich, Oswald und Stephan Eytzinger auf Bitten des Propstes die Vogtei auf 15 Jahre gegen die jährliche Abgabe von 6 Muth Hafer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Stift Herzogenburg lag jahrhundertelang wirtschaftlich im Mittelfeld der niederösterreichischen Klöster. So war es auch mit der Zahl der Mitglieder. Die frühen mittelalterlichen Chorherrengründungen waren nicht für riesige Konvente gedacht, sondern die Zahl zwölf war, von Jesus mit seinen Jüngern herkommend, die goldene Zahl. Bei der Gründung von St. Georgen werden wahrscheinlich eine Handvoll Chorherren die Aufbauarbeit an diesem Donaustift begonnen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1200 gab es die erste urkundliche Aufzählung des Konventes: zwölf Priester, drei Konversen (''fratres conversi''), fünf Familiaren und vier Brüder. Einige Jahre nach der Übersiedlung des Konventes von St. Georgen nach Herzogenburg wurden neun Priester, zwei Diakone und vier Brüder (''fratres barbati'') als Zeugen genannt. Ein Stiftshistoriker zählte diese bärtigen Brüder dem adeligen Stand zu, da er sie als Mitglieder von Bauhütten interpretierte, die Baumeister und Städteplaner waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Namen und aus der Stellung in der Zeugenreihe lassen sich auf die Abstammung der Chorherren Schlüsse ziehen. Wir finden im Konvent einige Mitglieder des niederen Adels. Diese Tatsache erklärt einen Teil der reichen Schenkungen des Adels der Umgebung, der so zur Versorgung seiner Söhne beitrug. Ein Nobelstift war Herzogenburg aber nie. Die meisten Novizen kamen aus der Umgebung, vereinzelt aus Oberösterreich, der Steiermark, Kärnten und Salzburg. Die Zusammensetzung des Konvents blieb also durchaus im Rahmen des damals Üblichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert dürfte sich die Zahl der Konventualen zwischen 20 und 25 bewegt haben. Der erste große Verlust kam durch die Ermordung einiger Chorherren bei der Eroberung von Herzogenburg im Jahr 1463 und dann durch die Pest. Die Reformation trug das ihre dazu bei, sodass es beim Tod des Propstes Bartholomäus von Cataneis 1563 wahrscheinlich überhaupt kein Konventmitglied mehr gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann gab es nur ein, später zwei Mitglieder, und mit dem Erstarken der Gegenreformation kam wieder Leben in die Stiftsgemäuer: im 17. Jahrhundert betrug der Personalstand zwischen acht und zehn Mitglieder. In der Barockzeit erreichte er die Zahl 25. Um 1800 waren 27 Priester, ein Kleriker und drei Novizen dem Stift zugehörig. Im 19. Jahrhundert stammten 47 Priester aus Niederösterreich, 21 aus der Tschechoslowakei und acht aus Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Jänner 1900 hatte dann das Haus den Höchststand in seiner Geschichte: von den 40 Mitgliedern waren 35 Priester, vier Kleriker und ein Novize. Im 20. Jahrhundert nahm die Zahl stetig ab, und zur Zeit gehören 13 Priester und drei Kleriker zum Stift. Die Priester stammten im letzen, d. h. im 20. Jahrhundert, zu gleichen Teilen aus dem Arbeiter- und Angestelltenstand bzw. aus der Landwirtschaft und aus Familien selbständig Tätiger (die Väter waren Fleischhauer, Fabrikanten usw.). Der größte Anteil von ihnen waren Niederösterreicher (15), dann Wiener (neun), sechs Priester kamen aus dem heutigen Tschechien. Je zwei stammten bzw. stammen aus Tirol, Deutschland und den Niederlanden. Je ein Professe kommt aus dem Burgenland und aus Belgien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Vom Ursprungskloster in St. Georgen haben sich keine Reste erhalten. Die frühesten Ansichten von diesem Bau stammen aus der Barockzeit. Es ist deshalb schwer zu beweisen, wie weit sie der Wirklichkeit entsprechen. Auf diesen Bildern ist eine Kirche als zentraler Rundbau zu sehen, wie es manchmal in der Romanik üblich war, davor zwei niedrigere Rundtürme mit der Prälatur, links davon der Küchenturm, der einem Rauchabzug ähnlich ist. Rechts von der Kirche befindet sich ein Fluchtturm mit den Glocken. Anschließend sind die Klostergebäude für die Chorherren und Gäste dargestellt. Der Klosterbau ist mit einer Mauer umgeben. Das Ganze ist wahrscheinlich ein liebevoller Versuch, das Ursprungskloster darzustellen. Diese Ansicht entspricht aber keiner romanischen Klosteranlage der damaligen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster in Herzogenburg sind wir besser informiert. Wahrscheinlich wurde 1244 zuerst mit dem Bau eines Konventtraktes begonnen, da der bestehende Pfarrhof für den 15 Mann starken Konvent zu klein gewesen ist. Von dieser Anlage hat sich noch der Südtrakt mit einem Kreuzgangabschnitt erhalten. Bei Renovierungsarbeiten zu Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Sandsteinsäulen mit herzförmigen Kapitellschilden und einfachen Rundsockeln freigelegt, die in die Mitte des 13. Jahrhunderts einzureihen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ehemalige Refektorium wurde zum Teil schon 1894 entdeckt, doch konnten die Fresken erst 1963 vollständig freigelegt werden. Diese Räume waren Teil des Gerichtsgebäudes: Wärterwohnung und Gefängniszellen. An der Südseite des gotischen Saales befinden sich drei Spitzbogenfenster. Den sechsjochigen Raum tragen zwei Steinpfeiler als Mittelstützen. An einem ist die Jahreszahl 1564 zu erkennen, die vielleicht auf eine spätere Renovierung zurückgeht. Ab einer Höhe von 1,70 m befinden sich figurale Wandmalereien. Die einzelnen Darstellungen des Zyklus sind unterschiedlich gut erhalten, zum Teil ist nur noch die rote Vorzeichnung vorhanden. Neben christologischen Szenen sind eine Sterbeszene im Kloster (vielleicht der Tod des Ordensgründers Augustinus) und ein hl. Georg wiedergegeben. Vom zweiten Bild der Nordwand ist die Darstellung des Stifters dieser Bilder Propst Georg Eisner mit seinem Konvent erhalten. Da er ohne Mitra gezeigt wird, ist die Entstehungszeit dieser Fresken kurz vor 1498 anzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der östlich an das Refektorium anschließende frühbarocke Saal wird auf einem Plan mit &amp;quot;Capitl&amp;quot; bezeichnet. Die Jahreszahl 1628 am Ostfenster gibt vielleicht den Abschluss des Umbaus an. Heute wird dieser Saal für das Urgeschichtsmuseum des Stiftes verwendet. Wahrscheinlich besaß dieser Konventtrakt aufgrund der Größe der Stiftsgemeinschaft ursprünglich schon einen ersten Stock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei anderen Flügel des Konventbaues wurden wegen des Kirchen- bzw. Schulneubaus weggerissen. Über die Funktion der Räumlichkeiten sind wir zum Teil durch einen Plan von Johann Michael Hergöth unterrichtet, den er um 1700 gezeichnet hat: ebenerdig gab es drei Sakristeiräume, eine Schneiderei, den Mesnerkeller und das erwähnte Refektorium. Im ersten Stock waren die Zimmer der Chorherren, die Wohnung des Dechants und die Bibliothek untergebracht. Im Kreuzgangbereich lag noch die alte Totenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite des Konventbereiches steht auch heute noch der Kirchenbau. Von der mittelalterlichen Kirche ist nur das gotische Kirchenportal aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten. Aus den Umbauplänen können wir schließen, dass dieser Bau als Pfeilerbasilika auf kreuzförmigem Grundriss errichtet war, ähnlich der Michaelerkirche in Wien. Nördlich der Kirche waren die Kanzleiräume und die Prälatur. Entlang des Baches lagen die Wirtschaftsräume mit einem weithin sichtbaren Fluchtturm (Kuchlturm). Von diesen Gebäuden steht nur noch die Mühle, die heute als Elektrizitätswerk die Wasserkraft nutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm von Schmerling (1709–1721) entschloss sich für den Neubau des Stiftes. Am 25. Mai 1714 wurde dazu der Grundstein gelegt und Jakob Prandtauer wurde mit der Planung und Ausführung betraut. Propst Hieronymus Übelbacher von Dürnstein bezeichnet Prandtauer als &amp;quot;fürnehmen baumeister zu St. Pölten und vielleicht fürnehmsten in ganz Österreich&amp;quot;. Prandtauer begann mit dem Bau des Südtraktes. Der Osttrakt mit dem großen Festsaal wurde nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet. 1720 wurde die Einfahrtshalle aufgeführt. Auch hier dürften Vorschläge von Fischer mitverarbeitet worden sein. Im Quertrakt, zwischen den beiden Höfen, wurden im Erdgeschoß die beiden Sakristeien eingerichtet: Herren- und Prälatensakristei. Die qualitätvollen Stukkaturen gehen auf Michael Bolla, 1717, zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1721 starb Propst Wilhelm Schmerling. Sein Nachfolger Leopold von Planta (1721–1740) ließ weiterbauen, und zur Zeit des Todes von Jakob Prandtauer war das Stiftsgebäude zu einem provisorischen Abschluss gekommen, der aber zum dauernden wurde, denn der Westtrakt des &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; blieb unausgeführt. Propst Leopold ließ vom Nachfolger Prandtauers, dem Stiftsbaumeister Joseph Munggenast, den Meierhof aufführen und in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts den Stiftsbau durch die Errichtung des nördlichen Vorbaues und des Georgitores äußerlich abschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Westtrakt aus Sparmaßnahmen nicht ausgeführt wurde, errichtete der Propst die dort geplante Bibliothek im Mitteltrakt, und die in diesem Teil schon begonnene Prälatur wurde in den Nordostteil des Gebäudes verlegt. Die Gärten ließ er in barocker Manier anlegen und die Brücke über den Mühlbach sowie den &amp;quot;Springbrunn unter dem Großen Saal&amp;quot; mit einigen &amp;quot;Kindln&amp;quot; (Sandsteinfiguren) versehen. Diese Gartenplastiken und auch die Zwergenfiguren aus dem Zwerglgarten sind heute verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leopold kaufte auch vom Wiener Goldschmied Johann Kaspar Holbein einige Brustkreuze, Kelche und vor allem eine wertvolle Monstranz, deren Entwurf auf Matthias Steinl zurückgehen könnte und die im Raritätenkabinett erhalten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung der fertiggestellten Stiftsgebäude erlebte Propst Leopold nicht mehr. Ein Jahr nach seinem Tod wurde die Weihe am Georgstag, den 24. April 1741, von seinem Nachfolger Frigdian Knecht (1740–1775) vorgenommen, der dann auch die &amp;quot;Kapitularen in die neue, freundliche Klausur&amp;quot; führen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich Propst Frigdian zum Neubau der Kirche. Am 26. Juni wurde unter Beisein des Malers Daniel Gran der Grundstein an der Epistelseite der Apsis (rechte Seite der Kirche) gelegt. Die Inschriftplatte aus vergoldetem Kupfer führt Franz Munggenast als Baumeister an. Im selben Jahr, in dem der Rohbau fertig wurde, 1748, starb der junge Baumeister mit 24 Jahren. Seine Genialität wird an dieser Kirche, die zu den großen Leistungen des österreichischen Barock gezählt werden darf, sichtbar. Sein Bruder Matthias folgte als Stiftsbaumeister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kircheninneren malte Daniel Gran 1746 das Hochaltarbild und im Presbyterium die beiden Fresken. Wegen finanzieller Unstimmigkeiten und anderer Meinungsverschiedenheiten kam es zum Bruch mit dem Künstler. Der Propst vergab daher die weiteren Arbeiten in der Kirche, die Freskenmalerei und sämtliche Altarbilder mit den Ovalbildern, an Bartolomeo Altomonte, der sie von 1753 bis 1771 ausführte. Die dekorative Malerei in den Kirchenkuppeln (oberhalb des Hauptgesimses) stammt von Domenico Francia aus Bologna. Die Aufbauten für den Hochaltar (1770) und die Seitenaltäre, die Ballustraden (Kommuniongitter) und die Kanzel (1773) der Kirche stammen von Jakob Mösl, die Altarplastiken von Johann Josef Rößler, das Chorgestühl (1772) und die Volksstühle (1775) vom Klostertischler Lorenz Horeß.&lt;br /&gt;
Die herrliche Ampel wurde 1770 von Johann Christoph Beuermann aus Wien geliefert. Das Glanzstück der Kirche ist die 1752 fertiggestellte Orgel von Johann Henke, dem bedeutendsten Wiener Orgelbauer dieser Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1680 befand sich in der alten Kirche ein aus Ungarn stammendes Marienbild, das &amp;quot;orientalische Frauenbild&amp;quot;, zu dem viele Wallfahrer kamen. Nach der Fertigstellung des barocken Seitenaltares im Neubau der Kirche wurde es 1771 von Propst Frigdian Knecht eigenhändig in einer Prozession, die ihn durch beide Märkte führte, auf den heutigen Platz übertragen. Gegenüber dem Marienaltar liegen in einem Schrein die Gebeine des hl. Urban. Sie stammen aus den Kalixtuskatakomben in Rom und wurden 1740 dem Stiftsdechant Michael Koch geschenkt.&lt;br /&gt;
Als 1771 der barocke Augustinusaltar fertiggestellt war, fand dort der urchristliche Märtyrer seine endgültige Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das jüngste Kunstwerk der Kirche ist der Volksaltar, der 1994 vom Wiener Künstler Wander Bertoni angefertigt wurde und die Schöpfung zum Thema hat. Die Krönung der Bautätigkeit des Propstes Frigdian Knecht war die Neugestaltung des Kirchturmes nach einem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach, unter Mithilfe des Baumeisters Matthias Munggenast. Mit Recht sieht der Stiftschronist Frigdian Mies im Turm den ins Große strebenden Geist des Propstes. Die originelle Turmspitze mit Herzogshut und Stiftskreuz wurde am 6. Juli 1767 &amp;quot;um die Mittagszeit unter Pauken- und Trompetenschall aufgesetzt&amp;quot;. 1756 hatte der Propst die Chorkapelle mit Fresken von Martin Johann Schmidt (&amp;quot;Kremser Schmidt&amp;quot;) und einem Verkündigungsbild von Martin Altomonte ausschmücken lassen. Im Festsaal malte Bartolomeo Altomonte 1772 das Fresko &amp;quot;Das seelsorgliche Wirken der Augustiner-Chorherren im Bistum Passau&amp;quot;. Das Fresko an der Decke der Prälatenstiege &amp;quot;Die Übertragung der Kanonie von St. Georgen nach Herzogenburg&amp;quot; ist signiert mit &amp;quot;Barto Altomonte fec. 1779 aetatis suae 79&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Augustin Beyer (1779–1780) wurde auch die Bildergalerie fertiggestellt. Die Gemälde sind nach einem dekorativen Schema angeordnet: ein zentrales Mittelstück, von kleineren Gemälden umrahmt. Die Bilder wurden zu diesem Zweck auch vergrößert, verkleinert oder sogar geteilt, um der Symmetrie zu entsprechen. Dieser &amp;quot;geistlichen Galerie&amp;quot; kommt nicht nur wegen ihres kulturgeschichtlichen Wertes große Bedeutung zu, es befinden sich unter den 144 Bildern auch hervorragende Kunstwerke, u. a. eine Vincenzo di Biagio Catena zugeschriebene &amp;quot;Heilige Familie&amp;quot; oder ein auf Holz gemaltes deutsches Männerporträt mit der Signatur &amp;quot;H. H. 1521&amp;quot;, das als Werk Holbein d. J. bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man in Österreich die Kunstschätze vergangener Jahrhunderte noch als entbehrlichen &amp;quot;Raritätenkram&amp;quot; verstand, förderte Propst Aguilin Leuthner (1811–1832) die seltsame Sammelleidenschaft seines Mitbruders Ludwig Mangold. Nach dem Vorbild der alten &amp;quot;Kunst- und Wunderkammern&amp;quot; aus der Renaissancezeit hatte der junge Ungar im Stift ein &amp;quot;Antiken- und Raritätenkabinett&amp;quot; im zweiten Stock über der Prälatur angelegt, das zum Grundstein der heutigen Stiftssammlung wurde. Ein Verzeichnis dieser Raritäten wurde im Juni 1815 von ihm angefangen und hat folgende Hauptabteilungen: &amp;quot;A Mahlerey und Mosaique, B Bildhauerey, Schnitz- und Gußwerk, C Kupferstiche und Handzeichnungen, D Glasarbeiten, E Uhren, F Becher und andere Gefaße, G Kleidungsstücke, H Musicalische Instrumente, I Waffen, K Römische Alterthümer, L Verschiedene Seltenheiten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die meisten der hier verzeichneten Gegenstände sind noch im Besitz des Stiftes und waren im Rahmen der Ausstellung &amp;quot;Kunstschätze im Stift Herzogenburg&amp;quot; zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunstwerke wurden 1964 in den ehemaligen Gästezimmern topographisch aufgestellt, d. h. nach Möglichkeit nach ihrem Herkunftsort gruppiert. Das Hauptstück der Sammlung ist der &amp;quot;Jüngere Aggsbacher Hochaltar&amp;quot;, ein 1501 in Krems gemaltes Werk von Jörg Breu von Augsburg. Eine vorzügliche Schnitzarbeit ist die realistisch gehaltene Skulpturengruppe des &amp;quot;Marientodes&amp;quot; um 1500, möglicherweise der Mittelteil der Predella des Jörg-Breu-Altares. Weiters soll hier die „Stiftertafel&amp;quot; aus der Zeit um 1500 erwähnt werden, eine Votivtafel mit dem Bildnis des Bischofs Ulrich I. von Passau und der &amp;quot;porträthaften&amp;quot; Darstellung des mittelalterlichen Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Höhepunkt der spätbarocken Abteilung bilden Werke von Daniel Gran, vor allem das vergoldete Modell für den Hochaltar um 1746 mit dem unmittelbaren Entwurf für das Hochaltarbild und ein äußerst lebendiges Selbstporträt. Einen besonderen Schatz stellt der Bestand von zehn Ölskizzen und Bildern von Bartolomeo Altomonte dar, darunter Entwürfe für die Fresken in der Stiftskirche und ein höchst interessantes Selbstporträt aus dem Jahr 1774. In der Prälatur haben sich auch einige erwähnenswerte Kunstgegenstände erhalten, z. B. ein seltener Venezianer Spiegel vom Beginn des 18. Jahrhunderts, der neben reichem Ornament und alter Verglasung gravierte bérainsche Ornamentik in dem Rahmenspiegelchen trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Refektorium wurde bis in die sechziger Jahre als Speisesaal der Chorherren benützt. 1975 wurde es renoviert und als &amp;quot;Augustinussaal&amp;quot; ein Veranstaltungszentrum für Stift und Pfarre. Im Südosten des Stiftes befindet sich im zweiten Stock das &amp;quot;Mexikanische Zimmer&amp;quot;. In diesem Raum war die von Propst Norbert Zach (1857–1887) erworbene Sammlung von Geräten, Waffen und Schmuckgegenständen der Ottawa-Indianer aufgestellt. Sie musste in den zwanziger Jahren veräußert werden.&lt;br /&gt;
Interessant ist das Zimmer heute wegen der zwölf Wandgemälde, die in der romantischen Gesinnung des späten 19. Jahrhunderts Motive aus Österreich darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Exponate der urgeschichtlichen Sammlung des Stiftes Herzogenburg kamen aus der Ausgrabung eines eisenzeitlichen Friedhofes von Statzendorf. Der Göttweiger Abt Adalbert Dungl war maßgeblich daran beteiligt. Die Pröpste Georg III. Baumgartner (1913–1927) und Georg IV. Hahnl (1946–1963) haben durch eigene Grabungen wesentlich zur Vervollständigung dieser Sammlung beigetragen. Zusammen mit Dungl waren sie die Pioniere der prähistorischen Archäologie im unteren Traisental.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Heute enthält die urgeschichtliche Sammlung eine Reihe von Steingeräten aus der Altsteinzeit, eine große Zahl von Fundstücken der Jungsteinzeit und Keramiken aus der frühen Bronzezeit, wie etwa den Fund von 17 Töpfen aus St. Andrä an der Traisen, Objekte der Hügelgräber und Urnenfelderkultur und weitere bedeutende Funde aus der Eisenzeit, wie Beigaben der Hallstadtkulturen aus den Gräberfeldern von St. Andrä und Statzendorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Römische Funde waren bis auf einige Münzen im Raum von Herzogenburg eher spärlich, bis 1972 aus der Zeit der römischen Kaiser ein Zeremonienhelm mit Gesichtsmaske unweit des Stiftes gefunden wurde, der zu den bedeutendsten Denkmälern römischer Kunst auf österreichischem Boden gerechnet werden muss. Mit seinen &amp;quot;Alexanderlocken&amp;quot; gehört er zum orientalischen Typus. Damit ist er ein Beispiel dafür, wie weit vorderorientalische Mysterienkulte im 2. und 3. Jahrhundert verbreitet waren. Dieses Unikat ist im Raritätenkabinett im ersten Stock ausgestellt, während alle anderen Funde im frühbarocken Refektorium im Altstift zu sehen sind. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Eine fachkundige Neuaufstellung wird derzeit von Univ.-Doz. Dr. Johannes-Wolfgang Neugebauer vorgenommen.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Als 1512 in Herzogenburg ein Großbrand wütete, wurden einige Trakte des Stiftes in Schutt und Asche gelegt. Die Bibliothek wurde dabei auch ein Raub der Flammen. Wahrscheinlich besaß damals das Stift über 100 handgeschriebene Bücher und vielleicht ebensoviele Inkunabeln. Wieviele Bücher gerettet werden konnten ist leider nicht überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten großen Förderer der mittelalterlichen Bibliothek waren die beiden Pröpste Johannes III. von Parsenbrunn (1401–1433) und Johannes IV. von Linz (1433–1457). Aus der Zeit vor dem Brand haben sich einige Buchfragmente erhalten. Fragment 42 aus dem 9. Jahrhundert ist das älteste Stück der Bibliothek.&lt;br /&gt;
Von der Wende des 12. zum 13. Jahrhundert stammt das Fragment 32 mit Teilen eines Legendars. Das Fragment 43 ist Teil eines Nekrologiums vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Es ist ein sicheres Zeugnis für die Schreibkultur des Stiftes in St. Georgen. Ob das Stift dann in Herzogenburg eine eigene Schreibschule besessen hat, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Auf jeden Fall sind keine Handschriften auf Pergament mit wertvollen Initialen auf uns gekommen, sondern nur anspruchslose, auf Papier geschriebene Bücher. Sie haben alle einen praktisch-theologischen Inhalt und stehen im Zusammenhang mit den Seelsorgeaufgaben des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Schreiber waren mit Sicherheit Klosterangehörige, von weiteren sieben ist es unsicher. Die kunsthistorisch kostbarsten Handschriften wurden erst in späteren Jahrhunderten angekauft. Den ersten größeren Zuwachs nach dem Brand erfuhr die Bibliothek durch Propst Philipp von Maugis (1541–1550), der vor allem humanistische Werke bzw. lateinische und griechische Klassikerausgaben erwarb und die von seinem Bruder ererbte Bibliothek der Stiftsbibliothek einverleibte.&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Herb (1687–1709) erbte ebenfalls von seinem Bruder 173 Bücher meist theologischen Inhalts, die in zwei Fässern und einer großen Truhe verpackt auf der Donau von Deutschland nach Krems transportiert und von dort ins Stift gebracht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge des barocken Stiftsneubaus wurde die Bibliothek von 1751 bis 1754 von Propst Frigdian Knecht (1740–1775) erbaut. Die Ornamentmalerei fertigte Domenico Francia an, die figuralen Grisaillen wurden von Bartolomeo Altomonte gemalt. Die einfachen, doppelteiligen Bücherschränke wurden vom Orgelbauer Johann Henke entworfen. Propst Frigdian sammelte die Bücher &amp;quot;mit einem unersättlichen Hunger&amp;quot;, wie er selber scherzend zu sagen pflegte. Er erwarb u. a. die Bibel von 1205 (HS 100) und die kostbare Handschrift &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; (HS 95) aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Stephan Peschka (1775–1779) und Michael Teufel (1781–1809) erwarben durch den Exjesuiten Abbé Johann Christoph Regelsberger viele Bände bei Bücherauktionen aus den Beständen aufgehobener Klöster. Mit der Übernahme der aufgehobenen Stifte St. Andrä an der Traisen 1783 und Dürnstein 1788 kamen nur wenige Bücher, nachweislich nur einige Handschriften und Inkunabeln, nach Herzogenburg. Der Großteil des Bücherschatzes kam in die Wiener Hofbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Petrus Schreiber]], von 1781 bis 1788 auch Stiftsdechant, war mit Unterbrechung fast 25 Jahre Bibliothekar. Eine große Anzahl von Büchern mit einheitlichen barocken Einbänden kam durch ihn in die Bibliothek. Sie tragen auf dem Einbanddeckel die goldenen Buchstaben &amp;quot;P. S.&amp;quot;. Ebenso vermachte er dem Stift 15 Inkunabeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Inventar von 1832 beziffert den Buchbestand summarisch mit etwa 10.000 Bänden. 1887 war der Besitz bereits auf 50.000 Bände, 253 Inkunabeln und 223 Handschriften angewachsen. Dieser Zuwachs dürfte auch die Erweiterung der Bibliotheksräumlichkeiten veranlasst haben. Unter Propst Norbert Zach (1857–1887) wurden 1870 die Gänge im zweiten Stock des Stiftes mit Bibliothekskästen ausgestattet. Unter ihm waren als Bibliothekare die bedeutenden Stiftshistoriker [[Wilhelm Bielsky]], [[Michael Faigl]] und Frigdian Schmolk tätig. Sie veröffentlichten viele Beiträge zur Stiftsgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine großzügige Erweiterung erfuhr die Stiftsbibliothek zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gräfin Maria Falkenhayn übergab 1905 dem Stift die 30.000 Bände ihrer Schlossbibliothek in Walpersdorf. Neben diesen gräflichen Exlibris finden sich in der Sammlung auch Werke mit den Besitzvermerken der Jörger, Colloredos und der Herrschaften Droß und Ottenschlag.&lt;br /&gt;
Während der Weltwirtschaftskrise kam es 1927 zur Veräußerung von Inkunabeln, die vergleichsweise die Höhe des Schätzwertes der ehemaligen Stiftstaverne ausmachten. Ebenso wurde in den sechziger Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eine große Anzahl von Büchern veräußert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anläßlich der Ausstellung im Jahr 1964 &amp;quot;Das Stift und seine Kunstschätze&amp;quot; wurde eine Neuaufstellung der Bücherbestände begonnen, die aber &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bis heute nicht fertiggestellt werden konnte&amp;lt;/span&amp;gt;. Derzeit ist die Bibliothek auf mehrere Standorte verteilt und lediglich die Handschriften, die Inkunabeln und die Druckwerke bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden nach dem Erscheinungsdatum geordnet. Der Rest ist weitgehend unbearbeitet. Der Gesamtbestand wird auf 80.000 Bände geschätzt. Dazu kommen noch 150 Inkunabeln und 150 mittelalterliche Handschriften. Die älteste Handschrift ist ein österreichisches Psalterium des 12. Jahrhunderts (HS 106). Die gut geschriebene Handschrift enthält eine Reihe von großartigen Initialen. Die bedeutendste Handschrift der Bibliothek ist Cod. 95 &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; von Gregor d. Gr. Sie wurde um 1260 in Mainz oder Regensburg geschrieben und enthält 36 ausgezeichnete Initialminiaturen im Stil der deutschen Malerei der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Cod. 223 ist eine oberitalienische Bibel der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit großen figurierten Initialen; fast alle Spalten tragen Federranken. Am Beginn der Genesis findet sich eine Gegenüberstellung der sieben Schöpfungstage mit christologischen Szenen. Ein österreichisches Graduale (HS 97) vom Beginn des 14. Jahrhunderts trägt auf jeder Seite Notenzeilen und stammt aus einem Zisterzienserkloster. Sehr schön ist eine französische Bibel mit Miniaturinitialen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (HS 99).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Ausgabe von Gregors &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; ist der zweibändige Cod. 94 aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts mit 18 figurierten Initialen, die von fünf Meistern stammen, die den Wenzelsbibelmeistern nahestehen. Die Handschrift wurde laut Eintragung in der Kartause Mauerbach geschrieben und war 1397 im Besitz der Kartause Olmütz. Wann und wie sie nach Herzogenburg kam, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der bedeutenden Sammlung von Wiegendrucken seien folgende hervorgehoben: ein sehr schöner Venezianer Druck von 1478, Lactantius Firmianus &amp;quot;Gegen die Haiden&amp;quot;; drei ausgezeichnete Kobergerdrucke aus Nürnberg, 1481; die Briefe des Ennea Sylvius Piccolomini (Papst Pius II.); ebenso von 1481 ein Kommentar zum Neuen Testament von Nicolaus de Lyra mit gezeichneten Initialen; und von 1483 ein Fastenbuch von Johannes Guitsch, gedruckt im Charakter der spätgotischen Handschriften. Ein Zisterzienser-Missale aus Paris um 1487 ist mit kleinen kolorierten Holzschnitten illustriert. Zwei sehr gute Ausgaben der interessanten Weltgeschichte von Rolewinck seien noch angeführt. Die eine Wiener Ausgabe von 1490 ist reich mit Holzschnitten illustriert, die zweite aus Köln mit vielen Holzschnitten in der Art der &amp;quot;Schedelschen Weltchronik&amp;quot; aus dem Ende des 15. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abschluss ist noch eine Postilla von Cuilcrinus, Augsburg 1495, die ebenfalls mit Holzschnitten illustriert ist, zu erwähnen. Die oben beschriebenen Handschriften und Frühdrucke sind im Hauptraum der Bibliothek in Vitrinen ausgestellt und bei jeder Führung durch das Stift zu besichtigen. In diesem Bibliothekssaal befinden sich in den Bücherschränken nur Bücher aus dem 18. Jahrhundert, um den Eindruck einer barocken Schaubibliothek zu vermitteln.&lt;br /&gt;
Durch die bescheidene Einrichtung wirkt die Bibliothek wie eine heimelige Studierstube. Die letzte Handschrift wurde 1990 erworben. Sie ist ein türkisches Gebetbuch aus dem 19. Jahrhundert in arabischer Zierschrift. In der Mitte des Buches finden sich zwei romantisch gemalte Ansichten der Moscheen in Mekka und Medina.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Das Herzogenburger Stiftsarchiv besteht aus vier Abteilungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) dem Archiv des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen/Herzogenburg mit 1.745 registrierten Urkunden (1112–1852) und zahlreichen nicht bearbeiteten Urkunden (ab 1852), 264 Büchern und 647 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit 327 registrierten Urkunden (998–1776), sechs Büchern und 225 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein mit 718 registrierten Urkunden (1306–1768), 36 Büchern und 90 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) dem Archiv des aufgehobenen Clarissenklosters Dürnstein mit 357 registrierten Urkunden (1289–1658) und ca. 20 Büchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Dokument im Stift Herzogenburg ist die Gründungsurkunde (1112) von Bischof Ulrich von Passau (Sta. Hn. 1a). Sie ist eine der formvollendetsten Urkunden aus der Schreibstube des Bistums Passau. Äußerst interessant ist die Traditionsnotiz (Sta. Hn. 1b), die ein Konzept zur Gründungsurkunde darstellt und sechs weitere protokollarische Notizen enthält, die an verschiedenen Orten abgefasst wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historisch bedeutsam für das Stift ist auch die Übertragungsurkunde von 1244 (Sta. Hn. 38). Die schweren Zeiten des 15. Jahrhunderts sowie der Brand des Klosters im Jahr 1512 dürften dem Archiv nicht allzusehr zugesetzt haben. Alle wichtigen Urkunden sind im Original vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes VII. Glaz (1569–1572) veranlasste eine Aufzeichnung und Registrierung der &amp;quot;Pergament-Brieff&amp;quot;. In dem 1570 angelegten Verzeichnis wird das Archiv als „Registratur&amp;quot; bezeichnet. Entsprechend dem damaligen Kanzleigebrauch, dessen Vorbild die Kanzlei des Regiments der niederösterreichischen Lande war, wurden auch in Herzogenburg die Urkunden, damals insgesamt 46 Stück, in einem mit Laden versehenen Kasten und die weniger wichtigen Akten in einem Sack aufbewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1683 wurden das Archiv und die Schatzkammer vor den heranrückenden Türken in das Chorherrenstift Dürnstein verlagert und 1684 wieder zurückgebracht. Die zeitlich nächstfolgende Bestandsaufnahme des Stiftsarchivs erfolgte zwischen 1730 und 1740. &amp;quot;Ain großer mit Eyßen schön beschlagener Casten, hat 36 unterschidliche litterirte gemahlene Laden&amp;quot;. Er diente als Aufbewahrungsort für das als &amp;quot;gehaimbtes Gwölb&amp;quot; bezeichnete Hauptarchiv. Diesem wurden 1745 Schriften und Akten des Hofrichters und des Stiftskämmerers einverleibt. Genaue, nach Grundherrschaften bzw. Sachgebieten angelegte und geordnete Inventarien zeugen von der Sorgfalt, mit der das Stiftsarchiv unter Propst Frigdian I. Knecht (1740–1775) betreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte im Streben nach dem Wissen über die eigene Vergangenheit die ersten wissenschaftlichen Bearbeitungen des Urkundenbestandes durch die Herzogenburger Chorherren [[Wilhelm Bielsky]] (Die ältesten Urkunden des Kanonikatsstiftes St. Georgen in Unterösterreich von 1112–1244, Wien 1852) und [[Michael Faigl]] (Die Urkunden des regulierten Chorherrenstiftes Herzogenburg vom Jahre seiner Übertragung von St. Georgen 1244–1450, Wien 1886).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich wurde in den Jahren 1930 bis 1935 der unübersehbare Bestand an Akten und Büchern durch Dr. Göhler geordnet und durch eine Zettelkartei der Forschung zugänglich gemacht. In der insgesamt 1.745 Urkunden umfassenden Urkundenreihe vom Stiftsarchiv Herzogenburg gibt es neben einer Vielzahl von Stiftungs- und Schenkungsurkunden auch Urkunden von Päpsten und Landesfürsten. Die älteste Papsturkunde wurde 1177 von Papst Alexander III. ausgestellt, die erste in deutscher Sprache abgefasste Urkunde stammt aus dem Jahr 1292.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als einzigartiges Dokument soll eine Urkunde Erwähnung finden, die von Mönchen des Katharinenklosters am Sinai und Chorherren des Stiftes Herzogenburg im Jahr 1491 gezeichnet wurde. Damals haben zwei griechische Sinaimönche Herzogenburg besucht und mit den hiesigen Chorherren eine Gebetsverbrüderung geschlossen und besiegelt – ein merkwürdiges und einmaliges Zeugnis für die Verbindung der Ost- und Westkirche im ausgehenden Mittelalter nach dem Fall von Konstantinopel (Sta. Hn. 538).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Grundbücher, wertvolle Unterlagen zur Erforschung der Besitz- und Bevölkerungsgeschichte im Raum Herzogenburg, wurden im 12. Jahrhundert angelegt. Hinzu tritt jene Masse des Archivmaterials, die als Akten des adeligen Richteramtes über die Untertanen aus der Amtstätigkeit des Stiftes erwachsen sind: Grundbuchsakten ab 1340, Testamente ab 1500, Verwaltungsakten über den Oberen Markt Herzogenburg, Korrespondenzen mit den umliegenden Grundherrschaften. Diese Schriftstücke zeigen den Kampf des Stiftes um seine Rechte und Besitzungen, unter welchen besonders Fischerei- und Wasserrechte auf der Traisen und Jagdrechte in den Auen im Vordergrund stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Rechnungsbüchern und Rechnungsakten finden sich genauere Aufzeichnungen über den Bau der barocken Stiftsgebäude und der inkorporierten Pfarrkirchen mit ihren Pfarrgebäuden. Eigenhändige Unterschriften auf den Quittungen sind zu finden von Jakob Prandtauer, der Familie Munggenast, Bartolomeo Altomonte, Daniel Gran, vom Salzburger Steinmetzmeister Jakob Mösl, vom Wiener Goldschmied Johann Caspar Holbein und vielen anderen. Bei der Durchsicht von unbearbeiteten Archivmaterialien konnte ein eigenhändig geschriebener Brief von Martin Luther von 1541 aufgefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Auflösung der Chorherrenstifte St. Andrä und Dürnstein kamen deren Archive nach Herzogenburg. Propst Michael Teufel (1781–1809) hat sich sehr um ihre Erhaltung und sichere Aufbewahrung bemüht. Die älteste Urkunde von St. Andrä ist eine Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. aus dem Jahr 998 (Sta. An. 1). Die Stiftungsurkunde von St. Andrä stammt aus dem Jahr 1160 und ist mit 44 Zeugen belegt (Sta. An. 4). Zu erwähnen ist noch eine prunkvolle Ernennungsurkunde des Chorherren Johannes Zwickl zum Kommissär für den Türkenablass des Papstes Innozenz VIII. von 1490 in teilvergoldeter Schrift mit reichen Initialen (Sta. An. 208). Alle drei Dokumente zählen zu den Zimelien dieser Urkundenreihe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Archiv der Chorherren von Dürnstein ist der Stiftungsbrief vom 18. Februar 1410 (Sta. CDn 147) der absolute Höhepunkt. Der linke Rand dieser Urkunde ist mit einer Reihe von höchst bedeutenden Miniaturen versehen, die sowohl der böhmischen wie der Wiener Buchmalerei des frühen 15. Jahrhunderts nahestehen. Die angehängten sechs Siegel sind noch vorhanden. Zwei im selben Jahr ausgestellte Urkunden tragen schöne Initialmalereien (Sta. CDn 149 und 150).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Im Gegensatz zum &amp;quot;Archiv Herzogenburg&amp;quot; sind die Urkunden, Bücher und Akten der drei anderen Archive noch nicht publiziert und daher wissenschaftlich noch wenig ausgewertet. &lt;br /&gt;
Derzeit (1995) wird die Einrichtung des Archives erneuert und auf den letzten technischen Stand gebracht. Damit ist auch der Wunsch verbunden, dass die letzten 150 Jahre archivmäßig aufgearbeitet werden.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Historische Namensformen===&lt;br /&gt;
* WEIGL, Heinrich, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, 8 Bde., Wien 1964–1981.&lt;br /&gt;
* SCHUSTER, Elisabeth, Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, 1. Teil (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B), Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
* HAUSNER, Isolde / SCHUSTER, Elisabeth, Altdeutsches Namenbuch, Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politische und kirchliche Topographie===&lt;br /&gt;
* WOLF, Hans, Niederösterreich (Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 6. Teil), Wien 1955.&lt;br /&gt;
* RUPP / SCHMIDTBAUER, Herzogenburg, 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Franz Reininger: Die Wiegendrucke der Stiftsbibliothek Herzogenburg. In: Mitteilungen des Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 12 (1908), S. 109–127.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Katalog der Handschriften der Stiftsbibliothek Herzogenburg. St. Pölten 1978. [https://manuscripta.at/diglit/winner_1978_1/0001 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Mayo Hope: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed for the Hill Monastic Manuscript Library, Austrian Libraries. Volume III: Herzogenburg. Collegeville, Minnesota, 1985. [https://archive.org/details/HMMLAustriaInventory3 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Franz Lackner: Datierte Handschriften in niederösterreichischen Archiven und Bibliotheken bis zum Jahre 1600. Wien 1988 (Katalog der datierten Schriften in lateinischer Sprache in Österreich, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kunst- und Baugeschichte===&lt;br /&gt;
* HEIDER, Gerhard / HÄUFLER, J. V., Archäologische Notizen (Archiv für österreichische Geschichte II/1), Wien 1850, 139–178.&lt;br /&gt;
* RIESENHUBER, Martin, Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Bistums St. Pölten, St. Pölten 1923.&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer. Der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* PETERMAIR, Hans, Die bauliche Anlage der Stifte in Altenburg, Herzogenburg und Seitenstetten und ihre baukünstlerischen Beziehungen im Mittelalter und in der Barocke, masch.geschr. techn. Diss., Wien 1934.&lt;br /&gt;
* STEINER, Ubald, Die Stiftskirche zu Herzogenburg. Beiträge zur Baugeschichte nach Aufzeichnungen des Propstes Georg Baumgartner, in: Pfarramtliche Nachrichten für den Kirchensprengel Herzogenburg 21 (1935), Nr. II/12.&lt;br /&gt;
* MUNGENAST, Emmerich, Joseph Munggenast. Der Stiftsbaumeister 1680–1741, Wien 1963.&lt;br /&gt;
* FEUCHTMÜLLER / WEBER, Stift und Kunstschätze, 1964.&lt;br /&gt;
* HEINZL, Brigitte, Bartolomeo Altomonte, Wien/München 1964.&lt;br /&gt;
* BIBA, Otto, Die Orgelakten des Stiftes Herzogenburg, in: Unsere Heimat, Zeitschrift des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 41 (1970), Heft 1, 9–24.&lt;br /&gt;
* GÜTHLEIN, Klaus, Der österreichische Barockbaumeister Franz Munggenast, phil. Diss., Heidelberg 1973.&lt;br /&gt;
* KNAB, Eckhart, Daniel Gran, Wien/München 1977.&lt;br /&gt;
* CÄSAR, Menz, Das Frühwerk Jörg Breus des Älteren, Augsburg 1982.&lt;br /&gt;
* EGGER / HESSLER / PAYRICH / PÜHRINGER / FASCHING, Stift Herzogenburg, 1982.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Hermann-Fichtenau: Der Bildersaal im Stift Herzogenburg, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 38 (1984).&lt;br /&gt;
* SERVUS, Die Entstehung der barocken Klosteranlage, 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Moseneder: Passau im Gedächtnis Herzogenburgs. Zur Ikonologie des Augustiner-Chorherrenstift. In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch 31 (1989), S. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;##&amp;lt;/span&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* Karl Thomas (Bearb.): Die Baumeisterfamilie Munggenast. Sonderausstellung des Stadtmuseums St. Pölten anläßlich des 250. Todestages von Joseph Munggenast. St. Pölten 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Oskar Freiherr von Mitis: Studien zum älteren österreichischen Urkundenwesen. 5 Bände. Wien 1906–1912.&lt;br /&gt;
* Franz Stundner: Das Archiv des Stiftes. In: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Hg. von Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber. Herzogenburg 1964, S. 83–86.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sonstige Literatur===&lt;br /&gt;
* Georg Baumgartner: Herzogenburg. In: Topographie von Niederösterreich. Band IV. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Wien 1896, S. 209–238.&lt;br /&gt;
* Gerhart Egger / Walter Hessler / Wolfgang Payrich / Leonore Pühringer / Herbert Fasching: Stift Herzogenburg und seine Kunstschätze. St. Pölten 1982.&lt;br /&gt;
* Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Herzogenburg 1964.&lt;br /&gt;
* Maximilian Fürnsinn: Stift Herzogenburg 1938–1945. In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 22/4 (1975), S. 132–140.&lt;br /&gt;
* Maria Hasitscha-Köck: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg während der Zeit des Propstes Michael Teufel von 1781 bis 1809. Diss. Univ. Wien. Wien 1973.&lt;br /&gt;
* Andreas Karl Kaiser: 975 Jahre Pfarre Herzogenburg (1014–1989). Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1989.&lt;br /&gt;
* Gerhard Nikodim: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg von 1513 bis 1602. Diss. Univ. Wien. Wien 1968.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich: Das Stift Herzogenburg. Die 875-jährige Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen-Herzogenburg von 1112–1987. Dipl.-Arb. Univ. Linz. Linz 1987.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich / Hans Peter Schmidtbauer: Unsere Kirche lebt. 200 Jahre Stiftskirche Herzogenburg. St. Pölten 1985.&lt;br /&gt;
* Anton Rupp / Hans Peter Schmidtbauer: Herzogenburg. St. Pölten / Wien 1991.&lt;br /&gt;
* Werner Sandner: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg von 1244 bis 1513. Diss. Univ. Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Frigdian Schmolk: Stift der regulirten lateranensischen Chorherren zu Herzogenburg in Nieder-Oesterreich. In: Ein Chorherrenbuch. Geschichte und Beschreibung der Bestehenden und Anführung der aufgehobenen Chorherrenstifte. Augustiner und Prämonstratenser in Österreich-Ungarn, Deutschland und der Schweiz. Hg. von Sebastian Brunner. Würzburg 1883, S. 200–263. [https://books.google.at/books?id=GoJJAAAAIAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA199-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Harald Servus: Die Entstehung der barocken Klosteranlage in Herzogenburg und ihre geschichtlichen Voraussetzungen. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1987.&lt;br /&gt;
* Egon Wahl: Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit besonderer Berücksichtigung der rechtlichen, besitz- und personalgeschichtlichen Verhältnisse. Diss. Univ. Wien. Wien 1945.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10761</id>
		<title>Stift Herzogenburg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10761"/>
		<updated>2023-06-25T12:25:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1112&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (seit 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen= Stift St. Georgen&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}, Niederösterreich&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.28677, 15.69721&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Georg&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Herzogenburg gehört zum Bezirk St. Pölten.&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift_Herzogenburg.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Herzogenburg, kolorierte Radierung von Lorenz Janesch (um 1810), Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), Kartensammlung, Fideikommissbibliothek-Vues, Österreich-Ungarn, Niederösterreich H-La, Herzogenburg KAR MAG, online unter: http://data.onb.ac.at/rec/baa12918499&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Bischof [[Ulrich I. von Passau]] (1092–1121) stiftete mit der Gründungsurkunde vom 18. August 1112 ein Eigenkloster für Augustiner-Chorherren, auf einem Grundstück an der Mündung der Traisen in die Donau gelegen, das er geerbt hatte und worauf sich bereits eine Georgskirche befand. Wahrscheinlich sandte er aus dem reformierten [[Stift St. Nikola]] bei Passau Chorherren nach St. Georgen an der Traisen. Als seelsorgliches Aufgabengebiet und als Existenzgrundlage übergab der Bischof seinem Kloster St. Georgen die beiden Pfarren Traisenburg (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Stollhofen|Stollhofen]]) und [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Herzogenburg|Herzogenburg]]. Außerdem erhielt das Stift die bischöflichen Zehentrechte im oberen Waldviertel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten war die Existenz des Klosters einerseits von den Hochwassern der Donau und andererseits von der wirtschaftlichen Schwäche infolge zu geringer Dotierung bedroht. Eine Gelegenheit zur Besserung der Lage des Klosters ergab sich dreißig Jahre nach der Gründung, als ein lokaler Adeliger namens Walter von Traisen testamentarisch die Gründung eines Chorherrenklosters verfügte. Der Passauer Bischof [[Konrad]] (1148/49–1164), ein Sohn des hl. Leopold, wollte das Kloster St. Georgen mit dieser Stiftung in St. Andrä an der Traisen vereinigen und den Konvent dorthin verlegen. Nach dem Widerstand des Testamentvollstreckers Otto III. von Rehberg erfolgte jedoch noch im 12. Jahrhundert eine eigenständige Gründung des [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stiftes St. Andrä an der Traisen]]. Bischof Konrad verbesserte in den Jahren 1158 und 1160 die Situation des Stiftes St. Georgen, indem er dem Kloster, das in den sumpfigen Donauauen lag, eine Frischwasserzuleitung ermöglichte und außerdem den Chorherren die Pfarre Marquardsurvar (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Haitzendorf|Haitzendorf]]) und den Schwaighof bei Zeiselmauer schenkte. Unter den späteren Schenkungen an das Kloster während der Regierungszeit von Propst [[Wisinto II.|Wisintos II.]] (1191–1204) ist ein Stiftungsbrief von 1201 bemerkenswert, der ein Nonnenkloster in St. Georgen voraussetzt. In einer Urkunde aus der Zeit um 1230 werden die Schwestern Kunigunde und Ehrentraud von Zebing als Kanonissen von St. Georgen genannt. Dieser Frauenkonvent ist anlässlich der Übersiedlung des Männerklosters nach Herzogenburg auch mitverlegt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Engelschalk]] (1242–1267), dem zwölften Propst des Stiftes St. Georgen, erfolgte schließlich die Verlegung des Klosters, der Konvent übersiedelte im Jahr 1244 an seinen Pfarrort Herzogenburg. In der Übertragungsurkunde vom 19. März 1244 übereignete Bischof [[Rudiger]] von Passau dem Konvent die Passauer Pfarre Herzogenburg mit allen Rechten. Das Stift memoriert den Bischof als seinen „zweiten Gründer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spätmittelalter=== &lt;br /&gt;
Nach der Übersiedlung des Konvents nach Herzogenburg erfolgte der Bau einer Klosteranlage sowohl für den Männer- wie für den Frauenkonvent. Im Pfarrbezirk „auf der Widem“ entstand ein eigener Gerichtsbezirk des Stiftes, der sogenannte „Obere Markt Herzogenburg“. Der „Untere Markt Herzogenburg“ unterstand dem bayerischen Stift Formbach am Inn.&lt;br /&gt;
Im 14. Jahrhundert war die wirtschaftliche Lage des Klosters zunächst stabil, Propst [[Siegfried]] erwarb ein Haus in Wien in der Singerstraße. Der folgende Propst [[Nikolaus I. Payger von Würmla]] (1361–1374) klagte in seinen Aufzeichnungen über Missernten, Kriegssteuern an Herzog Rudolf IV. und Verschuldung seines Klosters. Die Herzöge Albrecht III. und Leopold III. gewährten dem Stift Privilegien, weil „der probst und das gotzhaus ze Herzogenburg in grozzer geltschulde und kumber sind“. Propst [[Johannes III.]] (1401–1433) einer der längstregierenden Pröpste, erreichte von den Herzögen Wilhelm und Albrecht IV. die Begünstigung, im Schankhaus des Stiftes, dem &amp;quot;Mühlhofkeller&amp;quot;, zwölf Fass Wein ohne Ungeld (Steuer) ausschenken zu dürfen. Unter Propst Johannes III. fand eine Stiftsreform nach den Bestimmungen des Konstanzer Konzils statt. Bei der Visitation im Stift Herzogenburg 1419 war nachweislich auch der erste Propst des [[Stift Dürnstein|Chorherrenstiftes Dürnstein]], das 1410 im Geist der Raudnitzer Reform gegründet worden war, anwesend. Und so wurden die Raudnitzer Statuten auch in Herzogenburg Grundlage einer Erneuerung. Propst Johannes war auch ein Förderer der Lateinschule des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert waren Markt und Stift Herzogenburg wiederholt von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. In den Hussiteneinfällen verloren etliche Bürger und Chorherren ihr Leben. Die Regierungszeit des Propstes [[Ludwig Gössel]] (1457–1465) fiel in die Zeit der Nachfolgekämpfe unter Kaiser Friedrich III., in der böhmische, mährische, ungarische und auch einheimische Söldnerverbänden in Niederösterreich plünderten. Im Jahr 1463, am dritten Tag nach dem Osterfest, wurde Herzogenburg von böhmischen Söldnerscharen unter ihrem Anführer Georg von Vetau eingenommen und verwüstet. Wahrscheinlich erlosch damals auch der Konvent der Kanonissen, oder er fand durch Mangel an Klostereintritten schon früher ein Ende. Im Lauf des Jahres 1465 begannen die Chorherren mit dem Wiederaufbau des Stiftes. Dieser zweiten gotischen Bauphase des Stiftes sollte aber kein langer Bestand gegönnt sein, denn schon 1477 belagerten und eroberten die Soldaten des ungarischen Königs Matthias Corvinus nach ihrem Sieg über Kaiser Friedrich III. Herzogenburg. Wieder brannte das Kloster nieder. Der nach St. Pölten geflohene Propst konnte seine in Rudolfsberg bei Wagram gefangengehaltenen Mitbrüder erst nach Bezahlung eines hohen Lösegelds in die Ruinen seines Klosters zurückführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Georg I. Eisner]] (1484–1513) wurde mit dem Wiederaufbau des Klosters begonnen. Dieser Propst konnte durch sorgfältige Verwaltung und durch Schenkungen des Matthias Corvinus, der die Verwüstungen seiner Söldner wieder gutzumachen versuchte, die wirtschaftlichen Verhältnisse seines Hauses sanieren und das Stiftsgebäude repräsentativ auszustatten. 1499 gewährte Papst Alexander VI. ihm und allen seinen Nachfolgern den Gebrauch der Mitra, des Stabes und Ringes und der anderen Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7. Mai 1512 brach in einem Haus auf dem Unteren Marktplatz ein Brand aus, der auch auf die Widem und auf das Kloster übergriff, alle Zellen der Brüder und das Winterrefektorium brannten aus. Außerdem wurden das Infirmarium, die Dechantei, die Bibliothek und die Sakristei zerstört. Das Feuer sprang auch auf das Mariensacellum über und vernichtete dort die Orgel. Ebenso brannte die Schule nieder. Die Kirchenausstattung – die Tafelbilder und die Altäre – wurde verschont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation bis Barock=== &lt;br /&gt;
Im Jahr der Wahl des hochgelehrten Propstes  [[Johannes V. Bernhard von Nußdorf]] (1517–1533) veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen und löste eine Reformationsbewegung aus, in der Klosterleben zunehmend kritisch beurteilt wurde. Unter Propst [[Bernhard I. Schönberger]] (1533–1541) legte der Chorherr Johann Peurl die priesterliche Kleidung ab und verließ seinen Orden, Neueintritte blieben zunehmend aus. In wirtschaftlicher Hinsicht hatte Propst Bernhard mit den Belastungen der den Klöstern vorgeschriebenen Abgaben zur Finanzierung der Kriege gegen die Osmanen zu kämpfen und konnte die Steuerleistungen nur durch den Verkauf des Stiftshauses in Wien erbringen. Für viele Jahre war Bernhard der letzte frei gewählte Propst von Herzogenburg. Die nun folgenden Pröpste waren Weltpriester oder stammten aus anderen Ordenshäusern, wurden postuliert oder vom Kaiser ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Wunsch Kaiser Ferdinands I. wurde [[Philipp von Maugis]] (1541–1550) zum Propst bestimmt. Philipp entstammte einer adeligen belgischen Familie, war ab 1545 Regent der niederösterreichischen Landesregierung und Erzieher der Söhne Ferdinands I. Noch im Jahr seines Amtsantrittes trat in Herzogenburg, wie in vielen Orten Österreichs, die Pest auf, an der täglich bis zu 30 Personen starben. Alle Chorherren im Stift mit Ausnahme des Propstes und eines Konventualen fielen der Seuche zum Opfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philipps Nachfolger war [[Bartholomäus von Cataneis]] (1550–1563). Er entstammte einer vornehmen italienischen Familie aus Bergamo, war palatinischer Graf, apostolischer Protonotar und oberster Hofkaplan. Durch sein Administrationstalent gelang es ihm, das Stift über die finanziellen Hürden zu bringen. Wegen seiner Tüchtigkeit wurde er zum Administrator von Göttweig bestellt (1556–1563). Der Klosterrat bemängelte bei seiner Visitation allerdings die Konkubinate der Stiftsherren und deren protestantische Gesinnung. Die Kommissäre erteilten dem Propst einen strengen Verweis und befahlen ihm, den Dechant abzusetzen und einzusperren. Nach dem Visitationsbericht vom Jahr 1561 befanden sich im Stift Herzogenburg nur mehr vier Konventualen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krisenzeit des Stiftes wurde der Prälat von St. Andrä [[Johannes VI. Pülzer]] (1563–1569) zum Propst bestimmt. In seinem Wahlinstrument hieß es, er sollte baldmöglichst die Zahl der Chorherren ergänzen, da sich dieselben fast alle &amp;quot;verloffen&amp;quot; hätten. Wirtschaftskrisen, Hungersnot, Erhöhung der Steuern und die Tatsache, dass viele seiner Mitbrüder lutherisch wurden, trieben Propst [[Johannes VII. Glaz]] (1569–1572) zu einem Verzweiflungsakt: in der Nacht des 14. September 1572 floh er in Begleitung eines Dieners aus dem Stift.&lt;br /&gt;
Nun folgte ein Mann aus dem eigenen Haus, [[Jakob Reisser]] (1573–1577). Durch seine Sparsamkeit und energische Haltung ging es sowohl finanziell als auch disziplinär im Stift aufwärts. Im Visitationsbericht wurde vermerkt, dass er keine goldene Kette und auch keine kostbaren Kleider trug, keine Spiele gestattete und die Musik bei Tisch abgeschafft habe. Er bemühte sich, Mitarbeiter aus dem Ausland zu bekommen, um die Ausbreitung der lutherischen Lehre zu stoppen. Denn die Gemeinde Herzogenburg war zum Großteil schon protestantisch und die Pfarrkinder gingen bereits in die umliegenden Ortschaften, um bei den &amp;quot;sektischen Predigern&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod postulierte der Klosterrat den Propst des [[Stift St. Dorothea|Chorherrenstiftes St. Dorothea]] in Wien, [[Georg II. Brenner]] (1578–1590). Georg war Hofkaplan bei Kaiser Maximilian II. gewesen und der Klosterrat schlug ihn 1588 als Bischof von Wiener Neustadt vor. Er strebte den Erwerb des Unteren Formbacher Marktes Herzogenburg, der noch immer großteils protestantisch war, an, scheiterte jedoch. Die Trennung beider Märkte Herzogenburg blieb bis 1806 bestehen. Propst Georg Brenner setzte aber Maßnahmen gegen das Luthertum durch, Herzogenburger Bürger, die zu den „Predikanten ausliefen“, wurden mit schweren Strafen bedroht. Ebenso mussten die Herzogenburger ihre Kinder in die katholische Schule schicken und dem Gesinde wurde verboten, sich während des sonntäglichen Gottesdienstes in Wirtshäusern oder auf Spielplätzen aufzuhalten. Kirche, Kloster- und Wirtschaftsgebäude wurden unter Propst Georg Brenner renoviert und ausgebaut, Messgeräte, Bücher und Musikinstrumente angekauft. Der Lesehof in Königstetten wurde renoviert und der Hof von Klosterneuburg fast zur Gänze neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Krankheit stand dem Propst in den letzten Jahren [[Paul Zynkh]] als Koadjutor zur Seite. Da es nach dem Tod des Propstes bei der Neubesetzung zwischen Klosterrat und dem Passauer Bischof zu Unstimmigkeiten gekommen war, verwaltete Paul Zynkh über ein Jahr als Administrator das Stift, bis er zum Propst gewählt wurde (1591–1602).Er setzte die gegen den Protestantismus gerichteten Maßnahmen seines Vorgängers fort und bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg, dessen Predigttätigkeit zu einer Rekatholisierung führte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der ständigen Gefahr von osmanischen Einfällen wurden die Verteidigungsanlagen des Klosters gemäß dem kaiserlichen Mandat ausgebaut und die Rüstkammer des Stiftes mit modernen Waffen versehen. Während eines halbjährigen Kuraufenthaltes des Propstes in St. Pölten entbrannte eine heftige Auseinandersetzung zwischen dem Stiftsdechant und dem Konvent. Der kranke Propst kehrte zurück und hielt ein Kapitel. Der Dechant wurde abgesetzt und im Lauf von drei Wochen bei Wasser und Brot „dasig“ gemacht. Die letzten drei Jahre seines Lebens war Propst Paul Zynkh Deputierter der niederösterreichischen Stände und hielt sich oft in Wien auf. Aus diesem Grund kaufte er dort 1601 ein Wohnhaus, den „Heidelberger Hof“ in der Annagasse. Das Gebäude ist heute noch im Besitz des Stiftes und trägt den Namen Herzogenburgerhof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als [[Melchior Kniepichler]], ehemaliger Propst des Stiftes Dürnstein, von König Matthias als Propst postuliert wurde (1609–1615), protestierte der Herzogenburger Konventuale [[Johannes Held]] in einem Schreiben an den Passauer Offizial, weil Propst Melchior in St. Andrä (1592–1599) &amp;quot;Schulden gehäuft und von dann gezogen sei&amp;quot;, er habe dann &amp;quot;Tirnstain ohne Schulden angetreten und gehe nun mit Schulden weg&amp;quot; (1599–1609); beide Male in Folge seiner verschwenderischen Freigiebigkeit gegen Verwandte und Freunde. Weiters klagt er, dass Melchior dem Trunke ergeben und &amp;quot;in diesem Zustand unausstehlich streitsüchtig sei.&amp;quot; Schließlich, dass Melchior das weibliche Geschlecht liebe und gerne Tanzunterhaltungen besuche. In den Klosterratsakten hieß es, &amp;quot;dieser Mann war mehr Schelm als Mönch&amp;quot;. Am 26. Juli 1615 kam eine Untersuchungs- und Strafkommission nach Herzogenburg. Aufgrund der strengen Linie von Bischof Melchior Klesl wurde der Propst gefangen nach Wien geführt, verhört und einige Monate eingesperrt. Erst nach drei Jahren wurde Melchior rehabilitiert und zum zweiten Mal zum Propst von Dürnstein bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Wahlturbulenzen in den folgenden Jahren bestimmte Kaiser Ferdinand II. den Dechant des Kathedralstiftes Seckau [[Martin III. Müller]] zum Vorsteher in Herzogenburg (1621–1640). Er war ein eifriger Förderer der Gegenreformation, reformierte das klösterliche Leben und führte neue Statuten ein. Er erreichte auch, dass ihm die [[Pfarre Hain]] wieder zurückgegeben wurde, wo bisher nur protestantische Prediger angestellt waren. Den Konflikt mit der dort tonangebenden protestantischen Familie der Jörger konnte erst sein Nachfolger [[Johannes Bauer]] (1640–1653) beilegen. Propst [[Joseph Kupferschein]] (1653–1669) versuchte ebenfalls auf friedliche Weise die Protestanten zum katholischen Glauben zurückzugewinnen. Er war sowohl ein gelehrter Mann (1641 war er Rektor der Universität in Wien) als auch ein tüchtiger Wirtschafter. Propst [[Anton Sardena]] (1669–1687) begann mit viel Schwung die weiteren Restaurierungsarbeiten bzw. die Barockisierung des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679/80 wütete die Pest in Herzogenburg und kostete viele Menschen das Leben. In der Stiftsgeschichte von Dechant Beyer wird auch das Erscheinen eines Kometen vermerkt, der im Jahr 1680 am Fest des hl. Stephan zum ersten Mal erschien und als Vorbote der Osmaneneinfälle interpretiert wurde. Am 14. Juli 1683 erschien eine osmanische Streifschar vor Herzogenburg. Sie ließ den gut befestigten Ort zunächst ungeschoren. Als die Gefahr immer größer wurde, flüchtete der Prälat auf Bitten seiner Geistlichen mit dem Archiv und der Schatzkammer nach Dürnstein. Unter den im Kloster verbliebenen Chorherren befand sich [[Gregor Nast]], der später einen ausführlichen Bericht über die Osmaneneinfälle verfasste. Eine größere Truppe versuchte die Erstürmung des Marktes und schichtete Stroh vor die Markttore, um sie durch Feuer zu zerstören. Die Bürger leisteten mit ihren Schusswaffen allerdings tatkräftigen Widerstand. Zahlreiche Bauernhöfe von Herzogenburger Grundholden wurden jedoch geplündert und niedergebrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) betrieb die wirtschaftliche Konsolidierung seines Hauses nach dem Krieg und den Wiederaufbau bei Pfarren und Wirtschaftshöfen. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prandtauer wurde 1714 von Propst [[Wilhelm von Schmerling]] (1709–1721) mit einem barocken Neubau des Stiftsgebäudes beauftragt. Nach Schleifung des alten Klosters – nur ein Teil des mittelalterlichen Kreuzgangs blieb erhalten – wurde eine zweihöfige neue Stiftsanlage errichtet, der zweite Hof jedoch baulich nie fertiggestellt. Die von Prandtauer gebauten Trakte sind vornehm und voll künstlerischen Lebens. Einzig an der Ostseite sprengt der Saalbau nach Plänen von Fischer von Erlach die Prandtauersche Fassade: er tritt um eine Achse hervor und überragt sie mit den Oberfenstern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Herzogenburg geborene Propst [[Leopold von Planta]] (1721–1740) schloss die Bauarbeiten ab und besorgte die wirtschaftliche Stabilisierung des Hauses. In seiner Regierungszeit wurde am 18. September 1724 das Stift in die [[Lateranensische Choherrenkongregation]] aufgenommen. Die Pröpste führen seitdem den Titel eines Lateranensischen Abtes. Propst Leopold führte nach dem Beispiel von Klosterneuburg den schwarzen Talar anstelle der weißen Kleidung für seine Mitbrüder ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Frigdian Knecht]] (1740–1775) wurde im Österreichischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen gefangengenommen, um eine Kriegssteuer in der Höhe von 14.000 Gulden zu erpressen. Er wurde nach den Worten des Stiftsdechanten „hin und hergeführt zu Schand und Spott“. Erst nach sechstägiger Gefangenschaft und Zahlung des hohen Lösegeldes konnte der Prälat wieder ins Stift zurückkehren. 1743 entschloss er sich, die Kirche durch den jungen Baumeister Franz Munggenast neu errichten zu lassen. Der Turm wurde 1767 nach Entwürfen von Johann Bernhard Fischer von Erlach durch Matthias Munggenast ausgeführt. Die Architektur dieser Kirche und die Ausstattung durch Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte können zu den großen Leistungen des österreichischen Barocks gezählt werden. In den Pfarren [[Stollhofen]], [[Hain]], [[Rottersdorf]] und [[Brunn]] ermöglichte Propst Frigdian ebenfalls die Barockisierung der Kirchen. Durch die Stiftung von 7.000 Gulden des Wiener Stadtrates Jakob Bodenreiter konnte in Theiß der Pfarrhof neu errichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seines wissenschaftlichen Interesses kaufte der Propst Jahr für Jahr viele wertvolle Bücher, ordnete das Archiv und unterstützte den Aufbau eines eigenen Münzkabinetts. Auf musikalischem Gebiet war sein Mitbruder [[Georg Johann Donberger|Georg Donberger]] tätig. Als Regens chori komponierte dieser unermüdlich und seine Werke sind in den Musikarchiven vieler österreichischer Stifte zu finden. Als Propst Frigdian Knecht nach 35-jähriger Amtszeit im Jahr 1775 starb, hinterließ er ein geordnetes Haus, das spirituell, künstlerisch und wirtschaftlich einen guten Ruf hatte. Er wird auch der dritte Gründer genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Josephinismus bis Gegenwart===&lt;br /&gt;
Propst [[Michael Teufel]] (1782–1809) war Parteigänger von Kaiser Joseph II. und administrierte für ihn die Aufhebungen der Chorherrenstifte St. Andrä an der Traisen und Dürnstein. Das Patent des Kaisers über die Klosteraufhebungen wurde für das [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stift St. Andrä an der Traisen]] wirksam, das nach dem Tod des letzten Propstes [[Gregor Grindler]] 1783 dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde. Das [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] wurde 1788 mit dem Stift Herzogenburg vereinigt. Gegen diesen Bescheid erhob zwar der Bischof von St. Pölten Einspruch, doch wurde mit Hofdekret vom 7. Juni 1788 die endgültige Aufhebung Dürnsteins angeordnet. Als durch die Aufhebung der Benediktinerabtei Formbach am Inn der Untere Markt Herzogenburg Staatseigentum wurde, konnte ihn Propst Michael im Jahr 1806 kaufen und mit dem Oberen Markt vereinigen. Ein Höhepunkt in der Regierungszeit des Propstes Michael Teufel war die Weihe der neuen Herzogenburger Stiftskirche am 2. Oktober 1785, sie erfolgte durch [[Heinrich Johannes von Kerens]] dem ersten Bischof, der in St. Pölten residierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Koalitionskriegen war Stift Herzogenburg nach der Schlacht im nahegelegenen Dürnstein-Loiben im November 1805 direkt betroffen. Französische Truppen fielen in die Stadt ein, brachen Keller auf und plünderten. Hohe Geldforderungen der französischen Offiziere und Einquartierungen von Soldaten belasteten das Stift schwer. Propst Michael floh während des Krieges mit der Münzsammlung und anderen Kostbarkeiten nach Ungarn in die Abtei Zirc. Kämmerer [[Josef Leuthner]] brachte sich mit den anderen Wertgegenständen auf das Gut Primmersdorf (Waldviertel) in Sicherheit. Im Rahmen des Österreichisch-Französischen Krieges im Jahr 1809 und der zweiten Eroberung Wiens durch Napoleon hatte Herzogenburg wieder unter französischen Truppen, ganz besonders unter den württembergischen Hilfstruppen zu leiden. Bei dieser zweiten Franzoseninvasion kam der Propst allerdings nicht mehr unbehelligt davon. Noch kurz vor seinem Tod wurde er in seinem Zimmer von einem französischen Husaren misshandelt und seines Kreuzes und Ringes beraubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Michael Teufel hat um das Stift beinahe so große Verdienste wie sein Gründer – der Volksmund unterstrich das Weiterbestehen des Stiftes mit dem Bonmot: „Der Teufel hat das Stift gerettet.“ Im Geist der neuen josephinischen Begräbnisordnung wurde er als erster Stiftsvorsteher außerhalb des Ortes auf dem allgemeinen Friedhof in einem bescheidenen Mausoleum bestattet. 1977 wurden die sterblichen Überreste des Propstes exhumiert und neben seinem Grabdenkmal in der Stiftskirche beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Amortisationsgesetze und Religionsfondsabgaben der spätjosephinischen Ära belasteten die Stiftswirtschaft und führten zu erheblicher Verschuldung. Der ehemalige Stiftsdechant Propst [[Aquilin Leuthner]] (1811–1832) konnte das Haus nur insofern aus der finanziellen Not retten, als er von Kaiser Franz I. einen Nachlass der Schulden erreichte. Dem josephinischen Nützlichkeitsgedanken entsprach das Kloster durch Errichtung eines Schulgebäudes auf dem Stiftsgelände im Jahr 1829, dem der Westtrakt des mittelalterlichen Kreuzwegs weichen musste. Die Visitationen des St. Pöltner Bischofs Jakob Frint führten in Herzogenburg zur allmählichen Umsetzung der Klosterreformen der Restaurationszeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Bernhard II. Kluwick]] (1832–1843) erreichte die Choleraepidemie auch Niederösterreich. Die Angst vor dieser Seuche veranlasste die Stiftsherren, zur Versorgung der Kranken an den Gangenden sogenannte Choleraöfen zu errichten: „... also die Küche zu weit entfernt ist, um schnell den notwendigen Tee und warmes Wasser herbeizuschaffen.“ Das Lebenswerk von Propst Bernhard war die Erbauung der Pfarrkirche in [[Theiß]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Karl Stix]] (1843–1847) konnte einen weiteren bedeutenden Schuldenerlass bei Kaiser Franz I. erreichen. Aus Dankbarkeit feierte das Stift jahrzehntelang den Todestag des Monarchen mit dem „Kaiserrequiem“. 1844 konnte er die Jubiläumsfeier der Übertragung des Stiftes von St. Georgen nach Herzogenburg (1244) festlich begehen. Aus Anlass des Jubiläums erbat sich der Herzogenburger Konvent beim Bischof das Recht, violette Mozetten anstelle der bisherigen Almutien aus Pelz tragen zu dürfen, was ihnen allerdings erst einige Jahre später gewährt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Revolutionsjahr hob am 7. September 1848 der Reichstag die bäuerliche Untertänigkeit auf und das Feudalrecht mit Robot und Zehent wurde abgeschafft. Propst [[Josef II. Neugebauer]] (1847–1856) verkaufte in der Folge 1851 das Gut Primmersdorf, das bis dahin der Einbringung der klösterlichen Zehentrechte im nördlichen Waldviertel gedient hatte. Am 8. Oktober 1848 – auf der Flucht von Wien in die Festung Olmütz – kam Kaiser Ferdinand I. mit seinem Gefolge nach Herzogenburg und wurde als Gast im Stift beherbergt. Am selben Abend unterzeichnete der Kaiser ein Manifest „An die Völker meiner deutsch-erbländischen Provinzen“. Am nächsten Morgen zog der Kaiser mit seinem Gefolge weiter. Der Name „Kaisergasse“ in Herzogenburg erinnert noch heute an diese Begebenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1853 gab es eine kanonische Visitation durch den St. Pöltener Bischof Feigerle, und zwei Jahre darauf visitierte auch der Linzer Bischof Rudiger in Vertretung des Kardinals Fürst Schwarzenberg das Stift Herzogenburg. Auch er war sehr zufrieden mit dem Stand des Hauses und „schied mit wahrer Herzensfreude vom Stift“. Auch unter dem nächsten Vorsteher des Stiftes Propst [[Norbert Zach]] (1857–1887) herrschte ein gutes Klima im Haus. Von den 34 Mitgliedern des Stiftes waren 25 Priester in der Seelsorge tätig, vier hatten häusliche Offizien, zwei Kleriker studierten an der theologischen Hauslehranstalt im [[Chorherrenstift Klosterneuburg]], zwei Novizen wurden im Haus in die Lebensordnung der Chorherren eingeführt.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1862 gründete der Stiftskurat und spätere Dechant [[Ferdinand Mann]] den katholischen Gesellenverein, der sich um die seelsorglichen und menschlichen Anliegen der arbeitenden Bevölkerung kümmerte. Die Stadt Herzogenburg begann den Schritt ins Industriezeitalter, als 1874 die Firma Vollrath (Nägel, Schrauben) von Wien nach Herzogenburg/Oberndorf übersiedelte. 1875 folgte ihm Carl Grundmann, ein pensionierter Danziger Lokomotivführer, der sich auf die Erzeugung von Türschlössern spezialisiert hatte. In diese Zeit fällt auch die Planung und der Bau der Eisenbahnlinien im Raum Herzogenburg: Am 3. August 1885 wurde die Strecke Tulln – St. Pölten, am 16. Juli 1889 die Strecke Herzogenburg – Krems eröffnet. Seit dieser Zeit „ist der Markt mit zwei Hauptverkehrsadern der Monarchie“, mit der West- und der Franz-Joseph-Bahn, verbunden. Um der rasch anwachsenden Bevölkerung eine bessere Ausbildung und damit größere Berufschancen geben zu können, wurde die Stiftsschule schon 1867 zu einer Pfarr-Hauptschule erweitert. Heute wird das neben der Stiftskirche gelegene Schulgebäude von der Herzogenburger Sonderschule und der Musikschule benützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das äußere Bild des Ortes änderte sich Mitte des 19. Jahrhunderts. Drei Tore der alten Marktbefestigung wurden abgetragen; ebenso Teile der Ringmauer. Ein Stückchen dieses mittelalterlichen Ensembles ist heute noch im nördlichen Stiftsbereich zu sehen, wo Mauer, Graben, Verteidigungsturm und das einzige noch bestehende Stadttor, das „Au-Tor“, auch „Nordtor“ genannt, erhalten blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Schlacht bei Königgrätz Mitte Juli 1866 drangen die preußischen Truppen bis ins Waldviertel vor und das österreichische Militär zog sich – größtenteils kampflos – auf das südliche Donauufer zurück. Das Stift richtete im Auftrag der k. k. Statthalterei ein Spital für die Soldaten ein. Für seine Verdienste wurde der Propst im Jahr 1879 vom Kaiser mit dem Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet. Während seiner zehnmonatigen Funktion als Administrator des Stiftes veranlasste Dechant [[Emmerich Wallner]] die Gestaltung des nach ihm benannten „Emmerichhofes“ im Westtrakt des Stiftsgebäudes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Person des folgenden Propstes [[Frigdian II. Schmolk]] (1888–1912) vereinigten sich Kirchenfürst und Staatsmann. 1902 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum Landmarschall (Vorsitzender des Landtages). Vier Jahre lang hatte er dieses Amt inne. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der Kaiser die Würde eines Wirklichen und Geheimen Rates und berief ihn auf Lebenszeit als Reichsrat in das Herrenhaus. Um 1900 erreichte das Stift seinen höchsten Personalstand: 40 Konventualen gehörten zum Kloster. Unter Propst Frigdian wurden in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das Stiftsgebäude, der Turm, die Orgel und das Innere der Kirche restauriert. Dechant [[Ferdinand Mann]] ließ auf seine Kosten 1903 den Maria-Lourdes-Altar errichten und die zwei Holzstatuen Herz-Jesu und Herz-Maria in der Kirche aufstellen. 1907 wurde der Zusammenschluss der österreichischen Chorherrenstifte zur [Kongregation der Österreichischen Augustiner-Chorherren|&amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten Lateranensischen Chorherren“] erreicht. Als Konvisitator wurde Propst Frigdian Schmolk gewählt. Eine enge Freundschaft verband Propst Frigdian mit dem Wiener Bürgermeister Karl Lueger. Als dieser tödlich erkrankte, berief er seinen langjährigen Freund zu sich, der ihm die die Sterbesakramente reichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmolks Nachfolger wurde [[Georg III. Baumgartner]] (1913–1927). Mit größter Sparsamkeit und Umsicht lenkte er das Stift durch die wirtschaftlichen Erschütterungen des Ersten Weltkrieges. Er stellte das Sommerrefektorium als Kaserne für die Marschkompanien und den Theatersaal dem Roten Kreuz zur Pflege der Verwundeten zur Verfügung. Vom Krieg selbst wurde Herzogenburg nur mittelbar betroffen: durch die vielen Gefallenen. Ihre Namen sind auf einer Marmortafel, rechts beim Eingang der Kirche, eingemeißelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 ließ Propst Georg das veraltete stiftliche Elektrizitätswerk – die ehemalige Stiftsmühle – in eine moderne Wasserkraftanlage mit Turbinen umbauen, die das Stift und Teile der Stadt Herzogenburg jahrelang mit Strom versorgte. Bedeutende Verdienste erwarb sich Georg Baumgartner durch seine wissenschaftliche Forschung über die Urgeschichte, inspiriert durch die archäologischen Funde aus der Hallstattzeit auf Grundstücken, die zum Stift gehörten. Bis zuletzt arbeitete er mit großer Genauigkeit an der Hausgeschichte und an der Baugeschichte der Kirche und des Stiftes und verfasste weiters den Artikel „Herzogenburg“ in der „Topographie von Niederösterreich“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die allgemeine Wirtschaftskrise machte sich auch im Stift bemerkbar. Das Steueramt St. Pölten drängte immer öfter unter Androhung der Zwangsverwaltung auf Bezahlung der Steuerschulden. Das Kapitel unter Propst Georg sah sich gezwungen, einem Beschluss zum „Verkauf einzelner Wertgegenstände näher zu treten“. Einige Pretiosen aus der Bibliothek und den Kunstsammlungen wurden verkauft. In diese politisch sehr schwierige Zeit fällt eines der größten Ereignisse für Herzogenburg, die Stadterhebung: Am 30. Juni 1927 beschloss der Landtag von Niederösterreich, den Markt Herzogenburg „trotz der verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl“ (2.800) zur Stadt zu erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der spätere Landtagsabgeordnete und Vertreter des Klerus [[Ubald Steiner]] (1927–1946) wurde zum nächsten Propst gewählt. Es gelang ihm, das Stift durch die schwierige wirtschaftliche Lage der dreißiger Jahre zu führen, was den Verkauf mehrerer Grundstücke und Kunstschätze beinhaltete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Sozialdemokratie in den 1920er Jahren wurden auch in Herzogenburg, das durch seine metallverarbeitende Industrie über einen hohen Arbeiteranteil verfügte, vehement geführt. Der Stiftsdechant und Pfarrer [[Anton Rudolf]] stand im Ruf, „der von den Sozialdemokraten wohl bestgehasste Chorherr“ zu sein. Er war der Typ von Priesterpolitiker, der die ohnehin spannungsgeladenen dreißiger Jahre durch sein Zelotentum und seine nie erlahmenden Bekehrungsversuche an ungläubigen Marxisten eher verschärfte denn beruhigte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Volksabstimmung vom 10. April 1938 brachte in Herzogenburg 2.047 Ja-Stimmen für den Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland und nur fünf Gegenstimmen. In der Folgezeit erhielt Herzogenburg den Namen „Stadt der Treue“. In diesen Jahren wurden die Repressalien gegenüber den kirchlichen Institutionen und der Geistlichkeit immer spürbarer. Die Stiftstaverne und der Theatersaal wurden beschlagnahmt. 400 Herzogenburger traten aus der Kirche aus, und rund 100 Kinder wurden vom Religionsunterricht abgemeldet. Das Herzogenburger Pfarrblatt, das seit 1915 erschien, wurde wegen „Papierknappheit“ 1941 eingestellt. Das Stift wurde von den Nationalsozialisten zwar nicht aufgehoben, war aber in seiner Wirtschaftsführung nicht mehr unabhängig. Teile des Stiftsgebäudes wurden 1940 für ein Einquartierung von bessarabischen Umsiedlern und später auch anderen Flüchtlingen beschlagnahmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum „schwarzen Montag“ wurde der 6. November 1944. 300 Bomben fielen in und um Herzogenburg: 20 Tote und große Sachschäden waren die traurige Bilanz. Am 14. April 1945 rückten nach einer kurzen Kanonade die Sowjets in Herzogenburg ein. Eine Gruppe von Herzogenburgern, unter ihnen Propst Ubald, ging ihnen mit der weißen Fahne entgegen. Die Stiftsgebäude waren durch einige Bombentreffer leicht beschädigt worden, schwerer betroffen waren die Stiftswälder, die durch die Luftangriffe schwere Schäden hatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Georg IV. Hahnl]] (1946–1963) betrieb den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit. Im Jahr 1948 wurden vier neue Glocken der Stiftskirche geweiht. 1942 hatten alle Glocken bis auf die größte, die Pummerin, der Rüstungsindustrie abgeliefert werden müssen. Wissenschaftliche Berühmtheit erlangte Propst Georg durch seine Arbeit auf dem Gebiet der Heimat- und Urgeschichtsforschung. Fast seine ganze Regierungszeit als Propst war allerdings von einer schweren Krankheit überschattet, was sich negativ auf das Klima und die Personalsituation des Stiftes auswirkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Resignation wurde [[Thomas Zettel]] (1963–1969) zum nächsten Vorsteher des Hauses gewählt. Nach langen Vorbereitungen öffnete 1964 das Stift Herzogenburg seine Räume und Säle für über 100.000 Besucher anlässlich seiner (etwas verspäteten) 850-Jahr-Feier. Der ebenerdige Teil des sogenannten „Altstiftes“, die Reste der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen alten Klosteranlage, war renoviert worden und das spätgotische Refektorium „glänzte“ durch die kurz zuvor freigelegten Fresken von ca. 1500. Daneben im frühbarocken Refektorium waren die Funde aus der Ur- und Frühgeschichte neu aufgestellt worden. Im Barockgebäude wurde im ersten Stock im ehemaligen Gästetrakt eine Ausstellung für die restaurierten Kunstschätze des Stiftes, insbesondere seine Sammlung mittelalterlicher Flügelaltäre, eingerichtet. Im Festsaal, in der Bibliothek, im Bildersaal und in elf weiteren Ausstellungsräumen erlebten und erleben Besucher das künstlerische Erbe des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1965 gab es eine einschneidende wirtschaftliche Umstellung: der Weinbau und die Landwirtschaft konnten in Eigenregie nicht mehr positiv geführt werden, deshalb wurden beide Wirtschaftszweige verpachtet. Der Forst als dritte Einnahmequelle wird bis heute noch selbst geführt, die Jagden sind verpachtet. Das Gebäude, in dem die ehemalige Stiftstaverne befand, wurde an die Stadtgemeinde Herzogenburg verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1977 erreichten die ökumenischen Gespräche und Gottesdienste, die vom späteren Propst [[Maximilian Fürnsinn] initiiert wurden, ihren Höhepunkt in der Ausstellung &amp;quot;Kunst der Ostkirche&amp;quot;. Zum ersten Mal feierten in diesem Zusammenhang die Vertreter aller elf östlichen und westlichen Kirchen in Österreich einen gemeinsamen Gottesdienst in der Herzogenburger Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Stadt Herzogenburg“ wurde die Nordeinfahrt des Stiftes restauriert und der Innenhof nach barockem Vorbild neu gestaltet. In diesem Jahr, 1977, wurde auch der Abschluss der Turmrenovierung gefeiert. Propst [[Clemens Moritz]] (1969–1979) wurde zum Ehrenbürger von Herzogenburg ernannt. Er war nicht ein Prälat im Sinne der prachtvollen Barockzeit, wohl aber im Sinne des Ordensstifters Augustinus ein Seelsorger, besorgt um seine Gemeinde und seine Mitbrüder. Auch nach der Resignation blieb Altpropst Clemens bis zum Jahr 1996 der Pfarrer von Herzogenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit [[Maximilian Fürnsinn]] (1979–2019)) bekam das Stift nach 200 Jahren wieder einen gebürtigen Herzogenburger zum Propst. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war zunächst die Renovierung der Stifte und Pfarren. Allein mit einem Kostenaufwand von rund 50 Millionen Schilling wurde das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein in der Zeit von 1985 bis 1995 restauriert. Die zehnjährige Renovierung des Stiftes Herzogenburg wurde im Jahr 2012 abgeschlossen, sie umfasste neben der Fassadensanierung unter anderem die Instandsetzung der musealen Räumlichkeiten. Die neue Dauerausstellung konnte im Jahr 2012, als das Stift das Jubiläum seines 900jährigen Bestehens beging, eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den zentralen Anliegen von Propst Maximilian gehörte, dass das Stift – entsprechend der jahrhundertelangen Tradition – eine offene Begegnungsstätte ist. So gehen auf seine Initiative viele Tagungen, Bildungsveranstaltungen und Zusammenkünfte von verschiedenen Institutionen und Vereinigungen zurück. Neben den zuvor erwähnten ökumenischen Treffen haben etwa die Ritter vom Heiligen Grab in Jerusalem der Komturei St. Pölten hier regelmäßige Zusammenkünfte. Besonders erwähnenswert sind die in der Regierungszeit von Propst Maximilian abgehaltenen &amp;quot;Herzogenburger Gespräche&amp;quot;, anlässlich derer mehrmals im Jahr 60 bis 80 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kirche zentrale gesellschaftliche Fragen behandelten. Pastorales Wirken war dem vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägten Seelsorger Maximilian Fürnsinn ein besonderes Anliegen, vor allem die Lebendigkeit in der Pfarrseelsorge lag ihm am Herzen. In der Pfarre Herzogenburg entstand aus einem Kinderfest der Katholischen Jungschar der heute größte Kinderevent Niederösterreichs, die „Niederösterreichischen Kindersommerspiele“ (NÖKISS).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein kirchliches Engagement, seine organisatorischen und kreativen Fähigkeiten und seine Leitungskompetenzen führten daszu, dass Propst [[Maximilian Fürnsinn]] 1982 zum ersten Mal zum Vorsitzenden der niederösterreichischen Äbtekonferenz gewählt wurde. Von 1989 bis 1994 war er Vizepräsident der ökumenischen Stiftung Pro Oriente. Von 1998 bis 2013 war er Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2019 wurde [[Petrus Stockinger]] zum neuen Propst von Herzogenburg gewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Bischof Ulrich I. von Passau (1092–1121) konnte seiner Neugründung, dem Augustiner-Chorherrenstift St. Georgen, nur wenig schenken. In der Gründungsurkunde des Klosters bemühte er daher auch die Heilige Schrift und erwähnt das Opfer der armen Witwe, die nur zwei Kupfermünzen in den Opferkasten des Tempels warf, die aber von Jesus gelobt wurde, weil sie alles gab, was sie besaß. Der Bischof schenkte einiges von seinem persönlichen Besitz her, vielleicht sogar alles, was er in der damaligen Ostmark sein Eigentum nannte. Und das war für die junge Kommunität gerade genug zum Überleben. Katastrophen oder wirtschaftliche Schwierigkeiten durfte es keine geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bischof übergab der Klostergemeinschaft seine ererbte Eigenkirche St. Georgen an der Traisenmündung mit Fischwassern, Weingärten, Wiesen und Wäldern. Ebenso vermachte er aus seinem persönlichen Besitz ein Gut und eine Hube zu Sebarn, eine Hube zu Perschling, Engabrunn und Gumpolding, eine halbe Hube in Pötzleinsdorf (bei Wien) und eine zu Kamp, je einen Weingarten zu Kuffern und Egelsee und zwei Weingärten in Inzersdorf. Aus dem bischöflichen Gut schenkte er drei Weingärten in Hundsheim mit einem Lehen, je einen Weingarten in Stein, Weinzierl und Plechingen (zwischen Stein und Krems), den dritten Teil des Zehents von Teras und Merzleinswerd, die Hälfte des Zehents von den Pfarren Herzogenburg und Traisenburg sowie das ganze Dorf Streithofen (im Tullnerfeld). Einige Jahre später schenkte Bischof Ulrich zur Aufbesserung noch sechs Weingärten dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der wirtschaftlichen Not des jungen Stiftes versuchte nun 1160 Bischof Konrad von Passau (1148–1164) mit einer (gefälschten) Urkunde zu helfen, in der er das neuzugründende Stift St. Andrä mit St. Georgen vereinigte. Dieser Zusammenschluss scheiterte am Widerstand Ottos von Rechberg, der schließlich ein eigenständiges Kloster St. Andrä errichten konnte. Als Entschädigung übertrug Bischof Konrad dem Stift St. Georgen die Pfarre Marquardsufer und den Schweighof bei Zeiselmauer, um der &amp;quot;materiellen Not des Stiftes abzuhelfen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam konnte das Stift in den folgenden Jahrhunderten seinen Besitz durch Schenkungen vermehren, wobei das Waldviertel und das untere Traisental zu Schwerpunkten der Besitzungen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Urkunde von 1163 werden als Zeugen zuerst die Äbte von Göttweig und Zwettl, der Propst von St. Pölten und dann der Propst von St. Georgen, Albert, angeführt. 25 Jahre später kommt Propst Berthold von St. Georgen in der Zeugenfolge nach den Äbten von Göttweig, Melk und Altenburg, jedoch vor den Pröpsten von St. Nikolai und St. Andrä. Diesen Platz in der Reihenfolge der niederösterreichischen Stifte nimmt Herzogenburg bis über die Barockzeit ein. Nach den Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II. dürfte das Stift Herzogenburg besitzmäßig an die letzte Stelle gerückt sein. Doch noch einmal zurück ins Mittelalter. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im 12. Jahrhundert konnte das Stift seine Besitzungen durch Kauf, vor allem aber durch Schenkungen vermehren. Die Vielzahl der Schenkungen im Mittelalter sind meist auch ein Zeugnis von guter Spiritualität: einem glaubensstarken Kloster vertraut man eher seine Gebetsanliegen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste große Finanzaufwand war der zweite Neubau des Klosters in Herzogenburg um 1244. Das älteste Zehentverzeichnis, das in das Jahr 1299 zurückreicht, zeigt jedoch schon eine wirtschaftliche Stabilisierung auf. Das Stift besaß nun zehn &amp;quot;Ämter&amp;quot;, i. e. Zehenthöfe, die für die Einhebung der Zehente notwendig waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten waren Abgaben für die Kreuzzüge zu entrichten. Später kamen dann die Steuern für die Finanzierung der Türkenkriege. Verwüstungen durch Kriege, Naturkatastrophen (Heuschreckenplage und Dürre) und Pestepidemien brachten einen wirtschaftlichen Tiefstand für das Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zeichen für das wirtschaftliche Auf und Ab war 1417 der Kauf eines Hauses in Wien, Johannesgasse. 1541 musste es wieder verkauft werden. Bezeichnend für diese schwierige Zeit war auch der Personalstand: 1569 war nur mehr ein Konventuale im Stift. Als 1601 wieder ein Haus in Wien, diesmal in der Annagasse, gekauft wurde, war dies zugleich auch ein Zeichen des neuen Erstarkens: sowohl wirtschaftlich als auch personell. Das Stift wurde renoviert, die Kirche barockisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Abwehr der Türken 1683 konnte das Stift im wirtschaftlichen Aufwind weitere Akzente setzen: ein Gut in Primersdorf (Waldviertel) wurde gekauft und ein großer, neuer Schüttkasten errichtet. In Wielandsthal wurde der Keller und in Haitzendorf der Pfarrhof von Prandtauer errichtet. Im barocken Neubau des Stiftes (ebenfalls von Prandtauer) und der dazugehörigen Kirche kam die wirtschaftliche Kraft zum Ausdruck. Allerdings mussten dafür Weingärten in Mautern, Mauternbach und Sallapulka, eine Mühle von St. Georgen, Meierhöfe in Reith bei Primersdorf, Großhain, Schwarzenbach usw. für eine Gesamtsumme von 17.600 Gulden verkauft werden. Das war ungefähr ein Drittel des Prandtauischen Kostenvoranschlages für den Neubau des Stiftes (54.000 Gulden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wirtschaftliches Tief lösten die napoleonischen Kriege und die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aus: 1851 wurde das Gut Primersdorf im Waldviertel veräußert. Jahre vorher konnte das Stift nur durch einen großzügigen Schuldenerlass von Kaiser Franz I. vor einem finanziellen Ruin gerettet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Stift nur durch den Verkauf von Grundstücken und von vielen Kunstgegenständen entgegenwirken. Einige Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg kam es wieder zu Veräußerungen von Kunstgegenständen, Teilen von Sammlungen (Mineraliensammlung) und Teilen der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre unter Propst Maximilian waren von einer klugen Wirtschaftspolitik gekennzeichnet. Trotz der bescheidenen Besitzungen von 2.625 ha (2.200 ha Wald, 25 ha Weinbau, 400 ha landwirtschaftliche Nutzung) konnten viele Restaurierungen am Stift und an den Kirchen und Pfarrhöfen vorgenommen werden. Am 29. April 1996 wurde die Außenrenovierung des Stiftes Dürnstein mit einem Gesamtumfang von 50 Millionen Schilling abgeschlossen. Eine Aufgabe für dieses Haus, etwa als Seminar- oder Vortragszentrum, wird noch zu finden sein.&lt;br /&gt;
Wenn auch schon vieles vollbracht worden ist, so warten doch noch weitere Aufgaben für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Vogtei===&lt;br /&gt;
Der Besitz des Bistums Passau im Raum Donau–Traisen stand unter der Vogtei der Babenberger. Diese übten sie durch die Burggrafen von Lengbach (Neulengbach) aus. Urkundlich sind die Vögte des Stiftes Herzogenburg sehr selten belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Übertragung des Stiftes nach Herzogenburg änderte sich in der Vogteiverwaltung nichts. Nach dem Aussterben der Babenberger siegelte 1252 Konrad von Zagging als Vogt des Hauses. Er dürfte in Verbindung mit König Ottokar Przemysl, dem neuen Landesherren, gestanden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Habsburger die Herrschaft übernahmen, wurden die Burggrafen von Neulengbach die Vögte von Herzogenburg. Bestätigt wird diese Annahme durch die Erklärung der Herzöge Wilhelm und Albrecht IV. vom 20. März 1396, in der sie ihre Pflicht zu besonderem Schutz und Schirm des Klosters und seiner Güter bestätigten, da sie ja jährlich das Vogtgeld von 17 Pfund und 6 Schillingen Wiener Pfennig und 1 Muth Hafer vom Stift empfingen. Das Stift Herzogenburg zahlte diese Summe bis zum Jahr 1848 nach Neulengbach, als die Herrschaft längst schon in Privatbesitz übergegangen war und das Vogtgeld umgerechnet nun 17 Gulden und 45 Kreuzer betrug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jenseits der Donau dürften die Kuenringer auf Dürnstein die Vogtei über die Stiftsgüter ausgeübt haben. Nach ihrem Aussterben erging 1356 eine Weisung des Herzogs Albrecht II. an seinen Pfleger in Krems, das Stift Herzogenburg in seinen Rechten und Besitzungen zu schirmen. Im Jahr 1445 übernahmen die Brüder Ulrich, Oswald und Stephan Eytzinger auf Bitten des Propstes die Vogtei auf 15 Jahre gegen die jährliche Abgabe von 6 Muth Hafer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Stift Herzogenburg lag jahrhundertelang wirtschaftlich im Mittelfeld der niederösterreichischen Klöster. So war es auch mit der Zahl der Mitglieder. Die frühen mittelalterlichen Chorherrengründungen waren nicht für riesige Konvente gedacht, sondern die Zahl zwölf war, von Jesus mit seinen Jüngern herkommend, die goldene Zahl. Bei der Gründung von St. Georgen werden wahrscheinlich eine Handvoll Chorherren die Aufbauarbeit an diesem Donaustift begonnen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1200 gab es die erste urkundliche Aufzählung des Konventes: zwölf Priester, drei Konversen (''fratres conversi''), fünf Familiaren und vier Brüder. Einige Jahre nach der Übersiedlung des Konventes von St. Georgen nach Herzogenburg wurden neun Priester, zwei Diakone und vier Brüder (''fratres barbati'') als Zeugen genannt. Ein Stiftshistoriker zählte diese bärtigen Brüder dem adeligen Stand zu, da er sie als Mitglieder von Bauhütten interpretierte, die Baumeister und Städteplaner waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Namen und aus der Stellung in der Zeugenreihe lassen sich auf die Abstammung der Chorherren Schlüsse ziehen. Wir finden im Konvent einige Mitglieder des niederen Adels. Diese Tatsache erklärt einen Teil der reichen Schenkungen des Adels der Umgebung, der so zur Versorgung seiner Söhne beitrug. Ein Nobelstift war Herzogenburg aber nie. Die meisten Novizen kamen aus der Umgebung, vereinzelt aus Oberösterreich, der Steiermark, Kärnten und Salzburg. Die Zusammensetzung des Konvents blieb also durchaus im Rahmen des damals Üblichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert dürfte sich die Zahl der Konventualen zwischen 20 und 25 bewegt haben. Der erste große Verlust kam durch die Ermordung einiger Chorherren bei der Eroberung von Herzogenburg im Jahr 1463 und dann durch die Pest. Die Reformation trug das ihre dazu bei, sodass es beim Tod des Propstes Bartholomäus von Cataneis 1563 wahrscheinlich überhaupt kein Konventmitglied mehr gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann gab es nur ein, später zwei Mitglieder, und mit dem Erstarken der Gegenreformation kam wieder Leben in die Stiftsgemäuer: im 17. Jahrhundert betrug der Personalstand zwischen acht und zehn Mitglieder. In der Barockzeit erreichte er die Zahl 25. Um 1800 waren 27 Priester, ein Kleriker und drei Novizen dem Stift zugehörig. Im 19. Jahrhundert stammten 47 Priester aus Niederösterreich, 21 aus der Tschechoslowakei und acht aus Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Jänner 1900 hatte dann das Haus den Höchststand in seiner Geschichte: von den 40 Mitgliedern waren 35 Priester, vier Kleriker und ein Novize. Im 20. Jahrhundert nahm die Zahl stetig ab, und zur Zeit gehören 13 Priester und drei Kleriker zum Stift. Die Priester stammten im letzen, d. h. im 20. Jahrhundert, zu gleichen Teilen aus dem Arbeiter- und Angestelltenstand bzw. aus der Landwirtschaft und aus Familien selbständig Tätiger (die Väter waren Fleischhauer, Fabrikanten usw.). Der größte Anteil von ihnen waren Niederösterreicher (15), dann Wiener (neun), sechs Priester kamen aus dem heutigen Tschechien. Je zwei stammten bzw. stammen aus Tirol, Deutschland und den Niederlanden. Je ein Professe kommt aus dem Burgenland und aus Belgien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Vom Ursprungskloster in St. Georgen haben sich keine Reste erhalten. Die frühesten Ansichten von diesem Bau stammen aus der Barockzeit. Es ist deshalb schwer zu beweisen, wie weit sie der Wirklichkeit entsprechen. Auf diesen Bildern ist eine Kirche als zentraler Rundbau zu sehen, wie es manchmal in der Romanik üblich war, davor zwei niedrigere Rundtürme mit der Prälatur, links davon der Küchenturm, der einem Rauchabzug ähnlich ist. Rechts von der Kirche befindet sich ein Fluchtturm mit den Glocken. Anschließend sind die Klostergebäude für die Chorherren und Gäste dargestellt. Der Klosterbau ist mit einer Mauer umgeben. Das Ganze ist wahrscheinlich ein liebevoller Versuch, das Ursprungskloster darzustellen. Diese Ansicht entspricht aber keiner romanischen Klosteranlage der damaligen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster in Herzogenburg sind wir besser informiert. Wahrscheinlich wurde 1244 zuerst mit dem Bau eines Konventtraktes begonnen, da der bestehende Pfarrhof für den 15 Mann starken Konvent zu klein gewesen ist. Von dieser Anlage hat sich noch der Südtrakt mit einem Kreuzgangabschnitt erhalten. Bei Renovierungsarbeiten zu Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Sandsteinsäulen mit herzförmigen Kapitellschilden und einfachen Rundsockeln freigelegt, die in die Mitte des 13. Jahrhunderts einzureihen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ehemalige Refektorium wurde zum Teil schon 1894 entdeckt, doch konnten die Fresken erst 1963 vollständig freigelegt werden. Diese Räume waren Teil des Gerichtsgebäudes: Wärterwohnung und Gefängniszellen. An der Südseite des gotischen Saales befinden sich drei Spitzbogenfenster. Den sechsjochigen Raum tragen zwei Steinpfeiler als Mittelstützen. An einem ist die Jahreszahl 1564 zu erkennen, die vielleicht auf eine spätere Renovierung zurückgeht. Ab einer Höhe von 1,70 m befinden sich figurale Wandmalereien. Die einzelnen Darstellungen des Zyklus sind unterschiedlich gut erhalten, zum Teil ist nur noch die rote Vorzeichnung vorhanden. Neben christologischen Szenen sind eine Sterbeszene im Kloster (vielleicht der Tod des Ordensgründers Augustinus) und ein hl. Georg wiedergegeben. Vom zweiten Bild der Nordwand ist die Darstellung des Stifters dieser Bilder Propst Georg Eisner mit seinem Konvent erhalten. Da er ohne Mitra gezeigt wird, ist die Entstehungszeit dieser Fresken kurz vor 1498 anzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der östlich an das Refektorium anschließende frühbarocke Saal wird auf einem Plan mit &amp;quot;Capitl&amp;quot; bezeichnet. Die Jahreszahl 1628 am Ostfenster gibt vielleicht den Abschluss des Umbaus an. Heute wird dieser Saal für das Urgeschichtsmuseum des Stiftes verwendet. Wahrscheinlich besaß dieser Konventtrakt aufgrund der Größe der Stiftsgemeinschaft ursprünglich schon einen ersten Stock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei anderen Flügel des Konventbaues wurden wegen des Kirchen- bzw. Schulneubaus weggerissen. Über die Funktion der Räumlichkeiten sind wir zum Teil durch einen Plan von Johann Michael Hergöth unterrichtet, den er um 1700 gezeichnet hat: ebenerdig gab es drei Sakristeiräume, eine Schneiderei, den Mesnerkeller und das erwähnte Refektorium. Im ersten Stock waren die Zimmer der Chorherren, die Wohnung des Dechants und die Bibliothek untergebracht. Im Kreuzgangbereich lag noch die alte Totenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite des Konventbereiches steht auch heute noch der Kirchenbau. Von der mittelalterlichen Kirche ist nur das gotische Kirchenportal aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten. Aus den Umbauplänen können wir schließen, dass dieser Bau als Pfeilerbasilika auf kreuzförmigem Grundriss errichtet war, ähnlich der Michaelerkirche in Wien. Nördlich der Kirche waren die Kanzleiräume und die Prälatur. Entlang des Baches lagen die Wirtschaftsräume mit einem weithin sichtbaren Fluchtturm (Kuchlturm). Von diesen Gebäuden steht nur noch die Mühle, die heute als Elektrizitätswerk die Wasserkraft nutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm von Schmerling (1709–1721) entschloss sich für den Neubau des Stiftes. Am 25. Mai 1714 wurde dazu der Grundstein gelegt und Jakob Prandtauer wurde mit der Planung und Ausführung betraut. Propst Hieronymus Übelbacher von Dürnstein bezeichnet Prandtauer als &amp;quot;fürnehmen baumeister zu St. Pölten und vielleicht fürnehmsten in ganz Österreich&amp;quot;. Prandtauer begann mit dem Bau des Südtraktes. Der Osttrakt mit dem großen Festsaal wurde nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet. 1720 wurde die Einfahrtshalle aufgeführt. Auch hier dürften Vorschläge von Fischer mitverarbeitet worden sein. Im Quertrakt, zwischen den beiden Höfen, wurden im Erdgeschoß die beiden Sakristeien eingerichtet: Herren- und Prälatensakristei. Die qualitätvollen Stukkaturen gehen auf Michael Bolla, 1717, zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1721 starb Propst Wilhelm Schmerling. Sein Nachfolger Leopold von Planta (1721–1740) ließ weiterbauen, und zur Zeit des Todes von Jakob Prandtauer war das Stiftsgebäude zu einem provisorischen Abschluss gekommen, der aber zum dauernden wurde, denn der Westtrakt des &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; blieb unausgeführt. Propst Leopold ließ vom Nachfolger Prandtauers, dem Stiftsbaumeister Joseph Munggenast, den Meierhof aufführen und in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts den Stiftsbau durch die Errichtung des nördlichen Vorbaues und des Georgitores äußerlich abschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Westtrakt aus Sparmaßnahmen nicht ausgeführt wurde, errichtete der Propst die dort geplante Bibliothek im Mitteltrakt, und die in diesem Teil schon begonnene Prälatur wurde in den Nordostteil des Gebäudes verlegt. Die Gärten ließ er in barocker Manier anlegen und die Brücke über den Mühlbach sowie den &amp;quot;Springbrunn unter dem Großen Saal&amp;quot; mit einigen &amp;quot;Kindln&amp;quot; (Sandsteinfiguren) versehen. Diese Gartenplastiken und auch die Zwergenfiguren aus dem Zwerglgarten sind heute verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leopold kaufte auch vom Wiener Goldschmied Johann Kaspar Holbein einige Brustkreuze, Kelche und vor allem eine wertvolle Monstranz, deren Entwurf auf Matthias Steinl zurückgehen könnte und die im Raritätenkabinett erhalten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung der fertiggestellten Stiftsgebäude erlebte Propst Leopold nicht mehr. Ein Jahr nach seinem Tod wurde die Weihe am Georgstag, den 24. April 1741, von seinem Nachfolger Frigdian Knecht (1740–1775) vorgenommen, der dann auch die &amp;quot;Kapitularen in die neue, freundliche Klausur&amp;quot; führen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich Propst Frigdian zum Neubau der Kirche. Am 26. Juni wurde unter Beisein des Malers Daniel Gran der Grundstein an der Epistelseite der Apsis (rechte Seite der Kirche) gelegt. Die Inschriftplatte aus vergoldetem Kupfer führt Franz Munggenast als Baumeister an. Im selben Jahr, in dem der Rohbau fertig wurde, 1748, starb der junge Baumeister mit 24 Jahren. Seine Genialität wird an dieser Kirche, die zu den großen Leistungen des österreichischen Barock gezählt werden darf, sichtbar. Sein Bruder Matthias folgte als Stiftsbaumeister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kircheninneren malte Daniel Gran 1746 das Hochaltarbild und im Presbyterium die beiden Fresken. Wegen finanzieller Unstimmigkeiten und anderer Meinungsverschiedenheiten kam es zum Bruch mit dem Künstler. Der Propst vergab daher die weiteren Arbeiten in der Kirche, die Freskenmalerei und sämtliche Altarbilder mit den Ovalbildern, an Bartolomeo Altomonte, der sie von 1753 bis 1771 ausführte. Die dekorative Malerei in den Kirchenkuppeln (oberhalb des Hauptgesimses) stammt von Domenico Francia aus Bologna. Die Aufbauten für den Hochaltar (1770) und die Seitenaltäre, die Ballustraden (Kommuniongitter) und die Kanzel (1773) der Kirche stammen von Jakob Mösl, die Altarplastiken von Johann Josef Rößler, das Chorgestühl (1772) und die Volksstühle (1775) vom Klostertischler Lorenz Horeß.&lt;br /&gt;
Die herrliche Ampel wurde 1770 von Johann Christoph Beuermann aus Wien geliefert. Das Glanzstück der Kirche ist die 1752 fertiggestellte Orgel von Johann Henke, dem bedeutendsten Wiener Orgelbauer dieser Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1680 befand sich in der alten Kirche ein aus Ungarn stammendes Marienbild, das &amp;quot;orientalische Frauenbild&amp;quot;, zu dem viele Wallfahrer kamen. Nach der Fertigstellung des barocken Seitenaltares im Neubau der Kirche wurde es 1771 von Propst Frigdian Knecht eigenhändig in einer Prozession, die ihn durch beide Märkte führte, auf den heutigen Platz übertragen. Gegenüber dem Marienaltar liegen in einem Schrein die Gebeine des hl. Urban. Sie stammen aus den Kalixtuskatakomben in Rom und wurden 1740 dem Stiftsdechant Michael Koch geschenkt.&lt;br /&gt;
Als 1771 der barocke Augustinusaltar fertiggestellt war, fand dort der urchristliche Märtyrer seine endgültige Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das jüngste Kunstwerk der Kirche ist der Volksaltar, der 1994 vom Wiener Künstler Wander Bertoni angefertigt wurde und die Schöpfung zum Thema hat. Die Krönung der Bautätigkeit des Propstes Frigdian Knecht war die Neugestaltung des Kirchturmes nach einem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach, unter Mithilfe des Baumeisters Matthias Munggenast. Mit Recht sieht der Stiftschronist Frigdian Mies im Turm den ins Große strebenden Geist des Propstes. Die originelle Turmspitze mit Herzogshut und Stiftskreuz wurde am 6. Juli 1767 &amp;quot;um die Mittagszeit unter Pauken- und Trompetenschall aufgesetzt&amp;quot;. 1756 hatte der Propst die Chorkapelle mit Fresken von Martin Johann Schmidt (&amp;quot;Kremser Schmidt&amp;quot;) und einem Verkündigungsbild von Martin Altomonte ausschmücken lassen. Im Festsaal malte Bartolomeo Altomonte 1772 das Fresko &amp;quot;Das seelsorgliche Wirken der Augustiner-Chorherren im Bistum Passau&amp;quot;. Das Fresko an der Decke der Prälatenstiege &amp;quot;Die Übertragung der Kanonie von St. Georgen nach Herzogenburg&amp;quot; ist signiert mit &amp;quot;Barto Altomonte fec. 1779 aetatis suae 79&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Augustin Beyer (1779–1780) wurde auch die Bildergalerie fertiggestellt. Die Gemälde sind nach einem dekorativen Schema angeordnet: ein zentrales Mittelstück, von kleineren Gemälden umrahmt. Die Bilder wurden zu diesem Zweck auch vergrößert, verkleinert oder sogar geteilt, um der Symmetrie zu entsprechen. Dieser &amp;quot;geistlichen Galerie&amp;quot; kommt nicht nur wegen ihres kulturgeschichtlichen Wertes große Bedeutung zu, es befinden sich unter den 144 Bildern auch hervorragende Kunstwerke, u. a. eine Vincenzo di Biagio Catena zugeschriebene &amp;quot;Heilige Familie&amp;quot; oder ein auf Holz gemaltes deutsches Männerporträt mit der Signatur &amp;quot;H. H. 1521&amp;quot;, das als Werk Holbein d. J. bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man in Österreich die Kunstschätze vergangener Jahrhunderte noch als entbehrlichen &amp;quot;Raritätenkram&amp;quot; verstand, förderte Propst Aguilin Leuthner (1811–1832) die seltsame Sammelleidenschaft seines Mitbruders Ludwig Mangold. Nach dem Vorbild der alten &amp;quot;Kunst- und Wunderkammern&amp;quot; aus der Renaissancezeit hatte der junge Ungar im Stift ein &amp;quot;Antiken- und Raritätenkabinett&amp;quot; im zweiten Stock über der Prälatur angelegt, das zum Grundstein der heutigen Stiftssammlung wurde. Ein Verzeichnis dieser Raritäten wurde im Juni 1815 von ihm angefangen und hat folgende Hauptabteilungen: &amp;quot;A Mahlerey und Mosaique, B Bildhauerey, Schnitz- und Gußwerk, C Kupferstiche und Handzeichnungen, D Glasarbeiten, E Uhren, F Becher und andere Gefaße, G Kleidungsstücke, H Musicalische Instrumente, I Waffen, K Römische Alterthümer, L Verschiedene Seltenheiten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die meisten der hier verzeichneten Gegenstände sind noch im Besitz des Stiftes und waren im Rahmen der Ausstellung &amp;quot;Kunstschätze im Stift Herzogenburg&amp;quot; zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunstwerke wurden 1964 in den ehemaligen Gästezimmern topographisch aufgestellt, d. h. nach Möglichkeit nach ihrem Herkunftsort gruppiert. Das Hauptstück der Sammlung ist der &amp;quot;Jüngere Aggsbacher Hochaltar&amp;quot;, ein 1501 in Krems gemaltes Werk von Jörg Breu von Augsburg. Eine vorzügliche Schnitzarbeit ist die realistisch gehaltene Skulpturengruppe des &amp;quot;Marientodes&amp;quot; um 1500, möglicherweise der Mittelteil der Predella des Jörg-Breu-Altares. Weiters soll hier die „Stiftertafel&amp;quot; aus der Zeit um 1500 erwähnt werden, eine Votivtafel mit dem Bildnis des Bischofs Ulrich I. von Passau und der &amp;quot;porträthaften&amp;quot; Darstellung des mittelalterlichen Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Höhepunkt der spätbarocken Abteilung bilden Werke von Daniel Gran, vor allem das vergoldete Modell für den Hochaltar um 1746 mit dem unmittelbaren Entwurf für das Hochaltarbild und ein äußerst lebendiges Selbstporträt. Einen besonderen Schatz stellt der Bestand von zehn Ölskizzen und Bildern von Bartolomeo Altomonte dar, darunter Entwürfe für die Fresken in der Stiftskirche und ein höchst interessantes Selbstporträt aus dem Jahr 1774. In der Prälatur haben sich auch einige erwähnenswerte Kunstgegenstände erhalten, z. B. ein seltener Venezianer Spiegel vom Beginn des 18. Jahrhunderts, der neben reichem Ornament und alter Verglasung gravierte bérainsche Ornamentik in dem Rahmenspiegelchen trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Refektorium wurde bis in die sechziger Jahre als Speisesaal der Chorherren benützt. 1975 wurde es renoviert und als &amp;quot;Augustinussaal&amp;quot; ein Veranstaltungszentrum für Stift und Pfarre. Im Südosten des Stiftes befindet sich im zweiten Stock das &amp;quot;Mexikanische Zimmer&amp;quot;. In diesem Raum war die von Propst Norbert Zach (1857–1887) erworbene Sammlung von Geräten, Waffen und Schmuckgegenständen der Ottawa-Indianer aufgestellt. Sie musste in den zwanziger Jahren veräußert werden.&lt;br /&gt;
Interessant ist das Zimmer heute wegen der zwölf Wandgemälde, die in der romantischen Gesinnung des späten 19. Jahrhunderts Motive aus Österreich darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Exponate der urgeschichtlichen Sammlung des Stiftes Herzogenburg kamen aus der Ausgrabung eines eisenzeitlichen Friedhofes von Statzendorf. Der Göttweiger Abt Adalbert Dungl war maßgeblich daran beteiligt. Die Pröpste Georg III. Baumgartner (1913–1927) und Georg IV. Hahnl (1946–1963) haben durch eigene Grabungen wesentlich zur Vervollständigung dieser Sammlung beigetragen. Zusammen mit Dungl waren sie die Pioniere der prähistorischen Archäologie im unteren Traisental.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Heute enthält die urgeschichtliche Sammlung eine Reihe von Steingeräten aus der Altsteinzeit, eine große Zahl von Fundstücken der Jungsteinzeit und Keramiken aus der frühen Bronzezeit, wie etwa den Fund von 17 Töpfen aus St. Andrä an der Traisen, Objekte der Hügelgräber und Urnenfelderkultur und weitere bedeutende Funde aus der Eisenzeit, wie Beigaben der Hallstadtkulturen aus den Gräberfeldern von St. Andrä und Statzendorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Römische Funde waren bis auf einige Münzen im Raum von Herzogenburg eher spärlich, bis 1972 aus der Zeit der römischen Kaiser ein Zeremonienhelm mit Gesichtsmaske unweit des Stiftes gefunden wurde, der zu den bedeutendsten Denkmälern römischer Kunst auf österreichischem Boden gerechnet werden muss. Mit seinen &amp;quot;Alexanderlocken&amp;quot; gehört er zum orientalischen Typus. Damit ist er ein Beispiel dafür, wie weit vorderorientalische Mysterienkulte im 2. und 3. Jahrhundert verbreitet waren. Dieses Unikat ist im Raritätenkabinett im ersten Stock ausgestellt, während alle anderen Funde im frühbarocken Refektorium im Altstift zu sehen sind. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Eine fachkundige Neuaufstellung wird derzeit von Univ.-Doz. Dr. Johannes-Wolfgang Neugebauer vorgenommen.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Als 1512 in Herzogenburg ein Großbrand wütete, wurden einige Trakte des Stiftes in Schutt und Asche gelegt. Die Bibliothek wurde dabei auch ein Raub der Flammen. Wahrscheinlich besaß damals das Stift über 100 handgeschriebene Bücher und vielleicht ebensoviele Inkunabeln. Wieviele Bücher gerettet werden konnten ist leider nicht überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten großen Förderer der mittelalterlichen Bibliothek waren die beiden Pröpste Johannes III. von Parsenbrunn (1401–1433) und Johannes IV. von Linz (1433–1457). Aus der Zeit vor dem Brand haben sich einige Buchfragmente erhalten. Fragment 42 aus dem 9. Jahrhundert ist das älteste Stück der Bibliothek.&lt;br /&gt;
Von der Wende des 12. zum 13. Jahrhundert stammt das Fragment 32 mit Teilen eines Legendars. Das Fragment 43 ist Teil eines Nekrologiums vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Es ist ein sicheres Zeugnis für die Schreibkultur des Stiftes in St. Georgen. Ob das Stift dann in Herzogenburg eine eigene Schreibschule besessen hat, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Auf jeden Fall sind keine Handschriften auf Pergament mit wertvollen Initialen auf uns gekommen, sondern nur anspruchslose, auf Papier geschriebene Bücher. Sie haben alle einen praktisch-theologischen Inhalt und stehen im Zusammenhang mit den Seelsorgeaufgaben des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Schreiber waren mit Sicherheit Klosterangehörige, von weiteren sieben ist es unsicher. Die kunsthistorisch kostbarsten Handschriften wurden erst in späteren Jahrhunderten angekauft. Den ersten größeren Zuwachs nach dem Brand erfuhr die Bibliothek durch Propst Philipp von Maugis (1541–1550), der vor allem humanistische Werke bzw. lateinische und griechische Klassikerausgaben erwarb und die von seinem Bruder ererbte Bibliothek der Stiftsbibliothek einverleibte.&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Herb (1687–1709) erbte ebenfalls von seinem Bruder 173 Bücher meist theologischen Inhalts, die in zwei Fässern und einer großen Truhe verpackt auf der Donau von Deutschland nach Krems transportiert und von dort ins Stift gebracht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge des barocken Stiftsneubaus wurde die Bibliothek von 1751 bis 1754 von Propst Frigdian Knecht (1740–1775) erbaut. Die Ornamentmalerei fertigte Domenico Francia an, die figuralen Grisaillen wurden von Bartolomeo Altomonte gemalt. Die einfachen, doppelteiligen Bücherschränke wurden vom Orgelbauer Johann Henke entworfen. Propst Frigdian sammelte die Bücher &amp;quot;mit einem unersättlichen Hunger&amp;quot;, wie er selber scherzend zu sagen pflegte. Er erwarb u. a. die Bibel von 1205 (HS 100) und die kostbare Handschrift &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; (HS 95) aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Stephan Peschka (1775–1779) und Michael Teufel (1781–1809) erwarben durch den Exjesuiten Abbé Johann Christoph Regelsberger viele Bände bei Bücherauktionen aus den Beständen aufgehobener Klöster. Mit der Übernahme der aufgehobenen Stifte St. Andrä an der Traisen 1783 und Dürnstein 1788 kamen nur wenige Bücher, nachweislich nur einige Handschriften und Inkunabeln, nach Herzogenburg. Der Großteil des Bücherschatzes kam in die Wiener Hofbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Petrus Schreiber]], von 1781 bis 1788 auch Stiftsdechant, war mit Unterbrechung fast 25 Jahre Bibliothekar. Eine große Anzahl von Büchern mit einheitlichen barocken Einbänden kam durch ihn in die Bibliothek. Sie tragen auf dem Einbanddeckel die goldenen Buchstaben &amp;quot;P. S.&amp;quot;. Ebenso vermachte er dem Stift 15 Inkunabeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Inventar von 1832 beziffert den Buchbestand summarisch mit etwa 10.000 Bänden. 1887 war der Besitz bereits auf 50.000 Bände, 253 Inkunabeln und 223 Handschriften angewachsen. Dieser Zuwachs dürfte auch die Erweiterung der Bibliotheksräumlichkeiten veranlasst haben. Unter Propst Norbert Zach (1857–1887) wurden 1870 die Gänge im zweiten Stock des Stiftes mit Bibliothekskästen ausgestattet. Unter ihm waren als Bibliothekare die bedeutenden Stiftshistoriker [[Wilhelm Bielsky]], [[Michael Faigl]] und Frigdian Schmolk tätig. Sie veröffentlichten viele Beiträge zur Stiftsgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine großzügige Erweiterung erfuhr die Stiftsbibliothek zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gräfin Maria Falkenhayn übergab 1905 dem Stift die 30.000 Bände ihrer Schlossbibliothek in Walpersdorf. Neben diesen gräflichen Exlibris finden sich in der Sammlung auch Werke mit den Besitzvermerken der Jörger, Colloredos und der Herrschaften Droß und Ottenschlag.&lt;br /&gt;
Während der Weltwirtschaftskrise kam es 1927 zur Veräußerung von Inkunabeln, die vergleichsweise die Höhe des Schätzwertes der ehemaligen Stiftstaverne ausmachten. Ebenso wurde in den sechziger Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eine große Anzahl von Büchern veräußert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anläßlich der Ausstellung im Jahr 1964 &amp;quot;Das Stift und seine Kunstschätze&amp;quot; wurde eine Neuaufstellung der Bücherbestände begonnen, die aber &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bis heute nicht fertiggestellt werden konnte&amp;lt;/span&amp;gt;. Derzeit ist die Bibliothek auf mehrere Standorte verteilt und lediglich die Handschriften, die Inkunabeln und die Druckwerke bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden nach dem Erscheinungsdatum geordnet. Der Rest ist weitgehend unbearbeitet. Der Gesamtbestand wird auf 80.000 Bände geschätzt. Dazu kommen noch 150 Inkunabeln und 150 mittelalterliche Handschriften. Die älteste Handschrift ist ein österreichisches Psalterium des 12. Jahrhunderts (HS 106). Die gut geschriebene Handschrift enthält eine Reihe von großartigen Initialen. Die bedeutendste Handschrift der Bibliothek ist Cod. 95 &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; von Gregor d. Gr. Sie wurde um 1260 in Mainz oder Regensburg geschrieben und enthält 36 ausgezeichnete Initialminiaturen im Stil der deutschen Malerei der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Cod. 223 ist eine oberitalienische Bibel der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit großen figurierten Initialen; fast alle Spalten tragen Federranken. Am Beginn der Genesis findet sich eine Gegenüberstellung der sieben Schöpfungstage mit christologischen Szenen. Ein österreichisches Graduale (HS 97) vom Beginn des 14. Jahrhunderts trägt auf jeder Seite Notenzeilen und stammt aus einem Zisterzienserkloster. Sehr schön ist eine französische Bibel mit Miniaturinitialen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (HS 99).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Ausgabe von Gregors &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; ist der zweibändige Cod. 94 aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts mit 18 figurierten Initialen, die von fünf Meistern stammen, die den Wenzelsbibelmeistern nahestehen. Die Handschrift wurde laut Eintragung in der Kartause Mauerbach geschrieben und war 1397 im Besitz der Kartause Olmütz. Wann und wie sie nach Herzogenburg kam, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der bedeutenden Sammlung von Wiegendrucken seien folgende hervorgehoben: ein sehr schöner Venezianer Druck von 1478, Lactantius Firmianus &amp;quot;Gegen die Haiden&amp;quot;; drei ausgezeichnete Kobergerdrucke aus Nürnberg, 1481; die Briefe des Ennea Sylvius Piccolomini (Papst Pius II.); ebenso von 1481 ein Kommentar zum Neuen Testament von Nicolaus de Lyra mit gezeichneten Initialen; und von 1483 ein Fastenbuch von Johannes Guitsch, gedruckt im Charakter der spätgotischen Handschriften. Ein Zisterzienser-Missale aus Paris um 1487 ist mit kleinen kolorierten Holzschnitten illustriert. Zwei sehr gute Ausgaben der interessanten Weltgeschichte von Rolewinck seien noch angeführt. Die eine Wiener Ausgabe von 1490 ist reich mit Holzschnitten illustriert, die zweite aus Köln mit vielen Holzschnitten in der Art der &amp;quot;Schedelschen Weltchronik&amp;quot; aus dem Ende des 15. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abschluss ist noch eine Postilla von Cuilcrinus, Augsburg 1495, die ebenfalls mit Holzschnitten illustriert ist, zu erwähnen. Die oben beschriebenen Handschriften und Frühdrucke sind im Hauptraum der Bibliothek in Vitrinen ausgestellt und bei jeder Führung durch das Stift zu besichtigen. In diesem Bibliothekssaal befinden sich in den Bücherschränken nur Bücher aus dem 18. Jahrhundert, um den Eindruck einer barocken Schaubibliothek zu vermitteln.&lt;br /&gt;
Durch die bescheidene Einrichtung wirkt die Bibliothek wie eine heimelige Studierstube. Die letzte Handschrift wurde 1990 erworben. Sie ist ein türkisches Gebetbuch aus dem 19. Jahrhundert in arabischer Zierschrift. In der Mitte des Buches finden sich zwei romantisch gemalte Ansichten der Moscheen in Mekka und Medina.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Das Herzogenburger Stiftsarchiv besteht aus vier Abteilungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) dem Archiv des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen/Herzogenburg mit 1.745 registrierten Urkunden (1112–1852) und zahlreichen nicht bearbeiteten Urkunden (ab 1852), 264 Büchern und 647 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit 327 registrierten Urkunden (998–1776), sechs Büchern und 225 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein mit 718 registrierten Urkunden (1306–1768), 36 Büchern und 90 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) dem Archiv des aufgehobenen Clarissenklosters Dürnstein mit 357 registrierten Urkunden (1289–1658) und ca. 20 Büchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Dokument im Stift Herzogenburg ist die Gründungsurkunde (1112) von Bischof Ulrich von Passau (Sta. Hn. 1a). Sie ist eine der formvollendetsten Urkunden aus der Schreibstube des Bistums Passau. Äußerst interessant ist die Traditionsnotiz (Sta. Hn. 1b), die ein Konzept zur Gründungsurkunde darstellt und sechs weitere protokollarische Notizen enthält, die an verschiedenen Orten abgefasst wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historisch bedeutsam für das Stift ist auch die Übertragungsurkunde von 1244 (Sta. Hn. 38). Die schweren Zeiten des 15. Jahrhunderts sowie der Brand des Klosters im Jahr 1512 dürften dem Archiv nicht allzusehr zugesetzt haben. Alle wichtigen Urkunden sind im Original vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes VII. Glaz (1569–1572) veranlasste eine Aufzeichnung und Registrierung der &amp;quot;Pergament-Brieff&amp;quot;. In dem 1570 angelegten Verzeichnis wird das Archiv als „Registratur&amp;quot; bezeichnet. Entsprechend dem damaligen Kanzleigebrauch, dessen Vorbild die Kanzlei des Regiments der niederösterreichischen Lande war, wurden auch in Herzogenburg die Urkunden, damals insgesamt 46 Stück, in einem mit Laden versehenen Kasten und die weniger wichtigen Akten in einem Sack aufbewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1683 wurden das Archiv und die Schatzkammer vor den heranrückenden Türken in das Chorherrenstift Dürnstein verlagert und 1684 wieder zurückgebracht. Die zeitlich nächstfolgende Bestandsaufnahme des Stiftsarchivs erfolgte zwischen 1730 und 1740. &amp;quot;Ain großer mit Eyßen schön beschlagener Casten, hat 36 unterschidliche litterirte gemahlene Laden&amp;quot;. Er diente als Aufbewahrungsort für das als &amp;quot;gehaimbtes Gwölb&amp;quot; bezeichnete Hauptarchiv. Diesem wurden 1745 Schriften und Akten des Hofrichters und des Stiftskämmerers einverleibt. Genaue, nach Grundherrschaften bzw. Sachgebieten angelegte und geordnete Inventarien zeugen von der Sorgfalt, mit der das Stiftsarchiv unter Propst Frigdian I. Knecht (1740–1775) betreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte im Streben nach dem Wissen über die eigene Vergangenheit die ersten wissenschaftlichen Bearbeitungen des Urkundenbestandes durch die Herzogenburger Chorherren [[Wilhelm Bielsky]] (Die ältesten Urkunden des Kanonikatsstiftes St. Georgen in Unterösterreich von 1112–1244, Wien 1852) und [[Michael Faigl]] (Die Urkunden des regulierten Chorherrenstiftes Herzogenburg vom Jahre seiner Übertragung von St. Georgen 1244–1450, Wien 1886).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich wurde in den Jahren 1930 bis 1935 der unübersehbare Bestand an Akten und Büchern durch Dr. Göhler geordnet und durch eine Zettelkartei der Forschung zugänglich gemacht. In der insgesamt 1.745 Urkunden umfassenden Urkundenreihe vom Stiftsarchiv Herzogenburg gibt es neben einer Vielzahl von Stiftungs- und Schenkungsurkunden auch Urkunden von Päpsten und Landesfürsten. Die älteste Papsturkunde wurde 1177 von Papst Alexander III. ausgestellt, die erste in deutscher Sprache abgefasste Urkunde stammt aus dem Jahr 1292.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als einzigartiges Dokument soll eine Urkunde Erwähnung finden, die von Mönchen des Katharinenklosters am Sinai und Chorherren des Stiftes Herzogenburg im Jahr 1491 gezeichnet wurde. Damals haben zwei griechische Sinaimönche Herzogenburg besucht und mit den hiesigen Chorherren eine Gebetsverbrüderung geschlossen und besiegelt – ein merkwürdiges und einmaliges Zeugnis für die Verbindung der Ost- und Westkirche im ausgehenden Mittelalter nach dem Fall von Konstantinopel (Sta. Hn. 538).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Grundbücher, wertvolle Unterlagen zur Erforschung der Besitz- und Bevölkerungsgeschichte im Raum Herzogenburg, wurden im 12. Jahrhundert angelegt. Hinzu tritt jene Masse des Archivmaterials, die als Akten des adeligen Richteramtes über die Untertanen aus der Amtstätigkeit des Stiftes erwachsen sind: Grundbuchsakten ab 1340, Testamente ab 1500, Verwaltungsakten über den Oberen Markt Herzogenburg, Korrespondenzen mit den umliegenden Grundherrschaften. Diese Schriftstücke zeigen den Kampf des Stiftes um seine Rechte und Besitzungen, unter welchen besonders Fischerei- und Wasserrechte auf der Traisen und Jagdrechte in den Auen im Vordergrund stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Rechnungsbüchern und Rechnungsakten finden sich genauere Aufzeichnungen über den Bau der barocken Stiftsgebäude und der inkorporierten Pfarrkirchen mit ihren Pfarrgebäuden. Eigenhändige Unterschriften auf den Quittungen sind zu finden von Jakob Prandtauer, der Familie Munggenast, Bartolomeo Altomonte, Daniel Gran, vom Salzburger Steinmetzmeister Jakob Mösl, vom Wiener Goldschmied Johann Caspar Holbein und vielen anderen. Bei der Durchsicht von unbearbeiteten Archivmaterialien konnte ein eigenhändig geschriebener Brief von Martin Luther von 1541 aufgefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Auflösung der Chorherrenstifte St. Andrä und Dürnstein kamen deren Archive nach Herzogenburg. Propst Michael Teufel (1781–1809) hat sich sehr um ihre Erhaltung und sichere Aufbewahrung bemüht. Die älteste Urkunde von St. Andrä ist eine Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. aus dem Jahr 998 (Sta. An. 1). Die Stiftungsurkunde von St. Andrä stammt aus dem Jahr 1160 und ist mit 44 Zeugen belegt (Sta. An. 4). Zu erwähnen ist noch eine prunkvolle Ernennungsurkunde des Chorherren Johannes Zwickl zum Kommissär für den Türkenablass des Papstes Innozenz VIII. von 1490 in teilvergoldeter Schrift mit reichen Initialen (Sta. An. 208). Alle drei Dokumente zählen zu den Zimelien dieser Urkundenreihe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Archiv der Chorherren von Dürnstein ist der Stiftungsbrief vom 18. Februar 1410 (Sta. CDn 147) der absolute Höhepunkt. Der linke Rand dieser Urkunde ist mit einer Reihe von höchst bedeutenden Miniaturen versehen, die sowohl der böhmischen wie der Wiener Buchmalerei des frühen 15. Jahrhunderts nahestehen. Die angehängten sechs Siegel sind noch vorhanden. Zwei im selben Jahr ausgestellte Urkunden tragen schöne Initialmalereien (Sta. CDn 149 und 150).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Im Gegensatz zum &amp;quot;Archiv Herzogenburg&amp;quot; sind die Urkunden, Bücher und Akten der drei anderen Archive noch nicht publiziert und daher wissenschaftlich noch wenig ausgewertet. &lt;br /&gt;
Derzeit (1995) wird die Einrichtung des Archives erneuert und auf den letzten technischen Stand gebracht. Damit ist auch der Wunsch verbunden, dass die letzten 150 Jahre archivmäßig aufgearbeitet werden.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Historische Namensformen===&lt;br /&gt;
* WEIGL, Heinrich, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, 8 Bde., Wien 1964–1981.&lt;br /&gt;
* SCHUSTER, Elisabeth, Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, 1. Teil (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B), Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
* HAUSNER, Isolde / SCHUSTER, Elisabeth, Altdeutsches Namenbuch, Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politische und kirchliche Topographie===&lt;br /&gt;
* WOLF, Hans, Niederösterreich (Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 6. Teil), Wien 1955.&lt;br /&gt;
* RUPP / SCHMIDTBAUER, Herzogenburg, 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Franz Reininger: Die Wiegendrucke der Stiftsbibliothek Herzogenburg. In: Mitteilungen des Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 12 (1908), S. 109–127.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Katalog der Handschriften der Stiftsbibliothek Herzogenburg. St. Pölten 1978. [https://manuscripta.at/diglit/winner_1978_1/0001 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Mayo Hope: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed for the Hill Monastic Manuscript Library, Austrian Libraries. Volume III: Herzogenburg. Collegeville, Minnesota, 1985. [https://archive.org/details/HMMLAustriaInventory3 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Franz Lackner: Datierte Handschriften in niederösterreichischen Archiven und Bibliotheken bis zum Jahre 1600. Wien 1988 (Katalog der datierten Schriften in lateinischer Sprache in Österreich, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kunst- und Baugeschichte===&lt;br /&gt;
* HEIDER, Gerhard / HÄUFLER, J. V., Archäologische Notizen (Archiv für österreichische Geschichte II/1), Wien 1850, 139–178.&lt;br /&gt;
* RIESENHUBER, Martin, Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Bistums St. Pölten, St. Pölten 1923.&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer. Der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* PETERMAIR, Hans, Die bauliche Anlage der Stifte in Altenburg, Herzogenburg und Seitenstetten und ihre baukünstlerischen Beziehungen im Mittelalter und in der Barocke, masch.geschr. techn. Diss., Wien 1934.&lt;br /&gt;
* STEINER, Ubald, Die Stiftskirche zu Herzogenburg. Beiträge zur Baugeschichte nach Aufzeichnungen des Propstes Georg Baumgartner, in: Pfarramtliche Nachrichten für den Kirchensprengel Herzogenburg 21 (1935), Nr. II/12.&lt;br /&gt;
* MUNGENAST, Emmerich, Joseph Munggenast. Der Stiftsbaumeister 1680–1741, Wien 1963.&lt;br /&gt;
* FEUCHTMÜLLER / WEBER, Stift und Kunstschätze, 1964.&lt;br /&gt;
* HEINZL, Brigitte, Bartolomeo Altomonte, Wien/München 1964.&lt;br /&gt;
* BIBA, Otto, Die Orgelakten des Stiftes Herzogenburg, in: Unsere Heimat, Zeitschrift des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 41 (1970), Heft 1, 9–24.&lt;br /&gt;
* GÜTHLEIN, Klaus, Der österreichische Barockbaumeister Franz Munggenast, phil. Diss., Heidelberg 1973.&lt;br /&gt;
* KNAB, Eckhart, Daniel Gran, Wien/München 1977.&lt;br /&gt;
* CÄSAR, Menz, Das Frühwerk Jörg Breus des Älteren, Augsburg 1982.&lt;br /&gt;
* EGGER / HESSLER / PAYRICH / PÜHRINGER / FASCHING, Stift Herzogenburg, 1982.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Hermann-Fichtenau: Der Bildersaal im Stift Herzogenburg, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 38 (1984).&lt;br /&gt;
* SERVUS, Die Entstehung der barocken Klosteranlage, 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Moseneder: Passau im Gedächtnis Herzogenburgs. Zur Ikonologie des Augustiner-Chorherrenstift. In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch 31 (1989), S. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;##&amp;lt;/span&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* Karl Thomas (Bearb.): Die Baumeisterfamilie Munggenast. Sonderausstellung des Stadtmuseums St. Pölten anläßlich des 250. Todestages von Joseph Munggenast. St. Pölten 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Oskar Freiherr von Mitis: Studien zum älteren österreichischen Urkundenwesen. 5 Bände. Wien 1906–1912.&lt;br /&gt;
* Franz Stundner: Das Archiv des Stiftes. In: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Hg. von Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber. Herzogenburg 1964, S. 83–86.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sonstige Literatur===&lt;br /&gt;
* Georg Baumgartner: Herzogenburg. In: Topographie von Niederösterreich. Band IV. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Wien 1896, S. 209–238.&lt;br /&gt;
* Gerhart Egger / Walter Hessler / Wolfgang Payrich / Leonore Pühringer / Herbert Fasching: Stift Herzogenburg und seine Kunstschätze. St. Pölten 1982.&lt;br /&gt;
* Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Herzogenburg 1964.&lt;br /&gt;
* Maximilian Fürnsinn: Stift Herzogenburg 1938–1945. In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 22/4 (1975), S. 132–140.&lt;br /&gt;
* Maria Hasitscha-Köck: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg während der Zeit des Propstes Michael Teufel von 1781 bis 1809. Diss. Univ. Wien. Wien 1973.&lt;br /&gt;
* Andreas Karl Kaiser: 975 Jahre Pfarre Herzogenburg (1014–1989). Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1989.&lt;br /&gt;
* Gerhard Nikodim: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg von 1513 bis 1602. Diss. Univ. Wien. Wien 1968.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich: Das Stift Herzogenburg. Die 875-jährige Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen-Herzogenburg von 1112–1987. Dipl.-Arb. Univ. Linz. Linz 1987.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich / Hans Peter Schmidtbauer: Unsere Kirche lebt. 200 Jahre Stiftskirche Herzogenburg. St. Pölten 1985.&lt;br /&gt;
* Anton Rupp / Hans Peter Schmidtbauer: Herzogenburg. St. Pölten / Wien 1991.&lt;br /&gt;
* Werner Sandner: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg von 1244 bis 1513. Diss. Univ. Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Frigdian Schmolk: Stift der regulirten lateranensischen Chorherren zu Herzogenburg in Nieder-Oesterreich. In: Ein Chorherrenbuch. Geschichte und Beschreibung der Bestehenden und Anführung der aufgehobenen Chorherrenstifte. Augustiner und Prämonstratenser in Österreich-Ungarn, Deutschland und der Schweiz. Hg. von Sebastian Brunner. Würzburg 1883, S. 200–263. [https://books.google.at/books?id=GoJJAAAAIAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA199-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Harald Servus: Die Entstehung der barocken Klosteranlage in Herzogenburg und ihre geschichtlichen Voraussetzungen. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1987.&lt;br /&gt;
* Egon Wahl: Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit besonderer Berücksichtigung der rechtlichen, besitz- und personalgeschichtlichen Verhältnisse. Diss. Univ. Wien. Wien 1945.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_D%C3%BCrnstein&amp;diff=10760</id>
		<title>Liste der Pfarren des Stiftes Dürnstein</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_D%C3%BCrnstein&amp;diff=10760"/>
		<updated>2023-06-25T12:13:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
==Dürnstein==&lt;br /&gt;
Die Kirche zur Hl. Kunigunde, ursprünglich eine Filiale von Krems, wurde im 13. Jahrhundert zur Pfarre erhoben und gehörte zur Dotation des 1410 errichteten [[Stift Dürnstein|Chorherrenstifts Dürnstein]]. Nach dem barocken Umbau des Stiftes im 18. Jahrhundert wurde die Stiftskirche Mariä Himmelfahrt auch Pfarrkirche. Nach der Aufhebung des Stiftes im Jahr 1788 wurde die Kirche dem [[Stift Herzogenburg]] inkorporiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Pfarrsprengel liegt die Kapelle im Förthof, einem Wirtschaftshof nahe Stein, die im 14. Jahrhundert errichtet wurde. 1624 übergab Kaiser Ferdinand II. das Benefizium der Kapelle samt allen Einkünften und dem Patronatsrecht dem Propst von Dürnstein. Das Stift kaufte 1663 schließlich den Förthof samt seinen Liegenschaften. Die Kapelle gehörte bis 1783 zur Pfarre Dürnstein und wurde dann nach Stein umgepfarrt. Bei der Aufhebung des Stiftes kam sie 1788 an das [[Stift Herzogenburg]]. 1853 erwarb eine Agrargemeinschaft den Förthof und erhielt auch die Kapelle übertragen..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Grafenwörth==&lt;br /&gt;
Die Kirche bestand seit dem 12. Jahrhundert. Otto von Maissau inkorporierte sie als Patronatsherr gemeinsam mit der Pfarre Dürnstein im Jahr 1410 dem Chorherrenstift Dürnstein. Dieses hatte die Pfarre bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1788 inne, als sie dem [[Stift Herzogenburg]] einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Engabrunn==&lt;br /&gt;
Der älteste schriftliche Nachweis für eine Kapelle in Engabrunn stammt aus dem Jahr 1498. Sie lag im Pfarrsprengel von Grafenwörth, einer Stiftspfarre des [[Stift Dürnstein|Stiftes Dürnstein]], und wurde von dort als Filialkirche von einem exkurrierenden Priester versorgt. 1761 erhielt die Kirche einen eigenen Seelsorger. Als sie nach der Aufhebung Dürnsteins 1788 dem [[Stift Herzogenburg]] inkorporiert wurde, gliederte sie man als selbständige Pfarre aus Grafenwörth aus. 1995 übergab Herzogenburg die Pfarre an die Erzdiözese Wien.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_D%C3%BCrnstein&amp;diff=10759</id>
		<title>Liste der Pfarren des Stiftes Dürnstein</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_D%C3%BCrnstein&amp;diff=10759"/>
		<updated>2023-06-25T12:12:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
==Dürnstein==&lt;br /&gt;
Die Kirche zur Hl. Kunigunde, ursprünglich eine Filiale von Krems, wurde im 13. Jahrhundert zur Pfarre erhoben und gehörte zur Dotation des 1410 errichteten [[Stift Dürnstein|Chorherrenstifts Dürnstein]]. Nach dem barocken Umbau des Stiftes im 18. Jahrhundert wurde die Stiftskirche Mariä Himmelfahrt auch Pfarrkirche. Nach der Aufhebung des Stiftes im Jahr 1788 wurde die Kirche dem [[Stift Herzogenburg]] inkorporiert.&lt;br /&gt;
Im Pfarrsprengel liegt die Kapelle im Förthof, einem Wirtschaftshof nahe Stein, die im 14. Jahrhundert errichtet wurde. 1624 übergab Kaiser Ferdinand II. das Benefizium der Kapelle samt allen Einkünften und dem Patronatsrecht dem Propst von Dürnstein. Das Stift kaufte 1663 schließlich den Förthof samt seinen Liegenschaften. Die Kapelle gehörte bis 1783 zur Pfarre Dürnstein und wurde dann nach Stein umgepfarrt. Bei der Aufhebung des Stiftes kam sie 1788 an das [[Stift Herzogenburg]]. 1853 erwarb eine Agrargemeinschaft den Förthof und erhielt auch die Kapelle übertragen..&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Grafenwörth==&lt;br /&gt;
Die Kirche bestand seit dem 12. Jahrhundert. Otto von Maissau inkorporierte sie als Patronatsherr gemeinsam mit der Pfarre Dürnstein im Jahr 1410 dem Chorherrenstift Dürnstein. Dieses hatte die Pfarre bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1788 inne, als sie dem [[Stift Herzogenburg]] einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Engabrunn==&lt;br /&gt;
Der älteste schriftliche Nachweis für eine Kapelle in Engabrunn stammt aus dem Jahr 1498. Sie lag im Pfarrsprengel von Grafenwörth, einer Stiftspfarre des [[Stift Dürnstein|Stiftes Dürnstein]], und wurde von dort als Filialkirche von einem exkurrierenden Priester versorgt. 1761 erhielt die Kirche einen eigenen Seelsorger. Als sie nach der Aufhebung Dürnsteins 1788 dem [[Stift Herzogenburg]] inkorporiert wurde, gliederte sie man als selbständige Pfarre aus Grafenwörth aus. 1995 übergab Herzogenburg die Pfarre an die Erzdiözese Wien.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_D%C3%BCrnstein&amp;diff=10758</id>
		<title>Liste der Pfarren des Stiftes Dürnstein</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_D%C3%BCrnstein&amp;diff=10758"/>
		<updated>2023-06-25T12:10:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
==Dürnstein==&lt;br /&gt;
Die Kirche zur Hl. Kunigunde, ursprünglich eine Filiale von Krems, wurde im 13. Jahrhundert zur Pfarre erhoben und gehörte zur Dotation des 1410 errichteten [[Stift Dürnstein|Chorherrenstifts Dürnstein]]. Nach dem barocken Umbau des Stiftes im 18. Jahrhundert wurde die Stiftskirche Mariä Himmelfahrt auch Pfarrkirche. Nach der Aufhebung des Stiftes im Jahr 1788 wurde die Kirche dem [[Stift Herzogenburg]] inkorporiert.&lt;br /&gt;
Im Pfarrsprengel liegt die Kapelle im Förthof, einem Wirtschaftshof nahe Stein, die im 14. Jahrhundert errichtet wurde. 1624 übergab Kaiser Ferdinand II. das Benefizium der Kapelle samt allen Einkünften und dem Patronatsrecht dem Propst von Dürnstein. Das Stift kaufte 1663 schließlich den Förthof samt seinen Liegenschaften. Die Kapelle gehörte bis 1783 zur Pfarre Dürnstein und wurde dann nach Stein umgepfarrt. Bei der Aufhebung des Stiftes kam sie 1788 an das [[Stift Herzogenburg]]. 1853 schenkte Propst Josef Neugebauer die Kapelle der Gemeinde Förthof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Grafenwörth==&lt;br /&gt;
Die Kirche bestand seit dem 12. Jahrhundert. Otto von Maissau inkorporierte sie als Patronatsherr gemeinsam mit der Pfarre Dürnstein im Jahr 1410 dem Chorherrenstift Dürnstein. Dieses hatte die Pfarre bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1788 inne, als sie dem [[Stift Herzogenburg]] einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Engabrunn==&lt;br /&gt;
Der älteste schriftliche Nachweis für eine Kapelle in Engabrunn stammt aus dem Jahr 1498. Sie lag im Pfarrsprengel von Grafenwörth, einer Stiftspfarre des [[Stift Dürnstein|Stiftes Dürnstein]], und wurde von dort als Filialkirche von einem exkurrierenden Priester versorgt. 1761 erhielt die Kirche einen eigenen Seelsorger. Als sie nach der Aufhebung Dürnsteins 1788 dem [[Stift Herzogenburg]] inkorporiert wurde, gliederte sie man als selbständige Pfarre aus Grafenwörth aus. 1995 übergab Herzogenburg die Pfarre an die Erzdiözese Wien.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_D%C3%BCrnstein&amp;diff=10757</id>
		<title>Liste der Pfarren des Stiftes Dürnstein</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_D%C3%BCrnstein&amp;diff=10757"/>
		<updated>2023-06-25T12:10:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
==Dürnstein==&lt;br /&gt;
Die Kirche zur Hl. Kunigunde, ursprünglich eine Filiale von Krems, wurde im 13. Jahrhundert zur Pfarre erhoben und gehörte zur Dotation des 1410 errichteten [[Stift Dürnstein|Chorherrenstifts Dürnstein]]. Nach dem barocken Umbau des Stiftes im 18. Jahrhundert wurde die Stiftskirche Mariä Himmelfahrt auch Pfarrkirche. Nach der Aufhebung des Stiftes im Jahr 1788 wurde die Kirche dem [[Stift Herzogenburg]] inkorporiert.&lt;br /&gt;
Im Pfarrsprengel liegt die Kapelle im Förthöf, einem Wirtschaftshof nahe Stein, die im 14. Jahrhundert errichtet wurde. 1624 übergab Kaiser Ferdinand II. das Benefizium der Kapelle samt allen Einkünften und dem Patronatsrecht dem Propst von Dürnstein. Das Stift kaufte 1663 schließlich den Förthof samt seinen Liegenschaften. Die Kapelle gehörte bis 1783 zur Pfarre Dürnstein und wurde dann nach Stein umgepfarrt. Bei der Aufhebung des Stiftes kam sie 1788 an das [[Stift Herzogenburg]]. 1853 schenkte Propst Josef Neugebauer die Kapelle der Gemeinde Förthof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Grafenwörth==&lt;br /&gt;
Die Kirche bestand seit dem 12. Jahrhundert. Otto von Maissau inkorporierte sie als Patronatsherr gemeinsam mit der Pfarre Dürnstein im Jahr 1410 dem Chorherrenstift Dürnstein. Dieses hatte die Pfarre bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1788 inne, als sie dem [[Stift Herzogenburg]] einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Engabrunn==&lt;br /&gt;
Der älteste schriftliche Nachweis für eine Kapelle in Engabrunn stammt aus dem Jahr 1498. Sie lag im Pfarrsprengel von Grafenwörth, einer Stiftspfarre des [[Stift Dürnstein|Stiftes Dürnstein]], und wurde von dort als Filialkirche von einem exkurrierenden Priester versorgt. 1761 erhielt die Kirche einen eigenen Seelsorger. Als sie nach der Aufhebung Dürnsteins 1788 dem [[Stift Herzogenburg]] inkorporiert wurde, gliederte sie man als selbständige Pfarre aus Grafenwörth aus. 1995 übergab Herzogenburg die Pfarre an die Erzdiözese Wien.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_D%C3%BCrnstein&amp;diff=10756</id>
		<title>Liste der Pfarren des Stiftes Dürnstein</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_D%C3%BCrnstein&amp;diff=10756"/>
		<updated>2023-06-25T12:08:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
==Dürnstein==&lt;br /&gt;
Die Kirche zur Hl. Kunigunde, ursprünglich eine Filiale von Krems, wurde im 13. Jahrhundert zur Pfarre erhoben und gehörte zur Dotation des 1410 errichteten [[Stift Dürnstein|Chorherrenstifts Dürnstein]]. Nach dem barocken Umbau des Stiftes im 18. Jahrhundert wurde die Stiftskirche Mariä Himmelfahrt auch Pfarrkirche. Nach der Aufhebung des Stiftes im Jahr 1788 wurde die Kirche dem [[Stift Herzogenburg]] inkorporiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Grafenwörth==&lt;br /&gt;
Die Kirche bestand seit dem 12. Jahrhundert. Otto von Maissau inkorporierte sie als Patronatsherr gemeinsam mit der Pfarre Dürnstein im Jahr 1410 dem Chorherrenstift Dürnstein. Dieses hatte die Pfarre bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1788 inne, als sie dem [[Stift Herzogenburg]] einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Engabrunn==&lt;br /&gt;
Der älteste schriftliche Nachweis für eine Kapelle in Engabrunn stammt aus dem Jahr 1498. Sie lag im Pfarrsprengel von Grafenwörth, einer Stiftspfarre des [[Stift Dürnstein|Stiftes Dürnstein]], und wurde von dort als Filialkirche von einem exkurrierenden Priester versorgt. 1761 erhielt die Kirche einen eigenen Seelsorger. Als sie nach der Aufhebung Dürnsteins 1788 dem [[Stift Herzogenburg]] inkorporiert wurde, gliederte sie man als selbständige Pfarre aus Grafenwörth aus. 1995 übergab Herzogenburg die Pfarre an die Erzdiözese Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kapelle des heiligen Matthias in Förthof==&lt;br /&gt;
Die Kapelle bei einem Wirtschaftshof nahe Stein wurde im 14. Jahrhundert errichtet. 1624 übergab Kaiser Ferdinand II. das Benefizium der Kapelle samt allen Einkünften und dem Patronatsrecht dem Propst von Dürnstein. Das Stift kaufte 1663 schließlich den Förthof samt seinen Liegenschaften. Die Kapelle gehörte bis 1783 zur Pfarre Dürnstein und wurde dann nach Stein umgepfarrt. Bei der Aufhebung des Stiftes kam sie 1788 an Herzogenburg. 1853 schenkte Propst Josef Neugebauer die Kapelle der Gemeinde Förthof.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_Herzogenburg&amp;diff=10755</id>
		<title>Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_Herzogenburg&amp;diff=10755"/>
		<updated>2023-06-25T12:05:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
Dem [[Stift Herzogenburg]] sind 14 Pfarren inkorporiert. Aus dem Mittelalter stammen Haitzendorf, Herzogenburg, Nußdorf, Reidling und Stollhofen. Durch die josephinische Pfarrregulierung kamen in den 1780er Jahren die Pfarren Brunn, Dürnstein, Grafenwörth, Hain, Inzersdorf, Maria Ponsee, St. Andrä, Statzendorf und Theiß hinzu. Zwei weitere Pfarren, Sallapulka und Engabrunn, wurden am Ende des 20. Jahrhunderts exkorporiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Brunn im Felde==&lt;br /&gt;
Die Pfarre Brunn, ursprünglich eine Filiale der Pfarre Haitzendorf, wurde im Zuge der josephinischen Pfarrregulierung im Jahr 1783 errichtet. Zum Pfarrbezirk gehören Stratzdorf und Gedersdorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Dürnstein==&lt;br /&gt;
Die Kirche zur Hl. Kunigunde, ursprünglich eine Filiale von Krems, wurde im 13. Jahrhundert zur Pfarre erhoben und gehörte zur Dotation des 1410 errichteten [[Stift Dürnstein|Chorherrenstifts Dürnstein]]. Nach dem barocken Umbau des Stiftes im 18. Jahrhundert wurde die Stiftskirche Mariä Himmelfahrt auch Pfarrkirche. Nach der Aufhebung des Stiftes im Jahr 1788 wurde die Pfarre dem [[Stift Herzogenburg]] inkorporiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Engabrunn==&lt;br /&gt;
Der älteste schriftliche Nachweis für eine Kapelle in Engabrunn stammt aus dem Jahr 1498. Sie lag im Pfarrsprengel von Grafenwörth, einer Stiftspfarre des [[Stift Dürnstein|Stiftes Dürnstein]], und wurde von dort als Filialkirche von einem exkurrierenden Priester versorgt. 1761 erhielt die Kirche einen eigenen Seelsorger. Als sie nach der Aufhebung Dürnsteins 1788 dem [[Stift Herzogenburg]] inkorporiert wurde, gliederte sie man als selbständige Pfarre aus Grafenwörth aus. 1995 übergab Herzogenburg die Pfarre an die Erzdiözese Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Grafenwörth==&lt;br /&gt;
Die Kirche bestand seit dem 12. Jahrhundert. Otto von Maissau inkorporierte sie als Patronatsherr gemeinsam mit der Pfarre Dürnstein im Jahr 1410 dem [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]]. Dieses hatte die Pfarre bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1788 inne, als sie dem [[Stift Herzogenburg]] einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hain==&lt;br /&gt;
Eine Kapelle in Hain existierte seit dem Spätmittelalter, die Kirche war zuerst eine Filiale der Pfarre Herzogenburg. 1783 wurde Hain selbstständige Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Haitzendorf==&lt;br /&gt;
1160 schenkte Bischof Konrad von Passau dem [[Stift Herzogenburg]] die Kirche zu Marquartsurfar und erhob sie zur Pfarre. Dieser ursprüngliche Pfarrort wurde 1337 von der Donau zerstört und die Pfarre daraufhin 1340 in Haitzendorf neu errichtet. Als Filialen gehörten zur Pfarre auch die Kirchen von Brunn und Theiß, die unter Kaiser Joseph II. zu selbstständigen Pfarren erhoben wurden. Für eine kurze Zeit im 17. Jahrhundert stand die Pfarre Haitzendorf unter Administration des [[Stift Dürnstein|Chorherrenstiftes Dürnstein]]. Am Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Pfarrhof von Jakob Prandtauer zu einer Sommerresidenz der Herzogenburger Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Herzogenburg==&lt;br /&gt;
Die Pfarre entstand als bischöflich-passauische Gründung im Jahr 1014 mit dem Patrozinium St. Stephan. Im Jahr 1112 gelangte sie in den Besitz des neugegründeten Chorherrenstifts St. Georgen und wurde diesem 1244 anlässlich seiner Verlegung nach Herzogenburg inkorporiert. Das Klosterpatrozinium St. Georg wurde mit dem der Pfarre zu einem Doppelpatrozinium der Kirche vereinigt. Zum Pfarrsprengel gehört die Filialkirche Radlberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Inzersdorf==&lt;br /&gt;
Die Kirche St. Peter in Unterinzersdorf bestand bereits im 12. Jahrhundert, sie war eine dem Stift (Klein-)Mariazell inkorporierte Pfarre. Nach Aufhebung dieses Stiftes 1783 gelangte die Pfarre an das [[Stift Herzogenburg]]. Die Kirche St. Veit in Oberinzersdorf gehörte seit dem Mittelalter zu Herzogenburg (als Filiale der Pfarre Herzogenburg). Das Pfarrgebiet von Unter- und Oberinzersdorf wurde mit der Übernahme der St. Peterskirche vereinigt und die alte St. Veitskirche abgerissen. Zur Pfarre Inzersdorf gehört auch die Schlosskapelle von Walpersdorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Maria Ponsee==&lt;br /&gt;
1308 schenkten die Brüder Gundakar und Wernhard Pogger zu Rußbach dem Stift Herzogenburg Kirche und Gut Ponsee. Damit scheint die Pfarrerrichtung zusammenzuhängen, da schon 1329 zur Pfarrkirche eine Schenkung gemacht wurde. Die Pfarre dürfte nie sehr groß gewesen sein und ging schließlich im 16. Jahrhundert ein. Sie wurde Filiale der Pfarrkirche Reidling, ebenfalls eine Stiftskirche von Herzogenburg. Unter Kaiser Joseph II. wurde 1783 die Pfarre wiedererrichtet. Der Ort Ponsee wurde 1950 in Maria Ponsee umbenannt, um die Marienwallfahrt zum Gnadenbild in der Pfarrkirche wiederzubeleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nußdorf==&lt;br /&gt;
Die erste Nennung einer Kapelle in Nußdorf erfolgt 1284. Im Jahr 1324 stiftete Wernhard von Nußdorf die Pfarre. Zum Sprengel gehören Reichersdorf und Franzhausen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reidling==&lt;br /&gt;
Um 1200 stifteten die Herrschaftsbesitzerin Mathilde von Reidling und ihr Sohn ein Benefizium, dessen Pfarrrechte beim Stift Herzogenburg lagen. Ein eigener Pfarrer in Reidling wird erstmals 1387 genannt. Im Jahr 1783 wurde die Reidlinger Filiale Maria Ponsee als Pfarre wiedererrichtet, die Filiale Hasendorf wurde aufgelassen. 1784 wurden die Orte Adletzberg und Pottschall nach Gutenbrunn umgepfarrt, Oberbierbaum (vorher zwischen Reidling und Zwentendorf geteilt) wurde gänzlich Zwentendorf zugeteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sallapulka==&lt;br /&gt;
Die Pfarre Sallapulka wird urkundlich erstmals 1316 genannt. Die Wahlfahrt zur Kirche &amp;quot;Maria im Gebirge&amp;quot; bestand bis in die josephinische Zeit. Das Zehentamt Sallapulka, das der Verwaltung der stiftlichen Zehentrechte im nördlichen Waldviertel diente, ist bereits im 13. Jahrhundert nachweisbar. 1702 kaufte der Propst des [[Stift Herzogenburg|Stiftes Herzogenburg]], [[Maximilian Herb]], die unweit von Sallapulka gelegene Herrschaft Primmersdorf, damit wurde Sallapulka als stiftliches Zehentamt abgelöst. Im Jahr 1976 übergab Stift Herzogenburg die Pfarre Sallapulka an die Diözese St. Pölten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==St. Andrä an der Traisen==&lt;br /&gt;
Um 1150 wurde bei der Kapelle des Hl. Andreas das [[Stift St. Andrä an der Traisen|Chorherrenstift St. Andrä]] errichtet und die Stiftskirche zur Pfarrkirche. 1783 wurde das Stift aufgehoben und dem [[Stift Herzogenburg]] einverleibt, die Pfarre wurde Herzogenburger Stiftspfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Statzendorf==&lt;br /&gt;
Die Kirchen in Statzendorf (hl. Markus) und Rottersdorf (hl. Matthäus) waren bis 1784 Filialen der Pfarre Herzogenburg. Dann wurde in Statzendorf die Pfarre errichtet, mit den Filialen Rottersdorf und Kuffern und der Kapelle in Maria Elend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stollhofen==&lt;br /&gt;
Die Pfarre Stollhofen wurde im 14. Jahrhundert errichtet. Ihr Vorgänger war die Pfarre Traisenburg, die gleichzeitig mit der Gründung des Stiftes in St. Georgen im Jahr 1112 entstand und demselben in der Gründungsurkunde übertragen wurde. Anzunehmen ist, dass damit die Klosterkirche zur Pfarre erhoben und mit Zehentrechten ausgestattet wurde. Der Konvent von St. Georgen hat um 1180 eine eigene Kirche mit Pfarrhof für die Pfarre Traisenburg gebaut, der neue Pfarrort am rechten Traisenufer erhielt den Namen Pfarrkirchen. Er musste im 14. Jahrhundert wegen der ungünstigen Lage an der Donau aufgegeben und nach Stollhofen verlegt werden. In Stollhofen stiftete Graf Konrad von Schaunberg 1343 einen Platz für die Errichtung einer neuen Kirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Theiß==&lt;br /&gt;
Die erste Kapelle von Theiß wurde 1715/16 errichtet als Dankkapelle für eine überstandene Pestepidemie. Die Kirche gehörte zum Pfarrsprengel von Haitzendorf und wurde 1783 eigenständige Pfarre. Der Ort Theiß gehörte zum Herzogenburger Urbaramt Stratzdorf, welches das Stift Ende des 14. Jahrhunderts erworben hatte.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_Herzogenburg&amp;diff=10754</id>
		<title>Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_Herzogenburg&amp;diff=10754"/>
		<updated>2023-06-25T12:00:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
Dem [[Stift Herzogenburg]] sind 14 Pfarren inkorporiert. Aus dem Mittelalter stammen Haitzendorf, Herzogenburg, Nußdorf, Reidling und Stollhofen. Durch die josephinische Pfarrregulierung kamen in den 1780er Jahren die Pfarren Brunn, Dürnstein, Grafenwörth, Hain, Inzersdorf, Maria Ponsee, St. Andrä, Statzendorf und Theiß hinzu. Zwei weitere Pfarren, Sallapulka und Engabrunn, wurden am Ende des 20. Jahrhunderts exkorporiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Brunn im Felde==&lt;br /&gt;
Die Pfarre Brunn, ursprünglich eine Filiale der Pfarre Haitzendorf, wurde im Zuge der josephinischen Pfarrregulierung im Jahr 1783 errichtet. Zum Pfarrbezirk gehören Stratzdorf und Gedersdorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Dürnstein==&lt;br /&gt;
Die Kirche zur Hl. Kunigunde, ursprünglich eine Filiale von Krems, wurde im 13. Jahrhundert zur Pfarre erhoben und gehörte zur Dotation des 1410 errichteten [[Stift Dürnstein|Chorherrenstifts Dürnstein]]. Nach dem barocken Umbau des Stiftes im 18. Jahrhundert wurde die Stiftskirche Mariä Himmelfahrt auch Pfarrkirche. Nach der Aufhebung des Stiftes im Jahr 1788 wurde die Pfarre dem Stift Herzogenburg inkorporiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Engabrunn==&lt;br /&gt;
Der älteste schriftliche Nachweis für eine Kapelle in Engabrunn stammt aus dem Jahr 1498. Sie lag im Pfarrsprengel von Grafenwörth, einer Stiftspfarre des Stiftes Dürnstein, und wurde von dort als Filialkirche von einem exkurrierenden Priester versorgt. 1761 erhielt die Kirche einen eigenen Seelsorger. Als sie nach der Aufhebung Dürnsteins 1788 dem Stift Herzogenburg inkorporiert wurde, gliederte sie man als selbständige Pfarre aus Grafenwörth aus. 1995 übergab Herzogenburg die Pfarre an die Erzdiözese Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Grafenwörth==&lt;br /&gt;
Die Kirche bestand seit dem 12. Jahrhundert. Otto von Maissau inkorporierte sie als Patronatsherr gemeinsam mit der Pfarre Dürnstein im Jahr 1410 dem Chorherrenstift Dürnstein. Dieses hatte die Pfarre bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1788 inne, als sie dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hain==&lt;br /&gt;
Eine Kapelle in Hain existierte seit dem Spätmittelalter, die Kirche war zuerst eine Filiale der Pfarre Herzogenburg. 1783 wurde Hain selbstständige Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Haitzendorf==&lt;br /&gt;
1160 schenkte Bischof Konrad von Passau dem Stift Herzogenburg die Kirche zu Marquartsurfar und erhob sie zur Pfarre. Dieser ursprüngliche Pfarrort wurde 1337 von der Donau zerstört und die Pfarre daraufhin 1340 in Haitzendorf neu errichtet. Als Filialen gehörten zur Pfarre auch die Kirchen von Brunn und Theiß, die unter Kaiser Joseph II. zu selbstständigen Pfarren erhoben wurden. Für eine kurze Zeit im 17. Jahrhundert stand die Pfarre Haitzendorf unter Administration des Chorherrenstiftes Dürnstein. Am Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Pfarrhof von Jakob Prandtauer zu einer Sommerresidenz der Herzogenburger Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Herzogenburg==&lt;br /&gt;
Die Pfarre entstand als bischöflich-passauische Gründung im Jahr 1014 mit dem Patrozinium St. Stephan. Im Jahr 1112 gelangte sie in den Besitz des neugegründeten Chorherrenstifts St. Georgen und wurde diesem 1244 anlässlich seiner Verlegung nach Herzogenburg inkorporiert. Das Klosterpatrozinium St. Georg wurde mit dem der Pfarre zu einem Doppelpatrozinium der Kirche vereinigt. Zum Pfarrsprengel gehören die Filialkirche Radlberg sowie die Kapellen in Ossar, Oberwinden und Ederding.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Inzersdorf==&lt;br /&gt;
Die Kirche St. Peter in Unterinzersdorf bestand bereits im 12. Jahrhundert, sie war eine dem Stift (Klein-)Mariazell inkorporierte Pfarre. Nach Aufhebung dieses Stiftes 1783 gelangte die Pfarre an das Stift Herzogenburg. Die Kirche St. Veit in Oberinzersdorf gehörte seit dem Mittelalter zu Herzogenburg (als Filiale der Pfarre Herzogenburg). Das Pfarrgebiet von Unter- und Oberinzersdorf wurde mit der Übernahme der St. Peterskirche vereinigt und die alte St. Veitskirche abgerissen. Zur Pfarre Inzersdorf gehört auch die Schlosskapelle von Walpersdorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Maria Ponsee==&lt;br /&gt;
1308 schenkten die Brüder Gundakar und Wernhard Pogger zu Rußbach dem Stift Herzogenburg Kirche und Gut Ponsee. Damit scheint die Pfarrerrichtung zusammenzuhängen, da schon 1329 zur Pfarrkirche eine Schenkung gemacht wurde. Die Pfarre dürfte nie sehr groß gewesen sein und ging schließlich im 16. Jahrhundert ein. Sie wurde Filiale der Pfarrkirche Reidling, ebenfalls eine Stiftskirche von Herzogenburg. Unter Kaiser Joseph II. wurde 1783 die Pfarre wiedererrichtet. Der Ort Ponsee wurde 1950 in Maria Ponsee umbenannt, um die Marienwallfahrt zum Gnadenbild in der Pfarrkirche wiederzubeleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nußdorf==&lt;br /&gt;
Die erste Nennung einer Kapelle in Nußdorf erfolgt 1284. Im Jahr 1324 stiftete Wernhard von Nußdorf die Pfarre. Zum Sprengel gehören Reichersdorf und Franzhausen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reidling==&lt;br /&gt;
Um 1200 stifteten die Herrschaftsbesitzerin Mathilde von Reidling und ihr Sohn ein Benefizium, dessen Pfarrrechte beim Stift Herzogenburg lagen. Ein eigener Pfarrer in Reidling wird erstmals 1387 genannt. Im Jahr 1783 wurde die Reidlinger Filiale Maria Ponsee als Pfarre wiedererrichtet, die Filiale Hasendorf wurde aufgelassen. 1784 wurden die Orte Adletzberg und Pottschall nach Gutenbrunn umgepfarrt, Oberbierbaum (vorher zwischen Reidling und Zwentendorf geteilt) wurde gänzlich Zwentendorf zugeteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sallapulka==&lt;br /&gt;
Die Pfarre Sallapulka wird urkundlich erstmals 1316 genannt. Die Wahlfahrt zur Pfarrkirche &amp;quot;Maria im Gebirge&amp;quot; bestand bis in die josephinische Zeit. Das Zehentamt Sallapulka, das der Verwaltung der stiftlichen Zehentrechte im nördlichen Waldviertel diente, ist bereits im 13. Jahrhundert nachweisbar. 1702 kaufte der Propst des Stiftes Herzogenburg, Maximilian Herb, die unweit von Sallapulka gelegene Herrschaft Primmersdorf, damit wurde Sallapulka als stiftliches Zehentamt abgelöst. Im Jahr 1976 übergab Stift Herzogenburg die Pfarre Sallapulka an die Diözese St. Pölten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==St. Andrä an der Traisen==&lt;br /&gt;
Um 1150 wurde bei der Kapelle des Hl. Andreas das Chorherrenstift St. Andrä errichtet und die Stiftskirche zur Pfarrkirche. 1783 wurde das Stift aufgehoben und dem Chorherrenstift Herzogenburg einverleibt, die Pfarre wurde Herzogenburger Stiftspfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Statzendorf==&lt;br /&gt;
Die Kirchen in Statzendorf (hl. Markus) und Rottersdorf (hl. Matthäus) waren bis 1784 Filialen der Pfarre Herzogenburg. Dann wurde in Statzendorf die Pfarre errichtet, mit den Filialen Rottersdorf und Kuffern und der Kapelle in Maria Elend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stollhofen==&lt;br /&gt;
Die Pfarre Stollhofen wurde im 14. Jahrhundert errichtet. Ihr Vorgänger war die Pfarre Traisenburg, die gleichzeitig mit der Gründung des Stiftes in St. Georgen im Jahr 1112 entstand und demselben in der Gründungsurkunde übertragen wurde. Anzunehmen ist, dass damit die Klosterkirche zur Pfarre erhoben und mit Zehentrechten ausgestattet wurde. Der Konvent von St. Georgen hat um 1180 eine eigene Kirche mit Pfarrhof für die Pfarre Traisenburg gebaut, der neue Pfarrort am rechten Traisenufer erhielt den Namen Pfarrkirchen. Er musste im 14. Jahrhundert wegen der ungünstigen Lage an der Donau aufgegeben und nach Stollhofen verlegt werden. In Stollhofen stiftete Graf Konrad von Schaunberg 1343 einen Platz für die Errichtung einer neuen Kirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Theiß==&lt;br /&gt;
Die erste Kapelle von Theiß wurde 1715/16 errichtet als Dankkapelle für eine überstandene Pestepidemie. Die Kirche gehörte zum Pfarrsprengel von Haitzendorf und wurde 1783 eigenständige Pfarre. Der Ort Theiß gehörte zum Herzogenburger Urbaramt Stratzdorf, welches das Stift Ende des 14. Jahrhunderts erworben hatte.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_Herzogenburg&amp;diff=10753</id>
		<title>Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_Herzogenburg&amp;diff=10753"/>
		<updated>2023-06-25T11:59:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
Dem [[Stift Herzogenburg]] sind 14 Pfarren inkorporiert. Aus dem Mittelalter stammen Haitzendorf, Herzogenburg, Nußdorf, Reidling und Stollhofen. Durch die josephinische Pfarrregulierung kamen in den 1780er Jahren die Pfarren Brunn, Dürnstein, Grafenwörth, Hain, Inzersdorf, Maria Ponsee, St. Andrä, Statzendorf und Theiß hinzu. Zwei weitere Pfarren, Sallapulka und Engabrunn, wurden am Ende des 20. Jahrhunderts exkorporiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Brunn im Felde==&lt;br /&gt;
Die Pfarre Brunn, ursprünglich eine Filiale der Pfarre Haitzendorf, wurde im Zuge der josephinischen Pfarrregulierung im Jahr 1783 errichtet. Zum Pfarrbezirk gehören Stratzdorf und Gedersdorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Dürnstein==&lt;br /&gt;
Die Kirche zur Hl. Kunigunde, ursprünglich eine Filiale von Krems, wurde im 13. Jahrhundert zur Pfarre erhoben und gehörte zur Dotation des 1410 errichteten Chorherrenstifts Dürnstein. Nach dem barocken Umbau des Stiftes im 18. Jahrhundert wurde die Stiftskirche Mariä Himmelfahrt auch Pfarrkirche. Nach der Aufhebung des Stiftes im Jahr 1788 wurde die Pfarre dem Stift Herzogenburg inkorporiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Engabrunn==&lt;br /&gt;
Der älteste schriftliche Nachweis für eine Kapelle in Engabrunn stammt aus dem Jahr 1498. Sie lag im Pfarrsprengel von Grafenwörth, einer Stiftspfarre des Stiftes Dürnstein, und wurde von dort als Filialkirche von einem exkurrierenden Priester versorgt. 1761 erhielt die Kirche einen eigenen Seelsorger. Als sie nach der Aufhebung Dürnsteins 1788 dem Stift Herzogenburg inkorporiert wurde, gliederte sie man als selbständige Pfarre aus Grafenwörth aus. 1995 übergab Herzogenburg die Pfarre an die Erzdiözese Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Grafenwörth==&lt;br /&gt;
Die Kirche bestand seit dem 12. Jahrhundert. Otto von Maissau inkorporierte sie als Patronatsherr gemeinsam mit der Pfarre Dürnstein im Jahr 1410 dem Chorherrenstift Dürnstein. Dieses hatte die Pfarre bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1788 inne, als sie dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hain==&lt;br /&gt;
Eine Kapelle in Hain existierte seit dem Spätmittelalter, die Kirche war zuerst eine Filiale der Pfarre Herzogenburg. 1783 wurde Hain selbstständige Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Haitzendorf==&lt;br /&gt;
1160 schenkte Bischof Konrad von Passau dem Stift Herzogenburg die Kirche zu Marquartsurfar und erhob sie zur Pfarre. Dieser ursprüngliche Pfarrort wurde 1337 von der Donau zerstört und die Pfarre daraufhin 1340 in Haitzendorf neu errichtet. Als Filialen gehörten zur Pfarre auch die Kirchen von Brunn und Theiß, die unter Kaiser Joseph II. zu selbstständigen Pfarren erhoben wurden. Für eine kurze Zeit im 17. Jahrhundert stand die Pfarre Haitzendorf unter Administration des Chorherrenstiftes Dürnstein. Am Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Pfarrhof von Jakob Prandtauer zu einer Sommerresidenz der Herzogenburger Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Herzogenburg==&lt;br /&gt;
Die Pfarre entstand als bischöflich-passauische Gründung im Jahr 1014 mit dem Patrozinium St. Stephan. Im Jahr 1112 gelangte sie in den Besitz des neugegründeten Chorherrenstifts St. Georgen und wurde diesem 1244 anlässlich seiner Verlegung nach Herzogenburg inkorporiert. Das Klosterpatrozinium St. Georg wurde mit dem der Pfarre zu einem Doppelpatrozinium der Kirche vereinigt. Zum Pfarrsprengel gehören die Filialkirche Radlberg sowie die Kapellen in Ossar, Oberwinden und Ederding.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Inzersdorf==&lt;br /&gt;
Die Kirche St. Peter in Unterinzersdorf bestand bereits im 12. Jahrhundert, sie war eine dem Stift (Klein-)Mariazell inkorporierte Pfarre. Nach Aufhebung dieses Stiftes 1783 gelangte die Pfarre an das Stift Herzogenburg. Die Kirche St. Veit in Oberinzersdorf gehörte seit dem Mittelalter zu Herzogenburg (als Filiale der Pfarre Herzogenburg). Das Pfarrgebiet von Unter- und Oberinzersdorf wurde mit der Übernahme der St. Peterskirche vereinigt und die alte St. Veitskirche abgerissen. Zur Pfarre Inzersdorf gehört auch die Schlosskapelle von Walpersdorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Maria Ponsee==&lt;br /&gt;
1308 schenkten die Brüder Gundakar und Wernhard Pogger zu Rußbach dem Stift Herzogenburg Kirche und Gut Ponsee. Damit scheint die Pfarrerrichtung zusammenzuhängen, da schon 1329 zur Pfarrkirche eine Schenkung gemacht wurde. Die Pfarre dürfte nie sehr groß gewesen sein und ging schließlich im 16. Jahrhundert ein. Sie wurde Filiale der Pfarrkirche Reidling, ebenfalls eine Stiftskirche von Herzogenburg. Unter Kaiser Joseph II. wurde 1783 die Pfarre wiedererrichtet. Der Ort Ponsee wurde 1950 in Maria Ponsee umbenannt, um die Marienwallfahrt zum Gnadenbild in der Pfarrkirche wiederzubeleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nußdorf==&lt;br /&gt;
Die erste Nennung einer Kapelle in Nußdorf erfolgt 1284. Im Jahr 1324 stiftete Wernhard von Nußdorf die Pfarre. Zum Sprengel gehören Reichersdorf und Franzhausen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reidling==&lt;br /&gt;
Um 1200 stifteten die Herrschaftsbesitzerin Mathilde von Reidling und ihr Sohn ein Benefizium, dessen Pfarrrechte beim Stift Herzogenburg lagen. Ein eigener Pfarrer in Reidling wird erstmals 1387 genannt. Im Jahr 1783 wurde die Reidlinger Filiale Maria Ponsee als Pfarre wiedererrichtet, die Filiale Hasendorf wurde aufgelassen. 1784 wurden die Orte Adletzberg und Pottschall nach Gutenbrunn umgepfarrt, Oberbierbaum (vorher zwischen Reidling und Zwentendorf geteilt) wurde gänzlich Zwentendorf zugeteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sallapulka==&lt;br /&gt;
Die Pfarre Sallapulka wird urkundlich erstmals 1316 genannt. Die Wahlfahrt zur Pfarrkirche &amp;quot;Maria im Gebirge&amp;quot; bestand bis in die josephinische Zeit. Das Zehentamt Sallapulka, das der Verwaltung der stiftlichen Zehentrechte im nördlichen Waldviertel diente, ist bereits im 13. Jahrhundert nachweisbar. 1702 kaufte der Propst des Stiftes Herzogenburg, Maximilian Herb, die unweit von Sallapulka gelegene Herrschaft Primmersdorf, damit wurde Sallapulka als stiftliches Zehentamt abgelöst. Im Jahr 1976 übergab Stift Herzogenburg die Pfarre Sallapulka an die Diözese St. Pölten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==St. Andrä an der Traisen==&lt;br /&gt;
Um 1150 wurde bei der Kapelle des Hl. Andreas das Chorherrenstift St. Andrä errichtet und die Stiftskirche zur Pfarrkirche. 1783 wurde das Stift aufgehoben und dem Chorherrenstift Herzogenburg einverleibt, die Pfarre wurde Herzogenburger Stiftspfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Statzendorf==&lt;br /&gt;
Die Kirchen in Statzendorf (hl. Markus) und Rottersdorf (hl. Matthäus) waren bis 1784 Filialen der Pfarre Herzogenburg. Dann wurde in Statzendorf die Pfarre errichtet, mit den Filialen Rottersdorf und Kuffern und der Kapelle in Maria Elend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stollhofen==&lt;br /&gt;
Die Pfarre Stollhofen wurde im 14. Jahrhundert errichtet. Ihr Vorgänger war die Pfarre Traisenburg, die gleichzeitig mit der Gründung des Stiftes in St. Georgen im Jahr 1112 entstand und demselben in der Gründungsurkunde übertragen wurde. Anzunehmen ist, dass damit die Klosterkirche zur Pfarre erhoben und mit Zehentrechten ausgestattet wurde. Der Konvent von St. Georgen hat um 1180 eine eigene Kirche mit Pfarrhof für die Pfarre Traisenburg gebaut, der neue Pfarrort am rechten Traisenufer erhielt den Namen Pfarrkirchen. Er musste im 14. Jahrhundert wegen der ungünstigen Lage an der Donau aufgegeben und nach Stollhofen verlegt werden. In Stollhofen stiftete Graf Konrad von Schaunberg 1343 einen Platz für die Errichtung einer neuen Kirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Theiß==&lt;br /&gt;
Die erste Kapelle von Theiß wurde 1715/16 errichtet als Dankkapelle für eine überstandene Pestepidemie. Die Kirche gehörte zum Pfarrsprengel von Haitzendorf und wurde 1783 eigenständige Pfarre. Der Ort Theiß gehörte zum Herzogenburger Urbaramt Stratzdorf, welches das Stift Ende des 14. Jahrhunderts erworben hatte.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_Herzogenburg&amp;diff=10752</id>
		<title>Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_Herzogenburg&amp;diff=10752"/>
		<updated>2023-06-25T11:57:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
Dem Stift Herzogenburg sind 14 Pfarren inkorporiert. Aus dem Mittelalter stammen Haitzendorf, Herzogenburg, Nußdorf, Reidling und Stollhofen. Durch die josephinische Pfarrregulierung kamen in den 1780er Jahren die Pfarren Brunn, Dürnstein, Grafenwörth, Hain, Inzersdorf, Maria Ponsee, St. Andrä, Statzendorf und Theiß hinzu. Zwei weitere Pfarren, Sallapulka und Engabrunn, wurden am Ende des 20. Jahrhunderts exkorporiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Brunn im Felde==&lt;br /&gt;
Die Pfarre Brunn, ursprünglich eine Filiale der Pfarre Haitzendorf, wurde im Zuge der josephinischen Pfarrregulierung im Jahr 1783 errichtet. Zum Pfarrbezirk gehören Stratzdorf und Gedersdorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Dürnstein==&lt;br /&gt;
Die Kirche zur Hl. Kunigunde, ursprünglich eine Filiale von Krems, wurde im 13. Jahrhundert zur Pfarre erhoben und gehörte zur Dotation des 1410 errichteten Chorherrenstifts Dürnstein. Nach dem barocken Umbau des Stiftes im 18. Jahrhundert wurde die Stiftskirche Mariä Himmelfahrt auch Pfarrkirche. Nach der Aufhebung des Stiftes im Jahr 1788 wurde die Pfarre dem Stift Herzogenburg inkorporiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Engabrunn==&lt;br /&gt;
Der älteste schriftliche Nachweis für eine Kapelle in Engabrunn stammt aus dem Jahr 1498. Sie lag im Pfarrsprengel von Grafenwörth, einer Stiftspfarre des Stiftes Dürnstein, und wurde von dort als Filialkirche von einem exkurrierenden Priester versorgt. 1761 erhielt die Kirche einen eigenen Seelsorger. Als sie nach der Aufhebung Dürnsteins 1788 dem Stift Herzogenburg inkorporiert wurde, gliederte sie man als selbständige Pfarre aus Grafenwörth aus. 1995 übergab Herzogenburg die Pfarre an die Erzdiözese Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Grafenwörth==&lt;br /&gt;
Die Kirche bestand seit dem 12. Jahrhundert. Otto von Maissau inkorporierte sie als Patronatsherr gemeinsam mit der Pfarre Dürnstein im Jahr 1410 dem Chorherrenstift Dürnstein. Dieses hatte die Pfarre bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1788 inne, als sie dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hain==&lt;br /&gt;
Eine Kapelle in Hain existierte seit dem Spätmittelalter, die Kirche war zuerst eine Filiale der Pfarre Herzogenburg. 1783 wurde Hain selbstständige Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Haitzendorf==&lt;br /&gt;
1160 schenkte Bischof Konrad von Passau dem Stift Herzogenburg die Kirche zu Marquartsurfar und erhob sie zur Pfarre. Dieser ursprüngliche Pfarrort wurde 1337 von der Donau zerstört und die Pfarre daraufhin 1340 in Haitzendorf neu errichtet. Als Filialen gehörten zur Pfarre auch die Kirchen von Brunn und Theiß, die unter Kaiser Joseph II. zu selbstständigen Pfarren erhoben wurden. Für eine kurze Zeit im 17. Jahrhundert stand die Pfarre Haitzendorf unter Administration des Chorherrenstiftes Dürnstein. Am Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Pfarrhof von Jakob Prandtauer zu einer Sommerresidenz der Herzogenburger Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Herzogenburg==&lt;br /&gt;
Die Pfarre entstand als bischöflich-passauische Gründung im Jahr 1014 mit dem Patrozinium St. Stephan. Im Jahr 1112 gelangte sie in den Besitz des neugegründeten Chorherrenstifts St. Georgen und wurde diesem 1244 anlässlich seiner Verlegung nach Herzogenburg inkorporiert. Das Klosterpatrozinium St. Georg wurde mit dem der Pfarre zu einem Doppelpatrozinium der Kirche vereinigt. Zum Pfarrsprengel gehören die Filialkirche Radlberg sowie die Kapellen in Ossar, Oberwinden und Ederding.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Inzersdorf==&lt;br /&gt;
Die Kirche St. Peter in Unterinzersdorf bestand bereits im 12. Jahrhundert, sie war eine dem Stift (Klein-)Mariazell inkorporierte Pfarre. Nach Aufhebung dieses Stiftes 1783 gelangte die Pfarre an das Stift Herzogenburg. Die Kirche St. Veit in Oberinzersdorf gehörte seit dem Mittelalter zu Herzogenburg (als Filiale der Pfarre Herzogenburg). Das Pfarrgebiet von Unter- und Oberinzersdorf wurde mit der Übernahme der St. Peterskirche vereinigt und die alte St. Veitskirche abgerissen. Zur Pfarre Inzersdorf gehört auch die Schlosskapelle von Walpersdorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Maria Ponsee==&lt;br /&gt;
1308 schenkten die Brüder Gundakar und Wernhard Pogger zu Rußbach dem Stift Herzogenburg Kirche und Gut Ponsee. Damit scheint die Pfarrerrichtung zusammenzuhängen, da schon 1329 zur Pfarrkirche eine Schenkung gemacht wurde. Die Pfarre dürfte nie sehr groß gewesen sein und ging schließlich im 16. Jahrhundert ein. Sie wurde Filiale der Pfarrkirche Reidling, ebenfalls eine Stiftskirche von Herzogenburg. Unter Kaiser Joseph II. wurde 1783 die Pfarre wiedererrichtet. Der Ort Ponsee wurde 1950 in Maria Ponsee umbenannt, um die Marienwallfahrt zum Gnadenbild in der Pfarrkirche wiederzubeleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nußdorf==&lt;br /&gt;
Die erste Nennung einer Kapelle in Nußdorf erfolgt 1284. Im Jahr 1324 stiftete Wernhard von Nußdorf die Pfarre. Zum Sprengel gehören Reichersdorf und Franzhausen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reidling==&lt;br /&gt;
Um 1200 stifteten die Herrschaftsbesitzerin Mathilde von Reidling und ihr Sohn ein Benefizium, dessen Pfarrrechte beim Stift Herzogenburg lagen. Ein eigener Pfarrer in Reidling wird erstmals 1387 genannt. Im Jahr 1783 wurde die Reidlinger Filiale Maria Ponsee als Pfarre wiedererrichtet, die Filiale Hasendorf wurde aufgelassen. 1784 wurden die Orte Adletzberg und Pottschall nach Gutenbrunn umgepfarrt, Oberbierbaum (vorher zwischen Reidling und Zwentendorf geteilt) wurde gänzlich Zwentendorf zugeteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sallapulka==&lt;br /&gt;
Die Pfarre Sallapulka wird urkundlich erstmals 1316 genannt. Die Wahlfahrt zur Pfarrkirche &amp;quot;Maria im Gebirge&amp;quot; bestand bis in die josephinische Zeit. Das Zehentamt Sallapulka, das der Verwaltung der stiftlichen Zehentrechte im nördlichen Waldviertel diente, ist bereits im 13. Jahrhundert nachweisbar. 1702 kaufte der Propst des Stiftes Herzogenburg, Maximilian Herb, die unweit von Sallapulka gelegene Herrschaft Primmersdorf, damit wurde Sallapulka als stiftliches Zehentamt abgelöst. Im Jahr 1976 übergab Stift Herzogenburg die Pfarre Sallapulka an die Diözese St. Pölten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==St. Andrä an der Traisen==&lt;br /&gt;
Um 1150 wurde bei der Kapelle des Hl. Andreas das Chorherrenstift St. Andrä errichtet und die Stiftskirche zur Pfarrkirche. 1783 wurde das Stift aufgehoben und dem Chorherrenstift Herzogenburg einverleibt, die Pfarre wurde Herzogenburger Stiftspfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Statzendorf==&lt;br /&gt;
Die Kirchen in Statzendorf (hl. Markus) und Rottersdorf (hl. Matthäus) waren bis 1784 Filialen der Pfarre Herzogenburg. Dann wurde in Statzendorf die Pfarre errichtet, mit den Filialen Rottersdorf und Kuffern und der Kapelle in Maria Elend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stollhofen==&lt;br /&gt;
Die Pfarre Stollhofen wurde im 14. Jahrhundert errichtet. Ihr Vorgänger war die Pfarre Traisenburg, die gleichzeitig mit der Gründung des Stiftes in St. Georgen im Jahr 1112 entstand und demselben in der Gründungsurkunde übertragen wurde. Anzunehmen ist, dass damit die Klosterkirche zur Pfarre erhoben und mit Zehentrechten ausgestattet wurde. Der Konvent von St. Georgen hat um 1180 eine eigene Kirche mit Pfarrhof für die Pfarre Traisenburg gebaut, der neue Pfarrort am rechten Traisenufer erhielt den Namen Pfarrkirchen. Er musste im 14. Jahrhundert wegen der ungünstigen Lage an der Donau aufgegeben und nach Stollhofen verlegt werden. In Stollhofen stiftete Graf Konrad von Schaunberg 1343 einen Platz für die Errichtung einer neuen Kirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Theiß==&lt;br /&gt;
Die erste Kapelle von Theiß wurde 1715/16 errichtet als Dankkapelle für eine überstandene Pestepidemie. Die Kirche gehörte zum Pfarrsprengel von Haitzendorf und wurde 1783 eigenständige Pfarre. Der Ort Theiß gehörte zum Herzogenburger Urbaramt Stratzdorf, welches das Stift Ende des 14. Jahrhunderts erworben hatte.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_Herzogenburg&amp;diff=10751</id>
		<title>Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_Herzogenburg&amp;diff=10751"/>
		<updated>2023-06-25T11:56:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
Dem Stift Herzogenburg sind 14 Pfarren inkorporiert. Aus dem Mittelalter stammen Haitzendorf, Herzogenburg, Nußdorf, Reidling und Stollhofen. Durch die josephinische Pfarrregulierung kamen in den 1780er Jahren die Pfarren Brunn, Dürnstein, Grafenwörth, Hain, Inzersdorf, Maria Ponsee, St. Andrä, Statzendorf und Theiß hinzu. Zwei weitere Pfarren, Sallapulka und Engabrunn, wurden am Ende des 20. Jahrhunderts exkorporiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Brunn im Felde==&lt;br /&gt;
Die Pfarre Brunn, ursprünglich eine Filiale der Pfarre Haitzendorf, wurde im Zuge der josephinischen Pfarrregulierung im Jahr 1783 errichtet. Zum Pfarrbezirk gehören Stratzdorf und Gedersdorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Dürnstein==&lt;br /&gt;
Die Kirche zur Hl. Kunigunde, ursprünglich eine Filiale von Krems, wurde im 13. Jahrhundert zur Pfarre erhoben und gehörte zur Dotation des 1410 errichteten Chorherrenstifts Dürnstein. Nach dem barocken Umbau des Stiftes im 18. Jahrhundert wurde die Stiftskirche Mariä Himmelfahrt auch Pfarrkirche. Nach der Aufhebung des Stiftes im Jahr 1788 wurde die Kirche dem Stift Herzogenburg inkorporiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Engabrunn==&lt;br /&gt;
Der älteste schriftliche Nachweis für eine Kapelle in Engabrunn stammt aus dem Jahr 1498. Sie lag im Pfarrsprengel von Grafenwörth, einer Stiftspfarre des Stiftes Dürnstein, und wurde von dort als Filialkirche von einem exkurrierenden Priester versorgt. 1761 erhielt die Kirche einen eigenen Seelsorger. Als sie nach der Aufhebung Dürnsteins 1788 dem Stift Herzogenburg inkorporiert wurde, gliederte sie man als selbständige Pfarre aus Grafenwörth aus. 1995 übergab Herzogenburg die Pfarre an die Erzdiözese Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Grafenwörth==&lt;br /&gt;
Die Kirche bestand seit dem 12. Jahrhundert. Otto von Maissau inkorporierte sie als Patronatsherr gemeinsam mit der Pfarre Dürnstein im Jahr 1410 dem Chorherrenstift Dürnstein. Dieses hatte die Pfarre bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1788 inne, als sie dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hain==&lt;br /&gt;
Eine Kapelle in Hain existierte seit dem Spätmittelalter, die Kirche war zuerst eine Filiale der Pfarre Herzogenburg. 1783 wurde Hain selbstständige Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Haitzendorf==&lt;br /&gt;
1160 schenkte Bischof Konrad von Passau dem Stift Herzogenburg die Kirche zu Marquartsurfar und erhob sie zur Pfarre. Dieser ursprüngliche Pfarrort wurde 1337 von der Donau zerstört und die Pfarre daraufhin 1340 in Haitzendorf neu errichtet. Als Filialen gehörten zur Pfarre auch die Kirchen von Brunn und Theiß, die unter Kaiser Joseph II. zu selbstständigen Pfarren erhoben wurden. Für eine kurze Zeit im 17. Jahrhundert stand die Pfarre Haitzendorf unter Administration des Chorherrenstiftes Dürnstein. Am Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Pfarrhof von Jakob Prandtauer zu einer Sommerresidenz der Herzogenburger Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Herzogenburg==&lt;br /&gt;
Die Pfarre entstand als bischöflich-passauische Gründung im Jahr 1014 mit dem Patrozinium St. Stephan. Im Jahr 1112 gelangte sie in den Besitz des neugegründeten Chorherrenstifts St. Georgen und wurde diesem 1244 anlässlich seiner Verlegung nach Herzogenburg inkorporiert. Das Klosterpatrozinium St. Georg wurde mit dem der Pfarre zu einem Doppelpatrozinium der Kirche vereinigt. Zum Pfarrsprengel gehören die Filialkirche Radlberg sowie die Kapellen in Ossar, Oberwinden und Ederding.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Inzersdorf==&lt;br /&gt;
Die Kirche St. Peter in Unterinzersdorf bestand bereits im 12. Jahrhundert, sie war eine dem Stift (Klein-)Mariazell inkorporierte Pfarre. Nach Aufhebung dieses Stiftes 1783 gelangte die Pfarre an das Stift Herzogenburg. Die Kirche St. Veit in Oberinzersdorf gehörte seit dem Mittelalter zu Herzogenburg (als Filiale der Pfarre Herzogenburg). Das Pfarrgebiet von Unter- und Oberinzersdorf wurde mit der Übernahme der St. Peterskirche vereinigt und die alte St. Veitskirche abgerissen. Zur Pfarre Inzersdorf gehört auch die Schlosskapelle von Walpersdorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Maria Ponsee==&lt;br /&gt;
1308 schenkten die Brüder Gundakar und Wernhard Pogger zu Rußbach dem Stift Herzogenburg Kirche und Gut Ponsee. Damit scheint die Pfarrerrichtung zusammenzuhängen, da schon 1329 zur Pfarrkirche eine Schenkung gemacht wurde. Die Pfarre dürfte nie sehr groß gewesen sein und ging schließlich im 16. Jahrhundert ein. Sie wurde Filiale der Pfarrkirche Reidling, ebenfalls eine Stiftskirche von Herzogenburg. Unter Kaiser Joseph II. wurde 1783 die Pfarre wiedererrichtet. Der Ort Ponsee wurde 1950 in Maria Ponsee umbenannt, um die Marienwallfahrt zum Gnadenbild in der Pfarrkirche wiederzubeleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nußdorf==&lt;br /&gt;
Die erste Nennung einer Kapelle in Nußdorf erfolgt 1284. Im Jahr 1324 stiftete Wernhard von Nußdorf die Pfarre. Zum Sprengel gehören Reichersdorf und Franzhausen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reidling==&lt;br /&gt;
Um 1200 stifteten die Herrschaftsbesitzerin Mathilde von Reidling und ihr Sohn ein Benefizium, dessen Pfarrrechte beim Stift Herzogenburg lagen. Ein eigener Pfarrer in Reidling wird erstmals 1387 genannt. Im Jahr 1783 wurde die Reidlinger Filiale Maria Ponsee als Pfarre wiedererrichtet, die Filiale Hasendorf wurde aufgelassen. 1784 wurden die Orte Adletzberg und Pottschall nach Gutenbrunn umgepfarrt, Oberbierbaum (vorher zwischen Reidling und Zwentendorf geteilt) wurde gänzlich Zwentendorf zugeteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sallapulka==&lt;br /&gt;
Die Pfarre Sallapulka wird urkundlich erstmals 1316 genannt. Die Wahlfahrt zur Pfarrkirche &amp;quot;Maria im Gebirge&amp;quot; bestand bis in die josephinische Zeit. Das Zehentamt Sallapulka, das der Verwaltung der stiftlichen Zehentrechte im nördlichen Waldviertel diente, ist bereits im 13. Jahrhundert nachweisbar. 1702 kaufte der Propst des Stiftes Herzogenburg, Maximilian Herb, die unweit von Sallapulka gelegene Herrschaft Primmersdorf, damit wurde Sallapulka als stiftliches Zehentamt abgelöst. Im Jahr 1976 übergab Stift Herzogenburg die Pfarre Sallapulka an die Diözese St. Pölten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==St. Andrä an der Traisen==&lt;br /&gt;
Um 1150 wurde bei der Kapelle des Hl. Andreas das Chorherrenstift St. Andrä errichtet und die Stiftskirche zur Pfarrkirche. 1783 wurde das Stift aufgehoben und dem Chorherrenstift Herzogenburg einverleibt, die Pfarre wurde Herzogenburger Stiftspfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Statzendorf==&lt;br /&gt;
Die Kirchen in Statzendorf (hl. Markus) und Rottersdorf (hl. Matthäus) waren bis 1784 Filialen der Pfarre Herzogenburg. Dann wurde in Statzendorf die Pfarre errichtet, mit den Filialen Rottersdorf und Kuffern und der Kapelle in Maria Elend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stollhofen==&lt;br /&gt;
Die Pfarre Stollhofen wurde im 14. Jahrhundert errichtet. Ihr Vorgänger war die Pfarre Traisenburg, die gleichzeitig mit der Gründung des Stiftes in St. Georgen im Jahr 1112 entstand und demselben in der Gründungsurkunde übertragen wurde. Anzunehmen ist, dass damit die Klosterkirche zur Pfarre erhoben und mit Zehentrechten ausgestattet wurde. Der Konvent von St. Georgen hat um 1180 eine eigene Kirche mit Pfarrhof für die Pfarre Traisenburg gebaut, der neue Pfarrort am rechten Traisenufer erhielt den Namen Pfarrkirchen. Er musste im 14. Jahrhundert wegen der ungünstigen Lage an der Donau aufgegeben und nach Stollhofen verlegt werden. In Stollhofen stiftete Graf Konrad von Schaunberg 1343 einen Platz für die Errichtung einer neuen Kirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Theiß==&lt;br /&gt;
Die erste Kapelle von Theiß wurde 1715/16 errichtet als Dankkapelle für eine überstandene Pestepidemie. Die Kirche gehörte zum Pfarrsprengel von Haitzendorf und wurde 1783 eigenständige Pfarre. Der Ort Theiß gehörte zum Herzogenburger Urbaramt Stratzdorf, welches das Stift Ende des 14. Jahrhunderts erworben hatte.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_St._Andr%C3%A4_an_der_Traisen&amp;diff=10750</id>
		<title>Liste der Pfarren des Stiftes St. Andrä an der Traisen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_St._Andr%C3%A4_an_der_Traisen&amp;diff=10750"/>
		<updated>2023-06-25T11:48:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
==St. Andrä==&lt;br /&gt;
Die ehemalige Andreaskapelle erhielt mit der Errichtung der Chorherrenstiftes im Jahr 1160 pfarrliche Rechte. Nach Aufhebung des Stiftes wurde die Pfarre St. Andrä dem [[Stift Herzogenburg]] inkorporiert.&lt;br /&gt;
==Gutenbrunn==&lt;br /&gt;
1379 verzichtete das Stift St. Andrä auf alle pfarrlichen Rechte in Gutenbrunn. Somit wurde die dortige Hedwigskirche selbständige Pfarrkirche. 1529, nach Verwüstung der Kirche und des Pfarrhofes, wurde die Pfarre Gutenbrunn wieder mit St. Andrä vereint. 1710 wurde Gutenbrunn endgültig eigenständige Pfarre.&lt;br /&gt;
==Pottenbrunn==&lt;br /&gt;
Bei seinem Amtsantritt 1698 hatte Propst [[Augustinus Erath]] versprochen, dem Stift eine Pfarre zuzuführen. Durch kaiserlichen Konsens wurde ihm Pottenbrunn für 15 Jahre zugesprochen (von 1699 bis 1714) und mit einem St. Andräer Chorherren besetzt. Im Gegenzug verpflichtete sich Erath, den resignierten Pottenbrunner Pfarrer im Kloster aufzunehmen.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_St._Andr%C3%A4_an_der_Traisen&amp;diff=10749</id>
		<title>Liste der Pfarren des Stiftes St. Andrä an der Traisen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Liste_der_Pfarren_des_Stiftes_St._Andr%C3%A4_an_der_Traisen&amp;diff=10749"/>
		<updated>2023-06-25T11:47:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
==St. Andrä==&lt;br /&gt;
Die ehemalige Andreaskapelle erhielt mit der Errichtung der Chorherrenstiftes im Jahr 1160 pfarrliche Rechte. Nach Aufhebung des Stiftes wurde die Pfarre St. Andrä dem [[Stift Herzogenburg]] inkorporiert&lt;br /&gt;
==Gutenbrunn==&lt;br /&gt;
1379 verzichtete das Stift St. Andrä auf alle pfarrlichen Rechte in Gutenbrunn. Somit wurde die dortige Hedwigskirche selbständige Pfarrkirche. 1529, nach Verwüstung der Kirche und des Pfarrhofes, wurde die Pfarre Gutenbrunn wieder mit St. Andrä vereint. 1710 wurde Gutenbrunn endgültig eigenständige Pfarre.&lt;br /&gt;
==Pottenbrunn==&lt;br /&gt;
Bei seinem Amtsantritt 1698 hatte Propst [[Augustinus Erath]] versprochen, dem Stift eine Pfarre zuzuführen. Durch kaiserlichen Konsens wurde ihm Pottenbrunn für 15 Jahre zugesprochen (von 1699 bis 1714) und mit einem St. Andräer Chorherren besetzt. Im Gegenzug verpflichtete sich Erath, den resignierten Pottenbrunner Pfarrer im Kloster aufzunehmen.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10748</id>
		<title>Stift Herzogenburg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10748"/>
		<updated>2023-06-25T11:44:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1112&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (seit 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen= Stift St. Georgen&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}, Niederösterreich&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.28677, 15.69721&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Georg&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Herzogenburg gehört zum Bezirk St. Pölten.&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift_Herzogenburg.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Herzogenburg, kolorierte Radierung von Lorenz Janesch (um 1810), Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), Kartensammlung, Fideikommissbibliothek-Vues, Österreich-Ungarn, Niederösterreich H-La, Herzogenburg KAR MAG, online unter: http://data.onb.ac.at/rec/baa12918499&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Bischof [[Ulrich I. von Passau]] (1092–1121) stiftete mit der Gründungsurkunde vom 18. August 1112 ein Eigenkloster für Augustiner-Chorherren, auf einem Grundstück an der Mündung der Traisen in die Donau gelegen, das er geerbt hatte und worauf sich bereits eine Georgskirche befand. Wahrscheinlich sandte er aus dem reformierten [[Stift St. Nikola]] bei Passau Chorherren nach St. Georgen an der Traisen. Als seelsorgliches Aufgabengebiet und als Existenzgrundlage übergab der Bischof seinem Kloster St. Georgen die beiden Pfarren Traisenburg (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Stollhofen|Stollhofen]]) und [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Herzogenburg|Herzogenburg]]. Außerdem erhielt das Stift die bischöflichen Zehentrechte im oberen Waldviertel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten war die Existenz des Klosters einerseits von den Hochwassern der Donau und andererseits von der wirtschaftlichen Schwäche infolge zu geringer Dotierung bedroht. Eine Gelegenheit zur Besserung der Lage des Klosters ergab sich dreißig Jahre nach der Gründung, als ein lokaler Adeliger namens Walter von Traisen testamentarisch die Gründung eines Chorherrenklosters verfügte. Der Passauer Bischof [[Konrad]] (1148/49–1164), ein Sohn des hl. Leopold, wollte das Kloster St. Georgen mit dieser Stiftung in St. Andrä an der Traisen vereinigen und den Konvent dorthin verlegen. Nach dem Widerstand des Testamentvollstreckers Otto III. von Rehberg erfolgte jedoch noch im 12. Jahrhundert eine eigenständige Gründung des [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stiftes St. Andrä an der Traisen]]. Bischof Konrad verbesserte in den Jahren 1158 und 1160 die Situation des Stiftes St. Georgen, indem er dem Kloster, das in den sumpfigen Donauauen lag, eine Frischwasserzuleitung ermöglichte und außerdem den Chorherren die Pfarre Marquardsurvar (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Haitzendorf|Haitzendorf]]) und den Schwaighof bei Zeiselmauer schenkte. Unter den späteren Schenkungen an das Kloster während der Regierungszeit von Propst [[Wisinto II.|Wisintos II.]] (1191–1204) ist ein Stiftungsbrief von 1201 bemerkenswert, der ein Nonnenkloster in St. Georgen voraussetzt. In einer Urkunde aus der Zeit um 1230 werden die Schwestern Kunigunde und Ehrentraud von Zebing als Kanonissen von St. Georgen genannt. Dieser Frauenkonvent ist anlässlich der Übersiedlung des Männerklosters nach Herzogenburg auch mitverlegt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Engelschalk]] (1242–1267), dem zwölften Propst des Stiftes St. Georgen, erfolgte schließlich die Verlegung des Klosters, der Konvent übersiedelte im Jahr 1244 an seinen Pfarrort Herzogenburg. In der Übertragungsurkunde vom 19. März 1244 übereignete Bischof [[Rudiger]] von Passau dem Konvent die Passauer Pfarre Herzogenburg mit allen Rechten. Das Stift memoriert den Bischof als seinen „zweiten Gründer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spätmittelalter=== &lt;br /&gt;
Nach der Übersiedlung des Konvents nach Herzogenburg erfolgte der Bau einer Klosteranlage sowohl für den Männer- wie für den Frauenkonvent. Im Pfarrbezirk „auf der Widem“ entstand ein eigener Gerichtsbezirk des Stiftes, der sogenannte „Obere Markt Herzogenburg“. Der „Untere Markt Herzogenburg“ unterstand dem bayerischen Stift Formbach am Inn.&lt;br /&gt;
Im 14. Jahrhundert war die wirtschaftliche Lage des Klosters zunächst stabil, Propst [[Siegfried]] erwarb ein Haus in Wien in der Singerstraße. Der folgende Propst [[Nikolaus I. Payger von Würmla]] (1361–1374) klagte in seinen Aufzeichnungen über Missernten, Kriegssteuern an Herzog Rudolf IV. und Verschuldung seines Klosters. Die Herzöge Albrecht III. und Leopold III. gewährten dem Stift Privilegien, weil „der probst und das gotzhaus ze Herzogenburg in grozzer geltschulde und kumber sind“. Propst [[Johannes III.]] (1401–1433) einer der längstregierenden Pröpste, erreichte von den Herzögen Wilhelm und Albrecht IV. die Begünstigung, im Schankhaus des Stiftes, dem &amp;quot;Mühlhofkeller&amp;quot;, zwölf Fass Wein ohne Ungeld (Steuer) ausschenken zu dürfen. Unter Propst Johannes III. fand eine Stiftsreform nach den Bestimmungen des Konstanzer Konzils statt. Bei der Visitation im Stift Herzogenburg 1419 war nachweislich auch der erste Propst des [[Stift Dürnstein|Chorherrenstiftes Dürnstein]], das 1410 im Geist der Raudnitzer Reform gegründet worden war, anwesend. Und so wurden die Raudnitzer Statuten auch in Herzogenburg Grundlage einer Erneuerung. Propst Johannes war auch ein Förderer der Lateinschule des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert waren Markt und Stift Herzogenburg wiederholt von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. In den Hussiteneinfällen verloren etliche Bürger und Chorherren ihr Leben. Die Regierungszeit des Propstes [[Ludwig Gössel]] (1457–1465) fiel in die Zeit der Nachfolgekämpfe unter Kaiser Friedrich III., in der böhmische, mährische, ungarische und auch einheimische Söldnerverbänden in Niederösterreich plünderten. Im Jahr 1463, am dritten Tag nach dem Osterfest, wurde Herzogenburg von böhmischen Söldnerscharen unter ihrem Anführer Georg von Vetau eingenommen und verwüstet. Wahrscheinlich erlosch damals auch der Konvent der Kanonissen, oder er fand durch Mangel an Klostereintritten schon früher ein Ende. Im Lauf des Jahres 1465 begannen die Chorherren mit dem Wiederaufbau des Stiftes. Dieser zweiten gotischen Bauphase des Stiftes sollte aber kein langer Bestand gegönnt sein, denn schon 1477 belagerten und eroberten die Soldaten des ungarischen Königs Matthias Corvinus nach ihrem Sieg über Kaiser Friedrich III. Herzogenburg. Wieder brannte das Kloster nieder. Der nach St. Pölten geflohene Propst konnte seine in Rudolfsberg bei Wagram gefangengehaltenen Mitbrüder erst nach Bezahlung eines hohen Lösegelds in die Ruinen seines Klosters zurückführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Georg I. Eisner]] (1484–1513) wurde mit dem Wiederaufbau des Klosters begonnen. Dieser Propst konnte durch sorgfältige Verwaltung und durch Schenkungen des Matthias Corvinus, der die Verwüstungen seiner Söldner wieder gutzumachen versuchte, die wirtschaftlichen Verhältnisse seines Hauses sanieren und das Stiftsgebäude repräsentativ auszustatten. 1499 gewährte Papst Alexander VI. ihm und allen seinen Nachfolgern den Gebrauch der Mitra, des Stabes und Ringes und der anderen Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7. Mai 1512 brach in einem Haus auf dem Unteren Marktplatz ein Brand aus, der auch auf die Widem und auf das Kloster übergriff, alle Zellen der Brüder und das Winterrefektorium brannten aus. Außerdem wurden das Infirmarium, die Dechantei, die Bibliothek und die Sakristei zerstört. Das Feuer sprang auch auf das Mariensacellum über und vernichtete dort die Orgel. Ebenso brannte die Schule nieder. Die Kirchenausstattung – die Tafelbilder und die Altäre – wurde verschont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation bis Barock=== &lt;br /&gt;
Im Jahr der Wahl des hochgelehrten Propstes  [[Johannes V. Bernhard von Nußdorf]] (1517–1533) veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen und löste eine Reformationsbewegung aus, in der Klosterleben zunehmend kritisch beurteilt wurde. Unter Propst [[Bernhard I. Schönberger]] (1533–1541) legte der Chorherr Johann Peurl die priesterliche Kleidung ab und verließ seinen Orden, Neueintritte blieben zunehmend aus. In wirtschaftlicher Hinsicht hatte Propst Bernhard mit den Belastungen der den Klöstern vorgeschriebenen Abgaben zur Finanzierung der Kriege gegen die Osmanen zu kämpfen und konnte die Steuerleistungen nur durch den Verkauf des Stiftshauses in Wien erbringen. Für viele Jahre war Bernhard der letzte frei gewählte Propst von Herzogenburg. Die nun folgenden Pröpste waren Weltpriester oder stammten aus anderen Ordenshäusern, wurden postuliert oder vom Kaiser ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Wunsch Kaiser Ferdinands I. wurde [[Philipp von Maugis]] (1541–1550) zum Propst bestimmt. Philipp entstammte einer adeligen belgischen Familie, war ab 1545 Regent der niederösterreichischen Landesregierung und Erzieher der Söhne Ferdinands I. Noch im Jahr seines Amtsantrittes trat in Herzogenburg, wie in vielen Orten Österreichs, die Pest auf, an der täglich bis zu 30 Personen starben. Alle Chorherren im Stift mit Ausnahme des Propstes und eines Konventualen fielen der Seuche zum Opfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philipps Nachfolger war [[Bartholomäus von Cataneis]] (1550–1563). Er entstammte einer vornehmen italienischen Familie aus Bergamo, war palatinischer Graf, apostolischer Protonotar und oberster Hofkaplan. Durch sein Administrationstalent gelang es ihm, das Stift über die finanziellen Hürden zu bringen. Wegen seiner Tüchtigkeit wurde er zum Administrator von Göttweig bestellt (1556–1563). Der Klosterrat bemängelte bei seiner Visitation allerdings die Konkubinate der Stiftsherren und deren protestantische Gesinnung. Die Kommissäre erteilten dem Propst einen strengen Verweis und befahlen ihm, den Dechant abzusetzen und einzusperren. Nach dem Visitationsbericht vom Jahr 1561 befanden sich im Stift Herzogenburg nur mehr vier Konventualen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krisenzeit des Stiftes wurde der Prälat von St. Andrä [[Johannes VI. Pülzer]] (1563–1569) zum Propst bestimmt. In seinem Wahlinstrument hieß es, er sollte baldmöglichst die Zahl der Chorherren ergänzen, da sich dieselben fast alle &amp;quot;verloffen&amp;quot; hätten. Wirtschaftskrisen, Hungersnot, Erhöhung der Steuern und die Tatsache, dass viele seiner Mitbrüder lutherisch wurden, trieben Propst [[Johannes VII. Glaz]] (1569–1572) zu einem Verzweiflungsakt: in der Nacht des 14. September 1572 floh er in Begleitung eines Dieners aus dem Stift.&lt;br /&gt;
Nun folgte ein Mann aus dem eigenen Haus, [[Jakob Reisser]] (1573–1577). Durch seine Sparsamkeit und energische Haltung ging es sowohl finanziell als auch disziplinär im Stift aufwärts. Im Visitationsbericht wurde vermerkt, dass er keine goldene Kette und auch keine kostbaren Kleider trug, keine Spiele gestattete und die Musik bei Tisch abgeschafft habe. Er bemühte sich, Mitarbeiter aus dem Ausland zu bekommen, um die Ausbreitung der lutherischen Lehre zu stoppen. Denn die Gemeinde Herzogenburg war zum Großteil schon protestantisch und die Pfarrkinder gingen bereits in die umliegenden Ortschaften, um bei den &amp;quot;sektischen Predigern&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod postulierte der Klosterrat den Propst des [[Stift St. Dorothea|Chorherrenstiftes St. Dorothea]] in Wien, [[Georg II. Brenner]] (1578–1590). Georg war Hofkaplan bei Kaiser Maximilian II. gewesen und der Klosterrat schlug ihn 1588 als Bischof von Wiener Neustadt vor. Er strebte den Erwerb des Unteren Formbacher Marktes Herzogenburg, der noch immer großteils protestantisch war, an, scheiterte jedoch. Die Trennung beider Märkte Herzogenburg blieb bis 1806 bestehen. Propst Georg Brenner setzte aber Maßnahmen gegen das Luthertum durch, Herzogenburger Bürger, die zu den „Predikanten ausliefen“, wurden mit schweren Strafen bedroht. Ebenso mussten die Herzogenburger ihre Kinder in die katholische Schule schicken und dem Gesinde wurde verboten, sich während des sonntäglichen Gottesdienstes in Wirtshäusern oder auf Spielplätzen aufzuhalten. Kirche, Kloster- und Wirtschaftsgebäude wurden unter Propst Georg Brenner renoviert und ausgebaut, Messgeräte, Bücher und Musikinstrumente angekauft. Der Lesehof in Königstetten wurde renoviert und der Hof von Klosterneuburg fast zur Gänze neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Krankheit stand dem Propst in den letzten Jahren [[Paul Zynkh]] als Koadjutor zur Seite. Da es nach dem Tod des Propstes bei der Neubesetzung zwischen Klosterrat und dem Passauer Bischof zu Unstimmigkeiten gekommen war, verwaltete Paul Zynkh über ein Jahr als Administrator das Stift, bis er zum Propst gewählt wurde (1591–1602).Er setzte die gegen den Protestantismus gerichteten Maßnahmen seines Vorgängers fort und bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg, dessen Predigttätigkeit zu einer Rekatholisierung führte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der ständigen Gefahr von osmanischen Einfällen wurden die Verteidigungsanlagen des Klosters gemäß dem kaiserlichen Mandat ausgebaut und die Rüstkammer des Stiftes mit modernen Waffen versehen. Während eines halbjährigen Kuraufenthaltes des Propstes in St. Pölten entbrannte eine heftige Auseinandersetzung zwischen dem Stiftsdechant und dem Konvent. Der kranke Propst kehrte zurück und hielt ein Kapitel. Der Dechant wurde abgesetzt und im Lauf von drei Wochen bei Wasser und Brot „dasig“ gemacht. Die letzten drei Jahre seines Lebens war Propst Paul Zynkh Deputierter der niederösterreichischen Stände und hielt sich oft in Wien auf. Aus diesem Grund kaufte er dort 1601 ein Wohnhaus, den „Heidelberger Hof“ in der Annagasse. Das Gebäude ist heute noch im Besitz des Stiftes und trägt den Namen Herzogenburgerhof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als [[Melchior Kniepichler]], ehemaliger Propst des Stiftes Dürnstein, von König Matthias als Propst postuliert wurde (1609–1615), protestierte der Herzogenburger Konventuale [[Johannes Held]] in einem Schreiben an den Passauer Offizial, weil Propst Melchior in St. Andrä (1592–1599) &amp;quot;Schulden gehäuft und von dann gezogen sei&amp;quot;, er habe dann &amp;quot;Tirnstain ohne Schulden angetreten und gehe nun mit Schulden weg&amp;quot; (1599–1609); beide Male in Folge seiner verschwenderischen Freigiebigkeit gegen Verwandte und Freunde. Weiters klagt er, dass Melchior dem Trunke ergeben und &amp;quot;in diesem Zustand unausstehlich streitsüchtig sei.&amp;quot; Schließlich, dass Melchior das weibliche Geschlecht liebe und gerne Tanzunterhaltungen besuche. In den Klosterratsakten hieß es, &amp;quot;dieser Mann war mehr Schelm als Mönch&amp;quot;. Am 26. Juli 1615 kam eine Untersuchungs- und Strafkommission nach Herzogenburg. Aufgrund der strengen Linie von Bischof Melchior Klesl wurde der Propst gefangen nach Wien geführt, verhört und einige Monate eingesperrt. Erst nach drei Jahren wurde Melchior rehabilitiert und zum zweiten Mal zum Propst von Dürnstein bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Wahlturbulenzen in den folgenden Jahren bestimmte Kaiser Ferdinand II. den Dechant des Kathedralstiftes Seckau [[Martin III. Müller]] zum Vorsteher in Herzogenburg (1621–1640). Er war ein eifriger Förderer der Gegenreformation, reformierte das klösterliche Leben und führte neue Statuten ein. Er erreichte auch, dass ihm die [[Pfarre Hain]] wieder zurückgegeben wurde, wo bisher nur protestantische Prediger angestellt waren. Den Konflikt mit der dort tonangebenden protestantischen Familie der Jörger konnte erst sein Nachfolger [[Johannes Bauer]] (1640–1653) beilegen. Propst [[Joseph Kupferschein]] (1653–1669) versuchte ebenfalls auf friedliche Weise die Protestanten zum katholischen Glauben zurückzugewinnen. Er war sowohl ein gelehrter Mann (1641 war er Rektor der Universität in Wien) als auch ein tüchtiger Wirtschafter. Propst [[Anton Sardena]] (1669–1687) begann mit viel Schwung die weiteren Restaurierungsarbeiten bzw. die Barockisierung des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679/80 wütete die Pest in Herzogenburg und kostete viele Menschen das Leben. In der Stiftsgeschichte von Dechant Beyer wird auch das Erscheinen eines Kometen vermerkt, der im Jahr 1680 am Fest des hl. Stephan zum ersten Mal erschien und als Vorbote der Osmaneneinfälle interpretiert wurde. Am 14. Juli 1683 erschien eine osmanische Streifschar vor Herzogenburg. Sie ließ den gut befestigten Ort zunächst ungeschoren. Als die Gefahr immer größer wurde, flüchtete der Prälat auf Bitten seiner Geistlichen mit dem Archiv und der Schatzkammer nach Dürnstein. Unter den im Kloster verbliebenen Chorherren befand sich [[Gregor Nast]], der später einen ausführlichen Bericht über die Osmaneneinfälle verfasste. Eine größere Truppe versuchte die Erstürmung des Marktes und schichtete Stroh vor die Markttore, um sie durch Feuer zu zerstören. Die Bürger leisteten mit ihren Schusswaffen allerdings tatkräftigen Widerstand. Zahlreiche Bauernhöfe von Herzogenburger Grundholden wurden jedoch geplündert und niedergebrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) betrieb die wirtschaftliche Konsolidierung seines Hauses nach dem Krieg und den Wiederaufbau bei Pfarren und Wirtschaftshöfen. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prandtauer wurde 1714 von Propst [[Wilhelm von Schmerling]] (1709–1721) mit einem barocken Neubau des Stiftsgebäudes beauftragt. Nach Schleifung des alten Klosters – nur ein Teil des mittelalterlichen Kreuzgangs blieb erhalten – wurde eine zweihöfige neue Stiftsanlage errichtet, der zweite Hof jedoch baulich nie fertiggestellt. Die von Prandtauer gebauten Trakte sind vornehm und voll künstlerischen Lebens. Einzig an der Ostseite sprengt der Saalbau nach Plänen von Fischer von Erlach die Prandtauersche Fassade: er tritt um eine Achse hervor und überragt sie mit den Oberfenstern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Herzogenburg geborene Propst [[Leopold von Planta]] (1721–1740) schloss die Bauarbeiten ab und besorgte die wirtschaftliche Stabilisierung des Hauses. In seiner Regierungszeit wurde am 18. September 1724 das Stift in die [[Lateranensische Choherrenkongregation]] aufgenommen. Die Pröpste führen seitdem den Titel eines Lateranensischen Abtes. Propst Leopold führte nach dem Beispiel von Klosterneuburg den schwarzen Talar anstelle der weißen Kleidung für seine Mitbrüder ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Frigdian Knecht]] (1740–1775) wurde im Österreichischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen gefangengenommen, um eine Kriegssteuer in der Höhe von 14.000 Gulden zu erpressen. Er wurde nach den Worten des Stiftsdechanten „hin und hergeführt zu Schand und Spott“. Erst nach sechstägiger Gefangenschaft und Zahlung des hohen Lösegeldes konnte der Prälat wieder ins Stift zurückkehren. 1743 entschloss er sich, die Kirche durch den jungen Baumeister Franz Munggenast neu errichten zu lassen. Der Turm wurde 1767 nach Entwürfen von Johann Bernhard Fischer von Erlach durch Matthias Munggenast ausgeführt. Die Architektur dieser Kirche und die Ausstattung durch Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte können zu den großen Leistungen des österreichischen Barocks gezählt werden. In den Pfarren [[Stollhofen]], [[Hain]], [[Rottersdorf]] und [[Brunn]] ermöglichte Propst Frigdian ebenfalls die Barockisierung der Kirchen. Durch die Stiftung von 7.000 Gulden des Wiener Stadtrates Jakob Bodenreiter konnte in Theiß der Pfarrhof neu errichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seines wissenschaftlichen Interesses kaufte der Propst Jahr für Jahr viele wertvolle Bücher, ordnete das Archiv und unterstützte den Aufbau eines eigenen Münzkabinetts. Auf musikalischem Gebiet war sein Mitbruder [[Georg Johann Donberger|Georg Donberger]] tätig. Als Regens chori komponierte dieser unermüdlich und seine Werke sind in den Musikarchiven vieler österreichischer Stifte zu finden. Als Propst Frigdian Knecht nach 35-jähriger Amtszeit im Jahr 1775 starb, hinterließ er ein geordnetes Haus, das spirituell, künstlerisch und wirtschaftlich einen guten Ruf hatte. Er wird auch der dritte Gründer genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Josephinismus bis Gegenwart===&lt;br /&gt;
Propst [[Michael Teufel]] (1782–1809) war Parteigänger von Kaiser Joseph II. und administrierte für ihn die Aufhebungen der Chorherrenstifte St. Andrä an der Traisen und Dürnstein. Das Patent des Kaisers über die Klosteraufhebungen wurde für das [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stift St. Andrä an der Traisen]] wirksam, das nach dem Tod des letzten Propstes [[Gregor Grindler]] 1783 dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde. Das [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] wurde 1788 mit dem Stift Herzogenburg vereinigt. Gegen diesen Bescheid erhob zwar der Bischof von St. Pölten Einspruch, doch wurde mit Hofdekret vom 7. Juni 1788 die endgültige Aufhebung Dürnsteins angeordnet. Als durch die Aufhebung der Benediktinerabtei Formbach am Inn der Untere Markt Herzogenburg Staatseigentum wurde, konnte ihn Propst Michael im Jahr 1806 kaufen und mit dem Oberen Markt vereinigen. Ein Höhepunkt in der Regierungszeit des Propstes Michael Teufel war die Weihe der neuen Herzogenburger Stiftskirche am 2. Oktober 1785, sie erfolgte durch [[Heinrich Johannes von Kerens]] dem ersten Bischof, der in St. Pölten residierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Koalitionskriegen war Stift Herzogenburg nach der Schlacht im nahegelegenen Dürnstein-Loiben im November 1805 direkt betroffen. Französische Truppen fielen in die Stadt ein, brachen Keller auf und plünderten. Hohe Geldforderungen der französischen Offiziere und Einquartierungen von Soldaten belasteten das Stift schwer. Propst Michael floh während des Krieges mit der Münzsammlung und anderen Kostbarkeiten nach Ungarn in die Abtei Zirc. Kämmerer [[Josef Leuthner]] brachte sich mit den anderen Wertgegenständen auf das Gut Primmersdorf (Waldviertel) in Sicherheit. Im Rahmen des Österreichisch-Französischen Krieges im Jahr 1809 und der zweiten Eroberung Wiens durch Napoleon hatte Herzogenburg wieder unter französischen Truppen, ganz besonders unter den württembergischen Hilfstruppen zu leiden. Bei dieser zweiten Franzoseninvasion kam der Propst allerdings nicht mehr unbehelligt davon. Noch kurz vor seinem Tod wurde er in seinem Zimmer von einem französischen Husaren misshandelt und seines Kreuzes und Ringes beraubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Michael Teufel hat um das Stift beinahe so große Verdienste wie sein Gründer – der Volksmund unterstrich das Weiterbestehen des Stiftes mit dem Bonmot: „Der Teufel hat das Stift gerettet.“ Im Geist der neuen josephinischen Begräbnisordnung wurde er als erster Stiftsvorsteher außerhalb des Ortes auf dem allgemeinen Friedhof in einem bescheidenen Mausoleum bestattet. 1977 wurden die sterblichen Überreste des Propstes exhumiert und neben seinem Grabdenkmal in der Stiftskirche beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Amortisationsgesetze und Religionsfondsabgaben der spätjosephinischen Ära belasteten die Stiftswirtschaft und führten zu erheblicher Verschuldung. Der ehemalige Stiftsdechant Propst [[Aquilin Leuthner]] (1811–1832) konnte das Haus nur insofern aus der finanziellen Not retten, als er von Kaiser Franz I. einen Nachlass der Schulden erreichte. Dem josephinischen Nützlichkeitsgedanken entsprach das Kloster durch Errichtung eines Schulgebäudes auf dem Stiftsgelände im Jahr 1829, dem der Westtrakt des mittelalterlichen Kreuzwegs weichen musste. Die Visitationen des St. Pöltner Bischofs Jakob Frint führten in Herzogenburg zur allmählichen Umsetzung der Klosterreformen der Restaurationszeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Bernhard II. Kluwick]] (1832–1843) erreichte die Choleraepidemie auch Niederösterreich. Die Angst vor dieser Seuche veranlasste die Stiftsherren, zur Versorgung der Kranken an den Gangenden sogenannte Choleraöfen zu errichten: „... also die Küche zu weit entfernt ist, um schnell den notwendigen Tee und warmes Wasser herbeizuschaffen.“ Das Lebenswerk von Propst Bernhard war die Erbauung der Pfarrkirche in [[Theiß]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Karl Stix]] (1843–1847) konnte einen weiteren bedeutenden Schuldenerlass bei Kaiser Franz I. erreichen. Aus Dankbarkeit feierte das Stift jahrzehntelang den Todestag des Monarchen mit dem „Kaiserrequiem“. 1844 konnte er die Jubiläumsfeier der Übertragung des Stiftes von St. Georgen nach Herzogenburg (1244) festlich begehen. Aus Anlass des Jubiläums erbat sich der Herzogenburger Konvent beim Bischof das Recht, violette Mozetten anstelle der bisherigen Almutien aus Pelz tragen zu dürfen, was ihnen allerdings erst einige Jahre später gewährt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Revolutionsjahr hob am 7. September 1848 der Reichstag die bäuerliche Untertänigkeit auf und das Feudalrecht mit Robot und Zehent wurde abgeschafft. Propst [[Josef II. Neugebauer]] (1847–1856) verkaufte in der Folge 1851 das Gut Primmersdorf, das bis dahin der Einbringung der klösterlichen Zehentrechte im nördlichen Waldviertel gedient hatte. Am 8. Oktober 1848 – auf der Flucht von Wien in die Festung Olmütz – kam Kaiser Ferdinand I. mit seinem Gefolge nach Herzogenburg und wurde als Gast im Stift beherbergt. Am selben Abend unterzeichnete der Kaiser ein Manifest „An die Völker meiner deutsch-erbländischen Provinzen“. Am nächsten Morgen zog der Kaiser mit seinem Gefolge weiter. Der Name „Kaisergasse“ in Herzogenburg erinnert noch heute an diese Begebenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1853 gab es eine kanonische Visitation durch den St. Pöltener Bischof Feigerle, und zwei Jahre darauf visitierte auch der Linzer Bischof Rudiger in Vertretung des Kardinals Fürst Schwarzenberg das Stift Herzogenburg. Auch er war sehr zufrieden mit dem Stand des Hauses und „schied mit wahrer Herzensfreude vom Stift“. Auch unter dem nächsten Vorsteher des Stiftes Propst [[Norbert Zach]] (1857–1887) herrschte ein gutes Klima im Haus. Von den 34 Mitgliedern des Stiftes waren 25 Priester in der Seelsorge tätig, vier hatten häusliche Offizien, zwei Kleriker studierten an der theologischen Hauslehranstalt im [[Chorherrenstift Klosterneuburg]], zwei Novizen wurden im Haus in die Lebensordnung der Chorherren eingeführt.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1862 gründete der Stiftskurat und spätere Dechant [[Ferdinand Mann]] den katholischen Gesellenverein, der sich um die seelsorglichen und menschlichen Anliegen der arbeitenden Bevölkerung kümmerte. Die Stadt Herzogenburg begann den Schritt ins Industriezeitalter, als 1874 die Firma Vollrath (Nägel, Schrauben) von Wien nach Herzogenburg/Oberndorf übersiedelte. 1875 folgte ihm Carl Grundmann, ein pensionierter Danziger Lokomotivführer, der sich auf die Erzeugung von Türschlössern spezialisiert hatte. In diese Zeit fällt auch die Planung und der Bau der Eisenbahnlinien im Raum Herzogenburg: Am 3. August 1885 wurde die Strecke Tulln – St. Pölten, am 16. Juli 1889 die Strecke Herzogenburg – Krems eröffnet. Seit dieser Zeit „ist der Markt mit zwei Hauptverkehrsadern der Monarchie“, mit der West- und der Franz-Joseph-Bahn, verbunden. Um der rasch anwachsenden Bevölkerung eine bessere Ausbildung und damit größere Berufschancen geben zu können, wurde die Stiftsschule schon 1867 zu einer Pfarr-Hauptschule erweitert. Heute wird das neben der Stiftskirche gelegene Schulgebäude von der Herzogenburger Sonderschule und der Musikschule benützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das äußere Bild des Ortes änderte sich Mitte des 19. Jahrhunderts. Drei Tore der alten Marktbefestigung wurden abgetragen; ebenso Teile der Ringmauer. Ein Stückchen dieses mittelalterlichen Ensembles ist heute noch im nördlichen Stiftsbereich zu sehen, wo Mauer, Graben, Verteidigungsturm und das einzige noch bestehende Stadttor, das „Au-Tor“, auch „Nordtor“ genannt, erhalten blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Schlacht bei Königgrätz Mitte Juli 1866 drangen die preußischen Truppen bis ins Waldviertel vor und das österreichische Militär zog sich – größtenteils kampflos – auf das südliche Donauufer zurück. Das Stift richtete im Auftrag der k. k. Statthalterei ein Spital für die Soldaten ein. Für seine Verdienste wurde der Propst im Jahr 1879 vom Kaiser mit dem Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet. Während seiner zehnmonatigen Funktion als Administrator des Stiftes veranlasste Dechant [[Emmerich Wallner]] die Gestaltung des nach ihm benannten „Emmerichhofes“ im Westtrakt des Stiftsgebäudes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Person des folgenden Propstes [[Frigdian II. Schmolk]] (1888–1912) vereinigten sich Kirchenfürst und Staatsmann. 1902 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum Landmarschall (Vorsitzender des Landtages). Vier Jahre lang hatte er dieses Amt inne. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der Kaiser die Würde eines Wirklichen und Geheimen Rates und berief ihn auf Lebenszeit als Reichsrat in das Herrenhaus. Um 1900 erreichte das Stift seinen höchsten Personalstand: 40 Konventualen gehörten zum Kloster. Unter Propst Frigdian wurden in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das Stiftsgebäude, der Turm, die Orgel und das Innere der Kirche restauriert. Dechant [[Ferdinand Mann]] ließ auf seine Kosten 1903 den Maria-Lourdes-Altar errichten und die zwei Holzstatuen Herz-Jesu und Herz-Maria in der Kirche aufstellen. 1907 wurde der Zusammenschluss der österreichischen Chorherrenstifte zur [[Österreichische Chorherrenkongregation|&amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten Lateranensischen Chorherren“] erreicht. Als Konvisitator wurde Propst Frigdian Schmolk gewählt. Eine enge Freundschaft verband Propst Frigdian mit dem Wiener Bürgermeister Karl Lueger. Als dieser tödlich erkrankte, berief er seinen langjährigen Freund zu sich, der ihm die die Sterbesakramente reichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmolks Nachfolger wurde [[Georg III. Baumgartner]] (1913–1927). Mit größter Sparsamkeit und Umsicht lenkte er das Stift durch die wirtschaftlichen Erschütterungen des Ersten Weltkrieges. Er stellte das Sommerrefektorium als Kaserne für die Marschkompanien und den Theatersaal dem Roten Kreuz zur Pflege der Verwundeten zur Verfügung. Vom Krieg selbst wurde Herzogenburg nur mittelbar betroffen: durch die vielen Gefallenen. Ihre Namen sind auf einer Marmortafel, rechts beim Eingang der Kirche, eingemeißelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 ließ Propst Georg das veraltete stiftliche Elektrizitätswerk – die ehemalige Stiftsmühle – in eine moderne Wasserkraftanlage mit Turbinen umbauen, die das Stift und Teile der Stadt Herzogenburg jahrelang mit Strom versorgte. Bedeutende Verdienste erwarb sich Georg Baumgartner durch seine wissenschaftliche Forschung über die Urgeschichte, inspiriert durch die archäologischen Funde aus der Hallstattzeit auf Grundstücken, die zum Stift gehörten. Bis zuletzt arbeitete er mit großer Genauigkeit an der Hausgeschichte und an der Baugeschichte der Kirche und des Stiftes und verfasste weiters den Artikel „Herzogenburg“ in der „Topographie von Niederösterreich“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die allgemeine Wirtschaftskrise machte sich auch im Stift bemerkbar. Das Steueramt St. Pölten drängte immer öfter unter Androhung der Zwangsverwaltung auf Bezahlung der Steuerschulden. Das Kapitel unter Propst Georg sah sich gezwungen, einem Beschluss zum „Verkauf einzelner Wertgegenstände näher zu treten“. Einige Pretiosen aus der Bibliothek und den Kunstsammlungen wurden verkauft. In diese politisch sehr schwierige Zeit fällt eines der größten Ereignisse für Herzogenburg, die Stadterhebung: Am 30. Juni 1927 beschloss der Landtag von Niederösterreich, den Markt Herzogenburg „trotz der verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl“ (2.800) zur Stadt zu erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der spätere Landtagsabgeordnete und Vertreter des Klerus [[Ubald Steiner]] (1927–1946) wurde zum nächsten Propst gewählt. Es gelang ihm, das Stift durch die schwierige wirtschaftliche Lage der dreißiger Jahre zu führen, was den Verkauf mehrerer Grundstücke und Kunstschätze beinhaltete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Sozialdemokratie in den 1920er Jahren wurden auch in Herzogenburg, das durch seine metallverarbeitende Industrie über einen hohen Arbeiteranteil verfügte, vehement geführt. Der Stiftsdechant und Pfarrer [[Anton Rudolf]] stand im Ruf, „der von den Sozialdemokraten wohl bestgehasste Chorherr“ zu sein. Er war der Typ von Priesterpolitiker, der die ohnehin spannungsgeladenen dreißiger Jahre durch sein Zelotentum und seine nie erlahmenden Bekehrungsversuche an ungläubigen Marxisten eher verschärfte denn beruhigte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Volksabstimmung vom 10. April 1938 brachte in Herzogenburg 2.047 Ja-Stimmen für den Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland und nur fünf Gegenstimmen. In der Folgezeit erhielt Herzogenburg den Namen „Stadt der Treue“. In diesen Jahren wurden die Repressalien gegenüber den kirchlichen Institutionen und der Geistlichkeit immer spürbarer. Die Stiftstaverne und der Theatersaal wurden beschlagnahmt. 400 Herzogenburger traten aus der Kirche aus, und rund 100 Kinder wurden vom Religionsunterricht abgemeldet. Das Herzogenburger Pfarrblatt, das seit 1915 erschien, wurde wegen „Papierknappheit“ 1941 eingestellt. Das Stift wurde von den Nationalsozialisten zwar nicht aufgehoben, war aber in seiner Wirtschaftsführung nicht mehr unabhängig. Teile des Stiftsgebäudes wurden 1940 für ein Einquartierung von bessarabischen Umsiedlern und später auch anderen Flüchtlingen beschlagnahmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum „schwarzen Montag“ wurde der 6. November 1944. 300 Bomben fielen in und um Herzogenburg: 20 Tote und große Sachschäden waren die traurige Bilanz. Am 14. April 1945 rückten nach einer kurzen Kanonade die Sowjets in Herzogenburg ein. Eine Gruppe von Herzogenburgern, unter ihnen Propst Ubald, ging ihnen mit der weißen Fahne entgegen. Die Stiftsgebäude waren durch einige Bombentreffer leicht beschädigt worden, schwerer betroffen waren die Stiftswälder, die durch die Luftangriffe schwere Schäden hatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Georg IV. Hahnl]] (1946–1963) betrieb den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit. Im Jahr 1948 wurden vier neue Glocken der Stiftskirche geweiht. 1942 hatten alle Glocken bis auf die größte, die Pummerin, der Rüstungsindustrie abgeliefert werden müssen. Wissenschaftliche Berühmtheit erlangte Propst Georg durch seine Arbeit auf dem Gebiet der Heimat- und Urgeschichtsforschung. Fast seine ganze Regierungszeit als Propst war allerdings von einer schweren Krankheit überschattet, was sich negativ auf das Klima und die Personalsituation des Stiftes auswirkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Resignation wurde [[Thomas Zettel]] (1963–1969) zum nächsten Vorsteher des Hauses gewählt. Nach langen Vorbereitungen öffnete 1964 das Stift Herzogenburg seine Räume und Säle für über 100.000 Besucher anlässlich seiner (etwas verspäteten) 850-Jahr-Feier. Der ebenerdige Teil des sogenannten „Altstiftes“, die Reste der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen alten Klosteranlage, war renoviert worden und das spätgotische Refektorium „glänzte“ durch die kurz zuvor freigelegten Fresken von ca. 1500. Daneben im frühbarocken Refektorium waren die Funde aus der Ur- und Frühgeschichte neu aufgestellt worden. Im Barockgebäude wurde im ersten Stock im ehemaligen Gästetrakt eine Ausstellung für die restaurierten Kunstschätze des Stiftes, insbesondere seine Sammlung mittelalterlicher Flügelaltäre, eingerichtet. Im Festsaal, in der Bibliothek, im Bildersaal und in elf weiteren Ausstellungsräumen erlebten und erleben Besucher das künstlerische Erbe des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1965 gab es eine einschneidende wirtschaftliche Umstellung: der Weinbau und die Landwirtschaft konnten in Eigenregie nicht mehr positiv geführt werden, deshalb wurden beide Wirtschaftszweige verpachtet. Der Forst als dritte Einnahmequelle wird bis heute noch selbst geführt, die Jagden sind verpachtet. Das Gebäude, in dem die ehemalige Stiftstaverne befand, wurde an die Stadtgemeinde Herzogenburg verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1977 erreichten die ökumenischen Gespräche und Gottesdienste, die vom späteren Propst [[Maximilian Fürnsinn] initiiert wurden, ihren Höhepunkt in der Ausstellung &amp;quot;Kunst der Ostkirche&amp;quot;. Zum ersten Mal feierten in diesem Zusammenhang die Vertreter aller elf östlichen und westlichen Kirchen in Österreich einen gemeinsamen Gottesdienst in der Herzogenburger Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Stadt Herzogenburg“ wurde die Nordeinfahrt des Stiftes restauriert und der Innenhof nach barockem Vorbild neu gestaltet. In diesem Jahr, 1977, wurde auch der Abschluss der Turmrenovierung gefeiert. Propst [[Clemens Moritz]] (1969–1979) wurde zum Ehrenbürger von Herzogenburg ernannt. Er war nicht ein Prälat im Sinne der prachtvollen Barockzeit, wohl aber im Sinne des Ordensstifters Augustinus ein Seelsorger, besorgt um seine Gemeinde und seine Mitbrüder. Auch nach der Resignation blieb Altpropst Clemens bis zum Jahr 1996 der Pfarrer von Herzogenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit [[Maximilian Fürnsinn]] (1979–2019)) bekam das Stift nach 200 Jahren wieder einen gebürtigen Herzogenburger zum Propst. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war zunächst die Renovierung der Stifte und Pfarren. Allein mit einem Kostenaufwand von rund 50 Millionen Schilling wurde das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein in der Zeit von 1985 bis 1995 restauriert. Die zehnjährige Renovierung des Stiftes Herzogenburg wurde im Jahr 2012 abgeschlossen, sie umfasste neben der Fassadensanierung unter anderem die Instandsetzung der musealen Räumlichkeiten. Die neue Dauerausstellung konnte im Jahr 2012, als das Stift das Jubiläum seines 900jährigen Bestehens beging, eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den zentralen Anliegen von Propst Maximilian gehörte, dass das Stift – entsprechend der jahrhundertelangen Tradition – eine offene Begegnungsstätte ist. So gehen auf seine Initiative viele Tagungen, Bildungsveranstaltungen und Zusammenkünfte von verschiedenen Institutionen und Vereinigungen zurück. Neben den zuvor erwähnten ökumenischen Treffen haben etwa die Ritter vom Heiligen Grab in Jerusalem der Komturei St. Pölten hier regelmäßige Zusammenkünfte. Besonders erwähnenswert sind die in der Regierungszeit von Propst Maximilian abgehaltenen &amp;quot;Herzogenburger Gespräche&amp;quot;, anlässlich derer mehrmals im Jahr 60 bis 80 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kirche zentrale gesellschaftliche Fragen behandelten. Pastorales Wirken war dem vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägten Seelsorger Maximilian Fürnsinn ein besonderes Anliegen, vor allem die Lebendigkeit in der Pfarrseelsorge lag ihm am Herzen. In der Pfarre Herzogenburg entstand aus einem Kinderfest der Katholischen Jungschar der heute größte Kinderevent Niederösterreichs, die „Niederösterreichischen Kindersommerspiele“ (NÖKISS).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein kirchliches Engagement, seine organisatorischen und kreativen Fähigkeiten und seine Leitungskompetenzen führten daszu, dass Propst [[Maximilian Fürnsinn]] 1982 zum ersten Mal zum Vorsitzenden der niederösterreichischen Äbtekonferenz gewählt wurde. Von 1989 bis 1994 war er Vizepräsident der ökumenischen Stiftung Pro Oriente. Von 1998 bis 2013 war er Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2019 wurde [[Petrus Stockinger]] zum neuen Propst von Herzogenburg gewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Bischof Ulrich I. von Passau (1092–1121) konnte seiner Neugründung, dem Augustiner-Chorherrenstift St. Georgen, nur wenig schenken. In der Gründungsurkunde des Klosters bemühte er daher auch die Heilige Schrift und erwähnt das Opfer der armen Witwe, die nur zwei Kupfermünzen in den Opferkasten des Tempels warf, die aber von Jesus gelobt wurde, weil sie alles gab, was sie besaß. Der Bischof schenkte einiges von seinem persönlichen Besitz her, vielleicht sogar alles, was er in der damaligen Ostmark sein Eigentum nannte. Und das war für die junge Kommunität gerade genug zum Überleben. Katastrophen oder wirtschaftliche Schwierigkeiten durfte es keine geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bischof übergab der Klostergemeinschaft seine ererbte Eigenkirche St. Georgen an der Traisenmündung mit Fischwassern, Weingärten, Wiesen und Wäldern. Ebenso vermachte er aus seinem persönlichen Besitz ein Gut und eine Hube zu Sebarn, eine Hube zu Perschling, Engabrunn und Gumpolding, eine halbe Hube in Pötzleinsdorf (bei Wien) und eine zu Kamp, je einen Weingarten zu Kuffern und Egelsee und zwei Weingärten in Inzersdorf. Aus dem bischöflichen Gut schenkte er drei Weingärten in Hundsheim mit einem Lehen, je einen Weingarten in Stein, Weinzierl und Plechingen (zwischen Stein und Krems), den dritten Teil des Zehents von Teras und Merzleinswerd, die Hälfte des Zehents von den Pfarren Herzogenburg und Traisenburg sowie das ganze Dorf Streithofen (im Tullnerfeld). Einige Jahre später schenkte Bischof Ulrich zur Aufbesserung noch sechs Weingärten dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der wirtschaftlichen Not des jungen Stiftes versuchte nun 1160 Bischof Konrad von Passau (1148–1164) mit einer (gefälschten) Urkunde zu helfen, in der er das neuzugründende Stift St. Andrä mit St. Georgen vereinigte. Dieser Zusammenschluss scheiterte am Widerstand Ottos von Rechberg, der schließlich ein eigenständiges Kloster St. Andrä errichten konnte. Als Entschädigung übertrug Bischof Konrad dem Stift St. Georgen die Pfarre Marquardsufer und den Schweighof bei Zeiselmauer, um der &amp;quot;materiellen Not des Stiftes abzuhelfen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam konnte das Stift in den folgenden Jahrhunderten seinen Besitz durch Schenkungen vermehren, wobei das Waldviertel und das untere Traisental zu Schwerpunkten der Besitzungen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Urkunde von 1163 werden als Zeugen zuerst die Äbte von Göttweig und Zwettl, der Propst von St. Pölten und dann der Propst von St. Georgen, Albert, angeführt. 25 Jahre später kommt Propst Berthold von St. Georgen in der Zeugenfolge nach den Äbten von Göttweig, Melk und Altenburg, jedoch vor den Pröpsten von St. Nikolai und St. Andrä. Diesen Platz in der Reihenfolge der niederösterreichischen Stifte nimmt Herzogenburg bis über die Barockzeit ein. Nach den Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II. dürfte das Stift Herzogenburg besitzmäßig an die letzte Stelle gerückt sein. Doch noch einmal zurück ins Mittelalter. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im 12. Jahrhundert konnte das Stift seine Besitzungen durch Kauf, vor allem aber durch Schenkungen vermehren. Die Vielzahl der Schenkungen im Mittelalter sind meist auch ein Zeugnis von guter Spiritualität: einem glaubensstarken Kloster vertraut man eher seine Gebetsanliegen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste große Finanzaufwand war der zweite Neubau des Klosters in Herzogenburg um 1244. Das älteste Zehentverzeichnis, das in das Jahr 1299 zurückreicht, zeigt jedoch schon eine wirtschaftliche Stabilisierung auf. Das Stift besaß nun zehn &amp;quot;Ämter&amp;quot;, i. e. Zehenthöfe, die für die Einhebung der Zehente notwendig waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten waren Abgaben für die Kreuzzüge zu entrichten. Später kamen dann die Steuern für die Finanzierung der Türkenkriege. Verwüstungen durch Kriege, Naturkatastrophen (Heuschreckenplage und Dürre) und Pestepidemien brachten einen wirtschaftlichen Tiefstand für das Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zeichen für das wirtschaftliche Auf und Ab war 1417 der Kauf eines Hauses in Wien, Johannesgasse. 1541 musste es wieder verkauft werden. Bezeichnend für diese schwierige Zeit war auch der Personalstand: 1569 war nur mehr ein Konventuale im Stift. Als 1601 wieder ein Haus in Wien, diesmal in der Annagasse, gekauft wurde, war dies zugleich auch ein Zeichen des neuen Erstarkens: sowohl wirtschaftlich als auch personell. Das Stift wurde renoviert, die Kirche barockisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Abwehr der Türken 1683 konnte das Stift im wirtschaftlichen Aufwind weitere Akzente setzen: ein Gut in Primersdorf (Waldviertel) wurde gekauft und ein großer, neuer Schüttkasten errichtet. In Wielandsthal wurde der Keller und in Haitzendorf der Pfarrhof von Prandtauer errichtet. Im barocken Neubau des Stiftes (ebenfalls von Prandtauer) und der dazugehörigen Kirche kam die wirtschaftliche Kraft zum Ausdruck. Allerdings mussten dafür Weingärten in Mautern, Mauternbach und Sallapulka, eine Mühle von St. Georgen, Meierhöfe in Reith bei Primersdorf, Großhain, Schwarzenbach usw. für eine Gesamtsumme von 17.600 Gulden verkauft werden. Das war ungefähr ein Drittel des Prandtauischen Kostenvoranschlages für den Neubau des Stiftes (54.000 Gulden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wirtschaftliches Tief lösten die napoleonischen Kriege und die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aus: 1851 wurde das Gut Primersdorf im Waldviertel veräußert. Jahre vorher konnte das Stift nur durch einen großzügigen Schuldenerlass von Kaiser Franz I. vor einem finanziellen Ruin gerettet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Stift nur durch den Verkauf von Grundstücken und von vielen Kunstgegenständen entgegenwirken. Einige Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg kam es wieder zu Veräußerungen von Kunstgegenständen, Teilen von Sammlungen (Mineraliensammlung) und Teilen der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre unter Propst Maximilian waren von einer klugen Wirtschaftspolitik gekennzeichnet. Trotz der bescheidenen Besitzungen von 2.625 ha (2.200 ha Wald, 25 ha Weinbau, 400 ha landwirtschaftliche Nutzung) konnten viele Restaurierungen am Stift und an den Kirchen und Pfarrhöfen vorgenommen werden. Am 29. April 1996 wurde die Außenrenovierung des Stiftes Dürnstein mit einem Gesamtumfang von 50 Millionen Schilling abgeschlossen. Eine Aufgabe für dieses Haus, etwa als Seminar- oder Vortragszentrum, wird noch zu finden sein.&lt;br /&gt;
Wenn auch schon vieles vollbracht worden ist, so warten doch noch weitere Aufgaben für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Vogtei===&lt;br /&gt;
Der Besitz des Bistums Passau im Raum Donau–Traisen stand unter der Vogtei der Babenberger. Diese übten sie durch die Burggrafen von Lengbach (Neulengbach) aus. Urkundlich sind die Vögte des Stiftes Herzogenburg sehr selten belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Übertragung des Stiftes nach Herzogenburg änderte sich in der Vogteiverwaltung nichts. Nach dem Aussterben der Babenberger siegelte 1252 Konrad von Zagging als Vogt des Hauses. Er dürfte in Verbindung mit König Ottokar Przemysl, dem neuen Landesherren, gestanden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Habsburger die Herrschaft übernahmen, wurden die Burggrafen von Neulengbach die Vögte von Herzogenburg. Bestätigt wird diese Annahme durch die Erklärung der Herzöge Wilhelm und Albrecht IV. vom 20. März 1396, in der sie ihre Pflicht zu besonderem Schutz und Schirm des Klosters und seiner Güter bestätigten, da sie ja jährlich das Vogtgeld von 17 Pfund und 6 Schillingen Wiener Pfennig und 1 Muth Hafer vom Stift empfingen. Das Stift Herzogenburg zahlte diese Summe bis zum Jahr 1848 nach Neulengbach, als die Herrschaft längst schon in Privatbesitz übergegangen war und das Vogtgeld umgerechnet nun 17 Gulden und 45 Kreuzer betrug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jenseits der Donau dürften die Kuenringer auf Dürnstein die Vogtei über die Stiftsgüter ausgeübt haben. Nach ihrem Aussterben erging 1356 eine Weisung des Herzogs Albrecht II. an seinen Pfleger in Krems, das Stift Herzogenburg in seinen Rechten und Besitzungen zu schirmen. Im Jahr 1445 übernahmen die Brüder Ulrich, Oswald und Stephan Eytzinger auf Bitten des Propstes die Vogtei auf 15 Jahre gegen die jährliche Abgabe von 6 Muth Hafer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Stift Herzogenburg lag jahrhundertelang wirtschaftlich im Mittelfeld der niederösterreichischen Klöster. So war es auch mit der Zahl der Mitglieder. Die frühen mittelalterlichen Chorherrengründungen waren nicht für riesige Konvente gedacht, sondern die Zahl zwölf war, von Jesus mit seinen Jüngern herkommend, die goldene Zahl. Bei der Gründung von St. Georgen werden wahrscheinlich eine Handvoll Chorherren die Aufbauarbeit an diesem Donaustift begonnen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1200 gab es die erste urkundliche Aufzählung des Konventes: zwölf Priester, drei Konversen (''fratres conversi''), fünf Familiaren und vier Brüder. Einige Jahre nach der Übersiedlung des Konventes von St. Georgen nach Herzogenburg wurden neun Priester, zwei Diakone und vier Brüder (''fratres barbati'') als Zeugen genannt. Ein Stiftshistoriker zählte diese bärtigen Brüder dem adeligen Stand zu, da er sie als Mitglieder von Bauhütten interpretierte, die Baumeister und Städteplaner waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Namen und aus der Stellung in der Zeugenreihe lassen sich auf die Abstammung der Chorherren Schlüsse ziehen. Wir finden im Konvent einige Mitglieder des niederen Adels. Diese Tatsache erklärt einen Teil der reichen Schenkungen des Adels der Umgebung, der so zur Versorgung seiner Söhne beitrug. Ein Nobelstift war Herzogenburg aber nie. Die meisten Novizen kamen aus der Umgebung, vereinzelt aus Oberösterreich, der Steiermark, Kärnten und Salzburg. Die Zusammensetzung des Konvents blieb also durchaus im Rahmen des damals Üblichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert dürfte sich die Zahl der Konventualen zwischen 20 und 25 bewegt haben. Der erste große Verlust kam durch die Ermordung einiger Chorherren bei der Eroberung von Herzogenburg im Jahr 1463 und dann durch die Pest. Die Reformation trug das ihre dazu bei, sodass es beim Tod des Propstes Bartholomäus von Cataneis 1563 wahrscheinlich überhaupt kein Konventmitglied mehr gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann gab es nur ein, später zwei Mitglieder, und mit dem Erstarken der Gegenreformation kam wieder Leben in die Stiftsgemäuer: im 17. Jahrhundert betrug der Personalstand zwischen acht und zehn Mitglieder. In der Barockzeit erreichte er die Zahl 25. Um 1800 waren 27 Priester, ein Kleriker und drei Novizen dem Stift zugehörig. Im 19. Jahrhundert stammten 47 Priester aus Niederösterreich, 21 aus der Tschechoslowakei und acht aus Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Jänner 1900 hatte dann das Haus den Höchststand in seiner Geschichte: von den 40 Mitgliedern waren 35 Priester, vier Kleriker und ein Novize. Im 20. Jahrhundert nahm die Zahl stetig ab, und zur Zeit gehören 13 Priester und drei Kleriker zum Stift. Die Priester stammten im letzen, d. h. im 20. Jahrhundert, zu gleichen Teilen aus dem Arbeiter- und Angestelltenstand bzw. aus der Landwirtschaft und aus Familien selbständig Tätiger (die Väter waren Fleischhauer, Fabrikanten usw.). Der größte Anteil von ihnen waren Niederösterreicher (15), dann Wiener (neun), sechs Priester kamen aus dem heutigen Tschechien. Je zwei stammten bzw. stammen aus Tirol, Deutschland und den Niederlanden. Je ein Professe kommt aus dem Burgenland und aus Belgien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Vom Ursprungskloster in St. Georgen haben sich keine Reste erhalten. Die frühesten Ansichten von diesem Bau stammen aus der Barockzeit. Es ist deshalb schwer zu beweisen, wie weit sie der Wirklichkeit entsprechen. Auf diesen Bildern ist eine Kirche als zentraler Rundbau zu sehen, wie es manchmal in der Romanik üblich war, davor zwei niedrigere Rundtürme mit der Prälatur, links davon der Küchenturm, der einem Rauchabzug ähnlich ist. Rechts von der Kirche befindet sich ein Fluchtturm mit den Glocken. Anschließend sind die Klostergebäude für die Chorherren und Gäste dargestellt. Der Klosterbau ist mit einer Mauer umgeben. Das Ganze ist wahrscheinlich ein liebevoller Versuch, das Ursprungskloster darzustellen. Diese Ansicht entspricht aber keiner romanischen Klosteranlage der damaligen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster in Herzogenburg sind wir besser informiert. Wahrscheinlich wurde 1244 zuerst mit dem Bau eines Konventtraktes begonnen, da der bestehende Pfarrhof für den 15 Mann starken Konvent zu klein gewesen ist. Von dieser Anlage hat sich noch der Südtrakt mit einem Kreuzgangabschnitt erhalten. Bei Renovierungsarbeiten zu Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Sandsteinsäulen mit herzförmigen Kapitellschilden und einfachen Rundsockeln freigelegt, die in die Mitte des 13. Jahrhunderts einzureihen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ehemalige Refektorium wurde zum Teil schon 1894 entdeckt, doch konnten die Fresken erst 1963 vollständig freigelegt werden. Diese Räume waren Teil des Gerichtsgebäudes: Wärterwohnung und Gefängniszellen. An der Südseite des gotischen Saales befinden sich drei Spitzbogenfenster. Den sechsjochigen Raum tragen zwei Steinpfeiler als Mittelstützen. An einem ist die Jahreszahl 1564 zu erkennen, die vielleicht auf eine spätere Renovierung zurückgeht. Ab einer Höhe von 1,70 m befinden sich figurale Wandmalereien. Die einzelnen Darstellungen des Zyklus sind unterschiedlich gut erhalten, zum Teil ist nur noch die rote Vorzeichnung vorhanden. Neben christologischen Szenen sind eine Sterbeszene im Kloster (vielleicht der Tod des Ordensgründers Augustinus) und ein hl. Georg wiedergegeben. Vom zweiten Bild der Nordwand ist die Darstellung des Stifters dieser Bilder Propst Georg Eisner mit seinem Konvent erhalten. Da er ohne Mitra gezeigt wird, ist die Entstehungszeit dieser Fresken kurz vor 1498 anzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der östlich an das Refektorium anschließende frühbarocke Saal wird auf einem Plan mit &amp;quot;Capitl&amp;quot; bezeichnet. Die Jahreszahl 1628 am Ostfenster gibt vielleicht den Abschluss des Umbaus an. Heute wird dieser Saal für das Urgeschichtsmuseum des Stiftes verwendet. Wahrscheinlich besaß dieser Konventtrakt aufgrund der Größe der Stiftsgemeinschaft ursprünglich schon einen ersten Stock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei anderen Flügel des Konventbaues wurden wegen des Kirchen- bzw. Schulneubaus weggerissen. Über die Funktion der Räumlichkeiten sind wir zum Teil durch einen Plan von Johann Michael Hergöth unterrichtet, den er um 1700 gezeichnet hat: ebenerdig gab es drei Sakristeiräume, eine Schneiderei, den Mesnerkeller und das erwähnte Refektorium. Im ersten Stock waren die Zimmer der Chorherren, die Wohnung des Dechants und die Bibliothek untergebracht. Im Kreuzgangbereich lag noch die alte Totenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite des Konventbereiches steht auch heute noch der Kirchenbau. Von der mittelalterlichen Kirche ist nur das gotische Kirchenportal aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten. Aus den Umbauplänen können wir schließen, dass dieser Bau als Pfeilerbasilika auf kreuzförmigem Grundriss errichtet war, ähnlich der Michaelerkirche in Wien. Nördlich der Kirche waren die Kanzleiräume und die Prälatur. Entlang des Baches lagen die Wirtschaftsräume mit einem weithin sichtbaren Fluchtturm (Kuchlturm). Von diesen Gebäuden steht nur noch die Mühle, die heute als Elektrizitätswerk die Wasserkraft nutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm von Schmerling (1709–1721) entschloss sich für den Neubau des Stiftes. Am 25. Mai 1714 wurde dazu der Grundstein gelegt und Jakob Prandtauer wurde mit der Planung und Ausführung betraut. Propst Hieronymus Übelbacher von Dürnstein bezeichnet Prandtauer als &amp;quot;fürnehmen baumeister zu St. Pölten und vielleicht fürnehmsten in ganz Österreich&amp;quot;. Prandtauer begann mit dem Bau des Südtraktes. Der Osttrakt mit dem großen Festsaal wurde nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet. 1720 wurde die Einfahrtshalle aufgeführt. Auch hier dürften Vorschläge von Fischer mitverarbeitet worden sein. Im Quertrakt, zwischen den beiden Höfen, wurden im Erdgeschoß die beiden Sakristeien eingerichtet: Herren- und Prälatensakristei. Die qualitätvollen Stukkaturen gehen auf Michael Bolla, 1717, zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1721 starb Propst Wilhelm Schmerling. Sein Nachfolger Leopold von Planta (1721–1740) ließ weiterbauen, und zur Zeit des Todes von Jakob Prandtauer war das Stiftsgebäude zu einem provisorischen Abschluss gekommen, der aber zum dauernden wurde, denn der Westtrakt des &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; blieb unausgeführt. Propst Leopold ließ vom Nachfolger Prandtauers, dem Stiftsbaumeister Joseph Munggenast, den Meierhof aufführen und in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts den Stiftsbau durch die Errichtung des nördlichen Vorbaues und des Georgitores äußerlich abschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Westtrakt aus Sparmaßnahmen nicht ausgeführt wurde, errichtete der Propst die dort geplante Bibliothek im Mitteltrakt, und die in diesem Teil schon begonnene Prälatur wurde in den Nordostteil des Gebäudes verlegt. Die Gärten ließ er in barocker Manier anlegen und die Brücke über den Mühlbach sowie den &amp;quot;Springbrunn unter dem Großen Saal&amp;quot; mit einigen &amp;quot;Kindln&amp;quot; (Sandsteinfiguren) versehen. Diese Gartenplastiken und auch die Zwergenfiguren aus dem Zwerglgarten sind heute verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leopold kaufte auch vom Wiener Goldschmied Johann Kaspar Holbein einige Brustkreuze, Kelche und vor allem eine wertvolle Monstranz, deren Entwurf auf Matthias Steinl zurückgehen könnte und die im Raritätenkabinett erhalten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung der fertiggestellten Stiftsgebäude erlebte Propst Leopold nicht mehr. Ein Jahr nach seinem Tod wurde die Weihe am Georgstag, den 24. April 1741, von seinem Nachfolger Frigdian Knecht (1740–1775) vorgenommen, der dann auch die &amp;quot;Kapitularen in die neue, freundliche Klausur&amp;quot; führen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich Propst Frigdian zum Neubau der Kirche. Am 26. Juni wurde unter Beisein des Malers Daniel Gran der Grundstein an der Epistelseite der Apsis (rechte Seite der Kirche) gelegt. Die Inschriftplatte aus vergoldetem Kupfer führt Franz Munggenast als Baumeister an. Im selben Jahr, in dem der Rohbau fertig wurde, 1748, starb der junge Baumeister mit 24 Jahren. Seine Genialität wird an dieser Kirche, die zu den großen Leistungen des österreichischen Barock gezählt werden darf, sichtbar. Sein Bruder Matthias folgte als Stiftsbaumeister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kircheninneren malte Daniel Gran 1746 das Hochaltarbild und im Presbyterium die beiden Fresken. Wegen finanzieller Unstimmigkeiten und anderer Meinungsverschiedenheiten kam es zum Bruch mit dem Künstler. Der Propst vergab daher die weiteren Arbeiten in der Kirche, die Freskenmalerei und sämtliche Altarbilder mit den Ovalbildern, an Bartolomeo Altomonte, der sie von 1753 bis 1771 ausführte. Die dekorative Malerei in den Kirchenkuppeln (oberhalb des Hauptgesimses) stammt von Domenico Francia aus Bologna. Die Aufbauten für den Hochaltar (1770) und die Seitenaltäre, die Ballustraden (Kommuniongitter) und die Kanzel (1773) der Kirche stammen von Jakob Mösl, die Altarplastiken von Johann Josef Rößler, das Chorgestühl (1772) und die Volksstühle (1775) vom Klostertischler Lorenz Horeß.&lt;br /&gt;
Die herrliche Ampel wurde 1770 von Johann Christoph Beuermann aus Wien geliefert. Das Glanzstück der Kirche ist die 1752 fertiggestellte Orgel von Johann Henke, dem bedeutendsten Wiener Orgelbauer dieser Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1680 befand sich in der alten Kirche ein aus Ungarn stammendes Marienbild, das &amp;quot;orientalische Frauenbild&amp;quot;, zu dem viele Wallfahrer kamen. Nach der Fertigstellung des barocken Seitenaltares im Neubau der Kirche wurde es 1771 von Propst Frigdian Knecht eigenhändig in einer Prozession, die ihn durch beide Märkte führte, auf den heutigen Platz übertragen. Gegenüber dem Marienaltar liegen in einem Schrein die Gebeine des hl. Urban. Sie stammen aus den Kalixtuskatakomben in Rom und wurden 1740 dem Stiftsdechant Michael Koch geschenkt.&lt;br /&gt;
Als 1771 der barocke Augustinusaltar fertiggestellt war, fand dort der urchristliche Märtyrer seine endgültige Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das jüngste Kunstwerk der Kirche ist der Volksaltar, der 1994 vom Wiener Künstler Wander Bertoni angefertigt wurde und die Schöpfung zum Thema hat. Die Krönung der Bautätigkeit des Propstes Frigdian Knecht war die Neugestaltung des Kirchturmes nach einem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach, unter Mithilfe des Baumeisters Matthias Munggenast. Mit Recht sieht der Stiftschronist Frigdian Mies im Turm den ins Große strebenden Geist des Propstes. Die originelle Turmspitze mit Herzogshut und Stiftskreuz wurde am 6. Juli 1767 &amp;quot;um die Mittagszeit unter Pauken- und Trompetenschall aufgesetzt&amp;quot;. 1756 hatte der Propst die Chorkapelle mit Fresken von Martin Johann Schmidt (&amp;quot;Kremser Schmidt&amp;quot;) und einem Verkündigungsbild von Martin Altomonte ausschmücken lassen. Im Festsaal malte Bartolomeo Altomonte 1772 das Fresko &amp;quot;Das seelsorgliche Wirken der Augustiner-Chorherren im Bistum Passau&amp;quot;. Das Fresko an der Decke der Prälatenstiege &amp;quot;Die Übertragung der Kanonie von St. Georgen nach Herzogenburg&amp;quot; ist signiert mit &amp;quot;Barto Altomonte fec. 1779 aetatis suae 79&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Augustin Beyer (1779–1780) wurde auch die Bildergalerie fertiggestellt. Die Gemälde sind nach einem dekorativen Schema angeordnet: ein zentrales Mittelstück, von kleineren Gemälden umrahmt. Die Bilder wurden zu diesem Zweck auch vergrößert, verkleinert oder sogar geteilt, um der Symmetrie zu entsprechen. Dieser &amp;quot;geistlichen Galerie&amp;quot; kommt nicht nur wegen ihres kulturgeschichtlichen Wertes große Bedeutung zu, es befinden sich unter den 144 Bildern auch hervorragende Kunstwerke, u. a. eine Vincenzo di Biagio Catena zugeschriebene &amp;quot;Heilige Familie&amp;quot; oder ein auf Holz gemaltes deutsches Männerporträt mit der Signatur &amp;quot;H. H. 1521&amp;quot;, das als Werk Holbein d. J. bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man in Österreich die Kunstschätze vergangener Jahrhunderte noch als entbehrlichen &amp;quot;Raritätenkram&amp;quot; verstand, förderte Propst Aguilin Leuthner (1811–1832) die seltsame Sammelleidenschaft seines Mitbruders Ludwig Mangold. Nach dem Vorbild der alten &amp;quot;Kunst- und Wunderkammern&amp;quot; aus der Renaissancezeit hatte der junge Ungar im Stift ein &amp;quot;Antiken- und Raritätenkabinett&amp;quot; im zweiten Stock über der Prälatur angelegt, das zum Grundstein der heutigen Stiftssammlung wurde. Ein Verzeichnis dieser Raritäten wurde im Juni 1815 von ihm angefangen und hat folgende Hauptabteilungen: &amp;quot;A Mahlerey und Mosaique, B Bildhauerey, Schnitz- und Gußwerk, C Kupferstiche und Handzeichnungen, D Glasarbeiten, E Uhren, F Becher und andere Gefaße, G Kleidungsstücke, H Musicalische Instrumente, I Waffen, K Römische Alterthümer, L Verschiedene Seltenheiten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die meisten der hier verzeichneten Gegenstände sind noch im Besitz des Stiftes und waren im Rahmen der Ausstellung &amp;quot;Kunstschätze im Stift Herzogenburg&amp;quot; zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunstwerke wurden 1964 in den ehemaligen Gästezimmern topographisch aufgestellt, d. h. nach Möglichkeit nach ihrem Herkunftsort gruppiert. Das Hauptstück der Sammlung ist der &amp;quot;Jüngere Aggsbacher Hochaltar&amp;quot;, ein 1501 in Krems gemaltes Werk von Jörg Breu von Augsburg. Eine vorzügliche Schnitzarbeit ist die realistisch gehaltene Skulpturengruppe des &amp;quot;Marientodes&amp;quot; um 1500, möglicherweise der Mittelteil der Predella des Jörg-Breu-Altares. Weiters soll hier die „Stiftertafel&amp;quot; aus der Zeit um 1500 erwähnt werden, eine Votivtafel mit dem Bildnis des Bischofs Ulrich I. von Passau und der &amp;quot;porträthaften&amp;quot; Darstellung des mittelalterlichen Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Höhepunkt der spätbarocken Abteilung bilden Werke von Daniel Gran, vor allem das vergoldete Modell für den Hochaltar um 1746 mit dem unmittelbaren Entwurf für das Hochaltarbild und ein äußerst lebendiges Selbstporträt. Einen besonderen Schatz stellt der Bestand von zehn Ölskizzen und Bildern von Bartolomeo Altomonte dar, darunter Entwürfe für die Fresken in der Stiftskirche und ein höchst interessantes Selbstporträt aus dem Jahr 1774. In der Prälatur haben sich auch einige erwähnenswerte Kunstgegenstände erhalten, z. B. ein seltener Venezianer Spiegel vom Beginn des 18. Jahrhunderts, der neben reichem Ornament und alter Verglasung gravierte bérainsche Ornamentik in dem Rahmenspiegelchen trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Refektorium wurde bis in die sechziger Jahre als Speisesaal der Chorherren benützt. 1975 wurde es renoviert und als &amp;quot;Augustinussaal&amp;quot; ein Veranstaltungszentrum für Stift und Pfarre. Im Südosten des Stiftes befindet sich im zweiten Stock das &amp;quot;Mexikanische Zimmer&amp;quot;. In diesem Raum war die von Propst Norbert Zach (1857–1887) erworbene Sammlung von Geräten, Waffen und Schmuckgegenständen der Ottawa-Indianer aufgestellt. Sie musste in den zwanziger Jahren veräußert werden.&lt;br /&gt;
Interessant ist das Zimmer heute wegen der zwölf Wandgemälde, die in der romantischen Gesinnung des späten 19. Jahrhunderts Motive aus Österreich darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Exponate der urgeschichtlichen Sammlung des Stiftes Herzogenburg kamen aus der Ausgrabung eines eisenzeitlichen Friedhofes von Statzendorf. Der Göttweiger Abt Adalbert Dungl war maßgeblich daran beteiligt. Die Pröpste Georg III. Baumgartner (1913–1927) und Georg IV. Hahnl (1946–1963) haben durch eigene Grabungen wesentlich zur Vervollständigung dieser Sammlung beigetragen. Zusammen mit Dungl waren sie die Pioniere der prähistorischen Archäologie im unteren Traisental.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Heute enthält die urgeschichtliche Sammlung eine Reihe von Steingeräten aus der Altsteinzeit, eine große Zahl von Fundstücken der Jungsteinzeit und Keramiken aus der frühen Bronzezeit, wie etwa den Fund von 17 Töpfen aus St. Andrä an der Traisen, Objekte der Hügelgräber und Urnenfelderkultur und weitere bedeutende Funde aus der Eisenzeit, wie Beigaben der Hallstadtkulturen aus den Gräberfeldern von St. Andrä und Statzendorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Römische Funde waren bis auf einige Münzen im Raum von Herzogenburg eher spärlich, bis 1972 aus der Zeit der römischen Kaiser ein Zeremonienhelm mit Gesichtsmaske unweit des Stiftes gefunden wurde, der zu den bedeutendsten Denkmälern römischer Kunst auf österreichischem Boden gerechnet werden muss. Mit seinen &amp;quot;Alexanderlocken&amp;quot; gehört er zum orientalischen Typus. Damit ist er ein Beispiel dafür, wie weit vorderorientalische Mysterienkulte im 2. und 3. Jahrhundert verbreitet waren. Dieses Unikat ist im Raritätenkabinett im ersten Stock ausgestellt, während alle anderen Funde im frühbarocken Refektorium im Altstift zu sehen sind. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Eine fachkundige Neuaufstellung wird derzeit von Univ.-Doz. Dr. Johannes-Wolfgang Neugebauer vorgenommen.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Als 1512 in Herzogenburg ein Großbrand wütete, wurden einige Trakte des Stiftes in Schutt und Asche gelegt. Die Bibliothek wurde dabei auch ein Raub der Flammen. Wahrscheinlich besaß damals das Stift über 100 handgeschriebene Bücher und vielleicht ebensoviele Inkunabeln. Wieviele Bücher gerettet werden konnten ist leider nicht überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten großen Förderer der mittelalterlichen Bibliothek waren die beiden Pröpste Johannes III. von Parsenbrunn (1401–1433) und Johannes IV. von Linz (1433–1457). Aus der Zeit vor dem Brand haben sich einige Buchfragmente erhalten. Fragment 42 aus dem 9. Jahrhundert ist das älteste Stück der Bibliothek.&lt;br /&gt;
Von der Wende des 12. zum 13. Jahrhundert stammt das Fragment 32 mit Teilen eines Legendars. Das Fragment 43 ist Teil eines Nekrologiums vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Es ist ein sicheres Zeugnis für die Schreibkultur des Stiftes in St. Georgen. Ob das Stift dann in Herzogenburg eine eigene Schreibschule besessen hat, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Auf jeden Fall sind keine Handschriften auf Pergament mit wertvollen Initialen auf uns gekommen, sondern nur anspruchslose, auf Papier geschriebene Bücher. Sie haben alle einen praktisch-theologischen Inhalt und stehen im Zusammenhang mit den Seelsorgeaufgaben des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Schreiber waren mit Sicherheit Klosterangehörige, von weiteren sieben ist es unsicher. Die kunsthistorisch kostbarsten Handschriften wurden erst in späteren Jahrhunderten angekauft. Den ersten größeren Zuwachs nach dem Brand erfuhr die Bibliothek durch Propst Philipp von Maugis (1541–1550), der vor allem humanistische Werke bzw. lateinische und griechische Klassikerausgaben erwarb und die von seinem Bruder ererbte Bibliothek der Stiftsbibliothek einverleibte.&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Herb (1687–1709) erbte ebenfalls von seinem Bruder 173 Bücher meist theologischen Inhalts, die in zwei Fässern und einer großen Truhe verpackt auf der Donau von Deutschland nach Krems transportiert und von dort ins Stift gebracht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge des barocken Stiftsneubaus wurde die Bibliothek von 1751 bis 1754 von Propst Frigdian Knecht (1740–1775) erbaut. Die Ornamentmalerei fertigte Domenico Francia an, die figuralen Grisaillen wurden von Bartolomeo Altomonte gemalt. Die einfachen, doppelteiligen Bücherschränke wurden vom Orgelbauer Johann Henke entworfen. Propst Frigdian sammelte die Bücher &amp;quot;mit einem unersättlichen Hunger&amp;quot;, wie er selber scherzend zu sagen pflegte. Er erwarb u. a. die Bibel von 1205 (HS 100) und die kostbare Handschrift &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; (HS 95) aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Stephan Peschka (1775–1779) und Michael Teufel (1781–1809) erwarben durch den Exjesuiten Abbé Johann Christoph Regelsberger viele Bände bei Bücherauktionen aus den Beständen aufgehobener Klöster. Mit der Übernahme der aufgehobenen Stifte St. Andrä an der Traisen 1783 und Dürnstein 1788 kamen nur wenige Bücher, nachweislich nur einige Handschriften und Inkunabeln, nach Herzogenburg. Der Großteil des Bücherschatzes kam in die Wiener Hofbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Petrus Schreiber]], von 1781 bis 1788 auch Stiftsdechant, war mit Unterbrechung fast 25 Jahre Bibliothekar. Eine große Anzahl von Büchern mit einheitlichen barocken Einbänden kam durch ihn in die Bibliothek. Sie tragen auf dem Einbanddeckel die goldenen Buchstaben &amp;quot;P. S.&amp;quot;. Ebenso vermachte er dem Stift 15 Inkunabeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Inventar von 1832 beziffert den Buchbestand summarisch mit etwa 10.000 Bänden. 1887 war der Besitz bereits auf 50.000 Bände, 253 Inkunabeln und 223 Handschriften angewachsen. Dieser Zuwachs dürfte auch die Erweiterung der Bibliotheksräumlichkeiten veranlasst haben. Unter Propst Norbert Zach (1857–1887) wurden 1870 die Gänge im zweiten Stock des Stiftes mit Bibliothekskästen ausgestattet. Unter ihm waren als Bibliothekare die bedeutenden Stiftshistoriker [[Wilhelm Bielsky]], [[Michael Faigl]] und Frigdian Schmolk tätig. Sie veröffentlichten viele Beiträge zur Stiftsgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine großzügige Erweiterung erfuhr die Stiftsbibliothek zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gräfin Maria Falkenhayn übergab 1905 dem Stift die 30.000 Bände ihrer Schlossbibliothek in Walpersdorf. Neben diesen gräflichen Exlibris finden sich in der Sammlung auch Werke mit den Besitzvermerken der Jörger, Colloredos und der Herrschaften Droß und Ottenschlag.&lt;br /&gt;
Während der Weltwirtschaftskrise kam es 1927 zur Veräußerung von Inkunabeln, die vergleichsweise die Höhe des Schätzwertes der ehemaligen Stiftstaverne ausmachten. Ebenso wurde in den sechziger Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eine große Anzahl von Büchern veräußert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anläßlich der Ausstellung im Jahr 1964 &amp;quot;Das Stift und seine Kunstschätze&amp;quot; wurde eine Neuaufstellung der Bücherbestände begonnen, die aber &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bis heute nicht fertiggestellt werden konnte&amp;lt;/span&amp;gt;. Derzeit ist die Bibliothek auf mehrere Standorte verteilt und lediglich die Handschriften, die Inkunabeln und die Druckwerke bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden nach dem Erscheinungsdatum geordnet. Der Rest ist weitgehend unbearbeitet. Der Gesamtbestand wird auf 80.000 Bände geschätzt. Dazu kommen noch 150 Inkunabeln und 150 mittelalterliche Handschriften. Die älteste Handschrift ist ein österreichisches Psalterium des 12. Jahrhunderts (HS 106). Die gut geschriebene Handschrift enthält eine Reihe von großartigen Initialen. Die bedeutendste Handschrift der Bibliothek ist Cod. 95 &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; von Gregor d. Gr. Sie wurde um 1260 in Mainz oder Regensburg geschrieben und enthält 36 ausgezeichnete Initialminiaturen im Stil der deutschen Malerei der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Cod. 223 ist eine oberitalienische Bibel der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit großen figurierten Initialen; fast alle Spalten tragen Federranken. Am Beginn der Genesis findet sich eine Gegenüberstellung der sieben Schöpfungstage mit christologischen Szenen. Ein österreichisches Graduale (HS 97) vom Beginn des 14. Jahrhunderts trägt auf jeder Seite Notenzeilen und stammt aus einem Zisterzienserkloster. Sehr schön ist eine französische Bibel mit Miniaturinitialen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (HS 99).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Ausgabe von Gregors &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; ist der zweibändige Cod. 94 aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts mit 18 figurierten Initialen, die von fünf Meistern stammen, die den Wenzelsbibelmeistern nahestehen. Die Handschrift wurde laut Eintragung in der Kartause Mauerbach geschrieben und war 1397 im Besitz der Kartause Olmütz. Wann und wie sie nach Herzogenburg kam, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der bedeutenden Sammlung von Wiegendrucken seien folgende hervorgehoben: ein sehr schöner Venezianer Druck von 1478, Lactantius Firmianus &amp;quot;Gegen die Haiden&amp;quot;; drei ausgezeichnete Kobergerdrucke aus Nürnberg, 1481; die Briefe des Ennea Sylvius Piccolomini (Papst Pius II.); ebenso von 1481 ein Kommentar zum Neuen Testament von Nicolaus de Lyra mit gezeichneten Initialen; und von 1483 ein Fastenbuch von Johannes Guitsch, gedruckt im Charakter der spätgotischen Handschriften. Ein Zisterzienser-Missale aus Paris um 1487 ist mit kleinen kolorierten Holzschnitten illustriert. Zwei sehr gute Ausgaben der interessanten Weltgeschichte von Rolewinck seien noch angeführt. Die eine Wiener Ausgabe von 1490 ist reich mit Holzschnitten illustriert, die zweite aus Köln mit vielen Holzschnitten in der Art der &amp;quot;Schedelschen Weltchronik&amp;quot; aus dem Ende des 15. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abschluss ist noch eine Postilla von Cuilcrinus, Augsburg 1495, die ebenfalls mit Holzschnitten illustriert ist, zu erwähnen. Die oben beschriebenen Handschriften und Frühdrucke sind im Hauptraum der Bibliothek in Vitrinen ausgestellt und bei jeder Führung durch das Stift zu besichtigen. In diesem Bibliothekssaal befinden sich in den Bücherschränken nur Bücher aus dem 18. Jahrhundert, um den Eindruck einer barocken Schaubibliothek zu vermitteln.&lt;br /&gt;
Durch die bescheidene Einrichtung wirkt die Bibliothek wie eine heimelige Studierstube. Die letzte Handschrift wurde 1990 erworben. Sie ist ein türkisches Gebetbuch aus dem 19. Jahrhundert in arabischer Zierschrift. In der Mitte des Buches finden sich zwei romantisch gemalte Ansichten der Moscheen in Mekka und Medina.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Das Herzogenburger Stiftsarchiv besteht aus vier Abteilungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) dem Archiv des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen/Herzogenburg mit 1.745 registrierten Urkunden (1112–1852) und zahlreichen nicht bearbeiteten Urkunden (ab 1852), 264 Büchern und 647 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit 327 registrierten Urkunden (998–1776), sechs Büchern und 225 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein mit 718 registrierten Urkunden (1306–1768), 36 Büchern und 90 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) dem Archiv des aufgehobenen Clarissenklosters Dürnstein mit 357 registrierten Urkunden (1289–1658) und ca. 20 Büchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Dokument im Stift Herzogenburg ist die Gründungsurkunde (1112) von Bischof Ulrich von Passau (Sta. Hn. 1a). Sie ist eine der formvollendetsten Urkunden aus der Schreibstube des Bistums Passau. Äußerst interessant ist die Traditionsnotiz (Sta. Hn. 1b), die ein Konzept zur Gründungsurkunde darstellt und sechs weitere protokollarische Notizen enthält, die an verschiedenen Orten abgefasst wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historisch bedeutsam für das Stift ist auch die Übertragungsurkunde von 1244 (Sta. Hn. 38). Die schweren Zeiten des 15. Jahrhunderts sowie der Brand des Klosters im Jahr 1512 dürften dem Archiv nicht allzusehr zugesetzt haben. Alle wichtigen Urkunden sind im Original vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes VII. Glaz (1569–1572) veranlasste eine Aufzeichnung und Registrierung der &amp;quot;Pergament-Brieff&amp;quot;. In dem 1570 angelegten Verzeichnis wird das Archiv als „Registratur&amp;quot; bezeichnet. Entsprechend dem damaligen Kanzleigebrauch, dessen Vorbild die Kanzlei des Regiments der niederösterreichischen Lande war, wurden auch in Herzogenburg die Urkunden, damals insgesamt 46 Stück, in einem mit Laden versehenen Kasten und die weniger wichtigen Akten in einem Sack aufbewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1683 wurden das Archiv und die Schatzkammer vor den heranrückenden Türken in das Chorherrenstift Dürnstein verlagert und 1684 wieder zurückgebracht. Die zeitlich nächstfolgende Bestandsaufnahme des Stiftsarchivs erfolgte zwischen 1730 und 1740. &amp;quot;Ain großer mit Eyßen schön beschlagener Casten, hat 36 unterschidliche litterirte gemahlene Laden&amp;quot;. Er diente als Aufbewahrungsort für das als &amp;quot;gehaimbtes Gwölb&amp;quot; bezeichnete Hauptarchiv. Diesem wurden 1745 Schriften und Akten des Hofrichters und des Stiftskämmerers einverleibt. Genaue, nach Grundherrschaften bzw. Sachgebieten angelegte und geordnete Inventarien zeugen von der Sorgfalt, mit der das Stiftsarchiv unter Propst Frigdian I. Knecht (1740–1775) betreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte im Streben nach dem Wissen über die eigene Vergangenheit die ersten wissenschaftlichen Bearbeitungen des Urkundenbestandes durch die Herzogenburger Chorherren [[Wilhelm Bielsky]] (Die ältesten Urkunden des Kanonikatsstiftes St. Georgen in Unterösterreich von 1112–1244, Wien 1852) und [[Michael Faigl]] (Die Urkunden des regulierten Chorherrenstiftes Herzogenburg vom Jahre seiner Übertragung von St. Georgen 1244–1450, Wien 1886).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich wurde in den Jahren 1930 bis 1935 der unübersehbare Bestand an Akten und Büchern durch Dr. Göhler geordnet und durch eine Zettelkartei der Forschung zugänglich gemacht. In der insgesamt 1.745 Urkunden umfassenden Urkundenreihe vom Stiftsarchiv Herzogenburg gibt es neben einer Vielzahl von Stiftungs- und Schenkungsurkunden auch Urkunden von Päpsten und Landesfürsten. Die älteste Papsturkunde wurde 1177 von Papst Alexander III. ausgestellt, die erste in deutscher Sprache abgefasste Urkunde stammt aus dem Jahr 1292.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als einzigartiges Dokument soll eine Urkunde Erwähnung finden, die von Mönchen des Katharinenklosters am Sinai und Chorherren des Stiftes Herzogenburg im Jahr 1491 gezeichnet wurde. Damals haben zwei griechische Sinaimönche Herzogenburg besucht und mit den hiesigen Chorherren eine Gebetsverbrüderung geschlossen und besiegelt – ein merkwürdiges und einmaliges Zeugnis für die Verbindung der Ost- und Westkirche im ausgehenden Mittelalter nach dem Fall von Konstantinopel (Sta. Hn. 538).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Grundbücher, wertvolle Unterlagen zur Erforschung der Besitz- und Bevölkerungsgeschichte im Raum Herzogenburg, wurden im 12. Jahrhundert angelegt. Hinzu tritt jene Masse des Archivmaterials, die als Akten des adeligen Richteramtes über die Untertanen aus der Amtstätigkeit des Stiftes erwachsen sind: Grundbuchsakten ab 1340, Testamente ab 1500, Verwaltungsakten über den Oberen Markt Herzogenburg, Korrespondenzen mit den umliegenden Grundherrschaften. Diese Schriftstücke zeigen den Kampf des Stiftes um seine Rechte und Besitzungen, unter welchen besonders Fischerei- und Wasserrechte auf der Traisen und Jagdrechte in den Auen im Vordergrund stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Rechnungsbüchern und Rechnungsakten finden sich genauere Aufzeichnungen über den Bau der barocken Stiftsgebäude und der inkorporierten Pfarrkirchen mit ihren Pfarrgebäuden. Eigenhändige Unterschriften auf den Quittungen sind zu finden von Jakob Prandtauer, der Familie Munggenast, Bartolomeo Altomonte, Daniel Gran, vom Salzburger Steinmetzmeister Jakob Mösl, vom Wiener Goldschmied Johann Caspar Holbein und vielen anderen. Bei der Durchsicht von unbearbeiteten Archivmaterialien konnte ein eigenhändig geschriebener Brief von Martin Luther von 1541 aufgefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Auflösung der Chorherrenstifte St. Andrä und Dürnstein kamen deren Archive nach Herzogenburg. Propst Michael Teufel (1781–1809) hat sich sehr um ihre Erhaltung und sichere Aufbewahrung bemüht. Die älteste Urkunde von St. Andrä ist eine Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. aus dem Jahr 998 (Sta. An. 1). Die Stiftungsurkunde von St. Andrä stammt aus dem Jahr 1160 und ist mit 44 Zeugen belegt (Sta. An. 4). Zu erwähnen ist noch eine prunkvolle Ernennungsurkunde des Chorherren Johannes Zwickl zum Kommissär für den Türkenablass des Papstes Innozenz VIII. von 1490 in teilvergoldeter Schrift mit reichen Initialen (Sta. An. 208). Alle drei Dokumente zählen zu den Zimelien dieser Urkundenreihe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Archiv der Chorherren von Dürnstein ist der Stiftungsbrief vom 18. Februar 1410 (Sta. CDn 147) der absolute Höhepunkt. Der linke Rand dieser Urkunde ist mit einer Reihe von höchst bedeutenden Miniaturen versehen, die sowohl der böhmischen wie der Wiener Buchmalerei des frühen 15. Jahrhunderts nahestehen. Die angehängten sechs Siegel sind noch vorhanden. Zwei im selben Jahr ausgestellte Urkunden tragen schöne Initialmalereien (Sta. CDn 149 und 150).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Im Gegensatz zum &amp;quot;Archiv Herzogenburg&amp;quot; sind die Urkunden, Bücher und Akten der drei anderen Archive noch nicht publiziert und daher wissenschaftlich noch wenig ausgewertet. &lt;br /&gt;
Derzeit (1995) wird die Einrichtung des Archives erneuert und auf den letzten technischen Stand gebracht. Damit ist auch der Wunsch verbunden, dass die letzten 150 Jahre archivmäßig aufgearbeitet werden.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Historische Namensformen===&lt;br /&gt;
* WEIGL, Heinrich, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, 8 Bde., Wien 1964–1981.&lt;br /&gt;
* SCHUSTER, Elisabeth, Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, 1. Teil (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B), Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
* HAUSNER, Isolde / SCHUSTER, Elisabeth, Altdeutsches Namenbuch, Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politische und kirchliche Topographie===&lt;br /&gt;
* WOLF, Hans, Niederösterreich (Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 6. Teil), Wien 1955.&lt;br /&gt;
* RUPP / SCHMIDTBAUER, Herzogenburg, 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Franz Reininger: Die Wiegendrucke der Stiftsbibliothek Herzogenburg. In: Mitteilungen des Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 12 (1908), S. 109–127.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Katalog der Handschriften der Stiftsbibliothek Herzogenburg. St. Pölten 1978. [https://manuscripta.at/diglit/winner_1978_1/0001 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Mayo Hope: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed for the Hill Monastic Manuscript Library, Austrian Libraries. Volume III: Herzogenburg. Collegeville, Minnesota, 1985. [https://archive.org/details/HMMLAustriaInventory3 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Franz Lackner: Datierte Handschriften in niederösterreichischen Archiven und Bibliotheken bis zum Jahre 1600. Wien 1988 (Katalog der datierten Schriften in lateinischer Sprache in Österreich, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kunst- und Baugeschichte===&lt;br /&gt;
* HEIDER, Gerhard / HÄUFLER, J. V., Archäologische Notizen (Archiv für österreichische Geschichte II/1), Wien 1850, 139–178.&lt;br /&gt;
* RIESENHUBER, Martin, Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Bistums St. Pölten, St. Pölten 1923.&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer. Der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* PETERMAIR, Hans, Die bauliche Anlage der Stifte in Altenburg, Herzogenburg und Seitenstetten und ihre baukünstlerischen Beziehungen im Mittelalter und in der Barocke, masch.geschr. techn. Diss., Wien 1934.&lt;br /&gt;
* STEINER, Ubald, Die Stiftskirche zu Herzogenburg. Beiträge zur Baugeschichte nach Aufzeichnungen des Propstes Georg Baumgartner, in: Pfarramtliche Nachrichten für den Kirchensprengel Herzogenburg 21 (1935), Nr. II/12.&lt;br /&gt;
* MUNGENAST, Emmerich, Joseph Munggenast. Der Stiftsbaumeister 1680–1741, Wien 1963.&lt;br /&gt;
* FEUCHTMÜLLER / WEBER, Stift und Kunstschätze, 1964.&lt;br /&gt;
* HEINZL, Brigitte, Bartolomeo Altomonte, Wien/München 1964.&lt;br /&gt;
* BIBA, Otto, Die Orgelakten des Stiftes Herzogenburg, in: Unsere Heimat, Zeitschrift des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 41 (1970), Heft 1, 9–24.&lt;br /&gt;
* GÜTHLEIN, Klaus, Der österreichische Barockbaumeister Franz Munggenast, phil. Diss., Heidelberg 1973.&lt;br /&gt;
* KNAB, Eckhart, Daniel Gran, Wien/München 1977.&lt;br /&gt;
* CÄSAR, Menz, Das Frühwerk Jörg Breus des Älteren, Augsburg 1982.&lt;br /&gt;
* EGGER / HESSLER / PAYRICH / PÜHRINGER / FASCHING, Stift Herzogenburg, 1982.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Hermann-Fichtenau: Der Bildersaal im Stift Herzogenburg, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 38 (1984).&lt;br /&gt;
* SERVUS, Die Entstehung der barocken Klosteranlage, 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Moseneder: Passau im Gedächtnis Herzogenburgs. Zur Ikonologie des Augustiner-Chorherrenstift. In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch 31 (1989), S. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;##&amp;lt;/span&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* Karl Thomas (Bearb.): Die Baumeisterfamilie Munggenast. Sonderausstellung des Stadtmuseums St. Pölten anläßlich des 250. Todestages von Joseph Munggenast. St. Pölten 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Oskar Freiherr von Mitis: Studien zum älteren österreichischen Urkundenwesen. 5 Bände. Wien 1906–1912.&lt;br /&gt;
* Franz Stundner: Das Archiv des Stiftes. In: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Hg. von Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber. Herzogenburg 1964, S. 83–86.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sonstige Literatur===&lt;br /&gt;
* Georg Baumgartner: Herzogenburg. In: Topographie von Niederösterreich. Band IV. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Wien 1896, S. 209–238.&lt;br /&gt;
* Gerhart Egger / Walter Hessler / Wolfgang Payrich / Leonore Pühringer / Herbert Fasching: Stift Herzogenburg und seine Kunstschätze. St. Pölten 1982.&lt;br /&gt;
* Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Herzogenburg 1964.&lt;br /&gt;
* Maximilian Fürnsinn: Stift Herzogenburg 1938–1945. In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 22/4 (1975), S. 132–140.&lt;br /&gt;
* Maria Hasitscha-Köck: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg während der Zeit des Propstes Michael Teufel von 1781 bis 1809. Diss. Univ. Wien. Wien 1973.&lt;br /&gt;
* Andreas Karl Kaiser: 975 Jahre Pfarre Herzogenburg (1014–1989). Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1989.&lt;br /&gt;
* Gerhard Nikodim: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg von 1513 bis 1602. Diss. Univ. Wien. Wien 1968.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich: Das Stift Herzogenburg. Die 875-jährige Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen-Herzogenburg von 1112–1987. Dipl.-Arb. Univ. Linz. Linz 1987.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich / Hans Peter Schmidtbauer: Unsere Kirche lebt. 200 Jahre Stiftskirche Herzogenburg. St. Pölten 1985.&lt;br /&gt;
* Anton Rupp / Hans Peter Schmidtbauer: Herzogenburg. St. Pölten / Wien 1991.&lt;br /&gt;
* Werner Sandner: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg von 1244 bis 1513. Diss. Univ. Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Frigdian Schmolk: Stift der regulirten lateranensischen Chorherren zu Herzogenburg in Nieder-Oesterreich. In: Ein Chorherrenbuch. Geschichte und Beschreibung der Bestehenden und Anführung der aufgehobenen Chorherrenstifte. Augustiner und Prämonstratenser in Österreich-Ungarn, Deutschland und der Schweiz. Hg. von Sebastian Brunner. Würzburg 1883, S. 200–263. [https://books.google.at/books?id=GoJJAAAAIAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA199-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Harald Servus: Die Entstehung der barocken Klosteranlage in Herzogenburg und ihre geschichtlichen Voraussetzungen. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1987.&lt;br /&gt;
* Egon Wahl: Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit besonderer Berücksichtigung der rechtlichen, besitz- und personalgeschichtlichen Verhältnisse. Diss. Univ. Wien. Wien 1945.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_St._Andr%C3%A4_an_der_Traisen&amp;diff=10747</id>
		<title>Stift St. Andrä an der Traisen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_St._Andr%C3%A4_an_der_Traisen&amp;diff=10747"/>
		<updated>2023-06-25T11:44:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1160&lt;br /&gt;
|Datum bis=1783&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (seit 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=ecclesie Sancti Andree circa Traysmam (1149), sant andree pei der Traisem (1340)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Apostel Andreas&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Etwa 1.300 Einwohner, Katastralgemeinde von Herzogenburg, politischer und auch GB St. Pölten, vor 2002 GB Herzogenburg, Nied erösterreich. Im Ort gab es seit jeher nur eine einzige Herrschaft, nämlich die des Klosters St. Andrä.&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Closter S Andre.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift St. Andrä, Kupferstich (1672) Georg Matthäus Vischer, Topographia archiducatus Austriae inferioris modernae. 1672; online unter: https://www.digitale-sammlungen.de/en/view/bsb10804602?page=142,143&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Die Klostergründung===&lt;br /&gt;
Vermutlich seit Ende des 10. Jahrhunderts war das Geschlecht der Edlen von Traisen in Niederösterreich ansässig. Ob sie von dem führenden Adelsgeschlecht der Aribonen in Kärnten und Bayern direkt abstammen, ist nicht eindeutig geklärt, allerdings lässt sich ein Erbgang von den Aribonen an die Edlen von Traisen nachweisen. Urkundlich bestätigt ist jedenfalls, dass der Edle Hartnid, der Vater von Walther und Adalram (Gründer des Augustiner-Chorherrenstiftes von [[Stift Seckau|Feistritz-Seckau]] 1140) um 1070 Vogt des Benediktinerinnenklosters Göss war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Walther um 1148 ehe- und kinderlos starb, widmete er einen Großteil seines Besitzes der Kirche, auf dass hier an seinem Wohnsitz, wahrscheinlich eine burgenähnliche Behausung, ein Kloster für Augustiner-Chorherren entstünde. Zu seinem Testamentsvollstrecker setzte er Otto von Rechberg und Lengbach ein, aus einer Familie, zu der vermutlich eine Verwandtschaftsbeziehung bestand. Bischof Konrad von Passau zögerte mit der Stiftung, da er eine Zusammenlegung mit dem Kloster zu St. Georgen, das von Hochwasser und Seuchen bedroht war, beabsichtigte. Otto von Rechberg widersetzte sich jedoch den Passauerischen Plänen. Unterdessen muss allerdings seit etwa 1150 bereits eine Klostergemeinschaft bestanden haben: &amp;quot;duo [...] beati Georigii et Andree apostoli cenobia cum omnibus utriusque fratribus...&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst 1160, zwölf Jahre nach dem Tod des Stifters, stellte Bischof Konrad die Bestätigungsurkunde aus. Wie sehr man in Passau eine Zusammenlegung der beiden Klöster angestrebt hatte, wird in einer (in Passau) gefälschten Papsturkunde aus 1150 deutlich, in der Papst Eugen III. sein Einverständnis dazu gibt. Um aber ganz sicher zu gehen, wandte sich Otto von Rechberg, dessen Familie noch die Vogteirechte besaß, mit Hilfe des Propstes [[Mercardus (Marquart)]] an den Papst, übereignete ihm den Besitz des Stifters Walther von Traisen, und stellte ihn gegen einen jährlichen Zins unter den Schutz des päpstlichen Stuhls.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage, ob das Kloster St. Andrä bereits eine Gründung Kaiser Ottos III. sei, wie vor allem Propst [[Erath]] es wahrhaben wollte, lässt sich mehrfach verneinen. Die Interpolation in dem Diplom von 998, April 29, Rom, lautet &amp;quot;... et Traysme clausuram habeat ...&amp;quot; und ist sehr wahrscheinlich zwischen 1492 und 1500 erfolgt. Andreas von Meiller hat 1870 die Urkunde eingesehen und den Zusatz als Fälschung bestätigt. Im ältesten Nekrolog von St. Andrä scheint der Sterbetag von Kaiser Otto III. nicht auf, wohl aber der von Walther am 29. September. Zum Zeitpunkt der Verfälschung befand sich nämlich der Nekrolog nicht mehr in Stiftsbesitz, sodass nichts nachgetragen oder verändert werden konnte. Es gab auch in der mittelalterlichen Kirche (&amp;quot;...in Monasterio Sancti Andree in choro...&amp;quot;) eine Grabplatte mit folgender Inschrift: &amp;quot;Hec nostri Fundatoris tenet ossa [...] Dictus erat Walther.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst bestand der Grundbesitz des Stiftes nur aus den ehemaligen Gütern Walthers in St. Andrä selbst und dessen unmittelbarer Umgebung, nämlich Baumgarten, Hasendorf, Moos und Waltendorf. Wenn auch in der Folgezeit ein bedeutender Zuwachs des Besitzstandes, vor allem aus dem Erbe des Testamentvollstreckers Otto von Rechberg und Lengbach und seiner Familie, verzeichnet werden konnte - die Güter lagen nun auch in weiter entfernten Gebieten wie am Fuß des Jauerling -, so blieb die wirtschaftliche Entwicklung der Kanonie doch stets in bescheidenen Grenzen. Selbst im 17. Jahrhundert, als das Kloster seine größte Blütezeit erlebte, rechnete man anlässlich der durch die Türkenkriege notwendigen Steuerforderungen des Hofes das Stift an der Traisen zu den weniger leistungsfähigen Kanonien Österreichs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erste Blütezeit===&lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert erlebte das Kloster seine erste Blütezeit. Die Besitzungen lagen zeitweise über drei Viertel des alten Niederösterreich verstreut, allerdings mit gewissen Verdichtungen um das ursprüngliche Erbe der Stifterfamilie; ein weiterer größerer Besitzstand ist um diese Zeit südlich von St. Pölten, in der Gegend von Kilb und Kirnberg, festzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der von tüchtigen Prälaten geförderte wirtschaftliche Aufstieg führte bald zu einer regen geistlich-karitativen und kulturellen Tätigkeit. So richteten die Konventualen ein Hospital ein und widmeten sich in einem &amp;quot;Siechenhaus&amp;quot; der Pflege gebrechlicher Menschen. Auch gehörte um diese Zeit ein Frauenkloster zum Stift, desgleichen bestand im Kloster eine Schule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der relative Wohlstand ermöglichte nicht nur einen großzügigen Ausbau der gesamten Anlage, sondern bildete auch die Voraussetzung für die künstlerische Ausgestaltung der im Kern romanischen Kirche. Die im südlichen Anbau des Turmes noch erkennbaren Fresken, deren Entstehung mit dem Jahr 1374 festgesetzt wurde, sind ein Zeugnis hoher Klosterkultur. Sehr bald kam es aber zu Streitigkeiten mit dem kaum zwei Kilometer entfernten [[Stift Herzogenburg|Chorherrenstift Herzogenburg]]. Die Reibereien mit dem Nachbarn sollten bis zur Auflösung von St. Andrä nicht mehr aufhören, sodass ein späterer Chronist von einer fast ununterbrochenen gutnachbarlichen Feindschaft spricht. Es ging dabei vorwiegend um Differenzen über den Grenzverlauf an der Traisen, an deren Ufer durch Überschwemmungen immer wieder Grenzmarkierungen weggerissen wurden. Dadurch waren die Besitzrechte an bestimmten Viehweiden, Jagdgebieten und Fischwässern so strittig, dass sie bisweilen einer Klärung, sogar durch den Landesfürsten, bedurften. Besonders die Fischweiden bildeten ein ständiges und in Anbetracht der vielen in den Klöstern üblichen Fasttage erklärbares Streitobjekt. Unter den Pröpsten dieser Zeit seien besonders [[Gottschalk II.]] (1202–1215) und [[Siegfried]] (1215–1245) erwähnt, die des öfteren in Streitsachen anderer Stifte und Klöster mit kirchlichen Stellen zu Schiedsrichtern bestellt wurden - sicherlich ein Beweis des guten Rufes des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Niedergang in der Reformationszeit=== &lt;br /&gt;
Die weitere Vermehrung der Stiftsgüter und der Ausbau des geistlichen Lebens erfuhren im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts einen argen Rückschlag. Plünderungen und Brandschatzungen, besonders durch Soldaten des Matthias Corvinus, sowie das Eindringen der Reformation führten zum wirtschaftlichen Niedergang von St. Andrä und brachten das Kloster an den Rand der Auflösung. Zeitweise kam es zu einer Spaltung unter den Konventualen: ein Teil verweigerte den Pröpsten gänzlich den Gehorsam, ein anderer maßte sich an, eigenmächtig über die Einkünfte des Stiftes zu verfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sehr nachteilig erwies sich auch am Beginn des 15. Jahrhunderts der Streit zwischen der Albertinischen und der Leopoldinischen Linie der Habsburger. Die Pröpste wurden als Mitglieder des Prälatenstandes in die Politik hineingezogen und waren daher oft lange Zeit von ihrem Kloster abwesend. Aufgrund dieser Ereignisse ist es kein Wunder, dass in St. Andrä viele Besitzungen verkauft werden mussten und die Verschuldung beängstigende Ausmaße annahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders arg wirkte sich ein Feuer aus, das im Jahre 1485 das Kloster sowie den ganzen Ort in Schutt und Asche legte. Die Stiftsgebäude konnten erst durch die Hilfe des damaligen Bischofs von Seckau wieder aufgebaut werden, allerdings um den Preis, dass den Chorherren von St. Andrä ein Seckauer Konventuale, nämlich [[Johannes Zwickl]], als Prälat vorgesetzt wurde. Das steirische Kloster hatte die finanzielle Hilfe aufgrund der historischen Tatsache geleistet, dass die Familie der Grafen von Traisen neben St. Andrä auch das Stift von Seckau gegründet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1512 erhielt Propst [[Wolfgang II.]] Unverdorben von Jägernberg die päpstliche Genehmigung, die bischöflichen Insignien, wie Mitra und Stab, zu führen. Auf einem im St. Andräer Pfarrhof aufgefundenen Teil eines Grabsteines Propst Wolfgangs kann man sehr gut das Wappen dieses ersten infulierten Propstes erkennen. Wenige Jahre später gab es eine neue Katastrophe: Türkische Heerscharen suchten 1529 auf ihren Streifzügen durch das Umland Wiens auch St. Andrä heim und richteten so arge Verwüstungen an, dass die Kirche, nur notdürftig instand gesetzt, fast 150 Jahre hindurch eine halbe Ruine blieb. Das Wüten der Türken hatte sich auch gegen einen überlebensgroßen Kruzifixus gerichtet, der über dem damaligen Hochaltar hing. Sie schlugen ihm das Haupt ab und warfen es in die Traisen. In den &amp;quot;Annales Andreani&amp;quot; wird berichtet, dass dieses eine Zeitlang flussabwärts, dann flussaufwärts zurück zur Kanonie geschwommen sei, wo man es aus dem Wasser fischen und auf einen neugeschnitzten Körper aufsetzen konnte. Dem heiligen Haupt seien daraufhin Bart und Haare gewachsen und es habe unter zahlreichen Wundern gezittert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der moralische Niedergang war unfassbar; er fand in der Person des Propstes [[Christoph Rein]] (1563–1575), dessen Lebenswandel geradezu als Paradigma der Epoche zu bezeichnen ist, seinen Tiefpunkt. Rein lebte nacheinander mit drei Konkubinen zusammen; er wurde gewalttätig und schoss sogar um sich, als ihn ein Passauer Offizial gefangennehmen wollte. Selbst die vorübergehende Ausnüchterung im Gefängnis von Greifenstein führte nicht zu seiner Besserung. Eine riesige Verschuldung des Klosters, Veruntreuung von Waisengeldern, Verwüstung der Kircheneinrichtung – all das waren die Begleiterscheinungen des Lebenswandels dieses im Jahre 1563 berufenen Propstes. Selbst von dem einzigen Konventualen, der damals im Kloster verblieben war, heißt es, er sei ein wilder, gottloser Schwärmer gewesen, der vor jedem Gottesdienst zur Stärkung &amp;quot;ein seitl prandtwein ausgetrunken&amp;quot; habe. Erst der Tod Christoph Reins und die vom Kaiser selbst veranlasste Postulierung eines gebildeten Wiener Geistlichen, Matthäus Reinfall, beendeten das unmoralische Regiment.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Zweite Blütezeit und barocke Ausbauphase===&lt;br /&gt;
Mit dem tüchtigen Prälaten [[Stephan Stengelmayer]] (1656–1671), der aus dem Konvent der St. Pöltner Chorherren stammte, setzte wieder eine Periode des wirtschaftlichen Aufstiegs ein. Geschäftstüchtig, wie der geborene Bayer war, veranlasste er den schwachsinnigen Sohn des kaiserlichen Hofbuchhalters Leiss von Laienburg zum Eintritt in das Kloster, wobei er ihn verpflichtete, sein ganzes Vermögen dem Stift zu übertragen. Mit Hilfe dieses Geldes konnte Stengelmayer nicht nur den Besitz des Klosters und dadurch dessen Einnahmen vergrößern, sondern auch die Kirche einigermaßen renovieren und neue zweistöckige Gebäude mit Wohnungen und Vorratsräumen erbauen lassen. So bekam die Klosteranlage jenes Aussehen, das uns von dem Vischerschen Stich aus dem Jahre 1672 bekannt ist. Als Stengelmayer starb, wurde er, der aus dem schon verfallenden Kloster wieder die Stätte einer blühenden geistlichen Gemeinschaft gemacht hatte, vor dem damaligen Hochaltar der Stiftskirche begraben, und zwar neben dem Grabmal Walthers von Traisen. Auf seiner Grabplatte, die sich hinter dem heutigen Hochaltar befindet, wird er nach Otto III. und Walther als &amp;quot;Tertius fundator&amp;quot; bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Blütezeit wurde jäh durch den Türkeneinfall des Jahres 1683 unterbrochen. Bald nach Beginn der Belagerung Wiens drangen die Streitseharen der Osmanen auch über Gutenbrunn bis St. Andrä vor. Der damalige Propst [[Ivo Teschenbauer]] (1680–1698), ein gelehrter Jurist und ehemaliger St. Pöltner Chorherr, hatte sich gerade bemüht, die unter seinem unmittelbaren Vorgänger [[Matthias von Blauenstein]] etwas gelockerte Disziplin und eine neuerliche Verschuldung abzubauen – Blauenstein hatte das Leben eines unbekümmerten Edelmannes geführt –, als seine Tätigkeit durch einen heranstürmenden Tatarentrupp unterbrochen wurde. Die &amp;quot;Annales Andreani&amp;quot; wissen darüber folgendes zu berichten: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Nachdem die Tataren die Tore der Kanonie aufgebrochen hatten, metzelten sie alle Menschen nieder, die sie dort vorfanden. Einige Bewohner retteten sich in den Turm der Kirche. Da sie aber vergessen hatten, das Tor zu schließen, wurden sie von den Verfolgern eingeholt und in Stücke geschlagen. Reichlich floss das Blut, überall, vom höchsten Teil des Turmes zum Fußboden herab. Überall lagen die Leichen der Getöteten herum, in den Weinkellern rings um die Fässer, in der Küche und in den Werkstätten; niemand überlebte das Gemetzel, sodass die schon stinkenden Leichname lange nicht begraben werden konnten. Die Barbaren schleppten das ganze Getreide aus dem Speicher ins türkische Lager, vergossen den Wein aus den aufgebrochenen Fässern, verstreuten die Dokumente des Archivs über den Innenhof und zertraten oder zerrissen sie mit den Hufen der Pferde.&amp;quot; (Übers. I. S.)&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Auch das Grabmal des Klostergründers Walther von Traisen wurde von den Türken auf der Suche nach Schätzen völlig zerstört und eine alte Marienstatue aus dem Jahr 1360 wurde schwer beschädigt; sie ziert heute – weitgehend wiederhergestellt und barockisiert – den mittleren Altar auf der Epistelseite der Kirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Chronik heißt es weiter: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Nachdem die Türken alles in der Kanonie geplündert und zerstört hatten, legten sie das ganze Kloster in Schutt und Asche, sodass es dem verwüsteten Troja ähnlich war. Nur die Mauern und das Gewölbe der Kirche blieben stehen; dieses aber benützten die Türken als Pferdestall&amp;quot;.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Ivo flüchtete nach St. Nikola bei Passau, seine Mitbrüder fanden im Stift Melk Zuflucht. Nach dem Abzug der Türken kehrten sie per Schiff über die Donau heim. Der Anblick der ungeheuren Schäden und die drohende wirtschaftliche Not ließen den Prälaten fast verzweifeln. In seiner Bedrängnis fand er im Schutt des verwüsteten Kirchenbodens eine Silbermünze, die den Patron Andreas mit der Aufschrift &amp;quot;Sanctus Andreas reviviscens&amp;quot; zeigte. Dieser &amp;quot;Fingerzeig Gottes&amp;quot; ließ den Propst wieder Mut fassen; gemeinsam mit der überlebenden Bevölkerung schritt er an die Beseitigung der größten Schäden, versah die Ruinen mit neuen Dächern und konnte aufgrund einer überreichen Ernte sowohl Getreidespeicher als auch Weinfässer wieder auffüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Katastrophe der Türkenjahre setzte unter seinem Nachfolger, Propst [[Augustin Erath]] (1698–1719), die barocke Ausbauphase ein. Erath gehörte zu den gebildetsten Männern des damaligen Klerus; er war bis zu seiner Berufung Bibliothekar des Fürstbischofs Joseph Dominicus von Lamberg von Passau gewesen. Gleich in den ersten Jahren seiner Regierung begann er mit dem Neubau der Klostergebäude, die ja nur notdürftig wiederhergerichtet worden waren. 1705 war das neue Stiftsgebäude unter Dach. In den Innenräumen des Komplexes, der den ehemaligen Kreuzgang miteinbezog, kann man heute noch die prächtigen Stuckarbeiten bewundern, mit denen der Prälat die Decken ausschmücken ließ. In den Gebäuden waren 33 Räume untergebracht, darunter die 1705 fertiggestellte, gut ausgestattete Bibliothek. Über der Prälatur, die über eine Prunkstiege zu erreichen war, gab es im zweiten Stock einen Gesellschaftsraum mit Spieltisch, Elfenbeinkugeln und Stöcken – also ein Billardzimmer. Eine alte, ehemals gotische Kapelle, die heutige Annenkapelle, wurde zur Begräbnisstätte der Pröpste umgebaut; sie beherbergt auch das Grab Augustin Eraths.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächste Sorge des Propstes galt der alten, sehr verwahrlosten Kirche. Sie war in ihrer Substanz beinahe 700 Jahre alt und konnte schon lange nicht mehr den Ansprüchen des Stiftes genügen. Bereits 1702 hatte Erath mit dem Umbau des romanischen Turms begonnen, dessen Dach er abtragen und durch eine Kuppel mit dem kaiserlichen Doppeladler auf der Spitze ersetzen ließ. Allerdings reichten seine Mittel für einen Neubau der Kirche nicht aus. Er schmiedete 1711 lediglich Pläne dafür, deren Ausführung er seinem Nachfolger überließ. Dem Nachfolger Eraths, [[Anton von Ruckenbaum]] (1719–1745), dem hochgebildeten Sohn eines begüterten Wiener Ratsherrn und bisherigen Dechanten des Stiftes, fiel es nichl leicht, das Vermächtnis seines Vorgängers zu erfüllen. Erst der aufmunternde Rat seines Freundes, des großen Bauherrn Berthold Dietmayr von Melk, war für ihn ausschlaggebend, das große Werk eines Kirchenneubaus in Angriff zu nehmen. Am 3. Mai 1726 erfolgte die Grundsteinlegung, am 16. Juli 1729 wurde die neue Kirche durch den Bischof von Passau Joseph Dominik Graf Lamberg geweiht. Im Alter ging der so erfolgreiche Propst noch einer schweren Zeit entgegen. Durch Krankheit an beiden Beinen gelähmt, musste Ruckenbaum 1741 den Einfall der Franzosen und Bayern in Österreich erleben. Dabei wurde auch das Kloster von St. Andrä nicht verschont und zu einer hohen Kontributionszahlung verhalten. Da der Propst diese nicht leisten konnte, wurde er trotz seines schlechten Gesundheitszustandes als Geisel nach St. Pölten verschleppt. Erst als Gottfried Bessel, der Abt von Göttweig, helfend einsprang und die Summe erlegte, ließ man den alten, kranken Mann frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anton von Ruckenbaum scheint das Wunder vollbracht zu haben, die schöne Kirche, wie sie sich uns heute noch präsentiert, ohne Verschuldung der nicht sehr reichen Kanonie zu errichten. Auf der linken Seite der Kirchenvorhalle ist seine Grabplatte angebracht, deren Inschrift besagt, Ruckenbaum habe das Gotteshaus mit großem Fleiß und ohne Belastung für das Stift von Grund auf erbaut. Der Nachfolger Ruckenbaums, [[Leopold Franz Nickel]], regierte zwar nur fünf Jahre, doch war seine Wirtschaftsführung derart verschwenderisch – unter anderem ließ er nach dem Vorbild adeliger Schlösser eine Orangerie anlegen –, dass die von ihm hinterlassene Schuldenlast den kaiserlichen Hof veranlasste, das Stift vom Jahr 1751 an unter die Oberadministration der Herzogenburger Pröpste zu stellen. Zunächst wurde die Administration dem Herzogenburger Propst [[Frigdian Knecht]] übertragen, dann folgten die Dechanten [[Jakob Gruber]] und [[Joachim Gerstorffer]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1751 besaß St. Andrä 335 Untertanen. Das Stift übte damals auch noch die Dorfgerichtsbarkeit aus, während die Landgerichtsbarkeit, vor allem was die Blutsgerichtsbarkeit betraf, dem Adel vorbehalten blieb. Im Jahr 1767 kam es noch einmal zu einer Prälatenwahl, gewählt wurde [[Gregor Grindler]]. Er starb am 9. April 1783 und schon am 16. August 1783 wurde die Aufhebung und Unterstellung St. Andräs unter Herzogenburg mittels Dekret angeordnet. Aufschluss über den Zustand des Klostergebäudes zur Zeit der Aufhebung geben Eintragungen in die Inventare von 1783 und 1785:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Kirche: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Diese ist zimlich gros, von guter Bauart, und durchaus gewölbt, und einer Orgel, hält in sich einen hohen, und 6 Seitenaltäre, darneben ist vorhanden eine Todenkapelle mit 1 Altar, dann in der Höhe ein klenes Altärl für den Prälaten, und einige Bilder. Auf dem Thurm nebst den Glocken eine Thurmuhr.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Zum Stiftsgebäude: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Von zimlich gutem Baue ganz ordinair, worinn 33 mittere Zimmer mit Oefen, ein grosses Billardzimmer mit einem Ofen, eine Archivkammer, ein grosses Bibliothekzimmer (...), ein Kanzleyzimmer mit Ofen, ein Refectorium, ein grosses Tafelzimmer, ein kleines Salettel, über der Prälatur im 2ten Stock ist statt der Zimmer ein Behältniß, oder Schüttkasten für die Körner, eine Salzkammer, eine Pfisterery (...), eine Eisenkammer, zwo Mahlkammer, eine Brodkammer, eine grosse Stiftsküche nebst einem Zimmer, ein Arrest, eine Thorwärterswohnung nebst einem Nebengebäude, das alte Stift genannt von einem Stockwerke hoch, bestehend dermal in 2 grossen Behältnissen zum Früchten schütten, dann eine Weinpresse, nebst dem wohlgebauten Gartenhauß im Ziergarten, und samt dem Schulhause, und Mayerhofsgebäude, worinn die Wohnung des Beamten und der Mayerleute nebst den darbey befindlichen Stadel, Schupfen, und Stallungen wird geschätzt alles zusammen auf 1.500 fl.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der Aufhebung 1783 bis zur Gegenwart=== &lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung des Stiftes St. Andrä stand das Gebäude ab dem Jahre 1795 leer. Der Pfarrer übersiedelte in den Meierhof, der noch heute als Pfarrhof dient. In den Jahren 1797 und 1801 trat die Regierung an den Propst von Herzogenburg heran mit dem Ersuchen um Überlassung des Stiftsgebäudes als Kaserne. Von 1805 bis 1809 wurde das Gebäude als Lazarett verwendet. Durch kaiserliche Entschließung vom 23. Jänner 1826 wurde das Kloster St. Andrä mit allen seinen Gülten dem Stift Herzogenburg übertragen. Im Jahre 1828 wurde das Stiftsgebäude um 8.000 Gulden an den Staat verkauft und noch im selben Jahr dem Armenfonds der Stadt Wien übergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Juli 1828 fand die Eröffnung des kaiserlich-königlichen Versorgungshauses für 300 verarmte Wiener jeden Alters und Geschlechts statt. Am 16. April 1853 brach in Folge der Unachtsamkeit eines Pfleglings im Versorgungshaus ein Brand aus. Die Flammen drangen von der Laterne in die Kuppel ein und verwüsteten den Turm vollständig. Glücklicherweise blieb die Kirche selbst fast unversehrt. Mangels finanzieller Mittel behalf man sich damals mit einer Kirchturm-Notbedachung, die &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bis heute unverändert&amp;lt;/span&amp;gt; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 1924 bis 1938 gab es die Gemeinde Neu St. Andrä, die aus parteipolitischen Gründen von St. Andrä getrennt wurde und nur aus dem Versorgungshaus und einem eigenen Bürgermeister bestand. In der nationalsozialistischen Zeit kam es auch zu einer baulichen Abgrenzung des Heimes gegenüber der Kirche. Die Verwaltung ließ die Anstaltskapelle und den Kreuzgang, die im Besitz des Versorgungsheimes standen, räumen, sie wurden in der Folge als Magazin genützt. Mitte der sechziger Jahre begann eine Zeit der Modernisierung und der Erweiterung des Hauses. Die den Innenhof auf der nördlichen Seite begrenzenden alten Werkstätten wichen einem dreigeschossigen Neubau, der sich architektonisch dem Altbestand unauffällig angleicht. Aufgrund der Aufgabenstellung, vermehrt kranke alte Menschen zu betreuen, erfolgte 1974 die Änderung der Anstaltsform von einem Altersheim zu einem Pflegeheim. Am 14. Juli 1978 fand ein großer Festakt anlässlich der 150-Jahr-Feier als Heim der Stadt Wien statt. Die renovierte Kapelle wurde vom Propst des Stiftes Herzogenburg, Prälat [[Clemens Moritz]], geweiht und damit ihrer ursprünglichen Bestimmung wieder übergeben. Seit diesem Zeitpunkt finden hier regelmäßig Gottesdienste statt. Der gleichfalls renovierte Kreuzgang entwickelte sich immer mehr zum Aufenthaltsbereich und Kommunikationszentrum für Patienten und für kirchliche Veranstaltungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Zu dem ursprünglichen Besitz, der im engeren Kreis um die Gründungsörtlichkeit lag und aus den Dörfern St. Andrä, Baumgarten, Hasendorf, Moos und Waltendorf bestand, kamen im Laufe des 12. Jahrhunderts weiter entfernte Güter dazu. So schenkte Otto von Rechberg und Lengbach die beiden Dörfer Trandorf und Zeiring am Jauerling, einen Meierhof in Unterstockstall mit fünf Lehen, ferner zwei Lehen in Neulengbach und einen Weingarten und Ackerland im benachbarten Walpersdorf dem Kloster. Im 13. und 14. Jahrhundert konnte der Besitz weiter vermehrt werden, und zwar durch Schenkung, Kauf und Tausch. Im Viertel unter dem Wienerwald hatte St. Andrä Weingärten bei Klosterneuburg, Höflein und St. Veit erworben. Im Viertel ober dem Wienerwald wurden die nahegelegenen Ortschaften Angern, Hameten und Unterwinden aufgekauft neben einigen Häusern in Oberwinden, Reidling, Gumperding sowie Herzogenburg. Auch kamen Besitzungen um St. Pölten dazu, wie Mamau, Kilb an der Mang, bei Pyhra, Wilhelmsburg, Kasten bei Altlengbach, Waasen bei Kirchstetten und Penzing bei Rappoltenkirchen. Im Viertel ober dem Manhartsberg kamen Besitzungen am Jauerling und im Viertel unter dem Manhartsberg solche in Unterstockstall, Amonsthal und Fels am Wagram in die Hand des Klosters. Im 17. Jahrhundert gestattete die durch die Erbschaft des Ferdinand Leiss geänderte Vermögenslage dem Stift, neue Güter zu erwerben, so die des ehemaligen [[Stift Schrattenthal|Chorherrenstiftes Schrattenthal]] bei Retz und die Herrschaft Blumau im Waldviertel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der Besitz des Klosters stand ursprünglich unter der Vogtei Ottos von Rechberg und Lengbach. Im Jahre 1235 erlosch mit Otto V., von dem es heißt, dass er erschlagen wurde, die männliche Linie der Lengbacher. Das Vogteirecht ging in die Hand des Landesfürsten über, in dessen Vertretung später der Burggraf von Leng(en)bach erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die sozialen Verhältnisse im Stift waren sehr wechselhaft. Nach einem Verfall des Klosterlebens während der Reformation – im Jahre 1561 wird berichtet, dass nur noch zwei Konventualen, zwei Konkubinen, ein Eheweib des Propstes [[Benedikt]] und sieben Kinder anwesend waren – erholte sich der Personalstand unter den tüchtigen Barockvorstehern Erath und Ruckenbaum wieder und stieg auf zwölf Mitglieder. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde unter [[Gregor Grindler]], dem 1772 die Spiritualadministration entzogen wurde, ein neuerlicher Tiefstand erreicht, was schließlich zur endgültigen Einverleibung St. Andräs in das Stift Herzogenburg führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Romanische und gotische Bauphase===&lt;br /&gt;
Den ältesten Bauteil, der allerdings nicht mehr aus der Gründungszeit stammt, sieht man, wenn man über den Friedhof zur Westseite der Kirche geht. Der dort dem Kirchenschiff in nicht gänzlich achsialer Stellung vorgesetzte Turm zeigt ein gekuppeltes Rundbogenfenster mit ornamentalem Säulenkapitell, das unzweifelhaft als romanisch erkennbar ist. Auch aus dem im Jahre 1959 von Adalbert Klaar angefertigten Baualterplan der Kirche geht hervor, dass der Baubestand des dreigeschossigen Turmes fast vollständig romanisch ist; lediglich der oberste Teil wurde um das Jahr 1702 barockisiert und mit einem Zwiebelhelm versehen, den allerdings seit 1853 – nach einem Brand – ein recht unpassender Spitzhelm ersetzt. Die Basilika von St. Andrä war ursprünglich eine romanische Westturmkirche. Da sich der Altar bis zum barocken Neubau auf der Ostseite befand, betrat man die Kirche von der Turmseite aus. Der Turm diente also – wie damals üblich – zum Schutz dieses ursprünglichen Eingangs. Die ganze Anlage erscheint als eine verkleinerte eintürmige Variante des romanischen Westwerks vom Wiener Stephansdom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Will man die Frage nach der architektonischen Anlage des ehemaligen Langhauses beantworten, muss man davon ausgehen, dass die in gotischer Zeit vorgenommenen Umbauten meistens die romanischen Grundformen beibehielten. Augustin Erath, der Annalist aus dem 18. Jahrhundert, kannte noch das Aussehen des gotischen Gotteshauses und bestätigt dessen romanische Struktur. Er schreibt nämlich, das beinahe 700 Jahre alte Gebäude weise einen antiquierten Baustil auf; das Innere sei sehr dunkel, deshalb habe er die Bögen der zwei Seitenaltäre verbreitert und höher gesetzt, um bessere Lichtverhältnisse zu schaffen. Aus dem Vorhandensein solcher seitlicher Chorbögen ist abzuleiten, dass der Kirchenraum dreischiffig angelegt war. Die ursprüngliche Niedrigkeit dieser Bögen lässt also auf einen Weiterbestand der romanischen Anlage bis ins 18. Jahrhundert schließen. Überdies erkennt man auf dem Vischerschen Stich aus dem Jahr 1672 das niedere Dach des Seitenschiffes auf der Nordseite der Kirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Hochaltar stand etwa um die Mitte des 14. Jahrhunderts eine hölzerne Marienstatue mit dem Jesusknaben auf dem Arm, die heute ihren Platz auf dem Marienaltar gefunden hat und die nach neueren Forschungen in den Nahbereich von Werken des Wiener Michaelermeisters gebracht wird. Darüber befand sich ein überlebensgroßer hölzerner Kruzifixus. Dieser Altar wurde im Jahre 1529 von den Türken völlig zerstört; sie verstümmelten den Gekreuzigten und warfen ihn in die Traisen. Der Kopf der Figur wurde einige Zeit später wieder aufgefunden - er war angeblich den Fluss aufwärts geschwommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Klostergebäude selbst dürften in frühester Zeit aus Holz errichtet worden sein, wie das bis ins 13. Jahrhundert üblich war; lediglich Kirche und Kapitelsaal waren Steinbauten. Diese Bauweise dürfte die Ursache für die totale Einäscherung der Gebäude bei den mehrfach überlieferten Feuersbrünsten gewesen sein; allein im 13. Jahrhundert brannte das Kloster dreimal vollständig nieder. Aus der vorbarocken Klosteranlage stammt der ehemalige Kreuzgang, der einen kleinen Hof umschließt. Die gotischen Gewölbeformen sind noch zu erkennen, ebenso die Strebepfeiler an den Außenwänden. Unter Erath wurde der Kreuzgang zur Gänze überbaut, sodass die Öffnungen zum Innenhof nun durch Fenster verschlossen sind; die Kreuzrippengewölbe wurden mit Blütenstuck überzogen. Eine besondere Kuriosität stellt innerhalb des Klosterkomplexes jene Kapelle dar, die eine Zeitlang der hl. Anna geweiht war, seit ca. 1690 der Allerseelenbruderschaft gewidmet ist und als Grabkapelle der Pröpste diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1978 begann die Renovierung und Revitalisierung von Kreuzgang und Kapelle und das Bundesdenkmalamt führte Grabungen durch, wobei nicht nur Fundamente aus der romanischen Epoche freigelegt, sondern auch die Gräber der Pröpste [[Judinus]] und Erath entdeckt wurden. Die Deckenfresken der Kapelle (Allegorien zum Messopfer und im vorderen Teil schwierig zu deutende Emblemata) mit üppigen, italienisch anmutenden Stuckverzierungen, befanden sich in einem sehr guten Zustand, da keine Übermalung stattgefunden hatte. Im rückwärtigen Teil der Kapelle wurden gotische Bauelemente frei sichtbar belassen. Die reiche Ausstattung des an sich kleinen Raumes lässt auf eine größere Bedeutung in früherer Zeit schließen. In der Chronik wird er als mittelalterliche &amp;quot;Kapitelkapelle&amp;quot; bezeichnet, für die es immer wieder Stiftungen gegeben hat. Das Bauwerk muss in seinem Grundriss auf die romanische Andreaskapelle zurückgehen, um die herum die ersten Klostergebäude errichtet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Barocke Bauphase=== &lt;br /&gt;
St. Andräs heutige Gestalt stammt aus der Zeit nach der Türkenbelagerung. Im Jahre 1683 hatten sowohl das Kloster als auch das Gotteshaus arge Verwüstungen erlitten, die in den folgenden Jahren nur notdürftig behoben wurden. Erst Augustin Erath, der 1698 die Leitung des Stiftes übernahm, begann 1702 mit dem Neubau der Klostergebäude, den er 1705 abschloss. Eine Inschrift oberhalb des Eingangs in die Prälatur, deren Deckenstuck vor kurzem restauriert wurde, trägt dieses Datum. In diese Zeit fällt auch die Errichtung des reich stuckierten Refektoriums sowie der Gerichtsstube, die ebenfalls mit Deckenstuck (Rechtssymbole) ausgestattet ist. Beide Räume sind heute noch in sehr gutem Zustand erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Propst beabsichtigte auch den Wiederaufbau der halb verfallenen Kirche; deshalb ließ er zunächst 1701/02 den Turm erhöhen und neu bekrönen. Dass die Neugestaltung des Turmes Jakob Prandtauer oblag, geht aus einem Dokument aus dem Herzogenburger Stiftsarchiv hervor, das die charakteristischen Schriftzüge Prandtauers und die Eigenheiten seiner Orthographie zeigt: &amp;quot;Beileiffigen Iberschlag zu den Khirch-durem gebei. zu St. Andtree.&amp;quot; Um das total verwüstete Stift größer und schöner zu gestalten, schuf Erath einen Platz als neuen Mittelpunkt der Anlage, und zwar auf dem Areal des alten, damals noch hinter der Kirche befindlichen Friedhofs, und errichtete dort eine figurenreiche Mariensäule. Vieles spricht dafür, dass Jakob Prandtauer auch mit der Planung für die Kirche beauftragt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1709 berichtete Erath in seinen &amp;quot;Annalen&amp;quot;, er habe eine Entwurfszeichnung für den Umbau der Kirche in Händen, den er leider noch nicht verwirklichen könne. Das Wesentliche daran war die Umorientierung von Eingang und Hochaltar, wie sie später, nämlich 1729, tatsächlich vorgenommen wurde. Nach diesem Plan sollte aber der alte Baubestand nicht niedergerissen, sondern nur durch Ummantelung der Pfeiler neu gestaltet werden. Unter Eraths Nachfolger, Anton von Ruckenbaum, erfolgte am 3. Mai 1726 in Gegenwart des St. Pöltner Propstes Michael Führer die Grundsteinlegung, am 16. Juli 1729 wurde das neue Gebäude - allerdings noch ohne Innenausstattung - durch den Bischof von Passau, Joseph Dominik Graf Lamberg, geweiht. Ruckenbaum hatte entweder einen neuen Entwurf oder eine völlige Umarbeitung des ursprünglichen Prandtauer-Planes anfertigen lassen, die bis auf Teile der Nordmauer eine Neuerrichtung und zugleich eine Verlängerung des für das inzwischen vergrößerte Kloster offensichtlich zu bescheidenen Kirchenschiffes um ein Joch zur Folge hatte. Die Längenerweiterung bedingte allerdings eine geringfügige Achsenverschiebung nach Süden, die durch die Lage der damals knapp nordöstlich der alten Kirche befindlichen, auf die romanische Andreaskapelle zurückgehende Annenkapelle erzwungen wurde. Offensichtlich wagte man es nie, am Grundriss der ehrwürdigen &amp;quot;Kapitelkapelle&amp;quot; Änderungen vorzunehmen. Auch heute verlaufen ihre Mauern in der Längsrichtung nicht parallel zum Kirchenschiff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 14. August 1729 heiratete der aus dem Waldviertel stammende Baupolier Leopold Wißgrill in der Stiftskirche von St. Andrä, wobei im &amp;quot;Tauf- und Heiratsbuch von St. Andrä&amp;quot;, das sich heute im Diözesanarchiv von St. Pölten befindet, unter dem genannten Datum der Zusatz vermerkt ist: &amp;quot;...diese Brautleute waren die ersten, so in der neuen Kirch sind copulirt worden.&amp;quot; Wißgrill genoss wohl deshalb den Vorzug, in dem noch unfertigen Gotteshaus heiraten zu dürfen, weil er bereits damals jene Funktion eines Baupoliers ausübte, die er unmittelbar nachher beim Umbau des Stiftes Altenburg im Dienste Munggenasts innehatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Verlegung des Kircheneingangs zum neugeschaffenen Vorplatz hin ergab sich nun die Notwendigkeit, über dem Portal eine repräsentative Schauwand zu errichten. Diese imposante Fassade wächst in drei nach oben stufenweise sich verjüngenden Geschoßen empor; sie ist dem eigentlichen Baukörper vorgeblendet und wirkt infolge schwacher Risalitbildung ungemein flächig. Die beiden unteren Geschoße verbindet eine Riesenpilasterordnung zu einer aufwärtsstrebenden Einheit, die allerdings durch einen Dreiecksgiebel über dem Portal unterbrochen wird. Über das zweite Geschoß legt sich, deutlich abgesetzt durch ein Gesims, das schmale, geschwungene Giebelgeschoß. Der strenge Aufbau der Fassade wird durch dekorative Elemente gemildert: Wir finden große gerahmte Fenster, in Nischen stehen Heiligenstatuen – oben Petrus und Paulus, darunter Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist –, das Giebelfeld zeigt ein Reliefbild mit dem Martyrium des Kirchenheiligen und auf den Voluten der Seitenteile sitzen weibliche Allegorien von Glaube und Hoffnung, den Giebel bekrönt das brennende (vergoldete) Herz der Liebe, zugleich auch Symbol für den Ordensvater Augustinus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besondere Bedeutung kommt dem Portal zu: Zwischen übereck gestellten Säulen, die ein mit der Giebelrundung korrespondierender Segmentbogen verbindet, begrüßt die Besucher die Madonna mit dem Jesuskind. Im Gegensatz zur Wandfläche ist die Portalzone also plastisch durchkomponiert. Das Portal von St. Andrä erinnert an den Hochaltar der nahen, von Munggenast barockisierten Pfarrkirche von Pottenbrunn. Wir finden auch dort die übereck gestellten, ein Bildnis rahmenden Säulen mit hohem Gebälk, hinter dem sich zwischen doppelten Segmentbögen der Auszug wölbt. Auch zu Dürnstein findet sich eine Beziehung: Die ursprüngliche Farbgebung der Stiftskirche von St. Andrä, die im Jahre 1894 bei einer Renovierung verändert wurde, war in Blaugrau, Weiß und Dunkelgrau gehalten, eine Mischung, die das Bundesdenkmalamt ebenso am Dürnsteiner Kirchturm festgestellt und bei der letzten Restaurierung zur Anwendung gebracht hat. Der Umstand, dass zur Ausschmückung von St. Andrä ebenso wie in Pottenbrunn vorwiegend St. Pöltner Künstler und Handwerker herangezogen wurden – wie etwa die Stukkateure Johann Pöckh und Christoph Kirchner – untermauert weiters die Autorschaft Munggenasts an der Architektur. Dem St. Pöltner Bildhauer Peter Widerin sind sicherlich der größte Teil der Fassadenpl astik und auch mehrere Skulpturen des Innenraums zuzuschreiben, obwohl als einziger Beweis für seine Beteiligung an der Dekoration eine Rechnung über &amp;quot;vier Kindln&amp;quot; vorliegt. Mit Sicherheit stammt jedenfalls auch die Plastik des seitlichen Marienaltares von Peter Widerin. Zu Seiten der gotischen Madonnenstatue knien hier große vergoldete Engel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Stiftskirche war aber noch ein anderer hervorragender Bildhauer tätig. Der Schalldeckel der holzgeschnitzten, mit schwerer Vergoldung prunkenden Kanzel zeigt den Kirchenvater Augustinus, der zwei zu seinen Füßen gekrümmte Ketzer in die Tiefe stürzt, während die Bekehrten (hier als Indianer dargestellt) verklärend zu ihm aufblicken. Den Kanzelkorb ziert ein vergoldetes Relief, das Innere der Kirche von S. Ambrogio in Mailand darstellend, in der der Kirchenvater Ambrosius predigt und unter dessen Zuhörern sich vermutlich der junge Augustinus befindet. Nach vor kurzem entdecktem und ausgewertetem Archivmaterial ist es nun erwiesen, dass der Passauer Bildhauer Joseph Mathias Götz Schöpfer der Kanzel war. Außerdem befindet sich unter den Kunstsammlungen des Stiftes Herzogenburg eine von Götz verfertigte Holzfigur Johannes' des Täufers, die aus St. Andrä stammt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den Handwerkern und Künstlern, die gleichzeitig für St. Andrä und Pottenbrunn tätig waren, finden wir auch den Maler Johann Georg Schmidt, der in Pottenbrunn das Hochaltarbild und in St. Andrä drei Seitenaltarbilder – hl. Nikolaus, hl. Augustinus und die Glorie des hl. Johannes Nepomuk – sowie das Fresko über der Orgelempore geschaffen hat. St. Andräs schönster Schmuck sind die Fresken und Altarbilder Paul Trogers, deren Entstehung von Wanda Aschenbrenner um 1730/31 datiert wird. Von der Tätigkeit des großen Malers in der Stiftskirche ist nur eine Rechnung erhalten, die sich auf das Altarblatt &amp;quot;Heilige Dreifaltigkeit&amp;quot; auf einem Seitenaltar bezieht. Vermutlich aus der Trogerschule hervorgegegangen ist das Ölbild im Presbyterium, die Berufung der Brüder Petrus und Andreas durch Jesus am See Genezareth, sowie ein Seitenaltarbild, Maria und Anna. Vom neapolitanischen Maler Luca Giordano stammt das rechte Ölbild im Presbyterium, die Abnahme des hl. Andreas vom Kreuz. Trogers Hauptarbeiten aber leuchten – von dem ihm zugeschriebenen Hochaltarbild &amp;quot;Kreuzigung des hl. Andreas&amp;quot; abgesehen – von der Decke. Es handelt sich um sechs Platzlfresken (das letzte Fresko – König David spielt auf der Harfe – wurde von Johann Georg Schmidt geschaffen), deren spektakulärstes in einem weit geöffneten, von strahlendem Licht erfüllten Himmelsraum den auferstandenen, von jubelnden Engelscharen umgebenen Christus über Sünde, Tod und Teufel triumphieren lässt. Die herrlichen Farben haben ihre Leuchtkraft seit der Entstehungszeit unverändert bewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Drei Jahre nach der Einverleibung von St. Andrä nach Herzogenburg, am 14. September 1786, forderte die Niederösterreichische Landesregierung die unverzügliche Einsendung der Bücher – ohne Ausnahme – mit einem Bibliothekskatalog. Der barocke Bibliotheksraum des Andräer Klosters befand sich in unmittelbarer Nähe der Prälatur, im l. Stock des Hauses über dem Refektorium. Der Raum besteht heute noch, mit dem originalen frühbarocken Steingewände, Büste und Jahreszahl 1705 über dem Eingang. In der Leichenpredigt über Propst Augustin Erath wird die Ausstattung mit schönen und sinnreichen Gemälden sowie mit auserlesenen Büchern gepriesen. 50 Jahre später, um 1770, fällt die Beschreibung der Bibliothek von St. Andrä durch Adalbert Blumenschein eher negativ aus. &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;In diesem von dem zuerstgedachten [Stifte Herzogenburg] eine Viertelstunde über den Fluss Traysen entfernten, denen Geistlichen von dem nämliche Orden zuständigen Stifte besteht die Büchersammlung beyläuftig aus 5.000 Bänden. MSS [Manuscripte] sind keine, wohl aber von Autorib[us] classicis eine gute Anzahl vorhanden, deren die meisten aus der hochfürstl[ichen] Bibliothek zu Passau durch den dasigen Propsten Augustin Erath (welcher ehedessen Bücheraufseher ersagter Residenz gewesen) hierher gekommen, oder nach der Redensart der Geistlichen, so mich dahin geführet, dortselbst gestollen worden. Die Repositorien sind alt, und blau angestrichen. Die Decke ist niederig und mit einigen Sünnbildern schlechthin bemalen. Bey den oberen Fenstern hanget ein gemahltes Buch; oberhalb solcher steht geschrieben: 'Tolle, Lege', in dem Buch selbst 'Liber vite', und unterhalb demselben 'Legentibus assero Vitam'. Linkerhand befinden sich beim Herausgehen in einem Nebenzimmer die Doubletten, und etliche andere Bücher, die jedoch von gar keiner Erheblichkeit sind.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Im Aufhebungsinventar vom 11. September 1783 wird die Bibliothek folgendermaßen beschrieben: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;... in welcher sich unterschiedliche überhaupt gute Bücher von besten Authoren dem geistlichen Fache nach befinden, 3072 Stück nebst einer Anzahl minderen Gattungen und Aßzeten, wie in dem Catalog zusammengetragen zu finden...&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;quot;Catalogus Bibliothecae Sand-Andreanae&amp;quot;, angelegt unter Propst Augustinus Erath (1698–1719), wurde bis zum Tod des vorletzten Propstes Leopold Nickel (1751) geführt. Er befindet sich heute im Stiftsarchiv Herzogenburg. Der überwiegende Teil der Bücher ist in lateinischer Sprache abgefasst, das Erscheinungsjahr liegt hauptsächlich im 17. Jahrhundert, was allerdings nicht gleichbedeutend mit dem Zeitpunkt der Erwerbung sein muss. Schriften, die sozusagen zur liturgischen Grundausstattung gehören, wie Bibeln, &amp;quot;omnia opera&amp;quot; des Ordensvaters Augustinus, Predigten, Lektionare, Heiligenviten, Psalterien, Werke der Kirchenväter, Mystiker und Humanisten sind natürlich Hauptbestandteil des Catalogus. Die &amp;quot;Historia sacra&amp;quot; war ebenso vertreten wie die &amp;quot;Historia profana&amp;quot;. Eine beachtliche Anzahl von medizinischen Werken, Bücher über Heilpflanzen und Kräuter, Hilfe bei der Krankenbetreuung – also alles, was für die Infirmarien notwendig ist – scheinen ebenfalls auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unentbehrlich waren die neuesten Werken der Architektur von Vitruvius, Palladio und Andrea Pozzo, wobei die Werke des Letzteren sicherlich Vorbild für die Ausgestaltung des barocken Kirchenraumes von St. Andrä waren. Auch einige protestantische (vielleicht sogar konfiszierte?) Schriften sind erfasst, wie etwa die Folioausgabe von Martin Luther, 12 Bde., Jena 1575. Bücher mit dem Andräer Besitzvermerk lassen sich in der Universitätsbibliothek Wien nachweisen. Im Bibliothekskatalog sind auch einige Inkunabeln und Frühdrucke von unterschiedlicher Thematik verzeichnet, alle Nachforschungen bezüglich ihres Verbleibes verliefen bislang jedoch ergebnislos. Eine Bibel des aufgehobenen regulierten [[Stift St. Pölten|Chorherrenstiftes St. Pölten]] aus 1341 ist von Herwordus de S. Andrea illuminiert worden. Dessen künstlerische Fähigkeiten dürften sich also über die Klostermauern hinaus eines guten Rufes erfreut haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der älteste erhaltene Nekrolog des Stiftes, begonnen im 13. Jahrhundert, weitergeführt bis ins 15. Jahrhundert, befindet sich heute in der Österreichischen Nationalbibliothek. Die Eintragung unter dem 28. September lautet: &amp;quot;Waltherus, fundator huius ecclesiae.&amp;quot; Eine in der Vatikanischen Bibliothek liegende &amp;quot;Ysagoge iuris&amp;quot;, eine Einführung in das Kirchenrecht auf der Grundlage von Dekretalen, konnte vor einigen Jahren durch folgenden Besitzvermerk dem Kloster St. Andrä zugeordnet werden: &amp;quot;Iste liber est mo(naster)ii S. Andree c(is) Trays(enam).&amp;quot; Daraus kann man mit Sicherheit schließen, dass das kleine Kloster St. Andrä im ersten Viertel des 13. Jahrhundert eine Stätte der gelehrten Rechtspflege war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Mit ziemlicher Sicherheit kann man annehmen, dass ein Großteil des damals bestehenden Archivs von St. Andrä nach Herzogenburg gekommen ist, was gewiss ein Verdienst von Propst [[Michael Teufel]] war. Er hat &amp;quot;... für die Conservierung der Archive von St. Andrä und Dürrenstein, die nach Herzogenburg kamen, der Wissenschaft große Dienste geleistet.&amp;quot; Die früheste Erwähnung eines &amp;quot;Archivs&amp;quot; stammt aus dem Jahre 1566, wo die Rede von Stellen mit zwei Schubladen ist, in denen Briefe aufbewahrt sind. So erfährt man aus einem &amp;quot;Verzeichnüss&amp;quot; von 1592, dass in der Prälatur, wo sich auch die Kanzlei befand, ein Kasten stand, mit &amp;quot;allerlay missif, Aufsandtungen, Abschied, Verziecht, Quittungen, Inventarii, Verträg, Gerhabschaft, Raittungen und Acta.&amp;quot; Bis zur Aufhebung des Stiftes blieb das Archiv im Prälaturtrakt. Der in Inventarien öfter erwähnte Aufsatzschrank mit &amp;quot;Lädln&amp;quot;, worin die Stiftsbriefe und alten Schriften aufbewahrt wurden, befindet sich heute in den Archivräumen des Stiftes Herzogenburg. Beachtlich dezimiert wurden wichtige Verträge und Prozessakten bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als ein Andräer Klosteradvokat in Wien an Pest erkrankte und sämtliche Unterlagen aus Sicherheitsgründen verbrannt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umfangreich ist der Bestand an Urkunden und Akten des Amtes Unter-Wölbling, das durch Verkauf vom Benediktinerinnenkloster am Nonnberg in Salzburg über einige Adelsfamilien an das Stift St. Andrä kam. Als großen Glücksfall kann man es bezeichnen, dass ein so einzigartiges Stück wie das Diplom von Kaiser Otto III. mit Bleisiegel aus 998 unbeschädigt und gut lesbar erhalten ist. In das Kloster kam die Pergamenturkunde wahrscheinlich durch die Verwandtschaftsbeziehung des Gründers Walther von Traisen mit den Lengbachern und Rechbergern. Besondere Beachtung verdient auch ein Ablassbrief aus 1490 in Prunkausstattung mit reicher Ornamentik und echten Goldbuchstaben. 1798 wurden Verschläge für den Transport der Archivalien angefertigt und diese in das Stift Herzogenburg gebracht, wo der Bestand als eigener, getrennter Archivkörper besteht. Insgesamt setzt sich das St. Andräer Archiv gegenwärtig aus 332 Urkunden (davon sind 288 aus Pergament; die erste deutschsprachige ist aus 1301) in chronologischer Ordnung und etwa 280 archivalischen Büchern, wie Einreichprotokoll-, Waisenamts- und Rentamtsbücher, die sogar bis 1913 weitergeführt wurden, zusammen. Der Großteil der 225 Aktenfaszikel (die Zahl wird sich nach vollständiger Sichtung noch erhöhen) stammt aus dem 17. und 18. Jahrhundert, wenig aus dem 16. Jahrhundert. Personal- und Bauakten sind nur marginal vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur== &lt;br /&gt;
* Wanda Aschenbrenner / Georg Schweighofer: Paul Troger. Leben und Werk. Salzburg 1965.&lt;br /&gt;
* Gerhard Bittner: Baugeschichte und Kunstinventar der Sakralbauten des Gerichtsbezirkes St. Pölten. Diss. Univ. Wien. Wien 1949.&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich südlich der Donau, Horn / Wien 2000.&lt;br /&gt;
* Heinz Dopsch: Landherren, Herrenbesitz und Herrenstand in der Steiermark 1100–1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1969.&lt;br /&gt;
* Johann Michael Führer: Das zu Ende gebrachte Buch des Lebens, das ist: Todten-Fall des Hochw. Herrn Augustin Erath, Propst zu St. Andrä a. d. Traisen. Wien 1719.&lt;br /&gt;
* Hermann Göhler: Zur Baugeschichte des aufgehobenen Chorherrenstifts St. Andrä an der Traisen. In: Der Traisengau (2. Jg. 1936), S. 128–150.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Häusler: Land zwischen Donau und Schöpfl. Wien 1980.&lt;br /&gt;
* Thomas Karl: Johann Georg Schmidt, genannt der &amp;quot;Wiener Schmidt&amp;quot; um 1685–1748. Diss. Univ. Wien. Wien 1983.&lt;br /&gt;
* Günther Katzler: Die Zehente des Stiftes St. Georgen-Herzogenburg von seiner Gründung bis zur Mitte des 14. Jh. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 2003.&lt;br /&gt;
* Christine Üppitz: Archiv und Bibliothek des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä a. d. Traisen. In: Abgekommene Stifte und Klöster in Niederösterreich. Hg. von Thomas Aigner / Ralph Andraschek-Holzer. St. Pölten 2001 (Beiträge zur Kirchengeschichte Niederösterreichs, 6), S. 270–284.&lt;br /&gt;
* Christine Üppitz: Die Kaiserurkunde von 998. In: Festschrift der Marktgemeinde Neulengbach 998–1998. Neulengbach 1998, S. 5–10.&lt;br /&gt;
* Christine Üppitz (Red.): Festschrift 850 Jahre Augustiner-Chorherrenstift St. Andrä an der Traisen 1148–1998. St. Pölten 1998.&lt;br /&gt;
* Christine Üppitz: ...es warten gar fille ort auf mich... . Neuentdeckte Archivalien zur Kanzel von St. Andrä. In: C.R.Y. Festschrift zum 75. Geburtstag von Heinrich Fasching. Hg. von Thomas Aigner / Gottfried Auer u. a. St. Pölten 2004, S. 454–456.&lt;br /&gt;
* Christine Üppitz: Die Säule der Immaculata concerta von St. A./Traisen. In: Christus wohnt in uns? Suche und Versuche. Festschrift zum 25-jährigen Amtsjubiläum von Propst Maximilian Fürnsinn. Red. von H. Ulrich Manterer. Herzogenburg 2004, S. 385–401.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich: Herzogenburg. In: Die bestehenden Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich, Südtirol und Polen. Hg. von Floridus Röhrig. Wien 1997, S. 29–98.&lt;br /&gt;
* Alois Plesser: Zur Kirchengeschichte des Viertels ob dem Wienerwald vor 1627. St. Pölten 1977 (Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltner Diözesanblatt, 15).&lt;br /&gt;
* Lothar Schultes: Gotische Plastiken in und um Krems. Von den Anfängen bis um 1500. In: 1000 Jahre Krems am Fluss der Zeit. St. Pölten 2001 (Studien und Forschungen aus dem NÖ Institut für Landeskunde, 24), S. 85–120.&lt;br /&gt;
* Ilse Schütz: Die ehemalige Stiftskirche der Augustiner-Chorherren in St. Andrä an der Traisen. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg (NF 15 1994), S. 111–118.&lt;br /&gt;
* Franz Xaver Schweickhard von Sickingen: Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens. 4. Band: Das Viertel ober dem Wienerwald. Wien 1836, S. 67–76.&lt;br /&gt;
* Georg Matthaeus Vischer: Topographia Archiducatus Austriae inferioris. O.O. 1672.&lt;br /&gt;
* Egon Wahl: Geschichte des ehemaligen Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit besonderer Berücksichtigung der rechtlichen, besitz- und personalgeschichtlichen Verhältnisse. Diss. Univ. Wien. Wien 1945.&lt;br /&gt;
* Heinrich Weigl: Historisches Ortsnamensbuch von Niederösterreich, l. Band. Wien 1964.&lt;br /&gt;
* Theodor Wiedemann: Geschichte der Reformation und Gegenreformation im Lande unter der Enns. 3. Band: Die reformatorische Bewegung im Bisthume Passau. Prag 1882.&lt;br /&gt;
* Hans Wolf: Erläuterungen zum Historischen Atlas der Alpenländer. II. Abteilung: Die Kirchen- und Grafschaftskarte. Teil 6: Niederösterreich. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien 1955.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10746</id>
		<title>Stift Herzogenburg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10746"/>
		<updated>2023-06-25T11:42:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1112&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (seit 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Stift St. Georgen&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}, Niederösterreich&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.28677, 15.69721&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Georg&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Herzogenburg gehört zum Bezirk St. Pölten.&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift_Herzogenburg.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Herzogenburg, kolorierte Radierung von Lorenz Janesch (um 1810), Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), Kartensammlung, Fideikommissbibliothek-Vues, Österreich-Ungarn, Niederösterreich H-La, Herzogenburg KAR MAG, online unter: http://data.onb.ac.at/rec/baa12918499&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Bischof [[Ulrich I. von Passau]] (1092–1121) stiftete mit der Gründungsurkunde vom 18. August 1112 ein Eigenkloster für Augustiner-Chorherren, auf einem Grundstück an der Mündung der Traisen in die Donau gelegen, das er geerbt hatte und worauf sich bereits eine Georgskirche befand. Wahrscheinlich sandte er aus dem reformierten [[Stift St. Nikola]] bei Passau Chorherren nach St. Georgen an der Traisen. Als seelsorgliches Aufgabengebiet und als Existenzgrundlage übergab der Bischof seinem Kloster St. Georgen die beiden Pfarren Traisenburg (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Stollhofen|Stollhofen]]) und [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Herzogenburg|Herzogenburg]]. Außerdem erhielt das Stift die bischöflichen Zehentrechte im oberen Waldviertel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten war die Existenz des Klosters einerseits von den Hochwassern der Donau und andererseits von der wirtschaftlichen Schwäche infolge zu geringer Dotierung bedroht. Eine Gelegenheit zur Besserung der Lage des Klosters ergab sich dreißig Jahre nach der Gründung, als ein lokaler Adeliger namens Walter von Traisen testamentarisch die Gründung eines Chorherrenklosters verfügte. Der Passauer Bischof [[Konrad]] (1148/49–1164), ein Sohn des hl. Leopold, wollte das Kloster St. Georgen mit dieser Stiftung in St. Andrä an der Traisen vereinigen und den Konvent dorthin verlegen. Nach dem Widerstand des Testamentvollstreckers Otto III. von Rehberg erfolgte jedoch noch im 12. Jahrhundert eine eigenständige Gründung des [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stiftes St. Andrä an der Traisen]]. Bischof Konrad verbesserte in den Jahren 1158 und 1160 die Situation des Stiftes St. Georgen, indem er dem Kloster, das in den sumpfigen Donauauen lag, eine Frischwasserzuleitung ermöglichte und außerdem den Chorherren die Pfarre Marquardsurvar (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Haitzendorf|Haitzendorf]]) und den Schwaighof bei Zeiselmauer schenkte. Unter den späteren Schenkungen an das Kloster während der Regierungszeit von Propst [[Wisinto II.|Wisintos II.]] (1191–1204) ist ein Stiftungsbrief von 1201 bemerkenswert, der ein Nonnenkloster in St. Georgen voraussetzt. In einer Urkunde aus der Zeit um 1230 werden die Schwestern Kunigunde und Ehrentraud von Zebing als Kanonissen von St. Georgen genannt. Dieser Frauenkonvent ist anlässlich der Übersiedlung des Männerklosters nach Herzogenburg auch mitverlegt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Engelschalk]] (1242–1267), dem zwölften Propst des Stiftes St. Georgen, erfolgte schließlich die Verlegung des Klosters, der Konvent übersiedelte im Jahr 1244 an seinen Pfarrort Herzogenburg. In der Übertragungsurkunde vom 19. März 1244 übereignete Bischof [[Rudiger]] von Passau dem Konvent die Passauer Pfarre Herzogenburg mit allen Rechten. Das Stift memoriert den Bischof als seinen „zweiten Gründer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spätmittelalter=== &lt;br /&gt;
Nach der Übersiedlung des Konvents nach Herzogenburg erfolgte der Bau einer Klosteranlage sowohl für den Männer- wie für den Frauenkonvent. Im Pfarrbezirk „auf der Widem“ entstand ein eigener Gerichtsbezirk des Stiftes, der sogenannte „Obere Markt Herzogenburg“. Der „Untere Markt Herzogenburg“ unterstand dem bayerischen Stift Formbach am Inn.&lt;br /&gt;
Im 14. Jahrhundert war die wirtschaftliche Lage des Klosters zunächst stabil, Propst [[Siegfried]] erwarb ein Haus in Wien in der Singerstraße. Der folgende Propst [[Nikolaus I. Payger von Würmla]] (1361–1374) klagte in seinen Aufzeichnungen über Missernten, Kriegssteuern an Herzog Rudolf IV. und Verschuldung seines Klosters. Die Herzöge Albrecht III. und Leopold III. gewährten dem Stift Privilegien, weil „der probst und das gotzhaus ze Herzogenburg in grozzer geltschulde und kumber sind“. Propst [[Johannes III.]] (1401–1433) einer der längstregierenden Pröpste, erreichte von den Herzögen Wilhelm und Albrecht IV. die Begünstigung, im Schankhaus des Stiftes, dem &amp;quot;Mühlhofkeller&amp;quot;, zwölf Fass Wein ohne Ungeld (Steuer) ausschenken zu dürfen. Unter Propst Johannes III. fand eine Stiftsreform nach den Bestimmungen des Konstanzer Konzils statt. Bei der Visitation im Stift Herzogenburg 1419 war nachweislich auch der erste Propst des [[Stift Dürnstein|Chorherrenstiftes Dürnstein]], das 1410 im Geist der Raudnitzer Reform gegründet worden war, anwesend. Und so wurden die Raudnitzer Statuten auch in Herzogenburg Grundlage einer Erneuerung. Propst Johannes war auch ein Förderer der Lateinschule des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert waren Markt und Stift Herzogenburg wiederholt von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. In den Hussiteneinfällen verloren etliche Bürger und Chorherren ihr Leben. Die Regierungszeit des Propstes [[Ludwig Gössel]] (1457–1465) fiel in die Zeit der Nachfolgekämpfe unter Kaiser Friedrich III., in der böhmische, mährische, ungarische und auch einheimische Söldnerverbänden in Niederösterreich plünderten. Im Jahr 1463, am dritten Tag nach dem Osterfest, wurde Herzogenburg von böhmischen Söldnerscharen unter ihrem Anführer Georg von Vetau eingenommen und verwüstet. Wahrscheinlich erlosch damals auch der Konvent der Kanonissen, oder er fand durch Mangel an Klostereintritten schon früher ein Ende. Im Lauf des Jahres 1465 begannen die Chorherren mit dem Wiederaufbau des Stiftes. Dieser zweiten gotischen Bauphase des Stiftes sollte aber kein langer Bestand gegönnt sein, denn schon 1477 belagerten und eroberten die Soldaten des ungarischen Königs Matthias Corvinus nach ihrem Sieg über Kaiser Friedrich III. Herzogenburg. Wieder brannte das Kloster nieder. Der nach St. Pölten geflohene Propst konnte seine in Rudolfsberg bei Wagram gefangengehaltenen Mitbrüder erst nach Bezahlung eines hohen Lösegelds in die Ruinen seines Klosters zurückführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Georg I. Eisner]] (1484–1513) wurde mit dem Wiederaufbau des Klosters begonnen. Dieser Propst konnte durch sorgfältige Verwaltung und durch Schenkungen des Matthias Corvinus, der die Verwüstungen seiner Söldner wieder gutzumachen versuchte, die wirtschaftlichen Verhältnisse seines Hauses sanieren und das Stiftsgebäude repräsentativ auszustatten. 1499 gewährte Papst Alexander VI. ihm und allen seinen Nachfolgern den Gebrauch der Mitra, des Stabes und Ringes und der anderen Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7. Mai 1512 brach in einem Haus auf dem Unteren Marktplatz ein Brand aus, der auch auf die Widem und auf das Kloster übergriff, alle Zellen der Brüder und das Winterrefektorium brannten aus. Außerdem wurden das Infirmarium, die Dechantei, die Bibliothek und die Sakristei zerstört. Das Feuer sprang auch auf das Mariensacellum über und vernichtete dort die Orgel. Ebenso brannte die Schule nieder. Die Kirchenausstattung – die Tafelbilder und die Altäre – wurde verschont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation bis Barock=== &lt;br /&gt;
Im Jahr der Wahl des hochgelehrten Propstes  [[Johannes V. Bernhard von Nußdorf]] (1517–1533) veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen und löste eine Reformationsbewegung aus, in der Klosterleben zunehmend kritisch beurteilt wurde. Unter Propst [[Bernhard I. Schönberger]] (1533–1541) legte der Chorherr Johann Peurl die priesterliche Kleidung ab und verließ seinen Orden, Neueintritte blieben zunehmend aus. In wirtschaftlicher Hinsicht hatte Propst Bernhard mit den Belastungen der den Klöstern vorgeschriebenen Abgaben zur Finanzierung der Kriege gegen die Osmanen zu kämpfen und konnte die Steuerleistungen nur durch den Verkauf des Stiftshauses in Wien erbringen. Für viele Jahre war Bernhard der letzte frei gewählte Propst von Herzogenburg. Die nun folgenden Pröpste waren Weltpriester oder stammten aus anderen Ordenshäusern, wurden postuliert oder vom Kaiser ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Wunsch Kaiser Ferdinands I. wurde [[Philipp von Maugis]] (1541–1550) zum Propst bestimmt. Philipp entstammte einer adeligen belgischen Familie, war ab 1545 Regent der niederösterreichischen Landesregierung und Erzieher der Söhne Ferdinands I. Noch im Jahr seines Amtsantrittes trat in Herzogenburg, wie in vielen Orten Österreichs, die Pest auf, an der täglich bis zu 30 Personen starben. Alle Chorherren im Stift mit Ausnahme des Propstes und eines Konventualen fielen der Seuche zum Opfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philipps Nachfolger war [[Bartholomäus von Cataneis]] (1550–1563). Er entstammte einer vornehmen italienischen Familie aus Bergamo, war palatinischer Graf, apostolischer Protonotar und oberster Hofkaplan. Durch sein Administrationstalent gelang es ihm, das Stift über die finanziellen Hürden zu bringen. Wegen seiner Tüchtigkeit wurde er zum Administrator von Göttweig bestellt (1556–1563). Der Klosterrat bemängelte bei seiner Visitation allerdings die Konkubinate der Stiftsherren und deren protestantische Gesinnung. Die Kommissäre erteilten dem Propst einen strengen Verweis und befahlen ihm, den Dechant abzusetzen und einzusperren. Nach dem Visitationsbericht vom Jahr 1561 befanden sich im Stift Herzogenburg nur mehr vier Konventualen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krisenzeit des Stiftes wurde der Prälat von St. Andrä [[Johannes VI. Pülzer]] (1563–1569) zum Propst bestimmt. In seinem Wahlinstrument hieß es, er sollte baldmöglichst die Zahl der Chorherren ergänzen, da sich dieselben fast alle &amp;quot;verloffen&amp;quot; hätten. Wirtschaftskrisen, Hungersnot, Erhöhung der Steuern und die Tatsache, dass viele seiner Mitbrüder lutherisch wurden, trieben Propst [[Johannes VII. Glaz]] (1569–1572) zu einem Verzweiflungsakt: in der Nacht des 14. September 1572 floh er in Begleitung eines Dieners aus dem Stift.&lt;br /&gt;
Nun folgte ein Mann aus dem eigenen Haus, [[Jakob Reisser]] (1573–1577). Durch seine Sparsamkeit und energische Haltung ging es sowohl finanziell als auch disziplinär im Stift aufwärts. Im Visitationsbericht wurde vermerkt, dass er keine goldene Kette und auch keine kostbaren Kleider trug, keine Spiele gestattete und die Musik bei Tisch abgeschafft habe. Er bemühte sich, Mitarbeiter aus dem Ausland zu bekommen, um die Ausbreitung der lutherischen Lehre zu stoppen. Denn die Gemeinde Herzogenburg war zum Großteil schon protestantisch und die Pfarrkinder gingen bereits in die umliegenden Ortschaften, um bei den &amp;quot;sektischen Predigern&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod postulierte der Klosterrat den Propst des [[Stift St. Dorothea|Chorherrenstiftes St. Dorothea]] in Wien, [[Georg II. Brenner]] (1578–1590). Georg war Hofkaplan bei Kaiser Maximilian II. gewesen und der Klosterrat schlug ihn 1588 als Bischof von Wiener Neustadt vor. Er strebte den Erwerb des Unteren Formbacher Marktes Herzogenburg, der noch immer großteils protestantisch war, an, scheiterte jedoch. Die Trennung beider Märkte Herzogenburg blieb bis 1806 bestehen. Propst Georg Brenner setzte aber Maßnahmen gegen das Luthertum durch, Herzogenburger Bürger, die zu den „Predikanten ausliefen“, wurden mit schweren Strafen bedroht. Ebenso mussten die Herzogenburger ihre Kinder in die katholische Schule schicken und dem Gesinde wurde verboten, sich während des sonntäglichen Gottesdienstes in Wirtshäusern oder auf Spielplätzen aufzuhalten. Kirche, Kloster- und Wirtschaftsgebäude wurden unter Propst Georg Brenner renoviert und ausgebaut, Messgeräte, Bücher und Musikinstrumente angekauft. Der Lesehof in Königstetten wurde renoviert und der Hof von Klosterneuburg fast zur Gänze neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Krankheit stand dem Propst in den letzten Jahren [[Paul Zynkh]] als Koadjutor zur Seite. Da es nach dem Tod des Propstes bei der Neubesetzung zwischen Klosterrat und dem Passauer Bischof zu Unstimmigkeiten gekommen war, verwaltete Paul Zynkh über ein Jahr als Administrator das Stift, bis er zum Propst gewählt wurde (1591–1602).Er setzte die gegen den Protestantismus gerichteten Maßnahmen seines Vorgängers fort und bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg, dessen Predigttätigkeit zu einer Rekatholisierung führte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der ständigen Gefahr von osmanischen Einfällen wurden die Verteidigungsanlagen des Klosters gemäß dem kaiserlichen Mandat ausgebaut und die Rüstkammer des Stiftes mit modernen Waffen versehen. Während eines halbjährigen Kuraufenthaltes des Propstes in St. Pölten entbrannte eine heftige Auseinandersetzung zwischen dem Stiftsdechant und dem Konvent. Der kranke Propst kehrte zurück und hielt ein Kapitel. Der Dechant wurde abgesetzt und im Lauf von drei Wochen bei Wasser und Brot „dasig“ gemacht. Die letzten drei Jahre seines Lebens war Propst Paul Zynkh Deputierter der niederösterreichischen Stände und hielt sich oft in Wien auf. Aus diesem Grund kaufte er dort 1601 ein Wohnhaus, den „Heidelberger Hof“ in der Annagasse. Das Gebäude ist heute noch im Besitz des Stiftes und trägt den Namen Herzogenburgerhof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als [[Melchior Kniepichler]], ehemaliger Propst des Stiftes Dürnstein, von König Matthias als Propst postuliert wurde (1609–1615), protestierte der Herzogenburger Konventuale [[Johannes Held]] in einem Schreiben an den Passauer Offizial, weil Propst Melchior in St. Andrä (1592–1599) &amp;quot;Schulden gehäuft und von dann gezogen sei&amp;quot;, er habe dann &amp;quot;Tirnstain ohne Schulden angetreten und gehe nun mit Schulden weg&amp;quot; (1599–1609); beide Male in Folge seiner verschwenderischen Freigiebigkeit gegen Verwandte und Freunde. Weiters klagt er, dass Melchior dem Trunke ergeben und &amp;quot;in diesem Zustand unausstehlich streitsüchtig sei.&amp;quot; Schließlich, dass Melchior das weibliche Geschlecht liebe und gerne Tanzunterhaltungen besuche. In den Klosterratsakten hieß es, &amp;quot;dieser Mann war mehr Schelm als Mönch&amp;quot;. Am 26. Juli 1615 kam eine Untersuchungs- und Strafkommission nach Herzogenburg. Aufgrund der strengen Linie von Bischof Melchior Klesl wurde der Propst gefangen nach Wien geführt, verhört und einige Monate eingesperrt. Erst nach drei Jahren wurde Melchior rehabilitiert und zum zweiten Mal zum Propst von Dürnstein bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Wahlturbulenzen in den folgenden Jahren bestimmte Kaiser Ferdinand II. den Dechant des Kathedralstiftes Seckau [[Martin III. Müller]] zum Vorsteher in Herzogenburg (1621–1640). Er war ein eifriger Förderer der Gegenreformation, reformierte das klösterliche Leben und führte neue Statuten ein. Er erreichte auch, dass ihm die [[Pfarre Hain]] wieder zurückgegeben wurde, wo bisher nur protestantische Prediger angestellt waren. Den Konflikt mit der dort tonangebenden protestantischen Familie der Jörger konnte erst sein Nachfolger [[Johannes Bauer]] (1640–1653) beilegen. Propst [[Joseph Kupferschein]] (1653–1669) versuchte ebenfalls auf friedliche Weise die Protestanten zum katholischen Glauben zurückzugewinnen. Er war sowohl ein gelehrter Mann (1641 war er Rektor der Universität in Wien) als auch ein tüchtiger Wirtschafter. Propst [[Anton Sardena]] (1669–1687) begann mit viel Schwung die weiteren Restaurierungsarbeiten bzw. die Barockisierung des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679/80 wütete die Pest in Herzogenburg und kostete viele Menschen das Leben. In der Stiftsgeschichte von Dechant Beyer wird auch das Erscheinen eines Kometen vermerkt, der im Jahr 1680 am Fest des hl. Stephan zum ersten Mal erschien und als Vorbote der Osmaneneinfälle interpretiert wurde. Am 14. Juli 1683 erschien eine osmanische Streifschar vor Herzogenburg. Sie ließ den gut befestigten Ort zunächst ungeschoren. Als die Gefahr immer größer wurde, flüchtete der Prälat auf Bitten seiner Geistlichen mit dem Archiv und der Schatzkammer nach Dürnstein. Unter den im Kloster verbliebenen Chorherren befand sich [[Gregor Nast]], der später einen ausführlichen Bericht über die Osmaneneinfälle verfasste. Eine größere Truppe versuchte die Erstürmung des Marktes und schichtete Stroh vor die Markttore, um sie durch Feuer zu zerstören. Die Bürger leisteten mit ihren Schusswaffen allerdings tatkräftigen Widerstand. Zahlreiche Bauernhöfe von Herzogenburger Grundholden wurden jedoch geplündert und niedergebrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) betrieb die wirtschaftliche Konsolidierung seines Hauses nach dem Krieg und den Wiederaufbau bei Pfarren und Wirtschaftshöfen. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prandtauer wurde 1714 von Propst [[Wilhelm von Schmerling]] (1709–1721) mit einem barocken Neubau des Stiftsgebäudes beauftragt. Nach Schleifung des alten Klosters – nur ein Teil des mittelalterlichen Kreuzgangs blieb erhalten – wurde eine zweihöfige neue Stiftsanlage errichtet, der zweite Hof jedoch baulich nie fertiggestellt. Die von Prandtauer gebauten Trakte sind vornehm und voll künstlerischen Lebens. Einzig an der Ostseite sprengt der Saalbau nach Plänen von Fischer von Erlach die Prandtauersche Fassade: er tritt um eine Achse hervor und überragt sie mit den Oberfenstern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Herzogenburg geborene Propst [[Leopold von Planta]] (1721–1740) schloss die Bauarbeiten ab und besorgte die wirtschaftliche Stabilisierung des Hauses. In seiner Regierungszeit wurde am 18. September 1724 das Stift in die [[Lateranensische Choherrenkongregation]] aufgenommen. Die Pröpste führen seitdem den Titel eines Lateranensischen Abtes. Propst Leopold führte nach dem Beispiel von Klosterneuburg den schwarzen Talar anstelle der weißen Kleidung für seine Mitbrüder ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Frigdian Knecht]] (1740–1775) wurde im Österreichischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen gefangengenommen, um eine Kriegssteuer in der Höhe von 14.000 Gulden zu erpressen. Er wurde nach den Worten des Stiftsdechanten „hin und hergeführt zu Schand und Spott“. Erst nach sechstägiger Gefangenschaft und Zahlung des hohen Lösegeldes konnte der Prälat wieder ins Stift zurückkehren. 1743 entschloss er sich, die Kirche durch den jungen Baumeister Franz Munggenast neu errichten zu lassen. Der Turm wurde 1767 nach Entwürfen von Johann Bernhard Fischer von Erlach durch Matthias Munggenast ausgeführt. Die Architektur dieser Kirche und die Ausstattung durch Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte können zu den großen Leistungen des österreichischen Barocks gezählt werden. In den Pfarren [[Stollhofen]], [[Hain]], [[Rottersdorf]] und [[Brunn]] ermöglichte Propst Frigdian ebenfalls die Barockisierung der Kirchen. Durch die Stiftung von 7.000 Gulden des Wiener Stadtrates Jakob Bodenreiter konnte in Theiß der Pfarrhof neu errichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seines wissenschaftlichen Interesses kaufte der Propst Jahr für Jahr viele wertvolle Bücher, ordnete das Archiv und unterstützte den Aufbau eines eigenen Münzkabinetts. Auf musikalischem Gebiet war sein Mitbruder [[Georg Johann Donberger|Georg Donberger]] tätig. Als Regens chori komponierte dieser unermüdlich und seine Werke sind in den Musikarchiven vieler österreichischer Stifte zu finden. Als Propst Frigdian Knecht nach 35-jähriger Amtszeit im Jahr 1775 starb, hinterließ er ein geordnetes Haus, das spirituell, künstlerisch und wirtschaftlich einen guten Ruf hatte. Er wird auch der dritte Gründer genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Josephinismus bis Gegenwart===&lt;br /&gt;
Propst [[Michael Teufel]] (1782–1809) war Parteigänger von Kaiser Joseph II. und administrierte für ihn die Aufhebungen der Chorherrenstifte St. Andrä an der Traisen und Dürnstein. Das Patent des Kaisers über die Klosteraufhebungen wurde für das [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stift St. Andrä an der Traisen]] wirksam, das nach dem Tod des letzten Propstes [[Gregor Grindler]] 1783 dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde. Das [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] wurde 1788 mit dem Stift Herzogenburg vereinigt. Gegen diesen Bescheid erhob zwar der Bischof von St. Pölten Einspruch, doch wurde mit Hofdekret vom 7. Juni 1788 die endgültige Aufhebung Dürnsteins angeordnet. Als durch die Aufhebung der Benediktinerabtei Formbach am Inn der Untere Markt Herzogenburg Staatseigentum wurde, konnte ihn Propst Michael im Jahr 1806 kaufen und mit dem Oberen Markt vereinigen. Ein Höhepunkt in der Regierungszeit des Propstes Michael Teufel war die Weihe der neuen Herzogenburger Stiftskirche am 2. Oktober 1785, sie erfolgte durch [[Heinrich Johannes von Kerens]] dem ersten Bischof, der in St. Pölten residierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Koalitionskriegen war Stift Herzogenburg nach der Schlacht im nahegelegenen Dürnstein-Loiben im November 1805 direkt betroffen. Französische Truppen fielen in die Stadt ein, brachen Keller auf und plünderten. Hohe Geldforderungen der französischen Offiziere und Einquartierungen von Soldaten belasteten das Stift schwer. Propst Michael floh während des Krieges mit der Münzsammlung und anderen Kostbarkeiten nach Ungarn in die Abtei Zirc. Kämmerer [[Josef Leuthner]] brachte sich mit den anderen Wertgegenständen auf das Gut Primmersdorf (Waldviertel) in Sicherheit. Im Rahmen des Österreichisch-Französischen Krieges im Jahr 1809 und der zweiten Eroberung Wiens durch Napoleon hatte Herzogenburg wieder unter französischen Truppen, ganz besonders unter den württembergischen Hilfstruppen zu leiden. Bei dieser zweiten Franzoseninvasion kam der Propst allerdings nicht mehr unbehelligt davon. Noch kurz vor seinem Tod wurde er in seinem Zimmer von einem französischen Husaren misshandelt und seines Kreuzes und Ringes beraubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Michael Teufel hat um das Stift beinahe so große Verdienste wie sein Gründer – der Volksmund unterstrich das Weiterbestehen des Stiftes mit dem Bonmot: „Der Teufel hat das Stift gerettet.“ Im Geist der neuen josephinischen Begräbnisordnung wurde er als erster Stiftsvorsteher außerhalb des Ortes auf dem allgemeinen Friedhof in einem bescheidenen Mausoleum bestattet. 1977 wurden die sterblichen Überreste des Propstes exhumiert und neben seinem Grabdenkmal in der Stiftskirche beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Amortisationsgesetze und Religionsfondsabgaben der spätjosephinischen Ära belasteten die Stiftswirtschaft und führten zu erheblicher Verschuldung. Der ehemalige Stiftsdechant Propst [[Aquilin Leuthner]] (1811–1832) konnte das Haus nur insofern aus der finanziellen Not retten, als er von Kaiser Franz I. einen Nachlass der Schulden erreichte. Dem josephinischen Nützlichkeitsgedanken entsprach das Kloster durch Errichtung eines Schulgebäudes auf dem Stiftsgelände im Jahr 1829, dem der Westtrakt des mittelalterlichen Kreuzwegs weichen musste. Die Visitationen des St. Pöltner Bischofs Jakob Frint führten in Herzogenburg zur allmählichen Umsetzung der Klosterreformen der Restaurationszeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Bernhard II. Kluwick]] (1832–1843) erreichte die Choleraepidemie auch Niederösterreich. Die Angst vor dieser Seuche veranlasste die Stiftsherren, zur Versorgung der Kranken an den Gangenden sogenannte Choleraöfen zu errichten: „... also die Küche zu weit entfernt ist, um schnell den notwendigen Tee und warmes Wasser herbeizuschaffen.“ Das Lebenswerk von Propst Bernhard war die Erbauung der Pfarrkirche in [[Theiß]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Karl Stix]] (1843–1847) konnte einen weiteren bedeutenden Schuldenerlass bei Kaiser Franz I. erreichen. Aus Dankbarkeit feierte das Stift jahrzehntelang den Todestag des Monarchen mit dem „Kaiserrequiem“. 1844 konnte er die Jubiläumsfeier der Übertragung des Stiftes von St. Georgen nach Herzogenburg (1244) festlich begehen. Aus Anlass des Jubiläums erbat sich der Herzogenburger Konvent beim Bischof das Recht, violette Mozetten anstelle der bisherigen Almutien aus Pelz tragen zu dürfen, was ihnen allerdings erst einige Jahre später gewährt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Revolutionsjahr hob am 7. September 1848 der Reichstag die bäuerliche Untertänigkeit auf und das Feudalrecht mit Robot und Zehent wurde abgeschafft. Propst [[Josef II. Neugebauer]] (1847–1856) verkaufte in der Folge 1851 das Gut Primmersdorf, das bis dahin der Einbringung der klösterlichen Zehentrechte im nördlichen Waldviertel gedient hatte. Am 8. Oktober 1848 – auf der Flucht von Wien in die Festung Olmütz – kam Kaiser Ferdinand I. mit seinem Gefolge nach Herzogenburg und wurde als Gast im Stift beherbergt. Am selben Abend unterzeichnete der Kaiser ein Manifest „An die Völker meiner deutsch-erbländischen Provinzen“. Am nächsten Morgen zog der Kaiser mit seinem Gefolge weiter. Der Name „Kaisergasse“ in Herzogenburg erinnert noch heute an diese Begebenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1853 gab es eine kanonische Visitation durch den St. Pöltener Bischof Feigerle, und zwei Jahre darauf visitierte auch der Linzer Bischof Rudiger in Vertretung des Kardinals Fürst Schwarzenberg das Stift Herzogenburg. Auch er war sehr zufrieden mit dem Stand des Hauses und „schied mit wahrer Herzensfreude vom Stift“. Auch unter dem nächsten Vorsteher des Stiftes Propst [[Norbert Zach]] (1857–1887) herrschte ein gutes Klima im Haus. Von den 34 Mitgliedern des Stiftes waren 25 Priester in der Seelsorge tätig, vier hatten häusliche Offizien, zwei Kleriker studierten an der theologischen Hauslehranstalt im [[Chorherrenstift Klosterneuburg]], zwei Novizen wurden im Haus in die Lebensordnung der Chorherren eingeführt.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1862 gründete der Stiftskurat und spätere Dechant [[Ferdinand Mann]] den katholischen Gesellenverein, der sich um die seelsorglichen und menschlichen Anliegen der arbeitenden Bevölkerung kümmerte. Die Stadt Herzogenburg begann den Schritt ins Industriezeitalter, als 1874 die Firma Vollrath (Nägel, Schrauben) von Wien nach Herzogenburg/Oberndorf übersiedelte. 1875 folgte ihm Carl Grundmann, ein pensionierter Danziger Lokomotivführer, der sich auf die Erzeugung von Türschlössern spezialisiert hatte. In diese Zeit fällt auch die Planung und der Bau der Eisenbahnlinien im Raum Herzogenburg: Am 3. August 1885 wurde die Strecke Tulln – St. Pölten, am 16. Juli 1889 die Strecke Herzogenburg – Krems eröffnet. Seit dieser Zeit „ist der Markt mit zwei Hauptverkehrsadern der Monarchie“, mit der West- und der Franz-Joseph-Bahn, verbunden. Um der rasch anwachsenden Bevölkerung eine bessere Ausbildung und damit größere Berufschancen geben zu können, wurde die Stiftsschule schon 1867 zu einer Pfarr-Hauptschule erweitert. Heute wird das neben der Stiftskirche gelegene Schulgebäude von der Herzogenburger Sonderschule und der Musikschule benützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das äußere Bild des Ortes änderte sich Mitte des 19. Jahrhunderts. Drei Tore der alten Marktbefestigung wurden abgetragen; ebenso Teile der Ringmauer. Ein Stückchen dieses mittelalterlichen Ensembles ist heute noch im nördlichen Stiftsbereich zu sehen, wo Mauer, Graben, Verteidigungsturm und das einzige noch bestehende Stadttor, das „Au-Tor“, auch „Nordtor“ genannt, erhalten blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Schlacht bei Königgrätz Mitte Juli 1866 drangen die preußischen Truppen bis ins Waldviertel vor und das österreichische Militär zog sich – größtenteils kampflos – auf das südliche Donauufer zurück. Das Stift richtete im Auftrag der k. k. Statthalterei ein Spital für die Soldaten ein. Für seine Verdienste wurde der Propst im Jahr 1879 vom Kaiser mit dem Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet. Während seiner zehnmonatigen Funktion als Administrator des Stiftes veranlasste Dechant [[Emmerich Wallner]] die Gestaltung des nach ihm benannten „Emmerichhofes“ im Westtrakt des Stiftsgebäudes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Person des folgenden Propstes [[Frigdian II. Schmolk]] (1888–1912) vereinigten sich Kirchenfürst und Staatsmann. 1902 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum Landmarschall (Vorsitzender des Landtages). Vier Jahre lang hatte er dieses Amt inne. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der Kaiser die Würde eines Wirklichen und Geheimen Rates und berief ihn auf Lebenszeit als Reichsrat in das Herrenhaus. Um 1900 erreichte das Stift seinen höchsten Personalstand: 40 Konventualen gehörten zum Kloster. Unter Propst Frigdian wurden in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das Stiftsgebäude, der Turm, die Orgel und das Innere der Kirche restauriert. Dechant [[Ferdinand Mann]] ließ auf seine Kosten 1903 den Maria-Lourdes-Altar errichten und die zwei Holzstatuen Herz-Jesu und Herz-Maria in der Kirche aufstellen. 1907 wurde der Zusammenschluss der österreichischen Chorherrenstifte zur [[Österreichische Chorherrenkongregation|&amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten Lateranensischen Chorherren“] erreicht. Als Konvisitator wurde Propst Frigdian Schmolk gewählt. Eine enge Freundschaft verband Propst Frigdian mit dem Wiener Bürgermeister Karl Lueger. Als dieser tödlich erkrankte, berief er seinen langjährigen Freund zu sich, der ihm die die Sterbesakramente reichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmolks Nachfolger wurde [[Georg III. Baumgartner]] (1913–1927). Mit größter Sparsamkeit und Umsicht lenkte er das Stift durch die wirtschaftlichen Erschütterungen des Ersten Weltkrieges. Er stellte das Sommerrefektorium als Kaserne für die Marschkompanien und den Theatersaal dem Roten Kreuz zur Pflege der Verwundeten zur Verfügung. Vom Krieg selbst wurde Herzogenburg nur mittelbar betroffen: durch die vielen Gefallenen. Ihre Namen sind auf einer Marmortafel, rechts beim Eingang der Kirche, eingemeißelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 ließ Propst Georg das veraltete stiftliche Elektrizitätswerk – die ehemalige Stiftsmühle – in eine moderne Wasserkraftanlage mit Turbinen umbauen, die das Stift und Teile der Stadt Herzogenburg jahrelang mit Strom versorgte. Bedeutende Verdienste erwarb sich Georg Baumgartner durch seine wissenschaftliche Forschung über die Urgeschichte, inspiriert durch die archäologischen Funde aus der Hallstattzeit auf Grundstücken, die zum Stift gehörten. Bis zuletzt arbeitete er mit großer Genauigkeit an der Hausgeschichte und an der Baugeschichte der Kirche und des Stiftes und verfasste weiters den Artikel „Herzogenburg“ in der „Topographie von Niederösterreich“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die allgemeine Wirtschaftskrise machte sich auch im Stift bemerkbar. Das Steueramt St. Pölten drängte immer öfter unter Androhung der Zwangsverwaltung auf Bezahlung der Steuerschulden. Das Kapitel unter Propst Georg sah sich gezwungen, einem Beschluss zum „Verkauf einzelner Wertgegenstände näher zu treten“. Einige Pretiosen aus der Bibliothek und den Kunstsammlungen wurden verkauft. In diese politisch sehr schwierige Zeit fällt eines der größten Ereignisse für Herzogenburg, die Stadterhebung: Am 30. Juni 1927 beschloss der Landtag von Niederösterreich, den Markt Herzogenburg „trotz der verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl“ (2.800) zur Stadt zu erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der spätere Landtagsabgeordnete und Vertreter des Klerus [[Ubald Steiner]] (1927–1946) wurde zum nächsten Propst gewählt. Es gelang ihm, das Stift durch die schwierige wirtschaftliche Lage der dreißiger Jahre zu führen, was den Verkauf mehrerer Grundstücke und Kunstschätze beinhaltete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Sozialdemokratie in den 1920er Jahren wurden auch in Herzogenburg, das durch seine metallverarbeitende Industrie über einen hohen Arbeiteranteil verfügte, vehement geführt. Der Stiftsdechant und Pfarrer [[Anton Rudolf]] stand im Ruf, „der von den Sozialdemokraten wohl bestgehasste Chorherr“ zu sein. Er war der Typ von Priesterpolitiker, der die ohnehin spannungsgeladenen dreißiger Jahre durch sein Zelotentum und seine nie erlahmenden Bekehrungsversuche an ungläubigen Marxisten eher verschärfte denn beruhigte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Volksabstimmung vom 10. April 1938 brachte in Herzogenburg 2.047 Ja-Stimmen für den Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland und nur fünf Gegenstimmen. In der Folgezeit erhielt Herzogenburg den Namen „Stadt der Treue“. In diesen Jahren wurden die Repressalien gegenüber den kirchlichen Institutionen und der Geistlichkeit immer spürbarer. Die Stiftstaverne und der Theatersaal wurden beschlagnahmt. 400 Herzogenburger traten aus der Kirche aus, und rund 100 Kinder wurden vom Religionsunterricht abgemeldet. Das Herzogenburger Pfarrblatt, das seit 1915 erschien, wurde wegen „Papierknappheit“ 1941 eingestellt. Das Stift wurde von den Nationalsozialisten zwar nicht aufgehoben, war aber in seiner Wirtschaftsführung nicht mehr unabhängig. Teile des Stiftsgebäudes wurden 1940 für ein Einquartierung von bessarabischen Umsiedlern und später auch anderen Flüchtlingen beschlagnahmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum „schwarzen Montag“ wurde der 6. November 1944. 300 Bomben fielen in und um Herzogenburg: 20 Tote und große Sachschäden waren die traurige Bilanz. Am 14. April 1945 rückten nach einer kurzen Kanonade die Sowjets in Herzogenburg ein. Eine Gruppe von Herzogenburgern, unter ihnen Propst Ubald, ging ihnen mit der weißen Fahne entgegen. Die Stiftsgebäude waren durch einige Bombentreffer leicht beschädigt worden, schwerer betroffen waren die Stiftswälder, die durch die Luftangriffe schwere Schäden hatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Georg IV. Hahnl]] (1946–1963) betrieb den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit. Im Jahr 1948 wurden vier neue Glocken der Stiftskirche geweiht. 1942 hatten alle Glocken bis auf die größte, die Pummerin, der Rüstungsindustrie abgeliefert werden müssen. Wissenschaftliche Berühmtheit erlangte Propst Georg durch seine Arbeit auf dem Gebiet der Heimat- und Urgeschichtsforschung. Fast seine ganze Regierungszeit als Propst war allerdings von einer schweren Krankheit überschattet, was sich negativ auf das Klima und die Personalsituation des Stiftes auswirkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Resignation wurde [[Thomas Zettel]] (1963–1969) zum nächsten Vorsteher des Hauses gewählt. Nach langen Vorbereitungen öffnete 1964 das Stift Herzogenburg seine Räume und Säle für über 100.000 Besucher anlässlich seiner (etwas verspäteten) 850-Jahr-Feier. Der ebenerdige Teil des sogenannten „Altstiftes“, die Reste der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen alten Klosteranlage, war renoviert worden und das spätgotische Refektorium „glänzte“ durch die kurz zuvor freigelegten Fresken von ca. 1500. Daneben im frühbarocken Refektorium waren die Funde aus der Ur- und Frühgeschichte neu aufgestellt worden. Im Barockgebäude wurde im ersten Stock im ehemaligen Gästetrakt eine Ausstellung für die restaurierten Kunstschätze des Stiftes, insbesondere seine Sammlung mittelalterlicher Flügelaltäre, eingerichtet. Im Festsaal, in der Bibliothek, im Bildersaal und in elf weiteren Ausstellungsräumen erlebten und erleben Besucher das künstlerische Erbe des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1965 gab es eine einschneidende wirtschaftliche Umstellung: der Weinbau und die Landwirtschaft konnten in Eigenregie nicht mehr positiv geführt werden, deshalb wurden beide Wirtschaftszweige verpachtet. Der Forst als dritte Einnahmequelle wird bis heute noch selbst geführt, die Jagden sind verpachtet. Das Gebäude, in dem die ehemalige Stiftstaverne befand, wurde an die Stadtgemeinde Herzogenburg verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1977 erreichten die ökumenischen Gespräche und Gottesdienste, die vom späteren Propst [[Maximilian Fürnsinn] initiiert wurden, ihren Höhepunkt in der Ausstellung &amp;quot;Kunst der Ostkirche&amp;quot;. Zum ersten Mal feierten in diesem Zusammenhang die Vertreter aller elf östlichen und westlichen Kirchen in Österreich einen gemeinsamen Gottesdienst in der Herzogenburger Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Stadt Herzogenburg“ wurde die Nordeinfahrt des Stiftes restauriert und der Innenhof nach barockem Vorbild neu gestaltet. In diesem Jahr, 1977, wurde auch der Abschluss der Turmrenovierung gefeiert. Propst [[Clemens Moritz]] (1969–1979) wurde zum Ehrenbürger von Herzogenburg ernannt. Er war nicht ein Prälat im Sinne der prachtvollen Barockzeit, wohl aber im Sinne des Ordensstifters Augustinus ein Seelsorger, besorgt um seine Gemeinde und seine Mitbrüder. Auch nach der Resignation blieb Altpropst Clemens bis zum Jahr 1996 der Pfarrer von Herzogenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit [[Maximilian Fürnsinn]] (1979–2019)) bekam das Stift nach 200 Jahren wieder einen gebürtigen Herzogenburger zum Propst. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war zunächst die Renovierung der Stifte und Pfarren. Allein mit einem Kostenaufwand von rund 50 Millionen Schilling wurde das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein in der Zeit von 1985 bis 1995 restauriert. Die zehnjährige Renovierung des Stiftes Herzogenburg wurde im Jahr 2012 abgeschlossen, sie umfasste neben der Fassadensanierung unter anderem die Instandsetzung der musealen Räumlichkeiten. Die neue Dauerausstellung konnte im Jahr 2012, als das Stift das Jubiläum seines 900jährigen Bestehens beging, eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den zentralen Anliegen von Propst Maximilian gehörte, dass das Stift – entsprechend der jahrhundertelangen Tradition – eine offene Begegnungsstätte ist. So gehen auf seine Initiative viele Tagungen, Bildungsveranstaltungen und Zusammenkünfte von verschiedenen Institutionen und Vereinigungen zurück. Neben den zuvor erwähnten ökumenischen Treffen haben etwa die Ritter vom Heiligen Grab in Jerusalem der Komturei St. Pölten hier regelmäßige Zusammenkünfte. Besonders erwähnenswert sind die in der Regierungszeit von Propst Maximilian abgehaltenen &amp;quot;Herzogenburger Gespräche&amp;quot;, anlässlich derer mehrmals im Jahr 60 bis 80 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kirche zentrale gesellschaftliche Fragen behandelten. Pastorales Wirken war dem vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägten Seelsorger Maximilian Fürnsinn ein besonderes Anliegen, vor allem die Lebendigkeit in der Pfarrseelsorge lag ihm am Herzen. In der Pfarre Herzogenburg entstand aus einem Kinderfest der Katholischen Jungschar der heute größte Kinderevent Niederösterreichs, die „Niederösterreichischen Kindersommerspiele“ (NÖKISS).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein kirchliches Engagement, seine organisatorischen und kreativen Fähigkeiten und seine Leitungskompetenzen führten daszu, dass Propst [[Maximilian Fürnsinn]] 1982 zum ersten Mal zum Vorsitzenden der niederösterreichischen Äbtekonferenz gewählt wurde. Von 1989 bis 1994 war er Vizepräsident der ökumenischen Stiftung Pro Oriente. Von 1998 bis 2013 war er Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2019 wurde [[Petrus Stockinger]] zum neuen Propst von Herzogenburg gewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Bischof Ulrich I. von Passau (1092–1121) konnte seiner Neugründung, dem Augustiner-Chorherrenstift St. Georgen, nur wenig schenken. In der Gründungsurkunde des Klosters bemühte er daher auch die Heilige Schrift und erwähnt das Opfer der armen Witwe, die nur zwei Kupfermünzen in den Opferkasten des Tempels warf, die aber von Jesus gelobt wurde, weil sie alles gab, was sie besaß. Der Bischof schenkte einiges von seinem persönlichen Besitz her, vielleicht sogar alles, was er in der damaligen Ostmark sein Eigentum nannte. Und das war für die junge Kommunität gerade genug zum Überleben. Katastrophen oder wirtschaftliche Schwierigkeiten durfte es keine geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bischof übergab der Klostergemeinschaft seine ererbte Eigenkirche St. Georgen an der Traisenmündung mit Fischwassern, Weingärten, Wiesen und Wäldern. Ebenso vermachte er aus seinem persönlichen Besitz ein Gut und eine Hube zu Sebarn, eine Hube zu Perschling, Engabrunn und Gumpolding, eine halbe Hube in Pötzleinsdorf (bei Wien) und eine zu Kamp, je einen Weingarten zu Kuffern und Egelsee und zwei Weingärten in Inzersdorf. Aus dem bischöflichen Gut schenkte er drei Weingärten in Hundsheim mit einem Lehen, je einen Weingarten in Stein, Weinzierl und Plechingen (zwischen Stein und Krems), den dritten Teil des Zehents von Teras und Merzleinswerd, die Hälfte des Zehents von den Pfarren Herzogenburg und Traisenburg sowie das ganze Dorf Streithofen (im Tullnerfeld). Einige Jahre später schenkte Bischof Ulrich zur Aufbesserung noch sechs Weingärten dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der wirtschaftlichen Not des jungen Stiftes versuchte nun 1160 Bischof Konrad von Passau (1148–1164) mit einer (gefälschten) Urkunde zu helfen, in der er das neuzugründende Stift St. Andrä mit St. Georgen vereinigte. Dieser Zusammenschluss scheiterte am Widerstand Ottos von Rechberg, der schließlich ein eigenständiges Kloster St. Andrä errichten konnte. Als Entschädigung übertrug Bischof Konrad dem Stift St. Georgen die Pfarre Marquardsufer und den Schweighof bei Zeiselmauer, um der &amp;quot;materiellen Not des Stiftes abzuhelfen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam konnte das Stift in den folgenden Jahrhunderten seinen Besitz durch Schenkungen vermehren, wobei das Waldviertel und das untere Traisental zu Schwerpunkten der Besitzungen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Urkunde von 1163 werden als Zeugen zuerst die Äbte von Göttweig und Zwettl, der Propst von St. Pölten und dann der Propst von St. Georgen, Albert, angeführt. 25 Jahre später kommt Propst Berthold von St. Georgen in der Zeugenfolge nach den Äbten von Göttweig, Melk und Altenburg, jedoch vor den Pröpsten von St. Nikolai und St. Andrä. Diesen Platz in der Reihenfolge der niederösterreichischen Stifte nimmt Herzogenburg bis über die Barockzeit ein. Nach den Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II. dürfte das Stift Herzogenburg besitzmäßig an die letzte Stelle gerückt sein. Doch noch einmal zurück ins Mittelalter. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im 12. Jahrhundert konnte das Stift seine Besitzungen durch Kauf, vor allem aber durch Schenkungen vermehren. Die Vielzahl der Schenkungen im Mittelalter sind meist auch ein Zeugnis von guter Spiritualität: einem glaubensstarken Kloster vertraut man eher seine Gebetsanliegen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste große Finanzaufwand war der zweite Neubau des Klosters in Herzogenburg um 1244. Das älteste Zehentverzeichnis, das in das Jahr 1299 zurückreicht, zeigt jedoch schon eine wirtschaftliche Stabilisierung auf. Das Stift besaß nun zehn &amp;quot;Ämter&amp;quot;, i. e. Zehenthöfe, die für die Einhebung der Zehente notwendig waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten waren Abgaben für die Kreuzzüge zu entrichten. Später kamen dann die Steuern für die Finanzierung der Türkenkriege. Verwüstungen durch Kriege, Naturkatastrophen (Heuschreckenplage und Dürre) und Pestepidemien brachten einen wirtschaftlichen Tiefstand für das Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zeichen für das wirtschaftliche Auf und Ab war 1417 der Kauf eines Hauses in Wien, Johannesgasse. 1541 musste es wieder verkauft werden. Bezeichnend für diese schwierige Zeit war auch der Personalstand: 1569 war nur mehr ein Konventuale im Stift. Als 1601 wieder ein Haus in Wien, diesmal in der Annagasse, gekauft wurde, war dies zugleich auch ein Zeichen des neuen Erstarkens: sowohl wirtschaftlich als auch personell. Das Stift wurde renoviert, die Kirche barockisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Abwehr der Türken 1683 konnte das Stift im wirtschaftlichen Aufwind weitere Akzente setzen: ein Gut in Primersdorf (Waldviertel) wurde gekauft und ein großer, neuer Schüttkasten errichtet. In Wielandsthal wurde der Keller und in Haitzendorf der Pfarrhof von Prandtauer errichtet. Im barocken Neubau des Stiftes (ebenfalls von Prandtauer) und der dazugehörigen Kirche kam die wirtschaftliche Kraft zum Ausdruck. Allerdings mussten dafür Weingärten in Mautern, Mauternbach und Sallapulka, eine Mühle von St. Georgen, Meierhöfe in Reith bei Primersdorf, Großhain, Schwarzenbach usw. für eine Gesamtsumme von 17.600 Gulden verkauft werden. Das war ungefähr ein Drittel des Prandtauischen Kostenvoranschlages für den Neubau des Stiftes (54.000 Gulden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wirtschaftliches Tief lösten die napoleonischen Kriege und die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aus: 1851 wurde das Gut Primersdorf im Waldviertel veräußert. Jahre vorher konnte das Stift nur durch einen großzügigen Schuldenerlass von Kaiser Franz I. vor einem finanziellen Ruin gerettet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Stift nur durch den Verkauf von Grundstücken und von vielen Kunstgegenständen entgegenwirken. Einige Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg kam es wieder zu Veräußerungen von Kunstgegenständen, Teilen von Sammlungen (Mineraliensammlung) und Teilen der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre unter Propst Maximilian waren von einer klugen Wirtschaftspolitik gekennzeichnet. Trotz der bescheidenen Besitzungen von 2.625 ha (2.200 ha Wald, 25 ha Weinbau, 400 ha landwirtschaftliche Nutzung) konnten viele Restaurierungen am Stift und an den Kirchen und Pfarrhöfen vorgenommen werden. Am 29. April 1996 wurde die Außenrenovierung des Stiftes Dürnstein mit einem Gesamtumfang von 50 Millionen Schilling abgeschlossen. Eine Aufgabe für dieses Haus, etwa als Seminar- oder Vortragszentrum, wird noch zu finden sein.&lt;br /&gt;
Wenn auch schon vieles vollbracht worden ist, so warten doch noch weitere Aufgaben für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Vogtei===&lt;br /&gt;
Der Besitz des Bistums Passau im Raum Donau–Traisen stand unter der Vogtei der Babenberger. Diese übten sie durch die Burggrafen von Lengbach (Neulengbach) aus. Urkundlich sind die Vögte des Stiftes Herzogenburg sehr selten belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Übertragung des Stiftes nach Herzogenburg änderte sich in der Vogteiverwaltung nichts. Nach dem Aussterben der Babenberger siegelte 1252 Konrad von Zagging als Vogt des Hauses. Er dürfte in Verbindung mit König Ottokar Przemysl, dem neuen Landesherren, gestanden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Habsburger die Herrschaft übernahmen, wurden die Burggrafen von Neulengbach die Vögte von Herzogenburg. Bestätigt wird diese Annahme durch die Erklärung der Herzöge Wilhelm und Albrecht IV. vom 20. März 1396, in der sie ihre Pflicht zu besonderem Schutz und Schirm des Klosters und seiner Güter bestätigten, da sie ja jährlich das Vogtgeld von 17 Pfund und 6 Schillingen Wiener Pfennig und 1 Muth Hafer vom Stift empfingen. Das Stift Herzogenburg zahlte diese Summe bis zum Jahr 1848 nach Neulengbach, als die Herrschaft längst schon in Privatbesitz übergegangen war und das Vogtgeld umgerechnet nun 17 Gulden und 45 Kreuzer betrug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jenseits der Donau dürften die Kuenringer auf Dürnstein die Vogtei über die Stiftsgüter ausgeübt haben. Nach ihrem Aussterben erging 1356 eine Weisung des Herzogs Albrecht II. an seinen Pfleger in Krems, das Stift Herzogenburg in seinen Rechten und Besitzungen zu schirmen. Im Jahr 1445 übernahmen die Brüder Ulrich, Oswald und Stephan Eytzinger auf Bitten des Propstes die Vogtei auf 15 Jahre gegen die jährliche Abgabe von 6 Muth Hafer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Stift Herzogenburg lag jahrhundertelang wirtschaftlich im Mittelfeld der niederösterreichischen Klöster. So war es auch mit der Zahl der Mitglieder. Die frühen mittelalterlichen Chorherrengründungen waren nicht für riesige Konvente gedacht, sondern die Zahl zwölf war, von Jesus mit seinen Jüngern herkommend, die goldene Zahl. Bei der Gründung von St. Georgen werden wahrscheinlich eine Handvoll Chorherren die Aufbauarbeit an diesem Donaustift begonnen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1200 gab es die erste urkundliche Aufzählung des Konventes: zwölf Priester, drei Konversen (''fratres conversi''), fünf Familiaren und vier Brüder. Einige Jahre nach der Übersiedlung des Konventes von St. Georgen nach Herzogenburg wurden neun Priester, zwei Diakone und vier Brüder (''fratres barbati'') als Zeugen genannt. Ein Stiftshistoriker zählte diese bärtigen Brüder dem adeligen Stand zu, da er sie als Mitglieder von Bauhütten interpretierte, die Baumeister und Städteplaner waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Namen und aus der Stellung in der Zeugenreihe lassen sich auf die Abstammung der Chorherren Schlüsse ziehen. Wir finden im Konvent einige Mitglieder des niederen Adels. Diese Tatsache erklärt einen Teil der reichen Schenkungen des Adels der Umgebung, der so zur Versorgung seiner Söhne beitrug. Ein Nobelstift war Herzogenburg aber nie. Die meisten Novizen kamen aus der Umgebung, vereinzelt aus Oberösterreich, der Steiermark, Kärnten und Salzburg. Die Zusammensetzung des Konvents blieb also durchaus im Rahmen des damals Üblichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert dürfte sich die Zahl der Konventualen zwischen 20 und 25 bewegt haben. Der erste große Verlust kam durch die Ermordung einiger Chorherren bei der Eroberung von Herzogenburg im Jahr 1463 und dann durch die Pest. Die Reformation trug das ihre dazu bei, sodass es beim Tod des Propstes Bartholomäus von Cataneis 1563 wahrscheinlich überhaupt kein Konventmitglied mehr gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann gab es nur ein, später zwei Mitglieder, und mit dem Erstarken der Gegenreformation kam wieder Leben in die Stiftsgemäuer: im 17. Jahrhundert betrug der Personalstand zwischen acht und zehn Mitglieder. In der Barockzeit erreichte er die Zahl 25. Um 1800 waren 27 Priester, ein Kleriker und drei Novizen dem Stift zugehörig. Im 19. Jahrhundert stammten 47 Priester aus Niederösterreich, 21 aus der Tschechoslowakei und acht aus Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Jänner 1900 hatte dann das Haus den Höchststand in seiner Geschichte: von den 40 Mitgliedern waren 35 Priester, vier Kleriker und ein Novize. Im 20. Jahrhundert nahm die Zahl stetig ab, und zur Zeit gehören 13 Priester und drei Kleriker zum Stift. Die Priester stammten im letzen, d. h. im 20. Jahrhundert, zu gleichen Teilen aus dem Arbeiter- und Angestelltenstand bzw. aus der Landwirtschaft und aus Familien selbständig Tätiger (die Väter waren Fleischhauer, Fabrikanten usw.). Der größte Anteil von ihnen waren Niederösterreicher (15), dann Wiener (neun), sechs Priester kamen aus dem heutigen Tschechien. Je zwei stammten bzw. stammen aus Tirol, Deutschland und den Niederlanden. Je ein Professe kommt aus dem Burgenland und aus Belgien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Vom Ursprungskloster in St. Georgen haben sich keine Reste erhalten. Die frühesten Ansichten von diesem Bau stammen aus der Barockzeit. Es ist deshalb schwer zu beweisen, wie weit sie der Wirklichkeit entsprechen. Auf diesen Bildern ist eine Kirche als zentraler Rundbau zu sehen, wie es manchmal in der Romanik üblich war, davor zwei niedrigere Rundtürme mit der Prälatur, links davon der Küchenturm, der einem Rauchabzug ähnlich ist. Rechts von der Kirche befindet sich ein Fluchtturm mit den Glocken. Anschließend sind die Klostergebäude für die Chorherren und Gäste dargestellt. Der Klosterbau ist mit einer Mauer umgeben. Das Ganze ist wahrscheinlich ein liebevoller Versuch, das Ursprungskloster darzustellen. Diese Ansicht entspricht aber keiner romanischen Klosteranlage der damaligen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster in Herzogenburg sind wir besser informiert. Wahrscheinlich wurde 1244 zuerst mit dem Bau eines Konventtraktes begonnen, da der bestehende Pfarrhof für den 15 Mann starken Konvent zu klein gewesen ist. Von dieser Anlage hat sich noch der Südtrakt mit einem Kreuzgangabschnitt erhalten. Bei Renovierungsarbeiten zu Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Sandsteinsäulen mit herzförmigen Kapitellschilden und einfachen Rundsockeln freigelegt, die in die Mitte des 13. Jahrhunderts einzureihen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ehemalige Refektorium wurde zum Teil schon 1894 entdeckt, doch konnten die Fresken erst 1963 vollständig freigelegt werden. Diese Räume waren Teil des Gerichtsgebäudes: Wärterwohnung und Gefängniszellen. An der Südseite des gotischen Saales befinden sich drei Spitzbogenfenster. Den sechsjochigen Raum tragen zwei Steinpfeiler als Mittelstützen. An einem ist die Jahreszahl 1564 zu erkennen, die vielleicht auf eine spätere Renovierung zurückgeht. Ab einer Höhe von 1,70 m befinden sich figurale Wandmalereien. Die einzelnen Darstellungen des Zyklus sind unterschiedlich gut erhalten, zum Teil ist nur noch die rote Vorzeichnung vorhanden. Neben christologischen Szenen sind eine Sterbeszene im Kloster (vielleicht der Tod des Ordensgründers Augustinus) und ein hl. Georg wiedergegeben. Vom zweiten Bild der Nordwand ist die Darstellung des Stifters dieser Bilder Propst Georg Eisner mit seinem Konvent erhalten. Da er ohne Mitra gezeigt wird, ist die Entstehungszeit dieser Fresken kurz vor 1498 anzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der östlich an das Refektorium anschließende frühbarocke Saal wird auf einem Plan mit &amp;quot;Capitl&amp;quot; bezeichnet. Die Jahreszahl 1628 am Ostfenster gibt vielleicht den Abschluss des Umbaus an. Heute wird dieser Saal für das Urgeschichtsmuseum des Stiftes verwendet. Wahrscheinlich besaß dieser Konventtrakt aufgrund der Größe der Stiftsgemeinschaft ursprünglich schon einen ersten Stock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei anderen Flügel des Konventbaues wurden wegen des Kirchen- bzw. Schulneubaus weggerissen. Über die Funktion der Räumlichkeiten sind wir zum Teil durch einen Plan von Johann Michael Hergöth unterrichtet, den er um 1700 gezeichnet hat: ebenerdig gab es drei Sakristeiräume, eine Schneiderei, den Mesnerkeller und das erwähnte Refektorium. Im ersten Stock waren die Zimmer der Chorherren, die Wohnung des Dechants und die Bibliothek untergebracht. Im Kreuzgangbereich lag noch die alte Totenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite des Konventbereiches steht auch heute noch der Kirchenbau. Von der mittelalterlichen Kirche ist nur das gotische Kirchenportal aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten. Aus den Umbauplänen können wir schließen, dass dieser Bau als Pfeilerbasilika auf kreuzförmigem Grundriss errichtet war, ähnlich der Michaelerkirche in Wien. Nördlich der Kirche waren die Kanzleiräume und die Prälatur. Entlang des Baches lagen die Wirtschaftsräume mit einem weithin sichtbaren Fluchtturm (Kuchlturm). Von diesen Gebäuden steht nur noch die Mühle, die heute als Elektrizitätswerk die Wasserkraft nutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm von Schmerling (1709–1721) entschloss sich für den Neubau des Stiftes. Am 25. Mai 1714 wurde dazu der Grundstein gelegt und Jakob Prandtauer wurde mit der Planung und Ausführung betraut. Propst Hieronymus Übelbacher von Dürnstein bezeichnet Prandtauer als &amp;quot;fürnehmen baumeister zu St. Pölten und vielleicht fürnehmsten in ganz Österreich&amp;quot;. Prandtauer begann mit dem Bau des Südtraktes. Der Osttrakt mit dem großen Festsaal wurde nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet. 1720 wurde die Einfahrtshalle aufgeführt. Auch hier dürften Vorschläge von Fischer mitverarbeitet worden sein. Im Quertrakt, zwischen den beiden Höfen, wurden im Erdgeschoß die beiden Sakristeien eingerichtet: Herren- und Prälatensakristei. Die qualitätvollen Stukkaturen gehen auf Michael Bolla, 1717, zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1721 starb Propst Wilhelm Schmerling. Sein Nachfolger Leopold von Planta (1721–1740) ließ weiterbauen, und zur Zeit des Todes von Jakob Prandtauer war das Stiftsgebäude zu einem provisorischen Abschluss gekommen, der aber zum dauernden wurde, denn der Westtrakt des &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; blieb unausgeführt. Propst Leopold ließ vom Nachfolger Prandtauers, dem Stiftsbaumeister Joseph Munggenast, den Meierhof aufführen und in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts den Stiftsbau durch die Errichtung des nördlichen Vorbaues und des Georgitores äußerlich abschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Westtrakt aus Sparmaßnahmen nicht ausgeführt wurde, errichtete der Propst die dort geplante Bibliothek im Mitteltrakt, und die in diesem Teil schon begonnene Prälatur wurde in den Nordostteil des Gebäudes verlegt. Die Gärten ließ er in barocker Manier anlegen und die Brücke über den Mühlbach sowie den &amp;quot;Springbrunn unter dem Großen Saal&amp;quot; mit einigen &amp;quot;Kindln&amp;quot; (Sandsteinfiguren) versehen. Diese Gartenplastiken und auch die Zwergenfiguren aus dem Zwerglgarten sind heute verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leopold kaufte auch vom Wiener Goldschmied Johann Kaspar Holbein einige Brustkreuze, Kelche und vor allem eine wertvolle Monstranz, deren Entwurf auf Matthias Steinl zurückgehen könnte und die im Raritätenkabinett erhalten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung der fertiggestellten Stiftsgebäude erlebte Propst Leopold nicht mehr. Ein Jahr nach seinem Tod wurde die Weihe am Georgstag, den 24. April 1741, von seinem Nachfolger Frigdian Knecht (1740–1775) vorgenommen, der dann auch die &amp;quot;Kapitularen in die neue, freundliche Klausur&amp;quot; führen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich Propst Frigdian zum Neubau der Kirche. Am 26. Juni wurde unter Beisein des Malers Daniel Gran der Grundstein an der Epistelseite der Apsis (rechte Seite der Kirche) gelegt. Die Inschriftplatte aus vergoldetem Kupfer führt Franz Munggenast als Baumeister an. Im selben Jahr, in dem der Rohbau fertig wurde, 1748, starb der junge Baumeister mit 24 Jahren. Seine Genialität wird an dieser Kirche, die zu den großen Leistungen des österreichischen Barock gezählt werden darf, sichtbar. Sein Bruder Matthias folgte als Stiftsbaumeister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kircheninneren malte Daniel Gran 1746 das Hochaltarbild und im Presbyterium die beiden Fresken. Wegen finanzieller Unstimmigkeiten und anderer Meinungsverschiedenheiten kam es zum Bruch mit dem Künstler. Der Propst vergab daher die weiteren Arbeiten in der Kirche, die Freskenmalerei und sämtliche Altarbilder mit den Ovalbildern, an Bartolomeo Altomonte, der sie von 1753 bis 1771 ausführte. Die dekorative Malerei in den Kirchenkuppeln (oberhalb des Hauptgesimses) stammt von Domenico Francia aus Bologna. Die Aufbauten für den Hochaltar (1770) und die Seitenaltäre, die Ballustraden (Kommuniongitter) und die Kanzel (1773) der Kirche stammen von Jakob Mösl, die Altarplastiken von Johann Josef Rößler, das Chorgestühl (1772) und die Volksstühle (1775) vom Klostertischler Lorenz Horeß.&lt;br /&gt;
Die herrliche Ampel wurde 1770 von Johann Christoph Beuermann aus Wien geliefert. Das Glanzstück der Kirche ist die 1752 fertiggestellte Orgel von Johann Henke, dem bedeutendsten Wiener Orgelbauer dieser Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1680 befand sich in der alten Kirche ein aus Ungarn stammendes Marienbild, das &amp;quot;orientalische Frauenbild&amp;quot;, zu dem viele Wallfahrer kamen. Nach der Fertigstellung des barocken Seitenaltares im Neubau der Kirche wurde es 1771 von Propst Frigdian Knecht eigenhändig in einer Prozession, die ihn durch beide Märkte führte, auf den heutigen Platz übertragen. Gegenüber dem Marienaltar liegen in einem Schrein die Gebeine des hl. Urban. Sie stammen aus den Kalixtuskatakomben in Rom und wurden 1740 dem Stiftsdechant Michael Koch geschenkt.&lt;br /&gt;
Als 1771 der barocke Augustinusaltar fertiggestellt war, fand dort der urchristliche Märtyrer seine endgültige Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das jüngste Kunstwerk der Kirche ist der Volksaltar, der 1994 vom Wiener Künstler Wander Bertoni angefertigt wurde und die Schöpfung zum Thema hat. Die Krönung der Bautätigkeit des Propstes Frigdian Knecht war die Neugestaltung des Kirchturmes nach einem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach, unter Mithilfe des Baumeisters Matthias Munggenast. Mit Recht sieht der Stiftschronist Frigdian Mies im Turm den ins Große strebenden Geist des Propstes. Die originelle Turmspitze mit Herzogshut und Stiftskreuz wurde am 6. Juli 1767 &amp;quot;um die Mittagszeit unter Pauken- und Trompetenschall aufgesetzt&amp;quot;. 1756 hatte der Propst die Chorkapelle mit Fresken von Martin Johann Schmidt (&amp;quot;Kremser Schmidt&amp;quot;) und einem Verkündigungsbild von Martin Altomonte ausschmücken lassen. Im Festsaal malte Bartolomeo Altomonte 1772 das Fresko &amp;quot;Das seelsorgliche Wirken der Augustiner-Chorherren im Bistum Passau&amp;quot;. Das Fresko an der Decke der Prälatenstiege &amp;quot;Die Übertragung der Kanonie von St. Georgen nach Herzogenburg&amp;quot; ist signiert mit &amp;quot;Barto Altomonte fec. 1779 aetatis suae 79&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Augustin Beyer (1779–1780) wurde auch die Bildergalerie fertiggestellt. Die Gemälde sind nach einem dekorativen Schema angeordnet: ein zentrales Mittelstück, von kleineren Gemälden umrahmt. Die Bilder wurden zu diesem Zweck auch vergrößert, verkleinert oder sogar geteilt, um der Symmetrie zu entsprechen. Dieser &amp;quot;geistlichen Galerie&amp;quot; kommt nicht nur wegen ihres kulturgeschichtlichen Wertes große Bedeutung zu, es befinden sich unter den 144 Bildern auch hervorragende Kunstwerke, u. a. eine Vincenzo di Biagio Catena zugeschriebene &amp;quot;Heilige Familie&amp;quot; oder ein auf Holz gemaltes deutsches Männerporträt mit der Signatur &amp;quot;H. H. 1521&amp;quot;, das als Werk Holbein d. J. bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man in Österreich die Kunstschätze vergangener Jahrhunderte noch als entbehrlichen &amp;quot;Raritätenkram&amp;quot; verstand, förderte Propst Aguilin Leuthner (1811–1832) die seltsame Sammelleidenschaft seines Mitbruders Ludwig Mangold. Nach dem Vorbild der alten &amp;quot;Kunst- und Wunderkammern&amp;quot; aus der Renaissancezeit hatte der junge Ungar im Stift ein &amp;quot;Antiken- und Raritätenkabinett&amp;quot; im zweiten Stock über der Prälatur angelegt, das zum Grundstein der heutigen Stiftssammlung wurde. Ein Verzeichnis dieser Raritäten wurde im Juni 1815 von ihm angefangen und hat folgende Hauptabteilungen: &amp;quot;A Mahlerey und Mosaique, B Bildhauerey, Schnitz- und Gußwerk, C Kupferstiche und Handzeichnungen, D Glasarbeiten, E Uhren, F Becher und andere Gefaße, G Kleidungsstücke, H Musicalische Instrumente, I Waffen, K Römische Alterthümer, L Verschiedene Seltenheiten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die meisten der hier verzeichneten Gegenstände sind noch im Besitz des Stiftes und waren im Rahmen der Ausstellung &amp;quot;Kunstschätze im Stift Herzogenburg&amp;quot; zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunstwerke wurden 1964 in den ehemaligen Gästezimmern topographisch aufgestellt, d. h. nach Möglichkeit nach ihrem Herkunftsort gruppiert. Das Hauptstück der Sammlung ist der &amp;quot;Jüngere Aggsbacher Hochaltar&amp;quot;, ein 1501 in Krems gemaltes Werk von Jörg Breu von Augsburg. Eine vorzügliche Schnitzarbeit ist die realistisch gehaltene Skulpturengruppe des &amp;quot;Marientodes&amp;quot; um 1500, möglicherweise der Mittelteil der Predella des Jörg-Breu-Altares. Weiters soll hier die „Stiftertafel&amp;quot; aus der Zeit um 1500 erwähnt werden, eine Votivtafel mit dem Bildnis des Bischofs Ulrich I. von Passau und der &amp;quot;porträthaften&amp;quot; Darstellung des mittelalterlichen Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Höhepunkt der spätbarocken Abteilung bilden Werke von Daniel Gran, vor allem das vergoldete Modell für den Hochaltar um 1746 mit dem unmittelbaren Entwurf für das Hochaltarbild und ein äußerst lebendiges Selbstporträt. Einen besonderen Schatz stellt der Bestand von zehn Ölskizzen und Bildern von Bartolomeo Altomonte dar, darunter Entwürfe für die Fresken in der Stiftskirche und ein höchst interessantes Selbstporträt aus dem Jahr 1774. In der Prälatur haben sich auch einige erwähnenswerte Kunstgegenstände erhalten, z. B. ein seltener Venezianer Spiegel vom Beginn des 18. Jahrhunderts, der neben reichem Ornament und alter Verglasung gravierte bérainsche Ornamentik in dem Rahmenspiegelchen trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Refektorium wurde bis in die sechziger Jahre als Speisesaal der Chorherren benützt. 1975 wurde es renoviert und als &amp;quot;Augustinussaal&amp;quot; ein Veranstaltungszentrum für Stift und Pfarre. Im Südosten des Stiftes befindet sich im zweiten Stock das &amp;quot;Mexikanische Zimmer&amp;quot;. In diesem Raum war die von Propst Norbert Zach (1857–1887) erworbene Sammlung von Geräten, Waffen und Schmuckgegenständen der Ottawa-Indianer aufgestellt. Sie musste in den zwanziger Jahren veräußert werden.&lt;br /&gt;
Interessant ist das Zimmer heute wegen der zwölf Wandgemälde, die in der romantischen Gesinnung des späten 19. Jahrhunderts Motive aus Österreich darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Exponate der urgeschichtlichen Sammlung des Stiftes Herzogenburg kamen aus der Ausgrabung eines eisenzeitlichen Friedhofes von Statzendorf. Der Göttweiger Abt Adalbert Dungl war maßgeblich daran beteiligt. Die Pröpste Georg III. Baumgartner (1913–1927) und Georg IV. Hahnl (1946–1963) haben durch eigene Grabungen wesentlich zur Vervollständigung dieser Sammlung beigetragen. Zusammen mit Dungl waren sie die Pioniere der prähistorischen Archäologie im unteren Traisental.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Heute enthält die urgeschichtliche Sammlung eine Reihe von Steingeräten aus der Altsteinzeit, eine große Zahl von Fundstücken der Jungsteinzeit und Keramiken aus der frühen Bronzezeit, wie etwa den Fund von 17 Töpfen aus St. Andrä an der Traisen, Objekte der Hügelgräber und Urnenfelderkultur und weitere bedeutende Funde aus der Eisenzeit, wie Beigaben der Hallstadtkulturen aus den Gräberfeldern von St. Andrä und Statzendorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Römische Funde waren bis auf einige Münzen im Raum von Herzogenburg eher spärlich, bis 1972 aus der Zeit der römischen Kaiser ein Zeremonienhelm mit Gesichtsmaske unweit des Stiftes gefunden wurde, der zu den bedeutendsten Denkmälern römischer Kunst auf österreichischem Boden gerechnet werden muss. Mit seinen &amp;quot;Alexanderlocken&amp;quot; gehört er zum orientalischen Typus. Damit ist er ein Beispiel dafür, wie weit vorderorientalische Mysterienkulte im 2. und 3. Jahrhundert verbreitet waren. Dieses Unikat ist im Raritätenkabinett im ersten Stock ausgestellt, während alle anderen Funde im frühbarocken Refektorium im Altstift zu sehen sind. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Eine fachkundige Neuaufstellung wird derzeit von Univ.-Doz. Dr. Johannes-Wolfgang Neugebauer vorgenommen.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Als 1512 in Herzogenburg ein Großbrand wütete, wurden einige Trakte des Stiftes in Schutt und Asche gelegt. Die Bibliothek wurde dabei auch ein Raub der Flammen. Wahrscheinlich besaß damals das Stift über 100 handgeschriebene Bücher und vielleicht ebensoviele Inkunabeln. Wieviele Bücher gerettet werden konnten ist leider nicht überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten großen Förderer der mittelalterlichen Bibliothek waren die beiden Pröpste Johannes III. von Parsenbrunn (1401–1433) und Johannes IV. von Linz (1433–1457). Aus der Zeit vor dem Brand haben sich einige Buchfragmente erhalten. Fragment 42 aus dem 9. Jahrhundert ist das älteste Stück der Bibliothek.&lt;br /&gt;
Von der Wende des 12. zum 13. Jahrhundert stammt das Fragment 32 mit Teilen eines Legendars. Das Fragment 43 ist Teil eines Nekrologiums vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Es ist ein sicheres Zeugnis für die Schreibkultur des Stiftes in St. Georgen. Ob das Stift dann in Herzogenburg eine eigene Schreibschule besessen hat, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Auf jeden Fall sind keine Handschriften auf Pergament mit wertvollen Initialen auf uns gekommen, sondern nur anspruchslose, auf Papier geschriebene Bücher. Sie haben alle einen praktisch-theologischen Inhalt und stehen im Zusammenhang mit den Seelsorgeaufgaben des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Schreiber waren mit Sicherheit Klosterangehörige, von weiteren sieben ist es unsicher. Die kunsthistorisch kostbarsten Handschriften wurden erst in späteren Jahrhunderten angekauft. Den ersten größeren Zuwachs nach dem Brand erfuhr die Bibliothek durch Propst Philipp von Maugis (1541–1550), der vor allem humanistische Werke bzw. lateinische und griechische Klassikerausgaben erwarb und die von seinem Bruder ererbte Bibliothek der Stiftsbibliothek einverleibte.&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Herb (1687–1709) erbte ebenfalls von seinem Bruder 173 Bücher meist theologischen Inhalts, die in zwei Fässern und einer großen Truhe verpackt auf der Donau von Deutschland nach Krems transportiert und von dort ins Stift gebracht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge des barocken Stiftsneubaus wurde die Bibliothek von 1751 bis 1754 von Propst Frigdian Knecht (1740–1775) erbaut. Die Ornamentmalerei fertigte Domenico Francia an, die figuralen Grisaillen wurden von Bartolomeo Altomonte gemalt. Die einfachen, doppelteiligen Bücherschränke wurden vom Orgelbauer Johann Henke entworfen. Propst Frigdian sammelte die Bücher &amp;quot;mit einem unersättlichen Hunger&amp;quot;, wie er selber scherzend zu sagen pflegte. Er erwarb u. a. die Bibel von 1205 (HS 100) und die kostbare Handschrift &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; (HS 95) aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Stephan Peschka (1775–1779) und Michael Teufel (1781–1809) erwarben durch den Exjesuiten Abbé Johann Christoph Regelsberger viele Bände bei Bücherauktionen aus den Beständen aufgehobener Klöster. Mit der Übernahme der aufgehobenen Stifte St. Andrä an der Traisen 1783 und Dürnstein 1788 kamen nur wenige Bücher, nachweislich nur einige Handschriften und Inkunabeln, nach Herzogenburg. Der Großteil des Bücherschatzes kam in die Wiener Hofbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Petrus Schreiber]], von 1781 bis 1788 auch Stiftsdechant, war mit Unterbrechung fast 25 Jahre Bibliothekar. Eine große Anzahl von Büchern mit einheitlichen barocken Einbänden kam durch ihn in die Bibliothek. Sie tragen auf dem Einbanddeckel die goldenen Buchstaben &amp;quot;P. S.&amp;quot;. Ebenso vermachte er dem Stift 15 Inkunabeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Inventar von 1832 beziffert den Buchbestand summarisch mit etwa 10.000 Bänden. 1887 war der Besitz bereits auf 50.000 Bände, 253 Inkunabeln und 223 Handschriften angewachsen. Dieser Zuwachs dürfte auch die Erweiterung der Bibliotheksräumlichkeiten veranlasst haben. Unter Propst Norbert Zach (1857–1887) wurden 1870 die Gänge im zweiten Stock des Stiftes mit Bibliothekskästen ausgestattet. Unter ihm waren als Bibliothekare die bedeutenden Stiftshistoriker [[Wilhelm Bielsky]], [[Michael Faigl]] und Frigdian Schmolk tätig. Sie veröffentlichten viele Beiträge zur Stiftsgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine großzügige Erweiterung erfuhr die Stiftsbibliothek zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gräfin Maria Falkenhayn übergab 1905 dem Stift die 30.000 Bände ihrer Schlossbibliothek in Walpersdorf. Neben diesen gräflichen Exlibris finden sich in der Sammlung auch Werke mit den Besitzvermerken der Jörger, Colloredos und der Herrschaften Droß und Ottenschlag.&lt;br /&gt;
Während der Weltwirtschaftskrise kam es 1927 zur Veräußerung von Inkunabeln, die vergleichsweise die Höhe des Schätzwertes der ehemaligen Stiftstaverne ausmachten. Ebenso wurde in den sechziger Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eine große Anzahl von Büchern veräußert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anläßlich der Ausstellung im Jahr 1964 &amp;quot;Das Stift und seine Kunstschätze&amp;quot; wurde eine Neuaufstellung der Bücherbestände begonnen, die aber &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bis heute nicht fertiggestellt werden konnte&amp;lt;/span&amp;gt;. Derzeit ist die Bibliothek auf mehrere Standorte verteilt und lediglich die Handschriften, die Inkunabeln und die Druckwerke bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden nach dem Erscheinungsdatum geordnet. Der Rest ist weitgehend unbearbeitet. Der Gesamtbestand wird auf 80.000 Bände geschätzt. Dazu kommen noch 150 Inkunabeln und 150 mittelalterliche Handschriften. Die älteste Handschrift ist ein österreichisches Psalterium des 12. Jahrhunderts (HS 106). Die gut geschriebene Handschrift enthält eine Reihe von großartigen Initialen. Die bedeutendste Handschrift der Bibliothek ist Cod. 95 &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; von Gregor d. Gr. Sie wurde um 1260 in Mainz oder Regensburg geschrieben und enthält 36 ausgezeichnete Initialminiaturen im Stil der deutschen Malerei der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Cod. 223 ist eine oberitalienische Bibel der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit großen figurierten Initialen; fast alle Spalten tragen Federranken. Am Beginn der Genesis findet sich eine Gegenüberstellung der sieben Schöpfungstage mit christologischen Szenen. Ein österreichisches Graduale (HS 97) vom Beginn des 14. Jahrhunderts trägt auf jeder Seite Notenzeilen und stammt aus einem Zisterzienserkloster. Sehr schön ist eine französische Bibel mit Miniaturinitialen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (HS 99).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Ausgabe von Gregors &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; ist der zweibändige Cod. 94 aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts mit 18 figurierten Initialen, die von fünf Meistern stammen, die den Wenzelsbibelmeistern nahestehen. Die Handschrift wurde laut Eintragung in der Kartause Mauerbach geschrieben und war 1397 im Besitz der Kartause Olmütz. Wann und wie sie nach Herzogenburg kam, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der bedeutenden Sammlung von Wiegendrucken seien folgende hervorgehoben: ein sehr schöner Venezianer Druck von 1478, Lactantius Firmianus &amp;quot;Gegen die Haiden&amp;quot;; drei ausgezeichnete Kobergerdrucke aus Nürnberg, 1481; die Briefe des Ennea Sylvius Piccolomini (Papst Pius II.); ebenso von 1481 ein Kommentar zum Neuen Testament von Nicolaus de Lyra mit gezeichneten Initialen; und von 1483 ein Fastenbuch von Johannes Guitsch, gedruckt im Charakter der spätgotischen Handschriften. Ein Zisterzienser-Missale aus Paris um 1487 ist mit kleinen kolorierten Holzschnitten illustriert. Zwei sehr gute Ausgaben der interessanten Weltgeschichte von Rolewinck seien noch angeführt. Die eine Wiener Ausgabe von 1490 ist reich mit Holzschnitten illustriert, die zweite aus Köln mit vielen Holzschnitten in der Art der &amp;quot;Schedelschen Weltchronik&amp;quot; aus dem Ende des 15. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abschluss ist noch eine Postilla von Cuilcrinus, Augsburg 1495, die ebenfalls mit Holzschnitten illustriert ist, zu erwähnen. Die oben beschriebenen Handschriften und Frühdrucke sind im Hauptraum der Bibliothek in Vitrinen ausgestellt und bei jeder Führung durch das Stift zu besichtigen. In diesem Bibliothekssaal befinden sich in den Bücherschränken nur Bücher aus dem 18. Jahrhundert, um den Eindruck einer barocken Schaubibliothek zu vermitteln.&lt;br /&gt;
Durch die bescheidene Einrichtung wirkt die Bibliothek wie eine heimelige Studierstube. Die letzte Handschrift wurde 1990 erworben. Sie ist ein türkisches Gebetbuch aus dem 19. Jahrhundert in arabischer Zierschrift. In der Mitte des Buches finden sich zwei romantisch gemalte Ansichten der Moscheen in Mekka und Medina.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Das Herzogenburger Stiftsarchiv besteht aus vier Abteilungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) dem Archiv des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen/Herzogenburg mit 1.745 registrierten Urkunden (1112–1852) und zahlreichen nicht bearbeiteten Urkunden (ab 1852), 264 Büchern und 647 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit 327 registrierten Urkunden (998–1776), sechs Büchern und 225 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein mit 718 registrierten Urkunden (1306–1768), 36 Büchern und 90 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) dem Archiv des aufgehobenen Clarissenklosters Dürnstein mit 357 registrierten Urkunden (1289–1658) und ca. 20 Büchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Dokument im Stift Herzogenburg ist die Gründungsurkunde (1112) von Bischof Ulrich von Passau (Sta. Hn. 1a). Sie ist eine der formvollendetsten Urkunden aus der Schreibstube des Bistums Passau. Äußerst interessant ist die Traditionsnotiz (Sta. Hn. 1b), die ein Konzept zur Gründungsurkunde darstellt und sechs weitere protokollarische Notizen enthält, die an verschiedenen Orten abgefasst wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historisch bedeutsam für das Stift ist auch die Übertragungsurkunde von 1244 (Sta. Hn. 38). Die schweren Zeiten des 15. Jahrhunderts sowie der Brand des Klosters im Jahr 1512 dürften dem Archiv nicht allzusehr zugesetzt haben. Alle wichtigen Urkunden sind im Original vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes VII. Glaz (1569–1572) veranlasste eine Aufzeichnung und Registrierung der &amp;quot;Pergament-Brieff&amp;quot;. In dem 1570 angelegten Verzeichnis wird das Archiv als „Registratur&amp;quot; bezeichnet. Entsprechend dem damaligen Kanzleigebrauch, dessen Vorbild die Kanzlei des Regiments der niederösterreichischen Lande war, wurden auch in Herzogenburg die Urkunden, damals insgesamt 46 Stück, in einem mit Laden versehenen Kasten und die weniger wichtigen Akten in einem Sack aufbewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1683 wurden das Archiv und die Schatzkammer vor den heranrückenden Türken in das Chorherrenstift Dürnstein verlagert und 1684 wieder zurückgebracht. Die zeitlich nächstfolgende Bestandsaufnahme des Stiftsarchivs erfolgte zwischen 1730 und 1740. &amp;quot;Ain großer mit Eyßen schön beschlagener Casten, hat 36 unterschidliche litterirte gemahlene Laden&amp;quot;. Er diente als Aufbewahrungsort für das als &amp;quot;gehaimbtes Gwölb&amp;quot; bezeichnete Hauptarchiv. Diesem wurden 1745 Schriften und Akten des Hofrichters und des Stiftskämmerers einverleibt. Genaue, nach Grundherrschaften bzw. Sachgebieten angelegte und geordnete Inventarien zeugen von der Sorgfalt, mit der das Stiftsarchiv unter Propst Frigdian I. Knecht (1740–1775) betreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte im Streben nach dem Wissen über die eigene Vergangenheit die ersten wissenschaftlichen Bearbeitungen des Urkundenbestandes durch die Herzogenburger Chorherren [[Wilhelm Bielsky]] (Die ältesten Urkunden des Kanonikatsstiftes St. Georgen in Unterösterreich von 1112–1244, Wien 1852) und [[Michael Faigl]] (Die Urkunden des regulierten Chorherrenstiftes Herzogenburg vom Jahre seiner Übertragung von St. Georgen 1244–1450, Wien 1886).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich wurde in den Jahren 1930 bis 1935 der unübersehbare Bestand an Akten und Büchern durch Dr. Göhler geordnet und durch eine Zettelkartei der Forschung zugänglich gemacht. In der insgesamt 1.745 Urkunden umfassenden Urkundenreihe vom Stiftsarchiv Herzogenburg gibt es neben einer Vielzahl von Stiftungs- und Schenkungsurkunden auch Urkunden von Päpsten und Landesfürsten. Die älteste Papsturkunde wurde 1177 von Papst Alexander III. ausgestellt, die erste in deutscher Sprache abgefasste Urkunde stammt aus dem Jahr 1292.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als einzigartiges Dokument soll eine Urkunde Erwähnung finden, die von Mönchen des Katharinenklosters am Sinai und Chorherren des Stiftes Herzogenburg im Jahr 1491 gezeichnet wurde. Damals haben zwei griechische Sinaimönche Herzogenburg besucht und mit den hiesigen Chorherren eine Gebetsverbrüderung geschlossen und besiegelt – ein merkwürdiges und einmaliges Zeugnis für die Verbindung der Ost- und Westkirche im ausgehenden Mittelalter nach dem Fall von Konstantinopel (Sta. Hn. 538).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Grundbücher, wertvolle Unterlagen zur Erforschung der Besitz- und Bevölkerungsgeschichte im Raum Herzogenburg, wurden im 12. Jahrhundert angelegt. Hinzu tritt jene Masse des Archivmaterials, die als Akten des adeligen Richteramtes über die Untertanen aus der Amtstätigkeit des Stiftes erwachsen sind: Grundbuchsakten ab 1340, Testamente ab 1500, Verwaltungsakten über den Oberen Markt Herzogenburg, Korrespondenzen mit den umliegenden Grundherrschaften. Diese Schriftstücke zeigen den Kampf des Stiftes um seine Rechte und Besitzungen, unter welchen besonders Fischerei- und Wasserrechte auf der Traisen und Jagdrechte in den Auen im Vordergrund stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Rechnungsbüchern und Rechnungsakten finden sich genauere Aufzeichnungen über den Bau der barocken Stiftsgebäude und der inkorporierten Pfarrkirchen mit ihren Pfarrgebäuden. Eigenhändige Unterschriften auf den Quittungen sind zu finden von Jakob Prandtauer, der Familie Munggenast, Bartolomeo Altomonte, Daniel Gran, vom Salzburger Steinmetzmeister Jakob Mösl, vom Wiener Goldschmied Johann Caspar Holbein und vielen anderen. Bei der Durchsicht von unbearbeiteten Archivmaterialien konnte ein eigenhändig geschriebener Brief von Martin Luther von 1541 aufgefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Auflösung der Chorherrenstifte St. Andrä und Dürnstein kamen deren Archive nach Herzogenburg. Propst Michael Teufel (1781–1809) hat sich sehr um ihre Erhaltung und sichere Aufbewahrung bemüht. Die älteste Urkunde von St. Andrä ist eine Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. aus dem Jahr 998 (Sta. An. 1). Die Stiftungsurkunde von St. Andrä stammt aus dem Jahr 1160 und ist mit 44 Zeugen belegt (Sta. An. 4). Zu erwähnen ist noch eine prunkvolle Ernennungsurkunde des Chorherren Johannes Zwickl zum Kommissär für den Türkenablass des Papstes Innozenz VIII. von 1490 in teilvergoldeter Schrift mit reichen Initialen (Sta. An. 208). Alle drei Dokumente zählen zu den Zimelien dieser Urkundenreihe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Archiv der Chorherren von Dürnstein ist der Stiftungsbrief vom 18. Februar 1410 (Sta. CDn 147) der absolute Höhepunkt. Der linke Rand dieser Urkunde ist mit einer Reihe von höchst bedeutenden Miniaturen versehen, die sowohl der böhmischen wie der Wiener Buchmalerei des frühen 15. Jahrhunderts nahestehen. Die angehängten sechs Siegel sind noch vorhanden. Zwei im selben Jahr ausgestellte Urkunden tragen schöne Initialmalereien (Sta. CDn 149 und 150).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Im Gegensatz zum &amp;quot;Archiv Herzogenburg&amp;quot; sind die Urkunden, Bücher und Akten der drei anderen Archive noch nicht publiziert und daher wissenschaftlich noch wenig ausgewertet. &lt;br /&gt;
Derzeit (1995) wird die Einrichtung des Archives erneuert und auf den letzten technischen Stand gebracht. Damit ist auch der Wunsch verbunden, dass die letzten 150 Jahre archivmäßig aufgearbeitet werden.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Historische Namensformen===&lt;br /&gt;
* WEIGL, Heinrich, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, 8 Bde., Wien 1964–1981.&lt;br /&gt;
* SCHUSTER, Elisabeth, Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, 1. Teil (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B), Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
* HAUSNER, Isolde / SCHUSTER, Elisabeth, Altdeutsches Namenbuch, Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politische und kirchliche Topographie===&lt;br /&gt;
* WOLF, Hans, Niederösterreich (Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 6. Teil), Wien 1955.&lt;br /&gt;
* RUPP / SCHMIDTBAUER, Herzogenburg, 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Franz Reininger: Die Wiegendrucke der Stiftsbibliothek Herzogenburg. In: Mitteilungen des Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 12 (1908), S. 109–127.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Katalog der Handschriften der Stiftsbibliothek Herzogenburg. St. Pölten 1978. [https://manuscripta.at/diglit/winner_1978_1/0001 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Mayo Hope: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed for the Hill Monastic Manuscript Library, Austrian Libraries. Volume III: Herzogenburg. Collegeville, Minnesota, 1985. [https://archive.org/details/HMMLAustriaInventory3 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Franz Lackner: Datierte Handschriften in niederösterreichischen Archiven und Bibliotheken bis zum Jahre 1600. Wien 1988 (Katalog der datierten Schriften in lateinischer Sprache in Österreich, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kunst- und Baugeschichte===&lt;br /&gt;
* HEIDER, Gerhard / HÄUFLER, J. V., Archäologische Notizen (Archiv für österreichische Geschichte II/1), Wien 1850, 139–178.&lt;br /&gt;
* RIESENHUBER, Martin, Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Bistums St. Pölten, St. Pölten 1923.&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer. Der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* PETERMAIR, Hans, Die bauliche Anlage der Stifte in Altenburg, Herzogenburg und Seitenstetten und ihre baukünstlerischen Beziehungen im Mittelalter und in der Barocke, masch.geschr. techn. Diss., Wien 1934.&lt;br /&gt;
* STEINER, Ubald, Die Stiftskirche zu Herzogenburg. Beiträge zur Baugeschichte nach Aufzeichnungen des Propstes Georg Baumgartner, in: Pfarramtliche Nachrichten für den Kirchensprengel Herzogenburg 21 (1935), Nr. II/12.&lt;br /&gt;
* MUNGENAST, Emmerich, Joseph Munggenast. Der Stiftsbaumeister 1680–1741, Wien 1963.&lt;br /&gt;
* FEUCHTMÜLLER / WEBER, Stift und Kunstschätze, 1964.&lt;br /&gt;
* HEINZL, Brigitte, Bartolomeo Altomonte, Wien/München 1964.&lt;br /&gt;
* BIBA, Otto, Die Orgelakten des Stiftes Herzogenburg, in: Unsere Heimat, Zeitschrift des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 41 (1970), Heft 1, 9–24.&lt;br /&gt;
* GÜTHLEIN, Klaus, Der österreichische Barockbaumeister Franz Munggenast, phil. Diss., Heidelberg 1973.&lt;br /&gt;
* KNAB, Eckhart, Daniel Gran, Wien/München 1977.&lt;br /&gt;
* CÄSAR, Menz, Das Frühwerk Jörg Breus des Älteren, Augsburg 1982.&lt;br /&gt;
* EGGER / HESSLER / PAYRICH / PÜHRINGER / FASCHING, Stift Herzogenburg, 1982.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Hermann-Fichtenau: Der Bildersaal im Stift Herzogenburg, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 38 (1984).&lt;br /&gt;
* SERVUS, Die Entstehung der barocken Klosteranlage, 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Moseneder: Passau im Gedächtnis Herzogenburgs. Zur Ikonologie des Augustiner-Chorherrenstift. In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch 31 (1989), S. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;##&amp;lt;/span&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* Karl Thomas (Bearb.): Die Baumeisterfamilie Munggenast. Sonderausstellung des Stadtmuseums St. Pölten anläßlich des 250. Todestages von Joseph Munggenast. St. Pölten 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Oskar Freiherr von Mitis: Studien zum älteren österreichischen Urkundenwesen. 5 Bände. Wien 1906–1912.&lt;br /&gt;
* Franz Stundner: Das Archiv des Stiftes. In: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Hg. von Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber. Herzogenburg 1964, S. 83–86.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sonstige Literatur===&lt;br /&gt;
* Georg Baumgartner: Herzogenburg. In: Topographie von Niederösterreich. Band IV. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Wien 1896, S. 209–238.&lt;br /&gt;
* Gerhart Egger / Walter Hessler / Wolfgang Payrich / Leonore Pühringer / Herbert Fasching: Stift Herzogenburg und seine Kunstschätze. St. Pölten 1982.&lt;br /&gt;
* Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Herzogenburg 1964.&lt;br /&gt;
* Maximilian Fürnsinn: Stift Herzogenburg 1938–1945. In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 22/4 (1975), S. 132–140.&lt;br /&gt;
* Maria Hasitscha-Köck: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg während der Zeit des Propstes Michael Teufel von 1781 bis 1809. Diss. Univ. Wien. Wien 1973.&lt;br /&gt;
* Andreas Karl Kaiser: 975 Jahre Pfarre Herzogenburg (1014–1989). Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1989.&lt;br /&gt;
* Gerhard Nikodim: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg von 1513 bis 1602. Diss. Univ. Wien. Wien 1968.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich: Das Stift Herzogenburg. Die 875-jährige Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen-Herzogenburg von 1112–1987. Dipl.-Arb. Univ. Linz. Linz 1987.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich / Hans Peter Schmidtbauer: Unsere Kirche lebt. 200 Jahre Stiftskirche Herzogenburg. St. Pölten 1985.&lt;br /&gt;
* Anton Rupp / Hans Peter Schmidtbauer: Herzogenburg. St. Pölten / Wien 1991.&lt;br /&gt;
* Werner Sandner: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg von 1244 bis 1513. Diss. Univ. Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Frigdian Schmolk: Stift der regulirten lateranensischen Chorherren zu Herzogenburg in Nieder-Oesterreich. In: Ein Chorherrenbuch. Geschichte und Beschreibung der Bestehenden und Anführung der aufgehobenen Chorherrenstifte. Augustiner und Prämonstratenser in Österreich-Ungarn, Deutschland und der Schweiz. Hg. von Sebastian Brunner. Würzburg 1883, S. 200–263. [https://books.google.at/books?id=GoJJAAAAIAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA199-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Harald Servus: Die Entstehung der barocken Klosteranlage in Herzogenburg und ihre geschichtlichen Voraussetzungen. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1987.&lt;br /&gt;
* Egon Wahl: Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit besonderer Berücksichtigung der rechtlichen, besitz- und personalgeschichtlichen Verhältnisse. Diss. Univ. Wien. Wien 1945.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10745</id>
		<title>Stift Herzogenburg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10745"/>
		<updated>2023-06-25T11:41:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1112&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (seit 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Stift St. Georgen&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}, Niederösterreich&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.28677, 15.69721&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Georg&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Herzogenburg gehört zum Bezirk St. Pölten.&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift_Herzogenburg.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Herzogenburg, kolorierte Radierung von Lorenz Janesch (um 1810), Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), Kartensammlung, Fideikommissbibliothek-Vues, Österreich-Ungarn, Niederösterreich H-La, Herzogenburg KAR MAG, online unter: http://data.onb.ac.at/rec/baa12918499&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Bischof [[Ulrich I. von Passau]] (1092–1121) stiftete mit der Gründungsurkunde vom 18. August 1112 ein Eigenkloster für Augustiner-Chorherren, auf einem Grundstück an der Mündung der Traisen in die Donau gelegen, das er geerbt hatte und worauf sich bereits eine Georgskirche befand. Wahrscheinlich sandte er aus dem reformierten [[Stift St. Nikola]] bei Passau Chorherren nach St. Georgen an der Traisen. Als seelsorgliches Aufgabengebiet und als Existenzgrundlage übergab der Bischof seinem Kloster St. Georgen die beiden Pfarren Traisenburg (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Stollhofen|Stollhofen]]) und [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Herzogenburg|Herzogenburg]]. Außerdem erhielt das Stift die bischöflichen Zehentrechte im oberen Waldviertel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten war die Existenz des Klosters einerseits von den Hochwassern der Donau und andererseits von der wirtschaftlichen Schwäche infolge zu geringer Dotierung bedroht. Eine Gelegenheit zur Besserung der Lage des Klosters ergab sich dreißig Jahre nach der Gründung, als ein lokaler Adeliger namens Walter von Traisen testamentarisch die Gründung eines Chorherrenklosters verfügte. Der Passauer Bischof [[Konrad]] (1148/49–1164), ein Sohn des hl. Leopold, wollte das Kloster St. Georgen mit dieser Stiftung in St. Andrä an der Traisen vereinigen und den Konvent dorthin verlegen. Nach dem Widerstand des Testamentvollstreckers Otto III. von Rehberg erfolgte jedoch noch im 12. Jahrhundert eine eigenständige Gründung des [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stiftes St. Andrä an der Traisen]]. Bischof Konrad verbesserte in den Jahren 1158 und 1160 die Situation des Stiftes St. Georgen, indem er dem Kloster, das in den sumpfigen Donauauen lag, eine Frischwasserzuleitung ermöglichte und außerdem den Chorherren die Pfarre Marquardsurvar (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Haitzendorf|Haitzendorf]]) und den Schwaighof bei Zeiselmauer schenkte. Unter den späteren Schenkungen an das Kloster während der Regierungszeit von Propst [[Wisinto II.|Wisintos II.]] (1191–1204) ist ein Stiftungsbrief von 1201 bemerkenswert, der ein Nonnenkloster in St. Georgen voraussetzt. In einer Urkunde aus der Zeit um 1230 werden die Schwestern Kunigunde und Ehrentraud von Zebing als Kanonissen von St. Georgen genannt. Dieser Frauenkonvent ist anlässlich der Übersiedlung des Männerklosters nach Herzogenburg auch mitverlegt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Engelschalk]] (1242–1267), dem zwölften Propst des Stiftes St. Georgen, erfolgte schließlich die Verlegung des Klosters, der Konvent übersiedelte im Jahr 1244 an seinen Pfarrort Herzogenburg. In der Übertragungsurkunde vom 19. März 1244 übereignete Bischof [[Rudiger]] von Passau dem Konvent die Passauer Pfarre Herzogenburg mit allen Rechten. Das Stift memoriert den Bischof als seinen „zweiten Gründer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spätmittelalter=== &lt;br /&gt;
Nach der Übersiedlung des Konvents nach Herzogenburg erfolgte der Bau einer Klosteranlage sowohl für den Männer- wie für den Frauenkonvent. Im Pfarrbezirk „auf der Widem“ entstand ein eigener Gerichtsbezirk des Stiftes, der sogenannte „Obere Markt Herzogenburg“. Der „Untere Markt Herzogenburg“ unterstand dem bayerischen Stift Formbach am Inn.&lt;br /&gt;
Im 14. Jahrhundert war die wirtschaftliche Lage des Klosters zunächst stabil, Propst [[Siegfried]] erwarb ein Haus in Wien in der Singerstraße. Der folgende Propst [[Nikolaus I. Payger von Würmla]] (1361–1374) klagte in seinen Aufzeichnungen über Missernten, Kriegssteuern an Herzog Rudolf IV. und Verschuldung seines Klosters. Die Herzöge Albrecht III. und Leopold III. gewährten dem Stift Privilegien, weil „der probst und das gotzhaus ze Herzogenburg in grozzer geltschulde und kumber sind“. Propst [[Johannes III.]] (1401–1433) einer der längstregierenden Pröpste, erreichte von den Herzögen Wilhelm und Albrecht IV. die Begünstigung, im Schankhaus des Stiftes, dem &amp;quot;Mühlhofkeller&amp;quot;, zwölf Fass Wein ohne Ungeld (Steuer) ausschenken zu dürfen. Unter Propst Johannes III. fand eine Stiftsreform nach den Bestimmungen des Konstanzer Konzils statt. Bei der Visitation im Stift Herzogenburg 1419 war nachweislich auch der erste Propst des [[Stift Dürnstein|Chorherrenstiftes Dürnstein]], das 1410 im Geist der Raudnitzer Reform gegründet worden war, anwesend. Und so wurden die Raudnitzer Statuten auch in Herzogenburg Grundlage einer Erneuerung. Propst Johannes war auch ein Förderer der Lateinschule des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert waren Markt und Stift Herzogenburg wiederholt von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. In den Hussiteneinfällen verloren etliche Bürger und Chorherren ihr Leben. Die Regierungszeit des Propstes [[Ludwig Gössel]] (1457–1465) fiel in die Zeit der Nachfolgekämpfe unter Kaiser Friedrich III., in der böhmische, mährische, ungarische und auch einheimische Söldnerverbänden in Niederösterreich plünderten. Im Jahr 1463, am dritten Tag nach dem Osterfest, wurde Herzogenburg von böhmischen Söldnerscharen unter ihrem Anführer Georg von Vetau eingenommen und verwüstet. Wahrscheinlich erlosch damals auch der Konvent der Kanonissen, oder er fand durch Mangel an Klostereintritten schon früher ein Ende. Im Lauf des Jahres 1465 begannen die Chorherren mit dem Wiederaufbau des Stiftes. Dieser zweiten gotischen Bauphase des Stiftes sollte aber kein langer Bestand gegönnt sein, denn schon 1477 belagerten und eroberten die Soldaten des ungarischen Königs Matthias Corvinus nach ihrem Sieg über Kaiser Friedrich III. Herzogenburg. Wieder brannte das Kloster nieder. Der nach St. Pölten geflohene Propst konnte seine in Rudolfsberg bei Wagram gefangengehaltenen Mitbrüder erst nach Bezahlung eines hohen Lösegelds in die Ruinen seines Klosters zurückführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Georg I. Eisner]] (1484–1513) wurde mit dem Wiederaufbau des Klosters begonnen. Dieser Propst konnte durch sorgfältige Verwaltung und durch Schenkungen des Matthias Corvinus, der die Verwüstungen seiner Söldner wieder gutzumachen versuchte, die wirtschaftlichen Verhältnisse seines Hauses sanieren und das Stiftsgebäude repräsentativ auszustatten. 1499 gewährte Papst Alexander VI. ihm und allen seinen Nachfolgern den Gebrauch der Mitra, des Stabes und Ringes und der anderen Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7. Mai 1512 brach in einem Haus auf dem Unteren Marktplatz ein Brand aus, der auch auf die Widem und auf das Kloster übergriff, alle Zellen der Brüder und das Winterrefektorium brannten aus. Außerdem wurden das Infirmarium, die Dechantei, die Bibliothek und die Sakristei zerstört. Das Feuer sprang auch auf das Mariensacellum über und vernichtete dort die Orgel. Ebenso brannte die Schule nieder. Die Kirchenausstattung – die Tafelbilder und die Altäre – wurde verschont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation bis Barock=== &lt;br /&gt;
Im Jahr der Wahl des hochgelehrten Propstes  [[Johannes V. Bernhard von Nußdorf]] (1517–1533) veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen und löste eine Reformationsbewegung aus, in der Klosterleben zunehmend kritisch beurteilt wurde. Unter Propst [[Bernhard I. Schönberger]] (1533–1541) legte der Chorherr Johann Peurl die priesterliche Kleidung ab und verließ seinen Orden, Neueintritte blieben zunehmend aus. In wirtschaftlicher Hinsicht hatte Propst Bernhard mit den Belastungen der den Klöstern vorgeschriebenen Abgaben zur Finanzierung der Kriege gegen die Osmanen zu kämpfen und konnte die Steuerleistungen nur durch den Verkauf des Stiftshauses in Wien erbringen. Für viele Jahre war Bernhard der letzte frei gewählte Propst von Herzogenburg. Die nun folgenden Pröpste waren Weltpriester oder stammten aus anderen Ordenshäusern, wurden postuliert oder vom Kaiser ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Wunsch Kaiser Ferdinands I. wurde [[Philipp von Maugis]] (1541–1550) zum Propst bestimmt. Philipp entstammte einer adeligen belgischen Familie, war ab 1545 Regent der niederösterreichischen Landesregierung und Erzieher der Söhne Ferdinands I. Noch im Jahr seines Amtsantrittes trat in Herzogenburg, wie in vielen Orten Österreichs, die Pest auf, an der täglich bis zu 30 Personen starben. Alle Chorherren im Stift mit Ausnahme des Propstes und eines Konventualen fielen der Seuche zum Opfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philipps Nachfolger war [[Bartholomäus von Cataneis]] (1550–1563). Er entstammte einer vornehmen italienischen Familie aus Bergamo, war palatinischer Graf, apostolischer Protonotar und oberster Hofkaplan. Durch sein Administrationstalent gelang es ihm, das Stift über die finanziellen Hürden zu bringen. Wegen seiner Tüchtigkeit wurde er zum Administrator von Göttweig bestellt (1556–1563). Der Klosterrat bemängelte bei seiner Visitation allerdings die Konkubinate der Stiftsherren und deren protestantische Gesinnung. Die Kommissäre erteilten dem Propst einen strengen Verweis und befahlen ihm, den Dechant abzusetzen und einzusperren. Nach dem Visitationsbericht vom Jahr 1561 befanden sich im Stift Herzogenburg nur mehr vier Konventualen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krisenzeit des Stiftes wurde der Prälat von St. Andrä [[Johannes VI. Pülzer]] (1563–1569) zum Propst bestimmt. In seinem Wahlinstrument hieß es, er sollte baldmöglichst die Zahl der Chorherren ergänzen, da sich dieselben fast alle &amp;quot;verloffen&amp;quot; hätten. Wirtschaftskrisen, Hungersnot, Erhöhung der Steuern und die Tatsache, dass viele seiner Mitbrüder lutherisch wurden, trieben Propst [[Johannes VII. Glaz]] (1569–1572) zu einem Verzweiflungsakt: in der Nacht des 14. September 1572 floh er in Begleitung eines Dieners aus dem Stift.&lt;br /&gt;
Nun folgte ein Mann aus dem eigenen Haus, [[Jakob Reisser]] (1573–1577). Durch seine Sparsamkeit und energische Haltung ging es sowohl finanziell als auch disziplinär im Stift aufwärts. Im Visitationsbericht wurde vermerkt, dass er keine goldene Kette und auch keine kostbaren Kleider trug, keine Spiele gestattete und die Musik bei Tisch abgeschafft habe. Er bemühte sich, Mitarbeiter aus dem Ausland zu bekommen, um die Ausbreitung der lutherischen Lehre zu stoppen. Denn die Gemeinde Herzogenburg war zum Großteil schon protestantisch und die Pfarrkinder gingen bereits in die umliegenden Ortschaften, um bei den &amp;quot;sektischen Predigern&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod postulierte der Klosterrat den Propst des [[Stift St. Dorothea|Chorherrenstiftes St. Dorothea]] in Wien, [[Georg II. Brenner]] (1578–1590). Georg war Hofkaplan bei Kaiser Maximilian II. gewesen und der Klosterrat schlug ihn 1588 als Bischof von Wiener Neustadt vor. Er strebte den Erwerb des Unteren Formbacher Marktes Herzogenburg, der noch immer großteils protestantisch war, an, scheiterte jedoch. Die Trennung beider Märkte Herzogenburg blieb bis 1806 bestehen. Propst Georg Brenner setzte aber Maßnahmen gegen das Luthertum durch, Herzogenburger Bürger, die zu den „Predikanten ausliefen“, wurden mit schweren Strafen bedroht. Ebenso mussten die Herzogenburger ihre Kinder in die katholische Schule schicken und dem Gesinde wurde verboten, sich während des sonntäglichen Gottesdienstes in Wirtshäusern oder auf Spielplätzen aufzuhalten. Kirche, Kloster- und Wirtschaftsgebäude wurden unter Propst Georg Brenner renoviert und ausgebaut, Messgeräte, Bücher und Musikinstrumente angekauft. Der Lesehof in Königstetten wurde renoviert und der Hof von Klosterneuburg fast zur Gänze neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Krankheit stand dem Propst in den letzten Jahren [[Paul Zynkh]] als Koadjutor zur Seite. Da es nach dem Tod des Propstes bei der Neubesetzung zwischen Klosterrat und dem Passauer Bischof zu Unstimmigkeiten gekommen war, verwaltete Paul Zynkh über ein Jahr als Administrator das Stift, bis er zum Propst gewählt wurde (1591–1602).Er setzte die gegen den Protestantismus gerichteten Maßnahmen seines Vorgängers fort und bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg, dessen Predigttätigkeit zu einer Rekatholisierung führte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der ständigen Gefahr von osmanischen Einfällen wurden die Verteidigungsanlagen des Klosters gemäß dem kaiserlichen Mandat ausgebaut und die Rüstkammer des Stiftes mit modernen Waffen versehen. Während eines halbjährigen Kuraufenthaltes des Propstes in St. Pölten entbrannte eine heftige Auseinandersetzung zwischen dem Stiftsdechant und dem Konvent. Der kranke Propst kehrte zurück und hielt ein Kapitel. Der Dechant wurde abgesetzt und im Lauf von drei Wochen bei Wasser und Brot „dasig“ gemacht. Die letzten drei Jahre seines Lebens war Propst Paul Zynkh Deputierter der niederösterreichischen Stände und hielt sich oft in Wien auf. Aus diesem Grund kaufte er dort 1601 ein Wohnhaus, den „Heidelberger Hof“ in der Annagasse. Das Gebäude ist heute noch im Besitz des Stiftes und trägt den Namen Herzogenburgerhof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als [[Melchior Kniepichler]], ehemaliger Propst des Stiftes Dürnstein, von König Matthias als Propst postuliert wurde (1609–1615), protestierte der Herzogenburger Konventuale [[Johannes Held]] in einem Schreiben an den Passauer Offizial, weil Propst Melchior in St. Andrä (1592–1599) &amp;quot;Schulden gehäuft und von dann gezogen sei&amp;quot;, er habe dann &amp;quot;Tirnstain ohne Schulden angetreten und gehe nun mit Schulden weg&amp;quot; (1599–1609); beide Male in Folge seiner verschwenderischen Freigiebigkeit gegen Verwandte und Freunde. Weiters klagt er, dass Melchior dem Trunke ergeben und &amp;quot;in diesem Zustand unausstehlich streitsüchtig sei.&amp;quot; Schließlich, dass Melchior das weibliche Geschlecht liebe und gerne Tanzunterhaltungen besuche. In den Klosterratsakten hieß es, &amp;quot;dieser Mann war mehr Schelm als Mönch&amp;quot;. Am 26. Juli 1615 kam eine Untersuchungs- und Strafkommission nach Herzogenburg. Aufgrund der strengen Linie von Bischof Melchior Klesl wurde der Propst gefangen nach Wien geführt, verhört und einige Monate eingesperrt. Erst nach drei Jahren wurde Melchior rehabilitiert und zum zweiten Mal zum Propst von Dürnstein bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Wahlturbulenzen in den folgenden Jahren bestimmte Kaiser Ferdinand II. den Dechant des Kathedralstiftes Seckau [[Martin III. Müller]] zum Vorsteher in Herzogenburg (1621–1640). Er war ein eifriger Förderer der Gegenreformation, reformierte das klösterliche Leben und führte neue Statuten ein. Er erreichte auch, dass ihm die [[Pfarre Hain]] wieder zurückgegeben wurde, wo bisher nur protestantische Prediger angestellt waren. Den Konflikt mit der dort tonangebenden protestantischen Familie der Jörger konnte erst sein Nachfolger [[Johannes Bauer]] (1640–1653) beilegen. Propst [[Joseph Kupferschein]] (1653–1669) versuchte ebenfalls auf friedliche Weise die Protestanten zum katholischen Glauben zurückzugewinnen. Er war sowohl ein gelehrter Mann (1641 war er Rektor der Universität in Wien) als auch ein tüchtiger Wirtschafter. Propst [[Anton Sardena]] (1669–1687) begann mit viel Schwung die weiteren Restaurierungsarbeiten bzw. die Barockisierung des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679/80 wütete die Pest in Herzogenburg und kostete viele Menschen das Leben. In der Stiftsgeschichte von Dechant Beyer wird auch das Erscheinen eines Kometen vermerkt, der im Jahr 1680 am Fest des hl. Stephan zum ersten Mal erschien und als Vorbote der Osmaneneinfälle interpretiert wurde. Am 14. Juli 1683 erschien eine osmanische Streifschar vor Herzogenburg. Sie ließ den gut befestigten Ort zunächst ungeschoren. Als die Gefahr immer größer wurde, flüchtete der Prälat auf Bitten seiner Geistlichen mit dem Archiv und der Schatzkammer nach Dürnstein. Unter den im Kloster verbliebenen Chorherren befand sich [[Gregor Nast]], der später einen ausführlichen Bericht über die Osmaneneinfälle verfasste. Eine größere Truppe versuchte die Erstürmung des Marktes und schichtete Stroh vor die Markttore, um sie durch Feuer zu zerstören. Die Bürger leisteten mit ihren Schusswaffen allerdings tatkräftigen Widerstand. Zahlreiche Bauernhöfe von Herzogenburger Grundholden wurden jedoch geplündert und niedergebrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) betrieb die wirtschaftliche Konsolidierung seines Hauses nach dem Krieg und den Wiederaufbau bei Pfarren und Wirtschaftshöfen. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prandtauer wurde 1714 von Propst [[Wilhelm von Schmerling]] (1709–1721) mit einem barocken Neubau des Stiftsgebäudes beauftragt. Nach Schleifung des alten Klosters – nur ein Teil des mittelalterlichen Kreuzgangs blieb erhalten – wurde eine zweihöfige neue Stiftsanlage errichtet, der zweite Hof jedoch baulich nie fertiggestellt. Die von Prandtauer gebauten Trakte sind vornehm und voll künstlerischen Lebens. Einzig an der Ostseite sprengt der Saalbau nach Plänen von Fischer von Erlach die Prandtauersche Fassade: er tritt um eine Achse hervor und überragt sie mit den Oberfenstern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Herzogenburg geborene Propst [[Leopold von Planta]] (1721–1740) schloss die Bauarbeiten ab und besorgte die wirtschaftliche Stabilisierung des Hauses. In seiner Regierungszeit wurde am 18. September 1724 das Stift in die [[Lateranensische Choherrenkongregation]] aufgenommen. Die Pröpste führen seitdem den Titel eines Lateranensischen Abtes. Propst Leopold führte nach dem Beispiel von Klosterneuburg den schwarzen Talar anstelle der weißen Kleidung für seine Mitbrüder ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Frigdian Knecht]] (1740–1775) wurde im Österreichischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen gefangengenommen, um eine Kriegssteuer in der Höhe von 14.000 Gulden zu erpressen. Er wurde nach den Worten des Stiftsdechanten „hin und hergeführt zu Schand und Spott“. Erst nach sechstägiger Gefangenschaft und Zahlung des hohen Lösegeldes konnte der Prälat wieder ins Stift zurückkehren. 1743 entschloss er sich, die Kirche durch den jungen Baumeister Franz Munggenast neu errichten zu lassen. Der Turm wurde 1767 nach Entwürfen von Johann Bernhard Fischer von Erlach durch Matthias Munggenast ausgeführt. Die Architektur dieser Kirche und die Ausstattung durch Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte können zu den großen Leistungen des österreichischen Barocks gezählt werden. In den Pfarren [[Stollhofen]], [[Hain]], [[Rottersdorf]] und [[Brunn]] ermöglichte Propst Frigdian ebenfalls die Barockisierung der Kirchen. Durch die Stiftung von 7.000 Gulden des Wiener Stadtrates Jakob Bodenreiter konnte in Theiß der Pfarrhof neu errichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seines wissenschaftlichen Interesses kaufte der Propst Jahr für Jahr viele wertvolle Bücher, ordnete das Archiv und unterstützte den Aufbau eines eigenen Münzkabinetts. Auf musikalischem Gebiet war sein Mitbruder [[Georg Johann Donberger|Georg Donberger]] tätig. Als Regens chori komponierte dieser unermüdlich und seine Werke sind in den Musikarchiven vieler österreichischer Stifte zu finden. Als Propst Frigdian Knecht nach 35-jähriger Amtszeit im Jahr 1775 starb, hinterließ er ein geordnetes Haus, das spirituell, künstlerisch und wirtschaftlich einen guten Ruf hatte. Er wird auch der dritte Gründer genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Josephinismus bis Gegenwart===&lt;br /&gt;
Propst [[Michael Teufel]] (1782–1809) war Parteigänger von Kaiser Joseph II. und administrierte für ihn die Aufhebungen der Chorherrenstifte St. Andrä an der Traisen und Dürnstein. Das Patent des Kaisers über die Klosteraufhebungen wurde für das [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stift St. Andrä an der Traisen]] wirksam, das nach dem Tod des letzten Propstes [[Gregor Grindler]] 1783 dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde. Das [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] wurde 1788 mit dem Stift Herzogenburg vereinigt. Gegen diesen Bescheid erhob zwar der Bischof von St. Pölten Einspruch, doch wurde mit Hofdekret vom 7. Juni 1788 die endgültige Aufhebung Dürnsteins angeordnet. Als durch die Aufhebung der Benediktinerabtei Formbach am Inn der Untere Markt Herzogenburg Staatseigentum wurde, konnte ihn Propst Michael im Jahr 1806 kaufen und mit dem Oberen Markt vereinigen. Ein Höhepunkt in der Regierungszeit des Propstes Michael Teufel war die Weihe der neuen Herzogenburger Stiftskirche am 2. Oktober 1785, sie erfolgte durch [[Heinrich Johannes von Kerens]] dem ersten Bischof, der in St. Pölten residierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Koalitionskriegen war Stift Herzogenburg nach der Schlacht im nahegelegenen Dürnstein-Loiben im November 1805 direkt betroffen. Französische Truppen fielen in die Stadt ein, brachen Keller auf und plünderten. Hohe Geldforderungen der französischen Offiziere und Einquartierungen von Soldaten belasteten das Stift schwer. Propst Michael floh während des Krieges mit der Münzsammlung und anderen Kostbarkeiten nach Ungarn in die Abtei Zirc. Kämmerer [[Josef Leuthner]] brachte sich mit den anderen Wertgegenständen auf das Gut Primmersdorf (Waldviertel) in Sicherheit. Im Rahmen des Österreichisch-Französischen Krieges im Jahr 1809 und der zweiten Eroberung Wiens durch Napoleon hatte Herzogenburg wieder unter französischen Truppen, ganz besonders unter den württembergischen Hilfstruppen zu leiden. Bei dieser zweiten Franzoseninvasion kam der Propst allerdings nicht mehr unbehelligt davon. Noch kurz vor seinem Tod wurde er in seinem Zimmer von einem französischen Husaren misshandelt und seines Kreuzes und Ringes beraubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Michael Teufel hat um das Stift beinahe so große Verdienste wie sein Gründer – der Volksmund unterstrich das Weiterbestehen des Stiftes mit dem Bonmot: „Der Teufel hat das Stift gerettet.“ Im Geist der neuen josephinischen Begräbnisordnung wurde er als erster Stiftsvorsteher außerhalb des Ortes auf dem allgemeinen Friedhof in einem bescheidenen Mausoleum bestattet. 1977 wurden die sterblichen Überreste des Propstes exhumiert und neben seinem Grabdenkmal in der Stiftskirche beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Amortisationsgesetze und Religionsfondsabgaben der spätjosephinischen Ära belasteten die Stiftswirtschaft und führten zu erheblicher Verschuldung. Der ehemalige Stiftsdechant Propst [[Aquilin Leuthner]] (1811–1832) konnte das Haus nur insofern aus der finanziellen Not retten, als er von Kaiser Franz I. einen Nachlass der Schulden erreichte. Dem josephinischen Nützlichkeitsgedanken entsprach das Kloster durch Errichtung eines Schulgebäudes auf dem Stiftsgelände im Jahr 1829, dem der Westtrakt des mittelalterlichen Kreuzwegs weichen musste. Die Visitationen des St. Pöltner Bischofs Jakob Frint führten in Herzogenburg zur allmählichen Umsetzung der Klosterreformen der Restaurationszeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Bernhard II. Kluwick]] (1832–1843) erreichte die Choleraepidemie auch Niederösterreich. Die Angst vor dieser Seuche veranlasste die Stiftsherren, zur Versorgung der Kranken an den Gangenden sogenannte Choleraöfen zu errichten: „... also die Küche zu weit entfernt ist, um schnell den notwendigen Tee und warmes Wasser herbeizuschaffen.“ Das Lebenswerk von Propst Bernhard war die Erbauung der Pfarrkirche in [[Theiß]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Karl Stix]] (1843–1847) konnte einen weiteren bedeutenden Schuldenerlass bei Kaiser Franz I. erreichen. Aus Dankbarkeit feierte das Stift jahrzehntelang den Todestag des Monarchen mit dem „Kaiserrequiem“. 1844 konnte er die Jubiläumsfeier der Übertragung des Stiftes von St. Georgen nach Herzogenburg (1244) festlich begehen. Aus Anlass des Jubiläums erbat sich der Herzogenburger Konvent beim Bischof das Recht, violette Mozetten anstelle der bisherigen Almutien aus Pelz tragen zu dürfen, was ihnen allerdings erst einige Jahre später gewährt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Revolutionsjahr hob am 7. September 1848 der Reichstag die bäuerliche Untertänigkeit auf und das Feudalrecht mit Robot und Zehent wurde abgeschafft. Propst [[Josef II. Neugebauer]] (1847–1856) verkaufte in der Folge 1851 das Gut Primmersdorf, das bis dahin der Einbringung der klösterlichen Zehentrechte im nördlichen Waldviertel gedient hatte. Am 8. Oktober 1848 – auf der Flucht von Wien in die Festung Olmütz – kam Kaiser Ferdinand I. mit seinem Gefolge nach Herzogenburg und wurde als Gast im Stift beherbergt. Am selben Abend unterzeichnete der Kaiser ein Manifest „An die Völker meiner deutsch-erbländischen Provinzen“. Am nächsten Morgen zog der Kaiser mit seinem Gefolge weiter. Der Name „Kaisergasse“ in Herzogenburg erinnert noch heute an diese Begebenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1853 gab es eine kanonische Visitation durch den St. Pöltener Bischof Feigerle, und zwei Jahre darauf visitierte auch der Linzer Bischof Rudiger in Vertretung des Kardinals Fürst Schwarzenberg das Stift Herzogenburg. Auch er war sehr zufrieden mit dem Stand des Hauses und „schied mit wahrer Herzensfreude vom Stift“. Auch unter dem nächsten Vorsteher des Stiftes Propst [[Norbert Zach]] (1857–1887) herrschte ein gutes Klima im Haus. Von den 34 Mitgliedern des Stiftes waren 25 Priester in der Seelsorge tätig, vier hatten häusliche Offizien, zwei Kleriker studierten an der theologischen Hauslehranstalt im [[Chorherrenstift Klosterneuburg]], zwei Novizen wurden im Haus in die Lebensordnung der Chorherren eingeführt.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1862 gründete der Stiftskurat und spätere Dechant [[Ferdinand Mann]] den katholischen Gesellenverein, der sich um die seelsorglichen und menschlichen Anliegen der arbeitenden Bevölkerung kümmerte. Die Stadt Herzogenburg begann den Schritt ins Industriezeitalter, als 1874 die Firma Vollrath (Nägel, Schrauben) von Wien nach Herzogenburg/Oberndorf übersiedelte. 1875 folgte ihm Carl Grundmann, ein pensionierter Danziger Lokomotivführer, der sich auf die Erzeugung von Türschlössern spezialisiert hatte. In diese Zeit fällt auch die Planung und der Bau der Eisenbahnlinien im Raum Herzogenburg: Am 3. August 1885 wurde die Strecke Tulln – St. Pölten, am 16. Juli 1889 die Strecke Herzogenburg – Krems eröffnet. Seit dieser Zeit „ist der Markt mit zwei Hauptverkehrsadern der Monarchie“, mit der West- und der Franz-Joseph-Bahn, verbunden. Um der rasch anwachsenden Bevölkerung eine bessere Ausbildung und damit größere Berufschancen geben zu können, wurde die Stiftsschule schon 1867 zu einer Pfarr-Hauptschule erweitert. Heute wird das neben der Stiftskirche gelegene Schulgebäude von der Herzogenburger Sonderschule und der Musikschule benützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das äußere Bild des Ortes änderte sich Mitte des 19. Jahrhunderts. Drei Tore der alten Marktbefestigung wurden abgetragen; ebenso Teile der Ringmauer. Ein Stückchen dieses mittelalterlichen Ensembles ist heute noch im nördlichen Stiftsbereich zu sehen, wo Mauer, Graben, Verteidigungsturm und das einzige noch bestehende Stadttor, das „Au-Tor“, auch „Nordtor“ genannt, erhalten blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Schlacht bei Königgrätz Mitte Juli 1866 drangen die preußischen Truppen bis ins Waldviertel vor und das österreichische Militär zog sich – größtenteils kampflos – auf das südliche Donauufer zurück. Das Stift richtete im Auftrag der k. k. Statthalterei ein Spital für die Soldaten ein. Für seine Verdienste wurde der Propst im Jahr 1879 vom Kaiser mit dem Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet. Während seiner zehnmonatigen Funktion als Administrator des Stiftes veranlasste Dechant [[Emmerich Wallner]] die Gestaltung des nach ihm benannten „Emmerichhofes“ im Westtrakt des Stiftsgebäudes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Person des folgenden Propstes [[Frigdian II. Schmolk]] (1888–1912) vereinigten sich Kirchenfürst und Staatsmann. 1902 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum Landmarschall (Vorsitzender des Landtages). Vier Jahre lang hatte er dieses Amt inne. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der Kaiser die Würde eines Wirklichen und Geheimen Rates und berief ihn auf Lebenszeit als Reichsrat in das Herrenhaus. Um 1900 erreichte das Stift seinen höchsten Personalstand: 40 Konventualen gehörten zum Kloster. Unter Propst Frigdian wurden in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das Stiftsgebäude, der Turm, die Orgel und das Innere der Kirche restauriert. Dechant [[Ferdinand Mann]] ließ auf seine Kosten 1903 den Maria-Lourdes-Altar errichten und die zwei Holzstatuen Herz-Jesu und Herz-Maria in der Kirche aufstellen. 1907 wurde der Zusammenschluss der österreichischen Chorherrenstifte zur [[Österreichische Chorherrenkongregation|&amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten Lateranensischen Chorherren“] erreicht. Als Konvisitator wurde Propst Frigdian Schmolk gewählt. Eine enge Freundschaft verband Propst Frigdian mit dem Wiener Bürgermeister Karl Lueger. Als dieser tödlich erkrankte, berief er seinen langjährigen Freund zu sich, der ihm die die Sterbesakramente reichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmolks Nachfolger wurde [[Georg III. Baumgartner]] (1913–1927). Mit größter Sparsamkeit und Umsicht lenkte er das Stift durch die wirtschaftlichen Erschütterungen des Ersten Weltkrieges. Er stellte das Sommerrefektorium als Kaserne für die Marschkompanien und den Theatersaal dem Roten Kreuz zur Pflege der Verwundeten zur Verfügung. Vom Krieg selbst wurde Herzogenburg nur mittelbar betroffen: durch die vielen Gefallenen. Ihre Namen sind auf einer Marmortafel, rechts beim Eingang der Kirche, eingemeißelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 ließ Propst Georg das veraltete stiftliche Elektrizitätswerk – die ehemalige Stiftsmühle – in eine moderne Wasserkraftanlage mit Turbinen umbauen, die das Stift und Teile der Stadt Herzogenburg jahrelang mit Strom versorgte. Bedeutende Verdienste erwarb sich Georg Baumgartner durch seine wissenschaftliche Forschung über die Urgeschichte, inspiriert durch die archäologischen Funde aus der Hallstattzeit auf Grundstücken, die zum Stift gehörten. Bis zuletzt arbeitete er mit großer Genauigkeit an der Hausgeschichte und an der Baugeschichte der Kirche und des Stiftes und verfasste weiters den Artikel „Herzogenburg“ in der „Topographie von Niederösterreich“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die allgemeine Wirtschaftskrise machte sich auch im Stift bemerkbar. Das Steueramt St. Pölten drängte immer öfter unter Androhung der Zwangsverwaltung auf Bezahlung der Steuerschulden. Das Kapitel unter Propst Georg sah sich gezwungen, einem Beschluss zum „Verkauf einzelner Wertgegenstände näher zu treten“. Einige Pretiosen aus der Bibliothek und den Kunstsammlungen wurden verkauft. In diese politisch sehr schwierige Zeit fällt eines der größten Ereignisse für Herzogenburg, die Stadterhebung: Am 30. Juni 1927 beschloss der Landtag von Niederösterreich, den Markt Herzogenburg „trotz der verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl“ (2.800) zur Stadt zu erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der spätere Landtagsabgeordnete und Vertreter des Klerus [[Ubald Steiner]] (1927–1946) wurde zum nächsten Propst gewählt. Es gelang ihm, das Stift durch die schwierige wirtschaftliche Lage der dreißiger Jahre zu führen, was den Verkauf mehrerer Grundstücke und Kunstschätze beinhaltete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Sozialdemokratie in den 1920er Jahren wurden auch in Herzogenburg, das durch seine metallverarbeitende Industrie über einen hohen Arbeiteranteil verfügte, vehement geführt. Der Stiftsdechant und Pfarrer [[Anton Rudolf]] stand im Ruf, „der von den Sozialdemokraten wohl bestgehasste Chorherr“ zu sein. Er war der Typ von Priesterpolitiker, der die ohnehin spannungsgeladenen dreißiger Jahre durch sein Zelotentum und seine nie erlahmenden Bekehrungsversuche an ungläubigen Marxisten eher verschärfte denn beruhigte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Volksabstimmung vom 10. April 1938 brachte in Herzogenburg 2.047 Ja-Stimmen für den Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland und nur fünf Gegenstimmen. In der Folgezeit erhielt Herzogenburg den Namen „Stadt der Treue“. In diesen Jahren wurden die Repressalien gegenüber den kirchlichen Institutionen und der Geistlichkeit immer spürbarer. Die Stiftstaverne und der Theatersaal wurden beschlagnahmt. 400 Herzogenburger traten aus der Kirche aus, und rund 100 Kinder wurden vom Religionsunterricht abgemeldet. Das Herzogenburger Pfarrblatt, das seit 1915 erschien, wurde wegen „Papierknappheit“ 1941 eingestellt. Das Stift wurde von den Nationalsozialisten zwar nicht aufgehoben, war aber in seiner Wirtschaftsführung nicht mehr unabhängig. Teile des Stiftsgebäudes wurden 1940 für ein Einquartierung von bessarabischen Umsiedlern und später auch anderen Flüchtlingen beschlagnahmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum „schwarzen Montag“ wurde der 6. November 1944. 300 Bomben fielen in und um Herzogenburg: 20 Tote und große Sachschäden waren die traurige Bilanz. Am 14. April 1945 rückten nach einer kurzen Kanonade die Sowjets in Herzogenburg ein. Eine Gruppe von Herzogenburgern, unter ihnen Propst Ubald, ging ihnen mit der weißen Fahne entgegen. Die Stiftsgebäude waren durch einige Bombentreffer leicht beschädigt worden, schwerer betroffen waren die Stiftswälder, die durch die Luftangriffe schwere Schäden hatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Georg IV. Hahnl]] (1946–1963) betrieb den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit. Im Jahr 1948 wurden vier neue Glocken der Stiftskirche geweiht. 1942 hatten alle Glocken bis auf die größte, die Pummerin, der Rüstungsindustrie abgeliefert werden müssen. Wissenschaftliche Berühmtheit erlangte Propst Georg durch seine Arbeit auf dem Gebiet der Heimat- und Urgeschichtsforschung. Fast seine ganze Regierungszeit als Propst war allerdings von einer schweren Krankheit überschattet, was sich negativ auf das Klima und die Personalsituation des Stiftes auswirkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Resignation wurde [[Thomas Zettel]] (1963–1969) zum nächsten Vorsteher des Hauses gewählt. Nach langen Vorbereitungen öffnete 1964 das Stift Herzogenburg seine Räume und Säle für über 100.000 Besucher anlässlich seiner (etwas verspäteten) 850-Jahr-Feier. Der ebenerdige Teil des sogenannten „Altstiftes“, die Reste der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen alten Klosteranlage, war renoviert worden und das spätgotische Refektorium „glänzte“ durch die kurz zuvor freigelegten Fresken von ca. 1500. Daneben im frühbarocken Refektorium waren die Funde aus der Ur- und Frühgeschichte neu aufgestellt worden. Im Barockgebäude wurde im ersten Stock im ehemaligen Gästetrakt eine Ausstellung für die restaurierten Kunstschätze des Stiftes, insbesondere seine Sammlung mittelalterlicher Flügelaltäre, eingerichtet. Im Festsaal, in der Bibliothek, im Bildersaal und in elf weiteren Ausstellungsräumen erlebten und erleben Besucher das künstlerische Erbe des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1965 gab es eine einschneidende wirtschaftliche Umstellung: der Weinbau und die Landwirtschaft konnten in Eigenregie nicht mehr positiv geführt werden, deshalb wurden beide Wirtschaftszweige verpachtet. Der Forst als dritte Einnahmequelle wird bis heute noch selbst geführt, die Jagden sind verpachtet. Das Gebäude, in dem die ehemalige Stiftstaverne befand, wurde an die Stadtgemeinde Herzogenburg verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1977 erreichten die ökumenischen Gespräche und Gottesdienste, die vom späteren Propst [[Maximilian Fürnsinn] initiiert wurden, ihren Höhepunkt in der Ausstellung &amp;quot;Kunst der Ostkirche&amp;quot;. Zum ersten Mal feierten in diesem Zusammenhang die Vertreter aller elf östlichen und westlichen Kirchen in Österreich einen gemeinsamen Gottesdienst in der Herzogenburger Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Stadt Herzogenburg“ wurde die Nordeinfahrt des Stiftes restauriert und der Innenhof nach barockem Vorbild neu gestaltet. In diesem Jahr, 1977, wurde auch der Abschluss der Turmrenovierung gefeiert. Propst [[Clemens Moritz]] (1969–1979) wurde zum Ehrenbürger von Herzogenburg ernannt. Er war nicht ein Prälat im Sinne der prachtvollen Barockzeit, wohl aber im Sinne des Ordensstifters Augustinus ein Seelsorger, besorgt um seine Gemeinde und seine Mitbrüder. Auch nach der Resignation blieb Altpropst Clemens bis zum Jahr 1996 der Pfarrer von Herzogenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit [[Maximilian II. Fürnsinn]] (1979–2019)) bekam das Stift nach 200 Jahren wieder einen gebürtigen Herzogenburger zum Propst. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war zunächst die Renovierung der Stifte und Pfarren. Allein mit einem Kostenaufwand von rund 50 Millionen Schilling wurde das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein in der Zeit von 1985 bis 1995 restauriert. Die zehnjährige Renovierung des Stiftes Herzogenburg wurde im Jahr 2012 abgeschlossen, sie umfasste neben der Fassadensanierung unter anderem die Instandsetzung der musealen Räumlichkeiten. Die neue Dauerausstellung konnte im Jahr 2012, als das Stift das Jubiläum seines 900jährigen Bestehens beging, eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den zentralen Anliegen von Propst Maximilian gehörte, dass das Stift – entsprechend der jahrhundertelangen Tradition – eine offene Begegnungsstätte ist. So gehen auf seine Initiative viele Tagungen, Bildungsveranstaltungen und Zusammenkünfte von verschiedenen Institutionen und Vereinigungen zurück. Neben den zuvor erwähnten ökumenischen Treffen haben etwa die Ritter vom Heiligen Grab in Jerusalem der Komturei St. Pölten hier regelmäßige Zusammenkünfte. Besonders erwähnenswert sind die in der Regierungszeit von Propst Maximilian abgehaltenen &amp;quot;Herzogenburger Gespräche&amp;quot;, anlässlich derer mehrmals im Jahr 60 bis 80 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kirche zentrale gesellschaftliche Fragen behandelten. Pastorales Wirken war dem vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägten Seelsorger Maximilian Fürnsinn ein besonderes Anliegen, vor allem die Lebendigkeit in der Pfarrseelsorge lag ihm am Herzen. In der Pfarre Herzogenburg entstand aus einem Kinderfest der Katholischen Jungschar der heute größte Kinderevent Niederösterreichs, die „Niederösterreichischen Kindersommerspiele“ (NÖKISS).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein kirchliches Engagement, seine organisatorischen und kreativen Fähigkeiten und seine Leitungskompetenzen führten daszu, dass Propst [[Maximilian Fürnsinn]] 1982 zum ersten Mal zum Vorsitzenden der niederösterreichischen Äbtekonferenz gewählt wurde. Von 1989 bis 1994 war er Vizepräsident der ökumenischen Stiftung Pro Oriente. Von 1998 bis 2013 war er Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2019 wurde [[Petrus Stockinger]] zum neuen Propst von Herzogenburg gewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Bischof Ulrich I. von Passau (1092–1121) konnte seiner Neugründung, dem Augustiner-Chorherrenstift St. Georgen, nur wenig schenken. In der Gründungsurkunde des Klosters bemühte er daher auch die Heilige Schrift und erwähnt das Opfer der armen Witwe, die nur zwei Kupfermünzen in den Opferkasten des Tempels warf, die aber von Jesus gelobt wurde, weil sie alles gab, was sie besaß. Der Bischof schenkte einiges von seinem persönlichen Besitz her, vielleicht sogar alles, was er in der damaligen Ostmark sein Eigentum nannte. Und das war für die junge Kommunität gerade genug zum Überleben. Katastrophen oder wirtschaftliche Schwierigkeiten durfte es keine geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bischof übergab der Klostergemeinschaft seine ererbte Eigenkirche St. Georgen an der Traisenmündung mit Fischwassern, Weingärten, Wiesen und Wäldern. Ebenso vermachte er aus seinem persönlichen Besitz ein Gut und eine Hube zu Sebarn, eine Hube zu Perschling, Engabrunn und Gumpolding, eine halbe Hube in Pötzleinsdorf (bei Wien) und eine zu Kamp, je einen Weingarten zu Kuffern und Egelsee und zwei Weingärten in Inzersdorf. Aus dem bischöflichen Gut schenkte er drei Weingärten in Hundsheim mit einem Lehen, je einen Weingarten in Stein, Weinzierl und Plechingen (zwischen Stein und Krems), den dritten Teil des Zehents von Teras und Merzleinswerd, die Hälfte des Zehents von den Pfarren Herzogenburg und Traisenburg sowie das ganze Dorf Streithofen (im Tullnerfeld). Einige Jahre später schenkte Bischof Ulrich zur Aufbesserung noch sechs Weingärten dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der wirtschaftlichen Not des jungen Stiftes versuchte nun 1160 Bischof Konrad von Passau (1148–1164) mit einer (gefälschten) Urkunde zu helfen, in der er das neuzugründende Stift St. Andrä mit St. Georgen vereinigte. Dieser Zusammenschluss scheiterte am Widerstand Ottos von Rechberg, der schließlich ein eigenständiges Kloster St. Andrä errichten konnte. Als Entschädigung übertrug Bischof Konrad dem Stift St. Georgen die Pfarre Marquardsufer und den Schweighof bei Zeiselmauer, um der &amp;quot;materiellen Not des Stiftes abzuhelfen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam konnte das Stift in den folgenden Jahrhunderten seinen Besitz durch Schenkungen vermehren, wobei das Waldviertel und das untere Traisental zu Schwerpunkten der Besitzungen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Urkunde von 1163 werden als Zeugen zuerst die Äbte von Göttweig und Zwettl, der Propst von St. Pölten und dann der Propst von St. Georgen, Albert, angeführt. 25 Jahre später kommt Propst Berthold von St. Georgen in der Zeugenfolge nach den Äbten von Göttweig, Melk und Altenburg, jedoch vor den Pröpsten von St. Nikolai und St. Andrä. Diesen Platz in der Reihenfolge der niederösterreichischen Stifte nimmt Herzogenburg bis über die Barockzeit ein. Nach den Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II. dürfte das Stift Herzogenburg besitzmäßig an die letzte Stelle gerückt sein. Doch noch einmal zurück ins Mittelalter. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im 12. Jahrhundert konnte das Stift seine Besitzungen durch Kauf, vor allem aber durch Schenkungen vermehren. Die Vielzahl der Schenkungen im Mittelalter sind meist auch ein Zeugnis von guter Spiritualität: einem glaubensstarken Kloster vertraut man eher seine Gebetsanliegen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste große Finanzaufwand war der zweite Neubau des Klosters in Herzogenburg um 1244. Das älteste Zehentverzeichnis, das in das Jahr 1299 zurückreicht, zeigt jedoch schon eine wirtschaftliche Stabilisierung auf. Das Stift besaß nun zehn &amp;quot;Ämter&amp;quot;, i. e. Zehenthöfe, die für die Einhebung der Zehente notwendig waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten waren Abgaben für die Kreuzzüge zu entrichten. Später kamen dann die Steuern für die Finanzierung der Türkenkriege. Verwüstungen durch Kriege, Naturkatastrophen (Heuschreckenplage und Dürre) und Pestepidemien brachten einen wirtschaftlichen Tiefstand für das Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zeichen für das wirtschaftliche Auf und Ab war 1417 der Kauf eines Hauses in Wien, Johannesgasse. 1541 musste es wieder verkauft werden. Bezeichnend für diese schwierige Zeit war auch der Personalstand: 1569 war nur mehr ein Konventuale im Stift. Als 1601 wieder ein Haus in Wien, diesmal in der Annagasse, gekauft wurde, war dies zugleich auch ein Zeichen des neuen Erstarkens: sowohl wirtschaftlich als auch personell. Das Stift wurde renoviert, die Kirche barockisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Abwehr der Türken 1683 konnte das Stift im wirtschaftlichen Aufwind weitere Akzente setzen: ein Gut in Primersdorf (Waldviertel) wurde gekauft und ein großer, neuer Schüttkasten errichtet. In Wielandsthal wurde der Keller und in Haitzendorf der Pfarrhof von Prandtauer errichtet. Im barocken Neubau des Stiftes (ebenfalls von Prandtauer) und der dazugehörigen Kirche kam die wirtschaftliche Kraft zum Ausdruck. Allerdings mussten dafür Weingärten in Mautern, Mauternbach und Sallapulka, eine Mühle von St. Georgen, Meierhöfe in Reith bei Primersdorf, Großhain, Schwarzenbach usw. für eine Gesamtsumme von 17.600 Gulden verkauft werden. Das war ungefähr ein Drittel des Prandtauischen Kostenvoranschlages für den Neubau des Stiftes (54.000 Gulden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wirtschaftliches Tief lösten die napoleonischen Kriege und die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aus: 1851 wurde das Gut Primersdorf im Waldviertel veräußert. Jahre vorher konnte das Stift nur durch einen großzügigen Schuldenerlass von Kaiser Franz I. vor einem finanziellen Ruin gerettet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Stift nur durch den Verkauf von Grundstücken und von vielen Kunstgegenständen entgegenwirken. Einige Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg kam es wieder zu Veräußerungen von Kunstgegenständen, Teilen von Sammlungen (Mineraliensammlung) und Teilen der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre unter Propst Maximilian waren von einer klugen Wirtschaftspolitik gekennzeichnet. Trotz der bescheidenen Besitzungen von 2.625 ha (2.200 ha Wald, 25 ha Weinbau, 400 ha landwirtschaftliche Nutzung) konnten viele Restaurierungen am Stift und an den Kirchen und Pfarrhöfen vorgenommen werden. Am 29. April 1996 wurde die Außenrenovierung des Stiftes Dürnstein mit einem Gesamtumfang von 50 Millionen Schilling abgeschlossen. Eine Aufgabe für dieses Haus, etwa als Seminar- oder Vortragszentrum, wird noch zu finden sein.&lt;br /&gt;
Wenn auch schon vieles vollbracht worden ist, so warten doch noch weitere Aufgaben für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Vogtei===&lt;br /&gt;
Der Besitz des Bistums Passau im Raum Donau–Traisen stand unter der Vogtei der Babenberger. Diese übten sie durch die Burggrafen von Lengbach (Neulengbach) aus. Urkundlich sind die Vögte des Stiftes Herzogenburg sehr selten belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Übertragung des Stiftes nach Herzogenburg änderte sich in der Vogteiverwaltung nichts. Nach dem Aussterben der Babenberger siegelte 1252 Konrad von Zagging als Vogt des Hauses. Er dürfte in Verbindung mit König Ottokar Przemysl, dem neuen Landesherren, gestanden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Habsburger die Herrschaft übernahmen, wurden die Burggrafen von Neulengbach die Vögte von Herzogenburg. Bestätigt wird diese Annahme durch die Erklärung der Herzöge Wilhelm und Albrecht IV. vom 20. März 1396, in der sie ihre Pflicht zu besonderem Schutz und Schirm des Klosters und seiner Güter bestätigten, da sie ja jährlich das Vogtgeld von 17 Pfund und 6 Schillingen Wiener Pfennig und 1 Muth Hafer vom Stift empfingen. Das Stift Herzogenburg zahlte diese Summe bis zum Jahr 1848 nach Neulengbach, als die Herrschaft längst schon in Privatbesitz übergegangen war und das Vogtgeld umgerechnet nun 17 Gulden und 45 Kreuzer betrug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jenseits der Donau dürften die Kuenringer auf Dürnstein die Vogtei über die Stiftsgüter ausgeübt haben. Nach ihrem Aussterben erging 1356 eine Weisung des Herzogs Albrecht II. an seinen Pfleger in Krems, das Stift Herzogenburg in seinen Rechten und Besitzungen zu schirmen. Im Jahr 1445 übernahmen die Brüder Ulrich, Oswald und Stephan Eytzinger auf Bitten des Propstes die Vogtei auf 15 Jahre gegen die jährliche Abgabe von 6 Muth Hafer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Stift Herzogenburg lag jahrhundertelang wirtschaftlich im Mittelfeld der niederösterreichischen Klöster. So war es auch mit der Zahl der Mitglieder. Die frühen mittelalterlichen Chorherrengründungen waren nicht für riesige Konvente gedacht, sondern die Zahl zwölf war, von Jesus mit seinen Jüngern herkommend, die goldene Zahl. Bei der Gründung von St. Georgen werden wahrscheinlich eine Handvoll Chorherren die Aufbauarbeit an diesem Donaustift begonnen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1200 gab es die erste urkundliche Aufzählung des Konventes: zwölf Priester, drei Konversen (''fratres conversi''), fünf Familiaren und vier Brüder. Einige Jahre nach der Übersiedlung des Konventes von St. Georgen nach Herzogenburg wurden neun Priester, zwei Diakone und vier Brüder (''fratres barbati'') als Zeugen genannt. Ein Stiftshistoriker zählte diese bärtigen Brüder dem adeligen Stand zu, da er sie als Mitglieder von Bauhütten interpretierte, die Baumeister und Städteplaner waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Namen und aus der Stellung in der Zeugenreihe lassen sich auf die Abstammung der Chorherren Schlüsse ziehen. Wir finden im Konvent einige Mitglieder des niederen Adels. Diese Tatsache erklärt einen Teil der reichen Schenkungen des Adels der Umgebung, der so zur Versorgung seiner Söhne beitrug. Ein Nobelstift war Herzogenburg aber nie. Die meisten Novizen kamen aus der Umgebung, vereinzelt aus Oberösterreich, der Steiermark, Kärnten und Salzburg. Die Zusammensetzung des Konvents blieb also durchaus im Rahmen des damals Üblichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert dürfte sich die Zahl der Konventualen zwischen 20 und 25 bewegt haben. Der erste große Verlust kam durch die Ermordung einiger Chorherren bei der Eroberung von Herzogenburg im Jahr 1463 und dann durch die Pest. Die Reformation trug das ihre dazu bei, sodass es beim Tod des Propstes Bartholomäus von Cataneis 1563 wahrscheinlich überhaupt kein Konventmitglied mehr gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann gab es nur ein, später zwei Mitglieder, und mit dem Erstarken der Gegenreformation kam wieder Leben in die Stiftsgemäuer: im 17. Jahrhundert betrug der Personalstand zwischen acht und zehn Mitglieder. In der Barockzeit erreichte er die Zahl 25. Um 1800 waren 27 Priester, ein Kleriker und drei Novizen dem Stift zugehörig. Im 19. Jahrhundert stammten 47 Priester aus Niederösterreich, 21 aus der Tschechoslowakei und acht aus Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Jänner 1900 hatte dann das Haus den Höchststand in seiner Geschichte: von den 40 Mitgliedern waren 35 Priester, vier Kleriker und ein Novize. Im 20. Jahrhundert nahm die Zahl stetig ab, und zur Zeit gehören 13 Priester und drei Kleriker zum Stift. Die Priester stammten im letzen, d. h. im 20. Jahrhundert, zu gleichen Teilen aus dem Arbeiter- und Angestelltenstand bzw. aus der Landwirtschaft und aus Familien selbständig Tätiger (die Väter waren Fleischhauer, Fabrikanten usw.). Der größte Anteil von ihnen waren Niederösterreicher (15), dann Wiener (neun), sechs Priester kamen aus dem heutigen Tschechien. Je zwei stammten bzw. stammen aus Tirol, Deutschland und den Niederlanden. Je ein Professe kommt aus dem Burgenland und aus Belgien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Vom Ursprungskloster in St. Georgen haben sich keine Reste erhalten. Die frühesten Ansichten von diesem Bau stammen aus der Barockzeit. Es ist deshalb schwer zu beweisen, wie weit sie der Wirklichkeit entsprechen. Auf diesen Bildern ist eine Kirche als zentraler Rundbau zu sehen, wie es manchmal in der Romanik üblich war, davor zwei niedrigere Rundtürme mit der Prälatur, links davon der Küchenturm, der einem Rauchabzug ähnlich ist. Rechts von der Kirche befindet sich ein Fluchtturm mit den Glocken. Anschließend sind die Klostergebäude für die Chorherren und Gäste dargestellt. Der Klosterbau ist mit einer Mauer umgeben. Das Ganze ist wahrscheinlich ein liebevoller Versuch, das Ursprungskloster darzustellen. Diese Ansicht entspricht aber keiner romanischen Klosteranlage der damaligen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster in Herzogenburg sind wir besser informiert. Wahrscheinlich wurde 1244 zuerst mit dem Bau eines Konventtraktes begonnen, da der bestehende Pfarrhof für den 15 Mann starken Konvent zu klein gewesen ist. Von dieser Anlage hat sich noch der Südtrakt mit einem Kreuzgangabschnitt erhalten. Bei Renovierungsarbeiten zu Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Sandsteinsäulen mit herzförmigen Kapitellschilden und einfachen Rundsockeln freigelegt, die in die Mitte des 13. Jahrhunderts einzureihen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ehemalige Refektorium wurde zum Teil schon 1894 entdeckt, doch konnten die Fresken erst 1963 vollständig freigelegt werden. Diese Räume waren Teil des Gerichtsgebäudes: Wärterwohnung und Gefängniszellen. An der Südseite des gotischen Saales befinden sich drei Spitzbogenfenster. Den sechsjochigen Raum tragen zwei Steinpfeiler als Mittelstützen. An einem ist die Jahreszahl 1564 zu erkennen, die vielleicht auf eine spätere Renovierung zurückgeht. Ab einer Höhe von 1,70 m befinden sich figurale Wandmalereien. Die einzelnen Darstellungen des Zyklus sind unterschiedlich gut erhalten, zum Teil ist nur noch die rote Vorzeichnung vorhanden. Neben christologischen Szenen sind eine Sterbeszene im Kloster (vielleicht der Tod des Ordensgründers Augustinus) und ein hl. Georg wiedergegeben. Vom zweiten Bild der Nordwand ist die Darstellung des Stifters dieser Bilder Propst Georg Eisner mit seinem Konvent erhalten. Da er ohne Mitra gezeigt wird, ist die Entstehungszeit dieser Fresken kurz vor 1498 anzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der östlich an das Refektorium anschließende frühbarocke Saal wird auf einem Plan mit &amp;quot;Capitl&amp;quot; bezeichnet. Die Jahreszahl 1628 am Ostfenster gibt vielleicht den Abschluss des Umbaus an. Heute wird dieser Saal für das Urgeschichtsmuseum des Stiftes verwendet. Wahrscheinlich besaß dieser Konventtrakt aufgrund der Größe der Stiftsgemeinschaft ursprünglich schon einen ersten Stock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei anderen Flügel des Konventbaues wurden wegen des Kirchen- bzw. Schulneubaus weggerissen. Über die Funktion der Räumlichkeiten sind wir zum Teil durch einen Plan von Johann Michael Hergöth unterrichtet, den er um 1700 gezeichnet hat: ebenerdig gab es drei Sakristeiräume, eine Schneiderei, den Mesnerkeller und das erwähnte Refektorium. Im ersten Stock waren die Zimmer der Chorherren, die Wohnung des Dechants und die Bibliothek untergebracht. Im Kreuzgangbereich lag noch die alte Totenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite des Konventbereiches steht auch heute noch der Kirchenbau. Von der mittelalterlichen Kirche ist nur das gotische Kirchenportal aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten. Aus den Umbauplänen können wir schließen, dass dieser Bau als Pfeilerbasilika auf kreuzförmigem Grundriss errichtet war, ähnlich der Michaelerkirche in Wien. Nördlich der Kirche waren die Kanzleiräume und die Prälatur. Entlang des Baches lagen die Wirtschaftsräume mit einem weithin sichtbaren Fluchtturm (Kuchlturm). Von diesen Gebäuden steht nur noch die Mühle, die heute als Elektrizitätswerk die Wasserkraft nutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm von Schmerling (1709–1721) entschloss sich für den Neubau des Stiftes. Am 25. Mai 1714 wurde dazu der Grundstein gelegt und Jakob Prandtauer wurde mit der Planung und Ausführung betraut. Propst Hieronymus Übelbacher von Dürnstein bezeichnet Prandtauer als &amp;quot;fürnehmen baumeister zu St. Pölten und vielleicht fürnehmsten in ganz Österreich&amp;quot;. Prandtauer begann mit dem Bau des Südtraktes. Der Osttrakt mit dem großen Festsaal wurde nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet. 1720 wurde die Einfahrtshalle aufgeführt. Auch hier dürften Vorschläge von Fischer mitverarbeitet worden sein. Im Quertrakt, zwischen den beiden Höfen, wurden im Erdgeschoß die beiden Sakristeien eingerichtet: Herren- und Prälatensakristei. Die qualitätvollen Stukkaturen gehen auf Michael Bolla, 1717, zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1721 starb Propst Wilhelm Schmerling. Sein Nachfolger Leopold von Planta (1721–1740) ließ weiterbauen, und zur Zeit des Todes von Jakob Prandtauer war das Stiftsgebäude zu einem provisorischen Abschluss gekommen, der aber zum dauernden wurde, denn der Westtrakt des &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; blieb unausgeführt. Propst Leopold ließ vom Nachfolger Prandtauers, dem Stiftsbaumeister Joseph Munggenast, den Meierhof aufführen und in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts den Stiftsbau durch die Errichtung des nördlichen Vorbaues und des Georgitores äußerlich abschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Westtrakt aus Sparmaßnahmen nicht ausgeführt wurde, errichtete der Propst die dort geplante Bibliothek im Mitteltrakt, und die in diesem Teil schon begonnene Prälatur wurde in den Nordostteil des Gebäudes verlegt. Die Gärten ließ er in barocker Manier anlegen und die Brücke über den Mühlbach sowie den &amp;quot;Springbrunn unter dem Großen Saal&amp;quot; mit einigen &amp;quot;Kindln&amp;quot; (Sandsteinfiguren) versehen. Diese Gartenplastiken und auch die Zwergenfiguren aus dem Zwerglgarten sind heute verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leopold kaufte auch vom Wiener Goldschmied Johann Kaspar Holbein einige Brustkreuze, Kelche und vor allem eine wertvolle Monstranz, deren Entwurf auf Matthias Steinl zurückgehen könnte und die im Raritätenkabinett erhalten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung der fertiggestellten Stiftsgebäude erlebte Propst Leopold nicht mehr. Ein Jahr nach seinem Tod wurde die Weihe am Georgstag, den 24. April 1741, von seinem Nachfolger Frigdian Knecht (1740–1775) vorgenommen, der dann auch die &amp;quot;Kapitularen in die neue, freundliche Klausur&amp;quot; führen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich Propst Frigdian zum Neubau der Kirche. Am 26. Juni wurde unter Beisein des Malers Daniel Gran der Grundstein an der Epistelseite der Apsis (rechte Seite der Kirche) gelegt. Die Inschriftplatte aus vergoldetem Kupfer führt Franz Munggenast als Baumeister an. Im selben Jahr, in dem der Rohbau fertig wurde, 1748, starb der junge Baumeister mit 24 Jahren. Seine Genialität wird an dieser Kirche, die zu den großen Leistungen des österreichischen Barock gezählt werden darf, sichtbar. Sein Bruder Matthias folgte als Stiftsbaumeister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kircheninneren malte Daniel Gran 1746 das Hochaltarbild und im Presbyterium die beiden Fresken. Wegen finanzieller Unstimmigkeiten und anderer Meinungsverschiedenheiten kam es zum Bruch mit dem Künstler. Der Propst vergab daher die weiteren Arbeiten in der Kirche, die Freskenmalerei und sämtliche Altarbilder mit den Ovalbildern, an Bartolomeo Altomonte, der sie von 1753 bis 1771 ausführte. Die dekorative Malerei in den Kirchenkuppeln (oberhalb des Hauptgesimses) stammt von Domenico Francia aus Bologna. Die Aufbauten für den Hochaltar (1770) und die Seitenaltäre, die Ballustraden (Kommuniongitter) und die Kanzel (1773) der Kirche stammen von Jakob Mösl, die Altarplastiken von Johann Josef Rößler, das Chorgestühl (1772) und die Volksstühle (1775) vom Klostertischler Lorenz Horeß.&lt;br /&gt;
Die herrliche Ampel wurde 1770 von Johann Christoph Beuermann aus Wien geliefert. Das Glanzstück der Kirche ist die 1752 fertiggestellte Orgel von Johann Henke, dem bedeutendsten Wiener Orgelbauer dieser Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1680 befand sich in der alten Kirche ein aus Ungarn stammendes Marienbild, das &amp;quot;orientalische Frauenbild&amp;quot;, zu dem viele Wallfahrer kamen. Nach der Fertigstellung des barocken Seitenaltares im Neubau der Kirche wurde es 1771 von Propst Frigdian Knecht eigenhändig in einer Prozession, die ihn durch beide Märkte führte, auf den heutigen Platz übertragen. Gegenüber dem Marienaltar liegen in einem Schrein die Gebeine des hl. Urban. Sie stammen aus den Kalixtuskatakomben in Rom und wurden 1740 dem Stiftsdechant Michael Koch geschenkt.&lt;br /&gt;
Als 1771 der barocke Augustinusaltar fertiggestellt war, fand dort der urchristliche Märtyrer seine endgültige Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das jüngste Kunstwerk der Kirche ist der Volksaltar, der 1994 vom Wiener Künstler Wander Bertoni angefertigt wurde und die Schöpfung zum Thema hat. Die Krönung der Bautätigkeit des Propstes Frigdian Knecht war die Neugestaltung des Kirchturmes nach einem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach, unter Mithilfe des Baumeisters Matthias Munggenast. Mit Recht sieht der Stiftschronist Frigdian Mies im Turm den ins Große strebenden Geist des Propstes. Die originelle Turmspitze mit Herzogshut und Stiftskreuz wurde am 6. Juli 1767 &amp;quot;um die Mittagszeit unter Pauken- und Trompetenschall aufgesetzt&amp;quot;. 1756 hatte der Propst die Chorkapelle mit Fresken von Martin Johann Schmidt (&amp;quot;Kremser Schmidt&amp;quot;) und einem Verkündigungsbild von Martin Altomonte ausschmücken lassen. Im Festsaal malte Bartolomeo Altomonte 1772 das Fresko &amp;quot;Das seelsorgliche Wirken der Augustiner-Chorherren im Bistum Passau&amp;quot;. Das Fresko an der Decke der Prälatenstiege &amp;quot;Die Übertragung der Kanonie von St. Georgen nach Herzogenburg&amp;quot; ist signiert mit &amp;quot;Barto Altomonte fec. 1779 aetatis suae 79&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Augustin Beyer (1779–1780) wurde auch die Bildergalerie fertiggestellt. Die Gemälde sind nach einem dekorativen Schema angeordnet: ein zentrales Mittelstück, von kleineren Gemälden umrahmt. Die Bilder wurden zu diesem Zweck auch vergrößert, verkleinert oder sogar geteilt, um der Symmetrie zu entsprechen. Dieser &amp;quot;geistlichen Galerie&amp;quot; kommt nicht nur wegen ihres kulturgeschichtlichen Wertes große Bedeutung zu, es befinden sich unter den 144 Bildern auch hervorragende Kunstwerke, u. a. eine Vincenzo di Biagio Catena zugeschriebene &amp;quot;Heilige Familie&amp;quot; oder ein auf Holz gemaltes deutsches Männerporträt mit der Signatur &amp;quot;H. H. 1521&amp;quot;, das als Werk Holbein d. J. bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man in Österreich die Kunstschätze vergangener Jahrhunderte noch als entbehrlichen &amp;quot;Raritätenkram&amp;quot; verstand, förderte Propst Aguilin Leuthner (1811–1832) die seltsame Sammelleidenschaft seines Mitbruders Ludwig Mangold. Nach dem Vorbild der alten &amp;quot;Kunst- und Wunderkammern&amp;quot; aus der Renaissancezeit hatte der junge Ungar im Stift ein &amp;quot;Antiken- und Raritätenkabinett&amp;quot; im zweiten Stock über der Prälatur angelegt, das zum Grundstein der heutigen Stiftssammlung wurde. Ein Verzeichnis dieser Raritäten wurde im Juni 1815 von ihm angefangen und hat folgende Hauptabteilungen: &amp;quot;A Mahlerey und Mosaique, B Bildhauerey, Schnitz- und Gußwerk, C Kupferstiche und Handzeichnungen, D Glasarbeiten, E Uhren, F Becher und andere Gefaße, G Kleidungsstücke, H Musicalische Instrumente, I Waffen, K Römische Alterthümer, L Verschiedene Seltenheiten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die meisten der hier verzeichneten Gegenstände sind noch im Besitz des Stiftes und waren im Rahmen der Ausstellung &amp;quot;Kunstschätze im Stift Herzogenburg&amp;quot; zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunstwerke wurden 1964 in den ehemaligen Gästezimmern topographisch aufgestellt, d. h. nach Möglichkeit nach ihrem Herkunftsort gruppiert. Das Hauptstück der Sammlung ist der &amp;quot;Jüngere Aggsbacher Hochaltar&amp;quot;, ein 1501 in Krems gemaltes Werk von Jörg Breu von Augsburg. Eine vorzügliche Schnitzarbeit ist die realistisch gehaltene Skulpturengruppe des &amp;quot;Marientodes&amp;quot; um 1500, möglicherweise der Mittelteil der Predella des Jörg-Breu-Altares. Weiters soll hier die „Stiftertafel&amp;quot; aus der Zeit um 1500 erwähnt werden, eine Votivtafel mit dem Bildnis des Bischofs Ulrich I. von Passau und der &amp;quot;porträthaften&amp;quot; Darstellung des mittelalterlichen Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Höhepunkt der spätbarocken Abteilung bilden Werke von Daniel Gran, vor allem das vergoldete Modell für den Hochaltar um 1746 mit dem unmittelbaren Entwurf für das Hochaltarbild und ein äußerst lebendiges Selbstporträt. Einen besonderen Schatz stellt der Bestand von zehn Ölskizzen und Bildern von Bartolomeo Altomonte dar, darunter Entwürfe für die Fresken in der Stiftskirche und ein höchst interessantes Selbstporträt aus dem Jahr 1774. In der Prälatur haben sich auch einige erwähnenswerte Kunstgegenstände erhalten, z. B. ein seltener Venezianer Spiegel vom Beginn des 18. Jahrhunderts, der neben reichem Ornament und alter Verglasung gravierte bérainsche Ornamentik in dem Rahmenspiegelchen trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Refektorium wurde bis in die sechziger Jahre als Speisesaal der Chorherren benützt. 1975 wurde es renoviert und als &amp;quot;Augustinussaal&amp;quot; ein Veranstaltungszentrum für Stift und Pfarre. Im Südosten des Stiftes befindet sich im zweiten Stock das &amp;quot;Mexikanische Zimmer&amp;quot;. In diesem Raum war die von Propst Norbert Zach (1857–1887) erworbene Sammlung von Geräten, Waffen und Schmuckgegenständen der Ottawa-Indianer aufgestellt. Sie musste in den zwanziger Jahren veräußert werden.&lt;br /&gt;
Interessant ist das Zimmer heute wegen der zwölf Wandgemälde, die in der romantischen Gesinnung des späten 19. Jahrhunderts Motive aus Österreich darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Exponate der urgeschichtlichen Sammlung des Stiftes Herzogenburg kamen aus der Ausgrabung eines eisenzeitlichen Friedhofes von Statzendorf. Der Göttweiger Abt Adalbert Dungl war maßgeblich daran beteiligt. Die Pröpste Georg III. Baumgartner (1913–1927) und Georg IV. Hahnl (1946–1963) haben durch eigene Grabungen wesentlich zur Vervollständigung dieser Sammlung beigetragen. Zusammen mit Dungl waren sie die Pioniere der prähistorischen Archäologie im unteren Traisental.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Heute enthält die urgeschichtliche Sammlung eine Reihe von Steingeräten aus der Altsteinzeit, eine große Zahl von Fundstücken der Jungsteinzeit und Keramiken aus der frühen Bronzezeit, wie etwa den Fund von 17 Töpfen aus St. Andrä an der Traisen, Objekte der Hügelgräber und Urnenfelderkultur und weitere bedeutende Funde aus der Eisenzeit, wie Beigaben der Hallstadtkulturen aus den Gräberfeldern von St. Andrä und Statzendorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Römische Funde waren bis auf einige Münzen im Raum von Herzogenburg eher spärlich, bis 1972 aus der Zeit der römischen Kaiser ein Zeremonienhelm mit Gesichtsmaske unweit des Stiftes gefunden wurde, der zu den bedeutendsten Denkmälern römischer Kunst auf österreichischem Boden gerechnet werden muss. Mit seinen &amp;quot;Alexanderlocken&amp;quot; gehört er zum orientalischen Typus. Damit ist er ein Beispiel dafür, wie weit vorderorientalische Mysterienkulte im 2. und 3. Jahrhundert verbreitet waren. Dieses Unikat ist im Raritätenkabinett im ersten Stock ausgestellt, während alle anderen Funde im frühbarocken Refektorium im Altstift zu sehen sind. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Eine fachkundige Neuaufstellung wird derzeit von Univ.-Doz. Dr. Johannes-Wolfgang Neugebauer vorgenommen.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Als 1512 in Herzogenburg ein Großbrand wütete, wurden einige Trakte des Stiftes in Schutt und Asche gelegt. Die Bibliothek wurde dabei auch ein Raub der Flammen. Wahrscheinlich besaß damals das Stift über 100 handgeschriebene Bücher und vielleicht ebensoviele Inkunabeln. Wieviele Bücher gerettet werden konnten ist leider nicht überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten großen Förderer der mittelalterlichen Bibliothek waren die beiden Pröpste Johannes III. von Parsenbrunn (1401–1433) und Johannes IV. von Linz (1433–1457). Aus der Zeit vor dem Brand haben sich einige Buchfragmente erhalten. Fragment 42 aus dem 9. Jahrhundert ist das älteste Stück der Bibliothek.&lt;br /&gt;
Von der Wende des 12. zum 13. Jahrhundert stammt das Fragment 32 mit Teilen eines Legendars. Das Fragment 43 ist Teil eines Nekrologiums vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Es ist ein sicheres Zeugnis für die Schreibkultur des Stiftes in St. Georgen. Ob das Stift dann in Herzogenburg eine eigene Schreibschule besessen hat, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Auf jeden Fall sind keine Handschriften auf Pergament mit wertvollen Initialen auf uns gekommen, sondern nur anspruchslose, auf Papier geschriebene Bücher. Sie haben alle einen praktisch-theologischen Inhalt und stehen im Zusammenhang mit den Seelsorgeaufgaben des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Schreiber waren mit Sicherheit Klosterangehörige, von weiteren sieben ist es unsicher. Die kunsthistorisch kostbarsten Handschriften wurden erst in späteren Jahrhunderten angekauft. Den ersten größeren Zuwachs nach dem Brand erfuhr die Bibliothek durch Propst Philipp von Maugis (1541–1550), der vor allem humanistische Werke bzw. lateinische und griechische Klassikerausgaben erwarb und die von seinem Bruder ererbte Bibliothek der Stiftsbibliothek einverleibte.&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Herb (1687–1709) erbte ebenfalls von seinem Bruder 173 Bücher meist theologischen Inhalts, die in zwei Fässern und einer großen Truhe verpackt auf der Donau von Deutschland nach Krems transportiert und von dort ins Stift gebracht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge des barocken Stiftsneubaus wurde die Bibliothek von 1751 bis 1754 von Propst Frigdian Knecht (1740–1775) erbaut. Die Ornamentmalerei fertigte Domenico Francia an, die figuralen Grisaillen wurden von Bartolomeo Altomonte gemalt. Die einfachen, doppelteiligen Bücherschränke wurden vom Orgelbauer Johann Henke entworfen. Propst Frigdian sammelte die Bücher &amp;quot;mit einem unersättlichen Hunger&amp;quot;, wie er selber scherzend zu sagen pflegte. Er erwarb u. a. die Bibel von 1205 (HS 100) und die kostbare Handschrift &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; (HS 95) aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Stephan Peschka (1775–1779) und Michael Teufel (1781–1809) erwarben durch den Exjesuiten Abbé Johann Christoph Regelsberger viele Bände bei Bücherauktionen aus den Beständen aufgehobener Klöster. Mit der Übernahme der aufgehobenen Stifte St. Andrä an der Traisen 1783 und Dürnstein 1788 kamen nur wenige Bücher, nachweislich nur einige Handschriften und Inkunabeln, nach Herzogenburg. Der Großteil des Bücherschatzes kam in die Wiener Hofbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Petrus Schreiber]], von 1781 bis 1788 auch Stiftsdechant, war mit Unterbrechung fast 25 Jahre Bibliothekar. Eine große Anzahl von Büchern mit einheitlichen barocken Einbänden kam durch ihn in die Bibliothek. Sie tragen auf dem Einbanddeckel die goldenen Buchstaben &amp;quot;P. S.&amp;quot;. Ebenso vermachte er dem Stift 15 Inkunabeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Inventar von 1832 beziffert den Buchbestand summarisch mit etwa 10.000 Bänden. 1887 war der Besitz bereits auf 50.000 Bände, 253 Inkunabeln und 223 Handschriften angewachsen. Dieser Zuwachs dürfte auch die Erweiterung der Bibliotheksräumlichkeiten veranlasst haben. Unter Propst Norbert Zach (1857–1887) wurden 1870 die Gänge im zweiten Stock des Stiftes mit Bibliothekskästen ausgestattet. Unter ihm waren als Bibliothekare die bedeutenden Stiftshistoriker [[Wilhelm Bielsky]], [[Michael Faigl]] und Frigdian Schmolk tätig. Sie veröffentlichten viele Beiträge zur Stiftsgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine großzügige Erweiterung erfuhr die Stiftsbibliothek zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gräfin Maria Falkenhayn übergab 1905 dem Stift die 30.000 Bände ihrer Schlossbibliothek in Walpersdorf. Neben diesen gräflichen Exlibris finden sich in der Sammlung auch Werke mit den Besitzvermerken der Jörger, Colloredos und der Herrschaften Droß und Ottenschlag.&lt;br /&gt;
Während der Weltwirtschaftskrise kam es 1927 zur Veräußerung von Inkunabeln, die vergleichsweise die Höhe des Schätzwertes der ehemaligen Stiftstaverne ausmachten. Ebenso wurde in den sechziger Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eine große Anzahl von Büchern veräußert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anläßlich der Ausstellung im Jahr 1964 &amp;quot;Das Stift und seine Kunstschätze&amp;quot; wurde eine Neuaufstellung der Bücherbestände begonnen, die aber &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bis heute nicht fertiggestellt werden konnte&amp;lt;/span&amp;gt;. Derzeit ist die Bibliothek auf mehrere Standorte verteilt und lediglich die Handschriften, die Inkunabeln und die Druckwerke bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden nach dem Erscheinungsdatum geordnet. Der Rest ist weitgehend unbearbeitet. Der Gesamtbestand wird auf 80.000 Bände geschätzt. Dazu kommen noch 150 Inkunabeln und 150 mittelalterliche Handschriften. Die älteste Handschrift ist ein österreichisches Psalterium des 12. Jahrhunderts (HS 106). Die gut geschriebene Handschrift enthält eine Reihe von großartigen Initialen. Die bedeutendste Handschrift der Bibliothek ist Cod. 95 &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; von Gregor d. Gr. Sie wurde um 1260 in Mainz oder Regensburg geschrieben und enthält 36 ausgezeichnete Initialminiaturen im Stil der deutschen Malerei der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Cod. 223 ist eine oberitalienische Bibel der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit großen figurierten Initialen; fast alle Spalten tragen Federranken. Am Beginn der Genesis findet sich eine Gegenüberstellung der sieben Schöpfungstage mit christologischen Szenen. Ein österreichisches Graduale (HS 97) vom Beginn des 14. Jahrhunderts trägt auf jeder Seite Notenzeilen und stammt aus einem Zisterzienserkloster. Sehr schön ist eine französische Bibel mit Miniaturinitialen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (HS 99).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Ausgabe von Gregors &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; ist der zweibändige Cod. 94 aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts mit 18 figurierten Initialen, die von fünf Meistern stammen, die den Wenzelsbibelmeistern nahestehen. Die Handschrift wurde laut Eintragung in der Kartause Mauerbach geschrieben und war 1397 im Besitz der Kartause Olmütz. Wann und wie sie nach Herzogenburg kam, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der bedeutenden Sammlung von Wiegendrucken seien folgende hervorgehoben: ein sehr schöner Venezianer Druck von 1478, Lactantius Firmianus &amp;quot;Gegen die Haiden&amp;quot;; drei ausgezeichnete Kobergerdrucke aus Nürnberg, 1481; die Briefe des Ennea Sylvius Piccolomini (Papst Pius II.); ebenso von 1481 ein Kommentar zum Neuen Testament von Nicolaus de Lyra mit gezeichneten Initialen; und von 1483 ein Fastenbuch von Johannes Guitsch, gedruckt im Charakter der spätgotischen Handschriften. Ein Zisterzienser-Missale aus Paris um 1487 ist mit kleinen kolorierten Holzschnitten illustriert. Zwei sehr gute Ausgaben der interessanten Weltgeschichte von Rolewinck seien noch angeführt. Die eine Wiener Ausgabe von 1490 ist reich mit Holzschnitten illustriert, die zweite aus Köln mit vielen Holzschnitten in der Art der &amp;quot;Schedelschen Weltchronik&amp;quot; aus dem Ende des 15. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abschluss ist noch eine Postilla von Cuilcrinus, Augsburg 1495, die ebenfalls mit Holzschnitten illustriert ist, zu erwähnen. Die oben beschriebenen Handschriften und Frühdrucke sind im Hauptraum der Bibliothek in Vitrinen ausgestellt und bei jeder Führung durch das Stift zu besichtigen. In diesem Bibliothekssaal befinden sich in den Bücherschränken nur Bücher aus dem 18. Jahrhundert, um den Eindruck einer barocken Schaubibliothek zu vermitteln.&lt;br /&gt;
Durch die bescheidene Einrichtung wirkt die Bibliothek wie eine heimelige Studierstube. Die letzte Handschrift wurde 1990 erworben. Sie ist ein türkisches Gebetbuch aus dem 19. Jahrhundert in arabischer Zierschrift. In der Mitte des Buches finden sich zwei romantisch gemalte Ansichten der Moscheen in Mekka und Medina.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Das Herzogenburger Stiftsarchiv besteht aus vier Abteilungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) dem Archiv des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen/Herzogenburg mit 1.745 registrierten Urkunden (1112–1852) und zahlreichen nicht bearbeiteten Urkunden (ab 1852), 264 Büchern und 647 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit 327 registrierten Urkunden (998–1776), sechs Büchern und 225 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein mit 718 registrierten Urkunden (1306–1768), 36 Büchern und 90 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) dem Archiv des aufgehobenen Clarissenklosters Dürnstein mit 357 registrierten Urkunden (1289–1658) und ca. 20 Büchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Dokument im Stift Herzogenburg ist die Gründungsurkunde (1112) von Bischof Ulrich von Passau (Sta. Hn. 1a). Sie ist eine der formvollendetsten Urkunden aus der Schreibstube des Bistums Passau. Äußerst interessant ist die Traditionsnotiz (Sta. Hn. 1b), die ein Konzept zur Gründungsurkunde darstellt und sechs weitere protokollarische Notizen enthält, die an verschiedenen Orten abgefasst wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historisch bedeutsam für das Stift ist auch die Übertragungsurkunde von 1244 (Sta. Hn. 38). Die schweren Zeiten des 15. Jahrhunderts sowie der Brand des Klosters im Jahr 1512 dürften dem Archiv nicht allzusehr zugesetzt haben. Alle wichtigen Urkunden sind im Original vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes VII. Glaz (1569–1572) veranlasste eine Aufzeichnung und Registrierung der &amp;quot;Pergament-Brieff&amp;quot;. In dem 1570 angelegten Verzeichnis wird das Archiv als „Registratur&amp;quot; bezeichnet. Entsprechend dem damaligen Kanzleigebrauch, dessen Vorbild die Kanzlei des Regiments der niederösterreichischen Lande war, wurden auch in Herzogenburg die Urkunden, damals insgesamt 46 Stück, in einem mit Laden versehenen Kasten und die weniger wichtigen Akten in einem Sack aufbewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1683 wurden das Archiv und die Schatzkammer vor den heranrückenden Türken in das Chorherrenstift Dürnstein verlagert und 1684 wieder zurückgebracht. Die zeitlich nächstfolgende Bestandsaufnahme des Stiftsarchivs erfolgte zwischen 1730 und 1740. &amp;quot;Ain großer mit Eyßen schön beschlagener Casten, hat 36 unterschidliche litterirte gemahlene Laden&amp;quot;. Er diente als Aufbewahrungsort für das als &amp;quot;gehaimbtes Gwölb&amp;quot; bezeichnete Hauptarchiv. Diesem wurden 1745 Schriften und Akten des Hofrichters und des Stiftskämmerers einverleibt. Genaue, nach Grundherrschaften bzw. Sachgebieten angelegte und geordnete Inventarien zeugen von der Sorgfalt, mit der das Stiftsarchiv unter Propst Frigdian I. Knecht (1740–1775) betreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte im Streben nach dem Wissen über die eigene Vergangenheit die ersten wissenschaftlichen Bearbeitungen des Urkundenbestandes durch die Herzogenburger Chorherren [[Wilhelm Bielsky]] (Die ältesten Urkunden des Kanonikatsstiftes St. Georgen in Unterösterreich von 1112–1244, Wien 1852) und [[Michael Faigl]] (Die Urkunden des regulierten Chorherrenstiftes Herzogenburg vom Jahre seiner Übertragung von St. Georgen 1244–1450, Wien 1886).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich wurde in den Jahren 1930 bis 1935 der unübersehbare Bestand an Akten und Büchern durch Dr. Göhler geordnet und durch eine Zettelkartei der Forschung zugänglich gemacht. In der insgesamt 1.745 Urkunden umfassenden Urkundenreihe vom Stiftsarchiv Herzogenburg gibt es neben einer Vielzahl von Stiftungs- und Schenkungsurkunden auch Urkunden von Päpsten und Landesfürsten. Die älteste Papsturkunde wurde 1177 von Papst Alexander III. ausgestellt, die erste in deutscher Sprache abgefasste Urkunde stammt aus dem Jahr 1292.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als einzigartiges Dokument soll eine Urkunde Erwähnung finden, die von Mönchen des Katharinenklosters am Sinai und Chorherren des Stiftes Herzogenburg im Jahr 1491 gezeichnet wurde. Damals haben zwei griechische Sinaimönche Herzogenburg besucht und mit den hiesigen Chorherren eine Gebetsverbrüderung geschlossen und besiegelt – ein merkwürdiges und einmaliges Zeugnis für die Verbindung der Ost- und Westkirche im ausgehenden Mittelalter nach dem Fall von Konstantinopel (Sta. Hn. 538).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Grundbücher, wertvolle Unterlagen zur Erforschung der Besitz- und Bevölkerungsgeschichte im Raum Herzogenburg, wurden im 12. Jahrhundert angelegt. Hinzu tritt jene Masse des Archivmaterials, die als Akten des adeligen Richteramtes über die Untertanen aus der Amtstätigkeit des Stiftes erwachsen sind: Grundbuchsakten ab 1340, Testamente ab 1500, Verwaltungsakten über den Oberen Markt Herzogenburg, Korrespondenzen mit den umliegenden Grundherrschaften. Diese Schriftstücke zeigen den Kampf des Stiftes um seine Rechte und Besitzungen, unter welchen besonders Fischerei- und Wasserrechte auf der Traisen und Jagdrechte in den Auen im Vordergrund stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Rechnungsbüchern und Rechnungsakten finden sich genauere Aufzeichnungen über den Bau der barocken Stiftsgebäude und der inkorporierten Pfarrkirchen mit ihren Pfarrgebäuden. Eigenhändige Unterschriften auf den Quittungen sind zu finden von Jakob Prandtauer, der Familie Munggenast, Bartolomeo Altomonte, Daniel Gran, vom Salzburger Steinmetzmeister Jakob Mösl, vom Wiener Goldschmied Johann Caspar Holbein und vielen anderen. Bei der Durchsicht von unbearbeiteten Archivmaterialien konnte ein eigenhändig geschriebener Brief von Martin Luther von 1541 aufgefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Auflösung der Chorherrenstifte St. Andrä und Dürnstein kamen deren Archive nach Herzogenburg. Propst Michael Teufel (1781–1809) hat sich sehr um ihre Erhaltung und sichere Aufbewahrung bemüht. Die älteste Urkunde von St. Andrä ist eine Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. aus dem Jahr 998 (Sta. An. 1). Die Stiftungsurkunde von St. Andrä stammt aus dem Jahr 1160 und ist mit 44 Zeugen belegt (Sta. An. 4). Zu erwähnen ist noch eine prunkvolle Ernennungsurkunde des Chorherren Johannes Zwickl zum Kommissär für den Türkenablass des Papstes Innozenz VIII. von 1490 in teilvergoldeter Schrift mit reichen Initialen (Sta. An. 208). Alle drei Dokumente zählen zu den Zimelien dieser Urkundenreihe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Archiv der Chorherren von Dürnstein ist der Stiftungsbrief vom 18. Februar 1410 (Sta. CDn 147) der absolute Höhepunkt. Der linke Rand dieser Urkunde ist mit einer Reihe von höchst bedeutenden Miniaturen versehen, die sowohl der böhmischen wie der Wiener Buchmalerei des frühen 15. Jahrhunderts nahestehen. Die angehängten sechs Siegel sind noch vorhanden. Zwei im selben Jahr ausgestellte Urkunden tragen schöne Initialmalereien (Sta. CDn 149 und 150).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Im Gegensatz zum &amp;quot;Archiv Herzogenburg&amp;quot; sind die Urkunden, Bücher und Akten der drei anderen Archive noch nicht publiziert und daher wissenschaftlich noch wenig ausgewertet. &lt;br /&gt;
Derzeit (1995) wird die Einrichtung des Archives erneuert und auf den letzten technischen Stand gebracht. Damit ist auch der Wunsch verbunden, dass die letzten 150 Jahre archivmäßig aufgearbeitet werden.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Historische Namensformen===&lt;br /&gt;
* WEIGL, Heinrich, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, 8 Bde., Wien 1964–1981.&lt;br /&gt;
* SCHUSTER, Elisabeth, Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, 1. Teil (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B), Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
* HAUSNER, Isolde / SCHUSTER, Elisabeth, Altdeutsches Namenbuch, Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politische und kirchliche Topographie===&lt;br /&gt;
* WOLF, Hans, Niederösterreich (Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 6. Teil), Wien 1955.&lt;br /&gt;
* RUPP / SCHMIDTBAUER, Herzogenburg, 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Franz Reininger: Die Wiegendrucke der Stiftsbibliothek Herzogenburg. In: Mitteilungen des Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 12 (1908), S. 109–127.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Katalog der Handschriften der Stiftsbibliothek Herzogenburg. St. Pölten 1978. [https://manuscripta.at/diglit/winner_1978_1/0001 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Mayo Hope: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed for the Hill Monastic Manuscript Library, Austrian Libraries. Volume III: Herzogenburg. Collegeville, Minnesota, 1985. [https://archive.org/details/HMMLAustriaInventory3 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Franz Lackner: Datierte Handschriften in niederösterreichischen Archiven und Bibliotheken bis zum Jahre 1600. Wien 1988 (Katalog der datierten Schriften in lateinischer Sprache in Österreich, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kunst- und Baugeschichte===&lt;br /&gt;
* HEIDER, Gerhard / HÄUFLER, J. V., Archäologische Notizen (Archiv für österreichische Geschichte II/1), Wien 1850, 139–178.&lt;br /&gt;
* RIESENHUBER, Martin, Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Bistums St. Pölten, St. Pölten 1923.&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer. Der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* PETERMAIR, Hans, Die bauliche Anlage der Stifte in Altenburg, Herzogenburg und Seitenstetten und ihre baukünstlerischen Beziehungen im Mittelalter und in der Barocke, masch.geschr. techn. Diss., Wien 1934.&lt;br /&gt;
* STEINER, Ubald, Die Stiftskirche zu Herzogenburg. Beiträge zur Baugeschichte nach Aufzeichnungen des Propstes Georg Baumgartner, in: Pfarramtliche Nachrichten für den Kirchensprengel Herzogenburg 21 (1935), Nr. II/12.&lt;br /&gt;
* MUNGENAST, Emmerich, Joseph Munggenast. Der Stiftsbaumeister 1680–1741, Wien 1963.&lt;br /&gt;
* FEUCHTMÜLLER / WEBER, Stift und Kunstschätze, 1964.&lt;br /&gt;
* HEINZL, Brigitte, Bartolomeo Altomonte, Wien/München 1964.&lt;br /&gt;
* BIBA, Otto, Die Orgelakten des Stiftes Herzogenburg, in: Unsere Heimat, Zeitschrift des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 41 (1970), Heft 1, 9–24.&lt;br /&gt;
* GÜTHLEIN, Klaus, Der österreichische Barockbaumeister Franz Munggenast, phil. Diss., Heidelberg 1973.&lt;br /&gt;
* KNAB, Eckhart, Daniel Gran, Wien/München 1977.&lt;br /&gt;
* CÄSAR, Menz, Das Frühwerk Jörg Breus des Älteren, Augsburg 1982.&lt;br /&gt;
* EGGER / HESSLER / PAYRICH / PÜHRINGER / FASCHING, Stift Herzogenburg, 1982.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Hermann-Fichtenau: Der Bildersaal im Stift Herzogenburg, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 38 (1984).&lt;br /&gt;
* SERVUS, Die Entstehung der barocken Klosteranlage, 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Moseneder: Passau im Gedächtnis Herzogenburgs. Zur Ikonologie des Augustiner-Chorherrenstift. In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch 31 (1989), S. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;##&amp;lt;/span&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* Karl Thomas (Bearb.): Die Baumeisterfamilie Munggenast. Sonderausstellung des Stadtmuseums St. Pölten anläßlich des 250. Todestages von Joseph Munggenast. St. Pölten 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Oskar Freiherr von Mitis: Studien zum älteren österreichischen Urkundenwesen. 5 Bände. Wien 1906–1912.&lt;br /&gt;
* Franz Stundner: Das Archiv des Stiftes. In: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Hg. von Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber. Herzogenburg 1964, S. 83–86.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sonstige Literatur===&lt;br /&gt;
* Georg Baumgartner: Herzogenburg. In: Topographie von Niederösterreich. Band IV. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Wien 1896, S. 209–238.&lt;br /&gt;
* Gerhart Egger / Walter Hessler / Wolfgang Payrich / Leonore Pühringer / Herbert Fasching: Stift Herzogenburg und seine Kunstschätze. St. Pölten 1982.&lt;br /&gt;
* Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Herzogenburg 1964.&lt;br /&gt;
* Maximilian Fürnsinn: Stift Herzogenburg 1938–1945. In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 22/4 (1975), S. 132–140.&lt;br /&gt;
* Maria Hasitscha-Köck: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg während der Zeit des Propstes Michael Teufel von 1781 bis 1809. Diss. Univ. Wien. Wien 1973.&lt;br /&gt;
* Andreas Karl Kaiser: 975 Jahre Pfarre Herzogenburg (1014–1989). Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1989.&lt;br /&gt;
* Gerhard Nikodim: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg von 1513 bis 1602. Diss. Univ. Wien. Wien 1968.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich: Das Stift Herzogenburg. Die 875-jährige Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen-Herzogenburg von 1112–1987. Dipl.-Arb. Univ. Linz. Linz 1987.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich / Hans Peter Schmidtbauer: Unsere Kirche lebt. 200 Jahre Stiftskirche Herzogenburg. St. Pölten 1985.&lt;br /&gt;
* Anton Rupp / Hans Peter Schmidtbauer: Herzogenburg. St. Pölten / Wien 1991.&lt;br /&gt;
* Werner Sandner: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg von 1244 bis 1513. Diss. Univ. Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Frigdian Schmolk: Stift der regulirten lateranensischen Chorherren zu Herzogenburg in Nieder-Oesterreich. In: Ein Chorherrenbuch. Geschichte und Beschreibung der Bestehenden und Anführung der aufgehobenen Chorherrenstifte. Augustiner und Prämonstratenser in Österreich-Ungarn, Deutschland und der Schweiz. Hg. von Sebastian Brunner. Würzburg 1883, S. 200–263. [https://books.google.at/books?id=GoJJAAAAIAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA199-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Harald Servus: Die Entstehung der barocken Klosteranlage in Herzogenburg und ihre geschichtlichen Voraussetzungen. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1987.&lt;br /&gt;
* Egon Wahl: Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit besonderer Berücksichtigung der rechtlichen, besitz- und personalgeschichtlichen Verhältnisse. Diss. Univ. Wien. Wien 1945.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10744</id>
		<title>Stift Herzogenburg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10744"/>
		<updated>2023-06-25T11:18:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1112&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (seit 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Stift St. Georgen&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}, Niederösterreich&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.28677, 15.69721&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Georg&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Herzogenburg gehört zum Bezirk St. Pölten.&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift_Herzogenburg.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Herzogenburg, kolorierte Radierung von Lorenz Janesch (um 1810), Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), Kartensammlung, Fideikommissbibliothek-Vues, Österreich-Ungarn, Niederösterreich H-La, Herzogenburg KAR MAG, online unter: http://data.onb.ac.at/rec/baa12918499&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Bischof [[Ulrich I. von Passau]] (1092–1121) stiftete mit der Gründungsurkunde vom 18. August 1112 ein Eigenkloster für Augustiner-Chorherren, auf einem Grundstück an der Mündung der Traisen in die Donau gelegen, das er geerbt hatte und worauf sich bereits eine Georgskirche befand. Wahrscheinlich sandte er aus dem reformierten [[Stift St. Nikola]] bei Passau Chorherren nach St. Georgen an der Traisen. Als seelsorgliches Aufgabengebiet und als Existenzgrundlage übergab der Bischof seinem Kloster St. Georgen die beiden Pfarren Traisenburg (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Stollhofen|Stollhofen]]) und [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Herzogenburg|Herzogenburg]]. Außerdem erhielt das Stift die bischöflichen Zehentrechte im oberen Waldviertel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten war die Existenz des Klosters einerseits von den Hochwassern der Donau und andererseits von der wirtschaftlichen Schwäche infolge zu geringer Dotierung bedroht. Eine Gelegenheit zur Besserung der Lage des Klosters ergab sich dreißig Jahre nach der Gründung, als ein lokaler Adeliger namens Walter von Traisen testamentarisch die Gründung eines Chorherrenklosters verfügte. Der Passauer Bischof [[Konrad]] (1148/49–1164), ein Sohn des hl. Leopold, wollte das Kloster St. Georgen mit dieser Stiftung in St. Andrä an der Traisen vereinigen und den Konvent dorthin verlegen. Nach dem Widerstand des Testamentvollstreckers Otto III. von Rehberg erfolgte jedoch noch im 12. Jahrhundert eine eigenständige Gründung des [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stiftes St. Andrä an der Traisen]]. Bischof Konrad verbesserte in den Jahren 1158 und 1160 die Situation des Stiftes St. Georgen, indem er dem Kloster, das in den sumpfigen Donauauen lag, eine Frischwasserzuleitung ermöglichte und außerdem den Chorherren die Pfarre Marquardsurvar (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Haitzendorf|Haitzendorf]]) und den Schwaighof bei Zeiselmauer schenkte. Unter den späteren Schenkungen an das Kloster während der Regierungszeit von Propst [[Wisinto II.|Wisintos II.]] (1191–1204) ist ein Stiftungsbrief von 1201 bemerkenswert, der ein Nonnenkloster in St. Georgen voraussetzt. In einer Urkunde aus der Zeit um 1230 werden die Schwestern Kunigunde und Ehrentraud von Zebing als Kanonissen von St. Georgen genannt. Dieser Frauenkonvent ist anlässlich der Übersiedlung des Männerklosters nach Herzogenburg auch mitverlegt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Engelschalk]] (1242–1267), dem zwölften Propst des Stiftes St. Georgen, erfolgte schließlich die Verlegung des Klosters, der Konvent übersiedelte im Jahr 1244 an seinen Pfarrort Herzogenburg. In der Übertragungsurkunde vom 19. März 1244 übereignete Bischof [[Rudiger]] von Passau dem Konvent die Passauer Pfarre Herzogenburg mit allen Rechten. Das Stift memoriert den Bischof als seinen „zweiten Gründer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spätmittelalter=== &lt;br /&gt;
Nach der Übersiedlung des Konvents nach Herzogenburg erfolgte der Bau einer Klosteranlage sowohl für den Männer- wie für den Frauenkonvent. Im Pfarrbezirk „auf der Widem“ entstand ein eigener Gerichtsbezirk des Stiftes, der sogenannte „Obere Markt Herzogenburg“. Der „Untere Markt Herzogenburg“ unterstand dem bayerischen Stift Formbach am Inn.&lt;br /&gt;
Im 14. Jahrhundert war die wirtschaftliche Lage des Klosters zunächst stabil, Propst [[Siegfried]] erwarb ein Haus in Wien in der Singerstraße. Der folgende Propst [[Nikolaus I. Payger von Würmla]] (1361–1374) klagte in seinen Aufzeichnungen über Missernten, Kriegssteuern an Herzog Rudolf IV. und Verschuldung seines Klosters. Die Herzöge Albrecht III. und Leopold III. gewährten dem Stift Privilegien, weil „der probst und das gotzhaus ze Herzogenburg in grozzer geltschulde und kumber sind“. Propst [[Johannes III.]] (1401–1433) einer der längstregierenden Pröpste, erreichte von den Herzögen Wilhelm und Albrecht IV. die Begünstigung, im Schankhaus des Stiftes, dem &amp;quot;Mühlhofkeller&amp;quot;, zwölf Fass Wein ohne Ungeld (Steuer) ausschenken zu dürfen. Unter Propst Johannes III. fand eine Stiftsreform nach den Bestimmungen des Konstanzer Konzils statt. Bei der Visitation im Stift Herzogenburg 1419 war nachweislich auch der erste Propst des [[Stift Dürnstein|Chorherrenstiftes Dürnstein]], das 1410 im Geist der Raudnitzer Reform gegründet worden war, anwesend. Und so wurden die Raudnitzer Statuten auch in Herzogenburg Grundlage einer Erneuerung. Propst Johannes war auch ein Förderer der Lateinschule des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert waren Markt und Stift Herzogenburg wiederholt von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. In den Hussiteneinfällen verloren etliche Bürger und Chorherren ihr Leben. Die Regierungszeit des Propstes [[Ludwig Gössel]] (1457–1465) fiel in die Zeit der Nachfolgekämpfe unter Kaiser Friedrich III., in der böhmische, mährische, ungarische und auch einheimische Söldnerverbänden in Niederösterreich plünderten. Im Jahr 1463, am dritten Tag nach dem Osterfest, wurde Herzogenburg von böhmischen Söldnerscharen unter ihrem Anführer Georg von Vetau eingenommen und verwüstet. Wahrscheinlich erlosch damals auch der Konvent der Kanonissen, oder er fand durch Mangel an Klostereintritten schon früher ein Ende. Im Lauf des Jahres 1465 begannen die Chorherren mit dem Wiederaufbau des Stiftes. Dieser zweiten gotischen Bauphase des Stiftes sollte aber kein langer Bestand gegönnt sein, denn schon 1477 belagerten und eroberten die Soldaten des ungarischen Königs Matthias Corvinus nach ihrem Sieg über Kaiser Friedrich III. Herzogenburg. Wieder brannte das Kloster nieder. Der nach St. Pölten geflohene Propst konnte seine in Rudolfsberg bei Wagram gefangengehaltenen Mitbrüder erst nach Bezahlung eines hohen Lösegelds in die Ruinen seines Klosters zurückführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Georg I. Eisner]] (1484–1513) wurde mit dem Wiederaufbau des Klosters begonnen. Dieser Propst konnte durch sorgfältige Verwaltung und durch Schenkungen des Matthias Corvinus, der die Verwüstungen seiner Söldner wieder gutzumachen versuchte, die wirtschaftlichen Verhältnisse seines Hauses sanieren und das Stiftsgebäude repräsentativ auszustatten. 1499 gewährte Papst Alexander VI. ihm und allen seinen Nachfolgern den Gebrauch der Mitra, des Stabes und Ringes und der anderen Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7. Mai 1512 brach in einem Haus auf dem Unteren Marktplatz ein Brand aus, der auch auf die Widem und auf das Kloster übergriff, alle Zellen der Brüder und das Winterrefektorium brannten aus. Außerdem wurden das Infirmarium, die Dechantei, die Bibliothek und die Sakristei zerstört. Das Feuer sprang auch auf das Mariensacellum über und vernichtete dort die Orgel. Ebenso brannte die Schule nieder. Die Kirchenausstattung – die Tafelbilder und die Altäre – wurde verschont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation bis Barock=== &lt;br /&gt;
Im Jahr der Wahl des hochgelehrten Propstes  [[Johannes V. Bernhard von Nußdorf]] (1517–1533) veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen und löste eine Reformationsbewegung aus, in der Klosterleben zunehmend kritisch beurteilt wurde. Unter Propst [[Bernhard I. Schönberger]] (1533–1541) legte der Chorherr Johann Peurl die priesterliche Kleidung ab und verließ seinen Orden, Neueintritte blieben zunehmend aus. In wirtschaftlicher Hinsicht hatte Propst Bernhard mit den Belastungen der den Klöstern vorgeschriebenen Abgaben zur Finanzierung der Kriege gegen die Osmanen zu kämpfen und konnte die Steuerleistungen nur durch den Verkauf des Stiftshauses in Wien erbringen. Für viele Jahre war Bernhard der letzte frei gewählte Propst von Herzogenburg. Die nun folgenden Pröpste waren Weltpriester oder stammten aus anderen Ordenshäusern, wurden postuliert oder vom Kaiser ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Wunsch Kaiser Ferdinands I. wurde [[Philipp von Maugis]] (1541–1550) zum Propst bestimmt. Philipp entstammte einer adeligen belgischen Familie, war ab 1545 Regent der niederösterreichischen Landesregierung und Erzieher der Söhne Ferdinands I. Noch im Jahr seines Amtsantrittes trat in Herzogenburg, wie in vielen Orten Österreichs, die Pest auf, an der täglich bis zu 30 Personen starben. Alle Chorherren im Stift mit Ausnahme des Propstes und eines Konventualen fielen der Seuche zum Opfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philipps Nachfolger war [[Bartholomäus von Cataneis]] (1550–1563). Er entstammte einer vornehmen italienischen Familie aus Bergamo, war palatinischer Graf, apostolischer Protonotar und oberster Hofkaplan. Durch sein Administrationstalent gelang es ihm, das Stift über die finanziellen Hürden zu bringen. Wegen seiner Tüchtigkeit wurde er zum Administrator von Göttweig bestellt (1556–1563). Der Klosterrat bemängelte bei seiner Visitation allerdings die Konkubinate der Stiftsherren und deren protestantische Gesinnung. Die Kommissäre erteilten dem Propst einen strengen Verweis und befahlen ihm, den Dechant abzusetzen und einzusperren. Nach dem Visitationsbericht vom Jahr 1561 befanden sich im Stift Herzogenburg nur mehr vier Konventualen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krisenzeit des Stiftes wurde der Prälat von St. Andrä [[Johannes VI. Pülzer]] (1563–1569) zum Propst bestimmt. In seinem Wahlinstrument hieß es, er sollte baldmöglichst die Zahl der Chorherren ergänzen, da sich dieselben fast alle &amp;quot;verloffen&amp;quot; hätten. Wirtschaftskrisen, Hungersnot, Erhöhung der Steuern und die Tatsache, dass viele seiner Mitbrüder lutherisch wurden, trieben Propst [[Johannes VII. Glaz]] (1569–1572) zu einem Verzweiflungsakt: in der Nacht des 14. September 1572 floh er in Begleitung eines Dieners aus dem Stift.&lt;br /&gt;
Nun folgte ein Mann aus dem eigenen Haus, [[Jakob Reisser]] (1573–1577). Durch seine Sparsamkeit und energische Haltung ging es sowohl finanziell als auch disziplinär im Stift aufwärts. Im Visitationsbericht wurde vermerkt, dass er keine goldene Kette und auch keine kostbaren Kleider trug, keine Spiele gestattete und die Musik bei Tisch abgeschafft habe. Außerdem hätten Propst und Konventualen keine Konkubinen. Er bemühte sich, Mitarbeiter aus dem Ausland zu bekommen, um die Ausbreitung der lutherischen Lehre zu stoppen. Denn die Gemeinde Herzogenburg war zum Großteil schon protestantisch und die Pfarrkinder gingen bereits in die umliegenden Ortschaften, um bei den &amp;quot;sektischen Predigern&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod postulierte der Klosterrat den Propst des [[Stift St. Dorothea|Chorherrenstiftes St. Dorothea]] in Wien, [[Georg II. Brenner]] (1578–1590). Georg war Hofkaplan bei Kaiser Maximilian II. gewesen und der Klosterrat schlug ihn 1588 als Bischof von Wiener Neustadt vor. Er strebte den Erwerb des Unteren Formbacher Marktes Herzogenburg, der noch immer großteils protestantisch war, an, scheiterte jedoch. Die Trennung beider Märkte Herzogenburg blieb bis 1806 bestehen. Propst Georg Brenner setzte aber Maßnahmen gegen das Luthertum durch, Herzogenburger Bürger, die zu den „Predikanten ausliefen“, wurden mit schweren Strafen bedroht. Ebenso mussten die Herzogenburger ihre Kinder in die katholische Schule schicken und dem Gesinde wurde verboten, sich während des sonntäglichen Gottesdienstes in Wirtshäusern oder auf Spielplätzen aufzuhalten. Kirche, Kloster- und Wirtschaftsgebäude wurden unter Propst Georg Brenner renoviert und ausgebaut, Messgeräte, Bücher und Musikinstrumente angekauft. Der Lesehof in Königstetten wurde renoviert und der Hof von Klosterneuburg fast zur Gänze neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Krankheit stand dem Propst in den letzten Jahren [[Paul Zynkh]] als Koadjutor zur Seite. Da es nach dem Tod des Propstes bei der Neubesetzung zwischen Klosterrat und dem Passauer Bischof zu Unstimmigkeiten gekommen war, verwaltete Paul Zynkh über ein Jahr als Administrator das Stift, bis er zum Propst gewählt wurde (1591–1602).Er setzte die gegen den Protestantismus gerichteten Maßnahmen seines Vorgängers fort und bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg, dessen Predigttätigkeit zu einer Rekatholisierung führte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der ständigen Gefahr von osmanischen Einfällen wurden die Verteidigungsanlagen des Klosters gemäß dem kaiserlichen Mandat ausgebaut und die Rüstkammer des Stiftes mit modernen Waffen versehen. Während eines halbjährigen Kuraufenthaltes des Propstes in St. Pölten entbrannte eine heftige Auseinandersetzung zwischen dem Stiftsdechant und dem Konvent. Der kranke Propst kehrte zurück und hielt ein Kapitel. Der Dechant wurde abgesetzt und im Lauf von drei Wochen bei Wasser und Brot „dasig“ gemacht. Die letzten drei Jahre seines Lebens war Propst Paul Zynkh Deputierter der niederösterreichischen Stände und hielt sich oft in Wien auf. Aus diesem Grund kaufte er dort 1601 ein Wohnhaus, den „Heidelberger Hof“ in der Annagasse. Das Gebäude ist heute noch im Besitz des Stiftes und trägt den Namen Herzogenburgerhof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Landesebene konnte der Protestantismus Schritt für Schritt zurückgedrängt werden. Propst Paul bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg. Dieser konnte durch seine eindrucksvollen Predigten viele Protestanten des Marktes zum katholischen Glauben zurückführen. Um die Jahrhundertwende war Herzogenburg wieder eine vorwiegend katholische Gemeinde. In den Dörfern ging die religiöse Erneuerung langsamer vor sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als [[Melchior Kniepichler]], ehemaliger Propst des Stiftes Dürnstein, von König Matthias als Propst postuliert wurde (1609–1615), protestierte der Herzogenburger Konventuale [[Johannes Held]] in einem Schreiben an den Passauer Offizial, weil Propst Melchior in St. Andrä (1592–1599) &amp;quot;Schulden gehäuft und von dann gezogen sei&amp;quot;, er habe dann &amp;quot;Tirnstain ohne Schulden angetreten und gehe nun mit Schulden weg&amp;quot; (1599–1609); beide Male in Folge seiner verschwenderischen Freigiebigkeit gegen Verwandte und Freunde. Weiters klagt er, dass Melchior dem Trunke ergeben und &amp;quot;in diesem Zustand unausstehlich streitsüchtig sei.&amp;quot; Schließlich, dass Melchior das weibliche Geschlecht liebe und gerne Tanzunterhaltungen besuche. In den Klosterratsakten hieß es, &amp;quot;dieser Mann war mehr Schelm als Mönch&amp;quot;. Am 26. Juli 1615 kam eine Untersuchungs- und Strafkommission nach Herzogenburg. Aufgrund der strengen Linie von Bischof Melchior Klesl wurde der Propst gefangen nach Wien geführt, verhört und einige Monate eingesperrt. Erst nach drei Jahren wurde Melchior rehabilitiert und zum zweiten Mal zum Propst von Dürnstein bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Wahlturbulenzen in den folgenden Jahren bestimmte Kaiser Ferdinand II. den Dechant des Kathedralstiftes Seckau [[Martin III. Müller]] zum Vorsteher in Herzogenburg (1621–1640). Er war ein eifriger Förderer der Gegenreformation, reformierte das klösterliche Leben und führte neue Statuten ein. Er erreichte auch, dass ihm die [[Pfarre Hain]] wieder zurückgegeben wurde, wo bisher nur protestantische Prediger angestellt waren. Den Konflikt mit der dort tonangebenden protestantischen Familie der Jörger konnte erst sein Nachfolger [[Johannes Bauer]] (1640–1653) beilegen. Propst [[Joseph Kupferschein]] (1653–1669) versuchte ebenfalls auf friedliche Weise die Protestanten zum katholischen Glauben zurückzugewinnen. Er war sowohl ein gelehrter Mann (1641 war er Rektor der Universität in Wien) als auch ein tüchtiger Wirtschafter. Propst [[Anton Sardena]] (1669–1687) begann mit viel Schwung die weiteren Restaurierungsarbeiten bzw. die Barockisierung des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679/80 wütete die Pest in Herzogenburg und kostete viele Menschen das Leben. In der Stiftsgeschichte von Dechant Beyer wird auch das Erscheinen eines Kometen vermerkt, der im Jahr 1680 am Fest des hl. Stephan zum ersten Mal erschien und als Vorbote der Osmaneneinfälle interpretiert wurde. Am 14. Juli 1683 erschien eine osmanische Streifschar vor Herzogenburg. Sie ließ den gut befestigten Ort zunächst ungeschoren. Als die Gefahr immer größer wurde, flüchtete der Prälat auf Bitten seiner Geistlichen mit dem Archiv und der Schatzkammer nach Dürnstein. Unter den im Kloster verbliebenen Chorherren befand sich [[Gregor Nast]], der später einen ausführlichen Bericht über die Osmaneneinfälle verfasste. Eine größere Truppe versuchte die Erstürmung des Marktes und schichtete Stroh vor die Markttore, um sie durch Feuer zu zerstören. Die Bürger leisteten mit ihren Schusswaffen allerdings tatkräftigen Widerstand. Zahlreiche Bauernhöfe von Herzogenburger Grundholden wurden jedoch geplündert und niedergebrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zeit erholten sich das Land und die Klöster von den Nachwirkungen der Türkenkriege und mit der Wiederkehr von geordneten Zuständen verbesserte sich auch die wirtschaftliche und religiöse Situation. Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) war lange Jahre ein eifriger Seelsorger und stand als Dechant und späterer Prälat seinen Mitbrüdern auf den Pfarren beim Wiederaufbau bei. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) betrieb die wirtschaftliche Konsolidierung seines Hauses nach dem Krieg und den Wiederaufbau bei Pfarren und Wirtschaftshöfen. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prandtauer wurde 1714 von Propst [[Wilhelm von Schmerling]] (1709–1721) mit einem barocken Neubau des Stiftsgebäudes beauftragt. Nach Schleifung des alten Klosters – nur ein Teil des mittelalterlichen Kreuzgangs blieb erhalten – wurde eine zweihöfige neue Stiftsanlage errichtet, der zweite Hof jedoch baulich nie fertiggestellt. Die von Prandtauer gebauten Trakte sind vornehm und voll künstlerischen Lebens. Einzig an der Ostseite sprengt der Saalbau nach Plänen von Fischer von Erlach die Prandtauersche Fassade: er tritt um eine Achse hervor und überragt sie mit den Oberfenstern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Herzogenburg geborene Propst [[Leopold von Planta]] (1721–1740) schloss die Bauarbeiten ab und besorgte die wirtschaftliche Stabilisierung des Hauses. In seiner Regierungszeit wurde am 18. September 1724 das Stift in die [[Lateranensische Choherrenkongregation]] aufgenommen. Die Pröpste führen seitdem den Titel eines Lateranensischen Abtes. Propst Leopold führte nach dem Beispiel von Klosterneuburg den schwarzen Talar anstelle der weißen Kleidung für seine Mitbrüder ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Frigdian Knecht]] (1740–1775) wurde im Österreichischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen gefangengenommen, um eine Kriegssteuer in der Höhe von 14.000 Gulden zu erpressen. Er wurde nach den Worten des Stiftsdechanten „hin und hergeführt zu Schand und Spott“. Erst nach sechstägiger Gefangenschaft und Zahlung des hohen Lösegeldes konnte der Prälat wieder ins Stift zurückkehren. 1743 entschloss er sich, die Kirche durch den jungen Baumeister Franz Munggenast neu errichten zu lassen. Der Turm wurde 1767 nach Entwürfen von Johann Bernhard Fischer von Erlach durch Matthias Munggenast ausgeführt. Die Architektur dieser Kirche und die Ausstattung durch Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte können zu den großen Leistungen des österreichischen Barocks gezählt werden. In den Pfarren [[Stollhofen]], [[Hain]], [[Rottersdorf]] und [[Brunn]] ermöglichte Propst Frigdian ebenfalls die Barockisierung der Kirchen. Durch die Stiftung von 7.000 Gulden des Wiener Stadtrates Jakob Bodenreiter konnte in Theiß der Pfarrhof neu errichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seines wissenschaftlichen Interesses kaufte der Propst Jahr für Jahr viele wertvolle Bücher, ordnete das Archiv und unterstützte den Aufbau eines eigenen Münzkabinetts. Auf musikalischem Gebiet war sein Mitbruder [[Georg Johann Donberger|Georg Donberger]] tätig. Als Regens chori komponierte dieser unermüdlich und seine Werke sind in den Musikarchiven vieler österreichischer Stifte zu finden. Als Propst Frigdian Knecht nach 35-jähriger Amtszeit im Jahr 1775 starb, hinterließ er ein geordnetes Haus, das spirituell, künstlerisch und wirtschaftlich einen guten Ruf hatte. Er wird auch der dritte Gründer genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Josephinismus bis Gegenwart===&lt;br /&gt;
Propst [[Michael Teufel]] (1782–1809) war Parteigänger von Kaiser Joseph II. und administrierte für ihn die Aufhebungen der Chorherrenstifte St. Andrä an der Traisen und Dürnstein. Das Patent des Kaisers über die Klosteraufhebungen wurde für das Stift St. Andrä an der Traisen wirksam, das nach dem Tod des letzten Propstes [[Gregor Grindler]] 1783 dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde. Das Chorherrenstift Dürnstein wurde 1788 mit dem Stift Herzogenburg vereinigt. Gegen diesen Bescheid erhob zwar der Bischof von St. Pölten Einspruch, doch wurde mit Hofdekret vom 7. Juni 1788 die endgültige Aufhebung Dürnsteins angeordnet. Als durch die Aufhebung der Benediktinerabtei Formbach am Inn der Untere Markt Herzogenburg Staatseigentum wurde, konnte ihn Propst Michael durch geschickte Verhandlungstaktik 1806 kaufen und mit dem Oberen Markt vereinigen. Ein Höhepunkt in der Regierungszeit des Propstes Michael Teufel war die Weihe der neuen Herzogenburger Stiftskirche am 2. Oktober 1785, sie erfolgte durch [[Heinrich Johannes von Kerens]] dem ersten Bischof, der in St. Pölten residierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Koalitionskriegen war Stift Herzogenburg nach der Schlacht im nahegelegenen Dürnstein-Loiben im November 1805 direkt betroffen. Französische Truppen fielen in die Stadt ein, brachen Keller auf und plünderten. Hohe Geldforderungen der französischen Offiziere und Einquartierungen von Soldaten belasteten das Stift schwer. Propst Michael floh während des Krieges mit der Münzsammlung und anderen Kostbarkeiten nach Ungarn in die Abtei Zirc. Kämmerer [[Josef Leuthner]] brachte sich mit den anderen Wertgegenständen auf das Gut Primmersdorf (Waldviertel) in Sicherheit. Im Rahmen des Österreichisch-Französischen Krieges im Jahr 1809 und der zweiten Eroberung Wiens durch Napoleon hatte Herzogenburg wieder unter französischen Truppen, ganz besonders unter den württembergischen Hilfstruppen zu leiden. Bei dieser zweiten Franzoseninvasion kam der Propst allerdings nicht mehr unbehelligt davon. Noch kurz vor seinem Tod wurde er in seinem Zimmer von einem französischen Husaren misshandelt und seines Kreuzes und Ringes beraubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Michael Teufel hat um das Stift beinahe so große Verdienste wie sein Gründer – der Volksmund unterstrich das Weiterbestehen des Stiftes mit dem Bonmot: „Der Teufel hat das Stift gerettet.“ Im Geist der neuen josephinischen Begräbnisordnung wurde er als erster Stiftsvorsteher außerhalb des Ortes auf dem allgemeinen Friedhof in einem bescheidenen Mausoleum bestattet. 1977 wurden die sterblichen Überreste des Propstes exhumiert und neben seinem Grabdenkmal in der Stiftskirche beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Amortisationsgesetze und Religionsfondsabgaben der spätjosephinischen Ära belasteten die Stiftswirtschaft und führten zu erheblicher Verschuldung. Der ehemalige Stiftsdechant Propst [[Aquilin Leuthner]] (1811–1832) konnte das Haus nur insofern aus der finanziellen Not retten, als er von Kaiser Franz I. einen Nachlass der Schulden erreichte. Dem josephinischen Nützlichkeitsgedanken entsprach das Kloster durch Errichtung eines Schulgebäudes auf dem Stiftsgelände im Jahr 1829, dem der Westtrakt des mittelalterlichen Kreuzwegs weichen musste. Die Visitationen des St. Pöltner Bischofs Jakob Frint führten in Herzogenburg zur allmählichen Umsetzung der Klosterreformen der Restaurationszeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Bernhard II. Kluwick]] (1832–1843) erreichte die aus Osteuropa kommende Choleraepidemie auch Niederösterreich. Die Angst vor dieser Seuche veranlasste die Stiftsherren, zur Versorgung der Kranken an den Gangenden sogenannte Choleraöfen zu errichten: „... also die Küche zu weit entfernt ist, um schnell den notwendigen Tee und warmes Wasser herbeizuschaffen.“ Das Lebenswerk von Propst Bernhard war die Erbauung der Pfarrkirche in [[Theiß]].&lt;br /&gt;
Propst [[Karl Stix]] (1843–1847) konnte einen weiteren bedeutenden Schuldenerlass bei Kaiser Franz I. erreichen. Aus Dankbarkeit feierte das Stift jahrzehntelang den Todestag des Monarchen mit dem „Kaiserrequiem“. 1844 konnte er die Jubiläumsfeier der Übertragung des Stiftes von St. Georgen nach Herzogenburg (1244) festlich begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Revolutionsjahr hob am 7. September 1848 hob der Reichstag die bäuerliche Untertänigkeit auf und das Feudalrecht mit Robot und Zehent wurde abgeschafft. Propst [[Josef II. Neugebauer]] (1847–1856) verkaufte in der Folge 1851 das Gut Primmersdorf 1851, das bis dahin der Einbringung der klösterlichen Zehentrechte im nördlichen Waldviertel gedient hatte. Am 8. Oktober 1848 – auf der Flucht von Wien in die Festung Olmütz – kam Kaiser Ferdinand I. mit seinem Gefolge nach Herzogenburg und wurde als Gast im Stift beherbergt. Am selben Abend unterzeichnete der Kaiser ein Manifest „An die Völker meiner deutsch-erbländischen Provinzen“. Am nächsten Morgen zog der Kaiser mit seinem Gefolge weiter. Der Name „Kaisergasse“ in Herzogenburg erinnert noch heute an diese Begebenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1853 gab es eine kanonische Visitation durch den St. Pöltener Bischof Feigerle, und zwei Jahre darauf visitierte auch der Linzer Bischof Rudiger in Vertretung des Kardinals Fürst Schwarzenberg das Stift Herzogenburg. Auch er war sehr zufrieden mit dem Stand des Hauses und „schied mit wahrer Herzensfreude vom Stift“. Auch unter dem nächsten Vorsteher des Stiftes Propst [[Norbert Zach]] (1857–1887) herrschte ein gutes Klima im Haus. Von den 34 Mitgliedern des Stiftes waren 25 Priester in der Seelsorge tätig, vier hatten häusliche Offizien, zwei Kleriker studierten an der theologischen Hauslehranstalt im [[Chorherrenstift Klosterneuburg]], zwei Novizen wurden im Haus in die Lebensordnung der Chorherren eingeführt.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1862 gründete der Stiftskurat und spätere Dechant [[Ferdinand Mann]] den katholischen Gesellenverein, der sich um die seelsorglichen und menschlichen Anliegen der arbeitenden Bevölkerung kümmerte. Die Stadt Herzogenburg begann den Schritt ins Industriezeitalter, als 1874 die Firma Vollrath (Nägel, Schrauben) von Wien nach Herzogenburg/Oberndorf übersiedelte. 1875 folgte ihm Carl Grundmann, ein pensionierter Danziger Lokomotivführer, der sich auf die Erzeugung von Türschlössern spezialisiert hatte. In diese Zeit fällt auch die Planung und der Bau der Eisenbahnlinien im Raum Herzogenburg: Am 3. August 1885 wurde die Strecke Tulln – St. Pölten, am 16. Juli 1889 die Strecke Herzogenburg – Krems eröffnet. Seit dieser Zeit „ist der Markt mit zwei Hauptverkehrsadern der Monarchie“, mit der West- und der Franz-Joseph-Bahn, verbunden. Um der rasch anwachsenden Bevölkerung eine bessere Ausbildung und damit größere Berufschancen geben zu können, wurde die Stiftsschule schon 1867 zu einer Pfarr-Hauptschule erweitert. Heute wird das neben der Stiftskirche gelegene Schulgebäude von der Herzogenburger Sonderschule und der Musikschule benützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das äußere Bild des Ortes änderte sich Mitte des 19. Jahrhunderts. Drei Tore der alten Marktbefestigung wurden abgetragen; ebenso Teile der Ringmauer. Ein Stückchen dieses mittelalterlichen Ensembles ist heute noch im nördlichen Stiftsbereich zu sehen, wo Mauer, Graben, Verteidigungsturm und das einzige noch bestehende Stadttor, das „Au-Tor“, auch „Nordtor“ genannt, erhalten blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Schlacht bei Königgrätz Mitte Juli 1866 drangen die preußischen Truppen bis ins Waldviertel vor und das österreichische Militär zog sich – größtenteils kampflos – auf das südliche Donauufer zurück. Das Stift richtete im Auftrag der k. k. Statthalterei ein Spital für die Soldaten ein. Für seine Verdienste wurde der Propst im Jahr 1879 vom Kaiser mit dem Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet. Während seiner zehnmonatigen Funktion als Administrator des Stiftes veranlasste Dechant Emmerich Wallner die Gestaltung des nach ihm benannten „Emmerichhofes“ im Westtrakt des Stiftsgebäudes.&lt;br /&gt;
In der Person des folgenden Propstes [[Frigdian II. Schmolk]] (1888–1912) vereinigten sich Kirchenfürst und Staatsmann. 1902 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum Landmarschall (Vorsitzender des Landtages). Vier Jahre lang hatte er dieses Amt inne. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der Kaiser die Würde eines Wirklichen und Geheimen Rates und berief ihn auf Lebenszeit als Reichsrat in das Herrenhaus. Um 1900 erreichte das Stift seinen höchsten Personalstand: 40 Konventualen gehörten zum Kloster. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Frigdian wurden in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das Stiftsgebäude, der Turm, die Orgel und das Innere der Kirche restauriert. Dechant Ferdinand Mann ließ auf seine Kosten 1903 den Maria-Lourdes-Altar errichten und die zwei Holzstatuen Herz-Jesu und Herz-Maria in der Kirche aufstellen. 1907 wurde der Zusammenschluss der österreichischen Chorherrenstifte zur „Österreichischen Kongregation der regulierten Lateranensischen Chorherren“ erreicht. Als Konvisitator wurde Propst Frigdian Schmolk gewählt. Eine enge Freundschaft verband Propst Frigdian mit dem Wiener Bürgermeister Karl Lueger. Als dieser tödlich erkrankte, berief er seinen langjährigen Freund zu sich, der ihm die die Sterbesakramente reichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmolks Nachfolger wurde [[Georg III. Baumgartner]] (1913–1927). Mit größter Sparsamkeit und Umsicht lenkte er das Stift durch die wirtschaftlichen Erschütterungen des Ersten Weltkrieges. Er stellte das Sommerrefektorium als Kaserne für die Marschkompanien und den Theatersaal dem Roten Kreuz zur Pflege der Verwundeten zur Verfügung. Vom Krieg selbst wurde Herzogenburg nur mittelbar betroffen: durch die vielen Gefallenen. Ihre Namen sind auf einer Marmortafel, rechts beim Eingang der Kirche, eingemeißelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 ließ Propst Georg das veraltete stiftliche Elektrizitätswerk– die ehemalige Stiftsmühle – in eine moderne Wasserkraftanlage mit Turbinen umbauen, die das Stift und Teile der Stadt Herzogenburg jahrelang mit Strom versorgte. Bedeutende Verdienste erwarb sich Georg Baumgartner durch seine wissenschaftliche Forschung über die Urgeschichte, inspiriert durch die archäologischen Funde aus der Hallstattzeit auf Grundstücken, die zum Stift gehörten. Bis zuletzt arbeitete er mit großer Genauigkeit an der Hausgeschichte und an der Baugeschichte der Kirche und des Stiftes und verfasste weiters den Artikel „Herzogenburg“ in der „Topographie von Niederösterreich“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die allgemeine Wirtschaftskrise machte sich auch im Stift bemerkbar. Das Steueramt St. Pölten drängte immer öfter unter Androhung der Zwangsverwaltung auf Bezahlung der Steuerschulden. Das Kapitel unter Propst Georg sah sich gezwungen, einem Beschluss zum „Verkauf einzelner Wertgegenstände näher zu treten“. Einige wertvolle Kunstgegenstände wurden verkauft. In diese politisch sehr schwierige Zeit fällt eines der größten Ereignisse für Herzogenburg, die Stadterhebung: Am 30. Juni 1927 beschloss der Landtag von Niederösterreich, den Markt Herzogenburg „trotz der verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl“ (2.800) zur Stadt zu erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der spätere Landtagsabgeordnete und Vertreter des Klerus [[Ubald Steiner]] (1927–1946) wurde zum nächsten Propst gewählt. Es gelang ihm, das Stift durch die schwierige wirtschaftliche Lage der dreißiger Jahre zu führen, was den Verkauf mehrerer Grundstücke und Kunstschätze beinhaltete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Sozialdemokratie in den 1920er Jahren wurden auch in Herzogenburg, das durch seine metallverarbeitende Industrie über einen hohen Arbeiteranteil verfügte, vehement geführt. Der Stiftsdechant  und Pfarrer [[Anton Rudolf]] stand im Ruf, „der von den Sozialdemokraten wohl bestgehasste Chorherr“ zu sein. Er war der Typ von Priesterpolitiker, der die ohnehin spannungsgeladenen dreißiger Jahre durch sein Zelotentum und seine nie erlahmenden Bekehrungsversuche an ungläubigen Marxisten eher verschärfte denn beruhigte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Volksabstimmung vom 10. April 1938 brachte in Herzogenburg 2.047 Ja-Stimmen für den Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland und nur fünf Gegenstimmen. In der Folgezeit erhielt Herzogenburg den Namen „Stadt der Treue“. In diesen Jahren wurden die Repressalien gegenüber den kirchlichen Institutionen und der Geistlichkeit immer spürbarer. Die Stiftstaverne und der Theatersaal wurden beschlagnahmt. 400 Herzogenburger traten aus der Kirche aus, und rund 100 Kinder wurden vom Religionsunterricht abgemeldet. Das Herzogenburger Pfarrblatt, das seit 1915 erschien, wurde wegen „Papierknappheit“ 1941 eingestellt. Das Stift wurde von den Nationalsozialisten zwar nicht aufgehoben, war aber in seiner Wirtschaftsführung nicht mehr unabhängig. Teile des Stiftsgebäudes wurden 1940 für ein Einquartierung von bessarabischen Umsiedlern und später auch anderen Flüchtlingen beschlagnahmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum „schwarzen Montag“ wurde der 6. November 1944. 300 Bomben fielen in und um Herzogenburg: 20 Tote und große Sachschäden waren die traurige Bilanz. Am 14. April 1945 rückten nach einer kurzen Kanonade die Sowjets in Herzogenburg ein. Eine Gruppe von Herzogenburgern, unter ihnen Propst Ubald, ging ihnen mit der weißen Fahne entgegen. Die Stiftsgebäude waren durch einige Bombentreffer leicht beschädigt worden, schwerer betroffen waren die Stiftswälder, die durch die Luftangriffe schwere Schäden hatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Georg IV. Hahnl]] (1946–1963) betrieb den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit. Im Jahr 1948 wurden vier neue Glocken der Stiftskirche geweiht. 1942 hatten alle Glocken bis auf die größte, die Pummerin, der Rüstungsindustrie abgeliefert werden müssen. Wissenschaftliche Berühmtheit erlangte Propst Georg durch seine Arbeit auf dem Gebiet der Heimat- und Urgeschichtsforschung. Fast seine ganze Regierungszeit als Propst war allerdings von einer schweren Krankheit überschattet, was sich negativ auf das Klima und die Personalsituation des Stiftes auswirkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Resignation wurde [[Thomas Zettel]]  (1963–1969) zum nächsten Vorsteher des Hauses gewählt. Nach langen Vorbereitungen öffnete 1964 das Stift Herzogenburg seine Räume und Säle für über 100.000 Besucher anlässlich seiner (etwas verspäteten) 850-Jahr-Feier. Der ebenerdige Teil des sogenannten „Altstiftes“, die Reste der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen alten Klosteranlage, war renoviert worden und das spätgotische Refektorium „glänzte“ durch die kurz zuvor freigelegten Fresken von ca. 1500. Daneben im frühbarocken Refektorium waren die Funde aus der Ur- und Frühgeschichte neu aufgestellt worden. Im Barockgebäude wurde im ersten Stock im ehemaligen Gästetrakt eine Ausstellung für die restaurierten Kunstschätze des Stiftes, insbesondere seine Sammlung mittelalterlicher Flügelaltäre, eingerichtet. Im Festsaal, in der Bibliothek, im Bildersaal und in elf weiteren Ausstellungsräumen erlebten und erleben Besucher das künstlerische Erbe des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1965 gab es eine einschneidende wirtschaftliche Umstellung: der Weinbau und die Landwirtschaft konnten in Eigenregie nicht mehr positiv geführt werden, deshalb wurden beide Wirtschaftszweige verpachtet. Der Forst als dritte Einnahmequelle wird bis heute noch selbst geführt, die Jagden sind verpachtet. Das Gebäude, in dem die ehemalige Stiftstaverne befand, wurde an die Stadtgemeinde Herzogenburg verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1977 erreichten die ökumenischen Gespräche und Gottesdienste, die vom späteren Propst [[Maximilian Fürnsinn] initiiert wurden, ihren Höhepunkt in der Ausstellung &amp;quot;Kunst der Ostkirche&amp;quot;. Zum ersten Mal feierten in diesem Zusammenhang die Vertreter aller elf östlichen und westlichen Kirchen in Österreich einen gemeinsamen Gottesdienst in der Herzogenburger Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Stadt Herzogenburg“ wurde die Nordeinfahrt des Stiftes restauriert und der Innenhof nach barockem Vorbild neu gestaltet. In diesem Jahr, 1977, wurde auch der Abschluss der Turmrenovierung gefeiert. Propst [[Clemens Moritz]] (1969–1979) wurde zum Ehrenbürger von Herzogenburg ernannt. Er war nicht ein Prälat im Sinne der prachtvollen Barockzeit – musste er doch einen personellen Tiefstand von nur 14 Mitgliedern erleben – wohl aber im Sinne des Ordensstifters Augustinus ein Seelsorger, besorgt um seine Gemeinde und seine Mitbrüder. Auch nach der Resignation blieb Altpropst Clemens bis zum Jahr 1996 der Pfarrer von Herzogenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit [[Maximilian II. Fürnsinn]] (1979–2019)) bekam das Stift nach 200 Jahren wieder einen gebürtigen Herzogenburger zum Propst. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war zunächst die Renovierung der Stifte und Pfarren. Allein mit einem Kostenaufwand von rund 50 Millionen Schilling wurde das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein in der Zeit von 1985 bis 1995 restauriert. Die zehnjährige Renovierung des Stiftes Herzogenburg wurde im Jahr 2012 abgeschlossen, sie umfasste neben der Fassadensanierung unter anderem die Instandsetzung der musealen Räumlichkeiten. Die neue Dauerausstellung konnte im Jahr 2012, als das Stift das Jubiläum seines 900jährigen Bestehens beging, eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den zentralen Anliegen von Propst Maximilian gehörte, dass das Stift – entsprechend der jahrhundertelangen Tradition – eine offene Begegnungsstätte ist. So gehen auf seine Initiative viele Tagungen, Bildungsveranstaltungen und Zusammenkünfte von verschiedenen Institutionen und Vereinigungen zurück. Neben den zuvor erwähnten ökumenischen Treffen haben etwa die Ritter vom Heiligen Grab in Jerusalem der Komturei St. Pölten hier regelmäßige Zusammenkünfte. Besonders erwähnenswert sind die in der Regierungszeit von Propst Maximilian abgehaltenen &amp;quot;Herzogenburger Gespräche&amp;quot;, anlässlich derer mehrmals im Jahr 60 bis 80 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kirche zentrale gesellschaftliche Fragen behandelten. Pastorales Wirken war dem vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägten Seelsorger Maximilian Fürnsinn ein besonderes Anliegen, vor allem die Lebendigkeit in der Pfarrseelsorge lag ihm am Herzen. In der Pfarre Herzogenburg entstand aus einem Kinderfest der Katholischen Jungschar der heute größte Kinderevent Niederösterreichs, die „Niederösterreichischen Kindersommerspiele“ (NÖKISS).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kirchliche Engagement von Propst Maximilian führte dazu, dass er 1982 zum ersten Mal zum Vorsitzenden der niederösterreichischen Äbtekonferenz gewählt wurde. Von 1989 bis 1994 war er Vizepräsident der ökumenischen Stiftung Pro Oriente. Von 1998 bis 2013 war Maximilian Fürnsinn Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2019 wurde [[Petrus Stockinger]] zum neuen Propst von Herzogenburg gewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Bischof Ulrich I. von Passau (1092–1121) konnte seiner Neugründung, dem Augustiner-Chorherrenstift St. Georgen, nur wenig schenken. In der Gründungsurkunde des Klosters bemühte er daher auch die Heilige Schrift und erwähnt das Opfer der armen Witwe, die nur zwei Kupfermünzen in den Opferkasten des Tempels warf, die aber von Jesus gelobt wurde, weil sie alles gab, was sie besaß. Der Bischof schenkte einiges von seinem persönlichen Besitz her, vielleicht sogar alles, was er in der damaligen Ostmark sein Eigentum nannte. Und das war für die junge Kommunität gerade genug zum Überleben. Katastrophen oder wirtschaftliche Schwierigkeiten durfte es keine geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bischof übergab der Klostergemeinschaft seine ererbte Eigenkirche St. Georgen an der Traisenmündung mit Fischwassern, Weingärten, Wiesen und Wäldern. Ebenso vermachte er aus seinem persönlichen Besitz ein Gut und eine Hube zu Sebarn, eine Hube zu Perschling, Engabrunn und Gumpolding, eine halbe Hube in Pötzleinsdorf (bei Wien) und eine zu Kamp, je einen Weingarten zu Kuffern und Egelsee und zwei Weingärten in Inzersdorf. Aus dem bischöflichen Gut schenkte er drei Weingärten in Hundsheim mit einem Lehen, je einen Weingarten in Stein, Weinzierl und Plechingen (zwischen Stein und Krems), den dritten Teil des Zehents von Teras und Merzleinswerd, die Hälfte des Zehents von den Pfarren Herzogenburg und Traisenburg sowie das ganze Dorf Streithofen (im Tullnerfeld). Einige Jahre später schenkte Bischof Ulrich zur Aufbesserung noch sechs Weingärten dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der wirtschaftlichen Not des jungen Stiftes versuchte nun 1160 Bischof Konrad von Passau (1148–1164) mit einer (gefälschten) Urkunde zu helfen, in der er das neuzugründende Stift St. Andrä mit St. Georgen vereinigte. Dieser Zusammenschluss scheiterte am Widerstand Ottos von Rechberg, der schließlich ein eigenständiges Kloster St. Andrä errichten konnte. Als Entschädigung übertrug Bischof Konrad dem Stift St. Georgen die Pfarre Marquardsufer und den Schweighof bei Zeiselmauer, um der &amp;quot;materiellen Not des Stiftes abzuhelfen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam konnte das Stift in den folgenden Jahrhunderten seinen Besitz durch Schenkungen vermehren, wobei das Waldviertel und das untere Traisental zu Schwerpunkten der Besitzungen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Urkunde von 1163 werden als Zeugen zuerst die Äbte von Göttweig und Zwettl, der Propst von St. Pölten und dann der Propst von St. Georgen, Albert, angeführt. 25 Jahre später kommt Propst Berthold von St. Georgen in der Zeugenfolge nach den Äbten von Göttweig, Melk und Altenburg, jedoch vor den Pröpsten von St. Nikolai und St. Andrä. Diesen Platz in der Reihenfolge der niederösterreichischen Stifte nimmt Herzogenburg bis über die Barockzeit ein. Nach den Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II. dürfte das Stift Herzogenburg besitzmäßig an die letzte Stelle gerückt sein. Doch noch einmal zurück ins Mittelalter. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im 12. Jahrhundert konnte das Stift seine Besitzungen durch Kauf, vor allem aber durch Schenkungen vermehren. Die Vielzahl der Schenkungen im Mittelalter sind meist auch ein Zeugnis von guter Spiritualität: einem glaubensstarken Kloster vertraut man eher seine Gebetsanliegen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste große Finanzaufwand war der zweite Neubau des Klosters in Herzogenburg um 1244. Das älteste Zehentverzeichnis, das in das Jahr 1299 zurückreicht, zeigt jedoch schon eine wirtschaftliche Stabilisierung auf. Das Stift besaß nun zehn &amp;quot;Ämter&amp;quot;, i. e. Zehenthöfe, die für die Einhebung der Zehente notwendig waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten waren Abgaben für die Kreuzzüge zu entrichten. Später kamen dann die Steuern für die Finanzierung der Türkenkriege. Verwüstungen durch Kriege, Naturkatastrophen (Heuschreckenplage und Dürre) und Pestepidemien brachten einen wirtschaftlichen Tiefstand für das Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zeichen für das wirtschaftliche Auf und Ab war 1417 der Kauf eines Hauses in Wien, Johannesgasse. 1541 musste es wieder verkauft werden. Bezeichnend für diese schwierige Zeit war auch der Personalstand: 1569 war nur mehr ein Konventuale im Stift. Als 1601 wieder ein Haus in Wien, diesmal in der Annagasse, gekauft wurde, war dies zugleich auch ein Zeichen des neuen Erstarkens: sowohl wirtschaftlich als auch personell. Das Stift wurde renoviert, die Kirche barockisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Abwehr der Türken 1683 konnte das Stift im wirtschaftlichen Aufwind weitere Akzente setzen: ein Gut in Primersdorf (Waldviertel) wurde gekauft und ein großer, neuer Schüttkasten errichtet. In Wielandsthal wurde der Keller und in Haitzendorf der Pfarrhof von Prandtauer errichtet. Im barocken Neubau des Stiftes (ebenfalls von Prandtauer) und der dazugehörigen Kirche kam die wirtschaftliche Kraft zum Ausdruck. Allerdings mussten dafür Weingärten in Mautern, Mauternbach und Sallapulka, eine Mühle von St. Georgen, Meierhöfe in Reith bei Primersdorf, Großhain, Schwarzenbach usw. für eine Gesamtsumme von 17.600 Gulden verkauft werden. Das war ungefähr ein Drittel des Prandtauischen Kostenvoranschlages für den Neubau des Stiftes (54.000 Gulden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wirtschaftliches Tief lösten die napoleonischen Kriege und die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aus: 1851 wurde das Gut Primersdorf im Waldviertel veräußert. Jahre vorher konnte das Stift nur durch einen großzügigen Schuldenerlass von Kaiser Franz I. vor einem finanziellen Ruin gerettet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Stift nur durch den Verkauf von Grundstücken und von vielen Kunstgegenständen entgegenwirken. Einige Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg kam es wieder zu Veräußerungen von Kunstgegenständen, Teilen von Sammlungen (Mineraliensammlung) und Teilen der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre unter Propst Maximilian waren von einer klugen Wirtschaftspolitik gekennzeichnet. Trotz der bescheidenen Besitzungen von 2.625 ha (2.200 ha Wald, 25 ha Weinbau, 400 ha landwirtschaftliche Nutzung) konnten viele Restaurierungen am Stift und an den Kirchen und Pfarrhöfen vorgenommen werden. Am 29. April 1996 wurde die Außenrenovierung des Stiftes Dürnstein mit einem Gesamtumfang von 50 Millionen Schilling abgeschlossen. Eine Aufgabe für dieses Haus, etwa als Seminar- oder Vortragszentrum, wird noch zu finden sein.&lt;br /&gt;
Wenn auch schon vieles vollbracht worden ist, so warten doch noch weitere Aufgaben für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Vogtei===&lt;br /&gt;
Der Besitz des Bistums Passau im Raum Donau–Traisen stand unter der Vogtei der Babenberger. Diese übten sie durch die Burggrafen von Lengbach (Neulengbach) aus. Urkundlich sind die Vögte des Stiftes Herzogenburg sehr selten belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Übertragung des Stiftes nach Herzogenburg änderte sich in der Vogteiverwaltung nichts. Nach dem Aussterben der Babenberger siegelte 1252 Konrad von Zagging als Vogt des Hauses. Er dürfte in Verbindung mit König Ottokar Przemysl, dem neuen Landesherren, gestanden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Habsburger die Herrschaft übernahmen, wurden die Burggrafen von Neulengbach die Vögte von Herzogenburg. Bestätigt wird diese Annahme durch die Erklärung der Herzöge Wilhelm und Albrecht IV. vom 20. März 1396, in der sie ihre Pflicht zu besonderem Schutz und Schirm des Klosters und seiner Güter bestätigten, da sie ja jährlich das Vogtgeld von 17 Pfund und 6 Schillingen Wiener Pfennig und 1 Muth Hafer vom Stift empfingen. Das Stift Herzogenburg zahlte diese Summe bis zum Jahr 1848 nach Neulengbach, als die Herrschaft längst schon in Privatbesitz übergegangen war und das Vogtgeld umgerechnet nun 17 Gulden und 45 Kreuzer betrug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jenseits der Donau dürften die Kuenringer auf Dürnstein die Vogtei über die Stiftsgüter ausgeübt haben. Nach ihrem Aussterben erging 1356 eine Weisung des Herzogs Albrecht II. an seinen Pfleger in Krems, das Stift Herzogenburg in seinen Rechten und Besitzungen zu schirmen. Im Jahr 1445 übernahmen die Brüder Ulrich, Oswald und Stephan Eytzinger auf Bitten des Propstes die Vogtei auf 15 Jahre gegen die jährliche Abgabe von 6 Muth Hafer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Stift Herzogenburg lag jahrhundertelang wirtschaftlich im Mittelfeld der niederösterreichischen Klöster. So war es auch mit der Zahl der Mitglieder. Die frühen mittelalterlichen Chorherrengründungen waren nicht für riesige Konvente gedacht, sondern die Zahl zwölf war, von Jesus mit seinen Jüngern herkommend, die goldene Zahl. Bei der Gründung von St. Georgen werden wahrscheinlich eine Handvoll Chorherren die Aufbauarbeit an diesem Donaustift begonnen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1200 gab es die erste urkundliche Aufzählung des Konventes: zwölf Priester, drei Konversen (''fratres conversi''), fünf Familiaren und vier Brüder. Einige Jahre nach der Übersiedlung des Konventes von St. Georgen nach Herzogenburg wurden neun Priester, zwei Diakone und vier Brüder (''fratres barbati'') als Zeugen genannt. Ein Stiftshistoriker zählte diese bärtigen Brüder dem adeligen Stand zu, da er sie als Mitglieder von Bauhütten interpretierte, die Baumeister und Städteplaner waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Namen und aus der Stellung in der Zeugenreihe lassen sich auf die Abstammung der Chorherren Schlüsse ziehen. Wir finden im Konvent einige Mitglieder des niederen Adels. Diese Tatsache erklärt einen Teil der reichen Schenkungen des Adels der Umgebung, der so zur Versorgung seiner Söhne beitrug. Ein Nobelstift war Herzogenburg aber nie. Die meisten Novizen kamen aus der Umgebung, vereinzelt aus Oberösterreich, der Steiermark, Kärnten und Salzburg. Die Zusammensetzung des Konvents blieb also durchaus im Rahmen des damals Üblichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert dürfte sich die Zahl der Konventualen zwischen 20 und 25 bewegt haben. Der erste große Verlust kam durch die Ermordung einiger Chorherren bei der Eroberung von Herzogenburg im Jahr 1463 und dann durch die Pest. Die Reformation trug das ihre dazu bei, sodass es beim Tod des Propstes Bartholomäus von Cataneis 1563 wahrscheinlich überhaupt kein Konventmitglied mehr gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann gab es nur ein, später zwei Mitglieder, und mit dem Erstarken der Gegenreformation kam wieder Leben in die Stiftsgemäuer: im 17. Jahrhundert betrug der Personalstand zwischen acht und zehn Mitglieder. In der Barockzeit erreichte er die Zahl 25. Um 1800 waren 27 Priester, ein Kleriker und drei Novizen dem Stift zugehörig. Im 19. Jahrhundert stammten 47 Priester aus Niederösterreich, 21 aus der Tschechoslowakei und acht aus Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Jänner 1900 hatte dann das Haus den Höchststand in seiner Geschichte: von den 40 Mitgliedern waren 35 Priester, vier Kleriker und ein Novize. Im 20. Jahrhundert nahm die Zahl stetig ab, und zur Zeit gehören 13 Priester und drei Kleriker zum Stift. Die Priester stammten im letzen, d. h. im 20. Jahrhundert, zu gleichen Teilen aus dem Arbeiter- und Angestelltenstand bzw. aus der Landwirtschaft und aus Familien selbständig Tätiger (die Väter waren Fleischhauer, Fabrikanten usw.). Der größte Anteil von ihnen waren Niederösterreicher (15), dann Wiener (neun), sechs Priester kamen aus dem heutigen Tschechien. Je zwei stammten bzw. stammen aus Tirol, Deutschland und den Niederlanden. Je ein Professe kommt aus dem Burgenland und aus Belgien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Vom Ursprungskloster in St. Georgen haben sich keine Reste erhalten. Die frühesten Ansichten von diesem Bau stammen aus der Barockzeit. Es ist deshalb schwer zu beweisen, wie weit sie der Wirklichkeit entsprechen. Auf diesen Bildern ist eine Kirche als zentraler Rundbau zu sehen, wie es manchmal in der Romanik üblich war, davor zwei niedrigere Rundtürme mit der Prälatur, links davon der Küchenturm, der einem Rauchabzug ähnlich ist. Rechts von der Kirche befindet sich ein Fluchtturm mit den Glocken. Anschließend sind die Klostergebäude für die Chorherren und Gäste dargestellt. Der Klosterbau ist mit einer Mauer umgeben. Das Ganze ist wahrscheinlich ein liebevoller Versuch, das Ursprungskloster darzustellen. Diese Ansicht entspricht aber keiner romanischen Klosteranlage der damaligen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster in Herzogenburg sind wir besser informiert. Wahrscheinlich wurde 1244 zuerst mit dem Bau eines Konventtraktes begonnen, da der bestehende Pfarrhof für den 15 Mann starken Konvent zu klein gewesen ist. Von dieser Anlage hat sich noch der Südtrakt mit einem Kreuzgangabschnitt erhalten. Bei Renovierungsarbeiten zu Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Sandsteinsäulen mit herzförmigen Kapitellschilden und einfachen Rundsockeln freigelegt, die in die Mitte des 13. Jahrhunderts einzureihen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ehemalige Refektorium wurde zum Teil schon 1894 entdeckt, doch konnten die Fresken erst 1963 vollständig freigelegt werden. Diese Räume waren Teil des Gerichtsgebäudes: Wärterwohnung und Gefängniszellen. An der Südseite des gotischen Saales befinden sich drei Spitzbogenfenster. Den sechsjochigen Raum tragen zwei Steinpfeiler als Mittelstützen. An einem ist die Jahreszahl 1564 zu erkennen, die vielleicht auf eine spätere Renovierung zurückgeht. Ab einer Höhe von 1,70 m befinden sich figurale Wandmalereien. Die einzelnen Darstellungen des Zyklus sind unterschiedlich gut erhalten, zum Teil ist nur noch die rote Vorzeichnung vorhanden. Neben christologischen Szenen sind eine Sterbeszene im Kloster (vielleicht der Tod des Ordensgründers Augustinus) und ein hl. Georg wiedergegeben. Vom zweiten Bild der Nordwand ist die Darstellung des Stifters dieser Bilder Propst Georg Eisner mit seinem Konvent erhalten. Da er ohne Mitra gezeigt wird, ist die Entstehungszeit dieser Fresken kurz vor 1498 anzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der östlich an das Refektorium anschließende frühbarocke Saal wird auf einem Plan mit &amp;quot;Capitl&amp;quot; bezeichnet. Die Jahreszahl 1628 am Ostfenster gibt vielleicht den Abschluss des Umbaus an. Heute wird dieser Saal für das Urgeschichtsmuseum des Stiftes verwendet. Wahrscheinlich besaß dieser Konventtrakt aufgrund der Größe der Stiftsgemeinschaft ursprünglich schon einen ersten Stock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei anderen Flügel des Konventbaues wurden wegen des Kirchen- bzw. Schulneubaus weggerissen. Über die Funktion der Räumlichkeiten sind wir zum Teil durch einen Plan von Johann Michael Hergöth unterrichtet, den er um 1700 gezeichnet hat: ebenerdig gab es drei Sakristeiräume, eine Schneiderei, den Mesnerkeller und das erwähnte Refektorium. Im ersten Stock waren die Zimmer der Chorherren, die Wohnung des Dechants und die Bibliothek untergebracht. Im Kreuzgangbereich lag noch die alte Totenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite des Konventbereiches steht auch heute noch der Kirchenbau. Von der mittelalterlichen Kirche ist nur das gotische Kirchenportal aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten. Aus den Umbauplänen können wir schließen, dass dieser Bau als Pfeilerbasilika auf kreuzförmigem Grundriss errichtet war, ähnlich der Michaelerkirche in Wien. Nördlich der Kirche waren die Kanzleiräume und die Prälatur. Entlang des Baches lagen die Wirtschaftsräume mit einem weithin sichtbaren Fluchtturm (Kuchlturm). Von diesen Gebäuden steht nur noch die Mühle, die heute als Elektrizitätswerk die Wasserkraft nutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm von Schmerling (1709–1721) entschloss sich für den Neubau des Stiftes. Am 25. Mai 1714 wurde dazu der Grundstein gelegt und Jakob Prandtauer wurde mit der Planung und Ausführung betraut. Propst Hieronymus Übelbacher von Dürnstein bezeichnet Prandtauer als &amp;quot;fürnehmen baumeister zu St. Pölten und vielleicht fürnehmsten in ganz Österreich&amp;quot;. Prandtauer begann mit dem Bau des Südtraktes. Der Osttrakt mit dem großen Festsaal wurde nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet. 1720 wurde die Einfahrtshalle aufgeführt. Auch hier dürften Vorschläge von Fischer mitverarbeitet worden sein. Im Quertrakt, zwischen den beiden Höfen, wurden im Erdgeschoß die beiden Sakristeien eingerichtet: Herren- und Prälatensakristei. Die qualitätvollen Stukkaturen gehen auf Michael Bolla, 1717, zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1721 starb Propst Wilhelm Schmerling. Sein Nachfolger Leopold von Planta (1721–1740) ließ weiterbauen, und zur Zeit des Todes von Jakob Prandtauer war das Stiftsgebäude zu einem provisorischen Abschluss gekommen, der aber zum dauernden wurde, denn der Westtrakt des &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; blieb unausgeführt. Propst Leopold ließ vom Nachfolger Prandtauers, dem Stiftsbaumeister Joseph Munggenast, den Meierhof aufführen und in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts den Stiftsbau durch die Errichtung des nördlichen Vorbaues und des Georgitores äußerlich abschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Westtrakt aus Sparmaßnahmen nicht ausgeführt wurde, errichtete der Propst die dort geplante Bibliothek im Mitteltrakt, und die in diesem Teil schon begonnene Prälatur wurde in den Nordostteil des Gebäudes verlegt. Die Gärten ließ er in barocker Manier anlegen und die Brücke über den Mühlbach sowie den &amp;quot;Springbrunn unter dem Großen Saal&amp;quot; mit einigen &amp;quot;Kindln&amp;quot; (Sandsteinfiguren) versehen. Diese Gartenplastiken und auch die Zwergenfiguren aus dem Zwerglgarten sind heute verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leopold kaufte auch vom Wiener Goldschmied Johann Kaspar Holbein einige Brustkreuze, Kelche und vor allem eine wertvolle Monstranz, deren Entwurf auf Matthias Steinl zurückgehen könnte und die im Raritätenkabinett erhalten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung der fertiggestellten Stiftsgebäude erlebte Propst Leopold nicht mehr. Ein Jahr nach seinem Tod wurde die Weihe am Georgstag, den 24. April 1741, von seinem Nachfolger Frigdian Knecht (1740–1775) vorgenommen, der dann auch die &amp;quot;Kapitularen in die neue, freundliche Klausur&amp;quot; führen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich Propst Frigdian zum Neubau der Kirche. Am 26. Juni wurde unter Beisein des Malers Daniel Gran der Grundstein an der Epistelseite der Apsis (rechte Seite der Kirche) gelegt. Die Inschriftplatte aus vergoldetem Kupfer führt Franz Munggenast als Baumeister an. Im selben Jahr, in dem der Rohbau fertig wurde, 1748, starb der junge Baumeister mit 24 Jahren. Seine Genialität wird an dieser Kirche, die zu den großen Leistungen des österreichischen Barock gezählt werden darf, sichtbar. Sein Bruder Matthias folgte als Stiftsbaumeister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kircheninneren malte Daniel Gran 1746 das Hochaltarbild und im Presbyterium die beiden Fresken. Wegen finanzieller Unstimmigkeiten und anderer Meinungsverschiedenheiten kam es zum Bruch mit dem Künstler. Der Propst vergab daher die weiteren Arbeiten in der Kirche, die Freskenmalerei und sämtliche Altarbilder mit den Ovalbildern, an Bartolomeo Altomonte, der sie von 1753 bis 1771 ausführte. Die dekorative Malerei in den Kirchenkuppeln (oberhalb des Hauptgesimses) stammt von Domenico Francia aus Bologna. Die Aufbauten für den Hochaltar (1770) und die Seitenaltäre, die Ballustraden (Kommuniongitter) und die Kanzel (1773) der Kirche stammen von Jakob Mösl, die Altarplastiken von Johann Josef Rößler, das Chorgestühl (1772) und die Volksstühle (1775) vom Klostertischler Lorenz Horeß.&lt;br /&gt;
Die herrliche Ampel wurde 1770 von Johann Christoph Beuermann aus Wien geliefert. Das Glanzstück der Kirche ist die 1752 fertiggestellte Orgel von Johann Henke, dem bedeutendsten Wiener Orgelbauer dieser Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1680 befand sich in der alten Kirche ein aus Ungarn stammendes Marienbild, das &amp;quot;orientalische Frauenbild&amp;quot;, zu dem viele Wallfahrer kamen. Nach der Fertigstellung des barocken Seitenaltares im Neubau der Kirche wurde es 1771 von Propst Frigdian Knecht eigenhändig in einer Prozession, die ihn durch beide Märkte führte, auf den heutigen Platz übertragen. Gegenüber dem Marienaltar liegen in einem Schrein die Gebeine des hl. Urban. Sie stammen aus den Kalixtuskatakomben in Rom und wurden 1740 dem Stiftsdechant Michael Koch geschenkt.&lt;br /&gt;
Als 1771 der barocke Augustinusaltar fertiggestellt war, fand dort der urchristliche Märtyrer seine endgültige Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das jüngste Kunstwerk der Kirche ist der Volksaltar, der 1994 vom Wiener Künstler Wander Bertoni angefertigt wurde und die Schöpfung zum Thema hat. Die Krönung der Bautätigkeit des Propstes Frigdian Knecht war die Neugestaltung des Kirchturmes nach einem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach, unter Mithilfe des Baumeisters Matthias Munggenast. Mit Recht sieht der Stiftschronist Frigdian Mies im Turm den ins Große strebenden Geist des Propstes. Die originelle Turmspitze mit Herzogshut und Stiftskreuz wurde am 6. Juli 1767 &amp;quot;um die Mittagszeit unter Pauken- und Trompetenschall aufgesetzt&amp;quot;. 1756 hatte der Propst die Chorkapelle mit Fresken von Martin Johann Schmidt (&amp;quot;Kremser Schmidt&amp;quot;) und einem Verkündigungsbild von Martin Altomonte ausschmücken lassen. Im Festsaal malte Bartolomeo Altomonte 1772 das Fresko &amp;quot;Das seelsorgliche Wirken der Augustiner-Chorherren im Bistum Passau&amp;quot;. Das Fresko an der Decke der Prälatenstiege &amp;quot;Die Übertragung der Kanonie von St. Georgen nach Herzogenburg&amp;quot; ist signiert mit &amp;quot;Barto Altomonte fec. 1779 aetatis suae 79&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Augustin Beyer (1779–1780) wurde auch die Bildergalerie fertiggestellt. Die Gemälde sind nach einem dekorativen Schema angeordnet: ein zentrales Mittelstück, von kleineren Gemälden umrahmt. Die Bilder wurden zu diesem Zweck auch vergrößert, verkleinert oder sogar geteilt, um der Symmetrie zu entsprechen. Dieser &amp;quot;geistlichen Galerie&amp;quot; kommt nicht nur wegen ihres kulturgeschichtlichen Wertes große Bedeutung zu, es befinden sich unter den 144 Bildern auch hervorragende Kunstwerke, u. a. eine Vincenzo di Biagio Catena zugeschriebene &amp;quot;Heilige Familie&amp;quot; oder ein auf Holz gemaltes deutsches Männerporträt mit der Signatur &amp;quot;H. H. 1521&amp;quot;, das als Werk Holbein d. J. bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man in Österreich die Kunstschätze vergangener Jahrhunderte noch als entbehrlichen &amp;quot;Raritätenkram&amp;quot; verstand, förderte Propst Aguilin Leuthner (1811–1832) die seltsame Sammelleidenschaft seines Mitbruders Ludwig Mangold. Nach dem Vorbild der alten &amp;quot;Kunst- und Wunderkammern&amp;quot; aus der Renaissancezeit hatte der junge Ungar im Stift ein &amp;quot;Antiken- und Raritätenkabinett&amp;quot; im zweiten Stock über der Prälatur angelegt, das zum Grundstein der heutigen Stiftssammlung wurde. Ein Verzeichnis dieser Raritäten wurde im Juni 1815 von ihm angefangen und hat folgende Hauptabteilungen: &amp;quot;A Mahlerey und Mosaique, B Bildhauerey, Schnitz- und Gußwerk, C Kupferstiche und Handzeichnungen, D Glasarbeiten, E Uhren, F Becher und andere Gefaße, G Kleidungsstücke, H Musicalische Instrumente, I Waffen, K Römische Alterthümer, L Verschiedene Seltenheiten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die meisten der hier verzeichneten Gegenstände sind noch im Besitz des Stiftes und waren im Rahmen der Ausstellung &amp;quot;Kunstschätze im Stift Herzogenburg&amp;quot; zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunstwerke wurden 1964 in den ehemaligen Gästezimmern topographisch aufgestellt, d. h. nach Möglichkeit nach ihrem Herkunftsort gruppiert. Das Hauptstück der Sammlung ist der &amp;quot;Jüngere Aggsbacher Hochaltar&amp;quot;, ein 1501 in Krems gemaltes Werk von Jörg Breu von Augsburg. Eine vorzügliche Schnitzarbeit ist die realistisch gehaltene Skulpturengruppe des &amp;quot;Marientodes&amp;quot; um 1500, möglicherweise der Mittelteil der Predella des Jörg-Breu-Altares. Weiters soll hier die „Stiftertafel&amp;quot; aus der Zeit um 1500 erwähnt werden, eine Votivtafel mit dem Bildnis des Bischofs Ulrich I. von Passau und der &amp;quot;porträthaften&amp;quot; Darstellung des mittelalterlichen Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Höhepunkt der spätbarocken Abteilung bilden Werke von Daniel Gran, vor allem das vergoldete Modell für den Hochaltar um 1746 mit dem unmittelbaren Entwurf für das Hochaltarbild und ein äußerst lebendiges Selbstporträt. Einen besonderen Schatz stellt der Bestand von zehn Ölskizzen und Bildern von Bartolomeo Altomonte dar, darunter Entwürfe für die Fresken in der Stiftskirche und ein höchst interessantes Selbstporträt aus dem Jahr 1774. In der Prälatur haben sich auch einige erwähnenswerte Kunstgegenstände erhalten, z. B. ein seltener Venezianer Spiegel vom Beginn des 18. Jahrhunderts, der neben reichem Ornament und alter Verglasung gravierte bérainsche Ornamentik in dem Rahmenspiegelchen trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Refektorium wurde bis in die sechziger Jahre als Speisesaal der Chorherren benützt. 1975 wurde es renoviert und als &amp;quot;Augustinussaal&amp;quot; ein Veranstaltungszentrum für Stift und Pfarre. Im Südosten des Stiftes befindet sich im zweiten Stock das &amp;quot;Mexikanische Zimmer&amp;quot;. In diesem Raum war die von Propst Norbert Zach (1857–1887) erworbene Sammlung von Geräten, Waffen und Schmuckgegenständen der Ottawa-Indianer aufgestellt. Sie musste in den zwanziger Jahren veräußert werden.&lt;br /&gt;
Interessant ist das Zimmer heute wegen der zwölf Wandgemälde, die in der romantischen Gesinnung des späten 19. Jahrhunderts Motive aus Österreich darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Exponate der urgeschichtlichen Sammlung des Stiftes Herzogenburg kamen aus der Ausgrabung eines eisenzeitlichen Friedhofes von Statzendorf. Der Göttweiger Abt Adalbert Dungl war maßgeblich daran beteiligt. Die Pröpste Georg III. Baumgartner (1913–1927) und Georg IV. Hahnl (1946–1963) haben durch eigene Grabungen wesentlich zur Vervollständigung dieser Sammlung beigetragen. Zusammen mit Dungl waren sie die Pioniere der prähistorischen Archäologie im unteren Traisental.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Heute enthält die urgeschichtliche Sammlung eine Reihe von Steingeräten aus der Altsteinzeit, eine große Zahl von Fundstücken der Jungsteinzeit und Keramiken aus der frühen Bronzezeit, wie etwa den Fund von 17 Töpfen aus St. Andrä an der Traisen, Objekte der Hügelgräber und Urnenfelderkultur und weitere bedeutende Funde aus der Eisenzeit, wie Beigaben der Hallstadtkulturen aus den Gräberfeldern von St. Andrä und Statzendorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Römische Funde waren bis auf einige Münzen im Raum von Herzogenburg eher spärlich, bis 1972 aus der Zeit der römischen Kaiser ein Zeremonienhelm mit Gesichtsmaske unweit des Stiftes gefunden wurde, der zu den bedeutendsten Denkmälern römischer Kunst auf österreichischem Boden gerechnet werden muss. Mit seinen &amp;quot;Alexanderlocken&amp;quot; gehört er zum orientalischen Typus. Damit ist er ein Beispiel dafür, wie weit vorderorientalische Mysterienkulte im 2. und 3. Jahrhundert verbreitet waren. Dieses Unikat ist im Raritätenkabinett im ersten Stock ausgestellt, während alle anderen Funde im frühbarocken Refektorium im Altstift zu sehen sind. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Eine fachkundige Neuaufstellung wird derzeit von Univ.-Doz. Dr. Johannes-Wolfgang Neugebauer vorgenommen.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Als 1512 in Herzogenburg ein Großbrand wütete, wurden einige Trakte des Stiftes in Schutt und Asche gelegt. Die Bibliothek wurde dabei auch ein Raub der Flammen. Wahrscheinlich besaß damals das Stift über 100 handgeschriebene Bücher und vielleicht ebensoviele Inkunabeln. Wieviele Bücher gerettet werden konnten ist leider nicht überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten großen Förderer der mittelalterlichen Bibliothek waren die beiden Pröpste Johannes III. von Parsenbrunn (1401–1433) und Johannes IV. von Linz (1433–1457). Aus der Zeit vor dem Brand haben sich einige Buchfragmente erhalten. Fragment 42 aus dem 9. Jahrhundert ist das älteste Stück der Bibliothek.&lt;br /&gt;
Von der Wende des 12. zum 13. Jahrhundert stammt das Fragment 32 mit Teilen eines Legendars. Das Fragment 43 ist Teil eines Nekrologiums vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Es ist ein sicheres Zeugnis für die Schreibkultur des Stiftes in St. Georgen. Ob das Stift dann in Herzogenburg eine eigene Schreibschule besessen hat, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Auf jeden Fall sind keine Handschriften auf Pergament mit wertvollen Initialen auf uns gekommen, sondern nur anspruchslose, auf Papier geschriebene Bücher. Sie haben alle einen praktisch-theologischen Inhalt und stehen im Zusammenhang mit den Seelsorgeaufgaben des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Schreiber waren mit Sicherheit Klosterangehörige, von weiteren sieben ist es unsicher. Die kunsthistorisch kostbarsten Handschriften wurden erst in späteren Jahrhunderten angekauft. Den ersten größeren Zuwachs nach dem Brand erfuhr die Bibliothek durch Propst Philipp von Maugis (1541–1550), der vor allem humanistische Werke bzw. lateinische und griechische Klassikerausgaben erwarb und die von seinem Bruder ererbte Bibliothek der Stiftsbibliothek einverleibte.&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Herb (1687–1709) erbte ebenfalls von seinem Bruder 173 Bücher meist theologischen Inhalts, die in zwei Fässern und einer großen Truhe verpackt auf der Donau von Deutschland nach Krems transportiert und von dort ins Stift gebracht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge des barocken Stiftsneubaus wurde die Bibliothek von 1751 bis 1754 von Propst Frigdian Knecht (1740–1775) erbaut. Die Ornamentmalerei fertigte Domenico Francia an, die figuralen Grisaillen wurden von Bartolomeo Altomonte gemalt. Die einfachen, doppelteiligen Bücherschränke wurden vom Orgelbauer Johann Henke entworfen. Propst Frigdian sammelte die Bücher &amp;quot;mit einem unersättlichen Hunger&amp;quot;, wie er selber scherzend zu sagen pflegte. Er erwarb u. a. die Bibel von 1205 (HS 100) und die kostbare Handschrift &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; (HS 95) aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Stephan Peschka (1775–1779) und Michael Teufel (1781–1809) erwarben durch den Exjesuiten Abbé Johann Christoph Regelsberger viele Bände bei Bücherauktionen aus den Beständen aufgehobener Klöster. Mit der Übernahme der aufgehobenen Stifte St. Andrä an der Traisen 1783 und Dürnstein 1788 kamen nur wenige Bücher, nachweislich nur einige Handschriften und Inkunabeln, nach Herzogenburg. Der Großteil des Bücherschatzes kam in die Wiener Hofbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Petrus Schreiber]], von 1781 bis 1788 auch Stiftsdechant, war mit Unterbrechung fast 25 Jahre Bibliothekar. Eine große Anzahl von Büchern mit einheitlichen barocken Einbänden kam durch ihn in die Bibliothek. Sie tragen auf dem Einbanddeckel die goldenen Buchstaben &amp;quot;P. S.&amp;quot;. Ebenso vermachte er dem Stift 15 Inkunabeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Inventar von 1832 beziffert den Buchbestand summarisch mit etwa 10.000 Bänden. 1887 war der Besitz bereits auf 50.000 Bände, 253 Inkunabeln und 223 Handschriften angewachsen. Dieser Zuwachs dürfte auch die Erweiterung der Bibliotheksräumlichkeiten veranlasst haben. Unter Propst Norbert Zach (1857–1887) wurden 1870 die Gänge im zweiten Stock des Stiftes mit Bibliothekskästen ausgestattet. Unter ihm waren als Bibliothekare die bedeutenden Stiftshistoriker [[Wilhelm Bielsky]], [[Michael Faigl]] und Frigdian Schmolk tätig. Sie veröffentlichten viele Beiträge zur Stiftsgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine großzügige Erweiterung erfuhr die Stiftsbibliothek zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gräfin Maria Falkenhayn übergab 1905 dem Stift die 30.000 Bände ihrer Schlossbibliothek in Walpersdorf. Neben diesen gräflichen Exlibris finden sich in der Sammlung auch Werke mit den Besitzvermerken der Jörger, Colloredos und der Herrschaften Droß und Ottenschlag.&lt;br /&gt;
Während der Weltwirtschaftskrise kam es 1927 zur Veräußerung von Inkunabeln, die vergleichsweise die Höhe des Schätzwertes der ehemaligen Stiftstaverne ausmachten. Ebenso wurde in den sechziger Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eine große Anzahl von Büchern veräußert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anläßlich der Ausstellung im Jahr 1964 &amp;quot;Das Stift und seine Kunstschätze&amp;quot; wurde eine Neuaufstellung der Bücherbestände begonnen, die aber &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bis heute nicht fertiggestellt werden konnte&amp;lt;/span&amp;gt;. Derzeit ist die Bibliothek auf mehrere Standorte verteilt und lediglich die Handschriften, die Inkunabeln und die Druckwerke bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden nach dem Erscheinungsdatum geordnet. Der Rest ist weitgehend unbearbeitet. Der Gesamtbestand wird auf 80.000 Bände geschätzt. Dazu kommen noch 150 Inkunabeln und 150 mittelalterliche Handschriften. Die älteste Handschrift ist ein österreichisches Psalterium des 12. Jahrhunderts (HS 106). Die gut geschriebene Handschrift enthält eine Reihe von großartigen Initialen. Die bedeutendste Handschrift der Bibliothek ist Cod. 95 &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; von Gregor d. Gr. Sie wurde um 1260 in Mainz oder Regensburg geschrieben und enthält 36 ausgezeichnete Initialminiaturen im Stil der deutschen Malerei der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Cod. 223 ist eine oberitalienische Bibel der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit großen figurierten Initialen; fast alle Spalten tragen Federranken. Am Beginn der Genesis findet sich eine Gegenüberstellung der sieben Schöpfungstage mit christologischen Szenen. Ein österreichisches Graduale (HS 97) vom Beginn des 14. Jahrhunderts trägt auf jeder Seite Notenzeilen und stammt aus einem Zisterzienserkloster. Sehr schön ist eine französische Bibel mit Miniaturinitialen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (HS 99).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Ausgabe von Gregors &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; ist der zweibändige Cod. 94 aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts mit 18 figurierten Initialen, die von fünf Meistern stammen, die den Wenzelsbibelmeistern nahestehen. Die Handschrift wurde laut Eintragung in der Kartause Mauerbach geschrieben und war 1397 im Besitz der Kartause Olmütz. Wann und wie sie nach Herzogenburg kam, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der bedeutenden Sammlung von Wiegendrucken seien folgende hervorgehoben: ein sehr schöner Venezianer Druck von 1478, Lactantius Firmianus &amp;quot;Gegen die Haiden&amp;quot;; drei ausgezeichnete Kobergerdrucke aus Nürnberg, 1481; die Briefe des Ennea Sylvius Piccolomini (Papst Pius II.); ebenso von 1481 ein Kommentar zum Neuen Testament von Nicolaus de Lyra mit gezeichneten Initialen; und von 1483 ein Fastenbuch von Johannes Guitsch, gedruckt im Charakter der spätgotischen Handschriften. Ein Zisterzienser-Missale aus Paris um 1487 ist mit kleinen kolorierten Holzschnitten illustriert. Zwei sehr gute Ausgaben der interessanten Weltgeschichte von Rolewinck seien noch angeführt. Die eine Wiener Ausgabe von 1490 ist reich mit Holzschnitten illustriert, die zweite aus Köln mit vielen Holzschnitten in der Art der &amp;quot;Schedelschen Weltchronik&amp;quot; aus dem Ende des 15. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abschluss ist noch eine Postilla von Cuilcrinus, Augsburg 1495, die ebenfalls mit Holzschnitten illustriert ist, zu erwähnen. Die oben beschriebenen Handschriften und Frühdrucke sind im Hauptraum der Bibliothek in Vitrinen ausgestellt und bei jeder Führung durch das Stift zu besichtigen. In diesem Bibliothekssaal befinden sich in den Bücherschränken nur Bücher aus dem 18. Jahrhundert, um den Eindruck einer barocken Schaubibliothek zu vermitteln.&lt;br /&gt;
Durch die bescheidene Einrichtung wirkt die Bibliothek wie eine heimelige Studierstube. Die letzte Handschrift wurde 1990 erworben. Sie ist ein türkisches Gebetbuch aus dem 19. Jahrhundert in arabischer Zierschrift. In der Mitte des Buches finden sich zwei romantisch gemalte Ansichten der Moscheen in Mekka und Medina.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Das Herzogenburger Stiftsarchiv besteht aus vier Abteilungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) dem Archiv des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen/Herzogenburg mit 1.745 registrierten Urkunden (1112–1852) und zahlreichen nicht bearbeiteten Urkunden (ab 1852), 264 Büchern und 647 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit 327 registrierten Urkunden (998–1776), sechs Büchern und 225 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein mit 718 registrierten Urkunden (1306–1768), 36 Büchern und 90 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) dem Archiv des aufgehobenen Clarissenklosters Dürnstein mit 357 registrierten Urkunden (1289–1658) und ca. 20 Büchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Dokument im Stift Herzogenburg ist die Gründungsurkunde (1112) von Bischof Ulrich von Passau (Sta. Hn. 1a). Sie ist eine der formvollendetsten Urkunden aus der Schreibstube des Bistums Passau. Äußerst interessant ist die Traditionsnotiz (Sta. Hn. 1b), die ein Konzept zur Gründungsurkunde darstellt und sechs weitere protokollarische Notizen enthält, die an verschiedenen Orten abgefasst wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historisch bedeutsam für das Stift ist auch die Übertragungsurkunde von 1244 (Sta. Hn. 38). Die schweren Zeiten des 15. Jahrhunderts sowie der Brand des Klosters im Jahr 1512 dürften dem Archiv nicht allzusehr zugesetzt haben. Alle wichtigen Urkunden sind im Original vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes VII. Glaz (1569–1572) veranlasste eine Aufzeichnung und Registrierung der &amp;quot;Pergament-Brieff&amp;quot;. In dem 1570 angelegten Verzeichnis wird das Archiv als „Registratur&amp;quot; bezeichnet. Entsprechend dem damaligen Kanzleigebrauch, dessen Vorbild die Kanzlei des Regiments der niederösterreichischen Lande war, wurden auch in Herzogenburg die Urkunden, damals insgesamt 46 Stück, in einem mit Laden versehenen Kasten und die weniger wichtigen Akten in einem Sack aufbewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1683 wurden das Archiv und die Schatzkammer vor den heranrückenden Türken in das Chorherrenstift Dürnstein verlagert und 1684 wieder zurückgebracht. Die zeitlich nächstfolgende Bestandsaufnahme des Stiftsarchivs erfolgte zwischen 1730 und 1740. &amp;quot;Ain großer mit Eyßen schön beschlagener Casten, hat 36 unterschidliche litterirte gemahlene Laden&amp;quot;. Er diente als Aufbewahrungsort für das als &amp;quot;gehaimbtes Gwölb&amp;quot; bezeichnete Hauptarchiv. Diesem wurden 1745 Schriften und Akten des Hofrichters und des Stiftskämmerers einverleibt. Genaue, nach Grundherrschaften bzw. Sachgebieten angelegte und geordnete Inventarien zeugen von der Sorgfalt, mit der das Stiftsarchiv unter Propst Frigdian I. Knecht (1740–1775) betreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte im Streben nach dem Wissen über die eigene Vergangenheit die ersten wissenschaftlichen Bearbeitungen des Urkundenbestandes durch die Herzogenburger Chorherren [[Wilhelm Bielsky]] (Die ältesten Urkunden des Kanonikatsstiftes St. Georgen in Unterösterreich von 1112–1244, Wien 1852) und [[Michael Faigl]] (Die Urkunden des regulierten Chorherrenstiftes Herzogenburg vom Jahre seiner Übertragung von St. Georgen 1244–1450, Wien 1886).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich wurde in den Jahren 1930 bis 1935 der unübersehbare Bestand an Akten und Büchern durch Dr. Göhler geordnet und durch eine Zettelkartei der Forschung zugänglich gemacht. In der insgesamt 1.745 Urkunden umfassenden Urkundenreihe vom Stiftsarchiv Herzogenburg gibt es neben einer Vielzahl von Stiftungs- und Schenkungsurkunden auch Urkunden von Päpsten und Landesfürsten. Die älteste Papsturkunde wurde 1177 von Papst Alexander III. ausgestellt, die erste in deutscher Sprache abgefasste Urkunde stammt aus dem Jahr 1292.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als einzigartiges Dokument soll eine Urkunde Erwähnung finden, die von Mönchen des Katharinenklosters am Sinai und Chorherren des Stiftes Herzogenburg im Jahr 1491 gezeichnet wurde. Damals haben zwei griechische Sinaimönche Herzogenburg besucht und mit den hiesigen Chorherren eine Gebetsverbrüderung geschlossen und besiegelt – ein merkwürdiges und einmaliges Zeugnis für die Verbindung der Ost- und Westkirche im ausgehenden Mittelalter nach dem Fall von Konstantinopel (Sta. Hn. 538).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Grundbücher, wertvolle Unterlagen zur Erforschung der Besitz- und Bevölkerungsgeschichte im Raum Herzogenburg, wurden im 12. Jahrhundert angelegt. Hinzu tritt jene Masse des Archivmaterials, die als Akten des adeligen Richteramtes über die Untertanen aus der Amtstätigkeit des Stiftes erwachsen sind: Grundbuchsakten ab 1340, Testamente ab 1500, Verwaltungsakten über den Oberen Markt Herzogenburg, Korrespondenzen mit den umliegenden Grundherrschaften. Diese Schriftstücke zeigen den Kampf des Stiftes um seine Rechte und Besitzungen, unter welchen besonders Fischerei- und Wasserrechte auf der Traisen und Jagdrechte in den Auen im Vordergrund stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Rechnungsbüchern und Rechnungsakten finden sich genauere Aufzeichnungen über den Bau der barocken Stiftsgebäude und der inkorporierten Pfarrkirchen mit ihren Pfarrgebäuden. Eigenhändige Unterschriften auf den Quittungen sind zu finden von Jakob Prandtauer, der Familie Munggenast, Bartolomeo Altomonte, Daniel Gran, vom Salzburger Steinmetzmeister Jakob Mösl, vom Wiener Goldschmied Johann Caspar Holbein und vielen anderen. Bei der Durchsicht von unbearbeiteten Archivmaterialien konnte ein eigenhändig geschriebener Brief von Martin Luther von 1541 aufgefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Auflösung der Chorherrenstifte St. Andrä und Dürnstein kamen deren Archive nach Herzogenburg. Propst Michael Teufel (1781–1809) hat sich sehr um ihre Erhaltung und sichere Aufbewahrung bemüht. Die älteste Urkunde von St. Andrä ist eine Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. aus dem Jahr 998 (Sta. An. 1). Die Stiftungsurkunde von St. Andrä stammt aus dem Jahr 1160 und ist mit 44 Zeugen belegt (Sta. An. 4). Zu erwähnen ist noch eine prunkvolle Ernennungsurkunde des Chorherren Johannes Zwickl zum Kommissär für den Türkenablass des Papstes Innozenz VIII. von 1490 in teilvergoldeter Schrift mit reichen Initialen (Sta. An. 208). Alle drei Dokumente zählen zu den Zimelien dieser Urkundenreihe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Archiv der Chorherren von Dürnstein ist der Stiftungsbrief vom 18. Februar 1410 (Sta. CDn 147) der absolute Höhepunkt. Der linke Rand dieser Urkunde ist mit einer Reihe von höchst bedeutenden Miniaturen versehen, die sowohl der böhmischen wie der Wiener Buchmalerei des frühen 15. Jahrhunderts nahestehen. Die angehängten sechs Siegel sind noch vorhanden. Zwei im selben Jahr ausgestellte Urkunden tragen schöne Initialmalereien (Sta. CDn 149 und 150).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Im Gegensatz zum &amp;quot;Archiv Herzogenburg&amp;quot; sind die Urkunden, Bücher und Akten der drei anderen Archive noch nicht publiziert und daher wissenschaftlich noch wenig ausgewertet. &lt;br /&gt;
Derzeit (1995) wird die Einrichtung des Archives erneuert und auf den letzten technischen Stand gebracht. Damit ist auch der Wunsch verbunden, dass die letzten 150 Jahre archivmäßig aufgearbeitet werden.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Historische Namensformen===&lt;br /&gt;
* WEIGL, Heinrich, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, 8 Bde., Wien 1964–1981.&lt;br /&gt;
* SCHUSTER, Elisabeth, Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, 1. Teil (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B), Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
* HAUSNER, Isolde / SCHUSTER, Elisabeth, Altdeutsches Namenbuch, Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politische und kirchliche Topographie===&lt;br /&gt;
* WOLF, Hans, Niederösterreich (Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 6. Teil), Wien 1955.&lt;br /&gt;
* RUPP / SCHMIDTBAUER, Herzogenburg, 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Franz Reininger: Die Wiegendrucke der Stiftsbibliothek Herzogenburg. In: Mitteilungen des Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 12 (1908), S. 109–127.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Katalog der Handschriften der Stiftsbibliothek Herzogenburg. St. Pölten 1978. [https://manuscripta.at/diglit/winner_1978_1/0001 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Mayo Hope: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed for the Hill Monastic Manuscript Library, Austrian Libraries. Volume III: Herzogenburg. Collegeville, Minnesota, 1985. [https://archive.org/details/HMMLAustriaInventory3 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Franz Lackner: Datierte Handschriften in niederösterreichischen Archiven und Bibliotheken bis zum Jahre 1600. Wien 1988 (Katalog der datierten Schriften in lateinischer Sprache in Österreich, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kunst- und Baugeschichte===&lt;br /&gt;
* HEIDER, Gerhard / HÄUFLER, J. V., Archäologische Notizen (Archiv für österreichische Geschichte II/1), Wien 1850, 139–178.&lt;br /&gt;
* RIESENHUBER, Martin, Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Bistums St. Pölten, St. Pölten 1923.&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer. Der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* PETERMAIR, Hans, Die bauliche Anlage der Stifte in Altenburg, Herzogenburg und Seitenstetten und ihre baukünstlerischen Beziehungen im Mittelalter und in der Barocke, masch.geschr. techn. Diss., Wien 1934.&lt;br /&gt;
* STEINER, Ubald, Die Stiftskirche zu Herzogenburg. Beiträge zur Baugeschichte nach Aufzeichnungen des Propstes Georg Baumgartner, in: Pfarramtliche Nachrichten für den Kirchensprengel Herzogenburg 21 (1935), Nr. II/12.&lt;br /&gt;
* MUNGENAST, Emmerich, Joseph Munggenast. Der Stiftsbaumeister 1680–1741, Wien 1963.&lt;br /&gt;
* FEUCHTMÜLLER / WEBER, Stift und Kunstschätze, 1964.&lt;br /&gt;
* HEINZL, Brigitte, Bartolomeo Altomonte, Wien/München 1964.&lt;br /&gt;
* BIBA, Otto, Die Orgelakten des Stiftes Herzogenburg, in: Unsere Heimat, Zeitschrift des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 41 (1970), Heft 1, 9–24.&lt;br /&gt;
* GÜTHLEIN, Klaus, Der österreichische Barockbaumeister Franz Munggenast, phil. Diss., Heidelberg 1973.&lt;br /&gt;
* KNAB, Eckhart, Daniel Gran, Wien/München 1977.&lt;br /&gt;
* CÄSAR, Menz, Das Frühwerk Jörg Breus des Älteren, Augsburg 1982.&lt;br /&gt;
* EGGER / HESSLER / PAYRICH / PÜHRINGER / FASCHING, Stift Herzogenburg, 1982.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Hermann-Fichtenau: Der Bildersaal im Stift Herzogenburg, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 38 (1984).&lt;br /&gt;
* SERVUS, Die Entstehung der barocken Klosteranlage, 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Moseneder: Passau im Gedächtnis Herzogenburgs. Zur Ikonologie des Augustiner-Chorherrenstift. In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch 31 (1989), S. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;##&amp;lt;/span&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* Karl Thomas (Bearb.): Die Baumeisterfamilie Munggenast. Sonderausstellung des Stadtmuseums St. Pölten anläßlich des 250. Todestages von Joseph Munggenast. St. Pölten 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Oskar Freiherr von Mitis: Studien zum älteren österreichischen Urkundenwesen. 5 Bände. Wien 1906–1912.&lt;br /&gt;
* Franz Stundner: Das Archiv des Stiftes. In: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Hg. von Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber. Herzogenburg 1964, S. 83–86.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sonstige Literatur===&lt;br /&gt;
* Georg Baumgartner: Herzogenburg. In: Topographie von Niederösterreich. Band IV. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Wien 1896, S. 209–238.&lt;br /&gt;
* Gerhart Egger / Walter Hessler / Wolfgang Payrich / Leonore Pühringer / Herbert Fasching: Stift Herzogenburg und seine Kunstschätze. St. Pölten 1982.&lt;br /&gt;
* Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Herzogenburg 1964.&lt;br /&gt;
* Maximilian Fürnsinn: Stift Herzogenburg 1938–1945. In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 22/4 (1975), S. 132–140.&lt;br /&gt;
* Maria Hasitscha-Köck: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg während der Zeit des Propstes Michael Teufel von 1781 bis 1809. Diss. Univ. Wien. Wien 1973.&lt;br /&gt;
* Andreas Karl Kaiser: 975 Jahre Pfarre Herzogenburg (1014–1989). Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1989.&lt;br /&gt;
* Gerhard Nikodim: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg von 1513 bis 1602. Diss. Univ. Wien. Wien 1968.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich: Das Stift Herzogenburg. Die 875-jährige Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen-Herzogenburg von 1112–1987. Dipl.-Arb. Univ. Linz. Linz 1987.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich / Hans Peter Schmidtbauer: Unsere Kirche lebt. 200 Jahre Stiftskirche Herzogenburg. St. Pölten 1985.&lt;br /&gt;
* Anton Rupp / Hans Peter Schmidtbauer: Herzogenburg. St. Pölten / Wien 1991.&lt;br /&gt;
* Werner Sandner: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg von 1244 bis 1513. Diss. Univ. Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Frigdian Schmolk: Stift der regulirten lateranensischen Chorherren zu Herzogenburg in Nieder-Oesterreich. In: Ein Chorherrenbuch. Geschichte und Beschreibung der Bestehenden und Anführung der aufgehobenen Chorherrenstifte. Augustiner und Prämonstratenser in Österreich-Ungarn, Deutschland und der Schweiz. Hg. von Sebastian Brunner. Würzburg 1883, S. 200–263. [https://books.google.at/books?id=GoJJAAAAIAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA199-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Harald Servus: Die Entstehung der barocken Klosteranlage in Herzogenburg und ihre geschichtlichen Voraussetzungen. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1987.&lt;br /&gt;
* Egon Wahl: Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit besonderer Berücksichtigung der rechtlichen, besitz- und personalgeschichtlichen Verhältnisse. Diss. Univ. Wien. Wien 1945.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10743</id>
		<title>Stift Herzogenburg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10743"/>
		<updated>2023-06-25T11:17:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1112&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (seit 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Stift St. Georgen&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}, Niederösterreich&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.28677, 15.69721&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Georg&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Herzogenburg gehört zum Bezirk St. Pölten.&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift_Herzogenburg.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Herzogenburg, kolorierte Radierung von Lorenz Janesch (um 1810), Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), Kartensammlung, Fideikommissbibliothek-Vues, Österreich-Ungarn, Niederösterreich H-La, Herzogenburg KAR MAG, online unter: http://data.onb.ac.at/rec/baa12918499&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Bischof [[Ulrich I. von Passau]] (1092–1121) stiftete mit der Gründungsurkunde vom 18. August 1112 ein Eigenkloster für Augustiner-Chorherren, auf einem Grundstück an der Mündung der Traisen in die Donau gelegen, das er geerbt hatte und worauf sich bereits eine Georgskirche befand. Wahrscheinlich sandte er aus dem reformierten [[Stift St. Nikola]] bei Passau Chorherren nach St. Georgen an der Traisen. Als seelsorgliches Aufgabengebiet und als Existenzgrundlage übergab der Bischof seinem Kloster St. Georgen die beiden Pfarren Traisenburg (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Stollhofen|Stollhofen]]) und [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Herzogenburg|Herzogenburg]]. Außerdem erhielt das Stift die bischöflichen Zehentrechte im oberen Waldviertel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten war die Existenz des Klosters einerseits von den Hochwassern der Donau und andererseits von der wirtschaftlichen Schwäche infolge zu geringer Dotierung bedroht. Eine Gelegenheit zur Besserung der Lage des Klosters ergab sich dreißig Jahre nach der Gründung, als ein lokaler Adeliger namens Walter von Traisen testamentarisch die Gründung eines Chorherrenklosters verfügte. Der Passauer Bischof [[Konrad]] (1148/49–1164), ein Sohn des hl. Leopold, wollte das Kloster St. Georgen mit dieser Stiftung in St. Andrä an der Traisen vereinigen und den Konvent dorthin verlegen. Nach dem Widerstand des Testamentvollstreckers Otto III. von Rehberg erfolgte jedoch noch im 12. Jahrhundert eine eigenständige Gründung des [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stiftes St. Andrä an der Traisen]]. Bischof Konrad verbesserte in den Jahren 1158 und 1160 die Situation des Stiftes St. Georgen, indem er dem Kloster, das in den sumpfigen Donauauen lag, eine Frischwasserzuleitung ermöglichte und außerdem den Chorherren die Pfarre Marquardsurvar (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Haitzendorf|Haitzendorf]]) und den Schwaighof bei Zeiselmauer schenkte. Unter den späteren Schenkungen an das Kloster während der Regierungszeit von Propst [[Wisinto II.|Wisintos II.]] (1191–1204) ist ein Stiftungsbrief von 1201 bemerkenswert, der ein Nonnenkloster in St. Georgen voraussetzt. In einer Urkunde aus der Zeit um 1230 werden die Schwestern Kunigunde und Ehrentraud von Zebing als Kanonissen von St. Georgen genannt. Dieser Frauenkonvent ist anlässlich der Übersiedlung des Männerklosters nach Herzogenburg auch mitverlegt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Engelschalk]] (1242–1267), dem zwölften Propst des Stiftes St. Georgen, erfolgte schließlich die Verlegung des Klosters, der Konvent übersiedelte im Jahr 1244 an seinen Pfarrort Herzogenburg. In der Übertragungsurkunde vom 19. März 1244 übereignete Bischof [[Rudiger]] von Passau dem Konvent die Passauer Pfarre Herzogenburg mit allen Rechten. Das Stift memoriert den Bischof als seinen „zweiten Gründer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spätmittelalter=== &lt;br /&gt;
Nach der Übersiedlung des Konvents nach Herzogenburg erfolgte der Bau einer Klosteranlage sowohl für den Männer- wie für den Frauenkonvent. Im Pfarrbezirk „auf der Widem“ entstand ein eigener Gerichtsbezirk des Stiftes, der sogenannte „Obere Markt Herzogenburg“. Der „Untere Markt Herzogenburg“ unterstand dem bayerischen Stift Formbach am Inn.&lt;br /&gt;
Im 14. Jahrhundert war die wirtschaftliche Lage des Klosters zunächst stabil, Propst [[Siegfried]] erwarb ein Haus in Wien in der Singerstraße. Der folgende Propst [[Nikolaus I. Payger von Würmla]] (1361–1374) klagte in seinen Aufzeichnungen über Missernten, Kriegssteuern an Herzog Rudolf IV. und Verschuldung seines Klosters. Die Herzöge Albrecht III. und Leopold III. gewährten dem Stift Privilegien, weil „der probst und das gotzhaus ze Herzogenburg in grozzer geltschulde und kumber sind“. Propst [[Johannes III.]] (1401–1433) einer der längstregierenden Pröpste, erreichte von den Herzögen Wilhelm und Albrecht IV. die Begünstigung, im Schankhaus des Stiftes, dem &amp;quot;Mühlhofkeller&amp;quot;, zwölf Fass Wein ohne Ungeld (Steuer) ausschenken zu dürfen. Unter Propst Johannes III. fand eine Stiftsreform nach den Bestimmungen des Konstanzer Konzils statt. Bei der Visitation im Stift Herzogenburg 1419 war nachweislich auch der erste Propst des [[Stift Dürnstein|Chorherrenstiftes Dürnstein]], das 1410 im Geist der Raudnitzer Reform gegründet worden war, anwesend. Und so wurden die Raudnitzer Statuten auch in Herzogenburg Grundlage einer Erneuerung. Propst Johannes war auch ein Förderer der Lateinschule des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert waren Markt und Stift Herzogenburg wiederholt von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. In den Hussiteneinfällen verloren etliche Bürger und Chorherren ihr Leben. Die Regierungszeit des Propstes [[Ludwig Gössel]] (1457–1465) fiel in die Zeit der Nachfolgekämpfe unter Kaiser Friedrich III., in der böhmische, mährische, ungarische und auch einheimische Söldnerverbänden in Niederösterreich plünderten. Im Jahr 1463, am dritten Tag nach dem Osterfest, wurde Herzogenburg von böhmischen Söldnerscharen unter ihrem Anführer Georg von Vetau eingenommen und verwüstet. Wahrscheinlich erlosch damals auch der Konvent der Kanonissen, oder er fand durch Mangel an Klostereintritten schon früher ein Ende. Im Lauf des Jahres 1465 begannen die Chorherren mit dem Wiederaufbau des Stiftes. Dieser zweiten gotischen Bauphase des Stiftes sollte aber kein langer Bestand gegönnt sein, denn schon 1477 belagerten und eroberten die Soldaten des ungarischen Königs Matthias Corvinus nach ihrem Sieg über Kaiser Friedrich III. Herzogenburg. Wieder brannte das Kloster nieder. Der nach St. Pölten geflohene Propst konnte seine in Rudolfsberg bei Wagram gefangengehaltenen Mitbrüder erst nach Bezahlung eines hohen Lösegelds in die Ruinen seines Klosters zurückführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Georg I. Eisner]] (1484–1513) wurde mit dem Wiederaufbau des Klosters begonnen. Dieser Propst konnte durch sorgfältige Verwaltung und durch Schenkungen des Matthias Corvinus, der die Verwüstungen seiner Söldner wieder gutzumachen versuchte, die wirtschaftlichen Verhältnisse seines Hauses sanieren und das Stiftsgebäude repräsentativ auszustatten. 1499 gewährte Papst Alexander VI. ihm und allen seinen Nachfolgern den Gebrauch der Mitra, des Stabes und Ringes und der anderen Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7. Mai 1512 brach in einem Haus auf dem Unteren Marktplatz ein Brand aus, der auch auf die Widem übergriff. Das Feuer griff auch auf das Kloster über, alle Zellen der Brüder und das Winterrefektorium brannten aus. Außerdem wurden das Infirmarium, die Dechantei, die Bibliothek und die Sakristei zerstört. Das Feuer sprang auch auf das Mariensacellum über und vernichtete dort die Orgel. Ebenso brannte die Schule nieder. Die Kirchenausstattung – die Tafelbilder und die Altäre – wurde verschont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation bis Barock=== &lt;br /&gt;
Im Jahr der Wahl des hochgelehrten Propstes  [[Johannes V. Bernhard von Nußdorf]] (1517–1533) veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen und löste eine Reformationsbewegung aus, in der Klosterleben zunehmend kritisch beurteilt wurde. Unter Propst [[Bernhard I. Schönberger]] (1533–1541) legte der Chorherr Johann Peurl die priesterliche Kleidung ab und verließ seinen Orden, Neueintritte blieben zunehmend aus. In wirtschaftlicher Hinsicht hatte Propst Bernhard mit den Belastungen der den Klöstern vorgeschriebenen Abgaben zur Finanzierung der Kriege gegen die Osmanen zu kämpfen und konnte die Steuerleistungen nur durch den Verkauf des Stiftshauses in Wien erbringen. Für viele Jahre war Bernhard der letzte frei gewählte Propst von Herzogenburg. Die nun folgenden Pröpste waren Weltpriester oder stammten aus anderen Ordenshäusern, wurden postuliert oder vom Kaiser ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Wunsch Kaiser Ferdinands I. wurde [[Philipp von Maugis]] (1541–1550) zum Propst bestimmt. Philipp entstammte einer adeligen belgischen Familie, war ab 1545 Regent der niederösterreichischen Landesregierung und Erzieher der Söhne Ferdinands I. Noch im Jahr seines Amtsantrittes trat in Herzogenburg, wie in vielen Orten Österreichs, die Pest auf, an der täglich bis zu 30 Personen starben. Alle Chorherren im Stift mit Ausnahme des Propstes und eines Konventualen fielen der Seuche zum Opfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philipps Nachfolger war [[Bartholomäus von Cataneis]] (1550–1563). Er entstammte einer vornehmen italienischen Familie aus Bergamo, war palatinischer Graf, apostolischer Protonotar und oberster Hofkaplan. Durch sein Administrationstalent gelang es ihm, das Stift über die finanziellen Hürden zu bringen. Wegen seiner Tüchtigkeit wurde er zum Administrator von Göttweig bestellt (1556–1563). Der Klosterrat bemängelte bei seiner Visitation allerdings die Konkubinate der Stiftsherren und deren protestantische Gesinnung. Die Kommissäre erteilten dem Propst einen strengen Verweis und befahlen ihm, den Dechant abzusetzen und einzusperren. Nach dem Visitationsbericht vom Jahr 1561 befanden sich im Stift Herzogenburg nur mehr vier Konventualen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krisenzeit des Stiftes wurde der Prälat von St. Andrä [[Johannes VI. Pülzer]] (1563–1569) zum Propst bestimmt. In seinem Wahlinstrument hieß es, er sollte baldmöglichst die Zahl der Chorherren ergänzen, da sich dieselben fast alle &amp;quot;verloffen&amp;quot; hätten. Wirtschaftskrisen, Hungersnot, Erhöhung der Steuern und die Tatsache, dass viele seiner Mitbrüder lutherisch wurden, trieben Propst [[Johannes VII. Glaz]] (1569–1572) zu einem Verzweiflungsakt: in der Nacht des 14. September 1572 floh er in Begleitung eines Dieners aus dem Stift.&lt;br /&gt;
Nun folgte ein Mann aus dem eigenen Haus, [[Jakob Reisser]] (1573–1577). Durch seine Sparsamkeit und energische Haltung ging es sowohl finanziell als auch disziplinär im Stift aufwärts. Im Visitationsbericht wurde vermerkt, dass er keine goldene Kette und auch keine kostbaren Kleider trug, keine Spiele gestattete und die Musik bei Tisch abgeschafft habe. Außerdem hätten Propst und Konventualen keine Konkubinen. Er bemühte sich, Mitarbeiter aus dem Ausland zu bekommen, um die Ausbreitung der lutherischen Lehre zu stoppen. Denn die Gemeinde Herzogenburg war zum Großteil schon protestantisch und die Pfarrkinder gingen bereits in die umliegenden Ortschaften, um bei den &amp;quot;sektischen Predigern&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod postulierte der Klosterrat den Propst des [[Stift St. Dorothea|Chorherrenstiftes St. Dorothea]] in Wien, [[Georg II. Brenner]] (1578–1590). Georg war Hofkaplan bei Kaiser Maximilian II. gewesen und der Klosterrat schlug ihn 1588 als Bischof von Wiener Neustadt vor. Er strebte den Erwerb des Unteren Formbacher Marktes Herzogenburg, der noch immer großteils protestantisch war, an, scheiterte jedoch. Die Trennung beider Märkte Herzogenburg blieb bis 1806 bestehen. Propst Georg Brenner setzte aber Maßnahmen gegen das Luthertum durch, Herzogenburger Bürger, die zu den „Predikanten ausliefen“, wurden mit schweren Strafen bedroht. Ebenso mussten die Herzogenburger ihre Kinder in die katholische Schule schicken und dem Gesinde wurde verboten, sich während des sonntäglichen Gottesdienstes in Wirtshäusern oder auf Spielplätzen aufzuhalten. Kirche, Kloster- und Wirtschaftsgebäude wurden unter Propst Georg Brenner renoviert und ausgebaut, Messgeräte, Bücher und Musikinstrumente angekauft. Der Lesehof in Königstetten wurde renoviert und der Hof von Klosterneuburg fast zur Gänze neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Krankheit stand dem Propst in den letzten Jahren [[Paul Zynkh]] als Koadjutor zur Seite. Da es nach dem Tod des Propstes bei der Neubesetzung zwischen Klosterrat und dem Passauer Bischof zu Unstimmigkeiten gekommen war, verwaltete Paul Zynkh über ein Jahr als Administrator das Stift, bis er zum Propst gewählt wurde (1591–1602).Er setzte die gegen den Protestantismus gerichteten Maßnahmen seines Vorgängers fort und bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg, dessen Predigttätigkeit zu einer Rekatholisierung führte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der ständigen Gefahr von osmanischen Einfällen wurden die Verteidigungsanlagen des Klosters gemäß dem kaiserlichen Mandat ausgebaut und die Rüstkammer des Stiftes mit modernen Waffen versehen. Während eines halbjährigen Kuraufenthaltes des Propstes in St. Pölten entbrannte eine heftige Auseinandersetzung zwischen dem Stiftsdechant und dem Konvent. Der kranke Propst kehrte zurück und hielt ein Kapitel. Der Dechant wurde abgesetzt und im Lauf von drei Wochen bei Wasser und Brot „dasig“ gemacht. Die letzten drei Jahre seines Lebens war Propst Paul Zynkh Deputierter der niederösterreichischen Stände und hielt sich oft in Wien auf. Aus diesem Grund kaufte er dort 1601 ein Wohnhaus, den „Heidelberger Hof“ in der Annagasse. Das Gebäude ist heute noch im Besitz des Stiftes und trägt den Namen Herzogenburgerhof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Landesebene konnte der Protestantismus Schritt für Schritt zurückgedrängt werden. Propst Paul bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg. Dieser konnte durch seine eindrucksvollen Predigten viele Protestanten des Marktes zum katholischen Glauben zurückführen. Um die Jahrhundertwende war Herzogenburg wieder eine vorwiegend katholische Gemeinde. In den Dörfern ging die religiöse Erneuerung langsamer vor sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als [[Melchior Kniepichler]], ehemaliger Propst des Stiftes Dürnstein, von König Matthias als Propst postuliert wurde (1609–1615), protestierte der Herzogenburger Konventuale [[Johannes Held]] in einem Schreiben an den Passauer Offizial, weil Propst Melchior in St. Andrä (1592–1599) &amp;quot;Schulden gehäuft und von dann gezogen sei&amp;quot;, er habe dann &amp;quot;Tirnstain ohne Schulden angetreten und gehe nun mit Schulden weg&amp;quot; (1599–1609); beide Male in Folge seiner verschwenderischen Freigiebigkeit gegen Verwandte und Freunde. Weiters klagt er, dass Melchior dem Trunke ergeben und &amp;quot;in diesem Zustand unausstehlich streitsüchtig sei.&amp;quot; Schließlich, dass Melchior das weibliche Geschlecht liebe und gerne Tanzunterhaltungen besuche. In den Klosterratsakten hieß es, &amp;quot;dieser Mann war mehr Schelm als Mönch&amp;quot;. Am 26. Juli 1615 kam eine Untersuchungs- und Strafkommission nach Herzogenburg. Aufgrund der strengen Linie von Bischof Melchior Klesl wurde der Propst gefangen nach Wien geführt, verhört und einige Monate eingesperrt. Erst nach drei Jahren wurde Melchior rehabilitiert und zum zweiten Mal zum Propst von Dürnstein bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Wahlturbulenzen in den folgenden Jahren bestimmte Kaiser Ferdinand II. den Dechant des Kathedralstiftes Seckau [[Martin III. Müller]] zum Vorsteher in Herzogenburg (1621–1640). Er war ein eifriger Förderer der Gegenreformation, reformierte das klösterliche Leben und führte neue Statuten ein. Er erreichte auch, dass ihm die [[Pfarre Hain]] wieder zurückgegeben wurde, wo bisher nur protestantische Prediger angestellt waren. Den Konflikt mit der dort tonangebenden protestantischen Familie der Jörger konnte erst sein Nachfolger [[Johannes Bauer]] (1640–1653) beilegen. Propst [[Joseph Kupferschein]] (1653–1669) versuchte ebenfalls auf friedliche Weise die Protestanten zum katholischen Glauben zurückzugewinnen. Er war sowohl ein gelehrter Mann (1641 war er Rektor der Universität in Wien) als auch ein tüchtiger Wirtschafter. Propst [[Anton Sardena]] (1669–1687) begann mit viel Schwung die weiteren Restaurierungsarbeiten bzw. die Barockisierung des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679/80 wütete die Pest in Herzogenburg und kostete viele Menschen das Leben. In der Stiftsgeschichte von Dechant Beyer wird auch das Erscheinen eines Kometen vermerkt, der im Jahr 1680 am Fest des hl. Stephan zum ersten Mal erschien und als Vorbote der Osmaneneinfälle interpretiert wurde. Am 14. Juli 1683 erschien eine osmanische Streifschar vor Herzogenburg. Sie ließ den gut befestigten Ort zunächst ungeschoren. Als die Gefahr immer größer wurde, flüchtete der Prälat auf Bitten seiner Geistlichen mit dem Archiv und der Schatzkammer nach Dürnstein. Unter den im Kloster verbliebenen Chorherren befand sich [[Gregor Nast]], der später einen ausführlichen Bericht über die Osmaneneinfälle verfasste. Eine größere Truppe versuchte die Erstürmung des Marktes und schichtete Stroh vor die Markttore, um sie durch Feuer zu zerstören. Die Bürger leisteten mit ihren Schusswaffen allerdings tatkräftigen Widerstand. Zahlreiche Bauernhöfe von Herzogenburger Grundholden wurden jedoch geplündert und niedergebrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zeit erholten sich das Land und die Klöster von den Nachwirkungen der Türkenkriege und mit der Wiederkehr von geordneten Zuständen verbesserte sich auch die wirtschaftliche und religiöse Situation. Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) war lange Jahre ein eifriger Seelsorger und stand als Dechant und späterer Prälat seinen Mitbrüdern auf den Pfarren beim Wiederaufbau bei. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) betrieb die wirtschaftliche Konsolidierung seines Hauses nach dem Krieg und den Wiederaufbau bei Pfarren und Wirtschaftshöfen. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prandtauer wurde 1714 von Propst [[Wilhelm von Schmerling]] (1709–1721) mit einem barocken Neubau des Stiftsgebäudes beauftragt. Nach Schleifung des alten Klosters – nur ein Teil des mittelalterlichen Kreuzgangs blieb erhalten – wurde eine zweihöfige neue Stiftsanlage errichtet, der zweite Hof jedoch baulich nie fertiggestellt. Die von Prandtauer gebauten Trakte sind vornehm und voll künstlerischen Lebens. Einzig an der Ostseite sprengt der Saalbau nach Plänen von Fischer von Erlach die Prandtauersche Fassade: er tritt um eine Achse hervor und überragt sie mit den Oberfenstern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Herzogenburg geborene Propst [[Leopold von Planta]] (1721–1740) schloss die Bauarbeiten ab und besorgte die wirtschaftliche Stabilisierung des Hauses. In seiner Regierungszeit wurde am 18. September 1724 das Stift in die [[Lateranensische Choherrenkongregation]] aufgenommen. Die Pröpste führen seitdem den Titel eines Lateranensischen Abtes. Propst Leopold führte nach dem Beispiel von Klosterneuburg den schwarzen Talar anstelle der weißen Kleidung für seine Mitbrüder ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Frigdian Knecht]] (1740–1775) wurde im Österreichischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen gefangengenommen, um eine Kriegssteuer in der Höhe von 14.000 Gulden zu erpressen. Er wurde nach den Worten des Stiftsdechanten „hin und hergeführt zu Schand und Spott“. Erst nach sechstägiger Gefangenschaft und Zahlung des hohen Lösegeldes konnte der Prälat wieder ins Stift zurückkehren. 1743 entschloss er sich, die Kirche durch den jungen Baumeister Franz Munggenast neu errichten zu lassen. Der Turm wurde 1767 nach Entwürfen von Johann Bernhard Fischer von Erlach durch Matthias Munggenast ausgeführt. Die Architektur dieser Kirche und die Ausstattung durch Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte können zu den großen Leistungen des österreichischen Barocks gezählt werden. In den Pfarren [[Stollhofen]], [[Hain]], [[Rottersdorf]] und [[Brunn]] ermöglichte Propst Frigdian ebenfalls die Barockisierung der Kirchen. Durch die Stiftung von 7.000 Gulden des Wiener Stadtrates Jakob Bodenreiter konnte in Theiß der Pfarrhof neu errichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seines wissenschaftlichen Interesses kaufte der Propst Jahr für Jahr viele wertvolle Bücher, ordnete das Archiv und unterstützte den Aufbau eines eigenen Münzkabinetts. Auf musikalischem Gebiet war sein Mitbruder [[Georg Johann Donberger|Georg Donberger]] tätig. Als Regens chori komponierte dieser unermüdlich und seine Werke sind in den Musikarchiven vieler österreichischer Stifte zu finden. Als Propst Frigdian Knecht nach 35-jähriger Amtszeit im Jahr 1775 starb, hinterließ er ein geordnetes Haus, das spirituell, künstlerisch und wirtschaftlich einen guten Ruf hatte. Er wird auch der dritte Gründer genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Josephinismus bis Gegenwart===&lt;br /&gt;
Propst [[Michael Teufel]] (1782–1809) war Parteigänger von Kaiser Joseph II. und administrierte für ihn die Aufhebungen der Chorherrenstifte St. Andrä an der Traisen und Dürnstein. Das Patent des Kaisers über die Klosteraufhebungen wurde für das Stift St. Andrä an der Traisen wirksam, das nach dem Tod des letzten Propstes [[Gregor Grindler]] 1783 dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde. Das Chorherrenstift Dürnstein wurde 1788 mit dem Stift Herzogenburg vereinigt. Gegen diesen Bescheid erhob zwar der Bischof von St. Pölten Einspruch, doch wurde mit Hofdekret vom 7. Juni 1788 die endgültige Aufhebung Dürnsteins angeordnet. Als durch die Aufhebung der Benediktinerabtei Formbach am Inn der Untere Markt Herzogenburg Staatseigentum wurde, konnte ihn Propst Michael durch geschickte Verhandlungstaktik 1806 kaufen und mit dem Oberen Markt vereinigen. Ein Höhepunkt in der Regierungszeit des Propstes Michael Teufel war die Weihe der neuen Herzogenburger Stiftskirche am 2. Oktober 1785, sie erfolgte durch [[Heinrich Johannes von Kerens]] dem ersten Bischof, der in St. Pölten residierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Koalitionskriegen war Stift Herzogenburg nach der Schlacht im nahegelegenen Dürnstein-Loiben im November 1805 direkt betroffen. Französische Truppen fielen in die Stadt ein, brachen Keller auf und plünderten. Hohe Geldforderungen der französischen Offiziere und Einquartierungen von Soldaten belasteten das Stift schwer. Propst Michael floh während des Krieges mit der Münzsammlung und anderen Kostbarkeiten nach Ungarn in die Abtei Zirc. Kämmerer [[Josef Leuthner]] brachte sich mit den anderen Wertgegenständen auf das Gut Primmersdorf (Waldviertel) in Sicherheit. Im Rahmen des Österreichisch-Französischen Krieges im Jahr 1809 und der zweiten Eroberung Wiens durch Napoleon hatte Herzogenburg wieder unter französischen Truppen, ganz besonders unter den württembergischen Hilfstruppen zu leiden. Bei dieser zweiten Franzoseninvasion kam der Propst allerdings nicht mehr unbehelligt davon. Noch kurz vor seinem Tod wurde er in seinem Zimmer von einem französischen Husaren misshandelt und seines Kreuzes und Ringes beraubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Michael Teufel hat um das Stift beinahe so große Verdienste wie sein Gründer – der Volksmund unterstrich das Weiterbestehen des Stiftes mit dem Bonmot: „Der Teufel hat das Stift gerettet.“ Im Geist der neuen josephinischen Begräbnisordnung wurde er als erster Stiftsvorsteher außerhalb des Ortes auf dem allgemeinen Friedhof in einem bescheidenen Mausoleum bestattet. 1977 wurden die sterblichen Überreste des Propstes exhumiert und neben seinem Grabdenkmal in der Stiftskirche beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Amortisationsgesetze und Religionsfondsabgaben der spätjosephinischen Ära belasteten die Stiftswirtschaft und führten zu erheblicher Verschuldung. Der ehemalige Stiftsdechant Propst [[Aquilin Leuthner]] (1811–1832) konnte das Haus nur insofern aus der finanziellen Not retten, als er von Kaiser Franz I. einen Nachlass der Schulden erreichte. Dem josephinischen Nützlichkeitsgedanken entsprach das Kloster durch Errichtung eines Schulgebäudes auf dem Stiftsgelände im Jahr 1829, dem der Westtrakt des mittelalterlichen Kreuzwegs weichen musste. Die Visitationen des St. Pöltner Bischofs Jakob Frint führten in Herzogenburg zur allmählichen Umsetzung der Klosterreformen der Restaurationszeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Bernhard II. Kluwick]] (1832–1843) erreichte die aus Osteuropa kommende Choleraepidemie auch Niederösterreich. Die Angst vor dieser Seuche veranlasste die Stiftsherren, zur Versorgung der Kranken an den Gangenden sogenannte Choleraöfen zu errichten: „... also die Küche zu weit entfernt ist, um schnell den notwendigen Tee und warmes Wasser herbeizuschaffen.“ Das Lebenswerk von Propst Bernhard war die Erbauung der Pfarrkirche in [[Theiß]].&lt;br /&gt;
Propst [[Karl Stix]] (1843–1847) konnte einen weiteren bedeutenden Schuldenerlass bei Kaiser Franz I. erreichen. Aus Dankbarkeit feierte das Stift jahrzehntelang den Todestag des Monarchen mit dem „Kaiserrequiem“. 1844 konnte er die Jubiläumsfeier der Übertragung des Stiftes von St. Georgen nach Herzogenburg (1244) festlich begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Revolutionsjahr hob am 7. September 1848 hob der Reichstag die bäuerliche Untertänigkeit auf und das Feudalrecht mit Robot und Zehent wurde abgeschafft. Propst [[Josef II. Neugebauer]] (1847–1856) verkaufte in der Folge 1851 das Gut Primmersdorf 1851, das bis dahin der Einbringung der klösterlichen Zehentrechte im nördlichen Waldviertel gedient hatte. Am 8. Oktober 1848 – auf der Flucht von Wien in die Festung Olmütz – kam Kaiser Ferdinand I. mit seinem Gefolge nach Herzogenburg und wurde als Gast im Stift beherbergt. Am selben Abend unterzeichnete der Kaiser ein Manifest „An die Völker meiner deutsch-erbländischen Provinzen“. Am nächsten Morgen zog der Kaiser mit seinem Gefolge weiter. Der Name „Kaisergasse“ in Herzogenburg erinnert noch heute an diese Begebenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1853 gab es eine kanonische Visitation durch den St. Pöltener Bischof Feigerle, und zwei Jahre darauf visitierte auch der Linzer Bischof Rudiger in Vertretung des Kardinals Fürst Schwarzenberg das Stift Herzogenburg. Auch er war sehr zufrieden mit dem Stand des Hauses und „schied mit wahrer Herzensfreude vom Stift“. Auch unter dem nächsten Vorsteher des Stiftes Propst [[Norbert Zach]] (1857–1887) herrschte ein gutes Klima im Haus. Von den 34 Mitgliedern des Stiftes waren 25 Priester in der Seelsorge tätig, vier hatten häusliche Offizien, zwei Kleriker studierten an der theologischen Hauslehranstalt im [[Chorherrenstift Klosterneuburg]], zwei Novizen wurden im Haus in die Lebensordnung der Chorherren eingeführt.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1862 gründete der Stiftskurat und spätere Dechant [[Ferdinand Mann]] den katholischen Gesellenverein, der sich um die seelsorglichen und menschlichen Anliegen der arbeitenden Bevölkerung kümmerte. Die Stadt Herzogenburg begann den Schritt ins Industriezeitalter, als 1874 die Firma Vollrath (Nägel, Schrauben) von Wien nach Herzogenburg/Oberndorf übersiedelte. 1875 folgte ihm Carl Grundmann, ein pensionierter Danziger Lokomotivführer, der sich auf die Erzeugung von Türschlössern spezialisiert hatte. In diese Zeit fällt auch die Planung und der Bau der Eisenbahnlinien im Raum Herzogenburg: Am 3. August 1885 wurde die Strecke Tulln – St. Pölten, am 16. Juli 1889 die Strecke Herzogenburg – Krems eröffnet. Seit dieser Zeit „ist der Markt mit zwei Hauptverkehrsadern der Monarchie“, mit der West- und der Franz-Joseph-Bahn, verbunden. Um der rasch anwachsenden Bevölkerung eine bessere Ausbildung und damit größere Berufschancen geben zu können, wurde die Stiftsschule schon 1867 zu einer Pfarr-Hauptschule erweitert. Heute wird das neben der Stiftskirche gelegene Schulgebäude von der Herzogenburger Sonderschule und der Musikschule benützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das äußere Bild des Ortes änderte sich Mitte des 19. Jahrhunderts. Drei Tore der alten Marktbefestigung wurden abgetragen; ebenso Teile der Ringmauer. Ein Stückchen dieses mittelalterlichen Ensembles ist heute noch im nördlichen Stiftsbereich zu sehen, wo Mauer, Graben, Verteidigungsturm und das einzige noch bestehende Stadttor, das „Au-Tor“, auch „Nordtor“ genannt, erhalten blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Schlacht bei Königgrätz Mitte Juli 1866 drangen die preußischen Truppen bis ins Waldviertel vor und das österreichische Militär zog sich – größtenteils kampflos – auf das südliche Donauufer zurück. Das Stift richtete im Auftrag der k. k. Statthalterei ein Spital für die Soldaten ein. Für seine Verdienste wurde der Propst im Jahr 1879 vom Kaiser mit dem Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet. Während seiner zehnmonatigen Funktion als Administrator des Stiftes veranlasste Dechant Emmerich Wallner die Gestaltung des nach ihm benannten „Emmerichhofes“ im Westtrakt des Stiftsgebäudes.&lt;br /&gt;
In der Person des folgenden Propstes [[Frigdian II. Schmolk]] (1888–1912) vereinigten sich Kirchenfürst und Staatsmann. 1902 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum Landmarschall (Vorsitzender des Landtages). Vier Jahre lang hatte er dieses Amt inne. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der Kaiser die Würde eines Wirklichen und Geheimen Rates und berief ihn auf Lebenszeit als Reichsrat in das Herrenhaus. Um 1900 erreichte das Stift seinen höchsten Personalstand: 40 Konventualen gehörten zum Kloster. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Frigdian wurden in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das Stiftsgebäude, der Turm, die Orgel und das Innere der Kirche restauriert. Dechant Ferdinand Mann ließ auf seine Kosten 1903 den Maria-Lourdes-Altar errichten und die zwei Holzstatuen Herz-Jesu und Herz-Maria in der Kirche aufstellen. 1907 wurde der Zusammenschluss der österreichischen Chorherrenstifte zur „Österreichischen Kongregation der regulierten Lateranensischen Chorherren“ erreicht. Als Konvisitator wurde Propst Frigdian Schmolk gewählt. Eine enge Freundschaft verband Propst Frigdian mit dem Wiener Bürgermeister Karl Lueger. Als dieser tödlich erkrankte, berief er seinen langjährigen Freund zu sich, der ihm die die Sterbesakramente reichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmolks Nachfolger wurde [[Georg III. Baumgartner]] (1913–1927). Mit größter Sparsamkeit und Umsicht lenkte er das Stift durch die wirtschaftlichen Erschütterungen des Ersten Weltkrieges. Er stellte das Sommerrefektorium als Kaserne für die Marschkompanien und den Theatersaal dem Roten Kreuz zur Pflege der Verwundeten zur Verfügung. Vom Krieg selbst wurde Herzogenburg nur mittelbar betroffen: durch die vielen Gefallenen. Ihre Namen sind auf einer Marmortafel, rechts beim Eingang der Kirche, eingemeißelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 ließ Propst Georg das veraltete stiftliche Elektrizitätswerk– die ehemalige Stiftsmühle – in eine moderne Wasserkraftanlage mit Turbinen umbauen, die das Stift und Teile der Stadt Herzogenburg jahrelang mit Strom versorgte. Bedeutende Verdienste erwarb sich Georg Baumgartner durch seine wissenschaftliche Forschung über die Urgeschichte, inspiriert durch die archäologischen Funde aus der Hallstattzeit auf Grundstücken, die zum Stift gehörten. Bis zuletzt arbeitete er mit großer Genauigkeit an der Hausgeschichte und an der Baugeschichte der Kirche und des Stiftes und verfasste weiters den Artikel „Herzogenburg“ in der „Topographie von Niederösterreich“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die allgemeine Wirtschaftskrise machte sich auch im Stift bemerkbar. Das Steueramt St. Pölten drängte immer öfter unter Androhung der Zwangsverwaltung auf Bezahlung der Steuerschulden. Das Kapitel unter Propst Georg sah sich gezwungen, einem Beschluss zum „Verkauf einzelner Wertgegenstände näher zu treten“. Einige wertvolle Kunstgegenstände wurden verkauft. In diese politisch sehr schwierige Zeit fällt eines der größten Ereignisse für Herzogenburg, die Stadterhebung: Am 30. Juni 1927 beschloss der Landtag von Niederösterreich, den Markt Herzogenburg „trotz der verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl“ (2.800) zur Stadt zu erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der spätere Landtagsabgeordnete und Vertreter des Klerus [[Ubald Steiner]] (1927–1946) wurde zum nächsten Propst gewählt. Es gelang ihm, das Stift durch die schwierige wirtschaftliche Lage der dreißiger Jahre zu führen, was den Verkauf mehrerer Grundstücke und Kunstschätze beinhaltete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Sozialdemokratie in den 1920er Jahren wurden auch in Herzogenburg, das durch seine metallverarbeitende Industrie über einen hohen Arbeiteranteil verfügte, vehement geführt. Der Stiftsdechant  und Pfarrer [[Anton Rudolf]] stand im Ruf, „der von den Sozialdemokraten wohl bestgehasste Chorherr“ zu sein. Er war der Typ von Priesterpolitiker, der die ohnehin spannungsgeladenen dreißiger Jahre durch sein Zelotentum und seine nie erlahmenden Bekehrungsversuche an ungläubigen Marxisten eher verschärfte denn beruhigte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Volksabstimmung vom 10. April 1938 brachte in Herzogenburg 2.047 Ja-Stimmen für den Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland und nur fünf Gegenstimmen. In der Folgezeit erhielt Herzogenburg den Namen „Stadt der Treue“. In diesen Jahren wurden die Repressalien gegenüber den kirchlichen Institutionen und der Geistlichkeit immer spürbarer. Die Stiftstaverne und der Theatersaal wurden beschlagnahmt. 400 Herzogenburger traten aus der Kirche aus, und rund 100 Kinder wurden vom Religionsunterricht abgemeldet. Das Herzogenburger Pfarrblatt, das seit 1915 erschien, wurde wegen „Papierknappheit“ 1941 eingestellt. Das Stift wurde von den Nationalsozialisten zwar nicht aufgehoben, war aber in seiner Wirtschaftsführung nicht mehr unabhängig. Teile des Stiftsgebäudes wurden 1940 für ein Einquartierung von bessarabischen Umsiedlern und später auch anderen Flüchtlingen beschlagnahmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum „schwarzen Montag“ wurde der 6. November 1944. 300 Bomben fielen in und um Herzogenburg: 20 Tote und große Sachschäden waren die traurige Bilanz. Am 14. April 1945 rückten nach einer kurzen Kanonade die Sowjets in Herzogenburg ein. Eine Gruppe von Herzogenburgern, unter ihnen Propst Ubald, ging ihnen mit der weißen Fahne entgegen. Die Stiftsgebäude waren durch einige Bombentreffer leicht beschädigt worden, schwerer betroffen waren die Stiftswälder, die durch die Luftangriffe schwere Schäden hatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Georg IV. Hahnl]] (1946–1963) betrieb den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit. Im Jahr 1948 wurden vier neue Glocken der Stiftskirche geweiht. 1942 hatten alle Glocken bis auf die größte, die Pummerin, der Rüstungsindustrie abgeliefert werden müssen. Wissenschaftliche Berühmtheit erlangte Propst Georg durch seine Arbeit auf dem Gebiet der Heimat- und Urgeschichtsforschung. Fast seine ganze Regierungszeit als Propst war allerdings von einer schweren Krankheit überschattet, was sich negativ auf das Klima und die Personalsituation des Stiftes auswirkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Resignation wurde [[Thomas Zettel]]  (1963–1969) zum nächsten Vorsteher des Hauses gewählt. Nach langen Vorbereitungen öffnete 1964 das Stift Herzogenburg seine Räume und Säle für über 100.000 Besucher anlässlich seiner (etwas verspäteten) 850-Jahr-Feier. Der ebenerdige Teil des sogenannten „Altstiftes“, die Reste der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen alten Klosteranlage, war renoviert worden und das spätgotische Refektorium „glänzte“ durch die kurz zuvor freigelegten Fresken von ca. 1500. Daneben im frühbarocken Refektorium waren die Funde aus der Ur- und Frühgeschichte neu aufgestellt worden. Im Barockgebäude wurde im ersten Stock im ehemaligen Gästetrakt eine Ausstellung für die restaurierten Kunstschätze des Stiftes, insbesondere seine Sammlung mittelalterlicher Flügelaltäre, eingerichtet. Im Festsaal, in der Bibliothek, im Bildersaal und in elf weiteren Ausstellungsräumen erlebten und erleben Besucher das künstlerische Erbe des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1965 gab es eine einschneidende wirtschaftliche Umstellung: der Weinbau und die Landwirtschaft konnten in Eigenregie nicht mehr positiv geführt werden, deshalb wurden beide Wirtschaftszweige verpachtet. Der Forst als dritte Einnahmequelle wird bis heute noch selbst geführt, die Jagden sind verpachtet. Das Gebäude, in dem die ehemalige Stiftstaverne befand, wurde an die Stadtgemeinde Herzogenburg verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1977 erreichten die ökumenischen Gespräche und Gottesdienste, die vom späteren Propst [[Maximilian Fürnsinn] initiiert wurden, ihren Höhepunkt in der Ausstellung &amp;quot;Kunst der Ostkirche&amp;quot;. Zum ersten Mal feierten in diesem Zusammenhang die Vertreter aller elf östlichen und westlichen Kirchen in Österreich einen gemeinsamen Gottesdienst in der Herzogenburger Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Stadt Herzogenburg“ wurde die Nordeinfahrt des Stiftes restauriert und der Innenhof nach barockem Vorbild neu gestaltet. In diesem Jahr, 1977, wurde auch der Abschluss der Turmrenovierung gefeiert. Propst [[Clemens Moritz]] (1969–1979) wurde zum Ehrenbürger von Herzogenburg ernannt. Er war nicht ein Prälat im Sinne der prachtvollen Barockzeit – musste er doch einen personellen Tiefstand von nur 14 Mitgliedern erleben – wohl aber im Sinne des Ordensstifters Augustinus ein Seelsorger, besorgt um seine Gemeinde und seine Mitbrüder. Auch nach der Resignation blieb Altpropst Clemens bis zum Jahr 1996 der Pfarrer von Herzogenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit [[Maximilian II. Fürnsinn]] (1979–2019)) bekam das Stift nach 200 Jahren wieder einen gebürtigen Herzogenburger zum Propst. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war zunächst die Renovierung der Stifte und Pfarren. Allein mit einem Kostenaufwand von rund 50 Millionen Schilling wurde das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein in der Zeit von 1985 bis 1995 restauriert. Die zehnjährige Renovierung des Stiftes Herzogenburg wurde im Jahr 2012 abgeschlossen, sie umfasste neben der Fassadensanierung unter anderem die Instandsetzung der musealen Räumlichkeiten. Die neue Dauerausstellung konnte im Jahr 2012, als das Stift das Jubiläum seines 900jährigen Bestehens beging, eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den zentralen Anliegen von Propst Maximilian gehörte, dass das Stift – entsprechend der jahrhundertelangen Tradition – eine offene Begegnungsstätte ist. So gehen auf seine Initiative viele Tagungen, Bildungsveranstaltungen und Zusammenkünfte von verschiedenen Institutionen und Vereinigungen zurück. Neben den zuvor erwähnten ökumenischen Treffen haben etwa die Ritter vom Heiligen Grab in Jerusalem der Komturei St. Pölten hier regelmäßige Zusammenkünfte. Besonders erwähnenswert sind die in der Regierungszeit von Propst Maximilian abgehaltenen &amp;quot;Herzogenburger Gespräche&amp;quot;, anlässlich derer mehrmals im Jahr 60 bis 80 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kirche zentrale gesellschaftliche Fragen behandelten. Pastorales Wirken war dem vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägten Seelsorger Maximilian Fürnsinn ein besonderes Anliegen, vor allem die Lebendigkeit in der Pfarrseelsorge lag ihm am Herzen. In der Pfarre Herzogenburg entstand aus einem Kinderfest der Katholischen Jungschar der heute größte Kinderevent Niederösterreichs, die „Niederösterreichischen Kindersommerspiele“ (NÖKISS).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kirchliche Engagement von Propst Maximilian führte dazu, dass er 1982 zum ersten Mal zum Vorsitzenden der niederösterreichischen Äbtekonferenz gewählt wurde. Von 1989 bis 1994 war er Vizepräsident der ökumenischen Stiftung Pro Oriente. Von 1998 bis 2013 war Maximilian Fürnsinn Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2019 wurde [[Petrus Stockinger]] zum neuen Propst von Herzogenburg gewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Bischof Ulrich I. von Passau (1092–1121) konnte seiner Neugründung, dem Augustiner-Chorherrenstift St. Georgen, nur wenig schenken. In der Gründungsurkunde des Klosters bemühte er daher auch die Heilige Schrift und erwähnt das Opfer der armen Witwe, die nur zwei Kupfermünzen in den Opferkasten des Tempels warf, die aber von Jesus gelobt wurde, weil sie alles gab, was sie besaß. Der Bischof schenkte einiges von seinem persönlichen Besitz her, vielleicht sogar alles, was er in der damaligen Ostmark sein Eigentum nannte. Und das war für die junge Kommunität gerade genug zum Überleben. Katastrophen oder wirtschaftliche Schwierigkeiten durfte es keine geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bischof übergab der Klostergemeinschaft seine ererbte Eigenkirche St. Georgen an der Traisenmündung mit Fischwassern, Weingärten, Wiesen und Wäldern. Ebenso vermachte er aus seinem persönlichen Besitz ein Gut und eine Hube zu Sebarn, eine Hube zu Perschling, Engabrunn und Gumpolding, eine halbe Hube in Pötzleinsdorf (bei Wien) und eine zu Kamp, je einen Weingarten zu Kuffern und Egelsee und zwei Weingärten in Inzersdorf. Aus dem bischöflichen Gut schenkte er drei Weingärten in Hundsheim mit einem Lehen, je einen Weingarten in Stein, Weinzierl und Plechingen (zwischen Stein und Krems), den dritten Teil des Zehents von Teras und Merzleinswerd, die Hälfte des Zehents von den Pfarren Herzogenburg und Traisenburg sowie das ganze Dorf Streithofen (im Tullnerfeld). Einige Jahre später schenkte Bischof Ulrich zur Aufbesserung noch sechs Weingärten dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der wirtschaftlichen Not des jungen Stiftes versuchte nun 1160 Bischof Konrad von Passau (1148–1164) mit einer (gefälschten) Urkunde zu helfen, in der er das neuzugründende Stift St. Andrä mit St. Georgen vereinigte. Dieser Zusammenschluss scheiterte am Widerstand Ottos von Rechberg, der schließlich ein eigenständiges Kloster St. Andrä errichten konnte. Als Entschädigung übertrug Bischof Konrad dem Stift St. Georgen die Pfarre Marquardsufer und den Schweighof bei Zeiselmauer, um der &amp;quot;materiellen Not des Stiftes abzuhelfen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam konnte das Stift in den folgenden Jahrhunderten seinen Besitz durch Schenkungen vermehren, wobei das Waldviertel und das untere Traisental zu Schwerpunkten der Besitzungen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Urkunde von 1163 werden als Zeugen zuerst die Äbte von Göttweig und Zwettl, der Propst von St. Pölten und dann der Propst von St. Georgen, Albert, angeführt. 25 Jahre später kommt Propst Berthold von St. Georgen in der Zeugenfolge nach den Äbten von Göttweig, Melk und Altenburg, jedoch vor den Pröpsten von St. Nikolai und St. Andrä. Diesen Platz in der Reihenfolge der niederösterreichischen Stifte nimmt Herzogenburg bis über die Barockzeit ein. Nach den Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II. dürfte das Stift Herzogenburg besitzmäßig an die letzte Stelle gerückt sein. Doch noch einmal zurück ins Mittelalter. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im 12. Jahrhundert konnte das Stift seine Besitzungen durch Kauf, vor allem aber durch Schenkungen vermehren. Die Vielzahl der Schenkungen im Mittelalter sind meist auch ein Zeugnis von guter Spiritualität: einem glaubensstarken Kloster vertraut man eher seine Gebetsanliegen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste große Finanzaufwand war der zweite Neubau des Klosters in Herzogenburg um 1244. Das älteste Zehentverzeichnis, das in das Jahr 1299 zurückreicht, zeigt jedoch schon eine wirtschaftliche Stabilisierung auf. Das Stift besaß nun zehn &amp;quot;Ämter&amp;quot;, i. e. Zehenthöfe, die für die Einhebung der Zehente notwendig waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten waren Abgaben für die Kreuzzüge zu entrichten. Später kamen dann die Steuern für die Finanzierung der Türkenkriege. Verwüstungen durch Kriege, Naturkatastrophen (Heuschreckenplage und Dürre) und Pestepidemien brachten einen wirtschaftlichen Tiefstand für das Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zeichen für das wirtschaftliche Auf und Ab war 1417 der Kauf eines Hauses in Wien, Johannesgasse. 1541 musste es wieder verkauft werden. Bezeichnend für diese schwierige Zeit war auch der Personalstand: 1569 war nur mehr ein Konventuale im Stift. Als 1601 wieder ein Haus in Wien, diesmal in der Annagasse, gekauft wurde, war dies zugleich auch ein Zeichen des neuen Erstarkens: sowohl wirtschaftlich als auch personell. Das Stift wurde renoviert, die Kirche barockisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Abwehr der Türken 1683 konnte das Stift im wirtschaftlichen Aufwind weitere Akzente setzen: ein Gut in Primersdorf (Waldviertel) wurde gekauft und ein großer, neuer Schüttkasten errichtet. In Wielandsthal wurde der Keller und in Haitzendorf der Pfarrhof von Prandtauer errichtet. Im barocken Neubau des Stiftes (ebenfalls von Prandtauer) und der dazugehörigen Kirche kam die wirtschaftliche Kraft zum Ausdruck. Allerdings mussten dafür Weingärten in Mautern, Mauternbach und Sallapulka, eine Mühle von St. Georgen, Meierhöfe in Reith bei Primersdorf, Großhain, Schwarzenbach usw. für eine Gesamtsumme von 17.600 Gulden verkauft werden. Das war ungefähr ein Drittel des Prandtauischen Kostenvoranschlages für den Neubau des Stiftes (54.000 Gulden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wirtschaftliches Tief lösten die napoleonischen Kriege und die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aus: 1851 wurde das Gut Primersdorf im Waldviertel veräußert. Jahre vorher konnte das Stift nur durch einen großzügigen Schuldenerlass von Kaiser Franz I. vor einem finanziellen Ruin gerettet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Stift nur durch den Verkauf von Grundstücken und von vielen Kunstgegenständen entgegenwirken. Einige Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg kam es wieder zu Veräußerungen von Kunstgegenständen, Teilen von Sammlungen (Mineraliensammlung) und Teilen der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre unter Propst Maximilian waren von einer klugen Wirtschaftspolitik gekennzeichnet. Trotz der bescheidenen Besitzungen von 2.625 ha (2.200 ha Wald, 25 ha Weinbau, 400 ha landwirtschaftliche Nutzung) konnten viele Restaurierungen am Stift und an den Kirchen und Pfarrhöfen vorgenommen werden. Am 29. April 1996 wurde die Außenrenovierung des Stiftes Dürnstein mit einem Gesamtumfang von 50 Millionen Schilling abgeschlossen. Eine Aufgabe für dieses Haus, etwa als Seminar- oder Vortragszentrum, wird noch zu finden sein.&lt;br /&gt;
Wenn auch schon vieles vollbracht worden ist, so warten doch noch weitere Aufgaben für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Vogtei===&lt;br /&gt;
Der Besitz des Bistums Passau im Raum Donau–Traisen stand unter der Vogtei der Babenberger. Diese übten sie durch die Burggrafen von Lengbach (Neulengbach) aus. Urkundlich sind die Vögte des Stiftes Herzogenburg sehr selten belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Übertragung des Stiftes nach Herzogenburg änderte sich in der Vogteiverwaltung nichts. Nach dem Aussterben der Babenberger siegelte 1252 Konrad von Zagging als Vogt des Hauses. Er dürfte in Verbindung mit König Ottokar Przemysl, dem neuen Landesherren, gestanden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Habsburger die Herrschaft übernahmen, wurden die Burggrafen von Neulengbach die Vögte von Herzogenburg. Bestätigt wird diese Annahme durch die Erklärung der Herzöge Wilhelm und Albrecht IV. vom 20. März 1396, in der sie ihre Pflicht zu besonderem Schutz und Schirm des Klosters und seiner Güter bestätigten, da sie ja jährlich das Vogtgeld von 17 Pfund und 6 Schillingen Wiener Pfennig und 1 Muth Hafer vom Stift empfingen. Das Stift Herzogenburg zahlte diese Summe bis zum Jahr 1848 nach Neulengbach, als die Herrschaft längst schon in Privatbesitz übergegangen war und das Vogtgeld umgerechnet nun 17 Gulden und 45 Kreuzer betrug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jenseits der Donau dürften die Kuenringer auf Dürnstein die Vogtei über die Stiftsgüter ausgeübt haben. Nach ihrem Aussterben erging 1356 eine Weisung des Herzogs Albrecht II. an seinen Pfleger in Krems, das Stift Herzogenburg in seinen Rechten und Besitzungen zu schirmen. Im Jahr 1445 übernahmen die Brüder Ulrich, Oswald und Stephan Eytzinger auf Bitten des Propstes die Vogtei auf 15 Jahre gegen die jährliche Abgabe von 6 Muth Hafer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Stift Herzogenburg lag jahrhundertelang wirtschaftlich im Mittelfeld der niederösterreichischen Klöster. So war es auch mit der Zahl der Mitglieder. Die frühen mittelalterlichen Chorherrengründungen waren nicht für riesige Konvente gedacht, sondern die Zahl zwölf war, von Jesus mit seinen Jüngern herkommend, die goldene Zahl. Bei der Gründung von St. Georgen werden wahrscheinlich eine Handvoll Chorherren die Aufbauarbeit an diesem Donaustift begonnen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1200 gab es die erste urkundliche Aufzählung des Konventes: zwölf Priester, drei Konversen (''fratres conversi''), fünf Familiaren und vier Brüder. Einige Jahre nach der Übersiedlung des Konventes von St. Georgen nach Herzogenburg wurden neun Priester, zwei Diakone und vier Brüder (''fratres barbati'') als Zeugen genannt. Ein Stiftshistoriker zählte diese bärtigen Brüder dem adeligen Stand zu, da er sie als Mitglieder von Bauhütten interpretierte, die Baumeister und Städteplaner waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Namen und aus der Stellung in der Zeugenreihe lassen sich auf die Abstammung der Chorherren Schlüsse ziehen. Wir finden im Konvent einige Mitglieder des niederen Adels. Diese Tatsache erklärt einen Teil der reichen Schenkungen des Adels der Umgebung, der so zur Versorgung seiner Söhne beitrug. Ein Nobelstift war Herzogenburg aber nie. Die meisten Novizen kamen aus der Umgebung, vereinzelt aus Oberösterreich, der Steiermark, Kärnten und Salzburg. Die Zusammensetzung des Konvents blieb also durchaus im Rahmen des damals Üblichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert dürfte sich die Zahl der Konventualen zwischen 20 und 25 bewegt haben. Der erste große Verlust kam durch die Ermordung einiger Chorherren bei der Eroberung von Herzogenburg im Jahr 1463 und dann durch die Pest. Die Reformation trug das ihre dazu bei, sodass es beim Tod des Propstes Bartholomäus von Cataneis 1563 wahrscheinlich überhaupt kein Konventmitglied mehr gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann gab es nur ein, später zwei Mitglieder, und mit dem Erstarken der Gegenreformation kam wieder Leben in die Stiftsgemäuer: im 17. Jahrhundert betrug der Personalstand zwischen acht und zehn Mitglieder. In der Barockzeit erreichte er die Zahl 25. Um 1800 waren 27 Priester, ein Kleriker und drei Novizen dem Stift zugehörig. Im 19. Jahrhundert stammten 47 Priester aus Niederösterreich, 21 aus der Tschechoslowakei und acht aus Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Jänner 1900 hatte dann das Haus den Höchststand in seiner Geschichte: von den 40 Mitgliedern waren 35 Priester, vier Kleriker und ein Novize. Im 20. Jahrhundert nahm die Zahl stetig ab, und zur Zeit gehören 13 Priester und drei Kleriker zum Stift. Die Priester stammten im letzen, d. h. im 20. Jahrhundert, zu gleichen Teilen aus dem Arbeiter- und Angestelltenstand bzw. aus der Landwirtschaft und aus Familien selbständig Tätiger (die Väter waren Fleischhauer, Fabrikanten usw.). Der größte Anteil von ihnen waren Niederösterreicher (15), dann Wiener (neun), sechs Priester kamen aus dem heutigen Tschechien. Je zwei stammten bzw. stammen aus Tirol, Deutschland und den Niederlanden. Je ein Professe kommt aus dem Burgenland und aus Belgien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Vom Ursprungskloster in St. Georgen haben sich keine Reste erhalten. Die frühesten Ansichten von diesem Bau stammen aus der Barockzeit. Es ist deshalb schwer zu beweisen, wie weit sie der Wirklichkeit entsprechen. Auf diesen Bildern ist eine Kirche als zentraler Rundbau zu sehen, wie es manchmal in der Romanik üblich war, davor zwei niedrigere Rundtürme mit der Prälatur, links davon der Küchenturm, der einem Rauchabzug ähnlich ist. Rechts von der Kirche befindet sich ein Fluchtturm mit den Glocken. Anschließend sind die Klostergebäude für die Chorherren und Gäste dargestellt. Der Klosterbau ist mit einer Mauer umgeben. Das Ganze ist wahrscheinlich ein liebevoller Versuch, das Ursprungskloster darzustellen. Diese Ansicht entspricht aber keiner romanischen Klosteranlage der damaligen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster in Herzogenburg sind wir besser informiert. Wahrscheinlich wurde 1244 zuerst mit dem Bau eines Konventtraktes begonnen, da der bestehende Pfarrhof für den 15 Mann starken Konvent zu klein gewesen ist. Von dieser Anlage hat sich noch der Südtrakt mit einem Kreuzgangabschnitt erhalten. Bei Renovierungsarbeiten zu Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Sandsteinsäulen mit herzförmigen Kapitellschilden und einfachen Rundsockeln freigelegt, die in die Mitte des 13. Jahrhunderts einzureihen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ehemalige Refektorium wurde zum Teil schon 1894 entdeckt, doch konnten die Fresken erst 1963 vollständig freigelegt werden. Diese Räume waren Teil des Gerichtsgebäudes: Wärterwohnung und Gefängniszellen. An der Südseite des gotischen Saales befinden sich drei Spitzbogenfenster. Den sechsjochigen Raum tragen zwei Steinpfeiler als Mittelstützen. An einem ist die Jahreszahl 1564 zu erkennen, die vielleicht auf eine spätere Renovierung zurückgeht. Ab einer Höhe von 1,70 m befinden sich figurale Wandmalereien. Die einzelnen Darstellungen des Zyklus sind unterschiedlich gut erhalten, zum Teil ist nur noch die rote Vorzeichnung vorhanden. Neben christologischen Szenen sind eine Sterbeszene im Kloster (vielleicht der Tod des Ordensgründers Augustinus) und ein hl. Georg wiedergegeben. Vom zweiten Bild der Nordwand ist die Darstellung des Stifters dieser Bilder Propst Georg Eisner mit seinem Konvent erhalten. Da er ohne Mitra gezeigt wird, ist die Entstehungszeit dieser Fresken kurz vor 1498 anzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der östlich an das Refektorium anschließende frühbarocke Saal wird auf einem Plan mit &amp;quot;Capitl&amp;quot; bezeichnet. Die Jahreszahl 1628 am Ostfenster gibt vielleicht den Abschluss des Umbaus an. Heute wird dieser Saal für das Urgeschichtsmuseum des Stiftes verwendet. Wahrscheinlich besaß dieser Konventtrakt aufgrund der Größe der Stiftsgemeinschaft ursprünglich schon einen ersten Stock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei anderen Flügel des Konventbaues wurden wegen des Kirchen- bzw. Schulneubaus weggerissen. Über die Funktion der Räumlichkeiten sind wir zum Teil durch einen Plan von Johann Michael Hergöth unterrichtet, den er um 1700 gezeichnet hat: ebenerdig gab es drei Sakristeiräume, eine Schneiderei, den Mesnerkeller und das erwähnte Refektorium. Im ersten Stock waren die Zimmer der Chorherren, die Wohnung des Dechants und die Bibliothek untergebracht. Im Kreuzgangbereich lag noch die alte Totenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite des Konventbereiches steht auch heute noch der Kirchenbau. Von der mittelalterlichen Kirche ist nur das gotische Kirchenportal aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten. Aus den Umbauplänen können wir schließen, dass dieser Bau als Pfeilerbasilika auf kreuzförmigem Grundriss errichtet war, ähnlich der Michaelerkirche in Wien. Nördlich der Kirche waren die Kanzleiräume und die Prälatur. Entlang des Baches lagen die Wirtschaftsräume mit einem weithin sichtbaren Fluchtturm (Kuchlturm). Von diesen Gebäuden steht nur noch die Mühle, die heute als Elektrizitätswerk die Wasserkraft nutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm von Schmerling (1709–1721) entschloss sich für den Neubau des Stiftes. Am 25. Mai 1714 wurde dazu der Grundstein gelegt und Jakob Prandtauer wurde mit der Planung und Ausführung betraut. Propst Hieronymus Übelbacher von Dürnstein bezeichnet Prandtauer als &amp;quot;fürnehmen baumeister zu St. Pölten und vielleicht fürnehmsten in ganz Österreich&amp;quot;. Prandtauer begann mit dem Bau des Südtraktes. Der Osttrakt mit dem großen Festsaal wurde nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet. 1720 wurde die Einfahrtshalle aufgeführt. Auch hier dürften Vorschläge von Fischer mitverarbeitet worden sein. Im Quertrakt, zwischen den beiden Höfen, wurden im Erdgeschoß die beiden Sakristeien eingerichtet: Herren- und Prälatensakristei. Die qualitätvollen Stukkaturen gehen auf Michael Bolla, 1717, zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1721 starb Propst Wilhelm Schmerling. Sein Nachfolger Leopold von Planta (1721–1740) ließ weiterbauen, und zur Zeit des Todes von Jakob Prandtauer war das Stiftsgebäude zu einem provisorischen Abschluss gekommen, der aber zum dauernden wurde, denn der Westtrakt des &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; blieb unausgeführt. Propst Leopold ließ vom Nachfolger Prandtauers, dem Stiftsbaumeister Joseph Munggenast, den Meierhof aufführen und in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts den Stiftsbau durch die Errichtung des nördlichen Vorbaues und des Georgitores äußerlich abschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Westtrakt aus Sparmaßnahmen nicht ausgeführt wurde, errichtete der Propst die dort geplante Bibliothek im Mitteltrakt, und die in diesem Teil schon begonnene Prälatur wurde in den Nordostteil des Gebäudes verlegt. Die Gärten ließ er in barocker Manier anlegen und die Brücke über den Mühlbach sowie den &amp;quot;Springbrunn unter dem Großen Saal&amp;quot; mit einigen &amp;quot;Kindln&amp;quot; (Sandsteinfiguren) versehen. Diese Gartenplastiken und auch die Zwergenfiguren aus dem Zwerglgarten sind heute verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leopold kaufte auch vom Wiener Goldschmied Johann Kaspar Holbein einige Brustkreuze, Kelche und vor allem eine wertvolle Monstranz, deren Entwurf auf Matthias Steinl zurückgehen könnte und die im Raritätenkabinett erhalten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung der fertiggestellten Stiftsgebäude erlebte Propst Leopold nicht mehr. Ein Jahr nach seinem Tod wurde die Weihe am Georgstag, den 24. April 1741, von seinem Nachfolger Frigdian Knecht (1740–1775) vorgenommen, der dann auch die &amp;quot;Kapitularen in die neue, freundliche Klausur&amp;quot; führen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich Propst Frigdian zum Neubau der Kirche. Am 26. Juni wurde unter Beisein des Malers Daniel Gran der Grundstein an der Epistelseite der Apsis (rechte Seite der Kirche) gelegt. Die Inschriftplatte aus vergoldetem Kupfer führt Franz Munggenast als Baumeister an. Im selben Jahr, in dem der Rohbau fertig wurde, 1748, starb der junge Baumeister mit 24 Jahren. Seine Genialität wird an dieser Kirche, die zu den großen Leistungen des österreichischen Barock gezählt werden darf, sichtbar. Sein Bruder Matthias folgte als Stiftsbaumeister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kircheninneren malte Daniel Gran 1746 das Hochaltarbild und im Presbyterium die beiden Fresken. Wegen finanzieller Unstimmigkeiten und anderer Meinungsverschiedenheiten kam es zum Bruch mit dem Künstler. Der Propst vergab daher die weiteren Arbeiten in der Kirche, die Freskenmalerei und sämtliche Altarbilder mit den Ovalbildern, an Bartolomeo Altomonte, der sie von 1753 bis 1771 ausführte. Die dekorative Malerei in den Kirchenkuppeln (oberhalb des Hauptgesimses) stammt von Domenico Francia aus Bologna. Die Aufbauten für den Hochaltar (1770) und die Seitenaltäre, die Ballustraden (Kommuniongitter) und die Kanzel (1773) der Kirche stammen von Jakob Mösl, die Altarplastiken von Johann Josef Rößler, das Chorgestühl (1772) und die Volksstühle (1775) vom Klostertischler Lorenz Horeß.&lt;br /&gt;
Die herrliche Ampel wurde 1770 von Johann Christoph Beuermann aus Wien geliefert. Das Glanzstück der Kirche ist die 1752 fertiggestellte Orgel von Johann Henke, dem bedeutendsten Wiener Orgelbauer dieser Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1680 befand sich in der alten Kirche ein aus Ungarn stammendes Marienbild, das &amp;quot;orientalische Frauenbild&amp;quot;, zu dem viele Wallfahrer kamen. Nach der Fertigstellung des barocken Seitenaltares im Neubau der Kirche wurde es 1771 von Propst Frigdian Knecht eigenhändig in einer Prozession, die ihn durch beide Märkte führte, auf den heutigen Platz übertragen. Gegenüber dem Marienaltar liegen in einem Schrein die Gebeine des hl. Urban. Sie stammen aus den Kalixtuskatakomben in Rom und wurden 1740 dem Stiftsdechant Michael Koch geschenkt.&lt;br /&gt;
Als 1771 der barocke Augustinusaltar fertiggestellt war, fand dort der urchristliche Märtyrer seine endgültige Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das jüngste Kunstwerk der Kirche ist der Volksaltar, der 1994 vom Wiener Künstler Wander Bertoni angefertigt wurde und die Schöpfung zum Thema hat. Die Krönung der Bautätigkeit des Propstes Frigdian Knecht war die Neugestaltung des Kirchturmes nach einem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach, unter Mithilfe des Baumeisters Matthias Munggenast. Mit Recht sieht der Stiftschronist Frigdian Mies im Turm den ins Große strebenden Geist des Propstes. Die originelle Turmspitze mit Herzogshut und Stiftskreuz wurde am 6. Juli 1767 &amp;quot;um die Mittagszeit unter Pauken- und Trompetenschall aufgesetzt&amp;quot;. 1756 hatte der Propst die Chorkapelle mit Fresken von Martin Johann Schmidt (&amp;quot;Kremser Schmidt&amp;quot;) und einem Verkündigungsbild von Martin Altomonte ausschmücken lassen. Im Festsaal malte Bartolomeo Altomonte 1772 das Fresko &amp;quot;Das seelsorgliche Wirken der Augustiner-Chorherren im Bistum Passau&amp;quot;. Das Fresko an der Decke der Prälatenstiege &amp;quot;Die Übertragung der Kanonie von St. Georgen nach Herzogenburg&amp;quot; ist signiert mit &amp;quot;Barto Altomonte fec. 1779 aetatis suae 79&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Augustin Beyer (1779–1780) wurde auch die Bildergalerie fertiggestellt. Die Gemälde sind nach einem dekorativen Schema angeordnet: ein zentrales Mittelstück, von kleineren Gemälden umrahmt. Die Bilder wurden zu diesem Zweck auch vergrößert, verkleinert oder sogar geteilt, um der Symmetrie zu entsprechen. Dieser &amp;quot;geistlichen Galerie&amp;quot; kommt nicht nur wegen ihres kulturgeschichtlichen Wertes große Bedeutung zu, es befinden sich unter den 144 Bildern auch hervorragende Kunstwerke, u. a. eine Vincenzo di Biagio Catena zugeschriebene &amp;quot;Heilige Familie&amp;quot; oder ein auf Holz gemaltes deutsches Männerporträt mit der Signatur &amp;quot;H. H. 1521&amp;quot;, das als Werk Holbein d. J. bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man in Österreich die Kunstschätze vergangener Jahrhunderte noch als entbehrlichen &amp;quot;Raritätenkram&amp;quot; verstand, förderte Propst Aguilin Leuthner (1811–1832) die seltsame Sammelleidenschaft seines Mitbruders Ludwig Mangold. Nach dem Vorbild der alten &amp;quot;Kunst- und Wunderkammern&amp;quot; aus der Renaissancezeit hatte der junge Ungar im Stift ein &amp;quot;Antiken- und Raritätenkabinett&amp;quot; im zweiten Stock über der Prälatur angelegt, das zum Grundstein der heutigen Stiftssammlung wurde. Ein Verzeichnis dieser Raritäten wurde im Juni 1815 von ihm angefangen und hat folgende Hauptabteilungen: &amp;quot;A Mahlerey und Mosaique, B Bildhauerey, Schnitz- und Gußwerk, C Kupferstiche und Handzeichnungen, D Glasarbeiten, E Uhren, F Becher und andere Gefaße, G Kleidungsstücke, H Musicalische Instrumente, I Waffen, K Römische Alterthümer, L Verschiedene Seltenheiten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die meisten der hier verzeichneten Gegenstände sind noch im Besitz des Stiftes und waren im Rahmen der Ausstellung &amp;quot;Kunstschätze im Stift Herzogenburg&amp;quot; zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunstwerke wurden 1964 in den ehemaligen Gästezimmern topographisch aufgestellt, d. h. nach Möglichkeit nach ihrem Herkunftsort gruppiert. Das Hauptstück der Sammlung ist der &amp;quot;Jüngere Aggsbacher Hochaltar&amp;quot;, ein 1501 in Krems gemaltes Werk von Jörg Breu von Augsburg. Eine vorzügliche Schnitzarbeit ist die realistisch gehaltene Skulpturengruppe des &amp;quot;Marientodes&amp;quot; um 1500, möglicherweise der Mittelteil der Predella des Jörg-Breu-Altares. Weiters soll hier die „Stiftertafel&amp;quot; aus der Zeit um 1500 erwähnt werden, eine Votivtafel mit dem Bildnis des Bischofs Ulrich I. von Passau und der &amp;quot;porträthaften&amp;quot; Darstellung des mittelalterlichen Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Höhepunkt der spätbarocken Abteilung bilden Werke von Daniel Gran, vor allem das vergoldete Modell für den Hochaltar um 1746 mit dem unmittelbaren Entwurf für das Hochaltarbild und ein äußerst lebendiges Selbstporträt. Einen besonderen Schatz stellt der Bestand von zehn Ölskizzen und Bildern von Bartolomeo Altomonte dar, darunter Entwürfe für die Fresken in der Stiftskirche und ein höchst interessantes Selbstporträt aus dem Jahr 1774. In der Prälatur haben sich auch einige erwähnenswerte Kunstgegenstände erhalten, z. B. ein seltener Venezianer Spiegel vom Beginn des 18. Jahrhunderts, der neben reichem Ornament und alter Verglasung gravierte bérainsche Ornamentik in dem Rahmenspiegelchen trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Refektorium wurde bis in die sechziger Jahre als Speisesaal der Chorherren benützt. 1975 wurde es renoviert und als &amp;quot;Augustinussaal&amp;quot; ein Veranstaltungszentrum für Stift und Pfarre. Im Südosten des Stiftes befindet sich im zweiten Stock das &amp;quot;Mexikanische Zimmer&amp;quot;. In diesem Raum war die von Propst Norbert Zach (1857–1887) erworbene Sammlung von Geräten, Waffen und Schmuckgegenständen der Ottawa-Indianer aufgestellt. Sie musste in den zwanziger Jahren veräußert werden.&lt;br /&gt;
Interessant ist das Zimmer heute wegen der zwölf Wandgemälde, die in der romantischen Gesinnung des späten 19. Jahrhunderts Motive aus Österreich darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Exponate der urgeschichtlichen Sammlung des Stiftes Herzogenburg kamen aus der Ausgrabung eines eisenzeitlichen Friedhofes von Statzendorf. Der Göttweiger Abt Adalbert Dungl war maßgeblich daran beteiligt. Die Pröpste Georg III. Baumgartner (1913–1927) und Georg IV. Hahnl (1946–1963) haben durch eigene Grabungen wesentlich zur Vervollständigung dieser Sammlung beigetragen. Zusammen mit Dungl waren sie die Pioniere der prähistorischen Archäologie im unteren Traisental.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Heute enthält die urgeschichtliche Sammlung eine Reihe von Steingeräten aus der Altsteinzeit, eine große Zahl von Fundstücken der Jungsteinzeit und Keramiken aus der frühen Bronzezeit, wie etwa den Fund von 17 Töpfen aus St. Andrä an der Traisen, Objekte der Hügelgräber und Urnenfelderkultur und weitere bedeutende Funde aus der Eisenzeit, wie Beigaben der Hallstadtkulturen aus den Gräberfeldern von St. Andrä und Statzendorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Römische Funde waren bis auf einige Münzen im Raum von Herzogenburg eher spärlich, bis 1972 aus der Zeit der römischen Kaiser ein Zeremonienhelm mit Gesichtsmaske unweit des Stiftes gefunden wurde, der zu den bedeutendsten Denkmälern römischer Kunst auf österreichischem Boden gerechnet werden muss. Mit seinen &amp;quot;Alexanderlocken&amp;quot; gehört er zum orientalischen Typus. Damit ist er ein Beispiel dafür, wie weit vorderorientalische Mysterienkulte im 2. und 3. Jahrhundert verbreitet waren. Dieses Unikat ist im Raritätenkabinett im ersten Stock ausgestellt, während alle anderen Funde im frühbarocken Refektorium im Altstift zu sehen sind. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Eine fachkundige Neuaufstellung wird derzeit von Univ.-Doz. Dr. Johannes-Wolfgang Neugebauer vorgenommen.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Als 1512 in Herzogenburg ein Großbrand wütete, wurden einige Trakte des Stiftes in Schutt und Asche gelegt. Die Bibliothek wurde dabei auch ein Raub der Flammen. Wahrscheinlich besaß damals das Stift über 100 handgeschriebene Bücher und vielleicht ebensoviele Inkunabeln. Wieviele Bücher gerettet werden konnten ist leider nicht überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten großen Förderer der mittelalterlichen Bibliothek waren die beiden Pröpste Johannes III. von Parsenbrunn (1401–1433) und Johannes IV. von Linz (1433–1457). Aus der Zeit vor dem Brand haben sich einige Buchfragmente erhalten. Fragment 42 aus dem 9. Jahrhundert ist das älteste Stück der Bibliothek.&lt;br /&gt;
Von der Wende des 12. zum 13. Jahrhundert stammt das Fragment 32 mit Teilen eines Legendars. Das Fragment 43 ist Teil eines Nekrologiums vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Es ist ein sicheres Zeugnis für die Schreibkultur des Stiftes in St. Georgen. Ob das Stift dann in Herzogenburg eine eigene Schreibschule besessen hat, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Auf jeden Fall sind keine Handschriften auf Pergament mit wertvollen Initialen auf uns gekommen, sondern nur anspruchslose, auf Papier geschriebene Bücher. Sie haben alle einen praktisch-theologischen Inhalt und stehen im Zusammenhang mit den Seelsorgeaufgaben des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Schreiber waren mit Sicherheit Klosterangehörige, von weiteren sieben ist es unsicher. Die kunsthistorisch kostbarsten Handschriften wurden erst in späteren Jahrhunderten angekauft. Den ersten größeren Zuwachs nach dem Brand erfuhr die Bibliothek durch Propst Philipp von Maugis (1541–1550), der vor allem humanistische Werke bzw. lateinische und griechische Klassikerausgaben erwarb und die von seinem Bruder ererbte Bibliothek der Stiftsbibliothek einverleibte.&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Herb (1687–1709) erbte ebenfalls von seinem Bruder 173 Bücher meist theologischen Inhalts, die in zwei Fässern und einer großen Truhe verpackt auf der Donau von Deutschland nach Krems transportiert und von dort ins Stift gebracht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge des barocken Stiftsneubaus wurde die Bibliothek von 1751 bis 1754 von Propst Frigdian Knecht (1740–1775) erbaut. Die Ornamentmalerei fertigte Domenico Francia an, die figuralen Grisaillen wurden von Bartolomeo Altomonte gemalt. Die einfachen, doppelteiligen Bücherschränke wurden vom Orgelbauer Johann Henke entworfen. Propst Frigdian sammelte die Bücher &amp;quot;mit einem unersättlichen Hunger&amp;quot;, wie er selber scherzend zu sagen pflegte. Er erwarb u. a. die Bibel von 1205 (HS 100) und die kostbare Handschrift &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; (HS 95) aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Stephan Peschka (1775–1779) und Michael Teufel (1781–1809) erwarben durch den Exjesuiten Abbé Johann Christoph Regelsberger viele Bände bei Bücherauktionen aus den Beständen aufgehobener Klöster. Mit der Übernahme der aufgehobenen Stifte St. Andrä an der Traisen 1783 und Dürnstein 1788 kamen nur wenige Bücher, nachweislich nur einige Handschriften und Inkunabeln, nach Herzogenburg. Der Großteil des Bücherschatzes kam in die Wiener Hofbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Petrus Schreiber]], von 1781 bis 1788 auch Stiftsdechant, war mit Unterbrechung fast 25 Jahre Bibliothekar. Eine große Anzahl von Büchern mit einheitlichen barocken Einbänden kam durch ihn in die Bibliothek. Sie tragen auf dem Einbanddeckel die goldenen Buchstaben &amp;quot;P. S.&amp;quot;. Ebenso vermachte er dem Stift 15 Inkunabeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Inventar von 1832 beziffert den Buchbestand summarisch mit etwa 10.000 Bänden. 1887 war der Besitz bereits auf 50.000 Bände, 253 Inkunabeln und 223 Handschriften angewachsen. Dieser Zuwachs dürfte auch die Erweiterung der Bibliotheksräumlichkeiten veranlasst haben. Unter Propst Norbert Zach (1857–1887) wurden 1870 die Gänge im zweiten Stock des Stiftes mit Bibliothekskästen ausgestattet. Unter ihm waren als Bibliothekare die bedeutenden Stiftshistoriker [[Wilhelm Bielsky]], [[Michael Faigl]] und Frigdian Schmolk tätig. Sie veröffentlichten viele Beiträge zur Stiftsgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine großzügige Erweiterung erfuhr die Stiftsbibliothek zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gräfin Maria Falkenhayn übergab 1905 dem Stift die 30.000 Bände ihrer Schlossbibliothek in Walpersdorf. Neben diesen gräflichen Exlibris finden sich in der Sammlung auch Werke mit den Besitzvermerken der Jörger, Colloredos und der Herrschaften Droß und Ottenschlag.&lt;br /&gt;
Während der Weltwirtschaftskrise kam es 1927 zur Veräußerung von Inkunabeln, die vergleichsweise die Höhe des Schätzwertes der ehemaligen Stiftstaverne ausmachten. Ebenso wurde in den sechziger Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eine große Anzahl von Büchern veräußert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anläßlich der Ausstellung im Jahr 1964 &amp;quot;Das Stift und seine Kunstschätze&amp;quot; wurde eine Neuaufstellung der Bücherbestände begonnen, die aber &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bis heute nicht fertiggestellt werden konnte&amp;lt;/span&amp;gt;. Derzeit ist die Bibliothek auf mehrere Standorte verteilt und lediglich die Handschriften, die Inkunabeln und die Druckwerke bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden nach dem Erscheinungsdatum geordnet. Der Rest ist weitgehend unbearbeitet. Der Gesamtbestand wird auf 80.000 Bände geschätzt. Dazu kommen noch 150 Inkunabeln und 150 mittelalterliche Handschriften. Die älteste Handschrift ist ein österreichisches Psalterium des 12. Jahrhunderts (HS 106). Die gut geschriebene Handschrift enthält eine Reihe von großartigen Initialen. Die bedeutendste Handschrift der Bibliothek ist Cod. 95 &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; von Gregor d. Gr. Sie wurde um 1260 in Mainz oder Regensburg geschrieben und enthält 36 ausgezeichnete Initialminiaturen im Stil der deutschen Malerei der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Cod. 223 ist eine oberitalienische Bibel der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit großen figurierten Initialen; fast alle Spalten tragen Federranken. Am Beginn der Genesis findet sich eine Gegenüberstellung der sieben Schöpfungstage mit christologischen Szenen. Ein österreichisches Graduale (HS 97) vom Beginn des 14. Jahrhunderts trägt auf jeder Seite Notenzeilen und stammt aus einem Zisterzienserkloster. Sehr schön ist eine französische Bibel mit Miniaturinitialen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (HS 99).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Ausgabe von Gregors &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; ist der zweibändige Cod. 94 aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts mit 18 figurierten Initialen, die von fünf Meistern stammen, die den Wenzelsbibelmeistern nahestehen. Die Handschrift wurde laut Eintragung in der Kartause Mauerbach geschrieben und war 1397 im Besitz der Kartause Olmütz. Wann und wie sie nach Herzogenburg kam, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der bedeutenden Sammlung von Wiegendrucken seien folgende hervorgehoben: ein sehr schöner Venezianer Druck von 1478, Lactantius Firmianus &amp;quot;Gegen die Haiden&amp;quot;; drei ausgezeichnete Kobergerdrucke aus Nürnberg, 1481; die Briefe des Ennea Sylvius Piccolomini (Papst Pius II.); ebenso von 1481 ein Kommentar zum Neuen Testament von Nicolaus de Lyra mit gezeichneten Initialen; und von 1483 ein Fastenbuch von Johannes Guitsch, gedruckt im Charakter der spätgotischen Handschriften. Ein Zisterzienser-Missale aus Paris um 1487 ist mit kleinen kolorierten Holzschnitten illustriert. Zwei sehr gute Ausgaben der interessanten Weltgeschichte von Rolewinck seien noch angeführt. Die eine Wiener Ausgabe von 1490 ist reich mit Holzschnitten illustriert, die zweite aus Köln mit vielen Holzschnitten in der Art der &amp;quot;Schedelschen Weltchronik&amp;quot; aus dem Ende des 15. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abschluss ist noch eine Postilla von Cuilcrinus, Augsburg 1495, die ebenfalls mit Holzschnitten illustriert ist, zu erwähnen. Die oben beschriebenen Handschriften und Frühdrucke sind im Hauptraum der Bibliothek in Vitrinen ausgestellt und bei jeder Führung durch das Stift zu besichtigen. In diesem Bibliothekssaal befinden sich in den Bücherschränken nur Bücher aus dem 18. Jahrhundert, um den Eindruck einer barocken Schaubibliothek zu vermitteln.&lt;br /&gt;
Durch die bescheidene Einrichtung wirkt die Bibliothek wie eine heimelige Studierstube. Die letzte Handschrift wurde 1990 erworben. Sie ist ein türkisches Gebetbuch aus dem 19. Jahrhundert in arabischer Zierschrift. In der Mitte des Buches finden sich zwei romantisch gemalte Ansichten der Moscheen in Mekka und Medina.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Das Herzogenburger Stiftsarchiv besteht aus vier Abteilungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) dem Archiv des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen/Herzogenburg mit 1.745 registrierten Urkunden (1112–1852) und zahlreichen nicht bearbeiteten Urkunden (ab 1852), 264 Büchern und 647 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit 327 registrierten Urkunden (998–1776), sechs Büchern und 225 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein mit 718 registrierten Urkunden (1306–1768), 36 Büchern und 90 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) dem Archiv des aufgehobenen Clarissenklosters Dürnstein mit 357 registrierten Urkunden (1289–1658) und ca. 20 Büchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Dokument im Stift Herzogenburg ist die Gründungsurkunde (1112) von Bischof Ulrich von Passau (Sta. Hn. 1a). Sie ist eine der formvollendetsten Urkunden aus der Schreibstube des Bistums Passau. Äußerst interessant ist die Traditionsnotiz (Sta. Hn. 1b), die ein Konzept zur Gründungsurkunde darstellt und sechs weitere protokollarische Notizen enthält, die an verschiedenen Orten abgefasst wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historisch bedeutsam für das Stift ist auch die Übertragungsurkunde von 1244 (Sta. Hn. 38). Die schweren Zeiten des 15. Jahrhunderts sowie der Brand des Klosters im Jahr 1512 dürften dem Archiv nicht allzusehr zugesetzt haben. Alle wichtigen Urkunden sind im Original vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes VII. Glaz (1569–1572) veranlasste eine Aufzeichnung und Registrierung der &amp;quot;Pergament-Brieff&amp;quot;. In dem 1570 angelegten Verzeichnis wird das Archiv als „Registratur&amp;quot; bezeichnet. Entsprechend dem damaligen Kanzleigebrauch, dessen Vorbild die Kanzlei des Regiments der niederösterreichischen Lande war, wurden auch in Herzogenburg die Urkunden, damals insgesamt 46 Stück, in einem mit Laden versehenen Kasten und die weniger wichtigen Akten in einem Sack aufbewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1683 wurden das Archiv und die Schatzkammer vor den heranrückenden Türken in das Chorherrenstift Dürnstein verlagert und 1684 wieder zurückgebracht. Die zeitlich nächstfolgende Bestandsaufnahme des Stiftsarchivs erfolgte zwischen 1730 und 1740. &amp;quot;Ain großer mit Eyßen schön beschlagener Casten, hat 36 unterschidliche litterirte gemahlene Laden&amp;quot;. Er diente als Aufbewahrungsort für das als &amp;quot;gehaimbtes Gwölb&amp;quot; bezeichnete Hauptarchiv. Diesem wurden 1745 Schriften und Akten des Hofrichters und des Stiftskämmerers einverleibt. Genaue, nach Grundherrschaften bzw. Sachgebieten angelegte und geordnete Inventarien zeugen von der Sorgfalt, mit der das Stiftsarchiv unter Propst Frigdian I. Knecht (1740–1775) betreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte im Streben nach dem Wissen über die eigene Vergangenheit die ersten wissenschaftlichen Bearbeitungen des Urkundenbestandes durch die Herzogenburger Chorherren [[Wilhelm Bielsky]] (Die ältesten Urkunden des Kanonikatsstiftes St. Georgen in Unterösterreich von 1112–1244, Wien 1852) und [[Michael Faigl]] (Die Urkunden des regulierten Chorherrenstiftes Herzogenburg vom Jahre seiner Übertragung von St. Georgen 1244–1450, Wien 1886).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich wurde in den Jahren 1930 bis 1935 der unübersehbare Bestand an Akten und Büchern durch Dr. Göhler geordnet und durch eine Zettelkartei der Forschung zugänglich gemacht. In der insgesamt 1.745 Urkunden umfassenden Urkundenreihe vom Stiftsarchiv Herzogenburg gibt es neben einer Vielzahl von Stiftungs- und Schenkungsurkunden auch Urkunden von Päpsten und Landesfürsten. Die älteste Papsturkunde wurde 1177 von Papst Alexander III. ausgestellt, die erste in deutscher Sprache abgefasste Urkunde stammt aus dem Jahr 1292.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als einzigartiges Dokument soll eine Urkunde Erwähnung finden, die von Mönchen des Katharinenklosters am Sinai und Chorherren des Stiftes Herzogenburg im Jahr 1491 gezeichnet wurde. Damals haben zwei griechische Sinaimönche Herzogenburg besucht und mit den hiesigen Chorherren eine Gebetsverbrüderung geschlossen und besiegelt – ein merkwürdiges und einmaliges Zeugnis für die Verbindung der Ost- und Westkirche im ausgehenden Mittelalter nach dem Fall von Konstantinopel (Sta. Hn. 538).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Grundbücher, wertvolle Unterlagen zur Erforschung der Besitz- und Bevölkerungsgeschichte im Raum Herzogenburg, wurden im 12. Jahrhundert angelegt. Hinzu tritt jene Masse des Archivmaterials, die als Akten des adeligen Richteramtes über die Untertanen aus der Amtstätigkeit des Stiftes erwachsen sind: Grundbuchsakten ab 1340, Testamente ab 1500, Verwaltungsakten über den Oberen Markt Herzogenburg, Korrespondenzen mit den umliegenden Grundherrschaften. Diese Schriftstücke zeigen den Kampf des Stiftes um seine Rechte und Besitzungen, unter welchen besonders Fischerei- und Wasserrechte auf der Traisen und Jagdrechte in den Auen im Vordergrund stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Rechnungsbüchern und Rechnungsakten finden sich genauere Aufzeichnungen über den Bau der barocken Stiftsgebäude und der inkorporierten Pfarrkirchen mit ihren Pfarrgebäuden. Eigenhändige Unterschriften auf den Quittungen sind zu finden von Jakob Prandtauer, der Familie Munggenast, Bartolomeo Altomonte, Daniel Gran, vom Salzburger Steinmetzmeister Jakob Mösl, vom Wiener Goldschmied Johann Caspar Holbein und vielen anderen. Bei der Durchsicht von unbearbeiteten Archivmaterialien konnte ein eigenhändig geschriebener Brief von Martin Luther von 1541 aufgefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Auflösung der Chorherrenstifte St. Andrä und Dürnstein kamen deren Archive nach Herzogenburg. Propst Michael Teufel (1781–1809) hat sich sehr um ihre Erhaltung und sichere Aufbewahrung bemüht. Die älteste Urkunde von St. Andrä ist eine Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. aus dem Jahr 998 (Sta. An. 1). Die Stiftungsurkunde von St. Andrä stammt aus dem Jahr 1160 und ist mit 44 Zeugen belegt (Sta. An. 4). Zu erwähnen ist noch eine prunkvolle Ernennungsurkunde des Chorherren Johannes Zwickl zum Kommissär für den Türkenablass des Papstes Innozenz VIII. von 1490 in teilvergoldeter Schrift mit reichen Initialen (Sta. An. 208). Alle drei Dokumente zählen zu den Zimelien dieser Urkundenreihe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Archiv der Chorherren von Dürnstein ist der Stiftungsbrief vom 18. Februar 1410 (Sta. CDn 147) der absolute Höhepunkt. Der linke Rand dieser Urkunde ist mit einer Reihe von höchst bedeutenden Miniaturen versehen, die sowohl der böhmischen wie der Wiener Buchmalerei des frühen 15. Jahrhunderts nahestehen. Die angehängten sechs Siegel sind noch vorhanden. Zwei im selben Jahr ausgestellte Urkunden tragen schöne Initialmalereien (Sta. CDn 149 und 150).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Im Gegensatz zum &amp;quot;Archiv Herzogenburg&amp;quot; sind die Urkunden, Bücher und Akten der drei anderen Archive noch nicht publiziert und daher wissenschaftlich noch wenig ausgewertet. &lt;br /&gt;
Derzeit (1995) wird die Einrichtung des Archives erneuert und auf den letzten technischen Stand gebracht. Damit ist auch der Wunsch verbunden, dass die letzten 150 Jahre archivmäßig aufgearbeitet werden.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Historische Namensformen===&lt;br /&gt;
* WEIGL, Heinrich, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, 8 Bde., Wien 1964–1981.&lt;br /&gt;
* SCHUSTER, Elisabeth, Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, 1. Teil (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B), Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
* HAUSNER, Isolde / SCHUSTER, Elisabeth, Altdeutsches Namenbuch, Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politische und kirchliche Topographie===&lt;br /&gt;
* WOLF, Hans, Niederösterreich (Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 6. Teil), Wien 1955.&lt;br /&gt;
* RUPP / SCHMIDTBAUER, Herzogenburg, 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Franz Reininger: Die Wiegendrucke der Stiftsbibliothek Herzogenburg. In: Mitteilungen des Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 12 (1908), S. 109–127.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Katalog der Handschriften der Stiftsbibliothek Herzogenburg. St. Pölten 1978. [https://manuscripta.at/diglit/winner_1978_1/0001 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Mayo Hope: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed for the Hill Monastic Manuscript Library, Austrian Libraries. Volume III: Herzogenburg. Collegeville, Minnesota, 1985. [https://archive.org/details/HMMLAustriaInventory3 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Franz Lackner: Datierte Handschriften in niederösterreichischen Archiven und Bibliotheken bis zum Jahre 1600. Wien 1988 (Katalog der datierten Schriften in lateinischer Sprache in Österreich, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kunst- und Baugeschichte===&lt;br /&gt;
* HEIDER, Gerhard / HÄUFLER, J. V., Archäologische Notizen (Archiv für österreichische Geschichte II/1), Wien 1850, 139–178.&lt;br /&gt;
* RIESENHUBER, Martin, Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Bistums St. Pölten, St. Pölten 1923.&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer. Der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* PETERMAIR, Hans, Die bauliche Anlage der Stifte in Altenburg, Herzogenburg und Seitenstetten und ihre baukünstlerischen Beziehungen im Mittelalter und in der Barocke, masch.geschr. techn. Diss., Wien 1934.&lt;br /&gt;
* STEINER, Ubald, Die Stiftskirche zu Herzogenburg. Beiträge zur Baugeschichte nach Aufzeichnungen des Propstes Georg Baumgartner, in: Pfarramtliche Nachrichten für den Kirchensprengel Herzogenburg 21 (1935), Nr. II/12.&lt;br /&gt;
* MUNGENAST, Emmerich, Joseph Munggenast. Der Stiftsbaumeister 1680–1741, Wien 1963.&lt;br /&gt;
* FEUCHTMÜLLER / WEBER, Stift und Kunstschätze, 1964.&lt;br /&gt;
* HEINZL, Brigitte, Bartolomeo Altomonte, Wien/München 1964.&lt;br /&gt;
* BIBA, Otto, Die Orgelakten des Stiftes Herzogenburg, in: Unsere Heimat, Zeitschrift des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 41 (1970), Heft 1, 9–24.&lt;br /&gt;
* GÜTHLEIN, Klaus, Der österreichische Barockbaumeister Franz Munggenast, phil. Diss., Heidelberg 1973.&lt;br /&gt;
* KNAB, Eckhart, Daniel Gran, Wien/München 1977.&lt;br /&gt;
* CÄSAR, Menz, Das Frühwerk Jörg Breus des Älteren, Augsburg 1982.&lt;br /&gt;
* EGGER / HESSLER / PAYRICH / PÜHRINGER / FASCHING, Stift Herzogenburg, 1982.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Hermann-Fichtenau: Der Bildersaal im Stift Herzogenburg, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 38 (1984).&lt;br /&gt;
* SERVUS, Die Entstehung der barocken Klosteranlage, 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Moseneder: Passau im Gedächtnis Herzogenburgs. Zur Ikonologie des Augustiner-Chorherrenstift. In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch 31 (1989), S. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;##&amp;lt;/span&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* Karl Thomas (Bearb.): Die Baumeisterfamilie Munggenast. Sonderausstellung des Stadtmuseums St. Pölten anläßlich des 250. Todestages von Joseph Munggenast. St. Pölten 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Oskar Freiherr von Mitis: Studien zum älteren österreichischen Urkundenwesen. 5 Bände. Wien 1906–1912.&lt;br /&gt;
* Franz Stundner: Das Archiv des Stiftes. In: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Hg. von Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber. Herzogenburg 1964, S. 83–86.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sonstige Literatur===&lt;br /&gt;
* Georg Baumgartner: Herzogenburg. In: Topographie von Niederösterreich. Band IV. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Wien 1896, S. 209–238.&lt;br /&gt;
* Gerhart Egger / Walter Hessler / Wolfgang Payrich / Leonore Pühringer / Herbert Fasching: Stift Herzogenburg und seine Kunstschätze. St. Pölten 1982.&lt;br /&gt;
* Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Herzogenburg 1964.&lt;br /&gt;
* Maximilian Fürnsinn: Stift Herzogenburg 1938–1945. In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 22/4 (1975), S. 132–140.&lt;br /&gt;
* Maria Hasitscha-Köck: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg während der Zeit des Propstes Michael Teufel von 1781 bis 1809. Diss. Univ. Wien. Wien 1973.&lt;br /&gt;
* Andreas Karl Kaiser: 975 Jahre Pfarre Herzogenburg (1014–1989). Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1989.&lt;br /&gt;
* Gerhard Nikodim: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg von 1513 bis 1602. Diss. Univ. Wien. Wien 1968.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich: Das Stift Herzogenburg. Die 875-jährige Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen-Herzogenburg von 1112–1987. Dipl.-Arb. Univ. Linz. Linz 1987.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich / Hans Peter Schmidtbauer: Unsere Kirche lebt. 200 Jahre Stiftskirche Herzogenburg. St. Pölten 1985.&lt;br /&gt;
* Anton Rupp / Hans Peter Schmidtbauer: Herzogenburg. St. Pölten / Wien 1991.&lt;br /&gt;
* Werner Sandner: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg von 1244 bis 1513. Diss. Univ. Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Frigdian Schmolk: Stift der regulirten lateranensischen Chorherren zu Herzogenburg in Nieder-Oesterreich. In: Ein Chorherrenbuch. Geschichte und Beschreibung der Bestehenden und Anführung der aufgehobenen Chorherrenstifte. Augustiner und Prämonstratenser in Österreich-Ungarn, Deutschland und der Schweiz. Hg. von Sebastian Brunner. Würzburg 1883, S. 200–263. [https://books.google.at/books?id=GoJJAAAAIAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA199-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Harald Servus: Die Entstehung der barocken Klosteranlage in Herzogenburg und ihre geschichtlichen Voraussetzungen. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1987.&lt;br /&gt;
* Egon Wahl: Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit besonderer Berücksichtigung der rechtlichen, besitz- und personalgeschichtlichen Verhältnisse. Diss. Univ. Wien. Wien 1945.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10742</id>
		<title>Stift Herzogenburg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10742"/>
		<updated>2023-06-25T11:15:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1112&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (seit 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Stift St. Georgen&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}, Niederösterreich&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.28677, 15.69721&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Georg&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Herzogenburg gehört zum Bezirk St. Pölten.&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift_Herzogenburg.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Herzogenburg, kolorierte Radierung von Lorenz Janesch (um 1810), Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), Kartensammlung, Fideikommissbibliothek-Vues, Österreich-Ungarn, Niederösterreich H-La, Herzogenburg KAR MAG, online unter: http://data.onb.ac.at/rec/baa12918499&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Bischof [[Ulrich I. von Passau]] (1092–1121) stiftete mit der Gründungsurkunde vom 18. August 1112 ein Eigenkloster für Augustiner-Chorherren, auf einem Grundstück an der Mündung der Traisen in die Donau gelegen, das er geerbt hatte und worauf sich bereits eine Georgskirche befand. Wahrscheinlich sandte er aus dem reformierten [[Stift St. Nikola]] bei Passau Chorherren nach St. Georgen an der Traisen. Als seelsorgliches Aufgabengebiet und als Existenzgrundlage übergab der Bischof seinem Kloster St. Georgen die beiden Pfarren Traisenburg (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Stollhofen|Stollhofen]]) und [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Herzogenburg|Herzogenburg]]. Außerdem erhielt das Stift die bischöflichen Zehentrechte im oberen Waldviertel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten war die Existenz des Klosters einerseits von den Hochwassern der Donau und andererseits von der wirtschaftlichen Schwäche infolge zu geringer Dotierung bedroht. Eine Gelegenheit zur Besserung der Lage des Klosters ergab sich dreißig Jahre nach der Gründung, als ein lokaler Adeliger namens Walter von Traisen testamentarisch die Gründung eines Chorherrenklosters verfügte. Der Passauer Bischof [[Konrad]] (1148/49–1164), ein Sohn des hl. Leopold, wollte das Kloster St. Georgen mit dieser Stiftung in St. Andrä an der Traisen vereinigen und den Konvent dorthin verlegen. Nach dem Widerstand des Testamentvollstreckers Otto III. von Rehberg erfolgte jedoch noch im 12. Jahrhundert eine eigenständige Gründung des [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stiftes St. Andrä an der Traisen]]. Bischof Konrad verbesserte in den Jahren 1158 und 1160 die Situation des Stiftes St. Georgen, indem er dem Kloster, das in den sumpfigen Donauauen lag, eine Frischwasserzuleitung ermöglichte und außerdem den Chorherren die Pfarre Marquardsurvar (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Haitzendorf|Haitzendorf]]) und den Schwaighof bei Zeiselmauer schenkte. Unter den späteren Schenkungen an das Kloster während der Regierungszeit von Propst [[Wisinto II.|Wisintos II.]] (1191–1204) ist ein Stiftungsbrief von 1201 bemerkenswert, der ein Nonnenkloster in St. Georgen voraussetzt. In einer Urkunde aus der Zeit um 1230 werden die Schwestern Kunigunde und Ehrentraud von Zebing als Kanonissen von St. Georgen genannt. Dieser Frauenkonvent ist anlässlich der Übersiedlung des Männerklosters nach Herzogenburg auch mitverlegt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Engelschalk]] (1242–1267), dem zwölften Propst des Stiftes St. Georgen, erfolgte schließlich die Verlegung des Klosters, der Konvent übersiedelte im Jahr 1244 an seinen Pfarrort Herzogenburg. In der Übertragungsurkunde vom 19. März 1244 übereignete Bischof [[Rudiger]] von Passau dem Konvent die Passauer Pfarre Herzogenburg mit allen Rechten. Das Stift memoriert den Bischof als seinen „zweiten Gründer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spätmittelalter=== &lt;br /&gt;
Nach der Übersiedlung des Konvents nach Herzogenburg erfolgte der Bau einer Klosteranlage sowohl für den Männer- wie für den Frauenkonvent. Im Pfarrbezirk „auf der Widem“ entstand ein eigener Gerichtsbezirk des Stiftes, der sogenannte „Obere Markt Herzogenburg“. Der „Untere Markt Herzogenburg“ unterstand dem bayerischen Stift Formbach am Inn.&lt;br /&gt;
Im 14. Jahrhundert war die wirtschaftliche Lage des Klosters zunächst stabil, Propst [[Siegfried]] erwarb ein Haus in Wien in der Singerstraße. Der folgende Propst [[Nikolaus I. Payger von Würmla]] (1361–1374) klagte in seinen Aufzeichnungen über Missernten, Kriegssteuern an Herzog Rudolf IV. und Verschuldung seines Klosters. Die Herzöge Albrecht III. und Leopold III. gewährten dem Stift Privilegien, weil „der probst und das gotzhaus ze Herzogenburg in grozzer geltschulde und kumber sind“. Propst [[Johannes III.]] (1401–1433) einer der längstregierenden Pröpste, erreichte von den Herzögen Wilhelm und Albrecht IV. die Begünstigung, im Schankhaus des Stiftes, dem &amp;quot;Mühlhofkeller&amp;quot;, zwölf Fass Wein ohne Ungeld (Steuer) ausschenken zu dürfen. Unter Propst Johannes III. fand eine Stiftsreform nach den Bestimmungen des Konstanzer Konzils statt. Bei der Visitation im Stift Herzogenburg 1418 war nachweislich auch der erste Propst des [[Stift Dürnstein|Chorherrenstiftes Dürnstein]], das 1410 im Geist der Raudnitzer Reform gegründet worden war, anwesend. Und so wurden die Raudnitzer Statuten auch in Herzogenburg Grundlage einer Erneuerung. Propst Johannes war auch ein Förderer der Lateinschule des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert waren Markt und Stift Herzogenburg wiederholt von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. In den Hussiteneinfällen verloren etliche Bürger und Chorherren ihr Leben. Die Regierungszeit des Propstes [[Ludwig Gössel]] (1457–1465) fiel in die Zeit der Nachfolgekämpfe unter Kaiser Friedrich III., in der böhmische, mährische, ungarische und auch einheimische Söldnerverbänden in Niederösterreich plünderten. Im Jahr 1463, am dritten Tag nach dem Osterfest, wurde Herzogenburg von böhmischen Söldnerscharen unter ihrem Anführer Georg von Vetau eingenommen und verwüstet. Wahrscheinlich erlosch damals auch der Konvent der Kanonissen, oder er fand durch Mangel an Klostereintritten schon früher ein Ende. Im Lauf des Jahres 1465 begannen die Chorherren mit dem Wiederaufbau des Stiftes. Dieser zweiten gotischen Bauphase des Stiftes sollte aber kein langer Bestand gegönnt sein, denn schon 1477 belagerten und eroberten die Soldaten des ungarischen Königs Matthias Corvinus nach ihrem Sieg über Kaiser Friedrich III. Herzogenburg. Wieder brannte das Kloster nieder. Der nach St. Pölten geflohene Propst konnte seine in Rudolfsberg bei Wagram gefangengehaltenen Mitbrüder erst nach Bezahlung eines hohen Lösegelds in die Ruinen seines Klosters zurückführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Georg I. Eisner]] (1484–1513) wurde mit dem Wiederaufbau des Klosters begonnen. Dieser Propst konnte durch sorgfältige Verwaltung und durch Schenkungen des Matthias Corvinus, der die Verwüstungen seiner Söldner wieder gutzumachen versuchte, die wirtschaftlichen Verhältnisse seines Hauses sanieren und das Stiftsgebäude repräsentativ auszustatten. 1498 gewährte Papst Alexander VI. ihm und allen seinen Nachfolgern den Gebrauch der Mitra, des Stabes und Ringes und der anderen Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7. Mai 1512 brach in einem Haus auf dem Unteren Marktplatz ein Brand aus, der auch auf die Widem übergriff. Das Feuer griff auch auf das Kloster über, alle Zellen der Brüder und das Winterrefektorium brannten aus. Außerdem wurden das Infirmarium, die Dechantei, die Bibliothek und die Sakristei zerstört. Das Feuer sprang auch auf das Mariensacellum über und vernichtete dort die Orgel. Ebenso brannte die Schule nieder. Die Kirchenausstattung – die Tafelbilder und die Altäre – wurde verschont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation bis Barock=== &lt;br /&gt;
Im Jahr der Wahl des hochgelehrten Propstes  [[Johannes V. Bernhard von Nußdorf]] (1517–1533) veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen und löste eine Reformationsbewegung aus, in der Klosterleben zunehmend kritisch beurteilt wurde. Unter Propst [[Bernhard I. Schönberger]] (1533–1541) legte der Chorherr Johann Peurl die priesterliche Kleidung ab und verließ seinen Orden, Neueintritte blieben zunehmend aus. In wirtschaftlicher Hinsicht hatte Propst Bernhard mit den Belastungen der den Klöstern vorgeschriebenen Abgaben zur Finanzierung der Kriege gegen die Osmanen zu kämpfen und konnte die Steuerleistungen nur durch den Verkauf des Stiftshauses in Wien erbringen. Für viele Jahre war Bernhard der letzte frei gewählte Propst von Herzogenburg. Die nun folgenden Pröpste waren Weltpriester oder stammten aus anderen Ordenshäusern, wurden postuliert oder vom Kaiser ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Wunsch Kaiser Ferdinands I. wurde [[Philipp von Maugis]] (1541–1550) zum Propst bestimmt. Philipp entstammte einer adeligen belgischen Familie, war ab 1545 Regent der niederösterreichischen Landesregierung und Erzieher der Söhne Ferdinands I. Noch im Jahr seines Amtsantrittes trat in Herzogenburg, wie in vielen Orten Österreichs, die Pest auf, an der täglich bis zu 30 Personen starben. Alle Chorherren im Stift mit Ausnahme des Propstes und eines Konventualen fielen der Seuche zum Opfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philipps Nachfolger war [[Bartholomäus von Cataneis]] (1550–1563). Er entstammte einer vornehmen italienischen Familie aus Bergamo, war palatinischer Graf, apostolischer Protonotar und oberster Hofkaplan. Durch sein Administrationstalent gelang es ihm, das Stift über die finanziellen Hürden zu bringen. Wegen seiner Tüchtigkeit wurde er zum Administrator von Göttweig bestellt (1556–1563). Der Klosterrat bemängelte bei seiner Visitation allerdings die Konkubinate der Stiftsherren und deren protestantische Gesinnung. Die Kommissäre erteilten dem Propst einen strengen Verweis und befahlen ihm, den Dechant abzusetzen und einzusperren. Nach dem Visitationsbericht vom Jahr 1561 befanden sich im Stift Herzogenburg nur mehr vier Konventualen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krisenzeit des Stiftes wurde der Prälat von St. Andrä [[Johannes VI. Pülzer]] (1563–1569) zum Propst bestimmt. In seinem Wahlinstrument hieß es, er sollte baldmöglichst die Zahl der Chorherren ergänzen, da sich dieselben fast alle &amp;quot;verloffen&amp;quot; hätten. Wirtschaftskrisen, Hungersnot, Erhöhung der Steuern und die Tatsache, dass viele seiner Mitbrüder lutherisch wurden, trieben Propst [[Johannes VII. Glaz]] (1569–1572) zu einem Verzweiflungsakt: in der Nacht des 14. September 1572 floh er in Begleitung eines Dieners aus dem Stift.&lt;br /&gt;
Nun folgte ein Mann aus dem eigenen Haus, [[Jakob Reisser]] (1573–1577). Durch seine Sparsamkeit und energische Haltung ging es sowohl finanziell als auch disziplinär im Stift aufwärts. Im Visitationsbericht wurde vermerkt, dass er keine goldene Kette und auch keine kostbaren Kleider trug, keine Spiele gestattete und die Musik bei Tisch abgeschafft habe. Außerdem hätten Propst und Konventualen keine Konkubinen. Er bemühte sich, Mitarbeiter aus dem Ausland zu bekommen, um die Ausbreitung der lutherischen Lehre zu stoppen. Denn die Gemeinde Herzogenburg war zum Großteil schon protestantisch und die Pfarrkinder gingen bereits in die umliegenden Ortschaften, um bei den &amp;quot;sektischen Predigern&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod postulierte der Klosterrat den Propst des [[Stift St. Dorothea|Chorherrenstiftes St. Dorothea]] in Wien, [[Georg II. Brenner]] (1578–1590). Georg war Hofkaplan bei Kaiser Maximilian II. gewesen und der Klosterrat schlug ihn 1588 als Bischof von Wiener Neustadt vor. Er strebte den Erwerb des Unteren Formbacher Marktes Herzogenburg, der noch immer großteils protestantisch war, an, scheiterte jedoch. Die Trennung beider Märkte Herzogenburg blieb bis 1806 bestehen. Propst Georg Brenner setzte aber Maßnahmen gegen das Luthertum durch, Herzogenburger Bürger, die zu den „Predikanten ausliefen“, wurden mit schweren Strafen bedroht. Ebenso mussten die Herzogenburger ihre Kinder in die katholische Schule schicken und dem Gesinde wurde verboten, sich während des sonntäglichen Gottesdienstes in Wirtshäusern oder auf Spielplätzen aufzuhalten. Kirche, Kloster- und Wirtschaftsgebäude wurden unter Propst Georg Brenner renoviert und ausgebaut, Messgeräte, Bücher und Musikinstrumente angekauft. Der Lesehof in Königstetten wurde renoviert und der Hof von Klosterneuburg fast zur Gänze neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Krankheit stand dem Propst in den letzten Jahren [[Paul Zynkh]] als Koadjutor zur Seite. Da es nach dem Tod des Propstes bei der Neubesetzung zwischen Klosterrat und dem Passauer Bischof zu Unstimmigkeiten gekommen war, verwaltete Paul Zynkh über ein Jahr als Administrator das Stift, bis er zum Propst gewählt wurde (1591–1602).Er setzte die gegen den Protestantismus gerichteten Maßnahmen seines Vorgängers fort und bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg, dessen Predigttätigkeit zu einer Rekatholisierung führte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der ständigen Gefahr von osmanischen Einfällen wurden die Verteidigungsanlagen des Klosters gemäß dem kaiserlichen Mandat ausgebaut und die Rüstkammer des Stiftes mit modernen Waffen versehen. Während eines halbjährigen Kuraufenthaltes des Propstes in St. Pölten entbrannte eine heftige Auseinandersetzung zwischen dem Stiftsdechant und dem Konvent. Der kranke Propst kehrte zurück und hielt ein Kapitel. Der Dechant wurde abgesetzt und im Lauf von drei Wochen bei Wasser und Brot „dasig“ gemacht. Die letzten drei Jahre seines Lebens war Propst Paul Zynkh Deputierter der niederösterreichischen Stände und hielt sich oft in Wien auf. Aus diesem Grund kaufte er dort 1601 ein Wohnhaus, den „Heidelberger Hof“ in der Annagasse. Das Gebäude ist heute noch im Besitz des Stiftes und trägt den Namen Herzogenburgerhof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Landesebene konnte der Protestantismus Schritt für Schritt zurückgedrängt werden. Propst Paul bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg. Dieser konnte durch seine eindrucksvollen Predigten viele Protestanten des Marktes zum katholischen Glauben zurückführen. Um die Jahrhundertwende war Herzogenburg wieder eine vorwiegend katholische Gemeinde. In den Dörfern ging die religiöse Erneuerung langsamer vor sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als [[Melchior Kniepichler]], ehemaliger Propst des Stiftes Dürnstein, von König Matthias als Propst postuliert wurde (1609–1615), protestierte der Herzogenburger Konventuale [[Johannes Held]] in einem Schreiben an den Passauer Offizial, weil Propst Melchior in St. Andrä (1592–1599) &amp;quot;Schulden gehäuft und von dann gezogen sei&amp;quot;, er habe dann &amp;quot;Tirnstain ohne Schulden angetreten und gehe nun mit Schulden weg&amp;quot; (1599–1609); beide Male in Folge seiner verschwenderischen Freigiebigkeit gegen Verwandte und Freunde. Weiters klagt er, dass Melchior dem Trunke ergeben und &amp;quot;in diesem Zustand unausstehlich streitsüchtig sei.&amp;quot; Schließlich, dass Melchior das weibliche Geschlecht liebe und gerne Tanzunterhaltungen besuche. In den Klosterratsakten hieß es, &amp;quot;dieser Mann war mehr Schelm als Mönch&amp;quot;. Am 26. Juli 1615 kam eine Untersuchungs- und Strafkommission nach Herzogenburg. Aufgrund der strengen Linie von Bischof Melchior Klesl wurde der Propst gefangen nach Wien geführt, verhört und einige Monate eingesperrt. Erst nach drei Jahren wurde Melchior rehabilitiert und zum zweiten Mal zum Propst von Dürnstein bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Wahlturbulenzen in den folgenden Jahren bestimmte Kaiser Ferdinand II. den Dechant des Kathedralstiftes Seckau [[Martin III. Müller]] zum Vorsteher in Herzogenburg (1621–1640). Er war ein eifriger Förderer der Gegenreformation, reformierte das klösterliche Leben und führte neue Statuten ein. Er erreichte auch, dass ihm die [[Pfarre Hain]] wieder zurückgegeben wurde, wo bisher nur protestantische Prediger angestellt waren. Den Konflikt mit der dort tonangebenden protestantischen Familie der Jörger konnte erst sein Nachfolger [[Johannes Bauer]] (1640–1653) beilegen. Propst [[Joseph Kupferschein]] (1653–1669) versuchte ebenfalls auf friedliche Weise die Protestanten zum katholischen Glauben zurückzugewinnen. Er war sowohl ein gelehrter Mann (1641 war er Rektor der Universität in Wien) als auch ein tüchtiger Wirtschafter. Propst [[Anton Sardena]] (1669–1687) begann mit viel Schwung die weiteren Restaurierungsarbeiten bzw. die Barockisierung des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679/80 wütete die Pest in Herzogenburg und kostete viele Menschen das Leben. In der Stiftsgeschichte von Dechant Beyer wird auch das Erscheinen eines Kometen vermerkt, der im Jahr 1680 am Fest des hl. Stephan zum ersten Mal erschien und als Vorbote der Osmaneneinfälle interpretiert wurde. Am 14. Juli 1683 erschien eine osmanische Streifschar vor Herzogenburg. Sie ließ den gut befestigten Ort zunächst ungeschoren. Als die Gefahr immer größer wurde, flüchtete der Prälat auf Bitten seiner Geistlichen mit dem Archiv und der Schatzkammer nach Dürnstein. Unter den im Kloster verbliebenen Chorherren befand sich [[Gregor Nast]], der später einen ausführlichen Bericht über die Osmaneneinfälle verfasste. Eine größere Truppe versuchte die Erstürmung des Marktes und schichtete Stroh vor die Markttore, um sie durch Feuer zu zerstören. Die Bürger leisteten mit ihren Schusswaffen allerdings tatkräftigen Widerstand. Zahlreiche Bauernhöfe von Herzogenburger Grundholden wurden jedoch geplündert und niedergebrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zeit erholten sich das Land und die Klöster von den Nachwirkungen der Türkenkriege und mit der Wiederkehr von geordneten Zuständen verbesserte sich auch die wirtschaftliche und religiöse Situation. Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) war lange Jahre ein eifriger Seelsorger und stand als Dechant und späterer Prälat seinen Mitbrüdern auf den Pfarren beim Wiederaufbau bei. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) betrieb die wirtschaftliche Konsolidierung seines Hauses nach dem Krieg und den Wiederaufbau bei Pfarren und Wirtschaftshöfen. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prandtauer wurde 1714 von Propst [[Wilhelm von Schmerling]] (1709–1721) mit einem barocken Neubau des Stiftsgebäudes beauftragt. Nach Schleifung des alten Klosters – nur ein Teil des mittelalterlichen Kreuzgangs blieb erhalten – wurde eine zweihöfige neue Stiftsanlage errichtet, der zweite Hof jedoch baulich nie fertiggestellt. Die von Prandtauer gebauten Trakte sind vornehm und voll künstlerischen Lebens. Einzig an der Ostseite sprengt der Saalbau nach Plänen von Fischer von Erlach die Prandtauersche Fassade: er tritt um eine Achse hervor und überragt sie mit den Oberfenstern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Herzogenburg geborene Propst [[Leopold von Planta]] (1721–1740) schloss die Bauarbeiten ab und besorgte die wirtschaftliche Stabilisierung des Hauses. In seiner Regierungszeit wurde am 18. September 1724 das Stift in die [[Lateranensische Choherrenkongregation]] aufgenommen. Die Pröpste führen seitdem den Titel eines Lateranensischen Abtes. Propst Leopold führte nach dem Beispiel von Klosterneuburg den schwarzen Talar anstelle der weißen Kleidung für seine Mitbrüder ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Frigdian Knecht]] (1740–1775) wurde im Österreichischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen gefangengenommen, um eine Kriegssteuer in der Höhe von 14.000 Gulden zu erpressen. Er wurde nach den Worten des Stiftsdechanten „hin und hergeführt zu Schand und Spott“. Erst nach sechstägiger Gefangenschaft und Zahlung des hohen Lösegeldes konnte der Prälat wieder ins Stift zurückkehren. 1743 entschloss er sich, die Kirche durch den jungen Baumeister Franz Munggenast neu errichten zu lassen. Der Turm wurde 1767 nach Entwürfen von Johann Bernhard Fischer von Erlach durch Matthias Munggenast ausgeführt. Die Architektur dieser Kirche und die Ausstattung durch Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte können zu den großen Leistungen des österreichischen Barocks gezählt werden. In den Pfarren [[Stollhofen]], [[Hain]], [[Rottersdorf]] und [[Brunn]] ermöglichte Propst Frigdian ebenfalls die Barockisierung der Kirchen. Durch die Stiftung von 7.000 Gulden des Wiener Stadtrates Jakob Bodenreiter konnte in Theiß der Pfarrhof neu errichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seines wissenschaftlichen Interesses kaufte der Propst Jahr für Jahr viele wertvolle Bücher, ordnete das Archiv und unterstützte den Aufbau eines eigenen Münzkabinetts. Auf musikalischem Gebiet war sein Mitbruder [[Georg Johann Donberger|Georg Donberger]] tätig. Als Regens chori komponierte dieser unermüdlich und seine Werke sind in den Musikarchiven vieler österreichischer Stifte zu finden. Als Propst Frigdian Knecht nach 35-jähriger Amtszeit im Jahr 1775 starb, hinterließ er ein geordnetes Haus, das spirituell, künstlerisch und wirtschaftlich einen guten Ruf hatte. Er wird auch der dritte Gründer genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Josephinismus bis Gegenwart===&lt;br /&gt;
Propst [[Michael Teufel]] (1782–1809) war Parteigänger von Kaiser Joseph II. und administrierte für ihn die Aufhebungen der Chorherrenstifte St. Andrä an der Traisen und Dürnstein. Das Patent des Kaisers über die Klosteraufhebungen wurde für das Stift St. Andrä an der Traisen wirksam, das nach dem Tod des letzten Propstes [[Gregor Grindler]] 1783 dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde. Das Chorherrenstift Dürnstein wurde 1788 mit dem Stift Herzogenburg vereinigt. Gegen diesen Bescheid erhob zwar der Bischof von St. Pölten Einspruch, doch wurde mit Hofdekret vom 7. Juni 1788 die endgültige Aufhebung Dürnsteins angeordnet. Als durch die Aufhebung der Benediktinerabtei Formbach am Inn der Untere Markt Herzogenburg Staatseigentum wurde, konnte ihn Propst Michael durch geschickte Verhandlungstaktik 1806 kaufen und mit dem Oberen Markt vereinigen. Ein Höhepunkt in der Regierungszeit des Propstes Michael Teufel war die Weihe der neuen Herzogenburger Stiftskirche am 2. Oktober 1785, sie erfolgte durch [[Heinrich Johannes von Kerens]] dem ersten Bischof, der in St. Pölten residierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Koalitionskriegen war Stift Herzogenburg nach der Schlacht im nahegelegenen Dürnstein-Loiben im November 1805 direkt betroffen. Französische Truppen fielen in die Stadt ein, brachen Keller auf und plünderten. Hohe Geldforderungen der französischen Offiziere und Einquartierungen von Soldaten belasteten das Stift schwer. Propst Michael floh während des Krieges mit der Münzsammlung und anderen Kostbarkeiten nach Ungarn in die Abtei Zirc. Kämmerer [[Josef Leuthner]] brachte sich mit den anderen Wertgegenständen auf das Gut Primmersdorf (Waldviertel) in Sicherheit. Im Rahmen des Österreichisch-Französischen Krieges im Jahr 1809 und der zweiten Eroberung Wiens durch Napoleon hatte Herzogenburg wieder unter französischen Truppen, ganz besonders unter den württembergischen Hilfstruppen zu leiden. Bei dieser zweiten Franzoseninvasion kam der Propst allerdings nicht mehr unbehelligt davon. Noch kurz vor seinem Tod wurde er in seinem Zimmer von einem französischen Husaren misshandelt und seines Kreuzes und Ringes beraubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Michael Teufel hat um das Stift beinahe so große Verdienste wie sein Gründer – der Volksmund unterstrich das Weiterbestehen des Stiftes mit dem Bonmot: „Der Teufel hat das Stift gerettet.“ Im Geist der neuen josephinischen Begräbnisordnung wurde er als erster Stiftsvorsteher außerhalb des Ortes auf dem allgemeinen Friedhof in einem bescheidenen Mausoleum bestattet. 1977 wurden die sterblichen Überreste des Propstes exhumiert und neben seinem Grabdenkmal in der Stiftskirche beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Amortisationsgesetze und Religionsfondsabgaben der spätjosephinischen Ära belasteten die Stiftswirtschaft und führten zu erheblicher Verschuldung. Der ehemalige Stiftsdechant Propst [[Aquilin Leuthner]] (1811–1832) konnte das Haus nur insofern aus der finanziellen Not retten, als er von Kaiser Franz I. einen Nachlass der Schulden erreichte. Dem josephinischen Nützlichkeitsgedanken entsprach das Kloster durch Errichtung eines Schulgebäudes auf dem Stiftsgelände im Jahr 1829, dem der Westtrakt des mittelalterlichen Kreuzwegs weichen musste. Die Visitationen des St. Pöltner Bischofs Jakob Frint führten in Herzogenburg zur allmählichen Umsetzung der Klosterreformen der Restaurationszeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Bernhard II. Kluwick]] (1832–1843) erreichte die aus Osteuropa kommende Choleraepidemie auch Niederösterreich. Die Angst vor dieser Seuche veranlasste die Stiftsherren, zur Versorgung der Kranken an den Gangenden sogenannte Choleraöfen zu errichten: „... also die Küche zu weit entfernt ist, um schnell den notwendigen Tee und warmes Wasser herbeizuschaffen.“ Das Lebenswerk von Propst Bernhard war die Erbauung der Pfarrkirche in [[Theiß]].&lt;br /&gt;
Propst [[Karl Stix]] (1843–1847) konnte einen weiteren bedeutenden Schuldenerlass bei Kaiser Franz I. erreichen. Aus Dankbarkeit feierte das Stift jahrzehntelang den Todestag des Monarchen mit dem „Kaiserrequiem“. 1844 konnte er die Jubiläumsfeier der Übertragung des Stiftes von St. Georgen nach Herzogenburg (1244) festlich begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Revolutionsjahr hob am 7. September 1848 hob der Reichstag die bäuerliche Untertänigkeit auf und das Feudalrecht mit Robot und Zehent wurde abgeschafft. Propst [[Josef II. Neugebauer]] (1847–1856) verkaufte in der Folge 1851 das Gut Primmersdorf 1851, das bis dahin der Einbringung der klösterlichen Zehentrechte im nördlichen Waldviertel gedient hatte. Am 8. Oktober 1848 – auf der Flucht von Wien in die Festung Olmütz – kam Kaiser Ferdinand I. mit seinem Gefolge nach Herzogenburg und wurde als Gast im Stift beherbergt. Am selben Abend unterzeichnete der Kaiser ein Manifest „An die Völker meiner deutsch-erbländischen Provinzen“. Am nächsten Morgen zog der Kaiser mit seinem Gefolge weiter. Der Name „Kaisergasse“ in Herzogenburg erinnert noch heute an diese Begebenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1853 gab es eine kanonische Visitation durch den St. Pöltener Bischof Feigerle, und zwei Jahre darauf visitierte auch der Linzer Bischof Rudiger in Vertretung des Kardinals Fürst Schwarzenberg das Stift Herzogenburg. Auch er war sehr zufrieden mit dem Stand des Hauses und „schied mit wahrer Herzensfreude vom Stift“. Auch unter dem nächsten Vorsteher des Stiftes Propst [[Norbert Zach]] (1857–1887) herrschte ein gutes Klima im Haus. Von den 34 Mitgliedern des Stiftes waren 25 Priester in der Seelsorge tätig, vier hatten häusliche Offizien, zwei Kleriker studierten an der theologischen Hauslehranstalt im [[Chorherrenstift Klosterneuburg]], zwei Novizen wurden im Haus in die Lebensordnung der Chorherren eingeführt.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1862 gründete der Stiftskurat und spätere Dechant [[Ferdinand Mann]] den katholischen Gesellenverein, der sich um die seelsorglichen und menschlichen Anliegen der arbeitenden Bevölkerung kümmerte. Die Stadt Herzogenburg begann den Schritt ins Industriezeitalter, als 1874 die Firma Vollrath (Nägel, Schrauben) von Wien nach Herzogenburg/Oberndorf übersiedelte. 1875 folgte ihm Carl Grundmann, ein pensionierter Danziger Lokomotivführer, der sich auf die Erzeugung von Türschlössern spezialisiert hatte. In diese Zeit fällt auch die Planung und der Bau der Eisenbahnlinien im Raum Herzogenburg: Am 3. August 1885 wurde die Strecke Tulln – St. Pölten, am 16. Juli 1889 die Strecke Herzogenburg – Krems eröffnet. Seit dieser Zeit „ist der Markt mit zwei Hauptverkehrsadern der Monarchie“, mit der West- und der Franz-Joseph-Bahn, verbunden. Um der rasch anwachsenden Bevölkerung eine bessere Ausbildung und damit größere Berufschancen geben zu können, wurde die Stiftsschule schon 1867 zu einer Pfarr-Hauptschule erweitert. Heute wird das neben der Stiftskirche gelegene Schulgebäude von der Herzogenburger Sonderschule und der Musikschule benützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das äußere Bild des Ortes änderte sich Mitte des 19. Jahrhunderts. Drei Tore der alten Marktbefestigung wurden abgetragen; ebenso Teile der Ringmauer. Ein Stückchen dieses mittelalterlichen Ensembles ist heute noch im nördlichen Stiftsbereich zu sehen, wo Mauer, Graben, Verteidigungsturm und das einzige noch bestehende Stadttor, das „Au-Tor“, auch „Nordtor“ genannt, erhalten blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Schlacht bei Königgrätz Mitte Juli 1866 drangen die preußischen Truppen bis ins Waldviertel vor und das österreichische Militär zog sich – größtenteils kampflos – auf das südliche Donauufer zurück. Das Stift richtete im Auftrag der k. k. Statthalterei ein Spital für die Soldaten ein. Für seine Verdienste wurde der Propst im Jahr 1879 vom Kaiser mit dem Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet. Während seiner zehnmonatigen Funktion als Administrator des Stiftes veranlasste Dechant Emmerich Wallner die Gestaltung des nach ihm benannten „Emmerichhofes“ im Westtrakt des Stiftsgebäudes.&lt;br /&gt;
In der Person des folgenden Propstes [[Frigdian II. Schmolk]] (1888–1912) vereinigten sich Kirchenfürst und Staatsmann. 1902 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum Landmarschall (Vorsitzender des Landtages). Vier Jahre lang hatte er dieses Amt inne. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der Kaiser die Würde eines Wirklichen und Geheimen Rates und berief ihn auf Lebenszeit als Reichsrat in das Herrenhaus. Um 1900 erreichte das Stift seinen höchsten Personalstand: 40 Konventualen gehörten zum Kloster. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Frigdian wurden in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das Stiftsgebäude, der Turm, die Orgel und das Innere der Kirche restauriert. Dechant Ferdinand Mann ließ auf seine Kosten 1903 den Maria-Lourdes-Altar errichten und die zwei Holzstatuen Herz-Jesu und Herz-Maria in der Kirche aufstellen. 1907 wurde der Zusammenschluss der österreichischen Chorherrenstifte zur „Österreichischen Kongregation der regulierten Lateranensischen Chorherren“ erreicht. Als Konvisitator wurde Propst Frigdian Schmolk gewählt. Eine enge Freundschaft verband Propst Frigdian mit dem Wiener Bürgermeister Karl Lueger. Als dieser tödlich erkrankte, berief er seinen langjährigen Freund zu sich, der ihm die die Sterbesakramente reichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmolks Nachfolger wurde [[Georg III. Baumgartner]] (1913–1927). Mit größter Sparsamkeit und Umsicht lenkte er das Stift durch die wirtschaftlichen Erschütterungen des Ersten Weltkrieges. Er stellte das Sommerrefektorium als Kaserne für die Marschkompanien und den Theatersaal dem Roten Kreuz zur Pflege der Verwundeten zur Verfügung. Vom Krieg selbst wurde Herzogenburg nur mittelbar betroffen: durch die vielen Gefallenen. Ihre Namen sind auf einer Marmortafel, rechts beim Eingang der Kirche, eingemeißelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 ließ Propst Georg das veraltete stiftliche Elektrizitätswerk– die ehemalige Stiftsmühle – in eine moderne Wasserkraftanlage mit Turbinen umbauen, die das Stift und Teile der Stadt Herzogenburg jahrelang mit Strom versorgte. Bedeutende Verdienste erwarb sich Georg Baumgartner durch seine wissenschaftliche Forschung über die Urgeschichte, inspiriert durch die archäologischen Funde aus der Hallstattzeit auf Grundstücken, die zum Stift gehörten. Bis zuletzt arbeitete er mit großer Genauigkeit an der Hausgeschichte und an der Baugeschichte der Kirche und des Stiftes und verfasste weiters den Artikel „Herzogenburg“ in der „Topographie von Niederösterreich“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die allgemeine Wirtschaftskrise machte sich auch im Stift bemerkbar. Das Steueramt St. Pölten drängte immer öfter unter Androhung der Zwangsverwaltung auf Bezahlung der Steuerschulden. Das Kapitel unter Propst Georg sah sich gezwungen, einem Beschluss zum „Verkauf einzelner Wertgegenstände näher zu treten“. Einige wertvolle Kunstgegenstände wurden verkauft. In diese politisch sehr schwierige Zeit fällt eines der größten Ereignisse für Herzogenburg, die Stadterhebung: Am 30. Juni 1927 beschloss der Landtag von Niederösterreich, den Markt Herzogenburg „trotz der verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl“ (2.800) zur Stadt zu erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der spätere Landtagsabgeordnete und Vertreter des Klerus [[Ubald Steiner]] (1927–1946) wurde zum nächsten Propst gewählt. Es gelang ihm, das Stift durch die schwierige wirtschaftliche Lage der dreißiger Jahre zu führen, was den Verkauf mehrerer Grundstücke und Kunstschätze beinhaltete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Sozialdemokratie in den 1920er Jahren wurden auch in Herzogenburg, das durch seine metallverarbeitende Industrie über einen hohen Arbeiteranteil verfügte, vehement geführt. Der Stiftsdechant  und Pfarrer [[Anton Rudolf]] stand im Ruf, „der von den Sozialdemokraten wohl bestgehasste Chorherr“ zu sein. Er war der Typ von Priesterpolitiker, der die ohnehin spannungsgeladenen dreißiger Jahre durch sein Zelotentum und seine nie erlahmenden Bekehrungsversuche an ungläubigen Marxisten eher verschärfte denn beruhigte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Volksabstimmung vom 10. April 1938 brachte in Herzogenburg 2.047 Ja-Stimmen für den Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland und nur fünf Gegenstimmen. In der Folgezeit erhielt Herzogenburg den Namen „Stadt der Treue“. In diesen Jahren wurden die Repressalien gegenüber den kirchlichen Institutionen und der Geistlichkeit immer spürbarer. Die Stiftstaverne und der Theatersaal wurden beschlagnahmt. 400 Herzogenburger traten aus der Kirche aus, und rund 100 Kinder wurden vom Religionsunterricht abgemeldet. Das Herzogenburger Pfarrblatt, das seit 1915 erschien, wurde wegen „Papierknappheit“ 1941 eingestellt. Das Stift wurde von den Nationalsozialisten zwar nicht aufgehoben, war aber in seiner Wirtschaftsführung nicht mehr unabhängig. Teile des Stiftsgebäudes wurden 1940 für ein Einquartierung von bessarabischen Umsiedlern und später auch anderen Flüchtlingen beschlagnahmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum „schwarzen Montag“ wurde der 6. November 1944. 300 Bomben fielen in und um Herzogenburg: 20 Tote und große Sachschäden waren die traurige Bilanz. Am 14. April 1945 rückten nach einer kurzen Kanonade die Sowjets in Herzogenburg ein. Eine Gruppe von Herzogenburgern, unter ihnen Propst Ubald, ging ihnen mit der weißen Fahne entgegen. Die Stiftsgebäude waren durch einige Bombentreffer leicht beschädigt worden, schwerer betroffen waren die Stiftswälder, die durch die Luftangriffe schwere Schäden hatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Georg IV. Hahnl]] (1946–1963) betrieb den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit. Im Jahr 1948 wurden vier neue Glocken der Stiftskirche geweiht. 1942 hatten alle Glocken bis auf die größte, die Pummerin, der Rüstungsindustrie abgeliefert werden müssen. Wissenschaftliche Berühmtheit erlangte Propst Georg durch seine Arbeit auf dem Gebiet der Heimat- und Urgeschichtsforschung. Fast seine ganze Regierungszeit als Propst war allerdings von einer schweren Krankheit überschattet, was sich negativ auf das Klima und die Personalsituation des Stiftes auswirkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Resignation wurde [[Thomas Zettel]]  (1963–1969) zum nächsten Vorsteher des Hauses gewählt. Nach langen Vorbereitungen öffnete 1964 das Stift Herzogenburg seine Räume und Säle für über 100.000 Besucher anlässlich seiner (etwas verspäteten) 850-Jahr-Feier. Der ebenerdige Teil des sogenannten „Altstiftes“, die Reste der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen alten Klosteranlage, war renoviert worden und das spätgotische Refektorium „glänzte“ durch die kurz zuvor freigelegten Fresken von ca. 1500. Daneben im frühbarocken Refektorium waren die Funde aus der Ur- und Frühgeschichte neu aufgestellt worden. Im Barockgebäude wurde im ersten Stock im ehemaligen Gästetrakt eine Ausstellung für die restaurierten Kunstschätze des Stiftes, insbesondere seine Sammlung mittelalterlicher Flügelaltäre, eingerichtet. Im Festsaal, in der Bibliothek, im Bildersaal und in elf weiteren Ausstellungsräumen erlebten und erleben Besucher das künstlerische Erbe des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1965 gab es eine einschneidende wirtschaftliche Umstellung: der Weinbau und die Landwirtschaft konnten in Eigenregie nicht mehr positiv geführt werden, deshalb wurden beide Wirtschaftszweige verpachtet. Der Forst als dritte Einnahmequelle wird bis heute noch selbst geführt, die Jagden sind verpachtet. Das Gebäude, in dem die ehemalige Stiftstaverne befand, wurde an die Stadtgemeinde Herzogenburg verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1977 erreichten die ökumenischen Gespräche und Gottesdienste, die vom späteren Propst [[Maximilian Fürnsinn] initiiert wurden, ihren Höhepunkt in der Ausstellung &amp;quot;Kunst der Ostkirche&amp;quot;. Zum ersten Mal feierten in diesem Zusammenhang die Vertreter aller elf östlichen und westlichen Kirchen in Österreich einen gemeinsamen Gottesdienst in der Herzogenburger Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Stadt Herzogenburg“ wurde die Nordeinfahrt des Stiftes restauriert und der Innenhof nach barockem Vorbild neu gestaltet. In diesem Jahr, 1977, wurde auch der Abschluss der Turmrenovierung gefeiert. Propst [[Clemens Moritz]] (1969–1979) wurde zum Ehrenbürger von Herzogenburg ernannt. Er war nicht ein Prälat im Sinne der prachtvollen Barockzeit – musste er doch einen personellen Tiefstand von nur 14 Mitgliedern erleben – wohl aber im Sinne des Ordensstifters Augustinus ein Seelsorger, besorgt um seine Gemeinde und seine Mitbrüder. Auch nach der Resignation blieb Altpropst Clemens bis zum Jahr 1996 der Pfarrer von Herzogenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit [[Maximilian II. Fürnsinn]] (1979–2019)) bekam das Stift nach 200 Jahren wieder einen gebürtigen Herzogenburger zum Propst. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war zunächst die Renovierung der Stifte und Pfarren. Allein mit einem Kostenaufwand von rund 50 Millionen Schilling wurde das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein in der Zeit von 1985 bis 1995 restauriert. Die zehnjährige Renovierung des Stiftes Herzogenburg wurde im Jahr 2012 abgeschlossen, sie umfasste neben der Fassadensanierung unter anderem die Instandsetzung der musealen Räumlichkeiten. Die neue Dauerausstellung konnte im Jahr 2012, als das Stift das Jubiläum seines 900jährigen Bestehens beging, eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den zentralen Anliegen von Propst Maximilian gehörte, dass das Stift – entsprechend der jahrhundertelangen Tradition – eine offene Begegnungsstätte ist. So gehen auf seine Initiative viele Tagungen, Bildungsveranstaltungen und Zusammenkünfte von verschiedenen Institutionen und Vereinigungen zurück. Neben den zuvor erwähnten ökumenischen Treffen haben etwa die Ritter vom Heiligen Grab in Jerusalem der Komturei St. Pölten hier regelmäßige Zusammenkünfte. Besonders erwähnenswert sind die in der Regierungszeit von Propst Maximilian abgehaltenen &amp;quot;Herzogenburger Gespräche&amp;quot;, anlässlich derer mehrmals im Jahr 60 bis 80 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kirche zentrale gesellschaftliche Fragen behandelten. Pastorales Wirken war dem vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägten Seelsorger Maximilian Fürnsinn ein besonderes Anliegen, vor allem die Lebendigkeit in der Pfarrseelsorge lag ihm am Herzen. In der Pfarre Herzogenburg entstand aus einem Kinderfest der Katholischen Jungschar der heute größte Kinderevent Niederösterreichs, die „Niederösterreichischen Kindersommerspiele“ (NÖKISS).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kirchliche Engagement von Propst Maximilian führte dazu, dass er 1982 zum ersten Mal zum Vorsitzenden der niederösterreichischen Äbtekonferenz gewählt wurde. Von 1989 bis 1994 war er Vizepräsident der ökumenischen Stiftung Pro Oriente. Von 1998 bis 2013 war Maximilian Fürnsinn Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2019 wurde [[Petrus Stockinger]] zum neuen Propst von Herzogenburg gewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Bischof Ulrich I. von Passau (1092–1121) konnte seiner Neugründung, dem Augustiner-Chorherrenstift St. Georgen, nur wenig schenken. In der Gründungsurkunde des Klosters bemühte er daher auch die Heilige Schrift und erwähnt das Opfer der armen Witwe, die nur zwei Kupfermünzen in den Opferkasten des Tempels warf, die aber von Jesus gelobt wurde, weil sie alles gab, was sie besaß. Der Bischof schenkte einiges von seinem persönlichen Besitz her, vielleicht sogar alles, was er in der damaligen Ostmark sein Eigentum nannte. Und das war für die junge Kommunität gerade genug zum Überleben. Katastrophen oder wirtschaftliche Schwierigkeiten durfte es keine geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bischof übergab der Klostergemeinschaft seine ererbte Eigenkirche St. Georgen an der Traisenmündung mit Fischwassern, Weingärten, Wiesen und Wäldern. Ebenso vermachte er aus seinem persönlichen Besitz ein Gut und eine Hube zu Sebarn, eine Hube zu Perschling, Engabrunn und Gumpolding, eine halbe Hube in Pötzleinsdorf (bei Wien) und eine zu Kamp, je einen Weingarten zu Kuffern und Egelsee und zwei Weingärten in Inzersdorf. Aus dem bischöflichen Gut schenkte er drei Weingärten in Hundsheim mit einem Lehen, je einen Weingarten in Stein, Weinzierl und Plechingen (zwischen Stein und Krems), den dritten Teil des Zehents von Teras und Merzleinswerd, die Hälfte des Zehents von den Pfarren Herzogenburg und Traisenburg sowie das ganze Dorf Streithofen (im Tullnerfeld). Einige Jahre später schenkte Bischof Ulrich zur Aufbesserung noch sechs Weingärten dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der wirtschaftlichen Not des jungen Stiftes versuchte nun 1160 Bischof Konrad von Passau (1148–1164) mit einer (gefälschten) Urkunde zu helfen, in der er das neuzugründende Stift St. Andrä mit St. Georgen vereinigte. Dieser Zusammenschluss scheiterte am Widerstand Ottos von Rechberg, der schließlich ein eigenständiges Kloster St. Andrä errichten konnte. Als Entschädigung übertrug Bischof Konrad dem Stift St. Georgen die Pfarre Marquardsufer und den Schweighof bei Zeiselmauer, um der &amp;quot;materiellen Not des Stiftes abzuhelfen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam konnte das Stift in den folgenden Jahrhunderten seinen Besitz durch Schenkungen vermehren, wobei das Waldviertel und das untere Traisental zu Schwerpunkten der Besitzungen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Urkunde von 1163 werden als Zeugen zuerst die Äbte von Göttweig und Zwettl, der Propst von St. Pölten und dann der Propst von St. Georgen, Albert, angeführt. 25 Jahre später kommt Propst Berthold von St. Georgen in der Zeugenfolge nach den Äbten von Göttweig, Melk und Altenburg, jedoch vor den Pröpsten von St. Nikolai und St. Andrä. Diesen Platz in der Reihenfolge der niederösterreichischen Stifte nimmt Herzogenburg bis über die Barockzeit ein. Nach den Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II. dürfte das Stift Herzogenburg besitzmäßig an die letzte Stelle gerückt sein. Doch noch einmal zurück ins Mittelalter. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im 12. Jahrhundert konnte das Stift seine Besitzungen durch Kauf, vor allem aber durch Schenkungen vermehren. Die Vielzahl der Schenkungen im Mittelalter sind meist auch ein Zeugnis von guter Spiritualität: einem glaubensstarken Kloster vertraut man eher seine Gebetsanliegen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste große Finanzaufwand war der zweite Neubau des Klosters in Herzogenburg um 1244. Das älteste Zehentverzeichnis, das in das Jahr 1299 zurückreicht, zeigt jedoch schon eine wirtschaftliche Stabilisierung auf. Das Stift besaß nun zehn &amp;quot;Ämter&amp;quot;, i. e. Zehenthöfe, die für die Einhebung der Zehente notwendig waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten waren Abgaben für die Kreuzzüge zu entrichten. Später kamen dann die Steuern für die Finanzierung der Türkenkriege. Verwüstungen durch Kriege, Naturkatastrophen (Heuschreckenplage und Dürre) und Pestepidemien brachten einen wirtschaftlichen Tiefstand für das Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zeichen für das wirtschaftliche Auf und Ab war 1417 der Kauf eines Hauses in Wien, Johannesgasse. 1541 musste es wieder verkauft werden. Bezeichnend für diese schwierige Zeit war auch der Personalstand: 1569 war nur mehr ein Konventuale im Stift. Als 1601 wieder ein Haus in Wien, diesmal in der Annagasse, gekauft wurde, war dies zugleich auch ein Zeichen des neuen Erstarkens: sowohl wirtschaftlich als auch personell. Das Stift wurde renoviert, die Kirche barockisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Abwehr der Türken 1683 konnte das Stift im wirtschaftlichen Aufwind weitere Akzente setzen: ein Gut in Primersdorf (Waldviertel) wurde gekauft und ein großer, neuer Schüttkasten errichtet. In Wielandsthal wurde der Keller und in Haitzendorf der Pfarrhof von Prandtauer errichtet. Im barocken Neubau des Stiftes (ebenfalls von Prandtauer) und der dazugehörigen Kirche kam die wirtschaftliche Kraft zum Ausdruck. Allerdings mussten dafür Weingärten in Mautern, Mauternbach und Sallapulka, eine Mühle von St. Georgen, Meierhöfe in Reith bei Primersdorf, Großhain, Schwarzenbach usw. für eine Gesamtsumme von 17.600 Gulden verkauft werden. Das war ungefähr ein Drittel des Prandtauischen Kostenvoranschlages für den Neubau des Stiftes (54.000 Gulden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wirtschaftliches Tief lösten die napoleonischen Kriege und die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aus: 1851 wurde das Gut Primersdorf im Waldviertel veräußert. Jahre vorher konnte das Stift nur durch einen großzügigen Schuldenerlass von Kaiser Franz I. vor einem finanziellen Ruin gerettet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Stift nur durch den Verkauf von Grundstücken und von vielen Kunstgegenständen entgegenwirken. Einige Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg kam es wieder zu Veräußerungen von Kunstgegenständen, Teilen von Sammlungen (Mineraliensammlung) und Teilen der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre unter Propst Maximilian waren von einer klugen Wirtschaftspolitik gekennzeichnet. Trotz der bescheidenen Besitzungen von 2.625 ha (2.200 ha Wald, 25 ha Weinbau, 400 ha landwirtschaftliche Nutzung) konnten viele Restaurierungen am Stift und an den Kirchen und Pfarrhöfen vorgenommen werden. Am 29. April 1996 wurde die Außenrenovierung des Stiftes Dürnstein mit einem Gesamtumfang von 50 Millionen Schilling abgeschlossen. Eine Aufgabe für dieses Haus, etwa als Seminar- oder Vortragszentrum, wird noch zu finden sein.&lt;br /&gt;
Wenn auch schon vieles vollbracht worden ist, so warten doch noch weitere Aufgaben für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Vogtei===&lt;br /&gt;
Der Besitz des Bistums Passau im Raum Donau–Traisen stand unter der Vogtei der Babenberger. Diese übten sie durch die Burggrafen von Lengbach (Neulengbach) aus. Urkundlich sind die Vögte des Stiftes Herzogenburg sehr selten belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Übertragung des Stiftes nach Herzogenburg änderte sich in der Vogteiverwaltung nichts. Nach dem Aussterben der Babenberger siegelte 1252 Konrad von Zagging als Vogt des Hauses. Er dürfte in Verbindung mit König Ottokar Przemysl, dem neuen Landesherren, gestanden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Habsburger die Herrschaft übernahmen, wurden die Burggrafen von Neulengbach die Vögte von Herzogenburg. Bestätigt wird diese Annahme durch die Erklärung der Herzöge Wilhelm und Albrecht IV. vom 20. März 1396, in der sie ihre Pflicht zu besonderem Schutz und Schirm des Klosters und seiner Güter bestätigten, da sie ja jährlich das Vogtgeld von 17 Pfund und 6 Schillingen Wiener Pfennig und 1 Muth Hafer vom Stift empfingen. Das Stift Herzogenburg zahlte diese Summe bis zum Jahr 1848 nach Neulengbach, als die Herrschaft längst schon in Privatbesitz übergegangen war und das Vogtgeld umgerechnet nun 17 Gulden und 45 Kreuzer betrug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jenseits der Donau dürften die Kuenringer auf Dürnstein die Vogtei über die Stiftsgüter ausgeübt haben. Nach ihrem Aussterben erging 1356 eine Weisung des Herzogs Albrecht II. an seinen Pfleger in Krems, das Stift Herzogenburg in seinen Rechten und Besitzungen zu schirmen. Im Jahr 1445 übernahmen die Brüder Ulrich, Oswald und Stephan Eytzinger auf Bitten des Propstes die Vogtei auf 15 Jahre gegen die jährliche Abgabe von 6 Muth Hafer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Stift Herzogenburg lag jahrhundertelang wirtschaftlich im Mittelfeld der niederösterreichischen Klöster. So war es auch mit der Zahl der Mitglieder. Die frühen mittelalterlichen Chorherrengründungen waren nicht für riesige Konvente gedacht, sondern die Zahl zwölf war, von Jesus mit seinen Jüngern herkommend, die goldene Zahl. Bei der Gründung von St. Georgen werden wahrscheinlich eine Handvoll Chorherren die Aufbauarbeit an diesem Donaustift begonnen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1200 gab es die erste urkundliche Aufzählung des Konventes: zwölf Priester, drei Konversen (''fratres conversi''), fünf Familiaren und vier Brüder. Einige Jahre nach der Übersiedlung des Konventes von St. Georgen nach Herzogenburg wurden neun Priester, zwei Diakone und vier Brüder (''fratres barbati'') als Zeugen genannt. Ein Stiftshistoriker zählte diese bärtigen Brüder dem adeligen Stand zu, da er sie als Mitglieder von Bauhütten interpretierte, die Baumeister und Städteplaner waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Namen und aus der Stellung in der Zeugenreihe lassen sich auf die Abstammung der Chorherren Schlüsse ziehen. Wir finden im Konvent einige Mitglieder des niederen Adels. Diese Tatsache erklärt einen Teil der reichen Schenkungen des Adels der Umgebung, der so zur Versorgung seiner Söhne beitrug. Ein Nobelstift war Herzogenburg aber nie. Die meisten Novizen kamen aus der Umgebung, vereinzelt aus Oberösterreich, der Steiermark, Kärnten und Salzburg. Die Zusammensetzung des Konvents blieb also durchaus im Rahmen des damals Üblichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert dürfte sich die Zahl der Konventualen zwischen 20 und 25 bewegt haben. Der erste große Verlust kam durch die Ermordung einiger Chorherren bei der Eroberung von Herzogenburg im Jahr 1463 und dann durch die Pest. Die Reformation trug das ihre dazu bei, sodass es beim Tod des Propstes Bartholomäus von Cataneis 1563 wahrscheinlich überhaupt kein Konventmitglied mehr gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann gab es nur ein, später zwei Mitglieder, und mit dem Erstarken der Gegenreformation kam wieder Leben in die Stiftsgemäuer: im 17. Jahrhundert betrug der Personalstand zwischen acht und zehn Mitglieder. In der Barockzeit erreichte er die Zahl 25. Um 1800 waren 27 Priester, ein Kleriker und drei Novizen dem Stift zugehörig. Im 19. Jahrhundert stammten 47 Priester aus Niederösterreich, 21 aus der Tschechoslowakei und acht aus Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Jänner 1900 hatte dann das Haus den Höchststand in seiner Geschichte: von den 40 Mitgliedern waren 35 Priester, vier Kleriker und ein Novize. Im 20. Jahrhundert nahm die Zahl stetig ab, und zur Zeit gehören 13 Priester und drei Kleriker zum Stift. Die Priester stammten im letzen, d. h. im 20. Jahrhundert, zu gleichen Teilen aus dem Arbeiter- und Angestelltenstand bzw. aus der Landwirtschaft und aus Familien selbständig Tätiger (die Väter waren Fleischhauer, Fabrikanten usw.). Der größte Anteil von ihnen waren Niederösterreicher (15), dann Wiener (neun), sechs Priester kamen aus dem heutigen Tschechien. Je zwei stammten bzw. stammen aus Tirol, Deutschland und den Niederlanden. Je ein Professe kommt aus dem Burgenland und aus Belgien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Vom Ursprungskloster in St. Georgen haben sich keine Reste erhalten. Die frühesten Ansichten von diesem Bau stammen aus der Barockzeit. Es ist deshalb schwer zu beweisen, wie weit sie der Wirklichkeit entsprechen. Auf diesen Bildern ist eine Kirche als zentraler Rundbau zu sehen, wie es manchmal in der Romanik üblich war, davor zwei niedrigere Rundtürme mit der Prälatur, links davon der Küchenturm, der einem Rauchabzug ähnlich ist. Rechts von der Kirche befindet sich ein Fluchtturm mit den Glocken. Anschließend sind die Klostergebäude für die Chorherren und Gäste dargestellt. Der Klosterbau ist mit einer Mauer umgeben. Das Ganze ist wahrscheinlich ein liebevoller Versuch, das Ursprungskloster darzustellen. Diese Ansicht entspricht aber keiner romanischen Klosteranlage der damaligen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster in Herzogenburg sind wir besser informiert. Wahrscheinlich wurde 1244 zuerst mit dem Bau eines Konventtraktes begonnen, da der bestehende Pfarrhof für den 15 Mann starken Konvent zu klein gewesen ist. Von dieser Anlage hat sich noch der Südtrakt mit einem Kreuzgangabschnitt erhalten. Bei Renovierungsarbeiten zu Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Sandsteinsäulen mit herzförmigen Kapitellschilden und einfachen Rundsockeln freigelegt, die in die Mitte des 13. Jahrhunderts einzureihen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ehemalige Refektorium wurde zum Teil schon 1894 entdeckt, doch konnten die Fresken erst 1963 vollständig freigelegt werden. Diese Räume waren Teil des Gerichtsgebäudes: Wärterwohnung und Gefängniszellen. An der Südseite des gotischen Saales befinden sich drei Spitzbogenfenster. Den sechsjochigen Raum tragen zwei Steinpfeiler als Mittelstützen. An einem ist die Jahreszahl 1564 zu erkennen, die vielleicht auf eine spätere Renovierung zurückgeht. Ab einer Höhe von 1,70 m befinden sich figurale Wandmalereien. Die einzelnen Darstellungen des Zyklus sind unterschiedlich gut erhalten, zum Teil ist nur noch die rote Vorzeichnung vorhanden. Neben christologischen Szenen sind eine Sterbeszene im Kloster (vielleicht der Tod des Ordensgründers Augustinus) und ein hl. Georg wiedergegeben. Vom zweiten Bild der Nordwand ist die Darstellung des Stifters dieser Bilder Propst Georg Eisner mit seinem Konvent erhalten. Da er ohne Mitra gezeigt wird, ist die Entstehungszeit dieser Fresken kurz vor 1498 anzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der östlich an das Refektorium anschließende frühbarocke Saal wird auf einem Plan mit &amp;quot;Capitl&amp;quot; bezeichnet. Die Jahreszahl 1628 am Ostfenster gibt vielleicht den Abschluss des Umbaus an. Heute wird dieser Saal für das Urgeschichtsmuseum des Stiftes verwendet. Wahrscheinlich besaß dieser Konventtrakt aufgrund der Größe der Stiftsgemeinschaft ursprünglich schon einen ersten Stock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei anderen Flügel des Konventbaues wurden wegen des Kirchen- bzw. Schulneubaus weggerissen. Über die Funktion der Räumlichkeiten sind wir zum Teil durch einen Plan von Johann Michael Hergöth unterrichtet, den er um 1700 gezeichnet hat: ebenerdig gab es drei Sakristeiräume, eine Schneiderei, den Mesnerkeller und das erwähnte Refektorium. Im ersten Stock waren die Zimmer der Chorherren, die Wohnung des Dechants und die Bibliothek untergebracht. Im Kreuzgangbereich lag noch die alte Totenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite des Konventbereiches steht auch heute noch der Kirchenbau. Von der mittelalterlichen Kirche ist nur das gotische Kirchenportal aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten. Aus den Umbauplänen können wir schließen, dass dieser Bau als Pfeilerbasilika auf kreuzförmigem Grundriss errichtet war, ähnlich der Michaelerkirche in Wien. Nördlich der Kirche waren die Kanzleiräume und die Prälatur. Entlang des Baches lagen die Wirtschaftsräume mit einem weithin sichtbaren Fluchtturm (Kuchlturm). Von diesen Gebäuden steht nur noch die Mühle, die heute als Elektrizitätswerk die Wasserkraft nutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm von Schmerling (1709–1721) entschloss sich für den Neubau des Stiftes. Am 25. Mai 1714 wurde dazu der Grundstein gelegt und Jakob Prandtauer wurde mit der Planung und Ausführung betraut. Propst Hieronymus Übelbacher von Dürnstein bezeichnet Prandtauer als &amp;quot;fürnehmen baumeister zu St. Pölten und vielleicht fürnehmsten in ganz Österreich&amp;quot;. Prandtauer begann mit dem Bau des Südtraktes. Der Osttrakt mit dem großen Festsaal wurde nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet. 1720 wurde die Einfahrtshalle aufgeführt. Auch hier dürften Vorschläge von Fischer mitverarbeitet worden sein. Im Quertrakt, zwischen den beiden Höfen, wurden im Erdgeschoß die beiden Sakristeien eingerichtet: Herren- und Prälatensakristei. Die qualitätvollen Stukkaturen gehen auf Michael Bolla, 1717, zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1721 starb Propst Wilhelm Schmerling. Sein Nachfolger Leopold von Planta (1721–1740) ließ weiterbauen, und zur Zeit des Todes von Jakob Prandtauer war das Stiftsgebäude zu einem provisorischen Abschluss gekommen, der aber zum dauernden wurde, denn der Westtrakt des &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; blieb unausgeführt. Propst Leopold ließ vom Nachfolger Prandtauers, dem Stiftsbaumeister Joseph Munggenast, den Meierhof aufführen und in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts den Stiftsbau durch die Errichtung des nördlichen Vorbaues und des Georgitores äußerlich abschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Westtrakt aus Sparmaßnahmen nicht ausgeführt wurde, errichtete der Propst die dort geplante Bibliothek im Mitteltrakt, und die in diesem Teil schon begonnene Prälatur wurde in den Nordostteil des Gebäudes verlegt. Die Gärten ließ er in barocker Manier anlegen und die Brücke über den Mühlbach sowie den &amp;quot;Springbrunn unter dem Großen Saal&amp;quot; mit einigen &amp;quot;Kindln&amp;quot; (Sandsteinfiguren) versehen. Diese Gartenplastiken und auch die Zwergenfiguren aus dem Zwerglgarten sind heute verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leopold kaufte auch vom Wiener Goldschmied Johann Kaspar Holbein einige Brustkreuze, Kelche und vor allem eine wertvolle Monstranz, deren Entwurf auf Matthias Steinl zurückgehen könnte und die im Raritätenkabinett erhalten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung der fertiggestellten Stiftsgebäude erlebte Propst Leopold nicht mehr. Ein Jahr nach seinem Tod wurde die Weihe am Georgstag, den 24. April 1741, von seinem Nachfolger Frigdian Knecht (1740–1775) vorgenommen, der dann auch die &amp;quot;Kapitularen in die neue, freundliche Klausur&amp;quot; führen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich Propst Frigdian zum Neubau der Kirche. Am 26. Juni wurde unter Beisein des Malers Daniel Gran der Grundstein an der Epistelseite der Apsis (rechte Seite der Kirche) gelegt. Die Inschriftplatte aus vergoldetem Kupfer führt Franz Munggenast als Baumeister an. Im selben Jahr, in dem der Rohbau fertig wurde, 1748, starb der junge Baumeister mit 24 Jahren. Seine Genialität wird an dieser Kirche, die zu den großen Leistungen des österreichischen Barock gezählt werden darf, sichtbar. Sein Bruder Matthias folgte als Stiftsbaumeister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kircheninneren malte Daniel Gran 1746 das Hochaltarbild und im Presbyterium die beiden Fresken. Wegen finanzieller Unstimmigkeiten und anderer Meinungsverschiedenheiten kam es zum Bruch mit dem Künstler. Der Propst vergab daher die weiteren Arbeiten in der Kirche, die Freskenmalerei und sämtliche Altarbilder mit den Ovalbildern, an Bartolomeo Altomonte, der sie von 1753 bis 1771 ausführte. Die dekorative Malerei in den Kirchenkuppeln (oberhalb des Hauptgesimses) stammt von Domenico Francia aus Bologna. Die Aufbauten für den Hochaltar (1770) und die Seitenaltäre, die Ballustraden (Kommuniongitter) und die Kanzel (1773) der Kirche stammen von Jakob Mösl, die Altarplastiken von Johann Josef Rößler, das Chorgestühl (1772) und die Volksstühle (1775) vom Klostertischler Lorenz Horeß.&lt;br /&gt;
Die herrliche Ampel wurde 1770 von Johann Christoph Beuermann aus Wien geliefert. Das Glanzstück der Kirche ist die 1752 fertiggestellte Orgel von Johann Henke, dem bedeutendsten Wiener Orgelbauer dieser Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1680 befand sich in der alten Kirche ein aus Ungarn stammendes Marienbild, das &amp;quot;orientalische Frauenbild&amp;quot;, zu dem viele Wallfahrer kamen. Nach der Fertigstellung des barocken Seitenaltares im Neubau der Kirche wurde es 1771 von Propst Frigdian Knecht eigenhändig in einer Prozession, die ihn durch beide Märkte führte, auf den heutigen Platz übertragen. Gegenüber dem Marienaltar liegen in einem Schrein die Gebeine des hl. Urban. Sie stammen aus den Kalixtuskatakomben in Rom und wurden 1740 dem Stiftsdechant Michael Koch geschenkt.&lt;br /&gt;
Als 1771 der barocke Augustinusaltar fertiggestellt war, fand dort der urchristliche Märtyrer seine endgültige Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das jüngste Kunstwerk der Kirche ist der Volksaltar, der 1994 vom Wiener Künstler Wander Bertoni angefertigt wurde und die Schöpfung zum Thema hat. Die Krönung der Bautätigkeit des Propstes Frigdian Knecht war die Neugestaltung des Kirchturmes nach einem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach, unter Mithilfe des Baumeisters Matthias Munggenast. Mit Recht sieht der Stiftschronist Frigdian Mies im Turm den ins Große strebenden Geist des Propstes. Die originelle Turmspitze mit Herzogshut und Stiftskreuz wurde am 6. Juli 1767 &amp;quot;um die Mittagszeit unter Pauken- und Trompetenschall aufgesetzt&amp;quot;. 1756 hatte der Propst die Chorkapelle mit Fresken von Martin Johann Schmidt (&amp;quot;Kremser Schmidt&amp;quot;) und einem Verkündigungsbild von Martin Altomonte ausschmücken lassen. Im Festsaal malte Bartolomeo Altomonte 1772 das Fresko &amp;quot;Das seelsorgliche Wirken der Augustiner-Chorherren im Bistum Passau&amp;quot;. Das Fresko an der Decke der Prälatenstiege &amp;quot;Die Übertragung der Kanonie von St. Georgen nach Herzogenburg&amp;quot; ist signiert mit &amp;quot;Barto Altomonte fec. 1779 aetatis suae 79&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Augustin Beyer (1779–1780) wurde auch die Bildergalerie fertiggestellt. Die Gemälde sind nach einem dekorativen Schema angeordnet: ein zentrales Mittelstück, von kleineren Gemälden umrahmt. Die Bilder wurden zu diesem Zweck auch vergrößert, verkleinert oder sogar geteilt, um der Symmetrie zu entsprechen. Dieser &amp;quot;geistlichen Galerie&amp;quot; kommt nicht nur wegen ihres kulturgeschichtlichen Wertes große Bedeutung zu, es befinden sich unter den 144 Bildern auch hervorragende Kunstwerke, u. a. eine Vincenzo di Biagio Catena zugeschriebene &amp;quot;Heilige Familie&amp;quot; oder ein auf Holz gemaltes deutsches Männerporträt mit der Signatur &amp;quot;H. H. 1521&amp;quot;, das als Werk Holbein d. J. bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man in Österreich die Kunstschätze vergangener Jahrhunderte noch als entbehrlichen &amp;quot;Raritätenkram&amp;quot; verstand, förderte Propst Aguilin Leuthner (1811–1832) die seltsame Sammelleidenschaft seines Mitbruders Ludwig Mangold. Nach dem Vorbild der alten &amp;quot;Kunst- und Wunderkammern&amp;quot; aus der Renaissancezeit hatte der junge Ungar im Stift ein &amp;quot;Antiken- und Raritätenkabinett&amp;quot; im zweiten Stock über der Prälatur angelegt, das zum Grundstein der heutigen Stiftssammlung wurde. Ein Verzeichnis dieser Raritäten wurde im Juni 1815 von ihm angefangen und hat folgende Hauptabteilungen: &amp;quot;A Mahlerey und Mosaique, B Bildhauerey, Schnitz- und Gußwerk, C Kupferstiche und Handzeichnungen, D Glasarbeiten, E Uhren, F Becher und andere Gefaße, G Kleidungsstücke, H Musicalische Instrumente, I Waffen, K Römische Alterthümer, L Verschiedene Seltenheiten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die meisten der hier verzeichneten Gegenstände sind noch im Besitz des Stiftes und waren im Rahmen der Ausstellung &amp;quot;Kunstschätze im Stift Herzogenburg&amp;quot; zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunstwerke wurden 1964 in den ehemaligen Gästezimmern topographisch aufgestellt, d. h. nach Möglichkeit nach ihrem Herkunftsort gruppiert. Das Hauptstück der Sammlung ist der &amp;quot;Jüngere Aggsbacher Hochaltar&amp;quot;, ein 1501 in Krems gemaltes Werk von Jörg Breu von Augsburg. Eine vorzügliche Schnitzarbeit ist die realistisch gehaltene Skulpturengruppe des &amp;quot;Marientodes&amp;quot; um 1500, möglicherweise der Mittelteil der Predella des Jörg-Breu-Altares. Weiters soll hier die „Stiftertafel&amp;quot; aus der Zeit um 1500 erwähnt werden, eine Votivtafel mit dem Bildnis des Bischofs Ulrich I. von Passau und der &amp;quot;porträthaften&amp;quot; Darstellung des mittelalterlichen Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Höhepunkt der spätbarocken Abteilung bilden Werke von Daniel Gran, vor allem das vergoldete Modell für den Hochaltar um 1746 mit dem unmittelbaren Entwurf für das Hochaltarbild und ein äußerst lebendiges Selbstporträt. Einen besonderen Schatz stellt der Bestand von zehn Ölskizzen und Bildern von Bartolomeo Altomonte dar, darunter Entwürfe für die Fresken in der Stiftskirche und ein höchst interessantes Selbstporträt aus dem Jahr 1774. In der Prälatur haben sich auch einige erwähnenswerte Kunstgegenstände erhalten, z. B. ein seltener Venezianer Spiegel vom Beginn des 18. Jahrhunderts, der neben reichem Ornament und alter Verglasung gravierte bérainsche Ornamentik in dem Rahmenspiegelchen trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Refektorium wurde bis in die sechziger Jahre als Speisesaal der Chorherren benützt. 1975 wurde es renoviert und als &amp;quot;Augustinussaal&amp;quot; ein Veranstaltungszentrum für Stift und Pfarre. Im Südosten des Stiftes befindet sich im zweiten Stock das &amp;quot;Mexikanische Zimmer&amp;quot;. In diesem Raum war die von Propst Norbert Zach (1857–1887) erworbene Sammlung von Geräten, Waffen und Schmuckgegenständen der Ottawa-Indianer aufgestellt. Sie musste in den zwanziger Jahren veräußert werden.&lt;br /&gt;
Interessant ist das Zimmer heute wegen der zwölf Wandgemälde, die in der romantischen Gesinnung des späten 19. Jahrhunderts Motive aus Österreich darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Exponate der urgeschichtlichen Sammlung des Stiftes Herzogenburg kamen aus der Ausgrabung eines eisenzeitlichen Friedhofes von Statzendorf. Der Göttweiger Abt Adalbert Dungl war maßgeblich daran beteiligt. Die Pröpste Georg III. Baumgartner (1913–1927) und Georg IV. Hahnl (1946–1963) haben durch eigene Grabungen wesentlich zur Vervollständigung dieser Sammlung beigetragen. Zusammen mit Dungl waren sie die Pioniere der prähistorischen Archäologie im unteren Traisental.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Heute enthält die urgeschichtliche Sammlung eine Reihe von Steingeräten aus der Altsteinzeit, eine große Zahl von Fundstücken der Jungsteinzeit und Keramiken aus der frühen Bronzezeit, wie etwa den Fund von 17 Töpfen aus St. Andrä an der Traisen, Objekte der Hügelgräber und Urnenfelderkultur und weitere bedeutende Funde aus der Eisenzeit, wie Beigaben der Hallstadtkulturen aus den Gräberfeldern von St. Andrä und Statzendorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Römische Funde waren bis auf einige Münzen im Raum von Herzogenburg eher spärlich, bis 1972 aus der Zeit der römischen Kaiser ein Zeremonienhelm mit Gesichtsmaske unweit des Stiftes gefunden wurde, der zu den bedeutendsten Denkmälern römischer Kunst auf österreichischem Boden gerechnet werden muss. Mit seinen &amp;quot;Alexanderlocken&amp;quot; gehört er zum orientalischen Typus. Damit ist er ein Beispiel dafür, wie weit vorderorientalische Mysterienkulte im 2. und 3. Jahrhundert verbreitet waren. Dieses Unikat ist im Raritätenkabinett im ersten Stock ausgestellt, während alle anderen Funde im frühbarocken Refektorium im Altstift zu sehen sind. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Eine fachkundige Neuaufstellung wird derzeit von Univ.-Doz. Dr. Johannes-Wolfgang Neugebauer vorgenommen.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Als 1512 in Herzogenburg ein Großbrand wütete, wurden einige Trakte des Stiftes in Schutt und Asche gelegt. Die Bibliothek wurde dabei auch ein Raub der Flammen. Wahrscheinlich besaß damals das Stift über 100 handgeschriebene Bücher und vielleicht ebensoviele Inkunabeln. Wieviele Bücher gerettet werden konnten ist leider nicht überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten großen Förderer der mittelalterlichen Bibliothek waren die beiden Pröpste Johannes III. von Parsenbrunn (1401–1433) und Johannes IV. von Linz (1433–1457). Aus der Zeit vor dem Brand haben sich einige Buchfragmente erhalten. Fragment 42 aus dem 9. Jahrhundert ist das älteste Stück der Bibliothek.&lt;br /&gt;
Von der Wende des 12. zum 13. Jahrhundert stammt das Fragment 32 mit Teilen eines Legendars. Das Fragment 43 ist Teil eines Nekrologiums vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Es ist ein sicheres Zeugnis für die Schreibkultur des Stiftes in St. Georgen. Ob das Stift dann in Herzogenburg eine eigene Schreibschule besessen hat, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Auf jeden Fall sind keine Handschriften auf Pergament mit wertvollen Initialen auf uns gekommen, sondern nur anspruchslose, auf Papier geschriebene Bücher. Sie haben alle einen praktisch-theologischen Inhalt und stehen im Zusammenhang mit den Seelsorgeaufgaben des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Schreiber waren mit Sicherheit Klosterangehörige, von weiteren sieben ist es unsicher. Die kunsthistorisch kostbarsten Handschriften wurden erst in späteren Jahrhunderten angekauft. Den ersten größeren Zuwachs nach dem Brand erfuhr die Bibliothek durch Propst Philipp von Maugis (1541–1550), der vor allem humanistische Werke bzw. lateinische und griechische Klassikerausgaben erwarb und die von seinem Bruder ererbte Bibliothek der Stiftsbibliothek einverleibte.&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Herb (1687–1709) erbte ebenfalls von seinem Bruder 173 Bücher meist theologischen Inhalts, die in zwei Fässern und einer großen Truhe verpackt auf der Donau von Deutschland nach Krems transportiert und von dort ins Stift gebracht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge des barocken Stiftsneubaus wurde die Bibliothek von 1751 bis 1754 von Propst Frigdian Knecht (1740–1775) erbaut. Die Ornamentmalerei fertigte Domenico Francia an, die figuralen Grisaillen wurden von Bartolomeo Altomonte gemalt. Die einfachen, doppelteiligen Bücherschränke wurden vom Orgelbauer Johann Henke entworfen. Propst Frigdian sammelte die Bücher &amp;quot;mit einem unersättlichen Hunger&amp;quot;, wie er selber scherzend zu sagen pflegte. Er erwarb u. a. die Bibel von 1205 (HS 100) und die kostbare Handschrift &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; (HS 95) aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Stephan Peschka (1775–1779) und Michael Teufel (1781–1809) erwarben durch den Exjesuiten Abbé Johann Christoph Regelsberger viele Bände bei Bücherauktionen aus den Beständen aufgehobener Klöster. Mit der Übernahme der aufgehobenen Stifte St. Andrä an der Traisen 1783 und Dürnstein 1788 kamen nur wenige Bücher, nachweislich nur einige Handschriften und Inkunabeln, nach Herzogenburg. Der Großteil des Bücherschatzes kam in die Wiener Hofbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Petrus Schreiber]], von 1781 bis 1788 auch Stiftsdechant, war mit Unterbrechung fast 25 Jahre Bibliothekar. Eine große Anzahl von Büchern mit einheitlichen barocken Einbänden kam durch ihn in die Bibliothek. Sie tragen auf dem Einbanddeckel die goldenen Buchstaben &amp;quot;P. S.&amp;quot;. Ebenso vermachte er dem Stift 15 Inkunabeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Inventar von 1832 beziffert den Buchbestand summarisch mit etwa 10.000 Bänden. 1887 war der Besitz bereits auf 50.000 Bände, 253 Inkunabeln und 223 Handschriften angewachsen. Dieser Zuwachs dürfte auch die Erweiterung der Bibliotheksräumlichkeiten veranlasst haben. Unter Propst Norbert Zach (1857–1887) wurden 1870 die Gänge im zweiten Stock des Stiftes mit Bibliothekskästen ausgestattet. Unter ihm waren als Bibliothekare die bedeutenden Stiftshistoriker [[Wilhelm Bielsky]], [[Michael Faigl]] und Frigdian Schmolk tätig. Sie veröffentlichten viele Beiträge zur Stiftsgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine großzügige Erweiterung erfuhr die Stiftsbibliothek zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gräfin Maria Falkenhayn übergab 1905 dem Stift die 30.000 Bände ihrer Schlossbibliothek in Walpersdorf. Neben diesen gräflichen Exlibris finden sich in der Sammlung auch Werke mit den Besitzvermerken der Jörger, Colloredos und der Herrschaften Droß und Ottenschlag.&lt;br /&gt;
Während der Weltwirtschaftskrise kam es 1927 zur Veräußerung von Inkunabeln, die vergleichsweise die Höhe des Schätzwertes der ehemaligen Stiftstaverne ausmachten. Ebenso wurde in den sechziger Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eine große Anzahl von Büchern veräußert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anläßlich der Ausstellung im Jahr 1964 &amp;quot;Das Stift und seine Kunstschätze&amp;quot; wurde eine Neuaufstellung der Bücherbestände begonnen, die aber &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bis heute nicht fertiggestellt werden konnte&amp;lt;/span&amp;gt;. Derzeit ist die Bibliothek auf mehrere Standorte verteilt und lediglich die Handschriften, die Inkunabeln und die Druckwerke bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden nach dem Erscheinungsdatum geordnet. Der Rest ist weitgehend unbearbeitet. Der Gesamtbestand wird auf 80.000 Bände geschätzt. Dazu kommen noch 150 Inkunabeln und 150 mittelalterliche Handschriften. Die älteste Handschrift ist ein österreichisches Psalterium des 12. Jahrhunderts (HS 106). Die gut geschriebene Handschrift enthält eine Reihe von großartigen Initialen. Die bedeutendste Handschrift der Bibliothek ist Cod. 95 &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; von Gregor d. Gr. Sie wurde um 1260 in Mainz oder Regensburg geschrieben und enthält 36 ausgezeichnete Initialminiaturen im Stil der deutschen Malerei der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Cod. 223 ist eine oberitalienische Bibel der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit großen figurierten Initialen; fast alle Spalten tragen Federranken. Am Beginn der Genesis findet sich eine Gegenüberstellung der sieben Schöpfungstage mit christologischen Szenen. Ein österreichisches Graduale (HS 97) vom Beginn des 14. Jahrhunderts trägt auf jeder Seite Notenzeilen und stammt aus einem Zisterzienserkloster. Sehr schön ist eine französische Bibel mit Miniaturinitialen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (HS 99).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Ausgabe von Gregors &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; ist der zweibändige Cod. 94 aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts mit 18 figurierten Initialen, die von fünf Meistern stammen, die den Wenzelsbibelmeistern nahestehen. Die Handschrift wurde laut Eintragung in der Kartause Mauerbach geschrieben und war 1397 im Besitz der Kartause Olmütz. Wann und wie sie nach Herzogenburg kam, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der bedeutenden Sammlung von Wiegendrucken seien folgende hervorgehoben: ein sehr schöner Venezianer Druck von 1478, Lactantius Firmianus &amp;quot;Gegen die Haiden&amp;quot;; drei ausgezeichnete Kobergerdrucke aus Nürnberg, 1481; die Briefe des Ennea Sylvius Piccolomini (Papst Pius II.); ebenso von 1481 ein Kommentar zum Neuen Testament von Nicolaus de Lyra mit gezeichneten Initialen; und von 1483 ein Fastenbuch von Johannes Guitsch, gedruckt im Charakter der spätgotischen Handschriften. Ein Zisterzienser-Missale aus Paris um 1487 ist mit kleinen kolorierten Holzschnitten illustriert. Zwei sehr gute Ausgaben der interessanten Weltgeschichte von Rolewinck seien noch angeführt. Die eine Wiener Ausgabe von 1490 ist reich mit Holzschnitten illustriert, die zweite aus Köln mit vielen Holzschnitten in der Art der &amp;quot;Schedelschen Weltchronik&amp;quot; aus dem Ende des 15. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abschluss ist noch eine Postilla von Cuilcrinus, Augsburg 1495, die ebenfalls mit Holzschnitten illustriert ist, zu erwähnen. Die oben beschriebenen Handschriften und Frühdrucke sind im Hauptraum der Bibliothek in Vitrinen ausgestellt und bei jeder Führung durch das Stift zu besichtigen. In diesem Bibliothekssaal befinden sich in den Bücherschränken nur Bücher aus dem 18. Jahrhundert, um den Eindruck einer barocken Schaubibliothek zu vermitteln.&lt;br /&gt;
Durch die bescheidene Einrichtung wirkt die Bibliothek wie eine heimelige Studierstube. Die letzte Handschrift wurde 1990 erworben. Sie ist ein türkisches Gebetbuch aus dem 19. Jahrhundert in arabischer Zierschrift. In der Mitte des Buches finden sich zwei romantisch gemalte Ansichten der Moscheen in Mekka und Medina.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Das Herzogenburger Stiftsarchiv besteht aus vier Abteilungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) dem Archiv des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen/Herzogenburg mit 1.745 registrierten Urkunden (1112–1852) und zahlreichen nicht bearbeiteten Urkunden (ab 1852), 264 Büchern und 647 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit 327 registrierten Urkunden (998–1776), sechs Büchern und 225 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein mit 718 registrierten Urkunden (1306–1768), 36 Büchern und 90 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) dem Archiv des aufgehobenen Clarissenklosters Dürnstein mit 357 registrierten Urkunden (1289–1658) und ca. 20 Büchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Dokument im Stift Herzogenburg ist die Gründungsurkunde (1112) von Bischof Ulrich von Passau (Sta. Hn. 1a). Sie ist eine der formvollendetsten Urkunden aus der Schreibstube des Bistums Passau. Äußerst interessant ist die Traditionsnotiz (Sta. Hn. 1b), die ein Konzept zur Gründungsurkunde darstellt und sechs weitere protokollarische Notizen enthält, die an verschiedenen Orten abgefasst wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historisch bedeutsam für das Stift ist auch die Übertragungsurkunde von 1244 (Sta. Hn. 38). Die schweren Zeiten des 15. Jahrhunderts sowie der Brand des Klosters im Jahr 1512 dürften dem Archiv nicht allzusehr zugesetzt haben. Alle wichtigen Urkunden sind im Original vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes VII. Glaz (1569–1572) veranlasste eine Aufzeichnung und Registrierung der &amp;quot;Pergament-Brieff&amp;quot;. In dem 1570 angelegten Verzeichnis wird das Archiv als „Registratur&amp;quot; bezeichnet. Entsprechend dem damaligen Kanzleigebrauch, dessen Vorbild die Kanzlei des Regiments der niederösterreichischen Lande war, wurden auch in Herzogenburg die Urkunden, damals insgesamt 46 Stück, in einem mit Laden versehenen Kasten und die weniger wichtigen Akten in einem Sack aufbewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1683 wurden das Archiv und die Schatzkammer vor den heranrückenden Türken in das Chorherrenstift Dürnstein verlagert und 1684 wieder zurückgebracht. Die zeitlich nächstfolgende Bestandsaufnahme des Stiftsarchivs erfolgte zwischen 1730 und 1740. &amp;quot;Ain großer mit Eyßen schön beschlagener Casten, hat 36 unterschidliche litterirte gemahlene Laden&amp;quot;. Er diente als Aufbewahrungsort für das als &amp;quot;gehaimbtes Gwölb&amp;quot; bezeichnete Hauptarchiv. Diesem wurden 1745 Schriften und Akten des Hofrichters und des Stiftskämmerers einverleibt. Genaue, nach Grundherrschaften bzw. Sachgebieten angelegte und geordnete Inventarien zeugen von der Sorgfalt, mit der das Stiftsarchiv unter Propst Frigdian I. Knecht (1740–1775) betreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte im Streben nach dem Wissen über die eigene Vergangenheit die ersten wissenschaftlichen Bearbeitungen des Urkundenbestandes durch die Herzogenburger Chorherren [[Wilhelm Bielsky]] (Die ältesten Urkunden des Kanonikatsstiftes St. Georgen in Unterösterreich von 1112–1244, Wien 1852) und [[Michael Faigl]] (Die Urkunden des regulierten Chorherrenstiftes Herzogenburg vom Jahre seiner Übertragung von St. Georgen 1244–1450, Wien 1886).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich wurde in den Jahren 1930 bis 1935 der unübersehbare Bestand an Akten und Büchern durch Dr. Göhler geordnet und durch eine Zettelkartei der Forschung zugänglich gemacht. In der insgesamt 1.745 Urkunden umfassenden Urkundenreihe vom Stiftsarchiv Herzogenburg gibt es neben einer Vielzahl von Stiftungs- und Schenkungsurkunden auch Urkunden von Päpsten und Landesfürsten. Die älteste Papsturkunde wurde 1177 von Papst Alexander III. ausgestellt, die erste in deutscher Sprache abgefasste Urkunde stammt aus dem Jahr 1292.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als einzigartiges Dokument soll eine Urkunde Erwähnung finden, die von Mönchen des Katharinenklosters am Sinai und Chorherren des Stiftes Herzogenburg im Jahr 1491 gezeichnet wurde. Damals haben zwei griechische Sinaimönche Herzogenburg besucht und mit den hiesigen Chorherren eine Gebetsverbrüderung geschlossen und besiegelt – ein merkwürdiges und einmaliges Zeugnis für die Verbindung der Ost- und Westkirche im ausgehenden Mittelalter nach dem Fall von Konstantinopel (Sta. Hn. 538).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Grundbücher, wertvolle Unterlagen zur Erforschung der Besitz- und Bevölkerungsgeschichte im Raum Herzogenburg, wurden im 12. Jahrhundert angelegt. Hinzu tritt jene Masse des Archivmaterials, die als Akten des adeligen Richteramtes über die Untertanen aus der Amtstätigkeit des Stiftes erwachsen sind: Grundbuchsakten ab 1340, Testamente ab 1500, Verwaltungsakten über den Oberen Markt Herzogenburg, Korrespondenzen mit den umliegenden Grundherrschaften. Diese Schriftstücke zeigen den Kampf des Stiftes um seine Rechte und Besitzungen, unter welchen besonders Fischerei- und Wasserrechte auf der Traisen und Jagdrechte in den Auen im Vordergrund stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Rechnungsbüchern und Rechnungsakten finden sich genauere Aufzeichnungen über den Bau der barocken Stiftsgebäude und der inkorporierten Pfarrkirchen mit ihren Pfarrgebäuden. Eigenhändige Unterschriften auf den Quittungen sind zu finden von Jakob Prandtauer, der Familie Munggenast, Bartolomeo Altomonte, Daniel Gran, vom Salzburger Steinmetzmeister Jakob Mösl, vom Wiener Goldschmied Johann Caspar Holbein und vielen anderen. Bei der Durchsicht von unbearbeiteten Archivmaterialien konnte ein eigenhändig geschriebener Brief von Martin Luther von 1541 aufgefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Auflösung der Chorherrenstifte St. Andrä und Dürnstein kamen deren Archive nach Herzogenburg. Propst Michael Teufel (1781–1809) hat sich sehr um ihre Erhaltung und sichere Aufbewahrung bemüht. Die älteste Urkunde von St. Andrä ist eine Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. aus dem Jahr 998 (Sta. An. 1). Die Stiftungsurkunde von St. Andrä stammt aus dem Jahr 1160 und ist mit 44 Zeugen belegt (Sta. An. 4). Zu erwähnen ist noch eine prunkvolle Ernennungsurkunde des Chorherren Johannes Zwickl zum Kommissär für den Türkenablass des Papstes Innozenz VIII. von 1490 in teilvergoldeter Schrift mit reichen Initialen (Sta. An. 208). Alle drei Dokumente zählen zu den Zimelien dieser Urkundenreihe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Archiv der Chorherren von Dürnstein ist der Stiftungsbrief vom 18. Februar 1410 (Sta. CDn 147) der absolute Höhepunkt. Der linke Rand dieser Urkunde ist mit einer Reihe von höchst bedeutenden Miniaturen versehen, die sowohl der böhmischen wie der Wiener Buchmalerei des frühen 15. Jahrhunderts nahestehen. Die angehängten sechs Siegel sind noch vorhanden. Zwei im selben Jahr ausgestellte Urkunden tragen schöne Initialmalereien (Sta. CDn 149 und 150).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Im Gegensatz zum &amp;quot;Archiv Herzogenburg&amp;quot; sind die Urkunden, Bücher und Akten der drei anderen Archive noch nicht publiziert und daher wissenschaftlich noch wenig ausgewertet. &lt;br /&gt;
Derzeit (1995) wird die Einrichtung des Archives erneuert und auf den letzten technischen Stand gebracht. Damit ist auch der Wunsch verbunden, dass die letzten 150 Jahre archivmäßig aufgearbeitet werden.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Historische Namensformen===&lt;br /&gt;
* WEIGL, Heinrich, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, 8 Bde., Wien 1964–1981.&lt;br /&gt;
* SCHUSTER, Elisabeth, Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, 1. Teil (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B), Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
* HAUSNER, Isolde / SCHUSTER, Elisabeth, Altdeutsches Namenbuch, Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politische und kirchliche Topographie===&lt;br /&gt;
* WOLF, Hans, Niederösterreich (Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 6. Teil), Wien 1955.&lt;br /&gt;
* RUPP / SCHMIDTBAUER, Herzogenburg, 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Franz Reininger: Die Wiegendrucke der Stiftsbibliothek Herzogenburg. In: Mitteilungen des Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 12 (1908), S. 109–127.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Katalog der Handschriften der Stiftsbibliothek Herzogenburg. St. Pölten 1978. [https://manuscripta.at/diglit/winner_1978_1/0001 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Mayo Hope: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed for the Hill Monastic Manuscript Library, Austrian Libraries. Volume III: Herzogenburg. Collegeville, Minnesota, 1985. [https://archive.org/details/HMMLAustriaInventory3 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Franz Lackner: Datierte Handschriften in niederösterreichischen Archiven und Bibliotheken bis zum Jahre 1600. Wien 1988 (Katalog der datierten Schriften in lateinischer Sprache in Österreich, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kunst- und Baugeschichte===&lt;br /&gt;
* HEIDER, Gerhard / HÄUFLER, J. V., Archäologische Notizen (Archiv für österreichische Geschichte II/1), Wien 1850, 139–178.&lt;br /&gt;
* RIESENHUBER, Martin, Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Bistums St. Pölten, St. Pölten 1923.&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer. Der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* PETERMAIR, Hans, Die bauliche Anlage der Stifte in Altenburg, Herzogenburg und Seitenstetten und ihre baukünstlerischen Beziehungen im Mittelalter und in der Barocke, masch.geschr. techn. Diss., Wien 1934.&lt;br /&gt;
* STEINER, Ubald, Die Stiftskirche zu Herzogenburg. Beiträge zur Baugeschichte nach Aufzeichnungen des Propstes Georg Baumgartner, in: Pfarramtliche Nachrichten für den Kirchensprengel Herzogenburg 21 (1935), Nr. II/12.&lt;br /&gt;
* MUNGENAST, Emmerich, Joseph Munggenast. Der Stiftsbaumeister 1680–1741, Wien 1963.&lt;br /&gt;
* FEUCHTMÜLLER / WEBER, Stift und Kunstschätze, 1964.&lt;br /&gt;
* HEINZL, Brigitte, Bartolomeo Altomonte, Wien/München 1964.&lt;br /&gt;
* BIBA, Otto, Die Orgelakten des Stiftes Herzogenburg, in: Unsere Heimat, Zeitschrift des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 41 (1970), Heft 1, 9–24.&lt;br /&gt;
* GÜTHLEIN, Klaus, Der österreichische Barockbaumeister Franz Munggenast, phil. Diss., Heidelberg 1973.&lt;br /&gt;
* KNAB, Eckhart, Daniel Gran, Wien/München 1977.&lt;br /&gt;
* CÄSAR, Menz, Das Frühwerk Jörg Breus des Älteren, Augsburg 1982.&lt;br /&gt;
* EGGER / HESSLER / PAYRICH / PÜHRINGER / FASCHING, Stift Herzogenburg, 1982.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Hermann-Fichtenau: Der Bildersaal im Stift Herzogenburg, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 38 (1984).&lt;br /&gt;
* SERVUS, Die Entstehung der barocken Klosteranlage, 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Moseneder: Passau im Gedächtnis Herzogenburgs. Zur Ikonologie des Augustiner-Chorherrenstift. In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch 31 (1989), S. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;##&amp;lt;/span&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* Karl Thomas (Bearb.): Die Baumeisterfamilie Munggenast. Sonderausstellung des Stadtmuseums St. Pölten anläßlich des 250. Todestages von Joseph Munggenast. St. Pölten 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Oskar Freiherr von Mitis: Studien zum älteren österreichischen Urkundenwesen. 5 Bände. Wien 1906–1912.&lt;br /&gt;
* Franz Stundner: Das Archiv des Stiftes. In: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Hg. von Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber. Herzogenburg 1964, S. 83–86.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sonstige Literatur===&lt;br /&gt;
* Georg Baumgartner: Herzogenburg. In: Topographie von Niederösterreich. Band IV. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Wien 1896, S. 209–238.&lt;br /&gt;
* Gerhart Egger / Walter Hessler / Wolfgang Payrich / Leonore Pühringer / Herbert Fasching: Stift Herzogenburg und seine Kunstschätze. St. Pölten 1982.&lt;br /&gt;
* Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Herzogenburg 1964.&lt;br /&gt;
* Maximilian Fürnsinn: Stift Herzogenburg 1938–1945. In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 22/4 (1975), S. 132–140.&lt;br /&gt;
* Maria Hasitscha-Köck: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg während der Zeit des Propstes Michael Teufel von 1781 bis 1809. Diss. Univ. Wien. Wien 1973.&lt;br /&gt;
* Andreas Karl Kaiser: 975 Jahre Pfarre Herzogenburg (1014–1989). Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1989.&lt;br /&gt;
* Gerhard Nikodim: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg von 1513 bis 1602. Diss. Univ. Wien. Wien 1968.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich: Das Stift Herzogenburg. Die 875-jährige Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen-Herzogenburg von 1112–1987. Dipl.-Arb. Univ. Linz. Linz 1987.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich / Hans Peter Schmidtbauer: Unsere Kirche lebt. 200 Jahre Stiftskirche Herzogenburg. St. Pölten 1985.&lt;br /&gt;
* Anton Rupp / Hans Peter Schmidtbauer: Herzogenburg. St. Pölten / Wien 1991.&lt;br /&gt;
* Werner Sandner: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg von 1244 bis 1513. Diss. Univ. Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Frigdian Schmolk: Stift der regulirten lateranensischen Chorherren zu Herzogenburg in Nieder-Oesterreich. In: Ein Chorherrenbuch. Geschichte und Beschreibung der Bestehenden und Anführung der aufgehobenen Chorherrenstifte. Augustiner und Prämonstratenser in Österreich-Ungarn, Deutschland und der Schweiz. Hg. von Sebastian Brunner. Würzburg 1883, S. 200–263. [https://books.google.at/books?id=GoJJAAAAIAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA199-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Harald Servus: Die Entstehung der barocken Klosteranlage in Herzogenburg und ihre geschichtlichen Voraussetzungen. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1987.&lt;br /&gt;
* Egon Wahl: Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit besonderer Berücksichtigung der rechtlichen, besitz- und personalgeschichtlichen Verhältnisse. Diss. Univ. Wien. Wien 1945.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10741</id>
		<title>Stift Herzogenburg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10741"/>
		<updated>2023-06-25T11:14:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1112&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (seit 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Stift St. Georgen&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}, Niederösterreich&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.28677, 15.69721&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Georg&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Herzogenburg gehört zum Bezirk St. Pölten.&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift_Herzogenburg.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Herzogenburg, kolorierte Radierung von Lorenz Janesch (um 1810), Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), Kartensammlung, Fideikommissbibliothek-Vues, Österreich-Ungarn, Niederösterreich H-La, Herzogenburg KAR MAG, online unter: http://data.onb.ac.at/rec/baa12918499&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Bischof [[Ulrich I. von Passau]] (1092–1121) stiftete mit der Gründungsurkunde vom 18. August 1112 ein Eigenkloster für Augustiner-Chorherren, auf einem Grundstück an der Mündung der Traisen in die Donau gelegen, das er geerbt hatte und worauf sich bereits eine Georgskirche befand. Wahrscheinlich sandte er aus dem reformierten [[Stift St. Nikola]] bei Passau Chorherren nach St. Georgen an der Traisen. Als seelsorgliches Aufgabengebiet und als Existenzgrundlage übergab der Bischof seinem Kloster St. Georgen die beiden Pfarren Traisenburg (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Stollhofen|Stollhofen]]) und [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Herzogenburg|Herzogenburg]]. Außerdem erhielt das Stift die bischöflichen Zehentrechte im oberen Waldviertel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten war die Existenz des Klosters einerseits von den Hochwassern der Donau und andererseits von der wirtschaftlichen Schwäche infolge zu geringer Dotierung bedroht. Eine Gelegenheit zur Besserung der Lage des Klosters ergab sich dreißig Jahre nach der Gründung, als ein lokaler Adeliger namens Walter von Traisen testamentarisch die Gründung eines Chorherrenklosters verfügte. Der Passauer Bischof [[Konrad]] (1148/49–1164), ein Sohn des hl. Leopold, wollte das Kloster St. Georgen mit dieser Stiftung in St. Andrä an der Traisen vereinigen und den Konvent dorthin verlegen. Nach dem Widerstand des Testamentvollstreckers Otto III. von Rehberg erfolgte jedoch noch im 12. Jahrhundert eine eigenständige Gründung des [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stiftes St. Andrä an der Traisen]]. Bischof Konrad verbesserte in den Jahren 1158 und 1160 die Situation des Stiftes St. Georgen, indem er dem Kloster, das in den sumpfigen Donauauen lag, eine Frischwasserzuleitung ermöglichte und außerdem den Chorherren die Pfarre Marquardsurvar (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Haitzendorf|Haitzendorf]]) und den Schwaighof bei Zeiselmauer schenkte. Unter den späteren Schenkungen an das Kloster während der Regierungszeit von Propst [[Wisinto II.|Wisintos II.]] (1191–1204) ist ein Stiftungsbrief von 1201 bemerkenswert, der ein Nonnenkloster in St. Georgen voraussetzt. In einer Urkunde aus der Zeit um 1230 werden die Schwestern Kunigunde und Ehrentraud von Zebing als Kanonissen von St. Georgen genannt. Dieser Frauenkonvent ist anlässlich der Übersiedlung des Männerklosters nach Herzogenburg auch mitverlegt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Engelschalk]] (1242–1267), dem zwölften Propst des Stiftes St. Georgen, erfolgte schließlich die Verlegung des Klosters, der Konvent übersiedelte im Jahr 1244 an seinen Pfarrort Herzogenburg. In der Übertragungsurkunde vom 19. März 1244 übereignete Bischof [[Rudiger]] von Passau dem Konvent die Passauer Pfarre Herzogenburg mit allen Rechten. Das Stift memoriert den Bischof als seinen „zweiten Gründer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spätmittelalter=== &lt;br /&gt;
Nach der Übersiedlung des Konvents nach Herzogenburg erfolgte der Bau einer Klosteranlage sowohl für den Männer- wie für den Frauenkonvent. Im Pfarrbezirk „auf der Widem“ entstand ein eigener Gerichtsbezirk des Stiftes, der sogenannte „Obere Markt Herzogenburg“. Der „Untere Markt Herzogenburg“ unterstand dem bayerischen Stift Formbach am Inn.&lt;br /&gt;
Im 14. Jahrhundert war die wirtschaftliche Lage des Klosters zunächst stabil, Propst [[Siegfried]] erwarb ein Haus in Wien in der Singerstraße. Der folgende Propst [[Nikolaus I. Payger von Würmla]] (1361–1374) klagte in seinen Aufzeichnungen über Missernten, Kriegssteuern an Herzog Rudolf IV. und Verschuldung seines Klosters. Die Herzöge Albrecht III. und Leopold III. gewährten dem Stift Privilegien, weil „der probst und das gotzhaus ze Herzogenburg in grozzer geltschulde und kumber sind“. Propst [[Johannes III.]] (1401–1433) einer der längstregierenden Pröpste, erreichte von den Herzögen Wilhelm und Albrecht IV. die Begünstigung, im Schankhaus des Stiftes, dem &amp;quot;Mühlhofkeller&amp;quot;, zwölf Fass Wein ohne Ungeld (Steuer) ausschenken zu dürfen. Unter Propst Johannes III. fand eine Stiftsreform nach den Bestimmungen des Konstanzer Konzils statt. Bei der Visitation im Stift Herzogenburg 1418 war nachweislich auch der erste Propst des [[Stift Dürnstein|Chorherrenstiftes Dürnstein]], das 1410 im Geist der Raudnitzer Reform gegründet worden war, anwesend. Und so wurden die Raudnitzer Statuten auch in Herzogenburg Grundlage einer Erneuerung. Propst Johannes war auch ein Förderer der Lateinschule des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert waren Markt und Stift Herzogenburg wiederholt von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. In den Hussiteneinfällen verloren etliche Bürger und Chorherren ihr Leben. Die Regierungszeit des Propstes [[Ludwig Gössel]] (1457–1465) fiel in die Zeit der Nachfolgekämpfe unter Kaiser Friedrich III., in der böhmische, mährische. ungarische und auch einheimischen Söldnerverbänden in Niederösterreich plünderten. Im Jahr 1463, am dritten Tag nach dem Osterfest, wurde Herzogenburg von böhmischen Söldnerscharen unter ihrem Anführer Georg von Vetau eingenommen und verwüstet. Wahrscheinlich erlosch damals auch der Konvent der Kanonissen, oder er fand durch Mangel an Klostereintritten schon früher ein Ende. Im Lauf des Jahres 1465 begannen die Chorherren mit dem Wiederaufbau des Stiftes. Dieser zweiten gotischen Bauphase des Stiftes sollte aber kein langer Bestand gegönnt sein, denn schon 1477 belagerten und eroberten die Soldaten des ungarischen Königs Matthias Corvinus nach ihrem Sieg über Kaiser Friedrich III. Herzogenburg. Wieder brannte das Kloster nieder. Der nach St. Pölten geflohene Propst konnte seine in Rudolfsberg bei Wagram gefangengehaltenen Mitbrüder erst nach Bezahlung eines hohen Lösegelds in die Ruinen seines Klosters zurückführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Georg I. Eisner]] (1484–1513) wurde mit dem Wiederaufbau des Klosters begonnen. Dieser Propst konnte durch sorgfältige Verwaltung und durch Schenkungen des Matthias Corvinus, der die Verwüstungen seiner Söldner wieder gutzumachen versuchte, die wirtschaftlichen Verhältnisse seines Hauses sanieren und das Stiftsgebäude repräsentativ auszustatten. 1498 gewährte Papst Alexander VI. ihm und allen seinen Nachfolgern den Gebrauch der Mitra, des Stabes und Ringes und der anderen Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7. Mai 1512 brach in einem Haus auf dem Unteren Marktplatz ein Brand aus, der auch auf die Widem übergriff. Das Feuer griff auch auf das Kloster über, alle Zellen der Brüder und das Winterrefektorium brannten aus. Außerdem wurden das Infirmarium, die Dechantei, die Bibliothek und die Sakristei zerstört. Das Feuer sprang auch auf das Mariensacellum über und vernichtete dort die Orgel. Ebenso brannte die Schule nieder. Die Kirchenausstattung – die Tafelbilder und die Altäre – wurde verschont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation bis Barock=== &lt;br /&gt;
Im Jahr der Wahl des hochgelehrten Propstes  [[Johannes V. Bernhard von Nußdorf]] (1517–1533) veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen und löste eine Reformationsbewegung aus, in der Klosterleben zunehmend kritisch beurteilt wurde. Unter Propst [[Bernhard I. Schönberger]] (1533–1541) legte der Chorherr Johann Peurl die priesterliche Kleidung ab und verließ seinen Orden, Neueintritte blieben zunehmend aus. In wirtschaftlicher Hinsicht hatte Propst Bernhard mit den Belastungen der den Klöstern vorgeschriebenen Abgaben zur Finanzierung der Kriege gegen die Osmanen zu kämpfen und konnte die Steuerleistungen nur durch den Verkauf des Stiftshauses in Wien erbringen. Für viele Jahre war Bernhard der letzte frei gewählte Propst von Herzogenburg. Die nun folgenden Pröpste waren Weltpriester oder stammten aus anderen Ordenshäusern, wurden postuliert oder vom Kaiser ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Wunsch Kaiser Ferdinands I. wurde [[Philipp von Maugis]] (1541–1550) zum Propst bestimmt. Philipp entstammte einer adeligen belgischen Familie, war ab 1545 Regent der niederösterreichischen Landesregierung und Erzieher der Söhne Ferdinands I. Noch im Jahr seines Amtsantrittes trat in Herzogenburg, wie in vielen Orten Österreichs, die Pest auf, an der täglich bis zu 30 Personen starben. Alle Chorherren im Stift mit Ausnahme des Propstes und eines Konventualen fielen der Seuche zum Opfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philipps Nachfolger war [[Bartholomäus von Cataneis]] (1550–1563). Er entstammte einer vornehmen italienischen Familie aus Bergamo, war palatinischer Graf, apostolischer Protonotar und oberster Hofkaplan. Durch sein Administrationstalent gelang es ihm, das Stift über die finanziellen Hürden zu bringen. Wegen seiner Tüchtigkeit wurde er zum Administrator von Göttweig bestellt (1556–1563). Der Klosterrat bemängelte bei seiner Visitation allerdings die Konkubinate der Stiftsherren und deren protestantische Gesinnung. Die Kommissäre erteilten dem Propst einen strengen Verweis und befahlen ihm, den Dechant abzusetzen und einzusperren. Nach dem Visitationsbericht vom Jahr 1561 befanden sich im Stift Herzogenburg nur mehr vier Konventualen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krisenzeit des Stiftes wurde der Prälat von St. Andrä [[Johannes VI. Pülzer]] (1563–1569) zum Propst bestimmt. In seinem Wahlinstrument hieß es, er sollte baldmöglichst die Zahl der Chorherren ergänzen, da sich dieselben fast alle &amp;quot;verloffen&amp;quot; hätten. Wirtschaftskrisen, Hungersnot, Erhöhung der Steuern und die Tatsache, dass viele seiner Mitbrüder lutherisch wurden, trieben Propst [[Johannes VII. Glaz]] (1569–1572) zu einem Verzweiflungsakt: in der Nacht des 14. September 1572 floh er in Begleitung eines Dieners aus dem Stift.&lt;br /&gt;
Nun folgte ein Mann aus dem eigenen Haus, [[Jakob Reisser]] (1573–1577). Durch seine Sparsamkeit und energische Haltung ging es sowohl finanziell als auch disziplinär im Stift aufwärts. Im Visitationsbericht wurde vermerkt, dass er keine goldene Kette und auch keine kostbaren Kleider trug, keine Spiele gestattete und die Musik bei Tisch abgeschafft habe. Außerdem hätten Propst und Konventualen keine Konkubinen. Er bemühte sich, Mitarbeiter aus dem Ausland zu bekommen, um die Ausbreitung der lutherischen Lehre zu stoppen. Denn die Gemeinde Herzogenburg war zum Großteil schon protestantisch und die Pfarrkinder gingen bereits in die umliegenden Ortschaften, um bei den &amp;quot;sektischen Predigern&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod postulierte der Klosterrat den Propst des [[Stift St. Dorothea|Chorherrenstiftes St. Dorothea]] in Wien, [[Georg II. Brenner]] (1578–1590). Georg war Hofkaplan bei Kaiser Maximilian II. gewesen und der Klosterrat schlug ihn 1588 als Bischof von Wiener Neustadt vor. Er strebte den Erwerb des Unteren Formbacher Marktes Herzogenburg, der noch immer großteils protestantisch war, an, scheiterte jedoch. Die Trennung beider Märkte Herzogenburg blieb bis 1806 bestehen. Propst Georg Brenner setzte aber Maßnahmen gegen das Luthertum durch, Herzogenburger Bürger, die zu den „Predikanten ausliefen“, wurden mit schweren Strafen bedroht. Ebenso mussten die Herzogenburger ihre Kinder in die katholische Schule schicken und dem Gesinde wurde verboten, sich während des sonntäglichen Gottesdienstes in Wirtshäusern oder auf Spielplätzen aufzuhalten. Kirche, Kloster- und Wirtschaftsgebäude wurden unter Propst Georg Brenner renoviert und ausgebaut, Messgeräte, Bücher und Musikinstrumente angekauft. Der Lesehof in Königstetten wurde renoviert und der Hof von Klosterneuburg fast zur Gänze neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Krankheit stand dem Propst in den letzten Jahren [[Paul Zynkh]] als Koadjutor zur Seite. Da es nach dem Tod des Propstes bei der Neubesetzung zwischen Klosterrat und dem Passauer Bischof zu Unstimmigkeiten gekommen war, verwaltete Paul Zynkh über ein Jahr als Administrator das Stift, bis er zum Propst gewählt wurde (1591–1602).Er setzte die gegen den Protestantismus gerichteten Maßnahmen seines Vorgängers fort und bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg, dessen Predigttätigkeit zu einer Rekatholisierung führte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der ständigen Gefahr von osmanischen Einfällen wurden die Verteidigungsanlagen des Klosters gemäß dem kaiserlichen Mandat ausgebaut und die Rüstkammer des Stiftes mit modernen Waffen versehen. Während eines halbjährigen Kuraufenthaltes des Propstes in St. Pölten entbrannte eine heftige Auseinandersetzung zwischen dem Stiftsdechant und dem Konvent. Der kranke Propst kehrte zurück und hielt ein Kapitel. Der Dechant wurde abgesetzt und im Lauf von drei Wochen bei Wasser und Brot „dasig“ gemacht. Die letzten drei Jahre seines Lebens war Propst Paul Zynkh Deputierter der niederösterreichischen Stände und hielt sich oft in Wien auf. Aus diesem Grund kaufte er dort 1601 ein Wohnhaus, den „Heidelberger Hof“ in der Annagasse. Das Gebäude ist heute noch im Besitz des Stiftes und trägt den Namen Herzogenburgerhof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Landesebene konnte der Protestantismus Schritt für Schritt zurückgedrängt werden. Propst Paul bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg. Dieser konnte durch seine eindrucksvollen Predigten viele Protestanten des Marktes zum katholischen Glauben zurückführen. Um die Jahrhundertwende war Herzogenburg wieder eine vorwiegend katholische Gemeinde. In den Dörfern ging die religiöse Erneuerung langsamer vor sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als [[Melchior Kniepichler]], ehemaliger Propst des Stiftes Dürnstein, von König Matthias als Propst postuliert wurde (1609–1615), protestierte der Herzogenburger Konventuale [[Johannes Held]] in einem Schreiben an den Passauer Offizial, weil Propst Melchior in St. Andrä (1592–1599) &amp;quot;Schulden gehäuft und von dann gezogen sei&amp;quot;, er habe dann &amp;quot;Tirnstain ohne Schulden angetreten und gehe nun mit Schulden weg&amp;quot; (1599–1609); beide Male in Folge seiner verschwenderischen Freigiebigkeit gegen Verwandte und Freunde. Weiters klagt er, dass Melchior dem Trunke ergeben und &amp;quot;in diesem Zustand unausstehlich streitsüchtig sei.&amp;quot; Schließlich, dass Melchior das weibliche Geschlecht liebe und gerne Tanzunterhaltungen besuche. In den Klosterratsakten hieß es, &amp;quot;dieser Mann war mehr Schelm als Mönch&amp;quot;. Am 26. Juli 1615 kam eine Untersuchungs- und Strafkommission nach Herzogenburg. Aufgrund der strengen Linie von Bischof Melchior Klesl wurde der Propst gefangen nach Wien geführt, verhört und einige Monate eingesperrt. Erst nach drei Jahren wurde Melchior rehabilitiert und zum zweiten Mal zum Propst von Dürnstein bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Wahlturbulenzen in den folgenden Jahren bestimmte Kaiser Ferdinand II. den Dechant des Kathedralstiftes Seckau [[Martin III. Müller]] zum Vorsteher in Herzogenburg (1621–1640). Er war ein eifriger Förderer der Gegenreformation, reformierte das klösterliche Leben und führte neue Statuten ein. Er erreichte auch, dass ihm die [[Pfarre Hain]] wieder zurückgegeben wurde, wo bisher nur protestantische Prediger angestellt waren. Den Konflikt mit der dort tonangebenden protestantischen Familie der Jörger konnte erst sein Nachfolger [[Johannes Bauer]] (1640–1653) beilegen. Propst [[Joseph Kupferschein]] (1653–1669) versuchte ebenfalls auf friedliche Weise die Protestanten zum katholischen Glauben zurückzugewinnen. Er war sowohl ein gelehrter Mann (1641 war er Rektor der Universität in Wien) als auch ein tüchtiger Wirtschafter. Propst [[Anton Sardena]] (1669–1687) begann mit viel Schwung die weiteren Restaurierungsarbeiten bzw. die Barockisierung des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679/80 wütete die Pest in Herzogenburg und kostete viele Menschen das Leben. In der Stiftsgeschichte von Dechant Beyer wird auch das Erscheinen eines Kometen vermerkt, der im Jahr 1680 am Fest des hl. Stephan zum ersten Mal erschien und als Vorbote der Osmaneneinfälle interpretiert wurde. Am 14. Juli 1683 erschien eine osmanische Streifschar vor Herzogenburg. Sie ließ den gut befestigten Ort zunächst ungeschoren. Als die Gefahr immer größer wurde, flüchtete der Prälat auf Bitten seiner Geistlichen mit dem Archiv und der Schatzkammer nach Dürnstein. Unter den im Kloster verbliebenen Chorherren befand sich [[Gregor Nast]], der später einen ausführlichen Bericht über die Osmaneneinfälle verfasste. Eine größere Truppe versuchte die Erstürmung des Marktes und schichtete Stroh vor die Markttore, um sie durch Feuer zu zerstören. Die Bürger leisteten mit ihren Schusswaffen allerdings tatkräftigen Widerstand. Zahlreiche Bauernhöfe von Herzogenburger Grundholden wurden jedoch geplündert und niedergebrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zeit erholten sich das Land und die Klöster von den Nachwirkungen der Türkenkriege und mit der Wiederkehr von geordneten Zuständen verbesserte sich auch die wirtschaftliche und religiöse Situation. Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) war lange Jahre ein eifriger Seelsorger und stand als Dechant und späterer Prälat seinen Mitbrüdern auf den Pfarren beim Wiederaufbau bei. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) betrieb die wirtschaftliche Konsolidierung seines Hauses nach dem Krieg und den Wiederaufbau bei Pfarren und Wirtschaftshöfen. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prandtauer wurde 1714 von Propst [[Wilhelm von Schmerling]] (1709–1721) mit einem barocken Neubau des Stiftsgebäudes beauftragt. Nach Schleifung des alten Klosters – nur ein Teil des mittelalterlichen Kreuzgangs blieb erhalten – wurde eine zweihöfige neue Stiftsanlage errichtet, der zweite Hof jedoch baulich nie fertiggestellt. Die von Prandtauer gebauten Trakte sind vornehm und voll künstlerischen Lebens. Einzig an der Ostseite sprengt der Saalbau nach Plänen von Fischer von Erlach die Prandtauersche Fassade: er tritt um eine Achse hervor und überragt sie mit den Oberfenstern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Herzogenburg geborene Propst [[Leopold von Planta]] (1721–1740) schloss die Bauarbeiten ab und besorgte die wirtschaftliche Stabilisierung des Hauses. In seiner Regierungszeit wurde am 18. September 1724 das Stift in die [[Lateranensische Choherrenkongregation]] aufgenommen. Die Pröpste führen seitdem den Titel eines Lateranensischen Abtes. Propst Leopold führte nach dem Beispiel von Klosterneuburg den schwarzen Talar anstelle der weißen Kleidung für seine Mitbrüder ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Frigdian Knecht]] (1740–1775) wurde im Österreichischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen gefangengenommen, um eine Kriegssteuer in der Höhe von 14.000 Gulden zu erpressen. Er wurde nach den Worten des Stiftsdechanten „hin und hergeführt zu Schand und Spott“. Erst nach sechstägiger Gefangenschaft und Zahlung des hohen Lösegeldes konnte der Prälat wieder ins Stift zurückkehren. 1743 entschloss er sich, die Kirche durch den jungen Baumeister Franz Munggenast neu errichten zu lassen. Der Turm wurde 1767 nach Entwürfen von Johann Bernhard Fischer von Erlach durch Matthias Munggenast ausgeführt. Die Architektur dieser Kirche und die Ausstattung durch Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte können zu den großen Leistungen des österreichischen Barocks gezählt werden. In den Pfarren [[Stollhofen]], [[Hain]], [[Rottersdorf]] und [[Brunn]] ermöglichte Propst Frigdian ebenfalls die Barockisierung der Kirchen. Durch die Stiftung von 7.000 Gulden des Wiener Stadtrates Jakob Bodenreiter konnte in Theiß der Pfarrhof neu errichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seines wissenschaftlichen Interesses kaufte der Propst Jahr für Jahr viele wertvolle Bücher, ordnete das Archiv und unterstützte den Aufbau eines eigenen Münzkabinetts. Auf musikalischem Gebiet war sein Mitbruder [[Georg Johann Donberger|Georg Donberger]] tätig. Als Regens chori komponierte dieser unermüdlich und seine Werke sind in den Musikarchiven vieler österreichischer Stifte zu finden. Als Propst Frigdian Knecht nach 35-jähriger Amtszeit im Jahr 1775 starb, hinterließ er ein geordnetes Haus, das spirituell, künstlerisch und wirtschaftlich einen guten Ruf hatte. Er wird auch der dritte Gründer genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Josephinismus bis Gegenwart===&lt;br /&gt;
Propst [[Michael Teufel]] (1782–1809) war Parteigänger von Kaiser Joseph II. und administrierte für ihn die Aufhebungen der Chorherrenstifte St. Andrä an der Traisen und Dürnstein. Das Patent des Kaisers über die Klosteraufhebungen wurde für das Stift St. Andrä an der Traisen wirksam, das nach dem Tod des letzten Propstes [[Gregor Grindler]] 1783 dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde. Das Chorherrenstift Dürnstein wurde 1788 mit dem Stift Herzogenburg vereinigt. Gegen diesen Bescheid erhob zwar der Bischof von St. Pölten Einspruch, doch wurde mit Hofdekret vom 7. Juni 1788 die endgültige Aufhebung Dürnsteins angeordnet. Als durch die Aufhebung der Benediktinerabtei Formbach am Inn der Untere Markt Herzogenburg Staatseigentum wurde, konnte ihn Propst Michael durch geschickte Verhandlungstaktik 1806 kaufen und mit dem Oberen Markt vereinigen. Ein Höhepunkt in der Regierungszeit des Propstes Michael Teufel war die Weihe der neuen Herzogenburger Stiftskirche am 2. Oktober 1785, sie erfolgte durch [[Heinrich Johannes von Kerens]] dem ersten Bischof, der in St. Pölten residierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Koalitionskriegen war Stift Herzogenburg nach der Schlacht im nahegelegenen Dürnstein-Loiben im November 1805 direkt betroffen. Französische Truppen fielen in die Stadt ein, brachen Keller auf und plünderten. Hohe Geldforderungen der französischen Offiziere und Einquartierungen von Soldaten belasteten das Stift schwer. Propst Michael floh während des Krieges mit der Münzsammlung und anderen Kostbarkeiten nach Ungarn in die Abtei Zirc. Kämmerer [[Josef Leuthner]] brachte sich mit den anderen Wertgegenständen auf das Gut Primmersdorf (Waldviertel) in Sicherheit. Im Rahmen des Österreichisch-Französischen Krieges im Jahr 1809 und der zweiten Eroberung Wiens durch Napoleon hatte Herzogenburg wieder unter französischen Truppen, ganz besonders unter den württembergischen Hilfstruppen zu leiden. Bei dieser zweiten Franzoseninvasion kam der Propst allerdings nicht mehr unbehelligt davon. Noch kurz vor seinem Tod wurde er in seinem Zimmer von einem französischen Husaren misshandelt und seines Kreuzes und Ringes beraubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Michael Teufel hat um das Stift beinahe so große Verdienste wie sein Gründer – der Volksmund unterstrich das Weiterbestehen des Stiftes mit dem Bonmot: „Der Teufel hat das Stift gerettet.“ Im Geist der neuen josephinischen Begräbnisordnung wurde er als erster Stiftsvorsteher außerhalb des Ortes auf dem allgemeinen Friedhof in einem bescheidenen Mausoleum bestattet. 1977 wurden die sterblichen Überreste des Propstes exhumiert und neben seinem Grabdenkmal in der Stiftskirche beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Amortisationsgesetze und Religionsfondsabgaben der spätjosephinischen Ära belasteten die Stiftswirtschaft und führten zu erheblicher Verschuldung. Der ehemalige Stiftsdechant Propst [[Aquilin Leuthner]] (1811–1832) konnte das Haus nur insofern aus der finanziellen Not retten, als er von Kaiser Franz I. einen Nachlass der Schulden erreichte. Dem josephinischen Nützlichkeitsgedanken entsprach das Kloster durch Errichtung eines Schulgebäudes auf dem Stiftsgelände im Jahr 1829, dem der Westtrakt des mittelalterlichen Kreuzwegs weichen musste. Die Visitationen des St. Pöltner Bischofs Jakob Frint führten in Herzogenburg zur allmählichen Umsetzung der Klosterreformen der Restaurationszeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Bernhard II. Kluwick]] (1832–1843) erreichte die aus Osteuropa kommende Choleraepidemie auch Niederösterreich. Die Angst vor dieser Seuche veranlasste die Stiftsherren, zur Versorgung der Kranken an den Gangenden sogenannte Choleraöfen zu errichten: „... also die Küche zu weit entfernt ist, um schnell den notwendigen Tee und warmes Wasser herbeizuschaffen.“ Das Lebenswerk von Propst Bernhard war die Erbauung der Pfarrkirche in [[Theiß]].&lt;br /&gt;
Propst [[Karl Stix]] (1843–1847) konnte einen weiteren bedeutenden Schuldenerlass bei Kaiser Franz I. erreichen. Aus Dankbarkeit feierte das Stift jahrzehntelang den Todestag des Monarchen mit dem „Kaiserrequiem“. 1844 konnte er die Jubiläumsfeier der Übertragung des Stiftes von St. Georgen nach Herzogenburg (1244) festlich begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Revolutionsjahr hob am 7. September 1848 hob der Reichstag die bäuerliche Untertänigkeit auf und das Feudalrecht mit Robot und Zehent wurde abgeschafft. Propst [[Josef II. Neugebauer]] (1847–1856) verkaufte in der Folge 1851 das Gut Primmersdorf 1851, das bis dahin der Einbringung der klösterlichen Zehentrechte im nördlichen Waldviertel gedient hatte. Am 8. Oktober 1848 – auf der Flucht von Wien in die Festung Olmütz – kam Kaiser Ferdinand I. mit seinem Gefolge nach Herzogenburg und wurde als Gast im Stift beherbergt. Am selben Abend unterzeichnete der Kaiser ein Manifest „An die Völker meiner deutsch-erbländischen Provinzen“. Am nächsten Morgen zog der Kaiser mit seinem Gefolge weiter. Der Name „Kaisergasse“ in Herzogenburg erinnert noch heute an diese Begebenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1853 gab es eine kanonische Visitation durch den St. Pöltener Bischof Feigerle, und zwei Jahre darauf visitierte auch der Linzer Bischof Rudiger in Vertretung des Kardinals Fürst Schwarzenberg das Stift Herzogenburg. Auch er war sehr zufrieden mit dem Stand des Hauses und „schied mit wahrer Herzensfreude vom Stift“. Auch unter dem nächsten Vorsteher des Stiftes Propst [[Norbert Zach]] (1857–1887) herrschte ein gutes Klima im Haus. Von den 34 Mitgliedern des Stiftes waren 25 Priester in der Seelsorge tätig, vier hatten häusliche Offizien, zwei Kleriker studierten an der theologischen Hauslehranstalt im [[Chorherrenstift Klosterneuburg]], zwei Novizen wurden im Haus in die Lebensordnung der Chorherren eingeführt.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1862 gründete der Stiftskurat und spätere Dechant [[Ferdinand Mann]] den katholischen Gesellenverein, der sich um die seelsorglichen und menschlichen Anliegen der arbeitenden Bevölkerung kümmerte. Die Stadt Herzogenburg begann den Schritt ins Industriezeitalter, als 1874 die Firma Vollrath (Nägel, Schrauben) von Wien nach Herzogenburg/Oberndorf übersiedelte. 1875 folgte ihm Carl Grundmann, ein pensionierter Danziger Lokomotivführer, der sich auf die Erzeugung von Türschlössern spezialisiert hatte. In diese Zeit fällt auch die Planung und der Bau der Eisenbahnlinien im Raum Herzogenburg: Am 3. August 1885 wurde die Strecke Tulln – St. Pölten, am 16. Juli 1889 die Strecke Herzogenburg – Krems eröffnet. Seit dieser Zeit „ist der Markt mit zwei Hauptverkehrsadern der Monarchie“, mit der West- und der Franz-Joseph-Bahn, verbunden. Um der rasch anwachsenden Bevölkerung eine bessere Ausbildung und damit größere Berufschancen geben zu können, wurde die Stiftsschule schon 1867 zu einer Pfarr-Hauptschule erweitert. Heute wird das neben der Stiftskirche gelegene Schulgebäude von der Herzogenburger Sonderschule und der Musikschule benützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das äußere Bild des Ortes änderte sich Mitte des 19. Jahrhunderts. Drei Tore der alten Marktbefestigung wurden abgetragen; ebenso Teile der Ringmauer. Ein Stückchen dieses mittelalterlichen Ensembles ist heute noch im nördlichen Stiftsbereich zu sehen, wo Mauer, Graben, Verteidigungsturm und das einzige noch bestehende Stadttor, das „Au-Tor“, auch „Nordtor“ genannt, erhalten blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Schlacht bei Königgrätz Mitte Juli 1866 drangen die preußischen Truppen bis ins Waldviertel vor und das österreichische Militär zog sich – größtenteils kampflos – auf das südliche Donauufer zurück. Das Stift richtete im Auftrag der k. k. Statthalterei ein Spital für die Soldaten ein. Für seine Verdienste wurde der Propst im Jahr 1879 vom Kaiser mit dem Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet. Während seiner zehnmonatigen Funktion als Administrator des Stiftes veranlasste Dechant Emmerich Wallner die Gestaltung des nach ihm benannten „Emmerichhofes“ im Westtrakt des Stiftsgebäudes.&lt;br /&gt;
In der Person des folgenden Propstes [[Frigdian II. Schmolk]] (1888–1912) vereinigten sich Kirchenfürst und Staatsmann. 1902 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum Landmarschall (Vorsitzender des Landtages). Vier Jahre lang hatte er dieses Amt inne. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der Kaiser die Würde eines Wirklichen und Geheimen Rates und berief ihn auf Lebenszeit als Reichsrat in das Herrenhaus. Um 1900 erreichte das Stift seinen höchsten Personalstand: 40 Konventualen gehörten zum Kloster. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Frigdian wurden in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das Stiftsgebäude, der Turm, die Orgel und das Innere der Kirche restauriert. Dechant Ferdinand Mann ließ auf seine Kosten 1903 den Maria-Lourdes-Altar errichten und die zwei Holzstatuen Herz-Jesu und Herz-Maria in der Kirche aufstellen. 1907 wurde der Zusammenschluss der österreichischen Chorherrenstifte zur „Österreichischen Kongregation der regulierten Lateranensischen Chorherren“ erreicht. Als Konvisitator wurde Propst Frigdian Schmolk gewählt. Eine enge Freundschaft verband Propst Frigdian mit dem Wiener Bürgermeister Karl Lueger. Als dieser tödlich erkrankte, berief er seinen langjährigen Freund zu sich, der ihm die die Sterbesakramente reichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmolks Nachfolger wurde [[Georg III. Baumgartner]] (1913–1927). Mit größter Sparsamkeit und Umsicht lenkte er das Stift durch die wirtschaftlichen Erschütterungen des Ersten Weltkrieges. Er stellte das Sommerrefektorium als Kaserne für die Marschkompanien und den Theatersaal dem Roten Kreuz zur Pflege der Verwundeten zur Verfügung. Vom Krieg selbst wurde Herzogenburg nur mittelbar betroffen: durch die vielen Gefallenen. Ihre Namen sind auf einer Marmortafel, rechts beim Eingang der Kirche, eingemeißelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 ließ Propst Georg das veraltete stiftliche Elektrizitätswerk– die ehemalige Stiftsmühle – in eine moderne Wasserkraftanlage mit Turbinen umbauen, die das Stift und Teile der Stadt Herzogenburg jahrelang mit Strom versorgte. Bedeutende Verdienste erwarb sich Georg Baumgartner durch seine wissenschaftliche Forschung über die Urgeschichte, inspiriert durch die archäologischen Funde aus der Hallstattzeit auf Grundstücken, die zum Stift gehörten. Bis zuletzt arbeitete er mit großer Genauigkeit an der Hausgeschichte und an der Baugeschichte der Kirche und des Stiftes und verfasste weiters den Artikel „Herzogenburg“ in der „Topographie von Niederösterreich“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die allgemeine Wirtschaftskrise machte sich auch im Stift bemerkbar. Das Steueramt St. Pölten drängte immer öfter unter Androhung der Zwangsverwaltung auf Bezahlung der Steuerschulden. Das Kapitel unter Propst Georg sah sich gezwungen, einem Beschluss zum „Verkauf einzelner Wertgegenstände näher zu treten“. Einige wertvolle Kunstgegenstände wurden verkauft. In diese politisch sehr schwierige Zeit fällt eines der größten Ereignisse für Herzogenburg, die Stadterhebung: Am 30. Juni 1927 beschloss der Landtag von Niederösterreich, den Markt Herzogenburg „trotz der verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl“ (2.800) zur Stadt zu erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der spätere Landtagsabgeordnete und Vertreter des Klerus [[Ubald Steiner]] (1927–1946) wurde zum nächsten Propst gewählt. Es gelang ihm, das Stift durch die schwierige wirtschaftliche Lage der dreißiger Jahre zu führen, was den Verkauf mehrerer Grundstücke und Kunstschätze beinhaltete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Sozialdemokratie in den 1920er Jahren wurden auch in Herzogenburg, das durch seine metallverarbeitende Industrie über einen hohen Arbeiteranteil verfügte, vehement geführt. Der Stiftsdechant  und Pfarrer [[Anton Rudolf]] stand im Ruf, „der von den Sozialdemokraten wohl bestgehasste Chorherr“ zu sein. Er war der Typ von Priesterpolitiker, der die ohnehin spannungsgeladenen dreißiger Jahre durch sein Zelotentum und seine nie erlahmenden Bekehrungsversuche an ungläubigen Marxisten eher verschärfte denn beruhigte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Volksabstimmung vom 10. April 1938 brachte in Herzogenburg 2.047 Ja-Stimmen für den Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland und nur fünf Gegenstimmen. In der Folgezeit erhielt Herzogenburg den Namen „Stadt der Treue“. In diesen Jahren wurden die Repressalien gegenüber den kirchlichen Institutionen und der Geistlichkeit immer spürbarer. Die Stiftstaverne und der Theatersaal wurden beschlagnahmt. 400 Herzogenburger traten aus der Kirche aus, und rund 100 Kinder wurden vom Religionsunterricht abgemeldet. Das Herzogenburger Pfarrblatt, das seit 1915 erschien, wurde wegen „Papierknappheit“ 1941 eingestellt. Das Stift wurde von den Nationalsozialisten zwar nicht aufgehoben, war aber in seiner Wirtschaftsführung nicht mehr unabhängig. Teile des Stiftsgebäudes wurden 1940 für ein Einquartierung von bessarabischen Umsiedlern und später auch anderen Flüchtlingen beschlagnahmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum „schwarzen Montag“ wurde der 6. November 1944. 300 Bomben fielen in und um Herzogenburg: 20 Tote und große Sachschäden waren die traurige Bilanz. Am 14. April 1945 rückten nach einer kurzen Kanonade die Sowjets in Herzogenburg ein. Eine Gruppe von Herzogenburgern, unter ihnen Propst Ubald, ging ihnen mit der weißen Fahne entgegen. Die Stiftsgebäude waren durch einige Bombentreffer leicht beschädigt worden, schwerer betroffen waren die Stiftswälder, die durch die Luftangriffe schwere Schäden hatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Georg IV. Hahnl]] (1946–1963) betrieb den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit. Im Jahr 1948 wurden vier neue Glocken der Stiftskirche geweiht. 1942 hatten alle Glocken bis auf die größte, die Pummerin, der Rüstungsindustrie abgeliefert werden müssen. Wissenschaftliche Berühmtheit erlangte Propst Georg durch seine Arbeit auf dem Gebiet der Heimat- und Urgeschichtsforschung. Fast seine ganze Regierungszeit als Propst war allerdings von einer schweren Krankheit überschattet, was sich negativ auf das Klima und die Personalsituation des Stiftes auswirkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Resignation wurde [[Thomas Zettel]]  (1963–1969) zum nächsten Vorsteher des Hauses gewählt. Nach langen Vorbereitungen öffnete 1964 das Stift Herzogenburg seine Räume und Säle für über 100.000 Besucher anlässlich seiner (etwas verspäteten) 850-Jahr-Feier. Der ebenerdige Teil des sogenannten „Altstiftes“, die Reste der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen alten Klosteranlage, war renoviert worden und das spätgotische Refektorium „glänzte“ durch die kurz zuvor freigelegten Fresken von ca. 1500. Daneben im frühbarocken Refektorium waren die Funde aus der Ur- und Frühgeschichte neu aufgestellt worden. Im Barockgebäude wurde im ersten Stock im ehemaligen Gästetrakt eine Ausstellung für die restaurierten Kunstschätze des Stiftes, insbesondere seine Sammlung mittelalterlicher Flügelaltäre, eingerichtet. Im Festsaal, in der Bibliothek, im Bildersaal und in elf weiteren Ausstellungsräumen erlebten und erleben Besucher das künstlerische Erbe des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1965 gab es eine einschneidende wirtschaftliche Umstellung: der Weinbau und die Landwirtschaft konnten in Eigenregie nicht mehr positiv geführt werden, deshalb wurden beide Wirtschaftszweige verpachtet. Der Forst als dritte Einnahmequelle wird bis heute noch selbst geführt, die Jagden sind verpachtet. Das Gebäude, in dem die ehemalige Stiftstaverne befand, wurde an die Stadtgemeinde Herzogenburg verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1977 erreichten die ökumenischen Gespräche und Gottesdienste, die vom späteren Propst [[Maximilian Fürnsinn] initiiert wurden, ihren Höhepunkt in der Ausstellung &amp;quot;Kunst der Ostkirche&amp;quot;. Zum ersten Mal feierten in diesem Zusammenhang die Vertreter aller elf östlichen und westlichen Kirchen in Österreich einen gemeinsamen Gottesdienst in der Herzogenburger Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Stadt Herzogenburg“ wurde die Nordeinfahrt des Stiftes restauriert und der Innenhof nach barockem Vorbild neu gestaltet. In diesem Jahr, 1977, wurde auch der Abschluss der Turmrenovierung gefeiert. Propst [[Clemens Moritz]] (1969–1979) wurde zum Ehrenbürger von Herzogenburg ernannt. Er war nicht ein Prälat im Sinne der prachtvollen Barockzeit – musste er doch einen personellen Tiefstand von nur 14 Mitgliedern erleben – wohl aber im Sinne des Ordensstifters Augustinus ein Seelsorger, besorgt um seine Gemeinde und seine Mitbrüder. Auch nach der Resignation blieb Altpropst Clemens bis zum Jahr 1996 der Pfarrer von Herzogenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit [[Maximilian II. Fürnsinn]] (1979–2019)) bekam das Stift nach 200 Jahren wieder einen gebürtigen Herzogenburger zum Propst. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war zunächst die Renovierung der Stifte und Pfarren. Allein mit einem Kostenaufwand von rund 50 Millionen Schilling wurde das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein in der Zeit von 1985 bis 1995 restauriert. Die zehnjährige Renovierung des Stiftes Herzogenburg wurde im Jahr 2012 abgeschlossen, sie umfasste neben der Fassadensanierung unter anderem die Instandsetzung der musealen Räumlichkeiten. Die neue Dauerausstellung konnte im Jahr 2012, als das Stift das Jubiläum seines 900jährigen Bestehens beging, eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den zentralen Anliegen von Propst Maximilian gehörte, dass das Stift – entsprechend der jahrhundertelangen Tradition – eine offene Begegnungsstätte ist. So gehen auf seine Initiative viele Tagungen, Bildungsveranstaltungen und Zusammenkünfte von verschiedenen Institutionen und Vereinigungen zurück. Neben den zuvor erwähnten ökumenischen Treffen haben etwa die Ritter vom Heiligen Grab in Jerusalem der Komturei St. Pölten hier regelmäßige Zusammenkünfte. Besonders erwähnenswert sind die in der Regierungszeit von Propst Maximilian abgehaltenen &amp;quot;Herzogenburger Gespräche&amp;quot;, anlässlich derer mehrmals im Jahr 60 bis 80 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kirche zentrale gesellschaftliche Fragen behandelten. Pastorales Wirken war dem vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägten Seelsorger Maximilian Fürnsinn ein besonderes Anliegen, vor allem die Lebendigkeit in der Pfarrseelsorge lag ihm am Herzen. In der Pfarre Herzogenburg entstand aus einem Kinderfest der Katholischen Jungschar der heute größte Kinderevent Niederösterreichs, die „Niederösterreichischen Kindersommerspiele“ (NÖKISS).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kirchliche Engagement von Propst Maximilian führte dazu, dass er 1982 zum ersten Mal zum Vorsitzenden der niederösterreichischen Äbtekonferenz gewählt wurde. Von 1989 bis 1994 war er Vizepräsident der ökumenischen Stiftung Pro Oriente. Von 1998 bis 2013 war Maximilian Fürnsinn Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2019 wurde [[Petrus Stockinger]] zum neuen Propst von Herzogenburg gewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Bischof Ulrich I. von Passau (1092–1121) konnte seiner Neugründung, dem Augustiner-Chorherrenstift St. Georgen, nur wenig schenken. In der Gründungsurkunde des Klosters bemühte er daher auch die Heilige Schrift und erwähnt das Opfer der armen Witwe, die nur zwei Kupfermünzen in den Opferkasten des Tempels warf, die aber von Jesus gelobt wurde, weil sie alles gab, was sie besaß. Der Bischof schenkte einiges von seinem persönlichen Besitz her, vielleicht sogar alles, was er in der damaligen Ostmark sein Eigentum nannte. Und das war für die junge Kommunität gerade genug zum Überleben. Katastrophen oder wirtschaftliche Schwierigkeiten durfte es keine geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bischof übergab der Klostergemeinschaft seine ererbte Eigenkirche St. Georgen an der Traisenmündung mit Fischwassern, Weingärten, Wiesen und Wäldern. Ebenso vermachte er aus seinem persönlichen Besitz ein Gut und eine Hube zu Sebarn, eine Hube zu Perschling, Engabrunn und Gumpolding, eine halbe Hube in Pötzleinsdorf (bei Wien) und eine zu Kamp, je einen Weingarten zu Kuffern und Egelsee und zwei Weingärten in Inzersdorf. Aus dem bischöflichen Gut schenkte er drei Weingärten in Hundsheim mit einem Lehen, je einen Weingarten in Stein, Weinzierl und Plechingen (zwischen Stein und Krems), den dritten Teil des Zehents von Teras und Merzleinswerd, die Hälfte des Zehents von den Pfarren Herzogenburg und Traisenburg sowie das ganze Dorf Streithofen (im Tullnerfeld). Einige Jahre später schenkte Bischof Ulrich zur Aufbesserung noch sechs Weingärten dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der wirtschaftlichen Not des jungen Stiftes versuchte nun 1160 Bischof Konrad von Passau (1148–1164) mit einer (gefälschten) Urkunde zu helfen, in der er das neuzugründende Stift St. Andrä mit St. Georgen vereinigte. Dieser Zusammenschluss scheiterte am Widerstand Ottos von Rechberg, der schließlich ein eigenständiges Kloster St. Andrä errichten konnte. Als Entschädigung übertrug Bischof Konrad dem Stift St. Georgen die Pfarre Marquardsufer und den Schweighof bei Zeiselmauer, um der &amp;quot;materiellen Not des Stiftes abzuhelfen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam konnte das Stift in den folgenden Jahrhunderten seinen Besitz durch Schenkungen vermehren, wobei das Waldviertel und das untere Traisental zu Schwerpunkten der Besitzungen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Urkunde von 1163 werden als Zeugen zuerst die Äbte von Göttweig und Zwettl, der Propst von St. Pölten und dann der Propst von St. Georgen, Albert, angeführt. 25 Jahre später kommt Propst Berthold von St. Georgen in der Zeugenfolge nach den Äbten von Göttweig, Melk und Altenburg, jedoch vor den Pröpsten von St. Nikolai und St. Andrä. Diesen Platz in der Reihenfolge der niederösterreichischen Stifte nimmt Herzogenburg bis über die Barockzeit ein. Nach den Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II. dürfte das Stift Herzogenburg besitzmäßig an die letzte Stelle gerückt sein. Doch noch einmal zurück ins Mittelalter. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im 12. Jahrhundert konnte das Stift seine Besitzungen durch Kauf, vor allem aber durch Schenkungen vermehren. Die Vielzahl der Schenkungen im Mittelalter sind meist auch ein Zeugnis von guter Spiritualität: einem glaubensstarken Kloster vertraut man eher seine Gebetsanliegen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste große Finanzaufwand war der zweite Neubau des Klosters in Herzogenburg um 1244. Das älteste Zehentverzeichnis, das in das Jahr 1299 zurückreicht, zeigt jedoch schon eine wirtschaftliche Stabilisierung auf. Das Stift besaß nun zehn &amp;quot;Ämter&amp;quot;, i. e. Zehenthöfe, die für die Einhebung der Zehente notwendig waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten waren Abgaben für die Kreuzzüge zu entrichten. Später kamen dann die Steuern für die Finanzierung der Türkenkriege. Verwüstungen durch Kriege, Naturkatastrophen (Heuschreckenplage und Dürre) und Pestepidemien brachten einen wirtschaftlichen Tiefstand für das Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zeichen für das wirtschaftliche Auf und Ab war 1417 der Kauf eines Hauses in Wien, Johannesgasse. 1541 musste es wieder verkauft werden. Bezeichnend für diese schwierige Zeit war auch der Personalstand: 1569 war nur mehr ein Konventuale im Stift. Als 1601 wieder ein Haus in Wien, diesmal in der Annagasse, gekauft wurde, war dies zugleich auch ein Zeichen des neuen Erstarkens: sowohl wirtschaftlich als auch personell. Das Stift wurde renoviert, die Kirche barockisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Abwehr der Türken 1683 konnte das Stift im wirtschaftlichen Aufwind weitere Akzente setzen: ein Gut in Primersdorf (Waldviertel) wurde gekauft und ein großer, neuer Schüttkasten errichtet. In Wielandsthal wurde der Keller und in Haitzendorf der Pfarrhof von Prandtauer errichtet. Im barocken Neubau des Stiftes (ebenfalls von Prandtauer) und der dazugehörigen Kirche kam die wirtschaftliche Kraft zum Ausdruck. Allerdings mussten dafür Weingärten in Mautern, Mauternbach und Sallapulka, eine Mühle von St. Georgen, Meierhöfe in Reith bei Primersdorf, Großhain, Schwarzenbach usw. für eine Gesamtsumme von 17.600 Gulden verkauft werden. Das war ungefähr ein Drittel des Prandtauischen Kostenvoranschlages für den Neubau des Stiftes (54.000 Gulden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wirtschaftliches Tief lösten die napoleonischen Kriege und die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aus: 1851 wurde das Gut Primersdorf im Waldviertel veräußert. Jahre vorher konnte das Stift nur durch einen großzügigen Schuldenerlass von Kaiser Franz I. vor einem finanziellen Ruin gerettet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Stift nur durch den Verkauf von Grundstücken und von vielen Kunstgegenständen entgegenwirken. Einige Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg kam es wieder zu Veräußerungen von Kunstgegenständen, Teilen von Sammlungen (Mineraliensammlung) und Teilen der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre unter Propst Maximilian waren von einer klugen Wirtschaftspolitik gekennzeichnet. Trotz der bescheidenen Besitzungen von 2.625 ha (2.200 ha Wald, 25 ha Weinbau, 400 ha landwirtschaftliche Nutzung) konnten viele Restaurierungen am Stift und an den Kirchen und Pfarrhöfen vorgenommen werden. Am 29. April 1996 wurde die Außenrenovierung des Stiftes Dürnstein mit einem Gesamtumfang von 50 Millionen Schilling abgeschlossen. Eine Aufgabe für dieses Haus, etwa als Seminar- oder Vortragszentrum, wird noch zu finden sein.&lt;br /&gt;
Wenn auch schon vieles vollbracht worden ist, so warten doch noch weitere Aufgaben für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Vogtei===&lt;br /&gt;
Der Besitz des Bistums Passau im Raum Donau–Traisen stand unter der Vogtei der Babenberger. Diese übten sie durch die Burggrafen von Lengbach (Neulengbach) aus. Urkundlich sind die Vögte des Stiftes Herzogenburg sehr selten belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Übertragung des Stiftes nach Herzogenburg änderte sich in der Vogteiverwaltung nichts. Nach dem Aussterben der Babenberger siegelte 1252 Konrad von Zagging als Vogt des Hauses. Er dürfte in Verbindung mit König Ottokar Przemysl, dem neuen Landesherren, gestanden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Habsburger die Herrschaft übernahmen, wurden die Burggrafen von Neulengbach die Vögte von Herzogenburg. Bestätigt wird diese Annahme durch die Erklärung der Herzöge Wilhelm und Albrecht IV. vom 20. März 1396, in der sie ihre Pflicht zu besonderem Schutz und Schirm des Klosters und seiner Güter bestätigten, da sie ja jährlich das Vogtgeld von 17 Pfund und 6 Schillingen Wiener Pfennig und 1 Muth Hafer vom Stift empfingen. Das Stift Herzogenburg zahlte diese Summe bis zum Jahr 1848 nach Neulengbach, als die Herrschaft längst schon in Privatbesitz übergegangen war und das Vogtgeld umgerechnet nun 17 Gulden und 45 Kreuzer betrug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jenseits der Donau dürften die Kuenringer auf Dürnstein die Vogtei über die Stiftsgüter ausgeübt haben. Nach ihrem Aussterben erging 1356 eine Weisung des Herzogs Albrecht II. an seinen Pfleger in Krems, das Stift Herzogenburg in seinen Rechten und Besitzungen zu schirmen. Im Jahr 1445 übernahmen die Brüder Ulrich, Oswald und Stephan Eytzinger auf Bitten des Propstes die Vogtei auf 15 Jahre gegen die jährliche Abgabe von 6 Muth Hafer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Stift Herzogenburg lag jahrhundertelang wirtschaftlich im Mittelfeld der niederösterreichischen Klöster. So war es auch mit der Zahl der Mitglieder. Die frühen mittelalterlichen Chorherrengründungen waren nicht für riesige Konvente gedacht, sondern die Zahl zwölf war, von Jesus mit seinen Jüngern herkommend, die goldene Zahl. Bei der Gründung von St. Georgen werden wahrscheinlich eine Handvoll Chorherren die Aufbauarbeit an diesem Donaustift begonnen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1200 gab es die erste urkundliche Aufzählung des Konventes: zwölf Priester, drei Konversen (''fratres conversi''), fünf Familiaren und vier Brüder. Einige Jahre nach der Übersiedlung des Konventes von St. Georgen nach Herzogenburg wurden neun Priester, zwei Diakone und vier Brüder (''fratres barbati'') als Zeugen genannt. Ein Stiftshistoriker zählte diese bärtigen Brüder dem adeligen Stand zu, da er sie als Mitglieder von Bauhütten interpretierte, die Baumeister und Städteplaner waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Namen und aus der Stellung in der Zeugenreihe lassen sich auf die Abstammung der Chorherren Schlüsse ziehen. Wir finden im Konvent einige Mitglieder des niederen Adels. Diese Tatsache erklärt einen Teil der reichen Schenkungen des Adels der Umgebung, der so zur Versorgung seiner Söhne beitrug. Ein Nobelstift war Herzogenburg aber nie. Die meisten Novizen kamen aus der Umgebung, vereinzelt aus Oberösterreich, der Steiermark, Kärnten und Salzburg. Die Zusammensetzung des Konvents blieb also durchaus im Rahmen des damals Üblichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert dürfte sich die Zahl der Konventualen zwischen 20 und 25 bewegt haben. Der erste große Verlust kam durch die Ermordung einiger Chorherren bei der Eroberung von Herzogenburg im Jahr 1463 und dann durch die Pest. Die Reformation trug das ihre dazu bei, sodass es beim Tod des Propstes Bartholomäus von Cataneis 1563 wahrscheinlich überhaupt kein Konventmitglied mehr gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann gab es nur ein, später zwei Mitglieder, und mit dem Erstarken der Gegenreformation kam wieder Leben in die Stiftsgemäuer: im 17. Jahrhundert betrug der Personalstand zwischen acht und zehn Mitglieder. In der Barockzeit erreichte er die Zahl 25. Um 1800 waren 27 Priester, ein Kleriker und drei Novizen dem Stift zugehörig. Im 19. Jahrhundert stammten 47 Priester aus Niederösterreich, 21 aus der Tschechoslowakei und acht aus Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Jänner 1900 hatte dann das Haus den Höchststand in seiner Geschichte: von den 40 Mitgliedern waren 35 Priester, vier Kleriker und ein Novize. Im 20. Jahrhundert nahm die Zahl stetig ab, und zur Zeit gehören 13 Priester und drei Kleriker zum Stift. Die Priester stammten im letzen, d. h. im 20. Jahrhundert, zu gleichen Teilen aus dem Arbeiter- und Angestelltenstand bzw. aus der Landwirtschaft und aus Familien selbständig Tätiger (die Väter waren Fleischhauer, Fabrikanten usw.). Der größte Anteil von ihnen waren Niederösterreicher (15), dann Wiener (neun), sechs Priester kamen aus dem heutigen Tschechien. Je zwei stammten bzw. stammen aus Tirol, Deutschland und den Niederlanden. Je ein Professe kommt aus dem Burgenland und aus Belgien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Vom Ursprungskloster in St. Georgen haben sich keine Reste erhalten. Die frühesten Ansichten von diesem Bau stammen aus der Barockzeit. Es ist deshalb schwer zu beweisen, wie weit sie der Wirklichkeit entsprechen. Auf diesen Bildern ist eine Kirche als zentraler Rundbau zu sehen, wie es manchmal in der Romanik üblich war, davor zwei niedrigere Rundtürme mit der Prälatur, links davon der Küchenturm, der einem Rauchabzug ähnlich ist. Rechts von der Kirche befindet sich ein Fluchtturm mit den Glocken. Anschließend sind die Klostergebäude für die Chorherren und Gäste dargestellt. Der Klosterbau ist mit einer Mauer umgeben. Das Ganze ist wahrscheinlich ein liebevoller Versuch, das Ursprungskloster darzustellen. Diese Ansicht entspricht aber keiner romanischen Klosteranlage der damaligen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster in Herzogenburg sind wir besser informiert. Wahrscheinlich wurde 1244 zuerst mit dem Bau eines Konventtraktes begonnen, da der bestehende Pfarrhof für den 15 Mann starken Konvent zu klein gewesen ist. Von dieser Anlage hat sich noch der Südtrakt mit einem Kreuzgangabschnitt erhalten. Bei Renovierungsarbeiten zu Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Sandsteinsäulen mit herzförmigen Kapitellschilden und einfachen Rundsockeln freigelegt, die in die Mitte des 13. Jahrhunderts einzureihen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ehemalige Refektorium wurde zum Teil schon 1894 entdeckt, doch konnten die Fresken erst 1963 vollständig freigelegt werden. Diese Räume waren Teil des Gerichtsgebäudes: Wärterwohnung und Gefängniszellen. An der Südseite des gotischen Saales befinden sich drei Spitzbogenfenster. Den sechsjochigen Raum tragen zwei Steinpfeiler als Mittelstützen. An einem ist die Jahreszahl 1564 zu erkennen, die vielleicht auf eine spätere Renovierung zurückgeht. Ab einer Höhe von 1,70 m befinden sich figurale Wandmalereien. Die einzelnen Darstellungen des Zyklus sind unterschiedlich gut erhalten, zum Teil ist nur noch die rote Vorzeichnung vorhanden. Neben christologischen Szenen sind eine Sterbeszene im Kloster (vielleicht der Tod des Ordensgründers Augustinus) und ein hl. Georg wiedergegeben. Vom zweiten Bild der Nordwand ist die Darstellung des Stifters dieser Bilder Propst Georg Eisner mit seinem Konvent erhalten. Da er ohne Mitra gezeigt wird, ist die Entstehungszeit dieser Fresken kurz vor 1498 anzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der östlich an das Refektorium anschließende frühbarocke Saal wird auf einem Plan mit &amp;quot;Capitl&amp;quot; bezeichnet. Die Jahreszahl 1628 am Ostfenster gibt vielleicht den Abschluss des Umbaus an. Heute wird dieser Saal für das Urgeschichtsmuseum des Stiftes verwendet. Wahrscheinlich besaß dieser Konventtrakt aufgrund der Größe der Stiftsgemeinschaft ursprünglich schon einen ersten Stock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei anderen Flügel des Konventbaues wurden wegen des Kirchen- bzw. Schulneubaus weggerissen. Über die Funktion der Räumlichkeiten sind wir zum Teil durch einen Plan von Johann Michael Hergöth unterrichtet, den er um 1700 gezeichnet hat: ebenerdig gab es drei Sakristeiräume, eine Schneiderei, den Mesnerkeller und das erwähnte Refektorium. Im ersten Stock waren die Zimmer der Chorherren, die Wohnung des Dechants und die Bibliothek untergebracht. Im Kreuzgangbereich lag noch die alte Totenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite des Konventbereiches steht auch heute noch der Kirchenbau. Von der mittelalterlichen Kirche ist nur das gotische Kirchenportal aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten. Aus den Umbauplänen können wir schließen, dass dieser Bau als Pfeilerbasilika auf kreuzförmigem Grundriss errichtet war, ähnlich der Michaelerkirche in Wien. Nördlich der Kirche waren die Kanzleiräume und die Prälatur. Entlang des Baches lagen die Wirtschaftsräume mit einem weithin sichtbaren Fluchtturm (Kuchlturm). Von diesen Gebäuden steht nur noch die Mühle, die heute als Elektrizitätswerk die Wasserkraft nutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm von Schmerling (1709–1721) entschloss sich für den Neubau des Stiftes. Am 25. Mai 1714 wurde dazu der Grundstein gelegt und Jakob Prandtauer wurde mit der Planung und Ausführung betraut. Propst Hieronymus Übelbacher von Dürnstein bezeichnet Prandtauer als &amp;quot;fürnehmen baumeister zu St. Pölten und vielleicht fürnehmsten in ganz Österreich&amp;quot;. Prandtauer begann mit dem Bau des Südtraktes. Der Osttrakt mit dem großen Festsaal wurde nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet. 1720 wurde die Einfahrtshalle aufgeführt. Auch hier dürften Vorschläge von Fischer mitverarbeitet worden sein. Im Quertrakt, zwischen den beiden Höfen, wurden im Erdgeschoß die beiden Sakristeien eingerichtet: Herren- und Prälatensakristei. Die qualitätvollen Stukkaturen gehen auf Michael Bolla, 1717, zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1721 starb Propst Wilhelm Schmerling. Sein Nachfolger Leopold von Planta (1721–1740) ließ weiterbauen, und zur Zeit des Todes von Jakob Prandtauer war das Stiftsgebäude zu einem provisorischen Abschluss gekommen, der aber zum dauernden wurde, denn der Westtrakt des &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; blieb unausgeführt. Propst Leopold ließ vom Nachfolger Prandtauers, dem Stiftsbaumeister Joseph Munggenast, den Meierhof aufführen und in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts den Stiftsbau durch die Errichtung des nördlichen Vorbaues und des Georgitores äußerlich abschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Westtrakt aus Sparmaßnahmen nicht ausgeführt wurde, errichtete der Propst die dort geplante Bibliothek im Mitteltrakt, und die in diesem Teil schon begonnene Prälatur wurde in den Nordostteil des Gebäudes verlegt. Die Gärten ließ er in barocker Manier anlegen und die Brücke über den Mühlbach sowie den &amp;quot;Springbrunn unter dem Großen Saal&amp;quot; mit einigen &amp;quot;Kindln&amp;quot; (Sandsteinfiguren) versehen. Diese Gartenplastiken und auch die Zwergenfiguren aus dem Zwerglgarten sind heute verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leopold kaufte auch vom Wiener Goldschmied Johann Kaspar Holbein einige Brustkreuze, Kelche und vor allem eine wertvolle Monstranz, deren Entwurf auf Matthias Steinl zurückgehen könnte und die im Raritätenkabinett erhalten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung der fertiggestellten Stiftsgebäude erlebte Propst Leopold nicht mehr. Ein Jahr nach seinem Tod wurde die Weihe am Georgstag, den 24. April 1741, von seinem Nachfolger Frigdian Knecht (1740–1775) vorgenommen, der dann auch die &amp;quot;Kapitularen in die neue, freundliche Klausur&amp;quot; führen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich Propst Frigdian zum Neubau der Kirche. Am 26. Juni wurde unter Beisein des Malers Daniel Gran der Grundstein an der Epistelseite der Apsis (rechte Seite der Kirche) gelegt. Die Inschriftplatte aus vergoldetem Kupfer führt Franz Munggenast als Baumeister an. Im selben Jahr, in dem der Rohbau fertig wurde, 1748, starb der junge Baumeister mit 24 Jahren. Seine Genialität wird an dieser Kirche, die zu den großen Leistungen des österreichischen Barock gezählt werden darf, sichtbar. Sein Bruder Matthias folgte als Stiftsbaumeister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kircheninneren malte Daniel Gran 1746 das Hochaltarbild und im Presbyterium die beiden Fresken. Wegen finanzieller Unstimmigkeiten und anderer Meinungsverschiedenheiten kam es zum Bruch mit dem Künstler. Der Propst vergab daher die weiteren Arbeiten in der Kirche, die Freskenmalerei und sämtliche Altarbilder mit den Ovalbildern, an Bartolomeo Altomonte, der sie von 1753 bis 1771 ausführte. Die dekorative Malerei in den Kirchenkuppeln (oberhalb des Hauptgesimses) stammt von Domenico Francia aus Bologna. Die Aufbauten für den Hochaltar (1770) und die Seitenaltäre, die Ballustraden (Kommuniongitter) und die Kanzel (1773) der Kirche stammen von Jakob Mösl, die Altarplastiken von Johann Josef Rößler, das Chorgestühl (1772) und die Volksstühle (1775) vom Klostertischler Lorenz Horeß.&lt;br /&gt;
Die herrliche Ampel wurde 1770 von Johann Christoph Beuermann aus Wien geliefert. Das Glanzstück der Kirche ist die 1752 fertiggestellte Orgel von Johann Henke, dem bedeutendsten Wiener Orgelbauer dieser Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1680 befand sich in der alten Kirche ein aus Ungarn stammendes Marienbild, das &amp;quot;orientalische Frauenbild&amp;quot;, zu dem viele Wallfahrer kamen. Nach der Fertigstellung des barocken Seitenaltares im Neubau der Kirche wurde es 1771 von Propst Frigdian Knecht eigenhändig in einer Prozession, die ihn durch beide Märkte führte, auf den heutigen Platz übertragen. Gegenüber dem Marienaltar liegen in einem Schrein die Gebeine des hl. Urban. Sie stammen aus den Kalixtuskatakomben in Rom und wurden 1740 dem Stiftsdechant Michael Koch geschenkt.&lt;br /&gt;
Als 1771 der barocke Augustinusaltar fertiggestellt war, fand dort der urchristliche Märtyrer seine endgültige Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das jüngste Kunstwerk der Kirche ist der Volksaltar, der 1994 vom Wiener Künstler Wander Bertoni angefertigt wurde und die Schöpfung zum Thema hat. Die Krönung der Bautätigkeit des Propstes Frigdian Knecht war die Neugestaltung des Kirchturmes nach einem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach, unter Mithilfe des Baumeisters Matthias Munggenast. Mit Recht sieht der Stiftschronist Frigdian Mies im Turm den ins Große strebenden Geist des Propstes. Die originelle Turmspitze mit Herzogshut und Stiftskreuz wurde am 6. Juli 1767 &amp;quot;um die Mittagszeit unter Pauken- und Trompetenschall aufgesetzt&amp;quot;. 1756 hatte der Propst die Chorkapelle mit Fresken von Martin Johann Schmidt (&amp;quot;Kremser Schmidt&amp;quot;) und einem Verkündigungsbild von Martin Altomonte ausschmücken lassen. Im Festsaal malte Bartolomeo Altomonte 1772 das Fresko &amp;quot;Das seelsorgliche Wirken der Augustiner-Chorherren im Bistum Passau&amp;quot;. Das Fresko an der Decke der Prälatenstiege &amp;quot;Die Übertragung der Kanonie von St. Georgen nach Herzogenburg&amp;quot; ist signiert mit &amp;quot;Barto Altomonte fec. 1779 aetatis suae 79&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Augustin Beyer (1779–1780) wurde auch die Bildergalerie fertiggestellt. Die Gemälde sind nach einem dekorativen Schema angeordnet: ein zentrales Mittelstück, von kleineren Gemälden umrahmt. Die Bilder wurden zu diesem Zweck auch vergrößert, verkleinert oder sogar geteilt, um der Symmetrie zu entsprechen. Dieser &amp;quot;geistlichen Galerie&amp;quot; kommt nicht nur wegen ihres kulturgeschichtlichen Wertes große Bedeutung zu, es befinden sich unter den 144 Bildern auch hervorragende Kunstwerke, u. a. eine Vincenzo di Biagio Catena zugeschriebene &amp;quot;Heilige Familie&amp;quot; oder ein auf Holz gemaltes deutsches Männerporträt mit der Signatur &amp;quot;H. H. 1521&amp;quot;, das als Werk Holbein d. J. bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man in Österreich die Kunstschätze vergangener Jahrhunderte noch als entbehrlichen &amp;quot;Raritätenkram&amp;quot; verstand, förderte Propst Aguilin Leuthner (1811–1832) die seltsame Sammelleidenschaft seines Mitbruders Ludwig Mangold. Nach dem Vorbild der alten &amp;quot;Kunst- und Wunderkammern&amp;quot; aus der Renaissancezeit hatte der junge Ungar im Stift ein &amp;quot;Antiken- und Raritätenkabinett&amp;quot; im zweiten Stock über der Prälatur angelegt, das zum Grundstein der heutigen Stiftssammlung wurde. Ein Verzeichnis dieser Raritäten wurde im Juni 1815 von ihm angefangen und hat folgende Hauptabteilungen: &amp;quot;A Mahlerey und Mosaique, B Bildhauerey, Schnitz- und Gußwerk, C Kupferstiche und Handzeichnungen, D Glasarbeiten, E Uhren, F Becher und andere Gefaße, G Kleidungsstücke, H Musicalische Instrumente, I Waffen, K Römische Alterthümer, L Verschiedene Seltenheiten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die meisten der hier verzeichneten Gegenstände sind noch im Besitz des Stiftes und waren im Rahmen der Ausstellung &amp;quot;Kunstschätze im Stift Herzogenburg&amp;quot; zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunstwerke wurden 1964 in den ehemaligen Gästezimmern topographisch aufgestellt, d. h. nach Möglichkeit nach ihrem Herkunftsort gruppiert. Das Hauptstück der Sammlung ist der &amp;quot;Jüngere Aggsbacher Hochaltar&amp;quot;, ein 1501 in Krems gemaltes Werk von Jörg Breu von Augsburg. Eine vorzügliche Schnitzarbeit ist die realistisch gehaltene Skulpturengruppe des &amp;quot;Marientodes&amp;quot; um 1500, möglicherweise der Mittelteil der Predella des Jörg-Breu-Altares. Weiters soll hier die „Stiftertafel&amp;quot; aus der Zeit um 1500 erwähnt werden, eine Votivtafel mit dem Bildnis des Bischofs Ulrich I. von Passau und der &amp;quot;porträthaften&amp;quot; Darstellung des mittelalterlichen Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Höhepunkt der spätbarocken Abteilung bilden Werke von Daniel Gran, vor allem das vergoldete Modell für den Hochaltar um 1746 mit dem unmittelbaren Entwurf für das Hochaltarbild und ein äußerst lebendiges Selbstporträt. Einen besonderen Schatz stellt der Bestand von zehn Ölskizzen und Bildern von Bartolomeo Altomonte dar, darunter Entwürfe für die Fresken in der Stiftskirche und ein höchst interessantes Selbstporträt aus dem Jahr 1774. In der Prälatur haben sich auch einige erwähnenswerte Kunstgegenstände erhalten, z. B. ein seltener Venezianer Spiegel vom Beginn des 18. Jahrhunderts, der neben reichem Ornament und alter Verglasung gravierte bérainsche Ornamentik in dem Rahmenspiegelchen trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Refektorium wurde bis in die sechziger Jahre als Speisesaal der Chorherren benützt. 1975 wurde es renoviert und als &amp;quot;Augustinussaal&amp;quot; ein Veranstaltungszentrum für Stift und Pfarre. Im Südosten des Stiftes befindet sich im zweiten Stock das &amp;quot;Mexikanische Zimmer&amp;quot;. In diesem Raum war die von Propst Norbert Zach (1857–1887) erworbene Sammlung von Geräten, Waffen und Schmuckgegenständen der Ottawa-Indianer aufgestellt. Sie musste in den zwanziger Jahren veräußert werden.&lt;br /&gt;
Interessant ist das Zimmer heute wegen der zwölf Wandgemälde, die in der romantischen Gesinnung des späten 19. Jahrhunderts Motive aus Österreich darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Exponate der urgeschichtlichen Sammlung des Stiftes Herzogenburg kamen aus der Ausgrabung eines eisenzeitlichen Friedhofes von Statzendorf. Der Göttweiger Abt Adalbert Dungl war maßgeblich daran beteiligt. Die Pröpste Georg III. Baumgartner (1913–1927) und Georg IV. Hahnl (1946–1963) haben durch eigene Grabungen wesentlich zur Vervollständigung dieser Sammlung beigetragen. Zusammen mit Dungl waren sie die Pioniere der prähistorischen Archäologie im unteren Traisental.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Heute enthält die urgeschichtliche Sammlung eine Reihe von Steingeräten aus der Altsteinzeit, eine große Zahl von Fundstücken der Jungsteinzeit und Keramiken aus der frühen Bronzezeit, wie etwa den Fund von 17 Töpfen aus St. Andrä an der Traisen, Objekte der Hügelgräber und Urnenfelderkultur und weitere bedeutende Funde aus der Eisenzeit, wie Beigaben der Hallstadtkulturen aus den Gräberfeldern von St. Andrä und Statzendorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Römische Funde waren bis auf einige Münzen im Raum von Herzogenburg eher spärlich, bis 1972 aus der Zeit der römischen Kaiser ein Zeremonienhelm mit Gesichtsmaske unweit des Stiftes gefunden wurde, der zu den bedeutendsten Denkmälern römischer Kunst auf österreichischem Boden gerechnet werden muss. Mit seinen &amp;quot;Alexanderlocken&amp;quot; gehört er zum orientalischen Typus. Damit ist er ein Beispiel dafür, wie weit vorderorientalische Mysterienkulte im 2. und 3. Jahrhundert verbreitet waren. Dieses Unikat ist im Raritätenkabinett im ersten Stock ausgestellt, während alle anderen Funde im frühbarocken Refektorium im Altstift zu sehen sind. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Eine fachkundige Neuaufstellung wird derzeit von Univ.-Doz. Dr. Johannes-Wolfgang Neugebauer vorgenommen.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Als 1512 in Herzogenburg ein Großbrand wütete, wurden einige Trakte des Stiftes in Schutt und Asche gelegt. Die Bibliothek wurde dabei auch ein Raub der Flammen. Wahrscheinlich besaß damals das Stift über 100 handgeschriebene Bücher und vielleicht ebensoviele Inkunabeln. Wieviele Bücher gerettet werden konnten ist leider nicht überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten großen Förderer der mittelalterlichen Bibliothek waren die beiden Pröpste Johannes III. von Parsenbrunn (1401–1433) und Johannes IV. von Linz (1433–1457). Aus der Zeit vor dem Brand haben sich einige Buchfragmente erhalten. Fragment 42 aus dem 9. Jahrhundert ist das älteste Stück der Bibliothek.&lt;br /&gt;
Von der Wende des 12. zum 13. Jahrhundert stammt das Fragment 32 mit Teilen eines Legendars. Das Fragment 43 ist Teil eines Nekrologiums vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Es ist ein sicheres Zeugnis für die Schreibkultur des Stiftes in St. Georgen. Ob das Stift dann in Herzogenburg eine eigene Schreibschule besessen hat, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Auf jeden Fall sind keine Handschriften auf Pergament mit wertvollen Initialen auf uns gekommen, sondern nur anspruchslose, auf Papier geschriebene Bücher. Sie haben alle einen praktisch-theologischen Inhalt und stehen im Zusammenhang mit den Seelsorgeaufgaben des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Schreiber waren mit Sicherheit Klosterangehörige, von weiteren sieben ist es unsicher. Die kunsthistorisch kostbarsten Handschriften wurden erst in späteren Jahrhunderten angekauft. Den ersten größeren Zuwachs nach dem Brand erfuhr die Bibliothek durch Propst Philipp von Maugis (1541–1550), der vor allem humanistische Werke bzw. lateinische und griechische Klassikerausgaben erwarb und die von seinem Bruder ererbte Bibliothek der Stiftsbibliothek einverleibte.&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Herb (1687–1709) erbte ebenfalls von seinem Bruder 173 Bücher meist theologischen Inhalts, die in zwei Fässern und einer großen Truhe verpackt auf der Donau von Deutschland nach Krems transportiert und von dort ins Stift gebracht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge des barocken Stiftsneubaus wurde die Bibliothek von 1751 bis 1754 von Propst Frigdian Knecht (1740–1775) erbaut. Die Ornamentmalerei fertigte Domenico Francia an, die figuralen Grisaillen wurden von Bartolomeo Altomonte gemalt. Die einfachen, doppelteiligen Bücherschränke wurden vom Orgelbauer Johann Henke entworfen. Propst Frigdian sammelte die Bücher &amp;quot;mit einem unersättlichen Hunger&amp;quot;, wie er selber scherzend zu sagen pflegte. Er erwarb u. a. die Bibel von 1205 (HS 100) und die kostbare Handschrift &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; (HS 95) aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Stephan Peschka (1775–1779) und Michael Teufel (1781–1809) erwarben durch den Exjesuiten Abbé Johann Christoph Regelsberger viele Bände bei Bücherauktionen aus den Beständen aufgehobener Klöster. Mit der Übernahme der aufgehobenen Stifte St. Andrä an der Traisen 1783 und Dürnstein 1788 kamen nur wenige Bücher, nachweislich nur einige Handschriften und Inkunabeln, nach Herzogenburg. Der Großteil des Bücherschatzes kam in die Wiener Hofbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Petrus Schreiber]], von 1781 bis 1788 auch Stiftsdechant, war mit Unterbrechung fast 25 Jahre Bibliothekar. Eine große Anzahl von Büchern mit einheitlichen barocken Einbänden kam durch ihn in die Bibliothek. Sie tragen auf dem Einbanddeckel die goldenen Buchstaben &amp;quot;P. S.&amp;quot;. Ebenso vermachte er dem Stift 15 Inkunabeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Inventar von 1832 beziffert den Buchbestand summarisch mit etwa 10.000 Bänden. 1887 war der Besitz bereits auf 50.000 Bände, 253 Inkunabeln und 223 Handschriften angewachsen. Dieser Zuwachs dürfte auch die Erweiterung der Bibliotheksräumlichkeiten veranlasst haben. Unter Propst Norbert Zach (1857–1887) wurden 1870 die Gänge im zweiten Stock des Stiftes mit Bibliothekskästen ausgestattet. Unter ihm waren als Bibliothekare die bedeutenden Stiftshistoriker [[Wilhelm Bielsky]], [[Michael Faigl]] und Frigdian Schmolk tätig. Sie veröffentlichten viele Beiträge zur Stiftsgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine großzügige Erweiterung erfuhr die Stiftsbibliothek zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gräfin Maria Falkenhayn übergab 1905 dem Stift die 30.000 Bände ihrer Schlossbibliothek in Walpersdorf. Neben diesen gräflichen Exlibris finden sich in der Sammlung auch Werke mit den Besitzvermerken der Jörger, Colloredos und der Herrschaften Droß und Ottenschlag.&lt;br /&gt;
Während der Weltwirtschaftskrise kam es 1927 zur Veräußerung von Inkunabeln, die vergleichsweise die Höhe des Schätzwertes der ehemaligen Stiftstaverne ausmachten. Ebenso wurde in den sechziger Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eine große Anzahl von Büchern veräußert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anläßlich der Ausstellung im Jahr 1964 &amp;quot;Das Stift und seine Kunstschätze&amp;quot; wurde eine Neuaufstellung der Bücherbestände begonnen, die aber &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bis heute nicht fertiggestellt werden konnte&amp;lt;/span&amp;gt;. Derzeit ist die Bibliothek auf mehrere Standorte verteilt und lediglich die Handschriften, die Inkunabeln und die Druckwerke bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden nach dem Erscheinungsdatum geordnet. Der Rest ist weitgehend unbearbeitet. Der Gesamtbestand wird auf 80.000 Bände geschätzt. Dazu kommen noch 150 Inkunabeln und 150 mittelalterliche Handschriften. Die älteste Handschrift ist ein österreichisches Psalterium des 12. Jahrhunderts (HS 106). Die gut geschriebene Handschrift enthält eine Reihe von großartigen Initialen. Die bedeutendste Handschrift der Bibliothek ist Cod. 95 &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; von Gregor d. Gr. Sie wurde um 1260 in Mainz oder Regensburg geschrieben und enthält 36 ausgezeichnete Initialminiaturen im Stil der deutschen Malerei der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Cod. 223 ist eine oberitalienische Bibel der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit großen figurierten Initialen; fast alle Spalten tragen Federranken. Am Beginn der Genesis findet sich eine Gegenüberstellung der sieben Schöpfungstage mit christologischen Szenen. Ein österreichisches Graduale (HS 97) vom Beginn des 14. Jahrhunderts trägt auf jeder Seite Notenzeilen und stammt aus einem Zisterzienserkloster. Sehr schön ist eine französische Bibel mit Miniaturinitialen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (HS 99).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Ausgabe von Gregors &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; ist der zweibändige Cod. 94 aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts mit 18 figurierten Initialen, die von fünf Meistern stammen, die den Wenzelsbibelmeistern nahestehen. Die Handschrift wurde laut Eintragung in der Kartause Mauerbach geschrieben und war 1397 im Besitz der Kartause Olmütz. Wann und wie sie nach Herzogenburg kam, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der bedeutenden Sammlung von Wiegendrucken seien folgende hervorgehoben: ein sehr schöner Venezianer Druck von 1478, Lactantius Firmianus &amp;quot;Gegen die Haiden&amp;quot;; drei ausgezeichnete Kobergerdrucke aus Nürnberg, 1481; die Briefe des Ennea Sylvius Piccolomini (Papst Pius II.); ebenso von 1481 ein Kommentar zum Neuen Testament von Nicolaus de Lyra mit gezeichneten Initialen; und von 1483 ein Fastenbuch von Johannes Guitsch, gedruckt im Charakter der spätgotischen Handschriften. Ein Zisterzienser-Missale aus Paris um 1487 ist mit kleinen kolorierten Holzschnitten illustriert. Zwei sehr gute Ausgaben der interessanten Weltgeschichte von Rolewinck seien noch angeführt. Die eine Wiener Ausgabe von 1490 ist reich mit Holzschnitten illustriert, die zweite aus Köln mit vielen Holzschnitten in der Art der &amp;quot;Schedelschen Weltchronik&amp;quot; aus dem Ende des 15. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abschluss ist noch eine Postilla von Cuilcrinus, Augsburg 1495, die ebenfalls mit Holzschnitten illustriert ist, zu erwähnen. Die oben beschriebenen Handschriften und Frühdrucke sind im Hauptraum der Bibliothek in Vitrinen ausgestellt und bei jeder Führung durch das Stift zu besichtigen. In diesem Bibliothekssaal befinden sich in den Bücherschränken nur Bücher aus dem 18. Jahrhundert, um den Eindruck einer barocken Schaubibliothek zu vermitteln.&lt;br /&gt;
Durch die bescheidene Einrichtung wirkt die Bibliothek wie eine heimelige Studierstube. Die letzte Handschrift wurde 1990 erworben. Sie ist ein türkisches Gebetbuch aus dem 19. Jahrhundert in arabischer Zierschrift. In der Mitte des Buches finden sich zwei romantisch gemalte Ansichten der Moscheen in Mekka und Medina.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Das Herzogenburger Stiftsarchiv besteht aus vier Abteilungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) dem Archiv des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen/Herzogenburg mit 1.745 registrierten Urkunden (1112–1852) und zahlreichen nicht bearbeiteten Urkunden (ab 1852), 264 Büchern und 647 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit 327 registrierten Urkunden (998–1776), sechs Büchern und 225 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein mit 718 registrierten Urkunden (1306–1768), 36 Büchern und 90 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) dem Archiv des aufgehobenen Clarissenklosters Dürnstein mit 357 registrierten Urkunden (1289–1658) und ca. 20 Büchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Dokument im Stift Herzogenburg ist die Gründungsurkunde (1112) von Bischof Ulrich von Passau (Sta. Hn. 1a). Sie ist eine der formvollendetsten Urkunden aus der Schreibstube des Bistums Passau. Äußerst interessant ist die Traditionsnotiz (Sta. Hn. 1b), die ein Konzept zur Gründungsurkunde darstellt und sechs weitere protokollarische Notizen enthält, die an verschiedenen Orten abgefasst wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historisch bedeutsam für das Stift ist auch die Übertragungsurkunde von 1244 (Sta. Hn. 38). Die schweren Zeiten des 15. Jahrhunderts sowie der Brand des Klosters im Jahr 1512 dürften dem Archiv nicht allzusehr zugesetzt haben. Alle wichtigen Urkunden sind im Original vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes VII. Glaz (1569–1572) veranlasste eine Aufzeichnung und Registrierung der &amp;quot;Pergament-Brieff&amp;quot;. In dem 1570 angelegten Verzeichnis wird das Archiv als „Registratur&amp;quot; bezeichnet. Entsprechend dem damaligen Kanzleigebrauch, dessen Vorbild die Kanzlei des Regiments der niederösterreichischen Lande war, wurden auch in Herzogenburg die Urkunden, damals insgesamt 46 Stück, in einem mit Laden versehenen Kasten und die weniger wichtigen Akten in einem Sack aufbewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1683 wurden das Archiv und die Schatzkammer vor den heranrückenden Türken in das Chorherrenstift Dürnstein verlagert und 1684 wieder zurückgebracht. Die zeitlich nächstfolgende Bestandsaufnahme des Stiftsarchivs erfolgte zwischen 1730 und 1740. &amp;quot;Ain großer mit Eyßen schön beschlagener Casten, hat 36 unterschidliche litterirte gemahlene Laden&amp;quot;. Er diente als Aufbewahrungsort für das als &amp;quot;gehaimbtes Gwölb&amp;quot; bezeichnete Hauptarchiv. Diesem wurden 1745 Schriften und Akten des Hofrichters und des Stiftskämmerers einverleibt. Genaue, nach Grundherrschaften bzw. Sachgebieten angelegte und geordnete Inventarien zeugen von der Sorgfalt, mit der das Stiftsarchiv unter Propst Frigdian I. Knecht (1740–1775) betreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte im Streben nach dem Wissen über die eigene Vergangenheit die ersten wissenschaftlichen Bearbeitungen des Urkundenbestandes durch die Herzogenburger Chorherren [[Wilhelm Bielsky]] (Die ältesten Urkunden des Kanonikatsstiftes St. Georgen in Unterösterreich von 1112–1244, Wien 1852) und [[Michael Faigl]] (Die Urkunden des regulierten Chorherrenstiftes Herzogenburg vom Jahre seiner Übertragung von St. Georgen 1244–1450, Wien 1886).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich wurde in den Jahren 1930 bis 1935 der unübersehbare Bestand an Akten und Büchern durch Dr. Göhler geordnet und durch eine Zettelkartei der Forschung zugänglich gemacht. In der insgesamt 1.745 Urkunden umfassenden Urkundenreihe vom Stiftsarchiv Herzogenburg gibt es neben einer Vielzahl von Stiftungs- und Schenkungsurkunden auch Urkunden von Päpsten und Landesfürsten. Die älteste Papsturkunde wurde 1177 von Papst Alexander III. ausgestellt, die erste in deutscher Sprache abgefasste Urkunde stammt aus dem Jahr 1292.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als einzigartiges Dokument soll eine Urkunde Erwähnung finden, die von Mönchen des Katharinenklosters am Sinai und Chorherren des Stiftes Herzogenburg im Jahr 1491 gezeichnet wurde. Damals haben zwei griechische Sinaimönche Herzogenburg besucht und mit den hiesigen Chorherren eine Gebetsverbrüderung geschlossen und besiegelt – ein merkwürdiges und einmaliges Zeugnis für die Verbindung der Ost- und Westkirche im ausgehenden Mittelalter nach dem Fall von Konstantinopel (Sta. Hn. 538).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Grundbücher, wertvolle Unterlagen zur Erforschung der Besitz- und Bevölkerungsgeschichte im Raum Herzogenburg, wurden im 12. Jahrhundert angelegt. Hinzu tritt jene Masse des Archivmaterials, die als Akten des adeligen Richteramtes über die Untertanen aus der Amtstätigkeit des Stiftes erwachsen sind: Grundbuchsakten ab 1340, Testamente ab 1500, Verwaltungsakten über den Oberen Markt Herzogenburg, Korrespondenzen mit den umliegenden Grundherrschaften. Diese Schriftstücke zeigen den Kampf des Stiftes um seine Rechte und Besitzungen, unter welchen besonders Fischerei- und Wasserrechte auf der Traisen und Jagdrechte in den Auen im Vordergrund stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Rechnungsbüchern und Rechnungsakten finden sich genauere Aufzeichnungen über den Bau der barocken Stiftsgebäude und der inkorporierten Pfarrkirchen mit ihren Pfarrgebäuden. Eigenhändige Unterschriften auf den Quittungen sind zu finden von Jakob Prandtauer, der Familie Munggenast, Bartolomeo Altomonte, Daniel Gran, vom Salzburger Steinmetzmeister Jakob Mösl, vom Wiener Goldschmied Johann Caspar Holbein und vielen anderen. Bei der Durchsicht von unbearbeiteten Archivmaterialien konnte ein eigenhändig geschriebener Brief von Martin Luther von 1541 aufgefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Auflösung der Chorherrenstifte St. Andrä und Dürnstein kamen deren Archive nach Herzogenburg. Propst Michael Teufel (1781–1809) hat sich sehr um ihre Erhaltung und sichere Aufbewahrung bemüht. Die älteste Urkunde von St. Andrä ist eine Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. aus dem Jahr 998 (Sta. An. 1). Die Stiftungsurkunde von St. Andrä stammt aus dem Jahr 1160 und ist mit 44 Zeugen belegt (Sta. An. 4). Zu erwähnen ist noch eine prunkvolle Ernennungsurkunde des Chorherren Johannes Zwickl zum Kommissär für den Türkenablass des Papstes Innozenz VIII. von 1490 in teilvergoldeter Schrift mit reichen Initialen (Sta. An. 208). Alle drei Dokumente zählen zu den Zimelien dieser Urkundenreihe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Archiv der Chorherren von Dürnstein ist der Stiftungsbrief vom 18. Februar 1410 (Sta. CDn 147) der absolute Höhepunkt. Der linke Rand dieser Urkunde ist mit einer Reihe von höchst bedeutenden Miniaturen versehen, die sowohl der böhmischen wie der Wiener Buchmalerei des frühen 15. Jahrhunderts nahestehen. Die angehängten sechs Siegel sind noch vorhanden. Zwei im selben Jahr ausgestellte Urkunden tragen schöne Initialmalereien (Sta. CDn 149 und 150).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Im Gegensatz zum &amp;quot;Archiv Herzogenburg&amp;quot; sind die Urkunden, Bücher und Akten der drei anderen Archive noch nicht publiziert und daher wissenschaftlich noch wenig ausgewertet. &lt;br /&gt;
Derzeit (1995) wird die Einrichtung des Archives erneuert und auf den letzten technischen Stand gebracht. Damit ist auch der Wunsch verbunden, dass die letzten 150 Jahre archivmäßig aufgearbeitet werden.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Historische Namensformen===&lt;br /&gt;
* WEIGL, Heinrich, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, 8 Bde., Wien 1964–1981.&lt;br /&gt;
* SCHUSTER, Elisabeth, Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, 1. Teil (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B), Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
* HAUSNER, Isolde / SCHUSTER, Elisabeth, Altdeutsches Namenbuch, Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politische und kirchliche Topographie===&lt;br /&gt;
* WOLF, Hans, Niederösterreich (Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 6. Teil), Wien 1955.&lt;br /&gt;
* RUPP / SCHMIDTBAUER, Herzogenburg, 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Franz Reininger: Die Wiegendrucke der Stiftsbibliothek Herzogenburg. In: Mitteilungen des Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 12 (1908), S. 109–127.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Katalog der Handschriften der Stiftsbibliothek Herzogenburg. St. Pölten 1978. [https://manuscripta.at/diglit/winner_1978_1/0001 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Mayo Hope: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed for the Hill Monastic Manuscript Library, Austrian Libraries. Volume III: Herzogenburg. Collegeville, Minnesota, 1985. [https://archive.org/details/HMMLAustriaInventory3 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Franz Lackner: Datierte Handschriften in niederösterreichischen Archiven und Bibliotheken bis zum Jahre 1600. Wien 1988 (Katalog der datierten Schriften in lateinischer Sprache in Österreich, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kunst- und Baugeschichte===&lt;br /&gt;
* HEIDER, Gerhard / HÄUFLER, J. V., Archäologische Notizen (Archiv für österreichische Geschichte II/1), Wien 1850, 139–178.&lt;br /&gt;
* RIESENHUBER, Martin, Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Bistums St. Pölten, St. Pölten 1923.&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer. Der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* PETERMAIR, Hans, Die bauliche Anlage der Stifte in Altenburg, Herzogenburg und Seitenstetten und ihre baukünstlerischen Beziehungen im Mittelalter und in der Barocke, masch.geschr. techn. Diss., Wien 1934.&lt;br /&gt;
* STEINER, Ubald, Die Stiftskirche zu Herzogenburg. Beiträge zur Baugeschichte nach Aufzeichnungen des Propstes Georg Baumgartner, in: Pfarramtliche Nachrichten für den Kirchensprengel Herzogenburg 21 (1935), Nr. II/12.&lt;br /&gt;
* MUNGENAST, Emmerich, Joseph Munggenast. Der Stiftsbaumeister 1680–1741, Wien 1963.&lt;br /&gt;
* FEUCHTMÜLLER / WEBER, Stift und Kunstschätze, 1964.&lt;br /&gt;
* HEINZL, Brigitte, Bartolomeo Altomonte, Wien/München 1964.&lt;br /&gt;
* BIBA, Otto, Die Orgelakten des Stiftes Herzogenburg, in: Unsere Heimat, Zeitschrift des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 41 (1970), Heft 1, 9–24.&lt;br /&gt;
* GÜTHLEIN, Klaus, Der österreichische Barockbaumeister Franz Munggenast, phil. Diss., Heidelberg 1973.&lt;br /&gt;
* KNAB, Eckhart, Daniel Gran, Wien/München 1977.&lt;br /&gt;
* CÄSAR, Menz, Das Frühwerk Jörg Breus des Älteren, Augsburg 1982.&lt;br /&gt;
* EGGER / HESSLER / PAYRICH / PÜHRINGER / FASCHING, Stift Herzogenburg, 1982.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Hermann-Fichtenau: Der Bildersaal im Stift Herzogenburg, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 38 (1984).&lt;br /&gt;
* SERVUS, Die Entstehung der barocken Klosteranlage, 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Moseneder: Passau im Gedächtnis Herzogenburgs. Zur Ikonologie des Augustiner-Chorherrenstift. In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch 31 (1989), S. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;##&amp;lt;/span&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* Karl Thomas (Bearb.): Die Baumeisterfamilie Munggenast. Sonderausstellung des Stadtmuseums St. Pölten anläßlich des 250. Todestages von Joseph Munggenast. St. Pölten 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Oskar Freiherr von Mitis: Studien zum älteren österreichischen Urkundenwesen. 5 Bände. Wien 1906–1912.&lt;br /&gt;
* Franz Stundner: Das Archiv des Stiftes. In: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Hg. von Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber. Herzogenburg 1964, S. 83–86.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sonstige Literatur===&lt;br /&gt;
* Georg Baumgartner: Herzogenburg. In: Topographie von Niederösterreich. Band IV. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Wien 1896, S. 209–238.&lt;br /&gt;
* Gerhart Egger / Walter Hessler / Wolfgang Payrich / Leonore Pühringer / Herbert Fasching: Stift Herzogenburg und seine Kunstschätze. St. Pölten 1982.&lt;br /&gt;
* Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Herzogenburg 1964.&lt;br /&gt;
* Maximilian Fürnsinn: Stift Herzogenburg 1938–1945. In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 22/4 (1975), S. 132–140.&lt;br /&gt;
* Maria Hasitscha-Köck: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg während der Zeit des Propstes Michael Teufel von 1781 bis 1809. Diss. Univ. Wien. Wien 1973.&lt;br /&gt;
* Andreas Karl Kaiser: 975 Jahre Pfarre Herzogenburg (1014–1989). Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1989.&lt;br /&gt;
* Gerhard Nikodim: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg von 1513 bis 1602. Diss. Univ. Wien. Wien 1968.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich: Das Stift Herzogenburg. Die 875-jährige Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen-Herzogenburg von 1112–1987. Dipl.-Arb. Univ. Linz. Linz 1987.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich / Hans Peter Schmidtbauer: Unsere Kirche lebt. 200 Jahre Stiftskirche Herzogenburg. St. Pölten 1985.&lt;br /&gt;
* Anton Rupp / Hans Peter Schmidtbauer: Herzogenburg. St. Pölten / Wien 1991.&lt;br /&gt;
* Werner Sandner: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg von 1244 bis 1513. Diss. Univ. Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Frigdian Schmolk: Stift der regulirten lateranensischen Chorherren zu Herzogenburg in Nieder-Oesterreich. In: Ein Chorherrenbuch. Geschichte und Beschreibung der Bestehenden und Anführung der aufgehobenen Chorherrenstifte. Augustiner und Prämonstratenser in Österreich-Ungarn, Deutschland und der Schweiz. Hg. von Sebastian Brunner. Würzburg 1883, S. 200–263. [https://books.google.at/books?id=GoJJAAAAIAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA199-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Harald Servus: Die Entstehung der barocken Klosteranlage in Herzogenburg und ihre geschichtlichen Voraussetzungen. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1987.&lt;br /&gt;
* Egon Wahl: Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit besonderer Berücksichtigung der rechtlichen, besitz- und personalgeschichtlichen Verhältnisse. Diss. Univ. Wien. Wien 1945.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10740</id>
		<title>Stift Herzogenburg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10740"/>
		<updated>2023-06-25T11:13:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1112&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (seit 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Stift St. Georgen&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}, Niederösterreich&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.28677, 15.69721&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Georg&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Herzogenburg gehört zum Bezirk St. Pölten.&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift_Herzogenburg.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Herzogenburg, kolorierte Radierung von Lorenz Janesch (um 1810), Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), Kartensammlung, Fideikommissbibliothek-Vues, Österreich-Ungarn, Niederösterreich H-La, Herzogenburg KAR MAG, online unter: http://data.onb.ac.at/rec/baa12918499&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Bischof [[Ulrich I. von Passau]] (1092–1121) stiftete mit der Gründungsurkunde vom 18. August 1112 ein Eigenkloster für Augustiner-Chorherren, auf einem Grundstück an der Mündung der Traisen in die Donau gelegen, das er geerbt hatte und worauf sich bereits eine Georgskirche befand. Wahrscheinlich sandte er aus dem reformierten [[Stift St. Nikola]] bei Passau Chorherren nach St. Georgen an der Traisen. Als seelsorgliches Aufgabengebiet und als Existenzgrundlage übergab der Bischof seinem Kloster St. Georgen die beiden Pfarren Traisenburg (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Stollhofen|Stollhofen]]) und [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Herzogenburg|Herzogenburg]]. Außerdem erhielt das Stift die bischöflichen Zehentrechte im oberen Waldviertel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten war die Existenz des Klosters einerseits von den Hochwassern der Donau und andererseits von der wirtschaftlichen Schwäche infolge zu geringer Dotierung bedroht. Eine Gelegenheit zur Besserung der Lage des Klosters ergab sich dreißig Jahre nach der Gründung, als ein lokaler Adeliger namens Walter von Traisen testamentarisch die Gründung eines Chorherrenklosters verfügte. Der Passauer Bischof [[Konrad]] (1148/49–1164), ein Sohn des hl. Leopold, wollte das Kloster St. Georgen mit dieser Stiftung in St. Andrä an der Traisen vereinigen und den Konvent dorthin verlegen. Nach dem Widerstand des Testamentvollstreckers Otto III. von Rehberg erfolgte jedoch noch im 12. Jahrhundert eine eigenständige Gründung des [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stiftes St. Andrä an der Traisen]]. Bischof Konrad verbesserte in den Jahren 1158 und 1160 die Situation des Stiftes St. Georgen, indem er dem Kloster, das in den sumpfigen Donauauen lag, eine Frischwasserzuleitung ermöglichte und außerdem den Chorherren die Pfarre Marquardsurvar (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Haitzendorf|Haitzendorf]]) und den Schwaighof bei Zeiselmauer schenkte. Unter den späteren Schenkungen an das Kloster während der Regierungszeit von Propst [[Wisinto II.|Wisintos II.]] (1191–1204) ist ein Stiftungsbrief von 1201 bemerkenswert, der ein Nonnenkloster in St. Georgen voraussetzt. In einer Urkunde aus der Zeit um 1230 werden die Schwestern Kunigunde und Ehrentraud von Zebing als Kanonissen von St. Georgen genannt. Dieser Frauenkonvent ist anlässlich der Übersiedlung des Männerklosters nach Herzogenburg auch mitverlegt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Engelschalk]] (1242–1267), dem zwölften Propst des Stiftes St. Georgen, erfolgte schließlich die Verlegung des Klosters, der Konvent übersiedelte im Jahr 1244 an seinen Pfarrort Herzogenburg. In der Übertragungsurkunde vom 19. März 1244 übereignete Bischof [[Rudiger]] von Passau dem Konvent die Passauer Pfarre Herzogenburg mit allen Rechten. Das Stift memoriert den Bischof als seinen „zweiten Gründer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spätmittelalter=== &lt;br /&gt;
Nach der Übersiedlung des Konvents nach Herzogenburg erfolgte der Bau einer Klosteranlage sowohl für den Männer- wie für den Frauenkonvent. Im Pfarrbezirk „auf der Widem“ entstand ein eigener Gerichtsbezirk des Stiftes, der sogenannte „Obere Markt Herzogenburg“. Der „Untere Markt Herzogenburg“ unterstand dem bayerischen Stift Formbach am Inn.&lt;br /&gt;
Im 14. Jahrhundert war die wirtschaftliche Lage des Klosters zunächst stabil, Propst [[Siegfried]] erwarb ein Haus in Wien in der Singerstraße. Der folgende Propst [[Nikolaus I. Payger von Würmla]] (1361–1374) klagte in seinen Aufzeichnungen über Missernten, Kriegssteuern an Herzog Rudolf IV. und Verschuldung seines Klosters. Die Herzöge Albrecht III. und Leopold III. gewährten dem Stift Privilegien, weil „der probst und das gotzhaus ze Herzogenburg in grozzer geltschulde und kumber sind“. Propst [[Johannes III.]] (1401–1433) einer der längstregierenden Pröpste, erreichte von den Herzögen Wilhelm und Albrecht IV. die Begünstigung, im Schankhaus des Stiftes, dem &amp;quot;Mühlhofkeller&amp;quot;, zwölf Fass Wein ohne Ungeld (Steuer) ausschenken zu dürfen. Unter Propst Johannes III. fand eine Stiftsreform nach den Bestimmungen des Konstanzer Konzils statt. Bei der Visitation im Stift Herzogenburg 1418 war nachweislich auch der erste Propst des [[Stift Dürnstein|Chorherrenstiftes Dürnstein]], das 1410 im Geist der Raudnitzer Reform gegründet worden war, anwesend. Und so wurden die Raudnitzer Statuten auch in Herzogenburg Grundlage einer Erneuerung. Propst Johannes war auch ein Förderer der Lateinschule des Stiftes.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert waren Markt und Stift Herzogenburg wiederholt von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. In den Hussiteneinfällen verloren etliche Bürger und Chorherren ihr Leben. Die Regierungszeit des Propstes [[Ludwig Gössel]] (1457–1465) fiel in die Zeit der Nachfolgekämpfe unter Kaiser Friedrich III., in der böhmische, mährische. ungarische und auch einheimischen Söldnerverbänden in Niederösterreich plünderten. Im Jahr 1463, am dritten Tag nach dem Osterfest, wurde Herzogenburg von böhmischen Söldnerscharen unter ihrem Anführer Georg von Vetau eingenommen und verwüstet. Wahrscheinlich erlosch damals auch der Konvent der Kanonissen, oder er fand durch Mangel an Klostereintritten schon früher ein Ende. Im Lauf des Jahres 1465 begannen die Chorherren mit dem Wiederaufbau des Stiftes. Dieser zweiten gotischen Bauphase des Stiftes sollte aber kein langer Bestand gegönnt sein, denn schon 1477 belagerten und eroberten die Soldaten des ungarischen Königs Matthias Corvinus nach ihrem Sieg über Kaiser Friedrich III. Herzogenburg. Wieder brannte das Kloster nieder. Der nach St. Pölten geflohene Propst konnte seine in Rudolfsberg bei Wagram gefangengehaltenen Mitbrüder erst nach Bezahlung eines hohen Lösegelds in die Ruinen seines Klosters zurückführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Georg I. Eisner]] (1484–1513) wurde mit dem Wiederaufbau des Klosters begonnen. Dieser Propst konnte durch sorgfältige Verwaltung und durch Schenkungen des Matthias Corvinus, der die Verwüstungen seiner Söldner wieder gutzumachen versuchte, die wirtschaftlichen Verhältnisse seines Hauses sanieren und das Stiftsgebäude repräsentativ auszustatten. 1498 gewährte Papst Alexander VI. ihm und allen seinen Nachfolgern den Gebrauch der Mitra, des Stabes und Ringes und der anderen Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7. Mai 1512 brach in einem Haus auf dem Unteren Marktplatz ein Brand aus, der auch auf die Widem übergriff. Das Feuer griff auch auf das Kloster über, alle Zellen der Brüder und das Winterrefektorium brannten aus. Außerdem wurden das Infirmarium, die Dechantei, die Bibliothek und die Sakristei zerstört. Das Feuer sprang auch auf das Mariensacellum über und vernichtete dort die Orgel. Ebenso brannte die Schule nieder. Die Kirchenausstattung – die Tafelbilder und die Altäre – wurde verschont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation bis Barock=== &lt;br /&gt;
Im Jahr der Wahl des hochgelehrten Propstes  [[Johannes V. Bernhard von Nußdorf]] (1517–1533) veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen und löste eine Reformationsbewegung aus, in der Klosterleben zunehmend kritisch beurteilt wurde. Unter Propst [[Bernhard I. Schönberger]] (1533–1541) legte der Chorherr Johann Peurl die priesterliche Kleidung ab und verließ seinen Orden, Neueintritte blieben zunehmend aus. In wirtschaftlicher Hinsicht hatte Propst Bernhard mit den Belastungen der den Klöstern vorgeschriebenen Abgaben zur Finanzierung der Kriege gegen die Osmanen zu kämpfen und konnte die Steuerleistungen nur durch den Verkauf des Stiftshauses in Wien erbringen. Für viele Jahre war Bernhard der letzte frei gewählte Propst von Herzogenburg. Die nun folgenden Pröpste waren Weltpriester oder stammten aus anderen Ordenshäusern, wurden postuliert oder vom Kaiser ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Wunsch Kaiser Ferdinands I. wurde [[Philipp von Maugis]] (1541–1550) zum Propst bestimmt. Philipp entstammte einer adeligen belgischen Familie, war ab 1545 Regent der niederösterreichischen Landesregierung und Erzieher der Söhne Ferdinands I. Noch im Jahr seines Amtsantrittes trat in Herzogenburg, wie in vielen Orten Österreichs, die Pest auf, an der täglich bis zu 30 Personen starben. Alle Chorherren im Stift mit Ausnahme des Propstes und eines Konventualen fielen der Seuche zum Opfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philipps Nachfolger war [[Bartholomäus von Cataneis]] (1550–1563). Er entstammte einer vornehmen italienischen Familie aus Bergamo, war palatinischer Graf, apostolischer Protonotar und oberster Hofkaplan. Durch sein Administrationstalent gelang es ihm, das Stift über die finanziellen Hürden zu bringen. Wegen seiner Tüchtigkeit wurde er zum Administrator von Göttweig bestellt (1556–1563). Der Klosterrat bemängelte bei seiner Visitation allerdings die Konkubinate der Stiftsherren und deren protestantische Gesinnung. Die Kommissäre erteilten dem Propst einen strengen Verweis und befahlen ihm, den Dechant abzusetzen und einzusperren. Nach dem Visitationsbericht vom Jahr 1561 befanden sich im Stift Herzogenburg nur mehr vier Konventualen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krisenzeit des Stiftes wurde der Prälat von St. Andrä [[Johannes VI. Pülzer]] (1563–1569) zum Propst bestimmt. In seinem Wahlinstrument hieß es, er sollte baldmöglichst die Zahl der Chorherren ergänzen, da sich dieselben fast alle &amp;quot;verloffen&amp;quot; hätten. Wirtschaftskrisen, Hungersnot, Erhöhung der Steuern und die Tatsache, dass viele seiner Mitbrüder lutherisch wurden, trieben Propst [[Johannes VII. Glaz]] (1569–1572) zu einem Verzweiflungsakt: in der Nacht des 14. September 1572 floh er in Begleitung eines Dieners aus dem Stift.&lt;br /&gt;
Nun folgte ein Mann aus dem eigenen Haus, [[Jakob Reisser]] (1573–1577). Durch seine Sparsamkeit und energische Haltung ging es sowohl finanziell als auch disziplinär im Stift aufwärts. Im Visitationsbericht wurde vermerkt, dass er keine goldene Kette und auch keine kostbaren Kleider trug, keine Spiele gestattete und die Musik bei Tisch abgeschafft habe. Außerdem hätten Propst und Konventualen keine Konkubinen. Er bemühte sich, Mitarbeiter aus dem Ausland zu bekommen, um die Ausbreitung der lutherischen Lehre zu stoppen. Denn die Gemeinde Herzogenburg war zum Großteil schon protestantisch und die Pfarrkinder gingen bereits in die umliegenden Ortschaften, um bei den &amp;quot;sektischen Predigern&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod postulierte der Klosterrat den Propst des [[Stift St. Dorothea|Chorherrenstiftes St. Dorothea]] in Wien, [[Georg II. Brenner]] (1578–1590). Georg war Hofkaplan bei Kaiser Maximilian II. gewesen und der Klosterrat schlug ihn 1588 als Bischof von Wiener Neustadt vor. Er strebte den Erwerb des Unteren Formbacher Marktes Herzogenburg, der noch immer großteils protestantisch war, an, scheiterte jedoch. Die Trennung beider Märkte Herzogenburg blieb bis 1806 bestehen. Propst Georg Brenner setzte aber Maßnahmen gegen das Luthertum durch, Herzogenburger Bürger, die zu den „Predikanten ausliefen“, wurden mit schweren Strafen bedroht. Ebenso mussten die Herzogenburger ihre Kinder in die katholische Schule schicken und dem Gesinde wurde verboten, sich während des sonntäglichen Gottesdienstes in Wirtshäusern oder auf Spielplätzen aufzuhalten. Kirche, Kloster- und Wirtschaftsgebäude wurden unter Propst Georg Brenner renoviert und ausgebaut, Messgeräte, Bücher und Musikinstrumente angekauft. Der Lesehof in Königstetten wurde renoviert und der Hof von Klosterneuburg fast zur Gänze neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Krankheit stand dem Propst in den letzten Jahren [[Paul Zynkh]] als Koadjutor zur Seite. Da es nach dem Tod des Propstes bei der Neubesetzung zwischen Klosterrat und dem Passauer Bischof zu Unstimmigkeiten gekommen war, verwaltete Paul Zynkh über ein Jahr als Administrator das Stift, bis er zum Propst gewählt wurde (1591–1602).Er setzte die gegen den Protestantismus gerichteten Maßnahmen seines Vorgängers fort und bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg, dessen Predigttätigkeit zu einer Rekatholisierung führte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der ständigen Gefahr von osmanischen Einfällen wurden die Verteidigungsanlagen des Klosters gemäß dem kaiserlichen Mandat ausgebaut und die Rüstkammer des Stiftes mit modernen Waffen versehen. Während eines halbjährigen Kuraufenthaltes des Propstes in St. Pölten entbrannte eine heftige Auseinandersetzung zwischen dem Stiftsdechant und dem Konvent. Der kranke Propst kehrte zurück und hielt ein Kapitel. Der Dechant wurde abgesetzt und im Lauf von drei Wochen bei Wasser und Brot „dasig“ gemacht. Die letzten drei Jahre seines Lebens war Propst Paul Zynkh Deputierter der niederösterreichischen Stände und hielt sich oft in Wien auf. Aus diesem Grund kaufte er dort 1601 ein Wohnhaus, den „Heidelberger Hof“ in der Annagasse. Das Gebäude ist heute noch im Besitz des Stiftes und trägt den Namen Herzogenburgerhof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Landesebene konnte der Protestantismus Schritt für Schritt zurückgedrängt werden. Propst Paul bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg. Dieser konnte durch seine eindrucksvollen Predigten viele Protestanten des Marktes zum katholischen Glauben zurückführen. Um die Jahrhundertwende war Herzogenburg wieder eine vorwiegend katholische Gemeinde. In den Dörfern ging die religiöse Erneuerung langsamer vor sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als [[Melchior Kniepichler]], ehemaliger Propst des Stiftes Dürnstein, von König Matthias als Propst postuliert wurde (1609–1615), protestierte der Herzogenburger Konventuale [[Johannes Held]] in einem Schreiben an den Passauer Offizial, weil Propst Melchior in St. Andrä (1592–1599) &amp;quot;Schulden gehäuft und von dann gezogen sei&amp;quot;, er habe dann &amp;quot;Tirnstain ohne Schulden angetreten und gehe nun mit Schulden weg&amp;quot; (1599–1609); beide Male in Folge seiner verschwenderischen Freigiebigkeit gegen Verwandte und Freunde. Weiters klagt er, dass Melchior dem Trunke ergeben und &amp;quot;in diesem Zustand unausstehlich streitsüchtig sei.&amp;quot; Schließlich, dass Melchior das weibliche Geschlecht liebe und gerne Tanzunterhaltungen besuche. In den Klosterratsakten hieß es, &amp;quot;dieser Mann war mehr Schelm als Mönch&amp;quot;. Am 26. Juli 1615 kam eine Untersuchungs- und Strafkommission nach Herzogenburg. Aufgrund der strengen Linie von Bischof Melchior Klesl wurde der Propst gefangen nach Wien geführt, verhört und einige Monate eingesperrt. Erst nach drei Jahren wurde Melchior rehabilitiert und zum zweiten Mal zum Propst von Dürnstein bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Wahlturbulenzen in den folgenden Jahren bestimmte Kaiser Ferdinand II. den Dechant des Kathedralstiftes Seckau [[Martin III. Müller]] zum Vorsteher in Herzogenburg (1621–1640). Er war ein eifriger Förderer der Gegenreformation, reformierte das klösterliche Leben und führte neue Statuten ein. Er erreichte auch, dass ihm die [[Pfarre Hain]] wieder zurückgegeben wurde, wo bisher nur protestantische Prediger angestellt waren. Den Konflikt mit der dort tonangebenden protestantischen Familie der Jörger konnte erst sein Nachfolger [[Johannes Bauer]] (1640–1653) beilegen. Propst [[Joseph Kupferschein]] (1653–1669) versuchte ebenfalls auf friedliche Weise die Protestanten zum katholischen Glauben zurückzugewinnen. Er war sowohl ein gelehrter Mann (1641 war er Rektor der Universität in Wien) als auch ein tüchtiger Wirtschafter. Propst [[Anton Sardena]] (1669–1687) begann mit viel Schwung die weiteren Restaurierungsarbeiten bzw. die Barockisierung des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679/80 wütete die Pest in Herzogenburg und kostete viele Menschen das Leben. In der Stiftsgeschichte von Dechant Beyer wird auch das Erscheinen eines Kometen vermerkt, der im Jahr 1680 am Fest des hl. Stephan zum ersten Mal erschien und als Vorbote der Osmaneneinfälle interpretiert wurde. Am 14. Juli 1683 erschien eine osmanische Streifschar vor Herzogenburg. Sie ließ den gut befestigten Ort zunächst ungeschoren. Als die Gefahr immer größer wurde, flüchtete der Prälat auf Bitten seiner Geistlichen mit dem Archiv und der Schatzkammer nach Dürnstein. Unter den im Kloster verbliebenen Chorherren befand sich [[Gregor Nast]], der später einen ausführlichen Bericht über die Osmaneneinfälle verfasste. Eine größere Truppe versuchte die Erstürmung des Marktes und schichtete Stroh vor die Markttore, um sie durch Feuer zu zerstören. Die Bürger leisteten mit ihren Schusswaffen allerdings tatkräftigen Widerstand. Zahlreiche Bauernhöfe von Herzogenburger Grundholden wurden jedoch geplündert und niedergebrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zeit erholten sich das Land und die Klöster von den Nachwirkungen der Türkenkriege und mit der Wiederkehr von geordneten Zuständen verbesserte sich auch die wirtschaftliche und religiöse Situation. Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) war lange Jahre ein eifriger Seelsorger und stand als Dechant und späterer Prälat seinen Mitbrüdern auf den Pfarren beim Wiederaufbau bei. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) betrieb die wirtschaftliche Konsolidierung seines Hauses nach dem Krieg und den Wiederaufbau bei Pfarren und Wirtschaftshöfen. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prandtauer wurde 1714 von Propst [[Wilhelm von Schmerling]] (1709–1721) mit einem barocken Neubau des Stiftsgebäudes beauftragt. Nach Schleifung des alten Klosters – nur ein Teil des mittelalterlichen Kreuzgangs blieb erhalten – wurde eine zweihöfige neue Stiftsanlage errichtet, der zweite Hof jedoch baulich nie fertiggestellt. Die von Prandtauer gebauten Trakte sind vornehm und voll künstlerischen Lebens. Einzig an der Ostseite sprengt der Saalbau nach Plänen von Fischer von Erlach die Prandtauersche Fassade: er tritt um eine Achse hervor und überragt sie mit den Oberfenstern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Herzogenburg geborene Propst [[Leopold von Planta]] (1721–1740) schloss die Bauarbeiten ab und besorgte die wirtschaftliche Stabilisierung des Hauses. In seiner Regierungszeit wurde am 18. September 1724 das Stift in die [[Lateranensische Choherrenkongregation]] aufgenommen. Die Pröpste führen seitdem den Titel eines Lateranensischen Abtes. Propst Leopold führte nach dem Beispiel von Klosterneuburg den schwarzen Talar anstelle der weißen Kleidung für seine Mitbrüder ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Frigdian Knecht]] (1740–1775) wurde im Österreichischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen gefangengenommen, um eine Kriegssteuer in der Höhe von 14.000 Gulden zu erpressen. Er wurde nach den Worten des Stiftsdechanten „hin und hergeführt zu Schand und Spott“. Erst nach sechstägiger Gefangenschaft und Zahlung des hohen Lösegeldes konnte der Prälat wieder ins Stift zurückkehren. 1743 entschloss er sich, die Kirche durch den jungen Baumeister Franz Munggenast neu errichten zu lassen. Der Turm wurde 1767 nach Entwürfen von Johann Bernhard Fischer von Erlach durch Matthias Munggenast ausgeführt. Die Architektur dieser Kirche und die Ausstattung durch Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte können zu den großen Leistungen des österreichischen Barocks gezählt werden. In den Pfarren [[Stollhofen]], [[Hain]], [[Rottersdorf]] und [[Brunn]] ermöglichte Propst Frigdian ebenfalls die Barockisierung der Kirchen. Durch die Stiftung von 7.000 Gulden des Wiener Stadtrates Jakob Bodenreiter konnte in Theiß der Pfarrhof neu errichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seines wissenschaftlichen Interesses kaufte der Propst Jahr für Jahr viele wertvolle Bücher, ordnete das Archiv und unterstützte den Aufbau eines eigenen Münzkabinetts. Auf musikalischem Gebiet war sein Mitbruder [[Georg Johann Donberger|Georg Donberger]] tätig. Als Regens chori komponierte dieser unermüdlich und seine Werke sind in den Musikarchiven vieler österreichischer Stifte zu finden. Als Propst Frigdian Knecht nach 35-jähriger Amtszeit im Jahr 1775 starb, hinterließ er ein geordnetes Haus, das spirituell, künstlerisch und wirtschaftlich einen guten Ruf hatte. Er wird auch der dritte Gründer genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Josephinismus bis Gegenwart===&lt;br /&gt;
Propst [[Michael Teufel]] (1782–1809) war Parteigänger von Kaiser Joseph II. und administrierte für ihn die Aufhebungen der Chorherrenstifte St. Andrä an der Traisen und Dürnstein. Das Patent des Kaisers über die Klosteraufhebungen wurde für das Stift St. Andrä an der Traisen wirksam, das nach dem Tod des letzten Propstes [[Gregor Grindler]] 1783 dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde. Das Chorherrenstift Dürnstein wurde 1788 mit dem Stift Herzogenburg vereinigt. Gegen diesen Bescheid erhob zwar der Bischof von St. Pölten Einspruch, doch wurde mit Hofdekret vom 7. Juni 1788 die endgültige Aufhebung Dürnsteins angeordnet. Als durch die Aufhebung der Benediktinerabtei Formbach am Inn der Untere Markt Herzogenburg Staatseigentum wurde, konnte ihn Propst Michael durch geschickte Verhandlungstaktik 1806 kaufen und mit dem Oberen Markt vereinigen. Ein Höhepunkt in der Regierungszeit des Propstes Michael Teufel war die Weihe der neuen Herzogenburger Stiftskirche am 2. Oktober 1785, sie erfolgte durch [[Heinrich Johannes von Kerens]] dem ersten Bischof, der in St. Pölten residierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Koalitionskriegen war Stift Herzogenburg nach der Schlacht im nahegelegenen Dürnstein-Loiben im November 1805 direkt betroffen. Französische Truppen fielen in die Stadt ein, brachen Keller auf und plünderten. Hohe Geldforderungen der französischen Offiziere und Einquartierungen von Soldaten belasteten das Stift schwer. Propst Michael floh während des Krieges mit der Münzsammlung und anderen Kostbarkeiten nach Ungarn in die Abtei Zirc. Kämmerer [[Josef Leuthner]] brachte sich mit den anderen Wertgegenständen auf das Gut Primmersdorf (Waldviertel) in Sicherheit. Im Rahmen des Österreichisch-Französischen Krieges im Jahr 1809 und der zweiten Eroberung Wiens durch Napoleon hatte Herzogenburg wieder unter französischen Truppen, ganz besonders unter den württembergischen Hilfstruppen zu leiden. Bei dieser zweiten Franzoseninvasion kam der Propst allerdings nicht mehr unbehelligt davon. Noch kurz vor seinem Tod wurde er in seinem Zimmer von einem französischen Husaren misshandelt und seines Kreuzes und Ringes beraubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Michael Teufel hat um das Stift beinahe so große Verdienste wie sein Gründer – der Volksmund unterstrich das Weiterbestehen des Stiftes mit dem Bonmot: „Der Teufel hat das Stift gerettet.“ Im Geist der neuen josephinischen Begräbnisordnung wurde er als erster Stiftsvorsteher außerhalb des Ortes auf dem allgemeinen Friedhof in einem bescheidenen Mausoleum bestattet. 1977 wurden die sterblichen Überreste des Propstes exhumiert und neben seinem Grabdenkmal in der Stiftskirche beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Amortisationsgesetze und Religionsfondsabgaben der spätjosephinischen Ära belasteten die Stiftswirtschaft und führten zu erheblicher Verschuldung. Der ehemalige Stiftsdechant Propst [[Aquilin Leuthner]] (1811–1832) konnte das Haus nur insofern aus der finanziellen Not retten, als er von Kaiser Franz I. einen Nachlass der Schulden erreichte. Dem josephinischen Nützlichkeitsgedanken entsprach das Kloster durch Errichtung eines Schulgebäudes auf dem Stiftsgelände im Jahr 1829, dem der Westtrakt des mittelalterlichen Kreuzwegs weichen musste. Die Visitationen des St. Pöltner Bischofs Jakob Frint führten in Herzogenburg zur allmählichen Umsetzung der Klosterreformen der Restaurationszeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Bernhard II. Kluwick]] (1832–1843) erreichte die aus Osteuropa kommende Choleraepidemie auch Niederösterreich. Die Angst vor dieser Seuche veranlasste die Stiftsherren, zur Versorgung der Kranken an den Gangenden sogenannte Choleraöfen zu errichten: „... also die Küche zu weit entfernt ist, um schnell den notwendigen Tee und warmes Wasser herbeizuschaffen.“ Das Lebenswerk von Propst Bernhard war die Erbauung der Pfarrkirche in [[Theiß]].&lt;br /&gt;
Propst [[Karl Stix]] (1843–1847) konnte einen weiteren bedeutenden Schuldenerlass bei Kaiser Franz I. erreichen. Aus Dankbarkeit feierte das Stift jahrzehntelang den Todestag des Monarchen mit dem „Kaiserrequiem“. 1844 konnte er die Jubiläumsfeier der Übertragung des Stiftes von St. Georgen nach Herzogenburg (1244) festlich begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Revolutionsjahr hob am 7. September 1848 hob der Reichstag die bäuerliche Untertänigkeit auf und das Feudalrecht mit Robot und Zehent wurde abgeschafft. Propst [[Josef II. Neugebauer]] (1847–1856) verkaufte in der Folge 1851 das Gut Primmersdorf 1851, das bis dahin der Einbringung der klösterlichen Zehentrechte im nördlichen Waldviertel gedient hatte. Am 8. Oktober 1848 – auf der Flucht von Wien in die Festung Olmütz – kam Kaiser Ferdinand I. mit seinem Gefolge nach Herzogenburg und wurde als Gast im Stift beherbergt. Am selben Abend unterzeichnete der Kaiser ein Manifest „An die Völker meiner deutsch-erbländischen Provinzen“. Am nächsten Morgen zog der Kaiser mit seinem Gefolge weiter. Der Name „Kaisergasse“ in Herzogenburg erinnert noch heute an diese Begebenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1853 gab es eine kanonische Visitation durch den St. Pöltener Bischof Feigerle, und zwei Jahre darauf visitierte auch der Linzer Bischof Rudiger in Vertretung des Kardinals Fürst Schwarzenberg das Stift Herzogenburg. Auch er war sehr zufrieden mit dem Stand des Hauses und „schied mit wahrer Herzensfreude vom Stift“. Auch unter dem nächsten Vorsteher des Stiftes Propst [[Norbert Zach]] (1857–1887) herrschte ein gutes Klima im Haus. Von den 34 Mitgliedern des Stiftes waren 25 Priester in der Seelsorge tätig, vier hatten häusliche Offizien, zwei Kleriker studierten an der theologischen Hauslehranstalt im [[Chorherrenstift Klosterneuburg]], zwei Novizen wurden im Haus in die Lebensordnung der Chorherren eingeführt.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1862 gründete der Stiftskurat und spätere Dechant [[Ferdinand Mann]] den katholischen Gesellenverein, der sich um die seelsorglichen und menschlichen Anliegen der arbeitenden Bevölkerung kümmerte. Die Stadt Herzogenburg begann den Schritt ins Industriezeitalter, als 1874 die Firma Vollrath (Nägel, Schrauben) von Wien nach Herzogenburg/Oberndorf übersiedelte. 1875 folgte ihm Carl Grundmann, ein pensionierter Danziger Lokomotivführer, der sich auf die Erzeugung von Türschlössern spezialisiert hatte. In diese Zeit fällt auch die Planung und der Bau der Eisenbahnlinien im Raum Herzogenburg: Am 3. August 1885 wurde die Strecke Tulln – St. Pölten, am 16. Juli 1889 die Strecke Herzogenburg – Krems eröffnet. Seit dieser Zeit „ist der Markt mit zwei Hauptverkehrsadern der Monarchie“, mit der West- und der Franz-Joseph-Bahn, verbunden. Um der rasch anwachsenden Bevölkerung eine bessere Ausbildung und damit größere Berufschancen geben zu können, wurde die Stiftsschule schon 1867 zu einer Pfarr-Hauptschule erweitert. Heute wird das neben der Stiftskirche gelegene Schulgebäude von der Herzogenburger Sonderschule und der Musikschule benützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das äußere Bild des Ortes änderte sich Mitte des 19. Jahrhunderts. Drei Tore der alten Marktbefestigung wurden abgetragen; ebenso Teile der Ringmauer. Ein Stückchen dieses mittelalterlichen Ensembles ist heute noch im nördlichen Stiftsbereich zu sehen, wo Mauer, Graben, Verteidigungsturm und das einzige noch bestehende Stadttor, das „Au-Tor“, auch „Nordtor“ genannt, erhalten blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Schlacht bei Königgrätz Mitte Juli 1866 drangen die preußischen Truppen bis ins Waldviertel vor und das österreichische Militär zog sich – größtenteils kampflos – auf das südliche Donauufer zurück. Das Stift richtete im Auftrag der k. k. Statthalterei ein Spital für die Soldaten ein. Für seine Verdienste wurde der Propst im Jahr 1879 vom Kaiser mit dem Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet. Während seiner zehnmonatigen Funktion als Administrator des Stiftes veranlasste Dechant Emmerich Wallner die Gestaltung des nach ihm benannten „Emmerichhofes“ im Westtrakt des Stiftsgebäudes.&lt;br /&gt;
In der Person des folgenden Propstes [[Frigdian II. Schmolk]] (1888–1912) vereinigten sich Kirchenfürst und Staatsmann. 1902 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum Landmarschall (Vorsitzender des Landtages). Vier Jahre lang hatte er dieses Amt inne. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der Kaiser die Würde eines Wirklichen und Geheimen Rates und berief ihn auf Lebenszeit als Reichsrat in das Herrenhaus. Um 1900 erreichte das Stift seinen höchsten Personalstand: 40 Konventualen gehörten zum Kloster. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Frigdian wurden in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das Stiftsgebäude, der Turm, die Orgel und das Innere der Kirche restauriert. Dechant Ferdinand Mann ließ auf seine Kosten 1903 den Maria-Lourdes-Altar errichten und die zwei Holzstatuen Herz-Jesu und Herz-Maria in der Kirche aufstellen. 1907 wurde der Zusammenschluss der österreichischen Chorherrenstifte zur „Österreichischen Kongregation der regulierten Lateranensischen Chorherren“ erreicht. Als Konvisitator wurde Propst Frigdian Schmolk gewählt. Eine enge Freundschaft verband Propst Frigdian mit dem Wiener Bürgermeister Karl Lueger. Als dieser tödlich erkrankte, berief er seinen langjährigen Freund zu sich, der ihm die die Sterbesakramente reichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmolks Nachfolger wurde [[Georg III. Baumgartner]] (1913–1927). Mit größter Sparsamkeit und Umsicht lenkte er das Stift durch die wirtschaftlichen Erschütterungen des Ersten Weltkrieges. Er stellte das Sommerrefektorium als Kaserne für die Marschkompanien und den Theatersaal dem Roten Kreuz zur Pflege der Verwundeten zur Verfügung. Vom Krieg selbst wurde Herzogenburg nur mittelbar betroffen: durch die vielen Gefallenen. Ihre Namen sind auf einer Marmortafel, rechts beim Eingang der Kirche, eingemeißelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 ließ Propst Georg das veraltete stiftliche Elektrizitätswerk– die ehemalige Stiftsmühle – in eine moderne Wasserkraftanlage mit Turbinen umbauen, die das Stift und Teile der Stadt Herzogenburg jahrelang mit Strom versorgte. Bedeutende Verdienste erwarb sich Georg Baumgartner durch seine wissenschaftliche Forschung über die Urgeschichte, inspiriert durch die archäologischen Funde aus der Hallstattzeit auf Grundstücken, die zum Stift gehörten. Bis zuletzt arbeitete er mit großer Genauigkeit an der Hausgeschichte und an der Baugeschichte der Kirche und des Stiftes und verfasste weiters den Artikel „Herzogenburg“ in der „Topographie von Niederösterreich“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die allgemeine Wirtschaftskrise machte sich auch im Stift bemerkbar. Das Steueramt St. Pölten drängte immer öfter unter Androhung der Zwangsverwaltung auf Bezahlung der Steuerschulden. Das Kapitel unter Propst Georg sah sich gezwungen, einem Beschluss zum „Verkauf einzelner Wertgegenstände näher zu treten“. Einige wertvolle Kunstgegenstände wurden verkauft. In diese politisch sehr schwierige Zeit fällt eines der größten Ereignisse für Herzogenburg, die Stadterhebung: Am 30. Juni 1927 beschloss der Landtag von Niederösterreich, den Markt Herzogenburg „trotz der verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl“ (2.800) zur Stadt zu erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der spätere Landtagsabgeordnete und Vertreter des Klerus [[Ubald Steiner]] (1927–1946) wurde zum nächsten Propst gewählt. Es gelang ihm, das Stift durch die schwierige wirtschaftliche Lage der dreißiger Jahre zu führen, was den Verkauf mehrerer Grundstücke und Kunstschätze beinhaltete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Sozialdemokratie in den 1920er Jahren wurden auch in Herzogenburg, das durch seine metallverarbeitende Industrie über einen hohen Arbeiteranteil verfügte, vehement geführt. Der Stiftsdechant  und Pfarrer [[Anton Rudolf]] stand im Ruf, „der von den Sozialdemokraten wohl bestgehasste Chorherr“ zu sein. Er war der Typ von Priesterpolitiker, der die ohnehin spannungsgeladenen dreißiger Jahre durch sein Zelotentum und seine nie erlahmenden Bekehrungsversuche an ungläubigen Marxisten eher verschärfte denn beruhigte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Volksabstimmung vom 10. April 1938 brachte in Herzogenburg 2.047 Ja-Stimmen für den Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland und nur fünf Gegenstimmen. In der Folgezeit erhielt Herzogenburg den Namen „Stadt der Treue“. In diesen Jahren wurden die Repressalien gegenüber den kirchlichen Institutionen und der Geistlichkeit immer spürbarer. Die Stiftstaverne und der Theatersaal wurden beschlagnahmt. 400 Herzogenburger traten aus der Kirche aus, und rund 100 Kinder wurden vom Religionsunterricht abgemeldet. Das Herzogenburger Pfarrblatt, das seit 1915 erschien, wurde wegen „Papierknappheit“ 1941 eingestellt. Das Stift wurde von den Nationalsozialisten zwar nicht aufgehoben, war aber in seiner Wirtschaftsführung nicht mehr unabhängig. Teile des Stiftsgebäudes wurden 1940 für ein Einquartierung von bessarabischen Umsiedlern und später auch anderen Flüchtlingen beschlagnahmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum „schwarzen Montag“ wurde der 6. November 1944. 300 Bomben fielen in und um Herzogenburg: 20 Tote und große Sachschäden waren die traurige Bilanz. Am 14. April 1945 rückten nach einer kurzen Kanonade die Sowjets in Herzogenburg ein. Eine Gruppe von Herzogenburgern, unter ihnen Propst Ubald, ging ihnen mit der weißen Fahne entgegen. Die Stiftsgebäude waren durch einige Bombentreffer leicht beschädigt worden, schwerer betroffen waren die Stiftswälder, die durch die Luftangriffe schwere Schäden hatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Georg IV. Hahnl]] (1946–1963) betrieb den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit. Im Jahr 1948 wurden vier neue Glocken der Stiftskirche geweiht. 1942 hatten alle Glocken bis auf die größte, die Pummerin, der Rüstungsindustrie abgeliefert werden müssen. Wissenschaftliche Berühmtheit erlangte Propst Georg durch seine Arbeit auf dem Gebiet der Heimat- und Urgeschichtsforschung. Fast seine ganze Regierungszeit als Propst war allerdings von einer schweren Krankheit überschattet, was sich negativ auf das Klima und die Personalsituation des Stiftes auswirkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Resignation wurde [[Thomas Zettel]]  (1963–1969) zum nächsten Vorsteher des Hauses gewählt. Nach langen Vorbereitungen öffnete 1964 das Stift Herzogenburg seine Räume und Säle für über 100.000 Besucher anlässlich seiner (etwas verspäteten) 850-Jahr-Feier. Der ebenerdige Teil des sogenannten „Altstiftes“, die Reste der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen alten Klosteranlage, war renoviert worden und das spätgotische Refektorium „glänzte“ durch die kurz zuvor freigelegten Fresken von ca. 1500. Daneben im frühbarocken Refektorium waren die Funde aus der Ur- und Frühgeschichte neu aufgestellt worden. Im Barockgebäude wurde im ersten Stock im ehemaligen Gästetrakt eine Ausstellung für die restaurierten Kunstschätze des Stiftes, insbesondere seine Sammlung mittelalterlicher Flügelaltäre, eingerichtet. Im Festsaal, in der Bibliothek, im Bildersaal und in elf weiteren Ausstellungsräumen erlebten und erleben Besucher das künstlerische Erbe des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1965 gab es eine einschneidende wirtschaftliche Umstellung: der Weinbau und die Landwirtschaft konnten in Eigenregie nicht mehr positiv geführt werden, deshalb wurden beide Wirtschaftszweige verpachtet. Der Forst als dritte Einnahmequelle wird bis heute noch selbst geführt, die Jagden sind verpachtet. Das Gebäude, in dem die ehemalige Stiftstaverne befand, wurde an die Stadtgemeinde Herzogenburg verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1977 erreichten die ökumenischen Gespräche und Gottesdienste, die vom späteren Propst [[Maximilian Fürnsinn] initiiert wurden, ihren Höhepunkt in der Ausstellung &amp;quot;Kunst der Ostkirche&amp;quot;. Zum ersten Mal feierten in diesem Zusammenhang die Vertreter aller elf östlichen und westlichen Kirchen in Österreich einen gemeinsamen Gottesdienst in der Herzogenburger Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Stadt Herzogenburg“ wurde die Nordeinfahrt des Stiftes restauriert und der Innenhof nach barockem Vorbild neu gestaltet. In diesem Jahr, 1977, wurde auch der Abschluss der Turmrenovierung gefeiert. Propst [[Clemens Moritz]] (1969–1979) wurde zum Ehrenbürger von Herzogenburg ernannt. Er war nicht ein Prälat im Sinne der prachtvollen Barockzeit – musste er doch einen personellen Tiefstand von nur 14 Mitgliedern erleben – wohl aber im Sinne des Ordensstifters Augustinus ein Seelsorger, besorgt um seine Gemeinde und seine Mitbrüder. Auch nach der Resignation blieb Altpropst Clemens bis zum Jahr 1996 der Pfarrer von Herzogenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit [[Maximilian II. Fürnsinn]] (1979–2019)) bekam das Stift nach 200 Jahren wieder einen gebürtigen Herzogenburger zum Propst. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war zunächst die Renovierung der Stifte und Pfarren. Allein mit einem Kostenaufwand von rund 50 Millionen Schilling wurde das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein in der Zeit von 1985 bis 1995 restauriert. Die zehnjährige Renovierung des Stiftes Herzogenburg wurde im Jahr 2012 abgeschlossen, sie umfasste neben der Fassadensanierung unter anderem die Instandsetzung der musealen Räumlichkeiten. Die neue Dauerausstellung konnte im Jahr 2012, als das Stift das Jubiläum seines 900jährigen Bestehens beging, eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den zentralen Anliegen von Propst Maximilian gehörte, dass das Stift – entsprechend der jahrhundertelangen Tradition – eine offene Begegnungsstätte ist. So gehen auf seine Initiative viele Tagungen, Bildungsveranstaltungen und Zusammenkünfte von verschiedenen Institutionen und Vereinigungen zurück. Neben den zuvor erwähnten ökumenischen Treffen haben etwa die Ritter vom Heiligen Grab in Jerusalem der Komturei St. Pölten hier regelmäßige Zusammenkünfte. Besonders erwähnenswert sind die in der Regierungszeit von Propst Maximilian abgehaltenen &amp;quot;Herzogenburger Gespräche&amp;quot;, anlässlich derer mehrmals im Jahr 60 bis 80 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kirche zentrale gesellschaftliche Fragen behandelten. Pastorales Wirken war dem vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägten Seelsorger Maximilian Fürnsinn ein besonderes Anliegen, vor allem die Lebendigkeit in der Pfarrseelsorge lag ihm am Herzen. In der Pfarre Herzogenburg entstand aus einem Kinderfest der Katholischen Jungschar der heute größte Kinderevent Niederösterreichs, die „Niederösterreichischen Kindersommerspiele“ (NÖKISS).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kirchliche Engagement von Propst Maximilian führte dazu, dass er 1982 zum ersten Mal zum Vorsitzenden der niederösterreichischen Äbtekonferenz gewählt wurde. Von 1989 bis 1994 war er Vizepräsident der ökumenischen Stiftung Pro Oriente. Von 1998 bis 2013 war Maximilian Fürnsinn Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2019 wurde [[Petrus Stockinger]] zum neuen Propst von Herzogenburg gewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Bischof Ulrich I. von Passau (1092–1121) konnte seiner Neugründung, dem Augustiner-Chorherrenstift St. Georgen, nur wenig schenken. In der Gründungsurkunde des Klosters bemühte er daher auch die Heilige Schrift und erwähnt das Opfer der armen Witwe, die nur zwei Kupfermünzen in den Opferkasten des Tempels warf, die aber von Jesus gelobt wurde, weil sie alles gab, was sie besaß. Der Bischof schenkte einiges von seinem persönlichen Besitz her, vielleicht sogar alles, was er in der damaligen Ostmark sein Eigentum nannte. Und das war für die junge Kommunität gerade genug zum Überleben. Katastrophen oder wirtschaftliche Schwierigkeiten durfte es keine geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bischof übergab der Klostergemeinschaft seine ererbte Eigenkirche St. Georgen an der Traisenmündung mit Fischwassern, Weingärten, Wiesen und Wäldern. Ebenso vermachte er aus seinem persönlichen Besitz ein Gut und eine Hube zu Sebarn, eine Hube zu Perschling, Engabrunn und Gumpolding, eine halbe Hube in Pötzleinsdorf (bei Wien) und eine zu Kamp, je einen Weingarten zu Kuffern und Egelsee und zwei Weingärten in Inzersdorf. Aus dem bischöflichen Gut schenkte er drei Weingärten in Hundsheim mit einem Lehen, je einen Weingarten in Stein, Weinzierl und Plechingen (zwischen Stein und Krems), den dritten Teil des Zehents von Teras und Merzleinswerd, die Hälfte des Zehents von den Pfarren Herzogenburg und Traisenburg sowie das ganze Dorf Streithofen (im Tullnerfeld). Einige Jahre später schenkte Bischof Ulrich zur Aufbesserung noch sechs Weingärten dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der wirtschaftlichen Not des jungen Stiftes versuchte nun 1160 Bischof Konrad von Passau (1148–1164) mit einer (gefälschten) Urkunde zu helfen, in der er das neuzugründende Stift St. Andrä mit St. Georgen vereinigte. Dieser Zusammenschluss scheiterte am Widerstand Ottos von Rechberg, der schließlich ein eigenständiges Kloster St. Andrä errichten konnte. Als Entschädigung übertrug Bischof Konrad dem Stift St. Georgen die Pfarre Marquardsufer und den Schweighof bei Zeiselmauer, um der &amp;quot;materiellen Not des Stiftes abzuhelfen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam konnte das Stift in den folgenden Jahrhunderten seinen Besitz durch Schenkungen vermehren, wobei das Waldviertel und das untere Traisental zu Schwerpunkten der Besitzungen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Urkunde von 1163 werden als Zeugen zuerst die Äbte von Göttweig und Zwettl, der Propst von St. Pölten und dann der Propst von St. Georgen, Albert, angeführt. 25 Jahre später kommt Propst Berthold von St. Georgen in der Zeugenfolge nach den Äbten von Göttweig, Melk und Altenburg, jedoch vor den Pröpsten von St. Nikolai und St. Andrä. Diesen Platz in der Reihenfolge der niederösterreichischen Stifte nimmt Herzogenburg bis über die Barockzeit ein. Nach den Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II. dürfte das Stift Herzogenburg besitzmäßig an die letzte Stelle gerückt sein. Doch noch einmal zurück ins Mittelalter. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im 12. Jahrhundert konnte das Stift seine Besitzungen durch Kauf, vor allem aber durch Schenkungen vermehren. Die Vielzahl der Schenkungen im Mittelalter sind meist auch ein Zeugnis von guter Spiritualität: einem glaubensstarken Kloster vertraut man eher seine Gebetsanliegen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste große Finanzaufwand war der zweite Neubau des Klosters in Herzogenburg um 1244. Das älteste Zehentverzeichnis, das in das Jahr 1299 zurückreicht, zeigt jedoch schon eine wirtschaftliche Stabilisierung auf. Das Stift besaß nun zehn &amp;quot;Ämter&amp;quot;, i. e. Zehenthöfe, die für die Einhebung der Zehente notwendig waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten waren Abgaben für die Kreuzzüge zu entrichten. Später kamen dann die Steuern für die Finanzierung der Türkenkriege. Verwüstungen durch Kriege, Naturkatastrophen (Heuschreckenplage und Dürre) und Pestepidemien brachten einen wirtschaftlichen Tiefstand für das Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zeichen für das wirtschaftliche Auf und Ab war 1417 der Kauf eines Hauses in Wien, Johannesgasse. 1541 musste es wieder verkauft werden. Bezeichnend für diese schwierige Zeit war auch der Personalstand: 1569 war nur mehr ein Konventuale im Stift. Als 1601 wieder ein Haus in Wien, diesmal in der Annagasse, gekauft wurde, war dies zugleich auch ein Zeichen des neuen Erstarkens: sowohl wirtschaftlich als auch personell. Das Stift wurde renoviert, die Kirche barockisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Abwehr der Türken 1683 konnte das Stift im wirtschaftlichen Aufwind weitere Akzente setzen: ein Gut in Primersdorf (Waldviertel) wurde gekauft und ein großer, neuer Schüttkasten errichtet. In Wielandsthal wurde der Keller und in Haitzendorf der Pfarrhof von Prandtauer errichtet. Im barocken Neubau des Stiftes (ebenfalls von Prandtauer) und der dazugehörigen Kirche kam die wirtschaftliche Kraft zum Ausdruck. Allerdings mussten dafür Weingärten in Mautern, Mauternbach und Sallapulka, eine Mühle von St. Georgen, Meierhöfe in Reith bei Primersdorf, Großhain, Schwarzenbach usw. für eine Gesamtsumme von 17.600 Gulden verkauft werden. Das war ungefähr ein Drittel des Prandtauischen Kostenvoranschlages für den Neubau des Stiftes (54.000 Gulden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wirtschaftliches Tief lösten die napoleonischen Kriege und die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aus: 1851 wurde das Gut Primersdorf im Waldviertel veräußert. Jahre vorher konnte das Stift nur durch einen großzügigen Schuldenerlass von Kaiser Franz I. vor einem finanziellen Ruin gerettet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Stift nur durch den Verkauf von Grundstücken und von vielen Kunstgegenständen entgegenwirken. Einige Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg kam es wieder zu Veräußerungen von Kunstgegenständen, Teilen von Sammlungen (Mineraliensammlung) und Teilen der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre unter Propst Maximilian waren von einer klugen Wirtschaftspolitik gekennzeichnet. Trotz der bescheidenen Besitzungen von 2.625 ha (2.200 ha Wald, 25 ha Weinbau, 400 ha landwirtschaftliche Nutzung) konnten viele Restaurierungen am Stift und an den Kirchen und Pfarrhöfen vorgenommen werden. Am 29. April 1996 wurde die Außenrenovierung des Stiftes Dürnstein mit einem Gesamtumfang von 50 Millionen Schilling abgeschlossen. Eine Aufgabe für dieses Haus, etwa als Seminar- oder Vortragszentrum, wird noch zu finden sein.&lt;br /&gt;
Wenn auch schon vieles vollbracht worden ist, so warten doch noch weitere Aufgaben für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Vogtei===&lt;br /&gt;
Der Besitz des Bistums Passau im Raum Donau–Traisen stand unter der Vogtei der Babenberger. Diese übten sie durch die Burggrafen von Lengbach (Neulengbach) aus. Urkundlich sind die Vögte des Stiftes Herzogenburg sehr selten belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Übertragung des Stiftes nach Herzogenburg änderte sich in der Vogteiverwaltung nichts. Nach dem Aussterben der Babenberger siegelte 1252 Konrad von Zagging als Vogt des Hauses. Er dürfte in Verbindung mit König Ottokar Przemysl, dem neuen Landesherren, gestanden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Habsburger die Herrschaft übernahmen, wurden die Burggrafen von Neulengbach die Vögte von Herzogenburg. Bestätigt wird diese Annahme durch die Erklärung der Herzöge Wilhelm und Albrecht IV. vom 20. März 1396, in der sie ihre Pflicht zu besonderem Schutz und Schirm des Klosters und seiner Güter bestätigten, da sie ja jährlich das Vogtgeld von 17 Pfund und 6 Schillingen Wiener Pfennig und 1 Muth Hafer vom Stift empfingen. Das Stift Herzogenburg zahlte diese Summe bis zum Jahr 1848 nach Neulengbach, als die Herrschaft längst schon in Privatbesitz übergegangen war und das Vogtgeld umgerechnet nun 17 Gulden und 45 Kreuzer betrug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jenseits der Donau dürften die Kuenringer auf Dürnstein die Vogtei über die Stiftsgüter ausgeübt haben. Nach ihrem Aussterben erging 1356 eine Weisung des Herzogs Albrecht II. an seinen Pfleger in Krems, das Stift Herzogenburg in seinen Rechten und Besitzungen zu schirmen. Im Jahr 1445 übernahmen die Brüder Ulrich, Oswald und Stephan Eytzinger auf Bitten des Propstes die Vogtei auf 15 Jahre gegen die jährliche Abgabe von 6 Muth Hafer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Stift Herzogenburg lag jahrhundertelang wirtschaftlich im Mittelfeld der niederösterreichischen Klöster. So war es auch mit der Zahl der Mitglieder. Die frühen mittelalterlichen Chorherrengründungen waren nicht für riesige Konvente gedacht, sondern die Zahl zwölf war, von Jesus mit seinen Jüngern herkommend, die goldene Zahl. Bei der Gründung von St. Georgen werden wahrscheinlich eine Handvoll Chorherren die Aufbauarbeit an diesem Donaustift begonnen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1200 gab es die erste urkundliche Aufzählung des Konventes: zwölf Priester, drei Konversen (''fratres conversi''), fünf Familiaren und vier Brüder. Einige Jahre nach der Übersiedlung des Konventes von St. Georgen nach Herzogenburg wurden neun Priester, zwei Diakone und vier Brüder (''fratres barbati'') als Zeugen genannt. Ein Stiftshistoriker zählte diese bärtigen Brüder dem adeligen Stand zu, da er sie als Mitglieder von Bauhütten interpretierte, die Baumeister und Städteplaner waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Namen und aus der Stellung in der Zeugenreihe lassen sich auf die Abstammung der Chorherren Schlüsse ziehen. Wir finden im Konvent einige Mitglieder des niederen Adels. Diese Tatsache erklärt einen Teil der reichen Schenkungen des Adels der Umgebung, der so zur Versorgung seiner Söhne beitrug. Ein Nobelstift war Herzogenburg aber nie. Die meisten Novizen kamen aus der Umgebung, vereinzelt aus Oberösterreich, der Steiermark, Kärnten und Salzburg. Die Zusammensetzung des Konvents blieb also durchaus im Rahmen des damals Üblichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert dürfte sich die Zahl der Konventualen zwischen 20 und 25 bewegt haben. Der erste große Verlust kam durch die Ermordung einiger Chorherren bei der Eroberung von Herzogenburg im Jahr 1463 und dann durch die Pest. Die Reformation trug das ihre dazu bei, sodass es beim Tod des Propstes Bartholomäus von Cataneis 1563 wahrscheinlich überhaupt kein Konventmitglied mehr gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann gab es nur ein, später zwei Mitglieder, und mit dem Erstarken der Gegenreformation kam wieder Leben in die Stiftsgemäuer: im 17. Jahrhundert betrug der Personalstand zwischen acht und zehn Mitglieder. In der Barockzeit erreichte er die Zahl 25. Um 1800 waren 27 Priester, ein Kleriker und drei Novizen dem Stift zugehörig. Im 19. Jahrhundert stammten 47 Priester aus Niederösterreich, 21 aus der Tschechoslowakei und acht aus Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Jänner 1900 hatte dann das Haus den Höchststand in seiner Geschichte: von den 40 Mitgliedern waren 35 Priester, vier Kleriker und ein Novize. Im 20. Jahrhundert nahm die Zahl stetig ab, und zur Zeit gehören 13 Priester und drei Kleriker zum Stift. Die Priester stammten im letzen, d. h. im 20. Jahrhundert, zu gleichen Teilen aus dem Arbeiter- und Angestelltenstand bzw. aus der Landwirtschaft und aus Familien selbständig Tätiger (die Väter waren Fleischhauer, Fabrikanten usw.). Der größte Anteil von ihnen waren Niederösterreicher (15), dann Wiener (neun), sechs Priester kamen aus dem heutigen Tschechien. Je zwei stammten bzw. stammen aus Tirol, Deutschland und den Niederlanden. Je ein Professe kommt aus dem Burgenland und aus Belgien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Vom Ursprungskloster in St. Georgen haben sich keine Reste erhalten. Die frühesten Ansichten von diesem Bau stammen aus der Barockzeit. Es ist deshalb schwer zu beweisen, wie weit sie der Wirklichkeit entsprechen. Auf diesen Bildern ist eine Kirche als zentraler Rundbau zu sehen, wie es manchmal in der Romanik üblich war, davor zwei niedrigere Rundtürme mit der Prälatur, links davon der Küchenturm, der einem Rauchabzug ähnlich ist. Rechts von der Kirche befindet sich ein Fluchtturm mit den Glocken. Anschließend sind die Klostergebäude für die Chorherren und Gäste dargestellt. Der Klosterbau ist mit einer Mauer umgeben. Das Ganze ist wahrscheinlich ein liebevoller Versuch, das Ursprungskloster darzustellen. Diese Ansicht entspricht aber keiner romanischen Klosteranlage der damaligen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster in Herzogenburg sind wir besser informiert. Wahrscheinlich wurde 1244 zuerst mit dem Bau eines Konventtraktes begonnen, da der bestehende Pfarrhof für den 15 Mann starken Konvent zu klein gewesen ist. Von dieser Anlage hat sich noch der Südtrakt mit einem Kreuzgangabschnitt erhalten. Bei Renovierungsarbeiten zu Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Sandsteinsäulen mit herzförmigen Kapitellschilden und einfachen Rundsockeln freigelegt, die in die Mitte des 13. Jahrhunderts einzureihen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ehemalige Refektorium wurde zum Teil schon 1894 entdeckt, doch konnten die Fresken erst 1963 vollständig freigelegt werden. Diese Räume waren Teil des Gerichtsgebäudes: Wärterwohnung und Gefängniszellen. An der Südseite des gotischen Saales befinden sich drei Spitzbogenfenster. Den sechsjochigen Raum tragen zwei Steinpfeiler als Mittelstützen. An einem ist die Jahreszahl 1564 zu erkennen, die vielleicht auf eine spätere Renovierung zurückgeht. Ab einer Höhe von 1,70 m befinden sich figurale Wandmalereien. Die einzelnen Darstellungen des Zyklus sind unterschiedlich gut erhalten, zum Teil ist nur noch die rote Vorzeichnung vorhanden. Neben christologischen Szenen sind eine Sterbeszene im Kloster (vielleicht der Tod des Ordensgründers Augustinus) und ein hl. Georg wiedergegeben. Vom zweiten Bild der Nordwand ist die Darstellung des Stifters dieser Bilder Propst Georg Eisner mit seinem Konvent erhalten. Da er ohne Mitra gezeigt wird, ist die Entstehungszeit dieser Fresken kurz vor 1498 anzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der östlich an das Refektorium anschließende frühbarocke Saal wird auf einem Plan mit &amp;quot;Capitl&amp;quot; bezeichnet. Die Jahreszahl 1628 am Ostfenster gibt vielleicht den Abschluss des Umbaus an. Heute wird dieser Saal für das Urgeschichtsmuseum des Stiftes verwendet. Wahrscheinlich besaß dieser Konventtrakt aufgrund der Größe der Stiftsgemeinschaft ursprünglich schon einen ersten Stock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei anderen Flügel des Konventbaues wurden wegen des Kirchen- bzw. Schulneubaus weggerissen. Über die Funktion der Räumlichkeiten sind wir zum Teil durch einen Plan von Johann Michael Hergöth unterrichtet, den er um 1700 gezeichnet hat: ebenerdig gab es drei Sakristeiräume, eine Schneiderei, den Mesnerkeller und das erwähnte Refektorium. Im ersten Stock waren die Zimmer der Chorherren, die Wohnung des Dechants und die Bibliothek untergebracht. Im Kreuzgangbereich lag noch die alte Totenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite des Konventbereiches steht auch heute noch der Kirchenbau. Von der mittelalterlichen Kirche ist nur das gotische Kirchenportal aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten. Aus den Umbauplänen können wir schließen, dass dieser Bau als Pfeilerbasilika auf kreuzförmigem Grundriss errichtet war, ähnlich der Michaelerkirche in Wien. Nördlich der Kirche waren die Kanzleiräume und die Prälatur. Entlang des Baches lagen die Wirtschaftsräume mit einem weithin sichtbaren Fluchtturm (Kuchlturm). Von diesen Gebäuden steht nur noch die Mühle, die heute als Elektrizitätswerk die Wasserkraft nutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm von Schmerling (1709–1721) entschloss sich für den Neubau des Stiftes. Am 25. Mai 1714 wurde dazu der Grundstein gelegt und Jakob Prandtauer wurde mit der Planung und Ausführung betraut. Propst Hieronymus Übelbacher von Dürnstein bezeichnet Prandtauer als &amp;quot;fürnehmen baumeister zu St. Pölten und vielleicht fürnehmsten in ganz Österreich&amp;quot;. Prandtauer begann mit dem Bau des Südtraktes. Der Osttrakt mit dem großen Festsaal wurde nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet. 1720 wurde die Einfahrtshalle aufgeführt. Auch hier dürften Vorschläge von Fischer mitverarbeitet worden sein. Im Quertrakt, zwischen den beiden Höfen, wurden im Erdgeschoß die beiden Sakristeien eingerichtet: Herren- und Prälatensakristei. Die qualitätvollen Stukkaturen gehen auf Michael Bolla, 1717, zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1721 starb Propst Wilhelm Schmerling. Sein Nachfolger Leopold von Planta (1721–1740) ließ weiterbauen, und zur Zeit des Todes von Jakob Prandtauer war das Stiftsgebäude zu einem provisorischen Abschluss gekommen, der aber zum dauernden wurde, denn der Westtrakt des &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; blieb unausgeführt. Propst Leopold ließ vom Nachfolger Prandtauers, dem Stiftsbaumeister Joseph Munggenast, den Meierhof aufführen und in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts den Stiftsbau durch die Errichtung des nördlichen Vorbaues und des Georgitores äußerlich abschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Westtrakt aus Sparmaßnahmen nicht ausgeführt wurde, errichtete der Propst die dort geplante Bibliothek im Mitteltrakt, und die in diesem Teil schon begonnene Prälatur wurde in den Nordostteil des Gebäudes verlegt. Die Gärten ließ er in barocker Manier anlegen und die Brücke über den Mühlbach sowie den &amp;quot;Springbrunn unter dem Großen Saal&amp;quot; mit einigen &amp;quot;Kindln&amp;quot; (Sandsteinfiguren) versehen. Diese Gartenplastiken und auch die Zwergenfiguren aus dem Zwerglgarten sind heute verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leopold kaufte auch vom Wiener Goldschmied Johann Kaspar Holbein einige Brustkreuze, Kelche und vor allem eine wertvolle Monstranz, deren Entwurf auf Matthias Steinl zurückgehen könnte und die im Raritätenkabinett erhalten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung der fertiggestellten Stiftsgebäude erlebte Propst Leopold nicht mehr. Ein Jahr nach seinem Tod wurde die Weihe am Georgstag, den 24. April 1741, von seinem Nachfolger Frigdian Knecht (1740–1775) vorgenommen, der dann auch die &amp;quot;Kapitularen in die neue, freundliche Klausur&amp;quot; führen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich Propst Frigdian zum Neubau der Kirche. Am 26. Juni wurde unter Beisein des Malers Daniel Gran der Grundstein an der Epistelseite der Apsis (rechte Seite der Kirche) gelegt. Die Inschriftplatte aus vergoldetem Kupfer führt Franz Munggenast als Baumeister an. Im selben Jahr, in dem der Rohbau fertig wurde, 1748, starb der junge Baumeister mit 24 Jahren. Seine Genialität wird an dieser Kirche, die zu den großen Leistungen des österreichischen Barock gezählt werden darf, sichtbar. Sein Bruder Matthias folgte als Stiftsbaumeister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kircheninneren malte Daniel Gran 1746 das Hochaltarbild und im Presbyterium die beiden Fresken. Wegen finanzieller Unstimmigkeiten und anderer Meinungsverschiedenheiten kam es zum Bruch mit dem Künstler. Der Propst vergab daher die weiteren Arbeiten in der Kirche, die Freskenmalerei und sämtliche Altarbilder mit den Ovalbildern, an Bartolomeo Altomonte, der sie von 1753 bis 1771 ausführte. Die dekorative Malerei in den Kirchenkuppeln (oberhalb des Hauptgesimses) stammt von Domenico Francia aus Bologna. Die Aufbauten für den Hochaltar (1770) und die Seitenaltäre, die Ballustraden (Kommuniongitter) und die Kanzel (1773) der Kirche stammen von Jakob Mösl, die Altarplastiken von Johann Josef Rößler, das Chorgestühl (1772) und die Volksstühle (1775) vom Klostertischler Lorenz Horeß.&lt;br /&gt;
Die herrliche Ampel wurde 1770 von Johann Christoph Beuermann aus Wien geliefert. Das Glanzstück der Kirche ist die 1752 fertiggestellte Orgel von Johann Henke, dem bedeutendsten Wiener Orgelbauer dieser Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1680 befand sich in der alten Kirche ein aus Ungarn stammendes Marienbild, das &amp;quot;orientalische Frauenbild&amp;quot;, zu dem viele Wallfahrer kamen. Nach der Fertigstellung des barocken Seitenaltares im Neubau der Kirche wurde es 1771 von Propst Frigdian Knecht eigenhändig in einer Prozession, die ihn durch beide Märkte führte, auf den heutigen Platz übertragen. Gegenüber dem Marienaltar liegen in einem Schrein die Gebeine des hl. Urban. Sie stammen aus den Kalixtuskatakomben in Rom und wurden 1740 dem Stiftsdechant Michael Koch geschenkt.&lt;br /&gt;
Als 1771 der barocke Augustinusaltar fertiggestellt war, fand dort der urchristliche Märtyrer seine endgültige Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das jüngste Kunstwerk der Kirche ist der Volksaltar, der 1994 vom Wiener Künstler Wander Bertoni angefertigt wurde und die Schöpfung zum Thema hat. Die Krönung der Bautätigkeit des Propstes Frigdian Knecht war die Neugestaltung des Kirchturmes nach einem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach, unter Mithilfe des Baumeisters Matthias Munggenast. Mit Recht sieht der Stiftschronist Frigdian Mies im Turm den ins Große strebenden Geist des Propstes. Die originelle Turmspitze mit Herzogshut und Stiftskreuz wurde am 6. Juli 1767 &amp;quot;um die Mittagszeit unter Pauken- und Trompetenschall aufgesetzt&amp;quot;. 1756 hatte der Propst die Chorkapelle mit Fresken von Martin Johann Schmidt (&amp;quot;Kremser Schmidt&amp;quot;) und einem Verkündigungsbild von Martin Altomonte ausschmücken lassen. Im Festsaal malte Bartolomeo Altomonte 1772 das Fresko &amp;quot;Das seelsorgliche Wirken der Augustiner-Chorherren im Bistum Passau&amp;quot;. Das Fresko an der Decke der Prälatenstiege &amp;quot;Die Übertragung der Kanonie von St. Georgen nach Herzogenburg&amp;quot; ist signiert mit &amp;quot;Barto Altomonte fec. 1779 aetatis suae 79&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Augustin Beyer (1779–1780) wurde auch die Bildergalerie fertiggestellt. Die Gemälde sind nach einem dekorativen Schema angeordnet: ein zentrales Mittelstück, von kleineren Gemälden umrahmt. Die Bilder wurden zu diesem Zweck auch vergrößert, verkleinert oder sogar geteilt, um der Symmetrie zu entsprechen. Dieser &amp;quot;geistlichen Galerie&amp;quot; kommt nicht nur wegen ihres kulturgeschichtlichen Wertes große Bedeutung zu, es befinden sich unter den 144 Bildern auch hervorragende Kunstwerke, u. a. eine Vincenzo di Biagio Catena zugeschriebene &amp;quot;Heilige Familie&amp;quot; oder ein auf Holz gemaltes deutsches Männerporträt mit der Signatur &amp;quot;H. H. 1521&amp;quot;, das als Werk Holbein d. J. bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man in Österreich die Kunstschätze vergangener Jahrhunderte noch als entbehrlichen &amp;quot;Raritätenkram&amp;quot; verstand, förderte Propst Aguilin Leuthner (1811–1832) die seltsame Sammelleidenschaft seines Mitbruders Ludwig Mangold. Nach dem Vorbild der alten &amp;quot;Kunst- und Wunderkammern&amp;quot; aus der Renaissancezeit hatte der junge Ungar im Stift ein &amp;quot;Antiken- und Raritätenkabinett&amp;quot; im zweiten Stock über der Prälatur angelegt, das zum Grundstein der heutigen Stiftssammlung wurde. Ein Verzeichnis dieser Raritäten wurde im Juni 1815 von ihm angefangen und hat folgende Hauptabteilungen: &amp;quot;A Mahlerey und Mosaique, B Bildhauerey, Schnitz- und Gußwerk, C Kupferstiche und Handzeichnungen, D Glasarbeiten, E Uhren, F Becher und andere Gefaße, G Kleidungsstücke, H Musicalische Instrumente, I Waffen, K Römische Alterthümer, L Verschiedene Seltenheiten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die meisten der hier verzeichneten Gegenstände sind noch im Besitz des Stiftes und waren im Rahmen der Ausstellung &amp;quot;Kunstschätze im Stift Herzogenburg&amp;quot; zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunstwerke wurden 1964 in den ehemaligen Gästezimmern topographisch aufgestellt, d. h. nach Möglichkeit nach ihrem Herkunftsort gruppiert. Das Hauptstück der Sammlung ist der &amp;quot;Jüngere Aggsbacher Hochaltar&amp;quot;, ein 1501 in Krems gemaltes Werk von Jörg Breu von Augsburg. Eine vorzügliche Schnitzarbeit ist die realistisch gehaltene Skulpturengruppe des &amp;quot;Marientodes&amp;quot; um 1500, möglicherweise der Mittelteil der Predella des Jörg-Breu-Altares. Weiters soll hier die „Stiftertafel&amp;quot; aus der Zeit um 1500 erwähnt werden, eine Votivtafel mit dem Bildnis des Bischofs Ulrich I. von Passau und der &amp;quot;porträthaften&amp;quot; Darstellung des mittelalterlichen Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Höhepunkt der spätbarocken Abteilung bilden Werke von Daniel Gran, vor allem das vergoldete Modell für den Hochaltar um 1746 mit dem unmittelbaren Entwurf für das Hochaltarbild und ein äußerst lebendiges Selbstporträt. Einen besonderen Schatz stellt der Bestand von zehn Ölskizzen und Bildern von Bartolomeo Altomonte dar, darunter Entwürfe für die Fresken in der Stiftskirche und ein höchst interessantes Selbstporträt aus dem Jahr 1774. In der Prälatur haben sich auch einige erwähnenswerte Kunstgegenstände erhalten, z. B. ein seltener Venezianer Spiegel vom Beginn des 18. Jahrhunderts, der neben reichem Ornament und alter Verglasung gravierte bérainsche Ornamentik in dem Rahmenspiegelchen trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Refektorium wurde bis in die sechziger Jahre als Speisesaal der Chorherren benützt. 1975 wurde es renoviert und als &amp;quot;Augustinussaal&amp;quot; ein Veranstaltungszentrum für Stift und Pfarre. Im Südosten des Stiftes befindet sich im zweiten Stock das &amp;quot;Mexikanische Zimmer&amp;quot;. In diesem Raum war die von Propst Norbert Zach (1857–1887) erworbene Sammlung von Geräten, Waffen und Schmuckgegenständen der Ottawa-Indianer aufgestellt. Sie musste in den zwanziger Jahren veräußert werden.&lt;br /&gt;
Interessant ist das Zimmer heute wegen der zwölf Wandgemälde, die in der romantischen Gesinnung des späten 19. Jahrhunderts Motive aus Österreich darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Exponate der urgeschichtlichen Sammlung des Stiftes Herzogenburg kamen aus der Ausgrabung eines eisenzeitlichen Friedhofes von Statzendorf. Der Göttweiger Abt Adalbert Dungl war maßgeblich daran beteiligt. Die Pröpste Georg III. Baumgartner (1913–1927) und Georg IV. Hahnl (1946–1963) haben durch eigene Grabungen wesentlich zur Vervollständigung dieser Sammlung beigetragen. Zusammen mit Dungl waren sie die Pioniere der prähistorischen Archäologie im unteren Traisental.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Heute enthält die urgeschichtliche Sammlung eine Reihe von Steingeräten aus der Altsteinzeit, eine große Zahl von Fundstücken der Jungsteinzeit und Keramiken aus der frühen Bronzezeit, wie etwa den Fund von 17 Töpfen aus St. Andrä an der Traisen, Objekte der Hügelgräber und Urnenfelderkultur und weitere bedeutende Funde aus der Eisenzeit, wie Beigaben der Hallstadtkulturen aus den Gräberfeldern von St. Andrä und Statzendorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Römische Funde waren bis auf einige Münzen im Raum von Herzogenburg eher spärlich, bis 1972 aus der Zeit der römischen Kaiser ein Zeremonienhelm mit Gesichtsmaske unweit des Stiftes gefunden wurde, der zu den bedeutendsten Denkmälern römischer Kunst auf österreichischem Boden gerechnet werden muss. Mit seinen &amp;quot;Alexanderlocken&amp;quot; gehört er zum orientalischen Typus. Damit ist er ein Beispiel dafür, wie weit vorderorientalische Mysterienkulte im 2. und 3. Jahrhundert verbreitet waren. Dieses Unikat ist im Raritätenkabinett im ersten Stock ausgestellt, während alle anderen Funde im frühbarocken Refektorium im Altstift zu sehen sind. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Eine fachkundige Neuaufstellung wird derzeit von Univ.-Doz. Dr. Johannes-Wolfgang Neugebauer vorgenommen.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Als 1512 in Herzogenburg ein Großbrand wütete, wurden einige Trakte des Stiftes in Schutt und Asche gelegt. Die Bibliothek wurde dabei auch ein Raub der Flammen. Wahrscheinlich besaß damals das Stift über 100 handgeschriebene Bücher und vielleicht ebensoviele Inkunabeln. Wieviele Bücher gerettet werden konnten ist leider nicht überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten großen Förderer der mittelalterlichen Bibliothek waren die beiden Pröpste Johannes III. von Parsenbrunn (1401–1433) und Johannes IV. von Linz (1433–1457). Aus der Zeit vor dem Brand haben sich einige Buchfragmente erhalten. Fragment 42 aus dem 9. Jahrhundert ist das älteste Stück der Bibliothek.&lt;br /&gt;
Von der Wende des 12. zum 13. Jahrhundert stammt das Fragment 32 mit Teilen eines Legendars. Das Fragment 43 ist Teil eines Nekrologiums vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Es ist ein sicheres Zeugnis für die Schreibkultur des Stiftes in St. Georgen. Ob das Stift dann in Herzogenburg eine eigene Schreibschule besessen hat, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Auf jeden Fall sind keine Handschriften auf Pergament mit wertvollen Initialen auf uns gekommen, sondern nur anspruchslose, auf Papier geschriebene Bücher. Sie haben alle einen praktisch-theologischen Inhalt und stehen im Zusammenhang mit den Seelsorgeaufgaben des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Schreiber waren mit Sicherheit Klosterangehörige, von weiteren sieben ist es unsicher. Die kunsthistorisch kostbarsten Handschriften wurden erst in späteren Jahrhunderten angekauft. Den ersten größeren Zuwachs nach dem Brand erfuhr die Bibliothek durch Propst Philipp von Maugis (1541–1550), der vor allem humanistische Werke bzw. lateinische und griechische Klassikerausgaben erwarb und die von seinem Bruder ererbte Bibliothek der Stiftsbibliothek einverleibte.&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Herb (1687–1709) erbte ebenfalls von seinem Bruder 173 Bücher meist theologischen Inhalts, die in zwei Fässern und einer großen Truhe verpackt auf der Donau von Deutschland nach Krems transportiert und von dort ins Stift gebracht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge des barocken Stiftsneubaus wurde die Bibliothek von 1751 bis 1754 von Propst Frigdian Knecht (1740–1775) erbaut. Die Ornamentmalerei fertigte Domenico Francia an, die figuralen Grisaillen wurden von Bartolomeo Altomonte gemalt. Die einfachen, doppelteiligen Bücherschränke wurden vom Orgelbauer Johann Henke entworfen. Propst Frigdian sammelte die Bücher &amp;quot;mit einem unersättlichen Hunger&amp;quot;, wie er selber scherzend zu sagen pflegte. Er erwarb u. a. die Bibel von 1205 (HS 100) und die kostbare Handschrift &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; (HS 95) aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Stephan Peschka (1775–1779) und Michael Teufel (1781–1809) erwarben durch den Exjesuiten Abbé Johann Christoph Regelsberger viele Bände bei Bücherauktionen aus den Beständen aufgehobener Klöster. Mit der Übernahme der aufgehobenen Stifte St. Andrä an der Traisen 1783 und Dürnstein 1788 kamen nur wenige Bücher, nachweislich nur einige Handschriften und Inkunabeln, nach Herzogenburg. Der Großteil des Bücherschatzes kam in die Wiener Hofbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Petrus Schreiber]], von 1781 bis 1788 auch Stiftsdechant, war mit Unterbrechung fast 25 Jahre Bibliothekar. Eine große Anzahl von Büchern mit einheitlichen barocken Einbänden kam durch ihn in die Bibliothek. Sie tragen auf dem Einbanddeckel die goldenen Buchstaben &amp;quot;P. S.&amp;quot;. Ebenso vermachte er dem Stift 15 Inkunabeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Inventar von 1832 beziffert den Buchbestand summarisch mit etwa 10.000 Bänden. 1887 war der Besitz bereits auf 50.000 Bände, 253 Inkunabeln und 223 Handschriften angewachsen. Dieser Zuwachs dürfte auch die Erweiterung der Bibliotheksräumlichkeiten veranlasst haben. Unter Propst Norbert Zach (1857–1887) wurden 1870 die Gänge im zweiten Stock des Stiftes mit Bibliothekskästen ausgestattet. Unter ihm waren als Bibliothekare die bedeutenden Stiftshistoriker [[Wilhelm Bielsky]], [[Michael Faigl]] und Frigdian Schmolk tätig. Sie veröffentlichten viele Beiträge zur Stiftsgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine großzügige Erweiterung erfuhr die Stiftsbibliothek zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gräfin Maria Falkenhayn übergab 1905 dem Stift die 30.000 Bände ihrer Schlossbibliothek in Walpersdorf. Neben diesen gräflichen Exlibris finden sich in der Sammlung auch Werke mit den Besitzvermerken der Jörger, Colloredos und der Herrschaften Droß und Ottenschlag.&lt;br /&gt;
Während der Weltwirtschaftskrise kam es 1927 zur Veräußerung von Inkunabeln, die vergleichsweise die Höhe des Schätzwertes der ehemaligen Stiftstaverne ausmachten. Ebenso wurde in den sechziger Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eine große Anzahl von Büchern veräußert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anläßlich der Ausstellung im Jahr 1964 &amp;quot;Das Stift und seine Kunstschätze&amp;quot; wurde eine Neuaufstellung der Bücherbestände begonnen, die aber &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bis heute nicht fertiggestellt werden konnte&amp;lt;/span&amp;gt;. Derzeit ist die Bibliothek auf mehrere Standorte verteilt und lediglich die Handschriften, die Inkunabeln und die Druckwerke bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden nach dem Erscheinungsdatum geordnet. Der Rest ist weitgehend unbearbeitet. Der Gesamtbestand wird auf 80.000 Bände geschätzt. Dazu kommen noch 150 Inkunabeln und 150 mittelalterliche Handschriften. Die älteste Handschrift ist ein österreichisches Psalterium des 12. Jahrhunderts (HS 106). Die gut geschriebene Handschrift enthält eine Reihe von großartigen Initialen. Die bedeutendste Handschrift der Bibliothek ist Cod. 95 &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; von Gregor d. Gr. Sie wurde um 1260 in Mainz oder Regensburg geschrieben und enthält 36 ausgezeichnete Initialminiaturen im Stil der deutschen Malerei der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Cod. 223 ist eine oberitalienische Bibel der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit großen figurierten Initialen; fast alle Spalten tragen Federranken. Am Beginn der Genesis findet sich eine Gegenüberstellung der sieben Schöpfungstage mit christologischen Szenen. Ein österreichisches Graduale (HS 97) vom Beginn des 14. Jahrhunderts trägt auf jeder Seite Notenzeilen und stammt aus einem Zisterzienserkloster. Sehr schön ist eine französische Bibel mit Miniaturinitialen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (HS 99).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Ausgabe von Gregors &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; ist der zweibändige Cod. 94 aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts mit 18 figurierten Initialen, die von fünf Meistern stammen, die den Wenzelsbibelmeistern nahestehen. Die Handschrift wurde laut Eintragung in der Kartause Mauerbach geschrieben und war 1397 im Besitz der Kartause Olmütz. Wann und wie sie nach Herzogenburg kam, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der bedeutenden Sammlung von Wiegendrucken seien folgende hervorgehoben: ein sehr schöner Venezianer Druck von 1478, Lactantius Firmianus &amp;quot;Gegen die Haiden&amp;quot;; drei ausgezeichnete Kobergerdrucke aus Nürnberg, 1481; die Briefe des Ennea Sylvius Piccolomini (Papst Pius II.); ebenso von 1481 ein Kommentar zum Neuen Testament von Nicolaus de Lyra mit gezeichneten Initialen; und von 1483 ein Fastenbuch von Johannes Guitsch, gedruckt im Charakter der spätgotischen Handschriften. Ein Zisterzienser-Missale aus Paris um 1487 ist mit kleinen kolorierten Holzschnitten illustriert. Zwei sehr gute Ausgaben der interessanten Weltgeschichte von Rolewinck seien noch angeführt. Die eine Wiener Ausgabe von 1490 ist reich mit Holzschnitten illustriert, die zweite aus Köln mit vielen Holzschnitten in der Art der &amp;quot;Schedelschen Weltchronik&amp;quot; aus dem Ende des 15. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abschluss ist noch eine Postilla von Cuilcrinus, Augsburg 1495, die ebenfalls mit Holzschnitten illustriert ist, zu erwähnen. Die oben beschriebenen Handschriften und Frühdrucke sind im Hauptraum der Bibliothek in Vitrinen ausgestellt und bei jeder Führung durch das Stift zu besichtigen. In diesem Bibliothekssaal befinden sich in den Bücherschränken nur Bücher aus dem 18. Jahrhundert, um den Eindruck einer barocken Schaubibliothek zu vermitteln.&lt;br /&gt;
Durch die bescheidene Einrichtung wirkt die Bibliothek wie eine heimelige Studierstube. Die letzte Handschrift wurde 1990 erworben. Sie ist ein türkisches Gebetbuch aus dem 19. Jahrhundert in arabischer Zierschrift. In der Mitte des Buches finden sich zwei romantisch gemalte Ansichten der Moscheen in Mekka und Medina.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Das Herzogenburger Stiftsarchiv besteht aus vier Abteilungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) dem Archiv des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen/Herzogenburg mit 1.745 registrierten Urkunden (1112–1852) und zahlreichen nicht bearbeiteten Urkunden (ab 1852), 264 Büchern und 647 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit 327 registrierten Urkunden (998–1776), sechs Büchern und 225 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein mit 718 registrierten Urkunden (1306–1768), 36 Büchern und 90 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) dem Archiv des aufgehobenen Clarissenklosters Dürnstein mit 357 registrierten Urkunden (1289–1658) und ca. 20 Büchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Dokument im Stift Herzogenburg ist die Gründungsurkunde (1112) von Bischof Ulrich von Passau (Sta. Hn. 1a). Sie ist eine der formvollendetsten Urkunden aus der Schreibstube des Bistums Passau. Äußerst interessant ist die Traditionsnotiz (Sta. Hn. 1b), die ein Konzept zur Gründungsurkunde darstellt und sechs weitere protokollarische Notizen enthält, die an verschiedenen Orten abgefasst wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historisch bedeutsam für das Stift ist auch die Übertragungsurkunde von 1244 (Sta. Hn. 38). Die schweren Zeiten des 15. Jahrhunderts sowie der Brand des Klosters im Jahr 1512 dürften dem Archiv nicht allzusehr zugesetzt haben. Alle wichtigen Urkunden sind im Original vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes VII. Glaz (1569–1572) veranlasste eine Aufzeichnung und Registrierung der &amp;quot;Pergament-Brieff&amp;quot;. In dem 1570 angelegten Verzeichnis wird das Archiv als „Registratur&amp;quot; bezeichnet. Entsprechend dem damaligen Kanzleigebrauch, dessen Vorbild die Kanzlei des Regiments der niederösterreichischen Lande war, wurden auch in Herzogenburg die Urkunden, damals insgesamt 46 Stück, in einem mit Laden versehenen Kasten und die weniger wichtigen Akten in einem Sack aufbewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1683 wurden das Archiv und die Schatzkammer vor den heranrückenden Türken in das Chorherrenstift Dürnstein verlagert und 1684 wieder zurückgebracht. Die zeitlich nächstfolgende Bestandsaufnahme des Stiftsarchivs erfolgte zwischen 1730 und 1740. &amp;quot;Ain großer mit Eyßen schön beschlagener Casten, hat 36 unterschidliche litterirte gemahlene Laden&amp;quot;. Er diente als Aufbewahrungsort für das als &amp;quot;gehaimbtes Gwölb&amp;quot; bezeichnete Hauptarchiv. Diesem wurden 1745 Schriften und Akten des Hofrichters und des Stiftskämmerers einverleibt. Genaue, nach Grundherrschaften bzw. Sachgebieten angelegte und geordnete Inventarien zeugen von der Sorgfalt, mit der das Stiftsarchiv unter Propst Frigdian I. Knecht (1740–1775) betreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte im Streben nach dem Wissen über die eigene Vergangenheit die ersten wissenschaftlichen Bearbeitungen des Urkundenbestandes durch die Herzogenburger Chorherren [[Wilhelm Bielsky]] (Die ältesten Urkunden des Kanonikatsstiftes St. Georgen in Unterösterreich von 1112–1244, Wien 1852) und [[Michael Faigl]] (Die Urkunden des regulierten Chorherrenstiftes Herzogenburg vom Jahre seiner Übertragung von St. Georgen 1244–1450, Wien 1886).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich wurde in den Jahren 1930 bis 1935 der unübersehbare Bestand an Akten und Büchern durch Dr. Göhler geordnet und durch eine Zettelkartei der Forschung zugänglich gemacht. In der insgesamt 1.745 Urkunden umfassenden Urkundenreihe vom Stiftsarchiv Herzogenburg gibt es neben einer Vielzahl von Stiftungs- und Schenkungsurkunden auch Urkunden von Päpsten und Landesfürsten. Die älteste Papsturkunde wurde 1177 von Papst Alexander III. ausgestellt, die erste in deutscher Sprache abgefasste Urkunde stammt aus dem Jahr 1292.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als einzigartiges Dokument soll eine Urkunde Erwähnung finden, die von Mönchen des Katharinenklosters am Sinai und Chorherren des Stiftes Herzogenburg im Jahr 1491 gezeichnet wurde. Damals haben zwei griechische Sinaimönche Herzogenburg besucht und mit den hiesigen Chorherren eine Gebetsverbrüderung geschlossen und besiegelt – ein merkwürdiges und einmaliges Zeugnis für die Verbindung der Ost- und Westkirche im ausgehenden Mittelalter nach dem Fall von Konstantinopel (Sta. Hn. 538).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Grundbücher, wertvolle Unterlagen zur Erforschung der Besitz- und Bevölkerungsgeschichte im Raum Herzogenburg, wurden im 12. Jahrhundert angelegt. Hinzu tritt jene Masse des Archivmaterials, die als Akten des adeligen Richteramtes über die Untertanen aus der Amtstätigkeit des Stiftes erwachsen sind: Grundbuchsakten ab 1340, Testamente ab 1500, Verwaltungsakten über den Oberen Markt Herzogenburg, Korrespondenzen mit den umliegenden Grundherrschaften. Diese Schriftstücke zeigen den Kampf des Stiftes um seine Rechte und Besitzungen, unter welchen besonders Fischerei- und Wasserrechte auf der Traisen und Jagdrechte in den Auen im Vordergrund stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Rechnungsbüchern und Rechnungsakten finden sich genauere Aufzeichnungen über den Bau der barocken Stiftsgebäude und der inkorporierten Pfarrkirchen mit ihren Pfarrgebäuden. Eigenhändige Unterschriften auf den Quittungen sind zu finden von Jakob Prandtauer, der Familie Munggenast, Bartolomeo Altomonte, Daniel Gran, vom Salzburger Steinmetzmeister Jakob Mösl, vom Wiener Goldschmied Johann Caspar Holbein und vielen anderen. Bei der Durchsicht von unbearbeiteten Archivmaterialien konnte ein eigenhändig geschriebener Brief von Martin Luther von 1541 aufgefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Auflösung der Chorherrenstifte St. Andrä und Dürnstein kamen deren Archive nach Herzogenburg. Propst Michael Teufel (1781–1809) hat sich sehr um ihre Erhaltung und sichere Aufbewahrung bemüht. Die älteste Urkunde von St. Andrä ist eine Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. aus dem Jahr 998 (Sta. An. 1). Die Stiftungsurkunde von St. Andrä stammt aus dem Jahr 1160 und ist mit 44 Zeugen belegt (Sta. An. 4). Zu erwähnen ist noch eine prunkvolle Ernennungsurkunde des Chorherren Johannes Zwickl zum Kommissär für den Türkenablass des Papstes Innozenz VIII. von 1490 in teilvergoldeter Schrift mit reichen Initialen (Sta. An. 208). Alle drei Dokumente zählen zu den Zimelien dieser Urkundenreihe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Archiv der Chorherren von Dürnstein ist der Stiftungsbrief vom 18. Februar 1410 (Sta. CDn 147) der absolute Höhepunkt. Der linke Rand dieser Urkunde ist mit einer Reihe von höchst bedeutenden Miniaturen versehen, die sowohl der böhmischen wie der Wiener Buchmalerei des frühen 15. Jahrhunderts nahestehen. Die angehängten sechs Siegel sind noch vorhanden. Zwei im selben Jahr ausgestellte Urkunden tragen schöne Initialmalereien (Sta. CDn 149 und 150).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Im Gegensatz zum &amp;quot;Archiv Herzogenburg&amp;quot; sind die Urkunden, Bücher und Akten der drei anderen Archive noch nicht publiziert und daher wissenschaftlich noch wenig ausgewertet. &lt;br /&gt;
Derzeit (1995) wird die Einrichtung des Archives erneuert und auf den letzten technischen Stand gebracht. Damit ist auch der Wunsch verbunden, dass die letzten 150 Jahre archivmäßig aufgearbeitet werden.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Historische Namensformen===&lt;br /&gt;
* WEIGL, Heinrich, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, 8 Bde., Wien 1964–1981.&lt;br /&gt;
* SCHUSTER, Elisabeth, Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, 1. Teil (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B), Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
* HAUSNER, Isolde / SCHUSTER, Elisabeth, Altdeutsches Namenbuch, Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politische und kirchliche Topographie===&lt;br /&gt;
* WOLF, Hans, Niederösterreich (Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 6. Teil), Wien 1955.&lt;br /&gt;
* RUPP / SCHMIDTBAUER, Herzogenburg, 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Franz Reininger: Die Wiegendrucke der Stiftsbibliothek Herzogenburg. In: Mitteilungen des Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 12 (1908), S. 109–127.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Katalog der Handschriften der Stiftsbibliothek Herzogenburg. St. Pölten 1978. [https://manuscripta.at/diglit/winner_1978_1/0001 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Mayo Hope: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed for the Hill Monastic Manuscript Library, Austrian Libraries. Volume III: Herzogenburg. Collegeville, Minnesota, 1985. [https://archive.org/details/HMMLAustriaInventory3 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Franz Lackner: Datierte Handschriften in niederösterreichischen Archiven und Bibliotheken bis zum Jahre 1600. Wien 1988 (Katalog der datierten Schriften in lateinischer Sprache in Österreich, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kunst- und Baugeschichte===&lt;br /&gt;
* HEIDER, Gerhard / HÄUFLER, J. V., Archäologische Notizen (Archiv für österreichische Geschichte II/1), Wien 1850, 139–178.&lt;br /&gt;
* RIESENHUBER, Martin, Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Bistums St. Pölten, St. Pölten 1923.&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer. Der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* PETERMAIR, Hans, Die bauliche Anlage der Stifte in Altenburg, Herzogenburg und Seitenstetten und ihre baukünstlerischen Beziehungen im Mittelalter und in der Barocke, masch.geschr. techn. Diss., Wien 1934.&lt;br /&gt;
* STEINER, Ubald, Die Stiftskirche zu Herzogenburg. Beiträge zur Baugeschichte nach Aufzeichnungen des Propstes Georg Baumgartner, in: Pfarramtliche Nachrichten für den Kirchensprengel Herzogenburg 21 (1935), Nr. II/12.&lt;br /&gt;
* MUNGENAST, Emmerich, Joseph Munggenast. Der Stiftsbaumeister 1680–1741, Wien 1963.&lt;br /&gt;
* FEUCHTMÜLLER / WEBER, Stift und Kunstschätze, 1964.&lt;br /&gt;
* HEINZL, Brigitte, Bartolomeo Altomonte, Wien/München 1964.&lt;br /&gt;
* BIBA, Otto, Die Orgelakten des Stiftes Herzogenburg, in: Unsere Heimat, Zeitschrift des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 41 (1970), Heft 1, 9–24.&lt;br /&gt;
* GÜTHLEIN, Klaus, Der österreichische Barockbaumeister Franz Munggenast, phil. Diss., Heidelberg 1973.&lt;br /&gt;
* KNAB, Eckhart, Daniel Gran, Wien/München 1977.&lt;br /&gt;
* CÄSAR, Menz, Das Frühwerk Jörg Breus des Älteren, Augsburg 1982.&lt;br /&gt;
* EGGER / HESSLER / PAYRICH / PÜHRINGER / FASCHING, Stift Herzogenburg, 1982.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Hermann-Fichtenau: Der Bildersaal im Stift Herzogenburg, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 38 (1984).&lt;br /&gt;
* SERVUS, Die Entstehung der barocken Klosteranlage, 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Moseneder: Passau im Gedächtnis Herzogenburgs. Zur Ikonologie des Augustiner-Chorherrenstift. In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch 31 (1989), S. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;##&amp;lt;/span&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* Karl Thomas (Bearb.): Die Baumeisterfamilie Munggenast. Sonderausstellung des Stadtmuseums St. Pölten anläßlich des 250. Todestages von Joseph Munggenast. St. Pölten 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Oskar Freiherr von Mitis: Studien zum älteren österreichischen Urkundenwesen. 5 Bände. Wien 1906–1912.&lt;br /&gt;
* Franz Stundner: Das Archiv des Stiftes. In: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Hg. von Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber. Herzogenburg 1964, S. 83–86.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sonstige Literatur===&lt;br /&gt;
* Georg Baumgartner: Herzogenburg. In: Topographie von Niederösterreich. Band IV. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Wien 1896, S. 209–238.&lt;br /&gt;
* Gerhart Egger / Walter Hessler / Wolfgang Payrich / Leonore Pühringer / Herbert Fasching: Stift Herzogenburg und seine Kunstschätze. St. Pölten 1982.&lt;br /&gt;
* Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Herzogenburg 1964.&lt;br /&gt;
* Maximilian Fürnsinn: Stift Herzogenburg 1938–1945. In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 22/4 (1975), S. 132–140.&lt;br /&gt;
* Maria Hasitscha-Köck: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg während der Zeit des Propstes Michael Teufel von 1781 bis 1809. Diss. Univ. Wien. Wien 1973.&lt;br /&gt;
* Andreas Karl Kaiser: 975 Jahre Pfarre Herzogenburg (1014–1989). Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1989.&lt;br /&gt;
* Gerhard Nikodim: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg von 1513 bis 1602. Diss. Univ. Wien. Wien 1968.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich: Das Stift Herzogenburg. Die 875-jährige Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen-Herzogenburg von 1112–1987. Dipl.-Arb. Univ. Linz. Linz 1987.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich / Hans Peter Schmidtbauer: Unsere Kirche lebt. 200 Jahre Stiftskirche Herzogenburg. St. Pölten 1985.&lt;br /&gt;
* Anton Rupp / Hans Peter Schmidtbauer: Herzogenburg. St. Pölten / Wien 1991.&lt;br /&gt;
* Werner Sandner: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg von 1244 bis 1513. Diss. Univ. Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Frigdian Schmolk: Stift der regulirten lateranensischen Chorherren zu Herzogenburg in Nieder-Oesterreich. In: Ein Chorherrenbuch. Geschichte und Beschreibung der Bestehenden und Anführung der aufgehobenen Chorherrenstifte. Augustiner und Prämonstratenser in Österreich-Ungarn, Deutschland und der Schweiz. Hg. von Sebastian Brunner. Würzburg 1883, S. 200–263. [https://books.google.at/books?id=GoJJAAAAIAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA199-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Harald Servus: Die Entstehung der barocken Klosteranlage in Herzogenburg und ihre geschichtlichen Voraussetzungen. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1987.&lt;br /&gt;
* Egon Wahl: Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit besonderer Berücksichtigung der rechtlichen, besitz- und personalgeschichtlichen Verhältnisse. Diss. Univ. Wien. Wien 1945.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10739</id>
		<title>Stift Herzogenburg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10739"/>
		<updated>2023-06-25T11:11:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1112&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (seit 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Stift St. Georgen&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}, Niederösterreich&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.28677, 15.69721&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Georg&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Herzogenburg gehört zum Bezirk St. Pölten.&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift_Herzogenburg.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Herzogenburg, kolorierte Radierung von Lorenz Janesch (um 1810), Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), Kartensammlung, Fideikommissbibliothek-Vues, Österreich-Ungarn, Niederösterreich H-La, Herzogenburg KAR MAG, online unter: http://data.onb.ac.at/rec/baa12918499&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Bischof [[Ulrich I. von Passau]] (1092–1121) stiftete mit der Gründungsurkunde vom 18. August 1112 ein Eigenkloster für Augustiner-Chorherren, auf einem Grundstück an der Mündung der Traisen in die Donau gelegen, das er geerbt hatte und worauf sich bereits eine Georgskirche befand. Wahrscheinlich sandte er aus dem reformierten [[Stift St. Nikola]] bei Passau Chorherren nach St. Georgen an der Traisen. Als seelsorgliches Aufgabengebiet und als Existenzgrundlage übergab der Bischof seinem Kloster St. Georgen die beiden Pfarren Traisenburg (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Stollhofen|Stollhofen]]) und [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Herzogenburg|Herzogenburg]]. Außerdem erhielt das Stift die bischöflichen Zehentrechte im oberen Waldviertel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten war die Existenz des Klosters einerseits von den Hochwassern der Donau und andererseits von der wirtschaftlichen Schwäche infolge zu geringer Dotierung bedroht. Eine Gelegenheit zur Besserung der Lage des Klosters ergab sich dreißig Jahre nach der Gründung, als ein lokaler Adeliger namens Walter von Traisen testamentarisch die Gründung eines Chorherrenklosters verfügte. Der Passauer Bischof [[Konrad]] (1148/49–1164), ein Sohn des hl. Leopold, wollte das Kloster St. Georgen mit dieser Stiftung in St. Andrä an der Traisen vereinigen und den Konvent dorthin verlegen. Nach dem Widerstand des Testamentvollstreckers Otto III. von Rehberg erfolgte jedoch noch im 12. Jahrhundert eine eigenständige Gründung des [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stiftes St. Andrä an der Traisen]]. Bischof Konrad verbesserte in den Jahren 1158 und 1160 die Situation des Stiftes St. Georgen, indem er dem Kloster, das in den sumpfigen Donauauen lag, eine Frischwasserzuleitung ermöglichte und außerdem den Chorherren die [[Pfarre Marquardsurvar]] (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Haitzendorf|Haitzendorf]]) und den Schwaighof bei Zeiselmauer schenkte. Unter den späteren Schenkungen an das Kloster während der Regierungszeit von Propst [[Wisinto II.|Wisintos II.]] (1191–1204) ist ein Stiftungsbrief von 1201 bemerkenswert, der ein Nonnenkloster in St. Georgen voraussetzt. In einer Urkunde aus der Zeit um 1230 werden die Schwestern Kunigunde und Ehrentraud von Zebing als Kanonissen von St. Georgen genannt. Dieser Frauenkonvent ist anlässlich der Übersiedlung des Männerklosters nach Herzogenburg auch mitverlegt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Engelschalk]] (1242–1267), dem zwölften Propst des Stiftes St. Georgen, erfolgte schließlich die Verlegung des Klosters, der Konvent übersiedelte im Jahr 1244 an seinen Pfarrort Herzogenburg. In der Übertragungsurkunde vom 19. März 1244 übereignete Bischof [[Rudiger]] von Passau dem Konvent die Passauer Pfarre Herzogenburg mit allen Rechten. Das Stift memoriert den Bischof als seinen „zweiten Gründer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spätmittelalter=== &lt;br /&gt;
Nach der Übersiedlung des Konvents nach Herzogenburg erfolgte der Bau einer Klosteranlage sowohl für den Männer- wie für den Frauenkonvent. Im Pfarrbezirk „auf der Widem“ entstand ein eigener Gerichtsbezirk des Stiftes, der sogenannte „Obere Markt Herzogenburg“. Der „Untere Markt Herzogenburg“ unterstand dem bayerischen Stift Formbach am Inn.&lt;br /&gt;
Im 14. Jahrhundert war die wirtschaftliche Lage des Klosters zunächst stabil, Propst [[Siegfried]] erwarb ein Haus in Wien in der Singerstraße. Der folgende Propst [[Nikolaus I. Payger von Würmla]] (1361–1374) klagte in seinen Aufzeichnungen über Missernten, Kriegssteuern an Herzog Rudolf IV. und Verschuldung seines Klosters. Die Herzöge Albrecht III. und Leopold III. gewährten dem Stift Privilegien, weil „der probst und das gotzhaus ze Herzogenburg in grozzer geltschulde und kumber sind“. Propst [[Johannes III.]] (1401–1433) einer der längstregierenden Pröpste, erreichte von den Herzögen Wilhelm und Albrecht IV. die Begünstigung, im Schankhaus des Stiftes, dem &amp;quot;Mühlhofkeller&amp;quot;, zwölf Fass Wein ohne Ungeld (Steuer) ausschenken zu dürfen. Unter Propst Johannes III. fand eine Stiftsreform nach den Bestimmungen des Konstanzer Konzils statt. Bei der Visitation im Stift Herzogenburg 1418 war nachweislich auch der erste Propst des [[Stift Dürnstein|Chorherrenstiftes Dürnstein]], das 1410 im Geist der Raudnitzer Reform gegründet worden war, anwesend. Und so wurden die Raudnitzer Statuten auch in Herzogenburg Grundlage einer Erneuerung. Propst Johannes war auch ein Förderer der Lateinschule des Stiftes.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert waren Markt und Stift Herzogenburg wiederholt von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. In den Hussiteneinfällen verloren etliche Bürger und Chorherren ihr Leben. Die Regierungszeit des Propstes [[Ludwig Gössel]] (1457–1465) fiel in die Zeit der Nachfolgekämpfe unter Kaiser Friedrich III., in der böhmische, mährische. ungarische und auch einheimischen Söldnerverbänden in Niederösterreich plünderten. Im Jahr 1463, am dritten Tag nach dem Osterfest, wurde Herzogenburg von böhmischen Söldnerscharen unter ihrem Anführer Georg von Vetau eingenommen und verwüstet. Wahrscheinlich erlosch damals auch der Konvent der Kanonissen, oder er fand durch Mangel an Klostereintritten schon früher ein Ende. Im Lauf des Jahres 1465 begannen die Chorherren mit dem Wiederaufbau des Stiftes. Dieser zweiten gotischen Bauphase des Stiftes sollte aber kein langer Bestand gegönnt sein, denn schon 1477 belagerten und eroberten die Soldaten des ungarischen Königs Matthias Corvinus nach ihrem Sieg über Kaiser Friedrich III. Herzogenburg. Wieder brannte das Kloster nieder. Der nach St. Pölten geflohene Propst konnte seine in Rudolfsberg bei Wagram gefangengehaltenen Mitbrüder erst nach Bezahlung eines hohen Lösegelds in die Ruinen seines Klosters zurückführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Georg I. Eisner]] (1484–1513) wurde mit dem Wiederaufbau des Klosters begonnen. Dieser Propst konnte durch sorgfältige Verwaltung und durch Schenkungen des Matthias Corvinus, der die Verwüstungen seiner Söldner wieder gutzumachen versuchte, die wirtschaftlichen Verhältnisse seines Hauses sanieren und das Stiftsgebäude repräsentativ auszustatten. 1498 gewährte Papst Alexander VI. ihm und allen seinen Nachfolgern den Gebrauch der Mitra, des Stabes und Ringes und der anderen Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7. Mai 1512 brach in einem Haus auf dem Unteren Marktplatz ein Brand aus, der auch auf die Widem übergriff. Das Feuer griff auch auf das Kloster über, alle Zellen der Brüder und das Winterrefektorium brannten aus. Außerdem wurden das Infirmarium, die Dechantei, die Bibliothek und die Sakristei zerstört. Das Feuer sprang auch auf das Mariensacellum über und vernichtete dort die Orgel. Ebenso brannte die Schule nieder. Die Kirchenausstattung – die Tafelbilder und die Altäre – wurde verschont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation bis Barock=== &lt;br /&gt;
Im Jahr der Wahl des hochgelehrten Propstes  [[Johannes V. Bernhard von Nußdorf]] (1517–1533) veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen und löste eine Reformationsbewegung aus, in der Klosterleben zunehmend kritisch beurteilt wurde. Unter Propst [[Bernhard I. Schönberger]] (1533–1541) legte der Chorherr Johann Peurl die priesterliche Kleidung ab und verließ seinen Orden, Neueintritte blieben zunehmend aus. In wirtschaftlicher Hinsicht hatte Propst Bernhard mit den Belastungen der den Klöstern vorgeschriebenen Abgaben zur Finanzierung der Kriege gegen die Osmanen zu kämpfen und konnte die Steuerleistungen nur durch den Verkauf des Stiftshauses in Wien erbringen. Für viele Jahre war Bernhard der letzte frei gewählte Propst von Herzogenburg. Die nun folgenden Pröpste waren Weltpriester oder stammten aus anderen Ordenshäusern, wurden postuliert oder vom Kaiser ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Wunsch Kaiser Ferdinands I. wurde [[Philipp von Maugis]] (1541–1550) zum Propst bestimmt. Philipp entstammte einer adeligen belgischen Familie, war ab 1545 Regent der niederösterreichischen Landesregierung und Erzieher der Söhne Ferdinands I. Noch im Jahr seines Amtsantrittes trat in Herzogenburg, wie in vielen Orten Österreichs, die Pest auf, an der täglich bis zu 30 Personen starben. Alle Chorherren im Stift mit Ausnahme des Propstes und eines Konventualen fielen der Seuche zum Opfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philipps Nachfolger war [[Bartholomäus von Cataneis]] (1550–1563). Er entstammte einer vornehmen italienischen Familie aus Bergamo, war palatinischer Graf, apostolischer Protonotar und oberster Hofkaplan. Durch sein Administrationstalent gelang es ihm, das Stift über die finanziellen Hürden zu bringen. Wegen seiner Tüchtigkeit wurde er zum Administrator von Göttweig bestellt (1556–1563). Der Klosterrat bemängelte bei seiner Visitation allerdings die Konkubinate der Stiftsherren und deren protestantische Gesinnung. Die Kommissäre erteilten dem Propst einen strengen Verweis und befahlen ihm, den Dechant abzusetzen und einzusperren. Nach dem Visitationsbericht vom Jahr 1561 befanden sich im Stift Herzogenburg nur mehr vier Konventualen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krisenzeit des Stiftes wurde der Prälat von St. Andrä [[Johannes VI. Pülzer]] (1563–1569) zum Propst bestimmt. In seinem Wahlinstrument hieß es, er sollte baldmöglichst die Zahl der Chorherren ergänzen, da sich dieselben fast alle &amp;quot;verloffen&amp;quot; hätten. Wirtschaftskrisen, Hungersnot, Erhöhung der Steuern und die Tatsache, dass viele seiner Mitbrüder lutherisch wurden, trieben Propst [[Johannes VII. Glaz]] (1569–1572) zu einem Verzweiflungsakt: in der Nacht des 14. September 1572 floh er in Begleitung eines Dieners aus dem Stift.&lt;br /&gt;
Nun folgte ein Mann aus dem eigenen Haus, [[Jakob Reisser]] (1573–1577). Durch seine Sparsamkeit und energische Haltung ging es sowohl finanziell als auch disziplinär im Stift aufwärts. Im Visitationsbericht wurde vermerkt, dass er keine goldene Kette und auch keine kostbaren Kleider trug, keine Spiele gestattete und die Musik bei Tisch abgeschafft habe. Außerdem hätten Propst und Konventualen keine Konkubinen. Er bemühte sich, Mitarbeiter aus dem Ausland zu bekommen, um die Ausbreitung der lutherischen Lehre zu stoppen. Denn die Gemeinde Herzogenburg war zum Großteil schon protestantisch und die Pfarrkinder gingen bereits in die umliegenden Ortschaften, um bei den &amp;quot;sektischen Predigern&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod postulierte der Klosterrat den Propst des [[Stift St. Dorothea|Chorherrenstiftes St. Dorothea]] in Wien, [[Georg II. Brenner]] (1578–1590). Georg war Hofkaplan bei Kaiser Maximilian II. gewesen und der Klosterrat schlug ihn 1588 als Bischof von Wiener Neustadt vor. Er strebte den Erwerb des Unteren Formbacher Marktes Herzogenburg, der noch immer großteils protestantisch war, an, scheiterte jedoch. Die Trennung beider Märkte Herzogenburg blieb bis 1806 bestehen. Propst Georg Brenner setzte aber Maßnahmen gegen das Luthertum durch, Herzogenburger Bürger, die zu den „Predikanten ausliefen“, wurden mit schweren Strafen bedroht. Ebenso mussten die Herzogenburger ihre Kinder in die katholische Schule schicken und dem Gesinde wurde verboten, sich während des sonntäglichen Gottesdienstes in Wirtshäusern oder auf Spielplätzen aufzuhalten. Kirche, Kloster- und Wirtschaftsgebäude wurden unter Propst Georg Brenner renoviert und ausgebaut, Messgeräte, Bücher und Musikinstrumente angekauft. Der Lesehof in Königstetten wurde renoviert und der Hof von Klosterneuburg fast zur Gänze neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Krankheit stand dem Propst in den letzten Jahren [[Paul Zynkh]] als Koadjutor zur Seite. Da es nach dem Tod des Propstes bei der Neubesetzung zwischen Klosterrat und dem Passauer Bischof zu Unstimmigkeiten gekommen war, verwaltete Paul Zynkh über ein Jahr als Administrator das Stift, bis er zum Propst gewählt wurde (1591–1602).Er setzte die gegen den Protestantismus gerichteten Maßnahmen seines Vorgängers fort und bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg, dessen Predigttätigkeit zu einer Rekatholisierung führte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der ständigen Gefahr von osmanischen Einfällen wurden die Verteidigungsanlagen des Klosters gemäß dem kaiserlichen Mandat ausgebaut und die Rüstkammer des Stiftes mit modernen Waffen versehen. Während eines halbjährigen Kuraufenthaltes des Propstes in St. Pölten entbrannte eine heftige Auseinandersetzung zwischen dem Stiftsdechant und dem Konvent. Der kranke Propst kehrte zurück und hielt ein Kapitel. Der Dechant wurde abgesetzt und im Lauf von drei Wochen bei Wasser und Brot „dasig“ gemacht. Die letzten drei Jahre seines Lebens war Propst Paul Zynkh Deputierter der niederösterreichischen Stände und hielt sich oft in Wien auf. Aus diesem Grund kaufte er dort 1601 ein Wohnhaus, den „Heidelberger Hof“ in der Annagasse. Das Gebäude ist heute noch im Besitz des Stiftes und trägt den Namen Herzogenburgerhof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Landesebene konnte der Protestantismus Schritt für Schritt zurückgedrängt werden. Propst Paul bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg. Dieser konnte durch seine eindrucksvollen Predigten viele Protestanten des Marktes zum katholischen Glauben zurückführen. Um die Jahrhundertwende war Herzogenburg wieder eine vorwiegend katholische Gemeinde. In den Dörfern ging die religiöse Erneuerung langsamer vor sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als [[Melchior Kniepichler]], ehemaliger Propst des Stiftes Dürnstein, von König Matthias als Propst postuliert wurde (1609–1615), protestierte der Herzogenburger Konventuale [[Johannes Held]] in einem Schreiben an den Passauer Offizial, weil Propst Melchior in St. Andrä (1592–1599) &amp;quot;Schulden gehäuft und von dann gezogen sei&amp;quot;, er habe dann &amp;quot;Tirnstain ohne Schulden angetreten und gehe nun mit Schulden weg&amp;quot; (1599–1609); beide Male in Folge seiner verschwenderischen Freigiebigkeit gegen Verwandte und Freunde. Weiters klagt er, dass Melchior dem Trunke ergeben und &amp;quot;in diesem Zustand unausstehlich streitsüchtig sei.&amp;quot; Schließlich, dass Melchior das weibliche Geschlecht liebe und gerne Tanzunterhaltungen besuche. In den Klosterratsakten hieß es, &amp;quot;dieser Mann war mehr Schelm als Mönch&amp;quot;. Am 26. Juli 1615 kam eine Untersuchungs- und Strafkommission nach Herzogenburg. Aufgrund der strengen Linie von Bischof Melchior Klesl wurde der Propst gefangen nach Wien geführt, verhört und einige Monate eingesperrt. Erst nach drei Jahren wurde Melchior rehabilitiert und zum zweiten Mal zum Propst von Dürnstein bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Wahlturbulenzen in den folgenden Jahren bestimmte Kaiser Ferdinand II. den Dechant des Kathedralstiftes Seckau [[Martin III. Müller]] zum Vorsteher in Herzogenburg (1621–1640). Er war ein eifriger Förderer der Gegenreformation, reformierte das klösterliche Leben und führte neue Statuten ein. Er erreichte auch, dass ihm die [[Pfarre Hain]] wieder zurückgegeben wurde, wo bisher nur protestantische Prediger angestellt waren. Den Konflikt mit der dort tonangebenden protestantischen Familie der Jörger konnte erst sein Nachfolger [[Johannes Bauer]] (1640–1653) beilegen. Propst [[Joseph Kupferschein]] (1653–1669) versuchte ebenfalls auf friedliche Weise die Protestanten zum katholischen Glauben zurückzugewinnen. Er war sowohl ein gelehrter Mann (1641 war er Rektor der Universität in Wien) als auch ein tüchtiger Wirtschafter. Propst [[Anton Sardena]] (1669–1687) begann mit viel Schwung die weiteren Restaurierungsarbeiten bzw. die Barockisierung des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679/80 wütete die Pest in Herzogenburg und kostete viele Menschen das Leben. In der Stiftsgeschichte von Dechant Beyer wird auch das Erscheinen eines Kometen vermerkt, der im Jahr 1680 am Fest des hl. Stephan zum ersten Mal erschien und als Vorbote der Osmaneneinfälle interpretiert wurde. Am 14. Juli 1683 erschien eine osmanische Streifschar vor Herzogenburg. Sie ließ den gut befestigten Ort zunächst ungeschoren. Als die Gefahr immer größer wurde, flüchtete der Prälat auf Bitten seiner Geistlichen mit dem Archiv und der Schatzkammer nach Dürnstein. Unter den im Kloster verbliebenen Chorherren befand sich [[Gregor Nast]], der später einen ausführlichen Bericht über die Osmaneneinfälle verfasste. Eine größere Truppe versuchte die Erstürmung des Marktes und schichtete Stroh vor die Markttore, um sie durch Feuer zu zerstören. Die Bürger leisteten mit ihren Schusswaffen allerdings tatkräftigen Widerstand. Zahlreiche Bauernhöfe von Herzogenburger Grundholden wurden jedoch geplündert und niedergebrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zeit erholten sich das Land und die Klöster von den Nachwirkungen der Türkenkriege und mit der Wiederkehr von geordneten Zuständen verbesserte sich auch die wirtschaftliche und religiöse Situation. Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) war lange Jahre ein eifriger Seelsorger und stand als Dechant und späterer Prälat seinen Mitbrüdern auf den Pfarren beim Wiederaufbau bei. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) betrieb die wirtschaftliche Konsolidierung seines Hauses nach dem Krieg und den Wiederaufbau bei Pfarren und Wirtschaftshöfen. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prandtauer wurde 1714 von Propst [[Wilhelm von Schmerling]] (1709–1721) mit einem barocken Neubau des Stiftsgebäudes beauftragt. Nach Schleifung des alten Klosters – nur ein Teil des mittelalterlichen Kreuzgangs blieb erhalten – wurde eine zweihöfige neue Stiftsanlage errichtet, der zweite Hof jedoch baulich nie fertiggestellt. Die von Prandtauer gebauten Trakte sind vornehm und voll künstlerischen Lebens. Einzig an der Ostseite sprengt der Saalbau nach Plänen von Fischer von Erlach die Prandtauersche Fassade: er tritt um eine Achse hervor und überragt sie mit den Oberfenstern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Herzogenburg geborene Propst [[Leopold von Planta]] (1721–1740) schloss die Bauarbeiten ab und besorgte die wirtschaftliche Stabilisierung des Hauses. In seiner Regierungszeit wurde am 18. September 1724 das Stift in die [[Lateranensische Choherrenkongregation]] aufgenommen. Die Pröpste führen seitdem den Titel eines Lateranensischen Abtes. Propst Leopold führte nach dem Beispiel von Klosterneuburg den schwarzen Talar anstelle der weißen Kleidung für seine Mitbrüder ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Frigdian Knecht]] (1740–1775) wurde im Österreichischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen gefangengenommen, um eine Kriegssteuer in der Höhe von 14.000 Gulden zu erpressen. Er wurde nach den Worten des Stiftsdechanten „hin und hergeführt zu Schand und Spott“. Erst nach sechstägiger Gefangenschaft und Zahlung des hohen Lösegeldes konnte der Prälat wieder ins Stift zurückkehren. 1743 entschloss er sich, die Kirche durch den jungen Baumeister Franz Munggenast neu errichten zu lassen. Der Turm wurde 1767 nach Entwürfen von Johann Bernhard Fischer von Erlach durch Matthias Munggenast ausgeführt. Die Architektur dieser Kirche und die Ausstattung durch Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte können zu den großen Leistungen des österreichischen Barocks gezählt werden. In den Pfarren [[Stollhofen]], [[Hain]], [[Rottersdorf]] und [[Brunn]] ermöglichte Propst Frigdian ebenfalls die Barockisierung der Kirchen. Durch die Stiftung von 7.000 Gulden des Wiener Stadtrates Jakob Bodenreiter konnte in Theiß der Pfarrhof neu errichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seines wissenschaftlichen Interesses kaufte der Propst Jahr für Jahr viele wertvolle Bücher, ordnete das Archiv und unterstützte den Aufbau eines eigenen Münzkabinetts. Auf musikalischem Gebiet war sein Mitbruder [[Georg Johann Donberger|Georg Donberger]] tätig. Als Regens chori komponierte dieser unermüdlich und seine Werke sind in den Musikarchiven vieler österreichischer Stifte zu finden. Als Propst Frigdian Knecht nach 35-jähriger Amtszeit im Jahr 1775 starb, hinterließ er ein geordnetes Haus, das spirituell, künstlerisch und wirtschaftlich einen guten Ruf hatte. Er wird auch der dritte Gründer genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Josephinismus bis Gegenwart===&lt;br /&gt;
Propst [[Michael Teufel]] (1782–1809) war Parteigänger von Kaiser Joseph II. und administrierte für ihn die Aufhebungen der Chorherrenstifte St. Andrä an der Traisen und Dürnstein. Das Patent des Kaisers über die Klosteraufhebungen wurde für das Stift St. Andrä an der Traisen wirksam, das nach dem Tod des letzten Propstes [[Gregor Grindler]] 1783 dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde. Das Chorherrenstift Dürnstein wurde 1788 mit dem Stift Herzogenburg vereinigt. Gegen diesen Bescheid erhob zwar der Bischof von St. Pölten Einspruch, doch wurde mit Hofdekret vom 7. Juni 1788 die endgültige Aufhebung Dürnsteins angeordnet. Als durch die Aufhebung der Benediktinerabtei Formbach am Inn der Untere Markt Herzogenburg Staatseigentum wurde, konnte ihn Propst Michael durch geschickte Verhandlungstaktik 1806 kaufen und mit dem Oberen Markt vereinigen. Ein Höhepunkt in der Regierungszeit des Propstes Michael Teufel war die Weihe der neuen Herzogenburger Stiftskirche am 2. Oktober 1785, sie erfolgte durch [[Heinrich Johannes von Kerens]] dem ersten Bischof, der in St. Pölten residierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Koalitionskriegen war Stift Herzogenburg nach der Schlacht im nahegelegenen Dürnstein-Loiben im November 1805 direkt betroffen. Französische Truppen fielen in die Stadt ein, brachen Keller auf und plünderten. Hohe Geldforderungen der französischen Offiziere und Einquartierungen von Soldaten belasteten das Stift schwer. Propst Michael floh während des Krieges mit der Münzsammlung und anderen Kostbarkeiten nach Ungarn in die Abtei Zirc. Kämmerer [[Josef Leuthner]] brachte sich mit den anderen Wertgegenständen auf das Gut Primmersdorf (Waldviertel) in Sicherheit. Im Rahmen des Österreichisch-Französischen Krieges im Jahr 1809 und der zweiten Eroberung Wiens durch Napoleon hatte Herzogenburg wieder unter französischen Truppen, ganz besonders unter den württembergischen Hilfstruppen zu leiden. Bei dieser zweiten Franzoseninvasion kam der Propst allerdings nicht mehr unbehelligt davon. Noch kurz vor seinem Tod wurde er in seinem Zimmer von einem französischen Husaren misshandelt und seines Kreuzes und Ringes beraubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Michael Teufel hat um das Stift beinahe so große Verdienste wie sein Gründer – der Volksmund unterstrich das Weiterbestehen des Stiftes mit dem Bonmot: „Der Teufel hat das Stift gerettet.“ Im Geist der neuen josephinischen Begräbnisordnung wurde er als erster Stiftsvorsteher außerhalb des Ortes auf dem allgemeinen Friedhof in einem bescheidenen Mausoleum bestattet. 1977 wurden die sterblichen Überreste des Propstes exhumiert und neben seinem Grabdenkmal in der Stiftskirche beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Amortisationsgesetze und Religionsfondsabgaben der spätjosephinischen Ära belasteten die Stiftswirtschaft und führten zu erheblicher Verschuldung. Der ehemalige Stiftsdechant Propst [[Aquilin Leuthner]] (1811–1832) konnte das Haus nur insofern aus der finanziellen Not retten, als er von Kaiser Franz I. einen Nachlass der Schulden erreichte. Dem josephinischen Nützlichkeitsgedanken entsprach das Kloster durch Errichtung eines Schulgebäudes auf dem Stiftsgelände im Jahr 1829, dem der Westtrakt des mittelalterlichen Kreuzwegs weichen musste. Die Visitationen des St. Pöltner Bischofs Jakob Frint führten in Herzogenburg zur allmählichen Umsetzung der Klosterreformen der Restaurationszeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Bernhard II. Kluwick]] (1832–1843) erreichte die aus Osteuropa kommende Choleraepidemie auch Niederösterreich. Die Angst vor dieser Seuche veranlasste die Stiftsherren, zur Versorgung der Kranken an den Gangenden sogenannte Choleraöfen zu errichten: „... also die Küche zu weit entfernt ist, um schnell den notwendigen Tee und warmes Wasser herbeizuschaffen.“ Das Lebenswerk von Propst Bernhard war die Erbauung der Pfarrkirche in [[Theiß]].&lt;br /&gt;
Propst [[Karl Stix]] (1843–1847) konnte einen weiteren bedeutenden Schuldenerlass bei Kaiser Franz I. erreichen. Aus Dankbarkeit feierte das Stift jahrzehntelang den Todestag des Monarchen mit dem „Kaiserrequiem“. 1844 konnte er die Jubiläumsfeier der Übertragung des Stiftes von St. Georgen nach Herzogenburg (1244) festlich begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Revolutionsjahr hob am 7. September 1848 hob der Reichstag die bäuerliche Untertänigkeit auf und das Feudalrecht mit Robot und Zehent wurde abgeschafft. Propst [[Josef II. Neugebauer]] (1847–1856) verkaufte in der Folge 1851 das Gut Primmersdorf 1851, das bis dahin der Einbringung der klösterlichen Zehentrechte im nördlichen Waldviertel gedient hatte. Am 8. Oktober 1848 – auf der Flucht von Wien in die Festung Olmütz – kam Kaiser Ferdinand I. mit seinem Gefolge nach Herzogenburg und wurde als Gast im Stift beherbergt. Am selben Abend unterzeichnete der Kaiser ein Manifest „An die Völker meiner deutsch-erbländischen Provinzen“. Am nächsten Morgen zog der Kaiser mit seinem Gefolge weiter. Der Name „Kaisergasse“ in Herzogenburg erinnert noch heute an diese Begebenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1853 gab es eine kanonische Visitation durch den St. Pöltener Bischof Feigerle, und zwei Jahre darauf visitierte auch der Linzer Bischof Rudiger in Vertretung des Kardinals Fürst Schwarzenberg das Stift Herzogenburg. Auch er war sehr zufrieden mit dem Stand des Hauses und „schied mit wahrer Herzensfreude vom Stift“. Auch unter dem nächsten Vorsteher des Stiftes Propst [[Norbert Zach]] (1857–1887) herrschte ein gutes Klima im Haus. Von den 34 Mitgliedern des Stiftes waren 25 Priester in der Seelsorge tätig, vier hatten häusliche Offizien, zwei Kleriker studierten an der theologischen Hauslehranstalt im [[Chorherrenstift Klosterneuburg]], zwei Novizen wurden im Haus in die Lebensordnung der Chorherren eingeführt.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1862 gründete der Stiftskurat und spätere Dechant [[Ferdinand Mann]] den katholischen Gesellenverein, der sich um die seelsorglichen und menschlichen Anliegen der arbeitenden Bevölkerung kümmerte. Die Stadt Herzogenburg begann den Schritt ins Industriezeitalter, als 1874 die Firma Vollrath (Nägel, Schrauben) von Wien nach Herzogenburg/Oberndorf übersiedelte. 1875 folgte ihm Carl Grundmann, ein pensionierter Danziger Lokomotivführer, der sich auf die Erzeugung von Türschlössern spezialisiert hatte. In diese Zeit fällt auch die Planung und der Bau der Eisenbahnlinien im Raum Herzogenburg: Am 3. August 1885 wurde die Strecke Tulln – St. Pölten, am 16. Juli 1889 die Strecke Herzogenburg – Krems eröffnet. Seit dieser Zeit „ist der Markt mit zwei Hauptverkehrsadern der Monarchie“, mit der West- und der Franz-Joseph-Bahn, verbunden. Um der rasch anwachsenden Bevölkerung eine bessere Ausbildung und damit größere Berufschancen geben zu können, wurde die Stiftsschule schon 1867 zu einer Pfarr-Hauptschule erweitert. Heute wird das neben der Stiftskirche gelegene Schulgebäude von der Herzogenburger Sonderschule und der Musikschule benützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das äußere Bild des Ortes änderte sich Mitte des 19. Jahrhunderts. Drei Tore der alten Marktbefestigung wurden abgetragen; ebenso Teile der Ringmauer. Ein Stückchen dieses mittelalterlichen Ensembles ist heute noch im nördlichen Stiftsbereich zu sehen, wo Mauer, Graben, Verteidigungsturm und das einzige noch bestehende Stadttor, das „Au-Tor“, auch „Nordtor“ genannt, erhalten blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Schlacht bei Königgrätz Mitte Juli 1866 drangen die preußischen Truppen bis ins Waldviertel vor und das österreichische Militär zog sich – größtenteils kampflos – auf das südliche Donauufer zurück. Das Stift richtete im Auftrag der k. k. Statthalterei ein Spital für die Soldaten ein. Für seine Verdienste wurde der Propst im Jahr 1879 vom Kaiser mit dem Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet. Während seiner zehnmonatigen Funktion als Administrator des Stiftes veranlasste Dechant Emmerich Wallner die Gestaltung des nach ihm benannten „Emmerichhofes“ im Westtrakt des Stiftsgebäudes.&lt;br /&gt;
In der Person des folgenden Propstes [[Frigdian II. Schmolk]] (1888–1912) vereinigten sich Kirchenfürst und Staatsmann. 1902 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum Landmarschall (Vorsitzender des Landtages). Vier Jahre lang hatte er dieses Amt inne. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der Kaiser die Würde eines Wirklichen und Geheimen Rates und berief ihn auf Lebenszeit als Reichsrat in das Herrenhaus. Um 1900 erreichte das Stift seinen höchsten Personalstand: 40 Konventualen gehörten zum Kloster. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Frigdian wurden in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das Stiftsgebäude, der Turm, die Orgel und das Innere der Kirche restauriert. Dechant Ferdinand Mann ließ auf seine Kosten 1903 den Maria-Lourdes-Altar errichten und die zwei Holzstatuen Herz-Jesu und Herz-Maria in der Kirche aufstellen. 1907 wurde der Zusammenschluss der österreichischen Chorherrenstifte zur „Österreichischen Kongregation der regulierten Lateranensischen Chorherren“ erreicht. Als Konvisitator wurde Propst Frigdian Schmolk gewählt. Eine enge Freundschaft verband Propst Frigdian mit dem Wiener Bürgermeister Karl Lueger. Als dieser tödlich erkrankte, berief er seinen langjährigen Freund zu sich, der ihm die die Sterbesakramente reichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmolks Nachfolger wurde [[Georg III. Baumgartner]] (1913–1927). Mit größter Sparsamkeit und Umsicht lenkte er das Stift durch die wirtschaftlichen Erschütterungen des Ersten Weltkrieges. Er stellte das Sommerrefektorium als Kaserne für die Marschkompanien und den Theatersaal dem Roten Kreuz zur Pflege der Verwundeten zur Verfügung. Vom Krieg selbst wurde Herzogenburg nur mittelbar betroffen: durch die vielen Gefallenen. Ihre Namen sind auf einer Marmortafel, rechts beim Eingang der Kirche, eingemeißelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 ließ Propst Georg das veraltete stiftliche Elektrizitätswerk– die ehemalige Stiftsmühle – in eine moderne Wasserkraftanlage mit Turbinen umbauen, die das Stift und Teile der Stadt Herzogenburg jahrelang mit Strom versorgte. Bedeutende Verdienste erwarb sich Georg Baumgartner durch seine wissenschaftliche Forschung über die Urgeschichte, inspiriert durch die archäologischen Funde aus der Hallstattzeit auf Grundstücken, die zum Stift gehörten. Bis zuletzt arbeitete er mit großer Genauigkeit an der Hausgeschichte und an der Baugeschichte der Kirche und des Stiftes und verfasste weiters den Artikel „Herzogenburg“ in der „Topographie von Niederösterreich“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die allgemeine Wirtschaftskrise machte sich auch im Stift bemerkbar. Das Steueramt St. Pölten drängte immer öfter unter Androhung der Zwangsverwaltung auf Bezahlung der Steuerschulden. Das Kapitel unter Propst Georg sah sich gezwungen, einem Beschluss zum „Verkauf einzelner Wertgegenstände näher zu treten“. Einige wertvolle Kunstgegenstände wurden verkauft. In diese politisch sehr schwierige Zeit fällt eines der größten Ereignisse für Herzogenburg, die Stadterhebung: Am 30. Juni 1927 beschloss der Landtag von Niederösterreich, den Markt Herzogenburg „trotz der verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl“ (2.800) zur Stadt zu erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der spätere Landtagsabgeordnete und Vertreter des Klerus [[Ubald Steiner]] (1927–1946) wurde zum nächsten Propst gewählt. Es gelang ihm, das Stift durch die schwierige wirtschaftliche Lage der dreißiger Jahre zu führen, was den Verkauf mehrerer Grundstücke und Kunstschätze beinhaltete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Sozialdemokratie in den 1920er Jahren wurden auch in Herzogenburg, das durch seine metallverarbeitende Industrie über einen hohen Arbeiteranteil verfügte, vehement geführt. Der Stiftsdechant  und Pfarrer [[Anton Rudolf]] stand im Ruf, „der von den Sozialdemokraten wohl bestgehasste Chorherr“ zu sein. Er war der Typ von Priesterpolitiker, der die ohnehin spannungsgeladenen dreißiger Jahre durch sein Zelotentum und seine nie erlahmenden Bekehrungsversuche an ungläubigen Marxisten eher verschärfte denn beruhigte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Volksabstimmung vom 10. April 1938 brachte in Herzogenburg 2.047 Ja-Stimmen für den Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland und nur fünf Gegenstimmen. In der Folgezeit erhielt Herzogenburg den Namen „Stadt der Treue“. In diesen Jahren wurden die Repressalien gegenüber den kirchlichen Institutionen und der Geistlichkeit immer spürbarer. Die Stiftstaverne und der Theatersaal wurden beschlagnahmt. 400 Herzogenburger traten aus der Kirche aus, und rund 100 Kinder wurden vom Religionsunterricht abgemeldet. Das Herzogenburger Pfarrblatt, das seit 1915 erschien, wurde wegen „Papierknappheit“ 1941 eingestellt. Das Stift wurde von den Nationalsozialisten zwar nicht aufgehoben, war aber in seiner Wirtschaftsführung nicht mehr unabhängig. Teile des Stiftsgebäudes wurden 1940 für ein Einquartierung von bessarabischen Umsiedlern und später auch anderen Flüchtlingen beschlagnahmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum „schwarzen Montag“ wurde der 6. November 1944. 300 Bomben fielen in und um Herzogenburg: 20 Tote und große Sachschäden waren die traurige Bilanz. Am 14. April 1945 rückten nach einer kurzen Kanonade die Sowjets in Herzogenburg ein. Eine Gruppe von Herzogenburgern, unter ihnen Propst Ubald, ging ihnen mit der weißen Fahne entgegen. Die Stiftsgebäude waren durch einige Bombentreffer leicht beschädigt worden, schwerer betroffen waren die Stiftswälder, die durch die Luftangriffe schwere Schäden hatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Georg IV. Hahnl]] (1946–1963) betrieb den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit. Im Jahr 1948 wurden vier neue Glocken der Stiftskirche geweiht. 1942 hatten alle Glocken bis auf die größte, die Pummerin, der Rüstungsindustrie abgeliefert werden müssen. Wissenschaftliche Berühmtheit erlangte Propst Georg durch seine Arbeit auf dem Gebiet der Heimat- und Urgeschichtsforschung. Fast seine ganze Regierungszeit als Propst war allerdings von einer schweren Krankheit überschattet, was sich negativ auf das Klima und die Personalsituation des Stiftes auswirkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Resignation wurde [[Thomas Zettel]]  (1963–1969) zum nächsten Vorsteher des Hauses gewählt. Nach langen Vorbereitungen öffnete 1964 das Stift Herzogenburg seine Räume und Säle für über 100.000 Besucher anlässlich seiner (etwas verspäteten) 850-Jahr-Feier. Der ebenerdige Teil des sogenannten „Altstiftes“, die Reste der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen alten Klosteranlage, war renoviert worden und das spätgotische Refektorium „glänzte“ durch die kurz zuvor freigelegten Fresken von ca. 1500. Daneben im frühbarocken Refektorium waren die Funde aus der Ur- und Frühgeschichte neu aufgestellt worden. Im Barockgebäude wurde im ersten Stock im ehemaligen Gästetrakt eine Ausstellung für die restaurierten Kunstschätze des Stiftes, insbesondere seine Sammlung mittelalterlicher Flügelaltäre, eingerichtet. Im Festsaal, in der Bibliothek, im Bildersaal und in elf weiteren Ausstellungsräumen erlebten und erleben Besucher das künstlerische Erbe des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1965 gab es eine einschneidende wirtschaftliche Umstellung: der Weinbau und die Landwirtschaft konnten in Eigenregie nicht mehr positiv geführt werden, deshalb wurden beide Wirtschaftszweige verpachtet. Der Forst als dritte Einnahmequelle wird bis heute noch selbst geführt, die Jagden sind verpachtet. Das Gebäude, in dem die ehemalige Stiftstaverne befand, wurde an die Stadtgemeinde Herzogenburg verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1977 erreichten die ökumenischen Gespräche und Gottesdienste, die vom späteren Propst [[Maximilian Fürnsinn] initiiert wurden, ihren Höhepunkt in der Ausstellung &amp;quot;Kunst der Ostkirche&amp;quot;. Zum ersten Mal feierten in diesem Zusammenhang die Vertreter aller elf östlichen und westlichen Kirchen in Österreich einen gemeinsamen Gottesdienst in der Herzogenburger Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Stadt Herzogenburg“ wurde die Nordeinfahrt des Stiftes restauriert und der Innenhof nach barockem Vorbild neu gestaltet. In diesem Jahr, 1977, wurde auch der Abschluss der Turmrenovierung gefeiert. Propst [[Clemens Moritz]] (1969–1979) wurde zum Ehrenbürger von Herzogenburg ernannt. Er war nicht ein Prälat im Sinne der prachtvollen Barockzeit – musste er doch einen personellen Tiefstand von nur 14 Mitgliedern erleben – wohl aber im Sinne des Ordensstifters Augustinus ein Seelsorger, besorgt um seine Gemeinde und seine Mitbrüder. Auch nach der Resignation blieb Altpropst Clemens bis zum Jahr 1996 der Pfarrer von Herzogenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit [[Maximilian II. Fürnsinn]] (1979–2019)) bekam das Stift nach 200 Jahren wieder einen gebürtigen Herzogenburger zum Propst. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war zunächst die Renovierung der Stifte und Pfarren. Allein mit einem Kostenaufwand von rund 50 Millionen Schilling wurde das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein in der Zeit von 1985 bis 1995 restauriert. Die zehnjährige Renovierung des Stiftes Herzogenburg wurde im Jahr 2012 abgeschlossen, sie umfasste neben der Fassadensanierung unter anderem die Instandsetzung der musealen Räumlichkeiten. Die neue Dauerausstellung konnte im Jahr 2012, als das Stift das Jubiläum seines 900jährigen Bestehens beging, eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den zentralen Anliegen von Propst Maximilian gehörte, dass das Stift – entsprechend der jahrhundertelangen Tradition – eine offene Begegnungsstätte ist. So gehen auf seine Initiative viele Tagungen, Bildungsveranstaltungen und Zusammenkünfte von verschiedenen Institutionen und Vereinigungen zurück. Neben den zuvor erwähnten ökumenischen Treffen haben etwa die Ritter vom Heiligen Grab in Jerusalem der Komturei St. Pölten hier regelmäßige Zusammenkünfte. Besonders erwähnenswert sind die in der Regierungszeit von Propst Maximilian abgehaltenen &amp;quot;Herzogenburger Gespräche&amp;quot;, anlässlich derer mehrmals im Jahr 60 bis 80 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kirche zentrale gesellschaftliche Fragen behandelten. Pastorales Wirken war dem vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägten Seelsorger Maximilian Fürnsinn ein besonderes Anliegen, vor allem die Lebendigkeit in der Pfarrseelsorge lag ihm am Herzen. In der Pfarre Herzogenburg entstand aus einem Kinderfest der Katholischen Jungschar der heute größte Kinderevent Niederösterreichs, die „Niederösterreichischen Kindersommerspiele“ (NÖKISS).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kirchliche Engagement von Propst Maximilian führte dazu, dass er 1982 zum ersten Mal zum Vorsitzenden der niederösterreichischen Äbtekonferenz gewählt wurde. Von 1989 bis 1994 war er Vizepräsident der ökumenischen Stiftung Pro Oriente. Von 1998 bis 2013 war Maximilian Fürnsinn Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2019 wurde [[Petrus Stockinger]] zum neuen Propst von Herzogenburg gewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Bischof Ulrich I. von Passau (1092–1121) konnte seiner Neugründung, dem Augustiner-Chorherrenstift St. Georgen, nur wenig schenken. In der Gründungsurkunde des Klosters bemühte er daher auch die Heilige Schrift und erwähnt das Opfer der armen Witwe, die nur zwei Kupfermünzen in den Opferkasten des Tempels warf, die aber von Jesus gelobt wurde, weil sie alles gab, was sie besaß. Der Bischof schenkte einiges von seinem persönlichen Besitz her, vielleicht sogar alles, was er in der damaligen Ostmark sein Eigentum nannte. Und das war für die junge Kommunität gerade genug zum Überleben. Katastrophen oder wirtschaftliche Schwierigkeiten durfte es keine geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bischof übergab der Klostergemeinschaft seine ererbte Eigenkirche St. Georgen an der Traisenmündung mit Fischwassern, Weingärten, Wiesen und Wäldern. Ebenso vermachte er aus seinem persönlichen Besitz ein Gut und eine Hube zu Sebarn, eine Hube zu Perschling, Engabrunn und Gumpolding, eine halbe Hube in Pötzleinsdorf (bei Wien) und eine zu Kamp, je einen Weingarten zu Kuffern und Egelsee und zwei Weingärten in Inzersdorf. Aus dem bischöflichen Gut schenkte er drei Weingärten in Hundsheim mit einem Lehen, je einen Weingarten in Stein, Weinzierl und Plechingen (zwischen Stein und Krems), den dritten Teil des Zehents von Teras und Merzleinswerd, die Hälfte des Zehents von den Pfarren Herzogenburg und Traisenburg sowie das ganze Dorf Streithofen (im Tullnerfeld). Einige Jahre später schenkte Bischof Ulrich zur Aufbesserung noch sechs Weingärten dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der wirtschaftlichen Not des jungen Stiftes versuchte nun 1160 Bischof Konrad von Passau (1148–1164) mit einer (gefälschten) Urkunde zu helfen, in der er das neuzugründende Stift St. Andrä mit St. Georgen vereinigte. Dieser Zusammenschluss scheiterte am Widerstand Ottos von Rechberg, der schließlich ein eigenständiges Kloster St. Andrä errichten konnte. Als Entschädigung übertrug Bischof Konrad dem Stift St. Georgen die Pfarre Marquardsufer und den Schweighof bei Zeiselmauer, um der &amp;quot;materiellen Not des Stiftes abzuhelfen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam konnte das Stift in den folgenden Jahrhunderten seinen Besitz durch Schenkungen vermehren, wobei das Waldviertel und das untere Traisental zu Schwerpunkten der Besitzungen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Urkunde von 1163 werden als Zeugen zuerst die Äbte von Göttweig und Zwettl, der Propst von St. Pölten und dann der Propst von St. Georgen, Albert, angeführt. 25 Jahre später kommt Propst Berthold von St. Georgen in der Zeugenfolge nach den Äbten von Göttweig, Melk und Altenburg, jedoch vor den Pröpsten von St. Nikolai und St. Andrä. Diesen Platz in der Reihenfolge der niederösterreichischen Stifte nimmt Herzogenburg bis über die Barockzeit ein. Nach den Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II. dürfte das Stift Herzogenburg besitzmäßig an die letzte Stelle gerückt sein. Doch noch einmal zurück ins Mittelalter. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im 12. Jahrhundert konnte das Stift seine Besitzungen durch Kauf, vor allem aber durch Schenkungen vermehren. Die Vielzahl der Schenkungen im Mittelalter sind meist auch ein Zeugnis von guter Spiritualität: einem glaubensstarken Kloster vertraut man eher seine Gebetsanliegen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste große Finanzaufwand war der zweite Neubau des Klosters in Herzogenburg um 1244. Das älteste Zehentverzeichnis, das in das Jahr 1299 zurückreicht, zeigt jedoch schon eine wirtschaftliche Stabilisierung auf. Das Stift besaß nun zehn &amp;quot;Ämter&amp;quot;, i. e. Zehenthöfe, die für die Einhebung der Zehente notwendig waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten waren Abgaben für die Kreuzzüge zu entrichten. Später kamen dann die Steuern für die Finanzierung der Türkenkriege. Verwüstungen durch Kriege, Naturkatastrophen (Heuschreckenplage und Dürre) und Pestepidemien brachten einen wirtschaftlichen Tiefstand für das Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zeichen für das wirtschaftliche Auf und Ab war 1417 der Kauf eines Hauses in Wien, Johannesgasse. 1541 musste es wieder verkauft werden. Bezeichnend für diese schwierige Zeit war auch der Personalstand: 1569 war nur mehr ein Konventuale im Stift. Als 1601 wieder ein Haus in Wien, diesmal in der Annagasse, gekauft wurde, war dies zugleich auch ein Zeichen des neuen Erstarkens: sowohl wirtschaftlich als auch personell. Das Stift wurde renoviert, die Kirche barockisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Abwehr der Türken 1683 konnte das Stift im wirtschaftlichen Aufwind weitere Akzente setzen: ein Gut in Primersdorf (Waldviertel) wurde gekauft und ein großer, neuer Schüttkasten errichtet. In Wielandsthal wurde der Keller und in Haitzendorf der Pfarrhof von Prandtauer errichtet. Im barocken Neubau des Stiftes (ebenfalls von Prandtauer) und der dazugehörigen Kirche kam die wirtschaftliche Kraft zum Ausdruck. Allerdings mussten dafür Weingärten in Mautern, Mauternbach und Sallapulka, eine Mühle von St. Georgen, Meierhöfe in Reith bei Primersdorf, Großhain, Schwarzenbach usw. für eine Gesamtsumme von 17.600 Gulden verkauft werden. Das war ungefähr ein Drittel des Prandtauischen Kostenvoranschlages für den Neubau des Stiftes (54.000 Gulden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wirtschaftliches Tief lösten die napoleonischen Kriege und die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aus: 1851 wurde das Gut Primersdorf im Waldviertel veräußert. Jahre vorher konnte das Stift nur durch einen großzügigen Schuldenerlass von Kaiser Franz I. vor einem finanziellen Ruin gerettet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Stift nur durch den Verkauf von Grundstücken und von vielen Kunstgegenständen entgegenwirken. Einige Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg kam es wieder zu Veräußerungen von Kunstgegenständen, Teilen von Sammlungen (Mineraliensammlung) und Teilen der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre unter Propst Maximilian waren von einer klugen Wirtschaftspolitik gekennzeichnet. Trotz der bescheidenen Besitzungen von 2.625 ha (2.200 ha Wald, 25 ha Weinbau, 400 ha landwirtschaftliche Nutzung) konnten viele Restaurierungen am Stift und an den Kirchen und Pfarrhöfen vorgenommen werden. Am 29. April 1996 wurde die Außenrenovierung des Stiftes Dürnstein mit einem Gesamtumfang von 50 Millionen Schilling abgeschlossen. Eine Aufgabe für dieses Haus, etwa als Seminar- oder Vortragszentrum, wird noch zu finden sein.&lt;br /&gt;
Wenn auch schon vieles vollbracht worden ist, so warten doch noch weitere Aufgaben für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Vogtei===&lt;br /&gt;
Der Besitz des Bistums Passau im Raum Donau–Traisen stand unter der Vogtei der Babenberger. Diese übten sie durch die Burggrafen von Lengbach (Neulengbach) aus. Urkundlich sind die Vögte des Stiftes Herzogenburg sehr selten belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Übertragung des Stiftes nach Herzogenburg änderte sich in der Vogteiverwaltung nichts. Nach dem Aussterben der Babenberger siegelte 1252 Konrad von Zagging als Vogt des Hauses. Er dürfte in Verbindung mit König Ottokar Przemysl, dem neuen Landesherren, gestanden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Habsburger die Herrschaft übernahmen, wurden die Burggrafen von Neulengbach die Vögte von Herzogenburg. Bestätigt wird diese Annahme durch die Erklärung der Herzöge Wilhelm und Albrecht IV. vom 20. März 1396, in der sie ihre Pflicht zu besonderem Schutz und Schirm des Klosters und seiner Güter bestätigten, da sie ja jährlich das Vogtgeld von 17 Pfund und 6 Schillingen Wiener Pfennig und 1 Muth Hafer vom Stift empfingen. Das Stift Herzogenburg zahlte diese Summe bis zum Jahr 1848 nach Neulengbach, als die Herrschaft längst schon in Privatbesitz übergegangen war und das Vogtgeld umgerechnet nun 17 Gulden und 45 Kreuzer betrug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jenseits der Donau dürften die Kuenringer auf Dürnstein die Vogtei über die Stiftsgüter ausgeübt haben. Nach ihrem Aussterben erging 1356 eine Weisung des Herzogs Albrecht II. an seinen Pfleger in Krems, das Stift Herzogenburg in seinen Rechten und Besitzungen zu schirmen. Im Jahr 1445 übernahmen die Brüder Ulrich, Oswald und Stephan Eytzinger auf Bitten des Propstes die Vogtei auf 15 Jahre gegen die jährliche Abgabe von 6 Muth Hafer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Stift Herzogenburg lag jahrhundertelang wirtschaftlich im Mittelfeld der niederösterreichischen Klöster. So war es auch mit der Zahl der Mitglieder. Die frühen mittelalterlichen Chorherrengründungen waren nicht für riesige Konvente gedacht, sondern die Zahl zwölf war, von Jesus mit seinen Jüngern herkommend, die goldene Zahl. Bei der Gründung von St. Georgen werden wahrscheinlich eine Handvoll Chorherren die Aufbauarbeit an diesem Donaustift begonnen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1200 gab es die erste urkundliche Aufzählung des Konventes: zwölf Priester, drei Konversen (''fratres conversi''), fünf Familiaren und vier Brüder. Einige Jahre nach der Übersiedlung des Konventes von St. Georgen nach Herzogenburg wurden neun Priester, zwei Diakone und vier Brüder (''fratres barbati'') als Zeugen genannt. Ein Stiftshistoriker zählte diese bärtigen Brüder dem adeligen Stand zu, da er sie als Mitglieder von Bauhütten interpretierte, die Baumeister und Städteplaner waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Namen und aus der Stellung in der Zeugenreihe lassen sich auf die Abstammung der Chorherren Schlüsse ziehen. Wir finden im Konvent einige Mitglieder des niederen Adels. Diese Tatsache erklärt einen Teil der reichen Schenkungen des Adels der Umgebung, der so zur Versorgung seiner Söhne beitrug. Ein Nobelstift war Herzogenburg aber nie. Die meisten Novizen kamen aus der Umgebung, vereinzelt aus Oberösterreich, der Steiermark, Kärnten und Salzburg. Die Zusammensetzung des Konvents blieb also durchaus im Rahmen des damals Üblichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert dürfte sich die Zahl der Konventualen zwischen 20 und 25 bewegt haben. Der erste große Verlust kam durch die Ermordung einiger Chorherren bei der Eroberung von Herzogenburg im Jahr 1463 und dann durch die Pest. Die Reformation trug das ihre dazu bei, sodass es beim Tod des Propstes Bartholomäus von Cataneis 1563 wahrscheinlich überhaupt kein Konventmitglied mehr gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann gab es nur ein, später zwei Mitglieder, und mit dem Erstarken der Gegenreformation kam wieder Leben in die Stiftsgemäuer: im 17. Jahrhundert betrug der Personalstand zwischen acht und zehn Mitglieder. In der Barockzeit erreichte er die Zahl 25. Um 1800 waren 27 Priester, ein Kleriker und drei Novizen dem Stift zugehörig. Im 19. Jahrhundert stammten 47 Priester aus Niederösterreich, 21 aus der Tschechoslowakei und acht aus Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Jänner 1900 hatte dann das Haus den Höchststand in seiner Geschichte: von den 40 Mitgliedern waren 35 Priester, vier Kleriker und ein Novize. Im 20. Jahrhundert nahm die Zahl stetig ab, und zur Zeit gehören 13 Priester und drei Kleriker zum Stift. Die Priester stammten im letzen, d. h. im 20. Jahrhundert, zu gleichen Teilen aus dem Arbeiter- und Angestelltenstand bzw. aus der Landwirtschaft und aus Familien selbständig Tätiger (die Väter waren Fleischhauer, Fabrikanten usw.). Der größte Anteil von ihnen waren Niederösterreicher (15), dann Wiener (neun), sechs Priester kamen aus dem heutigen Tschechien. Je zwei stammten bzw. stammen aus Tirol, Deutschland und den Niederlanden. Je ein Professe kommt aus dem Burgenland und aus Belgien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Vom Ursprungskloster in St. Georgen haben sich keine Reste erhalten. Die frühesten Ansichten von diesem Bau stammen aus der Barockzeit. Es ist deshalb schwer zu beweisen, wie weit sie der Wirklichkeit entsprechen. Auf diesen Bildern ist eine Kirche als zentraler Rundbau zu sehen, wie es manchmal in der Romanik üblich war, davor zwei niedrigere Rundtürme mit der Prälatur, links davon der Küchenturm, der einem Rauchabzug ähnlich ist. Rechts von der Kirche befindet sich ein Fluchtturm mit den Glocken. Anschließend sind die Klostergebäude für die Chorherren und Gäste dargestellt. Der Klosterbau ist mit einer Mauer umgeben. Das Ganze ist wahrscheinlich ein liebevoller Versuch, das Ursprungskloster darzustellen. Diese Ansicht entspricht aber keiner romanischen Klosteranlage der damaligen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster in Herzogenburg sind wir besser informiert. Wahrscheinlich wurde 1244 zuerst mit dem Bau eines Konventtraktes begonnen, da der bestehende Pfarrhof für den 15 Mann starken Konvent zu klein gewesen ist. Von dieser Anlage hat sich noch der Südtrakt mit einem Kreuzgangabschnitt erhalten. Bei Renovierungsarbeiten zu Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Sandsteinsäulen mit herzförmigen Kapitellschilden und einfachen Rundsockeln freigelegt, die in die Mitte des 13. Jahrhunderts einzureihen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ehemalige Refektorium wurde zum Teil schon 1894 entdeckt, doch konnten die Fresken erst 1963 vollständig freigelegt werden. Diese Räume waren Teil des Gerichtsgebäudes: Wärterwohnung und Gefängniszellen. An der Südseite des gotischen Saales befinden sich drei Spitzbogenfenster. Den sechsjochigen Raum tragen zwei Steinpfeiler als Mittelstützen. An einem ist die Jahreszahl 1564 zu erkennen, die vielleicht auf eine spätere Renovierung zurückgeht. Ab einer Höhe von 1,70 m befinden sich figurale Wandmalereien. Die einzelnen Darstellungen des Zyklus sind unterschiedlich gut erhalten, zum Teil ist nur noch die rote Vorzeichnung vorhanden. Neben christologischen Szenen sind eine Sterbeszene im Kloster (vielleicht der Tod des Ordensgründers Augustinus) und ein hl. Georg wiedergegeben. Vom zweiten Bild der Nordwand ist die Darstellung des Stifters dieser Bilder Propst Georg Eisner mit seinem Konvent erhalten. Da er ohne Mitra gezeigt wird, ist die Entstehungszeit dieser Fresken kurz vor 1498 anzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der östlich an das Refektorium anschließende frühbarocke Saal wird auf einem Plan mit &amp;quot;Capitl&amp;quot; bezeichnet. Die Jahreszahl 1628 am Ostfenster gibt vielleicht den Abschluss des Umbaus an. Heute wird dieser Saal für das Urgeschichtsmuseum des Stiftes verwendet. Wahrscheinlich besaß dieser Konventtrakt aufgrund der Größe der Stiftsgemeinschaft ursprünglich schon einen ersten Stock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei anderen Flügel des Konventbaues wurden wegen des Kirchen- bzw. Schulneubaus weggerissen. Über die Funktion der Räumlichkeiten sind wir zum Teil durch einen Plan von Johann Michael Hergöth unterrichtet, den er um 1700 gezeichnet hat: ebenerdig gab es drei Sakristeiräume, eine Schneiderei, den Mesnerkeller und das erwähnte Refektorium. Im ersten Stock waren die Zimmer der Chorherren, die Wohnung des Dechants und die Bibliothek untergebracht. Im Kreuzgangbereich lag noch die alte Totenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite des Konventbereiches steht auch heute noch der Kirchenbau. Von der mittelalterlichen Kirche ist nur das gotische Kirchenportal aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten. Aus den Umbauplänen können wir schließen, dass dieser Bau als Pfeilerbasilika auf kreuzförmigem Grundriss errichtet war, ähnlich der Michaelerkirche in Wien. Nördlich der Kirche waren die Kanzleiräume und die Prälatur. Entlang des Baches lagen die Wirtschaftsräume mit einem weithin sichtbaren Fluchtturm (Kuchlturm). Von diesen Gebäuden steht nur noch die Mühle, die heute als Elektrizitätswerk die Wasserkraft nutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm von Schmerling (1709–1721) entschloss sich für den Neubau des Stiftes. Am 25. Mai 1714 wurde dazu der Grundstein gelegt und Jakob Prandtauer wurde mit der Planung und Ausführung betraut. Propst Hieronymus Übelbacher von Dürnstein bezeichnet Prandtauer als &amp;quot;fürnehmen baumeister zu St. Pölten und vielleicht fürnehmsten in ganz Österreich&amp;quot;. Prandtauer begann mit dem Bau des Südtraktes. Der Osttrakt mit dem großen Festsaal wurde nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet. 1720 wurde die Einfahrtshalle aufgeführt. Auch hier dürften Vorschläge von Fischer mitverarbeitet worden sein. Im Quertrakt, zwischen den beiden Höfen, wurden im Erdgeschoß die beiden Sakristeien eingerichtet: Herren- und Prälatensakristei. Die qualitätvollen Stukkaturen gehen auf Michael Bolla, 1717, zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1721 starb Propst Wilhelm Schmerling. Sein Nachfolger Leopold von Planta (1721–1740) ließ weiterbauen, und zur Zeit des Todes von Jakob Prandtauer war das Stiftsgebäude zu einem provisorischen Abschluss gekommen, der aber zum dauernden wurde, denn der Westtrakt des &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; blieb unausgeführt. Propst Leopold ließ vom Nachfolger Prandtauers, dem Stiftsbaumeister Joseph Munggenast, den Meierhof aufführen und in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts den Stiftsbau durch die Errichtung des nördlichen Vorbaues und des Georgitores äußerlich abschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Westtrakt aus Sparmaßnahmen nicht ausgeführt wurde, errichtete der Propst die dort geplante Bibliothek im Mitteltrakt, und die in diesem Teil schon begonnene Prälatur wurde in den Nordostteil des Gebäudes verlegt. Die Gärten ließ er in barocker Manier anlegen und die Brücke über den Mühlbach sowie den &amp;quot;Springbrunn unter dem Großen Saal&amp;quot; mit einigen &amp;quot;Kindln&amp;quot; (Sandsteinfiguren) versehen. Diese Gartenplastiken und auch die Zwergenfiguren aus dem Zwerglgarten sind heute verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leopold kaufte auch vom Wiener Goldschmied Johann Kaspar Holbein einige Brustkreuze, Kelche und vor allem eine wertvolle Monstranz, deren Entwurf auf Matthias Steinl zurückgehen könnte und die im Raritätenkabinett erhalten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung der fertiggestellten Stiftsgebäude erlebte Propst Leopold nicht mehr. Ein Jahr nach seinem Tod wurde die Weihe am Georgstag, den 24. April 1741, von seinem Nachfolger Frigdian Knecht (1740–1775) vorgenommen, der dann auch die &amp;quot;Kapitularen in die neue, freundliche Klausur&amp;quot; führen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich Propst Frigdian zum Neubau der Kirche. Am 26. Juni wurde unter Beisein des Malers Daniel Gran der Grundstein an der Epistelseite der Apsis (rechte Seite der Kirche) gelegt. Die Inschriftplatte aus vergoldetem Kupfer führt Franz Munggenast als Baumeister an. Im selben Jahr, in dem der Rohbau fertig wurde, 1748, starb der junge Baumeister mit 24 Jahren. Seine Genialität wird an dieser Kirche, die zu den großen Leistungen des österreichischen Barock gezählt werden darf, sichtbar. Sein Bruder Matthias folgte als Stiftsbaumeister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kircheninneren malte Daniel Gran 1746 das Hochaltarbild und im Presbyterium die beiden Fresken. Wegen finanzieller Unstimmigkeiten und anderer Meinungsverschiedenheiten kam es zum Bruch mit dem Künstler. Der Propst vergab daher die weiteren Arbeiten in der Kirche, die Freskenmalerei und sämtliche Altarbilder mit den Ovalbildern, an Bartolomeo Altomonte, der sie von 1753 bis 1771 ausführte. Die dekorative Malerei in den Kirchenkuppeln (oberhalb des Hauptgesimses) stammt von Domenico Francia aus Bologna. Die Aufbauten für den Hochaltar (1770) und die Seitenaltäre, die Ballustraden (Kommuniongitter) und die Kanzel (1773) der Kirche stammen von Jakob Mösl, die Altarplastiken von Johann Josef Rößler, das Chorgestühl (1772) und die Volksstühle (1775) vom Klostertischler Lorenz Horeß.&lt;br /&gt;
Die herrliche Ampel wurde 1770 von Johann Christoph Beuermann aus Wien geliefert. Das Glanzstück der Kirche ist die 1752 fertiggestellte Orgel von Johann Henke, dem bedeutendsten Wiener Orgelbauer dieser Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1680 befand sich in der alten Kirche ein aus Ungarn stammendes Marienbild, das &amp;quot;orientalische Frauenbild&amp;quot;, zu dem viele Wallfahrer kamen. Nach der Fertigstellung des barocken Seitenaltares im Neubau der Kirche wurde es 1771 von Propst Frigdian Knecht eigenhändig in einer Prozession, die ihn durch beide Märkte führte, auf den heutigen Platz übertragen. Gegenüber dem Marienaltar liegen in einem Schrein die Gebeine des hl. Urban. Sie stammen aus den Kalixtuskatakomben in Rom und wurden 1740 dem Stiftsdechant Michael Koch geschenkt.&lt;br /&gt;
Als 1771 der barocke Augustinusaltar fertiggestellt war, fand dort der urchristliche Märtyrer seine endgültige Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das jüngste Kunstwerk der Kirche ist der Volksaltar, der 1994 vom Wiener Künstler Wander Bertoni angefertigt wurde und die Schöpfung zum Thema hat. Die Krönung der Bautätigkeit des Propstes Frigdian Knecht war die Neugestaltung des Kirchturmes nach einem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach, unter Mithilfe des Baumeisters Matthias Munggenast. Mit Recht sieht der Stiftschronist Frigdian Mies im Turm den ins Große strebenden Geist des Propstes. Die originelle Turmspitze mit Herzogshut und Stiftskreuz wurde am 6. Juli 1767 &amp;quot;um die Mittagszeit unter Pauken- und Trompetenschall aufgesetzt&amp;quot;. 1756 hatte der Propst die Chorkapelle mit Fresken von Martin Johann Schmidt (&amp;quot;Kremser Schmidt&amp;quot;) und einem Verkündigungsbild von Martin Altomonte ausschmücken lassen. Im Festsaal malte Bartolomeo Altomonte 1772 das Fresko &amp;quot;Das seelsorgliche Wirken der Augustiner-Chorherren im Bistum Passau&amp;quot;. Das Fresko an der Decke der Prälatenstiege &amp;quot;Die Übertragung der Kanonie von St. Georgen nach Herzogenburg&amp;quot; ist signiert mit &amp;quot;Barto Altomonte fec. 1779 aetatis suae 79&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Augustin Beyer (1779–1780) wurde auch die Bildergalerie fertiggestellt. Die Gemälde sind nach einem dekorativen Schema angeordnet: ein zentrales Mittelstück, von kleineren Gemälden umrahmt. Die Bilder wurden zu diesem Zweck auch vergrößert, verkleinert oder sogar geteilt, um der Symmetrie zu entsprechen. Dieser &amp;quot;geistlichen Galerie&amp;quot; kommt nicht nur wegen ihres kulturgeschichtlichen Wertes große Bedeutung zu, es befinden sich unter den 144 Bildern auch hervorragende Kunstwerke, u. a. eine Vincenzo di Biagio Catena zugeschriebene &amp;quot;Heilige Familie&amp;quot; oder ein auf Holz gemaltes deutsches Männerporträt mit der Signatur &amp;quot;H. H. 1521&amp;quot;, das als Werk Holbein d. J. bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man in Österreich die Kunstschätze vergangener Jahrhunderte noch als entbehrlichen &amp;quot;Raritätenkram&amp;quot; verstand, förderte Propst Aguilin Leuthner (1811–1832) die seltsame Sammelleidenschaft seines Mitbruders Ludwig Mangold. Nach dem Vorbild der alten &amp;quot;Kunst- und Wunderkammern&amp;quot; aus der Renaissancezeit hatte der junge Ungar im Stift ein &amp;quot;Antiken- und Raritätenkabinett&amp;quot; im zweiten Stock über der Prälatur angelegt, das zum Grundstein der heutigen Stiftssammlung wurde. Ein Verzeichnis dieser Raritäten wurde im Juni 1815 von ihm angefangen und hat folgende Hauptabteilungen: &amp;quot;A Mahlerey und Mosaique, B Bildhauerey, Schnitz- und Gußwerk, C Kupferstiche und Handzeichnungen, D Glasarbeiten, E Uhren, F Becher und andere Gefaße, G Kleidungsstücke, H Musicalische Instrumente, I Waffen, K Römische Alterthümer, L Verschiedene Seltenheiten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die meisten der hier verzeichneten Gegenstände sind noch im Besitz des Stiftes und waren im Rahmen der Ausstellung &amp;quot;Kunstschätze im Stift Herzogenburg&amp;quot; zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunstwerke wurden 1964 in den ehemaligen Gästezimmern topographisch aufgestellt, d. h. nach Möglichkeit nach ihrem Herkunftsort gruppiert. Das Hauptstück der Sammlung ist der &amp;quot;Jüngere Aggsbacher Hochaltar&amp;quot;, ein 1501 in Krems gemaltes Werk von Jörg Breu von Augsburg. Eine vorzügliche Schnitzarbeit ist die realistisch gehaltene Skulpturengruppe des &amp;quot;Marientodes&amp;quot; um 1500, möglicherweise der Mittelteil der Predella des Jörg-Breu-Altares. Weiters soll hier die „Stiftertafel&amp;quot; aus der Zeit um 1500 erwähnt werden, eine Votivtafel mit dem Bildnis des Bischofs Ulrich I. von Passau und der &amp;quot;porträthaften&amp;quot; Darstellung des mittelalterlichen Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Höhepunkt der spätbarocken Abteilung bilden Werke von Daniel Gran, vor allem das vergoldete Modell für den Hochaltar um 1746 mit dem unmittelbaren Entwurf für das Hochaltarbild und ein äußerst lebendiges Selbstporträt. Einen besonderen Schatz stellt der Bestand von zehn Ölskizzen und Bildern von Bartolomeo Altomonte dar, darunter Entwürfe für die Fresken in der Stiftskirche und ein höchst interessantes Selbstporträt aus dem Jahr 1774. In der Prälatur haben sich auch einige erwähnenswerte Kunstgegenstände erhalten, z. B. ein seltener Venezianer Spiegel vom Beginn des 18. Jahrhunderts, der neben reichem Ornament und alter Verglasung gravierte bérainsche Ornamentik in dem Rahmenspiegelchen trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Refektorium wurde bis in die sechziger Jahre als Speisesaal der Chorherren benützt. 1975 wurde es renoviert und als &amp;quot;Augustinussaal&amp;quot; ein Veranstaltungszentrum für Stift und Pfarre. Im Südosten des Stiftes befindet sich im zweiten Stock das &amp;quot;Mexikanische Zimmer&amp;quot;. In diesem Raum war die von Propst Norbert Zach (1857–1887) erworbene Sammlung von Geräten, Waffen und Schmuckgegenständen der Ottawa-Indianer aufgestellt. Sie musste in den zwanziger Jahren veräußert werden.&lt;br /&gt;
Interessant ist das Zimmer heute wegen der zwölf Wandgemälde, die in der romantischen Gesinnung des späten 19. Jahrhunderts Motive aus Österreich darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Exponate der urgeschichtlichen Sammlung des Stiftes Herzogenburg kamen aus der Ausgrabung eines eisenzeitlichen Friedhofes von Statzendorf. Der Göttweiger Abt Adalbert Dungl war maßgeblich daran beteiligt. Die Pröpste Georg III. Baumgartner (1913–1927) und Georg IV. Hahnl (1946–1963) haben durch eigene Grabungen wesentlich zur Vervollständigung dieser Sammlung beigetragen. Zusammen mit Dungl waren sie die Pioniere der prähistorischen Archäologie im unteren Traisental.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Heute enthält die urgeschichtliche Sammlung eine Reihe von Steingeräten aus der Altsteinzeit, eine große Zahl von Fundstücken der Jungsteinzeit und Keramiken aus der frühen Bronzezeit, wie etwa den Fund von 17 Töpfen aus St. Andrä an der Traisen, Objekte der Hügelgräber und Urnenfelderkultur und weitere bedeutende Funde aus der Eisenzeit, wie Beigaben der Hallstadtkulturen aus den Gräberfeldern von St. Andrä und Statzendorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Römische Funde waren bis auf einige Münzen im Raum von Herzogenburg eher spärlich, bis 1972 aus der Zeit der römischen Kaiser ein Zeremonienhelm mit Gesichtsmaske unweit des Stiftes gefunden wurde, der zu den bedeutendsten Denkmälern römischer Kunst auf österreichischem Boden gerechnet werden muss. Mit seinen &amp;quot;Alexanderlocken&amp;quot; gehört er zum orientalischen Typus. Damit ist er ein Beispiel dafür, wie weit vorderorientalische Mysterienkulte im 2. und 3. Jahrhundert verbreitet waren. Dieses Unikat ist im Raritätenkabinett im ersten Stock ausgestellt, während alle anderen Funde im frühbarocken Refektorium im Altstift zu sehen sind. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Eine fachkundige Neuaufstellung wird derzeit von Univ.-Doz. Dr. Johannes-Wolfgang Neugebauer vorgenommen.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Als 1512 in Herzogenburg ein Großbrand wütete, wurden einige Trakte des Stiftes in Schutt und Asche gelegt. Die Bibliothek wurde dabei auch ein Raub der Flammen. Wahrscheinlich besaß damals das Stift über 100 handgeschriebene Bücher und vielleicht ebensoviele Inkunabeln. Wieviele Bücher gerettet werden konnten ist leider nicht überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten großen Förderer der mittelalterlichen Bibliothek waren die beiden Pröpste Johannes III. von Parsenbrunn (1401–1433) und Johannes IV. von Linz (1433–1457). Aus der Zeit vor dem Brand haben sich einige Buchfragmente erhalten. Fragment 42 aus dem 9. Jahrhundert ist das älteste Stück der Bibliothek.&lt;br /&gt;
Von der Wende des 12. zum 13. Jahrhundert stammt das Fragment 32 mit Teilen eines Legendars. Das Fragment 43 ist Teil eines Nekrologiums vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Es ist ein sicheres Zeugnis für die Schreibkultur des Stiftes in St. Georgen. Ob das Stift dann in Herzogenburg eine eigene Schreibschule besessen hat, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Auf jeden Fall sind keine Handschriften auf Pergament mit wertvollen Initialen auf uns gekommen, sondern nur anspruchslose, auf Papier geschriebene Bücher. Sie haben alle einen praktisch-theologischen Inhalt und stehen im Zusammenhang mit den Seelsorgeaufgaben des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Schreiber waren mit Sicherheit Klosterangehörige, von weiteren sieben ist es unsicher. Die kunsthistorisch kostbarsten Handschriften wurden erst in späteren Jahrhunderten angekauft. Den ersten größeren Zuwachs nach dem Brand erfuhr die Bibliothek durch Propst Philipp von Maugis (1541–1550), der vor allem humanistische Werke bzw. lateinische und griechische Klassikerausgaben erwarb und die von seinem Bruder ererbte Bibliothek der Stiftsbibliothek einverleibte.&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Herb (1687–1709) erbte ebenfalls von seinem Bruder 173 Bücher meist theologischen Inhalts, die in zwei Fässern und einer großen Truhe verpackt auf der Donau von Deutschland nach Krems transportiert und von dort ins Stift gebracht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge des barocken Stiftsneubaus wurde die Bibliothek von 1751 bis 1754 von Propst Frigdian Knecht (1740–1775) erbaut. Die Ornamentmalerei fertigte Domenico Francia an, die figuralen Grisaillen wurden von Bartolomeo Altomonte gemalt. Die einfachen, doppelteiligen Bücherschränke wurden vom Orgelbauer Johann Henke entworfen. Propst Frigdian sammelte die Bücher &amp;quot;mit einem unersättlichen Hunger&amp;quot;, wie er selber scherzend zu sagen pflegte. Er erwarb u. a. die Bibel von 1205 (HS 100) und die kostbare Handschrift &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; (HS 95) aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Stephan Peschka (1775–1779) und Michael Teufel (1781–1809) erwarben durch den Exjesuiten Abbé Johann Christoph Regelsberger viele Bände bei Bücherauktionen aus den Beständen aufgehobener Klöster. Mit der Übernahme der aufgehobenen Stifte St. Andrä an der Traisen 1783 und Dürnstein 1788 kamen nur wenige Bücher, nachweislich nur einige Handschriften und Inkunabeln, nach Herzogenburg. Der Großteil des Bücherschatzes kam in die Wiener Hofbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Petrus Schreiber]], von 1781 bis 1788 auch Stiftsdechant, war mit Unterbrechung fast 25 Jahre Bibliothekar. Eine große Anzahl von Büchern mit einheitlichen barocken Einbänden kam durch ihn in die Bibliothek. Sie tragen auf dem Einbanddeckel die goldenen Buchstaben &amp;quot;P. S.&amp;quot;. Ebenso vermachte er dem Stift 15 Inkunabeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Inventar von 1832 beziffert den Buchbestand summarisch mit etwa 10.000 Bänden. 1887 war der Besitz bereits auf 50.000 Bände, 253 Inkunabeln und 223 Handschriften angewachsen. Dieser Zuwachs dürfte auch die Erweiterung der Bibliotheksräumlichkeiten veranlasst haben. Unter Propst Norbert Zach (1857–1887) wurden 1870 die Gänge im zweiten Stock des Stiftes mit Bibliothekskästen ausgestattet. Unter ihm waren als Bibliothekare die bedeutenden Stiftshistoriker [[Wilhelm Bielsky]], [[Michael Faigl]] und Frigdian Schmolk tätig. Sie veröffentlichten viele Beiträge zur Stiftsgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine großzügige Erweiterung erfuhr die Stiftsbibliothek zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gräfin Maria Falkenhayn übergab 1905 dem Stift die 30.000 Bände ihrer Schlossbibliothek in Walpersdorf. Neben diesen gräflichen Exlibris finden sich in der Sammlung auch Werke mit den Besitzvermerken der Jörger, Colloredos und der Herrschaften Droß und Ottenschlag.&lt;br /&gt;
Während der Weltwirtschaftskrise kam es 1927 zur Veräußerung von Inkunabeln, die vergleichsweise die Höhe des Schätzwertes der ehemaligen Stiftstaverne ausmachten. Ebenso wurde in den sechziger Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eine große Anzahl von Büchern veräußert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anläßlich der Ausstellung im Jahr 1964 &amp;quot;Das Stift und seine Kunstschätze&amp;quot; wurde eine Neuaufstellung der Bücherbestände begonnen, die aber &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bis heute nicht fertiggestellt werden konnte&amp;lt;/span&amp;gt;. Derzeit ist die Bibliothek auf mehrere Standorte verteilt und lediglich die Handschriften, die Inkunabeln und die Druckwerke bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden nach dem Erscheinungsdatum geordnet. Der Rest ist weitgehend unbearbeitet. Der Gesamtbestand wird auf 80.000 Bände geschätzt. Dazu kommen noch 150 Inkunabeln und 150 mittelalterliche Handschriften. Die älteste Handschrift ist ein österreichisches Psalterium des 12. Jahrhunderts (HS 106). Die gut geschriebene Handschrift enthält eine Reihe von großartigen Initialen. Die bedeutendste Handschrift der Bibliothek ist Cod. 95 &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; von Gregor d. Gr. Sie wurde um 1260 in Mainz oder Regensburg geschrieben und enthält 36 ausgezeichnete Initialminiaturen im Stil der deutschen Malerei der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Cod. 223 ist eine oberitalienische Bibel der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit großen figurierten Initialen; fast alle Spalten tragen Federranken. Am Beginn der Genesis findet sich eine Gegenüberstellung der sieben Schöpfungstage mit christologischen Szenen. Ein österreichisches Graduale (HS 97) vom Beginn des 14. Jahrhunderts trägt auf jeder Seite Notenzeilen und stammt aus einem Zisterzienserkloster. Sehr schön ist eine französische Bibel mit Miniaturinitialen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (HS 99).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Ausgabe von Gregors &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; ist der zweibändige Cod. 94 aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts mit 18 figurierten Initialen, die von fünf Meistern stammen, die den Wenzelsbibelmeistern nahestehen. Die Handschrift wurde laut Eintragung in der Kartause Mauerbach geschrieben und war 1397 im Besitz der Kartause Olmütz. Wann und wie sie nach Herzogenburg kam, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der bedeutenden Sammlung von Wiegendrucken seien folgende hervorgehoben: ein sehr schöner Venezianer Druck von 1478, Lactantius Firmianus &amp;quot;Gegen die Haiden&amp;quot;; drei ausgezeichnete Kobergerdrucke aus Nürnberg, 1481; die Briefe des Ennea Sylvius Piccolomini (Papst Pius II.); ebenso von 1481 ein Kommentar zum Neuen Testament von Nicolaus de Lyra mit gezeichneten Initialen; und von 1483 ein Fastenbuch von Johannes Guitsch, gedruckt im Charakter der spätgotischen Handschriften. Ein Zisterzienser-Missale aus Paris um 1487 ist mit kleinen kolorierten Holzschnitten illustriert. Zwei sehr gute Ausgaben der interessanten Weltgeschichte von Rolewinck seien noch angeführt. Die eine Wiener Ausgabe von 1490 ist reich mit Holzschnitten illustriert, die zweite aus Köln mit vielen Holzschnitten in der Art der &amp;quot;Schedelschen Weltchronik&amp;quot; aus dem Ende des 15. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abschluss ist noch eine Postilla von Cuilcrinus, Augsburg 1495, die ebenfalls mit Holzschnitten illustriert ist, zu erwähnen. Die oben beschriebenen Handschriften und Frühdrucke sind im Hauptraum der Bibliothek in Vitrinen ausgestellt und bei jeder Führung durch das Stift zu besichtigen. In diesem Bibliothekssaal befinden sich in den Bücherschränken nur Bücher aus dem 18. Jahrhundert, um den Eindruck einer barocken Schaubibliothek zu vermitteln.&lt;br /&gt;
Durch die bescheidene Einrichtung wirkt die Bibliothek wie eine heimelige Studierstube. Die letzte Handschrift wurde 1990 erworben. Sie ist ein türkisches Gebetbuch aus dem 19. Jahrhundert in arabischer Zierschrift. In der Mitte des Buches finden sich zwei romantisch gemalte Ansichten der Moscheen in Mekka und Medina.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Das Herzogenburger Stiftsarchiv besteht aus vier Abteilungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) dem Archiv des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen/Herzogenburg mit 1.745 registrierten Urkunden (1112–1852) und zahlreichen nicht bearbeiteten Urkunden (ab 1852), 264 Büchern und 647 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit 327 registrierten Urkunden (998–1776), sechs Büchern und 225 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein mit 718 registrierten Urkunden (1306–1768), 36 Büchern und 90 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) dem Archiv des aufgehobenen Clarissenklosters Dürnstein mit 357 registrierten Urkunden (1289–1658) und ca. 20 Büchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Dokument im Stift Herzogenburg ist die Gründungsurkunde (1112) von Bischof Ulrich von Passau (Sta. Hn. 1a). Sie ist eine der formvollendetsten Urkunden aus der Schreibstube des Bistums Passau. Äußerst interessant ist die Traditionsnotiz (Sta. Hn. 1b), die ein Konzept zur Gründungsurkunde darstellt und sechs weitere protokollarische Notizen enthält, die an verschiedenen Orten abgefasst wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historisch bedeutsam für das Stift ist auch die Übertragungsurkunde von 1244 (Sta. Hn. 38). Die schweren Zeiten des 15. Jahrhunderts sowie der Brand des Klosters im Jahr 1512 dürften dem Archiv nicht allzusehr zugesetzt haben. Alle wichtigen Urkunden sind im Original vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes VII. Glaz (1569–1572) veranlasste eine Aufzeichnung und Registrierung der &amp;quot;Pergament-Brieff&amp;quot;. In dem 1570 angelegten Verzeichnis wird das Archiv als „Registratur&amp;quot; bezeichnet. Entsprechend dem damaligen Kanzleigebrauch, dessen Vorbild die Kanzlei des Regiments der niederösterreichischen Lande war, wurden auch in Herzogenburg die Urkunden, damals insgesamt 46 Stück, in einem mit Laden versehenen Kasten und die weniger wichtigen Akten in einem Sack aufbewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1683 wurden das Archiv und die Schatzkammer vor den heranrückenden Türken in das Chorherrenstift Dürnstein verlagert und 1684 wieder zurückgebracht. Die zeitlich nächstfolgende Bestandsaufnahme des Stiftsarchivs erfolgte zwischen 1730 und 1740. &amp;quot;Ain großer mit Eyßen schön beschlagener Casten, hat 36 unterschidliche litterirte gemahlene Laden&amp;quot;. Er diente als Aufbewahrungsort für das als &amp;quot;gehaimbtes Gwölb&amp;quot; bezeichnete Hauptarchiv. Diesem wurden 1745 Schriften und Akten des Hofrichters und des Stiftskämmerers einverleibt. Genaue, nach Grundherrschaften bzw. Sachgebieten angelegte und geordnete Inventarien zeugen von der Sorgfalt, mit der das Stiftsarchiv unter Propst Frigdian I. Knecht (1740–1775) betreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte im Streben nach dem Wissen über die eigene Vergangenheit die ersten wissenschaftlichen Bearbeitungen des Urkundenbestandes durch die Herzogenburger Chorherren [[Wilhelm Bielsky]] (Die ältesten Urkunden des Kanonikatsstiftes St. Georgen in Unterösterreich von 1112–1244, Wien 1852) und [[Michael Faigl]] (Die Urkunden des regulierten Chorherrenstiftes Herzogenburg vom Jahre seiner Übertragung von St. Georgen 1244–1450, Wien 1886).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich wurde in den Jahren 1930 bis 1935 der unübersehbare Bestand an Akten und Büchern durch Dr. Göhler geordnet und durch eine Zettelkartei der Forschung zugänglich gemacht. In der insgesamt 1.745 Urkunden umfassenden Urkundenreihe vom Stiftsarchiv Herzogenburg gibt es neben einer Vielzahl von Stiftungs- und Schenkungsurkunden auch Urkunden von Päpsten und Landesfürsten. Die älteste Papsturkunde wurde 1177 von Papst Alexander III. ausgestellt, die erste in deutscher Sprache abgefasste Urkunde stammt aus dem Jahr 1292.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als einzigartiges Dokument soll eine Urkunde Erwähnung finden, die von Mönchen des Katharinenklosters am Sinai und Chorherren des Stiftes Herzogenburg im Jahr 1491 gezeichnet wurde. Damals haben zwei griechische Sinaimönche Herzogenburg besucht und mit den hiesigen Chorherren eine Gebetsverbrüderung geschlossen und besiegelt – ein merkwürdiges und einmaliges Zeugnis für die Verbindung der Ost- und Westkirche im ausgehenden Mittelalter nach dem Fall von Konstantinopel (Sta. Hn. 538).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Grundbücher, wertvolle Unterlagen zur Erforschung der Besitz- und Bevölkerungsgeschichte im Raum Herzogenburg, wurden im 12. Jahrhundert angelegt. Hinzu tritt jene Masse des Archivmaterials, die als Akten des adeligen Richteramtes über die Untertanen aus der Amtstätigkeit des Stiftes erwachsen sind: Grundbuchsakten ab 1340, Testamente ab 1500, Verwaltungsakten über den Oberen Markt Herzogenburg, Korrespondenzen mit den umliegenden Grundherrschaften. Diese Schriftstücke zeigen den Kampf des Stiftes um seine Rechte und Besitzungen, unter welchen besonders Fischerei- und Wasserrechte auf der Traisen und Jagdrechte in den Auen im Vordergrund stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Rechnungsbüchern und Rechnungsakten finden sich genauere Aufzeichnungen über den Bau der barocken Stiftsgebäude und der inkorporierten Pfarrkirchen mit ihren Pfarrgebäuden. Eigenhändige Unterschriften auf den Quittungen sind zu finden von Jakob Prandtauer, der Familie Munggenast, Bartolomeo Altomonte, Daniel Gran, vom Salzburger Steinmetzmeister Jakob Mösl, vom Wiener Goldschmied Johann Caspar Holbein und vielen anderen. Bei der Durchsicht von unbearbeiteten Archivmaterialien konnte ein eigenhändig geschriebener Brief von Martin Luther von 1541 aufgefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Auflösung der Chorherrenstifte St. Andrä und Dürnstein kamen deren Archive nach Herzogenburg. Propst Michael Teufel (1781–1809) hat sich sehr um ihre Erhaltung und sichere Aufbewahrung bemüht. Die älteste Urkunde von St. Andrä ist eine Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. aus dem Jahr 998 (Sta. An. 1). Die Stiftungsurkunde von St. Andrä stammt aus dem Jahr 1160 und ist mit 44 Zeugen belegt (Sta. An. 4). Zu erwähnen ist noch eine prunkvolle Ernennungsurkunde des Chorherren Johannes Zwickl zum Kommissär für den Türkenablass des Papstes Innozenz VIII. von 1490 in teilvergoldeter Schrift mit reichen Initialen (Sta. An. 208). Alle drei Dokumente zählen zu den Zimelien dieser Urkundenreihe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Archiv der Chorherren von Dürnstein ist der Stiftungsbrief vom 18. Februar 1410 (Sta. CDn 147) der absolute Höhepunkt. Der linke Rand dieser Urkunde ist mit einer Reihe von höchst bedeutenden Miniaturen versehen, die sowohl der böhmischen wie der Wiener Buchmalerei des frühen 15. Jahrhunderts nahestehen. Die angehängten sechs Siegel sind noch vorhanden. Zwei im selben Jahr ausgestellte Urkunden tragen schöne Initialmalereien (Sta. CDn 149 und 150).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Im Gegensatz zum &amp;quot;Archiv Herzogenburg&amp;quot; sind die Urkunden, Bücher und Akten der drei anderen Archive noch nicht publiziert und daher wissenschaftlich noch wenig ausgewertet. &lt;br /&gt;
Derzeit (1995) wird die Einrichtung des Archives erneuert und auf den letzten technischen Stand gebracht. Damit ist auch der Wunsch verbunden, dass die letzten 150 Jahre archivmäßig aufgearbeitet werden.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Historische Namensformen===&lt;br /&gt;
* WEIGL, Heinrich, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, 8 Bde., Wien 1964–1981.&lt;br /&gt;
* SCHUSTER, Elisabeth, Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, 1. Teil (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B), Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
* HAUSNER, Isolde / SCHUSTER, Elisabeth, Altdeutsches Namenbuch, Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politische und kirchliche Topographie===&lt;br /&gt;
* WOLF, Hans, Niederösterreich (Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 6. Teil), Wien 1955.&lt;br /&gt;
* RUPP / SCHMIDTBAUER, Herzogenburg, 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Franz Reininger: Die Wiegendrucke der Stiftsbibliothek Herzogenburg. In: Mitteilungen des Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 12 (1908), S. 109–127.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Katalog der Handschriften der Stiftsbibliothek Herzogenburg. St. Pölten 1978. [https://manuscripta.at/diglit/winner_1978_1/0001 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Mayo Hope: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed for the Hill Monastic Manuscript Library, Austrian Libraries. Volume III: Herzogenburg. Collegeville, Minnesota, 1985. [https://archive.org/details/HMMLAustriaInventory3 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Franz Lackner: Datierte Handschriften in niederösterreichischen Archiven und Bibliotheken bis zum Jahre 1600. Wien 1988 (Katalog der datierten Schriften in lateinischer Sprache in Österreich, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kunst- und Baugeschichte===&lt;br /&gt;
* HEIDER, Gerhard / HÄUFLER, J. V., Archäologische Notizen (Archiv für österreichische Geschichte II/1), Wien 1850, 139–178.&lt;br /&gt;
* RIESENHUBER, Martin, Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Bistums St. Pölten, St. Pölten 1923.&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer. Der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* PETERMAIR, Hans, Die bauliche Anlage der Stifte in Altenburg, Herzogenburg und Seitenstetten und ihre baukünstlerischen Beziehungen im Mittelalter und in der Barocke, masch.geschr. techn. Diss., Wien 1934.&lt;br /&gt;
* STEINER, Ubald, Die Stiftskirche zu Herzogenburg. Beiträge zur Baugeschichte nach Aufzeichnungen des Propstes Georg Baumgartner, in: Pfarramtliche Nachrichten für den Kirchensprengel Herzogenburg 21 (1935), Nr. II/12.&lt;br /&gt;
* MUNGENAST, Emmerich, Joseph Munggenast. Der Stiftsbaumeister 1680–1741, Wien 1963.&lt;br /&gt;
* FEUCHTMÜLLER / WEBER, Stift und Kunstschätze, 1964.&lt;br /&gt;
* HEINZL, Brigitte, Bartolomeo Altomonte, Wien/München 1964.&lt;br /&gt;
* BIBA, Otto, Die Orgelakten des Stiftes Herzogenburg, in: Unsere Heimat, Zeitschrift des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 41 (1970), Heft 1, 9–24.&lt;br /&gt;
* GÜTHLEIN, Klaus, Der österreichische Barockbaumeister Franz Munggenast, phil. Diss., Heidelberg 1973.&lt;br /&gt;
* KNAB, Eckhart, Daniel Gran, Wien/München 1977.&lt;br /&gt;
* CÄSAR, Menz, Das Frühwerk Jörg Breus des Älteren, Augsburg 1982.&lt;br /&gt;
* EGGER / HESSLER / PAYRICH / PÜHRINGER / FASCHING, Stift Herzogenburg, 1982.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Hermann-Fichtenau: Der Bildersaal im Stift Herzogenburg, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 38 (1984).&lt;br /&gt;
* SERVUS, Die Entstehung der barocken Klosteranlage, 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Moseneder: Passau im Gedächtnis Herzogenburgs. Zur Ikonologie des Augustiner-Chorherrenstift. In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch 31 (1989), S. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;##&amp;lt;/span&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* Karl Thomas (Bearb.): Die Baumeisterfamilie Munggenast. Sonderausstellung des Stadtmuseums St. Pölten anläßlich des 250. Todestages von Joseph Munggenast. St. Pölten 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Oskar Freiherr von Mitis: Studien zum älteren österreichischen Urkundenwesen. 5 Bände. Wien 1906–1912.&lt;br /&gt;
* Franz Stundner: Das Archiv des Stiftes. In: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Hg. von Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber. Herzogenburg 1964, S. 83–86.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sonstige Literatur===&lt;br /&gt;
* Georg Baumgartner: Herzogenburg. In: Topographie von Niederösterreich. Band IV. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Wien 1896, S. 209–238.&lt;br /&gt;
* Gerhart Egger / Walter Hessler / Wolfgang Payrich / Leonore Pühringer / Herbert Fasching: Stift Herzogenburg und seine Kunstschätze. St. Pölten 1982.&lt;br /&gt;
* Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Herzogenburg 1964.&lt;br /&gt;
* Maximilian Fürnsinn: Stift Herzogenburg 1938–1945. In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 22/4 (1975), S. 132–140.&lt;br /&gt;
* Maria Hasitscha-Köck: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg während der Zeit des Propstes Michael Teufel von 1781 bis 1809. Diss. Univ. Wien. Wien 1973.&lt;br /&gt;
* Andreas Karl Kaiser: 975 Jahre Pfarre Herzogenburg (1014–1989). Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1989.&lt;br /&gt;
* Gerhard Nikodim: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg von 1513 bis 1602. Diss. Univ. Wien. Wien 1968.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich: Das Stift Herzogenburg. Die 875-jährige Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen-Herzogenburg von 1112–1987. Dipl.-Arb. Univ. Linz. Linz 1987.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich / Hans Peter Schmidtbauer: Unsere Kirche lebt. 200 Jahre Stiftskirche Herzogenburg. St. Pölten 1985.&lt;br /&gt;
* Anton Rupp / Hans Peter Schmidtbauer: Herzogenburg. St. Pölten / Wien 1991.&lt;br /&gt;
* Werner Sandner: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg von 1244 bis 1513. Diss. Univ. Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Frigdian Schmolk: Stift der regulirten lateranensischen Chorherren zu Herzogenburg in Nieder-Oesterreich. In: Ein Chorherrenbuch. Geschichte und Beschreibung der Bestehenden und Anführung der aufgehobenen Chorherrenstifte. Augustiner und Prämonstratenser in Österreich-Ungarn, Deutschland und der Schweiz. Hg. von Sebastian Brunner. Würzburg 1883, S. 200–263. [https://books.google.at/books?id=GoJJAAAAIAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA199-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Harald Servus: Die Entstehung der barocken Klosteranlage in Herzogenburg und ihre geschichtlichen Voraussetzungen. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1987.&lt;br /&gt;
* Egon Wahl: Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit besonderer Berücksichtigung der rechtlichen, besitz- und personalgeschichtlichen Verhältnisse. Diss. Univ. Wien. Wien 1945.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10738</id>
		<title>Stift Herzogenburg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10738"/>
		<updated>2023-06-25T11:10:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1112&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (seit 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Stift St. Georgen&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}, Niederösterreich&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.28677, 15.69721&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Georg&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Herzogenburg gehört zum Bezirk St. Pölten.&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift_Herzogenburg.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Herzogenburg, kolorierte Radierung von Lorenz Janesch (um 1810), Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), Kartensammlung, Fideikommissbibliothek-Vues, Österreich-Ungarn, Niederösterreich H-La, Herzogenburg KAR MAG, online unter: http://data.onb.ac.at/rec/baa12918499&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Bischof [[Ulrich I. von Passau]] (1092–1121) stiftete mit der Gründungsurkunde vom 18. August 1112 ein Eigenkloster für Augustiner-Chorherren, auf einem Grundstück an der Mündung der Traisen in die Donau gelegen, das er geerbt hatte und worauf sich bereits eine Georgskirche befand. Wahrscheinlich sandte er aus dem reformierten [[Stift St. Nikola]] bei Passau Chorherren nach St. Georgen an der Traisen. Als seelsorgliches Aufgabengebiet und als Existenzgrundlage übergab der Bischof seinem Kloster St. Georgen die beiden Pfarren Traisenburg (heute Stollhofen) und Herzogenburg. Außerdem erhielt das Stift die bischöflichen Zehentrechte im oberen Waldviertel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten war die Existenz des Klosters einerseits von den Hochwassern der Donau und andererseits von der wirtschaftlichen Schwäche infolge zu geringer Dotierung bedroht. Eine Gelegenheit zur Besserung der Lage des Klosters ergab sich dreißig Jahre nach der Gründung, als ein lokaler Adeliger namens Walter von Traisen testamentarisch die Gründung eines Chorherrenklosters verfügte. Der Passauer Bischof [[Konrad]] (1148/49–1164), ein Sohn des hl. Leopold, wollte das Kloster St. Georgen mit dieser Stiftung in St. Andrä an der Traisen vereinigen und den Konvent dorthin verlegen. Nach dem Widerstand des Testamentvollstreckers Otto III. von Rehberg erfolgte jedoch noch im 12. Jahrhundert eine eigenständige Gründung des [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stiftes St. Andrä an der Traisen]]. Bischof Konrad verbesserte in den Jahren 1158 und 1160 die Situation des Stiftes St. Georgen, indem er dem Kloster, das in den sumpfigen Donauauen lag, eine Frischwasserzuleitung ermöglichte und außerdem den Chorherren die [[Pfarre Marquardsurvar]] (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Haitzendorf|Haitzendorf]]) und den Schwaighof bei Zeiselmauer schenkte. Unter den späteren Schenkungen an das Kloster während der Regierungszeit von Propst [[Wisinto II.|Wisintos II.]] (1191–1204) ist ein Stiftungsbrief von 1201 bemerkenswert, der ein Nonnenkloster in St. Georgen voraussetzt. In einer Urkunde aus der Zeit um 1230 werden die Schwestern Kunigunde und Ehrentraud von Zebing als Kanonissen von St. Georgen genannt. Dieser Frauenkonvent ist anlässlich der Übersiedlung des Männerklosters nach Herzogenburg auch mitverlegt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Engelschalk]] (1242–1267), dem zwölften Propst des Stiftes St. Georgen, erfolgte schließlich die Verlegung des Klosters, der Konvent übersiedelte im Jahr 1244 an seinen Pfarrort Herzogenburg. In der Übertragungsurkunde vom 19. März 1244 übereignete Bischof [[Rudiger]] von Passau dem Konvent die Passauer Pfarre Herzogenburg mit allen Rechten. Das Stift memoriert den Bischof als seinen „zweiten Gründer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spätmittelalter=== &lt;br /&gt;
Nach der Übersiedlung des Konvents nach Herzogenburg erfolgte der Bau einer Klosteranlage sowohl für den Männer- wie für den Frauenkonvent. Im Pfarrbezirk „auf der Widem“ entstand ein eigener Gerichtsbezirk des Stiftes, der sogenannte „Obere Markt Herzogenburg“. Der „Untere Markt Herzogenburg“ unterstand dem bayerischen Stift Formbach am Inn.&lt;br /&gt;
Im 14. Jahrhundert war die wirtschaftliche Lage des Klosters zunächst stabil, Propst [[Siegfried]] erwarb ein Haus in Wien in der Singerstraße. Der folgende Propst [[Nikolaus I. Payger von Würmla]] (1361–1374) klagte in seinen Aufzeichnungen über Missernten, Kriegssteuern an Herzog Rudolf IV. und Verschuldung seines Klosters. Die Herzöge Albrecht III. und Leopold III. gewährten dem Stift Privilegien, weil „der probst und das gotzhaus ze Herzogenburg in grozzer geltschulde und kumber sind“. Propst [[Johannes III.]] (1401–1433) einer der längstregierenden Pröpste, erreichte von den Herzögen Wilhelm und Albrecht IV. die Begünstigung, im Schankhaus des Stiftes, dem &amp;quot;Mühlhofkeller&amp;quot;, zwölf Fass Wein ohne Ungeld (Steuer) ausschenken zu dürfen. Unter Propst Johannes III. fand eine Stiftsreform nach den Bestimmungen des Konstanzer Konzils statt. Bei der Visitation im Stift Herzogenburg 1418 war nachweislich auch der erste Propst des [[Stift Dürnstein|Chorherrenstiftes Dürnstein]], das 1410 im Geist der Raudnitzer Reform gegründet worden war, anwesend. Und so wurden die Raudnitzer Statuten auch in Herzogenburg Grundlage einer Erneuerung. Propst Johannes war auch ein Förderer der Lateinschule des Stiftes.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert waren Markt und Stift Herzogenburg wiederholt von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. In den Hussiteneinfällen verloren etliche Bürger und Chorherren ihr Leben. Die Regierungszeit des Propstes [[Ludwig Gössel]] (1457–1465) fiel in die Zeit der Nachfolgekämpfe unter Kaiser Friedrich III., in der böhmische, mährische. ungarische und auch einheimischen Söldnerverbänden in Niederösterreich plünderten. Im Jahr 1463, am dritten Tag nach dem Osterfest, wurde Herzogenburg von böhmischen Söldnerscharen unter ihrem Anführer Georg von Vetau eingenommen und verwüstet. Wahrscheinlich erlosch damals auch der Konvent der Kanonissen, oder er fand durch Mangel an Klostereintritten schon früher ein Ende. Im Lauf des Jahres 1465 begannen die Chorherren mit dem Wiederaufbau des Stiftes. Dieser zweiten gotischen Bauphase des Stiftes sollte aber kein langer Bestand gegönnt sein, denn schon 1477 belagerten und eroberten die Soldaten des ungarischen Königs Matthias Corvinus nach ihrem Sieg über Kaiser Friedrich III. Herzogenburg. Wieder brannte das Kloster nieder. Der nach St. Pölten geflohene Propst konnte seine in Rudolfsberg bei Wagram gefangengehaltenen Mitbrüder erst nach Bezahlung eines hohen Lösegelds in die Ruinen seines Klosters zurückführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Georg I. Eisner]] (1484–1513) wurde mit dem Wiederaufbau des Klosters begonnen. Dieser Propst konnte durch sorgfältige Verwaltung und durch Schenkungen des Matthias Corvinus, der die Verwüstungen seiner Söldner wieder gutzumachen versuchte, die wirtschaftlichen Verhältnisse seines Hauses sanieren und das Stiftsgebäude repräsentativ auszustatten. 1498 gewährte Papst Alexander VI. ihm und allen seinen Nachfolgern den Gebrauch der Mitra, des Stabes und Ringes und der anderen Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7. Mai 1512 brach in einem Haus auf dem Unteren Marktplatz ein Brand aus, der auch auf die Widem übergriff. Das Feuer griff auch auf das Kloster über, alle Zellen der Brüder und das Winterrefektorium brannten aus. Außerdem wurden das Infirmarium, die Dechantei, die Bibliothek und die Sakristei zerstört. Das Feuer sprang auch auf das Mariensacellum über und vernichtete dort die Orgel. Ebenso brannte die Schule nieder. Die Kirchenausstattung – die Tafelbilder und die Altäre – wurde verschont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation bis Barock=== &lt;br /&gt;
Im Jahr der Wahl des hochgelehrten Propstes  [[Johannes V. Bernhard von Nußdorf]] (1517–1533) veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen und löste eine Reformationsbewegung aus, in der Klosterleben zunehmend kritisch beurteilt wurde. Unter Propst [[Bernhard I. Schönberger]] (1533–1541) legte der Chorherr Johann Peurl die priesterliche Kleidung ab und verließ seinen Orden, Neueintritte blieben zunehmend aus. In wirtschaftlicher Hinsicht hatte Propst Bernhard mit den Belastungen der den Klöstern vorgeschriebenen Abgaben zur Finanzierung der Kriege gegen die Osmanen zu kämpfen und konnte die Steuerleistungen nur durch den Verkauf des Stiftshauses in Wien erbringen. Für viele Jahre war Bernhard der letzte frei gewählte Propst von Herzogenburg. Die nun folgenden Pröpste waren Weltpriester oder stammten aus anderen Ordenshäusern, wurden postuliert oder vom Kaiser ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Wunsch Kaiser Ferdinands I. wurde [[Philipp von Maugis]] (1541–1550) zum Propst bestimmt. Philipp entstammte einer adeligen belgischen Familie, war ab 1545 Regent der niederösterreichischen Landesregierung und Erzieher der Söhne Ferdinands I. Noch im Jahr seines Amtsantrittes trat in Herzogenburg, wie in vielen Orten Österreichs, die Pest auf, an der täglich bis zu 30 Personen starben. Alle Chorherren im Stift mit Ausnahme des Propstes und eines Konventualen fielen der Seuche zum Opfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philipps Nachfolger war [[Bartholomäus von Cataneis]] (1550–1563). Er entstammte einer vornehmen italienischen Familie aus Bergamo, war palatinischer Graf, apostolischer Protonotar und oberster Hofkaplan. Durch sein Administrationstalent gelang es ihm, das Stift über die finanziellen Hürden zu bringen. Wegen seiner Tüchtigkeit wurde er zum Administrator von Göttweig bestellt (1556–1563). Der Klosterrat bemängelte bei seiner Visitation allerdings die Konkubinate der Stiftsherren und deren protestantische Gesinnung. Die Kommissäre erteilten dem Propst einen strengen Verweis und befahlen ihm, den Dechant abzusetzen und einzusperren. Nach dem Visitationsbericht vom Jahr 1561 befanden sich im Stift Herzogenburg nur mehr vier Konventualen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krisenzeit des Stiftes wurde der Prälat von St. Andrä [[Johannes VI. Pülzer]] (1563–1569) zum Propst bestimmt. In seinem Wahlinstrument hieß es, er sollte baldmöglichst die Zahl der Chorherren ergänzen, da sich dieselben fast alle &amp;quot;verloffen&amp;quot; hätten. Wirtschaftskrisen, Hungersnot, Erhöhung der Steuern und die Tatsache, dass viele seiner Mitbrüder lutherisch wurden, trieben Propst [[Johannes VII. Glaz]] (1569–1572) zu einem Verzweiflungsakt: in der Nacht des 14. September 1572 floh er in Begleitung eines Dieners aus dem Stift.&lt;br /&gt;
Nun folgte ein Mann aus dem eigenen Haus, [[Jakob Reisser]] (1573–1577). Durch seine Sparsamkeit und energische Haltung ging es sowohl finanziell als auch disziplinär im Stift aufwärts. Im Visitationsbericht wurde vermerkt, dass er keine goldene Kette und auch keine kostbaren Kleider trug, keine Spiele gestattete und die Musik bei Tisch abgeschafft habe. Außerdem hätten Propst und Konventualen keine Konkubinen. Er bemühte sich, Mitarbeiter aus dem Ausland zu bekommen, um die Ausbreitung der lutherischen Lehre zu stoppen. Denn die Gemeinde Herzogenburg war zum Großteil schon protestantisch und die Pfarrkinder gingen bereits in die umliegenden Ortschaften, um bei den &amp;quot;sektischen Predigern&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod postulierte der Klosterrat den Propst des [[Stift St. Dorothea|Chorherrenstiftes St. Dorothea]] in Wien, [[Georg II. Brenner]] (1578–1590). Georg war Hofkaplan bei Kaiser Maximilian II. gewesen und der Klosterrat schlug ihn 1588 als Bischof von Wiener Neustadt vor. Er strebte den Erwerb des Unteren Formbacher Marktes Herzogenburg, der noch immer großteils protestantisch war, an, scheiterte jedoch. Die Trennung beider Märkte Herzogenburg blieb bis 1806 bestehen. Propst Georg Brenner setzte aber Maßnahmen gegen das Luthertum durch, Herzogenburger Bürger, die zu den „Predikanten ausliefen“, wurden mit schweren Strafen bedroht. Ebenso mussten die Herzogenburger ihre Kinder in die katholische Schule schicken und dem Gesinde wurde verboten, sich während des sonntäglichen Gottesdienstes in Wirtshäusern oder auf Spielplätzen aufzuhalten. Kirche, Kloster- und Wirtschaftsgebäude wurden unter Propst Georg Brenner renoviert und ausgebaut, Messgeräte, Bücher und Musikinstrumente angekauft. Der Lesehof in Königstetten wurde renoviert und der Hof von Klosterneuburg fast zur Gänze neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Krankheit stand dem Propst in den letzten Jahren [[Paul Zynkh]] als Koadjutor zur Seite. Da es nach dem Tod des Propstes bei der Neubesetzung zwischen Klosterrat und dem Passauer Bischof zu Unstimmigkeiten gekommen war, verwaltete Paul Zynkh über ein Jahr als Administrator das Stift, bis er zum Propst gewählt wurde (1591–1602).Er setzte die gegen den Protestantismus gerichteten Maßnahmen seines Vorgängers fort und bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg, dessen Predigttätigkeit zu einer Rekatholisierung führte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der ständigen Gefahr von osmanischen Einfällen wurden die Verteidigungsanlagen des Klosters gemäß dem kaiserlichen Mandat ausgebaut und die Rüstkammer des Stiftes mit modernen Waffen versehen. Während eines halbjährigen Kuraufenthaltes des Propstes in St. Pölten entbrannte eine heftige Auseinandersetzung zwischen dem Stiftsdechant und dem Konvent. Der kranke Propst kehrte zurück und hielt ein Kapitel. Der Dechant wurde abgesetzt und im Lauf von drei Wochen bei Wasser und Brot „dasig“ gemacht. Die letzten drei Jahre seines Lebens war Propst Paul Zynkh Deputierter der niederösterreichischen Stände und hielt sich oft in Wien auf. Aus diesem Grund kaufte er dort 1601 ein Wohnhaus, den „Heidelberger Hof“ in der Annagasse. Das Gebäude ist heute noch im Besitz des Stiftes und trägt den Namen Herzogenburgerhof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Landesebene konnte der Protestantismus Schritt für Schritt zurückgedrängt werden. Propst Paul bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg. Dieser konnte durch seine eindrucksvollen Predigten viele Protestanten des Marktes zum katholischen Glauben zurückführen. Um die Jahrhundertwende war Herzogenburg wieder eine vorwiegend katholische Gemeinde. In den Dörfern ging die religiöse Erneuerung langsamer vor sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als [[Melchior Kniepichler]], ehemaliger Propst des Stiftes Dürnstein, von König Matthias als Propst postuliert wurde (1609–1615), protestierte der Herzogenburger Konventuale [[Johannes Held]] in einem Schreiben an den Passauer Offizial, weil Propst Melchior in St. Andrä (1592–1599) &amp;quot;Schulden gehäuft und von dann gezogen sei&amp;quot;, er habe dann &amp;quot;Tirnstain ohne Schulden angetreten und gehe nun mit Schulden weg&amp;quot; (1599–1609); beide Male in Folge seiner verschwenderischen Freigiebigkeit gegen Verwandte und Freunde. Weiters klagt er, dass Melchior dem Trunke ergeben und &amp;quot;in diesem Zustand unausstehlich streitsüchtig sei.&amp;quot; Schließlich, dass Melchior das weibliche Geschlecht liebe und gerne Tanzunterhaltungen besuche. In den Klosterratsakten hieß es, &amp;quot;dieser Mann war mehr Schelm als Mönch&amp;quot;. Am 26. Juli 1615 kam eine Untersuchungs- und Strafkommission nach Herzogenburg. Aufgrund der strengen Linie von Bischof Melchior Klesl wurde der Propst gefangen nach Wien geführt, verhört und einige Monate eingesperrt. Erst nach drei Jahren wurde Melchior rehabilitiert und zum zweiten Mal zum Propst von Dürnstein bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Wahlturbulenzen in den folgenden Jahren bestimmte Kaiser Ferdinand II. den Dechant des Kathedralstiftes Seckau [[Martin III. Müller]] zum Vorsteher in Herzogenburg (1621–1640). Er war ein eifriger Förderer der Gegenreformation, reformierte das klösterliche Leben und führte neue Statuten ein. Er erreichte auch, dass ihm die [[Pfarre Hain]] wieder zurückgegeben wurde, wo bisher nur protestantische Prediger angestellt waren. Den Konflikt mit der dort tonangebenden protestantischen Familie der Jörger konnte erst sein Nachfolger [[Johannes Bauer]] (1640–1653) beilegen. Propst [[Joseph Kupferschein]] (1653–1669) versuchte ebenfalls auf friedliche Weise die Protestanten zum katholischen Glauben zurückzugewinnen. Er war sowohl ein gelehrter Mann (1641 war er Rektor der Universität in Wien) als auch ein tüchtiger Wirtschafter. Propst [[Anton Sardena]] (1669–1687) begann mit viel Schwung die weiteren Restaurierungsarbeiten bzw. die Barockisierung des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679/80 wütete die Pest in Herzogenburg und kostete viele Menschen das Leben. In der Stiftsgeschichte von Dechant Beyer wird auch das Erscheinen eines Kometen vermerkt, der im Jahr 1680 am Fest des hl. Stephan zum ersten Mal erschien und als Vorbote der Osmaneneinfälle interpretiert wurde. Am 14. Juli 1683 erschien eine osmanische Streifschar vor Herzogenburg. Sie ließ den gut befestigten Ort zunächst ungeschoren. Als die Gefahr immer größer wurde, flüchtete der Prälat auf Bitten seiner Geistlichen mit dem Archiv und der Schatzkammer nach Dürnstein. Unter den im Kloster verbliebenen Chorherren befand sich [[Gregor Nast]], der später einen ausführlichen Bericht über die Osmaneneinfälle verfasste. Eine größere Truppe versuchte die Erstürmung des Marktes und schichtete Stroh vor die Markttore, um sie durch Feuer zu zerstören. Die Bürger leisteten mit ihren Schusswaffen allerdings tatkräftigen Widerstand. Zahlreiche Bauernhöfe von Herzogenburger Grundholden wurden jedoch geplündert und niedergebrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zeit erholten sich das Land und die Klöster von den Nachwirkungen der Türkenkriege und mit der Wiederkehr von geordneten Zuständen verbesserte sich auch die wirtschaftliche und religiöse Situation. Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) war lange Jahre ein eifriger Seelsorger und stand als Dechant und späterer Prälat seinen Mitbrüdern auf den Pfarren beim Wiederaufbau bei. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) betrieb die wirtschaftliche Konsolidierung seines Hauses nach dem Krieg und den Wiederaufbau bei Pfarren und Wirtschaftshöfen. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prandtauer wurde 1714 von Propst [[Wilhelm von Schmerling]] (1709–1721) mit einem barocken Neubau des Stiftsgebäudes beauftragt. Nach Schleifung des alten Klosters – nur ein Teil des mittelalterlichen Kreuzgangs blieb erhalten – wurde eine zweihöfige neue Stiftsanlage errichtet, der zweite Hof jedoch baulich nie fertiggestellt. Die von Prandtauer gebauten Trakte sind vornehm und voll künstlerischen Lebens. Einzig an der Ostseite sprengt der Saalbau nach Plänen von Fischer von Erlach die Prandtauersche Fassade: er tritt um eine Achse hervor und überragt sie mit den Oberfenstern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Herzogenburg geborene Propst [[Leopold von Planta]] (1721–1740) schloss die Bauarbeiten ab und besorgte die wirtschaftliche Stabilisierung des Hauses. In seiner Regierungszeit wurde am 18. September 1724 das Stift in die [[Lateranensische Choherrenkongregation]] aufgenommen. Die Pröpste führen seitdem den Titel eines Lateranensischen Abtes. Propst Leopold führte nach dem Beispiel von Klosterneuburg den schwarzen Talar anstelle der weißen Kleidung für seine Mitbrüder ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Frigdian Knecht]] (1740–1775) wurde im Österreichischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen gefangengenommen, um eine Kriegssteuer in der Höhe von 14.000 Gulden zu erpressen. Er wurde nach den Worten des Stiftsdechanten „hin und hergeführt zu Schand und Spott“. Erst nach sechstägiger Gefangenschaft und Zahlung des hohen Lösegeldes konnte der Prälat wieder ins Stift zurückkehren. 1743 entschloss er sich, die Kirche durch den jungen Baumeister Franz Munggenast neu errichten zu lassen. Der Turm wurde 1767 nach Entwürfen von Johann Bernhard Fischer von Erlach durch Matthias Munggenast ausgeführt. Die Architektur dieser Kirche und die Ausstattung durch Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte können zu den großen Leistungen des österreichischen Barocks gezählt werden. In den Pfarren [[Stollhofen]], [[Hain]], [[Rottersdorf]] und [[Brunn]] ermöglichte Propst Frigdian ebenfalls die Barockisierung der Kirchen. Durch die Stiftung von 7.000 Gulden des Wiener Stadtrates Jakob Bodenreiter konnte in Theiß der Pfarrhof neu errichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seines wissenschaftlichen Interesses kaufte der Propst Jahr für Jahr viele wertvolle Bücher, ordnete das Archiv und unterstützte den Aufbau eines eigenen Münzkabinetts. Auf musikalischem Gebiet war sein Mitbruder [[Georg Johann Donberger|Georg Donberger]] tätig. Als Regens chori komponierte dieser unermüdlich und seine Werke sind in den Musikarchiven vieler österreichischer Stifte zu finden. Als Propst Frigdian Knecht nach 35-jähriger Amtszeit im Jahr 1775 starb, hinterließ er ein geordnetes Haus, das spirituell, künstlerisch und wirtschaftlich einen guten Ruf hatte. Er wird auch der dritte Gründer genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Josephinismus bis Gegenwart===&lt;br /&gt;
Propst [[Michael Teufel]] (1782–1809) war Parteigänger von Kaiser Joseph II. und administrierte für ihn die Aufhebungen der Chorherrenstifte St. Andrä an der Traisen und Dürnstein. Das Patent des Kaisers über die Klosteraufhebungen wurde für das Stift St. Andrä an der Traisen wirksam, das nach dem Tod des letzten Propstes [[Gregor Grindler]] 1783 dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde. Das Chorherrenstift Dürnstein wurde 1788 mit dem Stift Herzogenburg vereinigt. Gegen diesen Bescheid erhob zwar der Bischof von St. Pölten Einspruch, doch wurde mit Hofdekret vom 7. Juni 1788 die endgültige Aufhebung Dürnsteins angeordnet. Als durch die Aufhebung der Benediktinerabtei Formbach am Inn der Untere Markt Herzogenburg Staatseigentum wurde, konnte ihn Propst Michael durch geschickte Verhandlungstaktik 1806 kaufen und mit dem Oberen Markt vereinigen. Ein Höhepunkt in der Regierungszeit des Propstes Michael Teufel war die Weihe der neuen Herzogenburger Stiftskirche am 2. Oktober 1785, sie erfolgte durch [[Heinrich Johannes von Kerens]] dem ersten Bischof, der in St. Pölten residierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Koalitionskriegen war Stift Herzogenburg nach der Schlacht im nahegelegenen Dürnstein-Loiben im November 1805 direkt betroffen. Französische Truppen fielen in die Stadt ein, brachen Keller auf und plünderten. Hohe Geldforderungen der französischen Offiziere und Einquartierungen von Soldaten belasteten das Stift schwer. Propst Michael floh während des Krieges mit der Münzsammlung und anderen Kostbarkeiten nach Ungarn in die Abtei Zirc. Kämmerer [[Josef Leuthner]] brachte sich mit den anderen Wertgegenständen auf das Gut Primmersdorf (Waldviertel) in Sicherheit. Im Rahmen des Österreichisch-Französischen Krieges im Jahr 1809 und der zweiten Eroberung Wiens durch Napoleon hatte Herzogenburg wieder unter französischen Truppen, ganz besonders unter den württembergischen Hilfstruppen zu leiden. Bei dieser zweiten Franzoseninvasion kam der Propst allerdings nicht mehr unbehelligt davon. Noch kurz vor seinem Tod wurde er in seinem Zimmer von einem französischen Husaren misshandelt und seines Kreuzes und Ringes beraubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Michael Teufel hat um das Stift beinahe so große Verdienste wie sein Gründer – der Volksmund unterstrich das Weiterbestehen des Stiftes mit dem Bonmot: „Der Teufel hat das Stift gerettet.“ Im Geist der neuen josephinischen Begräbnisordnung wurde er als erster Stiftsvorsteher außerhalb des Ortes auf dem allgemeinen Friedhof in einem bescheidenen Mausoleum bestattet. 1977 wurden die sterblichen Überreste des Propstes exhumiert und neben seinem Grabdenkmal in der Stiftskirche beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Amortisationsgesetze und Religionsfondsabgaben der spätjosephinischen Ära belasteten die Stiftswirtschaft und führten zu erheblicher Verschuldung. Der ehemalige Stiftsdechant Propst [[Aquilin Leuthner]] (1811–1832) konnte das Haus nur insofern aus der finanziellen Not retten, als er von Kaiser Franz I. einen Nachlass der Schulden erreichte. Dem josephinischen Nützlichkeitsgedanken entsprach das Kloster durch Errichtung eines Schulgebäudes auf dem Stiftsgelände im Jahr 1829, dem der Westtrakt des mittelalterlichen Kreuzwegs weichen musste. Die Visitationen des St. Pöltner Bischofs Jakob Frint führten in Herzogenburg zur allmählichen Umsetzung der Klosterreformen der Restaurationszeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Bernhard II. Kluwick]] (1832–1843) erreichte die aus Osteuropa kommende Choleraepidemie auch Niederösterreich. Die Angst vor dieser Seuche veranlasste die Stiftsherren, zur Versorgung der Kranken an den Gangenden sogenannte Choleraöfen zu errichten: „... also die Küche zu weit entfernt ist, um schnell den notwendigen Tee und warmes Wasser herbeizuschaffen.“ Das Lebenswerk von Propst Bernhard war die Erbauung der Pfarrkirche in [[Theiß]].&lt;br /&gt;
Propst [[Karl Stix]] (1843–1847) konnte einen weiteren bedeutenden Schuldenerlass bei Kaiser Franz I. erreichen. Aus Dankbarkeit feierte das Stift jahrzehntelang den Todestag des Monarchen mit dem „Kaiserrequiem“. 1844 konnte er die Jubiläumsfeier der Übertragung des Stiftes von St. Georgen nach Herzogenburg (1244) festlich begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Revolutionsjahr hob am 7. September 1848 hob der Reichstag die bäuerliche Untertänigkeit auf und das Feudalrecht mit Robot und Zehent wurde abgeschafft. Propst [[Josef II. Neugebauer]] (1847–1856) verkaufte in der Folge 1851 das Gut Primmersdorf 1851, das bis dahin der Einbringung der klösterlichen Zehentrechte im nördlichen Waldviertel gedient hatte. Am 8. Oktober 1848 – auf der Flucht von Wien in die Festung Olmütz – kam Kaiser Ferdinand I. mit seinem Gefolge nach Herzogenburg und wurde als Gast im Stift beherbergt. Am selben Abend unterzeichnete der Kaiser ein Manifest „An die Völker meiner deutsch-erbländischen Provinzen“. Am nächsten Morgen zog der Kaiser mit seinem Gefolge weiter. Der Name „Kaisergasse“ in Herzogenburg erinnert noch heute an diese Begebenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1853 gab es eine kanonische Visitation durch den St. Pöltener Bischof Feigerle, und zwei Jahre darauf visitierte auch der Linzer Bischof Rudiger in Vertretung des Kardinals Fürst Schwarzenberg das Stift Herzogenburg. Auch er war sehr zufrieden mit dem Stand des Hauses und „schied mit wahrer Herzensfreude vom Stift“. Auch unter dem nächsten Vorsteher des Stiftes Propst [[Norbert Zach]] (1857–1887) herrschte ein gutes Klima im Haus. Von den 34 Mitgliedern des Stiftes waren 25 Priester in der Seelsorge tätig, vier hatten häusliche Offizien, zwei Kleriker studierten an der theologischen Hauslehranstalt im [[Chorherrenstift Klosterneuburg]], zwei Novizen wurden im Haus in die Lebensordnung der Chorherren eingeführt.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1862 gründete der Stiftskurat und spätere Dechant [[Ferdinand Mann]] den katholischen Gesellenverein, der sich um die seelsorglichen und menschlichen Anliegen der arbeitenden Bevölkerung kümmerte. Die Stadt Herzogenburg begann den Schritt ins Industriezeitalter, als 1874 die Firma Vollrath (Nägel, Schrauben) von Wien nach Herzogenburg/Oberndorf übersiedelte. 1875 folgte ihm Carl Grundmann, ein pensionierter Danziger Lokomotivführer, der sich auf die Erzeugung von Türschlössern spezialisiert hatte. In diese Zeit fällt auch die Planung und der Bau der Eisenbahnlinien im Raum Herzogenburg: Am 3. August 1885 wurde die Strecke Tulln – St. Pölten, am 16. Juli 1889 die Strecke Herzogenburg – Krems eröffnet. Seit dieser Zeit „ist der Markt mit zwei Hauptverkehrsadern der Monarchie“, mit der West- und der Franz-Joseph-Bahn, verbunden. Um der rasch anwachsenden Bevölkerung eine bessere Ausbildung und damit größere Berufschancen geben zu können, wurde die Stiftsschule schon 1867 zu einer Pfarr-Hauptschule erweitert. Heute wird das neben der Stiftskirche gelegene Schulgebäude von der Herzogenburger Sonderschule und der Musikschule benützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das äußere Bild des Ortes änderte sich Mitte des 19. Jahrhunderts. Drei Tore der alten Marktbefestigung wurden abgetragen; ebenso Teile der Ringmauer. Ein Stückchen dieses mittelalterlichen Ensembles ist heute noch im nördlichen Stiftsbereich zu sehen, wo Mauer, Graben, Verteidigungsturm und das einzige noch bestehende Stadttor, das „Au-Tor“, auch „Nordtor“ genannt, erhalten blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Schlacht bei Königgrätz Mitte Juli 1866 drangen die preußischen Truppen bis ins Waldviertel vor und das österreichische Militär zog sich – größtenteils kampflos – auf das südliche Donauufer zurück. Das Stift richtete im Auftrag der k. k. Statthalterei ein Spital für die Soldaten ein. Für seine Verdienste wurde der Propst im Jahr 1879 vom Kaiser mit dem Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet. Während seiner zehnmonatigen Funktion als Administrator des Stiftes veranlasste Dechant Emmerich Wallner die Gestaltung des nach ihm benannten „Emmerichhofes“ im Westtrakt des Stiftsgebäudes.&lt;br /&gt;
In der Person des folgenden Propstes [[Frigdian II. Schmolk]] (1888–1912) vereinigten sich Kirchenfürst und Staatsmann. 1902 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum Landmarschall (Vorsitzender des Landtages). Vier Jahre lang hatte er dieses Amt inne. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der Kaiser die Würde eines Wirklichen und Geheimen Rates und berief ihn auf Lebenszeit als Reichsrat in das Herrenhaus. Um 1900 erreichte das Stift seinen höchsten Personalstand: 40 Konventualen gehörten zum Kloster. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Frigdian wurden in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das Stiftsgebäude, der Turm, die Orgel und das Innere der Kirche restauriert. Dechant Ferdinand Mann ließ auf seine Kosten 1903 den Maria-Lourdes-Altar errichten und die zwei Holzstatuen Herz-Jesu und Herz-Maria in der Kirche aufstellen. 1907 wurde der Zusammenschluss der österreichischen Chorherrenstifte zur „Österreichischen Kongregation der regulierten Lateranensischen Chorherren“ erreicht. Als Konvisitator wurde Propst Frigdian Schmolk gewählt. Eine enge Freundschaft verband Propst Frigdian mit dem Wiener Bürgermeister Karl Lueger. Als dieser tödlich erkrankte, berief er seinen langjährigen Freund zu sich, der ihm die die Sterbesakramente reichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmolks Nachfolger wurde [[Georg III. Baumgartner]] (1913–1927). Mit größter Sparsamkeit und Umsicht lenkte er das Stift durch die wirtschaftlichen Erschütterungen des Ersten Weltkrieges. Er stellte das Sommerrefektorium als Kaserne für die Marschkompanien und den Theatersaal dem Roten Kreuz zur Pflege der Verwundeten zur Verfügung. Vom Krieg selbst wurde Herzogenburg nur mittelbar betroffen: durch die vielen Gefallenen. Ihre Namen sind auf einer Marmortafel, rechts beim Eingang der Kirche, eingemeißelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 ließ Propst Georg das veraltete stiftliche Elektrizitätswerk– die ehemalige Stiftsmühle – in eine moderne Wasserkraftanlage mit Turbinen umbauen, die das Stift und Teile der Stadt Herzogenburg jahrelang mit Strom versorgte. Bedeutende Verdienste erwarb sich Georg Baumgartner durch seine wissenschaftliche Forschung über die Urgeschichte, inspiriert durch die archäologischen Funde aus der Hallstattzeit auf Grundstücken, die zum Stift gehörten. Bis zuletzt arbeitete er mit großer Genauigkeit an der Hausgeschichte und an der Baugeschichte der Kirche und des Stiftes und verfasste weiters den Artikel „Herzogenburg“ in der „Topographie von Niederösterreich“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die allgemeine Wirtschaftskrise machte sich auch im Stift bemerkbar. Das Steueramt St. Pölten drängte immer öfter unter Androhung der Zwangsverwaltung auf Bezahlung der Steuerschulden. Das Kapitel unter Propst Georg sah sich gezwungen, einem Beschluss zum „Verkauf einzelner Wertgegenstände näher zu treten“. Einige wertvolle Kunstgegenstände wurden verkauft. In diese politisch sehr schwierige Zeit fällt eines der größten Ereignisse für Herzogenburg, die Stadterhebung: Am 30. Juni 1927 beschloss der Landtag von Niederösterreich, den Markt Herzogenburg „trotz der verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl“ (2.800) zur Stadt zu erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der spätere Landtagsabgeordnete und Vertreter des Klerus [[Ubald Steiner]] (1927–1946) wurde zum nächsten Propst gewählt. Es gelang ihm, das Stift durch die schwierige wirtschaftliche Lage der dreißiger Jahre zu führen, was den Verkauf mehrerer Grundstücke und Kunstschätze beinhaltete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Sozialdemokratie in den 1920er Jahren wurden auch in Herzogenburg, das durch seine metallverarbeitende Industrie über einen hohen Arbeiteranteil verfügte, vehement geführt. Der Stiftsdechant  und Pfarrer [[Anton Rudolf]] stand im Ruf, „der von den Sozialdemokraten wohl bestgehasste Chorherr“ zu sein. Er war der Typ von Priesterpolitiker, der die ohnehin spannungsgeladenen dreißiger Jahre durch sein Zelotentum und seine nie erlahmenden Bekehrungsversuche an ungläubigen Marxisten eher verschärfte denn beruhigte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Volksabstimmung vom 10. April 1938 brachte in Herzogenburg 2.047 Ja-Stimmen für den Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland und nur fünf Gegenstimmen. In der Folgezeit erhielt Herzogenburg den Namen „Stadt der Treue“. In diesen Jahren wurden die Repressalien gegenüber den kirchlichen Institutionen und der Geistlichkeit immer spürbarer. Die Stiftstaverne und der Theatersaal wurden beschlagnahmt. 400 Herzogenburger traten aus der Kirche aus, und rund 100 Kinder wurden vom Religionsunterricht abgemeldet. Das Herzogenburger Pfarrblatt, das seit 1915 erschien, wurde wegen „Papierknappheit“ 1941 eingestellt. Das Stift wurde von den Nationalsozialisten zwar nicht aufgehoben, war aber in seiner Wirtschaftsführung nicht mehr unabhängig. Teile des Stiftsgebäudes wurden 1940 für ein Einquartierung von bessarabischen Umsiedlern und später auch anderen Flüchtlingen beschlagnahmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum „schwarzen Montag“ wurde der 6. November 1944. 300 Bomben fielen in und um Herzogenburg: 20 Tote und große Sachschäden waren die traurige Bilanz. Am 14. April 1945 rückten nach einer kurzen Kanonade die Sowjets in Herzogenburg ein. Eine Gruppe von Herzogenburgern, unter ihnen Propst Ubald, ging ihnen mit der weißen Fahne entgegen. Die Stiftsgebäude waren durch einige Bombentreffer leicht beschädigt worden, schwerer betroffen waren die Stiftswälder, die durch die Luftangriffe schwere Schäden hatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Georg IV. Hahnl]] (1946–1963) betrieb den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit. Im Jahr 1948 wurden vier neue Glocken der Stiftskirche geweiht. 1942 hatten alle Glocken bis auf die größte, die Pummerin, der Rüstungsindustrie abgeliefert werden müssen. Wissenschaftliche Berühmtheit erlangte Propst Georg durch seine Arbeit auf dem Gebiet der Heimat- und Urgeschichtsforschung. Fast seine ganze Regierungszeit als Propst war allerdings von einer schweren Krankheit überschattet, was sich negativ auf das Klima und die Personalsituation des Stiftes auswirkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Resignation wurde [[Thomas Zettel]]  (1963–1969) zum nächsten Vorsteher des Hauses gewählt. Nach langen Vorbereitungen öffnete 1964 das Stift Herzogenburg seine Räume und Säle für über 100.000 Besucher anlässlich seiner (etwas verspäteten) 850-Jahr-Feier. Der ebenerdige Teil des sogenannten „Altstiftes“, die Reste der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen alten Klosteranlage, war renoviert worden und das spätgotische Refektorium „glänzte“ durch die kurz zuvor freigelegten Fresken von ca. 1500. Daneben im frühbarocken Refektorium waren die Funde aus der Ur- und Frühgeschichte neu aufgestellt worden. Im Barockgebäude wurde im ersten Stock im ehemaligen Gästetrakt eine Ausstellung für die restaurierten Kunstschätze des Stiftes, insbesondere seine Sammlung mittelalterlicher Flügelaltäre, eingerichtet. Im Festsaal, in der Bibliothek, im Bildersaal und in elf weiteren Ausstellungsräumen erlebten und erleben Besucher das künstlerische Erbe des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1965 gab es eine einschneidende wirtschaftliche Umstellung: der Weinbau und die Landwirtschaft konnten in Eigenregie nicht mehr positiv geführt werden, deshalb wurden beide Wirtschaftszweige verpachtet. Der Forst als dritte Einnahmequelle wird bis heute noch selbst geführt, die Jagden sind verpachtet. Das Gebäude, in dem die ehemalige Stiftstaverne befand, wurde an die Stadtgemeinde Herzogenburg verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1977 erreichten die ökumenischen Gespräche und Gottesdienste, die vom späteren Propst [[Maximilian Fürnsinn] initiiert wurden, ihren Höhepunkt in der Ausstellung &amp;quot;Kunst der Ostkirche&amp;quot;. Zum ersten Mal feierten in diesem Zusammenhang die Vertreter aller elf östlichen und westlichen Kirchen in Österreich einen gemeinsamen Gottesdienst in der Herzogenburger Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Stadt Herzogenburg“ wurde die Nordeinfahrt des Stiftes restauriert und der Innenhof nach barockem Vorbild neu gestaltet. In diesem Jahr, 1977, wurde auch der Abschluss der Turmrenovierung gefeiert. Propst [[Clemens Moritz]] (1969–1979) wurde zum Ehrenbürger von Herzogenburg ernannt. Er war nicht ein Prälat im Sinne der prachtvollen Barockzeit – musste er doch einen personellen Tiefstand von nur 14 Mitgliedern erleben – wohl aber im Sinne des Ordensstifters Augustinus ein Seelsorger, besorgt um seine Gemeinde und seine Mitbrüder. Auch nach der Resignation blieb Altpropst Clemens bis zum Jahr 1996 der Pfarrer von Herzogenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit [[Maximilian II. Fürnsinn]] (1979–2019)) bekam das Stift nach 200 Jahren wieder einen gebürtigen Herzogenburger zum Propst. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war zunächst die Renovierung der Stifte und Pfarren. Allein mit einem Kostenaufwand von rund 50 Millionen Schilling wurde das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein in der Zeit von 1985 bis 1995 restauriert. Die zehnjährige Renovierung des Stiftes Herzogenburg wurde im Jahr 2012 abgeschlossen, sie umfasste neben der Fassadensanierung unter anderem die Instandsetzung der musealen Räumlichkeiten. Die neue Dauerausstellung konnte im Jahr 2012, als das Stift das Jubiläum seines 900jährigen Bestehens beging, eröffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den zentralen Anliegen von Propst Maximilian gehörte, dass das Stift – entsprechend der jahrhundertelangen Tradition – eine offene Begegnungsstätte ist. So gehen auf seine Initiative viele Tagungen, Bildungsveranstaltungen und Zusammenkünfte von verschiedenen Institutionen und Vereinigungen zurück. Neben den zuvor erwähnten ökumenischen Treffen haben etwa die Ritter vom Heiligen Grab in Jerusalem der Komturei St. Pölten hier regelmäßige Zusammenkünfte. Besonders erwähnenswert sind die in der Regierungszeit von Propst Maximilian abgehaltenen &amp;quot;Herzogenburger Gespräche&amp;quot;, anlässlich derer mehrmals im Jahr 60 bis 80 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kirche zentrale gesellschaftliche Fragen behandelten. Pastorales Wirken war dem vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägten Seelsorger Maximilian Fürnsinn ein besonderes Anliegen, vor allem die Lebendigkeit in der Pfarrseelsorge lag ihm am Herzen. In der Pfarre Herzogenburg entstand aus einem Kinderfest der Katholischen Jungschar der heute größte Kinderevent Niederösterreichs, die „Niederösterreichischen Kindersommerspiele“ (NÖKISS).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kirchliche Engagement von Propst Maximilian führte dazu, dass er 1982 zum ersten Mal zum Vorsitzenden der niederösterreichischen Äbtekonferenz gewählt wurde. Von 1989 bis 1994 war er Vizepräsident der ökumenischen Stiftung Pro Oriente. Von 1998 bis 2013 war Maximilian Fürnsinn Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 2019 wurde [[Petrus Stockinger]] zum neuen Propst von Herzogenburg gewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Bischof Ulrich I. von Passau (1092–1121) konnte seiner Neugründung, dem Augustiner-Chorherrenstift St. Georgen, nur wenig schenken. In der Gründungsurkunde des Klosters bemühte er daher auch die Heilige Schrift und erwähnt das Opfer der armen Witwe, die nur zwei Kupfermünzen in den Opferkasten des Tempels warf, die aber von Jesus gelobt wurde, weil sie alles gab, was sie besaß. Der Bischof schenkte einiges von seinem persönlichen Besitz her, vielleicht sogar alles, was er in der damaligen Ostmark sein Eigentum nannte. Und das war für die junge Kommunität gerade genug zum Überleben. Katastrophen oder wirtschaftliche Schwierigkeiten durfte es keine geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bischof übergab der Klostergemeinschaft seine ererbte Eigenkirche St. Georgen an der Traisenmündung mit Fischwassern, Weingärten, Wiesen und Wäldern. Ebenso vermachte er aus seinem persönlichen Besitz ein Gut und eine Hube zu Sebarn, eine Hube zu Perschling, Engabrunn und Gumpolding, eine halbe Hube in Pötzleinsdorf (bei Wien) und eine zu Kamp, je einen Weingarten zu Kuffern und Egelsee und zwei Weingärten in Inzersdorf. Aus dem bischöflichen Gut schenkte er drei Weingärten in Hundsheim mit einem Lehen, je einen Weingarten in Stein, Weinzierl und Plechingen (zwischen Stein und Krems), den dritten Teil des Zehents von Teras und Merzleinswerd, die Hälfte des Zehents von den Pfarren Herzogenburg und Traisenburg sowie das ganze Dorf Streithofen (im Tullnerfeld). Einige Jahre später schenkte Bischof Ulrich zur Aufbesserung noch sechs Weingärten dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der wirtschaftlichen Not des jungen Stiftes versuchte nun 1160 Bischof Konrad von Passau (1148–1164) mit einer (gefälschten) Urkunde zu helfen, in der er das neuzugründende Stift St. Andrä mit St. Georgen vereinigte. Dieser Zusammenschluss scheiterte am Widerstand Ottos von Rechberg, der schließlich ein eigenständiges Kloster St. Andrä errichten konnte. Als Entschädigung übertrug Bischof Konrad dem Stift St. Georgen die Pfarre Marquardsufer und den Schweighof bei Zeiselmauer, um der &amp;quot;materiellen Not des Stiftes abzuhelfen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam konnte das Stift in den folgenden Jahrhunderten seinen Besitz durch Schenkungen vermehren, wobei das Waldviertel und das untere Traisental zu Schwerpunkten der Besitzungen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Urkunde von 1163 werden als Zeugen zuerst die Äbte von Göttweig und Zwettl, der Propst von St. Pölten und dann der Propst von St. Georgen, Albert, angeführt. 25 Jahre später kommt Propst Berthold von St. Georgen in der Zeugenfolge nach den Äbten von Göttweig, Melk und Altenburg, jedoch vor den Pröpsten von St. Nikolai und St. Andrä. Diesen Platz in der Reihenfolge der niederösterreichischen Stifte nimmt Herzogenburg bis über die Barockzeit ein. Nach den Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II. dürfte das Stift Herzogenburg besitzmäßig an die letzte Stelle gerückt sein. Doch noch einmal zurück ins Mittelalter. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im 12. Jahrhundert konnte das Stift seine Besitzungen durch Kauf, vor allem aber durch Schenkungen vermehren. Die Vielzahl der Schenkungen im Mittelalter sind meist auch ein Zeugnis von guter Spiritualität: einem glaubensstarken Kloster vertraut man eher seine Gebetsanliegen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste große Finanzaufwand war der zweite Neubau des Klosters in Herzogenburg um 1244. Das älteste Zehentverzeichnis, das in das Jahr 1299 zurückreicht, zeigt jedoch schon eine wirtschaftliche Stabilisierung auf. Das Stift besaß nun zehn &amp;quot;Ämter&amp;quot;, i. e. Zehenthöfe, die für die Einhebung der Zehente notwendig waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten waren Abgaben für die Kreuzzüge zu entrichten. Später kamen dann die Steuern für die Finanzierung der Türkenkriege. Verwüstungen durch Kriege, Naturkatastrophen (Heuschreckenplage und Dürre) und Pestepidemien brachten einen wirtschaftlichen Tiefstand für das Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zeichen für das wirtschaftliche Auf und Ab war 1417 der Kauf eines Hauses in Wien, Johannesgasse. 1541 musste es wieder verkauft werden. Bezeichnend für diese schwierige Zeit war auch der Personalstand: 1569 war nur mehr ein Konventuale im Stift. Als 1601 wieder ein Haus in Wien, diesmal in der Annagasse, gekauft wurde, war dies zugleich auch ein Zeichen des neuen Erstarkens: sowohl wirtschaftlich als auch personell. Das Stift wurde renoviert, die Kirche barockisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Abwehr der Türken 1683 konnte das Stift im wirtschaftlichen Aufwind weitere Akzente setzen: ein Gut in Primersdorf (Waldviertel) wurde gekauft und ein großer, neuer Schüttkasten errichtet. In Wielandsthal wurde der Keller und in Haitzendorf der Pfarrhof von Prandtauer errichtet. Im barocken Neubau des Stiftes (ebenfalls von Prandtauer) und der dazugehörigen Kirche kam die wirtschaftliche Kraft zum Ausdruck. Allerdings mussten dafür Weingärten in Mautern, Mauternbach und Sallapulka, eine Mühle von St. Georgen, Meierhöfe in Reith bei Primersdorf, Großhain, Schwarzenbach usw. für eine Gesamtsumme von 17.600 Gulden verkauft werden. Das war ungefähr ein Drittel des Prandtauischen Kostenvoranschlages für den Neubau des Stiftes (54.000 Gulden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wirtschaftliches Tief lösten die napoleonischen Kriege und die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aus: 1851 wurde das Gut Primersdorf im Waldviertel veräußert. Jahre vorher konnte das Stift nur durch einen großzügigen Schuldenerlass von Kaiser Franz I. vor einem finanziellen Ruin gerettet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Stift nur durch den Verkauf von Grundstücken und von vielen Kunstgegenständen entgegenwirken. Einige Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg kam es wieder zu Veräußerungen von Kunstgegenständen, Teilen von Sammlungen (Mineraliensammlung) und Teilen der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre unter Propst Maximilian waren von einer klugen Wirtschaftspolitik gekennzeichnet. Trotz der bescheidenen Besitzungen von 2.625 ha (2.200 ha Wald, 25 ha Weinbau, 400 ha landwirtschaftliche Nutzung) konnten viele Restaurierungen am Stift und an den Kirchen und Pfarrhöfen vorgenommen werden. Am 29. April 1996 wurde die Außenrenovierung des Stiftes Dürnstein mit einem Gesamtumfang von 50 Millionen Schilling abgeschlossen. Eine Aufgabe für dieses Haus, etwa als Seminar- oder Vortragszentrum, wird noch zu finden sein.&lt;br /&gt;
Wenn auch schon vieles vollbracht worden ist, so warten doch noch weitere Aufgaben für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Vogtei===&lt;br /&gt;
Der Besitz des Bistums Passau im Raum Donau–Traisen stand unter der Vogtei der Babenberger. Diese übten sie durch die Burggrafen von Lengbach (Neulengbach) aus. Urkundlich sind die Vögte des Stiftes Herzogenburg sehr selten belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Übertragung des Stiftes nach Herzogenburg änderte sich in der Vogteiverwaltung nichts. Nach dem Aussterben der Babenberger siegelte 1252 Konrad von Zagging als Vogt des Hauses. Er dürfte in Verbindung mit König Ottokar Przemysl, dem neuen Landesherren, gestanden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Habsburger die Herrschaft übernahmen, wurden die Burggrafen von Neulengbach die Vögte von Herzogenburg. Bestätigt wird diese Annahme durch die Erklärung der Herzöge Wilhelm und Albrecht IV. vom 20. März 1396, in der sie ihre Pflicht zu besonderem Schutz und Schirm des Klosters und seiner Güter bestätigten, da sie ja jährlich das Vogtgeld von 17 Pfund und 6 Schillingen Wiener Pfennig und 1 Muth Hafer vom Stift empfingen. Das Stift Herzogenburg zahlte diese Summe bis zum Jahr 1848 nach Neulengbach, als die Herrschaft längst schon in Privatbesitz übergegangen war und das Vogtgeld umgerechnet nun 17 Gulden und 45 Kreuzer betrug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jenseits der Donau dürften die Kuenringer auf Dürnstein die Vogtei über die Stiftsgüter ausgeübt haben. Nach ihrem Aussterben erging 1356 eine Weisung des Herzogs Albrecht II. an seinen Pfleger in Krems, das Stift Herzogenburg in seinen Rechten und Besitzungen zu schirmen. Im Jahr 1445 übernahmen die Brüder Ulrich, Oswald und Stephan Eytzinger auf Bitten des Propstes die Vogtei auf 15 Jahre gegen die jährliche Abgabe von 6 Muth Hafer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Stift Herzogenburg lag jahrhundertelang wirtschaftlich im Mittelfeld der niederösterreichischen Klöster. So war es auch mit der Zahl der Mitglieder. Die frühen mittelalterlichen Chorherrengründungen waren nicht für riesige Konvente gedacht, sondern die Zahl zwölf war, von Jesus mit seinen Jüngern herkommend, die goldene Zahl. Bei der Gründung von St. Georgen werden wahrscheinlich eine Handvoll Chorherren die Aufbauarbeit an diesem Donaustift begonnen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1200 gab es die erste urkundliche Aufzählung des Konventes: zwölf Priester, drei Konversen (''fratres conversi''), fünf Familiaren und vier Brüder. Einige Jahre nach der Übersiedlung des Konventes von St. Georgen nach Herzogenburg wurden neun Priester, zwei Diakone und vier Brüder (''fratres barbati'') als Zeugen genannt. Ein Stiftshistoriker zählte diese bärtigen Brüder dem adeligen Stand zu, da er sie als Mitglieder von Bauhütten interpretierte, die Baumeister und Städteplaner waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Namen und aus der Stellung in der Zeugenreihe lassen sich auf die Abstammung der Chorherren Schlüsse ziehen. Wir finden im Konvent einige Mitglieder des niederen Adels. Diese Tatsache erklärt einen Teil der reichen Schenkungen des Adels der Umgebung, der so zur Versorgung seiner Söhne beitrug. Ein Nobelstift war Herzogenburg aber nie. Die meisten Novizen kamen aus der Umgebung, vereinzelt aus Oberösterreich, der Steiermark, Kärnten und Salzburg. Die Zusammensetzung des Konvents blieb also durchaus im Rahmen des damals Üblichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert dürfte sich die Zahl der Konventualen zwischen 20 und 25 bewegt haben. Der erste große Verlust kam durch die Ermordung einiger Chorherren bei der Eroberung von Herzogenburg im Jahr 1463 und dann durch die Pest. Die Reformation trug das ihre dazu bei, sodass es beim Tod des Propstes Bartholomäus von Cataneis 1563 wahrscheinlich überhaupt kein Konventmitglied mehr gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann gab es nur ein, später zwei Mitglieder, und mit dem Erstarken der Gegenreformation kam wieder Leben in die Stiftsgemäuer: im 17. Jahrhundert betrug der Personalstand zwischen acht und zehn Mitglieder. In der Barockzeit erreichte er die Zahl 25. Um 1800 waren 27 Priester, ein Kleriker und drei Novizen dem Stift zugehörig. Im 19. Jahrhundert stammten 47 Priester aus Niederösterreich, 21 aus der Tschechoslowakei und acht aus Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Jänner 1900 hatte dann das Haus den Höchststand in seiner Geschichte: von den 40 Mitgliedern waren 35 Priester, vier Kleriker und ein Novize. Im 20. Jahrhundert nahm die Zahl stetig ab, und zur Zeit gehören 13 Priester und drei Kleriker zum Stift. Die Priester stammten im letzen, d. h. im 20. Jahrhundert, zu gleichen Teilen aus dem Arbeiter- und Angestelltenstand bzw. aus der Landwirtschaft und aus Familien selbständig Tätiger (die Väter waren Fleischhauer, Fabrikanten usw.). Der größte Anteil von ihnen waren Niederösterreicher (15), dann Wiener (neun), sechs Priester kamen aus dem heutigen Tschechien. Je zwei stammten bzw. stammen aus Tirol, Deutschland und den Niederlanden. Je ein Professe kommt aus dem Burgenland und aus Belgien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Vom Ursprungskloster in St. Georgen haben sich keine Reste erhalten. Die frühesten Ansichten von diesem Bau stammen aus der Barockzeit. Es ist deshalb schwer zu beweisen, wie weit sie der Wirklichkeit entsprechen. Auf diesen Bildern ist eine Kirche als zentraler Rundbau zu sehen, wie es manchmal in der Romanik üblich war, davor zwei niedrigere Rundtürme mit der Prälatur, links davon der Küchenturm, der einem Rauchabzug ähnlich ist. Rechts von der Kirche befindet sich ein Fluchtturm mit den Glocken. Anschließend sind die Klostergebäude für die Chorherren und Gäste dargestellt. Der Klosterbau ist mit einer Mauer umgeben. Das Ganze ist wahrscheinlich ein liebevoller Versuch, das Ursprungskloster darzustellen. Diese Ansicht entspricht aber keiner romanischen Klosteranlage der damaligen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster in Herzogenburg sind wir besser informiert. Wahrscheinlich wurde 1244 zuerst mit dem Bau eines Konventtraktes begonnen, da der bestehende Pfarrhof für den 15 Mann starken Konvent zu klein gewesen ist. Von dieser Anlage hat sich noch der Südtrakt mit einem Kreuzgangabschnitt erhalten. Bei Renovierungsarbeiten zu Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Sandsteinsäulen mit herzförmigen Kapitellschilden und einfachen Rundsockeln freigelegt, die in die Mitte des 13. Jahrhunderts einzureihen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ehemalige Refektorium wurde zum Teil schon 1894 entdeckt, doch konnten die Fresken erst 1963 vollständig freigelegt werden. Diese Räume waren Teil des Gerichtsgebäudes: Wärterwohnung und Gefängniszellen. An der Südseite des gotischen Saales befinden sich drei Spitzbogenfenster. Den sechsjochigen Raum tragen zwei Steinpfeiler als Mittelstützen. An einem ist die Jahreszahl 1564 zu erkennen, die vielleicht auf eine spätere Renovierung zurückgeht. Ab einer Höhe von 1,70 m befinden sich figurale Wandmalereien. Die einzelnen Darstellungen des Zyklus sind unterschiedlich gut erhalten, zum Teil ist nur noch die rote Vorzeichnung vorhanden. Neben christologischen Szenen sind eine Sterbeszene im Kloster (vielleicht der Tod des Ordensgründers Augustinus) und ein hl. Georg wiedergegeben. Vom zweiten Bild der Nordwand ist die Darstellung des Stifters dieser Bilder Propst Georg Eisner mit seinem Konvent erhalten. Da er ohne Mitra gezeigt wird, ist die Entstehungszeit dieser Fresken kurz vor 1498 anzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der östlich an das Refektorium anschließende frühbarocke Saal wird auf einem Plan mit &amp;quot;Capitl&amp;quot; bezeichnet. Die Jahreszahl 1628 am Ostfenster gibt vielleicht den Abschluss des Umbaus an. Heute wird dieser Saal für das Urgeschichtsmuseum des Stiftes verwendet. Wahrscheinlich besaß dieser Konventtrakt aufgrund der Größe der Stiftsgemeinschaft ursprünglich schon einen ersten Stock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei anderen Flügel des Konventbaues wurden wegen des Kirchen- bzw. Schulneubaus weggerissen. Über die Funktion der Räumlichkeiten sind wir zum Teil durch einen Plan von Johann Michael Hergöth unterrichtet, den er um 1700 gezeichnet hat: ebenerdig gab es drei Sakristeiräume, eine Schneiderei, den Mesnerkeller und das erwähnte Refektorium. Im ersten Stock waren die Zimmer der Chorherren, die Wohnung des Dechants und die Bibliothek untergebracht. Im Kreuzgangbereich lag noch die alte Totenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite des Konventbereiches steht auch heute noch der Kirchenbau. Von der mittelalterlichen Kirche ist nur das gotische Kirchenportal aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten. Aus den Umbauplänen können wir schließen, dass dieser Bau als Pfeilerbasilika auf kreuzförmigem Grundriss errichtet war, ähnlich der Michaelerkirche in Wien. Nördlich der Kirche waren die Kanzleiräume und die Prälatur. Entlang des Baches lagen die Wirtschaftsräume mit einem weithin sichtbaren Fluchtturm (Kuchlturm). Von diesen Gebäuden steht nur noch die Mühle, die heute als Elektrizitätswerk die Wasserkraft nutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm von Schmerling (1709–1721) entschloss sich für den Neubau des Stiftes. Am 25. Mai 1714 wurde dazu der Grundstein gelegt und Jakob Prandtauer wurde mit der Planung und Ausführung betraut. Propst Hieronymus Übelbacher von Dürnstein bezeichnet Prandtauer als &amp;quot;fürnehmen baumeister zu St. Pölten und vielleicht fürnehmsten in ganz Österreich&amp;quot;. Prandtauer begann mit dem Bau des Südtraktes. Der Osttrakt mit dem großen Festsaal wurde nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet. 1720 wurde die Einfahrtshalle aufgeführt. Auch hier dürften Vorschläge von Fischer mitverarbeitet worden sein. Im Quertrakt, zwischen den beiden Höfen, wurden im Erdgeschoß die beiden Sakristeien eingerichtet: Herren- und Prälatensakristei. Die qualitätvollen Stukkaturen gehen auf Michael Bolla, 1717, zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1721 starb Propst Wilhelm Schmerling. Sein Nachfolger Leopold von Planta (1721–1740) ließ weiterbauen, und zur Zeit des Todes von Jakob Prandtauer war das Stiftsgebäude zu einem provisorischen Abschluss gekommen, der aber zum dauernden wurde, denn der Westtrakt des &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; blieb unausgeführt. Propst Leopold ließ vom Nachfolger Prandtauers, dem Stiftsbaumeister Joseph Munggenast, den Meierhof aufführen und in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts den Stiftsbau durch die Errichtung des nördlichen Vorbaues und des Georgitores äußerlich abschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Westtrakt aus Sparmaßnahmen nicht ausgeführt wurde, errichtete der Propst die dort geplante Bibliothek im Mitteltrakt, und die in diesem Teil schon begonnene Prälatur wurde in den Nordostteil des Gebäudes verlegt. Die Gärten ließ er in barocker Manier anlegen und die Brücke über den Mühlbach sowie den &amp;quot;Springbrunn unter dem Großen Saal&amp;quot; mit einigen &amp;quot;Kindln&amp;quot; (Sandsteinfiguren) versehen. Diese Gartenplastiken und auch die Zwergenfiguren aus dem Zwerglgarten sind heute verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leopold kaufte auch vom Wiener Goldschmied Johann Kaspar Holbein einige Brustkreuze, Kelche und vor allem eine wertvolle Monstranz, deren Entwurf auf Matthias Steinl zurückgehen könnte und die im Raritätenkabinett erhalten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung der fertiggestellten Stiftsgebäude erlebte Propst Leopold nicht mehr. Ein Jahr nach seinem Tod wurde die Weihe am Georgstag, den 24. April 1741, von seinem Nachfolger Frigdian Knecht (1740–1775) vorgenommen, der dann auch die &amp;quot;Kapitularen in die neue, freundliche Klausur&amp;quot; führen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich Propst Frigdian zum Neubau der Kirche. Am 26. Juni wurde unter Beisein des Malers Daniel Gran der Grundstein an der Epistelseite der Apsis (rechte Seite der Kirche) gelegt. Die Inschriftplatte aus vergoldetem Kupfer führt Franz Munggenast als Baumeister an. Im selben Jahr, in dem der Rohbau fertig wurde, 1748, starb der junge Baumeister mit 24 Jahren. Seine Genialität wird an dieser Kirche, die zu den großen Leistungen des österreichischen Barock gezählt werden darf, sichtbar. Sein Bruder Matthias folgte als Stiftsbaumeister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kircheninneren malte Daniel Gran 1746 das Hochaltarbild und im Presbyterium die beiden Fresken. Wegen finanzieller Unstimmigkeiten und anderer Meinungsverschiedenheiten kam es zum Bruch mit dem Künstler. Der Propst vergab daher die weiteren Arbeiten in der Kirche, die Freskenmalerei und sämtliche Altarbilder mit den Ovalbildern, an Bartolomeo Altomonte, der sie von 1753 bis 1771 ausführte. Die dekorative Malerei in den Kirchenkuppeln (oberhalb des Hauptgesimses) stammt von Domenico Francia aus Bologna. Die Aufbauten für den Hochaltar (1770) und die Seitenaltäre, die Ballustraden (Kommuniongitter) und die Kanzel (1773) der Kirche stammen von Jakob Mösl, die Altarplastiken von Johann Josef Rößler, das Chorgestühl (1772) und die Volksstühle (1775) vom Klostertischler Lorenz Horeß.&lt;br /&gt;
Die herrliche Ampel wurde 1770 von Johann Christoph Beuermann aus Wien geliefert. Das Glanzstück der Kirche ist die 1752 fertiggestellte Orgel von Johann Henke, dem bedeutendsten Wiener Orgelbauer dieser Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1680 befand sich in der alten Kirche ein aus Ungarn stammendes Marienbild, das &amp;quot;orientalische Frauenbild&amp;quot;, zu dem viele Wallfahrer kamen. Nach der Fertigstellung des barocken Seitenaltares im Neubau der Kirche wurde es 1771 von Propst Frigdian Knecht eigenhändig in einer Prozession, die ihn durch beide Märkte führte, auf den heutigen Platz übertragen. Gegenüber dem Marienaltar liegen in einem Schrein die Gebeine des hl. Urban. Sie stammen aus den Kalixtuskatakomben in Rom und wurden 1740 dem Stiftsdechant Michael Koch geschenkt.&lt;br /&gt;
Als 1771 der barocke Augustinusaltar fertiggestellt war, fand dort der urchristliche Märtyrer seine endgültige Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das jüngste Kunstwerk der Kirche ist der Volksaltar, der 1994 vom Wiener Künstler Wander Bertoni angefertigt wurde und die Schöpfung zum Thema hat. Die Krönung der Bautätigkeit des Propstes Frigdian Knecht war die Neugestaltung des Kirchturmes nach einem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach, unter Mithilfe des Baumeisters Matthias Munggenast. Mit Recht sieht der Stiftschronist Frigdian Mies im Turm den ins Große strebenden Geist des Propstes. Die originelle Turmspitze mit Herzogshut und Stiftskreuz wurde am 6. Juli 1767 &amp;quot;um die Mittagszeit unter Pauken- und Trompetenschall aufgesetzt&amp;quot;. 1756 hatte der Propst die Chorkapelle mit Fresken von Martin Johann Schmidt (&amp;quot;Kremser Schmidt&amp;quot;) und einem Verkündigungsbild von Martin Altomonte ausschmücken lassen. Im Festsaal malte Bartolomeo Altomonte 1772 das Fresko &amp;quot;Das seelsorgliche Wirken der Augustiner-Chorherren im Bistum Passau&amp;quot;. Das Fresko an der Decke der Prälatenstiege &amp;quot;Die Übertragung der Kanonie von St. Georgen nach Herzogenburg&amp;quot; ist signiert mit &amp;quot;Barto Altomonte fec. 1779 aetatis suae 79&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Augustin Beyer (1779–1780) wurde auch die Bildergalerie fertiggestellt. Die Gemälde sind nach einem dekorativen Schema angeordnet: ein zentrales Mittelstück, von kleineren Gemälden umrahmt. Die Bilder wurden zu diesem Zweck auch vergrößert, verkleinert oder sogar geteilt, um der Symmetrie zu entsprechen. Dieser &amp;quot;geistlichen Galerie&amp;quot; kommt nicht nur wegen ihres kulturgeschichtlichen Wertes große Bedeutung zu, es befinden sich unter den 144 Bildern auch hervorragende Kunstwerke, u. a. eine Vincenzo di Biagio Catena zugeschriebene &amp;quot;Heilige Familie&amp;quot; oder ein auf Holz gemaltes deutsches Männerporträt mit der Signatur &amp;quot;H. H. 1521&amp;quot;, das als Werk Holbein d. J. bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man in Österreich die Kunstschätze vergangener Jahrhunderte noch als entbehrlichen &amp;quot;Raritätenkram&amp;quot; verstand, förderte Propst Aguilin Leuthner (1811–1832) die seltsame Sammelleidenschaft seines Mitbruders Ludwig Mangold. Nach dem Vorbild der alten &amp;quot;Kunst- und Wunderkammern&amp;quot; aus der Renaissancezeit hatte der junge Ungar im Stift ein &amp;quot;Antiken- und Raritätenkabinett&amp;quot; im zweiten Stock über der Prälatur angelegt, das zum Grundstein der heutigen Stiftssammlung wurde. Ein Verzeichnis dieser Raritäten wurde im Juni 1815 von ihm angefangen und hat folgende Hauptabteilungen: &amp;quot;A Mahlerey und Mosaique, B Bildhauerey, Schnitz- und Gußwerk, C Kupferstiche und Handzeichnungen, D Glasarbeiten, E Uhren, F Becher und andere Gefaße, G Kleidungsstücke, H Musicalische Instrumente, I Waffen, K Römische Alterthümer, L Verschiedene Seltenheiten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die meisten der hier verzeichneten Gegenstände sind noch im Besitz des Stiftes und waren im Rahmen der Ausstellung &amp;quot;Kunstschätze im Stift Herzogenburg&amp;quot; zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunstwerke wurden 1964 in den ehemaligen Gästezimmern topographisch aufgestellt, d. h. nach Möglichkeit nach ihrem Herkunftsort gruppiert. Das Hauptstück der Sammlung ist der &amp;quot;Jüngere Aggsbacher Hochaltar&amp;quot;, ein 1501 in Krems gemaltes Werk von Jörg Breu von Augsburg. Eine vorzügliche Schnitzarbeit ist die realistisch gehaltene Skulpturengruppe des &amp;quot;Marientodes&amp;quot; um 1500, möglicherweise der Mittelteil der Predella des Jörg-Breu-Altares. Weiters soll hier die „Stiftertafel&amp;quot; aus der Zeit um 1500 erwähnt werden, eine Votivtafel mit dem Bildnis des Bischofs Ulrich I. von Passau und der &amp;quot;porträthaften&amp;quot; Darstellung des mittelalterlichen Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Höhepunkt der spätbarocken Abteilung bilden Werke von Daniel Gran, vor allem das vergoldete Modell für den Hochaltar um 1746 mit dem unmittelbaren Entwurf für das Hochaltarbild und ein äußerst lebendiges Selbstporträt. Einen besonderen Schatz stellt der Bestand von zehn Ölskizzen und Bildern von Bartolomeo Altomonte dar, darunter Entwürfe für die Fresken in der Stiftskirche und ein höchst interessantes Selbstporträt aus dem Jahr 1774. In der Prälatur haben sich auch einige erwähnenswerte Kunstgegenstände erhalten, z. B. ein seltener Venezianer Spiegel vom Beginn des 18. Jahrhunderts, der neben reichem Ornament und alter Verglasung gravierte bérainsche Ornamentik in dem Rahmenspiegelchen trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Refektorium wurde bis in die sechziger Jahre als Speisesaal der Chorherren benützt. 1975 wurde es renoviert und als &amp;quot;Augustinussaal&amp;quot; ein Veranstaltungszentrum für Stift und Pfarre. Im Südosten des Stiftes befindet sich im zweiten Stock das &amp;quot;Mexikanische Zimmer&amp;quot;. In diesem Raum war die von Propst Norbert Zach (1857–1887) erworbene Sammlung von Geräten, Waffen und Schmuckgegenständen der Ottawa-Indianer aufgestellt. Sie musste in den zwanziger Jahren veräußert werden.&lt;br /&gt;
Interessant ist das Zimmer heute wegen der zwölf Wandgemälde, die in der romantischen Gesinnung des späten 19. Jahrhunderts Motive aus Österreich darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Exponate der urgeschichtlichen Sammlung des Stiftes Herzogenburg kamen aus der Ausgrabung eines eisenzeitlichen Friedhofes von Statzendorf. Der Göttweiger Abt Adalbert Dungl war maßgeblich daran beteiligt. Die Pröpste Georg III. Baumgartner (1913–1927) und Georg IV. Hahnl (1946–1963) haben durch eigene Grabungen wesentlich zur Vervollständigung dieser Sammlung beigetragen. Zusammen mit Dungl waren sie die Pioniere der prähistorischen Archäologie im unteren Traisental.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Heute enthält die urgeschichtliche Sammlung eine Reihe von Steingeräten aus der Altsteinzeit, eine große Zahl von Fundstücken der Jungsteinzeit und Keramiken aus der frühen Bronzezeit, wie etwa den Fund von 17 Töpfen aus St. Andrä an der Traisen, Objekte der Hügelgräber und Urnenfelderkultur und weitere bedeutende Funde aus der Eisenzeit, wie Beigaben der Hallstadtkulturen aus den Gräberfeldern von St. Andrä und Statzendorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Römische Funde waren bis auf einige Münzen im Raum von Herzogenburg eher spärlich, bis 1972 aus der Zeit der römischen Kaiser ein Zeremonienhelm mit Gesichtsmaske unweit des Stiftes gefunden wurde, der zu den bedeutendsten Denkmälern römischer Kunst auf österreichischem Boden gerechnet werden muss. Mit seinen &amp;quot;Alexanderlocken&amp;quot; gehört er zum orientalischen Typus. Damit ist er ein Beispiel dafür, wie weit vorderorientalische Mysterienkulte im 2. und 3. Jahrhundert verbreitet waren. Dieses Unikat ist im Raritätenkabinett im ersten Stock ausgestellt, während alle anderen Funde im frühbarocken Refektorium im Altstift zu sehen sind. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Eine fachkundige Neuaufstellung wird derzeit von Univ.-Doz. Dr. Johannes-Wolfgang Neugebauer vorgenommen.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Als 1512 in Herzogenburg ein Großbrand wütete, wurden einige Trakte des Stiftes in Schutt und Asche gelegt. Die Bibliothek wurde dabei auch ein Raub der Flammen. Wahrscheinlich besaß damals das Stift über 100 handgeschriebene Bücher und vielleicht ebensoviele Inkunabeln. Wieviele Bücher gerettet werden konnten ist leider nicht überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten großen Förderer der mittelalterlichen Bibliothek waren die beiden Pröpste Johannes III. von Parsenbrunn (1401–1433) und Johannes IV. von Linz (1433–1457). Aus der Zeit vor dem Brand haben sich einige Buchfragmente erhalten. Fragment 42 aus dem 9. Jahrhundert ist das älteste Stück der Bibliothek.&lt;br /&gt;
Von der Wende des 12. zum 13. Jahrhundert stammt das Fragment 32 mit Teilen eines Legendars. Das Fragment 43 ist Teil eines Nekrologiums vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Es ist ein sicheres Zeugnis für die Schreibkultur des Stiftes in St. Georgen. Ob das Stift dann in Herzogenburg eine eigene Schreibschule besessen hat, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Auf jeden Fall sind keine Handschriften auf Pergament mit wertvollen Initialen auf uns gekommen, sondern nur anspruchslose, auf Papier geschriebene Bücher. Sie haben alle einen praktisch-theologischen Inhalt und stehen im Zusammenhang mit den Seelsorgeaufgaben des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Schreiber waren mit Sicherheit Klosterangehörige, von weiteren sieben ist es unsicher. Die kunsthistorisch kostbarsten Handschriften wurden erst in späteren Jahrhunderten angekauft. Den ersten größeren Zuwachs nach dem Brand erfuhr die Bibliothek durch Propst Philipp von Maugis (1541–1550), der vor allem humanistische Werke bzw. lateinische und griechische Klassikerausgaben erwarb und die von seinem Bruder ererbte Bibliothek der Stiftsbibliothek einverleibte.&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Herb (1687–1709) erbte ebenfalls von seinem Bruder 173 Bücher meist theologischen Inhalts, die in zwei Fässern und einer großen Truhe verpackt auf der Donau von Deutschland nach Krems transportiert und von dort ins Stift gebracht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge des barocken Stiftsneubaus wurde die Bibliothek von 1751 bis 1754 von Propst Frigdian Knecht (1740–1775) erbaut. Die Ornamentmalerei fertigte Domenico Francia an, die figuralen Grisaillen wurden von Bartolomeo Altomonte gemalt. Die einfachen, doppelteiligen Bücherschränke wurden vom Orgelbauer Johann Henke entworfen. Propst Frigdian sammelte die Bücher &amp;quot;mit einem unersättlichen Hunger&amp;quot;, wie er selber scherzend zu sagen pflegte. Er erwarb u. a. die Bibel von 1205 (HS 100) und die kostbare Handschrift &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; (HS 95) aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Stephan Peschka (1775–1779) und Michael Teufel (1781–1809) erwarben durch den Exjesuiten Abbé Johann Christoph Regelsberger viele Bände bei Bücherauktionen aus den Beständen aufgehobener Klöster. Mit der Übernahme der aufgehobenen Stifte St. Andrä an der Traisen 1783 und Dürnstein 1788 kamen nur wenige Bücher, nachweislich nur einige Handschriften und Inkunabeln, nach Herzogenburg. Der Großteil des Bücherschatzes kam in die Wiener Hofbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Petrus Schreiber]], von 1781 bis 1788 auch Stiftsdechant, war mit Unterbrechung fast 25 Jahre Bibliothekar. Eine große Anzahl von Büchern mit einheitlichen barocken Einbänden kam durch ihn in die Bibliothek. Sie tragen auf dem Einbanddeckel die goldenen Buchstaben &amp;quot;P. S.&amp;quot;. Ebenso vermachte er dem Stift 15 Inkunabeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Inventar von 1832 beziffert den Buchbestand summarisch mit etwa 10.000 Bänden. 1887 war der Besitz bereits auf 50.000 Bände, 253 Inkunabeln und 223 Handschriften angewachsen. Dieser Zuwachs dürfte auch die Erweiterung der Bibliotheksräumlichkeiten veranlasst haben. Unter Propst Norbert Zach (1857–1887) wurden 1870 die Gänge im zweiten Stock des Stiftes mit Bibliothekskästen ausgestattet. Unter ihm waren als Bibliothekare die bedeutenden Stiftshistoriker [[Wilhelm Bielsky]], [[Michael Faigl]] und Frigdian Schmolk tätig. Sie veröffentlichten viele Beiträge zur Stiftsgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine großzügige Erweiterung erfuhr die Stiftsbibliothek zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gräfin Maria Falkenhayn übergab 1905 dem Stift die 30.000 Bände ihrer Schlossbibliothek in Walpersdorf. Neben diesen gräflichen Exlibris finden sich in der Sammlung auch Werke mit den Besitzvermerken der Jörger, Colloredos und der Herrschaften Droß und Ottenschlag.&lt;br /&gt;
Während der Weltwirtschaftskrise kam es 1927 zur Veräußerung von Inkunabeln, die vergleichsweise die Höhe des Schätzwertes der ehemaligen Stiftstaverne ausmachten. Ebenso wurde in den sechziger Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eine große Anzahl von Büchern veräußert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anläßlich der Ausstellung im Jahr 1964 &amp;quot;Das Stift und seine Kunstschätze&amp;quot; wurde eine Neuaufstellung der Bücherbestände begonnen, die aber &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bis heute nicht fertiggestellt werden konnte&amp;lt;/span&amp;gt;. Derzeit ist die Bibliothek auf mehrere Standorte verteilt und lediglich die Handschriften, die Inkunabeln und die Druckwerke bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden nach dem Erscheinungsdatum geordnet. Der Rest ist weitgehend unbearbeitet. Der Gesamtbestand wird auf 80.000 Bände geschätzt. Dazu kommen noch 150 Inkunabeln und 150 mittelalterliche Handschriften. Die älteste Handschrift ist ein österreichisches Psalterium des 12. Jahrhunderts (HS 106). Die gut geschriebene Handschrift enthält eine Reihe von großartigen Initialen. Die bedeutendste Handschrift der Bibliothek ist Cod. 95 &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; von Gregor d. Gr. Sie wurde um 1260 in Mainz oder Regensburg geschrieben und enthält 36 ausgezeichnete Initialminiaturen im Stil der deutschen Malerei der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Cod. 223 ist eine oberitalienische Bibel der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit großen figurierten Initialen; fast alle Spalten tragen Federranken. Am Beginn der Genesis findet sich eine Gegenüberstellung der sieben Schöpfungstage mit christologischen Szenen. Ein österreichisches Graduale (HS 97) vom Beginn des 14. Jahrhunderts trägt auf jeder Seite Notenzeilen und stammt aus einem Zisterzienserkloster. Sehr schön ist eine französische Bibel mit Miniaturinitialen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (HS 99).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Ausgabe von Gregors &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; ist der zweibändige Cod. 94 aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts mit 18 figurierten Initialen, die von fünf Meistern stammen, die den Wenzelsbibelmeistern nahestehen. Die Handschrift wurde laut Eintragung in der Kartause Mauerbach geschrieben und war 1397 im Besitz der Kartause Olmütz. Wann und wie sie nach Herzogenburg kam, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der bedeutenden Sammlung von Wiegendrucken seien folgende hervorgehoben: ein sehr schöner Venezianer Druck von 1478, Lactantius Firmianus &amp;quot;Gegen die Haiden&amp;quot;; drei ausgezeichnete Kobergerdrucke aus Nürnberg, 1481; die Briefe des Ennea Sylvius Piccolomini (Papst Pius II.); ebenso von 1481 ein Kommentar zum Neuen Testament von Nicolaus de Lyra mit gezeichneten Initialen; und von 1483 ein Fastenbuch von Johannes Guitsch, gedruckt im Charakter der spätgotischen Handschriften. Ein Zisterzienser-Missale aus Paris um 1487 ist mit kleinen kolorierten Holzschnitten illustriert. Zwei sehr gute Ausgaben der interessanten Weltgeschichte von Rolewinck seien noch angeführt. Die eine Wiener Ausgabe von 1490 ist reich mit Holzschnitten illustriert, die zweite aus Köln mit vielen Holzschnitten in der Art der &amp;quot;Schedelschen Weltchronik&amp;quot; aus dem Ende des 15. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abschluss ist noch eine Postilla von Cuilcrinus, Augsburg 1495, die ebenfalls mit Holzschnitten illustriert ist, zu erwähnen. Die oben beschriebenen Handschriften und Frühdrucke sind im Hauptraum der Bibliothek in Vitrinen ausgestellt und bei jeder Führung durch das Stift zu besichtigen. In diesem Bibliothekssaal befinden sich in den Bücherschränken nur Bücher aus dem 18. Jahrhundert, um den Eindruck einer barocken Schaubibliothek zu vermitteln.&lt;br /&gt;
Durch die bescheidene Einrichtung wirkt die Bibliothek wie eine heimelige Studierstube. Die letzte Handschrift wurde 1990 erworben. Sie ist ein türkisches Gebetbuch aus dem 19. Jahrhundert in arabischer Zierschrift. In der Mitte des Buches finden sich zwei romantisch gemalte Ansichten der Moscheen in Mekka und Medina.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Das Herzogenburger Stiftsarchiv besteht aus vier Abteilungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) dem Archiv des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen/Herzogenburg mit 1.745 registrierten Urkunden (1112–1852) und zahlreichen nicht bearbeiteten Urkunden (ab 1852), 264 Büchern und 647 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit 327 registrierten Urkunden (998–1776), sechs Büchern und 225 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein mit 718 registrierten Urkunden (1306–1768), 36 Büchern und 90 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) dem Archiv des aufgehobenen Clarissenklosters Dürnstein mit 357 registrierten Urkunden (1289–1658) und ca. 20 Büchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Dokument im Stift Herzogenburg ist die Gründungsurkunde (1112) von Bischof Ulrich von Passau (Sta. Hn. 1a). Sie ist eine der formvollendetsten Urkunden aus der Schreibstube des Bistums Passau. Äußerst interessant ist die Traditionsnotiz (Sta. Hn. 1b), die ein Konzept zur Gründungsurkunde darstellt und sechs weitere protokollarische Notizen enthält, die an verschiedenen Orten abgefasst wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historisch bedeutsam für das Stift ist auch die Übertragungsurkunde von 1244 (Sta. Hn. 38). Die schweren Zeiten des 15. Jahrhunderts sowie der Brand des Klosters im Jahr 1512 dürften dem Archiv nicht allzusehr zugesetzt haben. Alle wichtigen Urkunden sind im Original vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes VII. Glaz (1569–1572) veranlasste eine Aufzeichnung und Registrierung der &amp;quot;Pergament-Brieff&amp;quot;. In dem 1570 angelegten Verzeichnis wird das Archiv als „Registratur&amp;quot; bezeichnet. Entsprechend dem damaligen Kanzleigebrauch, dessen Vorbild die Kanzlei des Regiments der niederösterreichischen Lande war, wurden auch in Herzogenburg die Urkunden, damals insgesamt 46 Stück, in einem mit Laden versehenen Kasten und die weniger wichtigen Akten in einem Sack aufbewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1683 wurden das Archiv und die Schatzkammer vor den heranrückenden Türken in das Chorherrenstift Dürnstein verlagert und 1684 wieder zurückgebracht. Die zeitlich nächstfolgende Bestandsaufnahme des Stiftsarchivs erfolgte zwischen 1730 und 1740. &amp;quot;Ain großer mit Eyßen schön beschlagener Casten, hat 36 unterschidliche litterirte gemahlene Laden&amp;quot;. Er diente als Aufbewahrungsort für das als &amp;quot;gehaimbtes Gwölb&amp;quot; bezeichnete Hauptarchiv. Diesem wurden 1745 Schriften und Akten des Hofrichters und des Stiftskämmerers einverleibt. Genaue, nach Grundherrschaften bzw. Sachgebieten angelegte und geordnete Inventarien zeugen von der Sorgfalt, mit der das Stiftsarchiv unter Propst Frigdian I. Knecht (1740–1775) betreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte im Streben nach dem Wissen über die eigene Vergangenheit die ersten wissenschaftlichen Bearbeitungen des Urkundenbestandes durch die Herzogenburger Chorherren [[Wilhelm Bielsky]] (Die ältesten Urkunden des Kanonikatsstiftes St. Georgen in Unterösterreich von 1112–1244, Wien 1852) und [[Michael Faigl]] (Die Urkunden des regulierten Chorherrenstiftes Herzogenburg vom Jahre seiner Übertragung von St. Georgen 1244–1450, Wien 1886).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich wurde in den Jahren 1930 bis 1935 der unübersehbare Bestand an Akten und Büchern durch Dr. Göhler geordnet und durch eine Zettelkartei der Forschung zugänglich gemacht. In der insgesamt 1.745 Urkunden umfassenden Urkundenreihe vom Stiftsarchiv Herzogenburg gibt es neben einer Vielzahl von Stiftungs- und Schenkungsurkunden auch Urkunden von Päpsten und Landesfürsten. Die älteste Papsturkunde wurde 1177 von Papst Alexander III. ausgestellt, die erste in deutscher Sprache abgefasste Urkunde stammt aus dem Jahr 1292.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als einzigartiges Dokument soll eine Urkunde Erwähnung finden, die von Mönchen des Katharinenklosters am Sinai und Chorherren des Stiftes Herzogenburg im Jahr 1491 gezeichnet wurde. Damals haben zwei griechische Sinaimönche Herzogenburg besucht und mit den hiesigen Chorherren eine Gebetsverbrüderung geschlossen und besiegelt – ein merkwürdiges und einmaliges Zeugnis für die Verbindung der Ost- und Westkirche im ausgehenden Mittelalter nach dem Fall von Konstantinopel (Sta. Hn. 538).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Grundbücher, wertvolle Unterlagen zur Erforschung der Besitz- und Bevölkerungsgeschichte im Raum Herzogenburg, wurden im 12. Jahrhundert angelegt. Hinzu tritt jene Masse des Archivmaterials, die als Akten des adeligen Richteramtes über die Untertanen aus der Amtstätigkeit des Stiftes erwachsen sind: Grundbuchsakten ab 1340, Testamente ab 1500, Verwaltungsakten über den Oberen Markt Herzogenburg, Korrespondenzen mit den umliegenden Grundherrschaften. Diese Schriftstücke zeigen den Kampf des Stiftes um seine Rechte und Besitzungen, unter welchen besonders Fischerei- und Wasserrechte auf der Traisen und Jagdrechte in den Auen im Vordergrund stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Rechnungsbüchern und Rechnungsakten finden sich genauere Aufzeichnungen über den Bau der barocken Stiftsgebäude und der inkorporierten Pfarrkirchen mit ihren Pfarrgebäuden. Eigenhändige Unterschriften auf den Quittungen sind zu finden von Jakob Prandtauer, der Familie Munggenast, Bartolomeo Altomonte, Daniel Gran, vom Salzburger Steinmetzmeister Jakob Mösl, vom Wiener Goldschmied Johann Caspar Holbein und vielen anderen. Bei der Durchsicht von unbearbeiteten Archivmaterialien konnte ein eigenhändig geschriebener Brief von Martin Luther von 1541 aufgefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Auflösung der Chorherrenstifte St. Andrä und Dürnstein kamen deren Archive nach Herzogenburg. Propst Michael Teufel (1781–1809) hat sich sehr um ihre Erhaltung und sichere Aufbewahrung bemüht. Die älteste Urkunde von St. Andrä ist eine Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. aus dem Jahr 998 (Sta. An. 1). Die Stiftungsurkunde von St. Andrä stammt aus dem Jahr 1160 und ist mit 44 Zeugen belegt (Sta. An. 4). Zu erwähnen ist noch eine prunkvolle Ernennungsurkunde des Chorherren Johannes Zwickl zum Kommissär für den Türkenablass des Papstes Innozenz VIII. von 1490 in teilvergoldeter Schrift mit reichen Initialen (Sta. An. 208). Alle drei Dokumente zählen zu den Zimelien dieser Urkundenreihe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Archiv der Chorherren von Dürnstein ist der Stiftungsbrief vom 18. Februar 1410 (Sta. CDn 147) der absolute Höhepunkt. Der linke Rand dieser Urkunde ist mit einer Reihe von höchst bedeutenden Miniaturen versehen, die sowohl der böhmischen wie der Wiener Buchmalerei des frühen 15. Jahrhunderts nahestehen. Die angehängten sechs Siegel sind noch vorhanden. Zwei im selben Jahr ausgestellte Urkunden tragen schöne Initialmalereien (Sta. CDn 149 und 150).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Im Gegensatz zum &amp;quot;Archiv Herzogenburg&amp;quot; sind die Urkunden, Bücher und Akten der drei anderen Archive noch nicht publiziert und daher wissenschaftlich noch wenig ausgewertet. &lt;br /&gt;
Derzeit (1995) wird die Einrichtung des Archives erneuert und auf den letzten technischen Stand gebracht. Damit ist auch der Wunsch verbunden, dass die letzten 150 Jahre archivmäßig aufgearbeitet werden.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Historische Namensformen===&lt;br /&gt;
* WEIGL, Heinrich, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, 8 Bde., Wien 1964–1981.&lt;br /&gt;
* SCHUSTER, Elisabeth, Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, 1. Teil (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B), Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
* HAUSNER, Isolde / SCHUSTER, Elisabeth, Altdeutsches Namenbuch, Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politische und kirchliche Topographie===&lt;br /&gt;
* WOLF, Hans, Niederösterreich (Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 6. Teil), Wien 1955.&lt;br /&gt;
* RUPP / SCHMIDTBAUER, Herzogenburg, 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Franz Reininger: Die Wiegendrucke der Stiftsbibliothek Herzogenburg. In: Mitteilungen des Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 12 (1908), S. 109–127.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Katalog der Handschriften der Stiftsbibliothek Herzogenburg. St. Pölten 1978. [https://manuscripta.at/diglit/winner_1978_1/0001 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Mayo Hope: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed for the Hill Monastic Manuscript Library, Austrian Libraries. Volume III: Herzogenburg. Collegeville, Minnesota, 1985. [https://archive.org/details/HMMLAustriaInventory3 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Franz Lackner: Datierte Handschriften in niederösterreichischen Archiven und Bibliotheken bis zum Jahre 1600. Wien 1988 (Katalog der datierten Schriften in lateinischer Sprache in Österreich, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kunst- und Baugeschichte===&lt;br /&gt;
* HEIDER, Gerhard / HÄUFLER, J. V., Archäologische Notizen (Archiv für österreichische Geschichte II/1), Wien 1850, 139–178.&lt;br /&gt;
* RIESENHUBER, Martin, Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Bistums St. Pölten, St. Pölten 1923.&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer. Der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* PETERMAIR, Hans, Die bauliche Anlage der Stifte in Altenburg, Herzogenburg und Seitenstetten und ihre baukünstlerischen Beziehungen im Mittelalter und in der Barocke, masch.geschr. techn. Diss., Wien 1934.&lt;br /&gt;
* STEINER, Ubald, Die Stiftskirche zu Herzogenburg. Beiträge zur Baugeschichte nach Aufzeichnungen des Propstes Georg Baumgartner, in: Pfarramtliche Nachrichten für den Kirchensprengel Herzogenburg 21 (1935), Nr. II/12.&lt;br /&gt;
* MUNGENAST, Emmerich, Joseph Munggenast. Der Stiftsbaumeister 1680–1741, Wien 1963.&lt;br /&gt;
* FEUCHTMÜLLER / WEBER, Stift und Kunstschätze, 1964.&lt;br /&gt;
* HEINZL, Brigitte, Bartolomeo Altomonte, Wien/München 1964.&lt;br /&gt;
* BIBA, Otto, Die Orgelakten des Stiftes Herzogenburg, in: Unsere Heimat, Zeitschrift des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 41 (1970), Heft 1, 9–24.&lt;br /&gt;
* GÜTHLEIN, Klaus, Der österreichische Barockbaumeister Franz Munggenast, phil. Diss., Heidelberg 1973.&lt;br /&gt;
* KNAB, Eckhart, Daniel Gran, Wien/München 1977.&lt;br /&gt;
* CÄSAR, Menz, Das Frühwerk Jörg Breus des Älteren, Augsburg 1982.&lt;br /&gt;
* EGGER / HESSLER / PAYRICH / PÜHRINGER / FASCHING, Stift Herzogenburg, 1982.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Hermann-Fichtenau: Der Bildersaal im Stift Herzogenburg, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 38 (1984).&lt;br /&gt;
* SERVUS, Die Entstehung der barocken Klosteranlage, 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Moseneder: Passau im Gedächtnis Herzogenburgs. Zur Ikonologie des Augustiner-Chorherrenstift. In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch 31 (1989), S. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;##&amp;lt;/span&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* Karl Thomas (Bearb.): Die Baumeisterfamilie Munggenast. Sonderausstellung des Stadtmuseums St. Pölten anläßlich des 250. Todestages von Joseph Munggenast. St. Pölten 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Oskar Freiherr von Mitis: Studien zum älteren österreichischen Urkundenwesen. 5 Bände. Wien 1906–1912.&lt;br /&gt;
* Franz Stundner: Das Archiv des Stiftes. In: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Hg. von Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber. Herzogenburg 1964, S. 83–86.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sonstige Literatur===&lt;br /&gt;
* Georg Baumgartner: Herzogenburg. In: Topographie von Niederösterreich. Band IV. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Wien 1896, S. 209–238.&lt;br /&gt;
* Gerhart Egger / Walter Hessler / Wolfgang Payrich / Leonore Pühringer / Herbert Fasching: Stift Herzogenburg und seine Kunstschätze. St. Pölten 1982.&lt;br /&gt;
* Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Herzogenburg 1964.&lt;br /&gt;
* Maximilian Fürnsinn: Stift Herzogenburg 1938–1945. In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 22/4 (1975), S. 132–140.&lt;br /&gt;
* Maria Hasitscha-Köck: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg während der Zeit des Propstes Michael Teufel von 1781 bis 1809. Diss. Univ. Wien. Wien 1973.&lt;br /&gt;
* Andreas Karl Kaiser: 975 Jahre Pfarre Herzogenburg (1014–1989). Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1989.&lt;br /&gt;
* Gerhard Nikodim: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg von 1513 bis 1602. Diss. Univ. Wien. Wien 1968.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich: Das Stift Herzogenburg. Die 875-jährige Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen-Herzogenburg von 1112–1987. Dipl.-Arb. Univ. Linz. Linz 1987.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich / Hans Peter Schmidtbauer: Unsere Kirche lebt. 200 Jahre Stiftskirche Herzogenburg. St. Pölten 1985.&lt;br /&gt;
* Anton Rupp / Hans Peter Schmidtbauer: Herzogenburg. St. Pölten / Wien 1991.&lt;br /&gt;
* Werner Sandner: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg von 1244 bis 1513. Diss. Univ. Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Frigdian Schmolk: Stift der regulirten lateranensischen Chorherren zu Herzogenburg in Nieder-Oesterreich. In: Ein Chorherrenbuch. Geschichte und Beschreibung der Bestehenden und Anführung der aufgehobenen Chorherrenstifte. Augustiner und Prämonstratenser in Österreich-Ungarn, Deutschland und der Schweiz. Hg. von Sebastian Brunner. Würzburg 1883, S. 200–263. [https://books.google.at/books?id=GoJJAAAAIAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA199-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Harald Servus: Die Entstehung der barocken Klosteranlage in Herzogenburg und ihre geschichtlichen Voraussetzungen. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1987.&lt;br /&gt;
* Egon Wahl: Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit besonderer Berücksichtigung der rechtlichen, besitz- und personalgeschichtlichen Verhältnisse. Diss. Univ. Wien. Wien 1945.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10737</id>
		<title>Stift Herzogenburg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10737"/>
		<updated>2023-06-25T11:08:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1112&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (seit 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Stift St. Georgen&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}, Niederösterreich&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.28677, 15.69721&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Georg&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Herzogenburg gehört zum Bezirk St. Pölten.&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift_Herzogenburg.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Herzogenburg, kolorierte Radierung von Lorenz Janesch (um 1810), Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), Kartensammlung, Fideikommissbibliothek-Vues, Österreich-Ungarn, Niederösterreich H-La, Herzogenburg KAR MAG, online unter: http://data.onb.ac.at/rec/baa12918499&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Bischof [[Ulrich I. von Passau]] (1092–1121) stiftete mit der Gründungsurkunde vom 18. August 1112 ein Eigenkloster für Augustiner-Chorherren, auf einem Grundstück an der Mündung der Traisen in die Donau gelegen, das er geerbt hatte und worauf sich bereits eine Georgskirche befand. Wahrscheinlich sandte er aus dem reformierten [[Stift St. Nikola]] bei Passau Chorherren nach St. Georgen an der Traisen. Als seelsorgliches Aufgabengebiet und als Existenzgrundlage übergab der Bischof seinem Kloster St. Georgen die beiden Pfarren Traisenburg (heute Stollhofen) und Herzogenburg. Außerdem erhielt das Stift die bischöflichen Zehentrechte im oberen Waldviertel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten war die Existenz des Klosters einerseits von den Hochwassern der Donau und andererseits von der wirtschaftlichen Schwäche infolge zu geringer Dotierung bedroht. Eine Gelegenheit zur Besserung der Lage des Klosters ergab sich dreißig Jahre nach der Gründung, als ein lokaler Adeliger namens Walter von Traisen testamentarisch die Gründung eines Chorherrenklosters verfügte. Der Passauer Bischof [[Konrad]] (1148/49–1164), ein Sohn des hl. Leopold, wollte das Kloster St. Georgen mit dieser Stiftung in St. Andrä an der Traisen vereinigen und den Konvent dorthin verlegen. Nach dem Widerstand des Testamentvollstreckers Otto III. von Rehberg erfolgte jedoch noch im 12. Jahrhundert eine eigenständige Gründung des [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stiftes St. Andrä an der Traisen]]. Bischof Konrad verbesserte in den Jahren 1158 und 1160 die Situation des Stiftes St. Georgen, indem er dem Kloster, das in den sumpfigen Donauauen lag, eine Frischwasserzuleitung ermöglichte und außerdem den Chorherren die [[Pfarre Marquardsurvar]] (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Haitzendorf|Haitzendorf]]) und den Schwaighof bei Zeiselmauer schenkte. Unter den späteren Schenkungen an das Kloster während der Regierungszeit von Propst [[Wisinto II.|Wisintos II.]] (1191–1204) ist ein Stiftungsbrief von 1201 bemerkenswert, der ein Nonnenkloster in St. Georgen voraussetzt. In einer Urkunde aus der Zeit um 1230 werden die Schwestern Kunigunde und Ehrentraud von Zebing als Kanonissen von St. Georgen genannt. Dieser Frauenkonvent ist anlässlich der Übersiedlung des Männerklosters nach Herzogenburg auch mitverlegt worden.&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Engelschalk]] (1242–1267), dem zwölften Propst des Stiftes St. Georgen, erfolgte schließlich die Verlegung des Klosters, der Konvent übersiedelte im Jahr 1244 an seinen Pfarrort Herzogenburg. In der Übertragungsurkunde vom 19. März 1244 übereignete Bischof [[Rudiger]] von Passau dem Konvent die Passauer Pfarre Herzogenburg mit allen Rechten. Das Stift memoriert den Bischof als seinen „zweiten Gründer“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spätmittelalter=== &lt;br /&gt;
Nach der Übersiedlung des Konvents nach Herzogenburg erfolgte der Bau einer Klosteranlage sowohl für den Männer- wie für den Frauenkonvent. Im Pfarrbezirk „auf der Widem“ entstand ein eigener Gerichtsbezirk des Stiftes, der sogenannte „Obere Markt Herzogenburg“. Der „Untere Markt Herzogenburg“ unterstand dem bayerischen Stift Formbach am Inn.&lt;br /&gt;
Im 14. Jahrhundert war die wirtschaftliche Lage des Klosters zunächst stabil, Propst [[Siegfried]] erwarb ein Haus in Wien in der Singerstraße. Der folgende Propst [[Nikolaus I. Payger von Würmla]] (1361–1374) klagte in seinen Aufzeichnungen über Missernten, Kriegssteuern an Herzog Rudolf IV. und Verschuldung seines Klosters. Die Herzöge Albrecht III. und Leopold III. gewährten dem Stift Privilegien, weil „der probst und das gotzhaus ze Herzogenburg in grozzer geltschulde und kumber sind“. Propst [[Johannes III.]] (1401–1433) einer der längstregierenden Pröpste, erreichte von den Herzögen Wilhelm und Albrecht IV. die Begünstigung, im Schankhaus des Stiftes, dem &amp;quot;Mühlhofkeller&amp;quot;, zwölf Fass Wein ohne Ungeld (Steuer) ausschenken zu dürfen. Unter Propst Johannes III. fand eine Stiftsreform nach den Bestimmungen des Konstanzer Konzils statt. Bei der Visitation im Stift Herzogenburg 1418 war nachweislich auch der erste Propst des [[Stift Dürnstein|Chorherrenstiftes Dürnstein]], das 1410 im Geist der Raudnitzer Reform gegründet worden war, anwesend. Und so wurden die Raudnitzer Statuten auch in Herzogenburg Grundlage einer Erneuerung. Propst Johannes war auch ein Förderer der Lateinschule des Stiftes.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert waren Markt und Stift Herzogenburg wiederholt von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. In den Hussiteneinfällen verloren etliche Bürger und Chorherren ihr Leben. Die Regierungszeit des Propstes [[Ludwig Gössel]] (1457–1465) fiel in die Zeit der Nachfolgekämpfe unter Kaiser Friedrich III., in der böhmische, mährische. ungarische und auch einheimischen Söldnerverbänden in Niederösterreich plünderten. Im Jahr 1463, am dritten Tag nach dem Osterfest, wurde Herzogenburg von böhmischen Söldnerscharen unter ihrem Anführer Georg von Vetau eingenommen und verwüstet. Wahrscheinlich erlosch damals auch der Konvent der Kanonissen, oder er fand durch Mangel an Klostereintritten schon früher ein Ende. Im Lauf des Jahres 1465 begannen die Chorherren mit dem Wiederaufbau des Stiftes. Dieser zweiten gotischen Bauphase des Stiftes sollte aber kein langer Bestand gegönnt sein, denn schon 1477 belagerten und eroberten die Soldaten des ungarischen Königs Matthias Corvinus nach ihrem Sieg über Kaiser Friedrich III. Herzogenburg. Wieder brannte das Kloster nieder. Der nach St. Pölten geflohene Propst konnte seine in Rudolfsberg bei Wagram gefangengehaltenen Mitbrüder erst nach Bezahlung eines hohen Lösegelds in die Ruinen seines Klosters zurückführen.&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Georg I. Eisner]] (1484–1513) wurde mit dem Wiederaufbau des Klosters begonnen. Dieser Propst konnte durch sorgfältige Verwaltung und durch Schenkungen des Matthias Corvinus, der die Verwüstungen seiner Söldner wieder gutzumachen versuchte, die wirtschaftlichen Verhältnisse seines Hauses sanieren und das Stiftsgebäude repräsentativ auszustatten. 1498 gewährte Papst Alexander VI. ihm und allen seinen Nachfolgern den Gebrauch der Mitra, des Stabes und Ringes und der anderen Pontifikalien.&lt;br /&gt;
Am 7. Mai 1512 brach in einem Haus auf dem Unteren Marktplatz ein Brand aus, der auch auf die Widem übergriff. Das Feuer griff auch auf das Kloster über, alle Zellen der Brüder und das Winterrefektorium brannten aus. Außerdem wurden das Infirmarium, die Dechantei, die Bibliothek und die Sakristei zerstört. Das Feuer sprang auch auf das Mariensacellum über und vernichtete dort die Orgel. Ebenso brannte die Schule nieder. Die Kirchenausstattung – die Tafelbilder und die Altäre – wurde verschont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation bis Barock=== &lt;br /&gt;
Im Jahr der Wahl des hochgelehrten Propstes  [[Johannes V. Bernhard von Nußdorf]] (1517–1533) veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen und löste eine Reformationsbewegung aus, in der Klosterleben zunehmend kritisch beurteilt wurde. Unter Propst [[Bernhard I. Schönberger]] (1533–1541) legte der Chorherr Johann Peurl die priesterliche Kleidung ab und verließ seinen Orden, Neueintritte blieben zunehmend aus. In wirtschaftlicher Hinsicht hatte Propst Bernhard mit den Belastungen der den Klöstern vorgeschriebenen Abgaben zur Finanzierung der Kriege gegen die Osmanen zu kämpfen und konnte die Steuerleistungen nur durch den Verkauf des Stiftshauses in Wien erbringen. Für viele Jahre war Bernhard der letzte frei gewählte Propst von Herzogenburg. Die nun folgenden Pröpste waren Weltpriester oder stammten aus anderen Ordenshäusern, wurden postuliert oder vom Kaiser ernannt.&lt;br /&gt;
Auf Wunsch Kaiser Ferdinands I. wurde [[Philipp von Maugis]] (1541–1550) zum Propst bestimmt. Philipp entstammte einer adeligen belgischen Familie, war ab 1545 Regent der niederösterreichischen Landesregierung und Erzieher der Söhne Ferdinands I. Noch im Jahr seines Amtsantrittes trat in Herzogenburg, wie in vielen Orten Österreichs, die Pest auf, an der täglich bis zu 30 Personen starben. Alle Chorherren im Stift mit Ausnahme des Propstes und eines Konventualen fielen der Seuche zum Opfer.&lt;br /&gt;
Philipps Nachfolger war [[Bartholomäus von Cataneis]] (1550–1563). Er entstammte einer vornehmen italienischen Familie aus Bergamo, war palatinischer Graf, apostolischer Protonotar und oberster Hofkaplan. Durch sein Administrationstalent gelang es ihm, das Stift über die finanziellen Hürden zu bringen. Wegen seiner Tüchtigkeit wurde er zum Administrator von Göttweig bestellt (1556–1563). Der Klosterrat bemängelte bei seiner Visitation allerdings die Konkubinate der Stiftsherren und deren protestantische Gesinnung. Die Kommissäre erteilten dem Propst einen strengen Verweis und befahlen ihm, den Dechant abzusetzen und einzusperren. Nach dem Visitationsbericht vom Jahr 1561 befanden sich im Stift Herzogenburg nur mehr vier Konventualen. &lt;br /&gt;
In dieser Krisenzeit des Stiftes wurde der Prälat von St. Andrä [[Johannes VI. Pülzer]] (1563–1569) zum Propst bestimmt. In seinem Wahlinstrument hieß es, er sollte baldmöglichst die Zahl der Chorherren ergänzen, da sich dieselben fast alle &amp;quot;verloffen&amp;quot; hätten. Wirtschaftskrisen, Hungersnot, Erhöhung der Steuern und die Tatsache, dass viele seiner Mitbrüder lutherisch wurden, trieben Propst [[Johannes VII. Glaz]] (1569–1572) zu einem Verzweiflungsakt: in der Nacht des 14. September 1572 floh er in Begleitung eines Dieners aus dem Stift.&lt;br /&gt;
Nun folgte ein Mann aus dem eigenen Haus, [[Jakob Reisser]] (1573–1577). Durch seine Sparsamkeit und energische Haltung ging es sowohl finanziell als auch disziplinär im Stift aufwärts. Im Visitationsbericht wurde vermerkt, dass er keine goldene Kette und auch keine kostbaren Kleider trug, keine Spiele gestattete und die Musik bei Tisch abgeschafft habe. Außerdem hätten Propst und Konventualen keine Konkubinen. Er bemühte sich, Mitarbeiter aus dem Ausland zu bekommen, um die Ausbreitung der lutherischen Lehre zu stoppen. Denn die Gemeinde Herzogenburg war zum Großteil schon protestantisch und die Pfarrkinder gingen bereits in die umliegenden Ortschaften, um bei den &amp;quot;sektischen Predigern&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod postulierte der Klosterrat den Propst des [[Stift St. Dorothea|Chorherrenstiftes St. Dorothea]] in Wien, [[Georg II. Brenner]] (1578–1590). Georg war Hofkaplan bei Kaiser Maximilian II. gewesen und der Klosterrat schlug ihn 1588 als Bischof von Wiener Neustadt vor. Er strebte den Erwerb des Unteren Formbacher Marktes Herzogenburg, der noch immer großteils protestantisch war, an, scheiterte jedoch. Die Trennung beider Märkte Herzogenburg blieb bis 1806 bestehen. Propst Georg Brenner setzte aber Maßnahmen gegen das Luthertum durch, Herzogenburger Bürger, die zu den „Predikanten ausliefen“, wurden mit schweren Strafen bedroht. Ebenso mussten die Herzogenburger ihre Kinder in die katholische Schule schicken und dem Gesinde wurde verboten, sich während des sonntäglichen Gottesdienstes in Wirtshäusern oder auf Spielplätzen aufzuhalten. Kirche, Kloster- und Wirtschaftsgebäude wurden unter Propst Georg Brenner renoviert und ausgebaut, Messgeräte, Bücher und Musikinstrumente angekauft. Der Lesehof in Königstetten wurde renoviert und der Hof von Klosterneuburg fast zur Gänze neu erbaut.&lt;br /&gt;
Wegen seiner Krankheit stand dem Propst in den letzten Jahren [[Paul Zynkh]] als Koadjutor zur Seite. Da es nach dem Tod des Propstes bei der Neubesetzung zwischen Klosterrat und dem Passauer Bischof zu Unstimmigkeiten gekommen war, verwaltete Paul Zynkh über ein Jahr als Administrator das Stift, bis er zum Propst gewählt wurde (1591–1602).Er setzte die gegen den Protestantismus gerichteten Maßnahmen seines Vorgängers fort und bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg, dessen Predigttätigkeit zu einer Rekatholisierung führte. &lt;br /&gt;
Aufgrund der ständigen Gefahr von osmanischen Einfällen wurden die Verteidigungsanlagen des Klosters gemäß dem kaiserlichen Mandat ausgebaut und die Rüstkammer des Stiftes mit modernen Waffen versehen. Während eines halbjährigen Kuraufenthaltes des Propstes in St. Pölten entbrannte eine heftige Auseinandersetzung zwischen dem Stiftsdechant und dem Konvent. Der kranke Propst kehrte zurück und hielt ein Kapitel. Der Dechant wurde abgesetzt und im Lauf von drei Wochen bei Wasser und Brot „dasig“ gemacht. Die letzten drei Jahre seines Lebens war Propst Paul Zynkh Deputierter der niederösterreichischen Stände und hielt sich oft in Wien auf. Aus diesem Grund kaufte er dort 1601 ein Wohnhaus, den „Heidelberger Hof“ in der Annagasse. Das Gebäude ist heute noch im Besitz des Stiftes und trägt den Namen Herzogenburgerhof.&lt;br /&gt;
Auf Landesebene konnte der Protestantismus Schritt für Schritt zurückgedrängt werden. Propst Paul bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg. Dieser konnte durch seine eindrucksvollen Predigten viele Protestanten des Marktes zum katholischen Glauben zurückführen. Um die Jahrhundertwende war Herzogenburg wieder eine vorwiegend katholische Gemeinde. In den Dörfern ging die religiöse Erneuerung langsamer vor sich.&lt;br /&gt;
Als [[Melchior Kniepichler]], ehemaliger Propst des Stiftes Dürnstein, von König Matthias als Propst postuliert wurde (1609–1615), protestierte der Herzogenburger Konventuale [[Johannes Held]] in einem Schreiben an den Passauer Offizial, weil Propst Melchior in St. Andrä (1592–1599) &amp;quot;Schulden gehäuft und von dann gezogen sei&amp;quot;, er habe dann &amp;quot;Tirnstain ohne Schulden angetreten und gehe nun mit Schulden weg&amp;quot; (1599–1609); beide Male in Folge seiner verschwenderischen Freigiebigkeit gegen Verwandte und Freunde. Weiters klagt er, dass Melchior dem Trunke ergeben und &amp;quot;in diesem Zustand unausstehlich streitsüchtig sei.&amp;quot; Schließlich, dass Melchior das weibliche Geschlecht liebe und gerne Tanzunterhaltungen besuche. In den Klosterratsakten hieß es, &amp;quot;dieser Mann war mehr Schelm als Mönch&amp;quot;. Am 26. Juli 1615 kam eine Untersuchungs- und Strafkommission nach Herzogenburg. Aufgrund der strengen Linie von Bischof Melchior Klesl wurde der Propst gefangen nach Wien geführt, verhört und einige Monate eingesperrt. Erst nach drei Jahren wurde Melchior rehabilitiert und zum zweiten Mal zum Propst von Dürnstein bestellt.&lt;br /&gt;
Nach einigen Wahlturbulenzen in den folgenden Jahren bestimmte Kaiser Ferdinand II. den Dechant des Kathedralstiftes Seckau [[Martin III. Müller]] zum Vorsteher in Herzogenburg (1621–1640). Er war ein eifriger Förderer der Gegenreformation, reformierte das klösterliche Leben und führte neue Statuten ein. Er erreichte auch, dass ihm die [[Pfarre Hain]] wieder zurückgegeben wurde, wo bisher nur protestantische Prediger angestellt waren. Den Konflikt mit der dort tonangebenden protestantischen Familie der Jörger konnte erst sein Nachfolger [[Johannes Bauer]] (1640–1653) beilegen. Propst [[Joseph Kupferschein]] (1653–1669) versuchte ebenfalls auf friedliche Weise die Protestanten zum katholischen Glauben zurückzugewinnen. Er war sowohl ein gelehrter Mann (1641 war er Rektor der Universität in Wien) als auch ein tüchtiger Wirtschafter. Propst [[Anton Sardena]] (1669–1687) begann mit viel Schwung die weiteren Restaurierungsarbeiten bzw. die Barockisierung des Stiftes.&lt;br /&gt;
1679/80 wütete die Pest in Herzogenburg und kostete viele Menschen das Leben. In der Stiftsgeschichte von Dechant Beyer wird auch das Erscheinen eines Kometen vermerkt, der im Jahr 1680 am Fest des hl. Stephan zum ersten Mal erschien und als Vorbote der Osmaneneinfälle interpretiert wurde. Am 14. Juli 1683 erschien eine osmanische Streifschar vor Herzogenburg. Sie ließ den gut befestigten Ort zunächst ungeschoren. Als die Gefahr immer größer wurde, flüchtete der Prälat auf Bitten seiner Geistlichen mit dem Archiv und der Schatzkammer nach Dürnstein. Unter den im Kloster verbliebenen Chorherren befand sich [[Gregor Nast]], der später einen ausführlichen Bericht über die Osmaneneinfälle verfasste. Eine größere Truppe versuchte die Erstürmung des Marktes und schichtete Stroh vor die Markttore, um sie durch Feuer zu zerstören. Die Bürger leisteten mit ihren Schusswaffen allerdings tatkräftigen Widerstand. Zahlreiche Bauernhöfe von Herzogenburger Grundholden wurden jedoch geplündert und niedergebrannt.&lt;br /&gt;
Mit der Zeit erholten sich das Land und die Klöster von den Nachwirkungen der Türkenkriege und mit der Wiederkehr von geordneten Zuständen verbesserte sich auch die wirtschaftliche und religiöse Situation. Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) war lange Jahre ein eifriger Seelsorger und stand als Dechant und späterer Prälat seinen Mitbrüdern auf den Pfarren beim Wiederaufbau bei. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) betrieb die wirtschaftliche Konsolidierung seines Hauses nach dem Krieg und den Wiederaufbau bei Pfarren und Wirtschaftshöfen. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
Prandtauer wurde 1714 von Propst [[Wilhelm von Schmerling]] (1709–1721) mit einem barocken Neubau des Stiftsgebäudes beauftragt. Nach Schleifung des alten Klosters – nur ein Teil des mittelalterlichen Kreuzgangs blieb erhalten – wurde eine zweihöfige neue Stiftsanlage errichtet, der zweite Hof jedoch baulich nie fertiggestellt. Die von Prandtauer gebauten Trakte sind vornehm und voll künstlerischen Lebens. Einzig an der Ostseite sprengt der Saalbau nach Plänen von Fischer von Erlach die Prandtauersche Fassade: er tritt um eine Achse hervor und überragt sie mit den Oberfenstern. &lt;br /&gt;
Der in Herzogenburg geborene Propst [[Leopold von Planta]] (1721–1740) schloss die Bauarbeiten ab und besorgte die wirtschaftliche Stabilisierung des Hauses. In seiner Regierungszeit wurde am 18. September 1724 das Stift in die [[Lateranensische Choherrenkongregation]] aufgenommen. Die Pröpste führen seitdem den Titel eines Lateranensischen Abtes. Propst Leopold führte nach dem Beispiel von Klosterneuburg den schwarzen Talar anstelle der weißen Kleidung für seine Mitbrüder ein.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Frigdian Knecht]] (1740–1775) wurde im Österreichischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen gefangengenommen, um eine Kriegssteuer in der Höhe von 14.000 Gulden zu erpressen. Er wurde nach den Worten des Stiftsdechanten „hin und hergeführt zu Schand und Spott“. Erst nach sechstägiger Gefangenschaft und Zahlung des hohen Lösegeldes konnte der Prälat wieder ins Stift zurückkehren. 1743 entschloss er sich, die Kirche durch den jungen Baumeister Franz Munggenast neu errichten zu lassen. Der Turm wurde 1767 nach Entwürfen von Johann Bernhard Fischer von Erlach durch Matthias Munggenast ausgeführt. Die Architektur dieser Kirche und die Ausstattung durch Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte können zu den großen Leistungen des österreichischen Barocks gezählt werden. In den Pfarren [[Stollhofen]], [[Hain]], [[Rottersdorf]] und [[Brunn]] ermöglichte Propst Frigdian ebenfalls die Barockisierung der Kirchen. Durch die Stiftung von 7.000 Gulden des Wiener Stadtrates Jakob Bodenreiter konnte in Theiß der Pfarrhof neu errichtet werden.&lt;br /&gt;
Aufgrund seines wissenschaftlichen Interesses kaufte der Propst Jahr für Jahr viele wertvolle Bücher, ordnete das Archiv und unterstützte den Aufbau eines eigenen Münzkabinetts. Auf musikalischem Gebiet war sein Mitbruder [[Georg Johann Donberger|Georg Donberger]] tätig. Als Regens chori komponierte dieser unermüdlich und seine Werke sind in den Musikarchiven vieler österreichischer Stifte zu finden. Als Propst Frigdian Knecht nach 35-jähriger Amtszeit im Jahr 1775 starb, hinterließ er ein geordnetes Haus, das spirituell, künstlerisch und wirtschaftlich einen guten Ruf hatte. Er wird auch der dritte Gründer genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Josephinismus bis Gegenwart===&lt;br /&gt;
Propst [[Michael Teufel]] (1782–1809) war Parteigänger von Kaiser Joseph II. und administrierte für ihn die Aufhebungen der Chorherrenstifte St. Andrä an der Traisen und Dürnstein. Das Patent des Kaisers über die Klosteraufhebungen wurde für das Stift St. Andrä an der Traisen wirksam, das nach dem Tod des letzten Propstes [[Gregor Grindler]] 1783 dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde. Das Chorherrenstift Dürnstein wurde 1788 mit dem Stift Herzogenburg vereinigt. Gegen diesen Bescheid erhob zwar der Bischof von St. Pölten Einspruch, doch wurde mit Hofdekret vom 7. Juni 1788 die endgültige Aufhebung Dürnsteins angeordnet. Als durch die Aufhebung der Benediktinerabtei Formbach am Inn der Untere Markt Herzogenburg Staatseigentum wurde, konnte ihn Propst Michael durch geschickte Verhandlungstaktik 1806 kaufen und mit dem Oberen Markt vereinigen. Ein Höhepunkt in der Regierungszeit des Propstes Michael Teufel war die Weihe der neuen Herzogenburger Stiftskirche am 2. Oktober 1785, sie erfolgte durch [[Heinrich Johannes von Kerens]] dem ersten Bischof, der in St. Pölten residierte.&lt;br /&gt;
Von den Koalitionskriegen war Stift Herzogenburg nach der Schlacht im nahegelegenen Dürnstein-Loiben im November 1805 direkt betroffen. Französische Truppen fielen in die Stadt ein, brachen Keller auf und plünderten. Hohe Geldforderungen der französischen Offiziere und Einquartierungen von Soldaten belasteten das Stift schwer. Propst Michael floh während des Krieges mit der Münzsammlung und anderen Kostbarkeiten nach Ungarn in die Abtei Zirc. Kämmerer [[Josef Leuthner]] brachte sich mit den anderen Wertgegenständen auf das Gut Primmersdorf (Waldviertel) in Sicherheit. Im Rahmen des Österreichisch-Französischen Krieges im Jahr 1809 und der zweiten Eroberung Wiens durch Napoleon hatte Herzogenburg wieder unter französischen Truppen, ganz besonders unter den württembergischen Hilfstruppen zu leiden. Bei dieser zweiten Franzoseninvasion kam der Propst allerdings nicht mehr unbehelligt davon. Noch kurz vor seinem Tod wurde er in seinem Zimmer von einem französischen Husaren misshandelt und seines Kreuzes und Ringes beraubt.&lt;br /&gt;
Propst Michael Teufel hat um das Stift beinahe so große Verdienste wie sein Gründer – der Volksmund unterstrich das Weiterbestehen des Stiftes mit dem Bonmot: „Der Teufel hat das Stift gerettet.“ Im Geist der neuen josephinischen Begräbnisordnung wurde er als erster Stiftsvorsteher außerhalb des Ortes auf dem allgemeinen Friedhof in einem bescheidenen Mausoleum bestattet. 1977 wurden die sterblichen Überreste des Propstes exhumiert und neben seinem Grabdenkmal in der Stiftskirche beigesetzt.&lt;br /&gt;
Die Amortisationsgesetze und Religionsfondsabgaben der spätjosephinischen Ära belasteten die Stiftswirtschaft und führten zu erheblicher Verschuldung. Der ehemalige Stiftsdechant Propst [[Aquilin Leuthner]] (1811–1832) konnte das Haus nur insofern aus der finanziellen Not retten, als er von Kaiser Franz I. einen Nachlass der Schulden erreichte. Dem josephinischen Nützlichkeitsgedanken entsprach das Kloster durch Errichtung eines Schulgebäudes auf dem Stiftsgelände im Jahr 1829, dem der Westtrakt des mittelalterlichen Kreuzwegs weichen musste. Die Visitationen des St. Pöltner Bischofs Jakob Frint führten in Herzogenburg zur allmählichen Umsetzung der Klosterreformen der Restaurationszeit. &lt;br /&gt;
Unter Propst [[Bernhard II. Kluwick]] (1832–1843) erreichte die aus Osteuropa kommende Choleraepidemie auch Niederösterreich. Die Angst vor dieser Seuche veranlasste die Stiftsherren, zur Versorgung der Kranken an den Gangenden sogenannte Choleraöfen zu errichten: „... also die Küche zu weit entfernt ist, um schnell den notwendigen Tee und warmes Wasser herbeizuschaffen.“ Das Lebenswerk von Propst Bernhard war die Erbauung der Pfarrkirche in [[Theiß]].&lt;br /&gt;
Propst [[Karl Stix]] (1843–1847) konnte einen weiteren bedeutenden Schuldenerlass bei Kaiser Franz I. erreichen. Aus Dankbarkeit feierte das Stift jahrzehntelang den Todestag des Monarchen mit dem „Kaiserrequiem“. 1844 konnte er die Jubiläumsfeier der Übertragung des Stiftes von St. Georgen nach Herzogenburg (1244) festlich begehen.&lt;br /&gt;
Im Revolutionsjahr hob am 7. September 1848 hob der Reichstag die bäuerliche Untertänigkeit auf und das Feudalrecht mit Robot und Zehent wurde abgeschafft. Propst [[Josef II. Neugebauer]] (1847–1856) verkaufte in der Folge 1851 das Gut Primmersdorf 1851, das bis dahin der Einbringung der klösterlichen Zehentrechte im nördlichen Waldviertel gedient hatte. Am 8. Oktober 1848 – auf der Flucht von Wien in die Festung Olmütz – kam Kaiser Ferdinand I. mit seinem Gefolge nach Herzogenburg und wurde als Gast im Stift beherbergt. Am selben Abend unterzeichnete der Kaiser ein Manifest „An die Völker meiner deutsch-erbländischen Provinzen“. Am nächsten Morgen zog der Kaiser mit seinem Gefolge weiter. Der Name „Kaisergasse“ in Herzogenburg erinnert noch heute an diese Begebenheit.&lt;br /&gt;
1853 gab es eine kanonische Visitation durch den St. Pöltener Bischof Feigerle, und zwei Jahre darauf visitierte auch der Linzer Bischof Rudiger in Vertretung des Kardinals Fürst Schwarzenberg das Stift Herzogenburg. Auch er war sehr zufrieden mit dem Stand des Hauses und „schied mit wahrer Herzensfreude vom Stift“. Auch unter dem nächsten Vorsteher des Stiftes Propst [[Norbert Zach]] (1857–1887) herrschte ein gutes Klima im Haus. Von den 34 Mitgliedern des Stiftes waren 25 Priester in der Seelsorge tätig, vier hatten häusliche Offizien, zwei Kleriker studierten an der theologischen Hauslehranstalt im [[Chorherrenstift Klosterneuburg]], zwei Novizen wurden im Haus in die Lebensordnung der Chorherren eingeführt.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1862 gründete der Stiftskurat und spätere Dechant [[Ferdinand Mann]] den katholischen Gesellenverein, der sich um die seelsorglichen und menschlichen Anliegen der arbeitenden Bevölkerung kümmerte. Die Stadt Herzogenburg begann den Schritt ins Industriezeitalter, als 1874 die Firma Vollrath (Nägel, Schrauben) von Wien nach Herzogenburg/Oberndorf übersiedelte. 1875 folgte ihm Carl Grundmann, ein pensionierter Danziger Lokomotivführer, der sich auf die Erzeugung von Türschlössern spezialisiert hatte. In diese Zeit fällt auch die Planung und der Bau der Eisenbahnlinien im Raum Herzogenburg: Am 3. August 1885 wurde die Strecke Tulln – St. Pölten, am 16. Juli 1889 die Strecke Herzogenburg – Krems eröffnet. Seit dieser Zeit „ist der Markt mit zwei Hauptverkehrsadern der Monarchie“, mit der West- und der Franz-Joseph-Bahn, verbunden. Um der rasch anwachsenden Bevölkerung eine bessere Ausbildung und damit größere Berufschancen geben zu können, wurde die Stiftsschule schon 1867 zu einer Pfarr-Hauptschule erweitert. Heute wird das neben der Stiftskirche gelegene Schulgebäude von der Herzogenburger Sonderschule und der Musikschule benützt.&lt;br /&gt;
Auch das äußere Bild des Ortes änderte sich Mitte des 19. Jahrhunderts. Drei Tore der alten Marktbefestigung wurden abgetragen; ebenso Teile der Ringmauer. Ein Stückchen dieses mittelalterlichen Ensembles ist heute noch im nördlichen Stiftsbereich zu sehen, wo Mauer, Graben, Verteidigungsturm und das einzige noch bestehende Stadttor, das „Au-Tor“, auch „Nordtor“ genannt, erhalten blieben.&lt;br /&gt;
Nach der Schlacht bei Königgrätz Mitte Juli 1866 drangen die preußischen Truppen bis ins Waldviertel vor und das österreichische Militär zog sich – größtenteils kampflos – auf das südliche Donauufer zurück. Das Stift richtete im Auftrag der k. k. Statthalterei ein Spital für die Soldaten ein. Für seine Verdienste wurde der Propst im Jahr 1879 vom Kaiser mit dem Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet. Während seiner zehnmonatigen Funktion als Administrator des Stiftes veranlasste Dechant Emmerich Wallner die Gestaltung des nach ihm benannten „Emmerichhofes“ im Westtrakt des Stiftsgebäudes.&lt;br /&gt;
In der Person des folgenden Propstes [[Frigdian II. Schmolk]] (1888–1912) vereinigten sich Kirchenfürst und Staatsmann. 1902 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum Landmarschall (Vorsitzender des Landtages). Vier Jahre lang hatte er dieses Amt inne. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der Kaiser die Würde eines Wirklichen und Geheimen Rates und berief ihn auf Lebenszeit als Reichsrat in das Herrenhaus. Um 1900 erreichte das Stift seinen höchsten Personalstand: 40 Konventualen gehörten zum Kloster. &lt;br /&gt;
Unter Propst Frigdian wurden in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das Stiftsgebäude, der Turm, die Orgel und das Innere der Kirche restauriert. Dechant Ferdinand Mann ließ auf seine Kosten 1903 den Maria-Lourdes-Altar errichten und die zwei Holzstatuen Herz-Jesu und Herz-Maria in der Kirche aufstellen. 1907 wurde der Zusammenschluss der österreichischen Chorherrenstifte zur „Österreichischen Kongregation der regulierten Lateranensischen Chorherren“ erreicht. Als Konvisitator wurde Propst Frigdian Schmolk gewählt. Eine enge Freundschaft verband Propst Frigdian mit dem Wiener Bürgermeister Karl Lueger. Als dieser tödlich erkrankte, berief er seinen langjährigen Freund zu sich, der ihm die die Sterbesakramente reichte.&lt;br /&gt;
Schmolks Nachfolger wurde [[Georg III. Baumgartner]] (1913–1927). Mit größter Sparsamkeit und Umsicht lenkte er das Stift durch die wirtschaftlichen Erschütterungen des Ersten Weltkrieges. Er stellte das Sommerrefektorium als Kaserne für die Marschkompanien und den Theatersaal dem Roten Kreuz zur Pflege der Verwundeten zur Verfügung. Vom Krieg selbst wurde Herzogenburg nur mittelbar betroffen: durch die vielen Gefallenen. Ihre Namen sind auf einer Marmortafel, rechts beim Eingang der Kirche, eingemeißelt.&lt;br /&gt;
1916 ließ Propst Georg das veraltete stiftliche Elektrizitätswerk– die ehemalige Stiftsmühle – in eine moderne Wasserkraftanlage mit Turbinen umbauen, die das Stift und Teile der Stadt Herzogenburg jahrelang mit Strom versorgte. Bedeutende Verdienste erwarb sich Georg Baumgartner durch seine wissenschaftliche Forschung über die Urgeschichte, inspiriert durch die archäologischen Funde aus der Hallstattzeit auf Grundstücken, die zum Stift gehörten. Bis zuletzt arbeitete er mit großer Genauigkeit an der Hausgeschichte und an der Baugeschichte der Kirche und des Stiftes und verfasste weiters den Artikel „Herzogenburg“ in der „Topographie von Niederösterreich“.&lt;br /&gt;
Die allgemeine Wirtschaftskrise machte sich auch im Stift bemerkbar. Das Steueramt St. Pölten drängte immer öfter unter Androhung der Zwangsverwaltung auf Bezahlung der Steuerschulden. Das Kapitel unter Propst Georg sah sich gezwungen, einem Beschluss zum „Verkauf einzelner Wertgegenstände näher zu treten“. Einige wertvolle Kunstgegenstände wurden verkauft. In diese politisch sehr schwierige Zeit fällt eines der größten Ereignisse für Herzogenburg, die Stadterhebung: Am 30. Juni 1927 beschloss der Landtag von Niederösterreich, den Markt Herzogenburg „trotz der verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl“ (2.800) zur Stadt zu erheben.&lt;br /&gt;
Der spätere Landtagsabgeordnete und Vertreter des Klerus [[Ubald Steiner]] (1927–1946) wurde zum nächsten Propst gewählt. Es gelang ihm, das Stift durch die schwierige wirtschaftliche Lage der dreißiger Jahre zu führen, was den Verkauf mehrerer Grundstücke und Kunstschätze beinhaltete.&lt;br /&gt;
Die Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Sozialdemokratie in den 1920er Jahren wurden auch in Herzogenburg, das durch seine metallverarbeitende Industrie über einen hohen Arbeiteranteil verfügte, vehement geführt. Der Stiftsdechant  und Pfarrer [[Anton Rudolf]] stand im Ruf, „der von den Sozialdemokraten wohl bestgehasste Chorherr“ zu sein. Er war der Typ von Priesterpolitiker, der die ohnehin spannungsgeladenen dreißiger Jahre durch sein Zelotentum und seine nie erlahmenden Bekehrungsversuche an ungläubigen Marxisten eher verschärfte denn beruhigte. &lt;br /&gt;
Die Volksabstimmung vom 10. April 1938 brachte in Herzogenburg 2.047 Ja-Stimmen für den Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland und nur fünf Gegenstimmen. In der Folgezeit erhielt Herzogenburg den Namen „Stadt der Treue“. In diesen Jahren wurden die Repressalien gegenüber den kirchlichen Institutionen und der Geistlichkeit immer spürbarer. Die Stiftstaverne und der Theatersaal wurden beschlagnahmt. 400 Herzogenburger traten aus der Kirche aus, und rund 100 Kinder wurden vom Religionsunterricht abgemeldet. Das Herzogenburger Pfarrblatt, das seit 1915 erschien, wurde wegen „Papierknappheit“ 1941 eingestellt. Das Stift wurde von den Nationalsozialisten zwar nicht aufgehoben, war aber in seiner Wirtschaftsführung nicht mehr unabhängig. Teile des Stiftsgebäudes wurden 1940 für ein Einquartierung von bessarabischen Umsiedlern und später auch anderen Flüchtlingen beschlagnahmt.&lt;br /&gt;
Zum „schwarzen Montag“ wurde der 6. November 1944. 300 Bomben fielen in und um Herzogenburg: 20 Tote und große Sachschäden waren die traurige Bilanz. Am 14. April 1945 rückten nach einer kurzen Kanonade die Sowjets in Herzogenburg ein. Eine Gruppe von Herzogenburgern, unter ihnen Propst Ubald, ging ihnen mit der weißen Fahne entgegen. Die Stiftsgebäude waren durch einige Bombentreffer leicht beschädigt worden, schwerer betroffen waren die Stiftswälder, die durch die Luftangriffe schwere Schäden hatten. &lt;br /&gt;
Propst [[Georg IV. Hahnl]] (1946–1963) betrieb den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit. Im Jahr 1948 wurden vier neue Glocken der Stiftskirche geweiht. 1942 hatten alle Glocken bis auf die größte, die Pummerin, der Rüstungsindustrie abgeliefert werden müssen. Wissenschaftliche Berühmtheit erlangte Propst Georg durch seine Arbeit auf dem Gebiet der Heimat- und Urgeschichtsforschung. Fast seine ganze Regierungszeit als Propst war allerdings von einer schweren Krankheit überschattet, was sich negativ auf das Klima und die Personalsituation des Stiftes auswirkte.&lt;br /&gt;
Nach seiner Resignation wurde [[Thomas Zettel]]  (1963–1969) zum nächsten Vorsteher des Hauses gewählt. Nach langen Vorbereitungen öffnete 1964 das Stift Herzogenburg seine Räume und Säle für über 100.000 Besucher anlässlich seiner (etwas verspäteten) 850-Jahr-Feier. Der ebenerdige Teil des sogenannten „Altstiftes“, die Reste der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen alten Klosteranlage, war renoviert worden und das spätgotische Refektorium „glänzte“ durch die kurz zuvor freigelegten Fresken von ca. 1500. Daneben im frühbarocken Refektorium waren die Funde aus der Ur- und Frühgeschichte neu aufgestellt worden. Im Barockgebäude wurde im ersten Stock im ehemaligen Gästetrakt eine Ausstellung für die restaurierten Kunstschätze des Stiftes, insbesondere seine Sammlung mittelalterlicher Flügelaltäre, eingerichtet. Im Festsaal, in der Bibliothek, im Bildersaal und in elf weiteren Ausstellungsräumen erlebten und erleben Besucher das künstlerische Erbe des Stiftes.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1965 gab es eine einschneidende wirtschaftliche Umstellung: der Weinbau und die Landwirtschaft konnten in Eigenregie nicht mehr positiv geführt werden, deshalb wurden beide Wirtschaftszweige verpachtet. Der Forst als dritte Einnahmequelle wird bis heute noch selbst geführt, die Jagden sind verpachtet. Das Gebäude, in dem die ehemalige Stiftstaverne befand, wurde an die Stadtgemeinde Herzogenburg verkauft.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1977 erreichten die ökumenischen Gespräche und Gottesdienste, die vom späteren Propst [[Maximilian Fürnsinn] initiiert wurden, ihren Höhepunkt in der Ausstellung &amp;quot;Kunst der Ostkirche&amp;quot;. Zum ersten Mal feierten in diesem Zusammenhang die Vertreter aller elf östlichen und westlichen Kirchen in Österreich einen gemeinsamen Gottesdienst in der Herzogenburger Stiftskirche.&lt;br /&gt;
Anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Stadt Herzogenburg“ wurde die Nordeinfahrt des Stiftes restauriert und der Innenhof nach barockem Vorbild neu gestaltet. In diesem Jahr, 1977, wurde auch der Abschluss der Turmrenovierung gefeiert. Propst [[Clemens Moritz]] (1969–1979) wurde zum Ehrenbürger von Herzogenburg ernannt. Er war nicht ein Prälat im Sinne der prachtvollen Barockzeit – musste er doch einen personellen Tiefstand von nur 14 Mitgliedern erleben – wohl aber im Sinne des Ordensstifters Augustinus ein Seelsorger, besorgt um seine Gemeinde und seine Mitbrüder. Auch nach der Resignation blieb Altpropst Clemens bis zum Jahr 1996 der Pfarrer von Herzogenburg.&lt;br /&gt;
Mit [[Maximilian II. Fürnsinn]] (1979–2019)) bekam das Stift nach 200 Jahren wieder einen gebürtigen Herzogenburger zum Propst. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war zunächst die Renovierung der Stifte und Pfarren. Allein mit einem Kostenaufwand von rund 50 Millionen Schilling wurde das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein in der Zeit von 1985 bis 1995 restauriert. Die zehnjährige Renovierung des Stiftes Herzogenburg wurde im Jahr 2012 abgeschlossen, sie umfasste neben der Fassadensanierung unter anderem die Instandsetzung der musealen Räumlichkeiten. Die neue Dauerausstellung konnte im Jahr 2012, als das Stift das Jubiläum seines 900jährigen Bestehens beging, eröffnet werden.&lt;br /&gt;
Zu den zentralen Anliegen von Propst Maximilian gehörte, dass das Stift – entsprechend der jahrhundertelangen Tradition – eine offene Begegnungsstätte ist. So gehen auf seine Initiative viele Tagungen, Bildungsveranstaltungen und Zusammenkünfte von verschiedenen Institutionen und Vereinigungen zurück. Neben den zuvor erwähnten ökumenischen Treffen haben etwa die Ritter vom Heiligen Grab in Jerusalem der Komturei St. Pölten hier regelmäßige Zusammenkünfte. Besonders erwähnenswert sind die in der Regierungszeit von Propst Maximilian abgehaltenen &amp;quot;Herzogenburger Gespräche&amp;quot;, anlässlich derer mehrmals im Jahr 60 bis 80 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kirche zentrale gesellschaftliche Fragen behandelten. Pastorales Wirken war dem vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägten Seelsorger Maximilian Fürnsinn ein besonderes Anliegen, vor allem die Lebendigkeit in der Pfarrseelsorge lag ihm am Herzen. In der Pfarre Herzogenburg entstand aus einem Kinderfest der Katholischen Jungschar der heute größte Kinderevent Niederösterreichs, die „Niederösterreichischen Kindersommerspiele“ (NÖKISS).&lt;br /&gt;
Das kirchliche Engagement von Propst Maximilian führte dazu, dass er 1982 zum ersten Mal zum Vorsitzenden der niederösterreichischen Äbtekonferenz gewählt wurde. Von 1989 bis 1994 war er Vizepräsident der ökumenischen Stiftung Pro Oriente. Von 1998 bis 2013 war Maximilian Fürnsinn Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs.&lt;br /&gt;
Im Jahr 2019 wurde [[Petrus Stockinger]] zum neuen Propst von Herzogenburg gewählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Bischof Ulrich I. von Passau (1092–1121) konnte seiner Neugründung, dem Augustiner-Chorherrenstift St. Georgen, nur wenig schenken. In der Gründungsurkunde des Klosters bemühte er daher auch die Heilige Schrift und erwähnt das Opfer der armen Witwe, die nur zwei Kupfermünzen in den Opferkasten des Tempels warf, die aber von Jesus gelobt wurde, weil sie alles gab, was sie besaß. Der Bischof schenkte einiges von seinem persönlichen Besitz her, vielleicht sogar alles, was er in der damaligen Ostmark sein Eigentum nannte. Und das war für die junge Kommunität gerade genug zum Überleben. Katastrophen oder wirtschaftliche Schwierigkeiten durfte es keine geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bischof übergab der Klostergemeinschaft seine ererbte Eigenkirche St. Georgen an der Traisenmündung mit Fischwassern, Weingärten, Wiesen und Wäldern. Ebenso vermachte er aus seinem persönlichen Besitz ein Gut und eine Hube zu Sebarn, eine Hube zu Perschling, Engabrunn und Gumpolding, eine halbe Hube in Pötzleinsdorf (bei Wien) und eine zu Kamp, je einen Weingarten zu Kuffern und Egelsee und zwei Weingärten in Inzersdorf. Aus dem bischöflichen Gut schenkte er drei Weingärten in Hundsheim mit einem Lehen, je einen Weingarten in Stein, Weinzierl und Plechingen (zwischen Stein und Krems), den dritten Teil des Zehents von Teras und Merzleinswerd, die Hälfte des Zehents von den Pfarren Herzogenburg und Traisenburg sowie das ganze Dorf Streithofen (im Tullnerfeld). Einige Jahre später schenkte Bischof Ulrich zur Aufbesserung noch sechs Weingärten dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der wirtschaftlichen Not des jungen Stiftes versuchte nun 1160 Bischof Konrad von Passau (1148–1164) mit einer (gefälschten) Urkunde zu helfen, in der er das neuzugründende Stift St. Andrä mit St. Georgen vereinigte. Dieser Zusammenschluss scheiterte am Widerstand Ottos von Rechberg, der schließlich ein eigenständiges Kloster St. Andrä errichten konnte. Als Entschädigung übertrug Bischof Konrad dem Stift St. Georgen die Pfarre Marquardsufer und den Schweighof bei Zeiselmauer, um der &amp;quot;materiellen Not des Stiftes abzuhelfen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam konnte das Stift in den folgenden Jahrhunderten seinen Besitz durch Schenkungen vermehren, wobei das Waldviertel und das untere Traisental zu Schwerpunkten der Besitzungen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Urkunde von 1163 werden als Zeugen zuerst die Äbte von Göttweig und Zwettl, der Propst von St. Pölten und dann der Propst von St. Georgen, Albert, angeführt. 25 Jahre später kommt Propst Berthold von St. Georgen in der Zeugenfolge nach den Äbten von Göttweig, Melk und Altenburg, jedoch vor den Pröpsten von St. Nikolai und St. Andrä. Diesen Platz in der Reihenfolge der niederösterreichischen Stifte nimmt Herzogenburg bis über die Barockzeit ein. Nach den Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II. dürfte das Stift Herzogenburg besitzmäßig an die letzte Stelle gerückt sein. Doch noch einmal zurück ins Mittelalter. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im 12. Jahrhundert konnte das Stift seine Besitzungen durch Kauf, vor allem aber durch Schenkungen vermehren. Die Vielzahl der Schenkungen im Mittelalter sind meist auch ein Zeugnis von guter Spiritualität: einem glaubensstarken Kloster vertraut man eher seine Gebetsanliegen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste große Finanzaufwand war der zweite Neubau des Klosters in Herzogenburg um 1244. Das älteste Zehentverzeichnis, das in das Jahr 1299 zurückreicht, zeigt jedoch schon eine wirtschaftliche Stabilisierung auf. Das Stift besaß nun zehn &amp;quot;Ämter&amp;quot;, i. e. Zehenthöfe, die für die Einhebung der Zehente notwendig waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten waren Abgaben für die Kreuzzüge zu entrichten. Später kamen dann die Steuern für die Finanzierung der Türkenkriege. Verwüstungen durch Kriege, Naturkatastrophen (Heuschreckenplage und Dürre) und Pestepidemien brachten einen wirtschaftlichen Tiefstand für das Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zeichen für das wirtschaftliche Auf und Ab war 1417 der Kauf eines Hauses in Wien, Johannesgasse. 1541 musste es wieder verkauft werden. Bezeichnend für diese schwierige Zeit war auch der Personalstand: 1569 war nur mehr ein Konventuale im Stift. Als 1601 wieder ein Haus in Wien, diesmal in der Annagasse, gekauft wurde, war dies zugleich auch ein Zeichen des neuen Erstarkens: sowohl wirtschaftlich als auch personell. Das Stift wurde renoviert, die Kirche barockisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Abwehr der Türken 1683 konnte das Stift im wirtschaftlichen Aufwind weitere Akzente setzen: ein Gut in Primersdorf (Waldviertel) wurde gekauft und ein großer, neuer Schüttkasten errichtet. In Wielandsthal wurde der Keller und in Haitzendorf der Pfarrhof von Prandtauer errichtet. Im barocken Neubau des Stiftes (ebenfalls von Prandtauer) und der dazugehörigen Kirche kam die wirtschaftliche Kraft zum Ausdruck. Allerdings mussten dafür Weingärten in Mautern, Mauternbach und Sallapulka, eine Mühle von St. Georgen, Meierhöfe in Reith bei Primersdorf, Großhain, Schwarzenbach usw. für eine Gesamtsumme von 17.600 Gulden verkauft werden. Das war ungefähr ein Drittel des Prandtauischen Kostenvoranschlages für den Neubau des Stiftes (54.000 Gulden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wirtschaftliches Tief lösten die napoleonischen Kriege und die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aus: 1851 wurde das Gut Primersdorf im Waldviertel veräußert. Jahre vorher konnte das Stift nur durch einen großzügigen Schuldenerlass von Kaiser Franz I. vor einem finanziellen Ruin gerettet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Stift nur durch den Verkauf von Grundstücken und von vielen Kunstgegenständen entgegenwirken. Einige Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg kam es wieder zu Veräußerungen von Kunstgegenständen, Teilen von Sammlungen (Mineraliensammlung) und Teilen der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre unter Propst Maximilian waren von einer klugen Wirtschaftspolitik gekennzeichnet. Trotz der bescheidenen Besitzungen von 2.625 ha (2.200 ha Wald, 25 ha Weinbau, 400 ha landwirtschaftliche Nutzung) konnten viele Restaurierungen am Stift und an den Kirchen und Pfarrhöfen vorgenommen werden. Am 29. April 1996 wurde die Außenrenovierung des Stiftes Dürnstein mit einem Gesamtumfang von 50 Millionen Schilling abgeschlossen. Eine Aufgabe für dieses Haus, etwa als Seminar- oder Vortragszentrum, wird noch zu finden sein.&lt;br /&gt;
Wenn auch schon vieles vollbracht worden ist, so warten doch noch weitere Aufgaben für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Vogtei===&lt;br /&gt;
Der Besitz des Bistums Passau im Raum Donau–Traisen stand unter der Vogtei der Babenberger. Diese übten sie durch die Burggrafen von Lengbach (Neulengbach) aus. Urkundlich sind die Vögte des Stiftes Herzogenburg sehr selten belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Übertragung des Stiftes nach Herzogenburg änderte sich in der Vogteiverwaltung nichts. Nach dem Aussterben der Babenberger siegelte 1252 Konrad von Zagging als Vogt des Hauses. Er dürfte in Verbindung mit König Ottokar Przemysl, dem neuen Landesherren, gestanden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Habsburger die Herrschaft übernahmen, wurden die Burggrafen von Neulengbach die Vögte von Herzogenburg. Bestätigt wird diese Annahme durch die Erklärung der Herzöge Wilhelm und Albrecht IV. vom 20. März 1396, in der sie ihre Pflicht zu besonderem Schutz und Schirm des Klosters und seiner Güter bestätigten, da sie ja jährlich das Vogtgeld von 17 Pfund und 6 Schillingen Wiener Pfennig und 1 Muth Hafer vom Stift empfingen. Das Stift Herzogenburg zahlte diese Summe bis zum Jahr 1848 nach Neulengbach, als die Herrschaft längst schon in Privatbesitz übergegangen war und das Vogtgeld umgerechnet nun 17 Gulden und 45 Kreuzer betrug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jenseits der Donau dürften die Kuenringer auf Dürnstein die Vogtei über die Stiftsgüter ausgeübt haben. Nach ihrem Aussterben erging 1356 eine Weisung des Herzogs Albrecht II. an seinen Pfleger in Krems, das Stift Herzogenburg in seinen Rechten und Besitzungen zu schirmen. Im Jahr 1445 übernahmen die Brüder Ulrich, Oswald und Stephan Eytzinger auf Bitten des Propstes die Vogtei auf 15 Jahre gegen die jährliche Abgabe von 6 Muth Hafer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Stift Herzogenburg lag jahrhundertelang wirtschaftlich im Mittelfeld der niederösterreichischen Klöster. So war es auch mit der Zahl der Mitglieder. Die frühen mittelalterlichen Chorherrengründungen waren nicht für riesige Konvente gedacht, sondern die Zahl zwölf war, von Jesus mit seinen Jüngern herkommend, die goldene Zahl. Bei der Gründung von St. Georgen werden wahrscheinlich eine Handvoll Chorherren die Aufbauarbeit an diesem Donaustift begonnen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1200 gab es die erste urkundliche Aufzählung des Konventes: zwölf Priester, drei Konversen (''fratres conversi''), fünf Familiaren und vier Brüder. Einige Jahre nach der Übersiedlung des Konventes von St. Georgen nach Herzogenburg wurden neun Priester, zwei Diakone und vier Brüder (''fratres barbati'') als Zeugen genannt. Ein Stiftshistoriker zählte diese bärtigen Brüder dem adeligen Stand zu, da er sie als Mitglieder von Bauhütten interpretierte, die Baumeister und Städteplaner waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Namen und aus der Stellung in der Zeugenreihe lassen sich auf die Abstammung der Chorherren Schlüsse ziehen. Wir finden im Konvent einige Mitglieder des niederen Adels. Diese Tatsache erklärt einen Teil der reichen Schenkungen des Adels der Umgebung, der so zur Versorgung seiner Söhne beitrug. Ein Nobelstift war Herzogenburg aber nie. Die meisten Novizen kamen aus der Umgebung, vereinzelt aus Oberösterreich, der Steiermark, Kärnten und Salzburg. Die Zusammensetzung des Konvents blieb also durchaus im Rahmen des damals Üblichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert dürfte sich die Zahl der Konventualen zwischen 20 und 25 bewegt haben. Der erste große Verlust kam durch die Ermordung einiger Chorherren bei der Eroberung von Herzogenburg im Jahr 1463 und dann durch die Pest. Die Reformation trug das ihre dazu bei, sodass es beim Tod des Propstes Bartholomäus von Cataneis 1563 wahrscheinlich überhaupt kein Konventmitglied mehr gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann gab es nur ein, später zwei Mitglieder, und mit dem Erstarken der Gegenreformation kam wieder Leben in die Stiftsgemäuer: im 17. Jahrhundert betrug der Personalstand zwischen acht und zehn Mitglieder. In der Barockzeit erreichte er die Zahl 25. Um 1800 waren 27 Priester, ein Kleriker und drei Novizen dem Stift zugehörig. Im 19. Jahrhundert stammten 47 Priester aus Niederösterreich, 21 aus der Tschechoslowakei und acht aus Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Jänner 1900 hatte dann das Haus den Höchststand in seiner Geschichte: von den 40 Mitgliedern waren 35 Priester, vier Kleriker und ein Novize. Im 20. Jahrhundert nahm die Zahl stetig ab, und zur Zeit gehören 13 Priester und drei Kleriker zum Stift. Die Priester stammten im letzen, d. h. im 20. Jahrhundert, zu gleichen Teilen aus dem Arbeiter- und Angestelltenstand bzw. aus der Landwirtschaft und aus Familien selbständig Tätiger (die Väter waren Fleischhauer, Fabrikanten usw.). Der größte Anteil von ihnen waren Niederösterreicher (15), dann Wiener (neun), sechs Priester kamen aus dem heutigen Tschechien. Je zwei stammten bzw. stammen aus Tirol, Deutschland und den Niederlanden. Je ein Professe kommt aus dem Burgenland und aus Belgien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Vom Ursprungskloster in St. Georgen haben sich keine Reste erhalten. Die frühesten Ansichten von diesem Bau stammen aus der Barockzeit. Es ist deshalb schwer zu beweisen, wie weit sie der Wirklichkeit entsprechen. Auf diesen Bildern ist eine Kirche als zentraler Rundbau zu sehen, wie es manchmal in der Romanik üblich war, davor zwei niedrigere Rundtürme mit der Prälatur, links davon der Küchenturm, der einem Rauchabzug ähnlich ist. Rechts von der Kirche befindet sich ein Fluchtturm mit den Glocken. Anschließend sind die Klostergebäude für die Chorherren und Gäste dargestellt. Der Klosterbau ist mit einer Mauer umgeben. Das Ganze ist wahrscheinlich ein liebevoller Versuch, das Ursprungskloster darzustellen. Diese Ansicht entspricht aber keiner romanischen Klosteranlage der damaligen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster in Herzogenburg sind wir besser informiert. Wahrscheinlich wurde 1244 zuerst mit dem Bau eines Konventtraktes begonnen, da der bestehende Pfarrhof für den 15 Mann starken Konvent zu klein gewesen ist. Von dieser Anlage hat sich noch der Südtrakt mit einem Kreuzgangabschnitt erhalten. Bei Renovierungsarbeiten zu Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Sandsteinsäulen mit herzförmigen Kapitellschilden und einfachen Rundsockeln freigelegt, die in die Mitte des 13. Jahrhunderts einzureihen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ehemalige Refektorium wurde zum Teil schon 1894 entdeckt, doch konnten die Fresken erst 1963 vollständig freigelegt werden. Diese Räume waren Teil des Gerichtsgebäudes: Wärterwohnung und Gefängniszellen. An der Südseite des gotischen Saales befinden sich drei Spitzbogenfenster. Den sechsjochigen Raum tragen zwei Steinpfeiler als Mittelstützen. An einem ist die Jahreszahl 1564 zu erkennen, die vielleicht auf eine spätere Renovierung zurückgeht. Ab einer Höhe von 1,70 m befinden sich figurale Wandmalereien. Die einzelnen Darstellungen des Zyklus sind unterschiedlich gut erhalten, zum Teil ist nur noch die rote Vorzeichnung vorhanden. Neben christologischen Szenen sind eine Sterbeszene im Kloster (vielleicht der Tod des Ordensgründers Augustinus) und ein hl. Georg wiedergegeben. Vom zweiten Bild der Nordwand ist die Darstellung des Stifters dieser Bilder Propst Georg Eisner mit seinem Konvent erhalten. Da er ohne Mitra gezeigt wird, ist die Entstehungszeit dieser Fresken kurz vor 1498 anzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der östlich an das Refektorium anschließende frühbarocke Saal wird auf einem Plan mit &amp;quot;Capitl&amp;quot; bezeichnet. Die Jahreszahl 1628 am Ostfenster gibt vielleicht den Abschluss des Umbaus an. Heute wird dieser Saal für das Urgeschichtsmuseum des Stiftes verwendet. Wahrscheinlich besaß dieser Konventtrakt aufgrund der Größe der Stiftsgemeinschaft ursprünglich schon einen ersten Stock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei anderen Flügel des Konventbaues wurden wegen des Kirchen- bzw. Schulneubaus weggerissen. Über die Funktion der Räumlichkeiten sind wir zum Teil durch einen Plan von Johann Michael Hergöth unterrichtet, den er um 1700 gezeichnet hat: ebenerdig gab es drei Sakristeiräume, eine Schneiderei, den Mesnerkeller und das erwähnte Refektorium. Im ersten Stock waren die Zimmer der Chorherren, die Wohnung des Dechants und die Bibliothek untergebracht. Im Kreuzgangbereich lag noch die alte Totenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite des Konventbereiches steht auch heute noch der Kirchenbau. Von der mittelalterlichen Kirche ist nur das gotische Kirchenportal aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten. Aus den Umbauplänen können wir schließen, dass dieser Bau als Pfeilerbasilika auf kreuzförmigem Grundriss errichtet war, ähnlich der Michaelerkirche in Wien. Nördlich der Kirche waren die Kanzleiräume und die Prälatur. Entlang des Baches lagen die Wirtschaftsräume mit einem weithin sichtbaren Fluchtturm (Kuchlturm). Von diesen Gebäuden steht nur noch die Mühle, die heute als Elektrizitätswerk die Wasserkraft nutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm von Schmerling (1709–1721) entschloss sich für den Neubau des Stiftes. Am 25. Mai 1714 wurde dazu der Grundstein gelegt und Jakob Prandtauer wurde mit der Planung und Ausführung betraut. Propst Hieronymus Übelbacher von Dürnstein bezeichnet Prandtauer als &amp;quot;fürnehmen baumeister zu St. Pölten und vielleicht fürnehmsten in ganz Österreich&amp;quot;. Prandtauer begann mit dem Bau des Südtraktes. Der Osttrakt mit dem großen Festsaal wurde nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet. 1720 wurde die Einfahrtshalle aufgeführt. Auch hier dürften Vorschläge von Fischer mitverarbeitet worden sein. Im Quertrakt, zwischen den beiden Höfen, wurden im Erdgeschoß die beiden Sakristeien eingerichtet: Herren- und Prälatensakristei. Die qualitätvollen Stukkaturen gehen auf Michael Bolla, 1717, zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1721 starb Propst Wilhelm Schmerling. Sein Nachfolger Leopold von Planta (1721–1740) ließ weiterbauen, und zur Zeit des Todes von Jakob Prandtauer war das Stiftsgebäude zu einem provisorischen Abschluss gekommen, der aber zum dauernden wurde, denn der Westtrakt des &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; blieb unausgeführt. Propst Leopold ließ vom Nachfolger Prandtauers, dem Stiftsbaumeister Joseph Munggenast, den Meierhof aufführen und in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts den Stiftsbau durch die Errichtung des nördlichen Vorbaues und des Georgitores äußerlich abschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Westtrakt aus Sparmaßnahmen nicht ausgeführt wurde, errichtete der Propst die dort geplante Bibliothek im Mitteltrakt, und die in diesem Teil schon begonnene Prälatur wurde in den Nordostteil des Gebäudes verlegt. Die Gärten ließ er in barocker Manier anlegen und die Brücke über den Mühlbach sowie den &amp;quot;Springbrunn unter dem Großen Saal&amp;quot; mit einigen &amp;quot;Kindln&amp;quot; (Sandsteinfiguren) versehen. Diese Gartenplastiken und auch die Zwergenfiguren aus dem Zwerglgarten sind heute verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leopold kaufte auch vom Wiener Goldschmied Johann Kaspar Holbein einige Brustkreuze, Kelche und vor allem eine wertvolle Monstranz, deren Entwurf auf Matthias Steinl zurückgehen könnte und die im Raritätenkabinett erhalten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung der fertiggestellten Stiftsgebäude erlebte Propst Leopold nicht mehr. Ein Jahr nach seinem Tod wurde die Weihe am Georgstag, den 24. April 1741, von seinem Nachfolger Frigdian Knecht (1740–1775) vorgenommen, der dann auch die &amp;quot;Kapitularen in die neue, freundliche Klausur&amp;quot; führen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich Propst Frigdian zum Neubau der Kirche. Am 26. Juni wurde unter Beisein des Malers Daniel Gran der Grundstein an der Epistelseite der Apsis (rechte Seite der Kirche) gelegt. Die Inschriftplatte aus vergoldetem Kupfer führt Franz Munggenast als Baumeister an. Im selben Jahr, in dem der Rohbau fertig wurde, 1748, starb der junge Baumeister mit 24 Jahren. Seine Genialität wird an dieser Kirche, die zu den großen Leistungen des österreichischen Barock gezählt werden darf, sichtbar. Sein Bruder Matthias folgte als Stiftsbaumeister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kircheninneren malte Daniel Gran 1746 das Hochaltarbild und im Presbyterium die beiden Fresken. Wegen finanzieller Unstimmigkeiten und anderer Meinungsverschiedenheiten kam es zum Bruch mit dem Künstler. Der Propst vergab daher die weiteren Arbeiten in der Kirche, die Freskenmalerei und sämtliche Altarbilder mit den Ovalbildern, an Bartolomeo Altomonte, der sie von 1753 bis 1771 ausführte. Die dekorative Malerei in den Kirchenkuppeln (oberhalb des Hauptgesimses) stammt von Domenico Francia aus Bologna. Die Aufbauten für den Hochaltar (1770) und die Seitenaltäre, die Ballustraden (Kommuniongitter) und die Kanzel (1773) der Kirche stammen von Jakob Mösl, die Altarplastiken von Johann Josef Rößler, das Chorgestühl (1772) und die Volksstühle (1775) vom Klostertischler Lorenz Horeß.&lt;br /&gt;
Die herrliche Ampel wurde 1770 von Johann Christoph Beuermann aus Wien geliefert. Das Glanzstück der Kirche ist die 1752 fertiggestellte Orgel von Johann Henke, dem bedeutendsten Wiener Orgelbauer dieser Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1680 befand sich in der alten Kirche ein aus Ungarn stammendes Marienbild, das &amp;quot;orientalische Frauenbild&amp;quot;, zu dem viele Wallfahrer kamen. Nach der Fertigstellung des barocken Seitenaltares im Neubau der Kirche wurde es 1771 von Propst Frigdian Knecht eigenhändig in einer Prozession, die ihn durch beide Märkte führte, auf den heutigen Platz übertragen. Gegenüber dem Marienaltar liegen in einem Schrein die Gebeine des hl. Urban. Sie stammen aus den Kalixtuskatakomben in Rom und wurden 1740 dem Stiftsdechant Michael Koch geschenkt.&lt;br /&gt;
Als 1771 der barocke Augustinusaltar fertiggestellt war, fand dort der urchristliche Märtyrer seine endgültige Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das jüngste Kunstwerk der Kirche ist der Volksaltar, der 1994 vom Wiener Künstler Wander Bertoni angefertigt wurde und die Schöpfung zum Thema hat. Die Krönung der Bautätigkeit des Propstes Frigdian Knecht war die Neugestaltung des Kirchturmes nach einem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach, unter Mithilfe des Baumeisters Matthias Munggenast. Mit Recht sieht der Stiftschronist Frigdian Mies im Turm den ins Große strebenden Geist des Propstes. Die originelle Turmspitze mit Herzogshut und Stiftskreuz wurde am 6. Juli 1767 &amp;quot;um die Mittagszeit unter Pauken- und Trompetenschall aufgesetzt&amp;quot;. 1756 hatte der Propst die Chorkapelle mit Fresken von Martin Johann Schmidt (&amp;quot;Kremser Schmidt&amp;quot;) und einem Verkündigungsbild von Martin Altomonte ausschmücken lassen. Im Festsaal malte Bartolomeo Altomonte 1772 das Fresko &amp;quot;Das seelsorgliche Wirken der Augustiner-Chorherren im Bistum Passau&amp;quot;. Das Fresko an der Decke der Prälatenstiege &amp;quot;Die Übertragung der Kanonie von St. Georgen nach Herzogenburg&amp;quot; ist signiert mit &amp;quot;Barto Altomonte fec. 1779 aetatis suae 79&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Augustin Beyer (1779–1780) wurde auch die Bildergalerie fertiggestellt. Die Gemälde sind nach einem dekorativen Schema angeordnet: ein zentrales Mittelstück, von kleineren Gemälden umrahmt. Die Bilder wurden zu diesem Zweck auch vergrößert, verkleinert oder sogar geteilt, um der Symmetrie zu entsprechen. Dieser &amp;quot;geistlichen Galerie&amp;quot; kommt nicht nur wegen ihres kulturgeschichtlichen Wertes große Bedeutung zu, es befinden sich unter den 144 Bildern auch hervorragende Kunstwerke, u. a. eine Vincenzo di Biagio Catena zugeschriebene &amp;quot;Heilige Familie&amp;quot; oder ein auf Holz gemaltes deutsches Männerporträt mit der Signatur &amp;quot;H. H. 1521&amp;quot;, das als Werk Holbein d. J. bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man in Österreich die Kunstschätze vergangener Jahrhunderte noch als entbehrlichen &amp;quot;Raritätenkram&amp;quot; verstand, förderte Propst Aguilin Leuthner (1811–1832) die seltsame Sammelleidenschaft seines Mitbruders Ludwig Mangold. Nach dem Vorbild der alten &amp;quot;Kunst- und Wunderkammern&amp;quot; aus der Renaissancezeit hatte der junge Ungar im Stift ein &amp;quot;Antiken- und Raritätenkabinett&amp;quot; im zweiten Stock über der Prälatur angelegt, das zum Grundstein der heutigen Stiftssammlung wurde. Ein Verzeichnis dieser Raritäten wurde im Juni 1815 von ihm angefangen und hat folgende Hauptabteilungen: &amp;quot;A Mahlerey und Mosaique, B Bildhauerey, Schnitz- und Gußwerk, C Kupferstiche und Handzeichnungen, D Glasarbeiten, E Uhren, F Becher und andere Gefaße, G Kleidungsstücke, H Musicalische Instrumente, I Waffen, K Römische Alterthümer, L Verschiedene Seltenheiten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die meisten der hier verzeichneten Gegenstände sind noch im Besitz des Stiftes und waren im Rahmen der Ausstellung &amp;quot;Kunstschätze im Stift Herzogenburg&amp;quot; zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunstwerke wurden 1964 in den ehemaligen Gästezimmern topographisch aufgestellt, d. h. nach Möglichkeit nach ihrem Herkunftsort gruppiert. Das Hauptstück der Sammlung ist der &amp;quot;Jüngere Aggsbacher Hochaltar&amp;quot;, ein 1501 in Krems gemaltes Werk von Jörg Breu von Augsburg. Eine vorzügliche Schnitzarbeit ist die realistisch gehaltene Skulpturengruppe des &amp;quot;Marientodes&amp;quot; um 1500, möglicherweise der Mittelteil der Predella des Jörg-Breu-Altares. Weiters soll hier die „Stiftertafel&amp;quot; aus der Zeit um 1500 erwähnt werden, eine Votivtafel mit dem Bildnis des Bischofs Ulrich I. von Passau und der &amp;quot;porträthaften&amp;quot; Darstellung des mittelalterlichen Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Höhepunkt der spätbarocken Abteilung bilden Werke von Daniel Gran, vor allem das vergoldete Modell für den Hochaltar um 1746 mit dem unmittelbaren Entwurf für das Hochaltarbild und ein äußerst lebendiges Selbstporträt. Einen besonderen Schatz stellt der Bestand von zehn Ölskizzen und Bildern von Bartolomeo Altomonte dar, darunter Entwürfe für die Fresken in der Stiftskirche und ein höchst interessantes Selbstporträt aus dem Jahr 1774. In der Prälatur haben sich auch einige erwähnenswerte Kunstgegenstände erhalten, z. B. ein seltener Venezianer Spiegel vom Beginn des 18. Jahrhunderts, der neben reichem Ornament und alter Verglasung gravierte bérainsche Ornamentik in dem Rahmenspiegelchen trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Refektorium wurde bis in die sechziger Jahre als Speisesaal der Chorherren benützt. 1975 wurde es renoviert und als &amp;quot;Augustinussaal&amp;quot; ein Veranstaltungszentrum für Stift und Pfarre. Im Südosten des Stiftes befindet sich im zweiten Stock das &amp;quot;Mexikanische Zimmer&amp;quot;. In diesem Raum war die von Propst Norbert Zach (1857–1887) erworbene Sammlung von Geräten, Waffen und Schmuckgegenständen der Ottawa-Indianer aufgestellt. Sie musste in den zwanziger Jahren veräußert werden.&lt;br /&gt;
Interessant ist das Zimmer heute wegen der zwölf Wandgemälde, die in der romantischen Gesinnung des späten 19. Jahrhunderts Motive aus Österreich darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Exponate der urgeschichtlichen Sammlung des Stiftes Herzogenburg kamen aus der Ausgrabung eines eisenzeitlichen Friedhofes von Statzendorf. Der Göttweiger Abt Adalbert Dungl war maßgeblich daran beteiligt. Die Pröpste Georg III. Baumgartner (1913–1927) und Georg IV. Hahnl (1946–1963) haben durch eigene Grabungen wesentlich zur Vervollständigung dieser Sammlung beigetragen. Zusammen mit Dungl waren sie die Pioniere der prähistorischen Archäologie im unteren Traisental.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Heute enthält die urgeschichtliche Sammlung eine Reihe von Steingeräten aus der Altsteinzeit, eine große Zahl von Fundstücken der Jungsteinzeit und Keramiken aus der frühen Bronzezeit, wie etwa den Fund von 17 Töpfen aus St. Andrä an der Traisen, Objekte der Hügelgräber und Urnenfelderkultur und weitere bedeutende Funde aus der Eisenzeit, wie Beigaben der Hallstadtkulturen aus den Gräberfeldern von St. Andrä und Statzendorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Römische Funde waren bis auf einige Münzen im Raum von Herzogenburg eher spärlich, bis 1972 aus der Zeit der römischen Kaiser ein Zeremonienhelm mit Gesichtsmaske unweit des Stiftes gefunden wurde, der zu den bedeutendsten Denkmälern römischer Kunst auf österreichischem Boden gerechnet werden muss. Mit seinen &amp;quot;Alexanderlocken&amp;quot; gehört er zum orientalischen Typus. Damit ist er ein Beispiel dafür, wie weit vorderorientalische Mysterienkulte im 2. und 3. Jahrhundert verbreitet waren. Dieses Unikat ist im Raritätenkabinett im ersten Stock ausgestellt, während alle anderen Funde im frühbarocken Refektorium im Altstift zu sehen sind. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Eine fachkundige Neuaufstellung wird derzeit von Univ.-Doz. Dr. Johannes-Wolfgang Neugebauer vorgenommen.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Als 1512 in Herzogenburg ein Großbrand wütete, wurden einige Trakte des Stiftes in Schutt und Asche gelegt. Die Bibliothek wurde dabei auch ein Raub der Flammen. Wahrscheinlich besaß damals das Stift über 100 handgeschriebene Bücher und vielleicht ebensoviele Inkunabeln. Wieviele Bücher gerettet werden konnten ist leider nicht überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten großen Förderer der mittelalterlichen Bibliothek waren die beiden Pröpste Johannes III. von Parsenbrunn (1401–1433) und Johannes IV. von Linz (1433–1457). Aus der Zeit vor dem Brand haben sich einige Buchfragmente erhalten. Fragment 42 aus dem 9. Jahrhundert ist das älteste Stück der Bibliothek.&lt;br /&gt;
Von der Wende des 12. zum 13. Jahrhundert stammt das Fragment 32 mit Teilen eines Legendars. Das Fragment 43 ist Teil eines Nekrologiums vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Es ist ein sicheres Zeugnis für die Schreibkultur des Stiftes in St. Georgen. Ob das Stift dann in Herzogenburg eine eigene Schreibschule besessen hat, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Auf jeden Fall sind keine Handschriften auf Pergament mit wertvollen Initialen auf uns gekommen, sondern nur anspruchslose, auf Papier geschriebene Bücher. Sie haben alle einen praktisch-theologischen Inhalt und stehen im Zusammenhang mit den Seelsorgeaufgaben des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Schreiber waren mit Sicherheit Klosterangehörige, von weiteren sieben ist es unsicher. Die kunsthistorisch kostbarsten Handschriften wurden erst in späteren Jahrhunderten angekauft. Den ersten größeren Zuwachs nach dem Brand erfuhr die Bibliothek durch Propst Philipp von Maugis (1541–1550), der vor allem humanistische Werke bzw. lateinische und griechische Klassikerausgaben erwarb und die von seinem Bruder ererbte Bibliothek der Stiftsbibliothek einverleibte.&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Herb (1687–1709) erbte ebenfalls von seinem Bruder 173 Bücher meist theologischen Inhalts, die in zwei Fässern und einer großen Truhe verpackt auf der Donau von Deutschland nach Krems transportiert und von dort ins Stift gebracht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge des barocken Stiftsneubaus wurde die Bibliothek von 1751 bis 1754 von Propst Frigdian Knecht (1740–1775) erbaut. Die Ornamentmalerei fertigte Domenico Francia an, die figuralen Grisaillen wurden von Bartolomeo Altomonte gemalt. Die einfachen, doppelteiligen Bücherschränke wurden vom Orgelbauer Johann Henke entworfen. Propst Frigdian sammelte die Bücher &amp;quot;mit einem unersättlichen Hunger&amp;quot;, wie er selber scherzend zu sagen pflegte. Er erwarb u. a. die Bibel von 1205 (HS 100) und die kostbare Handschrift &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; (HS 95) aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Stephan Peschka (1775–1779) und Michael Teufel (1781–1809) erwarben durch den Exjesuiten Abbé Johann Christoph Regelsberger viele Bände bei Bücherauktionen aus den Beständen aufgehobener Klöster. Mit der Übernahme der aufgehobenen Stifte St. Andrä an der Traisen 1783 und Dürnstein 1788 kamen nur wenige Bücher, nachweislich nur einige Handschriften und Inkunabeln, nach Herzogenburg. Der Großteil des Bücherschatzes kam in die Wiener Hofbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Petrus Schreiber]], von 1781 bis 1788 auch Stiftsdechant, war mit Unterbrechung fast 25 Jahre Bibliothekar. Eine große Anzahl von Büchern mit einheitlichen barocken Einbänden kam durch ihn in die Bibliothek. Sie tragen auf dem Einbanddeckel die goldenen Buchstaben &amp;quot;P. S.&amp;quot;. Ebenso vermachte er dem Stift 15 Inkunabeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Inventar von 1832 beziffert den Buchbestand summarisch mit etwa 10.000 Bänden. 1887 war der Besitz bereits auf 50.000 Bände, 253 Inkunabeln und 223 Handschriften angewachsen. Dieser Zuwachs dürfte auch die Erweiterung der Bibliotheksräumlichkeiten veranlasst haben. Unter Propst Norbert Zach (1857–1887) wurden 1870 die Gänge im zweiten Stock des Stiftes mit Bibliothekskästen ausgestattet. Unter ihm waren als Bibliothekare die bedeutenden Stiftshistoriker [[Wilhelm Bielsky]], [[Michael Faigl]] und Frigdian Schmolk tätig. Sie veröffentlichten viele Beiträge zur Stiftsgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine großzügige Erweiterung erfuhr die Stiftsbibliothek zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gräfin Maria Falkenhayn übergab 1905 dem Stift die 30.000 Bände ihrer Schlossbibliothek in Walpersdorf. Neben diesen gräflichen Exlibris finden sich in der Sammlung auch Werke mit den Besitzvermerken der Jörger, Colloredos und der Herrschaften Droß und Ottenschlag.&lt;br /&gt;
Während der Weltwirtschaftskrise kam es 1927 zur Veräußerung von Inkunabeln, die vergleichsweise die Höhe des Schätzwertes der ehemaligen Stiftstaverne ausmachten. Ebenso wurde in den sechziger Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eine große Anzahl von Büchern veräußert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anläßlich der Ausstellung im Jahr 1964 &amp;quot;Das Stift und seine Kunstschätze&amp;quot; wurde eine Neuaufstellung der Bücherbestände begonnen, die aber &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bis heute nicht fertiggestellt werden konnte&amp;lt;/span&amp;gt;. Derzeit ist die Bibliothek auf mehrere Standorte verteilt und lediglich die Handschriften, die Inkunabeln und die Druckwerke bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden nach dem Erscheinungsdatum geordnet. Der Rest ist weitgehend unbearbeitet. Der Gesamtbestand wird auf 80.000 Bände geschätzt. Dazu kommen noch 150 Inkunabeln und 150 mittelalterliche Handschriften. Die älteste Handschrift ist ein österreichisches Psalterium des 12. Jahrhunderts (HS 106). Die gut geschriebene Handschrift enthält eine Reihe von großartigen Initialen. Die bedeutendste Handschrift der Bibliothek ist Cod. 95 &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; von Gregor d. Gr. Sie wurde um 1260 in Mainz oder Regensburg geschrieben und enthält 36 ausgezeichnete Initialminiaturen im Stil der deutschen Malerei der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Cod. 223 ist eine oberitalienische Bibel der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit großen figurierten Initialen; fast alle Spalten tragen Federranken. Am Beginn der Genesis findet sich eine Gegenüberstellung der sieben Schöpfungstage mit christologischen Szenen. Ein österreichisches Graduale (HS 97) vom Beginn des 14. Jahrhunderts trägt auf jeder Seite Notenzeilen und stammt aus einem Zisterzienserkloster. Sehr schön ist eine französische Bibel mit Miniaturinitialen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (HS 99).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Ausgabe von Gregors &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; ist der zweibändige Cod. 94 aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts mit 18 figurierten Initialen, die von fünf Meistern stammen, die den Wenzelsbibelmeistern nahestehen. Die Handschrift wurde laut Eintragung in der Kartause Mauerbach geschrieben und war 1397 im Besitz der Kartause Olmütz. Wann und wie sie nach Herzogenburg kam, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der bedeutenden Sammlung von Wiegendrucken seien folgende hervorgehoben: ein sehr schöner Venezianer Druck von 1478, Lactantius Firmianus &amp;quot;Gegen die Haiden&amp;quot;; drei ausgezeichnete Kobergerdrucke aus Nürnberg, 1481; die Briefe des Ennea Sylvius Piccolomini (Papst Pius II.); ebenso von 1481 ein Kommentar zum Neuen Testament von Nicolaus de Lyra mit gezeichneten Initialen; und von 1483 ein Fastenbuch von Johannes Guitsch, gedruckt im Charakter der spätgotischen Handschriften. Ein Zisterzienser-Missale aus Paris um 1487 ist mit kleinen kolorierten Holzschnitten illustriert. Zwei sehr gute Ausgaben der interessanten Weltgeschichte von Rolewinck seien noch angeführt. Die eine Wiener Ausgabe von 1490 ist reich mit Holzschnitten illustriert, die zweite aus Köln mit vielen Holzschnitten in der Art der &amp;quot;Schedelschen Weltchronik&amp;quot; aus dem Ende des 15. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abschluss ist noch eine Postilla von Cuilcrinus, Augsburg 1495, die ebenfalls mit Holzschnitten illustriert ist, zu erwähnen. Die oben beschriebenen Handschriften und Frühdrucke sind im Hauptraum der Bibliothek in Vitrinen ausgestellt und bei jeder Führung durch das Stift zu besichtigen. In diesem Bibliothekssaal befinden sich in den Bücherschränken nur Bücher aus dem 18. Jahrhundert, um den Eindruck einer barocken Schaubibliothek zu vermitteln.&lt;br /&gt;
Durch die bescheidene Einrichtung wirkt die Bibliothek wie eine heimelige Studierstube. Die letzte Handschrift wurde 1990 erworben. Sie ist ein türkisches Gebetbuch aus dem 19. Jahrhundert in arabischer Zierschrift. In der Mitte des Buches finden sich zwei romantisch gemalte Ansichten der Moscheen in Mekka und Medina.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Das Herzogenburger Stiftsarchiv besteht aus vier Abteilungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) dem Archiv des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen/Herzogenburg mit 1.745 registrierten Urkunden (1112–1852) und zahlreichen nicht bearbeiteten Urkunden (ab 1852), 264 Büchern und 647 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit 327 registrierten Urkunden (998–1776), sechs Büchern und 225 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein mit 718 registrierten Urkunden (1306–1768), 36 Büchern und 90 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) dem Archiv des aufgehobenen Clarissenklosters Dürnstein mit 357 registrierten Urkunden (1289–1658) und ca. 20 Büchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Dokument im Stift Herzogenburg ist die Gründungsurkunde (1112) von Bischof Ulrich von Passau (Sta. Hn. 1a). Sie ist eine der formvollendetsten Urkunden aus der Schreibstube des Bistums Passau. Äußerst interessant ist die Traditionsnotiz (Sta. Hn. 1b), die ein Konzept zur Gründungsurkunde darstellt und sechs weitere protokollarische Notizen enthält, die an verschiedenen Orten abgefasst wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historisch bedeutsam für das Stift ist auch die Übertragungsurkunde von 1244 (Sta. Hn. 38). Die schweren Zeiten des 15. Jahrhunderts sowie der Brand des Klosters im Jahr 1512 dürften dem Archiv nicht allzusehr zugesetzt haben. Alle wichtigen Urkunden sind im Original vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes VII. Glaz (1569–1572) veranlasste eine Aufzeichnung und Registrierung der &amp;quot;Pergament-Brieff&amp;quot;. In dem 1570 angelegten Verzeichnis wird das Archiv als „Registratur&amp;quot; bezeichnet. Entsprechend dem damaligen Kanzleigebrauch, dessen Vorbild die Kanzlei des Regiments der niederösterreichischen Lande war, wurden auch in Herzogenburg die Urkunden, damals insgesamt 46 Stück, in einem mit Laden versehenen Kasten und die weniger wichtigen Akten in einem Sack aufbewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1683 wurden das Archiv und die Schatzkammer vor den heranrückenden Türken in das Chorherrenstift Dürnstein verlagert und 1684 wieder zurückgebracht. Die zeitlich nächstfolgende Bestandsaufnahme des Stiftsarchivs erfolgte zwischen 1730 und 1740. &amp;quot;Ain großer mit Eyßen schön beschlagener Casten, hat 36 unterschidliche litterirte gemahlene Laden&amp;quot;. Er diente als Aufbewahrungsort für das als &amp;quot;gehaimbtes Gwölb&amp;quot; bezeichnete Hauptarchiv. Diesem wurden 1745 Schriften und Akten des Hofrichters und des Stiftskämmerers einverleibt. Genaue, nach Grundherrschaften bzw. Sachgebieten angelegte und geordnete Inventarien zeugen von der Sorgfalt, mit der das Stiftsarchiv unter Propst Frigdian I. Knecht (1740–1775) betreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte im Streben nach dem Wissen über die eigene Vergangenheit die ersten wissenschaftlichen Bearbeitungen des Urkundenbestandes durch die Herzogenburger Chorherren [[Wilhelm Bielsky]] (Die ältesten Urkunden des Kanonikatsstiftes St. Georgen in Unterösterreich von 1112–1244, Wien 1852) und [[Michael Faigl]] (Die Urkunden des regulierten Chorherrenstiftes Herzogenburg vom Jahre seiner Übertragung von St. Georgen 1244–1450, Wien 1886).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich wurde in den Jahren 1930 bis 1935 der unübersehbare Bestand an Akten und Büchern durch Dr. Göhler geordnet und durch eine Zettelkartei der Forschung zugänglich gemacht. In der insgesamt 1.745 Urkunden umfassenden Urkundenreihe vom Stiftsarchiv Herzogenburg gibt es neben einer Vielzahl von Stiftungs- und Schenkungsurkunden auch Urkunden von Päpsten und Landesfürsten. Die älteste Papsturkunde wurde 1177 von Papst Alexander III. ausgestellt, die erste in deutscher Sprache abgefasste Urkunde stammt aus dem Jahr 1292.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als einzigartiges Dokument soll eine Urkunde Erwähnung finden, die von Mönchen des Katharinenklosters am Sinai und Chorherren des Stiftes Herzogenburg im Jahr 1491 gezeichnet wurde. Damals haben zwei griechische Sinaimönche Herzogenburg besucht und mit den hiesigen Chorherren eine Gebetsverbrüderung geschlossen und besiegelt – ein merkwürdiges und einmaliges Zeugnis für die Verbindung der Ost- und Westkirche im ausgehenden Mittelalter nach dem Fall von Konstantinopel (Sta. Hn. 538).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Grundbücher, wertvolle Unterlagen zur Erforschung der Besitz- und Bevölkerungsgeschichte im Raum Herzogenburg, wurden im 12. Jahrhundert angelegt. Hinzu tritt jene Masse des Archivmaterials, die als Akten des adeligen Richteramtes über die Untertanen aus der Amtstätigkeit des Stiftes erwachsen sind: Grundbuchsakten ab 1340, Testamente ab 1500, Verwaltungsakten über den Oberen Markt Herzogenburg, Korrespondenzen mit den umliegenden Grundherrschaften. Diese Schriftstücke zeigen den Kampf des Stiftes um seine Rechte und Besitzungen, unter welchen besonders Fischerei- und Wasserrechte auf der Traisen und Jagdrechte in den Auen im Vordergrund stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Rechnungsbüchern und Rechnungsakten finden sich genauere Aufzeichnungen über den Bau der barocken Stiftsgebäude und der inkorporierten Pfarrkirchen mit ihren Pfarrgebäuden. Eigenhändige Unterschriften auf den Quittungen sind zu finden von Jakob Prandtauer, der Familie Munggenast, Bartolomeo Altomonte, Daniel Gran, vom Salzburger Steinmetzmeister Jakob Mösl, vom Wiener Goldschmied Johann Caspar Holbein und vielen anderen. Bei der Durchsicht von unbearbeiteten Archivmaterialien konnte ein eigenhändig geschriebener Brief von Martin Luther von 1541 aufgefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Auflösung der Chorherrenstifte St. Andrä und Dürnstein kamen deren Archive nach Herzogenburg. Propst Michael Teufel (1781–1809) hat sich sehr um ihre Erhaltung und sichere Aufbewahrung bemüht. Die älteste Urkunde von St. Andrä ist eine Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. aus dem Jahr 998 (Sta. An. 1). Die Stiftungsurkunde von St. Andrä stammt aus dem Jahr 1160 und ist mit 44 Zeugen belegt (Sta. An. 4). Zu erwähnen ist noch eine prunkvolle Ernennungsurkunde des Chorherren Johannes Zwickl zum Kommissär für den Türkenablass des Papstes Innozenz VIII. von 1490 in teilvergoldeter Schrift mit reichen Initialen (Sta. An. 208). Alle drei Dokumente zählen zu den Zimelien dieser Urkundenreihe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Archiv der Chorherren von Dürnstein ist der Stiftungsbrief vom 18. Februar 1410 (Sta. CDn 147) der absolute Höhepunkt. Der linke Rand dieser Urkunde ist mit einer Reihe von höchst bedeutenden Miniaturen versehen, die sowohl der böhmischen wie der Wiener Buchmalerei des frühen 15. Jahrhunderts nahestehen. Die angehängten sechs Siegel sind noch vorhanden. Zwei im selben Jahr ausgestellte Urkunden tragen schöne Initialmalereien (Sta. CDn 149 und 150).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Im Gegensatz zum &amp;quot;Archiv Herzogenburg&amp;quot; sind die Urkunden, Bücher und Akten der drei anderen Archive noch nicht publiziert und daher wissenschaftlich noch wenig ausgewertet. &lt;br /&gt;
Derzeit (1995) wird die Einrichtung des Archives erneuert und auf den letzten technischen Stand gebracht. Damit ist auch der Wunsch verbunden, dass die letzten 150 Jahre archivmäßig aufgearbeitet werden.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Historische Namensformen===&lt;br /&gt;
* WEIGL, Heinrich, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, 8 Bde., Wien 1964–1981.&lt;br /&gt;
* SCHUSTER, Elisabeth, Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, 1. Teil (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B), Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
* HAUSNER, Isolde / SCHUSTER, Elisabeth, Altdeutsches Namenbuch, Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politische und kirchliche Topographie===&lt;br /&gt;
* WOLF, Hans, Niederösterreich (Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 6. Teil), Wien 1955.&lt;br /&gt;
* RUPP / SCHMIDTBAUER, Herzogenburg, 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Franz Reininger: Die Wiegendrucke der Stiftsbibliothek Herzogenburg. In: Mitteilungen des Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 12 (1908), S. 109–127.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Katalog der Handschriften der Stiftsbibliothek Herzogenburg. St. Pölten 1978. [https://manuscripta.at/diglit/winner_1978_1/0001 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Mayo Hope: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed for the Hill Monastic Manuscript Library, Austrian Libraries. Volume III: Herzogenburg. Collegeville, Minnesota, 1985. [https://archive.org/details/HMMLAustriaInventory3 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Franz Lackner: Datierte Handschriften in niederösterreichischen Archiven und Bibliotheken bis zum Jahre 1600. Wien 1988 (Katalog der datierten Schriften in lateinischer Sprache in Österreich, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kunst- und Baugeschichte===&lt;br /&gt;
* HEIDER, Gerhard / HÄUFLER, J. V., Archäologische Notizen (Archiv für österreichische Geschichte II/1), Wien 1850, 139–178.&lt;br /&gt;
* RIESENHUBER, Martin, Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Bistums St. Pölten, St. Pölten 1923.&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer. Der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* PETERMAIR, Hans, Die bauliche Anlage der Stifte in Altenburg, Herzogenburg und Seitenstetten und ihre baukünstlerischen Beziehungen im Mittelalter und in der Barocke, masch.geschr. techn. Diss., Wien 1934.&lt;br /&gt;
* STEINER, Ubald, Die Stiftskirche zu Herzogenburg. Beiträge zur Baugeschichte nach Aufzeichnungen des Propstes Georg Baumgartner, in: Pfarramtliche Nachrichten für den Kirchensprengel Herzogenburg 21 (1935), Nr. II/12.&lt;br /&gt;
* MUNGENAST, Emmerich, Joseph Munggenast. Der Stiftsbaumeister 1680–1741, Wien 1963.&lt;br /&gt;
* FEUCHTMÜLLER / WEBER, Stift und Kunstschätze, 1964.&lt;br /&gt;
* HEINZL, Brigitte, Bartolomeo Altomonte, Wien/München 1964.&lt;br /&gt;
* BIBA, Otto, Die Orgelakten des Stiftes Herzogenburg, in: Unsere Heimat, Zeitschrift des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 41 (1970), Heft 1, 9–24.&lt;br /&gt;
* GÜTHLEIN, Klaus, Der österreichische Barockbaumeister Franz Munggenast, phil. Diss., Heidelberg 1973.&lt;br /&gt;
* KNAB, Eckhart, Daniel Gran, Wien/München 1977.&lt;br /&gt;
* CÄSAR, Menz, Das Frühwerk Jörg Breus des Älteren, Augsburg 1982.&lt;br /&gt;
* EGGER / HESSLER / PAYRICH / PÜHRINGER / FASCHING, Stift Herzogenburg, 1982.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Hermann-Fichtenau: Der Bildersaal im Stift Herzogenburg, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 38 (1984).&lt;br /&gt;
* SERVUS, Die Entstehung der barocken Klosteranlage, 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Moseneder: Passau im Gedächtnis Herzogenburgs. Zur Ikonologie des Augustiner-Chorherrenstift. In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch 31 (1989), S. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;##&amp;lt;/span&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* Karl Thomas (Bearb.): Die Baumeisterfamilie Munggenast. Sonderausstellung des Stadtmuseums St. Pölten anläßlich des 250. Todestages von Joseph Munggenast. St. Pölten 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Oskar Freiherr von Mitis: Studien zum älteren österreichischen Urkundenwesen. 5 Bände. Wien 1906–1912.&lt;br /&gt;
* Franz Stundner: Das Archiv des Stiftes. In: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Hg. von Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber. Herzogenburg 1964, S. 83–86.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sonstige Literatur===&lt;br /&gt;
* Georg Baumgartner: Herzogenburg. In: Topographie von Niederösterreich. Band IV. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Wien 1896, S. 209–238.&lt;br /&gt;
* Gerhart Egger / Walter Hessler / Wolfgang Payrich / Leonore Pühringer / Herbert Fasching: Stift Herzogenburg und seine Kunstschätze. St. Pölten 1982.&lt;br /&gt;
* Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Herzogenburg 1964.&lt;br /&gt;
* Maximilian Fürnsinn: Stift Herzogenburg 1938–1945. In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 22/4 (1975), S. 132–140.&lt;br /&gt;
* Maria Hasitscha-Köck: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg während der Zeit des Propstes Michael Teufel von 1781 bis 1809. Diss. Univ. Wien. Wien 1973.&lt;br /&gt;
* Andreas Karl Kaiser: 975 Jahre Pfarre Herzogenburg (1014–1989). Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1989.&lt;br /&gt;
* Gerhard Nikodim: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg von 1513 bis 1602. Diss. Univ. Wien. Wien 1968.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich: Das Stift Herzogenburg. Die 875-jährige Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen-Herzogenburg von 1112–1987. Dipl.-Arb. Univ. Linz. Linz 1987.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich / Hans Peter Schmidtbauer: Unsere Kirche lebt. 200 Jahre Stiftskirche Herzogenburg. St. Pölten 1985.&lt;br /&gt;
* Anton Rupp / Hans Peter Schmidtbauer: Herzogenburg. St. Pölten / Wien 1991.&lt;br /&gt;
* Werner Sandner: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg von 1244 bis 1513. Diss. Univ. Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Frigdian Schmolk: Stift der regulirten lateranensischen Chorherren zu Herzogenburg in Nieder-Oesterreich. In: Ein Chorherrenbuch. Geschichte und Beschreibung der Bestehenden und Anführung der aufgehobenen Chorherrenstifte. Augustiner und Prämonstratenser in Österreich-Ungarn, Deutschland und der Schweiz. Hg. von Sebastian Brunner. Würzburg 1883, S. 200–263. [https://books.google.at/books?id=GoJJAAAAIAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA199-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Harald Servus: Die Entstehung der barocken Klosteranlage in Herzogenburg und ihre geschichtlichen Voraussetzungen. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1987.&lt;br /&gt;
* Egon Wahl: Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit besonderer Berücksichtigung der rechtlichen, besitz- und personalgeschichtlichen Verhältnisse. Diss. Univ. Wien. Wien 1945.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10736</id>
		<title>Stift Herzogenburg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10736"/>
		<updated>2023-06-25T10:01:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Helga Penz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1112&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (seit 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Stift St. Georgen&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}, Niederösterreich&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.28677, 15.69721&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Georg&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Herzogenburg gehört zum Bezirk St. Pölten.&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Stift_Herzogenburg.png&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Herzogenburg, kolorierte Radierung von Lorenz Janesch (um 1810), Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB), Kartensammlung, Fideikommissbibliothek-Vues, Österreich-Ungarn, Niederösterreich H-La, Herzogenburg KAR MAG, online unter: http://data.onb.ac.at/rec/baa12918499&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Bischof [[Ulrich I. von Passau]] (1092–1121) stiftete mit der Gründungsurkunde vom 18. August 1112 ein Eigenkloster für Augustiner-Chorherren, auf einem Grundstück an der Mündung der Traisen in die Donau gelegen, das er geerbt hatte und worauf sich bereits eine Georgskirche befand. Als seelsorgliches Aufgabengebiet und als Existenzgrundlage übergab der Bischof seinem Kloster St. Georgen die beiden Pfarren Traisenburg (heute Stollhofen) und Herzogenburg. Außerdem erhielt das Stift die bischöflichen Zehentrechte im oberen Waldviertel. Wahrscheinlich sandte er aus dem reformierten [[Stift St. Nikola]] bei Passau Chorherren nach St. Georgen an der Traisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten war die Existenz des Klosters einerseits von den Hochwassern der Donau und andererseits von der wirtschaftlichen Schwäche infolge zu geringer Dotierung bedroht. Eine Gelegenheit zur Besserung der Lage des Klosters ergab sich dreißig Jahre nach der Gründung, als ein lokaler Adeliger namens Walter von Traisen testamentarisch die Gründung eines Chorherrenklosters verfügte. Der Passauer Bischof [[Konrad]] (1148/49–1164), ein Sohn des hl. Leopold, wollte das Kloster St. Georgen mit dieser Stiftung in St. Andrä an der Traisen vereinigen und den Konvent dorthin verlegen. Nach dem Widerstand des Testamentvollstreckers Otto III. von Rehberg erfolgte jedoch noch im 12. Jahrhundert eine eigenständige Gründung des [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stiftes St. Andrä an der Traisen]]. Bischof Konrad verbesserte in den Jahren 1158 und 1160 die Situation des Stiftes St. Georgen, indem er dem Kloster, das in den sumpfigen Donauauen lag, eine Frischwasserzuleitung ermöglichte und außerdem den Chorherren die [[Pfarre Marquardsurvar]] (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Haitzendorf|Haitzendorf]]) und den Schwaighof bei Zeiselmauer schenkte. Unter den späteren Schenkungen an das Kloster während der Regierungszeit von Propst [[Wisinto II.|Wisintos II.]] (1191–1204) ist ein Stiftungsbrief von 1201 bemerkenswert, der ein Nonnenkloster in St. Georgen voraussetzt. In einer Urkunde aus der Zeit um 1230 werden die Schwestern Kunigunde und Ehrentraud von Zebing als Kanonissen von St. Georgen genannt. Dieser Frauenkonvent ist anlässlich der Übersiedlung des Männerklosters nach Herzogenburg auch mitverlegt worden.&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Engelschalk]] (1242–1267), dem zwölften Propst des Stiftes St. Georgen, kam es zu der unumgänglichen Übersiedlung. Das Stift hatte zwar in den vorangehenden Jahrzehnten sein Vermögen durch einige Schenkungen und günstigen Tauschhandel vermehren können und profitierte an der wirtschaftlichen Blüte des Landes unter Herzog Leopold VI., doch belastete es der Verlust der finanziellen Einnahmen in den Zehentgebieten nördlich der Donau durch die neuerlichen Einfälle der Böhmen und Mährer. Untragbar wurde die Situation durch die häufigen Überschwemmungen der Donau, die das Stift zeitweise sogar zur Insel machten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als neuer Wohnsitz kamen die beiden Pfarrbesitzungen des Stiftes in Frage, und zwar [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Traisenburg/Pfarrkirchen/Stollhofen|Traisenburg/Pfarrkirchen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg|Herzogenburg]]. Auch Pfarrkirchen war zu nahe an der Donau gelegen und so fiel die Wahl auf Herzogenburg.&lt;br /&gt;
Als sofortige Wirtschaftshilfe erteilte der Bischof dem Stift noch im selben Monat die Befreiung vom Bergrecht für die Weingärten in Königstetten. In der Übertragungsurkunde vom 19. März 1244 übergab er dem Konvent seine Rechte in der Pfarre Herzogenburg. Durch all diese Begünstigungen wurde Bischof [[Rudiger]] zum Retter und zweiten Gründer des Stiftes.&lt;br /&gt;
Die Stiftsgebäude in St. Georgen verfielen im Lauf der Zeit und wurden von der Donau überschwemmt. Im Jahr 1822 konnte man noch bei niedrigem Wasserstand der Donau die Fundamente des zerstörten Klosters sehen. Von den Nebengebäuden haben sich in unmittelbarer Nähe wahrscheinlich nur Mauerreste der Klostermühle in der heutigen Gutschermühle erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spätmittelalter=== &lt;br /&gt;
Propst Engelschalk (1242–1267) begann vermutlich gleich nach der Übersiedlung des Konvents (1244) mit dem Bau der Klosteranlage in Herzogenburg, die aus dem Konventgebäude der Chorherren, der Stiftskirche, dem Frauenkloster mit einer Kapelle und den Wirtschaftsgebäuden bestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der jahrzehntelangen Bauzeit siedelten sich in der Nähe des Stiftes, &amp;quot;auf der Widern&amp;quot;, Handwerker und Stiftsangestellte an. Diese Siedlung hatte einen eigenen Markt und wurde später nur mehr der Obere Markt genannt.&lt;br /&gt;
Die Übersiedlung des Chorherrenkonventes dürfte schon 1249, der Bau der Stiftskirche aber erst viele Jahrzehnte später abgeschlossen worden sein. Die romanische Pfarrkirche – mit der Gründungsurkunde vom 5. Juli 1014 hatte Kaiser Heinrich II. auch in Herzogenburg die Errichtung einer Pfarre ermöglicht – wurde daher in den ersten Jahrzehnten auch für die stiftlichen Funktionen verwendet. Nach der Fertigstellung der Stiftskirche war sie wieder normale Pfarrkirche und bestand als solche bis ins 16. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Leben der Chorherren im Mittelalter berichtet der Stiftschronist [[Frigdian Schmolk]] mit den Worten des 19. Jahrhunderts: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Die Lebensweise der Chorherren war eine sehr strenge: Schon zur Mitternachtsstunde gingen sie in Prozession zum Chore, um dort Gott zu loben und zu preisen; auch zur Arbeit und zur Mahlzeit gingen sie im geordneten Zuge. Täglich wurde nach der Prim ein &amp;quot;Capitel&amp;quot; gehalten, wo besonders von Besserung und Bestrafung der Fehlenden die Rede war; jeder sollte seine Fehler selbst bekennen oder anderen dieselben anzeigen. Nachher beschäftigten sich die Chorherren mit Handarbeit außer dem Stifte, oder innerhalb desselben mit Abschreiben von Büchern, mit Zurichten des Pergamentes, mit Lederarbeiten, Weberei, Drechslerei usw., außerdem hatten sie die Gärten zu pflegen, Unkraut auszurotten, ja selbst von Heu machen und Reinigen der Rüben wird in Handschriften erzählt. Für diese Verrichtung war die Zeit vom &amp;quot;Capitel&amp;quot; bis zur Terz, nachmittags bis zur Vesper bestimmt. Nach der feierlichen Conventmesse war die Zeit bis zur Sext zum Studieren, Lesen, für religiöse Gespräche und Krankenbesuche bestimmt. Das Mittagsmahl war sehr einfach bestellt, ausgenommen die sogenannten &amp;quot;pietantiae&amp;quot; oder &amp;quot;Frohmähler&amp;quot;, bei welcher Gelegenheit die Anzahl der Gerichte vergrößert wurde. Nach Tisch begaben sich die Regularen ins Dormitorium, wo man las, betete oder ausruhte bis 2 Uhr, um welche Zeit der Chor oder die Vigilien für die Todten abgehalten wurden. Hierauf war gemeinsamer Trunk im Refectorium, worauf man die Zeit bis zur Vesper mit Handarbeit ausfeilte. Dann folgte das Abendmahl, worauf die Zeit bis zur geistlichen &amp;quot;Collation&amp;quot; zum Lesen und Schreiben bestimmt war, wobei aber strenges Stillschweigen zu beobachten war. An die geistliche &amp;quot;Collation&amp;quot; reihte sich das Completorium, nach dessen Abbetung das Asperges folgte, worauf sich die Chorherren ins Dormitorium zur Ruhe begaben. Stillschweigen war an bestimmten Orten und zu gewissen Zeiten auferlegt. Die Fasten und Abstinenzen wurden sehr streng gehalten: Von der Pfingstoctave bis Mitte September wurde am Mittwoch und Freitag nur eine ordentliche Mahlzeit gehalten, im Advent und die ganze Fastenzeit war Abstinenz von Fleisch, ja sogar von Eiern und Käse geboten.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Pröpste von Herzogenburg waren nicht nur mit dem Stiftsbau, sondern auch mit der Errichtung von Befestigungsanlagen beschäftigt, da die Bürger des ausgehenden 13. Jahrhunderts durch Mongolenstürme, Ungarnangriffe und durch herumstreifende Kriegsscharen in der rechtlosen bzw. kaiserlosen Zeit besonders gefährdet waren. Der Untere Markt Herzogenburg hatte den Babenbergern gehört, bis er 1210 durch Tausch in den Besitz des bayerischen Klosters Formbach am Inn übergegangen war. Diese Zweiteilung der Grundherrschaft verhinderte auch, dass Herzogenburg schon früher zur Stadt erhoben wurde.&lt;br /&gt;
Die vielen Schenkungen an der Wende zum 14. Jahrhundert bezeugen, dass man sich dem jungen Kloster sehr verbunden fühlte, seine Leistungen anerkannte und sich gern in seinen geistlichen Schutz stellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die finanzielle Lage des Stiftes Herzogenburg war so gut, dass Propst [[Siegfried]] noch ein Haus in der Singerstraße in Wien erwerben konnte. Er kaufte auch einige Häuser auf der Widern, und nach und nach ging der Obere Markt von Herzogenburg in Stiftsbesitz über. Die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zählt zu den &amp;quot;goldenen Zeiten&amp;quot; des Stiftes. Unter dem folgenden Propst [[Nikolaus I. Payger von Würmla]] (1361–1374) erlebte das Stift Missernten und musste Kriegssteuern an Herzog Rudolf IV. und Papst Gregor XI. zahlen. Die Kurie forderte den zehnten Teil aller Einkünfte, um den Krieg gegen Florenz und Mailand fortführen zu können. Das Stift geriet nach langer Zeit wieder in Verschuldung, was Propst Nikolaus sehr bedrückte, wie aus seiner eigenhändigen Eintragung in ein Zehentregister zu entnehmen ist. Alle Klöster des Landes habe Herzog Rudolf ausgepresst und das Erbgut Christi in Soldgeld verwandelt. Die klösterlichen Chronisten seiner Zeit nannten Rudolf einen &amp;quot;neuen Nero&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Erleichterung der angespannten finanziellen Lage gewährten die Herzöge Albrecht III. und Leopold III. dem Stift Privilegien, da &amp;quot;die geistlichen ..., der Probst und das gotzhaus ze Herzogenburg in grozzer geltschulde und kumber sind.&amp;quot; 1373 wurde das Stift von der Pflicht der Gastung befreit: &amp;quot;deshalb wurde allen Herren, Rittern und Knechten, Edlen und Unedlen entboten, Herzogenburg in keiner Weise durch zu große Inanspruchnahme der Gastfreundschaft zu beschweren.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen interessanten Einblick in die Situation des Herzogenburger Konvents gibt eine Urkunde aus dem Jahr 1378. Vor der Propstwahl hatten die Chorherren folgende Forderung an den künftigen Propst zusammengestellt: Der Propst solle jährlich über alle Ausgaben und Einnahmen Rechnung legen. Er wurde angehalten, den Chorherren an bestimmten Festtagen und zur Aderlasszeit ungeschmälerte Mahlzeiten zu geben. Außerdem solle er täglich die Frühmesse halten. Alle Jahre habe er Sommer- und Wintergewänder für die Chorherren zu besorgen. Ohne Wissen des Dechants und der beiden ältesten Chorherren dürfe er keinen Kapitularen entfernen oder versetzen und ebensowenig jemanden ohne deren Zustimmung aufnehmen. Schließlich solle der für die Chorherren bestimmte Wein in einem eigenen Keller aufbewahrt werden.&lt;br /&gt;
Diese Forderungen spiegeln einerseits schon etwas von dem kapitularen Prinzip der Chorherren – der Vorsteher des Hauses ist bei wichtigen Entscheidungen an die Zustimmung seiner Kapitularen gebunden – andererseits aber auch etwas von der Bequemlichkeit des Konvents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch den Ausfall der Zehente im Waldviertel geriet das Stift unter Propst [[Johannes III.]] (1401–1433), einem der längstregierenden Pröpste, wieder in finanzielle Schwierigkeiten. Ursache dafür waren einerseits die Verwüstungen durch die Kriegshandlungen des angreifenden mährischen Markgrafen Procop, andererseits die Zehentübergriffe der Verteidiger unter dem Söldnerführer Zacharias Haderer. Propst Johannes III. erreichte als Entschädigung dafür von den Herzögen Wilhelm und Albrecht IV. die Begünstigung, im Schankhaus des Stiftes, dem &amp;quot;Mühlhofkeller&amp;quot;, zwölf Fass Wein ohne Ungeld (Steuer) ausschenken zu dürfen. Er bemühte sich auch erfolgreich um den Schutz des apostolischen Stuhles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Johannes III. fand eine Stiftsreform nach den Bestimmungen des Konstanzer Konzils statt. Bei der Visitation im Stift Herzogenburg 1418 war nachweislich auch der erste Propst des [[Stift Dürnstein|Chorherrenstiftes Dürnstein]], das 1410 im Geist der Raudnitzer Reform gegründet worden war, anwesend. Und so wurden die Raudnitzer Statuten auch in Herzogenburg Grundlage einer Erneuerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes war auch ein eifriger Förderer der Lateinschule des Stiftes. Hier legten im Zeitraum von 1399 bis 1433 zahlreiche Schüler den Grundstein zu ihrer Bildung, die sie befähigte, die Universität zu besuchen. In den Matriken der Universität Wien werden 20 Bürgersöhne aus Herzogenburg und der nächsten Umgebung genannt.&lt;br /&gt;
Während der Regierungszeit des Propstes [[Ludwig Gössel]] (1457–1465) kamen im Zusammenhang mit dem Bruderkrieg zwischen Kaiser Friedrich III. und Erzherzog Albrecht VI. die Truppen des Böhmenkönigs Georg von Podiebrad nach Niederösterreich und durchzogen, weil sie keinen Sold bekamen, plündernd das Land. Im Jahr 1463, am dritten Tag nach dem Osterfest, wurde der Markt Herzogenburg mit dem Stift von den Räuberscharen (ca. 3.000 Mann) unter Georg von Vetau eingenommen und verwüstet. Die Mehrzahl der Bürger und Chorherren verlor durch die fanatischen Hussiten ihr Leben. Nur wenigen gelang die Flucht, unter ihnen Propst Ludwig. Die zurückgebliebenen Chorherren wurden, weil sie sich weigerten, die heiligen Geräte herauszugeben, von den Soldaten niedergemetzelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrscheinlich ging damals auch der Konvent der Kanonissen zugrunde, oder aber er fand durch Mangel an Klostereintritten schon früher ein friedliches Ende.&lt;br /&gt;
Im Lauf des Jahres 1465 begannen die Chorherren mit dem Wiederaufbau des Stiftes. Dieser zweiten gotischen Bauphase des Stiftes sollte aber kein langer Bestand gegönnt sein, denn schon 1477 belagerten und eroberten die Soldaten des ungarischen Königs Matthias Corvinus nach ihrem Sieg über Kaiser Friedrich III. Herzogenburg. Wieder brannte das Kloster nieder. Der nach St. Pölten geflohene Propst konnte seine in Rudolfsberg bei Wagram gefangengehaltenen Mitbrüder erst nach Bezahlung einer hohen Summe in die Ruinen seines Klosters zurückführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Stiftschronik berichtet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Die Kleinodien, Kelche und den Schmuck der Kirche, heilige Bücher, sowie Getreide, Wein und verschiedenen Hausrat des Klosters haben die erwähnten Räuber fortgeschleppt. Was nach Abzug der Feinde noch übrig blieb, wurde von 'Freunden', von etwas zweifelhaften Bürgern, aber auch Adeligen, besonders von einem gewissen Baron von Tops, während die Konventualen in Fesseln waren, verschleppt.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb von 15 Jahren mussten die Chorherren diese zwei Schicksalsschläge verkraften. Sie begannen unter Propst [[Georg I. Eisner]] (1484–1513) mit dem erneuten Aufbau ihres Klosters. Dieser Propst konnte durch sorgfältige Verwaltung und durch Schenkungen des Matthias Corvinus, der die Verwüstungen seiner Söldner wieder gutzumachen versuchte, die wirtschaftlichen Verhältnisse seines Hauses sanieren. Es gelang ihm sogar, im Lauf der Jahre die Stiftsgebäude prächtig auszustatten. Ein Zeitgenosse schildert seine Eindrücke während eines Besuches im Stift Herzogenburg folgendermaßen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Das Kloster selbst hat manch Rühmenswertes: es ist mit großem Fleiß gebaut, so daß es die meisten auch in Österreich übertrifft. Es besitzt eine geräumige Kirche, große prächtige Häuser, unter welchen besonders diejenigen hervorragen, welche Propst Georg, welcher noch lebt, erbaut hat. Er errichtete eine neue Wohnung des Propstes, welche er derart an den Wänden mit Gemälden schmückte, daß ich kaum eine Schönere gesehen habe, außer in Vorau, welche aber nicht vollendet ist. In dem oberen Teil sind Gewölbe angebracht, an welchen eine Goldkugel befestigt ist, aber auch die Wände entbehren nicht des Schmuckes von Drechslerarbeiten. Georg erbaute auch zwei Refektorien, eines für den Winter, das andere für den Sommer. Er vollendete auch manch andere bequeme Räume, besonders auch einen, welcher dem Refektorium am nächsten ist. Dort ist ein enger Raum, wo die Brüder bei einem Trunke gemütlich beisammensitzen können. Das Kloster besitzt auch Graben, Wall und Mauern, so daß es nicht leicht eingenommen werden kann. Ein ungarischer Hauptmann warf einmal alle Brüder und den Propst aus dem Hause und machte aus dem Kapitelsaal einen Pferdestall.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tätigkeit des Propstes fand auch in Rom Anerkennung. 1498 erlaubte Papst Alexander VI. ihm und allen seinen Nachfolgern den Gebrauch der Mitra, des Stabes und Ringes und der anderen Pontifikalien.&lt;br /&gt;
Am 7. Mai 1512 brach in einem Haus auf dem Unteren Marktplatz ein Brand aus, der auch auf die Widern übergriff und die Stiftsgebäude teilweise in Schutt und Asche legte. Das Feuer zerstörte zuerst das Turmdach, griff auf das Dormitorium und Refektorium über, wobei alle Zellen der Brüder mit dem Winterrefektorium ausbrannten. Außerdem wurden das Krankenhaus, die Wohnung des Dechants, die Bibliothek und die Sakristei ein Raub der Flammen. Das Feuer sprang auch auf das Mariensacellum über und vernichtete dort die Orgel. Ebenso brannte die Schule nieder. Die Kirchenausstattung – die Tafelbilder und die Altäre – wurde verschont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation bis Barock=== &lt;br /&gt;
Der hochgelehrte Propst [[Johannes V. Bernhard von Nußdorf]] (1517–1533) begann sein Amt in einer sehr schwierigen Zeit. Im Jahr seiner Wahl trat Martin Luther zum ersten Mal in Erscheinung. Zu dieser geistig-religiösen Revolution kam noch die Türkennot, die 1529 ihren Höhepunkt mit der Belagerung Wiens erreichte. Die türkischen Streifscharen verschonten zwar Herzogenburg, das Stift wurde aber durch die Türkensteuer Ferdinands I. umso härter belastet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Bernhard I. Schönberger]] (1533–1541) wurden die Abgaben zur Finanzierung der Türkenkriege so groß, dass die Steuerschulden nur durch den Verkauf des Stiftshauses in Wien, Johannesgasse Nr. 3, abgedeckt werden konnten. In religiöser Hinsicht musste der Propst die ersten Auswirkungen der protestantischen Lehre verkraften. Sein Mitbruder [[Johann Peurl]] hatte das Einkommen von einigen Pfarrkirchen vergeudet, die priesterliche Kleidung abgelegt und seinen Orden verlassen. Für viele Jahre war Bernhard der letzte frei gewählte Propst von Herzogenburg. Die nun folgenden Pröpste waren Weltpriester oder stammten aus anderen Ordenshäusern, wurden postuliert oder vom Kaiser ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Wunsch Kaiser Ferdinands I. wählte der Konvent [[Philipp von Maugis]] (1541–1550) zum Propst. Philipp entstammte einer adeligen belgischen Familie, war ab 1545 Regent der niederösterreichischen Landesregierung und Erzieher der Söhne Ferdinands I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch im Jahr seines Amtsantrittes trat in Herzogenburg, wie in vielen Orten Österreichs, die Pest auf, an der täglich bis zu 30 Personen starben. Alle Chorherren im Stift mit Ausnahme des Propstes und eines Konventualen fielen der Seuche zum Opfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger war [[Bartholomäus von Cataneis]] (1550–1563). Er entstammte einer vornehmen italienischen Familie aus Bergamo, war palatinischer Graf, apostolischer Protonofär, oberster Hofkaplan u. v. a. m. Durch sein Administrationstalent gelang es ihm, das Stift über die finanziellen Hürden zu bringen. Wegen seiner Tüchtigkeit wurde er zum Administrator von Göttweig bestellt (1556–1563).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den letzten Jahren seiner Regierung erlebte das Stift jedoch einen seiner Tiefpunkte. Eine Kommission, die die Klöster visitierte, beanstandete, dass sich der Propst mit zwielichtigen Frauen herumtreibe und dass seine Konventualen alle sektisch seien und die Sakramente dem alten Kirchenbrauch zuwider spendeten. Die Kommissäre erteilten ihm einen strengen Verweis und ermahnten ihn, in Hinkunft keinen Verdacht zu erregen sowie den Hauptübeltäter, den Dechant, abzusetzen und einzusperren. Nach dem Visitationsbericht vom Jahr 1561 befanden sich im Stift Herzogenburg vier Konventualen, drei Konkubinen, kein Eheweib und sechs Kinder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende seines Lebens musste der Propst erkennen, dass er als Sonderbeauftragter in zu vielen Landesangelegenheiten unterwegs gewesen war, dass er in der Diplomatie zwar vieles geleistet, als Vorstehender des Hauses aber versagt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krisenzeit des Stiftes wurde der Prälat von St. Andrä [[Johannes VI. Pülzer]] (1563–1569) zum Propst bestimmt. In seinem Wahlinstrument hieß es, er sollte baldmöglichst die Zahl der Chorherren ergänzen, da sich dieselben fast alle &amp;quot;verloffen&amp;quot; hätten. Wirtschaftskrisen, Hungersnot, Erhöhung der Steuern und die Tatsache, dass viele seiner Mitbrüder lutherisch wurden, trieben Propst [[Johannes VII. Glaz]] (1569–1572) zu einem Verzweiflungsakt: in der Nacht des 14. September 1572 floh er in Begleitung eines Dieners aus dem Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun folgte ein Mann aus dem eigenen Haus, [[Jakob Reisser]] (1573–1577). Durch seine Sparsamkeit und energische Haltung ging es sowohl finanziell als auch disziplinär im Stift aufwärts. Im Visitationsbericht wurde vermerkt, dass er keine goldene Kette und auch keine kostbaren Kleider trug, keine Spiele gestattete und die Musik bei Tisch abgeschafft habe. Außerdem hätten Propst und Konventualen keine Konkubinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er bemühte sich, Mitarbeiter aus dem Ausland zu bekommen, um die Ausbreitung der lutherischen Lehre zu stoppen. Denn die Gemeinde Herzogenburg war zum Großteil schon protestantisch und die Pfarrkinder gingen bereits in die umliegenden Ortschaften, um bei den &amp;quot;sektischen Predigern&amp;quot; die Sakramente zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Acht Monate lang gab es nun ein Tauziehen bei der Besetzung der ansehnlichen Prälatur in Herzogenburg. Schließlich postulierte der Klosterrat für das Stift den Propst des [[Stift St. Dorothea|Chorherrenstiftes St. Dorothea]] in Wien, [[Georg II. Brenner]] (1578–1590). Georg war Hofkaplan bei Kaiser Maximilian II. gewesen, und so begab es sich, dass Kaiser Rudolf II. zweimal auf Reisen im Stift übernachtete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Parallele zur großen Politik der Rekatholisierung im Land lässt sich auch in Herzogenburg erkennen. Propst Georg schrieb 1579 an das Konsistorium und 1582 an Kaiser Rudolf II. einen Brief, in dem er die religiös gespaltene Situation in Herzogenburg schildert und den Herrscher um Unterstützung bittet, damit er den Unteren, Formbachischen Markt, der zum größten Teil protestantisch war, kaufen könne. Durch eine administrative Marktvereinigung und durch eine bessere religiöse Betreuung wollte der Propst die häufigen Streitigkeiten zwischen den Bürgern der beiden Märkte beseitigen. Die Trennung blieb jedoch bis 1806 bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1588 schlug der Klosterrat Georg sogar zum Bischof von Wiener Neustadt vor. Sein siegreicher Gegenkandidat Melchior Klesl half ihm einige Jahre später bei seinen Reformplänen. Die Bürger (vor allem die des Unteren Marktes) mussten nun an den Sonn- und Feiertagen dem Gottesdienst mit allen &amp;quot;vleis und gezimende Andacht&amp;quot; beiwohnen. Wer zu den &amp;quot;Predikanten auslief&amp;quot;, wurde mit schwersten Strafen bedroht. Ebenso mussten die Herzogenburger ihre Kinder in die katholische Schule schicken und dem Gesinde wurde verboten, sich während des sonntäglichen Gottesdienstes in Wirtshäusern oder auf Spielplätzen aufzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kirche, Kloster- und Wirtschaftsgebäude wurden nun renoviert und ausgebaut, Messgeräte, Bücher und Musikinstrumente angekauft. Der Lesehof in Königstetten wurde renoviert und der Hof von Klosterneuburg fast zur Gänze neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Krankheit stand dem Propst in den letzten Jahren [[Paul Zynkh]] als Koadjutor zur Seite. Da es nach dem Tod des Propstes bei der Neubesetzung zwischen Klosterrat und dem Passauer Bischof zu Unstimmigkeiten gekommen war, verwaltete Paul Zynkh über ein Jahr als Administrator das Stift, bis er zum Propst gewählt wurde (1591–1602).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der ständigen Türkengefahr wurden die Verteidigungsanlagen des Klosters gemäß dem kaiserlichen Mandat ausgebaut und die Rüstkammer des Stiftes mit moderneren Waffen versehen. Von den umfangreichen Restaurierungsarbeiten und Ankäufen gibt ein fünfeinhalb Seiten langes Verzeichnis Auskunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines halbjährigen Kuraufenthaltes des Propstes in St. Pölten ging es im Kloster drunter und drüber. Unter Lebensgefahr reiste der kranke Propst zurück und hielt ein Kapitel. Der Dechant wurde abgesetzt und im Lauf von drei Wochen bei Wasser und Brot &amp;quot;dasig&amp;quot; gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten drei Jahre seines Lebens war der Propst Deputierter der niederösterreichischen Stände und hielt sich oft in Wien auf. Aus diesem Grund kaufte er dort 1601 ein Wohnhaus, den &amp;quot;Heidelberger Hof&amp;quot; in der Annagasse. Das Gebäude ist heute noch im Besitz des Stiftes und trägt den Namen &amp;quot;Herzogenburgerhof&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Landesebene konnte der Protestantismus Schritt für Schritt zurückgedrängt werden. Propst Paul bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg. Dieser konnte durch seine eindrucksvollen Predigten viele Protestanten des Marktes zum katholischen Glauben zurückführen. Um die Jahrhundertwende war Herzogenburg wieder eine vorwiegend katholische Gemeinde. In den Dörfern ging die religiöse Erneuerung langsamer vor sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als [[Melchior Kniepichler]], ehemaliger Propst des Stiftes Dürnstein, von König Matthias als Propst postuliert wurde (1609–1615), protestierte der Herzogenburger Konventuale [[Johannes Held]] in einem Schreiben an den Passauer Offizial, weil Propst Melchior in St. Andrä (1592–1599) &amp;quot;Schulden gehäuft und von dann gezogen sei&amp;quot;, er habe dann &amp;quot;Tirnstain ohne Schulden angetreten und gehe nun mit Schulden weg&amp;quot; (1599–1609); beide Male in Folge seiner verschwenderischen Freigiebigkeit gegen Verwandte und Freunde. Weiters klagt er, dass Melchior dem Trunke ergeben und &amp;quot;in diesem Zustand unausstehlich streitsüchtig sei.&amp;quot; Schließlich, dass Melchior das weibliche Geschlecht liebe und gerne Tanzunterhaltungen besuche. In den Klosterratsakten hieß es, &amp;quot;dieser Mann war mehr Schelm als Mönch&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Öfters fuhr der Propst während seiner Regierungszeit in Herzogenburg nach Wien, ins Gasthaus &amp;quot;Zum goldenen Strauß&amp;quot; am Neuen Markt, wo die fünfzehnjährige Wirtstochter Katharina &amp;quot;zum Frohsinn des Herrn Prälaten das meiste beitrug&amp;quot;. Nachdem diese ein Kind bekommen hatte, kam unvermutet am 26. Juli 1615 eine Untersuchungs- und Strafkommission nach Herzogenburg. Aufgrund der strengen Linie Klesls wurde der Propst gefangen nach Wien geführt, verhört und einige Monate eingesperrt. Erst nach drei Jahren wurde Melchior rehabilitiert und zum zweiten Mal zum Propst von Dürnstein bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Wahlturbulenzen in den folgenden Jahren bestimmte Kaiser Ferdinand II. den Dechant des Kathedralstiftes Seckau [[Martin III. Müller]] zum Vorsteher in Herzogenburg (1621–1640). Er war ein eifriger Förderer der Gegenreformation, reformierte das klösterliche Leben und führte neue Statuten ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er erreichte auch, dass ihm die [[Pfarre Hain]] wieder zurückgegeben wurde, wo bisher nur protestantische Prediger angestellt waren. Den Konflikt mit der dort tonangebenden protestantischen Familie der Jörger konnte erst sein Nachfolger [[Johannes Bauer]] (1640–1653) beilegen. Propst [[Joseph Kupferschein]] (1653–1669) versuchte ebenfalls auf friedliche Weise die Protestanten zum katholischen Glauben zurückzugewinnen. Er war sowohl ein gelehrter Mann (1641 war er Rektor der Universität in Wien) als auch ein tüchtiger Wirtschafter. Propst [[Anton Sardena]] (1669–1687) begann mit viel Schwung die weiteren Restaurierungsarbeiten bzw. die Barockisierung des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679/80 wütete die Pest in Herzogenburg und kostete viele Menschen das Leben. In der Stiftsgeschichte von Dechant [[Beyer]] wird auch das Erscheinen eines Kometen vermerkt, der im Jahr 1680 am Fest des hl. Stephan zum ersten Mal erschien und als Vorbote der Türkenkriege interpretiert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 14. Juli 1683 erschienen 200 bis 300 Türken vor Herzogenburg. Sie ließen den gut befestigten Ort zunächst ungeschoren. Als die Gefahr immer größer wurde, flüchtete der Prälat auf Bitten seiner Geistlichen mit dem Archiv und der Schatzkammer nach Dürnstein. Eines Tages kam dann eine ungewöhnlich große Schar Türken (angeblich zwischen 10.000 und 12.000 Mann), um Herzogenburg einzunehmen. Sie schichteten aus den verlassenen Bauernhäusern und Scheunen Stroh vor die Markttore, um sie durch Feuer zu zerstören. Der Chorherr [[Gregor Nast]], der die Verteidigung von Herzogenburg leitete, ließ in aller Eile leere Weinfässer mit Erde und Sand füllen und hinter den Toren auftürmen, sodass die Belagerer durch die vom Feuer zerstörten Tore nicht eindringen konnten. Die Bürger leisteten mit ihren Schusswaffen so tapfer Widerstand, dass dieser türkische Eroberungsversuch fehlschlug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zeit erholten sich das Land und die Klöster von den Nachwirkungen der Türkenkriege und mit der Wiederkehr von geordneten Zuständen verbesserte sich auch die wirtschaftliche und religiöse Situation. Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) war lange Jahre ein eifriger Seelsorger und stand als Dechant und späterer Prälat seinen Mitbrüdern auf den Pfarren beim Wiederaufbau bei. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1714 entschloss sich der Herzogenburger Propst [[Wilhelm von Schmerling]] (1709–1721), das Stiftsgebäude neu zu errichten. Das gewaltige Bauvorhaben wurde durch Grund- und Gutsverkäufe finanziert. In einer zeitgenössischen Stiftsgeschichte wird folgendes berichtet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Im selben Jahr begann Propst Wilhelm mit großer Energie den kunstvollen Neubau des Klosters, den keiner seiner Vorgänger gewagt hatte, nach demselben weitläufigen und architektonischen Vorbild, wie er es in Melk gesehen hatte, das unter dem berühmten Abt Berthold in derselben Zeit errichtet wurde. Als Architekt nahm sich unser Wilhelm den, der die Bauten von Melk, bei St. Florian in Oberösterreich etc. errichtete, N. Brandauer von St. Pölten, einen erfahrenen Künstler. Er errichtete bei diesem Neubau zuerst den Trakt, der an die große Kirche anschließt, dann den anderen, in dessen Mitte der große Saal hervorgeht, den der kaiserliche Architekt Baron von Fischer senior entwarf und vollendete, und dann den entfernteren bis zum Haupttor, wo sich auch der Eingang von Norden her befindet ... Der Grundstein wurde am 25. Mai d. J. in aller Feierlichkeit an der Epistelseite (eine andere Hand: Evangeliumseite) außen am Presbyterium gelegt.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der in Herzogenburg geborene Propst [[Leopold von Planta]] (1721–1740) erreichte die Aufnahme seines Hauses in die Lateranensische Kongregation, mit der Erlaubnis, ein violettes Mozett zu tragen. Damit bekam er für sich und seine Nachfolger von Papst Innozenz XIII. am 18. September 1724 das Recht, den Titel eines Lateranensischen Abtes zu tragen. Propst Leopold führte auch in dieser Zeit nach dem Beispiel von Klosterneuburg den schwarzen Talar anstelle der weißen Kleidung für seine Mitbrüder ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende seines Lebens konnte Propst Leopold auf einen einheitlichen Stiftsbau blicken, der sich würdig in die Reihe der Stiftsbauten der großen österreichischen Barockprälaten einreiht. Die von Prandtauer gebauten Trakte sind vornehm und voll künstlerischen Lebens. Einzig an der Ostseite sprengt der Saalbau Fischers die Prandtauersche Fassade: er tritt um eine Achse hervor und überragt sie mit den Oberfenstern. Durch diese dramatische Vorgangsweise stellt Fischer seinen Rang als führender Architekt unter Beweis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Protest gegen die &amp;quot;Pragmatische Sanktion&amp;quot; verbrüderten sich die Bayern und die Preußen mit den Bourbonen und drangen 1741 bis nach St. Pölten vor. Besonders die Franzosen plünderten das Gebiet zwischen Melk und St. Pölten. Weil das Stift eine Kriegssteuer in Höhe von 14.000 Gulden nicht gleich aufbringen konnte, nahmen die Franzosen den 32-jährigen Propst [[Frigdian Knecht]] (1740–1775) als Geisel und er wurde nach den Worten des Stiftsdechanten &amp;quot;hin und hergeführt zu Schand und Spott&amp;quot;. Erst nach sechstägiger Gefangenschaft und Zahlung des hohen Lösegeldes konnte der Prälat wieder ins Stift zurückkehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich der Prälat, die Kirche durch den jungen Franz Munggenast neu erbauen zu lassen. Der Turm wurde 1767 nach Entwürfen von Johann Bernhard Fischer von Erlach durch Matthias Munggenast ausgeführt. Die Architektur dieser Kirche und die Ausstattung durch Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte können zu den großen Leistungen des österreichischen Barocks gezählt werden. In den Pfarren [[Stollhofen]], [[Hain]], [[Rottersdorf]] und [[Brunn]] ermöglichte Propst Frigdian ebenfalls die &amp;quot;Barockisierung&amp;quot; der Kirchen. Durch die Stiftung von 7.000 Gulden des Wiener Stadtrates Jakob Bodenreiter konnte in Theiß der Pfarrhof neu errichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seines wissenschaftlichen Interesses kaufte der Propst Jahr für Jahr viele wertvolle Bücher, ordnete das Archiv und unterstützte den Aufbau eines eigenen Münzkabinetts. Auf musikalischem Gebiet war sein Mitbruder [[Georg Johann Donberger|Georg Donberger]] tätig. Als Regens chori komponierte dieser unermüdlich und seine Werke sind in den Musikarchiven vieler österreichischer Stifte zu finden. Als Propst Frigdian Knecht nach 35-jähriger Amtszeit im Jahr 1775 starb, hinterließ er ein geordnetes Haus, das spirituell, künstlerisch und wirtschaftlich einen guten Ruf hatte. Er wird auch der dritte Gründer genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Josephinismus bis Gegenwart===&lt;br /&gt;
Mit Beginn der Alleinregierung durch Joseph II. 1780 kam auch für das Stift Herzogenburg eine Zeit, die nicht leicht zu bewältigen war. Die Reformen überstürzten sich. Zwei Monate nach der Regierungsübernahme des Kaisers wurde [[Michael Teufel]] vom Kapitel zum neuen Propst gewählt (1782–1809). Er zeigte sich der Problematik des &amp;quot;josephinischen Experimentes&amp;quot; sehr gut gewachsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Patent über die Klosteraufhebungen wurde auch für das Stift St. Andrä an der Traisen wirksam, das nach dem Tod des letzten Propstes [[Gregor Gründler]] 1783 dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde. Propst Michael musste dafür sorgen, dass die Auflösung ordnungsgemäß durchgeführt wurde. Das Chorherrenstift Dürnstein wurde 1788 mit dem Stift Herzogenburg &amp;quot;vereinigt&amp;quot;. Gegen diesen Bescheid wehrte sich der Bischof von St. Pölten, doch wurde mit Hofdekret vom 7. Juni 1788 die endgültige Aufhebung des Stiftes angeordnet und die bisherige Stiftskirche in eine Pfarrkirche umgewandelt. Ein Höhepunkt in der Regierungszeit des Propstes Michael Teufel war die Weihe der Stiftskirche. Am 2. Oktober 1785 wurde die Kirche von [[Heinrich Johannes von Kerens]], dem ersten Bischof, der in St. Pölten residierte, geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als durch die Aufhebung der Benediktinerabtei Formbach am Inn der Untere Markt Staatseigentum wurde, konnte ihn Propst Michael durch geschickte Verhandlungstaktik 1806 kaufen und mit dem Oberen Markt vereinigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 23. September 1805 hatte Napoleon an Österreich den Krieg erklärt und marschierte schließlich nach Wien. Am 11. November 1805 kam es zum Gefecht bei Dürnstein-Loiben, dem einzigen wirklichen Erfolg für die verbündeten Russen und Österreicher im unglücklichen Feldzug von 1805. In einem Tagebuch werden eindrucksvoll die Drangsale in Herzogenburg während dieser französischen Invasion geschildert: Am Tag vor der Schlacht kam eine unabsehbare Menge Feinde auf Herzogenburg zu. Ihr Anführer und Divisionskommandant General Le Gran bemühte sich, die ärgsten Greueltaten zu verhindern, aber dennoch wurden die Einwohner drangsaliert und der Marktrichter fürchterlich geschlagen. Die Keller wurden aufgebrochen, und unter Zechen, Plündern und Rauben verging die Nacht. Am Tag nach der Schlacht quartierten sich einige französische Generäle im Stift ein. Die Soldaten, die in Gärten und Feldern lagerten, zündeten abends über tausend Feuer an, die die ganze Gegend hell erleuchteten. Ende November kamen dann die Holländer; diese erwiesen sich als unbändige Säufer und benahmen sich ärger als die Franzosen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die oftmaligen hohen Geldforderungen der französischen Offiziere und die ständigen Einquartierungen von Soldaten war das Stift am Rande des Ruins. Propst Michael floh während des Krieges mit der Münzsammlung und anderen Kostbarkeiten nach Ungarn in die Abtei Zirc. Kämmerer [[Josef Leuthner]] brachte sich mit den anderen Wertgegenständen auf das Gut Primersdorf (Waldviertel) in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Österreichisch-Französischen Krieges im Jahr 1809 und der zweiten Eroberung Wiens durch Napoleon hatte Herzogenburg wieder unter französischen Truppen, ganz besonders unter den württembergischen Hilfstruppen zu leiden. Bei dieser zweiten Franzoseninvasion kam der Propst allerdings nicht mehr unbehelligt davon. Noch kurz vor seinem Tod wurde er in seinem Zimmer von einem französischen Husaren misshandelt und seines Kreuzes und Ringes beraubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Michael Teufel hat um das Stift beinahe so große Verdienste wie sein Gründer – der Volksmund unterstrich das Weiterbestehen des Stiftes mit dem Bonmot: &amp;quot;Der Teufel hat das Stift gerettet.&amp;quot; Im Geist der neuen josephinischen Begräbnisordnung wurde er als erster Stiftsvorsteher außerhalb des Ortes auf dem allgemeinen Friedhof in einem bescheidenen Mausoleum bestattet. 1977 wurden die sterblichen Überreste des Propstes exhumiert und neben seinem Grabdenkmal in der Stiftskirche beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ehemalige Stiftsdechant Propst [[Aquilin Leuthner]] (1811–1832) konnte das Haus nur insofern aus der finanziellen Not retten, als er von Kaiser Franz I., der viele Herren durch seinen Besuch im Stift im Jahr 1807 persönlich kannte, einen Nachlass der Schulden erreichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Jahren konnte der Propst das Bauvorhaben einer allgemeinen Schule in Herzogenburg durchführen. 1829 war der Bau des einstöckigen Schulgebäudes abgeschlossen, dem der Westtrakt des Kreuzganges mit seiner schönen gotischen Totenkapelle hatte weichen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Bernhard II. Kluwick]] (1832–1843) erreichte die aus Osteuropa kommende Choleraepidemie auch Niederösterreich. Die Angst vor dieser Seuche veranlasste die Stiftsherren, zur Versorgung der Kranken an den Gangenden sogenannte Choleraöfen zu errichten: &amp;quot;... also die Küche zu weit entfernt ist, um schnell den notwendigen Tee und warmes Wasser herbeizuschaffen.&amp;quot; Da die &amp;quot;Ärzteräthe&amp;quot; gegen diese Krankheit machtlos waren, versuchten sich die Gemeinden durch Abriegelung von der Umwelt sowie Immunisierung durch Alkohol zu helfen. So entstand die Spruchtafel im stiftlichen Kellerstüberl: &amp;quot;Die Angst vor Krieg und bösen Seuchen, der Reichersdorfer (Wein) wird's verscheuchen!&amp;quot; Das Lebenswerk von Propst Bernhard war die Erbauung der Pfarrkirche in [[Theiß]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Karl Stix]] (1843–1847) konnte einen weiteren bedeutenden Schuldenerlass bei Kaiser Franz I. erreichen. Aus Dankbarkeit feierte das Stift jahrzehntelang den Todestag des Monarchen mit dem &amp;quot;Kaiserrequiem&amp;quot;. Der Propst setzte sich auch für eine Erhöhung der Gehälter seiner Mitbrüder ein. 1844 konnte er die Jubiläumsfeier der Übertragung des Stiftes von St. Georgen nach Herzogenburg (1244) festlich begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Revolutionsjahr 1848 brachte auch entscheidende Veränderungen für das Stift unter Propst [[Josef II. Neugebauer]] (1847–1856). Am 19. Februar 1848 wurde dem Prälaten von der Regierung zwar der faktische Besitz der aufgelassenen Stifte St. Andrä und Dürnstein bestätigt, am 7. September 1848 hob der Reichstag jedoch die bäuerliche Untertänigkeit auf und das Feudalrecht mit Robot und Zehent wurde abgeschafft. Man war sich des Wertes dieser Gesetze für das Volk wohl bewusst, dem Ausfall eines großen Teils der Einnahmen konnte der Propst mit seinem Kapitel aber nur durch die Veräußerung des Gutes Primersdorf 1851 begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 8. Oktober 1848 kam – auf der Flucht von Wien in die Festung Olmütz – Kaiser Ferdinand I. mit seinem Gefolge nach Herzogenburg. Beim Aussteigen aus dem Wagen sprach der Kaiser zum Propst: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Herr Prälat! Mich freut's, einmal Ihr Stift zu sehen und zu betreten. Es ist mir ein recht schönes und freundliches Haus; ich habe es bisher noch nie gesehen. Ich muß Sie heute schon um ein Mittagmahl und auch um ein Nachtquartier bitten. Weil ich zum Nachmittagsgottesdienst zu spät gekommen bin, so ersuche ich Sie, uns um halb 6 Uhr noch einen heiligen Segen zu halten.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Am selben Abend unterzeichnete der Kaiser ein Manifest &amp;quot;An die Völker meiner deutsch-erbländischen Provinzen&amp;quot;. (...) &amp;quot;Als am nächsten Morgen der großartige Kaiserzug aus dem Weichbild Herzogenburgs schied, blieb kein Auge trocken.&amp;quot; Der Name &amp;quot;Kaisergasse&amp;quot; erinnert noch heute an diese Begebenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1853 gab es eine kanonische Visitation durch den St. Pöltener Bischof Feigerle, und zwei Jahre darauf visitierte auch der Linzer Bischof Rudiger in Vertretung des Kardinals Fürst Schwarzenberg das Stift Herzogenburg. Auch er war sehr zufrieden mit dem Stand des Hauses und &amp;quot;schied mit wahrer Herzensfreude vom Stift&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter dem nächsten Vorsteher des Stiftes Propst [[Norbert Zach]] (1857–1887) herrschte ein gutes Klima im Haus. Von den 34 Mitgliedern des Stiftes waren 25 Priester in der Seelsorge tätig, vier hatten häusliche Offizien, zwei Kleriker studierten an der theologischen Hauslehranstalt im [[Stift Klosterneuburg|Chorherrenstift Klosterneuburg]], zwei Novizen wurden im Haus in die Lebensnorm der Chorherren eingeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1862 gründete der Stiftskurat und spätere Dechant [[Ferdinand Mann]] den katholischen Gesellenverein, der sich um die seelsorglichen und menschlichen Anliegen der arbeitenden Bevölkerung kümmerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Herzogenburg begann den Schritt ins Industriezeitalter, als 1874 die Firma Vollrath (Nägel, Schrauben) von Wien nach Herzogenburg/Oberndorf übersiedelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1875 folgte ihm Carl Grundmann, ein pensionierter Danziger Lokomotivführer, der sich auf die Erzeugung von Türschlössern spezialisiert hatte. In diese Zeit fällt auch die Planung und der Bau der Eisenbahnlinien im Raum Herzogenburg: Am 3. August 1885 wurde die Strecke Tulln – St. Pölten, am 16. Juli 1889 die Strecke Herzogenburg – Krems eröffnet. Seit dieser Zeit &amp;quot;ist der Markt mit zwei Hauptverkehrsadern der Monarchie&amp;quot;, mit der West- und der Franz-Joseph-Bahn, verbunden. Um der rasch anwachsenden Bevölkerung eine bessere Ausbildung und damit größere Berufschancen geben zu können, wurde die Stiftsschule schon 1867 zu einer Pfarr-Hauptschule erweitert. Heute wird dieses Gebäude neben der Stiftskirche von der Sonderschule und der Musikschule benützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das äußere Bild des Ortes änderte sich Mitte des 19. Jahrhunderts. Drei Tore der alten Marktbefestigung wurden abgetragen; ebenso Teile der Ringmauer. Ein Stückchen dieses mittelalterlichen Ensembles ist heute noch im nördlichen Stiftsbereich zu sehen, wo Mauer, Graben, Verteidigungsturm und das einzige noch bestehende Stadttor, das &amp;quot;Au-Tor&amp;quot;, auch &amp;quot;Nordtor&amp;quot; genannt, erhalten blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Schlacht bei Königgrätz Mitte Juli 1866 drangen die preußischen Truppen bis ins Waldviertel vor und das österreichische Militär zog sich (größtenteils kampflos) auf das südliche Donauufer zurück. Das Stift richtete im Auftrag der k. k. Statthalterei ein Spital für die Soldaten ein. Für seine Verdienste wurde der Propst im Jahr 1879 vom Kaiser mit dem Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet. Während seiner zehnmonatigen Funktion als Administrator des Stiftes veranlasste Dechant Emmerich Wallner die Gestaltung des nach ihm benannten &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; im Westtrakt des Stiftsgebäudes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Person des folgenden Propstes [[Frigdian II. Schmolk]] (1888–1912) vereinigten sich glücklich Kirchenfürst und Staatsmann. 1902 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum Landmarschall (Vorsitzender des Landtages). Vier Jahre lang hatte er dieses Amt inne. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der Kaiser die Würde eines Wirklichen und Geheimen Rates und berief ihn auf Lebenszeit als Reichsrat in das Herrenhaus. Um 1900 erreichte das Stift seinen höchsten Personalstand: 40 Konventualen gehörten zum Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Frigdian wurden in den letzten beiden Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts das Stiftsgebäude, der Turm, die Orgel und das Innere der Kirche restauriert. Dechant Ferdinand Mann ließ auf seine Kosten 1903 den Maria-Lourdes-Altar errichten und die zwei Holzstatuen Herz-Jesu und Herz-Maria in der Kirche aufstellen. Sie zeugen von der Frömmigkeit des Volkes um die Jahrhundertwende. Von dieser Zeit sind noch die feierliche Erstkommunion und die Maiandachten lebendig geblieben. 1907 wurde der Zusammenschluss der österreichischen Chorherrenstifte zur &amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten Lateranensischen Chorherren&amp;quot; erreicht. Als Konvisitator wurde Propst Frigdian Schmolk gewählt. Eine innige Freundschaft verband Propst Frigdian mit dem Wiener Bürgermeister Dr. Karl Lueger. Als dieser tödlich erkrankte, berief er seinen langjährigen Freund zu sich, der ihm die Tröstungen der Religion reichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmolks Nachfolger wurde [[Georg III. Baumgartner]] (1913–1927). Mit größter Sparsamkeit und Umsicht lenkte er das Stift durch die wirtschaftlichen Erschütterungen des Ersten Weltkrieges. Er stellte das Sommerrefektorium als Kaserne für die Marschkompanien und den Theatersaal dem Roten Kreuz zur Pflege der Verwundeten zur Verfügung. Vom Krieg selbst wurde Herzogenburg nur mittelbar betroffen: durch die vielen Gefallenen. Ihre Namen sind auf einer Marmortafel, rechts beim Eingang der Kirche, eingemeißelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 ließ Propst Georg das veraltete stiftliche Elektrizitätswerk in eine moderne Wasserkraftanlage mit Turbinen umbauen, die das Stift und Teile der Stadt Herzogenburg jahrelang mit Strom versorgte. Bedeutende Verdienste erwarb sich Georg Baumgartner durch seine wissenschaftliche Forschung über die Urgeschichte. Bis zuletzt arbeitete er mit großer Genauigkeit an der Hausgeschichte und an der Baugeschichte der Kirche und des Stiftes und verfasste weiters den Artikel &amp;quot;Herzogenburg&amp;quot; in der Topographie von Niederösterreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die allgemeine Wirtschaftskrise machte sich auch im Stift bemerkbar. Das Steueramt St. Pölten drängte immer öfter unter Androhung der Zwangsverwaltung auf Bezahlung der Steuerschulden. Das Kapitel unter Propst Georg sah sich gezwungen, einem Beschluss zum &amp;quot;Verkauf einzelner Wertgegenstände näher zu treten&amp;quot;. Einige wertvolle Kunstgegenstände wurden verkauft. In diese politisch sehr schwierige Zeit fällt eines der größten Ereignisse für Herzogenburg, die Stadterhebung: Am 30. Juni 1927 beschloss der Landtag von Niederösterreich, den Markt Herzogenburg &amp;quot;trotz der verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl&amp;quot; (2.800) zur Stadt zu erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der spätere Landtagsabgeordnete und Vertreter des Klerus [[Ubald Steiner]] (1927–1946) wurde zum nächsten Propst gewählt. Es gelang ihm, das Stift durch die schwierige wirtschaftliche Lage der dreißiger Jahre zu führen. Leider ging es nicht ohne Verkauf von vielen Grundstücken und Kunstschätzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem 1933 Adolf Hitler in Deutschland an die Macht gekommen war, spürte man auch in Herzogenburg den nationalsozialistischen Trend. Eines Sonntags wehte vom Kirchturm, in den einige junge Männer heimlich eingedrungen waren, die Hakenkreuzfahne. Am 13. Dezember 1933 musste Prälat Steiner auf Weisung seiner kirchlichen Oberbehörde sein politisches Mandat in Herzogenburg zurücklegen. An seine Stelle trat Dechant [[Anton Rudolf]], &amp;quot;der von den Sozialdemokraten wohl bestgehasste Chorherr&amp;quot;. Er war der Typ von Priesterpolitiker, der die ohnehin spannungsgeladenen dreißiger Jahre durch sein Zelotentum und seine nie erlahmenden Bekehrungsversuche an ungläubigen &amp;quot;Marxisten&amp;quot; eher verschärfte denn beruhigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Volksabstimmung vom 10. April 1938 brachte in Herzogenburg 2.047 Ja-Stimmen für den Anschluss Österreichs an Deutschland und nur fünf Gegenstimmen. In der Folgezeit erhielt Herzogenburg den Namen &amp;quot;Stadt der Treue&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Jahren wurden die Repressalien gegenüber den kirchlichen Institutionen und der Geistlichkeit immer spürbarer. Die Stiftstaverne und der Theatersaal wurden beschlagnahmt. 400 Herzogenburger traten aus der Kirche aus, und rund 100 Kinder wurden vom Religionsunterricht abgemeldet. Das Herzogenburger Pfarrblatt, das seit 1915 erschien, wurde wegen &amp;quot;Papierknappheit&amp;quot; 1941 eingestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift konnte aber auch vielen Flüchtlingen helfen. Zu Kriegsbeginn wurden 60 belgische Kriegsgefangene im Theatersaal einquartiert, die tagsüber bei den Landwirten in der Umgebung arbeiten mussten. Sonntags durfte mit ihnen nur hinter verschlossenen Kirchentüren eine Messe gefeiert werden. 1940 kamen Flüchtlinge aus Bessarabien, später Umsiedler aus Serbien und aus der ungarischen Batschka, zuletzt 50 Flüchtlinge aus Siebenbürgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum &amp;quot;schwarzen Montag&amp;quot; wurde der 6. November 1944. 300 Bomben fielen in und um Herzogenburg: 20 Tote und große Sachschäden waren die traurige Bilanz. Am 14. April 1945 rückten nach einer kurzen Kanonade die Russen in Herzogenburg ein. Eine Gruppe von Herzogenburgern, unter ihnen Propst Ubald, ging ihnen mit der weißen Fahne entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Tagen glich das Stift einem Militärlager. Im Kammeramt wurde die Kommandatur, im Theatersaal die russische Schneiderei und im Meierhof die Wäscherei eingerichtet. Die Autorität des Prälaten flößte den Russen den nötigen Respekt ein, und so schützte er die 500 Herzogenburger, vor allem die Frauen und Mädchen, die sich vor den Kriegshandlungen in die Kellerräume des Stiftes geflüchtet hatten. Er ließ auch in der Prälatur eine Krankenstation errichten, das Prälaturarchiv war die Apotheke, der Salon die Isolierstation, das Schlafzimmer die Entbindungsstation – im Bett des Prälaten kamen sechs Kinder zur Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang Mai gab es die letzten Gefechte zwischen Russen und Deutschen. Am Morgen des 9. Mai wurde der Waffenstillstand verkündet. Die Stiftsgebäude waren durch einige russische Bomben leicht beschädigt worden. Im Haus allerdings herrschte eine furchtbare Verwüstung. Weiters wiesen die Stiftswälder in der Umgebung von Herzogenburg große Schäden auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inmitten der Aufbauarbeiten starb Propst Ubald Steiner. Er hatte den Konvent mit starker, aber väterlicher Hand geführt, sich mutig gegen die Nationalsozialisten durchgesetzt und aufgrund seiner persönlichen Kontakte eine Aufhebung des Stiftes verhindert sowie Stift und Ort vor größerem Schaden bewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger [[Georg IV. Hahnl]] konnte 1948 endlich vier neue Glocken in der Hoffnung weihen, dass sie länger als die vorhergehenden Glocken &amp;quot;Gott die Ehr' und den Menschen den Frieden&amp;quot; läuten mögen. 1942 hatten alle Glocken bis auf die größte, die Pummerin, der Rüstungsindustrie abgeliefert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Berühmtheit erlangte Propst Georg durch seine Arbeit auf dem Gebiet der Heimat- und Urgeschichtsforschung. Leider war fast seine ganze Regierungszeit als Propst von einer schweren Krankheit überschattet, was sich negativ auf das Klima und die Personalsituation des Stiftes auswirkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Resignation des Propstes Georg Hahnl wurde [[Thomas Zettel]] (1963–1969) zum nächsten Vorsteher des Hauses gewählt. Nach langen Vorbereitungen öffnete 1964 das Stift Herzogenburg seine Räume und Säle für über 100.000 Besucher anlässlich seiner (etwas verspäteten) 850-Jahr-Feier. Der ebenerdige Teil des Altstiftes war renoviert worden und das spätgotische Refektorium &amp;quot;glänzte&amp;quot; durch die kurz zuvor freigelegten Fresken von ca. 1500. Daneben im frühbarocken Refektorium waren die Funde aus der Ur- und Frühgeschichte neu aufgestellt worden. Im Barockgebäude waren im ersten Stock die Gästezimmer für die restaurierten Kunstschätze des Stiftes frei gemacht. Im Festsaal, in der Bibliothek, im Bildersaal und in elf weiteren Ausstellungsräumen erlebten und erleben bis heute die Besucher die Glanzzeiten des Hauses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1965 gab es eine einschneidende wirtschaftliche Umstellung: der Weinbau und die Landwirtschaft konnten in Eigenregie nicht mehr positiv geführt werden, deshalb wurden beide Wirtschaftszweige verpachtet. Der Forst als dritte Einnahmequelle wird bis heute noch selbst geführt, die Jagden sind verpachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leider kam es unter Propst Thomas wieder zum Verkauf von Kunstgegenständen und vieler Bücher, um die Zahlungsrückstände durch Renovierungen und den Waldankauf in Kleinzell zu begleichen. Ebenso wurde das Haus, in dem die ehemalige Stiftstaverne war, der Stadtgemeinde Herzogenburg verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1977 erreichten die ökumenischen Gespräche und Gottesdienste, die vom späteren Propst [[Maximilian]] initiiert wurden, ihren Höhepunkt in der Ausstellung &amp;quot;Kunst der Ostkirche&amp;quot;. Zum ersten Mal feierten in diesem Zusammenhang die Vertreter aller elf östlichen und westlichen Kirchen in Österreich einen gemeinsamen Gottesdienst in der Herzogenburger Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des Jubiläums &amp;quot;50 Jahre Stadt Herzogenburg&amp;quot; wurde die Nordeinfahrt des Stiftes restauriert und der Innenhof nach barockem Vorbild neu gestaltet. In diesem Jahr, 1977, wurde auch der Abschluss der Turmrenovierung gefeiert. Propst [[Clemens Moritz]] (1969–1979) wurde zum Ehrenbürger von Herzogenburg ernannt. Er war nicht ein Prälat im Sinne der prachtvollen Barockzeit – musste er doch einen personellen Tiefstand von nur 14 Mitgliedern erleben – wohl aber im Sinne des Ordensstifters Augustinus: ein Seelsorger, besorgt um seine Gemeinde und seine Mitbrüder. Auch nach der Resignation blieb Altpropst Clemens bis zum Jahr 1996 der Pfarrer von Herzogenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit [[Maximilian II. Fürnsinn]] (seit 1979) bekam das Stift nach 200 Jahren wieder einen gebürtigen Herzogenburger zum Propst. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Renovierung der Stifte und Pfarren. Allein mit einem Kostenaufwand von rund 50 Millionen Schilling wurde das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein in der Zeit von 1985 bis 1995 restauriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1982 wurde Propst Maximilian zum ersten Mal zum Vorsitzenden der niederösterreichischen Äbtekonferenz und zum Vorsitzenden der Diözesanen Superiorenkonferenz der männlichen Orden der Diözese St. Pölten gewählt. Von 1989 bis 1994 war er Vizepräsident der ökumenischen Stiftung Pro Oriente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den zentralen Anliegen des Konvents gehört heute, dass das Stift – entsprechend der jahrhundertelangen Tradition – eine offene Begegnungsstätte ist. So gehen auf die Initiative von Propst Maximilian viele Tagungen, Bildungsveranstaltungen und Zusammenkünfte von verschiedenen Institutionen und Vereinigungen zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den zuvor erwähnten ökumenischen Treffen haben etwa die Ritter vom Heiligen Grab in Jerusalem der Komturei St. Pölten hier regelmäßige Zusammenkünfte. Besonders erwähnenswert sind die &amp;quot;Herzogenburger Gespräche&amp;quot;, anlässlich derer mehrmals im Jahr 60 bis 80 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kirche zentrale gesellschaftliche Fragen behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bemühungen gehen dahin, das Haus auch zum geistlichen Zentrum der Pfarrseelsorge werden zu lassen. Insbesondere geht es dabei um die Bildung von Pfarrverbänden und um eine engere Zusammenarbeit der Mitbrüder in den Pfarren sowie auch um die Weiterbildung und geistliche Vertiefung der pfarrlichen Mitarbeiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wohl größte Veranstaltung des Jahres ist der &amp;quot;Niederösterreiche Kindersommer&amp;quot;. Zu diesem Fest kommen an zwei Wochenenden rund 15.000 Kinder in das Stift, welches auch seit vielen Jahren einer der Veranstaltungsorte von &amp;quot;Musica Sacra&amp;quot; ist – den internationalen Kirchenmusiktagen in Niederösterreich. Großen Wert wird auf eine gute musikalische Gestaltung der Gottesdienste an den großen Festen des Kirchenjahres und auf den vorbildlichen Einsatz der bedeutenden Orgel der Stiftskirche gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Bischof Ulrich I. von Passau (1092–1121) konnte seiner Neugründung, dem Augustiner-Chorherrenstift St. Georgen, nur wenig schenken. In der Gründungsurkunde des Klosters bemühte er daher auch die Heilige Schrift und erwähnt das Opfer der armen Witwe, die nur zwei Kupfermünzen in den Opferkasten des Tempels warf, die aber von Jesus gelobt wurde, weil sie alles gab, was sie besaß. Der Bischof schenkte einiges von seinem persönlichen Besitz her, vielleicht sogar alles, was er in der damaligen Ostmark sein Eigentum nannte. Und das war für die junge Kommunität gerade genug zum Überleben. Katastrophen oder wirtschaftliche Schwierigkeiten durfte es keine geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bischof übergab der Klostergemeinschaft seine ererbte Eigenkirche St. Georgen an der Traisenmündung mit Fischwassern, Weingärten, Wiesen und Wäldern. Ebenso vermachte er aus seinem persönlichen Besitz ein Gut und eine Hube zu Sebarn, eine Hube zu Perschling, Engabrunn und Gumpolding, eine halbe Hube in Pötzleinsdorf (bei Wien) und eine zu Kamp, je einen Weingarten zu Kuffern und Egelsee und zwei Weingärten in Inzersdorf. Aus dem bischöflichen Gut schenkte er drei Weingärten in Hundsheim mit einem Lehen, je einen Weingarten in Stein, Weinzierl und Plechingen (zwischen Stein und Krems), den dritten Teil des Zehents von Teras und Merzleinswerd, die Hälfte des Zehents von den Pfarren Herzogenburg und Traisenburg sowie das ganze Dorf Streithofen (im Tullnerfeld). Einige Jahre später schenkte Bischof Ulrich zur Aufbesserung noch sechs Weingärten dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der wirtschaftlichen Not des jungen Stiftes versuchte nun 1160 Bischof Konrad von Passau (1148–1164) mit einer (gefälschten) Urkunde zu helfen, in der er das neuzugründende Stift St. Andrä mit St. Georgen vereinigte. Dieser Zusammenschluss scheiterte am Widerstand Ottos von Rechberg, der schließlich ein eigenständiges Kloster St. Andrä errichten konnte. Als Entschädigung übertrug Bischof Konrad dem Stift St. Georgen die Pfarre Marquardsufer und den Schweighof bei Zeiselmauer, um der &amp;quot;materiellen Not des Stiftes abzuhelfen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam konnte das Stift in den folgenden Jahrhunderten seinen Besitz durch Schenkungen vermehren, wobei das Waldviertel und das untere Traisental zu Schwerpunkten der Besitzungen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Urkunde von 1163 werden als Zeugen zuerst die Äbte von Göttweig und Zwettl, der Propst von St. Pölten und dann der Propst von St. Georgen, Albert, angeführt. 25 Jahre später kommt Propst Berthold von St. Georgen in der Zeugenfolge nach den Äbten von Göttweig, Melk und Altenburg, jedoch vor den Pröpsten von St. Nikolai und St. Andrä. Diesen Platz in der Reihenfolge der niederösterreichischen Stifte nimmt Herzogenburg bis über die Barockzeit ein. Nach den Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II. dürfte das Stift Herzogenburg besitzmäßig an die letzte Stelle gerückt sein. Doch noch einmal zurück ins Mittelalter. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im 12. Jahrhundert konnte das Stift seine Besitzungen durch Kauf, vor allem aber durch Schenkungen vermehren. Die Vielzahl der Schenkungen im Mittelalter sind meist auch ein Zeugnis von guter Spiritualität: einem glaubensstarken Kloster vertraut man eher seine Gebetsanliegen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste große Finanzaufwand war der zweite Neubau des Klosters in Herzogenburg um 1244. Das älteste Zehentverzeichnis, das in das Jahr 1299 zurückreicht, zeigt jedoch schon eine wirtschaftliche Stabilisierung auf. Das Stift besaß nun zehn &amp;quot;Ämter&amp;quot;, i. e. Zehenthöfe, die für die Einhebung der Zehente notwendig waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten waren Abgaben für die Kreuzzüge zu entrichten. Später kamen dann die Steuern für die Finanzierung der Türkenkriege. Verwüstungen durch Kriege, Naturkatastrophen (Heuschreckenplage und Dürre) und Pestepidemien brachten einen wirtschaftlichen Tiefstand für das Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zeichen für das wirtschaftliche Auf und Ab war 1417 der Kauf eines Hauses in Wien, Johannesgasse. 1541 musste es wieder verkauft werden. Bezeichnend für diese schwierige Zeit war auch der Personalstand: 1569 war nur mehr ein Konventuale im Stift. Als 1601 wieder ein Haus in Wien, diesmal in der Annagasse, gekauft wurde, war dies zugleich auch ein Zeichen des neuen Erstarkens: sowohl wirtschaftlich als auch personell. Das Stift wurde renoviert, die Kirche barockisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Abwehr der Türken 1683 konnte das Stift im wirtschaftlichen Aufwind weitere Akzente setzen: ein Gut in Primersdorf (Waldviertel) wurde gekauft und ein großer, neuer Schüttkasten errichtet. In Wielandsthal wurde der Keller und in Haitzendorf der Pfarrhof von Prandtauer errichtet. Im barocken Neubau des Stiftes (ebenfalls von Prandtauer) und der dazugehörigen Kirche kam die wirtschaftliche Kraft zum Ausdruck. Allerdings mussten dafür Weingärten in Mautern, Mauternbach und Sallapulka, eine Mühle von St. Georgen, Meierhöfe in Reith bei Primersdorf, Großhain, Schwarzenbach usw. für eine Gesamtsumme von 17.600 Gulden verkauft werden. Das war ungefähr ein Drittel des Prandtauischen Kostenvoranschlages für den Neubau des Stiftes (54.000 Gulden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wirtschaftliches Tief lösten die napoleonischen Kriege und die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aus: 1851 wurde das Gut Primersdorf im Waldviertel veräußert. Jahre vorher konnte das Stift nur durch einen großzügigen Schuldenerlass von Kaiser Franz I. vor einem finanziellen Ruin gerettet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Stift nur durch den Verkauf von Grundstücken und von vielen Kunstgegenständen entgegenwirken. Einige Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg kam es wieder zu Veräußerungen von Kunstgegenständen, Teilen von Sammlungen (Mineraliensammlung) und Teilen der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre unter Propst Maximilian waren von einer klugen Wirtschaftspolitik gekennzeichnet. Trotz der bescheidenen Besitzungen von 2.625 ha (2.200 ha Wald, 25 ha Weinbau, 400 ha landwirtschaftliche Nutzung) konnten viele Restaurierungen am Stift und an den Kirchen und Pfarrhöfen vorgenommen werden. Am 29. April 1996 wurde die Außenrenovierung des Stiftes Dürnstein mit einem Gesamtumfang von 50 Millionen Schilling abgeschlossen. Eine Aufgabe für dieses Haus, etwa als Seminar- oder Vortragszentrum, wird noch zu finden sein.&lt;br /&gt;
Wenn auch schon vieles vollbracht worden ist, so warten doch noch weitere Aufgaben für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Vogtei===&lt;br /&gt;
Der Besitz des Bistums Passau im Raum Donau–Traisen stand unter der Vogtei der Babenberger. Diese übten sie durch die Burggrafen von Lengbach (Neulengbach) aus. Urkundlich sind die Vögte des Stiftes Herzogenburg sehr selten belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Übertragung des Stiftes nach Herzogenburg änderte sich in der Vogteiverwaltung nichts. Nach dem Aussterben der Babenberger siegelte 1252 Konrad von Zagging als Vogt des Hauses. Er dürfte in Verbindung mit König Ottokar Przemysl, dem neuen Landesherren, gestanden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Habsburger die Herrschaft übernahmen, wurden die Burggrafen von Neulengbach die Vögte von Herzogenburg. Bestätigt wird diese Annahme durch die Erklärung der Herzöge Wilhelm und Albrecht IV. vom 20. März 1396, in der sie ihre Pflicht zu besonderem Schutz und Schirm des Klosters und seiner Güter bestätigten, da sie ja jährlich das Vogtgeld von 17 Pfund und 6 Schillingen Wiener Pfennig und 1 Muth Hafer vom Stift empfingen. Das Stift Herzogenburg zahlte diese Summe bis zum Jahr 1848 nach Neulengbach, als die Herrschaft längst schon in Privatbesitz übergegangen war und das Vogtgeld umgerechnet nun 17 Gulden und 45 Kreuzer betrug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jenseits der Donau dürften die Kuenringer auf Dürnstein die Vogtei über die Stiftsgüter ausgeübt haben. Nach ihrem Aussterben erging 1356 eine Weisung des Herzogs Albrecht II. an seinen Pfleger in Krems, das Stift Herzogenburg in seinen Rechten und Besitzungen zu schirmen. Im Jahr 1445 übernahmen die Brüder Ulrich, Oswald und Stephan Eytzinger auf Bitten des Propstes die Vogtei auf 15 Jahre gegen die jährliche Abgabe von 6 Muth Hafer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Stift Herzogenburg lag jahrhundertelang wirtschaftlich im Mittelfeld der niederösterreichischen Klöster. So war es auch mit der Zahl der Mitglieder. Die frühen mittelalterlichen Chorherrengründungen waren nicht für riesige Konvente gedacht, sondern die Zahl zwölf war, von Jesus mit seinen Jüngern herkommend, die goldene Zahl. Bei der Gründung von St. Georgen werden wahrscheinlich eine Handvoll Chorherren die Aufbauarbeit an diesem Donaustift begonnen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1200 gab es die erste urkundliche Aufzählung des Konventes: zwölf Priester, drei Konversen (''fratres conversi''), fünf Familiaren und vier Brüder. Einige Jahre nach der Übersiedlung des Konventes von St. Georgen nach Herzogenburg wurden neun Priester, zwei Diakone und vier Brüder (''fratres barbati'') als Zeugen genannt. Ein Stiftshistoriker zählte diese bärtigen Brüder dem adeligen Stand zu, da er sie als Mitglieder von Bauhütten interpretierte, die Baumeister und Städteplaner waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Namen und aus der Stellung in der Zeugenreihe lassen sich auf die Abstammung der Chorherren Schlüsse ziehen. Wir finden im Konvent einige Mitglieder des niederen Adels. Diese Tatsache erklärt einen Teil der reichen Schenkungen des Adels der Umgebung, der so zur Versorgung seiner Söhne beitrug. Ein Nobelstift war Herzogenburg aber nie. Die meisten Novizen kamen aus der Umgebung, vereinzelt aus Oberösterreich, der Steiermark, Kärnten und Salzburg. Die Zusammensetzung des Konvents blieb also durchaus im Rahmen des damals Üblichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert dürfte sich die Zahl der Konventualen zwischen 20 und 25 bewegt haben. Der erste große Verlust kam durch die Ermordung einiger Chorherren bei der Eroberung von Herzogenburg im Jahr 1463 und dann durch die Pest. Die Reformation trug das ihre dazu bei, sodass es beim Tod des Propstes Bartholomäus von Cataneis 1563 wahrscheinlich überhaupt kein Konventmitglied mehr gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann gab es nur ein, später zwei Mitglieder, und mit dem Erstarken der Gegenreformation kam wieder Leben in die Stiftsgemäuer: im 17. Jahrhundert betrug der Personalstand zwischen acht und zehn Mitglieder. In der Barockzeit erreichte er die Zahl 25. Um 1800 waren 27 Priester, ein Kleriker und drei Novizen dem Stift zugehörig. Im 19. Jahrhundert stammten 47 Priester aus Niederösterreich, 21 aus der Tschechoslowakei und acht aus Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Jänner 1900 hatte dann das Haus den Höchststand in seiner Geschichte: von den 40 Mitgliedern waren 35 Priester, vier Kleriker und ein Novize. Im 20. Jahrhundert nahm die Zahl stetig ab, und zur Zeit gehören 13 Priester und drei Kleriker zum Stift. Die Priester stammten im letzen, d. h. im 20. Jahrhundert, zu gleichen Teilen aus dem Arbeiter- und Angestelltenstand bzw. aus der Landwirtschaft und aus Familien selbständig Tätiger (die Väter waren Fleischhauer, Fabrikanten usw.). Der größte Anteil von ihnen waren Niederösterreicher (15), dann Wiener (neun), sechs Priester kamen aus dem heutigen Tschechien. Je zwei stammten bzw. stammen aus Tirol, Deutschland und den Niederlanden. Je ein Professe kommt aus dem Burgenland und aus Belgien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Vom Ursprungskloster in St. Georgen haben sich keine Reste erhalten. Die frühesten Ansichten von diesem Bau stammen aus der Barockzeit. Es ist deshalb schwer zu beweisen, wie weit sie der Wirklichkeit entsprechen. Auf diesen Bildern ist eine Kirche als zentraler Rundbau zu sehen, wie es manchmal in der Romanik üblich war, davor zwei niedrigere Rundtürme mit der Prälatur, links davon der Küchenturm, der einem Rauchabzug ähnlich ist. Rechts von der Kirche befindet sich ein Fluchtturm mit den Glocken. Anschließend sind die Klostergebäude für die Chorherren und Gäste dargestellt. Der Klosterbau ist mit einer Mauer umgeben. Das Ganze ist wahrscheinlich ein liebevoller Versuch, das Ursprungskloster darzustellen. Diese Ansicht entspricht aber keiner romanischen Klosteranlage der damaligen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster in Herzogenburg sind wir besser informiert. Wahrscheinlich wurde 1244 zuerst mit dem Bau eines Konventtraktes begonnen, da der bestehende Pfarrhof für den 15 Mann starken Konvent zu klein gewesen ist. Von dieser Anlage hat sich noch der Südtrakt mit einem Kreuzgangabschnitt erhalten. Bei Renovierungsarbeiten zu Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Sandsteinsäulen mit herzförmigen Kapitellschilden und einfachen Rundsockeln freigelegt, die in die Mitte des 13. Jahrhunderts einzureihen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ehemalige Refektorium wurde zum Teil schon 1894 entdeckt, doch konnten die Fresken erst 1963 vollständig freigelegt werden. Diese Räume waren Teil des Gerichtsgebäudes: Wärterwohnung und Gefängniszellen. An der Südseite des gotischen Saales befinden sich drei Spitzbogenfenster. Den sechsjochigen Raum tragen zwei Steinpfeiler als Mittelstützen. An einem ist die Jahreszahl 1564 zu erkennen, die vielleicht auf eine spätere Renovierung zurückgeht. Ab einer Höhe von 1,70 m befinden sich figurale Wandmalereien. Die einzelnen Darstellungen des Zyklus sind unterschiedlich gut erhalten, zum Teil ist nur noch die rote Vorzeichnung vorhanden. Neben christologischen Szenen sind eine Sterbeszene im Kloster (vielleicht der Tod des Ordensgründers Augustinus) und ein hl. Georg wiedergegeben. Vom zweiten Bild der Nordwand ist die Darstellung des Stifters dieser Bilder Propst Georg Eisner mit seinem Konvent erhalten. Da er ohne Mitra gezeigt wird, ist die Entstehungszeit dieser Fresken kurz vor 1498 anzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der östlich an das Refektorium anschließende frühbarocke Saal wird auf einem Plan mit &amp;quot;Capitl&amp;quot; bezeichnet. Die Jahreszahl 1628 am Ostfenster gibt vielleicht den Abschluss des Umbaus an. Heute wird dieser Saal für das Urgeschichtsmuseum des Stiftes verwendet. Wahrscheinlich besaß dieser Konventtrakt aufgrund der Größe der Stiftsgemeinschaft ursprünglich schon einen ersten Stock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei anderen Flügel des Konventbaues wurden wegen des Kirchen- bzw. Schulneubaus weggerissen. Über die Funktion der Räumlichkeiten sind wir zum Teil durch einen Plan von Johann Michael Hergöth unterrichtet, den er um 1700 gezeichnet hat: ebenerdig gab es drei Sakristeiräume, eine Schneiderei, den Mesnerkeller und das erwähnte Refektorium. Im ersten Stock waren die Zimmer der Chorherren, die Wohnung des Dechants und die Bibliothek untergebracht. Im Kreuzgangbereich lag noch die alte Totenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite des Konventbereiches steht auch heute noch der Kirchenbau. Von der mittelalterlichen Kirche ist nur das gotische Kirchenportal aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten. Aus den Umbauplänen können wir schließen, dass dieser Bau als Pfeilerbasilika auf kreuzförmigem Grundriss errichtet war, ähnlich der Michaelerkirche in Wien. Nördlich der Kirche waren die Kanzleiräume und die Prälatur. Entlang des Baches lagen die Wirtschaftsräume mit einem weithin sichtbaren Fluchtturm (Kuchlturm). Von diesen Gebäuden steht nur noch die Mühle, die heute als Elektrizitätswerk die Wasserkraft nutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm von Schmerling (1709–1721) entschloss sich für den Neubau des Stiftes. Am 25. Mai 1714 wurde dazu der Grundstein gelegt und Jakob Prandtauer wurde mit der Planung und Ausführung betraut. Propst Hieronymus Übelbacher von Dürnstein bezeichnet Prandtauer als &amp;quot;fürnehmen baumeister zu St. Pölten und vielleicht fürnehmsten in ganz Österreich&amp;quot;. Prandtauer begann mit dem Bau des Südtraktes. Der Osttrakt mit dem großen Festsaal wurde nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet. 1720 wurde die Einfahrtshalle aufgeführt. Auch hier dürften Vorschläge von Fischer mitverarbeitet worden sein. Im Quertrakt, zwischen den beiden Höfen, wurden im Erdgeschoß die beiden Sakristeien eingerichtet: Herren- und Prälatensakristei. Die qualitätvollen Stukkaturen gehen auf Michael Bolla, 1717, zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1721 starb Propst Wilhelm Schmerling. Sein Nachfolger Leopold von Planta (1721–1740) ließ weiterbauen, und zur Zeit des Todes von Jakob Prandtauer war das Stiftsgebäude zu einem provisorischen Abschluss gekommen, der aber zum dauernden wurde, denn der Westtrakt des &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; blieb unausgeführt. Propst Leopold ließ vom Nachfolger Prandtauers, dem Stiftsbaumeister Joseph Munggenast, den Meierhof aufführen und in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts den Stiftsbau durch die Errichtung des nördlichen Vorbaues und des Georgitores äußerlich abschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Westtrakt aus Sparmaßnahmen nicht ausgeführt wurde, errichtete der Propst die dort geplante Bibliothek im Mitteltrakt, und die in diesem Teil schon begonnene Prälatur wurde in den Nordostteil des Gebäudes verlegt. Die Gärten ließ er in barocker Manier anlegen und die Brücke über den Mühlbach sowie den &amp;quot;Springbrunn unter dem Großen Saal&amp;quot; mit einigen &amp;quot;Kindln&amp;quot; (Sandsteinfiguren) versehen. Diese Gartenplastiken und auch die Zwergenfiguren aus dem Zwerglgarten sind heute verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leopold kaufte auch vom Wiener Goldschmied Johann Kaspar Holbein einige Brustkreuze, Kelche und vor allem eine wertvolle Monstranz, deren Entwurf auf Matthias Steinl zurückgehen könnte und die im Raritätenkabinett erhalten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung der fertiggestellten Stiftsgebäude erlebte Propst Leopold nicht mehr. Ein Jahr nach seinem Tod wurde die Weihe am Georgstag, den 24. April 1741, von seinem Nachfolger Frigdian Knecht (1740–1775) vorgenommen, der dann auch die &amp;quot;Kapitularen in die neue, freundliche Klausur&amp;quot; führen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich Propst Frigdian zum Neubau der Kirche. Am 26. Juni wurde unter Beisein des Malers Daniel Gran der Grundstein an der Epistelseite der Apsis (rechte Seite der Kirche) gelegt. Die Inschriftplatte aus vergoldetem Kupfer führt Franz Munggenast als Baumeister an. Im selben Jahr, in dem der Rohbau fertig wurde, 1748, starb der junge Baumeister mit 24 Jahren. Seine Genialität wird an dieser Kirche, die zu den großen Leistungen des österreichischen Barock gezählt werden darf, sichtbar. Sein Bruder Matthias folgte als Stiftsbaumeister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kircheninneren malte Daniel Gran 1746 das Hochaltarbild und im Presbyterium die beiden Fresken. Wegen finanzieller Unstimmigkeiten und anderer Meinungsverschiedenheiten kam es zum Bruch mit dem Künstler. Der Propst vergab daher die weiteren Arbeiten in der Kirche, die Freskenmalerei und sämtliche Altarbilder mit den Ovalbildern, an Bartolomeo Altomonte, der sie von 1753 bis 1771 ausführte. Die dekorative Malerei in den Kirchenkuppeln (oberhalb des Hauptgesimses) stammt von Domenico Francia aus Bologna. Die Aufbauten für den Hochaltar (1770) und die Seitenaltäre, die Ballustraden (Kommuniongitter) und die Kanzel (1773) der Kirche stammen von Jakob Mösl, die Altarplastiken von Johann Josef Rößler, das Chorgestühl (1772) und die Volksstühle (1775) vom Klostertischler Lorenz Horeß.&lt;br /&gt;
Die herrliche Ampel wurde 1770 von Johann Christoph Beuermann aus Wien geliefert. Das Glanzstück der Kirche ist die 1752 fertiggestellte Orgel von Johann Henke, dem bedeutendsten Wiener Orgelbauer dieser Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1680 befand sich in der alten Kirche ein aus Ungarn stammendes Marienbild, das &amp;quot;orientalische Frauenbild&amp;quot;, zu dem viele Wallfahrer kamen. Nach der Fertigstellung des barocken Seitenaltares im Neubau der Kirche wurde es 1771 von Propst Frigdian Knecht eigenhändig in einer Prozession, die ihn durch beide Märkte führte, auf den heutigen Platz übertragen. Gegenüber dem Marienaltar liegen in einem Schrein die Gebeine des hl. Urban. Sie stammen aus den Kalixtuskatakomben in Rom und wurden 1740 dem Stiftsdechant Michael Koch geschenkt.&lt;br /&gt;
Als 1771 der barocke Augustinusaltar fertiggestellt war, fand dort der urchristliche Märtyrer seine endgültige Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das jüngste Kunstwerk der Kirche ist der Volksaltar, der 1994 vom Wiener Künstler Wander Bertoni angefertigt wurde und die Schöpfung zum Thema hat. Die Krönung der Bautätigkeit des Propstes Frigdian Knecht war die Neugestaltung des Kirchturmes nach einem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach, unter Mithilfe des Baumeisters Matthias Munggenast. Mit Recht sieht der Stiftschronist Frigdian Mies im Turm den ins Große strebenden Geist des Propstes. Die originelle Turmspitze mit Herzogshut und Stiftskreuz wurde am 6. Juli 1767 &amp;quot;um die Mittagszeit unter Pauken- und Trompetenschall aufgesetzt&amp;quot;. 1756 hatte der Propst die Chorkapelle mit Fresken von Martin Johann Schmidt (&amp;quot;Kremser Schmidt&amp;quot;) und einem Verkündigungsbild von Martin Altomonte ausschmücken lassen. Im Festsaal malte Bartolomeo Altomonte 1772 das Fresko &amp;quot;Das seelsorgliche Wirken der Augustiner-Chorherren im Bistum Passau&amp;quot;. Das Fresko an der Decke der Prälatenstiege &amp;quot;Die Übertragung der Kanonie von St. Georgen nach Herzogenburg&amp;quot; ist signiert mit &amp;quot;Barto Altomonte fec. 1779 aetatis suae 79&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Augustin Beyer (1779–1780) wurde auch die Bildergalerie fertiggestellt. Die Gemälde sind nach einem dekorativen Schema angeordnet: ein zentrales Mittelstück, von kleineren Gemälden umrahmt. Die Bilder wurden zu diesem Zweck auch vergrößert, verkleinert oder sogar geteilt, um der Symmetrie zu entsprechen. Dieser &amp;quot;geistlichen Galerie&amp;quot; kommt nicht nur wegen ihres kulturgeschichtlichen Wertes große Bedeutung zu, es befinden sich unter den 144 Bildern auch hervorragende Kunstwerke, u. a. eine Vincenzo di Biagio Catena zugeschriebene &amp;quot;Heilige Familie&amp;quot; oder ein auf Holz gemaltes deutsches Männerporträt mit der Signatur &amp;quot;H. H. 1521&amp;quot;, das als Werk Holbein d. J. bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man in Österreich die Kunstschätze vergangener Jahrhunderte noch als entbehrlichen &amp;quot;Raritätenkram&amp;quot; verstand, förderte Propst Aguilin Leuthner (1811–1832) die seltsame Sammelleidenschaft seines Mitbruders Ludwig Mangold. Nach dem Vorbild der alten &amp;quot;Kunst- und Wunderkammern&amp;quot; aus der Renaissancezeit hatte der junge Ungar im Stift ein &amp;quot;Antiken- und Raritätenkabinett&amp;quot; im zweiten Stock über der Prälatur angelegt, das zum Grundstein der heutigen Stiftssammlung wurde. Ein Verzeichnis dieser Raritäten wurde im Juni 1815 von ihm angefangen und hat folgende Hauptabteilungen: &amp;quot;A Mahlerey und Mosaique, B Bildhauerey, Schnitz- und Gußwerk, C Kupferstiche und Handzeichnungen, D Glasarbeiten, E Uhren, F Becher und andere Gefaße, G Kleidungsstücke, H Musicalische Instrumente, I Waffen, K Römische Alterthümer, L Verschiedene Seltenheiten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die meisten der hier verzeichneten Gegenstände sind noch im Besitz des Stiftes und waren im Rahmen der Ausstellung &amp;quot;Kunstschätze im Stift Herzogenburg&amp;quot; zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunstwerke wurden 1964 in den ehemaligen Gästezimmern topographisch aufgestellt, d. h. nach Möglichkeit nach ihrem Herkunftsort gruppiert. Das Hauptstück der Sammlung ist der &amp;quot;Jüngere Aggsbacher Hochaltar&amp;quot;, ein 1501 in Krems gemaltes Werk von Jörg Breu von Augsburg. Eine vorzügliche Schnitzarbeit ist die realistisch gehaltene Skulpturengruppe des &amp;quot;Marientodes&amp;quot; um 1500, möglicherweise der Mittelteil der Predella des Jörg-Breu-Altares. Weiters soll hier die „Stiftertafel&amp;quot; aus der Zeit um 1500 erwähnt werden, eine Votivtafel mit dem Bildnis des Bischofs Ulrich I. von Passau und der &amp;quot;porträthaften&amp;quot; Darstellung des mittelalterlichen Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Höhepunkt der spätbarocken Abteilung bilden Werke von Daniel Gran, vor allem das vergoldete Modell für den Hochaltar um 1746 mit dem unmittelbaren Entwurf für das Hochaltarbild und ein äußerst lebendiges Selbstporträt. Einen besonderen Schatz stellt der Bestand von zehn Ölskizzen und Bildern von Bartolomeo Altomonte dar, darunter Entwürfe für die Fresken in der Stiftskirche und ein höchst interessantes Selbstporträt aus dem Jahr 1774. In der Prälatur haben sich auch einige erwähnenswerte Kunstgegenstände erhalten, z. B. ein seltener Venezianer Spiegel vom Beginn des 18. Jahrhunderts, der neben reichem Ornament und alter Verglasung gravierte bérainsche Ornamentik in dem Rahmenspiegelchen trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Refektorium wurde bis in die sechziger Jahre als Speisesaal der Chorherren benützt. 1975 wurde es renoviert und als &amp;quot;Augustinussaal&amp;quot; ein Veranstaltungszentrum für Stift und Pfarre. Im Südosten des Stiftes befindet sich im zweiten Stock das &amp;quot;Mexikanische Zimmer&amp;quot;. In diesem Raum war die von Propst Norbert Zach (1857–1887) erworbene Sammlung von Geräten, Waffen und Schmuckgegenständen der Ottawa-Indianer aufgestellt. Sie musste in den zwanziger Jahren veräußert werden.&lt;br /&gt;
Interessant ist das Zimmer heute wegen der zwölf Wandgemälde, die in der romantischen Gesinnung des späten 19. Jahrhunderts Motive aus Österreich darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Exponate der urgeschichtlichen Sammlung des Stiftes Herzogenburg kamen aus der Ausgrabung eines eisenzeitlichen Friedhofes von Statzendorf. Der Göttweiger Abt Adalbert Dungl war maßgeblich daran beteiligt. Die Pröpste Georg III. Baumgartner (1913–1927) und Georg IV. Hahnl (1946–1963) haben durch eigene Grabungen wesentlich zur Vervollständigung dieser Sammlung beigetragen. Zusammen mit Dungl waren sie die Pioniere der prähistorischen Archäologie im unteren Traisental.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Heute enthält die urgeschichtliche Sammlung eine Reihe von Steingeräten aus der Altsteinzeit, eine große Zahl von Fundstücken der Jungsteinzeit und Keramiken aus der frühen Bronzezeit, wie etwa den Fund von 17 Töpfen aus St. Andrä an der Traisen, Objekte der Hügelgräber und Urnenfelderkultur und weitere bedeutende Funde aus der Eisenzeit, wie Beigaben der Hallstadtkulturen aus den Gräberfeldern von St. Andrä und Statzendorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Römische Funde waren bis auf einige Münzen im Raum von Herzogenburg eher spärlich, bis 1972 aus der Zeit der römischen Kaiser ein Zeremonienhelm mit Gesichtsmaske unweit des Stiftes gefunden wurde, der zu den bedeutendsten Denkmälern römischer Kunst auf österreichischem Boden gerechnet werden muss. Mit seinen &amp;quot;Alexanderlocken&amp;quot; gehört er zum orientalischen Typus. Damit ist er ein Beispiel dafür, wie weit vorderorientalische Mysterienkulte im 2. und 3. Jahrhundert verbreitet waren. Dieses Unikat ist im Raritätenkabinett im ersten Stock ausgestellt, während alle anderen Funde im frühbarocken Refektorium im Altstift zu sehen sind. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Eine fachkundige Neuaufstellung wird derzeit von Univ.-Doz. Dr. Johannes-Wolfgang Neugebauer vorgenommen.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Als 1512 in Herzogenburg ein Großbrand wütete, wurden einige Trakte des Stiftes in Schutt und Asche gelegt. Die Bibliothek wurde dabei auch ein Raub der Flammen. Wahrscheinlich besaß damals das Stift über 100 handgeschriebene Bücher und vielleicht ebensoviele Inkunabeln. Wieviele Bücher gerettet werden konnten ist leider nicht überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten großen Förderer der mittelalterlichen Bibliothek waren die beiden Pröpste Johannes III. von Parsenbrunn (1401–1433) und Johannes IV. von Linz (1433–1457). Aus der Zeit vor dem Brand haben sich einige Buchfragmente erhalten. Fragment 42 aus dem 9. Jahrhundert ist das älteste Stück der Bibliothek.&lt;br /&gt;
Von der Wende des 12. zum 13. Jahrhundert stammt das Fragment 32 mit Teilen eines Legendars. Das Fragment 43 ist Teil eines Nekrologiums vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Es ist ein sicheres Zeugnis für die Schreibkultur des Stiftes in St. Georgen. Ob das Stift dann in Herzogenburg eine eigene Schreibschule besessen hat, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Auf jeden Fall sind keine Handschriften auf Pergament mit wertvollen Initialen auf uns gekommen, sondern nur anspruchslose, auf Papier geschriebene Bücher. Sie haben alle einen praktisch-theologischen Inhalt und stehen im Zusammenhang mit den Seelsorgeaufgaben des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Schreiber waren mit Sicherheit Klosterangehörige, von weiteren sieben ist es unsicher. Die kunsthistorisch kostbarsten Handschriften wurden erst in späteren Jahrhunderten angekauft. Den ersten größeren Zuwachs nach dem Brand erfuhr die Bibliothek durch Propst Philipp von Maugis (1541–1550), der vor allem humanistische Werke bzw. lateinische und griechische Klassikerausgaben erwarb und die von seinem Bruder ererbte Bibliothek der Stiftsbibliothek einverleibte.&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Herb (1687–1709) erbte ebenfalls von seinem Bruder 173 Bücher meist theologischen Inhalts, die in zwei Fässern und einer großen Truhe verpackt auf der Donau von Deutschland nach Krems transportiert und von dort ins Stift gebracht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge des barocken Stiftsneubaus wurde die Bibliothek von 1751 bis 1754 von Propst Frigdian Knecht (1740–1775) erbaut. Die Ornamentmalerei fertigte Domenico Francia an, die figuralen Grisaillen wurden von Bartolomeo Altomonte gemalt. Die einfachen, doppelteiligen Bücherschränke wurden vom Orgelbauer Johann Henke entworfen. Propst Frigdian sammelte die Bücher &amp;quot;mit einem unersättlichen Hunger&amp;quot;, wie er selber scherzend zu sagen pflegte. Er erwarb u. a. die Bibel von 1205 (HS 100) und die kostbare Handschrift &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; (HS 95) aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Stephan Peschka (1775–1779) und Michael Teufel (1781–1809) erwarben durch den Exjesuiten Abbé Johann Christoph Regelsberger viele Bände bei Bücherauktionen aus den Beständen aufgehobener Klöster. Mit der Übernahme der aufgehobenen Stifte St. Andrä an der Traisen 1783 und Dürnstein 1788 kamen nur wenige Bücher, nachweislich nur einige Handschriften und Inkunabeln, nach Herzogenburg. Der Großteil des Bücherschatzes kam in die Wiener Hofbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Petrus Schreiber]], von 1781 bis 1788 auch Stiftsdechant, war mit Unterbrechung fast 25 Jahre Bibliothekar. Eine große Anzahl von Büchern mit einheitlichen barocken Einbänden kam durch ihn in die Bibliothek. Sie tragen auf dem Einbanddeckel die goldenen Buchstaben &amp;quot;P. S.&amp;quot;. Ebenso vermachte er dem Stift 15 Inkunabeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Inventar von 1832 beziffert den Buchbestand summarisch mit etwa 10.000 Bänden. 1887 war der Besitz bereits auf 50.000 Bände, 253 Inkunabeln und 223 Handschriften angewachsen. Dieser Zuwachs dürfte auch die Erweiterung der Bibliotheksräumlichkeiten veranlasst haben. Unter Propst Norbert Zach (1857–1887) wurden 1870 die Gänge im zweiten Stock des Stiftes mit Bibliothekskästen ausgestattet. Unter ihm waren als Bibliothekare die bedeutenden Stiftshistoriker [[Wilhelm Bielsky]], [[Michael Faigl]] und Frigdian Schmolk tätig. Sie veröffentlichten viele Beiträge zur Stiftsgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine großzügige Erweiterung erfuhr die Stiftsbibliothek zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gräfin Maria Falkenhayn übergab 1905 dem Stift die 30.000 Bände ihrer Schlossbibliothek in Walpersdorf. Neben diesen gräflichen Exlibris finden sich in der Sammlung auch Werke mit den Besitzvermerken der Jörger, Colloredos und der Herrschaften Droß und Ottenschlag.&lt;br /&gt;
Während der Weltwirtschaftskrise kam es 1927 zur Veräußerung von Inkunabeln, die vergleichsweise die Höhe des Schätzwertes der ehemaligen Stiftstaverne ausmachten. Ebenso wurde in den sechziger Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eine große Anzahl von Büchern veräußert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anläßlich der Ausstellung im Jahr 1964 &amp;quot;Das Stift und seine Kunstschätze&amp;quot; wurde eine Neuaufstellung der Bücherbestände begonnen, die aber &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bis heute nicht fertiggestellt werden konnte&amp;lt;/span&amp;gt;. Derzeit ist die Bibliothek auf mehrere Standorte verteilt und lediglich die Handschriften, die Inkunabeln und die Druckwerke bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden nach dem Erscheinungsdatum geordnet. Der Rest ist weitgehend unbearbeitet. Der Gesamtbestand wird auf 80.000 Bände geschätzt. Dazu kommen noch 150 Inkunabeln und 150 mittelalterliche Handschriften. Die älteste Handschrift ist ein österreichisches Psalterium des 12. Jahrhunderts (HS 106). Die gut geschriebene Handschrift enthält eine Reihe von großartigen Initialen. Die bedeutendste Handschrift der Bibliothek ist Cod. 95 &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; von Gregor d. Gr. Sie wurde um 1260 in Mainz oder Regensburg geschrieben und enthält 36 ausgezeichnete Initialminiaturen im Stil der deutschen Malerei der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Cod. 223 ist eine oberitalienische Bibel der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit großen figurierten Initialen; fast alle Spalten tragen Federranken. Am Beginn der Genesis findet sich eine Gegenüberstellung der sieben Schöpfungstage mit christologischen Szenen. Ein österreichisches Graduale (HS 97) vom Beginn des 14. Jahrhunderts trägt auf jeder Seite Notenzeilen und stammt aus einem Zisterzienserkloster. Sehr schön ist eine französische Bibel mit Miniaturinitialen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (HS 99).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Ausgabe von Gregors &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; ist der zweibändige Cod. 94 aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts mit 18 figurierten Initialen, die von fünf Meistern stammen, die den Wenzelsbibelmeistern nahestehen. Die Handschrift wurde laut Eintragung in der Kartause Mauerbach geschrieben und war 1397 im Besitz der Kartause Olmütz. Wann und wie sie nach Herzogenburg kam, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der bedeutenden Sammlung von Wiegendrucken seien folgende hervorgehoben: ein sehr schöner Venezianer Druck von 1478, Lactantius Firmianus &amp;quot;Gegen die Haiden&amp;quot;; drei ausgezeichnete Kobergerdrucke aus Nürnberg, 1481; die Briefe des Ennea Sylvius Piccolomini (Papst Pius II.); ebenso von 1481 ein Kommentar zum Neuen Testament von Nicolaus de Lyra mit gezeichneten Initialen; und von 1483 ein Fastenbuch von Johannes Guitsch, gedruckt im Charakter der spätgotischen Handschriften. Ein Zisterzienser-Missale aus Paris um 1487 ist mit kleinen kolorierten Holzschnitten illustriert. Zwei sehr gute Ausgaben der interessanten Weltgeschichte von Rolewinck seien noch angeführt. Die eine Wiener Ausgabe von 1490 ist reich mit Holzschnitten illustriert, die zweite aus Köln mit vielen Holzschnitten in der Art der &amp;quot;Schedelschen Weltchronik&amp;quot; aus dem Ende des 15. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abschluss ist noch eine Postilla von Cuilcrinus, Augsburg 1495, die ebenfalls mit Holzschnitten illustriert ist, zu erwähnen. Die oben beschriebenen Handschriften und Frühdrucke sind im Hauptraum der Bibliothek in Vitrinen ausgestellt und bei jeder Führung durch das Stift zu besichtigen. In diesem Bibliothekssaal befinden sich in den Bücherschränken nur Bücher aus dem 18. Jahrhundert, um den Eindruck einer barocken Schaubibliothek zu vermitteln.&lt;br /&gt;
Durch die bescheidene Einrichtung wirkt die Bibliothek wie eine heimelige Studierstube. Die letzte Handschrift wurde 1990 erworben. Sie ist ein türkisches Gebetbuch aus dem 19. Jahrhundert in arabischer Zierschrift. In der Mitte des Buches finden sich zwei romantisch gemalte Ansichten der Moscheen in Mekka und Medina.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Das Herzogenburger Stiftsarchiv besteht aus vier Abteilungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) dem Archiv des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen/Herzogenburg mit 1.745 registrierten Urkunden (1112–1852) und zahlreichen nicht bearbeiteten Urkunden (ab 1852), 264 Büchern und 647 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit 327 registrierten Urkunden (998–1776), sechs Büchern und 225 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein mit 718 registrierten Urkunden (1306–1768), 36 Büchern und 90 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) dem Archiv des aufgehobenen Clarissenklosters Dürnstein mit 357 registrierten Urkunden (1289–1658) und ca. 20 Büchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Dokument im Stift Herzogenburg ist die Gründungsurkunde (1112) von Bischof Ulrich von Passau (Sta. Hn. 1a). Sie ist eine der formvollendetsten Urkunden aus der Schreibstube des Bistums Passau. Äußerst interessant ist die Traditionsnotiz (Sta. Hn. 1b), die ein Konzept zur Gründungsurkunde darstellt und sechs weitere protokollarische Notizen enthält, die an verschiedenen Orten abgefasst wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historisch bedeutsam für das Stift ist auch die Übertragungsurkunde von 1244 (Sta. Hn. 38). Die schweren Zeiten des 15. Jahrhunderts sowie der Brand des Klosters im Jahr 1512 dürften dem Archiv nicht allzusehr zugesetzt haben. Alle wichtigen Urkunden sind im Original vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes VII. Glaz (1569–1572) veranlasste eine Aufzeichnung und Registrierung der &amp;quot;Pergament-Brieff&amp;quot;. In dem 1570 angelegten Verzeichnis wird das Archiv als „Registratur&amp;quot; bezeichnet. Entsprechend dem damaligen Kanzleigebrauch, dessen Vorbild die Kanzlei des Regiments der niederösterreichischen Lande war, wurden auch in Herzogenburg die Urkunden, damals insgesamt 46 Stück, in einem mit Laden versehenen Kasten und die weniger wichtigen Akten in einem Sack aufbewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1683 wurden das Archiv und die Schatzkammer vor den heranrückenden Türken in das Chorherrenstift Dürnstein verlagert und 1684 wieder zurückgebracht. Die zeitlich nächstfolgende Bestandsaufnahme des Stiftsarchivs erfolgte zwischen 1730 und 1740. &amp;quot;Ain großer mit Eyßen schön beschlagener Casten, hat 36 unterschidliche litterirte gemahlene Laden&amp;quot;. Er diente als Aufbewahrungsort für das als &amp;quot;gehaimbtes Gwölb&amp;quot; bezeichnete Hauptarchiv. Diesem wurden 1745 Schriften und Akten des Hofrichters und des Stiftskämmerers einverleibt. Genaue, nach Grundherrschaften bzw. Sachgebieten angelegte und geordnete Inventarien zeugen von der Sorgfalt, mit der das Stiftsarchiv unter Propst Frigdian I. Knecht (1740–1775) betreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte im Streben nach dem Wissen über die eigene Vergangenheit die ersten wissenschaftlichen Bearbeitungen des Urkundenbestandes durch die Herzogenburger Chorherren [[Wilhelm Bielsky]] (Die ältesten Urkunden des Kanonikatsstiftes St. Georgen in Unterösterreich von 1112–1244, Wien 1852) und [[Michael Faigl]] (Die Urkunden des regulierten Chorherrenstiftes Herzogenburg vom Jahre seiner Übertragung von St. Georgen 1244–1450, Wien 1886).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich wurde in den Jahren 1930 bis 1935 der unübersehbare Bestand an Akten und Büchern durch Dr. Göhler geordnet und durch eine Zettelkartei der Forschung zugänglich gemacht. In der insgesamt 1.745 Urkunden umfassenden Urkundenreihe vom Stiftsarchiv Herzogenburg gibt es neben einer Vielzahl von Stiftungs- und Schenkungsurkunden auch Urkunden von Päpsten und Landesfürsten. Die älteste Papsturkunde wurde 1177 von Papst Alexander III. ausgestellt, die erste in deutscher Sprache abgefasste Urkunde stammt aus dem Jahr 1292.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als einzigartiges Dokument soll eine Urkunde Erwähnung finden, die von Mönchen des Katharinenklosters am Sinai und Chorherren des Stiftes Herzogenburg im Jahr 1491 gezeichnet wurde. Damals haben zwei griechische Sinaimönche Herzogenburg besucht und mit den hiesigen Chorherren eine Gebetsverbrüderung geschlossen und besiegelt – ein merkwürdiges und einmaliges Zeugnis für die Verbindung der Ost- und Westkirche im ausgehenden Mittelalter nach dem Fall von Konstantinopel (Sta. Hn. 538).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Grundbücher, wertvolle Unterlagen zur Erforschung der Besitz- und Bevölkerungsgeschichte im Raum Herzogenburg, wurden im 12. Jahrhundert angelegt. Hinzu tritt jene Masse des Archivmaterials, die als Akten des adeligen Richteramtes über die Untertanen aus der Amtstätigkeit des Stiftes erwachsen sind: Grundbuchsakten ab 1340, Testamente ab 1500, Verwaltungsakten über den Oberen Markt Herzogenburg, Korrespondenzen mit den umliegenden Grundherrschaften. Diese Schriftstücke zeigen den Kampf des Stiftes um seine Rechte und Besitzungen, unter welchen besonders Fischerei- und Wasserrechte auf der Traisen und Jagdrechte in den Auen im Vordergrund stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Rechnungsbüchern und Rechnungsakten finden sich genauere Aufzeichnungen über den Bau der barocken Stiftsgebäude und der inkorporierten Pfarrkirchen mit ihren Pfarrgebäuden. Eigenhändige Unterschriften auf den Quittungen sind zu finden von Jakob Prandtauer, der Familie Munggenast, Bartolomeo Altomonte, Daniel Gran, vom Salzburger Steinmetzmeister Jakob Mösl, vom Wiener Goldschmied Johann Caspar Holbein und vielen anderen. Bei der Durchsicht von unbearbeiteten Archivmaterialien konnte ein eigenhändig geschriebener Brief von Martin Luther von 1541 aufgefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Auflösung der Chorherrenstifte St. Andrä und Dürnstein kamen deren Archive nach Herzogenburg. Propst Michael Teufel (1781–1809) hat sich sehr um ihre Erhaltung und sichere Aufbewahrung bemüht. Die älteste Urkunde von St. Andrä ist eine Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. aus dem Jahr 998 (Sta. An. 1). Die Stiftungsurkunde von St. Andrä stammt aus dem Jahr 1160 und ist mit 44 Zeugen belegt (Sta. An. 4). Zu erwähnen ist noch eine prunkvolle Ernennungsurkunde des Chorherren Johannes Zwickl zum Kommissär für den Türkenablass des Papstes Innozenz VIII. von 1490 in teilvergoldeter Schrift mit reichen Initialen (Sta. An. 208). Alle drei Dokumente zählen zu den Zimelien dieser Urkundenreihe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Archiv der Chorherren von Dürnstein ist der Stiftungsbrief vom 18. Februar 1410 (Sta. CDn 147) der absolute Höhepunkt. Der linke Rand dieser Urkunde ist mit einer Reihe von höchst bedeutenden Miniaturen versehen, die sowohl der böhmischen wie der Wiener Buchmalerei des frühen 15. Jahrhunderts nahestehen. Die angehängten sechs Siegel sind noch vorhanden. Zwei im selben Jahr ausgestellte Urkunden tragen schöne Initialmalereien (Sta. CDn 149 und 150).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Im Gegensatz zum &amp;quot;Archiv Herzogenburg&amp;quot; sind die Urkunden, Bücher und Akten der drei anderen Archive noch nicht publiziert und daher wissenschaftlich noch wenig ausgewertet. &lt;br /&gt;
Derzeit (1995) wird die Einrichtung des Archives erneuert und auf den letzten technischen Stand gebracht. Damit ist auch der Wunsch verbunden, dass die letzten 150 Jahre archivmäßig aufgearbeitet werden.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Historische Namensformen===&lt;br /&gt;
* WEIGL, Heinrich, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, 8 Bde., Wien 1964–1981.&lt;br /&gt;
* SCHUSTER, Elisabeth, Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, 1. Teil (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B), Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
* HAUSNER, Isolde / SCHUSTER, Elisabeth, Altdeutsches Namenbuch, Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politische und kirchliche Topographie===&lt;br /&gt;
* WOLF, Hans, Niederösterreich (Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 6. Teil), Wien 1955.&lt;br /&gt;
* RUPP / SCHMIDTBAUER, Herzogenburg, 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Franz Reininger: Die Wiegendrucke der Stiftsbibliothek Herzogenburg. In: Mitteilungen des Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 12 (1908), S. 109–127.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Katalog der Handschriften der Stiftsbibliothek Herzogenburg. St. Pölten 1978. [https://manuscripta.at/diglit/winner_1978_1/0001 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Mayo Hope: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed for the Hill Monastic Manuscript Library, Austrian Libraries. Volume III: Herzogenburg. Collegeville, Minnesota, 1985. [https://archive.org/details/HMMLAustriaInventory3 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Franz Lackner: Datierte Handschriften in niederösterreichischen Archiven und Bibliotheken bis zum Jahre 1600. Wien 1988 (Katalog der datierten Schriften in lateinischer Sprache in Österreich, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kunst- und Baugeschichte===&lt;br /&gt;
* HEIDER, Gerhard / HÄUFLER, J. V., Archäologische Notizen (Archiv für österreichische Geschichte II/1), Wien 1850, 139–178.&lt;br /&gt;
* RIESENHUBER, Martin, Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Bistums St. Pölten, St. Pölten 1923.&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer. Der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* PETERMAIR, Hans, Die bauliche Anlage der Stifte in Altenburg, Herzogenburg und Seitenstetten und ihre baukünstlerischen Beziehungen im Mittelalter und in der Barocke, masch.geschr. techn. Diss., Wien 1934.&lt;br /&gt;
* STEINER, Ubald, Die Stiftskirche zu Herzogenburg. Beiträge zur Baugeschichte nach Aufzeichnungen des Propstes Georg Baumgartner, in: Pfarramtliche Nachrichten für den Kirchensprengel Herzogenburg 21 (1935), Nr. II/12.&lt;br /&gt;
* MUNGENAST, Emmerich, Joseph Munggenast. Der Stiftsbaumeister 1680–1741, Wien 1963.&lt;br /&gt;
* FEUCHTMÜLLER / WEBER, Stift und Kunstschätze, 1964.&lt;br /&gt;
* HEINZL, Brigitte, Bartolomeo Altomonte, Wien/München 1964.&lt;br /&gt;
* BIBA, Otto, Die Orgelakten des Stiftes Herzogenburg, in: Unsere Heimat, Zeitschrift des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 41 (1970), Heft 1, 9–24.&lt;br /&gt;
* GÜTHLEIN, Klaus, Der österreichische Barockbaumeister Franz Munggenast, phil. Diss., Heidelberg 1973.&lt;br /&gt;
* KNAB, Eckhart, Daniel Gran, Wien/München 1977.&lt;br /&gt;
* CÄSAR, Menz, Das Frühwerk Jörg Breus des Älteren, Augsburg 1982.&lt;br /&gt;
* EGGER / HESSLER / PAYRICH / PÜHRINGER / FASCHING, Stift Herzogenburg, 1982.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Hermann-Fichtenau: Der Bildersaal im Stift Herzogenburg, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 38 (1984).&lt;br /&gt;
* SERVUS, Die Entstehung der barocken Klosteranlage, 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Moseneder: Passau im Gedächtnis Herzogenburgs. Zur Ikonologie des Augustiner-Chorherrenstift. In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch 31 (1989), S. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;##&amp;lt;/span&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* Karl Thomas (Bearb.): Die Baumeisterfamilie Munggenast. Sonderausstellung des Stadtmuseums St. Pölten anläßlich des 250. Todestages von Joseph Munggenast. St. Pölten 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Oskar Freiherr von Mitis: Studien zum älteren österreichischen Urkundenwesen. 5 Bände. Wien 1906–1912.&lt;br /&gt;
* Franz Stundner: Das Archiv des Stiftes. In: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Hg. von Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber. Herzogenburg 1964, S. 83–86.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sonstige Literatur===&lt;br /&gt;
* Georg Baumgartner: Herzogenburg. In: Topographie von Niederösterreich. Band IV. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Wien 1896, S. 209–238.&lt;br /&gt;
* Gerhart Egger / Walter Hessler / Wolfgang Payrich / Leonore Pühringer / Herbert Fasching: Stift Herzogenburg und seine Kunstschätze. St. Pölten 1982.&lt;br /&gt;
* Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Herzogenburg 1964.&lt;br /&gt;
* Maximilian Fürnsinn: Stift Herzogenburg 1938–1945. In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 22/4 (1975), S. 132–140.&lt;br /&gt;
* Maria Hasitscha-Köck: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg während der Zeit des Propstes Michael Teufel von 1781 bis 1809. Diss. Univ. Wien. Wien 1973.&lt;br /&gt;
* Andreas Karl Kaiser: 975 Jahre Pfarre Herzogenburg (1014–1989). Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1989.&lt;br /&gt;
* Gerhard Nikodim: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg von 1513 bis 1602. Diss. Univ. Wien. Wien 1968.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich: Das Stift Herzogenburg. Die 875-jährige Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen-Herzogenburg von 1112–1987. Dipl.-Arb. Univ. Linz. Linz 1987.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich / Hans Peter Schmidtbauer: Unsere Kirche lebt. 200 Jahre Stiftskirche Herzogenburg. St. Pölten 1985.&lt;br /&gt;
* Anton Rupp / Hans Peter Schmidtbauer: Herzogenburg. St. Pölten / Wien 1991.&lt;br /&gt;
* Werner Sandner: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg von 1244 bis 1513. Diss. Univ. Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Frigdian Schmolk: Stift der regulirten lateranensischen Chorherren zu Herzogenburg in Nieder-Oesterreich. In: Ein Chorherrenbuch. Geschichte und Beschreibung der Bestehenden und Anführung der aufgehobenen Chorherrenstifte. Augustiner und Prämonstratenser in Österreich-Ungarn, Deutschland und der Schweiz. Hg. von Sebastian Brunner. Würzburg 1883, S. 200–263. [https://books.google.at/books?id=GoJJAAAAIAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA199-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Harald Servus: Die Entstehung der barocken Klosteranlage in Herzogenburg und ihre geschichtlichen Voraussetzungen. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1987.&lt;br /&gt;
* Egon Wahl: Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit besonderer Berücksichtigung der rechtlichen, besitz- und personalgeschichtlichen Verhältnisse. Diss. Univ. Wien. Wien 1945.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Helga Penz</name></author>
	</entry>
</feed>