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	<title>Sacra.Wiki - Benutzerbeiträge [de-at]</title>
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	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_St._P%C3%B6lten&amp;diff=10249</id>
		<title>Stift St. Pölten</title>
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		<updated>2022-07-15T16:00:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1083&lt;br /&gt;
|Datum bis=1784&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau, seit 1785 Diözese St. Pölten&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Treisma (799), Treisma ad monasterium Sti Ypoliti (976), Treisima civitas monasterii Sti Ypoliti (985/991), abbatiaad Sanctum Yppolitum (ca 1030), Sand Pelten (1297), Sand Polten (1344). Die römische Stadt trug den Namen Aelium Cetium.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Hippolyt (976), ab 11./12. Jhd. zusätzlich Petrus, Stefan und Paul, später auch Maria&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Landeshauptstadt von Niederösterreich, 60 km westlich von Wien, Stadt mit eigenem Statut. Ursprünglich in der karolingischen, nach 955 ottonischen Mark gelegen, Markgrafschaft Österreich, seit 1156 Herzogtum (1422 Erzherzogtum) Österreich unter der Enns; seit 1920 Bundesland Niederösterreich.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Geschichte vor den Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Das römische Municipium Aelium Cetium, in dem nach seiner Passio der hl. Florian 303/304 im Exil weilte, ging bald nach 400 in den Wirren der Völkerwanderung unter und wird auch in der &amp;quot;Vita Severini&amp;quot; nicht mehr erwähnt. Entsprechend erbrachten die Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte keine Römerfunde aus dem 5. Jahrhundert, wohl aber Zeichen der Zerstörung. Das Gebiet zwischen Enns und Wienerwald dürfte von 500 an kaum besiedelt gewesen sein und stand unter dem Einfluss der Awaren. Mit dem Awarenkrieg Karls des Großen von 791 wurde das Gebiet bis zur Raab wieder dem christlichen Westen eingegliedert. Es folgte bayrische, aber auch slawische Besiedlung. In St. Pölten soll es bald zu einer Klostergründung gekommen sein. Allerdings gibt es auch eine Tradition, die Propst [[Christoph Müller von Prankenheim]] (1688–1715) populär machte. Demnach wurde in St. Pölten durch die beiden adeligen Brüder Adalbert und Ottokar bereits 746 ein Kloster errichtet. Wahr daran ist, dass sie Tegernsee gegründet haben. Wahrscheinlich haben sie durch ihre Beziehungen zu Abt Fulrad von St. Denis Hippolytreliquien erhalten, die sie nach Tegernsee stifteten. Auch 764 wurde als Gründungsjahr angegeben (H. Löwe 1937), doch dürfte dies eher auf großdeutsche Überlegungen zurückgehen. Vor 791 ist eine Klostergründung in Niederösterreich nicht denkbar. Es ist zu vermuten, dass sich das Kloster Tegernsee, das zu den wohlhabendsten gehörte, mit entsprechenden Truppen am Awarenkrieg beteiligte und von Karl dem Großen wie andere auch mit Gütern an der Traisen belohnt wurde. Tegernsee errichtete hier wohl eine Zelle, die dann später Abtei genannt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Errichtung eines Klosters dürfte vor 840 geschehen sein, da dann Tegernsee Passauer Eigenkloster wurde. Vermutlich hatte Passau bereits vorher Besitz in St. Pölten. Die Schenkung der Martinskirche in Linz wurde 799 in Treisma getätigt, was für Passauer Besitz in St. Pölten spricht. Die erste sichere Nennung eines Klosters in St. Pölten geht auf eine Urkunde Kaiser Ottos II. aus dem Jahr 976 zurück. Darin bestätigt er dem Passauer Bischof seine Besitzungen, unter anderem &amp;quot;Treisma ad monasterium sancti Ypoliti.&amp;quot; Ebenso bestätigt Herzog Heinrich (der Zänker) in einem Weistum, das in die Jahre 985/991 datiert wird, dem Passauer Bischof unter anderen Besitzungen &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;deinde Treisimarn civitatem monasterii sancti Ypoliti martiris, ea integritate ut quondam beate memorie Adalbertus episcopus (946–970/971) sub Purchardo marchione (955–976) in sua tenuit vestitura et quemadmodum carta legali affirmatione antiquitus roborata et in publico recitata designabat.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Wie weit es sich dabei um ein bestehendes Kloster oder nur um einen Rechtstitel handelt, sei dahingestellt. Jedenfalls weisen die Ansprüche Tegernsees aus dem 11. Jahrhundert darauf hin, dass wir es ursprünglich mit einer Tegernseer Gründung zu tun haben. Denn in den Tegernseer Güterverzeichnissen wird auch St. Pölten als entfremdetes Gut bezeichnet, so um 1020 und um 1060, das der Passauer Bischof innehabe. Nun wurde das Kloster Tegernsee erst 978 reaktiviert. Es besteht also kein Zweifel, dass St. Pölten im 9. Jahrhundert von Tegernsee aus als Benediktinerkloster gegründet wurde. Ja, es besteht die berechtigte Meinung, dass St. Pölten auch an der Mission im Großmährischen Reich tätig war, wie das Hippolytpatrozinium in Neutra und Znaim-Pöltenberg nahelegt. Ob es den Magyareneinfall überstanden hat, ist ungewiss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weltliches Kollegiatstift===&lt;br /&gt;
Im 11. Jahrhundert kam es jedenfalls zu einer Neuorganisation des Klosters. Im Nekrolog St. Pöltens werden die Bischöfe Berengar (1013–1045) und Eigilbert (1045/1046–1065) als &amp;quot;fundatores&amp;quot; des Klosters bezeichnet. Damals dürfte es zur Umwandlung des Klosters in ein weltliches Chorherrenstift gekommen sein, was durchaus im Trend der Zeit lag (vgl. Ardagger). Den genannten Bischöfen verdankte auch das Kloster die Verleihung seiner ersten Pfarren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Von der Reformtätigkeit Bischof Altmanns von Passau (1065–1091) war auch das Eigenkloster St. Pölten berührt. Ab 1081 stattete er seine Stiftung Göttweig aus. Dies geschah unter anderem auf Kosten der Pfarre St. Pölten, die Teile an die an Göttweig gekommenen Pfarren Kilb und Pyhra verlor. Vermutlich erst nach 1083 wurden in St. Pölten regulierte Kanoniker eingeführt. Dies geschah gegen den Willen der dortigen Kanoniker, wie aus der &amp;quot;Vita sancti Altmanni&amp;quot; hervorgeht. Die St. Pöltner Kanoniker dürften mit ihrem kaiserlich gesinnten Vogt Walchun von Perg im Investiturstreit zu Kaiser Heinrich IV. gehalten haben. Altmann besetzte St. Pölten also mit regulierten Kanonikern vermutlich aus St. Nikola bei Passau. Neuer Propst wurde [[Egilbert]], der auch zweimal als Archipresbyter bezeichnet wird. Doch blieb die Kontinuität im Kloster gewahrt, wie das besondere Gedächtnis an Kaiser Heinrich IV. und dessen Mutter Agnes beweist. Von früheren Pröpsten ist allerdings keiner namentlich nachweisbar. Auch der Ausbau des Klosters wahrte die Kontinuität: für 1065 und 1150 sind Kirchweihen überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Verhältnis zu den Passauer Bischöfen===&lt;br /&gt;
Schon Kaiser Heinrich III. oder Heinrich IV. hatte die Kanonie mit den Marktrechten in St. Pölten ausgestattet (1058?). Nach 1121 bestätigte der Passauer Bischof diese Rechte. Kennzeichnend blieb das ganze Mittelalter das Nebeneinander von Klosterbesitz und den Besitzungen der Passauer Bischöfe in St. Pölten. Diese besaßen in St. Pölten auch ein eigenes Haus, das sie bei ihren Österreichbesuchen als Nebenresidenz benutzten. Mehrfach hielten sie hier auch Diözesansynoden (1284, 1294) ab. 1159 verlieh Bischof Konrad von Passau den St. Pöltner Bürgern bestimmte Rechte (Freiheit von Ordalien), die als ältestes Stadtrecht in Österreich gelten. Die Ummauerung der Stadt erfolgte allerdings erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Kloster gegenüber verhielten sich die Bischöfe meist großzügig. So gab Bischof Konrad 1159 dem Stift die Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Bruck an der Leitha (hl. Martin, nach 1529 Dreifaltigkeit)|Bruck an der Leitha]], Bischof Wolfger (1191–1204) übergab dem Kloster sein Haus, damit es den vierten Teil des Kreuzganges fertigstellen könne. Vermutlich lag dieses mit seiner Maximilianskapelle an der unteren Landstraße (Wienerstraße), wo später die Franziskaner ihr Kloster hatten (heute Priesterseminar). 1213 inkorporierten sie die Klosterpfarre &amp;quot;pleno iure&amp;quot; dem Stift. Bischof Otto von Lonsdorf (1254–1265) weilte häufig in St. Pölten und stellte hier mehr als 30 Urkunden aus. Zu Spannungen kam es wegen der Gemengelage von bischöflichem und klösterlichem Besitz in der Stadt, vor allem aber um die Rechte am bedeutenden Markt. Unter Propst [[Ulrich Feyertager]] (1360–1369) wurde 1365/67 ein Ausgleich zwischen Bischof und Kloster erzielt. Dieses verzichtete auf allen Besitz in der Stadt mit Ausnahme des Klosterviertels und bekam dafür als Entschädigung Zehente in der Umgebung und die bedeutende Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Hürm (hl. Stephanus)|Hürm]]. Bischof Georg von Hohenlohe residierte 1390 bis 1393 in St. Pölten, da ihm seine Bischofsstadt wegen der zwiespältigen Bischofsswahl nicht zugänglich war. Damit begann aber auch das Ende der Passauer Herrschaft in St. Pölten. Bereits 1389 musste die Stadt wegen Schulden erstmals an die Wallseer verpfändet werden, 1481 schließlich dem in Niederösterreich eingefallenen Ungarnkönig Matthias Corvinus. Nach dessen Tod 1490 eroberte König Maximilian Niederösterreich rasch zurück, behielt sich aber St. Pölten. Der Passauer Bischof konnte wegen Geldmangels die Pfandschaft nicht einlösen. So blieb die Stadt bis 1918 landesfürstlich. Für das Kloster bedeutete dies ein Ende der Streitigkeiten mit dem Bischof, hatte dieser doch nur mehr die geistliche Jurisdiktion inne. Allerdings gab es in Hinkunft die üblichen Reibereien mit der Stadtverwaltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
Ab dem 12. Jahrhundert kam es zum Ausbau des Klosters. 1150 ist ein Kirchweihdatum überliefert. Bereits 1133 wurde eine Leutkirche auf dem heutigen Domplatz konsekriert, deren Fundamente 1994 ergraben wurden. Die Andreaskapelle über dem Karner (ebenfalls auf dem Domplatz) wird erstmals 1179 erwähnt. Vor 1140 wurde das Hospital mit der Ägydiuskirche errichtet; als Weihedatum der Kirche wird 1130 angeführt. Eine Jakobuskapelle in der Infirmerie wurde 1184 geweiht. Ebenfalls bereits im 12. Jahrhundert bestand ein Konversenhaus für Frauen, da &amp;quot;moniales de S. Yppoliti&amp;quot; im Nekrolog von St. Andrä erwähnt werden. 1302 erhielt dieses &amp;quot;domus sororum&amp;quot; die Margaretenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1209 wurden in der Sakristei (wohl anlässlich eines Umbaus) Reliquien unbekannter Heiliger gefunden, was zu einer kurzfristigen Wallfahrt nach St. Pölten führte; es wurde auch ein Mirakelbuch angelegt. Einen Höhepunkt erreichte diese Bautätigkeit in der Weihe des Klosters (wohl dem Charakter nach eher eine Kirchweihe) durch Bischof Gebhard im Jahr 1228. Den Übergang von den Babenbergern zu den Habsburgern schafft das Stift ohne größere Probleme. Noch 1248 erhält es durch Bischof Rudger eine Bestätigung seiner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 14. Jahrhundert brachte dem Stift unter den Pröpsten [[Dietmar von Rohr]] (1332–1359) und [[Ulrich Feyertager]] (1360–1369) eine wirtschaftliche Blüte: Es kam zum Ausgleich mit dem Passauer Bischof bezüglich der Besitzungen in der Stadt, zum Erwerb der Pfarre Retz, die zu einer der stärksten wirschaftlichen Stützen des Klosters wurde, aber auch zu bedenklichen personellen und wirtschaftlichen Verknüpfungen mit den Angehörigen der Pröpste. 1358 wütete ein Großbrand. Die Leutkirche auf dem Freithof (Domplatz) wurde vergrößert wieder aufgebaut, wie die Ausgrabungen von 1994 nachwiesen. Propst Ulrich erwarb eine Reihe von Gütern, so den Ansitz Friesing, die Feste Hagenstein, Burg Fridau, Innerkasten, Schwabegg, Rennersdorf und Inning, wobei allerdings unklar bleibt, inwieweit dies auch private Erwerbungen der Familie der Feyertager waren. Damals grassierte immer wieder die Pest, wodurch die Güter oft billig zu erwerben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert wurde St. Pölten über Wittingau (Trebon) von der Raudnitzer Reform erfasst, auf die 1410 auch die Gründung der Augustinerpropstei Dürnstein zurückgeht. Gemeinsam mit dem [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] beteiligte es sich 1414 an der Besiedlung des [[Stift St. Dorothea in Wien|Augustinerklosters St. Dorothea in Wien]]. Das 15. Jahrhundert war eine Blütezeit für die Kanonie, auch wenn es mehrfach kriegerische Ereignisse brachte. So wurde 1424 durch die Hussiten die Stadt Retz zerstört und die Umgebung verwüstet. 1481 bis 1490 besetzten die Ungarn die Stadt. Den großen Stadtbrand von 1474 schildert ein zeitgenössischer Bericht, der auch eine Darstellung der Baulichkeiten des damaligen Stiftes bringt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Dy selb prunst und feur hot verprennt ... das closter der chorherrn mit dem ziegelhoff, dem phister (Bäckerei), und müll, mayrhoff, städeln, marstall, viehstall, kasten, zwei pad der herren im closter und des brobst, werichhaus der zimmerleut, pinthaus, obleyhaus, spital (das spätere Bürgerspital) mit aller zugehörung und zimmer, stall, stadl, pad kasten daselbs; item der chorherrn siechhaus (Infirmerie im Kloster), der jungkherrn schlaffhaus ganz und gar, der herrn schlaffhaus ain teil in ziegeldach, das dach vor dem refät (Refektorium), des dechants heüsl, das secret, der zynein knopf aus dem münster, des Heil. Geist kirchen, des kastner und schaffner zimmer, das schenkh haus das man heißt in dem Lüeglein; St. Margarethn das dach (Kirche der Chorfrauen), das dach auf dem korner (Karner), das dach und heusel in dem gusterhof, die schuel, messnerheusl, das kirchengässel, ...&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Die Schäden müssen enorm gewesen sein, so musste die Spitalskirche in der Unteren Landstraße (Wiener Straße) neu errichtet werden. Die Baulast für die Erneuerung des Kremserturmes und der Befestigungen bis zum Wiener Tor fiel dem Stift zu. Die Behebung der Schäden dauerte bis nach 1500.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die lange Krise===&lt;br /&gt;
Einem neuerlichen Stadtbrand fielen 1512 die Westfassade mit den beiden Türmen und offensichtlich auch die Sakristei zum Opfer. Letzteres geht aus einer Bischofsurkunde von 1513 hervor. Demnach gewährte Bischof Wiguleus Fröschl dem Konvent die Erlaubnis, anstatt der bisherigen Almuzien aus schwarzem Lammfell solche aus billigeren Eichhornfellen zu tragen. Von der Doppelturmanlage wurde nur mehr der Südturm wiederhergestellt. Daneben gab es noch andere Gründe für den Niedergang. Da waren zunächst die Türkenkriege, die 1529 und 1532 die Stadt erreichten. Wenn auch die Stadt nicht unmittelbar betroffen war, so litten doch die stiftlichen Güter. Zusätzlich musste das Kloster die Quart und die Terz entrichten und immer wieder dem Landesfürsten Darlehen gewähren. Schon 1526 musste es Silber im Wert von 530 Mark abliefern. Schon 1525 leistete es ein Darlehen von 800 Gulden, 1537 und 1539 von 600 Gulden, und 1558 musste es den Stiftshof in Pulkau verpfänden, um ein Darlehen von 3.000 Gulden aufbringen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu kamen die relativ kurzen Amtszeiten der Pröpste, von denen drei resignierten: [[Johannes Marquard]] (1515–1530), [[Johannes Perlasreuter]] (1530–1538) und [[Martin Renhofer]] (1538–1539). Unter Propst [[Leopold Hagen]] (1539–1563) erreichte das Stift seinen Tiefpunkt. Natürlich wirkte sich für das Kloster auch das Eindringen der Reformation negativ aus, was sich besonders im Rückgang der Konventualen zeigte. Dazu starben in den Seuchenjahren 1541/42 sieben Konventualen. 1544 betrug ihre Zahl noch zwölf, 1561 waren es nur mehr sechs, 1566 vier, wobei einer sich auf der Stiftspfarre [[Retz]] befand. Ab Propst [[Georg Hueber]] (1569–1575) besserte sich die Personallage. In der Stadt kam der Protestantismus um 1560 zum Durchbruch. Gemeinsam mit dem Propst wurde der Prediger für die Frauenkirche (einstige Leutkirche auf dem jetzigen Domplatz) bestellt. Der Stadtrat machte daraus ein alleiniges Recht und bestellte protestantische Prediger. Daraufhin ließ Propst Georg die Kirche sperren. In seinem Todesjahr 1575 fand noch eine Visitation statt, die ein erfreuliches Bild zeichnete. Unter seinem Nachfolger [[Melchior Schad]] (1576–1598) schlitterte das Stift allerdings in tiefe Schulden und musste zeitweilig administriert werden. Seine Nachfolger [[Eucharius Warmuth]] (1598–1599) und [[Johannes Meringer]] (1600–1601) regierten nur wenige Monate. Unter Propst [[Johannes Metz]] (1601–1611) wurde in St. Pölten eine Visitation durch Offizial Melchior Khlesl durchgeführt. Einige Tage vor dem Tod seines Nachfolgers [[Johannes Roth]] aus Dinkelsbühl (1612–1621) kam es zu einem katastrophalen Stadtbrand, der auch das Stift schwer traf. Nach drei nur kurz regierenden Pröpsten wurde 1628 [[Wolfgang Panckhammer]] zum Propst gewählt. Er war ein frommer Mann und guter Güterverwalter, hatte aber den Konvent nicht im Griff und wurde sogar von den eigenen Chorherren mit Säbel und Pistole bedroht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Blütezeit seit Propst Fünfleutner=== &lt;br /&gt;
Erst die Visitation durch den Klosterneuburger Propst brachte eine entscheidende Wende zum Besseren. Propst [[Bernhard Enoch von Waitz|Bernhard]] von [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bot den St. Pöltnern auch einen Novizenmeister an, was vermutlich den Eintritt des [[Johannes Fünfleutner]] 1630 in das Stift zur Folge hatte. Er sollte zum bedeutendsten Propst des Stiftes werden. Fünfleutner wurde um 1589 in Schärding am Inn geboren; er war bürgerlicher Abkunft. Er erlangte den Doktorgrad der Medizin an der Universität Padua, war 1626 Dekan der medizinischen Fakultät in Wien, nahm 1628/1629 an einer kaiserlichen Gesandtschaft nach Konstantinopel teil und fungierte 1629 als Rektor der Wiener Universität (als Propst hatte er 1644 nochmals dieses Amt inne). Erst im Kloster dürfte er seine theologische Ausbildung erhalten haben. Es ist auch zu vermuten, dass er von seiner früheren Tätigkeit her ein größeres Vermögen mitbrachte. Er wurde bald Kämmerer und Stiftsdechant und nach dem Tod Panckhammers ging er siegreich aus der Neuwahl des Propstes am 17. Februar 1636 hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während seiner Tätigkeit als Propst durch 25 Jahre kam es zu 28 Neueintritten ins Kloster, wovon allerdings sieben Chorherren vor ihm starben. Bei der Neuwahl nach seinem Tod gab es immerhin 21 Konventualen. Zu seinen großen Leistungen gehörte der Neubau des Klosters. Somit entstand jenes Gebäude, das weitgehend mit dem heute noch bestehenden Bistumsgebäude identisch ist. Dies ersieht man aus einer Federzeichnung aus dem Jahr 1653, die im Diözesanmuseum aufbewahrt wird. Nur der Gästetrakt (heute Bischofstrakt) wurde im 18. Jahrhundert hinzugefügt. Er unterstützte den Wiederaufbau des Franziskanerklosters und sorgte für eine erste Barockisierung der Stiftskirche. Auf Fünfleutner geht auch die Errichtung der Kapelle zu Ehren der hl. Barbara zurück, die sich vor dem Wilhelmsburger Tor befand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Belebung der Frömmigkeit des Volkes führte er 1636 die Mariazeller Wallfahrt ein und 1646 die Manker Wallfahrt, die bis in die Gegenwart durchgeführt wird. Auf Initiative der Bürgerschaft reaktivierte er die Sebastianibruderschaft und errichtete 1646 die Rosenkranzbruderschaft, die breiten Anklang über St. Pölten hinaus fand. Fünfleutner starb am 29. Jänner 1661 im Alter von 72 Jahren. Sein Grabstein im rechten Seitenschiff der Domkirche rühmt ihn als Ratgeber dreier Kaiser, Erbhofkaplan, Rektor der Wiener Universität, Erbauer des Münsters in St. Pölten und Erneuerer des religiösen Lebens. Seine beiden Nachfolger [[Gabriel Kölsch]] (1661–1669) und [[Patrizius Zeller]] (1670–1683) konnten gut weiterarbeiten. Immerhin wurde im Stift Moraltheologie und zeitweilig auch Philosophie doziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verheerend wirkte sich der Türkeneinfall von 1683 auf die Stiftsgüter aus. Zwei Chorherren fanden als Pfarrer den Tod. Propst Zeller floh nach Linz, wo er noch im gleichen Jahr starb. Ungefähr 200 Untertanen wurden verschleppt, über 5.000 Stück Vieh geraubt und 120 Häuser verbrannt oder geplündert. Die Kirchen in Weißenkirchen an der Perschling, Obergrafendorf und St. Georgen am Steinfeld und die Pfarrhöfe in Kasten und Gerersdorf wurden beschädigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur kurz währte die Amtszeit von Propst [[Hieronymus Griesmayr]] (1683–1688). Mit Propst [[Christoph Müller]] von Prankenheim (1688–1715) kam wiederum eine energische Persönlichkeit an die Spitze der Kanonie. Er ließ den Kirchturm erhöhen und in seine heutige Form bringen. Auch schaffte er ein neues Geläute an, das noch weitgehend erhalten ist. Er war auch auf die Vergrößerung des Stiftsbesitzes bedacht. So erwarb er die Ochsenburg für das Stift zurück, kaufte den Schwaighof südlich der Stadt und ließ ihn künstlerisch ausstatten. Ebenso erneuerte er den Lesehof in Joching in der Wachau und den Stiftshof in Pulkau. Doch war er auch wissenschaftlich tätig und verfasste eine Stiftsgeschichte, die dann in Werken von Duellius und Maderna Eingang fand. Unter Propst Christoph fand eine Änderung der Kleidung der Chorherren statt. Anstatt Weiß wurde nunmehr Schwarz getragen, was sich allerdings schon früher abgezeichnet hatte. Zu seinem Nachfolger wurde der 34-jährige aus Melk stammende [[Michael Führer]] gewählt. Beim Tod seines Vorgängers wurden 115.500 Gulden Schulden festgestellt, denen allerdings 50.000 Gulden Aktiva gegenüberstanden. Auf Grund der prekären Lage musste Führer versprechen, die Gebäude zu erhalten und nur notwendige Neubauten zu errichten, sowie die Konventualen bei wichtigeren Angelegenheiten zu konsultieren. Ringsum hatte der &amp;quot;Bauwurm&amp;quot; die Prälaten erfasst. So entwarf Führer auch einen Plan zur Barockisierung der Stiftskirche, wahrscheinlich auf Pläne Prandtauers zurückgehend, der auf hohem Niveau verwirklicht wurde. Auch in den Stiftspfarren wurde gebaut und in Nutzbauten in den Weinbaugebieten investiert. Wegen der hohen Auslagen kam es 1722 zu einer Revolte im Konvent. Einige Chorherren richteten eine Klageschrift an die Regierung, in der dem Propst Verschleuderung des Stiftsgutes vorgeworfen wurde. Propst Führer, der durchaus auch Anhänger im Konvent hatte, rechtfertigte sich: Gerade der Weinbau sei für das Stift wichtig, bestehe doch das Haupteinkommen des Stiftes aus dem Weinbau und Weinzehent. Zudem zahle man für den Eimer Grinzinger zehn Gulden, während der aus anderen Lagen nur die Hälfte erbringe. Er verteidigte auch seine Bautätigkeit und die Anschaffung von Chorgestühl und neuer Orgel für die Kirche; zugleich verwies er auf die notwendige, aber teure Gastlichkeit. Die Regierung nahm diese Rechtfertigung zur Kenntnis. Führer fühlte sich gestärkt. So setzte er die Theologieprofessoren ab und schickte die Kleriker zum Studium zu den Franziskanern. Auch den anderen Opponenten entzog er ihre Funktionen und forderte strikten Gehorsam. 1722 bis 1725 war Führer einer der zwei Vertreter des niederösterreichischen Prälatenstandes im niederösterreichischen Landtag, und 1725 bis 1728 gehörte er dem Verordnetenkollegium des Landtages an. Da er meist in Wien wohnte, kaufte er für das Stift das Haus Krugerstraße 5 und ließ es renovieren, was den Schuldenstand noch erhöhte. Nach seiner Rückkehr aus Wien widmete er sich erneut der Bautätigkeit, sollte doch die Barockisierung der Stiftskirche zum Tausendjahrjubiläum des Klosters im Jahr 1740 vollendet sein. Aber auch außerhalb der Stadt ließ er die stiftlichen Gebäude erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Stift selbst begann er 1727 mit dem Ausbau der Bibliothek und dem Neubau eines Gartenhauses. 1735 kam es zur Neueinwölbung der Stiftskirche, in der Folge wurde ihre Einrichtung geschaffen. Auf Führer geht auch die Prälatenstiege und der neue Gästetrakt (heute Bischofstrakt) im Nordosten zurück, ebenso das neue untere Tor (heute Bischofstor).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1737 wurde mit [[Hippolyt Wolff]] durch die Kapitularen ein neuer Dechant gewählt, der schon länger zu den Opponenten Führers gehört hatte. Nachdem er sich einen Einblick in die finanzielle Situation verschafft hatte, erhob er Anklage gegen den Propst: Dieser habe gegen 200.000 Gulden illegal Schulden gemacht. Diesmal griff der Kaiser durch den Klosterrat entschieden ein. Führer wurde 1739 seines Amtes enthoben. Untersuchungen brachten Schulden von etwa 380.000 Gulden zum Vorschein. Davon hatte er 181.000 mit dem gefälschten Konventsiegel und etwa 60.000 Gulden allein auf seinen Namen aufgenommen. Der Propst musste das Kloster verlassen und wurde auf der Ochsenburg, im [[Stift St. Florian]] und dann in Korneuburg interniert. Während des Baierneinfalls 1741 tauchte er wieder im Kloster auf, musste aber dann 1742 bis zu seinem Tod 1745 in Bruck an der Leitha leben. Die Mehrheit der Kanoniker und auch die Stadtbevölkerung blieb ihm treu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Ausklang===&lt;br /&gt;
Nach dem Abgang Führers wurde das Stift administriert. Dechant Wolff hatte keine glückliche Hand. Sein Nachfolger, der Klosterneuburger Chorherr [[Bernhard Paul]] (Administrator 1741–1747), konnte den Schuldenstand zwar etwas reduzieren, hatte aber mit dem zerstrittenen Konvent seine Not. Nun wurde wiederum Wolff bestellt (1747–1753), der aber zahlreiche Gegner hatte. Erst unter [[Matthis Alteneder]] kam das Kloster in ruhigere Bahnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sich die Schulden auf 222.000 Gulden vermindert hatten, wurde 1755 eine neue Propstwahl gestattet. Gewählt wurde Alteneder, der bis zu seinem Tod 1779 den Schuldenberg auf 34.790 Gulden reduzieren konnte. Auch unter seinem Nachfolger [[Ildephons Schmidbauer]] (1779–1784) hielt die positive Entwicklung an. Zur Zeit der Klosteraufhebung waren nur 15.000 Gulden Passiva gegeben. Auch der Personalstand war mit 32 bzw. 37 Mitgliedern erfreulich. Man kann mit Recht von einer späten Blüte des Klosters sprechen. Das Stift fand sein Ende nicht wegen Missständen oder Misswirtschaft, es fiel vielmehr den Diözesanplänen Kaiser Josephs II. zum Opfer. Dieser befahl am 9. Juni 1784 die Aufhebung des Klosters, die am 1. Juli vollzogen wurde. Schmidbauer wurde an der ehemaligen Domkirche in Wiener Neustadt Propsteipfarrer (verstorben 1791). Die Klostermitglieder traten in den Dienst der Diözesen St. Pölten und Wien. Am 25. Jänner 1847 starb als letzter ehemaliger St. Pöltner Chorherr [[Andreas Malachias Spitzl]], Pfarrer und Dechant in Bruck an der Leitha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Über die Wirtschaftsgeschichte liegen bisher keine gründlichen Untersuchungen vor. Es gibt keine Gründungsurkunde und keine frühen Urbare. Dagegen ist der Besitzstand aus der Zeit der Aufhebung bekannt. Demnach lag St. Pölten nach den Großklöstern Klosterneuburg, Melk und Göttweig, wenn auch mit Abstand, an etwa vierter Stelle. Eine Urkunde Papst Alexanders III. (1159–1181) nahm das Stift mit seinen Besitzungen in Schutz. Darin werden zunächst alle dem Stift gehörigen Kirchen aufgezählt: St. Pölten (mit dem Marktrecht), [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Böheimkirchen (hl. Jakobus)|Böheimkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Kapelln (hl. Petronilla)|Kapelln]] mit den dazugehörigen Kirchen Weißenkirchen, Katzenberg, Haselbach, Würmla und Murstetten, die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#St. Christophen (hl. Christophorus, auch hl. Bartholomäus)|St. Christophen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Bruck an der Leitha (hl. Martin, nach 1529 Dreifaltigkeit)|Bruck a. d. Leitha]]. In der Pfarre St. Michael in der Wachau der halbe Zehent, in Pulkau und Zellerndorf der Drittelzehent, in Nalb und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Retz (hl. Stephanus)|Retz]] der halbe Zehent. Dann folgt die Aufzählung der Lehen und Huben des Stiftes. Die lagen zumeist in der weiteren Umgebung von St. Pölten. Weiter entfernt waren Besitzungen in Pillichsdorf, Ollersdorf und Waltersdorf. Davon gehen die drei Pfarren Böheimkirchen, Kapelln und St. Christophen auf eine Schenkung Bischof Berengars (1013–1045) zurück. Die Pfarre Bruck gab 1159 Bischof Konrad dem Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Urkunde Bischof Rudigers von 1248 bringt ähnlich der Papsturkunde eine Aufzählung des Klosterbesitzes. Zunächst werden auch hier die Pfarren mit ihren exempten und nichtexempten Filialen aufgezählt: Bruck (Wilfleinsdorf, Arbesthal, Göttlesbrunn und die Nikolauskapelle in der Stadt), Kapelln (Jeutendorf, Weißenkirchen und Katzenberg), Böheimkirchen (Außer- und Innerkasten, Lanzendorf, Schildberg und Stössing), St. Christophen (Brand und Seebach), St. Pölten (Ober- und Unterpottenbrunn, Schlosskapelle Viehofen, Obergrafendorf, Weinburg, Haindorf, Kapelle Markersdorf, Hafnerbach, Schlosskapelle Pielach, Kapelle Karlstetten, Kapelle St. Georgen am Steinfeld). Als wesentlicher Zehentbesitz werden angeführt: St. Michael in der Wachau, Kottes, Meisling, Pulkau, Retz, Nalb, Mautern, Weiten und Melk jenseits der Donau. Der Hausbesitz wird detaillierter als in der Papsturkunde angegeben. Das Stift besaß damals etwa 350 dienstpflichtige Häuser. Der Schwerpunkt der Besitzungen lag zwischen Pielach und Perschling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Schwerpunkte waren die Weingärten im Tullnerfeld (Amt Königstetten) und in Grinzing, deren Wein sich gut verkaufen ließ. Weitere größere Besitzungen gab es im Marchfeld (Ulrichskirchen); aber auch die Weingüter um Pulkau und Retz waren für das Stift bedeutsam. Ein weiteres Weinbaugebiet war in der Wachau (Joching), wo das Stift den Weinzehent, aber auch Eigengüter besaß. In der Umgebung von St. Pölten erwarb das Stift 1366 die Herrschaft Kasten, 1383 das kleine Gut Ochsenburg und bekam 1398 endgültig die Pfarre Hürm mit ihren Zehenten, nachdem es drei Viertel der Stadt an den Passauer Bischof abgetreten hatte. Natürlich ging auch immer wieder Besitz verloren oder wurde abgetauscht. Im Großen und Ganzen aber blieb der wichtigere Besitz konstant. Erst in der Neuzeit kamen einige Neuerwerbungen dazu. Bei der Inventarisierung anlässlich der Aufhebung des Stiftes 1784 ergab sich folgendes Bild. Das Gesamtvermögen wurde auf 518.033 Gulden berechnet, das jährliche Einkommen mit etwa 40.000 Gulden taxiert, womit das Stift zur begüterteren Hälfte der niederösterreichischen Klöster gehörte. Der Stiftsbesitz setzte sich zusammen aus der Stiftsherrschaft St. Pölten, den Herrschaften Hürm, Kasten, Retz (mit Pulkau), Ochsenburg, dem Freihof Harthof und dem Schwaighof. Dazu gehörten außerdem das Pfarrgut Bruck a. d. Leitha und das Haus in Wien Krugerstraße, das Propst Führer 1726 von den Tullner Dominikanerinnen erworben hatte. Die engere Stiftsherrschaft umfasste den stiftlichen Meierhof von St. Pölten mit 85 Joch Acker, 528 Joch Waldungen, 55 Joch Auen und 20 Joch Viehweide. Dazu gehörten die Lesehöfe in Grinzing mit 40 Viertel, mit 93 Viertel in Joching und 30 Viertel in Loiben, und in Königstetten mit 35 Viertel Weingärten, weiters 474 untertänige Häuser, von denen sich 41 in der Stadt befanden. Der meiste Zehentbesitz lag in den Pfarren St. Pölten, Pyhra, Böheimkirchen und Kapelln sowie in der Wachau (Weinzehent). Die Herrschaft Hürm besaß 48 Untertanen, Kasten 126, Retz mit dem Freihof Pulkau 100, die Herrschaft Ochsenburg (1699 wieder erworben) 50, der Harthof (1662 erworben) neun. Das Pfarrgut Bruck hatte 18 Untertanen und einige Weingärten im Joiser- und Neusiedlergebirge in Ungarn. Aus diesem doch recht ansehnlichen Wirtschaftskörper (ausgenommen das Gut Retz) wurde das Religionsfondsgut St. Pölten gebildet, das dann auch das Patronat über die ehemaligen Klosterpfarren bis 1938/39 innehatte. Allerdings waren bis zu dieser Zeit bereits zahlreiche Stücke veräußert worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das (Augustiner-)Chorherrenstift St. Pölten war immer ein Eigenkloster der Passauer Bischöfe. Ihnen stand daher auch die Obervogtei zu. Im 11. und 12. Jahrhundert hatten die Hochfreien von Perg, Verschwägerte der Babenberger, die Vogtei inne. Sie wird erstmals in einem Weistum um 1125 erwähnt, wobei es vor allem um die Marktrechte ging, die dem Kloster bereits 1058 oder früher (also vor Einführung der regulierten Chorherren) durch Kaiser Heinrich III. oder IV. gewährt worden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1150 entzog Herzog Heinrich von Bayern (in Österreich Markgraf Heinrich II. Jasomirgott) dieses Recht und zwar auf Bitten seines Bruders Konrads, des Bischofs von Passau, und übergab die Vogtei dem Bischof. Doch bald übernahmen sie die Babenberger selbst (und später die Habsburger) als Lehen des Bischofs. Problematisch blieb lange Zeit das Verhältnis zum Passauer Bischof, der ja die Oberhoheit in der Stadt besaß, obwohl er nur einen Teil der Häuser innehatte. Zu einem Ausgleich kam es erst 1367, als das Stift auf die Marktrechte und Zölle und alle Häuser mit Ausnahme die des Klosterviertels verzichtete. Die Spannungen verlagerten sich nun auf das Verhältnis zur Stadt, da das Kloster auch ein Viertel der Stadtmauer zu erhalten hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intensiver wurde der Einfluss des Landesfürsten im 16. Jahrhundert, als König Ferdinand Klostervisitationen vornehmen ließ und der Landesfürst ab 1568 durch den Klosterrat unmittelbar Einfluss auf das Klosterleben ausübte. Für Außenbesitzungen gab es wenig belegte Untervögte. Eine eigenartige Beziehung bestand zum Kollegiatstift Marz(-Hierpach) im damaligen Ungarn, das um 1220 durch die Familie Osl gegründet worden sein dürfte. Dafür stellte das Stift St. Pölten mehrere Pröpste, wie aus dem Nekrolog hervorgeht, wo sie als &amp;quot;fratres&amp;quot;, also als Konventmitglieder, bezeichnet werden. Eine Ernennungsurkunde aus dem Jahr 1295 hat sich erhalten. 1438 verzichtet der St. Pöltner Propst auf das Ernennungsrecht und erlaubte der Gemeinde und den Pfarrleuten, den Propst von Marz selbst zu wählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Über die Herkunft der St. Pöltner Kanoniker vor 1080 gibt es keine Auskunft. Die ersten Augustinerpröpste entstammten wahrscheinlich dem höheren Adel, wie etwa der spätere Passauer Bischof [[Reginbert]] (1138–1147), der vorher Propst in St. Pölten war. Ansonsten gehörten die meisten Chorherren dem niederen Adel an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert verstärkte sich der Anteil der Bürgerlichen vor allem aus Wien, Tulln und Wiener Neustadt. Ausländer, wie etwa Propst [[Johannes Moravus]] (1370–1372), finden sich selten. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mehren sich Eintritte aus Bayern und Vorderösterreich. Im 17. und 18. Jahrhundert überwogen wieder die Eintritte aus der näheren und weiteren Umgebung. Darunter waren auch immer wieder Nobilierte. Eine erste Aufzählung des Konvents gibt es um 1190, als zehn Chorherren angeführt werden; der Zusatz &amp;quot;et ceteri fratres&amp;quot; weist auf mehr hin. Exakter wird die Anzahl der Chorherren erstmals in einer Urkunde von 1259 mit zwölf Priestern ohne Propst angeführt. 1273 bestand der Konvent aus 14 Priestern und einer nicht genannten Zahl von Klerikern mit niederen Weihen und Konversen. Die Zahl dürfte weiter gestiegen sein, da Herzog Albrecht III. 1380 die Höchstzahl der Klosterinsassen mit 24 festlegte. Im 15. Jahrhundert waren es zwischen 15 und 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krise des 16. Jahrhunderts wirkte sich in St. Pölten aus. Zwar verließ nur ein Chorherr den geistlichen Stand, doch machte sich der Mangel an Nachwuchs bemerkbar. Zudem starben 1541/42 sieben Mitglieder an der Seuche, sodass 1544 der Konvent nur mehr aus zwölf Mitgliedern bestand. Im Haus lebten sechs Priester und zwei Kleriker, auf den Stiftspfarren wirkten vier Priester. Von 1561 bis etwa 1590 betrug die Zahl meist nur vier bis sechs. Um 1600 aber waren es bereits zehn. 1611 und 1623 gab es zwölf Wahlberechtigte. Unter Propst Fünfleutner nahm der Konvent endlich einen Aufschwung; bei seinem Tod 1661 war der Konvent auf 21 gestiegen und erreichte 1675 sogar 30. Bei der Propstwahl von 1715 waren 24 Konventualen stimmberechtigt. Um 1740 gab es etwa 30, im Jahr der Aufhebung 1784 32 Konventualen. Im Mittelalter war offensichtlich das Institut der Konversen von größerer Bedeutung. Im Nekrolog werden 104 angeführt; ihre Zahl dürfte aber höher gewesen sein. Davon gehören etwa zehn noch dem 12. Jahrhundert an. Ebenfalls zehn gehören dem beginnenden 14. Jahrhundert an. Dann bricht die Institution ab. Im Nekrolog werden 85 weibliche Konversen angeführt, wobei unklar bleibt, wie weit es sich um Mitglieder des Frauenkonvents handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Es wurden bisher keinerlei Reste aus der Karolingerzeit gefunden. Für die Stiftskirche sind Weihedaten zu 1065, 1150 und 1228 überliefert. Eine weitere Weihe dürfte um 1280 stattgefunden haben. Von der ältesten Kirche sind an der Nordmauer auf der Kreuzgangseite romanische Fenster zu sehen. Der jetzige Kirchenbau geht wohl auf den Beginn des 13. Jahrhunderts zurück. Dagegen dürfte die Doppelturmanlage der Westfassade älter sein. Das alte Aussehen der Kirche ist noch in der Rosenkranzkapelle erhalten, die zwei Joche des rechten Seitenschiffs umfasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1512 wurde der Nordturm nur mehr bis zur Höhe das Daches wiederhergestellt, der Südturm wurde 1560 aber höher als bisher ausgebaut und erhielt 1693 seine heutige Form. Der Plan zu einer barocken Scheinfassade mit dem Südturm als Zentrum kam nicht zur Ausführung. Im Inneren bewahrt die Kirche die dreischiffige romanische Anlage, wurde aber im 18. Jahrhundert vollständig barockisiert. Eine erste barocke Einrichtung erhielt die Kirche unter Propst Fünfleutner; 1648 wurden fünf Seitenaltäre geweiht und 1658 durch Tobias Pock das Hochaltarbild geschaffen, das einzig erhaltene Stück dieser Phase. Propst Führer führte unter Leitung von Jakob Prandtauer und Josef Munggenast eine radikale Neugestaltung durch. Die Kirche wurde barock gewölbt und die romanischen Pfeiler mit Stuckmarmor verkleidet. Freskenmaler waren Thomas Friedrich Gedon, Antonio Tassi, Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte. Der Hochaltar ist eigentlich nur eine Wandgliederung mit dem alten Maria-Himmelfahrtsbild von Pock. An den Seitenaltären arbeiteten prominente Künstler wie Jakob Ch. Schletterer (Kreuzaltar) mit, der auch die zwei Sandsteinreliefs in den Seitenschiffen schuf. Die Altarbilder stammen zumeist von Daniel Gran. Die St. Pöltner Kunsthandwerker Hippolyt Nallenburg und Peter Widerin schufen die Kanzel und das Chorgestühl. Bemerkenswert sind auch die Beichtstühle. Von den Grabdenkmälern sei nur auf das Fünfleutners im rechten Seitenschiff verwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kirche wurde seit ihrer Fertigstellung um 1747 kaum verändert. Neu ist das Denkmal für Bischof Kerens. 1856/58 mussten die Plastiken des Hochaltars erneuert werden. Der Volksaltar stammt von 1983. Das Stiftsgebäude wurde nach dem Brand von 1621 in frühbarocker Form bis 1650 praktisch neu errichtet, auch wenn die alte Anlage drei Höfe gehabt haben dürfte. Der Kreuzganghof wurde vergrößert. Der Brunnenhof dürfte die alte Substanz behalten haben. Der Binderhof blieb zwar in der Gestalt gleich, doch bekam er eine neue Funktion. Statt Getreidespeicher und Binderei wurden Wohnungen für die Domherren und Büros für die Bistumsverwaltung geschaffen. Weitere Änderungen im Inneren gab es unter Propst Müller, unter dem die beiden Sakristeien und das Oratorium ausgebaut wurden. Unter Propst Führer kam es zum Bau des Gäste(Bischofs-)trakts und des dorthin führenden Stiegenhauses  mit dem qualitätvollen Sandsteinrelief sowie zur Ausgestaltung der Bibliotheksräume, die unvollendet blieben; weiters ließ er das Einfahrtstor an der Ostseite errichten (1908 zurückversetzt) sowie 1726 das Gartenhaus. Einzelne Reste erinnern an die ältere Klosteranlage. So einige romanische Bögen im Brunnenhof und am Domplatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgrabungen brachten im Kreuzganghof und unter der Domherrensakristei (1949, 1980, 1982) die Heilig-Geist-Kapelle und den alten Kapitelsaal mit zwei Altären zum Vorschein. Das alte Refektorium wurde etwas südlich vom jetzigen Sommerrefektorium ergraben; es dürfte schon im 15. Jahrhundert abgekommen sein. Aus der Zeit des Chorherrenstiftes stammen noch einige liturgische Geräte und Paramente. Zwei Monstranzen aus dem 18. Jahrhundert, ein Ziborium von 1608, eine Reihe von Kelchen, wovon der älteste von 1479 (?) stammt, ein anderer von 1524, und einige weitere aus der Barockzeit. Unter den Reliquiaren ist ein Kreuzreliquiar aus dem frühen 15. Jahrhundert von besonderer Bedeutung. Von den Ornaten seien der 1726 durch Propst Führer um 12.000 Gulden angeschaffte rote Ornat und der Altenederornat von 1760 erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Über der Geschichte der Bibliothek waltete kein guter Stern. Zwar dürfte um 1200 die Wissenschaftspflege im Kloster geblüht haben, wie auch aus der späteren &amp;quot;Vita Altmanni&amp;quot; hervorgeht, doch hat sich nicht allzuviel erhalten. Ab 1200 werden immer wieder &amp;quot;scholastici&amp;quot; erwähnt. Die meiste Information liefert der Bibliothekskatalog des Albert Maderna von 1761. Die ältesten Handschriften betreffen Bibel und Liturgie. Ein Missale (Hs. 14) reicht in das frühe 13. Jahrhundert zurück, ebenso zwei Lektionare (Hs. 60 und 41). Unter Propst [[Heinrich]] (1252–1268) wurden zahlreiche Handschriften aus Passau zum Kopieren entlehnt, die vor allem kanonistischen Inhalt hatten. Die St. Pöltner Pröpste waren häufig als delegierte Richter tätig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts bestand eine Buchmalschule, wenn auch auf bescheidenem Niveau. In diesem und dem folgenden Jahrhundert kam es offensichtlich zu einem Aufschwung der Wissenschaftspflege. Beigetragen dazu hat die enge Verbindung mit der Wiener Universität ab 1380. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts dürfte die Bibliothek etwa 200 Handschriften und 220 Frühdrucke umfasst haben. Von den Handschriften sind nur mehr 80 erhalten, von den Frühdrucken etwa 140. Abgesehen von den liturgischen Büchern waren Handschriften mit Ketten befestigt und lagen auf Pulten. Die Spuren davon sind noch zu sehen. Vermutlich befand sich die Bibliothek oberhalb der Sakristei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1439 kam es zur Stiftung von 100 Pfund für die Einrichtung der Bibliothek, wohl zur Anschaffung der Pulte. Nach dem Neubau wird 1653 die Bibliothek im Bereich des heutigen Dompfarramts ausgewiesen. Vor 1722 begann Propst Führer mit dem Ausbau der Bibliothek und deren kostbarer Ausschmückung, die aber nie vollendet wurde. Als Freskanten waren Paul Troger und Daniel Gran tätig. Das 16. Jahrhundert bringt nur wenig Nachrichten zur Bibliothek. Ein Umschwung setzte mit Propst Fünfleutner (1636–1661) ein, der von seiner früheren Tätigkeit als Professor für Medizin vor allem medizinische Werke mitbrachte. Seit etwa 1660 wurde im Kloster auch Theologie doziert, was zur Vermehrung der theologischen Werke führte. Mit [[Raimund Duellius]] (1693–1769) trat erstmals ein hauptberuflicher Bibliothekar in Erscheinung. Ihm folgte [[Albert Maderna]] (1703–1780), der eine Neuaufstellung der Bibliothek vornahm und 1756 dazu auch einen Katalog herausgab. Bei der Inventarisierung des Klostervermögens 1784 wird die Bibliothek nur summarisch erwähnt. Sie ging 1785 in den Besitz der neu gegründeten Diözese über und wurde Grundstock der Diözesanbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Bereits 1250 wird von einer Devastierung bei den Klosterurkunden berichtet. Wohl deswegen kam es zur Anlegung von Kopialbüchern. Nach der Krise des 16. Jahrhunderts brachte der historisch interessierte Propst Müller (verstorben 1716) das Archiv wieder in Ordnung. Aber zwischen 1725 und 1846 gab es große Verluste. Eine gewisse Schuld dürfte beim Stiftsmitglied Raimund Duellius gelegen sein, der für sein Werk &amp;quot;Excerpta genealogico-historica saec. XII., XIII., XIV., XV., XVI&amp;quot; 325 Urkunden behandelte, von denen heute nur mehr 42 Stück erhalten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Franzoseneinfall 1741 wurde das Archiv neuerlich in Unordnung gebracht. Mit der Aufhebung des Stiftes fiel das Archiv in den Wirkungskreis der Kameraladministration, der auch das Religionsfondsgut St. Pölten unterstellt war. Bei der Übernahme dürften die Akten und Kanzleiregistraturen als wertlos vernichtet worden sein. Erhalten blieben sechs Kopialbücher, einige Urbare und Grundbücher, 266 Urkunden und einige Akten. Davon gelangten fünf Kopialbücher und die anderen Stücke 1848 an das Staatsarchiv. 1860 bzw. 1862 und sogar noch 1934 kamen weitere neun Handschriften (Kopial-, Gerichts-, Lehen- und Dienstbücher) dorthin. Im Diözesanarchiv St. Pölten befinden sich nur ein Karton Akten, zehn Urkunden und sieben Bücher aus dem Klosterbestand, weiters das Archiv des Gutes Ochsenburg. Zur Erforschung der Klostergeschichte müssen also Bezugsarchive herangezogen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* BÜTTNER, Rudolf, Aelium Cetium. Das Fortleben seines Namens im Mittelalter, in: Jahreshefte des Österr. Archäologischen lnstituts 40 (1953), Beibl. Sp. 185ff. &lt;br /&gt;
* DERS., Propst Ulrich Feyertager. Seine Burgen und deren Geschichte, in: Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXXVI (1964), 155–183.&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich südlich der Donau, Tl. 2, Horn/Wien 2003.&lt;br /&gt;
* DONIN, Richard Kurt, Der mittelalterliche Bau des Domes zu St. Pölten. Ein Beitrag zur Geschichte der romanischen Baukunst in Wien und Niederösterreich, in: Mitteilungen f. Geschichte d. Stadt Wien XII (1932), 163.&lt;br /&gt;
* FAHRNGRUBER, Johann, Aus St. Pölten. Bilder und Erinnerungen, St. Pölten 1885.&lt;br /&gt;
* FASCHING, Heinrich, Auseinandersetzung zwischen Konvent und Propst im Stift St. Pölten 1722, in: Hippolytus N.F. 6 (1984), 3–59. &lt;br /&gt;
* DERS., Dom und Stift St. Pölten und ihre Kunstschätze, St. Pölten-Wien 1985. Darin Beiträge von: SCHRAGL, Friedrich, Geschichte des Stiftes St. Pölten, 16–49; SCHWARZ, Mario, Die Architektur der mittelalterlichen Klosterkirche, 50–70; WUHR, Clara Bettina, Archäologische Ausgrabungen im Kreuzgang, 71–76; ZORRI, Wilhelm, Der Neubau des Klosters in der Barockzeit, 77–91; PÜHRINGER-ZWANOWETZ, Leonore, Die Barockisierung der Stiftskirche, 92–96; KRONBICHLER, Johann, Die künstlerische Ausstattung von Dom und Stift, 97–125.&lt;br /&gt;
* DERS., Propst Johann Michael Führer von St. Pölten. Absetzung und letzte Lebensjahre (1739–1745), St. Pölten 1991 (= 4. Beiheft zu Hippolytus N.F.).&lt;br /&gt;
* FRAST, Johann, Historische und topographische Darstellung von St. Pölten und seiner Umgegend etc. (=Kirchliche Topographie, I/7/2, Wien 1828.&lt;br /&gt;
* GRAF, Walter, Stifts- und Dommusik in St. Pölten, in: Die Domorgel. Festschrift anläßlich der Weihe der Domorgel zu St. Pölten, St. Pölten o. J. (1973), 6–26.&lt;br /&gt;
* GUTKAS, Karl, Werden und Wesen der Stadt St. Pölten, St. Pölten, 4. Aufl. 1980 (1. Aufl. 1970).&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer, der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* HERRMANN, August, Geschichte der Stadt St. Pölten, 2 Bde., St. Pölten 1917–1930.&lt;br /&gt;
* HORN, Sonja, Des Propstes heilkundlicher Schatz. Medizinische Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts in der Bibliothek des ehem. Augustiner-Chorherrenstiftes St. Pölten, St. Pölten 2002 (= Beiträge zur Kirchengeschichte Niederösterreichs 9).&lt;br /&gt;
* HÜBL, Richard, Die Gegenreformation in St. Pölten, St. Pölten 1966.&lt;br /&gt;
* KARAS, Josef, Der Dom zu St. Pölten. Ein Führer durch seine Geschichte und Kunst, St. Pölten 1935.&lt;br /&gt;
* DERS., Eine kunstgeschichtliche Führung durch den oberen Kreuzgang im Bistumsgebäude, in: Der Traisengau (1935/36), 121–131.&lt;br /&gt;
* KARL, Thomas, Zur historischen und städtebaulichen Entwicklung St. Pöltens vom frühen Mittelalter bis zur beginnenden Stadterweiterung um 1850, in: Österr. Kunsttopographie Bd. LIV. Die Kunstdenkmäler der Stadt St. Pölten, Horn 1999, LXIII–LXXXV.&lt;br /&gt;
* KRONBICHLER, Johann u. Susanne, Diözesanmuseum St. Pölten, Katalog der ausgestellten Objekte, St. Pölten 1984.&lt;br /&gt;
* DIES., 100 Jahre Diözesanmuseum St. Pölten 1888–1988, Sonderausst. 1988, St. Pölten 1988.&lt;br /&gt;
* LUTZ, Volker, Stadt und Herrschaft St. Pölten 1491–1785, St. Pölten 1975.&lt;br /&gt;
* ÖSTERREICHISCHE KUNSTTOPOGRAPHIE Bd. LIV, Die Kunstdenkmäler der Stadt St. Pölten und ihrer eingemeindeten Ortschaften, Horn 1999.&lt;br /&gt;
* SACKEN, Eduard, Archäologische Wegweiser durch Niederösterreich, Wien 1878.&lt;br /&gt;
* SCHRAGL, Friedrich, Glaubensspaltung in Niederösterreich, Wien 1973.&lt;br /&gt;
* DERS., Kirchen und Kapellen im mittelalterlichen St. Pölten, in: Juste, pie, fortiter, Festschrift für Bischof Franz Zak, St. Pölten-Wien 1981, 146–167.&lt;br /&gt;
* WEIGL, Hans, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich I (Wien 1964), 210.&lt;br /&gt;
* WINNER, Gerhard, Das Diözesanarchiv St. Pölten. Behörden und Institutionen, ihre Geschichte und Bestände, St. Pölten 1959.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Diözesanbibliothek in St. Pölten, in: Österreichische Zeitschriftf. Kunst u. Denkmalpflege XXI (1967), 155–163.&lt;br /&gt;
* DERS ., Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien, Wien-München 1967.&lt;br /&gt;
* DERS., St. Pöltner Zehentbesitz im südöstlichen Waldviertel und in der Wachau, in: Das Waldviertel 18 (1969), 272–277.&lt;br /&gt;
* DERS., Zur Bibliotheksgeschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Pölten, in: Translatio Studii, Collegeville Minnesota 1973, 48–74.&lt;br /&gt;
* WODKA, Josef, Personalgeschichtliche Studien über das ehemalige Chorherrenstift St. Pölten, in: Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXVIII (1939–43), 148–206.&lt;br /&gt;
* DERS., Das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift St. Pölten, in: Beiträge zur Stadtgeschichtsforschung. Festschrift der Stadtgemeinde St. Pölten, hrsg. anlässlich der 800-Jahrfeier der Verleihung des ersten Stadtrechtes, St. Pölten 1959, 156–198.&lt;br /&gt;
* DERS., Das Nekrologium des einstigen Chorherrenstiftes St. Pölten als Geschichtsquelle, Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXXVI (1964), 48–57.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<updated>2022-07-15T15:47:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Rechtliche Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1083&lt;br /&gt;
|Datum bis=1784&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau, seit 1785 Diözese St. Pölten&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Treisma (799), Treisma ad monasterium Sti Ypoliti (976), Treisima civitas monasterii Sti Ypoliti (985/991), abbatiaad Sanctum Yppolitum (ca 1030), Sand Pelten (1297), Sand Polten (1344). Die römische Stadt trug den Namen Aelium Cetium.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Hippolyt (976), ab 11./12. Jhd. zusätzlich Petrus, Stefan und Paul, später auch Maria&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Landeshauptstadt von Niederösterreich, 60 km westlich von Wien, Stadt mit eigenem Statut. Ursprünglich in der karolingischen, nach 955 ottonischen Mark gelegen, Markgrafschaft Österreich, seit 1156 Herzogtum (1422 Erzherzogtum) Österreich unter der Enns; seit 1920 Bundesland Niederösterreich.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Geschichte vor den Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Das römische Municipium Aelium Cetium, in dem nach seiner Passio der hl. Florian 303/304 im Exil weilte, ging bald nach 400 in den Wirren der Völkerwanderung unter und wird auch in der &amp;quot;Vita Severini&amp;quot; nicht mehr erwähnt. Entsprechend erbrachten die Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte keine Römerfunde aus dem 5. Jahrhundert, wohl aber Zeichen der Zerstörung. Das Gebiet zwischen Enns und Wienerwald dürfte von 500 an kaum besiedelt gewesen sein und stand unter dem Einfluss der Awaren. Mit dem Awarenkrieg Karls des Großen von 791 wurde das Gebiet bis zur Raab wieder dem christlichen Westen eingegliedert. Es folgte bayrische, aber auch slawische Besiedlung. In St. Pölten soll es bald zu einer Klostergründung gekommen sein. Allerdings gibt es auch eine Tradition, die Propst [[Christoph Müller von Prankenheim]] (1688–1715) populär machte. Demnach wurde in St. Pölten durch die beiden adeligen Brüder Adalbert und Ottokar bereits 746 ein Kloster errichtet. Wahr daran ist, dass sie Tegernsee gegründet haben. Wahrscheinlich haben sie durch ihre Beziehungen zu Abt Fulrad von St. Denis Hippolytreliquien erhalten, die sie nach Tegernsee stifteten. Auch 764 wurde als Gründungsjahr angegeben (H. Löwe 1937), doch dürfte dies eher auf großdeutsche Überlegungen zurückgehen. Vor 791 ist eine Klostergründung in Niederösterreich nicht denkbar. Es ist zu vermuten, dass sich das Kloster Tegernsee, das zu den wohlhabendsten gehörte, mit entsprechenden Truppen am Awarenkrieg beteiligte und von Karl dem Großen wie andere auch mit Gütern an der Traisen belohnt wurde. Tegernsee errichtete hier wohl eine Zelle, die dann später Abtei genannt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Errichtung eines Klosters dürfte vor 840 geschehen sein, da dann Tegernsee Passauer Eigenkloster wurde. Vermutlich hatte Passau bereits vorher Besitz in St. Pölten. Die Schenkung der Martinskirche in Linz wurde 799 in Treisma getätigt, was für Passauer Besitz in St. Pölten spricht. Die erste sichere Nennung eines Klosters in St. Pölten geht auf eine Urkunde Kaiser Ottos II. aus dem Jahr 976 zurück. Darin bestätigt er dem Passauer Bischof seine Besitzungen, unter anderem &amp;quot;Treisma ad monasterium sancti Ypoliti.&amp;quot; Ebenso bestätigt Herzog Heinrich (der Zänker) in einem Weistum, das in die Jahre 985/991 datiert wird, dem Passauer Bischof unter anderen Besitzungen &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;deinde Treisimarn civitatem monasterii sancti Ypoliti martiris, ea integritate ut quondam beate memorie Adalbertus episcopus (946–970/971) sub Purchardo marchione (955–976) in sua tenuit vestitura et quemadmodum carta legali affirmatione antiquitus roborata et in publico recitata designabat.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Wie weit es sich dabei um ein bestehendes Kloster oder nur um einen Rechtstitel handelt, sei dahingestellt. Jedenfalls weisen die Ansprüche Tegernsees aus dem 11. Jahrhundert darauf hin, dass wir es ursprünglich mit einer Tegernseer Gründung zu tun haben. Denn in den Tegernseer Güterverzeichnissen wird auch St. Pölten als entfremdetes Gut bezeichnet, so um 1020 und um 1060, das der Passauer Bischof innehabe. Nun wurde das Kloster Tegernsee erst 978 reaktiviert. Es besteht also kein Zweifel, dass St. Pölten im 9. Jahrhundert von Tegernsee aus als Benediktinerkloster gegründet wurde. Ja, es besteht die berechtigte Meinung, dass St. Pölten auch an der Mission im Großmährischen Reich tätig war, wie das Hippolytpatrozinium in Neutra und Znaim-Pöltenberg nahelegt. Ob es den Magyareneinfall überstanden hat, ist ungewiss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weltliches Kollegiatstift===&lt;br /&gt;
Im 11. Jahrhundert kam es jedenfalls zu einer Neuorganisation des Klosters. Im Nekrolog St. Pöltens werden die Bischöfe Berengar (1013–1045) und Eigilbert (1045/1046–1065) als &amp;quot;fundatores&amp;quot; des Klosters bezeichnet. Damals dürfte es zur Umwandlung des Klosters in ein weltliches Chorherrenstift gekommen sein, was durchaus im Trend der Zeit lag (vgl. Ardagger). Den genannten Bischöfen verdankte auch das Kloster die Verleihung seiner ersten Pfarren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Von der Reformtätigkeit Bischof Altmanns von Passau (1065–1091) war auch das Eigenkloster St. Pölten berührt. Ab 1081 stattete er seine Stiftung Göttweig aus. Dies geschah unter anderem auf Kosten der Pfarre St. Pölten, die Teile an die an Göttweig gekommenen Pfarren Kilb und Pyhra verlor. Vermutlich erst nach 1083 wurden in St. Pölten regulierte Kanoniker eingeführt. Dies geschah gegen den Willen der dortigen Kanoniker, wie aus der &amp;quot;Vita sancti Altmanni&amp;quot; hervorgeht. Die St. Pöltner Kanoniker dürften mit ihrem kaiserlich gesinnten Vogt Walchun von Perg im Investiturstreit zu Kaiser Heinrich IV. gehalten haben. Altmann besetzte St. Pölten also mit regulierten Kanonikern vermutlich aus St. Nikola bei Passau. Neuer Propst wurde [[Egilbert]], der auch zweimal als Archipresbyter bezeichnet wird. Doch blieb die Kontinuität im Kloster gewahrt, wie das besondere Gedächtnis an Kaiser Heinrich IV. und dessen Mutter Agnes beweist. Von früheren Pröpsten ist allerdings keiner namentlich nachweisbar. Auch der Ausbau des Klosters wahrte die Kontinuität: für 1065 und 1150 sind Kirchweihen überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Verhältnis zu den Passauer Bischöfen===&lt;br /&gt;
Schon Kaiser Heinrich III. oder Heinrich IV. hatte die Kanonie mit den Marktrechten in St. Pölten ausgestattet (1058?). Nach 1121 bestätigte der Passauer Bischof diese Rechte. Kennzeichnend blieb das ganze Mittelalter das Nebeneinander von Klosterbesitz und den Besitzungen der Passauer Bischöfe in St. Pölten. Diese besaßen in St. Pölten auch ein eigenes Haus, das sie bei ihren Österreichbesuchen als Nebenresidenz benutzten. Mehrfach hielten sie hier auch Diözesansynoden (1284, 1294) ab. 1159 verlieh Bischof Konrad von Passau den St. Pöltner Bürgern bestimmte Rechte (Freiheit von Ordalien), die als ältestes Stadtrecht in Österreich gelten. Die Ummauerung der Stadt erfolgte allerdings erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Kloster gegenüber verhielten sich die Bischöfe meist großzügig. So gab Bischof Konrad 1159 dem Stift die Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Bruck an der Leitha (hl. Martin, nach 1529 Dreifaltigkeit)|Bruck an der Leitha]], Bischof Wolfger (1191–1204) übergab dem Kloster sein Haus, damit es den vierten Teil des Kreuzganges fertigstellen könne. Vermutlich lag dieses mit seiner Maximilianskapelle an der unteren Landstraße (Wienerstraße), wo später die Franziskaner ihr Kloster hatten (heute Priesterseminar). 1213 inkorporierten sie die Klosterpfarre &amp;quot;pleno iure&amp;quot; dem Stift. Bischof Otto von Lonsdorf (1254–1265) weilte häufig in St. Pölten und stellte hier mehr als 30 Urkunden aus. Zu Spannungen kam es wegen der Gemengelage von bischöflichem und klösterlichem Besitz in der Stadt, vor allem aber um die Rechte am bedeutenden Markt. Unter Propst [[Ulrich Feyertager]] (1360–1369) wurde 1365/67 ein Ausgleich zwischen Bischof und Kloster erzielt. Dieses verzichtete auf allen Besitz in der Stadt mit Ausnahme des Klosterviertels und bekam dafür als Entschädigung Zehente in der Umgebung und die bedeutende Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Hürm (hl. Stephanus)|Hürm]]. Bischof Georg von Hohenlohe residierte 1390 bis 1393 in St. Pölten, da ihm seine Bischofsstadt wegen der zwiespältigen Bischofsswahl nicht zugänglich war. Damit begann aber auch das Ende der Passauer Herrschaft in St. Pölten. Bereits 1389 musste die Stadt wegen Schulden erstmals an die Wallseer verpfändet werden, 1481 schließlich dem in Niederösterreich eingefallenen Ungarnkönig Matthias Corvinus. Nach dessen Tod 1490 eroberte König Maximilian Niederösterreich rasch zurück, behielt sich aber St. Pölten. Der Passauer Bischof konnte wegen Geldmangels die Pfandschaft nicht einlösen. So blieb die Stadt bis 1918 landesfürstlich. Für das Kloster bedeutete dies ein Ende der Streitigkeiten mit dem Bischof, hatte dieser doch nur mehr die geistliche Jurisdiktion inne. Allerdings gab es in Hinkunft die üblichen Reibereien mit der Stadtverwaltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
Ab dem 12. Jahrhundert kam es zum Ausbau des Klosters. 1150 ist ein Kirchweihdatum überliefert. Bereits 1133 wurde eine Leutkirche auf dem heutigen Domplatz konsekriert, deren Fundamente 1994 ergraben wurden. Die Andreaskapelle über dem Karner (ebenfalls auf dem Domplatz) wird erstmals 1179 erwähnt. Vor 1140 wurde das Hospital mit der Ägydiuskirche errichtet; als Weihedatum der Kirche wird 1130 angeführt. Eine Jakobuskapelle in der Infirmerie wurde 1184 geweiht. Ebenfalls bereits im 12. Jahrhundert bestand ein Konversenhaus für Frauen, da &amp;quot;moniales de S. Yppoliti&amp;quot; im Nekrolog von St. Andrä erwähnt werden. 1302 erhielt dieses &amp;quot;domus sororum&amp;quot; die Margaretenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1209 wurden in der Sakristei (wohl anlässlich eines Umbaus) Reliquien unbekannter Heiliger gefunden, was zu einer kurzfristigen Wallfahrt nach St. Pölten führte; es wurde auch ein Mirakelbuch angelegt. Einen Höhepunkt erreichte diese Bautätigkeit in der Weihe des Klosters (wohl dem Charakter nach eher eine Kirchweihe) durch Bischof Gebhard im Jahr 1228. Den Übergang von den Babenbergern zu den Habsburgern schafft das Stift ohne größere Probleme. Noch 1248 erhält es durch Bischof Rudger eine Bestätigung seiner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 14. Jahrhundert brachte dem Stift unter den Pröpsten [[Dietmar von Rohr]] (1332–1359) und [[Ulrich Feyertager]] (1360–1369) eine wirtschaftliche Blüte: Es kam zum Ausgleich mit dem Passauer Bischof bezüglich der Besitzungen in der Stadt, zum Erwerb der Pfarre Retz, die zu einer der stärksten wirschaftlichen Stützen des Klosters wurde, aber auch zu bedenklichen personellen und wirtschaftlichen Verknüpfungen mit den Angehörigen der Pröpste. 1358 wütete ein Großbrand. Die Leutkirche auf dem Freithof (Domplatz) wurde vergrößert wieder aufgebaut, wie die Ausgrabungen von 1994 nachwiesen. Propst Ulrich erwarb eine Reihe von Gütern, so den Ansitz Friesing, die Feste Hagenstein, Burg Fridau, Innerkasten, Schwabegg, Rennersdorf und Inning, wobei allerdings unklar bleibt, inwieweit dies auch private Erwerbungen der Familie der Feyertager waren. Damals grassierte immer wieder die Pest, wodurch die Güter oft billig zu erwerben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert wurde St. Pölten über Wittingau (Trebon) von der Raudnitzer Reform erfasst, auf die 1410 auch die Gründung der Augustinerpropstei Dürnstein zurückgeht. Gemeinsam mit dem [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] beteiligte es sich 1414 an der Besiedlung des [[Stift St. Dorothea in Wien|Augustinerklosters St. Dorothea in Wien]]. Das 15. Jahrhundert war eine Blütezeit für die Kanonie, auch wenn es mehrfach kriegerische Ereignisse brachte. So wurde 1424 durch die Hussiten die Stadt Retz zerstört und die Umgebung verwüstet. 1481 bis 1490 besetzten die Ungarn die Stadt. Den großen Stadtbrand von 1474 schildert ein zeitgenössischer Bericht, der auch eine Darstellung der Baulichkeiten des damaligen Stiftes bringt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Dy selb prunst und feur hot verprennt ... das closter der chorherrn mit dem ziegelhoff, dem phister (Bäckerei), und müll, mayrhoff, städeln, marstall, viehstall, kasten, zwei pad der herren im closter und des brobst, werichhaus der zimmerleut, pinthaus, obleyhaus, spital (das spätere Bürgerspital) mit aller zugehörung und zimmer, stall, stadl, pad kasten daselbs; item der chorherrn siechhaus (Infirmerie im Kloster), der jungkherrn schlaffhaus ganz und gar, der herrn schlaffhaus ain teil in ziegeldach, das dach vor dem refät (Refektorium), des dechants heüsl, das secret, der zynein knopf aus dem münster, des Heil. Geist kirchen, des kastner und schaffner zimmer, das schenkh haus das man heißt in dem Lüeglein; St. Margarethn das dach (Kirche der Chorfrauen), das dach auf dem korner (Karner), das dach und heusel in dem gusterhof, die schuel, messnerheusl, das kirchengässel, ...&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Die Schäden müssen enorm gewesen sein, so musste die Spitalskirche in der Unteren Landstraße (Wiener Straße) neu errichtet werden. Die Baulast für die Erneuerung des Kremserturmes und der Befestigungen bis zum Wiener Tor fiel dem Stift zu. Die Behebung der Schäden dauerte bis nach 1500.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die lange Krise===&lt;br /&gt;
Einem neuerlichen Stadtbrand fielen 1512 die Westfassade mit den beiden Türmen und offensichtlich auch die Sakristei zum Opfer. Letzteres geht aus einer Bischofsurkunde von 1513 hervor. Demnach gewährte Bischof Wiguleus Fröschl dem Konvent die Erlaubnis, anstatt der bisherigen Almuzien aus schwarzem Lammfell solche aus billigeren Eichhornfellen zu tragen. Von der Doppelturmanlage wurde nur mehr der Südturm wiederhergestellt. Daneben gab es noch andere Gründe für den Niedergang. Da waren zunächst die Türkenkriege, die 1529 und 1532 die Stadt erreichten. Wenn auch die Stadt nicht unmittelbar betroffen war, so litten doch die stiftlichen Güter. Zusätzlich musste das Kloster die Quart und die Terz entrichten und immer wieder dem Landesfürsten Darlehen gewähren. Schon 1526 musste es Silber im Wert von 530 Mark abliefern. Schon 1525 leistete es ein Darlehen von 800 Gulden, 1537 und 1539 von 600 Gulden, und 1558 musste es den Stiftshof in Pulkau verpfänden, um ein Darlehen von 3.000 Gulden aufbringen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu kamen die relativ kurzen Amtszeiten der Pröpste, von denen drei resignierten: [[Johannes Marquard]] (1515–1530), [[Johannes Perlasreuter]] (1530–1538) und [[Martin Renhofer]] (1538–1539). Unter Propst [[Leopold Hagen]] (1539–1563) erreichte das Stift seinen Tiefpunkt. Natürlich wirkte sich für das Kloster auch das Eindringen der Reformation negativ aus, was sich besonders im Rückgang der Konventualen zeigte. Dazu starben in den Seuchenjahren 1541/42 sieben Konventualen. 1544 betrug ihre Zahl noch zwölf, 1561 waren es nur mehr sechs, 1566 vier, wobei einer sich auf der Stiftspfarre [[Retz]] befand. Ab Propst [[Georg Hueber]] (1569–1575) besserte sich die Personallage. In der Stadt kam der Protestantismus um 1560 zum Durchbruch. Gemeinsam mit dem Propst wurde der Prediger für die Frauenkirche (einstige Leutkirche auf dem jetzigen Domplatz) bestellt. Der Stadtrat machte daraus ein alleiniges Recht und bestellte protestantische Prediger. Daraufhin ließ Propst Georg die Kirche sperren. In seinem Todesjahr 1575 fand noch eine Visitation statt, die ein erfreuliches Bild zeichnete. Unter seinem Nachfolger [[Melchior Schad]] (1576–1598) schlitterte das Stift allerdings in tiefe Schulden und musste zeitweilig administriert werden. Seine Nachfolger [[Eucharius Warmuth]] (1598–1599) und [[Johannes Meringer]] (1600–1601) regierten nur wenige Monate. Unter Propst [[Johannes Metz]] (1601–1611) wurde in St. Pölten eine Visitation durch Offizial Melchior Khlesl durchgeführt. Einige Tage vor dem Tod seines Nachfolgers [[Johannes Roth]] aus Dinkelsbühl (1612–1621) kam es zu einem katastrophalen Stadtbrand, der auch das Stift schwer traf. Nach drei nur kurz regierenden Pröpsten wurde 1628 [[Wolfgang Panckhammer]] zum Propst gewählt. Er war ein frommer Mann und guter Güterverwalter, hatte aber den Konvent nicht im Griff und wurde sogar von den eigenen Chorherren mit Säbel und Pistole bedroht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Blütezeit seit Propst Fünfleutner=== &lt;br /&gt;
Erst die Visitation durch den Klosterneuburger Propst brachte eine entscheidende Wende zum Besseren. Propst [[Bernhard Enoch von Waitz|Bernhard]] von [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bot den St. Pöltnern auch einen Novizenmeister an, was vermutlich den Eintritt des [[Johannes Fünfleutner]] 1630 in das Stift zur Folge hatte. Er sollte zum bedeutendsten Propst des Stiftes werden. Fünfleutner wurde um 1589 in Schärding am Inn geboren; er war bürgerlicher Abkunft. Er erlangte den Doktorgrad der Medizin an der Universität Padua, war 1626 Dekan der medizinischen Fakultät in Wien, nahm 1628/1629 an einer kaiserlichen Gesandtschaft nach Konstantinopel teil und fungierte 1629 als Rektor der Wiener Universität (als Propst hatte er 1644 nochmals dieses Amt inne). Erst im Kloster dürfte er seine theologische Ausbildung erhalten haben. Es ist auch zu vermuten, dass er von seiner früheren Tätigkeit her ein größeres Vermögen mitbrachte. Er wurde bald Kämmerer und Stiftsdechant und nach dem Tod Panckhammers ging er siegreich aus der Neuwahl des Propstes am 17. Februar 1636 hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während seiner Tätigkeit als Propst durch 25 Jahre kam es zu 28 Neueintritten ins Kloster, wovon allerdings sieben Chorherren vor ihm starben. Bei der Neuwahl nach seinem Tod gab es immerhin 21 Konventualen. Zu seinen großen Leistungen gehörte der Neubau des Klosters. Somit entstand jenes Gebäude, das weitgehend mit dem heute noch bestehenden Bistumsgebäude identisch ist. Dies ersieht man aus einer Federzeichnung aus dem Jahr 1653, die im Diözesanmuseum aufbewahrt wird. Nur der Gästetrakt (heute Bischofstrakt) wurde im 18. Jahrhundert hinzugefügt. Er unterstützte den Wiederaufbau des Franziskanerklosters und sorgte für eine erste Barockisierung der Stiftskirche. Auf Fünfleutner geht auch die Errichtung der Kapelle zu Ehren der hl. Barbara zurück, die sich vor dem Wilhelmsburger Tor befand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Belebung der Frömmigkeit des Volkes führte er 1636 die Mariazeller Wallfahrt ein und 1646 die Manker Wallfahrt, die bis in die Gegenwart durchgeführt wird. Auf Initiative der Bürgerschaft reaktivierte er die Sebastianibruderschaft und errichtete 1646 die Rosenkranzbruderschaft, die breiten Anklang über St. Pölten hinaus fand. Fünfleutner starb am 29. Jänner 1661 im Alter von 72 Jahren. Sein Grabstein im rechten Seitenschiff der Domkirche rühmt ihn als Ratgeber dreier Kaiser, Erbhofkaplan, Rektor der Wiener Universität, Erbauer des Münsters in St. Pölten und Erneuerer des religiösen Lebens. Seine beiden Nachfolger [[Gabriel Kölsch]] (1661–1669) und [[Patrizius Zeller]] (1670–1683) konnten gut weiterarbeiten. Immerhin wurde im Stift Moraltheologie und zeitweilig auch Philosophie doziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verheerend wirkte sich der Türkeneinfall von 1683 auf die Stiftsgüter aus. Zwei Chorherren fanden als Pfarrer den Tod. Propst Zeller floh nach Linz, wo er noch im gleichen Jahr starb. Ungefähr 200 Untertanen wurden verschleppt, über 5.000 Stück Vieh geraubt und 120 Häuser verbrannt oder geplündert. Die Kirchen in Weißenkirchen an der Perschling, Obergrafendorf und St. Georgen am Steinfeld und die Pfarrhöfe in Kasten und Gerersdorf wurden beschädigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur kurz währte die Amtszeit von Propst [[Hieronymus Griesmayr]] (1683–1688). Mit Propst [[Christoph Müller]] von Prankenheim (1688–1715) kam wiederum eine energische Persönlichkeit an die Spitze der Kanonie. Er ließ den Kirchturm erhöhen und in seine heutige Form bringen. Auch schaffte er ein neues Geläute an, das noch weitgehend erhalten ist. Er war auch auf die Vergrößerung des Stiftsbesitzes bedacht. So erwarb er die Ochsenburg für das Stift zurück, kaufte den Schwaighof südlich der Stadt und ließ ihn künstlerisch ausstatten. Ebenso erneuerte er den Lesehof in Joching in der Wachau und den Stiftshof in Pulkau. Doch war er auch wissenschaftlich tätig und verfasste eine Stiftsgeschichte, die dann in Werken von Duellius und Maderna Eingang fand. Unter Propst Christoph fand eine Änderung der Kleidung der Chorherren statt. Anstatt Weiß wurde nunmehr Schwarz getragen, was sich allerdings schon früher abgezeichnet hatte. Zu seinem Nachfolger wurde der 34-jährige aus Melk stammende [[Michael Führer]] gewählt. Beim Tod seines Vorgängers wurden 115.500 Gulden Schulden festgestellt, denen allerdings 50.000 Gulden Aktiva gegenüberstanden. Auf Grund der prekären Lage musste Führer versprechen, die Gebäude zu erhalten und nur notwendige Neubauten zu errichten, sowie die Konventualen bei wichtigeren Angelegenheiten zu konsultieren. Ringsum hatte der &amp;quot;Bauwurm&amp;quot; die Prälaten erfasst. So entwarf Führer auch einen Plan zur Barockisierung der Stiftskirche, wahrscheinlich auf Pläne Prandtauers zurückgehend, der auf hohem Niveau verwirklicht wurde. Auch in den Stiftspfarren wurde gebaut und in Nutzbauten in den Weinbaugebieten investiert. Wegen der hohen Auslagen kam es 1722 zu einer Revolte im Konvent. Einige Chorherren richteten eine Klageschrift an die Regierung, in der dem Propst Verschleuderung des Stiftsgutes vorgeworfen wurde. Propst Führer, der durchaus auch Anhänger im Konvent hatte, rechtfertigte sich: Gerade der Weinbau sei für das Stift wichtig, bestehe doch das Haupteinkommen des Stiftes aus dem Weinbau und Weinzehent. Zudem zahle man für den Eimer Grinzinger zehn Gulden, während der aus anderen Lagen nur die Hälfte erbringe. Er verteidigte auch seine Bautätigkeit und die Anschaffung von Chorgestühl und neuer Orgel für die Kirche; zugleich verwies er auf die notwendige, aber teure Gastlichkeit. Die Regierung nahm diese Rechtfertigung zur Kenntnis. Führer fühlte sich gestärkt. So setzte er die Theologieprofessoren ab und schickte die Kleriker zum Studium zu den Franziskanern. Auch den anderen Opponenten entzog er ihre Funktionen und forderte strikten Gehorsam. 1722 bis 1725 war Führer einer der zwei Vertreter des niederösterreichischen Prälatenstandes im niederösterreichischen Landtag, und 1725 bis 1728 gehörte er dem Verordnetenkollegium des Landtages an. Da er meist in Wien wohnte, kaufte er für das Stift das Haus Krugerstraße 5 und ließ es renovieren, was den Schuldenstand noch erhöhte. Nach seiner Rückkehr aus Wien widmete er sich erneut der Bautätigkeit, sollte doch die Barockisierung der Stiftskirche zum Tausendjahrjubiläum des Klosters im Jahr 1740 vollendet sein. Aber auch außerhalb der Stadt ließ er die stiftlichen Gebäude erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Stift selbst begann er 1727 mit dem Ausbau der Bibliothek und dem Neubau eines Gartenhauses. 1735 kam es zur Neueinwölbung der Stiftskirche, in der Folge wurde ihre Einrichtung geschaffen. Auf Führer geht auch die Prälatenstiege und der neue Gästetrakt (heute Bischofstrakt) im Nordosten zurück, ebenso das neue untere Tor (heute Bischofstor).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1737 wurde mit [[Hippolyt Wolff]] durch die Kapitularen ein neuer Dechant gewählt, der schon länger zu den Opponenten Führers gehört hatte. Nachdem er sich einen Einblick in die finanzielle Situation verschafft hatte, erhob er Anklage gegen den Propst: Dieser habe gegen 200.000 Gulden illegal Schulden gemacht. Diesmal griff der Kaiser durch den Klosterrat entschieden ein. Führer wurde 1739 seines Amtes enthoben. Untersuchungen brachten Schulden von etwa 380.000 Gulden zum Vorschein. Davon hatte er 181.000 mit dem gefälschten Konventsiegel und etwa 60.000 Gulden allein auf seinen Namen aufgenommen. Der Propst musste das Kloster verlassen und wurde auf der Ochsenburg, im [[Stift St. Florian]] und dann in Korneuburg interniert. Während des Baierneinfalls 1741 tauchte er wieder im Kloster auf, musste aber dann 1742 bis zu seinem Tod 1745 in Bruck an der Leitha leben. Die Mehrheit der Kanoniker und auch die Stadtbevölkerung blieb ihm treu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Ausklang===&lt;br /&gt;
Nach dem Abgang Führers wurde das Stift administriert. Dechant Wolff hatte keine glückliche Hand. Sein Nachfolger, der Klosterneuburger Chorherr [[Bernhard Paul]] (Administrator 1741–1747), konnte den Schuldenstand zwar etwas reduzieren, hatte aber mit dem zerstrittenen Konvent seine Not. Nun wurde wiederum Wolff bestellt (1747–1753), der aber zahlreiche Gegner hatte. Erst unter [[Matthis Alteneder]] kam das Kloster in ruhigere Bahnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sich die Schulden auf 222.000 Gulden vermindert hatten, wurde 1755 eine neue Propstwahl gestattet. Gewählt wurde Alteneder, der bis zu seinem Tod 1779 den Schuldenberg auf 34.790 Gulden reduzieren konnte. Auch unter seinem Nachfolger [[Ildephons Schmidbauer]] (1779–1784) hielt die positive Entwicklung an. Zur Zeit der Klosteraufhebung waren nur 15.000 Gulden Passiva gegeben. Auch der Personalstand war mit 32 bzw. 37 Mitgliedern erfreulich. Man kann mit Recht von einer späten Blüte des Klosters sprechen. Das Stift fand sein Ende nicht wegen Missständen oder Misswirtschaft, es fiel vielmehr den Diözesanplänen Kaiser Josephs II. zum Opfer. Dieser befahl am 9. Juni 1784 die Aufhebung des Klosters, die am 1. Juli vollzogen wurde. Schmidbauer wurde an der ehemaligen Domkirche in Wiener Neustadt Propsteipfarrer (verstorben 1791). Die Klostermitglieder traten in den Dienst der Diözesen St. Pölten und Wien. Am 25. Jänner 1847 starb als letzter ehemaliger St. Pöltner Chorherr [[Andreas Malachias Spitzl]], Pfarrer und Dechant in Bruck an der Leitha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Über die Wirtschaftsgeschichte liegen bisher keine gründlichen Untersuchungen vor. Es gibt keine Gründungsurkunde und keine frühen Urbare. Dagegen ist der Besitzstand aus der Zeit der Aufhebung bekannt. Demnach lag St. Pölten nach den Großklöstern Klosterneuburg, Melk und Göttweig, wenn auch mit Abstand, an etwa vierter Stelle. Eine Urkunde Papst Alexanders III. (1159–1181) nahm das Stift mit seinen Besitzungen in Schutz. Darin werden zunächst alle dem Stift gehörigen Kirchen aufgezählt: St. Pölten (mit dem Marktrecht), [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Böheimkirchen (hl. Jakobus)|Böheimkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Kapelln (hl. Petronilla)|Kapelln]] mit den dazugehörigen Kirchen Weißenkirchen, Katzenberg, Haselbach, Würmla und Murstetten, die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#St. Christophen (hl. Christophorus, auch hl. Bartholomäus)|St. Christophen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Bruck an der Leitha (hl. Martin, nach 1529 Dreifaltigkeit)|Bruck a. d. Leitha]]. In der Pfarre St. Michael in der Wachau der halbe Zehent, in Pulkau und Zellerndorf der Drittelzehent, in Nalb und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Retz (hl. Stephanus)|Retz]] der halbe Zehent. Dann folgt die Aufzählung der Lehen und Huben des Stiftes. Die lagen zumeist in der weiteren Umgebung von St. Pölten. Weiter entfernt waren Besitzungen in Pillichsdorf, Ollersdorf und Waltersdorf. Davon gehen die drei Pfarren Böheimkirchen, Kapelln und St. Christophen auf eine Schenkung Bischof Berengars (1013–1045) zurück. Die Pfarre Bruck gab 1159 Bischof Konrad dem Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Urkunde Bischof Rudigers von 1248 bringt ähnlich der Papsturkunde eine Aufzählung des Klosterbesitzes. Zunächst werden auch hier die Pfarren mit ihren exempten und nichtexempten Filialen aufgezählt: Bruck (Wilfleinsdorf, Arbesthal, Göttlesbrunn und die Nikolauskapelle in der Stadt), Kapelln (Jeutendorf, Weißenkirchen und Katzenberg), Böheimkirchen (Außer- und Innerkasten, Lanzendorf, Schildberg und Stössing), St. Christophen (Brand und Seebach), St. Pölten (Ober- und Unterpottenbrunn, Schlosskapelle Viehofen, Obergrafendorf, Weinburg, Haindorf, Kapelle Markersdorf, Hafnerbach, Schlosskapelle Pielach, Kapelle Karlstetten, Kapelle St. Georgen am Steinfeld). Als wesentlicher Zehentbesitz werden angeführt: St. Michael in der Wachau, Kottes, Meisling, Pulkau, Retz, Nalb, Mautern, Weiten und Melk jenseits der Donau. Der Hausbesitz wird detaillierter als in der Papsturkunde angegeben. Das Stift besaß damals etwa 350 dienstpflichtige Häuser. Der Schwerpunkt der Besitzungen lag zwischen Pielach und Perschling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Schwerpunkte waren die Weingärten im Tullnerfeld (Amt Königstetten) und in Grinzing, deren Wein sich gut verkaufen ließ. Weitere größere Besitzungen gab es im Marchfeld (Ulrichskirchen); aber auch die Weingüter um Pulkau und Retz waren für das Stift bedeutsam. Ein weiteres Weinbaugebiet war in der Wachau (Joching), wo das Stift den Weinzehent, aber auch Eigengüter besaß. In der Umgebung von St. Pölten erwarb das Stift 1366 die Herrschaft Kasten, 1383 das kleine Gut Ochsenburg und bekam 1398 endgültig die Pfarre Hürm mit ihren Zehenten, nachdem es drei Viertel der Stadt an den Passauer Bischof abgetreten hatte. Natürlich ging auch immer wieder Besitz verloren oder wurde abgetauscht. Im Großen und Ganzen aber blieb der wichtigere Besitz konstant. Erst in der Neuzeit kamen einige Neuerwerbungen dazu. Bei der Inventarisierung anlässlich der Aufhebung des Stiftes 1784 ergab sich folgendes Bild. Das Gesamtvermögen wurde auf 518.033 Gulden berechnet, das jährliche Einkommen mit etwa 40.000 Gulden taxiert, womit das Stift zur begüterteren Hälfte der niederösterreichischen Klöster gehörte. Der Stiftsbesitz setzte sich zusammen aus der Stiftsherrschaft St. Pölten, den Herrschaften Hürm, Kasten, Retz (mit Pulkau), Ochsenburg, dem Freihof Harthof und dem Schwaighof. Dazu gehörten außerdem das Pfarrgut Bruck a. d. Leitha und das Haus in Wien Krugerstraße, das Propst Führer 1726 von den Tullner Dominikanerinnen erworben hatte. Die engere Stiftsherrschaft umfasste den stiftlichen Meierhof von St. Pölten mit 85 Joch Acker, 528 Joch Waldungen, 55 Joch Auen und 20 Joch Viehweide. Dazu gehörten die Lesehöfe in Grinzing mit 40 Viertel, mit 93 Viertel in Joching und 30 Viertel in Loiben, und in Königstetten mit 35 Viertel Weingärten, weiters 474 untertänige Häuser, von denen sich 41 in der Stadt befanden. Der meiste Zehentbesitz lag in den Pfarren St. Pölten, Pyhra, Böheimkirchen und Kapelln sowie in der Wachau (Weinzehent). Die Herrschaft Hürm besaß 48 Untertanen, Kasten 126, Retz mit dem Freihof Pulkau 100, die Herrschaft Ochsenburg (1699 wieder erworben) 50, der Harthof (1662 erworben) neun. Das Pfarrgut Bruck hatte 18 Untertanen und einige Weingärten im Joiser- und Neusiedlergebirge in Ungarn. Aus diesem doch recht ansehnlichen Wirtschaftskörper (ausgenommen das Gut Retz) wurde das Religionsfondsgut St. Pölten gebildet, das dann auch das Patronat über die ehemaligen Klosterpfarren bis 1938/39 innehatte. Allerdings waren bis zu dieser Zeit bereits zahlreiche Stücke veräußert worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das (Augustiner-)Chorherrenstift St. Pölten war immer ein Eigenkloster der Passauer Bischöfe. Ihnen stand daher auch die Obervogtei zu. Im 11. und 12. Jahrhundert hatten die Hochfreien von Perg, Verschwägerte der Babenberger, die Vogtei inne. Sie wird erstmals in einem Weistum um 1125 erwähnt, wobei es vor allem um die Marktrechte ging, die dem Kloster bereits 1058 oder früher (also vor Einführung der regulierten Chorherren) durch Kaiser Heinrich III. oder IV. gewährt worden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1150 entzog Herzog Heinrich von Bayern (in Österreich Markgraf Heinrich II. Jasomirgott) dieses Recht und zwar auf Bitten seines Bruders Konrads, des Bischofs von Passau, und übergab die Vogtei dem Bischof. Doch bald übernahmen sie die Babenberger selbst (und später die Habsburger) als Lehen des Bischofs. Problematisch blieb lange Zeit das Verhältnis zum Passauer Bischof, der ja die Oberhoheit in der Stadt besaß, obwohl er nur einen Teil der Häuser innehatte. Zu einem Ausgleich kam es erst 1367, als das Stift auf die Marktrechte und Zölle und alle Häuser mit Ausnahme die des Klosterviertels verzichtete. Die Spannungen verlagerten sich nun auf das Verhältnis zur Stadt, da das Kloster auch ein Viertel der Stadtmauer zu erhalten hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intensiver wurde der Einfluss des Landesfürsten im 16. Jahrhundert, als König Ferdinand Klostervisitationen vornehmen ließ und der Landesfürst ab 1568 durch den Klosterrat unmittelbar Einfluss auf das Klosterleben ausübte. Für Außenbesitzungen gab es wenig belegte Untervögte. Eine eigenartige Beziehung bestand zum Kollegiatstift Marz(-Hierpach) im damaligen Ungarn, das um 1220 durch die Familie Osl gegründet worden sein dürfte. Dafür stellte das Stift St. Pölten mehrere Pröpste, wie aus dem Nekrolog hervorgeht, wo sie als &amp;quot;fratres&amp;quot;, also als Konventmitglieder, bezeichnet werden. Eine Ernennungsurkunde aus dem Jahr 1295 hat sich erhalten. 1438 verzichtet der St. Pöltner Propst auf das Ernennungsrecht und erlaubte der Gemeinde und den Pfarrleuten, den Propst von Marz selbst zu wählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Über die Herkunft der St. Pöltner Kanoniker vor 1080 gibt es keine Auskunft. Die ersten Augustinerpröpste entstammten wahrscheinlich dem höheren Adel, wie etwa der spätere Passauer Bischof [[Reginbert]] (1138–1147), der vorher Propst in St. Pölten war. Ansonsten gehörten die meisten Chorherren dem niederen Adel an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert verstärkte sich der Anteil der Bürgerlichen vor allem aus Wien, Tulln und Wiener Neustadt. Ausländer, wie etwa Propst [[Johannes Moravus]] (1370–1372), finden sich selten. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mehren sich Eintritte aus Bayern und Vorderösterreich. Im 17. und 18. Jahrhundert überwogen wieder die Eintritte aus der näheren und weiteren Umgebung. Darunter waren auch immer wieder Nobilierte. Eine erste Aufzählung des Konvents gibt es um 1190, als zehn Chorherren angeführt werden; der Zusatz &amp;quot;et ceteri fratres&amp;quot; weist auf mehr hin. Exakter wird die Anzahl der Chorherren erstmals in einer Urkunde von 1259 mit zwölf Priestern ohne Propst angeführt. 1273 bestand der Konvent aus 14 Priestern und einer nicht genannten Zahl von Klerikern mit niederen Weihen und Konversen. Die Zahl dürfte weiter gestiegen sein, da Herzog Albrecht III. 1380 die Höchstzahl der Klosterinsassen mit 24 festlegte. Im 15. Jahrhundert waren es zwischen 15 und 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krise des 16. Jahrhunderts wirkte sich in St. Pölten aus. Zwar verließ nur ein Chorherr den geistlichen Stand, doch machte sich der Mangel an Nachwuchs bemerkbar. Zudem starben 1541/42 sieben Mitglieder an der Seuche, sodass 1544 der Konvent nur mehr aus zwölf Mitgliedern bestand. Im Haus lebten sechs Priester und zwei Kleriker, auf den Stiftspfarren wirkten vier Priester. Von 1561 bis etwa 1590 betrug die Zahl meist nur vier bis sechs. Um 1600 aber waren es bereits zehn. 1611 und 1623 gab es zwölf Wahlberechtigte. Unter Propst Fünfleutner nahm der Konvent endlich einen Aufschwung; bei seinem Tod 1661 war der Konvent auf 21 gestiegen und erreichte 1675 sogar 30. Bei der Propstwahl von 1715 waren 24 Konventualen stimmberechtigt. Um 1740 gab es etwa 30, im Jahr der Aufhebung 1784 32 Konventualen. Im Mittelalter war offensichtlich das Institut der Konversen von größerer Bedeutung. Im Nekrolog werden 104 angeführt; ihre Zahl dürfte aber höher gewesen sein. Davon gehören etwa zehn noch dem 12. Jahrhundert an. Ebenfalls zehn gehören dem beginnenden 14. Jahrhundert an. Dann bricht die Institution ab. Im Nekrolog werden 85 weibliche Konversen angeführt, wobei unklar bleibt, wie weit es sich um Mitglieder des Frauenkonvents handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Es wurden bisher keinerlei Reste aus der Karolingerzeit gefunden. Für die Stiftskirche sind Weihedaten zu 1065, 1150 und 1228 überliefert. Eine weitere Weihe dürfte um 1280 stattgefunden haben. Von der ältesten Kirche sind an der Nordmauer auf der Kreuzgangseite romanische Fenster zu sehen. Der jetzige Kirchenbau geht wohl auf den Beginn des 13. Jahrhunderts zurück. Dagegen dürfte die Doppelturmanlage der Westfassade älter sein. Das alte Aussehen der Kirche ist noch in der Rosenkranzkapelle erhalten, die zwei Joche des rechten Seitenschiffs umfasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1512 wurde der Nordturm nur mehr bis zur Höhe das Daches wiederhergestellt, der Südturm wurde 1560 aber höher als bisher ausgebaut und erhielt 1693 seine heutige Form. Der Plan zu einer barocken Scheinfassade mit dem Südturm als Zentrum kam nicht zur Ausführung. Im Inneren bewahrt die Kirche die dreischiffige romanische Anlage, wurde aber im 18. Jahrhundert vollständig barockisiert. Eine erste barocke Einrichtung erhielt die Kirche unter Propst Fünfleutner; 1648 wurden fünf Seitenaltäre geweiht und 1658 durch Tobias Pock das Hochaltarbild geschaffen, das einzig erhaltene Stück dieser Phase. Propst Führer führte unter Leitung von Jakob Prandtauer und Josef Munggenast eine radikale Neugestaltung durch. Die Kirche wurde barock gewölbt und die romanischen Pfeiler mit Stuckmarmor verkleidet. Freskenmaler waren Thomas Friedrich Gedon, Antonio Tassi, Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte. Der Hochaltar ist eigentlich nur eine Wandgliederung mit dem alten Maria-Himmelfahrtsbild von Pock. An den Seitenaltären arbeiteten prominente Künstler wie Jakob Ch. Schletterer (Kreuzaltar) mit, der auch die zwei Sandsteinreliefs in den Seitenschiffen schuf. Die Altarbilder stammen zumeist von Daniel Gran. Die St. Pöltner Kunsthandwerker Hippolyt Nallenburg und Peter Widerin schufen die Kanzel und das Chorgestühl. Bemerkenswert sind auch die Beichtstühle. Von den Grabdenkmälern sei nur auf das Fünfleutners im rechten Seitenschiff verwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kirche wurde seit ihrer Fertigstellung um 1747 kaum verändert. Neu ist das Denkmal für Bischof Kerens. 1856/58 mussten die Plastiken des Hochaltars erneuert werden. Der Volksaltar stammt von 1983. Das Stiftsgebäude wurde nach dem Brand von 1621 in frühbarocker Form bis 1650 praktisch neu errichtet, auch wenn die alte Anlage drei Höfe gehabt haben dürfte. Der Kreuzganghof wurde vergrößert. Der Brunnenhof dürfte die alte Substanz behalten haben. Der Binderhof blieb zwar in der Gestalt gleich, doch bekam er eine neue Funktion. Statt Getreidespeicher und Binderei wurden Wohnungen für die Domherren und Büros für die Bistumsverwaltung geschaffen. Weitere Änderungen im Inneren gab es unter Propst Müller, unter dem die beiden Sakristeien und das Oratorium ausgebaut wurden. Unter Propst Führer kam es zum Bau des Gäste(Bischofs-)trakts und des dorthin führenden Stiegenhauses  mit dem qualitätvollen Sandsteinrelief sowie zur Ausgestaltung der Bibliotheksräume, die unvollendet blieben; weiters ließ er das Einfahrtstor an der Ostseite errichten (1908 zurückversetzt) sowie 1726 das Gartenhaus. Einzelne Reste erinnern an die ältere Klosteranlage. So einige romanische Bögen im Brunnenhof und am Domplatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgrabungen brachten im Kreuzganghof und unter der Domherrensakristei (1949, 1980, 1982) die Heilig-Geist-Kapelle und den alten Kapitelsaal mit zwei Altären zum Vorschein. Das alte Refektorium wurde etwas südlich vom jetzigen Sommerrefektorium ergraben; es dürfte schon im 15. Jahrhundert abgekommen sein. Aus der Zeit des Chorherrenstiftes stammen noch einige liturgische Geräte und Paramente. Zwei Monstranzen aus dem 18. Jahrhundert, ein Ziborium von 1608, eine Reihe von Kelchen, wovon der älteste von 1479 (?) stammt, ein anderer von 1524, und einige weitere aus der Barockzeit. Unter den Reliquiaren ist ein Kreuzreliquiar aus dem frühen 15. Jahrhundert von besonderer Bedeutung. Von den Ornaten seien der 1726 durch Propst Führer um 12.000 Gulden angeschaffte rote Ornat und der Altenederornat von 1760 erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Über der Geschichte der Bibliothek waltete kein guter Stern. Zwar dürfte um 1200 die Wissenschaftspflege im Kloster geblüht haben, wie auch aus der späteren &amp;quot;Vita Altmanni&amp;quot; hervorgeht, doch hat sich nicht allzuviel erhalten. Ab 1200 werden immer wieder &amp;quot;scholastici&amp;quot; erwähnt. Die meiste Information liefert der Bibliothekskatalog des Albert Maderna von 1761. Die ältesten Handschriften betreffen Bibel und Liturgie. Ein Missale (Hs. 14) reicht in das frühe 13. Jahrhundert zurück, ebenso zwei Lektionare (Hs. 60 und 41). Unter Propst [[Heinrich]] (1252–1268) wurden zahlreiche Handschriften aus Passau zum Kopieren entlehnt, die vor allem kanonistischen Inhalt hatten. Die St. Pöltner Pröpste waren häufig als delegierte Richter tätig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts bestand eine Buchmalschule, wenn auch auf bescheidenem Niveau. In diesem und dem folgenden Jahrhundert kam es offensichtlich zu einem Aufschwung der Wissenschaftspflege. Beigetragen dazu hat die enge Verbindung mit der Wiener Universität ab 1380. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts dürfte die Bibliothek etwa 200 Handschriften und 220 Frühdrucke umfasst haben. Von den Handschriften sind nur mehr 80 erhalten, von den Frühdrucken etwa 140. Abgesehen von den liturgischen Büchern waren Handschriften mit Ketten befestigt und lagen auf Pulten. Die Spuren davon sind noch zu sehen. Vermutlich befand sich die Bibliothek oberhalb der Sakristei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1439 kam es zur Stiftung von 100 Pfund für die Einrichtung der Bibliothek, wohl zur Anschaffung der Pulte. Nach dem Neubau wird 1653 die Bibliothek im Bereich des heutigen Dompfarramts ausgewiesen. Vor 1722 begann Propst Führer mit dem Ausbau der Bibliothek und deren kostbarer Ausschmückung, die aber nie vollendet wurde. Als Freskanten waren Paul Troger und Daniel Gran tätig. Das 16. Jahrhundert bringt nur wenig Nachrichten zur Bibliothek. Ein Umschwung setzte mit Propst Fünfleutner (1636–1661) ein, der von seiner früheren Tätigkeit als Professor für Medizin vor allem medizinische Werke mitbrachte. Seit etwa 1660 wurde im Kloster auch Theologie doziert, was zur Vermehrung der theologischen Werke führte. Mit [[Raimund Duellius]] (1693–1769) trat erstmals ein hauptberuflicher Bibliothekar in Erscheinung. Ihm folgte [[Albert Maderna]] (1703–1780), der eine Neuaufstellung der Bibliothek vornahm und 1756 dazu auch einen Katalog herausgab. Bei der Inventarisierung des Klostervermögens 1784 wird die Bibliothek nur summarisch erwähnt. Sie ging 1785 in den Besitz der neu gegründeten Diözese über und wurde Grundstock der Diözesanbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Bereits 1250 wird von einer Devastierung bei den Klosterurkunden berichtet. Wohl deswegen kam es zur Anlegung von Kopialbüchern. Nach der Krise des 16. Jahrhunderts brachte der historisch interessierte Propst Müller (verstorben 1716) das Archiv wieder in Ordnung. Aber zwischen 1725 und 1846 gab es große Verluste. Eine gewisse Schuld dürfte beim Stiftsmitglied Raimund Duellius gelegen sein, der für sein Werk &amp;quot;Excerpta genealogico-historica saec. XII., XIII., XIV., XV., XVI&amp;quot; 325 Urkunden behandelte, von denen heute nur mehr 42 Stück erhalten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Franzoseneinfall 1741 wurde das Archiv neuerlich in Unordnung gebracht. Mit der Aufhebung des Stiftes fiel das Archiv in den Wirkungskreis der Kameraladministration, der auch das Religionsfondsgut St. Pölten unterstellt war. Bei der Übernahme dürften die Akten und Kanzleiregistraturen als wertlos vernichtet worden sein. Erhalten blieben sechs Kopialbücher, einige Urbare und Grundbücher, 266 Urkunden und einige Akten. Davon gelangten fünf Kopialbücher und die anderen Stücke 1848 an das Staatsarchiv. 1860 bzw. 1862 und sogar noch 1934 kamen weitere neun Handschriften (Kopial-, Gerichts-, Lehen- und Dienstbücher) dorthin. Im Diözesanarchiv St. Pölten befinden sich nur ein Karton Akten, zehn Urkunden und sieben Bücher aus dem Klosterbestand, weiters das Archiv des Gutes Ochsenburg. Zur Erforschung der Klostergeschichte müssen also Bezugsarchive herangezogen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* BÜTTNER, Rudolf, Aelium Cetium. Das Fortleben seines Namens im Mittelalter, in: Jahreshefte des Österr. Archäologischen lnstituts 40 (1953), Beibl. Sp. 185 ff. &lt;br /&gt;
* DERS., Propst Ulrich Feyertager. Seine Burgen und deren Geschichte, in: Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXXVI (1964), 155-183.&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich südlich der Donau, Tl. 2, Horn/Wien 2003.&lt;br /&gt;
* DONIN, Richard Kurt, Der mittelalterliche Bau des Domes zu St. Pölten. Ein Beitrag zur Geschichte der romanischen Baukunst in Wien und Niederösterreich, in: Mitteilungen f. Geschichte d. Stadt Wien XII (1932), 163.&lt;br /&gt;
* FAHRNGRUBER, Johann, Aus St. Pölten. Bilder und Erinnerungen, St. Pölten 1885.&lt;br /&gt;
* FASCHING, Heinrich, Auseinandersetzung zwischen Konvent und Propst im Stift St. Pölten 1722, in: Hippolytus N.F. 6 (1984), 3-59. * DERS ., Dom und Stift St. Pölten und ihre Kunstschätze, St. Pölten-Wien 1985. Darin Beiträge von: SCHRAGL, Friedrich, Geschichte des Stiftes St. Pölten, 16-49; SCHWARZ, Mario, Die Architektur der mittelalterlichen Klosterkirche, 50-70; WUHR, Clara Bettina, Archäologische Ausgrabungen im Kreuzgang, 71-76; ZORRI, Wilhelm, Der Neubau des Klosters in der Barockzeit, 77-91; PÜHRINGER-ZWANOWETZ, Leonore, Die Barockisierung der Stiftskirche, 92-96; KRONBICHLER, Johann, Die künstlerische Ausstattung von Dom und Stift, 97–125.&lt;br /&gt;
* DERS., Propst Johann Michael Führer von St. Pölten. Absetzung und letzte Lebensjahre (1739–1745), St. Pölten 1991 (=4. Beiheft zu Hippolytus N.F.).&lt;br /&gt;
* FRAST, Johann, Historische und topographische Darstellung von St. Pölten und seiner Umgegend etc. (=Kirchliche Topographie, I/7/2, Wien 1828.&lt;br /&gt;
* GRAF, Walter, Stifts- und Dommusik in St. Pölten, in: Die Domorgel. Festschrift anläßlich der Weihe der Domorgel zu St. Pölten, St. Pölten o. J. (1973), 6-26.&lt;br /&gt;
* GUTKAS, Karl, Werden und Wesen der Stadt St. Pölten, St. Pölten, 4. Aufl. 1980 (1. Aufl. 1970).&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer, der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* HERRMANN, August, Geschichte der Stadt St. Pölten, 2 Bde., St. Pölten 1917–1930.&lt;br /&gt;
* HORN, Sonja, Des Propstes heilkundlicher Schatz. Medizinische Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts in der Bibliothek des ehem. Augustiner-Chorherrenstiftes St. Pölten, St. Pölten 2002 (=Beiträge zur Kirchengeschichte Niederösterreichs 9).&lt;br /&gt;
* HÜBL, Richard, Die Gegenreformation in St. Pölten, St. Pölten 1966.&lt;br /&gt;
* KARAS, Josef, Der Dom zu St. Pölten. Ein Führer durch seine Geschichte und Kunst, St. Pölten 1935.&lt;br /&gt;
* DERS., Eine kunstgeschichtliche Führung durch den oberen Kreuzgang im Bistumsgebäude, in: Der Traisengau (1935/36), 121–131.&lt;br /&gt;
* KARL, Thomas, Zur historischen und städtebaulichen Entwicklung St. Pöltens vom frühen Mittelalter bis zur beginnenden Stadterweiterung um 1850, in: Österr. Kunsttopographie Bd. LIV. Die Kunstdenkmäler der Stadt St. Pölten, Horn 1999, LXIII–LXXXV.&lt;br /&gt;
* KRONBICHLER, Johann u. Susanne, Diözesanmuseum St. Pölten, Katalog der ausgestellten Objekte, St. Pölten 1984.&lt;br /&gt;
* DIES., 100 Jahre Diözesanmuseum St. Pölten 1888–1988, Sonderausst. 1988, St. Pölten 1988.&lt;br /&gt;
* LUTZ, Volker, Stadt und Herrschaft St. Pölten 1491–1785, St. Pölten 1975.&lt;br /&gt;
* ÖSTERREICHISCHE KUNSTTOPOGRAPHIE Bd. LIV, Die Kunstdenkmäler der Stadt St. Pölten und ihrer eingemeindeten Ortschaften, Horn 1999.&lt;br /&gt;
* SACKEN, Eduard, Archäologische Wegweiser durch Niederösterreich, Wien 1878.&lt;br /&gt;
* SCHRAGL, Friedrich, Glaubensspaltung in Niederösterreich, Wien 1973.&lt;br /&gt;
* DERS., Kirchen und Kapellen im mittelalterlichen St. Pölten, in: Juste, pie, fortiter, Festschrift für Bischof Franz Zak, St. Pölten-Wien 1981, 146-167.&lt;br /&gt;
* WEIGL, Hans, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich I (Wien 1964), 210.&lt;br /&gt;
* WINNER, Gerhard, Das Diözesanarchiv St. Pölten. Behörden und Institutionen, ihre Geschichte und Bestände, St. Pölten 1959.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Diözesanbibliothek in St. Pölten, in: Österreichische Zeitschriftf. Kunst u. Denkmalpflege XXI (1967), 155-163.&lt;br /&gt;
* DERS ., Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien, Wien-München 1967.&lt;br /&gt;
* DERS., St. Pöltner Zehentbesitz im südöstlichen Waldviertel und in der Wachau, in: Das Waldviertel 18 (1969), 272–277.&lt;br /&gt;
* DERS., Zur Bibliotheksgeschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Pölten, in: Translatio Studii, Collegeville Minnesota 1973, 48–74.&lt;br /&gt;
* WODKA, Josef, Personalgeschichtliche Studien über das ehemalige Chorherrenstift St. Pölten, in: Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXVIII (1939–43), 148–206.&lt;br /&gt;
* DERS., Das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift St. Pölten, in: Beiträge zur Stadtgeschichtsforschung. Festschrift der Stadtgemeinde St. Pölten, hrsg. anlässlich der 800-Jahrfeier der Verleihung des ersten Stadtrechtes, St. Pölten 1959, 156–198.&lt;br /&gt;
* DERS., Das Nekrologium des einstigen Chorherrenstiftes St. Pölten als Geschichtsquelle, Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXXVI (1964), 48–57.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift St. Pölten</title>
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		<updated>2022-07-15T15:45:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Wirtschaftliche Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1083&lt;br /&gt;
|Datum bis=1784&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau, seit 1785 Diözese St. Pölten&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Treisma (799), Treisma ad monasterium Sti Ypoliti (976), Treisima civitas monasterii Sti Ypoliti (985/991), abbatiaad Sanctum Yppolitum (ca 1030), Sand Pelten (1297), Sand Polten (1344). Die römische Stadt trug den Namen Aelium Cetium.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Hippolyt (976), ab 11./12. Jhd. zusätzlich Petrus, Stefan und Paul, später auch Maria&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Landeshauptstadt von Niederösterreich, 60 km westlich von Wien, Stadt mit eigenem Statut. Ursprünglich in der karolingischen, nach 955 ottonischen Mark gelegen, Markgrafschaft Österreich, seit 1156 Herzogtum (1422 Erzherzogtum) Österreich unter der Enns; seit 1920 Bundesland Niederösterreich.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Geschichte vor den Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Das römische Municipium Aelium Cetium, in dem nach seiner Passio der hl. Florian 303/304 im Exil weilte, ging bald nach 400 in den Wirren der Völkerwanderung unter und wird auch in der &amp;quot;Vita Severini&amp;quot; nicht mehr erwähnt. Entsprechend erbrachten die Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte keine Römerfunde aus dem 5. Jahrhundert, wohl aber Zeichen der Zerstörung. Das Gebiet zwischen Enns und Wienerwald dürfte von 500 an kaum besiedelt gewesen sein und stand unter dem Einfluss der Awaren. Mit dem Awarenkrieg Karls des Großen von 791 wurde das Gebiet bis zur Raab wieder dem christlichen Westen eingegliedert. Es folgte bayrische, aber auch slawische Besiedlung. In St. Pölten soll es bald zu einer Klostergründung gekommen sein. Allerdings gibt es auch eine Tradition, die Propst [[Christoph Müller von Prankenheim]] (1688–1715) populär machte. Demnach wurde in St. Pölten durch die beiden adeligen Brüder Adalbert und Ottokar bereits 746 ein Kloster errichtet. Wahr daran ist, dass sie Tegernsee gegründet haben. Wahrscheinlich haben sie durch ihre Beziehungen zu Abt Fulrad von St. Denis Hippolytreliquien erhalten, die sie nach Tegernsee stifteten. Auch 764 wurde als Gründungsjahr angegeben (H. Löwe 1937), doch dürfte dies eher auf großdeutsche Überlegungen zurückgehen. Vor 791 ist eine Klostergründung in Niederösterreich nicht denkbar. Es ist zu vermuten, dass sich das Kloster Tegernsee, das zu den wohlhabendsten gehörte, mit entsprechenden Truppen am Awarenkrieg beteiligte und von Karl dem Großen wie andere auch mit Gütern an der Traisen belohnt wurde. Tegernsee errichtete hier wohl eine Zelle, die dann später Abtei genannt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Errichtung eines Klosters dürfte vor 840 geschehen sein, da dann Tegernsee Passauer Eigenkloster wurde. Vermutlich hatte Passau bereits vorher Besitz in St. Pölten. Die Schenkung der Martinskirche in Linz wurde 799 in Treisma getätigt, was für Passauer Besitz in St. Pölten spricht. Die erste sichere Nennung eines Klosters in St. Pölten geht auf eine Urkunde Kaiser Ottos II. aus dem Jahr 976 zurück. Darin bestätigt er dem Passauer Bischof seine Besitzungen, unter anderem &amp;quot;Treisma ad monasterium sancti Ypoliti.&amp;quot; Ebenso bestätigt Herzog Heinrich (der Zänker) in einem Weistum, das in die Jahre 985/991 datiert wird, dem Passauer Bischof unter anderen Besitzungen &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;deinde Treisimarn civitatem monasterii sancti Ypoliti martiris, ea integritate ut quondam beate memorie Adalbertus episcopus (946–970/971) sub Purchardo marchione (955–976) in sua tenuit vestitura et quemadmodum carta legali affirmatione antiquitus roborata et in publico recitata designabat.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Wie weit es sich dabei um ein bestehendes Kloster oder nur um einen Rechtstitel handelt, sei dahingestellt. Jedenfalls weisen die Ansprüche Tegernsees aus dem 11. Jahrhundert darauf hin, dass wir es ursprünglich mit einer Tegernseer Gründung zu tun haben. Denn in den Tegernseer Güterverzeichnissen wird auch St. Pölten als entfremdetes Gut bezeichnet, so um 1020 und um 1060, das der Passauer Bischof innehabe. Nun wurde das Kloster Tegernsee erst 978 reaktiviert. Es besteht also kein Zweifel, dass St. Pölten im 9. Jahrhundert von Tegernsee aus als Benediktinerkloster gegründet wurde. Ja, es besteht die berechtigte Meinung, dass St. Pölten auch an der Mission im Großmährischen Reich tätig war, wie das Hippolytpatrozinium in Neutra und Znaim-Pöltenberg nahelegt. Ob es den Magyareneinfall überstanden hat, ist ungewiss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weltliches Kollegiatstift===&lt;br /&gt;
Im 11. Jahrhundert kam es jedenfalls zu einer Neuorganisation des Klosters. Im Nekrolog St. Pöltens werden die Bischöfe Berengar (1013–1045) und Eigilbert (1045/1046–1065) als &amp;quot;fundatores&amp;quot; des Klosters bezeichnet. Damals dürfte es zur Umwandlung des Klosters in ein weltliches Chorherrenstift gekommen sein, was durchaus im Trend der Zeit lag (vgl. Ardagger). Den genannten Bischöfen verdankte auch das Kloster die Verleihung seiner ersten Pfarren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Von der Reformtätigkeit Bischof Altmanns von Passau (1065–1091) war auch das Eigenkloster St. Pölten berührt. Ab 1081 stattete er seine Stiftung Göttweig aus. Dies geschah unter anderem auf Kosten der Pfarre St. Pölten, die Teile an die an Göttweig gekommenen Pfarren Kilb und Pyhra verlor. Vermutlich erst nach 1083 wurden in St. Pölten regulierte Kanoniker eingeführt. Dies geschah gegen den Willen der dortigen Kanoniker, wie aus der &amp;quot;Vita sancti Altmanni&amp;quot; hervorgeht. Die St. Pöltner Kanoniker dürften mit ihrem kaiserlich gesinnten Vogt Walchun von Perg im Investiturstreit zu Kaiser Heinrich IV. gehalten haben. Altmann besetzte St. Pölten also mit regulierten Kanonikern vermutlich aus St. Nikola bei Passau. Neuer Propst wurde [[Egilbert]], der auch zweimal als Archipresbyter bezeichnet wird. Doch blieb die Kontinuität im Kloster gewahrt, wie das besondere Gedächtnis an Kaiser Heinrich IV. und dessen Mutter Agnes beweist. Von früheren Pröpsten ist allerdings keiner namentlich nachweisbar. Auch der Ausbau des Klosters wahrte die Kontinuität: für 1065 und 1150 sind Kirchweihen überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Verhältnis zu den Passauer Bischöfen===&lt;br /&gt;
Schon Kaiser Heinrich III. oder Heinrich IV. hatte die Kanonie mit den Marktrechten in St. Pölten ausgestattet (1058?). Nach 1121 bestätigte der Passauer Bischof diese Rechte. Kennzeichnend blieb das ganze Mittelalter das Nebeneinander von Klosterbesitz und den Besitzungen der Passauer Bischöfe in St. Pölten. Diese besaßen in St. Pölten auch ein eigenes Haus, das sie bei ihren Österreichbesuchen als Nebenresidenz benutzten. Mehrfach hielten sie hier auch Diözesansynoden (1284, 1294) ab. 1159 verlieh Bischof Konrad von Passau den St. Pöltner Bürgern bestimmte Rechte (Freiheit von Ordalien), die als ältestes Stadtrecht in Österreich gelten. Die Ummauerung der Stadt erfolgte allerdings erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Kloster gegenüber verhielten sich die Bischöfe meist großzügig. So gab Bischof Konrad 1159 dem Stift die Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Bruck an der Leitha (hl. Martin, nach 1529 Dreifaltigkeit)|Bruck an der Leitha]], Bischof Wolfger (1191–1204) übergab dem Kloster sein Haus, damit es den vierten Teil des Kreuzganges fertigstellen könne. Vermutlich lag dieses mit seiner Maximilianskapelle an der unteren Landstraße (Wienerstraße), wo später die Franziskaner ihr Kloster hatten (heute Priesterseminar). 1213 inkorporierten sie die Klosterpfarre &amp;quot;pleno iure&amp;quot; dem Stift. Bischof Otto von Lonsdorf (1254–1265) weilte häufig in St. Pölten und stellte hier mehr als 30 Urkunden aus. Zu Spannungen kam es wegen der Gemengelage von bischöflichem und klösterlichem Besitz in der Stadt, vor allem aber um die Rechte am bedeutenden Markt. Unter Propst [[Ulrich Feyertager]] (1360–1369) wurde 1365/67 ein Ausgleich zwischen Bischof und Kloster erzielt. Dieses verzichtete auf allen Besitz in der Stadt mit Ausnahme des Klosterviertels und bekam dafür als Entschädigung Zehente in der Umgebung und die bedeutende Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Hürm (hl. Stephanus)|Hürm]]. Bischof Georg von Hohenlohe residierte 1390 bis 1393 in St. Pölten, da ihm seine Bischofsstadt wegen der zwiespältigen Bischofsswahl nicht zugänglich war. Damit begann aber auch das Ende der Passauer Herrschaft in St. Pölten. Bereits 1389 musste die Stadt wegen Schulden erstmals an die Wallseer verpfändet werden, 1481 schließlich dem in Niederösterreich eingefallenen Ungarnkönig Matthias Corvinus. Nach dessen Tod 1490 eroberte König Maximilian Niederösterreich rasch zurück, behielt sich aber St. Pölten. Der Passauer Bischof konnte wegen Geldmangels die Pfandschaft nicht einlösen. So blieb die Stadt bis 1918 landesfürstlich. Für das Kloster bedeutete dies ein Ende der Streitigkeiten mit dem Bischof, hatte dieser doch nur mehr die geistliche Jurisdiktion inne. Allerdings gab es in Hinkunft die üblichen Reibereien mit der Stadtverwaltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
Ab dem 12. Jahrhundert kam es zum Ausbau des Klosters. 1150 ist ein Kirchweihdatum überliefert. Bereits 1133 wurde eine Leutkirche auf dem heutigen Domplatz konsekriert, deren Fundamente 1994 ergraben wurden. Die Andreaskapelle über dem Karner (ebenfalls auf dem Domplatz) wird erstmals 1179 erwähnt. Vor 1140 wurde das Hospital mit der Ägydiuskirche errichtet; als Weihedatum der Kirche wird 1130 angeführt. Eine Jakobuskapelle in der Infirmerie wurde 1184 geweiht. Ebenfalls bereits im 12. Jahrhundert bestand ein Konversenhaus für Frauen, da &amp;quot;moniales de S. Yppoliti&amp;quot; im Nekrolog von St. Andrä erwähnt werden. 1302 erhielt dieses &amp;quot;domus sororum&amp;quot; die Margaretenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1209 wurden in der Sakristei (wohl anlässlich eines Umbaus) Reliquien unbekannter Heiliger gefunden, was zu einer kurzfristigen Wallfahrt nach St. Pölten führte; es wurde auch ein Mirakelbuch angelegt. Einen Höhepunkt erreichte diese Bautätigkeit in der Weihe des Klosters (wohl dem Charakter nach eher eine Kirchweihe) durch Bischof Gebhard im Jahr 1228. Den Übergang von den Babenbergern zu den Habsburgern schafft das Stift ohne größere Probleme. Noch 1248 erhält es durch Bischof Rudger eine Bestätigung seiner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 14. Jahrhundert brachte dem Stift unter den Pröpsten [[Dietmar von Rohr]] (1332–1359) und [[Ulrich Feyertager]] (1360–1369) eine wirtschaftliche Blüte: Es kam zum Ausgleich mit dem Passauer Bischof bezüglich der Besitzungen in der Stadt, zum Erwerb der Pfarre Retz, die zu einer der stärksten wirschaftlichen Stützen des Klosters wurde, aber auch zu bedenklichen personellen und wirtschaftlichen Verknüpfungen mit den Angehörigen der Pröpste. 1358 wütete ein Großbrand. Die Leutkirche auf dem Freithof (Domplatz) wurde vergrößert wieder aufgebaut, wie die Ausgrabungen von 1994 nachwiesen. Propst Ulrich erwarb eine Reihe von Gütern, so den Ansitz Friesing, die Feste Hagenstein, Burg Fridau, Innerkasten, Schwabegg, Rennersdorf und Inning, wobei allerdings unklar bleibt, inwieweit dies auch private Erwerbungen der Familie der Feyertager waren. Damals grassierte immer wieder die Pest, wodurch die Güter oft billig zu erwerben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert wurde St. Pölten über Wittingau (Trebon) von der Raudnitzer Reform erfasst, auf die 1410 auch die Gründung der Augustinerpropstei Dürnstein zurückgeht. Gemeinsam mit dem [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] beteiligte es sich 1414 an der Besiedlung des [[Stift St. Dorothea in Wien|Augustinerklosters St. Dorothea in Wien]]. Das 15. Jahrhundert war eine Blütezeit für die Kanonie, auch wenn es mehrfach kriegerische Ereignisse brachte. So wurde 1424 durch die Hussiten die Stadt Retz zerstört und die Umgebung verwüstet. 1481 bis 1490 besetzten die Ungarn die Stadt. Den großen Stadtbrand von 1474 schildert ein zeitgenössischer Bericht, der auch eine Darstellung der Baulichkeiten des damaligen Stiftes bringt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Dy selb prunst und feur hot verprennt ... das closter der chorherrn mit dem ziegelhoff, dem phister (Bäckerei), und müll, mayrhoff, städeln, marstall, viehstall, kasten, zwei pad der herren im closter und des brobst, werichhaus der zimmerleut, pinthaus, obleyhaus, spital (das spätere Bürgerspital) mit aller zugehörung und zimmer, stall, stadl, pad kasten daselbs; item der chorherrn siechhaus (Infirmerie im Kloster), der jungkherrn schlaffhaus ganz und gar, der herrn schlaffhaus ain teil in ziegeldach, das dach vor dem refät (Refektorium), des dechants heüsl, das secret, der zynein knopf aus dem münster, des Heil. Geist kirchen, des kastner und schaffner zimmer, das schenkh haus das man heißt in dem Lüeglein; St. Margarethn das dach (Kirche der Chorfrauen), das dach auf dem korner (Karner), das dach und heusel in dem gusterhof, die schuel, messnerheusl, das kirchengässel, ...&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Die Schäden müssen enorm gewesen sein, so musste die Spitalskirche in der Unteren Landstraße (Wiener Straße) neu errichtet werden. Die Baulast für die Erneuerung des Kremserturmes und der Befestigungen bis zum Wiener Tor fiel dem Stift zu. Die Behebung der Schäden dauerte bis nach 1500.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die lange Krise===&lt;br /&gt;
Einem neuerlichen Stadtbrand fielen 1512 die Westfassade mit den beiden Türmen und offensichtlich auch die Sakristei zum Opfer. Letzteres geht aus einer Bischofsurkunde von 1513 hervor. Demnach gewährte Bischof Wiguleus Fröschl dem Konvent die Erlaubnis, anstatt der bisherigen Almuzien aus schwarzem Lammfell solche aus billigeren Eichhornfellen zu tragen. Von der Doppelturmanlage wurde nur mehr der Südturm wiederhergestellt. Daneben gab es noch andere Gründe für den Niedergang. Da waren zunächst die Türkenkriege, die 1529 und 1532 die Stadt erreichten. Wenn auch die Stadt nicht unmittelbar betroffen war, so litten doch die stiftlichen Güter. Zusätzlich musste das Kloster die Quart und die Terz entrichten und immer wieder dem Landesfürsten Darlehen gewähren. Schon 1526 musste es Silber im Wert von 530 Mark abliefern. Schon 1525 leistete es ein Darlehen von 800 Gulden, 1537 und 1539 von 600 Gulden, und 1558 musste es den Stiftshof in Pulkau verpfänden, um ein Darlehen von 3.000 Gulden aufbringen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu kamen die relativ kurzen Amtszeiten der Pröpste, von denen drei resignierten: [[Johannes Marquard]] (1515–1530), [[Johannes Perlasreuter]] (1530–1538) und [[Martin Renhofer]] (1538–1539). Unter Propst [[Leopold Hagen]] (1539–1563) erreichte das Stift seinen Tiefpunkt. Natürlich wirkte sich für das Kloster auch das Eindringen der Reformation negativ aus, was sich besonders im Rückgang der Konventualen zeigte. Dazu starben in den Seuchenjahren 1541/42 sieben Konventualen. 1544 betrug ihre Zahl noch zwölf, 1561 waren es nur mehr sechs, 1566 vier, wobei einer sich auf der Stiftspfarre [[Retz]] befand. Ab Propst [[Georg Hueber]] (1569–1575) besserte sich die Personallage. In der Stadt kam der Protestantismus um 1560 zum Durchbruch. Gemeinsam mit dem Propst wurde der Prediger für die Frauenkirche (einstige Leutkirche auf dem jetzigen Domplatz) bestellt. Der Stadtrat machte daraus ein alleiniges Recht und bestellte protestantische Prediger. Daraufhin ließ Propst Georg die Kirche sperren. In seinem Todesjahr 1575 fand noch eine Visitation statt, die ein erfreuliches Bild zeichnete. Unter seinem Nachfolger [[Melchior Schad]] (1576–1598) schlitterte das Stift allerdings in tiefe Schulden und musste zeitweilig administriert werden. Seine Nachfolger [[Eucharius Warmuth]] (1598–1599) und [[Johannes Meringer]] (1600–1601) regierten nur wenige Monate. Unter Propst [[Johannes Metz]] (1601–1611) wurde in St. Pölten eine Visitation durch Offizial Melchior Khlesl durchgeführt. Einige Tage vor dem Tod seines Nachfolgers [[Johannes Roth]] aus Dinkelsbühl (1612–1621) kam es zu einem katastrophalen Stadtbrand, der auch das Stift schwer traf. Nach drei nur kurz regierenden Pröpsten wurde 1628 [[Wolfgang Panckhammer]] zum Propst gewählt. Er war ein frommer Mann und guter Güterverwalter, hatte aber den Konvent nicht im Griff und wurde sogar von den eigenen Chorherren mit Säbel und Pistole bedroht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Blütezeit seit Propst Fünfleutner=== &lt;br /&gt;
Erst die Visitation durch den Klosterneuburger Propst brachte eine entscheidende Wende zum Besseren. Propst [[Bernhard Enoch von Waitz|Bernhard]] von [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bot den St. Pöltnern auch einen Novizenmeister an, was vermutlich den Eintritt des [[Johannes Fünfleutner]] 1630 in das Stift zur Folge hatte. Er sollte zum bedeutendsten Propst des Stiftes werden. Fünfleutner wurde um 1589 in Schärding am Inn geboren; er war bürgerlicher Abkunft. Er erlangte den Doktorgrad der Medizin an der Universität Padua, war 1626 Dekan der medizinischen Fakultät in Wien, nahm 1628/1629 an einer kaiserlichen Gesandtschaft nach Konstantinopel teil und fungierte 1629 als Rektor der Wiener Universität (als Propst hatte er 1644 nochmals dieses Amt inne). Erst im Kloster dürfte er seine theologische Ausbildung erhalten haben. Es ist auch zu vermuten, dass er von seiner früheren Tätigkeit her ein größeres Vermögen mitbrachte. Er wurde bald Kämmerer und Stiftsdechant und nach dem Tod Panckhammers ging er siegreich aus der Neuwahl des Propstes am 17. Februar 1636 hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während seiner Tätigkeit als Propst durch 25 Jahre kam es zu 28 Neueintritten ins Kloster, wovon allerdings sieben Chorherren vor ihm starben. Bei der Neuwahl nach seinem Tod gab es immerhin 21 Konventualen. Zu seinen großen Leistungen gehörte der Neubau des Klosters. Somit entstand jenes Gebäude, das weitgehend mit dem heute noch bestehenden Bistumsgebäude identisch ist. Dies ersieht man aus einer Federzeichnung aus dem Jahr 1653, die im Diözesanmuseum aufbewahrt wird. Nur der Gästetrakt (heute Bischofstrakt) wurde im 18. Jahrhundert hinzugefügt. Er unterstützte den Wiederaufbau des Franziskanerklosters und sorgte für eine erste Barockisierung der Stiftskirche. Auf Fünfleutner geht auch die Errichtung der Kapelle zu Ehren der hl. Barbara zurück, die sich vor dem Wilhelmsburger Tor befand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Belebung der Frömmigkeit des Volkes führte er 1636 die Mariazeller Wallfahrt ein und 1646 die Manker Wallfahrt, die bis in die Gegenwart durchgeführt wird. Auf Initiative der Bürgerschaft reaktivierte er die Sebastianibruderschaft und errichtete 1646 die Rosenkranzbruderschaft, die breiten Anklang über St. Pölten hinaus fand. Fünfleutner starb am 29. Jänner 1661 im Alter von 72 Jahren. Sein Grabstein im rechten Seitenschiff der Domkirche rühmt ihn als Ratgeber dreier Kaiser, Erbhofkaplan, Rektor der Wiener Universität, Erbauer des Münsters in St. Pölten und Erneuerer des religiösen Lebens. Seine beiden Nachfolger [[Gabriel Kölsch]] (1661–1669) und [[Patrizius Zeller]] (1670–1683) konnten gut weiterarbeiten. Immerhin wurde im Stift Moraltheologie und zeitweilig auch Philosophie doziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verheerend wirkte sich der Türkeneinfall von 1683 auf die Stiftsgüter aus. Zwei Chorherren fanden als Pfarrer den Tod. Propst Zeller floh nach Linz, wo er noch im gleichen Jahr starb. Ungefähr 200 Untertanen wurden verschleppt, über 5.000 Stück Vieh geraubt und 120 Häuser verbrannt oder geplündert. Die Kirchen in Weißenkirchen an der Perschling, Obergrafendorf und St. Georgen am Steinfeld und die Pfarrhöfe in Kasten und Gerersdorf wurden beschädigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur kurz währte die Amtszeit von Propst [[Hieronymus Griesmayr]] (1683–1688). Mit Propst [[Christoph Müller]] von Prankenheim (1688–1715) kam wiederum eine energische Persönlichkeit an die Spitze der Kanonie. Er ließ den Kirchturm erhöhen und in seine heutige Form bringen. Auch schaffte er ein neues Geläute an, das noch weitgehend erhalten ist. Er war auch auf die Vergrößerung des Stiftsbesitzes bedacht. So erwarb er die Ochsenburg für das Stift zurück, kaufte den Schwaighof südlich der Stadt und ließ ihn künstlerisch ausstatten. Ebenso erneuerte er den Lesehof in Joching in der Wachau und den Stiftshof in Pulkau. Doch war er auch wissenschaftlich tätig und verfasste eine Stiftsgeschichte, die dann in Werken von Duellius und Maderna Eingang fand. Unter Propst Christoph fand eine Änderung der Kleidung der Chorherren statt. Anstatt Weiß wurde nunmehr Schwarz getragen, was sich allerdings schon früher abgezeichnet hatte. Zu seinem Nachfolger wurde der 34-jährige aus Melk stammende [[Michael Führer]] gewählt. Beim Tod seines Vorgängers wurden 115.500 Gulden Schulden festgestellt, denen allerdings 50.000 Gulden Aktiva gegenüberstanden. Auf Grund der prekären Lage musste Führer versprechen, die Gebäude zu erhalten und nur notwendige Neubauten zu errichten, sowie die Konventualen bei wichtigeren Angelegenheiten zu konsultieren. Ringsum hatte der &amp;quot;Bauwurm&amp;quot; die Prälaten erfasst. So entwarf Führer auch einen Plan zur Barockisierung der Stiftskirche, wahrscheinlich auf Pläne Prandtauers zurückgehend, der auf hohem Niveau verwirklicht wurde. Auch in den Stiftspfarren wurde gebaut und in Nutzbauten in den Weinbaugebieten investiert. Wegen der hohen Auslagen kam es 1722 zu einer Revolte im Konvent. Einige Chorherren richteten eine Klageschrift an die Regierung, in der dem Propst Verschleuderung des Stiftsgutes vorgeworfen wurde. Propst Führer, der durchaus auch Anhänger im Konvent hatte, rechtfertigte sich: Gerade der Weinbau sei für das Stift wichtig, bestehe doch das Haupteinkommen des Stiftes aus dem Weinbau und Weinzehent. Zudem zahle man für den Eimer Grinzinger zehn Gulden, während der aus anderen Lagen nur die Hälfte erbringe. Er verteidigte auch seine Bautätigkeit und die Anschaffung von Chorgestühl und neuer Orgel für die Kirche; zugleich verwies er auf die notwendige, aber teure Gastlichkeit. Die Regierung nahm diese Rechtfertigung zur Kenntnis. Führer fühlte sich gestärkt. So setzte er die Theologieprofessoren ab und schickte die Kleriker zum Studium zu den Franziskanern. Auch den anderen Opponenten entzog er ihre Funktionen und forderte strikten Gehorsam. 1722 bis 1725 war Führer einer der zwei Vertreter des niederösterreichischen Prälatenstandes im niederösterreichischen Landtag, und 1725 bis 1728 gehörte er dem Verordnetenkollegium des Landtages an. Da er meist in Wien wohnte, kaufte er für das Stift das Haus Krugerstraße 5 und ließ es renovieren, was den Schuldenstand noch erhöhte. Nach seiner Rückkehr aus Wien widmete er sich erneut der Bautätigkeit, sollte doch die Barockisierung der Stiftskirche zum Tausendjahrjubiläum des Klosters im Jahr 1740 vollendet sein. Aber auch außerhalb der Stadt ließ er die stiftlichen Gebäude erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Stift selbst begann er 1727 mit dem Ausbau der Bibliothek und dem Neubau eines Gartenhauses. 1735 kam es zur Neueinwölbung der Stiftskirche, in der Folge wurde ihre Einrichtung geschaffen. Auf Führer geht auch die Prälatenstiege und der neue Gästetrakt (heute Bischofstrakt) im Nordosten zurück, ebenso das neue untere Tor (heute Bischofstor).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1737 wurde mit [[Hippolyt Wolff]] durch die Kapitularen ein neuer Dechant gewählt, der schon länger zu den Opponenten Führers gehört hatte. Nachdem er sich einen Einblick in die finanzielle Situation verschafft hatte, erhob er Anklage gegen den Propst: Dieser habe gegen 200.000 Gulden illegal Schulden gemacht. Diesmal griff der Kaiser durch den Klosterrat entschieden ein. Führer wurde 1739 seines Amtes enthoben. Untersuchungen brachten Schulden von etwa 380.000 Gulden zum Vorschein. Davon hatte er 181.000 mit dem gefälschten Konventsiegel und etwa 60.000 Gulden allein auf seinen Namen aufgenommen. Der Propst musste das Kloster verlassen und wurde auf der Ochsenburg, im [[Stift St. Florian]] und dann in Korneuburg interniert. Während des Baierneinfalls 1741 tauchte er wieder im Kloster auf, musste aber dann 1742 bis zu seinem Tod 1745 in Bruck an der Leitha leben. Die Mehrheit der Kanoniker und auch die Stadtbevölkerung blieb ihm treu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Ausklang===&lt;br /&gt;
Nach dem Abgang Führers wurde das Stift administriert. Dechant Wolff hatte keine glückliche Hand. Sein Nachfolger, der Klosterneuburger Chorherr [[Bernhard Paul]] (Administrator 1741–1747), konnte den Schuldenstand zwar etwas reduzieren, hatte aber mit dem zerstrittenen Konvent seine Not. Nun wurde wiederum Wolff bestellt (1747–1753), der aber zahlreiche Gegner hatte. Erst unter [[Matthis Alteneder]] kam das Kloster in ruhigere Bahnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sich die Schulden auf 222.000 Gulden vermindert hatten, wurde 1755 eine neue Propstwahl gestattet. Gewählt wurde Alteneder, der bis zu seinem Tod 1779 den Schuldenberg auf 34.790 Gulden reduzieren konnte. Auch unter seinem Nachfolger [[Ildephons Schmidbauer]] (1779–1784) hielt die positive Entwicklung an. Zur Zeit der Klosteraufhebung waren nur 15.000 Gulden Passiva gegeben. Auch der Personalstand war mit 32 bzw. 37 Mitgliedern erfreulich. Man kann mit Recht von einer späten Blüte des Klosters sprechen. Das Stift fand sein Ende nicht wegen Missständen oder Misswirtschaft, es fiel vielmehr den Diözesanplänen Kaiser Josephs II. zum Opfer. Dieser befahl am 9. Juni 1784 die Aufhebung des Klosters, die am 1. Juli vollzogen wurde. Schmidbauer wurde an der ehemaligen Domkirche in Wiener Neustadt Propsteipfarrer (verstorben 1791). Die Klostermitglieder traten in den Dienst der Diözesen St. Pölten und Wien. Am 25. Jänner 1847 starb als letzter ehemaliger St. Pöltner Chorherr [[Andreas Malachias Spitzl]], Pfarrer und Dechant in Bruck an der Leitha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Über die Wirtschaftsgeschichte liegen bisher keine gründlichen Untersuchungen vor. Es gibt keine Gründungsurkunde und keine frühen Urbare. Dagegen ist der Besitzstand aus der Zeit der Aufhebung bekannt. Demnach lag St. Pölten nach den Großklöstern Klosterneuburg, Melk und Göttweig, wenn auch mit Abstand, an etwa vierter Stelle. Eine Urkunde Papst Alexanders III. (1159–1181) nahm das Stift mit seinen Besitzungen in Schutz. Darin werden zunächst alle dem Stift gehörigen Kirchen aufgezählt: St. Pölten (mit dem Marktrecht), [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Böheimkirchen (hl. Jakobus)|Böheimkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Kapelln (hl. Petronilla)|Kapelln]] mit den dazugehörigen Kirchen Weißenkirchen, Katzenberg, Haselbach, Würmla und Murstetten, die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#St. Christophen (hl. Christophorus, auch hl. Bartholomäus)|St. Christophen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Bruck an der Leitha (hl. Martin, nach 1529 Dreifaltigkeit)|Bruck a. d. Leitha]]. In der Pfarre St. Michael in der Wachau der halbe Zehent, in Pulkau und Zellerndorf der Drittelzehent, in Nalb und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Retz (hl. Stephanus)|Retz]] der halbe Zehent. Dann folgt die Aufzählung der Lehen und Huben des Stiftes. Die lagen zumeist in der weiteren Umgebung von St. Pölten. Weiter entfernt waren Besitzungen in Pillichsdorf, Ollersdorf und Waltersdorf. Davon gehen die drei Pfarren Böheimkirchen, Kapelln und St. Christophen auf eine Schenkung Bischof Berengars (1013–1045) zurück. Die Pfarre Bruck gab 1159 Bischof Konrad dem Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Urkunde Bischof Rudigers von 1248 bringt ähnlich der Papsturkunde eine Aufzählung des Klosterbesitzes. Zunächst werden auch hier die Pfarren mit ihren exempten und nichtexempten Filialen aufgezählt: Bruck (Wilfleinsdorf, Arbesthal, Göttlesbrunn und die Nikolauskapelle in der Stadt), Kapelln (Jeutendorf, Weißenkirchen und Katzenberg), Böheimkirchen (Außer- und Innerkasten, Lanzendorf, Schildberg und Stössing), St. Christophen (Brand und Seebach), St. Pölten (Ober- und Unterpottenbrunn, Schlosskapelle Viehofen, Obergrafendorf, Weinburg, Haindorf, Kapelle Markersdorf, Hafnerbach, Schlosskapelle Pielach, Kapelle Karlstetten, Kapelle St. Georgen am Steinfeld). Als wesentlicher Zehentbesitz werden angeführt: St. Michael in der Wachau, Kottes, Meisling, Pulkau, Retz, Nalb, Mautern, Weiten und Melk jenseits der Donau. Der Hausbesitz wird detaillierter als in der Papsturkunde angegeben. Das Stift besaß damals etwa 350 dienstpflichtige Häuser. Der Schwerpunkt der Besitzungen lag zwischen Pielach und Perschling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Schwerpunkte waren die Weingärten im Tullnerfeld (Amt Königstetten) und in Grinzing, deren Wein sich gut verkaufen ließ. Weitere größere Besitzungen gab es im Marchfeld (Ulrichskirchen); aber auch die Weingüter um Pulkau und Retz waren für das Stift bedeutsam. Ein weiteres Weinbaugebiet war in der Wachau (Joching), wo das Stift den Weinzehent, aber auch Eigengüter besaß. In der Umgebung von St. Pölten erwarb das Stift 1366 die Herrschaft Kasten, 1383 das kleine Gut Ochsenburg und bekam 1398 endgültig die Pfarre Hürm mit ihren Zehenten, nachdem es drei Viertel der Stadt an den Passauer Bischof abgetreten hatte. Natürlich ging auch immer wieder Besitz verloren oder wurde abgetauscht. Im Großen und Ganzen aber blieb der wichtigere Besitz konstant. Erst in der Neuzeit kamen einige Neuerwerbungen dazu. Bei der Inventarisierung anlässlich der Aufhebung des Stiftes 1784 ergab sich folgendes Bild. Das Gesamtvermögen wurde auf 518.033 Gulden berechnet, das jährliche Einkommen mit etwa 40.000 Gulden taxiert, womit das Stift zur begüterteren Hälfte der niederösterreichischen Klöster gehörte. Der Stiftsbesitz setzte sich zusammen aus der Stiftsherrschaft St. Pölten, den Herrschaften Hürm, Kasten, Retz (mit Pulkau), Ochsenburg, dem Freihof Harthof und dem Schwaighof. Dazu gehörten außerdem das Pfarrgut Bruck a. d. Leitha und das Haus in Wien Krugerstraße, das Propst Führer 1726 von den Tullner Dominikanerinnen erworben hatte. Die engere Stiftsherrschaft umfasste den stiftlichen Meierhof von St. Pölten mit 85 Joch Acker, 528 Joch Waldungen, 55 Joch Auen und 20 Joch Viehweide. Dazu gehörten die Lesehöfe in Grinzing mit 40 Viertel, mit 93 Viertel in Joching und 30 Viertel in Loiben, und in Königstetten mit 35 Viertel Weingärten, weiters 474 untertänige Häuser, von denen sich 41 in der Stadt befanden. Der meiste Zehentbesitz lag in den Pfarren St. Pölten, Pyhra, Böheimkirchen und Kapelln sowie in der Wachau (Weinzehent). Die Herrschaft Hürm besaß 48 Untertanen, Kasten 126, Retz mit dem Freihof Pulkau 100, die Herrschaft Ochsenburg (1699 wieder erworben) 50, der Harthof (1662 erworben) neun. Das Pfarrgut Bruck hatte 18 Untertanen und einige Weingärten im Joiser- und Neusiedlergebirge in Ungarn. Aus diesem doch recht ansehnlichen Wirtschaftskörper (ausgenommen das Gut Retz) wurde das Religionsfondsgut St. Pölten gebildet, das dann auch das Patronat über die ehemaligen Klosterpfarren bis 1938/39 innehatte. Allerdings waren bis zu dieser Zeit bereits zahlreiche Stücke veräußert worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das (Augustiner-) Chorherrenstift St. Pölten war immer ein Eigenkloster der Passauer Bischöfe. Ihnen stand daher auch die Obervogtei zu. Im 11. und 12. Jahrhundert hatten die Hochfreien von Perg, Verschwägerte der Babenberger, die Vogtei inne. Sie wird erstmals in einem Weistum um 1125 erwähnt, wobei es vor allem um die Marktrechte ging, die dem Kloster bereits 1058 oder früher (also vor Einführung der regulierten Chorherren) durch Kaiser Heinrich III. oder IV. gewährt worden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1150 entzog Herzog Heinrich von Bayern (in Österreich Markgraf Heinrich II. Jasomirgott) dieses Recht und zwar auf Bitten seines Bruders Konrads, des Bischofs von Passau, und übergab die Vogtei dem Bischof. Doch bald übernahmen sie die Babenberger selbst (und später die Habsburger) als Lehen des Bischofs. Problematisch blieb lange Zeit das Verhältnis zum Passauer Bischof, der ja die Oberhoheit in der Stadt besaß, obwohl er nur einen Teil der Häuser innehatte. Zu einem Ausgleich kam es erst 1367, als das Stift auf die Marktrechte und Zölle und alle Häuser mit Ausnahme die des Klosterviertels verzichtete. Die Spannungen verlagerten sich nun auf das Verhältnis zur Stadt, da das Kloster auch ein Viertel der Stadtmauer zu erhalten hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intensiver wurde der Einfluss des Landesfürsten im 16. Jahrhundert, als König Ferdinand Klostervisitationen vornehmen ließ und der Landesfürst ab 1568 durch den Klosterrat unmittelbar Einfluss auf das Klosterleben ausübte. Für Außenbesitzungen gab es wenig belegte Untervögte. Eine eigenartige Beziehung bestand zum Kollegiatstift Marz(-Hierpach) im damaligen Ungarn, das um 1220 durch die Familie Osl gegründet worden sein dürfte. Dafür stellte das Stift St. Pölten mehrere Pröpste, wie aus dem Nekrolog hervorgeht, wo sie als &amp;quot;fratres&amp;quot;, also als Konventmitglieder, bezeichnet werden. Eine Ernennungsurkunde aus dem Jahr 1295 hat sich erhalten. 1438 verzichtet der St. Pöltner Propst auf das Ernennungsrecht und erlaubte der Gemeinde und den Pfarrleuten, den Propst von Marz selbst zu wählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Über die Herkunft der St. Pöltner Kanoniker vor 1080 gibt es keine Auskunft. Die ersten Augustinerpröpste entstammten wahrscheinlich dem höheren Adel, wie etwa der spätere Passauer Bischof [[Reginbert]] (1138–1147), der vorher Propst in St. Pölten war. Ansonsten gehörten die meisten Chorherren dem niederen Adel an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert verstärkte sich der Anteil der Bürgerlichen vor allem aus Wien, Tulln und Wiener Neustadt. Ausländer, wie etwa Propst [[Johannes Moravus]] (1370–1372), finden sich selten. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mehren sich Eintritte aus Bayern und Vorderösterreich. Im 17. und 18. Jahrhundert überwogen wieder die Eintritte aus der näheren und weiteren Umgebung. Darunter waren auch immer wieder Nobilierte. Eine erste Aufzählung des Konvents gibt es um 1190, als zehn Chorherren angeführt werden; der Zusatz &amp;quot;et ceteri fratres&amp;quot; weist auf mehr hin. Exakter wird die Anzahl der Chorherren erstmals in einer Urkunde von 1259 mit zwölf Priestern ohne Propst angeführt. 1273 bestand der Konvent aus 14 Priestern und einer nicht genannten Zahl von Klerikern mit niederen Weihen und Konversen. Die Zahl dürfte weiter gestiegen sein, da Herzog Albrecht III. 1380 die Höchstzahl der Klosterinsassen mit 24 festlegte. Im 15. Jahrhundert waren es zwischen 15 und 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krise des 16. Jahrhunderts wirkte sich in St. Pölten aus. Zwar verließ nur ein Chorherr den geistlichen Stand, doch machte sich der Mangel an Nachwuchs bemerkbar. Zudem starben 1541/42 sieben Mitglieder an der Seuche, sodass 1544 der Konvent nur mehr aus zwölf Mitgliedern bestand. Im Haus lebten sechs Priester und zwei Kleriker, auf den Stiftspfarren wirkten vier Priester. Von 1561 bis etwa 1590 betrug die Zahl meist nur vier bis sechs. Um 1600 aber waren es bereits zehn. 1611 und 1623 gab es zwölf Wahlberechtigte. Unter Propst Fünfleutner nahm der Konvent endlich einen Aufschwung; bei seinem Tod 1661 war der Konvent auf 21 gestiegen und erreichte 1675 sogar 30. Bei der Propstwahl von 1715 waren 24 Konventualen stimmberechtigt. Um 1740 gab es etwa 30, im Jahr der Aufhebung 1784 32 Konventualen. Im Mittelalter war offensichtlich das Institut der Konversen von größerer Bedeutung. Im Nekrolog werden 104 angeführt; ihre Zahl dürfte aber höher gewesen sein. Davon gehören etwa zehn noch dem 12. Jahrhundert an. Ebenfalls zehn gehören dem beginnenden 14. Jahrhundert an. Dann bricht die Institution ab. Im Nekrolog werden 85 weibliche Konversen angeführt, wobei unklar bleibt, wie weit es sich um Mitglieder des Frauenkonvents handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Es wurden bisher keinerlei Reste aus der Karolingerzeit gefunden. Für die Stiftskirche sind Weihedaten zu 1065, 1150 und 1228 überliefert. Eine weitere Weihe dürfte um 1280 stattgefunden haben. Von der ältesten Kirche sind an der Nordmauer auf der Kreuzgangseite romanische Fenster zu sehen. Der jetzige Kirchenbau geht wohl auf den Beginn des 13. Jahrhunderts zurück. Dagegen dürfte die Doppelturmanlage der Westfassade älter sein. Das alte Aussehen der Kirche ist noch in der Rosenkranzkapelle erhalten, die zwei Joche des rechten Seitenschiffs umfasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1512 wurde der Nordturm nur mehr bis zur Höhe das Daches wiederhergestellt, der Südturm wurde 1560 aber höher als bisher ausgebaut und erhielt 1693 seine heutige Form. Der Plan zu einer barocken Scheinfassade mit dem Südturm als Zentrum kam nicht zur Ausführung. Im Inneren bewahrt die Kirche die dreischiffige romanische Anlage, wurde aber im 18. Jahrhundert vollständig barockisiert. Eine erste barocke Einrichtung erhielt die Kirche unter Propst Fünfleutner; 1648 wurden fünf Seitenaltäre geweiht und 1658 durch Tobias Pock das Hochaltarbild geschaffen, das einzig erhaltene Stück dieser Phase. Propst Führer führte unter Leitung von Jakob Prandtauer und Josef Munggenast eine radikale Neugestaltung durch. Die Kirche wurde barock gewölbt und die romanischen Pfeiler mit Stuckmarmor verkleidet. Freskenmaler waren Thomas Friedrich Gedon, Antonio Tassi, Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte. Der Hochaltar ist eigentlich nur eine Wandgliederung mit dem alten Maria-Himmelfahrtsbild von Pock. An den Seitenaltären arbeiteten prominente Künstler wie Jakob Ch. Schletterer (Kreuzaltar) mit, der auch die zwei Sandsteinreliefs in den Seitenschiffen schuf. Die Altarbilder stammen zumeist von Daniel Gran. Die St. Pöltner Kunsthandwerker Hippolyt Nallenburg und Peter Widerin schufen die Kanzel und das Chorgestühl. Bemerkenswert sind auch die Beichtstühle. Von den Grabdenkmälern sei nur auf das Fünfleutners im rechten Seitenschiff verwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kirche wurde seit ihrer Fertigstellung um 1747 kaum verändert. Neu ist das Denkmal für Bischof Kerens. 1856/58 mussten die Plastiken des Hochaltars erneuert werden. Der Volksaltar stammt von 1983. Das Stiftsgebäude wurde nach dem Brand von 1621 in frühbarocker Form bis 1650 praktisch neu errichtet, auch wenn die alte Anlage drei Höfe gehabt haben dürfte. Der Kreuzganghof wurde vergrößert. Der Brunnenhof dürfte die alte Substanz behalten haben. Der Binderhof blieb zwar in der Gestalt gleich, doch bekam er eine neue Funktion. Statt Getreidespeicher und Binderei wurden Wohnungen für die Domherren und Büros für die Bistumsverwaltung geschaffen. Weitere Änderungen im Inneren gab es unter Propst Müller, unter dem die beiden Sakristeien und das Oratorium ausgebaut wurden. Unter Propst Führer kam es zum Bau des Gäste(Bischofs-)trakts und des dorthin führenden Stiegenhauses  mit dem qualitätvollen Sandsteinrelief sowie zur Ausgestaltung der Bibliotheksräume, die unvollendet blieben; weiters ließ er das Einfahrtstor an der Ostseite errichten (1908 zurückversetzt) sowie 1726 das Gartenhaus. Einzelne Reste erinnern an die ältere Klosteranlage. So einige romanische Bögen im Brunnenhof und am Domplatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgrabungen brachten im Kreuzganghof und unter der Domherrensakristei (1949, 1980, 1982) die Heilig-Geist-Kapelle und den alten Kapitelsaal mit zwei Altären zum Vorschein. Das alte Refektorium wurde etwas südlich vom jetzigen Sommerrefektorium ergraben; es dürfte schon im 15. Jahrhundert abgekommen sein. Aus der Zeit des Chorherrenstiftes stammen noch einige liturgische Geräte und Paramente. Zwei Monstranzen aus dem 18. Jahrhundert, ein Ziborium von 1608, eine Reihe von Kelchen, wovon der älteste von 1479 (?) stammt, ein anderer von 1524, und einige weitere aus der Barockzeit. Unter den Reliquiaren ist ein Kreuzreliquiar aus dem frühen 15. Jahrhundert von besonderer Bedeutung. Von den Ornaten seien der 1726 durch Propst Führer um 12.000 Gulden angeschaffte rote Ornat und der Altenederornat von 1760 erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Über der Geschichte der Bibliothek waltete kein guter Stern. Zwar dürfte um 1200 die Wissenschaftspflege im Kloster geblüht haben, wie auch aus der späteren &amp;quot;Vita Altmanni&amp;quot; hervorgeht, doch hat sich nicht allzuviel erhalten. Ab 1200 werden immer wieder &amp;quot;scholastici&amp;quot; erwähnt. Die meiste Information liefert der Bibliothekskatalog des Albert Maderna von 1761. Die ältesten Handschriften betreffen Bibel und Liturgie. Ein Missale (Hs. 14) reicht in das frühe 13. Jahrhundert zurück, ebenso zwei Lektionare (Hs. 60 und 41). Unter Propst [[Heinrich]] (1252–1268) wurden zahlreiche Handschriften aus Passau zum Kopieren entlehnt, die vor allem kanonistischen Inhalt hatten. Die St. Pöltner Pröpste waren häufig als delegierte Richter tätig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts bestand eine Buchmalschule, wenn auch auf bescheidenem Niveau. In diesem und dem folgenden Jahrhundert kam es offensichtlich zu einem Aufschwung der Wissenschaftspflege. Beigetragen dazu hat die enge Verbindung mit der Wiener Universität ab 1380. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts dürfte die Bibliothek etwa 200 Handschriften und 220 Frühdrucke umfasst haben. Von den Handschriften sind nur mehr 80 erhalten, von den Frühdrucken etwa 140. Abgesehen von den liturgischen Büchern waren Handschriften mit Ketten befestigt und lagen auf Pulten. Die Spuren davon sind noch zu sehen. Vermutlich befand sich die Bibliothek oberhalb der Sakristei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1439 kam es zur Stiftung von 100 Pfund für die Einrichtung der Bibliothek, wohl zur Anschaffung der Pulte. Nach dem Neubau wird 1653 die Bibliothek im Bereich des heutigen Dompfarramts ausgewiesen. Vor 1722 begann Propst Führer mit dem Ausbau der Bibliothek und deren kostbarer Ausschmückung, die aber nie vollendet wurde. Als Freskanten waren Paul Troger und Daniel Gran tätig. Das 16. Jahrhundert bringt nur wenig Nachrichten zur Bibliothek. Ein Umschwung setzte mit Propst Fünfleutner (1636–1661) ein, der von seiner früheren Tätigkeit als Professor für Medizin vor allem medizinische Werke mitbrachte. Seit etwa 1660 wurde im Kloster auch Theologie doziert, was zur Vermehrung der theologischen Werke führte. Mit [[Raimund Duellius]] (1693–1769) trat erstmals ein hauptberuflicher Bibliothekar in Erscheinung. Ihm folgte [[Albert Maderna]] (1703–1780), der eine Neuaufstellung der Bibliothek vornahm und 1756 dazu auch einen Katalog herausgab. Bei der Inventarisierung des Klostervermögens 1784 wird die Bibliothek nur summarisch erwähnt. Sie ging 1785 in den Besitz der neu gegründeten Diözese über und wurde Grundstock der Diözesanbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Bereits 1250 wird von einer Devastierung bei den Klosterurkunden berichtet. Wohl deswegen kam es zur Anlegung von Kopialbüchern. Nach der Krise des 16. Jahrhunderts brachte der historisch interessierte Propst Müller (verstorben 1716) das Archiv wieder in Ordnung. Aber zwischen 1725 und 1846 gab es große Verluste. Eine gewisse Schuld dürfte beim Stiftsmitglied Raimund Duellius gelegen sein, der für sein Werk &amp;quot;Excerpta genealogico-historica saec. XII., XIII., XIV., XV., XVI&amp;quot; 325 Urkunden behandelte, von denen heute nur mehr 42 Stück erhalten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Franzoseneinfall 1741 wurde das Archiv neuerlich in Unordnung gebracht. Mit der Aufhebung des Stiftes fiel das Archiv in den Wirkungskreis der Kameraladministration, der auch das Religionsfondsgut St. Pölten unterstellt war. Bei der Übernahme dürften die Akten und Kanzleiregistraturen als wertlos vernichtet worden sein. Erhalten blieben sechs Kopialbücher, einige Urbare und Grundbücher, 266 Urkunden und einige Akten. Davon gelangten fünf Kopialbücher und die anderen Stücke 1848 an das Staatsarchiv. 1860 bzw. 1862 und sogar noch 1934 kamen weitere neun Handschriften (Kopial-, Gerichts-, Lehen- und Dienstbücher) dorthin. Im Diözesanarchiv St. Pölten befinden sich nur ein Karton Akten, zehn Urkunden und sieben Bücher aus dem Klosterbestand, weiters das Archiv des Gutes Ochsenburg. Zur Erforschung der Klostergeschichte müssen also Bezugsarchive herangezogen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* BÜTTNER, Rudolf, Aelium Cetium. Das Fortleben seines Namens im Mittelalter, in: Jahreshefte des Österr. Archäologischen lnstituts 40 (1953), Beibl. Sp. 185 ff. &lt;br /&gt;
* DERS., Propst Ulrich Feyertager. Seine Burgen und deren Geschichte, in: Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXXVI (1964), 155-183.&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich südlich der Donau, Tl. 2, Horn/Wien 2003.&lt;br /&gt;
* DONIN, Richard Kurt, Der mittelalterliche Bau des Domes zu St. Pölten. Ein Beitrag zur Geschichte der romanischen Baukunst in Wien und Niederösterreich, in: Mitteilungen f. Geschichte d. Stadt Wien XII (1932), 163.&lt;br /&gt;
* FAHRNGRUBER, Johann, Aus St. Pölten. Bilder und Erinnerungen, St. Pölten 1885.&lt;br /&gt;
* FASCHING, Heinrich, Auseinandersetzung zwischen Konvent und Propst im Stift St. Pölten 1722, in: Hippolytus N.F. 6 (1984), 3-59. * DERS ., Dom und Stift St. Pölten und ihre Kunstschätze, St. Pölten-Wien 1985. Darin Beiträge von: SCHRAGL, Friedrich, Geschichte des Stiftes St. Pölten, 16-49; SCHWARZ, Mario, Die Architektur der mittelalterlichen Klosterkirche, 50-70; WUHR, Clara Bettina, Archäologische Ausgrabungen im Kreuzgang, 71-76; ZORRI, Wilhelm, Der Neubau des Klosters in der Barockzeit, 77-91; PÜHRINGER-ZWANOWETZ, Leonore, Die Barockisierung der Stiftskirche, 92-96; KRONBICHLER, Johann, Die künstlerische Ausstattung von Dom und Stift, 97–125.&lt;br /&gt;
* DERS., Propst Johann Michael Führer von St. Pölten. Absetzung und letzte Lebensjahre (1739–1745), St. Pölten 1991 (=4. Beiheft zu Hippolytus N.F.).&lt;br /&gt;
* FRAST, Johann, Historische und topographische Darstellung von St. Pölten und seiner Umgegend etc. (=Kirchliche Topographie, I/7/2, Wien 1828.&lt;br /&gt;
* GRAF, Walter, Stifts- und Dommusik in St. Pölten, in: Die Domorgel. Festschrift anläßlich der Weihe der Domorgel zu St. Pölten, St. Pölten o. J. (1973), 6-26.&lt;br /&gt;
* GUTKAS, Karl, Werden und Wesen der Stadt St. Pölten, St. Pölten, 4. Aufl. 1980 (1. Aufl. 1970).&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer, der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* HERRMANN, August, Geschichte der Stadt St. Pölten, 2 Bde., St. Pölten 1917–1930.&lt;br /&gt;
* HORN, Sonja, Des Propstes heilkundlicher Schatz. Medizinische Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts in der Bibliothek des ehem. Augustiner-Chorherrenstiftes St. Pölten, St. Pölten 2002 (=Beiträge zur Kirchengeschichte Niederösterreichs 9).&lt;br /&gt;
* HÜBL, Richard, Die Gegenreformation in St. Pölten, St. Pölten 1966.&lt;br /&gt;
* KARAS, Josef, Der Dom zu St. Pölten. Ein Führer durch seine Geschichte und Kunst, St. Pölten 1935.&lt;br /&gt;
* DERS., Eine kunstgeschichtliche Führung durch den oberen Kreuzgang im Bistumsgebäude, in: Der Traisengau (1935/36), 121–131.&lt;br /&gt;
* KARL, Thomas, Zur historischen und städtebaulichen Entwicklung St. Pöltens vom frühen Mittelalter bis zur beginnenden Stadterweiterung um 1850, in: Österr. Kunsttopographie Bd. LIV. Die Kunstdenkmäler der Stadt St. Pölten, Horn 1999, LXIII–LXXXV.&lt;br /&gt;
* KRONBICHLER, Johann u. Susanne, Diözesanmuseum St. Pölten, Katalog der ausgestellten Objekte, St. Pölten 1984.&lt;br /&gt;
* DIES., 100 Jahre Diözesanmuseum St. Pölten 1888–1988, Sonderausst. 1988, St. Pölten 1988.&lt;br /&gt;
* LUTZ, Volker, Stadt und Herrschaft St. Pölten 1491–1785, St. Pölten 1975.&lt;br /&gt;
* ÖSTERREICHISCHE KUNSTTOPOGRAPHIE Bd. LIV, Die Kunstdenkmäler der Stadt St. Pölten und ihrer eingemeindeten Ortschaften, Horn 1999.&lt;br /&gt;
* SACKEN, Eduard, Archäologische Wegweiser durch Niederösterreich, Wien 1878.&lt;br /&gt;
* SCHRAGL, Friedrich, Glaubensspaltung in Niederösterreich, Wien 1973.&lt;br /&gt;
* DERS., Kirchen und Kapellen im mittelalterlichen St. Pölten, in: Juste, pie, fortiter, Festschrift für Bischof Franz Zak, St. Pölten-Wien 1981, 146-167.&lt;br /&gt;
* WEIGL, Hans, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich I (Wien 1964), 210.&lt;br /&gt;
* WINNER, Gerhard, Das Diözesanarchiv St. Pölten. Behörden und Institutionen, ihre Geschichte und Bestände, St. Pölten 1959.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Diözesanbibliothek in St. Pölten, in: Österreichische Zeitschriftf. Kunst u. Denkmalpflege XXI (1967), 155-163.&lt;br /&gt;
* DERS ., Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien, Wien-München 1967.&lt;br /&gt;
* DERS., St. Pöltner Zehentbesitz im südöstlichen Waldviertel und in der Wachau, in: Das Waldviertel 18 (1969), 272–277.&lt;br /&gt;
* DERS., Zur Bibliotheksgeschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Pölten, in: Translatio Studii, Collegeville Minnesota 1973, 48–74.&lt;br /&gt;
* WODKA, Josef, Personalgeschichtliche Studien über das ehemalige Chorherrenstift St. Pölten, in: Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXVIII (1939–43), 148–206.&lt;br /&gt;
* DERS., Das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift St. Pölten, in: Beiträge zur Stadtgeschichtsforschung. Festschrift der Stadtgemeinde St. Pölten, hrsg. anlässlich der 800-Jahrfeier der Verleihung des ersten Stadtrechtes, St. Pölten 1959, 156–198.&lt;br /&gt;
* DERS., Das Nekrologium des einstigen Chorherrenstiftes St. Pölten als Geschichtsquelle, Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXXVI (1964), 48–57.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift St. Pölten</title>
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		<updated>2022-07-15T15:23:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Der Ausklang */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1083&lt;br /&gt;
|Datum bis=1784&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau, seit 1785 Diözese St. Pölten&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Treisma (799), Treisma ad monasterium Sti Ypoliti (976), Treisima civitas monasterii Sti Ypoliti (985/991), abbatiaad Sanctum Yppolitum (ca 1030), Sand Pelten (1297), Sand Polten (1344). Die römische Stadt trug den Namen Aelium Cetium.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Hippolyt (976), ab 11./12. Jhd. zusätzlich Petrus, Stefan und Paul, später auch Maria&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Landeshauptstadt von Niederösterreich, 60 km westlich von Wien, Stadt mit eigenem Statut. Ursprünglich in der karolingischen, nach 955 ottonischen Mark gelegen, Markgrafschaft Österreich, seit 1156 Herzogtum (1422 Erzherzogtum) Österreich unter der Enns; seit 1920 Bundesland Niederösterreich.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Geschichte vor den Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Das römische Municipium Aelium Cetium, in dem nach seiner Passio der hl. Florian 303/304 im Exil weilte, ging bald nach 400 in den Wirren der Völkerwanderung unter und wird auch in der &amp;quot;Vita Severini&amp;quot; nicht mehr erwähnt. Entsprechend erbrachten die Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte keine Römerfunde aus dem 5. Jahrhundert, wohl aber Zeichen der Zerstörung. Das Gebiet zwischen Enns und Wienerwald dürfte von 500 an kaum besiedelt gewesen sein und stand unter dem Einfluss der Awaren. Mit dem Awarenkrieg Karls des Großen von 791 wurde das Gebiet bis zur Raab wieder dem christlichen Westen eingegliedert. Es folgte bayrische, aber auch slawische Besiedlung. In St. Pölten soll es bald zu einer Klostergründung gekommen sein. Allerdings gibt es auch eine Tradition, die Propst [[Christoph Müller von Prankenheim]] (1688–1715) populär machte. Demnach wurde in St. Pölten durch die beiden adeligen Brüder Adalbert und Ottokar bereits 746 ein Kloster errichtet. Wahr daran ist, dass sie Tegernsee gegründet haben. Wahrscheinlich haben sie durch ihre Beziehungen zu Abt Fulrad von St. Denis Hippolytreliquien erhalten, die sie nach Tegernsee stifteten. Auch 764 wurde als Gründungsjahr angegeben (H. Löwe 1937), doch dürfte dies eher auf großdeutsche Überlegungen zurückgehen. Vor 791 ist eine Klostergründung in Niederösterreich nicht denkbar. Es ist zu vermuten, dass sich das Kloster Tegernsee, das zu den wohlhabendsten gehörte, mit entsprechenden Truppen am Awarenkrieg beteiligte und von Karl dem Großen wie andere auch mit Gütern an der Traisen belohnt wurde. Tegernsee errichtete hier wohl eine Zelle, die dann später Abtei genannt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Errichtung eines Klosters dürfte vor 840 geschehen sein, da dann Tegernsee Passauer Eigenkloster wurde. Vermutlich hatte Passau bereits vorher Besitz in St. Pölten. Die Schenkung der Martinskirche in Linz wurde 799 in Treisma getätigt, was für Passauer Besitz in St. Pölten spricht. Die erste sichere Nennung eines Klosters in St. Pölten geht auf eine Urkunde Kaiser Ottos II. aus dem Jahr 976 zurück. Darin bestätigt er dem Passauer Bischof seine Besitzungen, unter anderem &amp;quot;Treisma ad monasterium sancti Ypoliti.&amp;quot; Ebenso bestätigt Herzog Heinrich (der Zänker) in einem Weistum, das in die Jahre 985/991 datiert wird, dem Passauer Bischof unter anderen Besitzungen &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;deinde Treisimarn civitatem monasterii sancti Ypoliti martiris, ea integritate ut quondam beate memorie Adalbertus episcopus (946–970/971) sub Purchardo marchione (955–976) in sua tenuit vestitura et quemadmodum carta legali affirmatione antiquitus roborata et in publico recitata designabat.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Wie weit es sich dabei um ein bestehendes Kloster oder nur um einen Rechtstitel handelt, sei dahingestellt. Jedenfalls weisen die Ansprüche Tegernsees aus dem 11. Jahrhundert darauf hin, dass wir es ursprünglich mit einer Tegernseer Gründung zu tun haben. Denn in den Tegernseer Güterverzeichnissen wird auch St. Pölten als entfremdetes Gut bezeichnet, so um 1020 und um 1060, das der Passauer Bischof innehabe. Nun wurde das Kloster Tegernsee erst 978 reaktiviert. Es besteht also kein Zweifel, dass St. Pölten im 9. Jahrhundert von Tegernsee aus als Benediktinerkloster gegründet wurde. Ja, es besteht die berechtigte Meinung, dass St. Pölten auch an der Mission im Großmährischen Reich tätig war, wie das Hippolytpatrozinium in Neutra und Znaim-Pöltenberg nahelegt. Ob es den Magyareneinfall überstanden hat, ist ungewiss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weltliches Kollegiatstift===&lt;br /&gt;
Im 11. Jahrhundert kam es jedenfalls zu einer Neuorganisation des Klosters. Im Nekrolog St. Pöltens werden die Bischöfe Berengar (1013–1045) und Eigilbert (1045/1046–1065) als &amp;quot;fundatores&amp;quot; des Klosters bezeichnet. Damals dürfte es zur Umwandlung des Klosters in ein weltliches Chorherrenstift gekommen sein, was durchaus im Trend der Zeit lag (vgl. Ardagger). Den genannten Bischöfen verdankte auch das Kloster die Verleihung seiner ersten Pfarren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Von der Reformtätigkeit Bischof Altmanns von Passau (1065–1091) war auch das Eigenkloster St. Pölten berührt. Ab 1081 stattete er seine Stiftung Göttweig aus. Dies geschah unter anderem auf Kosten der Pfarre St. Pölten, die Teile an die an Göttweig gekommenen Pfarren Kilb und Pyhra verlor. Vermutlich erst nach 1083 wurden in St. Pölten regulierte Kanoniker eingeführt. Dies geschah gegen den Willen der dortigen Kanoniker, wie aus der &amp;quot;Vita sancti Altmanni&amp;quot; hervorgeht. Die St. Pöltner Kanoniker dürften mit ihrem kaiserlich gesinnten Vogt Walchun von Perg im Investiturstreit zu Kaiser Heinrich IV. gehalten haben. Altmann besetzte St. Pölten also mit regulierten Kanonikern vermutlich aus St. Nikola bei Passau. Neuer Propst wurde [[Egilbert]], der auch zweimal als Archipresbyter bezeichnet wird. Doch blieb die Kontinuität im Kloster gewahrt, wie das besondere Gedächtnis an Kaiser Heinrich IV. und dessen Mutter Agnes beweist. Von früheren Pröpsten ist allerdings keiner namentlich nachweisbar. Auch der Ausbau des Klosters wahrte die Kontinuität: für 1065 und 1150 sind Kirchweihen überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Verhältnis zu den Passauer Bischöfen===&lt;br /&gt;
Schon Kaiser Heinrich III. oder Heinrich IV. hatte die Kanonie mit den Marktrechten in St. Pölten ausgestattet (1058?). Nach 1121 bestätigte der Passauer Bischof diese Rechte. Kennzeichnend blieb das ganze Mittelalter das Nebeneinander von Klosterbesitz und den Besitzungen der Passauer Bischöfe in St. Pölten. Diese besaßen in St. Pölten auch ein eigenes Haus, das sie bei ihren Österreichbesuchen als Nebenresidenz benutzten. Mehrfach hielten sie hier auch Diözesansynoden (1284, 1294) ab. 1159 verlieh Bischof Konrad von Passau den St. Pöltner Bürgern bestimmte Rechte (Freiheit von Ordalien), die als ältestes Stadtrecht in Österreich gelten. Die Ummauerung der Stadt erfolgte allerdings erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Kloster gegenüber verhielten sich die Bischöfe meist großzügig. So gab Bischof Konrad 1159 dem Stift die Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Bruck an der Leitha (hl. Martin, nach 1529 Dreifaltigkeit)|Bruck an der Leitha]], Bischof Wolfger (1191–1204) übergab dem Kloster sein Haus, damit es den vierten Teil des Kreuzganges fertigstellen könne. Vermutlich lag dieses mit seiner Maximilianskapelle an der unteren Landstraße (Wienerstraße), wo später die Franziskaner ihr Kloster hatten (heute Priesterseminar). 1213 inkorporierten sie die Klosterpfarre &amp;quot;pleno iure&amp;quot; dem Stift. Bischof Otto von Lonsdorf (1254–1265) weilte häufig in St. Pölten und stellte hier mehr als 30 Urkunden aus. Zu Spannungen kam es wegen der Gemengelage von bischöflichem und klösterlichem Besitz in der Stadt, vor allem aber um die Rechte am bedeutenden Markt. Unter Propst [[Ulrich Feyertager]] (1360–1369) wurde 1365/67 ein Ausgleich zwischen Bischof und Kloster erzielt. Dieses verzichtete auf allen Besitz in der Stadt mit Ausnahme des Klosterviertels und bekam dafür als Entschädigung Zehente in der Umgebung und die bedeutende Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Hürm (hl. Stephanus)|Hürm]]. Bischof Georg von Hohenlohe residierte 1390 bis 1393 in St. Pölten, da ihm seine Bischofsstadt wegen der zwiespältigen Bischofsswahl nicht zugänglich war. Damit begann aber auch das Ende der Passauer Herrschaft in St. Pölten. Bereits 1389 musste die Stadt wegen Schulden erstmals an die Wallseer verpfändet werden, 1481 schließlich dem in Niederösterreich eingefallenen Ungarnkönig Matthias Corvinus. Nach dessen Tod 1490 eroberte König Maximilian Niederösterreich rasch zurück, behielt sich aber St. Pölten. Der Passauer Bischof konnte wegen Geldmangels die Pfandschaft nicht einlösen. So blieb die Stadt bis 1918 landesfürstlich. Für das Kloster bedeutete dies ein Ende der Streitigkeiten mit dem Bischof, hatte dieser doch nur mehr die geistliche Jurisdiktion inne. Allerdings gab es in Hinkunft die üblichen Reibereien mit der Stadtverwaltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
Ab dem 12. Jahrhundert kam es zum Ausbau des Klosters. 1150 ist ein Kirchweihdatum überliefert. Bereits 1133 wurde eine Leutkirche auf dem heutigen Domplatz konsekriert, deren Fundamente 1994 ergraben wurden. Die Andreaskapelle über dem Karner (ebenfalls auf dem Domplatz) wird erstmals 1179 erwähnt. Vor 1140 wurde das Hospital mit der Ägydiuskirche errichtet; als Weihedatum der Kirche wird 1130 angeführt. Eine Jakobuskapelle in der Infirmerie wurde 1184 geweiht. Ebenfalls bereits im 12. Jahrhundert bestand ein Konversenhaus für Frauen, da &amp;quot;moniales de S. Yppoliti&amp;quot; im Nekrolog von St. Andrä erwähnt werden. 1302 erhielt dieses &amp;quot;domus sororum&amp;quot; die Margaretenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1209 wurden in der Sakristei (wohl anlässlich eines Umbaus) Reliquien unbekannter Heiliger gefunden, was zu einer kurzfristigen Wallfahrt nach St. Pölten führte; es wurde auch ein Mirakelbuch angelegt. Einen Höhepunkt erreichte diese Bautätigkeit in der Weihe des Klosters (wohl dem Charakter nach eher eine Kirchweihe) durch Bischof Gebhard im Jahr 1228. Den Übergang von den Babenbergern zu den Habsburgern schafft das Stift ohne größere Probleme. Noch 1248 erhält es durch Bischof Rudger eine Bestätigung seiner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 14. Jahrhundert brachte dem Stift unter den Pröpsten [[Dietmar von Rohr]] (1332–1359) und [[Ulrich Feyertager]] (1360–1369) eine wirtschaftliche Blüte: Es kam zum Ausgleich mit dem Passauer Bischof bezüglich der Besitzungen in der Stadt, zum Erwerb der Pfarre Retz, die zu einer der stärksten wirschaftlichen Stützen des Klosters wurde, aber auch zu bedenklichen personellen und wirtschaftlichen Verknüpfungen mit den Angehörigen der Pröpste. 1358 wütete ein Großbrand. Die Leutkirche auf dem Freithof (Domplatz) wurde vergrößert wieder aufgebaut, wie die Ausgrabungen von 1994 nachwiesen. Propst Ulrich erwarb eine Reihe von Gütern, so den Ansitz Friesing, die Feste Hagenstein, Burg Fridau, Innerkasten, Schwabegg, Rennersdorf und Inning, wobei allerdings unklar bleibt, inwieweit dies auch private Erwerbungen der Familie der Feyertager waren. Damals grassierte immer wieder die Pest, wodurch die Güter oft billig zu erwerben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert wurde St. Pölten über Wittingau (Trebon) von der Raudnitzer Reform erfasst, auf die 1410 auch die Gründung der Augustinerpropstei Dürnstein zurückgeht. Gemeinsam mit dem [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] beteiligte es sich 1414 an der Besiedlung des [[Stift St. Dorothea in Wien|Augustinerklosters St. Dorothea in Wien]]. Das 15. Jahrhundert war eine Blütezeit für die Kanonie, auch wenn es mehrfach kriegerische Ereignisse brachte. So wurde 1424 durch die Hussiten die Stadt Retz zerstört und die Umgebung verwüstet. 1481 bis 1490 besetzten die Ungarn die Stadt. Den großen Stadtbrand von 1474 schildert ein zeitgenössischer Bericht, der auch eine Darstellung der Baulichkeiten des damaligen Stiftes bringt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Dy selb prunst und feur hot verprennt ... das closter der chorherrn mit dem ziegelhoff, dem phister (Bäckerei), und müll, mayrhoff, städeln, marstall, viehstall, kasten, zwei pad der herren im closter und des brobst, werichhaus der zimmerleut, pinthaus, obleyhaus, spital (das spätere Bürgerspital) mit aller zugehörung und zimmer, stall, stadl, pad kasten daselbs; item der chorherrn siechhaus (Infirmerie im Kloster), der jungkherrn schlaffhaus ganz und gar, der herrn schlaffhaus ain teil in ziegeldach, das dach vor dem refät (Refektorium), des dechants heüsl, das secret, der zynein knopf aus dem münster, des Heil. Geist kirchen, des kastner und schaffner zimmer, das schenkh haus das man heißt in dem Lüeglein; St. Margarethn das dach (Kirche der Chorfrauen), das dach auf dem korner (Karner), das dach und heusel in dem gusterhof, die schuel, messnerheusl, das kirchengässel, ...&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Die Schäden müssen enorm gewesen sein, so musste die Spitalskirche in der Unteren Landstraße (Wiener Straße) neu errichtet werden. Die Baulast für die Erneuerung des Kremserturmes und der Befestigungen bis zum Wiener Tor fiel dem Stift zu. Die Behebung der Schäden dauerte bis nach 1500.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die lange Krise===&lt;br /&gt;
Einem neuerlichen Stadtbrand fielen 1512 die Westfassade mit den beiden Türmen und offensichtlich auch die Sakristei zum Opfer. Letzteres geht aus einer Bischofsurkunde von 1513 hervor. Demnach gewährte Bischof Wiguleus Fröschl dem Konvent die Erlaubnis, anstatt der bisherigen Almuzien aus schwarzem Lammfell solche aus billigeren Eichhornfellen zu tragen. Von der Doppelturmanlage wurde nur mehr der Südturm wiederhergestellt. Daneben gab es noch andere Gründe für den Niedergang. Da waren zunächst die Türkenkriege, die 1529 und 1532 die Stadt erreichten. Wenn auch die Stadt nicht unmittelbar betroffen war, so litten doch die stiftlichen Güter. Zusätzlich musste das Kloster die Quart und die Terz entrichten und immer wieder dem Landesfürsten Darlehen gewähren. Schon 1526 musste es Silber im Wert von 530 Mark abliefern. Schon 1525 leistete es ein Darlehen von 800 Gulden, 1537 und 1539 von 600 Gulden, und 1558 musste es den Stiftshof in Pulkau verpfänden, um ein Darlehen von 3.000 Gulden aufbringen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu kamen die relativ kurzen Amtszeiten der Pröpste, von denen drei resignierten: [[Johannes Marquard]] (1515–1530), [[Johannes Perlasreuter]] (1530–1538) und [[Martin Renhofer]] (1538–1539). Unter Propst [[Leopold Hagen]] (1539–1563) erreichte das Stift seinen Tiefpunkt. Natürlich wirkte sich für das Kloster auch das Eindringen der Reformation negativ aus, was sich besonders im Rückgang der Konventualen zeigte. Dazu starben in den Seuchenjahren 1541/42 sieben Konventualen. 1544 betrug ihre Zahl noch zwölf, 1561 waren es nur mehr sechs, 1566 vier, wobei einer sich auf der Stiftspfarre [[Retz]] befand. Ab Propst [[Georg Hueber]] (1569–1575) besserte sich die Personallage. In der Stadt kam der Protestantismus um 1560 zum Durchbruch. Gemeinsam mit dem Propst wurde der Prediger für die Frauenkirche (einstige Leutkirche auf dem jetzigen Domplatz) bestellt. Der Stadtrat machte daraus ein alleiniges Recht und bestellte protestantische Prediger. Daraufhin ließ Propst Georg die Kirche sperren. In seinem Todesjahr 1575 fand noch eine Visitation statt, die ein erfreuliches Bild zeichnete. Unter seinem Nachfolger [[Melchior Schad]] (1576–1598) schlitterte das Stift allerdings in tiefe Schulden und musste zeitweilig administriert werden. Seine Nachfolger [[Eucharius Warmuth]] (1598–1599) und [[Johannes Meringer]] (1600–1601) regierten nur wenige Monate. Unter Propst [[Johannes Metz]] (1601–1611) wurde in St. Pölten eine Visitation durch Offizial Melchior Khlesl durchgeführt. Einige Tage vor dem Tod seines Nachfolgers [[Johannes Roth]] aus Dinkelsbühl (1612–1621) kam es zu einem katastrophalen Stadtbrand, der auch das Stift schwer traf. Nach drei nur kurz regierenden Pröpsten wurde 1628 [[Wolfgang Panckhammer]] zum Propst gewählt. Er war ein frommer Mann und guter Güterverwalter, hatte aber den Konvent nicht im Griff und wurde sogar von den eigenen Chorherren mit Säbel und Pistole bedroht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Blütezeit seit Propst Fünfleutner=== &lt;br /&gt;
Erst die Visitation durch den Klosterneuburger Propst brachte eine entscheidende Wende zum Besseren. Propst [[Bernhard Enoch von Waitz|Bernhard]] von [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bot den St. Pöltnern auch einen Novizenmeister an, was vermutlich den Eintritt des [[Johannes Fünfleutner]] 1630 in das Stift zur Folge hatte. Er sollte zum bedeutendsten Propst des Stiftes werden. Fünfleutner wurde um 1589 in Schärding am Inn geboren; er war bürgerlicher Abkunft. Er erlangte den Doktorgrad der Medizin an der Universität Padua, war 1626 Dekan der medizinischen Fakultät in Wien, nahm 1628/1629 an einer kaiserlichen Gesandtschaft nach Konstantinopel teil und fungierte 1629 als Rektor der Wiener Universität (als Propst hatte er 1644 nochmals dieses Amt inne). Erst im Kloster dürfte er seine theologische Ausbildung erhalten haben. Es ist auch zu vermuten, dass er von seiner früheren Tätigkeit her ein größeres Vermögen mitbrachte. Er wurde bald Kämmerer und Stiftsdechant und nach dem Tod Panckhammers ging er siegreich aus der Neuwahl des Propstes am 17. Februar 1636 hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während seiner Tätigkeit als Propst durch 25 Jahre kam es zu 28 Neueintritten ins Kloster, wovon allerdings sieben Chorherren vor ihm starben. Bei der Neuwahl nach seinem Tod gab es immerhin 21 Konventualen. Zu seinen großen Leistungen gehörte der Neubau des Klosters. Somit entstand jenes Gebäude, das weitgehend mit dem heute noch bestehenden Bistumsgebäude identisch ist. Dies ersieht man aus einer Federzeichnung aus dem Jahr 1653, die im Diözesanmuseum aufbewahrt wird. Nur der Gästetrakt (heute Bischofstrakt) wurde im 18. Jahrhundert hinzugefügt. Er unterstützte den Wiederaufbau des Franziskanerklosters und sorgte für eine erste Barockisierung der Stiftskirche. Auf Fünfleutner geht auch die Errichtung der Kapelle zu Ehren der hl. Barbara zurück, die sich vor dem Wilhelmsburger Tor befand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Belebung der Frömmigkeit des Volkes führte er 1636 die Mariazeller Wallfahrt ein und 1646 die Manker Wallfahrt, die bis in die Gegenwart durchgeführt wird. Auf Initiative der Bürgerschaft reaktivierte er die Sebastianibruderschaft und errichtete 1646 die Rosenkranzbruderschaft, die breiten Anklang über St. Pölten hinaus fand. Fünfleutner starb am 29. Jänner 1661 im Alter von 72 Jahren. Sein Grabstein im rechten Seitenschiff der Domkirche rühmt ihn als Ratgeber dreier Kaiser, Erbhofkaplan, Rektor der Wiener Universität, Erbauer des Münsters in St. Pölten und Erneuerer des religiösen Lebens. Seine beiden Nachfolger [[Gabriel Kölsch]] (1661–1669) und [[Patrizius Zeller]] (1670–1683) konnten gut weiterarbeiten. Immerhin wurde im Stift Moraltheologie und zeitweilig auch Philosophie doziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verheerend wirkte sich der Türkeneinfall von 1683 auf die Stiftsgüter aus. Zwei Chorherren fanden als Pfarrer den Tod. Propst Zeller floh nach Linz, wo er noch im gleichen Jahr starb. Ungefähr 200 Untertanen wurden verschleppt, über 5.000 Stück Vieh geraubt und 120 Häuser verbrannt oder geplündert. Die Kirchen in Weißenkirchen an der Perschling, Obergrafendorf und St. Georgen am Steinfeld und die Pfarrhöfe in Kasten und Gerersdorf wurden beschädigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur kurz währte die Amtszeit von Propst [[Hieronymus Griesmayr]] (1683–1688). Mit Propst [[Christoph Müller]] von Prankenheim (1688–1715) kam wiederum eine energische Persönlichkeit an die Spitze der Kanonie. Er ließ den Kirchturm erhöhen und in seine heutige Form bringen. Auch schaffte er ein neues Geläute an, das noch weitgehend erhalten ist. Er war auch auf die Vergrößerung des Stiftsbesitzes bedacht. So erwarb er die Ochsenburg für das Stift zurück, kaufte den Schwaighof südlich der Stadt und ließ ihn künstlerisch ausstatten. Ebenso erneuerte er den Lesehof in Joching in der Wachau und den Stiftshof in Pulkau. Doch war er auch wissenschaftlich tätig und verfasste eine Stiftsgeschichte, die dann in Werken von Duellius und Maderna Eingang fand. Unter Propst Christoph fand eine Änderung der Kleidung der Chorherren statt. Anstatt Weiß wurde nunmehr Schwarz getragen, was sich allerdings schon früher abgezeichnet hatte. Zu seinem Nachfolger wurde der 34-jährige aus Melk stammende [[Michael Führer]] gewählt. Beim Tod seines Vorgängers wurden 115.500 Gulden Schulden festgestellt, denen allerdings 50.000 Gulden Aktiva gegenüberstanden. Auf Grund der prekären Lage musste Führer versprechen, die Gebäude zu erhalten und nur notwendige Neubauten zu errichten, sowie die Konventualen bei wichtigeren Angelegenheiten zu konsultieren. Ringsum hatte der &amp;quot;Bauwurm&amp;quot; die Prälaten erfasst. So entwarf Führer auch einen Plan zur Barockisierung der Stiftskirche, wahrscheinlich auf Pläne Prandtauers zurückgehend, der auf hohem Niveau verwirklicht wurde. Auch in den Stiftspfarren wurde gebaut und in Nutzbauten in den Weinbaugebieten investiert. Wegen der hohen Auslagen kam es 1722 zu einer Revolte im Konvent. Einige Chorherren richteten eine Klageschrift an die Regierung, in der dem Propst Verschleuderung des Stiftsgutes vorgeworfen wurde. Propst Führer, der durchaus auch Anhänger im Konvent hatte, rechtfertigte sich: Gerade der Weinbau sei für das Stift wichtig, bestehe doch das Haupteinkommen des Stiftes aus dem Weinbau und Weinzehent. Zudem zahle man für den Eimer Grinzinger zehn Gulden, während der aus anderen Lagen nur die Hälfte erbringe. Er verteidigte auch seine Bautätigkeit und die Anschaffung von Chorgestühl und neuer Orgel für die Kirche; zugleich verwies er auf die notwendige, aber teure Gastlichkeit. Die Regierung nahm diese Rechtfertigung zur Kenntnis. Führer fühlte sich gestärkt. So setzte er die Theologieprofessoren ab und schickte die Kleriker zum Studium zu den Franziskanern. Auch den anderen Opponenten entzog er ihre Funktionen und forderte strikten Gehorsam. 1722 bis 1725 war Führer einer der zwei Vertreter des niederösterreichischen Prälatenstandes im niederösterreichischen Landtag, und 1725 bis 1728 gehörte er dem Verordnetenkollegium des Landtages an. Da er meist in Wien wohnte, kaufte er für das Stift das Haus Krugerstraße 5 und ließ es renovieren, was den Schuldenstand noch erhöhte. Nach seiner Rückkehr aus Wien widmete er sich erneut der Bautätigkeit, sollte doch die Barockisierung der Stiftskirche zum Tausendjahrjubiläum des Klosters im Jahr 1740 vollendet sein. Aber auch außerhalb der Stadt ließ er die stiftlichen Gebäude erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Stift selbst begann er 1727 mit dem Ausbau der Bibliothek und dem Neubau eines Gartenhauses. 1735 kam es zur Neueinwölbung der Stiftskirche, in der Folge wurde ihre Einrichtung geschaffen. Auf Führer geht auch die Prälatenstiege und der neue Gästetrakt (heute Bischofstrakt) im Nordosten zurück, ebenso das neue untere Tor (heute Bischofstor).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1737 wurde mit [[Hippolyt Wolff]] durch die Kapitularen ein neuer Dechant gewählt, der schon länger zu den Opponenten Führers gehört hatte. Nachdem er sich einen Einblick in die finanzielle Situation verschafft hatte, erhob er Anklage gegen den Propst: Dieser habe gegen 200.000 Gulden illegal Schulden gemacht. Diesmal griff der Kaiser durch den Klosterrat entschieden ein. Führer wurde 1739 seines Amtes enthoben. Untersuchungen brachten Schulden von etwa 380.000 Gulden zum Vorschein. Davon hatte er 181.000 mit dem gefälschten Konventsiegel und etwa 60.000 Gulden allein auf seinen Namen aufgenommen. Der Propst musste das Kloster verlassen und wurde auf der Ochsenburg, im [[Stift St. Florian]] und dann in Korneuburg interniert. Während des Baierneinfalls 1741 tauchte er wieder im Kloster auf, musste aber dann 1742 bis zu seinem Tod 1745 in Bruck an der Leitha leben. Die Mehrheit der Kanoniker und auch die Stadtbevölkerung blieb ihm treu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Ausklang===&lt;br /&gt;
Nach dem Abgang Führers wurde das Stift administriert. Dechant Wolff hatte keine glückliche Hand. Sein Nachfolger, der Klosterneuburger Chorherr [[Bernhard Paul]] (Administrator 1741–1747), konnte den Schuldenstand zwar etwas reduzieren, hatte aber mit dem zerstrittenen Konvent seine Not. Nun wurde wiederum Wolff bestellt (1747–1753), der aber zahlreiche Gegner hatte. Erst unter [[Matthis Alteneder]] kam das Kloster in ruhigere Bahnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sich die Schulden auf 222.000 Gulden vermindert hatten, wurde 1755 eine neue Propstwahl gestattet. Gewählt wurde Alteneder, der bis zu seinem Tod 1779 den Schuldenberg auf 34.790 Gulden reduzieren konnte. Auch unter seinem Nachfolger [[Ildephons Schmidbauer]] (1779–1784) hielt die positive Entwicklung an. Zur Zeit der Klosteraufhebung waren nur 15.000 Gulden Passiva gegeben. Auch der Personalstand war mit 32 bzw. 37 Mitgliedern erfreulich. Man kann mit Recht von einer späten Blüte des Klosters sprechen. Das Stift fand sein Ende nicht wegen Missständen oder Misswirtschaft, es fiel vielmehr den Diözesanplänen Kaiser Josephs II. zum Opfer. Dieser befahl am 9. Juni 1784 die Aufhebung des Klosters, die am 1. Juli vollzogen wurde. Schmidbauer wurde an der ehemaligen Domkirche in Wiener Neustadt Propsteipfarrer (verstorben 1791). Die Klostermitglieder traten in den Dienst der Diözesen St. Pölten und Wien. Am 25. Jänner 1847 starb als letzter ehemaliger St. Pöltner Chorherr [[Andreas Malachias Spitzl]], Pfarrer und Dechant in Bruck an der Leitha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Über die Wirtschaftsgeschichte liegen bisher keine gründlichen Untersuchungen vor. Es gibt keine Gründungsurkunde und keine frühen Urbare. Dagegen ist der Besitzstand aus der Zeit der Aufhebung bekannt. Demnach lag St. Pölten nach den Großklöstern Klosterneuburg, Melk und Göttweig, wenn auch mit Abstand, an etwa vierter Stelle. Eine Urkunde Papst Alexanders III. (1159–1181) nahm das Stift mit seinen Besitzungen in Schutz. Darin werden zunächst alle dem Stift gehörigen Kirchen aufgezählt: St. Pölten (mit dem Marktrecht), [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Böheimkirchen (hl. Jakobus)|Böheimkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Kapelln (hl. Petronilla)|Kapelln]] mit den dazugehörigen Kirchen Weißenkirchen, Katzenberg, Haselbach, Würmla und Murstetten, die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#St. Christophen (hl. Christophorus, auch hl. Bartholomäus)|St. Christophen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Bruck an der Leitha (hl. Martin, nach 1529 Dreifaltigkeit)|Bruck a. d. Leitha]]. In der Pfarre St. Michael in der Wachau der halbe Zehent, in Pulkau und Zellerndorf der Drittelzehent, in Nalb und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Retz (hl. Stephanus)|Retz]] der halbe Zehent. Dann folgt die Aufzählung der Lehen und Huben des Stiftes. Die lagen zumeist in der weiteren Umgebung von St. Pölten. Weiter entfernt waren Besitzungen in Pillichsdorf, Ollersdorf und Waltersdorf. Davon gehen die drei Pfarren Böheimkirchen, Kapelln und St. Christophen auf eine Schenkung Bischof Berengars (1013–1045) zurück. Die Pfarre Bruck gab 1159 Bischof Konrad dem Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Urkunde Bischof Rudigers von 1248 bringt ähnlich der Papsturkunde eine Aufzählung des Klosterbesitzes. Zunächst werden auch hier die Pfarren mit ihren exempten und nichtexempten Filialen aufgezählt: Bruck (Wilfleinsdorf, Arbesthal, Göttlesbrunn und die Nikolauskapelle in der Stadt), Kapelln (Jeutendorf, Weißenkirchen und Katzenberg), Böheimkirchen (Außer- und Innerkasten, Lanzendorf, Schildberg und Stössing), St. Christophen (Brand und Seebach), St. Pölten (Ober- und Unterpottenbrunn, Schlosskapelle Viehofen, Obergrafendorf, Weinburg, Haindorf, Kapelle Markersdorf, Hafnerbach, Schlosskapelle Pielach, Kapelle Karlstetten, Kapelle St. Georgen am Steinfeld). Als wesentlicher Zehentbesitz werden angeführt: St. Michael in der Wachau, Kottes, Meisling, Pulkau, Retz, Nalb, Mautern, Weiten und Melk jenseits der Donau. Der Hausbesitz wird detailierter als in der Papsturkunde angegeben. Das Stift besaß damals etwa 350 dienstpflichtige Häuser. Der Schwerpunkt der Besitzungen lag zwischen Pielach und Perschling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Schwerpunkte waren die Weingärten im Tullnerfeld (Amt Königstetten) und in Grinzing, deren Wein sich gut verkaufen ließ. Weitere größere Besitzungen gab es im Marchfeld (Ulrichskirchen); aber auch die Weingüter um Pulkau und Retz waren für das Stift bedeutsam. Ein weiteres Weinbaugebiet war in der Wachau (Joching), wo das Stift den Weinzehent aber auch Eigengüter besaß. In der Umgebung von St. Pölten erwarb das Stift 1366 die Herrschaft Kasten, 1383 das kleine Gut Ochsenburg und bekam 1398 endgültig die Pfarre Hürm mit ihren Zehenten, nachdem es drei Viertel der Stadt an den Passauer Bischof abgetreten hatte. Natürlich ging auch immer wieder Besitz verloren oder wurde abgetauscht. Im Großen und Ganzen aber blieb der wichtigere Besitz konstant. Erst in der Neuzeit kamen einige Neuerwerbungen dazu. Bei der Inventarisierung anlässlich der Aufhebung des Stiftes 1784 ergab sich folgendes Bild. Das Gesamtvermögen wurde auf 518.033 Gulden berechnet, das jährliche Einkommen mit etwa 40.000 Gulden taxiert, womit das Stift zur begüterteren Hälfte der niederösterreichischen Klöster gehörte. Der Stiftsbesitz setzte sich zusammen aus der Stiftsherrschaft St. Pölten, den Herrschaften Hürm, Kasten, Retz (mit Pulkau), Ochsenburg, dem Freihof Harthof und dem Schwaighof. Dazu gehörten außerdem das Pfarrgut Bruck a. d. Leitha und das Haus in Wien Krugerstraße, das Propst Führer 1726 von den Tullner Dominikanerinnen erworben hatte. Die engere Stiftsherrschaft umfasste den stiftlichen Meierhof zu St. Pölten mit 85 Joch Acker, 528 Joch Waldungen, 55 Joch Auen und 20 Joch Viehweide. Dazu gehörten die Lesehöfe zu Grinzing mit 40 Viertel, zu Joching &lt;br /&gt;
mit 93 Viertel zu Joching und 30 Viertel zu Loiben, und zu Königstetten mit 35 Viertel Weingärten, weiters 474 untertänige Häuser, von denen sich 41 in der Stadt befanden. Der meiste Zehentbesitz lag in den Pfarren St. Pölten, Pyhra, Böheimkirchen und Kapelln sowie in der Wachau (Weinzehent). Die Herrschaft Hürm besaß 48 Untertanen, Kasten 126, Retz mit dem Freihof Pulkau 100, die Herrschaft Ochsenburg (1699 wieder erworben) 50, der Harthof (1662 erworben) neun. Das Pfarrgut Bruck hatte 18 Untertanen und einige Weingärten im Joiser- und Neusiedlergebirge in Ungarn. Aus diesem doch recht ansehnlichen Wirtschaftskörper (ausgenommen das Gut Retz) wurde das Religionsfondsgut St. Pölten gebildet, das dann auch das Patronat über die ehemaligen Klosterpfarren bis 1938/39 innehatte. Allerdings waren bis zu dieser Zeit bereits zahlreiche Stücke veräußert worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das (Augustiner-) Chorherrenstift St. Pölten war immer ein Eigenkloster der Passauer Bischöfe. Ihnen stand daher auch die Obervogtei zu. Im 11. und 12. Jahrhundert hatten die Hochfreien von Perg, Verschwägerte der Babenberger, die Vogtei inne. Sie wird erstmals in einem Weistum um 1125 erwähnt, wobei es vor allem um die Marktrechte ging, die dem Kloster bereits 1058 oder früher (also vor Einführung der regulierten Chorherren) durch Kaiser Heinrich III. oder IV. gewährt worden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1150 entzog Herzog Heinrich von Bayern (in Österreich Markgraf Heinrich II. Jasomirgott) dieses Recht und zwar auf Bitten seines Bruders Konrads, des Bischofs von Passau, und übergab die Vogtei dem Bischof. Doch bald übernahmen sie die Babenberger selbst (und später die Habsburger) als Lehen des Bischofs. Problematisch blieb lange Zeit das Verhältnis zum Passauer Bischof, der ja die Oberhoheit in der Stadt besaß, obwohl er nur einen Teil der Häuser innehatte. Zu einem Ausgleich kam es erst 1367, als das Stift auf die Marktrechte und Zölle und alle Häuser mit Ausnahme die des Klosterviertels verzichtete. Die Spannungen verlagerten sich nun auf das Verhältnis zur Stadt, da das Kloster auch ein Viertel der Stadtmauer zu erhalten hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intensiver wurde der Einfluss des Landesfürsten im 16. Jahrhundert, als König Ferdinand Klostervisitationen vornehmen ließ und der Landesfürst ab 1568 durch den Klosterrat unmittelbar Einfluss auf das Klosterleben ausübte. Für Außenbesitzungen gab es wenig belegte Untervögte. Eine eigenartige Beziehung bestand zum Kollegiatstift Marz(-Hierpach) im damaligen Ungarn, das um 1220 durch die Familie Osl gegründet worden sein dürfte. Dafür stellte das Stift St. Pölten mehrere Pröpste, wie aus dem Nekrolog hervorgeht, wo sie als &amp;quot;fratres&amp;quot;, also als Konventmitglieder, bezeichnet werden. Eine Ernennungsurkunde aus dem Jahr 1295 hat sich erhalten. 1438 verzichtet der St. Pöltner Propst auf das Ernennungsrecht und erlaubte der Gemeinde und den Pfarrleuten, den Propst von Marz selbst zu wählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Über die Herkunft der St. Pöltner Kanoniker vor 1080 gibt es keine Auskunft. Die ersten Augustinerpröpste entstammten wahrscheinlich dem höheren Adel, wie etwa der spätere Passauer Bischof [[Reginbert]] (1138–1147), der vorher Propst in St. Pölten war. Ansonsten gehörten die meisten Chorherren dem niederen Adel an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert verstärkte sich der Anteil der Bürgerlichen vor allem aus Wien, Tulln und Wiener Neustadt. Ausländer, wie etwa Propst [[Johannes Moravus]] (1370–1372), finden sich selten. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mehren sich Eintritte aus Bayern und Vorderösterreich. Im 17. und 18. Jahrhundert überwogen wieder die Eintritte aus der näheren und weiteren Umgebung. Darunter waren auch immer wieder Nobilierte. Eine erste Aufzählung des Konvents gibt es um 1190, als zehn Chorherren angeführt werden; der Zusatz &amp;quot;et ceteri fratres&amp;quot; weist auf mehr hin. Exakter wird die Anzahl der Chorherren erstmals in einer Urkunde von 1259 mit zwölf Priestern ohne Propst angeführt. 1273 bestand der Konvent aus 14 Priestern und einer nicht genannten Zahl von Klerikern mit niederen Weihen und Konversen. Die Zahl dürfte weiter gestiegen sein, da Herzog Albrecht III. 1380 die Höchstzahl der Klosterinsassen mit 24 festlegte. Im 15. Jahrhundert waren es zwischen 15 und 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krise des 16. Jahrhunderts wirkte sich in St. Pölten aus. Zwar verließ nur ein Chorherr den geistlichen Stand, doch machte sich der Mangel an Nachwuchs bemerkbar. Zudem starben 1541/42 sieben Mitglieder an der Seuche, sodass 1544 der Konvent nur mehr aus zwölf Mitgliedern bestand. Im Haus lebten sechs Priester und zwei Kleriker, auf den Stiftspfarren wirkten vier Priester. Von 1561 bis etwa 1590 betrug die Zahl meist nur vier bis sechs. Um 1600 aber waren es bereits zehn. 1611 und 1623 gab es zwölf Wahlberechtigte. Unter Propst Fünfleutner nahm der Konvent endlich einen Aufschwung; bei seinem Tod 1661 war der Konvent auf 21 gestiegen und erreichte 1675 sogar 30. Bei der Propstwahl von 1715 waren 24 Konventualen stimmberechtigt. Um 1740 gab es etwa 30, im Jahr der Aufhebung 1784 32 Konventualen. Im Mittelalter war offensichtlich das Institut der Konversen von größerer Bedeutung. Im Nekrolog werden 104 angeführt; ihre Zahl dürfte aber höher gewesen sein. Davon gehören etwa zehn noch dem 12. Jahrhundert an. Ebenfalls zehn gehören dem beginnenden 14. Jahrhundert an. Dann bricht die Institution ab. Im Nekrolog werden 85 weibliche Konversen angeführt, wobei unklar bleibt, wie weit es sich um Mitglieder des Frauenkonvents handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Es wurden bisher keinerlei Reste aus der Karolingerzeit gefunden. Für die Stiftskirche sind Weihedaten zu 1065, 1150 und 1228 überliefert. Eine weitere Weihe dürfte um 1280 stattgefunden haben. Von der ältesten Kirche sind an der Nordmauer auf der Kreuzgangseite romanische Fenster zu sehen. Der jetzige Kirchenbau geht wohl auf den Beginn des 13. Jahrhunderts zurück. Dagegen dürfte die Doppelturmanlage der Westfassade älter sein. Das alte Aussehen der Kirche ist noch in der Rosenkranzkapelle erhalten, die zwei Joche des rechten Seitenschiffs umfasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1512 wurde der Nordturm nur mehr bis zur Höhe das Daches wiederhergestellt, der Südturm wurde 1560 aber höher als bisher ausgebaut und erhielt 1693 seine heutige Form. Der Plan zu einer barocken Scheinfassade mit dem Südturm als Zentrum kam nicht zur Ausführung. Im Inneren bewahrt die Kirche die dreischiffige romanische Anlage, wurde aber im 18. Jahrhundert vollständig barockisiert. Eine erste barocke Einrichtung erhielt die Kirche unter Propst Fünfleutner; 1648 wurden fünf Seitenaltäre geweiht und 1658 durch Tobias Pock das Hochaltarbild geschaffen, das einzig erhaltene Stück dieser Phase. Propst Führer führte unter Leitung von Jakob Prandtauer und Josef Munggenast eine radikale Neugestaltung durch. Die Kirche wurde barock gewölbt und die romanischen Pfeiler mit Stuckmarmor verkleidet. Freskenmaler waren Thomas Friedrich Gedon, Antonio Tassi, Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte. Der Hochaltar ist eigentlich nur eine Wandgliederung mit dem alten Maria-Himmelfahrtsbild von Pock. An den Seitenaltären arbeiteten prominente Künstler wie Jakob Ch. Schletterer (Kreuzaltar) mit, der auch die zwei Sandsteinreliefs in den Seitenschiffen schuf. Die Altarbilder stammen zumeist von Daniel Gran. Die St. Pöltner Kunsthandwerker Hippolyt Nallenburg und Peter Widerin schufen die Kanzel und das Chorgestühl. Bemerkenswert sind auch die Beichtstühle. Von den Grabdenkmälern sei nur auf das Fünfleutners im rechten Seitenschiff verwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kirche wurde seit ihrer Fertigstellung um 1747 kaum verändert. Neu ist das Denkmal für Bischof Kerens. 1856/58 mussten die Plastiken des Hochaltars erneuert werden. Der Volksaltar stammt von 1983. Das Stiftsgebäude wurde nach dem Brand von 1621 in frühbarocker Form bis 1650 praktisch neu errichtet, auch wenn die alte Anlage drei Höfe gehabt haben dürfte. Der Kreuzganghof wurde vergrößert. Der Brunnenhof dürfte die alte Substanz behalten haben. Der Binderhof blieb zwar in der Gestalt gleich, doch bekam er eine neue Funktion. Statt Getreidespeicher und Binderei wurden Wohnungen für die Domherren und Büros für die Bistumsverwaltung geschaffen. Weitere Änderungen im Inneren gab es unter Propst Müller, unter dem die beiden Sakristeien und das Oratorium ausgebaut wurden. Unter Propst Führer kam es zum Bau des Gäste(Bischofs-)trakts und des dorthin führenden Stiegenhauses  mit dem qualitätvollen Sandsteinrelief sowie zur Ausgestaltung der Bibliotheksräume, die unvollendet blieben; weiters ließ er das Einfahrtstor an der Ostseite errichten (1908 zurückversetzt) sowie 1726 das Gartenhaus. Einzelne Reste erinnern an die ältere Klosteranlage. So einige romanische Bögen im Brunnenhof und am Domplatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgrabungen brachten im Kreuzganghof und unter der Domherrensakristei (1949, 1980, 1982) die Heilig-Geist-Kapelle und den alten Kapitelsaal mit zwei Altären zum Vorschein. Das alte Refektorium wurde etwas südlich vom jetzigen Sommerrefektorium ergraben; es dürfte schon im 15. Jahrhundert abgekommen sein. Aus der Zeit des Chorherrenstiftes stammen noch einige liturgische Geräte und Paramente. Zwei Monstranzen aus dem 18. Jahrhundert, ein Ziborium von 1608, eine Reihe von Kelchen, wovon der älteste von 1479 (?) stammt, ein anderer von 1524, und einige weitere aus der Barockzeit. Unter den Reliquiaren ist ein Kreuzreliquiar aus dem frühen 15. Jahrhundert von besonderer Bedeutung. Von den Ornaten seien der 1726 durch Propst Führer um 12.000 Gulden angeschaffte rote Ornat und der Altenederornat von 1760 erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Über der Geschichte der Bibliothek waltete kein guter Stern. Zwar dürfte um 1200 die Wissenschaftspflege im Kloster geblüht haben, wie auch aus der späteren &amp;quot;Vita Altmanni&amp;quot; hervorgeht, doch hat sich nicht allzuviel erhalten. Ab 1200 werden immer wieder &amp;quot;scholastici&amp;quot; erwähnt. Die meiste Information liefert der Bibliothekskatalog des Albert Maderna von 1761. Die ältesten Handschriften betreffen Bibel und Liturgie. Ein Missale (Hs. 14) reicht in das frühe 13. Jahrhundert zurück, ebenso zwei Lektionare (Hs. 60 und 41). Unter Propst [[Heinrich]] (1252–1268) wurden zahlreiche Handschriften aus Passau zum Kopieren entlehnt, die vor allem kanonistischen Inhalt hatten. Die St. Pöltner Pröpste waren häufig als delegierte Richter tätig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts bestand eine Buchmalschule, wenn auch auf bescheidenem Niveau. In diesem und dem folgenden Jahrhundert kam es offensichtlich zu einem Aufschwung der Wissenschaftspflege. Beigetragen dazu hat die enge Verbindung mit der Wiener Universität ab 1380. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts dürfte die Bibliothek etwa 200 Handschriften und 220 Frühdrucke umfasst haben. Von den Handschriften sind nur mehr 80 erhalten, von den Frühdrucken etwa 140. Abgesehen von den liturgischen Büchern waren Handschriften mit Ketten befestigt und lagen auf Pulten. Die Spuren davon sind noch zu sehen. Vermutlich befand sich die Bibliothek oberhalb der Sakristei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1439 kam es zur Stiftung von 100 Pfund für die Einrichtung der Bibliothek, wohl zur Anschaffung der Pulte. Nach dem Neubau wird 1653 die Bibliothek im Bereich des heutigen Dompfarramts ausgewiesen. Vor 1722 begann Propst Führer mit dem Ausbau der Bibliothek und deren kostbarer Ausschmückung, die aber nie vollendet wurde. Als Freskanten waren Paul Troger und Daniel Gran tätig. Das 16. Jahrhundert bringt nur wenig Nachrichten zur Bibliothek. Ein Umschwung setzte mit Propst Fünfleutner (1636–1661) ein, der von seiner früheren Tätigkeit als Professor für Medizin vor allem medizinische Werke mitbrachte. Seit etwa 1660 wurde im Kloster auch Theologie doziert, was zur Vermehrung der theologischen Werke führte. Mit [[Raimund Duellius]] (1693–1769) trat erstmals ein hauptberuflicher Bibliothekar in Erscheinung. Ihm folgte [[Albert Maderna]] (1703–1780), der eine Neuaufstellung der Bibliothek vornahm und 1756 dazu auch einen Katalog herausgab. Bei der Inventarisierung des Klostervermögens 1784 wird die Bibliothek nur summarisch erwähnt. Sie ging 1785 in den Besitz der neu gegründeten Diözese über und wurde Grundstock der Diözesanbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Bereits 1250 wird von einer Devastierung bei den Klosterurkunden berichtet. Wohl deswegen kam es zur Anlegung von Kopialbüchern. Nach der Krise des 16. Jahrhunderts brachte der historisch interessierte Propst Müller (verstorben 1716) das Archiv wieder in Ordnung. Aber zwischen 1725 und 1846 gab es große Verluste. Eine gewisse Schuld dürfte beim Stiftsmitglied Raimund Duellius gelegen sein, der für sein Werk &amp;quot;Excerpta genealogico-historica saec. XII., XIII., XIV., XV., XVI&amp;quot; 325 Urkunden behandelte, von denen heute nur mehr 42 Stück erhalten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Franzoseneinfall 1741 wurde das Archiv neuerlich in Unordnung gebracht. Mit der Aufhebung des Stiftes fiel das Archiv in den Wirkungskreis der Kameraladministration, der auch das Religionsfondsgut St. Pölten unterstellt war. Bei der Übernahme dürften die Akten und Kanzleiregistraturen als wertlos vernichtet worden sein. Erhalten blieben sechs Kopialbücher, einige Urbare und Grundbücher, 266 Urkunden und einige Akten. Davon gelangten fünf Kopialbücher und die anderen Stücke 1848 an das Staatsarchiv. 1860 bzw. 1862 und sogar noch 1934 kamen weitere neun Handschriften (Kopial-, Gerichts-, Lehen- und Dienstbücher) dorthin. Im Diözesanarchiv St. Pölten befinden sich nur ein Karton Akten, zehn Urkunden und sieben Bücher aus dem Klosterbestand, weiters das Archiv des Gutes Ochsenburg. Zur Erforschung der Klostergeschichte müssen also Bezugsarchive herangezogen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* BÜTTNER, Rudolf, Aelium Cetium. Das Fortleben seines Namens im Mittelalter, in: Jahreshefte des Österr. Archäologischen lnstituts 40 (1953), Beibl. Sp. 185 ff. &lt;br /&gt;
* DERS., Propst Ulrich Feyertager. Seine Burgen und deren Geschichte, in: Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXXVI (1964), 155-183.&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich südlich der Donau, Tl. 2, Horn/Wien 2003.&lt;br /&gt;
* DONIN, Richard Kurt, Der mittelalterliche Bau des Domes zu St. Pölten. Ein Beitrag zur Geschichte der romanischen Baukunst in Wien und Niederösterreich, in: Mitteilungen f. Geschichte d. Stadt Wien XII (1932), 163.&lt;br /&gt;
* FAHRNGRUBER, Johann, Aus St. Pölten. Bilder und Erinnerungen, St. Pölten 1885.&lt;br /&gt;
* FASCHING, Heinrich, Auseinandersetzung zwischen Konvent und Propst im Stift St. Pölten 1722, in: Hippolytus N.F. 6 (1984), 3-59. * DERS ., Dom und Stift St. Pölten und ihre Kunstschätze, St. Pölten-Wien 1985. Darin Beiträge von: SCHRAGL, Friedrich, Geschichte des Stiftes St. Pölten, 16-49; SCHWARZ, Mario, Die Architektur der mittelalterlichen Klosterkirche, 50-70; WUHR, Clara Bettina, Archäologische Ausgrabungen im Kreuzgang, 71-76; ZORRI, Wilhelm, Der Neubau des Klosters in der Barockzeit, 77-91; PÜHRINGER-ZWANOWETZ, Leonore, Die Barockisierung der Stiftskirche, 92-96; KRONBICHLER, Johann, Die künstlerische Ausstattung von Dom und Stift, 97–125.&lt;br /&gt;
* DERS., Propst Johann Michael Führer von St. Pölten. Absetzung und letzte Lebensjahre (1739–1745), St. Pölten 1991 (=4. Beiheft zu Hippolytus N.F.).&lt;br /&gt;
* FRAST, Johann, Historische und topographische Darstellung von St. Pölten und seiner Umgegend etc. (=Kirchliche Topographie, I/7/2, Wien 1828.&lt;br /&gt;
* GRAF, Walter, Stifts- und Dommusik in St. Pölten, in: Die Domorgel. Festschrift anläßlich der Weihe der Domorgel zu St. Pölten, St. Pölten o. J. (1973), 6-26.&lt;br /&gt;
* GUTKAS, Karl, Werden und Wesen der Stadt St. Pölten, St. Pölten, 4. Aufl. 1980 (1. Aufl. 1970).&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer, der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* HERRMANN, August, Geschichte der Stadt St. Pölten, 2 Bde., St. Pölten 1917–1930.&lt;br /&gt;
* HORN, Sonja, Des Propstes heilkundlicher Schatz. Medizinische Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts in der Bibliothek des ehem. Augustiner-Chorherrenstiftes St. Pölten, St. Pölten 2002 (=Beiträge zur Kirchengeschichte Niederösterreichs 9).&lt;br /&gt;
* HÜBL, Richard, Die Gegenreformation in St. Pölten, St. Pölten 1966.&lt;br /&gt;
* KARAS, Josef, Der Dom zu St. Pölten. Ein Führer durch seine Geschichte und Kunst, St. Pölten 1935.&lt;br /&gt;
* DERS., Eine kunstgeschichtliche Führung durch den oberen Kreuzgang im Bistumsgebäude, in: Der Traisengau (1935/36), 121–131.&lt;br /&gt;
* KARL, Thomas, Zur historischen und städtebaulichen Entwicklung St. Pöltens vom frühen Mittelalter bis zur beginnenden Stadterweiterung um 1850, in: Österr. Kunsttopographie Bd. LIV. Die Kunstdenkmäler der Stadt St. Pölten, Horn 1999, LXIII–LXXXV.&lt;br /&gt;
* KRONBICHLER, Johann u. Susanne, Diözesanmuseum St. Pölten, Katalog der ausgestellten Objekte, St. Pölten 1984.&lt;br /&gt;
* DIES., 100 Jahre Diözesanmuseum St. Pölten 1888–1988, Sonderausst. 1988, St. Pölten 1988.&lt;br /&gt;
* LUTZ, Volker, Stadt und Herrschaft St. Pölten 1491–1785, St. Pölten 1975.&lt;br /&gt;
* ÖSTERREICHISCHE KUNSTTOPOGRAPHIE Bd. LIV, Die Kunstdenkmäler der Stadt St. Pölten und ihrer eingemeindeten Ortschaften, Horn 1999.&lt;br /&gt;
* SACKEN, Eduard, Archäologische Wegweiser durch Niederösterreich, Wien 1878.&lt;br /&gt;
* SCHRAGL, Friedrich, Glaubensspaltung in Niederösterreich, Wien 1973.&lt;br /&gt;
* DERS., Kirchen und Kapellen im mittelalterlichen St. Pölten, in: Juste, pie, fortiter, Festschrift für Bischof Franz Zak, St. Pölten-Wien 1981, 146-167.&lt;br /&gt;
* WEIGL, Hans, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich I (Wien 1964), 210.&lt;br /&gt;
* WINNER, Gerhard, Das Diözesanarchiv St. Pölten. Behörden und Institutionen, ihre Geschichte und Bestände, St. Pölten 1959.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Diözesanbibliothek in St. Pölten, in: Österreichische Zeitschriftf. Kunst u. Denkmalpflege XXI (1967), 155-163.&lt;br /&gt;
* DERS ., Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien, Wien-München 1967.&lt;br /&gt;
* DERS., St. Pöltner Zehentbesitz im südöstlichen Waldviertel und in der Wachau, in: Das Waldviertel 18 (1969), 272–277.&lt;br /&gt;
* DERS., Zur Bibliotheksgeschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Pölten, in: Translatio Studii, Collegeville Minnesota 1973, 48–74.&lt;br /&gt;
* WODKA, Josef, Personalgeschichtliche Studien über das ehemalige Chorherrenstift St. Pölten, in: Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXVIII (1939–43), 148–206.&lt;br /&gt;
* DERS., Das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift St. Pölten, in: Beiträge zur Stadtgeschichtsforschung. Festschrift der Stadtgemeinde St. Pölten, hrsg. anlässlich der 800-Jahrfeier der Verleihung des ersten Stadtrechtes, St. Pölten 1959, 156–198.&lt;br /&gt;
* DERS., Das Nekrologium des einstigen Chorherrenstiftes St. Pölten als Geschichtsquelle, Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXXVI (1964), 48–57.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift St. Pölten</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Die Blütezeit seit Propst Fünfleutner */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1083&lt;br /&gt;
|Datum bis=1784&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau, seit 1785 Diözese St. Pölten&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Treisma (799), Treisma ad monasterium Sti Ypoliti (976), Treisima civitas monasterii Sti Ypoliti (985/991), abbatiaad Sanctum Yppolitum (ca 1030), Sand Pelten (1297), Sand Polten (1344). Die römische Stadt trug den Namen Aelium Cetium.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Hippolyt (976), ab 11./12. Jhd. zusätzlich Petrus, Stefan und Paul, später auch Maria&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Landeshauptstadt von Niederösterreich, 60 km westlich von Wien, Stadt mit eigenem Statut. Ursprünglich in der karolingischen, nach 955 ottonischen Mark gelegen, Markgrafschaft Österreich, seit 1156 Herzogtum (1422 Erzherzogtum) Österreich unter der Enns; seit 1920 Bundesland Niederösterreich.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Geschichte vor den Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Das römische Municipium Aelium Cetium, in dem nach seiner Passio der hl. Florian 303/304 im Exil weilte, ging bald nach 400 in den Wirren der Völkerwanderung unter und wird auch in der &amp;quot;Vita Severini&amp;quot; nicht mehr erwähnt. Entsprechend erbrachten die Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte keine Römerfunde aus dem 5. Jahrhundert, wohl aber Zeichen der Zerstörung. Das Gebiet zwischen Enns und Wienerwald dürfte von 500 an kaum besiedelt gewesen sein und stand unter dem Einfluss der Awaren. Mit dem Awarenkrieg Karls des Großen von 791 wurde das Gebiet bis zur Raab wieder dem christlichen Westen eingegliedert. Es folgte bayrische, aber auch slawische Besiedlung. In St. Pölten soll es bald zu einer Klostergründung gekommen sein. Allerdings gibt es auch eine Tradition, die Propst [[Christoph Müller von Prankenheim]] (1688–1715) populär machte. Demnach wurde in St. Pölten durch die beiden adeligen Brüder Adalbert und Ottokar bereits 746 ein Kloster errichtet. Wahr daran ist, dass sie Tegernsee gegründet haben. Wahrscheinlich haben sie durch ihre Beziehungen zu Abt Fulrad von St. Denis Hippolytreliquien erhalten, die sie nach Tegernsee stifteten. Auch 764 wurde als Gründungsjahr angegeben (H. Löwe 1937), doch dürfte dies eher auf großdeutsche Überlegungen zurückgehen. Vor 791 ist eine Klostergründung in Niederösterreich nicht denkbar. Es ist zu vermuten, dass sich das Kloster Tegernsee, das zu den wohlhabendsten gehörte, mit entsprechenden Truppen am Awarenkrieg beteiligte und von Karl dem Großen wie andere auch mit Gütern an der Traisen belohnt wurde. Tegernsee errichtete hier wohl eine Zelle, die dann später Abtei genannt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Errichtung eines Klosters dürfte vor 840 geschehen sein, da dann Tegernsee Passauer Eigenkloster wurde. Vermutlich hatte Passau bereits vorher Besitz in St. Pölten. Die Schenkung der Martinskirche in Linz wurde 799 in Treisma getätigt, was für Passauer Besitz in St. Pölten spricht. Die erste sichere Nennung eines Klosters in St. Pölten geht auf eine Urkunde Kaiser Ottos II. aus dem Jahr 976 zurück. Darin bestätigt er dem Passauer Bischof seine Besitzungen, unter anderem &amp;quot;Treisma ad monasterium sancti Ypoliti.&amp;quot; Ebenso bestätigt Herzog Heinrich (der Zänker) in einem Weistum, das in die Jahre 985/991 datiert wird, dem Passauer Bischof unter anderen Besitzungen &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;deinde Treisimarn civitatem monasterii sancti Ypoliti martiris, ea integritate ut quondam beate memorie Adalbertus episcopus (946–970/971) sub Purchardo marchione (955–976) in sua tenuit vestitura et quemadmodum carta legali affirmatione antiquitus roborata et in publico recitata designabat.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Wie weit es sich dabei um ein bestehendes Kloster oder nur um einen Rechtstitel handelt, sei dahingestellt. Jedenfalls weisen die Ansprüche Tegernsees aus dem 11. Jahrhundert darauf hin, dass wir es ursprünglich mit einer Tegernseer Gründung zu tun haben. Denn in den Tegernseer Güterverzeichnissen wird auch St. Pölten als entfremdetes Gut bezeichnet, so um 1020 und um 1060, das der Passauer Bischof innehabe. Nun wurde das Kloster Tegernsee erst 978 reaktiviert. Es besteht also kein Zweifel, dass St. Pölten im 9. Jahrhundert von Tegernsee aus als Benediktinerkloster gegründet wurde. Ja, es besteht die berechtigte Meinung, dass St. Pölten auch an der Mission im Großmährischen Reich tätig war, wie das Hippolytpatrozinium in Neutra und Znaim-Pöltenberg nahelegt. Ob es den Magyareneinfall überstanden hat, ist ungewiss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weltliches Kollegiatstift===&lt;br /&gt;
Im 11. Jahrhundert kam es jedenfalls zu einer Neuorganisation des Klosters. Im Nekrolog St. Pöltens werden die Bischöfe Berengar (1013–1045) und Eigilbert (1045/1046–1065) als &amp;quot;fundatores&amp;quot; des Klosters bezeichnet. Damals dürfte es zur Umwandlung des Klosters in ein weltliches Chorherrenstift gekommen sein, was durchaus im Trend der Zeit lag (vgl. Ardagger). Den genannten Bischöfen verdankte auch das Kloster die Verleihung seiner ersten Pfarren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Von der Reformtätigkeit Bischof Altmanns von Passau (1065–1091) war auch das Eigenkloster St. Pölten berührt. Ab 1081 stattete er seine Stiftung Göttweig aus. Dies geschah unter anderem auf Kosten der Pfarre St. Pölten, die Teile an die an Göttweig gekommenen Pfarren Kilb und Pyhra verlor. Vermutlich erst nach 1083 wurden in St. Pölten regulierte Kanoniker eingeführt. Dies geschah gegen den Willen der dortigen Kanoniker, wie aus der &amp;quot;Vita sancti Altmanni&amp;quot; hervorgeht. Die St. Pöltner Kanoniker dürften mit ihrem kaiserlich gesinnten Vogt Walchun von Perg im Investiturstreit zu Kaiser Heinrich IV. gehalten haben. Altmann besetzte St. Pölten also mit regulierten Kanonikern vermutlich aus St. Nikola bei Passau. Neuer Propst wurde [[Egilbert]], der auch zweimal als Archipresbyter bezeichnet wird. Doch blieb die Kontinuität im Kloster gewahrt, wie das besondere Gedächtnis an Kaiser Heinrich IV. und dessen Mutter Agnes beweist. Von früheren Pröpsten ist allerdings keiner namentlich nachweisbar. Auch der Ausbau des Klosters wahrte die Kontinuität: für 1065 und 1150 sind Kirchweihen überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Verhältnis zu den Passauer Bischöfen===&lt;br /&gt;
Schon Kaiser Heinrich III. oder Heinrich IV. hatte die Kanonie mit den Marktrechten in St. Pölten ausgestattet (1058?). Nach 1121 bestätigte der Passauer Bischof diese Rechte. Kennzeichnend blieb das ganze Mittelalter das Nebeneinander von Klosterbesitz und den Besitzungen der Passauer Bischöfe in St. Pölten. Diese besaßen in St. Pölten auch ein eigenes Haus, das sie bei ihren Österreichbesuchen als Nebenresidenz benutzten. Mehrfach hielten sie hier auch Diözesansynoden (1284, 1294) ab. 1159 verlieh Bischof Konrad von Passau den St. Pöltner Bürgern bestimmte Rechte (Freiheit von Ordalien), die als ältestes Stadtrecht in Österreich gelten. Die Ummauerung der Stadt erfolgte allerdings erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Kloster gegenüber verhielten sich die Bischöfe meist großzügig. So gab Bischof Konrad 1159 dem Stift die Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Bruck an der Leitha (hl. Martin, nach 1529 Dreifaltigkeit)|Bruck an der Leitha]], Bischof Wolfger (1191–1204) übergab dem Kloster sein Haus, damit es den vierten Teil des Kreuzganges fertigstellen könne. Vermutlich lag dieses mit seiner Maximilianskapelle an der unteren Landstraße (Wienerstraße), wo später die Franziskaner ihr Kloster hatten (heute Priesterseminar). 1213 inkorporierten sie die Klosterpfarre &amp;quot;pleno iure&amp;quot; dem Stift. Bischof Otto von Lonsdorf (1254–1265) weilte häufig in St. Pölten und stellte hier mehr als 30 Urkunden aus. Zu Spannungen kam es wegen der Gemengelage von bischöflichem und klösterlichem Besitz in der Stadt, vor allem aber um die Rechte am bedeutenden Markt. Unter Propst [[Ulrich Feyertager]] (1360–1369) wurde 1365/67 ein Ausgleich zwischen Bischof und Kloster erzielt. Dieses verzichtete auf allen Besitz in der Stadt mit Ausnahme des Klosterviertels und bekam dafür als Entschädigung Zehente in der Umgebung und die bedeutende Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Hürm (hl. Stephanus)|Hürm]]. Bischof Georg von Hohenlohe residierte 1390 bis 1393 in St. Pölten, da ihm seine Bischofsstadt wegen der zwiespältigen Bischofsswahl nicht zugänglich war. Damit begann aber auch das Ende der Passauer Herrschaft in St. Pölten. Bereits 1389 musste die Stadt wegen Schulden erstmals an die Wallseer verpfändet werden, 1481 schließlich dem in Niederösterreich eingefallenen Ungarnkönig Matthias Corvinus. Nach dessen Tod 1490 eroberte König Maximilian Niederösterreich rasch zurück, behielt sich aber St. Pölten. Der Passauer Bischof konnte wegen Geldmangels die Pfandschaft nicht einlösen. So blieb die Stadt bis 1918 landesfürstlich. Für das Kloster bedeutete dies ein Ende der Streitigkeiten mit dem Bischof, hatte dieser doch nur mehr die geistliche Jurisdiktion inne. Allerdings gab es in Hinkunft die üblichen Reibereien mit der Stadtverwaltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
Ab dem 12. Jahrhundert kam es zum Ausbau des Klosters. 1150 ist ein Kirchweihdatum überliefert. Bereits 1133 wurde eine Leutkirche auf dem heutigen Domplatz konsekriert, deren Fundamente 1994 ergraben wurden. Die Andreaskapelle über dem Karner (ebenfalls auf dem Domplatz) wird erstmals 1179 erwähnt. Vor 1140 wurde das Hospital mit der Ägydiuskirche errichtet; als Weihedatum der Kirche wird 1130 angeführt. Eine Jakobuskapelle in der Infirmerie wurde 1184 geweiht. Ebenfalls bereits im 12. Jahrhundert bestand ein Konversenhaus für Frauen, da &amp;quot;moniales de S. Yppoliti&amp;quot; im Nekrolog von St. Andrä erwähnt werden. 1302 erhielt dieses &amp;quot;domus sororum&amp;quot; die Margaretenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1209 wurden in der Sakristei (wohl anlässlich eines Umbaus) Reliquien unbekannter Heiliger gefunden, was zu einer kurzfristigen Wallfahrt nach St. Pölten führte; es wurde auch ein Mirakelbuch angelegt. Einen Höhepunkt erreichte diese Bautätigkeit in der Weihe des Klosters (wohl dem Charakter nach eher eine Kirchweihe) durch Bischof Gebhard im Jahr 1228. Den Übergang von den Babenbergern zu den Habsburgern schafft das Stift ohne größere Probleme. Noch 1248 erhält es durch Bischof Rudger eine Bestätigung seiner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 14. Jahrhundert brachte dem Stift unter den Pröpsten [[Dietmar von Rohr]] (1332–1359) und [[Ulrich Feyertager]] (1360–1369) eine wirtschaftliche Blüte: Es kam zum Ausgleich mit dem Passauer Bischof bezüglich der Besitzungen in der Stadt, zum Erwerb der Pfarre Retz, die zu einer der stärksten wirschaftlichen Stützen des Klosters wurde, aber auch zu bedenklichen personellen und wirtschaftlichen Verknüpfungen mit den Angehörigen der Pröpste. 1358 wütete ein Großbrand. Die Leutkirche auf dem Freithof (Domplatz) wurde vergrößert wieder aufgebaut, wie die Ausgrabungen von 1994 nachwiesen. Propst Ulrich erwarb eine Reihe von Gütern, so den Ansitz Friesing, die Feste Hagenstein, Burg Fridau, Innerkasten, Schwabegg, Rennersdorf und Inning, wobei allerdings unklar bleibt, inwieweit dies auch private Erwerbungen der Familie der Feyertager waren. Damals grassierte immer wieder die Pest, wodurch die Güter oft billig zu erwerben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert wurde St. Pölten über Wittingau (Trebon) von der Raudnitzer Reform erfasst, auf die 1410 auch die Gründung der Augustinerpropstei Dürnstein zurückgeht. Gemeinsam mit dem [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] beteiligte es sich 1414 an der Besiedlung des [[Stift St. Dorothea in Wien|Augustinerklosters St. Dorothea in Wien]]. Das 15. Jahrhundert war eine Blütezeit für die Kanonie, auch wenn es mehrfach kriegerische Ereignisse brachte. So wurde 1424 durch die Hussiten die Stadt Retz zerstört und die Umgebung verwüstet. 1481 bis 1490 besetzten die Ungarn die Stadt. Den großen Stadtbrand von 1474 schildert ein zeitgenössischer Bericht, der auch eine Darstellung der Baulichkeiten des damaligen Stiftes bringt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Dy selb prunst und feur hot verprennt ... das closter der chorherrn mit dem ziegelhoff, dem phister (Bäckerei), und müll, mayrhoff, städeln, marstall, viehstall, kasten, zwei pad der herren im closter und des brobst, werichhaus der zimmerleut, pinthaus, obleyhaus, spital (das spätere Bürgerspital) mit aller zugehörung und zimmer, stall, stadl, pad kasten daselbs; item der chorherrn siechhaus (Infirmerie im Kloster), der jungkherrn schlaffhaus ganz und gar, der herrn schlaffhaus ain teil in ziegeldach, das dach vor dem refät (Refektorium), des dechants heüsl, das secret, der zynein knopf aus dem münster, des Heil. Geist kirchen, des kastner und schaffner zimmer, das schenkh haus das man heißt in dem Lüeglein; St. Margarethn das dach (Kirche der Chorfrauen), das dach auf dem korner (Karner), das dach und heusel in dem gusterhof, die schuel, messnerheusl, das kirchengässel, ...&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Die Schäden müssen enorm gewesen sein, so musste die Spitalskirche in der Unteren Landstraße (Wiener Straße) neu errichtet werden. Die Baulast für die Erneuerung des Kremserturmes und der Befestigungen bis zum Wiener Tor fiel dem Stift zu. Die Behebung der Schäden dauerte bis nach 1500.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die lange Krise===&lt;br /&gt;
Einem neuerlichen Stadtbrand fielen 1512 die Westfassade mit den beiden Türmen und offensichtlich auch die Sakristei zum Opfer. Letzteres geht aus einer Bischofsurkunde von 1513 hervor. Demnach gewährte Bischof Wiguleus Fröschl dem Konvent die Erlaubnis, anstatt der bisherigen Almuzien aus schwarzem Lammfell solche aus billigeren Eichhornfellen zu tragen. Von der Doppelturmanlage wurde nur mehr der Südturm wiederhergestellt. Daneben gab es noch andere Gründe für den Niedergang. Da waren zunächst die Türkenkriege, die 1529 und 1532 die Stadt erreichten. Wenn auch die Stadt nicht unmittelbar betroffen war, so litten doch die stiftlichen Güter. Zusätzlich musste das Kloster die Quart und die Terz entrichten und immer wieder dem Landesfürsten Darlehen gewähren. Schon 1526 musste es Silber im Wert von 530 Mark abliefern. Schon 1525 leistete es ein Darlehen von 800 Gulden, 1537 und 1539 von 600 Gulden, und 1558 musste es den Stiftshof in Pulkau verpfänden, um ein Darlehen von 3.000 Gulden aufbringen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu kamen die relativ kurzen Amtszeiten der Pröpste, von denen drei resignierten: [[Johannes Marquard]] (1515–1530), [[Johannes Perlasreuter]] (1530–1538) und [[Martin Renhofer]] (1538–1539). Unter Propst [[Leopold Hagen]] (1539–1563) erreichte das Stift seinen Tiefpunkt. Natürlich wirkte sich für das Kloster auch das Eindringen der Reformation negativ aus, was sich besonders im Rückgang der Konventualen zeigte. Dazu starben in den Seuchenjahren 1541/42 sieben Konventualen. 1544 betrug ihre Zahl noch zwölf, 1561 waren es nur mehr sechs, 1566 vier, wobei einer sich auf der Stiftspfarre [[Retz]] befand. Ab Propst [[Georg Hueber]] (1569–1575) besserte sich die Personallage. In der Stadt kam der Protestantismus um 1560 zum Durchbruch. Gemeinsam mit dem Propst wurde der Prediger für die Frauenkirche (einstige Leutkirche auf dem jetzigen Domplatz) bestellt. Der Stadtrat machte daraus ein alleiniges Recht und bestellte protestantische Prediger. Daraufhin ließ Propst Georg die Kirche sperren. In seinem Todesjahr 1575 fand noch eine Visitation statt, die ein erfreuliches Bild zeichnete. Unter seinem Nachfolger [[Melchior Schad]] (1576–1598) schlitterte das Stift allerdings in tiefe Schulden und musste zeitweilig administriert werden. Seine Nachfolger [[Eucharius Warmuth]] (1598–1599) und [[Johannes Meringer]] (1600–1601) regierten nur wenige Monate. Unter Propst [[Johannes Metz]] (1601–1611) wurde in St. Pölten eine Visitation durch Offizial Melchior Khlesl durchgeführt. Einige Tage vor dem Tod seines Nachfolgers [[Johannes Roth]] aus Dinkelsbühl (1612–1621) kam es zu einem katastrophalen Stadtbrand, der auch das Stift schwer traf. Nach drei nur kurz regierenden Pröpsten wurde 1628 [[Wolfgang Panckhammer]] zum Propst gewählt. Er war ein frommer Mann und guter Güterverwalter, hatte aber den Konvent nicht im Griff und wurde sogar von den eigenen Chorherren mit Säbel und Pistole bedroht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Blütezeit seit Propst Fünfleutner=== &lt;br /&gt;
Erst die Visitation durch den Klosterneuburger Propst brachte eine entscheidende Wende zum Besseren. Propst [[Bernhard Enoch von Waitz|Bernhard]] von [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bot den St. Pöltnern auch einen Novizenmeister an, was vermutlich den Eintritt des [[Johannes Fünfleutner]] 1630 in das Stift zur Folge hatte. Er sollte zum bedeutendsten Propst des Stiftes werden. Fünfleutner wurde um 1589 in Schärding am Inn geboren; er war bürgerlicher Abkunft. Er erlangte den Doktorgrad der Medizin an der Universität Padua, war 1626 Dekan der medizinischen Fakultät in Wien, nahm 1628/1629 an einer kaiserlichen Gesandtschaft nach Konstantinopel teil und fungierte 1629 als Rektor der Wiener Universität (als Propst hatte er 1644 nochmals dieses Amt inne). Erst im Kloster dürfte er seine theologische Ausbildung erhalten haben. Es ist auch zu vermuten, dass er von seiner früheren Tätigkeit her ein größeres Vermögen mitbrachte. Er wurde bald Kämmerer und Stiftsdechant und nach dem Tod Panckhammers ging er siegreich aus der Neuwahl des Propstes am 17. Februar 1636 hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während seiner Tätigkeit als Propst durch 25 Jahre kam es zu 28 Neueintritten ins Kloster, wovon allerdings sieben Chorherren vor ihm starben. Bei der Neuwahl nach seinem Tod gab es immerhin 21 Konventualen. Zu seinen großen Leistungen gehörte der Neubau des Klosters. Somit entstand jenes Gebäude, das weitgehend mit dem heute noch bestehenden Bistumsgebäude identisch ist. Dies ersieht man aus einer Federzeichnung aus dem Jahr 1653, die im Diözesanmuseum aufbewahrt wird. Nur der Gästetrakt (heute Bischofstrakt) wurde im 18. Jahrhundert hinzugefügt. Er unterstützte den Wiederaufbau des Franziskanerklosters und sorgte für eine erste Barockisierung der Stiftskirche. Auf Fünfleutner geht auch die Errichtung der Kapelle zu Ehren der hl. Barbara zurück, die sich vor dem Wilhelmsburger Tor befand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Belebung der Frömmigkeit des Volkes führte er 1636 die Mariazeller Wallfahrt ein und 1646 die Manker Wallfahrt, die bis in die Gegenwart durchgeführt wird. Auf Initiative der Bürgerschaft reaktivierte er die Sebastianibruderschaft und errichtete 1646 die Rosenkranzbruderschaft, die breiten Anklang über St. Pölten hinaus fand. Fünfleutner starb am 29. Jänner 1661 im Alter von 72 Jahren. Sein Grabstein im rechten Seitenschiff der Domkirche rühmt ihn als Ratgeber dreier Kaiser, Erbhofkaplan, Rektor der Wiener Universität, Erbauer des Münsters in St. Pölten und Erneuerer des religiösen Lebens. Seine beiden Nachfolger [[Gabriel Kölsch]] (1661–1669) und [[Patrizius Zeller]] (1670–1683) konnten gut weiterarbeiten. Immerhin wurde im Stift Moraltheologie und zeitweilig auch Philosophie doziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verheerend wirkte sich der Türkeneinfall von 1683 auf die Stiftsgüter aus. Zwei Chorherren fanden als Pfarrer den Tod. Propst Zeller floh nach Linz, wo er noch im gleichen Jahr starb. Ungefähr 200 Untertanen wurden verschleppt, über 5.000 Stück Vieh geraubt und 120 Häuser verbrannt oder geplündert. Die Kirchen in Weißenkirchen an der Perschling, Obergrafendorf und St. Georgen am Steinfeld und die Pfarrhöfe in Kasten und Gerersdorf wurden beschädigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur kurz währte die Amtszeit von Propst [[Hieronymus Griesmayr]] (1683–1688). Mit Propst [[Christoph Müller]] von Prankenheim (1688–1715) kam wiederum eine energische Persönlichkeit an die Spitze der Kanonie. Er ließ den Kirchturm erhöhen und in seine heutige Form bringen. Auch schaffte er ein neues Geläute an, das noch weitgehend erhalten ist. Er war auch auf die Vergrößerung des Stiftsbesitzes bedacht. So erwarb er die Ochsenburg für das Stift zurück, kaufte den Schwaighof südlich der Stadt und ließ ihn künstlerisch ausstatten. Ebenso erneuerte er den Lesehof in Joching in der Wachau und den Stiftshof in Pulkau. Doch war er auch wissenschaftlich tätig und verfasste eine Stiftsgeschichte, die dann in Werken von Duellius und Maderna Eingang fand. Unter Propst Christoph fand eine Änderung der Kleidung der Chorherren statt. Anstatt Weiß wurde nunmehr Schwarz getragen, was sich allerdings schon früher abgezeichnet hatte. Zu seinem Nachfolger wurde der 34-jährige aus Melk stammende [[Michael Führer]] gewählt. Beim Tod seines Vorgängers wurden 115.500 Gulden Schulden festgestellt, denen allerdings 50.000 Gulden Aktiva gegenüberstanden. Auf Grund der prekären Lage musste Führer versprechen, die Gebäude zu erhalten und nur notwendige Neubauten zu errichten, sowie die Konventualen bei wichtigeren Angelegenheiten zu konsultieren. Ringsum hatte der &amp;quot;Bauwurm&amp;quot; die Prälaten erfasst. So entwarf Führer auch einen Plan zur Barockisierung der Stiftskirche, wahrscheinlich auf Pläne Prandtauers zurückgehend, der auf hohem Niveau verwirklicht wurde. Auch in den Stiftspfarren wurde gebaut und in Nutzbauten in den Weinbaugebieten investiert. Wegen der hohen Auslagen kam es 1722 zu einer Revolte im Konvent. Einige Chorherren richteten eine Klageschrift an die Regierung, in der dem Propst Verschleuderung des Stiftsgutes vorgeworfen wurde. Propst Führer, der durchaus auch Anhänger im Konvent hatte, rechtfertigte sich: Gerade der Weinbau sei für das Stift wichtig, bestehe doch das Haupteinkommen des Stiftes aus dem Weinbau und Weinzehent. Zudem zahle man für den Eimer Grinzinger zehn Gulden, während der aus anderen Lagen nur die Hälfte erbringe. Er verteidigte auch seine Bautätigkeit und die Anschaffung von Chorgestühl und neuer Orgel für die Kirche; zugleich verwies er auf die notwendige, aber teure Gastlichkeit. Die Regierung nahm diese Rechtfertigung zur Kenntnis. Führer fühlte sich gestärkt. So setzte er die Theologieprofessoren ab und schickte die Kleriker zum Studium zu den Franziskanern. Auch den anderen Opponenten entzog er ihre Funktionen und forderte strikten Gehorsam. 1722 bis 1725 war Führer einer der zwei Vertreter des niederösterreichischen Prälatenstandes im niederösterreichischen Landtag, und 1725 bis 1728 gehörte er dem Verordnetenkollegium des Landtages an. Da er meist in Wien wohnte, kaufte er für das Stift das Haus Krugerstraße 5 und ließ es renovieren, was den Schuldenstand noch erhöhte. Nach seiner Rückkehr aus Wien widmete er sich erneut der Bautätigkeit, sollte doch die Barockisierung der Stiftskirche zum Tausendjahrjubiläum des Klosters im Jahr 1740 vollendet sein. Aber auch außerhalb der Stadt ließ er die stiftlichen Gebäude erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Stift selbst begann er 1727 mit dem Ausbau der Bibliothek und dem Neubau eines Gartenhauses. 1735 kam es zur Neueinwölbung der Stiftskirche, in der Folge wurde ihre Einrichtung geschaffen. Auf Führer geht auch die Prälatenstiege und der neue Gästetrakt (heute Bischofstrakt) im Nordosten zurück, ebenso das neue untere Tor (heute Bischofstor).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1737 wurde mit [[Hippolyt Wolff]] durch die Kapitularen ein neuer Dechant gewählt, der schon länger zu den Opponenten Führers gehört hatte. Nachdem er sich einen Einblick in die finanzielle Situation verschafft hatte, erhob er Anklage gegen den Propst: Dieser habe gegen 200.000 Gulden illegal Schulden gemacht. Diesmal griff der Kaiser durch den Klosterrat entschieden ein. Führer wurde 1739 seines Amtes enthoben. Untersuchungen brachten Schulden von etwa 380.000 Gulden zum Vorschein. Davon hatte er 181.000 mit dem gefälschten Konventsiegel und etwa 60.000 Gulden allein auf seinen Namen aufgenommen. Der Propst musste das Kloster verlassen und wurde auf der Ochsenburg, im [[Stift St. Florian]] und dann in Korneuburg interniert. Während des Baierneinfalls 1741 tauchte er wieder im Kloster auf, musste aber dann 1742 bis zu seinem Tod 1745 in Bruck an der Leitha leben. Die Mehrheit der Kanoniker und auch die Stadtbevölkerung blieb ihm treu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Ausklang===&lt;br /&gt;
Nach dem Abgang Führers wurde das Stift administriert. Dechant Wolff hatte keine glückliche Hand. Sein Nachfolger, der Klosterneuburger Chorherr [[Bernhard Paul]] (Administrator 1741–1747), konnte den Schuldenstand zwar etwas reduzieren, hatte aber mit dem zerstrittenen Konvent seine Not. Nun wurde wiederum Wolff bestellt (1747–1753), der aber zahlreiche Gegner hatte. Erst unter [[Matthis Alteneder]] kam das Kloster in ruhigere Bahnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sich die Schulden auf 222.000 Gulden vermindert hatten, wurde 1755 eine neue Propstwahl gestattet. Gewählt wurde Alteneder, der bis zu seinem Tod 1779 den Schuldenberg auf 34.790 Gulden reduzieren konnte. Auch unter seinem Nachfolger [[Ildephons Schmidbauer]] (1779–1784) hielt die positive Entwicklung an. Zur Zeit der Klosteraufhebung waren nur 15.000 Gulden Passiva gegeben. Auch der Personalstand war mit 32 bzw. 37 Mitgliedern erfreulich. Man kann mit Recht von einer späten Blüte des Klosters sprechen. Das Stift fand sein Ende nicht wegen Missständen oder Misswirtschaft, es fiel vielmehr den Diözesanplänen Kaiser Josephs II. zum Opfer. Dieser befahl am 9. Juni 1784 die Aufhebung des Klosters, die am l. Juli vollzogen wurde. Schmidbauer wurde an der ehemaligen Domkirche in Wiener Neustadt Propsteipfarrer (verstorben 1791). Die Klostermitglieder traten in den Dienst der Diözesen St. Pölten und Wien. Am 25. Jänner 1847 starb als letzter ehemaliger St. Pöltner Chorherr [[Andreas Malachias Spitzl, Pfarrer und Dechant in Bruck an der Leitha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Über die Wirtschaftsgeschichte liegen bisher keine gründlichen Untersuchungen vor. Es gibt keine Gründungsurkunde und keine frühen Urbare. Dagegen ist der Besitzstand aus der Zeit der Aufhebung bekannt. Demnach lag St. Pölten nach den Großklöstern Klosterneuburg, Melk und Göttweig, wenn auch mit Abstand, an etwa vierter Stelle. Eine Urkunde Papst Alexanders III. (1159–1181) nahm das Stift mit seinen Besitzungen in Schutz. Darin werden zunächst alle dem Stift gehörigen Kirchen aufgezählt: St. Pölten (mit dem Marktrecht), [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Böheimkirchen (hl. Jakobus)|Böheimkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Kapelln (hl. Petronilla)|Kapelln]] mit den dazugehörigen Kirchen Weißenkirchen, Katzenberg, Haselbach, Würmla und Murstetten, die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#St. Christophen (hl. Christophorus, auch hl. Bartholomäus)|St. Christophen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Bruck an der Leitha (hl. Martin, nach 1529 Dreifaltigkeit)|Bruck a. d. Leitha]]. In der Pfarre St. Michael in der Wachau der halbe Zehent, in Pulkau und Zellerndorf der Drittelzehent, in Nalb und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Retz (hl. Stephanus)|Retz]] der halbe Zehent. Dann folgt die Aufzählung der Lehen und Huben des Stiftes. Die lagen zumeist in der weiteren Umgebung von St. Pölten. Weiter entfernt waren Besitzungen in Pillichsdorf, Ollersdorf und Waltersdorf. Davon gehen die drei Pfarren Böheimkirchen, Kapelln und St. Christophen auf eine Schenkung Bischof Berengars (1013–1045) zurück. Die Pfarre Bruck gab 1159 Bischof Konrad dem Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Urkunde Bischof Rudigers von 1248 bringt ähnlich der Papsturkunde eine Aufzählung des Klosterbesitzes. Zunächst werden auch hier die Pfarren mit ihren exempten und nichtexempten Filialen aufgezählt: Bruck (Wilfleinsdorf, Arbesthal, Göttlesbrunn und die Nikolauskapelle in der Stadt), Kapelln (Jeutendorf, Weißenkirchen und Katzenberg), Böheimkirchen (Außer- und Innerkasten, Lanzendorf, Schildberg und Stössing), St. Christophen (Brand und Seebach), St. Pölten (Ober- und Unterpottenbrunn, Schlosskapelle Viehofen, Obergrafendorf, Weinburg, Haindorf, Kapelle Markersdorf, Hafnerbach, Schlosskapelle Pielach, Kapelle Karlstetten, Kapelle St. Georgen am Steinfeld). Als wesentlicher Zehentbesitz werden angeführt: St. Michael in der Wachau, Kottes, Meisling, Pulkau, Retz, Nalb, Mautern, Weiten und Melk jenseits der Donau. Der Hausbesitz wird detailierter als in der Papsturkunde angegeben. Das Stift besaß damals etwa 350 dienstpflichtige Häuser. Der Schwerpunkt der Besitzungen lag zwischen Pielach und Perschling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Schwerpunkte waren die Weingärten im Tullnerfeld (Amt Königstetten) und in Grinzing, deren Wein sich gut verkaufen ließ. Weitere größere Besitzungen gab es im Marchfeld (Ulrichskirchen); aber auch die Weingüter um Pulkau und Retz waren für das Stift bedeutsam. Ein weiteres Weinbaugebiet war in der Wachau (Joching), wo das Stift den Weinzehent aber auch Eigengüter besaß. In der Umgebung von St. Pölten erwarb das Stift 1366 die Herrschaft Kasten, 1383 das kleine Gut Ochsenburg und bekam 1398 endgültig die Pfarre Hürm mit ihren Zehenten, nachdem es drei Viertel der Stadt an den Passauer Bischof abgetreten hatte. Natürlich ging auch immer wieder Besitz verloren oder wurde abgetauscht. Im Großen und Ganzen aber blieb der wichtigere Besitz konstant. Erst in der Neuzeit kamen einige Neuerwerbungen dazu. Bei der Inventarisierung anlässlich der Aufhebung des Stiftes 1784 ergab sich folgendes Bild. Das Gesamtvermögen wurde auf 518.033 Gulden berechnet, das jährliche Einkommen mit etwa 40.000 Gulden taxiert, womit das Stift zur begüterteren Hälfte der niederösterreichischen Klöster gehörte. Der Stiftsbesitz setzte sich zusammen aus der Stiftsherrschaft St. Pölten, den Herrschaften Hürm, Kasten, Retz (mit Pulkau), Ochsenburg, dem Freihof Harthof und dem Schwaighof. Dazu gehörten außerdem das Pfarrgut Bruck a. d. Leitha und das Haus in Wien Krugerstraße, das Propst Führer 1726 von den Tullner Dominikanerinnen erworben hatte. Die engere Stiftsherrschaft umfasste den stiftlichen Meierhof zu St. Pölten mit 85 Joch Acker, 528 Joch Waldungen, 55 Joch Auen und 20 Joch Viehweide. Dazu gehörten die Lesehöfe zu Grinzing mit 40 Viertel, zu Joching &lt;br /&gt;
mit 93 Viertel zu Joching und 30 Viertel zu Loiben, und zu Königstetten mit 35 Viertel Weingärten, weiters 474 untertänige Häuser, von denen sich 41 in der Stadt befanden. Der meiste Zehentbesitz lag in den Pfarren St. Pölten, Pyhra, Böheimkirchen und Kapelln sowie in der Wachau (Weinzehent). Die Herrschaft Hürm besaß 48 Untertanen, Kasten 126, Retz mit dem Freihof Pulkau 100, die Herrschaft Ochsenburg (1699 wieder erworben) 50, der Harthof (1662 erworben) neun. Das Pfarrgut Bruck hatte 18 Untertanen und einige Weingärten im Joiser- und Neusiedlergebirge in Ungarn. Aus diesem doch recht ansehnlichen Wirtschaftskörper (ausgenommen das Gut Retz) wurde das Religionsfondsgut St. Pölten gebildet, das dann auch das Patronat über die ehemaligen Klosterpfarren bis 1938/39 innehatte. Allerdings waren bis zu dieser Zeit bereits zahlreiche Stücke veräußert worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das (Augustiner-) Chorherrenstift St. Pölten war immer ein Eigenkloster der Passauer Bischöfe. Ihnen stand daher auch die Obervogtei zu. Im 11. und 12. Jahrhundert hatten die Hochfreien von Perg, Verschwägerte der Babenberger, die Vogtei inne. Sie wird erstmals in einem Weistum um 1125 erwähnt, wobei es vor allem um die Marktrechte ging, die dem Kloster bereits 1058 oder früher (also vor Einführung der regulierten Chorherren) durch Kaiser Heinrich III. oder IV. gewährt worden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1150 entzog Herzog Heinrich von Bayern (in Österreich Markgraf Heinrich II. Jasomirgott) dieses Recht und zwar auf Bitten seines Bruders Konrads, des Bischofs von Passau, und übergab die Vogtei dem Bischof. Doch bald übernahmen sie die Babenberger selbst (und später die Habsburger) als Lehen des Bischofs. Problematisch blieb lange Zeit das Verhältnis zum Passauer Bischof, der ja die Oberhoheit in der Stadt besaß, obwohl er nur einen Teil der Häuser innehatte. Zu einem Ausgleich kam es erst 1367, als das Stift auf die Marktrechte und Zölle und alle Häuser mit Ausnahme die des Klosterviertels verzichtete. Die Spannungen verlagerten sich nun auf das Verhältnis zur Stadt, da das Kloster auch ein Viertel der Stadtmauer zu erhalten hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intensiver wurde der Einfluss des Landesfürsten im 16. Jahrhundert, als König Ferdinand Klostervisitationen vornehmen ließ und der Landesfürst ab 1568 durch den Klosterrat unmittelbar Einfluss auf das Klosterleben ausübte. Für Außenbesitzungen gab es wenig belegte Untervögte. Eine eigenartige Beziehung bestand zum Kollegiatstift Marz(-Hierpach) im damaligen Ungarn, das um 1220 durch die Familie Osl gegründet worden sein dürfte. Dafür stellte das Stift St. Pölten mehrere Pröpste, wie aus dem Nekrolog hervorgeht, wo sie als &amp;quot;fratres&amp;quot;, also als Konventmitglieder, bezeichnet werden. Eine Ernennungsurkunde aus dem Jahr 1295 hat sich erhalten. 1438 verzichtet der St. Pöltner Propst auf das Ernennungsrecht und erlaubte der Gemeinde und den Pfarrleuten, den Propst von Marz selbst zu wählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Über die Herkunft der St. Pöltner Kanoniker vor 1080 gibt es keine Auskunft. Die ersten Augustinerpröpste entstammten wahrscheinlich dem höheren Adel, wie etwa der spätere Passauer Bischof [[Reginbert]] (1138–1147), der vorher Propst in St. Pölten war. Ansonsten gehörten die meisten Chorherren dem niederen Adel an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert verstärkte sich der Anteil der Bürgerlichen vor allem aus Wien, Tulln und Wiener Neustadt. Ausländer, wie etwa Propst [[Johannes Moravus]] (1370–1372), finden sich selten. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mehren sich Eintritte aus Bayern und Vorderösterreich. Im 17. und 18. Jahrhundert überwogen wieder die Eintritte aus der näheren und weiteren Umgebung. Darunter waren auch immer wieder Nobilierte. Eine erste Aufzählung des Konvents gibt es um 1190, als zehn Chorherren angeführt werden; der Zusatz &amp;quot;et ceteri fratres&amp;quot; weist auf mehr hin. Exakter wird die Anzahl der Chorherren erstmals in einer Urkunde von 1259 mit zwölf Priestern ohne Propst angeführt. 1273 bestand der Konvent aus 14 Priestern und einer nicht genannten Zahl von Klerikern mit niederen Weihen und Konversen. Die Zahl dürfte weiter gestiegen sein, da Herzog Albrecht III. 1380 die Höchstzahl der Klosterinsassen mit 24 festlegte. Im 15. Jahrhundert waren es zwischen 15 und 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krise des 16. Jahrhunderts wirkte sich in St. Pölten aus. Zwar verließ nur ein Chorherr den geistlichen Stand, doch machte sich der Mangel an Nachwuchs bemerkbar. Zudem starben 1541/42 sieben Mitglieder an der Seuche, sodass 1544 der Konvent nur mehr aus zwölf Mitgliedern bestand. Im Haus lebten sechs Priester und zwei Kleriker, auf den Stiftspfarren wirkten vier Priester. Von 1561 bis etwa 1590 betrug die Zahl meist nur vier bis sechs. Um 1600 aber waren es bereits zehn. 1611 und 1623 gab es zwölf Wahlberechtigte. Unter Propst Fünfleutner nahm der Konvent endlich einen Aufschwung; bei seinem Tod 1661 war der Konvent auf 21 gestiegen und erreichte 1675 sogar 30. Bei der Propstwahl von 1715 waren 24 Konventualen stimmberechtigt. Um 1740 gab es etwa 30, im Jahr der Aufhebung 1784 32 Konventualen. Im Mittelalter war offensichtlich das Institut der Konversen von größerer Bedeutung. Im Nekrolog werden 104 angeführt; ihre Zahl dürfte aber höher gewesen sein. Davon gehören etwa zehn noch dem 12. Jahrhundert an. Ebenfalls zehn gehören dem beginnenden 14. Jahrhundert an. Dann bricht die Institution ab. Im Nekrolog werden 85 weibliche Konversen angeführt, wobei unklar bleibt, wie weit es sich um Mitglieder des Frauenkonvents handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Es wurden bisher keinerlei Reste aus der Karolingerzeit gefunden. Für die Stiftskirche sind Weihedaten zu 1065, 1150 und 1228 überliefert. Eine weitere Weihe dürfte um 1280 stattgefunden haben. Von der ältesten Kirche sind an der Nordmauer auf der Kreuzgangseite romanische Fenster zu sehen. Der jetzige Kirchenbau geht wohl auf den Beginn des 13. Jahrhunderts zurück. Dagegen dürfte die Doppelturmanlage der Westfassade älter sein. Das alte Aussehen der Kirche ist noch in der Rosenkranzkapelle erhalten, die zwei Joche des rechten Seitenschiffs umfasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1512 wurde der Nordturm nur mehr bis zur Höhe das Daches wiederhergestellt, der Südturm wurde 1560 aber höher als bisher ausgebaut und erhielt 1693 seine heutige Form. Der Plan zu einer barocken Scheinfassade mit dem Südturm als Zentrum kam nicht zur Ausführung. Im Inneren bewahrt die Kirche die dreischiffige romanische Anlage, wurde aber im 18. Jahrhundert vollständig barockisiert. Eine erste barocke Einrichtung erhielt die Kirche unter Propst Fünfleutner; 1648 wurden fünf Seitenaltäre geweiht und 1658 durch Tobias Pock das Hochaltarbild geschaffen, das einzig erhaltene Stück dieser Phase. Propst Führer führte unter Leitung von Jakob Prandtauer und Josef Munggenast eine radikale Neugestaltung durch. Die Kirche wurde barock gewölbt und die romanischen Pfeiler mit Stuckmarmor verkleidet. Freskenmaler waren Thomas Friedrich Gedon, Antonio Tassi, Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte. Der Hochaltar ist eigentlich nur eine Wandgliederung mit dem alten Maria-Himmelfahrtsbild von Pock. An den Seitenaltären arbeiteten prominente Künstler wie Jakob Ch. Schletterer (Kreuzaltar) mit, der auch die zwei Sandsteinreliefs in den Seitenschiffen schuf. Die Altarbilder stammen zumeist von Daniel Gran. Die St. Pöltner Kunsthandwerker Hippolyt Nallenburg und Peter Widerin schufen die Kanzel und das Chorgestühl. Bemerkenswert sind auch die Beichtstühle. Von den Grabdenkmälern sei nur auf das Fünfleutners im rechten Seitenschiff verwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kirche wurde seit ihrer Fertigstellung um 1747 kaum verändert. Neu ist das Denkmal für Bischof Kerens. 1856/58 mussten die Plastiken des Hochaltars erneuert werden. Der Volksaltar stammt von 1983. Das Stiftsgebäude wurde nach dem Brand von 1621 in frühbarocker Form bis 1650 praktisch neu errichtet, auch wenn die alte Anlage drei Höfe gehabt haben dürfte. Der Kreuzganghof wurde vergrößert. Der Brunnenhof dürfte die alte Substanz behalten haben. Der Binderhof blieb zwar in der Gestalt gleich, doch bekam er eine neue Funktion. Statt Getreidespeicher und Binderei wurden Wohnungen für die Domherren und Büros für die Bistumsverwaltung geschaffen. Weitere Änderungen im Inneren gab es unter Propst Müller, unter dem die beiden Sakristeien und das Oratorium ausgebaut wurden. Unter Propst Führer kam es zum Bau des Gäste(Bischofs-)trakts und des dorthin führenden Stiegenhauses  mit dem qualitätvollen Sandsteinrelief sowie zur Ausgestaltung der Bibliotheksräume, die unvollendet blieben; weiters ließ er das Einfahrtstor an der Ostseite errichten (1908 zurückversetzt) sowie 1726 das Gartenhaus. Einzelne Reste erinnern an die ältere Klosteranlage. So einige romanische Bögen im Brunnenhof und am Domplatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgrabungen brachten im Kreuzganghof und unter der Domherrensakristei (1949, 1980, 1982) die Heilig-Geist-Kapelle und den alten Kapitelsaal mit zwei Altären zum Vorschein. Das alte Refektorium wurde etwas südlich vom jetzigen Sommerrefektorium ergraben; es dürfte schon im 15. Jahrhundert abgekommen sein. Aus der Zeit des Chorherrenstiftes stammen noch einige liturgische Geräte und Paramente. Zwei Monstranzen aus dem 18. Jahrhundert, ein Ziborium von 1608, eine Reihe von Kelchen, wovon der älteste von 1479 (?) stammt, ein anderer von 1524, und einige weitere aus der Barockzeit. Unter den Reliquiaren ist ein Kreuzreliquiar aus dem frühen 15. Jahrhundert von besonderer Bedeutung. Von den Ornaten seien der 1726 durch Propst Führer um 12.000 Gulden angeschaffte rote Ornat und der Altenederornat von 1760 erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Über der Geschichte der Bibliothek waltete kein guter Stern. Zwar dürfte um 1200 die Wissenschaftspflege im Kloster geblüht haben, wie auch aus der späteren &amp;quot;Vita Altmanni&amp;quot; hervorgeht, doch hat sich nicht allzuviel erhalten. Ab 1200 werden immer wieder &amp;quot;scholastici&amp;quot; erwähnt. Die meiste Information liefert der Bibliothekskatalog des Albert Maderna von 1761. Die ältesten Handschriften betreffen Bibel und Liturgie. Ein Missale (Hs. 14) reicht in das frühe 13. Jahrhundert zurück, ebenso zwei Lektionare (Hs. 60 und 41). Unter Propst [[Heinrich]] (1252–1268) wurden zahlreiche Handschriften aus Passau zum Kopieren entlehnt, die vor allem kanonistischen Inhalt hatten. Die St. Pöltner Pröpste waren häufig als delegierte Richter tätig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts bestand eine Buchmalschule, wenn auch auf bescheidenem Niveau. In diesem und dem folgenden Jahrhundert kam es offensichtlich zu einem Aufschwung der Wissenschaftspflege. Beigetragen dazu hat die enge Verbindung mit der Wiener Universität ab 1380. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts dürfte die Bibliothek etwa 200 Handschriften und 220 Frühdrucke umfasst haben. Von den Handschriften sind nur mehr 80 erhalten, von den Frühdrucken etwa 140. Abgesehen von den liturgischen Büchern waren Handschriften mit Ketten befestigt und lagen auf Pulten. Die Spuren davon sind noch zu sehen. Vermutlich befand sich die Bibliothek oberhalb der Sakristei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1439 kam es zur Stiftung von 100 Pfund für die Einrichtung der Bibliothek, wohl zur Anschaffung der Pulte. Nach dem Neubau wird 1653 die Bibliothek im Bereich des heutigen Dompfarramts ausgewiesen. Vor 1722 begann Propst Führer mit dem Ausbau der Bibliothek und deren kostbarer Ausschmückung, die aber nie vollendet wurde. Als Freskanten waren Paul Troger und Daniel Gran tätig. Das 16. Jahrhundert bringt nur wenig Nachrichten zur Bibliothek. Ein Umschwung setzte mit Propst Fünfleutner (1636–1661) ein, der von seiner früheren Tätigkeit als Professor für Medizin vor allem medizinische Werke mitbrachte. Seit etwa 1660 wurde im Kloster auch Theologie doziert, was zur Vermehrung der theologischen Werke führte. Mit [[Raimund Duellius]] (1693–1769) trat erstmals ein hauptberuflicher Bibliothekar in Erscheinung. Ihm folgte [[Albert Maderna]] (1703–1780), der eine Neuaufstellung der Bibliothek vornahm und 1756 dazu auch einen Katalog herausgab. Bei der Inventarisierung des Klostervermögens 1784 wird die Bibliothek nur summarisch erwähnt. Sie ging 1785 in den Besitz der neu gegründeten Diözese über und wurde Grundstock der Diözesanbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Bereits 1250 wird von einer Devastierung bei den Klosterurkunden berichtet. Wohl deswegen kam es zur Anlegung von Kopialbüchern. Nach der Krise des 16. Jahrhunderts brachte der historisch interessierte Propst Müller (verstorben 1716) das Archiv wieder in Ordnung. Aber zwischen 1725 und 1846 gab es große Verluste. Eine gewisse Schuld dürfte beim Stiftsmitglied Raimund Duellius gelegen sein, der für sein Werk &amp;quot;Excerpta genealogico-historica saec. XII., XIII., XIV., XV., XVI&amp;quot; 325 Urkunden behandelte, von denen heute nur mehr 42 Stück erhalten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Franzoseneinfall 1741 wurde das Archiv neuerlich in Unordnung gebracht. Mit der Aufhebung des Stiftes fiel das Archiv in den Wirkungskreis der Kameraladministration, der auch das Religionsfondsgut St. Pölten unterstellt war. Bei der Übernahme dürften die Akten und Kanzleiregistraturen als wertlos vernichtet worden sein. Erhalten blieben sechs Kopialbücher, einige Urbare und Grundbücher, 266 Urkunden und einige Akten. Davon gelangten fünf Kopialbücher und die anderen Stücke 1848 an das Staatsarchiv. 1860 bzw. 1862 und sogar noch 1934 kamen weitere neun Handschriften (Kopial-, Gerichts-, Lehen- und Dienstbücher) dorthin. Im Diözesanarchiv St. Pölten befinden sich nur ein Karton Akten, zehn Urkunden und sieben Bücher aus dem Klosterbestand, weiters das Archiv des Gutes Ochsenburg. Zur Erforschung der Klostergeschichte müssen also Bezugsarchive herangezogen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* BÜTTNER, Rudolf, Aelium Cetium. Das Fortleben seines Namens im Mittelalter, in: Jahreshefte des Österr. Archäologischen lnstituts 40 (1953), Beibl. Sp. 185 ff. &lt;br /&gt;
* DERS., Propst Ulrich Feyertager. Seine Burgen und deren Geschichte, in: Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXXVI (1964), 155-183.&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich südlich der Donau, Tl. 2, Horn/Wien 2003.&lt;br /&gt;
* DONIN, Richard Kurt, Der mittelalterliche Bau des Domes zu St. Pölten. Ein Beitrag zur Geschichte der romanischen Baukunst in Wien und Niederösterreich, in: Mitteilungen f. Geschichte d. Stadt Wien XII (1932), 163.&lt;br /&gt;
* FAHRNGRUBER, Johann, Aus St. Pölten. Bilder und Erinnerungen, St. Pölten 1885.&lt;br /&gt;
* FASCHING, Heinrich, Auseinandersetzung zwischen Konvent und Propst im Stift St. Pölten 1722, in: Hippolytus N.F. 6 (1984), 3-59. * DERS ., Dom und Stift St. Pölten und ihre Kunstschätze, St. Pölten-Wien 1985. Darin Beiträge von: SCHRAGL, Friedrich, Geschichte des Stiftes St. Pölten, 16-49; SCHWARZ, Mario, Die Architektur der mittelalterlichen Klosterkirche, 50-70; WUHR, Clara Bettina, Archäologische Ausgrabungen im Kreuzgang, 71-76; ZORRI, Wilhelm, Der Neubau des Klosters in der Barockzeit, 77-91; PÜHRINGER-ZWANOWETZ, Leonore, Die Barockisierung der Stiftskirche, 92-96; KRONBICHLER, Johann, Die künstlerische Ausstattung von Dom und Stift, 97–125.&lt;br /&gt;
* DERS., Propst Johann Michael Führer von St. Pölten. Absetzung und letzte Lebensjahre (1739–1745), St. Pölten 1991 (=4. Beiheft zu Hippolytus N.F.).&lt;br /&gt;
* FRAST, Johann, Historische und topographische Darstellung von St. Pölten und seiner Umgegend etc. (=Kirchliche Topographie, I/7/2, Wien 1828.&lt;br /&gt;
* GRAF, Walter, Stifts- und Dommusik in St. Pölten, in: Die Domorgel. Festschrift anläßlich der Weihe der Domorgel zu St. Pölten, St. Pölten o. J. (1973), 6-26.&lt;br /&gt;
* GUTKAS, Karl, Werden und Wesen der Stadt St. Pölten, St. Pölten, 4. Aufl. 1980 (1. Aufl. 1970).&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer, der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* HERRMANN, August, Geschichte der Stadt St. Pölten, 2 Bde., St. Pölten 1917–1930.&lt;br /&gt;
* HORN, Sonja, Des Propstes heilkundlicher Schatz. Medizinische Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts in der Bibliothek des ehem. Augustiner-Chorherrenstiftes St. Pölten, St. Pölten 2002 (=Beiträge zur Kirchengeschichte Niederösterreichs 9).&lt;br /&gt;
* HÜBL, Richard, Die Gegenreformation in St. Pölten, St. Pölten 1966.&lt;br /&gt;
* KARAS, Josef, Der Dom zu St. Pölten. Ein Führer durch seine Geschichte und Kunst, St. Pölten 1935.&lt;br /&gt;
* DERS., Eine kunstgeschichtliche Führung durch den oberen Kreuzgang im Bistumsgebäude, in: Der Traisengau (1935/36), 121–131.&lt;br /&gt;
* KARL, Thomas, Zur historischen und städtebaulichen Entwicklung St. Pöltens vom frühen Mittelalter bis zur beginnenden Stadterweiterung um 1850, in: Österr. Kunsttopographie Bd. LIV. Die Kunstdenkmäler der Stadt St. Pölten, Horn 1999, LXIII–LXXXV.&lt;br /&gt;
* KRONBICHLER, Johann u. Susanne, Diözesanmuseum St. Pölten, Katalog der ausgestellten Objekte, St. Pölten 1984.&lt;br /&gt;
* DIES., 100 Jahre Diözesanmuseum St. Pölten 1888–1988, Sonderausst. 1988, St. Pölten 1988.&lt;br /&gt;
* LUTZ, Volker, Stadt und Herrschaft St. Pölten 1491–1785, St. Pölten 1975.&lt;br /&gt;
* ÖSTERREICHISCHE KUNSTTOPOGRAPHIE Bd. LIV, Die Kunstdenkmäler der Stadt St. Pölten und ihrer eingemeindeten Ortschaften, Horn 1999.&lt;br /&gt;
* SACKEN, Eduard, Archäologische Wegweiser durch Niederösterreich, Wien 1878.&lt;br /&gt;
* SCHRAGL, Friedrich, Glaubensspaltung in Niederösterreich, Wien 1973.&lt;br /&gt;
* DERS., Kirchen und Kapellen im mittelalterlichen St. Pölten, in: Juste, pie, fortiter, Festschrift für Bischof Franz Zak, St. Pölten-Wien 1981, 146-167.&lt;br /&gt;
* WEIGL, Hans, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich I (Wien 1964), 210.&lt;br /&gt;
* WINNER, Gerhard, Das Diözesanarchiv St. Pölten. Behörden und Institutionen, ihre Geschichte und Bestände, St. Pölten 1959.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Diözesanbibliothek in St. Pölten, in: Österreichische Zeitschriftf. Kunst u. Denkmalpflege XXI (1967), 155-163.&lt;br /&gt;
* DERS ., Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien, Wien-München 1967.&lt;br /&gt;
* DERS., St. Pöltner Zehentbesitz im südöstlichen Waldviertel und in der Wachau, in: Das Waldviertel 18 (1969), 272–277.&lt;br /&gt;
* DERS., Zur Bibliotheksgeschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Pölten, in: Translatio Studii, Collegeville Minnesota 1973, 48–74.&lt;br /&gt;
* WODKA, Josef, Personalgeschichtliche Studien über das ehemalige Chorherrenstift St. Pölten, in: Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXVIII (1939–43), 148–206.&lt;br /&gt;
* DERS., Das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift St. Pölten, in: Beiträge zur Stadtgeschichtsforschung. Festschrift der Stadtgemeinde St. Pölten, hrsg. anlässlich der 800-Jahrfeier der Verleihung des ersten Stadtrechtes, St. Pölten 1959, 156–198.&lt;br /&gt;
* DERS., Das Nekrologium des einstigen Chorherrenstiftes St. Pölten als Geschichtsquelle, Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXXVI (1964), 48–57.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift St. Pölten</title>
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		<updated>2022-07-15T15:12:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Die lange Krise */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1083&lt;br /&gt;
|Datum bis=1784&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau, seit 1785 Diözese St. Pölten&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Treisma (799), Treisma ad monasterium Sti Ypoliti (976), Treisima civitas monasterii Sti Ypoliti (985/991), abbatiaad Sanctum Yppolitum (ca 1030), Sand Pelten (1297), Sand Polten (1344). Die römische Stadt trug den Namen Aelium Cetium.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Hippolyt (976), ab 11./12. Jhd. zusätzlich Petrus, Stefan und Paul, später auch Maria&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Landeshauptstadt von Niederösterreich, 60 km westlich von Wien, Stadt mit eigenem Statut. Ursprünglich in der karolingischen, nach 955 ottonischen Mark gelegen, Markgrafschaft Österreich, seit 1156 Herzogtum (1422 Erzherzogtum) Österreich unter der Enns; seit 1920 Bundesland Niederösterreich.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Geschichte vor den Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Das römische Municipium Aelium Cetium, in dem nach seiner Passio der hl. Florian 303/304 im Exil weilte, ging bald nach 400 in den Wirren der Völkerwanderung unter und wird auch in der &amp;quot;Vita Severini&amp;quot; nicht mehr erwähnt. Entsprechend erbrachten die Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte keine Römerfunde aus dem 5. Jahrhundert, wohl aber Zeichen der Zerstörung. Das Gebiet zwischen Enns und Wienerwald dürfte von 500 an kaum besiedelt gewesen sein und stand unter dem Einfluss der Awaren. Mit dem Awarenkrieg Karls des Großen von 791 wurde das Gebiet bis zur Raab wieder dem christlichen Westen eingegliedert. Es folgte bayrische, aber auch slawische Besiedlung. In St. Pölten soll es bald zu einer Klostergründung gekommen sein. Allerdings gibt es auch eine Tradition, die Propst [[Christoph Müller von Prankenheim]] (1688–1715) populär machte. Demnach wurde in St. Pölten durch die beiden adeligen Brüder Adalbert und Ottokar bereits 746 ein Kloster errichtet. Wahr daran ist, dass sie Tegernsee gegründet haben. Wahrscheinlich haben sie durch ihre Beziehungen zu Abt Fulrad von St. Denis Hippolytreliquien erhalten, die sie nach Tegernsee stifteten. Auch 764 wurde als Gründungsjahr angegeben (H. Löwe 1937), doch dürfte dies eher auf großdeutsche Überlegungen zurückgehen. Vor 791 ist eine Klostergründung in Niederösterreich nicht denkbar. Es ist zu vermuten, dass sich das Kloster Tegernsee, das zu den wohlhabendsten gehörte, mit entsprechenden Truppen am Awarenkrieg beteiligte und von Karl dem Großen wie andere auch mit Gütern an der Traisen belohnt wurde. Tegernsee errichtete hier wohl eine Zelle, die dann später Abtei genannt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Errichtung eines Klosters dürfte vor 840 geschehen sein, da dann Tegernsee Passauer Eigenkloster wurde. Vermutlich hatte Passau bereits vorher Besitz in St. Pölten. Die Schenkung der Martinskirche in Linz wurde 799 in Treisma getätigt, was für Passauer Besitz in St. Pölten spricht. Die erste sichere Nennung eines Klosters in St. Pölten geht auf eine Urkunde Kaiser Ottos II. aus dem Jahr 976 zurück. Darin bestätigt er dem Passauer Bischof seine Besitzungen, unter anderem &amp;quot;Treisma ad monasterium sancti Ypoliti.&amp;quot; Ebenso bestätigt Herzog Heinrich (der Zänker) in einem Weistum, das in die Jahre 985/991 datiert wird, dem Passauer Bischof unter anderen Besitzungen &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;deinde Treisimarn civitatem monasterii sancti Ypoliti martiris, ea integritate ut quondam beate memorie Adalbertus episcopus (946–970/971) sub Purchardo marchione (955–976) in sua tenuit vestitura et quemadmodum carta legali affirmatione antiquitus roborata et in publico recitata designabat.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Wie weit es sich dabei um ein bestehendes Kloster oder nur um einen Rechtstitel handelt, sei dahingestellt. Jedenfalls weisen die Ansprüche Tegernsees aus dem 11. Jahrhundert darauf hin, dass wir es ursprünglich mit einer Tegernseer Gründung zu tun haben. Denn in den Tegernseer Güterverzeichnissen wird auch St. Pölten als entfremdetes Gut bezeichnet, so um 1020 und um 1060, das der Passauer Bischof innehabe. Nun wurde das Kloster Tegernsee erst 978 reaktiviert. Es besteht also kein Zweifel, dass St. Pölten im 9. Jahrhundert von Tegernsee aus als Benediktinerkloster gegründet wurde. Ja, es besteht die berechtigte Meinung, dass St. Pölten auch an der Mission im Großmährischen Reich tätig war, wie das Hippolytpatrozinium in Neutra und Znaim-Pöltenberg nahelegt. Ob es den Magyareneinfall überstanden hat, ist ungewiss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weltliches Kollegiatstift===&lt;br /&gt;
Im 11. Jahrhundert kam es jedenfalls zu einer Neuorganisation des Klosters. Im Nekrolog St. Pöltens werden die Bischöfe Berengar (1013–1045) und Eigilbert (1045/1046–1065) als &amp;quot;fundatores&amp;quot; des Klosters bezeichnet. Damals dürfte es zur Umwandlung des Klosters in ein weltliches Chorherrenstift gekommen sein, was durchaus im Trend der Zeit lag (vgl. Ardagger). Den genannten Bischöfen verdankte auch das Kloster die Verleihung seiner ersten Pfarren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Von der Reformtätigkeit Bischof Altmanns von Passau (1065–1091) war auch das Eigenkloster St. Pölten berührt. Ab 1081 stattete er seine Stiftung Göttweig aus. Dies geschah unter anderem auf Kosten der Pfarre St. Pölten, die Teile an die an Göttweig gekommenen Pfarren Kilb und Pyhra verlor. Vermutlich erst nach 1083 wurden in St. Pölten regulierte Kanoniker eingeführt. Dies geschah gegen den Willen der dortigen Kanoniker, wie aus der &amp;quot;Vita sancti Altmanni&amp;quot; hervorgeht. Die St. Pöltner Kanoniker dürften mit ihrem kaiserlich gesinnten Vogt Walchun von Perg im Investiturstreit zu Kaiser Heinrich IV. gehalten haben. Altmann besetzte St. Pölten also mit regulierten Kanonikern vermutlich aus St. Nikola bei Passau. Neuer Propst wurde [[Egilbert]], der auch zweimal als Archipresbyter bezeichnet wird. Doch blieb die Kontinuität im Kloster gewahrt, wie das besondere Gedächtnis an Kaiser Heinrich IV. und dessen Mutter Agnes beweist. Von früheren Pröpsten ist allerdings keiner namentlich nachweisbar. Auch der Ausbau des Klosters wahrte die Kontinuität: für 1065 und 1150 sind Kirchweihen überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Verhältnis zu den Passauer Bischöfen===&lt;br /&gt;
Schon Kaiser Heinrich III. oder Heinrich IV. hatte die Kanonie mit den Marktrechten in St. Pölten ausgestattet (1058?). Nach 1121 bestätigte der Passauer Bischof diese Rechte. Kennzeichnend blieb das ganze Mittelalter das Nebeneinander von Klosterbesitz und den Besitzungen der Passauer Bischöfe in St. Pölten. Diese besaßen in St. Pölten auch ein eigenes Haus, das sie bei ihren Österreichbesuchen als Nebenresidenz benutzten. Mehrfach hielten sie hier auch Diözesansynoden (1284, 1294) ab. 1159 verlieh Bischof Konrad von Passau den St. Pöltner Bürgern bestimmte Rechte (Freiheit von Ordalien), die als ältestes Stadtrecht in Österreich gelten. Die Ummauerung der Stadt erfolgte allerdings erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Kloster gegenüber verhielten sich die Bischöfe meist großzügig. So gab Bischof Konrad 1159 dem Stift die Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Bruck an der Leitha (hl. Martin, nach 1529 Dreifaltigkeit)|Bruck an der Leitha]], Bischof Wolfger (1191–1204) übergab dem Kloster sein Haus, damit es den vierten Teil des Kreuzganges fertigstellen könne. Vermutlich lag dieses mit seiner Maximilianskapelle an der unteren Landstraße (Wienerstraße), wo später die Franziskaner ihr Kloster hatten (heute Priesterseminar). 1213 inkorporierten sie die Klosterpfarre &amp;quot;pleno iure&amp;quot; dem Stift. Bischof Otto von Lonsdorf (1254–1265) weilte häufig in St. Pölten und stellte hier mehr als 30 Urkunden aus. Zu Spannungen kam es wegen der Gemengelage von bischöflichem und klösterlichem Besitz in der Stadt, vor allem aber um die Rechte am bedeutenden Markt. Unter Propst [[Ulrich Feyertager]] (1360–1369) wurde 1365/67 ein Ausgleich zwischen Bischof und Kloster erzielt. Dieses verzichtete auf allen Besitz in der Stadt mit Ausnahme des Klosterviertels und bekam dafür als Entschädigung Zehente in der Umgebung und die bedeutende Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Hürm (hl. Stephanus)|Hürm]]. Bischof Georg von Hohenlohe residierte 1390 bis 1393 in St. Pölten, da ihm seine Bischofsstadt wegen der zwiespältigen Bischofsswahl nicht zugänglich war. Damit begann aber auch das Ende der Passauer Herrschaft in St. Pölten. Bereits 1389 musste die Stadt wegen Schulden erstmals an die Wallseer verpfändet werden, 1481 schließlich dem in Niederösterreich eingefallenen Ungarnkönig Matthias Corvinus. Nach dessen Tod 1490 eroberte König Maximilian Niederösterreich rasch zurück, behielt sich aber St. Pölten. Der Passauer Bischof konnte wegen Geldmangels die Pfandschaft nicht einlösen. So blieb die Stadt bis 1918 landesfürstlich. Für das Kloster bedeutete dies ein Ende der Streitigkeiten mit dem Bischof, hatte dieser doch nur mehr die geistliche Jurisdiktion inne. Allerdings gab es in Hinkunft die üblichen Reibereien mit der Stadtverwaltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
Ab dem 12. Jahrhundert kam es zum Ausbau des Klosters. 1150 ist ein Kirchweihdatum überliefert. Bereits 1133 wurde eine Leutkirche auf dem heutigen Domplatz konsekriert, deren Fundamente 1994 ergraben wurden. Die Andreaskapelle über dem Karner (ebenfalls auf dem Domplatz) wird erstmals 1179 erwähnt. Vor 1140 wurde das Hospital mit der Ägydiuskirche errichtet; als Weihedatum der Kirche wird 1130 angeführt. Eine Jakobuskapelle in der Infirmerie wurde 1184 geweiht. Ebenfalls bereits im 12. Jahrhundert bestand ein Konversenhaus für Frauen, da &amp;quot;moniales de S. Yppoliti&amp;quot; im Nekrolog von St. Andrä erwähnt werden. 1302 erhielt dieses &amp;quot;domus sororum&amp;quot; die Margaretenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1209 wurden in der Sakristei (wohl anlässlich eines Umbaus) Reliquien unbekannter Heiliger gefunden, was zu einer kurzfristigen Wallfahrt nach St. Pölten führte; es wurde auch ein Mirakelbuch angelegt. Einen Höhepunkt erreichte diese Bautätigkeit in der Weihe des Klosters (wohl dem Charakter nach eher eine Kirchweihe) durch Bischof Gebhard im Jahr 1228. Den Übergang von den Babenbergern zu den Habsburgern schafft das Stift ohne größere Probleme. Noch 1248 erhält es durch Bischof Rudger eine Bestätigung seiner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 14. Jahrhundert brachte dem Stift unter den Pröpsten [[Dietmar von Rohr]] (1332–1359) und [[Ulrich Feyertager]] (1360–1369) eine wirtschaftliche Blüte: Es kam zum Ausgleich mit dem Passauer Bischof bezüglich der Besitzungen in der Stadt, zum Erwerb der Pfarre Retz, die zu einer der stärksten wirschaftlichen Stützen des Klosters wurde, aber auch zu bedenklichen personellen und wirtschaftlichen Verknüpfungen mit den Angehörigen der Pröpste. 1358 wütete ein Großbrand. Die Leutkirche auf dem Freithof (Domplatz) wurde vergrößert wieder aufgebaut, wie die Ausgrabungen von 1994 nachwiesen. Propst Ulrich erwarb eine Reihe von Gütern, so den Ansitz Friesing, die Feste Hagenstein, Burg Fridau, Innerkasten, Schwabegg, Rennersdorf und Inning, wobei allerdings unklar bleibt, inwieweit dies auch private Erwerbungen der Familie der Feyertager waren. Damals grassierte immer wieder die Pest, wodurch die Güter oft billig zu erwerben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert wurde St. Pölten über Wittingau (Trebon) von der Raudnitzer Reform erfasst, auf die 1410 auch die Gründung der Augustinerpropstei Dürnstein zurückgeht. Gemeinsam mit dem [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] beteiligte es sich 1414 an der Besiedlung des [[Stift St. Dorothea in Wien|Augustinerklosters St. Dorothea in Wien]]. Das 15. Jahrhundert war eine Blütezeit für die Kanonie, auch wenn es mehrfach kriegerische Ereignisse brachte. So wurde 1424 durch die Hussiten die Stadt Retz zerstört und die Umgebung verwüstet. 1481 bis 1490 besetzten die Ungarn die Stadt. Den großen Stadtbrand von 1474 schildert ein zeitgenössischer Bericht, der auch eine Darstellung der Baulichkeiten des damaligen Stiftes bringt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Dy selb prunst und feur hot verprennt ... das closter der chorherrn mit dem ziegelhoff, dem phister (Bäckerei), und müll, mayrhoff, städeln, marstall, viehstall, kasten, zwei pad der herren im closter und des brobst, werichhaus der zimmerleut, pinthaus, obleyhaus, spital (das spätere Bürgerspital) mit aller zugehörung und zimmer, stall, stadl, pad kasten daselbs; item der chorherrn siechhaus (Infirmerie im Kloster), der jungkherrn schlaffhaus ganz und gar, der herrn schlaffhaus ain teil in ziegeldach, das dach vor dem refät (Refektorium), des dechants heüsl, das secret, der zynein knopf aus dem münster, des Heil. Geist kirchen, des kastner und schaffner zimmer, das schenkh haus das man heißt in dem Lüeglein; St. Margarethn das dach (Kirche der Chorfrauen), das dach auf dem korner (Karner), das dach und heusel in dem gusterhof, die schuel, messnerheusl, das kirchengässel, ...&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Die Schäden müssen enorm gewesen sein, so musste die Spitalskirche in der Unteren Landstraße (Wiener Straße) neu errichtet werden. Die Baulast für die Erneuerung des Kremserturmes und der Befestigungen bis zum Wiener Tor fiel dem Stift zu. Die Behebung der Schäden dauerte bis nach 1500.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die lange Krise===&lt;br /&gt;
Einem neuerlichen Stadtbrand fielen 1512 die Westfassade mit den beiden Türmen und offensichtlich auch die Sakristei zum Opfer. Letzteres geht aus einer Bischofsurkunde von 1513 hervor. Demnach gewährte Bischof Wiguleus Fröschl dem Konvent die Erlaubnis, anstatt der bisherigen Almuzien aus schwarzem Lammfell solche aus billigeren Eichhornfellen zu tragen. Von der Doppelturmanlage wurde nur mehr der Südturm wiederhergestellt. Daneben gab es noch andere Gründe für den Niedergang. Da waren zunächst die Türkenkriege, die 1529 und 1532 die Stadt erreichten. Wenn auch die Stadt nicht unmittelbar betroffen war, so litten doch die stiftlichen Güter. Zusätzlich musste das Kloster die Quart und die Terz entrichten und immer wieder dem Landesfürsten Darlehen gewähren. Schon 1526 musste es Silber im Wert von 530 Mark abliefern. Schon 1525 leistete es ein Darlehen von 800 Gulden, 1537 und 1539 von 600 Gulden, und 1558 musste es den Stiftshof in Pulkau verpfänden, um ein Darlehen von 3.000 Gulden aufbringen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu kamen die relativ kurzen Amtszeiten der Pröpste, von denen drei resignierten: [[Johannes Marquard]] (1515–1530), [[Johannes Perlasreuter]] (1530–1538) und [[Martin Renhofer]] (1538–1539). Unter Propst [[Leopold Hagen]] (1539–1563) erreichte das Stift seinen Tiefpunkt. Natürlich wirkte sich für das Kloster auch das Eindringen der Reformation negativ aus, was sich besonders im Rückgang der Konventualen zeigte. Dazu starben in den Seuchenjahren 1541/42 sieben Konventualen. 1544 betrug ihre Zahl noch zwölf, 1561 waren es nur mehr sechs, 1566 vier, wobei einer sich auf der Stiftspfarre [[Retz]] befand. Ab Propst [[Georg Hueber]] (1569–1575) besserte sich die Personallage. In der Stadt kam der Protestantismus um 1560 zum Durchbruch. Gemeinsam mit dem Propst wurde der Prediger für die Frauenkirche (einstige Leutkirche auf dem jetzigen Domplatz) bestellt. Der Stadtrat machte daraus ein alleiniges Recht und bestellte protestantische Prediger. Daraufhin ließ Propst Georg die Kirche sperren. In seinem Todesjahr 1575 fand noch eine Visitation statt, die ein erfreuliches Bild zeichnete. Unter seinem Nachfolger [[Melchior Schad]] (1576–1598) schlitterte das Stift allerdings in tiefe Schulden und musste zeitweilig administriert werden. Seine Nachfolger [[Eucharius Warmuth]] (1598–1599) und [[Johannes Meringer]] (1600–1601) regierten nur wenige Monate. Unter Propst [[Johannes Metz]] (1601–1611) wurde in St. Pölten eine Visitation durch Offizial Melchior Khlesl durchgeführt. Einige Tage vor dem Tod seines Nachfolgers [[Johannes Roth]] aus Dinkelsbühl (1612–1621) kam es zu einem katastrophalen Stadtbrand, der auch das Stift schwer traf. Nach drei nur kurz regierenden Pröpsten wurde 1628 [[Wolfgang Panckhammer]] zum Propst gewählt. Er war ein frommer Mann und guter Güterverwalter, hatte aber den Konvent nicht im Griff und wurde sogar von den eigenen Chorherren mit Säbel und Pistole bedroht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Blütezeit seit Propst Fünfleutner=== &lt;br /&gt;
Erst die Visitation durch den Klosterneuburger Propst brachte eine entscheidende Wende zum Besseren. Propst [[Bernhard Enoch von Waitz|Bernhard]] von [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bot den St. Pöltnern auch einen Novizenmeister an, was vermutlich den Eintritt des [[Johannes Fünfleutner]] 1630 in das Stift zur Folge hatte. Er sollte zum bedeutendsten Propst des Stiftes werden. Fünfleutner wurde um 1589 in Schärding am Inn geboren; er war bürgerlicher Abkunft. Er erlangte den Doktorgrad der Medizin an der Universität Padua, war 1626 Dekan der medizinischen Fakultät in Wien, nahm 1628/1629 an einer kaiserlichen Gesandtschaft nach Konstantinopel teil und fungierte 1629 als Rektor der Wiener Universität (als Propst hatte er 1644 nochmals dieses Amt inne). Erst im Kloster dürfte er seine theologische Ausbildung erhalten haben. Es ist auch zu vermuten, dass er von seiner früheren Tätigkeit her ein größeres Vermögen mitbrachte. Er wurde bald Kämmerer und Stiftsdechant und nach dem Tod Panckhammers ging er siegreich aus der Neuwahl des Propstes am 17. Februar 1636 hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während seiner Tätigkeit als Propst durch 25 Jahre kam es zu 28 Neueintritten ins Kloster, wovon allerdings sieben Chorherren vor ihm starben. Bei der Neuwahl nach seinem Tod gab es immerhin 21 Konventualen. Zu seinen großen Leistungen gehörte der Neubau des Klosters. Somit entstand jenes Gebäude, das weitgehend mit dem heute noch bestehenden Bistumsgebäude identisch ist. Dies ersieht man aus einer Federzeichnung aus dem Jahre 1653, die im Diözesanmuseum aufbewahrt wird. Nur der Gästetrakt (heute Bischofstrakt) wurde im 18. Jahrhundert hinzugefügt. Er unterstützte den Wiederaufbau des Franziskanerklosters und sorgte für eine erste Barockisierung der Stiftskirche. Auf Fünfleutner geht auch die Errichtung der Kapelle zu Ehren der hl. Barbara zurück, die sich vor dem Wilhelmsburger Tor befand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Belebung der Frömmigkeit des Volkes führte er 1636 die Mariazeller Wallfahrt ein und 1646 die Manker Wallfahrt, die bis in die Gegenwart durchgeführt wird. Auf Initiative der Bürgerschaft reaktivierte er die Sebastianibruderschaft und errichtete 1646 die Rosenkranzbruderschaft, die breiten Anklang über St. Pölten hinaus fand. Fünfleutner starb am 29. Jänner 1661 im Alter von 72 Jahren. Sein Grabstein im rechten Seitenschiff der Domkirche rühmt ihn als Ratgeber dreier Kaiser, Erbhofkaplan, Rektor der Wiener Universität, Erbauer des Münsters in St. Pölten und Erneuerer des religiösen Lebens. Seine beiden Nachfolger [[Gabriel Kölsch]] (1661–1669) und [[Patrizius Zeller]] (1670–1683) konnten gut weiterarbeiten. Immerhin wurde im Stift Moraltheologie und zeitweilig auch Philosophie doziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verheerend wirkte sich der Türkeneinfall von 1683 auf die Stiftsgüter aus. Zwei Chorherren fanden als Pfarrer den Tod. Propst Zeller floh nach Linz, wo er noch im gleichen Jahr starb. Ungefähr 200 Untertanen wurden verschleppt, über 5.000 Stück Vieh geraubt und 120 Häuser verbrannt oder geplündert. Die Kirchen in Weißenkirchen an der Perschling, Obergrafendorf und St. Georgen am Steinfeld und die Pfarrhöfe in Kasten und Gerersdorf wurden beschädigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur kurz währte die Amtszeit von Propst [[Hieronymus Griesmayr]] (1683–1688). Mit Propst [[Christoph Müller]] von Prankenheim (1688–1715) kam wiederum eine energische Persönlichkeit an die Spitze der Kanonie. Er ließ den Kirchturm erhöhen und in seine heutige Form bringen. Auch schaffte er ein neues Geläute an, das noch weitgehend erhalten ist. Er war auch auf die Vergrößerung des Stiftsbesitzes bedacht. So erwarb er die Ochsenburg für das Stift zurück, kaufte den Schwaighof südlich der Stadt und ließ ihn künstlerisch ausstatten. Ebenso erneuerte er den Lesehof in Joching in der Wachau und den Stiftshof in Pulkau. Doch war er auch wissenschaftlich tätig und verfasste eine Stiftsgeschichte, die dann in Werken von Duellius und Maderna Eingang fand. Unter Propst Christoph fand eine Änderung der Kleidung der Chorherren statt. Anstatt Weiß wurde nunmehr Schwarz getragen, was sich allerdings schon früher abgezeichnet hatte. Zu seinem Nachfolger wurde der 34-jährige aus Melk stammende [[Michael Führer]] gewählt. Beim Tod seines Vorgängers wurden 115.500 Gulden Schulden festgestellt, denen allerdings 50.000 Gulden Aktiva gegenüberstanden. Auf Grund der prekären Lage musste Führer versprechen, die Gebäude zu erhalten und nur notwendige Neubauten zu errichten, sowie die Konventualen bei wichtigeren Angelegenheiten zu konsultieren. Ringsum hatte der &amp;quot;Bauwurm&amp;quot; die Prälaten erfasst. So entwarf Führer auch einen Plan zur Barockisierung der Stiftskirche, wahrscheinlich auf Pläne Prandtauers zurückgehend, der auf hohem Niveau verwirklicht wurde. Auch in den Stiftspfarren wurde gebaut und in Nutzbauten in den Weinbaugebieten investiert. Wegen der hohen Auslagen kam es 1722 zu einer Revolte im Konvent. Einige Chorherren richteten eine Klageschrift an die Regierung, in der dem Propst Verschleuderung des Stiftsgutes vorgeworfen wurde. Propst Führer, der durchaus auch Anhänger im Konvent hatte, rechtfertigte sich: Gerade der Weinbau sei für das Stift wichtig, bestehe doch das Haupteinkommen des Stiftes aus dem Weinbau und Weinzehent. Zudem zahle man für den Eimer Grinzinger zehn Gulden, während der aus anderen Lagen nur die Hälfte erbringe. Er verteidigte auch seine Bautätigkeit und die Anschaffung von Chorgestühl und neuer Orgel für die Kirche; zugleich verwies er auf die notwendige, aber teure Gastlichkeit. Die Regierung nahm diese Rechtfertigung zur Kenntnis. Führer fühlte sich gestärkt. So setzte er die Theologieprofessoren ab und schickte die Kleriker zum Studium zu den Franziskanern. Auch den anderen Opponenten entzog er ihre Funktionen und forderte strikten Gehorsam. 1722 bis 1725 war Führer einer der zwei Vertreter des niederösterreichischen Prälatenstandes im niederösterreichischen Landtag, und 1725 bis 1728 gehörte er dem Verordnetenkollegium des Landtages an. Da er meist in Wien wohnte, kaufte er für das Stift das Haus Krugerstraße 5 und ließ es renovieren, was den Schuldenstand noch erhöhte. Nach seiner Rückkehr aus Wien widmete er sich erneut der Bautätigkeit, sollte doch die Barockisierung der Stiftskirche zum Tausendjahrjubiläum des Klosters im Jahr 1740 vollendet sein. Aber auch außerhalb der Stadt ließ er die stiftlichen Gebäude erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Stift selbst begann er 1727 mit dem Ausbau der Bibliothek und dem Neubau eines Gartenhauses. 1735 kam es zur Neueinwölbung der Stiftskirche, in der Folge wurde ihre Einrichtung geschaffen. Auf Führer geht auch die Prälatenstiege und der neue Gästetrakt (heute Bischofstrakt) im Nordosten zurück, ebenso das neue untere Tor (heute Bischofstor).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1737 wurde mit [[Hippolyt Wolff]] durch die Kapitularen ein neuer Dechant gewählt, der schon länger zu den Opponenten Führers gehört hatte. Nachdem er sich einen Einblick in die finanzielle Situation geschafft hatte, erhob er Anklage gegen den Propst: Dieser habe gegen 200.000 Gulden illegal Schulden gemacht. Diesmal griff der Kaiser durch den Klosterrat entschieden ein. Führer wurde 1739 seines Amtes enthoben. Untersuchungen brachten Schulden von etwa 380.000 Gulden zum Vorschein. Davon hatte er 181.000 mit dem gefälschten Konventsiegel und etwa 60.000 Gulden allein auf seinen Namen aufgenommen. Der Propst musste das Kloster verlassen und wurde auf der Ochsenburg, im [[Stift St. Florian]] und dann in Korneuburg interniert. Während des Baierneinfalls 1741 tauchte er wieder im Kloster auf, musste aber dann 1742 bis zu seinem Tod 1745 in Bruck an der Leitha leben. Die Mehrheit der Kanoniker und auch die Stadtbevölkerung blieb ihm getreu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Ausklang===&lt;br /&gt;
Nach dem Abgang Führers wurde das Stift administriert. Dechant Wolff hatte keine glückliche Hand. Sein Nachfolger, der Klosterneuburger Chorherr [[Bernhard Paul]] (Administrator 1741–1747), konnte den Schuldenstand zwar etwas reduzieren, hatte aber mit dem zerstrittenen Konvent seine Not. Nun wurde wiederum Wolff bestellt (1747–1753), der aber zahlreiche Gegner hatte. Erst unter [[Matthis Alteneder]] kam das Kloster in ruhigere Bahnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sich die Schulden auf 222.000 Gulden vermindert hatten, wurde 1755 eine neue Propstwahl gestattet. Gewählt wurde Alteneder, der bis zu seinem Tod 1779 den Schuldenberg auf 34.790 Gulden reduzieren konnte. Auch unter seinem Nachfolger [[Ildephons Schmidbauer]] (1779–1784) hielt die positive Entwicklung an. Zur Zeit der Klosteraufhebung waren nur 15.000 Gulden Passiva gegeben. Auch der Personalstand war mit 32 bzw. 37 Mitgliedern erfreulich. Man kann mit Recht von einer späten Blüte des Klosters sprechen. Das Stift fand sein Ende nicht wegen Missständen oder Misswirtschaft, es fiel vielmehr den Diözesanplänen Kaiser Josephs II. zum Opfer. Dieser befahl am 9. Juni 1784 die Aufhebung des Klosters, die am l. Juli vollzogen wurde. Schmidbauer wurde an der ehemaligen Domkirche in Wiener Neustadt Propsteipfarrer (verstorben 1791). Die Klostermitglieder traten in den Dienst der Diözesen St. Pölten und Wien. Am 25. Jänner 1847 starb als letzter ehemaliger St. Pöltner Chorherr [[Andreas Malachias Spitzl, Pfarrer und Dechant in Bruck an der Leitha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Über die Wirtschaftsgeschichte liegen bisher keine gründlichen Untersuchungen vor. Es gibt keine Gründungsurkunde und keine frühen Urbare. Dagegen ist der Besitzstand aus der Zeit der Aufhebung bekannt. Demnach lag St. Pölten nach den Großklöstern Klosterneuburg, Melk und Göttweig, wenn auch mit Abstand, an etwa vierter Stelle. Eine Urkunde Papst Alexanders III. (1159–1181) nahm das Stift mit seinen Besitzungen in Schutz. Darin werden zunächst alle dem Stift gehörigen Kirchen aufgezählt: St. Pölten (mit dem Marktrecht), [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Böheimkirchen (hl. Jakobus)|Böheimkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Kapelln (hl. Petronilla)|Kapelln]] mit den dazugehörigen Kirchen Weißenkirchen, Katzenberg, Haselbach, Würmla und Murstetten, die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#St. Christophen (hl. Christophorus, auch hl. Bartholomäus)|St. Christophen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Bruck an der Leitha (hl. Martin, nach 1529 Dreifaltigkeit)|Bruck a. d. Leitha]]. In der Pfarre St. Michael in der Wachau der halbe Zehent, in Pulkau und Zellerndorf der Drittelzehent, in Nalb und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Retz (hl. Stephanus)|Retz]] der halbe Zehent. Dann folgt die Aufzählung der Lehen und Huben des Stiftes. Die lagen zumeist in der weiteren Umgebung von St. Pölten. Weiter entfernt waren Besitzungen in Pillichsdorf, Ollersdorf und Waltersdorf. Davon gehen die drei Pfarren Böheimkirchen, Kapelln und St. Christophen auf eine Schenkung Bischof Berengars (1013–1045) zurück. Die Pfarre Bruck gab 1159 Bischof Konrad dem Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Urkunde Bischof Rudigers von 1248 bringt ähnlich der Papsturkunde eine Aufzählung des Klosterbesitzes. Zunächst werden auch hier die Pfarren mit ihren exempten und nichtexempten Filialen aufgezählt: Bruck (Wilfleinsdorf, Arbesthal, Göttlesbrunn und die Nikolauskapelle in der Stadt), Kapelln (Jeutendorf, Weißenkirchen und Katzenberg), Böheimkirchen (Außer- und Innerkasten, Lanzendorf, Schildberg und Stössing), St. Christophen (Brand und Seebach), St. Pölten (Ober- und Unterpottenbrunn, Schlosskapelle Viehofen, Obergrafendorf, Weinburg, Haindorf, Kapelle Markersdorf, Hafnerbach, Schlosskapelle Pielach, Kapelle Karlstetten, Kapelle St. Georgen am Steinfeld). Als wesentlicher Zehentbesitz werden angeführt: St. Michael in der Wachau, Kottes, Meisling, Pulkau, Retz, Nalb, Mautern, Weiten und Melk jenseits der Donau. Der Hausbesitz wird detailierter als in der Papsturkunde angegeben. Das Stift besaß damals etwa 350 dienstpflichtige Häuser. Der Schwerpunkt der Besitzungen lag zwischen Pielach und Perschling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Schwerpunkte waren die Weingärten im Tullnerfeld (Amt Königstetten) und in Grinzing, deren Wein sich gut verkaufen ließ. Weitere größere Besitzungen gab es im Marchfeld (Ulrichskirchen); aber auch die Weingüter um Pulkau und Retz waren für das Stift bedeutsam. Ein weiteres Weinbaugebiet war in der Wachau (Joching), wo das Stift den Weinzehent aber auch Eigengüter besaß. In der Umgebung von St. Pölten erwarb das Stift 1366 die Herrschaft Kasten, 1383 das kleine Gut Ochsenburg und bekam 1398 endgültig die Pfarre Hürm mit ihren Zehenten, nachdem es drei Viertel der Stadt an den Passauer Bischof abgetreten hatte. Natürlich ging auch immer wieder Besitz verloren oder wurde abgetauscht. Im Großen und Ganzen aber blieb der wichtigere Besitz konstant. Erst in der Neuzeit kamen einige Neuerwerbungen dazu. Bei der Inventarisierung anlässlich der Aufhebung des Stiftes 1784 ergab sich folgendes Bild. Das Gesamtvermögen wurde auf 518.033 Gulden berechnet, das jährliche Einkommen mit etwa 40.000 Gulden taxiert, womit das Stift zur begüterteren Hälfte der niederösterreichischen Klöster gehörte. Der Stiftsbesitz setzte sich zusammen aus der Stiftsherrschaft St. Pölten, den Herrschaften Hürm, Kasten, Retz (mit Pulkau), Ochsenburg, dem Freihof Harthof und dem Schwaighof. Dazu gehörten außerdem das Pfarrgut Bruck a. d. Leitha und das Haus in Wien Krugerstraße, das Propst Führer 1726 von den Tullner Dominikanerinnen erworben hatte. Die engere Stiftsherrschaft umfasste den stiftlichen Meierhof zu St. Pölten mit 85 Joch Acker, 528 Joch Waldungen, 55 Joch Auen und 20 Joch Viehweide. Dazu gehörten die Lesehöfe zu Grinzing mit 40 Viertel, zu Joching &lt;br /&gt;
mit 93 Viertel zu Joching und 30 Viertel zu Loiben, und zu Königstetten mit 35 Viertel Weingärten, weiters 474 untertänige Häuser, von denen sich 41 in der Stadt befanden. Der meiste Zehentbesitz lag in den Pfarren St. Pölten, Pyhra, Böheimkirchen und Kapelln sowie in der Wachau (Weinzehent). Die Herrschaft Hürm besaß 48 Untertanen, Kasten 126, Retz mit dem Freihof Pulkau 100, die Herrschaft Ochsenburg (1699 wieder erworben) 50, der Harthof (1662 erworben) neun. Das Pfarrgut Bruck hatte 18 Untertanen und einige Weingärten im Joiser- und Neusiedlergebirge in Ungarn. Aus diesem doch recht ansehnlichen Wirtschaftskörper (ausgenommen das Gut Retz) wurde das Religionsfondsgut St. Pölten gebildet, das dann auch das Patronat über die ehemaligen Klosterpfarren bis 1938/39 innehatte. Allerdings waren bis zu dieser Zeit bereits zahlreiche Stücke veräußert worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das (Augustiner-) Chorherrenstift St. Pölten war immer ein Eigenkloster der Passauer Bischöfe. Ihnen stand daher auch die Obervogtei zu. Im 11. und 12. Jahrhundert hatten die Hochfreien von Perg, Verschwägerte der Babenberger, die Vogtei inne. Sie wird erstmals in einem Weistum um 1125 erwähnt, wobei es vor allem um die Marktrechte ging, die dem Kloster bereits 1058 oder früher (also vor Einführung der regulierten Chorherren) durch Kaiser Heinrich III. oder IV. gewährt worden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1150 entzog Herzog Heinrich von Bayern (in Österreich Markgraf Heinrich II. Jasomirgott) dieses Recht und zwar auf Bitten seines Bruders Konrads, des Bischofs von Passau, und übergab die Vogtei dem Bischof. Doch bald übernahmen sie die Babenberger selbst (und später die Habsburger) als Lehen des Bischofs. Problematisch blieb lange Zeit das Verhältnis zum Passauer Bischof, der ja die Oberhoheit in der Stadt besaß, obwohl er nur einen Teil der Häuser innehatte. Zu einem Ausgleich kam es erst 1367, als das Stift auf die Marktrechte und Zölle und alle Häuser mit Ausnahme die des Klosterviertels verzichtete. Die Spannungen verlagerten sich nun auf das Verhältnis zur Stadt, da das Kloster auch ein Viertel der Stadtmauer zu erhalten hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intensiver wurde der Einfluss des Landesfürsten im 16. Jahrhundert, als König Ferdinand Klostervisitationen vornehmen ließ und der Landesfürst ab 1568 durch den Klosterrat unmittelbar Einfluss auf das Klosterleben ausübte. Für Außenbesitzungen gab es wenig belegte Untervögte. Eine eigenartige Beziehung bestand zum Kollegiatstift Marz(-Hierpach) im damaligen Ungarn, das um 1220 durch die Familie Osl gegründet worden sein dürfte. Dafür stellte das Stift St. Pölten mehrere Pröpste, wie aus dem Nekrolog hervorgeht, wo sie als &amp;quot;fratres&amp;quot;, also als Konventmitglieder, bezeichnet werden. Eine Ernennungsurkunde aus dem Jahr 1295 hat sich erhalten. 1438 verzichtet der St. Pöltner Propst auf das Ernennungsrecht und erlaubte der Gemeinde und den Pfarrleuten, den Propst von Marz selbst zu wählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Über die Herkunft der St. Pöltner Kanoniker vor 1080 gibt es keine Auskunft. Die ersten Augustinerpröpste entstammten wahrscheinlich dem höheren Adel, wie etwa der spätere Passauer Bischof [[Reginbert]] (1138–1147), der vorher Propst in St. Pölten war. Ansonsten gehörten die meisten Chorherren dem niederen Adel an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert verstärkte sich der Anteil der Bürgerlichen vor allem aus Wien, Tulln und Wiener Neustadt. Ausländer, wie etwa Propst [[Johannes Moravus]] (1370–1372), finden sich selten. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mehren sich Eintritte aus Bayern und Vorderösterreich. Im 17. und 18. Jahrhundert überwogen wieder die Eintritte aus der näheren und weiteren Umgebung. Darunter waren auch immer wieder Nobilierte. Eine erste Aufzählung des Konvents gibt es um 1190, als zehn Chorherren angeführt werden; der Zusatz &amp;quot;et ceteri fratres&amp;quot; weist auf mehr hin. Exakter wird die Anzahl der Chorherren erstmals in einer Urkunde von 1259 mit zwölf Priestern ohne Propst angeführt. 1273 bestand der Konvent aus 14 Priestern und einer nicht genannten Zahl von Klerikern mit niederen Weihen und Konversen. Die Zahl dürfte weiter gestiegen sein, da Herzog Albrecht III. 1380 die Höchstzahl der Klosterinsassen mit 24 festlegte. Im 15. Jahrhundert waren es zwischen 15 und 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krise des 16. Jahrhunderts wirkte sich in St. Pölten aus. Zwar verließ nur ein Chorherr den geistlichen Stand, doch machte sich der Mangel an Nachwuchs bemerkbar. Zudem starben 1541/42 sieben Mitglieder an der Seuche, sodass 1544 der Konvent nur mehr aus zwölf Mitgliedern bestand. Im Haus lebten sechs Priester und zwei Kleriker, auf den Stiftspfarren wirkten vier Priester. Von 1561 bis etwa 1590 betrug die Zahl meist nur vier bis sechs. Um 1600 aber waren es bereits zehn. 1611 und 1623 gab es zwölf Wahlberechtigte. Unter Propst Fünfleutner nahm der Konvent endlich einen Aufschwung; bei seinem Tod 1661 war der Konvent auf 21 gestiegen und erreichte 1675 sogar 30. Bei der Propstwahl von 1715 waren 24 Konventualen stimmberechtigt. Um 1740 gab es etwa 30, im Jahr der Aufhebung 1784 32 Konventualen. Im Mittelalter war offensichtlich das Institut der Konversen von größerer Bedeutung. Im Nekrolog werden 104 angeführt; ihre Zahl dürfte aber höher gewesen sein. Davon gehören etwa zehn noch dem 12. Jahrhundert an. Ebenfalls zehn gehören dem beginnenden 14. Jahrhundert an. Dann bricht die Institution ab. Im Nekrolog werden 85 weibliche Konversen angeführt, wobei unklar bleibt, wie weit es sich um Mitglieder des Frauenkonvents handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Es wurden bisher keinerlei Reste aus der Karolingerzeit gefunden. Für die Stiftskirche sind Weihedaten zu 1065, 1150 und 1228 überliefert. Eine weitere Weihe dürfte um 1280 stattgefunden haben. Von der ältesten Kirche sind an der Nordmauer auf der Kreuzgangseite romanische Fenster zu sehen. Der jetzige Kirchenbau geht wohl auf den Beginn des 13. Jahrhunderts zurück. Dagegen dürfte die Doppelturmanlage der Westfassade älter sein. Das alte Aussehen der Kirche ist noch in der Rosenkranzkapelle erhalten, die zwei Joche des rechten Seitenschiffs umfasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1512 wurde der Nordturm nur mehr bis zur Höhe das Daches wiederhergestellt, der Südturm wurde 1560 aber höher als bisher ausgebaut und erhielt 1693 seine heutige Form. Der Plan zu einer barocken Scheinfassade mit dem Südturm als Zentrum kam nicht zur Ausführung. Im Inneren bewahrt die Kirche die dreischiffige romanische Anlage, wurde aber im 18. Jahrhundert vollständig barockisiert. Eine erste barocke Einrichtung erhielt die Kirche unter Propst Fünfleutner; 1648 wurden fünf Seitenaltäre geweiht und 1658 durch Tobias Pock das Hochaltarbild geschaffen, das einzig erhaltene Stück dieser Phase. Propst Führer führte unter Leitung von Jakob Prandtauer und Josef Munggenast eine radikale Neugestaltung durch. Die Kirche wurde barock gewölbt und die romanischen Pfeiler mit Stuckmarmor verkleidet. Freskenmaler waren Thomas Friedrich Gedon, Antonio Tassi, Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte. Der Hochaltar ist eigentlich nur eine Wandgliederung mit dem alten Maria-Himmelfahrtsbild von Pock. An den Seitenaltären arbeiteten prominente Künstler wie Jakob Ch. Schletterer (Kreuzaltar) mit, der auch die zwei Sandsteinreliefs in den Seitenschiffen schuf. Die Altarbilder stammen zumeist von Daniel Gran. Die St. Pöltner Kunsthandwerker Hippolyt Nallenburg und Peter Widerin schufen die Kanzel und das Chorgestühl. Bemerkenswert sind auch die Beichtstühle. Von den Grabdenkmälern sei nur auf das Fünfleutners im rechten Seitenschiff verwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kirche wurde seit ihrer Fertigstellung um 1747 kaum verändert. Neu ist das Denkmal für Bischof Kerens. 1856/58 mussten die Plastiken des Hochaltars erneuert werden. Der Volksaltar stammt von 1983. Das Stiftsgebäude wurde nach dem Brand von 1621 in frühbarocker Form bis 1650 praktisch neu errichtet, auch wenn die alte Anlage drei Höfe gehabt haben dürfte. Der Kreuzganghof wurde vergrößert. Der Brunnenhof dürfte die alte Substanz behalten haben. Der Binderhof blieb zwar in der Gestalt gleich, doch bekam er eine neue Funktion. Statt Getreidespeicher und Binderei wurden Wohnungen für die Domherren und Büros für die Bistumsverwaltung geschaffen. Weitere Änderungen im Inneren gab es unter Propst Müller, unter dem die beiden Sakristeien und das Oratorium ausgebaut wurden. Unter Propst Führer kam es zum Bau des Gäste(Bischofs-)trakts und des dorthin führenden Stiegenhauses  mit dem qualitätvollen Sandsteinrelief sowie zur Ausgestaltung der Bibliotheksräume, die unvollendet blieben; weiters ließ er das Einfahrtstor an der Ostseite errichten (1908 zurückversetzt) sowie 1726 das Gartenhaus. Einzelne Reste erinnern an die ältere Klosteranlage. So einige romanische Bögen im Brunnenhof und am Domplatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgrabungen brachten im Kreuzganghof und unter der Domherrensakristei (1949, 1980, 1982) die Heilig-Geist-Kapelle und den alten Kapitelsaal mit zwei Altären zum Vorschein. Das alte Refektorium wurde etwas südlich vom jetzigen Sommerrefektorium ergraben; es dürfte schon im 15. Jahrhundert abgekommen sein. Aus der Zeit des Chorherrenstiftes stammen noch einige liturgische Geräte und Paramente. Zwei Monstranzen aus dem 18. Jahrhundert, ein Ziborium von 1608, eine Reihe von Kelchen, wovon der älteste von 1479 (?) stammt, ein anderer von 1524, und einige weitere aus der Barockzeit. Unter den Reliquiaren ist ein Kreuzreliquiar aus dem frühen 15. Jahrhundert von besonderer Bedeutung. Von den Ornaten seien der 1726 durch Propst Führer um 12.000 Gulden angeschaffte rote Ornat und der Altenederornat von 1760 erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Über der Geschichte der Bibliothek waltete kein guter Stern. Zwar dürfte um 1200 die Wissenschaftspflege im Kloster geblüht haben, wie auch aus der späteren &amp;quot;Vita Altmanni&amp;quot; hervorgeht, doch hat sich nicht allzuviel erhalten. Ab 1200 werden immer wieder &amp;quot;scholastici&amp;quot; erwähnt. Die meiste Information liefert der Bibliothekskatalog des Albert Maderna von 1761. Die ältesten Handschriften betreffen Bibel und Liturgie. Ein Missale (Hs. 14) reicht in das frühe 13. Jahrhundert zurück, ebenso zwei Lektionare (Hs. 60 und 41). Unter Propst [[Heinrich]] (1252–1268) wurden zahlreiche Handschriften aus Passau zum Kopieren entlehnt, die vor allem kanonistischen Inhalt hatten. Die St. Pöltner Pröpste waren häufig als delegierte Richter tätig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts bestand eine Buchmalschule, wenn auch auf bescheidenem Niveau. In diesem und dem folgenden Jahrhundert kam es offensichtlich zu einem Aufschwung der Wissenschaftspflege. Beigetragen dazu hat die enge Verbindung mit der Wiener Universität ab 1380. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts dürfte die Bibliothek etwa 200 Handschriften und 220 Frühdrucke umfasst haben. Von den Handschriften sind nur mehr 80 erhalten, von den Frühdrucken etwa 140. Abgesehen von den liturgischen Büchern waren Handschriften mit Ketten befestigt und lagen auf Pulten. Die Spuren davon sind noch zu sehen. Vermutlich befand sich die Bibliothek oberhalb der Sakristei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1439 kam es zur Stiftung von 100 Pfund für die Einrichtung der Bibliothek, wohl zur Anschaffung der Pulte. Nach dem Neubau wird 1653 die Bibliothek im Bereich des heutigen Dompfarramts ausgewiesen. Vor 1722 begann Propst Führer mit dem Ausbau der Bibliothek und deren kostbarer Ausschmückung, die aber nie vollendet wurde. Als Freskanten waren Paul Troger und Daniel Gran tätig. Das 16. Jahrhundert bringt nur wenig Nachrichten zur Bibliothek. Ein Umschwung setzte mit Propst Fünfleutner (1636–1661) ein, der von seiner früheren Tätigkeit als Professor für Medizin vor allem medizinische Werke mitbrachte. Seit etwa 1660 wurde im Kloster auch Theologie doziert, was zur Vermehrung der theologischen Werke führte. Mit [[Raimund Duellius]] (1693–1769) trat erstmals ein hauptberuflicher Bibliothekar in Erscheinung. Ihm folgte [[Albert Maderna]] (1703–1780), der eine Neuaufstellung der Bibliothek vornahm und 1756 dazu auch einen Katalog herausgab. Bei der Inventarisierung des Klostervermögens 1784 wird die Bibliothek nur summarisch erwähnt. Sie ging 1785 in den Besitz der neu gegründeten Diözese über und wurde Grundstock der Diözesanbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Bereits 1250 wird von einer Devastierung bei den Klosterurkunden berichtet. Wohl deswegen kam es zur Anlegung von Kopialbüchern. Nach der Krise des 16. Jahrhunderts brachte der historisch interessierte Propst Müller (verstorben 1716) das Archiv wieder in Ordnung. Aber zwischen 1725 und 1846 gab es große Verluste. Eine gewisse Schuld dürfte beim Stiftsmitglied Raimund Duellius gelegen sein, der für sein Werk &amp;quot;Excerpta genealogico-historica saec. XII., XIII., XIV., XV., XVI&amp;quot; 325 Urkunden behandelte, von denen heute nur mehr 42 Stück erhalten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Franzoseneinfall 1741 wurde das Archiv neuerlich in Unordnung gebracht. Mit der Aufhebung des Stiftes fiel das Archiv in den Wirkungskreis der Kameraladministration, der auch das Religionsfondsgut St. Pölten unterstellt war. Bei der Übernahme dürften die Akten und Kanzleiregistraturen als wertlos vernichtet worden sein. Erhalten blieben sechs Kopialbücher, einige Urbare und Grundbücher, 266 Urkunden und einige Akten. Davon gelangten fünf Kopialbücher und die anderen Stücke 1848 an das Staatsarchiv. 1860 bzw. 1862 und sogar noch 1934 kamen weitere neun Handschriften (Kopial-, Gerichts-, Lehen- und Dienstbücher) dorthin. Im Diözesanarchiv St. Pölten befinden sich nur ein Karton Akten, zehn Urkunden und sieben Bücher aus dem Klosterbestand, weiters das Archiv des Gutes Ochsenburg. Zur Erforschung der Klostergeschichte müssen also Bezugsarchive herangezogen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* BÜTTNER, Rudolf, Aelium Cetium. Das Fortleben seines Namens im Mittelalter, in: Jahreshefte des Österr. Archäologischen lnstituts 40 (1953), Beibl. Sp. 185 ff. &lt;br /&gt;
* DERS., Propst Ulrich Feyertager. Seine Burgen und deren Geschichte, in: Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXXVI (1964), 155-183.&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich südlich der Donau, Tl. 2, Horn/Wien 2003.&lt;br /&gt;
* DONIN, Richard Kurt, Der mittelalterliche Bau des Domes zu St. Pölten. Ein Beitrag zur Geschichte der romanischen Baukunst in Wien und Niederösterreich, in: Mitteilungen f. Geschichte d. Stadt Wien XII (1932), 163.&lt;br /&gt;
* FAHRNGRUBER, Johann, Aus St. Pölten. Bilder und Erinnerungen, St. Pölten 1885.&lt;br /&gt;
* FASCHING, Heinrich, Auseinandersetzung zwischen Konvent und Propst im Stift St. Pölten 1722, in: Hippolytus N.F. 6 (1984), 3-59. * DERS ., Dom und Stift St. Pölten und ihre Kunstschätze, St. Pölten-Wien 1985. Darin Beiträge von: SCHRAGL, Friedrich, Geschichte des Stiftes St. Pölten, 16-49; SCHWARZ, Mario, Die Architektur der mittelalterlichen Klosterkirche, 50-70; WUHR, Clara Bettina, Archäologische Ausgrabungen im Kreuzgang, 71-76; ZORRI, Wilhelm, Der Neubau des Klosters in der Barockzeit, 77-91; PÜHRINGER-ZWANOWETZ, Leonore, Die Barockisierung der Stiftskirche, 92-96; KRONBICHLER, Johann, Die künstlerische Ausstattung von Dom und Stift, 97–125.&lt;br /&gt;
* DERS., Propst Johann Michael Führer von St. Pölten. Absetzung und letzte Lebensjahre (1739–1745), St. Pölten 1991 (=4. Beiheft zu Hippolytus N.F.).&lt;br /&gt;
* FRAST, Johann, Historische und topographische Darstellung von St. Pölten und seiner Umgegend etc. (=Kirchliche Topographie, I/7/2, Wien 1828.&lt;br /&gt;
* GRAF, Walter, Stifts- und Dommusik in St. Pölten, in: Die Domorgel. Festschrift anläßlich der Weihe der Domorgel zu St. Pölten, St. Pölten o. J. (1973), 6-26.&lt;br /&gt;
* GUTKAS, Karl, Werden und Wesen der Stadt St. Pölten, St. Pölten, 4. Aufl. 1980 (1. Aufl. 1970).&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer, der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* HERRMANN, August, Geschichte der Stadt St. Pölten, 2 Bde., St. Pölten 1917–1930.&lt;br /&gt;
* HORN, Sonja, Des Propstes heilkundlicher Schatz. Medizinische Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts in der Bibliothek des ehem. Augustiner-Chorherrenstiftes St. Pölten, St. Pölten 2002 (=Beiträge zur Kirchengeschichte Niederösterreichs 9).&lt;br /&gt;
* HÜBL, Richard, Die Gegenreformation in St. Pölten, St. Pölten 1966.&lt;br /&gt;
* KARAS, Josef, Der Dom zu St. Pölten. Ein Führer durch seine Geschichte und Kunst, St. Pölten 1935.&lt;br /&gt;
* DERS., Eine kunstgeschichtliche Führung durch den oberen Kreuzgang im Bistumsgebäude, in: Der Traisengau (1935/36), 121–131.&lt;br /&gt;
* KARL, Thomas, Zur historischen und städtebaulichen Entwicklung St. Pöltens vom frühen Mittelalter bis zur beginnenden Stadterweiterung um 1850, in: Österr. Kunsttopographie Bd. LIV. Die Kunstdenkmäler der Stadt St. Pölten, Horn 1999, LXIII–LXXXV.&lt;br /&gt;
* KRONBICHLER, Johann u. Susanne, Diözesanmuseum St. Pölten, Katalog der ausgestellten Objekte, St. Pölten 1984.&lt;br /&gt;
* DIES., 100 Jahre Diözesanmuseum St. Pölten 1888–1988, Sonderausst. 1988, St. Pölten 1988.&lt;br /&gt;
* LUTZ, Volker, Stadt und Herrschaft St. Pölten 1491–1785, St. Pölten 1975.&lt;br /&gt;
* ÖSTERREICHISCHE KUNSTTOPOGRAPHIE Bd. LIV, Die Kunstdenkmäler der Stadt St. Pölten und ihrer eingemeindeten Ortschaften, Horn 1999.&lt;br /&gt;
* SACKEN, Eduard, Archäologische Wegweiser durch Niederösterreich, Wien 1878.&lt;br /&gt;
* SCHRAGL, Friedrich, Glaubensspaltung in Niederösterreich, Wien 1973.&lt;br /&gt;
* DERS., Kirchen und Kapellen im mittelalterlichen St. Pölten, in: Juste, pie, fortiter, Festschrift für Bischof Franz Zak, St. Pölten-Wien 1981, 146-167.&lt;br /&gt;
* WEIGL, Hans, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich I (Wien 1964), 210.&lt;br /&gt;
* WINNER, Gerhard, Das Diözesanarchiv St. Pölten. Behörden und Institutionen, ihre Geschichte und Bestände, St. Pölten 1959.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Diözesanbibliothek in St. Pölten, in: Österreichische Zeitschriftf. Kunst u. Denkmalpflege XXI (1967), 155-163.&lt;br /&gt;
* DERS ., Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien, Wien-München 1967.&lt;br /&gt;
* DERS., St. Pöltner Zehentbesitz im südöstlichen Waldviertel und in der Wachau, in: Das Waldviertel 18 (1969), 272–277.&lt;br /&gt;
* DERS., Zur Bibliotheksgeschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Pölten, in: Translatio Studii, Collegeville Minnesota 1973, 48–74.&lt;br /&gt;
* WODKA, Josef, Personalgeschichtliche Studien über das ehemalige Chorherrenstift St. Pölten, in: Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXVIII (1939–43), 148–206.&lt;br /&gt;
* DERS., Das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift St. Pölten, in: Beiträge zur Stadtgeschichtsforschung. Festschrift der Stadtgemeinde St. Pölten, hrsg. anlässlich der 800-Jahrfeier der Verleihung des ersten Stadtrechtes, St. Pölten 1959, 156–198.&lt;br /&gt;
* DERS., Das Nekrologium des einstigen Chorherrenstiftes St. Pölten als Geschichtsquelle, Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXXVI (1964), 48–57.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift St. Pölten</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Das Stift im Spätmittelalter */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1083&lt;br /&gt;
|Datum bis=1784&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau, seit 1785 Diözese St. Pölten&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Treisma (799), Treisma ad monasterium Sti Ypoliti (976), Treisima civitas monasterii Sti Ypoliti (985/991), abbatiaad Sanctum Yppolitum (ca 1030), Sand Pelten (1297), Sand Polten (1344). Die römische Stadt trug den Namen Aelium Cetium.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Hippolyt (976), ab 11./12. Jhd. zusätzlich Petrus, Stefan und Paul, später auch Maria&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Landeshauptstadt von Niederösterreich, 60 km westlich von Wien, Stadt mit eigenem Statut. Ursprünglich in der karolingischen, nach 955 ottonischen Mark gelegen, Markgrafschaft Österreich, seit 1156 Herzogtum (1422 Erzherzogtum) Österreich unter der Enns; seit 1920 Bundesland Niederösterreich.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Geschichte vor den Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Das römische Municipium Aelium Cetium, in dem nach seiner Passio der hl. Florian 303/304 im Exil weilte, ging bald nach 400 in den Wirren der Völkerwanderung unter und wird auch in der &amp;quot;Vita Severini&amp;quot; nicht mehr erwähnt. Entsprechend erbrachten die Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte keine Römerfunde aus dem 5. Jahrhundert, wohl aber Zeichen der Zerstörung. Das Gebiet zwischen Enns und Wienerwald dürfte von 500 an kaum besiedelt gewesen sein und stand unter dem Einfluss der Awaren. Mit dem Awarenkrieg Karls des Großen von 791 wurde das Gebiet bis zur Raab wieder dem christlichen Westen eingegliedert. Es folgte bayrische, aber auch slawische Besiedlung. In St. Pölten soll es bald zu einer Klostergründung gekommen sein. Allerdings gibt es auch eine Tradition, die Propst [[Christoph Müller von Prankenheim]] (1688–1715) populär machte. Demnach wurde in St. Pölten durch die beiden adeligen Brüder Adalbert und Ottokar bereits 746 ein Kloster errichtet. Wahr daran ist, dass sie Tegernsee gegründet haben. Wahrscheinlich haben sie durch ihre Beziehungen zu Abt Fulrad von St. Denis Hippolytreliquien erhalten, die sie nach Tegernsee stifteten. Auch 764 wurde als Gründungsjahr angegeben (H. Löwe 1937), doch dürfte dies eher auf großdeutsche Überlegungen zurückgehen. Vor 791 ist eine Klostergründung in Niederösterreich nicht denkbar. Es ist zu vermuten, dass sich das Kloster Tegernsee, das zu den wohlhabendsten gehörte, mit entsprechenden Truppen am Awarenkrieg beteiligte und von Karl dem Großen wie andere auch mit Gütern an der Traisen belohnt wurde. Tegernsee errichtete hier wohl eine Zelle, die dann später Abtei genannt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Errichtung eines Klosters dürfte vor 840 geschehen sein, da dann Tegernsee Passauer Eigenkloster wurde. Vermutlich hatte Passau bereits vorher Besitz in St. Pölten. Die Schenkung der Martinskirche in Linz wurde 799 in Treisma getätigt, was für Passauer Besitz in St. Pölten spricht. Die erste sichere Nennung eines Klosters in St. Pölten geht auf eine Urkunde Kaiser Ottos II. aus dem Jahr 976 zurück. Darin bestätigt er dem Passauer Bischof seine Besitzungen, unter anderem &amp;quot;Treisma ad monasterium sancti Ypoliti.&amp;quot; Ebenso bestätigt Herzog Heinrich (der Zänker) in einem Weistum, das in die Jahre 985/991 datiert wird, dem Passauer Bischof unter anderen Besitzungen &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;deinde Treisimarn civitatem monasterii sancti Ypoliti martiris, ea integritate ut quondam beate memorie Adalbertus episcopus (946–970/971) sub Purchardo marchione (955–976) in sua tenuit vestitura et quemadmodum carta legali affirmatione antiquitus roborata et in publico recitata designabat.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Wie weit es sich dabei um ein bestehendes Kloster oder nur um einen Rechtstitel handelt, sei dahingestellt. Jedenfalls weisen die Ansprüche Tegernsees aus dem 11. Jahrhundert darauf hin, dass wir es ursprünglich mit einer Tegernseer Gründung zu tun haben. Denn in den Tegernseer Güterverzeichnissen wird auch St. Pölten als entfremdetes Gut bezeichnet, so um 1020 und um 1060, das der Passauer Bischof innehabe. Nun wurde das Kloster Tegernsee erst 978 reaktiviert. Es besteht also kein Zweifel, dass St. Pölten im 9. Jahrhundert von Tegernsee aus als Benediktinerkloster gegründet wurde. Ja, es besteht die berechtigte Meinung, dass St. Pölten auch an der Mission im Großmährischen Reich tätig war, wie das Hippolytpatrozinium in Neutra und Znaim-Pöltenberg nahelegt. Ob es den Magyareneinfall überstanden hat, ist ungewiss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weltliches Kollegiatstift===&lt;br /&gt;
Im 11. Jahrhundert kam es jedenfalls zu einer Neuorganisation des Klosters. Im Nekrolog St. Pöltens werden die Bischöfe Berengar (1013–1045) und Eigilbert (1045/1046–1065) als &amp;quot;fundatores&amp;quot; des Klosters bezeichnet. Damals dürfte es zur Umwandlung des Klosters in ein weltliches Chorherrenstift gekommen sein, was durchaus im Trend der Zeit lag (vgl. Ardagger). Den genannten Bischöfen verdankte auch das Kloster die Verleihung seiner ersten Pfarren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Von der Reformtätigkeit Bischof Altmanns von Passau (1065–1091) war auch das Eigenkloster St. Pölten berührt. Ab 1081 stattete er seine Stiftung Göttweig aus. Dies geschah unter anderem auf Kosten der Pfarre St. Pölten, die Teile an die an Göttweig gekommenen Pfarren Kilb und Pyhra verlor. Vermutlich erst nach 1083 wurden in St. Pölten regulierte Kanoniker eingeführt. Dies geschah gegen den Willen der dortigen Kanoniker, wie aus der &amp;quot;Vita sancti Altmanni&amp;quot; hervorgeht. Die St. Pöltner Kanoniker dürften mit ihrem kaiserlich gesinnten Vogt Walchun von Perg im Investiturstreit zu Kaiser Heinrich IV. gehalten haben. Altmann besetzte St. Pölten also mit regulierten Kanonikern vermutlich aus St. Nikola bei Passau. Neuer Propst wurde [[Egilbert]], der auch zweimal als Archipresbyter bezeichnet wird. Doch blieb die Kontinuität im Kloster gewahrt, wie das besondere Gedächtnis an Kaiser Heinrich IV. und dessen Mutter Agnes beweist. Von früheren Pröpsten ist allerdings keiner namentlich nachweisbar. Auch der Ausbau des Klosters wahrte die Kontinuität: für 1065 und 1150 sind Kirchweihen überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Verhältnis zu den Passauer Bischöfen===&lt;br /&gt;
Schon Kaiser Heinrich III. oder Heinrich IV. hatte die Kanonie mit den Marktrechten in St. Pölten ausgestattet (1058?). Nach 1121 bestätigte der Passauer Bischof diese Rechte. Kennzeichnend blieb das ganze Mittelalter das Nebeneinander von Klosterbesitz und den Besitzungen der Passauer Bischöfe in St. Pölten. Diese besaßen in St. Pölten auch ein eigenes Haus, das sie bei ihren Österreichbesuchen als Nebenresidenz benutzten. Mehrfach hielten sie hier auch Diözesansynoden (1284, 1294) ab. 1159 verlieh Bischof Konrad von Passau den St. Pöltner Bürgern bestimmte Rechte (Freiheit von Ordalien), die als ältestes Stadtrecht in Österreich gelten. Die Ummauerung der Stadt erfolgte allerdings erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Kloster gegenüber verhielten sich die Bischöfe meist großzügig. So gab Bischof Konrad 1159 dem Stift die Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Bruck an der Leitha (hl. Martin, nach 1529 Dreifaltigkeit)|Bruck an der Leitha]], Bischof Wolfger (1191–1204) übergab dem Kloster sein Haus, damit es den vierten Teil des Kreuzganges fertigstellen könne. Vermutlich lag dieses mit seiner Maximilianskapelle an der unteren Landstraße (Wienerstraße), wo später die Franziskaner ihr Kloster hatten (heute Priesterseminar). 1213 inkorporierten sie die Klosterpfarre &amp;quot;pleno iure&amp;quot; dem Stift. Bischof Otto von Lonsdorf (1254–1265) weilte häufig in St. Pölten und stellte hier mehr als 30 Urkunden aus. Zu Spannungen kam es wegen der Gemengelage von bischöflichem und klösterlichem Besitz in der Stadt, vor allem aber um die Rechte am bedeutenden Markt. Unter Propst [[Ulrich Feyertager]] (1360–1369) wurde 1365/67 ein Ausgleich zwischen Bischof und Kloster erzielt. Dieses verzichtete auf allen Besitz in der Stadt mit Ausnahme des Klosterviertels und bekam dafür als Entschädigung Zehente in der Umgebung und die bedeutende Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Hürm (hl. Stephanus)|Hürm]]. Bischof Georg von Hohenlohe residierte 1390 bis 1393 in St. Pölten, da ihm seine Bischofsstadt wegen der zwiespältigen Bischofsswahl nicht zugänglich war. Damit begann aber auch das Ende der Passauer Herrschaft in St. Pölten. Bereits 1389 musste die Stadt wegen Schulden erstmals an die Wallseer verpfändet werden, 1481 schließlich dem in Niederösterreich eingefallenen Ungarnkönig Matthias Corvinus. Nach dessen Tod 1490 eroberte König Maximilian Niederösterreich rasch zurück, behielt sich aber St. Pölten. Der Passauer Bischof konnte wegen Geldmangels die Pfandschaft nicht einlösen. So blieb die Stadt bis 1918 landesfürstlich. Für das Kloster bedeutete dies ein Ende der Streitigkeiten mit dem Bischof, hatte dieser doch nur mehr die geistliche Jurisdiktion inne. Allerdings gab es in Hinkunft die üblichen Reibereien mit der Stadtverwaltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
Ab dem 12. Jahrhundert kam es zum Ausbau des Klosters. 1150 ist ein Kirchweihdatum überliefert. Bereits 1133 wurde eine Leutkirche auf dem heutigen Domplatz konsekriert, deren Fundamente 1994 ergraben wurden. Die Andreaskapelle über dem Karner (ebenfalls auf dem Domplatz) wird erstmals 1179 erwähnt. Vor 1140 wurde das Hospital mit der Ägydiuskirche errichtet; als Weihedatum der Kirche wird 1130 angeführt. Eine Jakobuskapelle in der Infirmerie wurde 1184 geweiht. Ebenfalls bereits im 12. Jahrhundert bestand ein Konversenhaus für Frauen, da &amp;quot;moniales de S. Yppoliti&amp;quot; im Nekrolog von St. Andrä erwähnt werden. 1302 erhielt dieses &amp;quot;domus sororum&amp;quot; die Margaretenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1209 wurden in der Sakristei (wohl anlässlich eines Umbaus) Reliquien unbekannter Heiliger gefunden, was zu einer kurzfristigen Wallfahrt nach St. Pölten führte; es wurde auch ein Mirakelbuch angelegt. Einen Höhepunkt erreichte diese Bautätigkeit in der Weihe des Klosters (wohl dem Charakter nach eher eine Kirchweihe) durch Bischof Gebhard im Jahr 1228. Den Übergang von den Babenbergern zu den Habsburgern schafft das Stift ohne größere Probleme. Noch 1248 erhält es durch Bischof Rudger eine Bestätigung seiner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 14. Jahrhundert brachte dem Stift unter den Pröpsten [[Dietmar von Rohr]] (1332–1359) und [[Ulrich Feyertager]] (1360–1369) eine wirtschaftliche Blüte: Es kam zum Ausgleich mit dem Passauer Bischof bezüglich der Besitzungen in der Stadt, zum Erwerb der Pfarre Retz, die zu einer der stärksten wirschaftlichen Stützen des Klosters wurde, aber auch zu bedenklichen personellen und wirtschaftlichen Verknüpfungen mit den Angehörigen der Pröpste. 1358 wütete ein Großbrand. Die Leutkirche auf dem Freithof (Domplatz) wurde vergrößert wieder aufgebaut, wie die Ausgrabungen von 1994 nachwiesen. Propst Ulrich erwarb eine Reihe von Gütern, so den Ansitz Friesing, die Feste Hagenstein, Burg Fridau, Innerkasten, Schwabegg, Rennersdorf und Inning, wobei allerdings unklar bleibt, inwieweit dies auch private Erwerbungen der Familie der Feyertager waren. Damals grassierte immer wieder die Pest, wodurch die Güter oft billig zu erwerben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert wurde St. Pölten über Wittingau (Trebon) von der Raudnitzer Reform erfasst, auf die 1410 auch die Gründung der Augustinerpropstei Dürnstein zurückgeht. Gemeinsam mit dem [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] beteiligte es sich 1414 an der Besiedlung des [[Stift St. Dorothea in Wien|Augustinerklosters St. Dorothea in Wien]]. Das 15. Jahrhundert war eine Blütezeit für die Kanonie, auch wenn es mehrfach kriegerische Ereignisse brachte. So wurde 1424 durch die Hussiten die Stadt Retz zerstört und die Umgebung verwüstet. 1481 bis 1490 besetzten die Ungarn die Stadt. Den großen Stadtbrand von 1474 schildert ein zeitgenössischer Bericht, der auch eine Darstellung der Baulichkeiten des damaligen Stiftes bringt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Dy selb prunst und feur hot verprennt ... das closter der chorherrn mit dem ziegelhoff, dem phister (Bäckerei), und müll, mayrhoff, städeln, marstall, viehstall, kasten, zwei pad der herren im closter und des brobst, werichhaus der zimmerleut, pinthaus, obleyhaus, spital (das spätere Bürgerspital) mit aller zugehörung und zimmer, stall, stadl, pad kasten daselbs; item der chorherrn siechhaus (Infirmerie im Kloster), der jungkherrn schlaffhaus ganz und gar, der herrn schlaffhaus ain teil in ziegeldach, das dach vor dem refät (Refektorium), des dechants heüsl, das secret, der zynein knopf aus dem münster, des Heil. Geist kirchen, des kastner und schaffner zimmer, das schenkh haus das man heißt in dem Lüeglein; St. Margarethn das dach (Kirche der Chorfrauen), das dach auf dem korner (Karner), das dach und heusel in dem gusterhof, die schuel, messnerheusl, das kirchengässel, ...&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Die Schäden müssen enorm gewesen sein, so musste die Spitalskirche in der Unteren Landstraße (Wiener Straße) neu errichtet werden. Die Baulast für die Erneuerung des Kremserturmes und der Befestigungen bis zum Wiener Tor fiel dem Stift zu. Die Behebung der Schäden dauerte bis nach 1500.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die lange Krise===&lt;br /&gt;
Einem neuerlichen Stadtbrand fielen 1512 die Westfassade mit den beiden Türmen und offensichtlich auch die Sakristei zum Opfer. Letzteres geht aus einer Bischofsurkunde von 1513 hervor. Demnach gewährte Bischof Wiguleus Fröschl dem Konvent die Erlaubnis, anstatt der bisherigen Almuzien aus schwarzem Lammfell solche aus billigeren Eichhornfellen zu tragen. Von der Doppelturmanlage wurde nur mehr der Südturm wieder hergestellt. Daneben gab es noch andere Gründe für den Niedergang. Da waren zunächst die Türkenkriege, die 1529 und 1532 die Stadt erreichten. Wenn auch die Stadt nicht unmittelbar betroffen war, so litten doch die stiftlichen Güter. Zusätzlich musste das Kloster die Quart und die Terz entrichten und immer wieder dem Landesfürsten Darlehen gewähren. Schon 1526 musste es Silber im Wert von 530 Mark abliefern. Schon 1525 leistete es ein Darlehen von 800 Gulden, 1537 und 1539 600 Gulden, und 1558 musste es den Stiftshof in Pulkau verpfänden, um ein Darlehen von 3.000 Gulden aufbringen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu kamen die relativ kurzen Amtszeiten der Pröpste, von denen drei resignierten: [[Johannes Marquard]] (1515–1530), [[Johannes Perlasreuter]] (1530–1538) und [[Martin Renhofer]] (1538–1539). Unter Propst [[Leopold Hagen]] (1539–1563) erreichte das Stift seinen Tiefpunkt. Natürlich wirkte sich für das Kloster auch das Eindringen der Reformation negativ aus, was sich besonders im Rückgang der Konventualen auswirkte. Dazu starben in den Seuchenjahren 1541/42 sieben Konventualen. 1544 betrug ihre Zahl noch zwölf, 1561 waren es nur mehr sechs, 1566 vier, wobei einer sich auf der Stiftspfarre [[Retz]] befand. Ab Propst [[Georg Hueber]] (1569–1575) besserte sich die Personallage. In der Stadt kam der Protestantismus um 1560 zum Durchbruch. Gemeinsam mit dem Propst wurde der Prediger für die Frauenkirche (einstige Leutkirche auf dem jetzigen Domplatz) bestellt. Der Stadtrat machte daraus ein alleiniges Recht und bestellte protestantische Prediger. Daraufhin ließ Propst Georg die Kirche sperren. In seinem Todesjahr 1575 fand noch eine Visitation statt, die ein erfreuliches Bild zeichnete. Unter seinem Nachfolger [[Melchior Schad]] (1576–1598) schlitterte das Stift allerdings in tiefe Schulden und musste zeitweilig administriert werden. Seine Nachfolger [[Eucharius Warmuth]] (1598–1599) und [[Johannes Meringer]] (1600–1601) regierten nur wenige Monate. Unter Propst [[Johannes Metz]] (1601–1611) wurde in St. Pölten eine Visitation durch Offizial Melchior Khlesl durchgeführt. Einige Tage vor dem Tode seines Nachfolgers [[Johannes Roth]] aus Dinkelsbühl (1612–1621) kam es zu einem katastrophalen Stadtbrand, der auch das Stift schwer traf. Nach drei nur kurz regierenden Pröpsten wurde 1628 [[Wolfgang Panckhammer]] zum Propst gewählt. Er war ein frommer Mann und guter Güterverwalter, hatte aber den Konvent nicht im Griff und wurde sogar von den eigenen Chorherren mit Säbel und Pistole bedroht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Blütezeit seit Propst Fünfleutner=== &lt;br /&gt;
Erst die Visitation durch den Klosterneuburger Propst brachte eine entscheidende Wende zum Besseren. Propst [[Bernhard Enoch von Waitz|Bernhard]] von [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bot den St. Pöltnern auch einen Novizenmeister an, was vermutlich den Eintritt des [[Johannes Fünfleutner]] 1630 in das Stift zur Folge hatte. Er sollte zum bedeutendsten Propst des Stiftes werden. Fünfleutner wurde um 1589 in Schärding am Inn geboren; er war bürgerlicher Abkunft. Er erlangte den Doktorgrad der Medizin an der Universität Padua, war 1626 Dekan der medizinischen Fakultät in Wien, nahm 1628/1629 an einer kaiserlichen Gesandtschaft nach Konstantinopel teil und fungierte 1629 als Rektor der Wiener Universität (als Propst hatte er 1644 nochmals dieses Amt inne). Erst im Kloster dürfte er seine theologische Ausbildung erhalten haben. Es ist auch zu vermuten, dass er von seiner früheren Tätigkeit her ein größeres Vermögen mitbrachte. Er wurde bald Kämmerer und Stiftsdechant und nach dem Tod Panckhammers ging er siegreich aus der Neuwahl des Propstes am 17. Februar 1636 hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während seiner Tätigkeit als Propst durch 25 Jahre kam es zu 28 Neueintritten ins Kloster, wovon allerdings sieben Chorherren vor ihm starben. Bei der Neuwahl nach seinem Tod gab es immerhin 21 Konventualen. Zu seinen großen Leistungen gehörte der Neubau des Klosters. Somit entstand jenes Gebäude, das weitgehend mit dem heute noch bestehenden Bistumsgebäude identisch ist. Dies ersieht man aus einer Federzeichnung aus dem Jahre 1653, die im Diözesanmuseum aufbewahrt wird. Nur der Gästetrakt (heute Bischofstrakt) wurde im 18. Jahrhundert hinzugefügt. Er unterstützte den Wiederaufbau des Franziskanerklosters und sorgte für eine erste Barockisierung der Stiftskirche. Auf Fünfleutner geht auch die Errichtung der Kapelle zu Ehren der hl. Barbara zurück, die sich vor dem Wilhelmsburger Tor befand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Belebung der Frömmigkeit des Volkes führte er 1636 die Mariazeller Wallfahrt ein und 1646 die Manker Wallfahrt, die bis in die Gegenwart durchgeführt wird. Auf Initiative der Bürgerschaft reaktivierte er die Sebastianibruderschaft und errichtete 1646 die Rosenkranzbruderschaft, die breiten Anklang über St. Pölten hinaus fand. Fünfleutner starb am 29. Jänner 1661 im Alter von 72 Jahren. Sein Grabstein im rechten Seitenschiff der Domkirche rühmt ihn als Ratgeber dreier Kaiser, Erbhofkaplan, Rektor der Wiener Universität, Erbauer des Münsters in St. Pölten und Erneuerer des religiösen Lebens. Seine beiden Nachfolger [[Gabriel Kölsch]] (1661–1669) und [[Patrizius Zeller]] (1670–1683) konnten gut weiterarbeiten. Immerhin wurde im Stift Moraltheologie und zeitweilig auch Philosophie doziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verheerend wirkte sich der Türkeneinfall von 1683 auf die Stiftsgüter aus. Zwei Chorherren fanden als Pfarrer den Tod. Propst Zeller floh nach Linz, wo er noch im gleichen Jahr starb. Ungefähr 200 Untertanen wurden verschleppt, über 5.000 Stück Vieh geraubt und 120 Häuser verbrannt oder geplündert. Die Kirchen in Weißenkirchen an der Perschling, Obergrafendorf und St. Georgen am Steinfeld und die Pfarrhöfe in Kasten und Gerersdorf wurden beschädigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur kurz währte die Amtszeit von Propst [[Hieronymus Griesmayr]] (1683–1688). Mit Propst [[Christoph Müller]] von Prankenheim (1688–1715) kam wiederum eine energische Persönlichkeit an die Spitze der Kanonie. Er ließ den Kirchturm erhöhen und in seine heutige Form bringen. Auch schaffte er ein neues Geläute an, das noch weitgehend erhalten ist. Er war auch auf die Vergrößerung des Stiftsbesitzes bedacht. So erwarb er die Ochsenburg für das Stift zurück, kaufte den Schwaighof südlich der Stadt und ließ ihn künstlerisch ausstatten. Ebenso erneuerte er den Lesehof in Joching in der Wachau und den Stiftshof in Pulkau. Doch war er auch wissenschaftlich tätig und verfasste eine Stiftsgeschichte, die dann in Werken von Duellius und Maderna Eingang fand. Unter Propst Christoph fand eine Änderung der Kleidung der Chorherren statt. Anstatt Weiß wurde nunmehr Schwarz getragen, was sich allerdings schon früher abgezeichnet hatte. Zu seinem Nachfolger wurde der 34-jährige aus Melk stammende [[Michael Führer]] gewählt. Beim Tod seines Vorgängers wurden 115.500 Gulden Schulden festgestellt, denen allerdings 50.000 Gulden Aktiva gegenüberstanden. Auf Grund der prekären Lage musste Führer versprechen, die Gebäude zu erhalten und nur notwendige Neubauten zu errichten, sowie die Konventualen bei wichtigeren Angelegenheiten zu konsultieren. Ringsum hatte der &amp;quot;Bauwurm&amp;quot; die Prälaten erfasst. So entwarf Führer auch einen Plan zur Barockisierung der Stiftskirche, wahrscheinlich auf Pläne Prandtauers zurückgehend, der auf hohem Niveau verwirklicht wurde. Auch in den Stiftspfarren wurde gebaut und in Nutzbauten in den Weinbaugebieten investiert. Wegen der hohen Auslagen kam es 1722 zu einer Revolte im Konvent. Einige Chorherren richteten eine Klageschrift an die Regierung, in der dem Propst Verschleuderung des Stiftsgutes vorgeworfen wurde. Propst Führer, der durchaus auch Anhänger im Konvent hatte, rechtfertigte sich: Gerade der Weinbau sei für das Stift wichtig, bestehe doch das Haupteinkommen des Stiftes aus dem Weinbau und Weinzehent. Zudem zahle man für den Eimer Grinzinger zehn Gulden, während der aus anderen Lagen nur die Hälfte erbringe. Er verteidigte auch seine Bautätigkeit und die Anschaffung von Chorgestühl und neuer Orgel für die Kirche; zugleich verwies er auf die notwendige, aber teure Gastlichkeit. Die Regierung nahm diese Rechtfertigung zur Kenntnis. Führer fühlte sich gestärkt. So setzte er die Theologieprofessoren ab und schickte die Kleriker zum Studium zu den Franziskanern. Auch den anderen Opponenten entzog er ihre Funktionen und forderte strikten Gehorsam. 1722 bis 1725 war Führer einer der zwei Vertreter des niederösterreichischen Prälatenstandes im niederösterreichischen Landtag, und 1725 bis 1728 gehörte er dem Verordnetenkollegium des Landtages an. Da er meist in Wien wohnte, kaufte er für das Stift das Haus Krugerstraße 5 und ließ es renovieren, was den Schuldenstand noch erhöhte. Nach seiner Rückkehr aus Wien widmete er sich erneut der Bautätigkeit, sollte doch die Barockisierung der Stiftskirche zum Tausendjahrjubiläum des Klosters im Jahr 1740 vollendet sein. Aber auch außerhalb der Stadt ließ er die stiftlichen Gebäude erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Stift selbst begann er 1727 mit dem Ausbau der Bibliothek und dem Neubau eines Gartenhauses. 1735 kam es zur Neueinwölbung der Stiftskirche, in der Folge wurde ihre Einrichtung geschaffen. Auf Führer geht auch die Prälatenstiege und der neue Gästetrakt (heute Bischofstrakt) im Nordosten zurück, ebenso das neue untere Tor (heute Bischofstor).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1737 wurde mit [[Hippolyt Wolff]] durch die Kapitularen ein neuer Dechant gewählt, der schon länger zu den Opponenten Führers gehört hatte. Nachdem er sich einen Einblick in die finanzielle Situation geschafft hatte, erhob er Anklage gegen den Propst: Dieser habe gegen 200.000 Gulden illegal Schulden gemacht. Diesmal griff der Kaiser durch den Klosterrat entschieden ein. Führer wurde 1739 seines Amtes enthoben. Untersuchungen brachten Schulden von etwa 380.000 Gulden zum Vorschein. Davon hatte er 181.000 mit dem gefälschten Konventsiegel und etwa 60.000 Gulden allein auf seinen Namen aufgenommen. Der Propst musste das Kloster verlassen und wurde auf der Ochsenburg, im [[Stift St. Florian]] und dann in Korneuburg interniert. Während des Baierneinfalls 1741 tauchte er wieder im Kloster auf, musste aber dann 1742 bis zu seinem Tod 1745 in Bruck an der Leitha leben. Die Mehrheit der Kanoniker und auch die Stadtbevölkerung blieb ihm getreu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Ausklang===&lt;br /&gt;
Nach dem Abgang Führers wurde das Stift administriert. Dechant Wolff hatte keine glückliche Hand. Sein Nachfolger, der Klosterneuburger Chorherr [[Bernhard Paul]] (Administrator 1741–1747), konnte den Schuldenstand zwar etwas reduzieren, hatte aber mit dem zerstrittenen Konvent seine Not. Nun wurde wiederum Wolff bestellt (1747–1753), der aber zahlreiche Gegner hatte. Erst unter [[Matthis Alteneder]] kam das Kloster in ruhigere Bahnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sich die Schulden auf 222.000 Gulden vermindert hatten, wurde 1755 eine neue Propstwahl gestattet. Gewählt wurde Alteneder, der bis zu seinem Tod 1779 den Schuldenberg auf 34.790 Gulden reduzieren konnte. Auch unter seinem Nachfolger [[Ildephons Schmidbauer]] (1779–1784) hielt die positive Entwicklung an. Zur Zeit der Klosteraufhebung waren nur 15.000 Gulden Passiva gegeben. Auch der Personalstand war mit 32 bzw. 37 Mitgliedern erfreulich. Man kann mit Recht von einer späten Blüte des Klosters sprechen. Das Stift fand sein Ende nicht wegen Missständen oder Misswirtschaft, es fiel vielmehr den Diözesanplänen Kaiser Josephs II. zum Opfer. Dieser befahl am 9. Juni 1784 die Aufhebung des Klosters, die am l. Juli vollzogen wurde. Schmidbauer wurde an der ehemaligen Domkirche in Wiener Neustadt Propsteipfarrer (verstorben 1791). Die Klostermitglieder traten in den Dienst der Diözesen St. Pölten und Wien. Am 25. Jänner 1847 starb als letzter ehemaliger St. Pöltner Chorherr [[Andreas Malachias Spitzl, Pfarrer und Dechant in Bruck an der Leitha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Über die Wirtschaftsgeschichte liegen bisher keine gründlichen Untersuchungen vor. Es gibt keine Gründungsurkunde und keine frühen Urbare. Dagegen ist der Besitzstand aus der Zeit der Aufhebung bekannt. Demnach lag St. Pölten nach den Großklöstern Klosterneuburg, Melk und Göttweig, wenn auch mit Abstand, an etwa vierter Stelle. Eine Urkunde Papst Alexanders III. (1159–1181) nahm das Stift mit seinen Besitzungen in Schutz. Darin werden zunächst alle dem Stift gehörigen Kirchen aufgezählt: St. Pölten (mit dem Marktrecht), [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Böheimkirchen (hl. Jakobus)|Böheimkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Kapelln (hl. Petronilla)|Kapelln]] mit den dazugehörigen Kirchen Weißenkirchen, Katzenberg, Haselbach, Würmla und Murstetten, die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#St. Christophen (hl. Christophorus, auch hl. Bartholomäus)|St. Christophen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Bruck an der Leitha (hl. Martin, nach 1529 Dreifaltigkeit)|Bruck a. d. Leitha]]. In der Pfarre St. Michael in der Wachau der halbe Zehent, in Pulkau und Zellerndorf der Drittelzehent, in Nalb und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Retz (hl. Stephanus)|Retz]] der halbe Zehent. Dann folgt die Aufzählung der Lehen und Huben des Stiftes. Die lagen zumeist in der weiteren Umgebung von St. Pölten. Weiter entfernt waren Besitzungen in Pillichsdorf, Ollersdorf und Waltersdorf. Davon gehen die drei Pfarren Böheimkirchen, Kapelln und St. Christophen auf eine Schenkung Bischof Berengars (1013–1045) zurück. Die Pfarre Bruck gab 1159 Bischof Konrad dem Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Urkunde Bischof Rudigers von 1248 bringt ähnlich der Papsturkunde eine Aufzählung des Klosterbesitzes. Zunächst werden auch hier die Pfarren mit ihren exempten und nichtexempten Filialen aufgezählt: Bruck (Wilfleinsdorf, Arbesthal, Göttlesbrunn und die Nikolauskapelle in der Stadt), Kapelln (Jeutendorf, Weißenkirchen und Katzenberg), Böheimkirchen (Außer- und Innerkasten, Lanzendorf, Schildberg und Stössing), St. Christophen (Brand und Seebach), St. Pölten (Ober- und Unterpottenbrunn, Schlosskapelle Viehofen, Obergrafendorf, Weinburg, Haindorf, Kapelle Markersdorf, Hafnerbach, Schlosskapelle Pielach, Kapelle Karlstetten, Kapelle St. Georgen am Steinfeld). Als wesentlicher Zehentbesitz werden angeführt: St. Michael in der Wachau, Kottes, Meisling, Pulkau, Retz, Nalb, Mautern, Weiten und Melk jenseits der Donau. Der Hausbesitz wird detailierter als in der Papsturkunde angegeben. Das Stift besaß damals etwa 350 dienstpflichtige Häuser. Der Schwerpunkt der Besitzungen lag zwischen Pielach und Perschling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Schwerpunkte waren die Weingärten im Tullnerfeld (Amt Königstetten) und in Grinzing, deren Wein sich gut verkaufen ließ. Weitere größere Besitzungen gab es im Marchfeld (Ulrichskirchen); aber auch die Weingüter um Pulkau und Retz waren für das Stift bedeutsam. Ein weiteres Weinbaugebiet war in der Wachau (Joching), wo das Stift den Weinzehent aber auch Eigengüter besaß. In der Umgebung von St. Pölten erwarb das Stift 1366 die Herrschaft Kasten, 1383 das kleine Gut Ochsenburg und bekam 1398 endgültig die Pfarre Hürm mit ihren Zehenten, nachdem es drei Viertel der Stadt an den Passauer Bischof abgetreten hatte. Natürlich ging auch immer wieder Besitz verloren oder wurde abgetauscht. Im Großen und Ganzen aber blieb der wichtigere Besitz konstant. Erst in der Neuzeit kamen einige Neuerwerbungen dazu. Bei der Inventarisierung anlässlich der Aufhebung des Stiftes 1784 ergab sich folgendes Bild. Das Gesamtvermögen wurde auf 518.033 Gulden berechnet, das jährliche Einkommen mit etwa 40.000 Gulden taxiert, womit das Stift zur begüterteren Hälfte der niederösterreichischen Klöster gehörte. Der Stiftsbesitz setzte sich zusammen aus der Stiftsherrschaft St. Pölten, den Herrschaften Hürm, Kasten, Retz (mit Pulkau), Ochsenburg, dem Freihof Harthof und dem Schwaighof. Dazu gehörten außerdem das Pfarrgut Bruck a. d. Leitha und das Haus in Wien Krugerstraße, das Propst Führer 1726 von den Tullner Dominikanerinnen erworben hatte. Die engere Stiftsherrschaft umfasste den stiftlichen Meierhof zu St. Pölten mit 85 Joch Acker, 528 Joch Waldungen, 55 Joch Auen und 20 Joch Viehweide. Dazu gehörten die Lesehöfe zu Grinzing mit 40 Viertel, zu Joching &lt;br /&gt;
mit 93 Viertel zu Joching und 30 Viertel zu Loiben, und zu Königstetten mit 35 Viertel Weingärten, weiters 474 untertänige Häuser, von denen sich 41 in der Stadt befanden. Der meiste Zehentbesitz lag in den Pfarren St. Pölten, Pyhra, Böheimkirchen und Kapelln sowie in der Wachau (Weinzehent). Die Herrschaft Hürm besaß 48 Untertanen, Kasten 126, Retz mit dem Freihof Pulkau 100, die Herrschaft Ochsenburg (1699 wieder erworben) 50, der Harthof (1662 erworben) neun. Das Pfarrgut Bruck hatte 18 Untertanen und einige Weingärten im Joiser- und Neusiedlergebirge in Ungarn. Aus diesem doch recht ansehnlichen Wirtschaftskörper (ausgenommen das Gut Retz) wurde das Religionsfondsgut St. Pölten gebildet, das dann auch das Patronat über die ehemaligen Klosterpfarren bis 1938/39 innehatte. Allerdings waren bis zu dieser Zeit bereits zahlreiche Stücke veräußert worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das (Augustiner-) Chorherrenstift St. Pölten war immer ein Eigenkloster der Passauer Bischöfe. Ihnen stand daher auch die Obervogtei zu. Im 11. und 12. Jahrhundert hatten die Hochfreien von Perg, Verschwägerte der Babenberger, die Vogtei inne. Sie wird erstmals in einem Weistum um 1125 erwähnt, wobei es vor allem um die Marktrechte ging, die dem Kloster bereits 1058 oder früher (also vor Einführung der regulierten Chorherren) durch Kaiser Heinrich III. oder IV. gewährt worden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1150 entzog Herzog Heinrich von Bayern (in Österreich Markgraf Heinrich II. Jasomirgott) dieses Recht und zwar auf Bitten seines Bruders Konrads, des Bischofs von Passau, und übergab die Vogtei dem Bischof. Doch bald übernahmen sie die Babenberger selbst (und später die Habsburger) als Lehen des Bischofs. Problematisch blieb lange Zeit das Verhältnis zum Passauer Bischof, der ja die Oberhoheit in der Stadt besaß, obwohl er nur einen Teil der Häuser innehatte. Zu einem Ausgleich kam es erst 1367, als das Stift auf die Marktrechte und Zölle und alle Häuser mit Ausnahme die des Klosterviertels verzichtete. Die Spannungen verlagerten sich nun auf das Verhältnis zur Stadt, da das Kloster auch ein Viertel der Stadtmauer zu erhalten hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intensiver wurde der Einfluss des Landesfürsten im 16. Jahrhundert, als König Ferdinand Klostervisitationen vornehmen ließ und der Landesfürst ab 1568 durch den Klosterrat unmittelbar Einfluss auf das Klosterleben ausübte. Für Außenbesitzungen gab es wenig belegte Untervögte. Eine eigenartige Beziehung bestand zum Kollegiatstift Marz(-Hierpach) im damaligen Ungarn, das um 1220 durch die Familie Osl gegründet worden sein dürfte. Dafür stellte das Stift St. Pölten mehrere Pröpste, wie aus dem Nekrolog hervorgeht, wo sie als &amp;quot;fratres&amp;quot;, also als Konventmitglieder, bezeichnet werden. Eine Ernennungsurkunde aus dem Jahr 1295 hat sich erhalten. 1438 verzichtet der St. Pöltner Propst auf das Ernennungsrecht und erlaubte der Gemeinde und den Pfarrleuten, den Propst von Marz selbst zu wählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Über die Herkunft der St. Pöltner Kanoniker vor 1080 gibt es keine Auskunft. Die ersten Augustinerpröpste entstammten wahrscheinlich dem höheren Adel, wie etwa der spätere Passauer Bischof [[Reginbert]] (1138–1147), der vorher Propst in St. Pölten war. Ansonsten gehörten die meisten Chorherren dem niederen Adel an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert verstärkte sich der Anteil der Bürgerlichen vor allem aus Wien, Tulln und Wiener Neustadt. Ausländer, wie etwa Propst [[Johannes Moravus]] (1370–1372), finden sich selten. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mehren sich Eintritte aus Bayern und Vorderösterreich. Im 17. und 18. Jahrhundert überwogen wieder die Eintritte aus der näheren und weiteren Umgebung. Darunter waren auch immer wieder Nobilierte. Eine erste Aufzählung des Konvents gibt es um 1190, als zehn Chorherren angeführt werden; der Zusatz &amp;quot;et ceteri fratres&amp;quot; weist auf mehr hin. Exakter wird die Anzahl der Chorherren erstmals in einer Urkunde von 1259 mit zwölf Priestern ohne Propst angeführt. 1273 bestand der Konvent aus 14 Priestern und einer nicht genannten Zahl von Klerikern mit niederen Weihen und Konversen. Die Zahl dürfte weiter gestiegen sein, da Herzog Albrecht III. 1380 die Höchstzahl der Klosterinsassen mit 24 festlegte. Im 15. Jahrhundert waren es zwischen 15 und 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krise des 16. Jahrhunderts wirkte sich in St. Pölten aus. Zwar verließ nur ein Chorherr den geistlichen Stand, doch machte sich der Mangel an Nachwuchs bemerkbar. Zudem starben 1541/42 sieben Mitglieder an der Seuche, sodass 1544 der Konvent nur mehr aus zwölf Mitgliedern bestand. Im Haus lebten sechs Priester und zwei Kleriker, auf den Stiftspfarren wirkten vier Priester. Von 1561 bis etwa 1590 betrug die Zahl meist nur vier bis sechs. Um 1600 aber waren es bereits zehn. 1611 und 1623 gab es zwölf Wahlberechtigte. Unter Propst Fünfleutner nahm der Konvent endlich einen Aufschwung; bei seinem Tod 1661 war der Konvent auf 21 gestiegen und erreichte 1675 sogar 30. Bei der Propstwahl von 1715 waren 24 Konventualen stimmberechtigt. Um 1740 gab es etwa 30, im Jahr der Aufhebung 1784 32 Konventualen. Im Mittelalter war offensichtlich das Institut der Konversen von größerer Bedeutung. Im Nekrolog werden 104 angeführt; ihre Zahl dürfte aber höher gewesen sein. Davon gehören etwa zehn noch dem 12. Jahrhundert an. Ebenfalls zehn gehören dem beginnenden 14. Jahrhundert an. Dann bricht die Institution ab. Im Nekrolog werden 85 weibliche Konversen angeführt, wobei unklar bleibt, wie weit es sich um Mitglieder des Frauenkonvents handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Es wurden bisher keinerlei Reste aus der Karolingerzeit gefunden. Für die Stiftskirche sind Weihedaten zu 1065, 1150 und 1228 überliefert. Eine weitere Weihe dürfte um 1280 stattgefunden haben. Von der ältesten Kirche sind an der Nordmauer auf der Kreuzgangseite romanische Fenster zu sehen. Der jetzige Kirchenbau geht wohl auf den Beginn des 13. Jahrhunderts zurück. Dagegen dürfte die Doppelturmanlage der Westfassade älter sein. Das alte Aussehen der Kirche ist noch in der Rosenkranzkapelle erhalten, die zwei Joche des rechten Seitenschiffs umfasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1512 wurde der Nordturm nur mehr bis zur Höhe das Daches wiederhergestellt, der Südturm wurde 1560 aber höher als bisher ausgebaut und erhielt 1693 seine heutige Form. Der Plan zu einer barocken Scheinfassade mit dem Südturm als Zentrum kam nicht zur Ausführung. Im Inneren bewahrt die Kirche die dreischiffige romanische Anlage, wurde aber im 18. Jahrhundert vollständig barockisiert. Eine erste barocke Einrichtung erhielt die Kirche unter Propst Fünfleutner; 1648 wurden fünf Seitenaltäre geweiht und 1658 durch Tobias Pock das Hochaltarbild geschaffen, das einzig erhaltene Stück dieser Phase. Propst Führer führte unter Leitung von Jakob Prandtauer und Josef Munggenast eine radikale Neugestaltung durch. Die Kirche wurde barock gewölbt und die romanischen Pfeiler mit Stuckmarmor verkleidet. Freskenmaler waren Thomas Friedrich Gedon, Antonio Tassi, Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte. Der Hochaltar ist eigentlich nur eine Wandgliederung mit dem alten Maria-Himmelfahrtsbild von Pock. An den Seitenaltären arbeiteten prominente Künstler wie Jakob Ch. Schletterer (Kreuzaltar) mit, der auch die zwei Sandsteinreliefs in den Seitenschiffen schuf. Die Altarbilder stammen zumeist von Daniel Gran. Die St. Pöltner Kunsthandwerker Hippolyt Nallenburg und Peter Widerin schufen die Kanzel und das Chorgestühl. Bemerkenswert sind auch die Beichtstühle. Von den Grabdenkmälern sei nur auf das Fünfleutners im rechten Seitenschiff verwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kirche wurde seit ihrer Fertigstellung um 1747 kaum verändert. Neu ist das Denkmal für Bischof Kerens. 1856/58 mussten die Plastiken des Hochaltars erneuert werden. Der Volksaltar stammt von 1983. Das Stiftsgebäude wurde nach dem Brand von 1621 in frühbarocker Form bis 1650 praktisch neu errichtet, auch wenn die alte Anlage drei Höfe gehabt haben dürfte. Der Kreuzganghof wurde vergrößert. Der Brunnenhof dürfte die alte Substanz behalten haben. Der Binderhof blieb zwar in der Gestalt gleich, doch bekam er eine neue Funktion. Statt Getreidespeicher und Binderei wurden Wohnungen für die Domherren und Büros für die Bistumsverwaltung geschaffen. Weitere Änderungen im Inneren gab es unter Propst Müller, unter dem die beiden Sakristeien und das Oratorium ausgebaut wurden. Unter Propst Führer kam es zum Bau des Gäste(Bischofs-)trakts und des dorthin führenden Stiegenhauses  mit dem qualitätvollen Sandsteinrelief sowie zur Ausgestaltung der Bibliotheksräume, die unvollendet blieben; weiters ließ er das Einfahrtstor an der Ostseite errichten (1908 zurückversetzt) sowie 1726 das Gartenhaus. Einzelne Reste erinnern an die ältere Klosteranlage. So einige romanische Bögen im Brunnenhof und am Domplatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgrabungen brachten im Kreuzganghof und unter der Domherrensakristei (1949, 1980, 1982) die Heilig-Geist-Kapelle und den alten Kapitelsaal mit zwei Altären zum Vorschein. Das alte Refektorium wurde etwas südlich vom jetzigen Sommerrefektorium ergraben; es dürfte schon im 15. Jahrhundert abgekommen sein. Aus der Zeit des Chorherrenstiftes stammen noch einige liturgische Geräte und Paramente. Zwei Monstranzen aus dem 18. Jahrhundert, ein Ziborium von 1608, eine Reihe von Kelchen, wovon der älteste von 1479 (?) stammt, ein anderer von 1524, und einige weitere aus der Barockzeit. Unter den Reliquiaren ist ein Kreuzreliquiar aus dem frühen 15. Jahrhundert von besonderer Bedeutung. Von den Ornaten seien der 1726 durch Propst Führer um 12.000 Gulden angeschaffte rote Ornat und der Altenederornat von 1760 erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Über der Geschichte der Bibliothek waltete kein guter Stern. Zwar dürfte um 1200 die Wissenschaftspflege im Kloster geblüht haben, wie auch aus der späteren &amp;quot;Vita Altmanni&amp;quot; hervorgeht, doch hat sich nicht allzuviel erhalten. Ab 1200 werden immer wieder &amp;quot;scholastici&amp;quot; erwähnt. Die meiste Information liefert der Bibliothekskatalog des Albert Maderna von 1761. Die ältesten Handschriften betreffen Bibel und Liturgie. Ein Missale (Hs. 14) reicht in das frühe 13. Jahrhundert zurück, ebenso zwei Lektionare (Hs. 60 und 41). Unter Propst [[Heinrich]] (1252–1268) wurden zahlreiche Handschriften aus Passau zum Kopieren entlehnt, die vor allem kanonistischen Inhalt hatten. Die St. Pöltner Pröpste waren häufig als delegierte Richter tätig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts bestand eine Buchmalschule, wenn auch auf bescheidenem Niveau. In diesem und dem folgenden Jahrhundert kam es offensichtlich zu einem Aufschwung der Wissenschaftspflege. Beigetragen dazu hat die enge Verbindung mit der Wiener Universität ab 1380. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts dürfte die Bibliothek etwa 200 Handschriften und 220 Frühdrucke umfasst haben. Von den Handschriften sind nur mehr 80 erhalten, von den Frühdrucken etwa 140. Abgesehen von den liturgischen Büchern waren Handschriften mit Ketten befestigt und lagen auf Pulten. Die Spuren davon sind noch zu sehen. Vermutlich befand sich die Bibliothek oberhalb der Sakristei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1439 kam es zur Stiftung von 100 Pfund für die Einrichtung der Bibliothek, wohl zur Anschaffung der Pulte. Nach dem Neubau wird 1653 die Bibliothek im Bereich des heutigen Dompfarramts ausgewiesen. Vor 1722 begann Propst Führer mit dem Ausbau der Bibliothek und deren kostbarer Ausschmückung, die aber nie vollendet wurde. Als Freskanten waren Paul Troger und Daniel Gran tätig. Das 16. Jahrhundert bringt nur wenig Nachrichten zur Bibliothek. Ein Umschwung setzte mit Propst Fünfleutner (1636–1661) ein, der von seiner früheren Tätigkeit als Professor für Medizin vor allem medizinische Werke mitbrachte. Seit etwa 1660 wurde im Kloster auch Theologie doziert, was zur Vermehrung der theologischen Werke führte. Mit [[Raimund Duellius]] (1693–1769) trat erstmals ein hauptberuflicher Bibliothekar in Erscheinung. Ihm folgte [[Albert Maderna]] (1703–1780), der eine Neuaufstellung der Bibliothek vornahm und 1756 dazu auch einen Katalog herausgab. Bei der Inventarisierung des Klostervermögens 1784 wird die Bibliothek nur summarisch erwähnt. Sie ging 1785 in den Besitz der neu gegründeten Diözese über und wurde Grundstock der Diözesanbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Bereits 1250 wird von einer Devastierung bei den Klosterurkunden berichtet. Wohl deswegen kam es zur Anlegung von Kopialbüchern. Nach der Krise des 16. Jahrhunderts brachte der historisch interessierte Propst Müller (verstorben 1716) das Archiv wieder in Ordnung. Aber zwischen 1725 und 1846 gab es große Verluste. Eine gewisse Schuld dürfte beim Stiftsmitglied Raimund Duellius gelegen sein, der für sein Werk &amp;quot;Excerpta genealogico-historica saec. XII., XIII., XIV., XV., XVI&amp;quot; 325 Urkunden behandelte, von denen heute nur mehr 42 Stück erhalten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Franzoseneinfall 1741 wurde das Archiv neuerlich in Unordnung gebracht. Mit der Aufhebung des Stiftes fiel das Archiv in den Wirkungskreis der Kameraladministration, der auch das Religionsfondsgut St. Pölten unterstellt war. Bei der Übernahme dürften die Akten und Kanzleiregistraturen als wertlos vernichtet worden sein. Erhalten blieben sechs Kopialbücher, einige Urbare und Grundbücher, 266 Urkunden und einige Akten. Davon gelangten fünf Kopialbücher und die anderen Stücke 1848 an das Staatsarchiv. 1860 bzw. 1862 und sogar noch 1934 kamen weitere neun Handschriften (Kopial-, Gerichts-, Lehen- und Dienstbücher) dorthin. Im Diözesanarchiv St. Pölten befinden sich nur ein Karton Akten, zehn Urkunden und sieben Bücher aus dem Klosterbestand, weiters das Archiv des Gutes Ochsenburg. Zur Erforschung der Klostergeschichte müssen also Bezugsarchive herangezogen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* BÜTTNER, Rudolf, Aelium Cetium. Das Fortleben seines Namens im Mittelalter, in: Jahreshefte des Österr. Archäologischen lnstituts 40 (1953), Beibl. Sp. 185 ff. &lt;br /&gt;
* DERS., Propst Ulrich Feyertager. Seine Burgen und deren Geschichte, in: Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXXVI (1964), 155-183.&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich südlich der Donau, Tl. 2, Horn/Wien 2003.&lt;br /&gt;
* DONIN, Richard Kurt, Der mittelalterliche Bau des Domes zu St. Pölten. Ein Beitrag zur Geschichte der romanischen Baukunst in Wien und Niederösterreich, in: Mitteilungen f. Geschichte d. Stadt Wien XII (1932), 163.&lt;br /&gt;
* FAHRNGRUBER, Johann, Aus St. Pölten. Bilder und Erinnerungen, St. Pölten 1885.&lt;br /&gt;
* FASCHING, Heinrich, Auseinandersetzung zwischen Konvent und Propst im Stift St. Pölten 1722, in: Hippolytus N.F. 6 (1984), 3-59. * DERS ., Dom und Stift St. Pölten und ihre Kunstschätze, St. Pölten-Wien 1985. Darin Beiträge von: SCHRAGL, Friedrich, Geschichte des Stiftes St. Pölten, 16-49; SCHWARZ, Mario, Die Architektur der mittelalterlichen Klosterkirche, 50-70; WUHR, Clara Bettina, Archäologische Ausgrabungen im Kreuzgang, 71-76; ZORRI, Wilhelm, Der Neubau des Klosters in der Barockzeit, 77-91; PÜHRINGER-ZWANOWETZ, Leonore, Die Barockisierung der Stiftskirche, 92-96; KRONBICHLER, Johann, Die künstlerische Ausstattung von Dom und Stift, 97–125.&lt;br /&gt;
* DERS., Propst Johann Michael Führer von St. Pölten. Absetzung und letzte Lebensjahre (1739–1745), St. Pölten 1991 (=4. Beiheft zu Hippolytus N.F.).&lt;br /&gt;
* FRAST, Johann, Historische und topographische Darstellung von St. Pölten und seiner Umgegend etc. (=Kirchliche Topographie, I/7/2, Wien 1828.&lt;br /&gt;
* GRAF, Walter, Stifts- und Dommusik in St. Pölten, in: Die Domorgel. Festschrift anläßlich der Weihe der Domorgel zu St. Pölten, St. Pölten o. J. (1973), 6-26.&lt;br /&gt;
* GUTKAS, Karl, Werden und Wesen der Stadt St. Pölten, St. Pölten, 4. Aufl. 1980 (1. Aufl. 1970).&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer, der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* HERRMANN, August, Geschichte der Stadt St. Pölten, 2 Bde., St. Pölten 1917–1930.&lt;br /&gt;
* HORN, Sonja, Des Propstes heilkundlicher Schatz. Medizinische Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts in der Bibliothek des ehem. Augustiner-Chorherrenstiftes St. Pölten, St. Pölten 2002 (=Beiträge zur Kirchengeschichte Niederösterreichs 9).&lt;br /&gt;
* HÜBL, Richard, Die Gegenreformation in St. Pölten, St. Pölten 1966.&lt;br /&gt;
* KARAS, Josef, Der Dom zu St. Pölten. Ein Führer durch seine Geschichte und Kunst, St. Pölten 1935.&lt;br /&gt;
* DERS., Eine kunstgeschichtliche Führung durch den oberen Kreuzgang im Bistumsgebäude, in: Der Traisengau (1935/36), 121–131.&lt;br /&gt;
* KARL, Thomas, Zur historischen und städtebaulichen Entwicklung St. Pöltens vom frühen Mittelalter bis zur beginnenden Stadterweiterung um 1850, in: Österr. Kunsttopographie Bd. LIV. Die Kunstdenkmäler der Stadt St. Pölten, Horn 1999, LXIII–LXXXV.&lt;br /&gt;
* KRONBICHLER, Johann u. Susanne, Diözesanmuseum St. Pölten, Katalog der ausgestellten Objekte, St. Pölten 1984.&lt;br /&gt;
* DIES., 100 Jahre Diözesanmuseum St. Pölten 1888–1988, Sonderausst. 1988, St. Pölten 1988.&lt;br /&gt;
* LUTZ, Volker, Stadt und Herrschaft St. Pölten 1491–1785, St. Pölten 1975.&lt;br /&gt;
* ÖSTERREICHISCHE KUNSTTOPOGRAPHIE Bd. LIV, Die Kunstdenkmäler der Stadt St. Pölten und ihrer eingemeindeten Ortschaften, Horn 1999.&lt;br /&gt;
* SACKEN, Eduard, Archäologische Wegweiser durch Niederösterreich, Wien 1878.&lt;br /&gt;
* SCHRAGL, Friedrich, Glaubensspaltung in Niederösterreich, Wien 1973.&lt;br /&gt;
* DERS., Kirchen und Kapellen im mittelalterlichen St. Pölten, in: Juste, pie, fortiter, Festschrift für Bischof Franz Zak, St. Pölten-Wien 1981, 146-167.&lt;br /&gt;
* WEIGL, Hans, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich I (Wien 1964), 210.&lt;br /&gt;
* WINNER, Gerhard, Das Diözesanarchiv St. Pölten. Behörden und Institutionen, ihre Geschichte und Bestände, St. Pölten 1959.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Diözesanbibliothek in St. Pölten, in: Österreichische Zeitschriftf. Kunst u. Denkmalpflege XXI (1967), 155-163.&lt;br /&gt;
* DERS ., Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien, Wien-München 1967.&lt;br /&gt;
* DERS., St. Pöltner Zehentbesitz im südöstlichen Waldviertel und in der Wachau, in: Das Waldviertel 18 (1969), 272–277.&lt;br /&gt;
* DERS., Zur Bibliotheksgeschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Pölten, in: Translatio Studii, Collegeville Minnesota 1973, 48–74.&lt;br /&gt;
* WODKA, Josef, Personalgeschichtliche Studien über das ehemalige Chorherrenstift St. Pölten, in: Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXVIII (1939–43), 148–206.&lt;br /&gt;
* DERS., Das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift St. Pölten, in: Beiträge zur Stadtgeschichtsforschung. Festschrift der Stadtgemeinde St. Pölten, hrsg. anlässlich der 800-Jahrfeier der Verleihung des ersten Stadtrechtes, St. Pölten 1959, 156–198.&lt;br /&gt;
* DERS., Das Nekrologium des einstigen Chorherrenstiftes St. Pölten als Geschichtsquelle, Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXXVI (1964), 48–57.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift St. Pölten</title>
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		<updated>2022-07-15T14:58:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Geschichte vor den Augustiner-Chorherren */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1083&lt;br /&gt;
|Datum bis=1784&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau, seit 1785 Diözese St. Pölten&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Treisma (799), Treisma ad monasterium Sti Ypoliti (976), Treisima civitas monasterii Sti Ypoliti (985/991), abbatiaad Sanctum Yppolitum (ca 1030), Sand Pelten (1297), Sand Polten (1344). Die römische Stadt trug den Namen Aelium Cetium.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Hippolyt (976), ab 11./12. Jhd. zusätzlich Petrus, Stefan und Paul, später auch Maria&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Landeshauptstadt von Niederösterreich, 60 km westlich von Wien, Stadt mit eigenem Statut. Ursprünglich in der karolingischen, nach 955 ottonischen Mark gelegen, Markgrafschaft Österreich, seit 1156 Herzogtum (1422 Erzherzogtum) Österreich unter der Enns; seit 1920 Bundesland Niederösterreich.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Geschichte vor den Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Das römische Municipium Aelium Cetium, in dem nach seiner Passio der hl. Florian 303/304 im Exil weilte, ging bald nach 400 in den Wirren der Völkerwanderung unter und wird auch in der &amp;quot;Vita Severini&amp;quot; nicht mehr erwähnt. Entsprechend erbrachten die Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte keine Römerfunde aus dem 5. Jahrhundert, wohl aber Zeichen der Zerstörung. Das Gebiet zwischen Enns und Wienerwald dürfte von 500 an kaum besiedelt gewesen sein und stand unter dem Einfluss der Awaren. Mit dem Awarenkrieg Karls des Großen von 791 wurde das Gebiet bis zur Raab wieder dem christlichen Westen eingegliedert. Es folgte bayrische, aber auch slawische Besiedlung. In St. Pölten soll es bald zu einer Klostergründung gekommen sein. Allerdings gibt es auch eine Tradition, die Propst [[Christoph Müller von Prankenheim]] (1688–1715) populär machte. Demnach wurde in St. Pölten durch die beiden adeligen Brüder Adalbert und Ottokar bereits 746 ein Kloster errichtet. Wahr daran ist, dass sie Tegernsee gegründet haben. Wahrscheinlich haben sie durch ihre Beziehungen zu Abt Fulrad von St. Denis Hippolytreliquien erhalten, die sie nach Tegernsee stifteten. Auch 764 wurde als Gründungsjahr angegeben (H. Löwe 1937), doch dürfte dies eher auf großdeutsche Überlegungen zurückgehen. Vor 791 ist eine Klostergründung in Niederösterreich nicht denkbar. Es ist zu vermuten, dass sich das Kloster Tegernsee, das zu den wohlhabendsten gehörte, mit entsprechenden Truppen am Awarenkrieg beteiligte und von Karl dem Großen wie andere auch mit Gütern an der Traisen belohnt wurde. Tegernsee errichtete hier wohl eine Zelle, die dann später Abtei genannt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Errichtung eines Klosters dürfte vor 840 geschehen sein, da dann Tegernsee Passauer Eigenkloster wurde. Vermutlich hatte Passau bereits vorher Besitz in St. Pölten. Die Schenkung der Martinskirche in Linz wurde 799 in Treisma getätigt, was für Passauer Besitz in St. Pölten spricht. Die erste sichere Nennung eines Klosters in St. Pölten geht auf eine Urkunde Kaiser Ottos II. aus dem Jahr 976 zurück. Darin bestätigt er dem Passauer Bischof seine Besitzungen, unter anderem &amp;quot;Treisma ad monasterium sancti Ypoliti.&amp;quot; Ebenso bestätigt Herzog Heinrich (der Zänker) in einem Weistum, das in die Jahre 985/991 datiert wird, dem Passauer Bischof unter anderen Besitzungen &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;deinde Treisimarn civitatem monasterii sancti Ypoliti martiris, ea integritate ut quondam beate memorie Adalbertus episcopus (946–970/971) sub Purchardo marchione (955–976) in sua tenuit vestitura et quemadmodum carta legali affirmatione antiquitus roborata et in publico recitata designabat.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Wie weit es sich dabei um ein bestehendes Kloster oder nur um einen Rechtstitel handelt, sei dahingestellt. Jedenfalls weisen die Ansprüche Tegernsees aus dem 11. Jahrhundert darauf hin, dass wir es ursprünglich mit einer Tegernseer Gründung zu tun haben. Denn in den Tegernseer Güterverzeichnissen wird auch St. Pölten als entfremdetes Gut bezeichnet, so um 1020 und um 1060, das der Passauer Bischof innehabe. Nun wurde das Kloster Tegernsee erst 978 reaktiviert. Es besteht also kein Zweifel, dass St. Pölten im 9. Jahrhundert von Tegernsee aus als Benediktinerkloster gegründet wurde. Ja, es besteht die berechtigte Meinung, dass St. Pölten auch an der Mission im Großmährischen Reich tätig war, wie das Hippolytpatrozinium in Neutra und Znaim-Pöltenberg nahelegt. Ob es den Magyareneinfall überstanden hat, ist ungewiss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weltliches Kollegiatstift===&lt;br /&gt;
Im 11. Jahrhundert kam es jedenfalls zu einer Neuorganisation des Klosters. Im Nekrolog St. Pöltens werden die Bischöfe Berengar (1013–1045) und Eigilbert (1045/1046–1065) als &amp;quot;fundatores&amp;quot; des Klosters bezeichnet. Damals dürfte es zur Umwandlung des Klosters in ein weltliches Chorherrenstift gekommen sein, was durchaus im Trend der Zeit lag (vgl. Ardagger). Den genannten Bischöfen verdankte auch das Kloster die Verleihung seiner ersten Pfarren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Von der Reformtätigkeit Bischof Altmanns von Passau (1065–1091) war auch das Eigenkloster St. Pölten berührt. Ab 1081 stattete er seine Stiftung Göttweig aus. Dies geschah unter anderem auf Kosten der Pfarre St. Pölten, die Teile an die an Göttweig gekommenen Pfarren Kilb und Pyhra verlor. Vermutlich erst nach 1083 wurden in St. Pölten regulierte Kanoniker eingeführt. Dies geschah gegen den Willen der dortigen Kanoniker, wie aus der &amp;quot;Vita sancti Altmanni&amp;quot; hervorgeht. Die St. Pöltner Kanoniker dürften mit ihrem kaiserlich gesinnten Vogt Walchun von Perg im Investiturstreit zu Kaiser Heinrich IV. gehalten haben. Altmann besetzte St. Pölten also mit regulierten Kanonikern vermutlich aus St. Nikola bei Passau. Neuer Propst wurde [[Egilbert]], der auch zweimal als Archipresbyter bezeichnet wird. Doch blieb die Kontinuität im Kloster gewahrt, wie das besondere Gedächtnis an Kaiser Heinrich IV. und dessen Mutter Agnes beweist. Von früheren Pröpsten ist allerdings keiner namentlich nachweisbar. Auch der Ausbau des Klosters wahrte die Kontinuität: für 1065 und 1150 sind Kirchweihen überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Verhältnis zu den Passauer Bischöfen===&lt;br /&gt;
Schon Kaiser Heinrich III. oder Heinrich IV. hatte die Kanonie mit den Marktrechten in St. Pölten ausgestattet (1058?). Nach 1121 bestätigte der Passauer Bischof diese Rechte. Kennzeichnend blieb das ganze Mittelalter das Nebeneinander von Klosterbesitz und den Besitzungen der Passauer Bischöfe in St. Pölten. Diese besaßen in St. Pölten auch ein eigenes Haus, das sie bei ihren Österreichbesuchen als Nebenresidenz benutzten. Mehrfach hielten sie hier auch Diözesansynoden (1284, 1294) ab. 1159 verlieh Bischof Konrad von Passau den St. Pöltner Bürgern bestimmte Rechte (Freiheit von Ordalien), die als ältestes Stadtrecht in Österreich gelten. Die Ummauerung der Stadt erfolgte allerdings erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Kloster gegenüber verhielten sich die Bischöfe meist großzügig. So gab Bischof Konrad 1159 dem Stift die Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Bruck an der Leitha (hl. Martin, nach 1529 Dreifaltigkeit)|Bruck an der Leitha]], Bischof Wolfger (1191–1204) übergab dem Kloster sein Haus, damit es den vierten Teil des Kreuzganges fertigstellen könne. Vermutlich lag dieses mit seiner Maximilianskapelle an der unteren Landstraße (Wienerstraße), wo später die Franziskaner ihr Kloster hatten (heute Priesterseminar). 1213 inkorporierten sie die Klosterpfarre &amp;quot;pleno iure&amp;quot; dem Stift. Bischof Otto von Lonsdorf (1254–1265) weilte häufig in St. Pölten und stellte hier mehr als 30 Urkunden aus. Zu Spannungen kam es wegen der Gemengelage von bischöflichem und klösterlichem Besitz in der Stadt, vor allem aber um die Rechte am bedeutenden Markt. Unter Propst [[Ulrich Feyertager]] (1360–1369) wurde 1365/67 ein Ausgleich zwischen Bischof und Kloster erzielt. Dieses verzichtete auf allen Besitz in der Stadt mit Ausnahme des Klosterviertels und bekam dafür als Entschädigung Zehente in der Umgebung und die bedeutende Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Hürm (hl. Stephanus)|Hürm]]. Bischof Georg von Hohenlohe residierte 1390 bis 1393 in St. Pölten, da ihm seine Bischofsstadt wegen der zwiespältigen Bischofsswahl nicht zugänglich war. Damit begann aber auch das Ende der Passauer Herrschaft in St. Pölten. Bereits 1389 musste die Stadt wegen Schulden erstmals an die Wallseer verpfändet werden, 1481 schließlich dem in Niederösterreich eingefallenen Ungarnkönig Matthias Corvinus. Nach dessen Tod 1490 eroberte König Maximilian Niederösterreich rasch zurück, behielt sich aber St. Pölten. Der Passauer Bischof konnte wegen Geldmangels die Pfandschaft nicht einlösen. So blieb die Stadt bis 1918 landesfürstlich. Für das Kloster bedeutete dies ein Ende der Streitigkeiten mit dem Bischof, hatte dieser doch nur mehr die geistliche Jurisdiktion inne. Allerdings gab es in Hinkunft die üblichen Reibereien mit der Stadtverwaltung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
Ab dem 12. Jahrhundert kam es zum Ausbau des Klosters. 1150 ist ein Kirchweihdatum überliefert. Bereits 1133 wurde eine Leutkirche auf dem heutigen Domplatz konsekriert, deren Fundamente 1994 ergraben wurden. Die Andreaskapelle über dem Karner (ebenfalls auf dem Domplatz) wird erstmals 1179 erwähnt. Vor 1140 wurde das Hospital mit der Ägydiuskirche errichtet; als Weihedatum dessen Kirche wird 1130 angeführt. Eine Jakobuskapelle in der Infirmerie wurde 1184 geweiht. Ebenfalls bereits im 12. Jahrhundert bestand ein Konversenhaus für Frauen, da &amp;quot;moniales de S. Yppoliti&amp;quot; im Nekrolog von St. Andrä erwähnt werden. 1302 erhielt dieses &amp;quot;domus sororum&amp;quot; die Margaretenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1209 wurden in der Sakristei (wohl anlässlich eines Umbaus) Reliquien unbekannter Heiliger gefunden, was zu einer kurzfristigen Wallfahrt nach St. Pölten führte; es wurde auch ein Mirakelbuch angelegt. Einen Höhepunkt erreichte diese Bautätigkeit in der Weihe des Klosters (wohl dem Charakter nach eher eine Kirchweihe) durch Bischof Gebhard im Jahre 1228. Den Übergang von den Babenbergern zu den Habsburgern schafft das Stift ohne größere Probleme. Noch 1248 erheilt es durch Bischof Rudger eine Bestätigung seiner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 14. Jahrhundert brachte dem Stift unter den Pröpsten [[Dietmar von Rohr]] (1332–1359) und [[Ulrich Feyertager]] (1360–1369) eine wirtschaftliche Blüte: Es kam zum Ausgleich mit dem Passauer Bischof bezüglich der Besitzungen in der Stadt, zum Erwerb der Pfarre Retz, die zu einer der stärksten wirschaftlichen Stützen des Klosters wurde, aber auch zu bedenklichen personellen und wirtschaftlichen Verknüpfungen mit den Angehörigen der Pröpste. 1358 wütete ein Großbrand. Die Leutkirche auf dem Freithof (Domplatz) wurde vergrößert wieder aufgebaut, wie die Ausgrabungen von 1994 nachwiesen. Propst Ulrich erwarb eine Reihe von Gütern, so den Ansitz Friesing, die Feste Hagenstein, Burg Fridau, Innerkasten, Schwabegg, Rennersdorf und Inning, wobei allerdings unklar bleibt, inwieweit dies auch private Erwerbungen der Familie der Feyertager waren. Damals grassierte immer wieder die  Pest, wodurch die Güter oft billig zu erwerben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert wurde St. Pölten über Wittingau (Trebon) von der Raudnitzer Reform erfasst, auf die 1410 auch die Gründung der Augustinerpropstei Dürnstein zurückgeht. Gemeinsam mit dem [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] beteiligte es sich 1414 an der Besiedlung des [[Stift St. Dorothea in Wien|Augustinerklosters St. Dorothea in Wien]]. Das 15. Jahrhundert war eine Blütezeit für die Kanonie, auch wenn es mehrfach kriegerische Ereignisse brachte. So wurde 1424 durch die Hussiten die Stadt Retz zerstört und die Umgebung verwüstet. 1481 bis 1490 besetzten die Ungarn die Stadt. Den großen Stadtbrand von 1474 schildert ein zeitgenössischer Bericht, der auch eine Darstellung der Baulichkeiten des damaligen Stiftes bringt: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Dy selb prunst und feur hot verprennt...das closter der chorherrn mit dem ziegelhoff, dem phister (Bäckerei), und müll, mayrhoff, städeln, marstall, viehstall, kasten, zwei pad der herren im closter und des brobst, werichhaus der zimmerleut, pinthaus, obleyhaus, spital (das spätere Bürgerspital) mit aller zugehörung und zimmer, stall, stadl, pad kasten daselbs; item der chorherrn siechhaus (Infirmerie im Kloster), der jungkherrn schlaffhaus ganz und gar, der herrn schlaffhaus ain teil in ziegeldach, das dach vor dem refät (Refektorium), des dechants heüsl, das secret, der zynein knopf aus dem münster, des Heil. Geist kirchen, des kastner und schaffner zimmer, das schenkh haus das man heißt in dem Lüeglein; St. Margarethn das dach (Kirche der Chorfrauen), das dach auf dem korner (Karner), das dach und heusel in dem gusterhof, die schuel, messnerheusl, das kirchengässel, ...&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Die Schäden müssen enorm gewesen sein, so musste die Spitalskirche in der Unteren Landstraße (Wiener Straße) neu errichtet werden. Die Baulast für die Erneuerung des Kremserturmes und der Befestigungen bis zum Wiener Tor fiel dem Stift zu. Die Behebung der Schäden dauerte bis nach 1500.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die lange Krise===&lt;br /&gt;
Einem neuerlichen Stadtbrand fielen 1512 die Westfassade mit den beiden Türmen und offensichtlich auch die Sakristei zum Opfer. Letzteres geht aus einer Bischofsurkunde von 1513 hervor. Demnach gewährte Bischof Wiguleus Fröschl dem Konvent die Erlaubnis, anstatt der bisherigen Almuzien aus schwarzem Lammfell solche aus billigeren Eichhornfellen zu tragen. Von der Doppelturmanlage wurde nur mehr der Südturm wieder hergestellt. Daneben gab es noch andere Gründe für den Niedergang. Da waren zunächst die Türkenkriege, die 1529 und 1532 die Stadt erreichten. Wenn auch die Stadt nicht unmittelbar betroffen war, so litten doch die stiftlichen Güter. Zusätzlich musste das Kloster die Quart und die Terz entrichten und immer wieder dem Landesfürsten Darlehen gewähren. Schon 1526 musste es Silber im Wert von 530 Mark abliefern. Schon 1525 leistete es ein Darlehen von 800 Gulden, 1537 und 1539 600 Gulden, und 1558 musste es den Stiftshof in Pulkau verpfänden, um ein Darlehen von 3.000 Gulden aufbringen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu kamen die relativ kurzen Amtszeiten der Pröpste, von denen drei resignierten: [[Johannes Marquard]] (1515–1530), [[Johannes Perlasreuter]] (1530–1538) und [[Martin Renhofer]] (1538–1539). Unter Propst [[Leopold Hagen]] (1539–1563) erreichte das Stift seinen Tiefpunkt. Natürlich wirkte sich für das Kloster auch das Eindringen der Reformation negativ aus, was sich besonders im Rückgang der Konventualen auswirkte. Dazu starben in den Seuchenjahren 1541/42 sieben Konventualen. 1544 betrug ihre Zahl noch zwölf, 1561 waren es nur mehr sechs, 1566 vier, wobei einer sich auf der Stiftspfarre [[Retz]] befand. Ab Propst [[Georg Hueber]] (1569–1575) besserte sich die Personallage. In der Stadt kam der Protestantismus um 1560 zum Durchbruch. Gemeinsam mit dem Propst wurde der Prediger für die Frauenkirche (einstige Leutkirche auf dem jetzigen Domplatz) bestellt. Der Stadtrat machte daraus ein alleiniges Recht und bestellte protestantische Prediger. Daraufhin ließ Propst Georg die Kirche sperren. In seinem Todesjahr 1575 fand noch eine Visitation statt, die ein erfreuliches Bild zeichnete. Unter seinem Nachfolger [[Melchior Schad]] (1576–1598) schlitterte das Stift allerdings in tiefe Schulden und musste zeitweilig administriert werden. Seine Nachfolger [[Eucharius Warmuth]] (1598–1599) und [[Johannes Meringer]] (1600–1601) regierten nur wenige Monate. Unter Propst [[Johannes Metz]] (1601–1611) wurde in St. Pölten eine Visitation durch Offizial Melchior Khlesl durchgeführt. Einige Tage vor dem Tode seines Nachfolgers [[Johannes Roth]] aus Dinkelsbühl (1612–1621) kam es zu einem katastrophalen Stadtbrand, der auch das Stift schwer traf. Nach drei nur kurz regierenden Pröpsten wurde 1628 [[Wolfgang Panckhammer]] zum Propst gewählt. Er war ein frommer Mann und guter Güterverwalter, hatte aber den Konvent nicht im Griff und wurde sogar von den eigenen Chorherren mit Säbel und Pistole bedroht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Blütezeit seit Propst Fünfleutner=== &lt;br /&gt;
Erst die Visitation durch den Klosterneuburger Propst brachte eine entscheidende Wende zum Besseren. Propst [[Bernhard Enoch von Waitz|Bernhard]] von [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] bot den St. Pöltnern auch einen Novizenmeister an, was vermutlich den Eintritt des [[Johannes Fünfleutner]] 1630 in das Stift zur Folge hatte. Er sollte zum bedeutendsten Propst des Stiftes werden. Fünfleutner wurde um 1589 in Schärding am Inn geboren; er war bürgerlicher Abkunft. Er erlangte den Doktorgrad der Medizin an der Universität Padua, war 1626 Dekan der medizinischen Fakultät in Wien, nahm 1628/1629 an einer kaiserlichen Gesandtschaft nach Konstantinopel teil und fungierte 1629 als Rektor der Wiener Universität (als Propst hatte er 1644 nochmals dieses Amt inne). Erst im Kloster dürfte er seine theologische Ausbildung erhalten haben. Es ist auch zu vermuten, dass er von seiner früheren Tätigkeit her ein größeres Vermögen mitbrachte. Er wurde bald Kämmerer und Stiftsdechant und nach dem Tod Panckhammers ging er siegreich aus der Neuwahl des Propstes am 17. Februar 1636 hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während seiner Tätigkeit als Propst durch 25 Jahre kam es zu 28 Neueintritten ins Kloster, wovon allerdings sieben Chorherren vor ihm starben. Bei der Neuwahl nach seinem Tod gab es immerhin 21 Konventualen. Zu seinen großen Leistungen gehörte der Neubau des Klosters. Somit entstand jenes Gebäude, das weitgehend mit dem heute noch bestehenden Bistumsgebäude identisch ist. Dies ersieht man aus einer Federzeichnung aus dem Jahre 1653, die im Diözesanmuseum aufbewahrt wird. Nur der Gästetrakt (heute Bischofstrakt) wurde im 18. Jahrhundert hinzugefügt. Er unterstützte den Wiederaufbau des Franziskanerklosters und sorgte für eine erste Barockisierung der Stiftskirche. Auf Fünfleutner geht auch die Errichtung der Kapelle zu Ehren der hl. Barbara zurück, die sich vor dem Wilhelmsburger Tor befand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Belebung der Frömmigkeit des Volkes führte er 1636 die Mariazeller Wallfahrt ein und 1646 die Manker Wallfahrt, die bis in die Gegenwart durchgeführt wird. Auf Initiative der Bürgerschaft reaktivierte er die Sebastianibruderschaft und errichtete 1646 die Rosenkranzbruderschaft, die breiten Anklang über St. Pölten hinaus fand. Fünfleutner starb am 29. Jänner 1661 im Alter von 72 Jahren. Sein Grabstein im rechten Seitenschiff der Domkirche rühmt ihn als Ratgeber dreier Kaiser, Erbhofkaplan, Rektor der Wiener Universität, Erbauer des Münsters in St. Pölten und Erneuerer des religiösen Lebens. Seine beiden Nachfolger [[Gabriel Kölsch]] (1661–1669) und [[Patrizius Zeller]] (1670–1683) konnten gut weiterarbeiten. Immerhin wurde im Stift Moraltheologie und zeitweilig auch Philosophie doziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verheerend wirkte sich der Türkeneinfall von 1683 auf die Stiftsgüter aus. Zwei Chorherren fanden als Pfarrer den Tod. Propst Zeller floh nach Linz, wo er noch im gleichen Jahr starb. Ungefähr 200 Untertanen wurden verschleppt, über 5.000 Stück Vieh geraubt und 120 Häuser verbrannt oder geplündert. Die Kirchen in Weißenkirchen an der Perschling, Obergrafendorf und St. Georgen am Steinfeld und die Pfarrhöfe in Kasten und Gerersdorf wurden beschädigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur kurz währte die Amtszeit von Propst [[Hieronymus Griesmayr]] (1683–1688). Mit Propst [[Christoph Müller]] von Prankenheim (1688–1715) kam wiederum eine energische Persönlichkeit an die Spitze der Kanonie. Er ließ den Kirchturm erhöhen und in seine heutige Form bringen. Auch schaffte er ein neues Geläute an, das noch weitgehend erhalten ist. Er war auch auf die Vergrößerung des Stiftsbesitzes bedacht. So erwarb er die Ochsenburg für das Stift zurück, kaufte den Schwaighof südlich der Stadt und ließ ihn künstlerisch ausstatten. Ebenso erneuerte er den Lesehof in Joching in der Wachau und den Stiftshof in Pulkau. Doch war er auch wissenschaftlich tätig und verfasste eine Stiftsgeschichte, die dann in Werken von Duellius und Maderna Eingang fand. Unter Propst Christoph fand eine Änderung der Kleidung der Chorherren statt. Anstatt Weiß wurde nunmehr Schwarz getragen, was sich allerdings schon früher abgezeichnet hatte. Zu seinem Nachfolger wurde der 34-jährige aus Melk stammende [[Michael Führer]] gewählt. Beim Tod seines Vorgängers wurden 115.500 Gulden Schulden festgestellt, denen allerdings 50.000 Gulden Aktiva gegenüberstanden. Auf Grund der prekären Lage musste Führer versprechen, die Gebäude zu erhalten und nur notwendige Neubauten zu errichten, sowie die Konventualen bei wichtigeren Angelegenheiten zu konsultieren. Ringsum hatte der &amp;quot;Bauwurm&amp;quot; die Prälaten erfasst. So entwarf Führer auch einen Plan zur Barockisierung der Stiftskirche, wahrscheinlich auf Pläne Prandtauers zurückgehend, der auf hohem Niveau verwirklicht wurde. Auch in den Stiftspfarren wurde gebaut und in Nutzbauten in den Weinbaugebieten investiert. Wegen der hohen Auslagen kam es 1722 zu einer Revolte im Konvent. Einige Chorherren richteten eine Klageschrift an die Regierung, in der dem Propst Verschleuderung des Stiftsgutes vorgeworfen wurde. Propst Führer, der durchaus auch Anhänger im Konvent hatte, rechtfertigte sich: Gerade der Weinbau sei für das Stift wichtig, bestehe doch das Haupteinkommen des Stiftes aus dem Weinbau und Weinzehent. Zudem zahle man für den Eimer Grinzinger zehn Gulden, während der aus anderen Lagen nur die Hälfte erbringe. Er verteidigte auch seine Bautätigkeit und die Anschaffung von Chorgestühl und neuer Orgel für die Kirche; zugleich verwies er auf die notwendige, aber teure Gastlichkeit. Die Regierung nahm diese Rechtfertigung zur Kenntnis. Führer fühlte sich gestärkt. So setzte er die Theologieprofessoren ab und schickte die Kleriker zum Studium zu den Franziskanern. Auch den anderen Opponenten entzog er ihre Funktionen und forderte strikten Gehorsam. 1722 bis 1725 war Führer einer der zwei Vertreter des niederösterreichischen Prälatenstandes im niederösterreichischen Landtag, und 1725 bis 1728 gehörte er dem Verordnetenkollegium des Landtages an. Da er meist in Wien wohnte, kaufte er für das Stift das Haus Krugerstraße 5 und ließ es renovieren, was den Schuldenstand noch erhöhte. Nach seiner Rückkehr aus Wien widmete er sich erneut der Bautätigkeit, sollte doch die Barockisierung der Stiftskirche zum Tausendjahrjubiläum des Klosters im Jahr 1740 vollendet sein. Aber auch außerhalb der Stadt ließ er die stiftlichen Gebäude erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Stift selbst begann er 1727 mit dem Ausbau der Bibliothek und dem Neubau eines Gartenhauses. 1735 kam es zur Neueinwölbung der Stiftskirche, in der Folge wurde ihre Einrichtung geschaffen. Auf Führer geht auch die Prälatenstiege und der neue Gästetrakt (heute Bischofstrakt) im Nordosten zurück, ebenso das neue untere Tor (heute Bischofstor).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1737 wurde mit [[Hippolyt Wolff]] durch die Kapitularen ein neuer Dechant gewählt, der schon länger zu den Opponenten Führers gehört hatte. Nachdem er sich einen Einblick in die finanzielle Situation geschafft hatte, erhob er Anklage gegen den Propst: Dieser habe gegen 200.000 Gulden illegal Schulden gemacht. Diesmal griff der Kaiser durch den Klosterrat entschieden ein. Führer wurde 1739 seines Amtes enthoben. Untersuchungen brachten Schulden von etwa 380.000 Gulden zum Vorschein. Davon hatte er 181.000 mit dem gefälschten Konventsiegel und etwa 60.000 Gulden allein auf seinen Namen aufgenommen. Der Propst musste das Kloster verlassen und wurde auf der Ochsenburg, im [[Stift St. Florian]] und dann in Korneuburg interniert. Während des Baierneinfalls 1741 tauchte er wieder im Kloster auf, musste aber dann 1742 bis zu seinem Tod 1745 in Bruck an der Leitha leben. Die Mehrheit der Kanoniker und auch die Stadtbevölkerung blieb ihm getreu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Ausklang===&lt;br /&gt;
Nach dem Abgang Führers wurde das Stift administriert. Dechant Wolff hatte keine glückliche Hand. Sein Nachfolger, der Klosterneuburger Chorherr [[Bernhard Paul]] (Administrator 1741–1747), konnte den Schuldenstand zwar etwas reduzieren, hatte aber mit dem zerstrittenen Konvent seine Not. Nun wurde wiederum Wolff bestellt (1747–1753), der aber zahlreiche Gegner hatte. Erst unter [[Matthis Alteneder]] kam das Kloster in ruhigere Bahnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sich die Schulden auf 222.000 Gulden vermindert hatten, wurde 1755 eine neue Propstwahl gestattet. Gewählt wurde Alteneder, der bis zu seinem Tod 1779 den Schuldenberg auf 34.790 Gulden reduzieren konnte. Auch unter seinem Nachfolger [[Ildephons Schmidbauer]] (1779–1784) hielt die positive Entwicklung an. Zur Zeit der Klosteraufhebung waren nur 15.000 Gulden Passiva gegeben. Auch der Personalstand war mit 32 bzw. 37 Mitgliedern erfreulich. Man kann mit Recht von einer späten Blüte des Klosters sprechen. Das Stift fand sein Ende nicht wegen Missständen oder Misswirtschaft, es fiel vielmehr den Diözesanplänen Kaiser Josephs II. zum Opfer. Dieser befahl am 9. Juni 1784 die Aufhebung des Klosters, die am l. Juli vollzogen wurde. Schmidbauer wurde an der ehemaligen Domkirche in Wiener Neustadt Propsteipfarrer (verstorben 1791). Die Klostermitglieder traten in den Dienst der Diözesen St. Pölten und Wien. Am 25. Jänner 1847 starb als letzter ehemaliger St. Pöltner Chorherr [[Andreas Malachias Spitzl, Pfarrer und Dechant in Bruck an der Leitha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Über die Wirtschaftsgeschichte liegen bisher keine gründlichen Untersuchungen vor. Es gibt keine Gründungsurkunde und keine frühen Urbare. Dagegen ist der Besitzstand aus der Zeit der Aufhebung bekannt. Demnach lag St. Pölten nach den Großklöstern Klosterneuburg, Melk und Göttweig, wenn auch mit Abstand, an etwa vierter Stelle. Eine Urkunde Papst Alexanders III. (1159–1181) nahm das Stift mit seinen Besitzungen in Schutz. Darin werden zunächst alle dem Stift gehörigen Kirchen aufgezählt: St. Pölten (mit dem Marktrecht), [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Böheimkirchen (hl. Jakobus)|Böheimkirchen]], [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Kapelln (hl. Petronilla)|Kapelln]] mit den dazugehörigen Kirchen Weißenkirchen, Katzenberg, Haselbach, Würmla und Murstetten, die Pfarren [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#St. Christophen (hl. Christophorus, auch hl. Bartholomäus)|St. Christophen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Bruck an der Leitha (hl. Martin, nach 1529 Dreifaltigkeit)|Bruck a. d. Leitha]]. In der Pfarre St. Michael in der Wachau der halbe Zehent, in Pulkau und Zellerndorf der Drittelzehent, in Nalb und [[Liste der Pfarren des Stiftes St. Pölten#Retz (hl. Stephanus)|Retz]] der halbe Zehent. Dann folgt die Aufzählung der Lehen und Huben des Stiftes. Die lagen zumeist in der weiteren Umgebung von St. Pölten. Weiter entfernt waren Besitzungen in Pillichsdorf, Ollersdorf und Waltersdorf. Davon gehen die drei Pfarren Böheimkirchen, Kapelln und St. Christophen auf eine Schenkung Bischof Berengars (1013–1045) zurück. Die Pfarre Bruck gab 1159 Bischof Konrad dem Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Urkunde Bischof Rudigers von 1248 bringt ähnlich der Papsturkunde eine Aufzählung des Klosterbesitzes. Zunächst werden auch hier die Pfarren mit ihren exempten und nichtexempten Filialen aufgezählt: Bruck (Wilfleinsdorf, Arbesthal, Göttlesbrunn und die Nikolauskapelle in der Stadt), Kapelln (Jeutendorf, Weißenkirchen und Katzenberg), Böheimkirchen (Außer- und Innerkasten, Lanzendorf, Schildberg und Stössing), St. Christophen (Brand und Seebach), St. Pölten (Ober- und Unterpottenbrunn, Schlosskapelle Viehofen, Obergrafendorf, Weinburg, Haindorf, Kapelle Markersdorf, Hafnerbach, Schlosskapelle Pielach, Kapelle Karlstetten, Kapelle St. Georgen am Steinfeld). Als wesentlicher Zehentbesitz werden angeführt: St. Michael in der Wachau, Kottes, Meisling, Pulkau, Retz, Nalb, Mautern, Weiten und Melk jenseits der Donau. Der Hausbesitz wird detailierter als in der Papsturkunde angegeben. Das Stift besaß damals etwa 350 dienstpflichtige Häuser. Der Schwerpunkt der Besitzungen lag zwischen Pielach und Perschling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Schwerpunkte waren die Weingärten im Tullnerfeld (Amt Königstetten) und in Grinzing, deren Wein sich gut verkaufen ließ. Weitere größere Besitzungen gab es im Marchfeld (Ulrichskirchen); aber auch die Weingüter um Pulkau und Retz waren für das Stift bedeutsam. Ein weiteres Weinbaugebiet war in der Wachau (Joching), wo das Stift den Weinzehent aber auch Eigengüter besaß. In der Umgebung von St. Pölten erwarb das Stift 1366 die Herrschaft Kasten, 1383 das kleine Gut Ochsenburg und bekam 1398 endgültig die Pfarre Hürm mit ihren Zehenten, nachdem es drei Viertel der Stadt an den Passauer Bischof abgetreten hatte. Natürlich ging auch immer wieder Besitz verloren oder wurde abgetauscht. Im Großen und Ganzen aber blieb der wichtigere Besitz konstant. Erst in der Neuzeit kamen einige Neuerwerbungen dazu. Bei der Inventarisierung anlässlich der Aufhebung des Stiftes 1784 ergab sich folgendes Bild. Das Gesamtvermögen wurde auf 518.033 Gulden berechnet, das jährliche Einkommen mit etwa 40.000 Gulden taxiert, womit das Stift zur begüterteren Hälfte der niederösterreichischen Klöster gehörte. Der Stiftsbesitz setzte sich zusammen aus der Stiftsherrschaft St. Pölten, den Herrschaften Hürm, Kasten, Retz (mit Pulkau), Ochsenburg, dem Freihof Harthof und dem Schwaighof. Dazu gehörten außerdem das Pfarrgut Bruck a. d. Leitha und das Haus in Wien Krugerstraße, das Propst Führer 1726 von den Tullner Dominikanerinnen erworben hatte. Die engere Stiftsherrschaft umfasste den stiftlichen Meierhof zu St. Pölten mit 85 Joch Acker, 528 Joch Waldungen, 55 Joch Auen und 20 Joch Viehweide. Dazu gehörten die Lesehöfe zu Grinzing mit 40 Viertel, zu Joching &lt;br /&gt;
mit 93 Viertel zu Joching und 30 Viertel zu Loiben, und zu Königstetten mit 35 Viertel Weingärten, weiters 474 untertänige Häuser, von denen sich 41 in der Stadt befanden. Der meiste Zehentbesitz lag in den Pfarren St. Pölten, Pyhra, Böheimkirchen und Kapelln sowie in der Wachau (Weinzehent). Die Herrschaft Hürm besaß 48 Untertanen, Kasten 126, Retz mit dem Freihof Pulkau 100, die Herrschaft Ochsenburg (1699 wieder erworben) 50, der Harthof (1662 erworben) neun. Das Pfarrgut Bruck hatte 18 Untertanen und einige Weingärten im Joiser- und Neusiedlergebirge in Ungarn. Aus diesem doch recht ansehnlichen Wirtschaftskörper (ausgenommen das Gut Retz) wurde das Religionsfondsgut St. Pölten gebildet, das dann auch das Patronat über die ehemaligen Klosterpfarren bis 1938/39 innehatte. Allerdings waren bis zu dieser Zeit bereits zahlreiche Stücke veräußert worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das (Augustiner-) Chorherrenstift St. Pölten war immer ein Eigenkloster der Passauer Bischöfe. Ihnen stand daher auch die Obervogtei zu. Im 11. und 12. Jahrhundert hatten die Hochfreien von Perg, Verschwägerte der Babenberger, die Vogtei inne. Sie wird erstmals in einem Weistum um 1125 erwähnt, wobei es vor allem um die Marktrechte ging, die dem Kloster bereits 1058 oder früher (also vor Einführung der regulierten Chorherren) durch Kaiser Heinrich III. oder IV. gewährt worden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1150 entzog Herzog Heinrich von Bayern (in Österreich Markgraf Heinrich II. Jasomirgott) dieses Recht und zwar auf Bitten seines Bruders Konrads, des Bischofs von Passau, und übergab die Vogtei dem Bischof. Doch bald übernahmen sie die Babenberger selbst (und später die Habsburger) als Lehen des Bischofs. Problematisch blieb lange Zeit das Verhältnis zum Passauer Bischof, der ja die Oberhoheit in der Stadt besaß, obwohl er nur einen Teil der Häuser innehatte. Zu einem Ausgleich kam es erst 1367, als das Stift auf die Marktrechte und Zölle und alle Häuser mit Ausnahme die des Klosterviertels verzichtete. Die Spannungen verlagerten sich nun auf das Verhältnis zur Stadt, da das Kloster auch ein Viertel der Stadtmauer zu erhalten hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intensiver wurde der Einfluss des Landesfürsten im 16. Jahrhundert, als König Ferdinand Klostervisitationen vornehmen ließ und der Landesfürst ab 1568 durch den Klosterrat unmittelbar Einfluss auf das Klosterleben ausübte. Für Außenbesitzungen gab es wenig belegte Untervögte. Eine eigenartige Beziehung bestand zum Kollegiatstift Marz(-Hierpach) im damaligen Ungarn, das um 1220 durch die Familie Osl gegründet worden sein dürfte. Dafür stellte das Stift St. Pölten mehrere Pröpste, wie aus dem Nekrolog hervorgeht, wo sie als &amp;quot;fratres&amp;quot;, also als Konventmitglieder, bezeichnet werden. Eine Ernennungsurkunde aus dem Jahr 1295 hat sich erhalten. 1438 verzichtet der St. Pöltner Propst auf das Ernennungsrecht und erlaubte der Gemeinde und den Pfarrleuten, den Propst von Marz selbst zu wählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Über die Herkunft der St. Pöltner Kanoniker vor 1080 gibt es keine Auskunft. Die ersten Augustinerpröpste entstammten wahrscheinlich dem höheren Adel, wie etwa der spätere Passauer Bischof [[Reginbert]] (1138–1147), der vorher Propst in St. Pölten war. Ansonsten gehörten die meisten Chorherren dem niederen Adel an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert verstärkte sich der Anteil der Bürgerlichen vor allem aus Wien, Tulln und Wiener Neustadt. Ausländer, wie etwa Propst [[Johannes Moravus]] (1370–1372), finden sich selten. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mehren sich Eintritte aus Bayern und Vorderösterreich. Im 17. und 18. Jahrhundert überwogen wieder die Eintritte aus der näheren und weiteren Umgebung. Darunter waren auch immer wieder Nobilierte. Eine erste Aufzählung des Konvents gibt es um 1190, als zehn Chorherren angeführt werden; der Zusatz &amp;quot;et ceteri fratres&amp;quot; weist auf mehr hin. Exakter wird die Anzahl der Chorherren erstmals in einer Urkunde von 1259 mit zwölf Priestern ohne Propst angeführt. 1273 bestand der Konvent aus 14 Priestern und einer nicht genannten Zahl von Klerikern mit niederen Weihen und Konversen. Die Zahl dürfte weiter gestiegen sein, da Herzog Albrecht III. 1380 die Höchstzahl der Klosterinsassen mit 24 festlegte. Im 15. Jahrhundert waren es zwischen 15 und 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krise des 16. Jahrhunderts wirkte sich in St. Pölten aus. Zwar verließ nur ein Chorherr den geistlichen Stand, doch machte sich der Mangel an Nachwuchs bemerkbar. Zudem starben 1541/42 sieben Mitglieder an der Seuche, sodass 1544 der Konvent nur mehr aus zwölf Mitgliedern bestand. Im Haus lebten sechs Priester und zwei Kleriker, auf den Stiftspfarren wirkten vier Priester. Von 1561 bis etwa 1590 betrug die Zahl meist nur vier bis sechs. Um 1600 aber waren es bereits zehn. 1611 und 1623 gab es zwölf Wahlberechtigte. Unter Propst Fünfleutner nahm der Konvent endlich einen Aufschwung; bei seinem Tod 1661 war der Konvent auf 21 gestiegen und erreichte 1675 sogar 30. Bei der Propstwahl von 1715 waren 24 Konventualen stimmberechtigt. Um 1740 gab es etwa 30, im Jahr der Aufhebung 1784 32 Konventualen. Im Mittelalter war offensichtlich das Institut der Konversen von größerer Bedeutung. Im Nekrolog werden 104 angeführt; ihre Zahl dürfte aber höher gewesen sein. Davon gehören etwa zehn noch dem 12. Jahrhundert an. Ebenfalls zehn gehören dem beginnenden 14. Jahrhundert an. Dann bricht die Institution ab. Im Nekrolog werden 85 weibliche Konversen angeführt, wobei unklar bleibt, wie weit es sich um Mitglieder des Frauenkonvents handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Es wurden bisher keinerlei Reste aus der Karolingerzeit gefunden. Für die Stiftskirche sind Weihedaten zu 1065, 1150 und 1228 überliefert. Eine weitere Weihe dürfte um 1280 stattgefunden haben. Von der ältesten Kirche sind an der Nordmauer auf der Kreuzgangseite romanische Fenster zu sehen. Der jetzige Kirchenbau geht wohl auf den Beginn des 13. Jahrhunderts zurück. Dagegen dürfte die Doppelturmanlage der Westfassade älter sein. Das alte Aussehen der Kirche ist noch in der Rosenkranzkapelle erhalten, die zwei Joche des rechten Seitenschiffs umfasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1512 wurde der Nordturm nur mehr bis zur Höhe das Daches wiederhergestellt, der Südturm wurde 1560 aber höher als bisher ausgebaut und erhielt 1693 seine heutige Form. Der Plan zu einer barocken Scheinfassade mit dem Südturm als Zentrum kam nicht zur Ausführung. Im Inneren bewahrt die Kirche die dreischiffige romanische Anlage, wurde aber im 18. Jahrhundert vollständig barockisiert. Eine erste barocke Einrichtung erhielt die Kirche unter Propst Fünfleutner; 1648 wurden fünf Seitenaltäre geweiht und 1658 durch Tobias Pock das Hochaltarbild geschaffen, das einzig erhaltene Stück dieser Phase. Propst Führer führte unter Leitung von Jakob Prandtauer und Josef Munggenast eine radikale Neugestaltung durch. Die Kirche wurde barock gewölbt und die romanischen Pfeiler mit Stuckmarmor verkleidet. Freskenmaler waren Thomas Friedrich Gedon, Antonio Tassi, Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte. Der Hochaltar ist eigentlich nur eine Wandgliederung mit dem alten Maria-Himmelfahrtsbild von Pock. An den Seitenaltären arbeiteten prominente Künstler wie Jakob Ch. Schletterer (Kreuzaltar) mit, der auch die zwei Sandsteinreliefs in den Seitenschiffen schuf. Die Altarbilder stammen zumeist von Daniel Gran. Die St. Pöltner Kunsthandwerker Hippolyt Nallenburg und Peter Widerin schufen die Kanzel und das Chorgestühl. Bemerkenswert sind auch die Beichtstühle. Von den Grabdenkmälern sei nur auf das Fünfleutners im rechten Seitenschiff verwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kirche wurde seit ihrer Fertigstellung um 1747 kaum verändert. Neu ist das Denkmal für Bischof Kerens. 1856/58 mussten die Plastiken des Hochaltars erneuert werden. Der Volksaltar stammt von 1983. Das Stiftsgebäude wurde nach dem Brand von 1621 in frühbarocker Form bis 1650 praktisch neu errichtet, auch wenn die alte Anlage drei Höfe gehabt haben dürfte. Der Kreuzganghof wurde vergrößert. Der Brunnenhof dürfte die alte Substanz behalten haben. Der Binderhof blieb zwar in der Gestalt gleich, doch bekam er eine neue Funktion. Statt Getreidespeicher und Binderei wurden Wohnungen für die Domherren und Büros für die Bistumsverwaltung geschaffen. Weitere Änderungen im Inneren gab es unter Propst Müller, unter dem die beiden Sakristeien und das Oratorium ausgebaut wurden. Unter Propst Führer kam es zum Bau des Gäste(Bischofs-)trakts und des dorthin führenden Stiegenhauses  mit dem qualitätvollen Sandsteinrelief sowie zur Ausgestaltung der Bibliotheksräume, die unvollendet blieben; weiters ließ er das Einfahrtstor an der Ostseite errichten (1908 zurückversetzt) sowie 1726 das Gartenhaus. Einzelne Reste erinnern an die ältere Klosteranlage. So einige romanische Bögen im Brunnenhof und am Domplatz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgrabungen brachten im Kreuzganghof und unter der Domherrensakristei (1949, 1980, 1982) die Heilig-Geist-Kapelle und den alten Kapitelsaal mit zwei Altären zum Vorschein. Das alte Refektorium wurde etwas südlich vom jetzigen Sommerrefektorium ergraben; es dürfte schon im 15. Jahrhundert abgekommen sein. Aus der Zeit des Chorherrenstiftes stammen noch einige liturgische Geräte und Paramente. Zwei Monstranzen aus dem 18. Jahrhundert, ein Ziborium von 1608, eine Reihe von Kelchen, wovon der älteste von 1479 (?) stammt, ein anderer von 1524, und einige weitere aus der Barockzeit. Unter den Reliquiaren ist ein Kreuzreliquiar aus dem frühen 15. Jahrhundert von besonderer Bedeutung. Von den Ornaten seien der 1726 durch Propst Führer um 12.000 Gulden angeschaffte rote Ornat und der Altenederornat von 1760 erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Über der Geschichte der Bibliothek waltete kein guter Stern. Zwar dürfte um 1200 die Wissenschaftspflege im Kloster geblüht haben, wie auch aus der späteren &amp;quot;Vita Altmanni&amp;quot; hervorgeht, doch hat sich nicht allzuviel erhalten. Ab 1200 werden immer wieder &amp;quot;scholastici&amp;quot; erwähnt. Die meiste Information liefert der Bibliothekskatalog des Albert Maderna von 1761. Die ältesten Handschriften betreffen Bibel und Liturgie. Ein Missale (Hs. 14) reicht in das frühe 13. Jahrhundert zurück, ebenso zwei Lektionare (Hs. 60 und 41). Unter Propst [[Heinrich]] (1252–1268) wurden zahlreiche Handschriften aus Passau zum Kopieren entlehnt, die vor allem kanonistischen Inhalt hatten. Die St. Pöltner Pröpste waren häufig als delegierte Richter tätig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts bestand eine Buchmalschule, wenn auch auf bescheidenem Niveau. In diesem und dem folgenden Jahrhundert kam es offensichtlich zu einem Aufschwung der Wissenschaftspflege. Beigetragen dazu hat die enge Verbindung mit der Wiener Universität ab 1380. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts dürfte die Bibliothek etwa 200 Handschriften und 220 Frühdrucke umfasst haben. Von den Handschriften sind nur mehr 80 erhalten, von den Frühdrucken etwa 140. Abgesehen von den liturgischen Büchern waren Handschriften mit Ketten befestigt und lagen auf Pulten. Die Spuren davon sind noch zu sehen. Vermutlich befand sich die Bibliothek oberhalb der Sakristei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1439 kam es zur Stiftung von 100 Pfund für die Einrichtung der Bibliothek, wohl zur Anschaffung der Pulte. Nach dem Neubau wird 1653 die Bibliothek im Bereich des heutigen Dompfarramts ausgewiesen. Vor 1722 begann Propst Führer mit dem Ausbau der Bibliothek und deren kostbarer Ausschmückung, die aber nie vollendet wurde. Als Freskanten waren Paul Troger und Daniel Gran tätig. Das 16. Jahrhundert bringt nur wenig Nachrichten zur Bibliothek. Ein Umschwung setzte mit Propst Fünfleutner (1636–1661) ein, der von seiner früheren Tätigkeit als Professor für Medizin vor allem medizinische Werke mitbrachte. Seit etwa 1660 wurde im Kloster auch Theologie doziert, was zur Vermehrung der theologischen Werke führte. Mit [[Raimund Duellius]] (1693–1769) trat erstmals ein hauptberuflicher Bibliothekar in Erscheinung. Ihm folgte [[Albert Maderna]] (1703–1780), der eine Neuaufstellung der Bibliothek vornahm und 1756 dazu auch einen Katalog herausgab. Bei der Inventarisierung des Klostervermögens 1784 wird die Bibliothek nur summarisch erwähnt. Sie ging 1785 in den Besitz der neu gegründeten Diözese über und wurde Grundstock der Diözesanbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Bereits 1250 wird von einer Devastierung bei den Klosterurkunden berichtet. Wohl deswegen kam es zur Anlegung von Kopialbüchern. Nach der Krise des 16. Jahrhunderts brachte der historisch interessierte Propst Müller (verstorben 1716) das Archiv wieder in Ordnung. Aber zwischen 1725 und 1846 gab es große Verluste. Eine gewisse Schuld dürfte beim Stiftsmitglied Raimund Duellius gelegen sein, der für sein Werk &amp;quot;Excerpta genealogico-historica saec. XII., XIII., XIV., XV., XVI&amp;quot; 325 Urkunden behandelte, von denen heute nur mehr 42 Stück erhalten sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Franzoseneinfall 1741 wurde das Archiv neuerlich in Unordnung gebracht. Mit der Aufhebung des Stiftes fiel das Archiv in den Wirkungskreis der Kameraladministration, der auch das Religionsfondsgut St. Pölten unterstellt war. Bei der Übernahme dürften die Akten und Kanzleiregistraturen als wertlos vernichtet worden sein. Erhalten blieben sechs Kopialbücher, einige Urbare und Grundbücher, 266 Urkunden und einige Akten. Davon gelangten fünf Kopialbücher und die anderen Stücke 1848 an das Staatsarchiv. 1860 bzw. 1862 und sogar noch 1934 kamen weitere neun Handschriften (Kopial-, Gerichts-, Lehen- und Dienstbücher) dorthin. Im Diözesanarchiv St. Pölten befinden sich nur ein Karton Akten, zehn Urkunden und sieben Bücher aus dem Klosterbestand, weiters das Archiv des Gutes Ochsenburg. Zur Erforschung der Klostergeschichte müssen also Bezugsarchive herangezogen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* BÜTTNER, Rudolf, Aelium Cetium. Das Fortleben seines Namens im Mittelalter, in: Jahreshefte des Österr. Archäologischen lnstituts 40 (1953), Beibl. Sp. 185 ff. &lt;br /&gt;
* DERS., Propst Ulrich Feyertager. Seine Burgen und deren Geschichte, in: Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXXVI (1964), 155-183.&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich südlich der Donau, Tl. 2, Horn/Wien 2003.&lt;br /&gt;
* DONIN, Richard Kurt, Der mittelalterliche Bau des Domes zu St. Pölten. Ein Beitrag zur Geschichte der romanischen Baukunst in Wien und Niederösterreich, in: Mitteilungen f. Geschichte d. Stadt Wien XII (1932), 163.&lt;br /&gt;
* FAHRNGRUBER, Johann, Aus St. Pölten. Bilder und Erinnerungen, St. Pölten 1885.&lt;br /&gt;
* FASCHING, Heinrich, Auseinandersetzung zwischen Konvent und Propst im Stift St. Pölten 1722, in: Hippolytus N.F. 6 (1984), 3-59. * DERS ., Dom und Stift St. Pölten und ihre Kunstschätze, St. Pölten-Wien 1985. Darin Beiträge von: SCHRAGL, Friedrich, Geschichte des Stiftes St. Pölten, 16-49; SCHWARZ, Mario, Die Architektur der mittelalterlichen Klosterkirche, 50-70; WUHR, Clara Bettina, Archäologische Ausgrabungen im Kreuzgang, 71-76; ZORRI, Wilhelm, Der Neubau des Klosters in der Barockzeit, 77-91; PÜHRINGER-ZWANOWETZ, Leonore, Die Barockisierung der Stiftskirche, 92-96; KRONBICHLER, Johann, Die künstlerische Ausstattung von Dom und Stift, 97–125.&lt;br /&gt;
* DERS., Propst Johann Michael Führer von St. Pölten. Absetzung und letzte Lebensjahre (1739–1745), St. Pölten 1991 (=4. Beiheft zu Hippolytus N.F.).&lt;br /&gt;
* FRAST, Johann, Historische und topographische Darstellung von St. Pölten und seiner Umgegend etc. (=Kirchliche Topographie, I/7/2, Wien 1828.&lt;br /&gt;
* GRAF, Walter, Stifts- und Dommusik in St. Pölten, in: Die Domorgel. Festschrift anläßlich der Weihe der Domorgel zu St. Pölten, St. Pölten o. J. (1973), 6-26.&lt;br /&gt;
* GUTKAS, Karl, Werden und Wesen der Stadt St. Pölten, St. Pölten, 4. Aufl. 1980 (1. Aufl. 1970).&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer, der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* HERRMANN, August, Geschichte der Stadt St. Pölten, 2 Bde., St. Pölten 1917–1930.&lt;br /&gt;
* HORN, Sonja, Des Propstes heilkundlicher Schatz. Medizinische Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts in der Bibliothek des ehem. Augustiner-Chorherrenstiftes St. Pölten, St. Pölten 2002 (=Beiträge zur Kirchengeschichte Niederösterreichs 9).&lt;br /&gt;
* HÜBL, Richard, Die Gegenreformation in St. Pölten, St. Pölten 1966.&lt;br /&gt;
* KARAS, Josef, Der Dom zu St. Pölten. Ein Führer durch seine Geschichte und Kunst, St. Pölten 1935.&lt;br /&gt;
* DERS., Eine kunstgeschichtliche Führung durch den oberen Kreuzgang im Bistumsgebäude, in: Der Traisengau (1935/36), 121–131.&lt;br /&gt;
* KARL, Thomas, Zur historischen und städtebaulichen Entwicklung St. Pöltens vom frühen Mittelalter bis zur beginnenden Stadterweiterung um 1850, in: Österr. Kunsttopographie Bd. LIV. Die Kunstdenkmäler der Stadt St. Pölten, Horn 1999, LXIII–LXXXV.&lt;br /&gt;
* KRONBICHLER, Johann u. Susanne, Diözesanmuseum St. Pölten, Katalog der ausgestellten Objekte, St. Pölten 1984.&lt;br /&gt;
* DIES., 100 Jahre Diözesanmuseum St. Pölten 1888–1988, Sonderausst. 1988, St. Pölten 1988.&lt;br /&gt;
* LUTZ, Volker, Stadt und Herrschaft St. Pölten 1491–1785, St. Pölten 1975.&lt;br /&gt;
* ÖSTERREICHISCHE KUNSTTOPOGRAPHIE Bd. LIV, Die Kunstdenkmäler der Stadt St. Pölten und ihrer eingemeindeten Ortschaften, Horn 1999.&lt;br /&gt;
* SACKEN, Eduard, Archäologische Wegweiser durch Niederösterreich, Wien 1878.&lt;br /&gt;
* SCHRAGL, Friedrich, Glaubensspaltung in Niederösterreich, Wien 1973.&lt;br /&gt;
* DERS., Kirchen und Kapellen im mittelalterlichen St. Pölten, in: Juste, pie, fortiter, Festschrift für Bischof Franz Zak, St. Pölten-Wien 1981, 146-167.&lt;br /&gt;
* WEIGL, Hans, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich I (Wien 1964), 210.&lt;br /&gt;
* WINNER, Gerhard, Das Diözesanarchiv St. Pölten. Behörden und Institutionen, ihre Geschichte und Bestände, St. Pölten 1959.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Diözesanbibliothek in St. Pölten, in: Österreichische Zeitschriftf. Kunst u. Denkmalpflege XXI (1967), 155-163.&lt;br /&gt;
* DERS ., Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien, Wien-München 1967.&lt;br /&gt;
* DERS., St. Pöltner Zehentbesitz im südöstlichen Waldviertel und in der Wachau, in: Das Waldviertel 18 (1969), 272–277.&lt;br /&gt;
* DERS., Zur Bibliotheksgeschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Pölten, in: Translatio Studii, Collegeville Minnesota 1973, 48–74.&lt;br /&gt;
* WODKA, Josef, Personalgeschichtliche Studien über das ehemalige Chorherrenstift St. Pölten, in: Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXVIII (1939–43), 148–206.&lt;br /&gt;
* DERS., Das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift St. Pölten, in: Beiträge zur Stadtgeschichtsforschung. Festschrift der Stadtgemeinde St. Pölten, hrsg. anlässlich der 800-Jahrfeier der Verleihung des ersten Stadtrechtes, St. Pölten 1959, 156–198.&lt;br /&gt;
* DERS., Das Nekrologium des einstigen Chorherrenstiftes St. Pölten als Geschichtsquelle, Jahrbuch f. Landeskunde v. Niederösterreich XXXVI (1964), 48–57.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Wiener_Neustadt&amp;diff=10241</id>
		<title>Stift Wiener Neustadt</title>
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		<updated>2022-07-15T14:52:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Bau- und Kunstgeschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1459&lt;br /&gt;
|Datum bis=1529&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Kirchlich gehörte Wiener Neustadt – von 1469 bis 1783 existierte ein Bistum Wiener Neustadt – zunächst zum Erzbistum Salzburg; seit 1722 war es ein Suffragan des Erzbistums Wien. Nach Aufhebung des Wiener Neustädter Bistums im Jahr 1783 fiel das Wiener Neustädter Stadtgebiet an das Erzbistum Wien.&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=de nova sua civitate edificatione (1194/95), apud Novam Civitatem (1204), Nova civitas in publico placito (1217), Niwenstat, muta in Nova Civitate (1244), in der Newentatt (1321), enhalben der Newenstat (1333), S(igillum) Vindobonensis Nove Civitatis (1358), ze der Newnstat (1363), von der Neustadt (1368), Urbe Novella (1425), Newstatt (1437/38), Neustadt (1460), die Wienerische Neustadt (Mitte 17. Jahrhundert), k.k. Stadt Wienerisch Neustadt (1747), k.k. Stadt Wiener Neustadt (1785)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=St. Ulrich, ab 1460 hl. Jungfrau Maria (Hallenkirche &amp;quot;ob dem tor&amp;quot;), ab 1469 wieder St. Ulrich&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Statutarstadt 50 km südlich von Wien gelegen. Ursprünglich zum Besitz der Grafen Formbach-Pitten gehörig, ging das im Mittelalter zwischen den Herzogtümern Österreich und Steiermark gelegene Gebiet 1158 an die Markgrafen von Steier aus dem Geschlecht der Traungauer über. Nach dem Aussterben der Traungauer 1192 an den im benachbarten Österreich regierenden Babenberger Herzog Leopold V. Bis Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Stadt Wiener Neustadt immer wieder als zur Steiermark gehörig bezeichnet; erst dann gilt Wiener Neustadt als österreichische Stadt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung=== &lt;br /&gt;
In der auf Befehl des Babenbergerherzogs Leopold V. um 1194 nahe der Grenze gegen Ungarn angelegten, stark befestigten &amp;quot;Neuen Stadt&amp;quot; sind bereits ein halbes Jahrhundert nach der Stadtgründung eine beachtliche Anzahl von Ordensniederlassungen nachzuweisen: um das Jahr 1250 gibt es hier ein Kloster der Minoriten, eines der Dominikaner und eines der Dominikanerinnen sowie ein Haus des Deutschen Ordens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Regierungszeit des frommen Habsburgers Friedrich III. (1440–1493) – dessen bevorzugte Residenz viele Jahrzehnte hindurch Wiener Neustadt gewesen ist – wird die Zahl der Niederlassungen geistlicher Orden innerhalb seiner Residenzstadt dann sogar mehr als verdoppelt. Zu den bereits bestehenden Klöstern (wobei das Dominikanerinnenkloster allerdings Anfang der vierziger Jahre des 15. Jahrhunderts zu bestehen aufhört) kommen nun noch ein Zisterzienserkloster (Stift Neukloster 1444), ein Stift Weltlicher Chorherren (1444), ein Stift Regulierter Augustiner-Chorherren (1459), eine Niederlassung des St.-Georgs-Ritterordens (seit ca. 1476) sowie ein Paulinerkloster (1480). Außerdem gelingt es Kaiser Friedrich III. im Jahr 1469, die Zustimmung des Papstes für die Errichtung eines Bistums in Wiener Neustadt zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Bulle vom 20. Dezember 1459 gab Papst Pius II. seine Zustimmung zur Gründung eines Augustiner-Chorherrenklosters in Wiener Neustadt und erfüllte damit den lange gehegten Wunsch Kaiser Friedrichs III. – er hatte ihn bereits anlässlich seines Romaufenthaltes 1452 Papst Nikolaus V. vorgetragen. Eine wichtige Voraussetzung für diese Klostergründung war bereits im Juni 1459 geschaffen worden: nachdem die Weltlichen Chorherren auf die ihrem Stift inkorporierte [[Liste der Pfarren des Stiftes Wiener Neustadt #Pfarre St. Ulrich|Pfarrkirche St. Ulrich]], in der westlichen Vorstadt von Wiener Neustadt gelegen, verzichtet hatten, stand diese Kirche (und zwar mit allen Zugehörungen) nun als Ausstattung für die Augustiner-Chorherren zur Verfügung. Der Stiftbrief für das Kloster der Regulierten Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt blieb bedauerlicherweise nicht erhalten. Es ist jedoch überliefert, dass der Augustinerkonvent nach dem Willen des kaiserlichen Stifters aus Propst, Dechant und 30 Chorherren bestehen sollte – diese große Zahl mag aber kaum je erreicht worden sein, denn die auch hier höchst unzulängliche Dotation hätte dies nur schwerlich erlaubt: Kaiser Friedrich III. vermochte seiner neuen Stiftung lediglich Burg und Herrschaft Hornstein im ungarischen Komitat Ödenburg, diverse dazugehörige Besitzungen in Deutsch- bzw. Ungarisch-Brodersdorf und in Stinkenbrunn, ferner eine Mühle an der Schwarza in Breitenau und schließlich ein gegenüber der Wiener Neustädter Burg gelegenes Haus zu schenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Gottesdienst hatten die Augustiner-Chorherren ab 1459 zunächst in der Pfarrkirche St. Ulrich zu versehen. Aber es war die am 8. Juni 1460 vom päpstlichen Legaten Kardinal Bessarion zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria geweihte große, neue Kirche &amp;quot;ob dem tor&amp;quot; in der Burg (die spätere St. Georgskirche), die Friedrich III. von allem Anfang an den Augustiner-Chorherren zugedacht hatte. In einer Urkunde vom 12. Juni 1460 heißt es jedenfalls, dass der Kaiser &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;ein Convent und Kirchen in Unser Burg auf dem Tor in der Neustadt mit firsatz, datz darin hinfuer ewiglich wonen und ein Convent machen und sein sullen Probst, Dechant und der korherren sannd Augustius Regel, gepauet, erhebet und gestifftet...&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; habe. Rund ein Jahrzehnt wirkten die Augustiner-Chorherren tatsächlich an der Marienkirche &amp;quot;ob dem Tor&amp;quot; in der kaiserlichen Burg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einem Wunsch Kaiser Friedrichs III. entsprechend, schrieb Papst Pius II. den Augustiner-Chorherren von Wiener Neustadt eine Kleidung vor, die sich von der sonst üblichen durch ihre Farbe unterschied: anstatt eines weißen Habits sollten sie einen braunen Habit mit einem goldfarbenen Kreuz auf der rechten Seite tragen; für das Almuzium (Schultermäntelchen aus Pelz), das über dem Habit getragen wurde, war an Festtagen und in der Kirche die Farbe weiß (anstatt, wie üblich, schwarz) vorgesehen, an gewöhnlichen Tagen und außerhalb der Kirche hatte man ein braunes Almuzium umzunehmen. Wie dem Propst der Weltlichen Chorherren stand auch dem Propst der Augustiner-Chorherren das Recht auf Pontifikalien zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes der Augustiner-Chorherren ist als Relief auf dem Friedrichsgrab im Wiener Stephansdom festgehalten: zu beiden Seiten des in der Mitte thronenden hl. Ulrich kniet je ein Infulierter – vermutlich Propst und Dechant; diese Gruppe wird von dreizehn (ebenfalls knienden) Kanonikern umgeben. Die Inschrift lautet: &amp;quot;CANONICI REGULARES S. ULRICI NOVE CIVITATIS&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vom Einzug der Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt bis zur Übersiedelung nach St. Ulrich===&lt;br /&gt;
Es waren wohl in erster Linie Chorherren aus dem [[Stift St. Dorothea in Wien|Kloster St. Dorothea in Wien]], die 1459/60 in der Kaiserresidenz Wiener Neustadt Einzug hielten und den Grundstock für das neu gegründete Augustiner-Chorherrenkloster daselbst bildeten. Auch [[Wilhelm Bermut]], den Kaiser Friedrich III. als ersten Propst seiner neuesten Klostergründung präsentierte, ist ein Chorherr von St. Dorothea gewesen. Wahrscheinlich wurden vom Wiener Neustädter Augustinerkonvent auch die im Stift St. Dorothea in Wien geltenden Statuten übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm und die mit ihm gekommenen Kanoniker nahmen Wohnung in dem vom Kaiser &amp;quot;von der Eysnerin&amp;quot; gekauften, der Burg gegenüberliegenden Haus; als sich dies bald als zu klein erwies, erwarb Friedrich III. für die Augustiner-Chorherren noch zwei an das genannte Haus anschließende Bürgerhäuser. Hier hatten die Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren nun in den nächsten zehn Jahren ihren Sitz – wobei sich diese Örtlichkeit als sehr praktisch hinsichtlich der Abhaltung des Gottesdienstes in der den Häusern gegenüberliegenden Marienkirche der kaiserlichen Burg erwies, die Betreuung der ziemlich weit entfernt davon liegenden Pfarrkirche St. Ulrich jedoch zu einem Problem werden ließ. Dieses Problem wurde ein Jahrzehnt später folgendermaßen gelöst: vermutlich 1468/69, also zur Zeit von Kaiser Friedrichs III. Zweitem Romzug, übersiedelten die Augustiner-Chorherren aus ihren bei der kaiserlichen Burg gelegenen Häusern in die Vorstadt St. Ulrich und bezogen Wohnung in den zur Pfarrkirche St. Ulrich gehörigen Gebäuden: Friedrich III. hatte Papst Paul II. darauf hingewiesen, dass die Entfernung zwischen Kloster und Kirche der Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren so groß sei, dass die Chorherren ihren Verpflichtungen weitaus besser nachgehen könnten, würden sie bei der Kirche St. Ulrich selbst wohnen. Daraufhin beauftragte der Papst den Abt des Stiftes Neukloster in Wiener Neustadt, St. Ulrich zu einer Konventspropstei zu erheben und das Kapitel der Augustiner-Chorherren von der Marienkirche ob dem Tor in der Burg nach St. Ulrich zu versetzen. Die Angelegenheit zog sich hin: erst 1471 hatte Abt Johannes die ihm anbefohlene Errichtung der Propstei St. Ulrich und die Versetzung der Augustiner-Chorherren dorthin durchgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Augustiner-Chorherrenstift in Wiener Neustadt und der St.-Georgs-Ritterorden===&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1478 holte Kaiser Friedrich III. den von ihm gegründeten und 1469 von Papst Paul II. bestätigten St.-Georgs-Ritterorden nach Wiener Neustadt. Dem bisher eher bescheiden dotierten Ritterorden übergab Friedrich III. die seit der Übersiedelung der Augustiner-Chorherren an die Kirche St. Ulrich wieder zur Verfügung stehende, der hl. Maria geweihte Kirche ''ob dem tor'' (die spätere St. Georgskirche) in der kaiserlichen Burg von Wiener Neustadt. Damit nicht genug, scheint Hans Siebenhirter, erster Hochmeister des St.-Georgs-Ritterordens, dem Kaiser die Idee eingegeben zu haben, den Papst um eine Vereinigung des St.-Georgs-Ritterordens mit dem Bistum Neustadt zu ersuchen: diese Vereinigung hätte die Wiener Neustädter Domkirche mit allen dazugehörigen Besitzungen unter den Einfluss der Georgsritter gebracht und ihre Position sehr gestärkt; Papst Sixtus IV. zeigte sich höchst entgegenkommend und vereinigte tatsächlich mit Bulle vom 24. Juni 1479 Bistum Neustadt und St.-Georgs-Ritterorden. Diese Verbindung Bistum – St.-Georgs-Ritterorden bestand jedoch nur auf dem Papier: Bischof Peter von Neustadt bekämpfte sie mit großer Ausdauer und weigerte sich hartnäckig, dem St.-Georgs-Ritterorden irgendwelche Rechte an der Liebfrauen-Pfarrkirche, also dem nunmehrigen Dom, zuzugestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Matthias Corvinus im Jahr 1490 und der Zurückgewinnung der von den Ungarn besetzten Stadt Wiener Neustadt durch König Maximilian I. verfolgte der seine letzten Lebensjahre in Linz verbringende Kaiser Friedrich III. einen neuen Plan, um sowohl Ansehen als auch Ausstattung des St.-Georgs-Ritterordens aufzubessern: Als die Ungarn im Jahr 1487 in die westliche Vorstadt der überaus tapfer verteidigten Stadt Wiener Neustadt eingedrungen waren, war bei den heftigen Kämpfen die Kirche St. Ulrich und das dort befindliche Kloster der Augustiner-Chorherren weitgehend zerstört worden. Nach der Vertreibung der ungarischen Besatzung im Jahr 1490/91 fehlte es an Mitteln, um Kirche und Kloster St. Ulrich unverzüglich wiederaufzubauen. Das mag Kaiser Friedrich III. veranlasst haben, die Übersiedelung der obdachlos gewordenen Augustiner-Chorherren an die Domkirche (bzw. in den dazugehörigen Propsthof) in Erwägung zu ziehen. Da Bischof Peter Engelbrecht am 17. Februar 1491 gestorben war, hatte man von dieser Seite keinen Protest zu erwarten; auch Peter Engelbrechts Nachfolger würde gegen diese Entscheidung kaum etwas einzuwenden haben, beabsichtigte der Kaiser doch [[Augustin Kiebinger]], Propst der Augustiner-Chorherren von Wiener Neustadt, dem Papst als neuen Bischof von Wiener Neustadt zu präsentieren. Allerdings stellte Friedrich III. die Bedingung, dass sowohl der zukünftige Bischof als auch der gesamte Konvent der Augustiner-Chorherren in Zukunft den Ordenshabit der Georgsritter tragen müssten: so würde man endlich die schon (allerdings nur vom Kaiser und den Georgsrittern) so lange gewünschte tatsächliche Vereinigung von St.-Georgs-Ritterorden und Bistum – und nun auch Augustiner-Chorherrenstift – erreichen. Nachdem Hochmeister Johann Geumann und sechs Angehörige des St.-Georgs-Ritterordens diesem Vorhaben Friedrichs III. ihre Zustimmung gegeben hatten, erklärte sich auch der zum Kaiser nach Linz befohlene Chorherrenpropst Augustin Kiebinger bereit, die Neustädter Bischofswürde zu den oben genannten Bedingungen anzunehmen. Die von Kaiser Friedrich III. in Linz beurkundete &amp;quot;verainigung und vertrag&amp;quot; zwischen dem Hochmeister des St.-Georgs-Ritterordens und dessen Mitbrüdern einerseits, sowie dem Propst von St. Ulrich und dem Konvent der Regulierten Augustiner-Chorherren andererseits, datiert vom 20. April 1491. Dieser Vertrag räumt den Augustiner-Chorherren Anrecht auf Wohnung und Seelsorge bei der bisher dem St.-Georgs-Ritterorden inkorporierten Wiener Neustädter Pfarrkirche, also dem Dom, ein. Neben der den Augustiner-Chorherren als &amp;quot;sitz und wonung&amp;quot; zugestandenen Domkirche verblieb ihnen aber nach wie vor die Propstei St. Ulrich. Außerdem erhielt der Augustiner-Konvent noch das nahe bei Wiener Neustadt gelegene Dorf Saubersdorf, ferner 100 Pfund Pfennig jährliche Gült aus dem kaiserlichen Kammergut und schließlich noch das Privileg, jährlich 24 Dreiling Wein in Wiener Neustadt ausschenken zu dürfen, und zwar ohne dafür &amp;quot;Ungeld&amp;quot; entrichten zu müssen. Doch ungeachtet dieser recht beachtlichen Schenkungen und Benefizien scheint bei den Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren schon bald nach Vertragsabschluss ein Sinneswandel eingetreten zu sein: plötzlich lehnten sie es strikt ab, zum äußeren Zeichen für die erfolgte Vereinigung den Habit des St.-Georgs-Ritterordens anzuziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der von Alter und Krankheit geplagte Kaiser musste sich damit abfinden, dass die von ihm so sehr gewünschte Vereinigung des St.-Georgs-Ritterordens mit Bistum und Augustiner-Chorherrenstift gescheitert war. Kurz vor seinem Tod im August 1493 setzte sich Friedrich III. beim Heiligen Vater in Rom dafür ein, dass man dort von der Inkorporation der Domkirche in den St.-Georgs-Ritterorden, &amp;quot;die denselben orden nit nuzlich gewesen ist&amp;quot;, wieder Abstand nehme und den Dom dem Augustinerkloster inkorporiere. Dem kaiserlichen Wunsch wurde entsprochen und Rom erkannte in der Folge in Wiener Neustadt die Augustiner-Chorherren als Kathedralkapitel an. Ein Zugeständnis gab es auch hinsichtlich der Kleidung der Augustiner: es wurde ihnen schriftlich bestätigt, von nun an wieder auf der Straße den braunen Habit (in der Kirche &amp;quot;mit Fehen Chorkappen&amp;quot;) tragen zu dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als am 24. Juni 1495 Bischof Augustin von Neustadt starb, wurde nicht – wie man hätte erwarten können – der Propst der Augustiner-Chorherren [[Johann Huntzdorfer]] zu dessen Nachfolger gewählt. Es ist wahrscheinlich der St.-Georgs-Ritterorden gewesen, der eine Präsentation Huntzdorfers zu hintertreiben gewusst hatte. So unterblieb die Ernennung eines neuen Bischofs von Neustadt vorderhand: die Sympathie König Maximilians I. – der 1493, nach dem Tod seines Vaters, Kaiser Friedrich III., an die Regierung gekommen war – gehörte ohne Zweifel dem St.-Georgs-Ritterorden und der König unternahm nichts gegen dessen Interessen. Allerdings machte man weder von weltlicher noch von geistlicher Seite den Augustiner-Chorherren den Besitz der Domkirche streitig. Sowohl Propst Johann Huntzdorfers Nachfolger [[Bernhard Zottmann]] wie auch der nächste Chorherrenpropst, [[Egidius Wiblinger]], erhielten ohne Schwierigkeiten seitens des Papstes die Ansprüche der Augustiner-Chorherren auf den Wiener Neustädter Dom zugesichert (1497 bzw. 1504).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1506 wurden die Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren auch durch Maximilian I. in all ihren Rechten bestätigt. Während der bis zum Jahr 1521 andauernden Sedisvakanz des Neustädter Bistums oblag dem Kapitel der Augustiner-Chorherren (das bereits während der Amtszeit des Bischofs Augustin Kiebinger 1491 bis 1495 gemeinsam mit diesem Bischof die Diözese regiert hatte) allein die Verwaltung des kleinen Stadtbistums. Die damit verbundenen Pflichten erfüllte das Kapitel zum einen Teil selbst, zum anderen Teil hatte sie sie einem Offizial übertragen. Mit dieser Entwicklung konnte natürlich der St.-Georgs-Ritterorden auf keinen Fall einverstanden sein. So versuchten die Georgsritter ab 1497 mit ständigen Protesten, die Stellung der Augustiner-Chorherren zu erschüttern; Unterstützung erhielten sie dabei von dem ihnen stets wohlgesinnten König: Maximilian I. – der erst 1506 den Augustiner-Chorherren den Besitz der Domkirche bestätigt hatte – sprach noch im selben Jahr die genannte Kirche den Georgsrittern zu. Das heißt, er ließ ihnen die Wahl, entweder in Zukunft den Habit des St.-Georgs-Ordens zu tragen oder auf die Dompfarre zu verzichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren zeigten sich weder zur Annahme der Ordenstracht der Georgsritter noch zum Verzicht auf die Domkirche bereit. So sah sich Kaiser Maximilian I. veranlasst, eine Kommission einzusetzen, die die Augustiner zur Übergabe der Domkirche an den St.-Georgs-Ritterorden bewegen sollte. Worauf beide Seiten Urkunden vorlegten, die ihre Rechte und Ansprüche bestätigten; man war nicht im Geringsten zum Nachgeben bereit. Die Verhandlungen zogen sich hin – erhielten die Augustiner-Chorherren in dieser Angelegenheit Unterstützung durch den Papst, so hatten die Georgsritter Kaiser Maximilian auf ihrer Seite. Auf Befehl des Kaisers wurden dem Augustiner-Chorherrnstift die aus der Innehabung der Domkirche resultierenden Einkünfte entzogen. Dieser seitens des Kaisers ausgeübte massive Druck brachte schließlich die Entscheidung: im Jahr 1508 resignierten die Augustiner-Chorherren und zogen sich aus dem Dom zurück. Mehr als ein Jahrzehnt später, 1522/23, schöpften sie noch einmal die Hoffnung, doch wieder zu ihrem Recht zu kommen, und zwar mit Hilfe Erzherzog Ferdinands, des späteren Königs und Kaisers Ferdinand I. Doch die Bemühungen des Konvents, an dessen Spitze damals Propst [[Paulus Nuster]] stand, brachten keinen Erfolg: Sowohl der St.-Georgs-Ritterorden als auch der 1521 eingesetzte neue Bischof von Neustadt Dr. Dietrich Kammerer setzten sich gegen die Wünsche und Bitten der Augustiner-Chorherren energisch zur Wehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation – das Ende der Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren=== &lt;br /&gt;
Ende der zwanziger Jahre des 16. Jahrhunderts fand die Lehre Martin Luthers auch in Wiener Neustadt Eingang. Es waren hier vor allem die Augustiner-Chorherren mit ihrem Sitz in der Vorstadt St. Ulrich, die sich der neuen Lehre gegenüber höchst aufgeschlossen zeigten – schon um das Jahr 1528 wurde sie in der Kirche St. Ulrich gepredigt. Bei der zu diesem Zeitpunkt vom Landesfürsten angeordneten Visitation aller Klöster wurde bezüglich des Wiener Neustädter Augustiner-Chorherrenklosters St. Ulrich berichtet, dass man hier nicht nur &amp;quot;etliche buecher der neuen opinion&amp;quot; entdeckt hätte, sondern dass auch die Klosterdisziplin sehr zu wünschen übrig lasse. Daraufhin erging unverzüglich an die Visitatoren der Befehl, keine Zeit zu verlieren und sofort &amp;quot;wider Brobst, Dechant und Khelner zu St. Ulrich vor der Newenstat von wegen Irer aufrürigen verkherlichen unnd lutherischen secten&amp;quot; zu verfahren. Da sich jedoch Dechant und Kellermeister rechtzeitig dem Zugriff der Obrigkeit entzogen hatten, konnten nur Propst Paulus Nuster, ferner ein Profess namens Augustin sowie drei weitere, namentlich nicht genannte Chorherren festgenommen werden. Sie wurden nach Wien gebracht und in Haft genommen. Relativ rasch erklärten sich Propst Paulus und der Profess Augustin zu einem öffentlichen Widerruf bereit; von dem Bischof-Koadjutor Johann Fabri wurde ihnen daraufhin die Lossprechung gewährt. Die drei anderen Chorherren scheinen nicht bereit gewesen zu sein, zu widerrufen; sie wurden weiterhin in Wien gefangen gehalten – wobei für ihren Unterhalt im Gefängnis der Wiener Neustädter Augustinerkonvent aufzukommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch im Jahr 1528 veranlasst die mit der Visitation betraute landesfürstliche Kommission Propst Paulus Nuster, einen Laien, und zwar den Wiener Neustädter Bürger Hans Mitterpacher, zum Verwalter der &amp;quot;hauswirtschaft&amp;quot; des wirtschaftlich arg zerrütteten Klosters St. Ulrich einzusetzen. Als 1529 die Türken gegen Wien zogen, wurde in aller Eile auch die Grenzstadt Wiener Neustadt in Verteidigungszustand gesetzt. Dazu gehörte u. a. die Abtragung verschiedener Gebäude in den Vorstädten, um dem Feind keine Möglichkeit zu geben, sich darin zu verschanzen. Auch das nach der ungarischen Belagerung nur notdürftig wieder instandgesetzte Kloster und die Kirche von St. Ulrich wurden damals demoliert. Nach Beendigung der Belagerung Wiens und dem Abzug des türkischen Heeres wurde in Wiener Neustadt ein Wiederaufbau des damals von seinen Bewohnern wahrscheinlich bereits aufgegebenen und verlassenen Augustiner-Chorherrenklosters von St. Ulrich wohl nicht mehr in Erwägung gezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch im Jahr 1529 setzten von verschiedenen Seiten Bemühungen ein, sich die zu der abgebrochenen Augustinerpropstei St. Ulrich gehörigen Besitzungen zu sichern: So wurde zunächst gleich einmal der Rat der Stadt Wiener Neustadt bei König Ferdinand I. vorstellig, um sich die genannten Güter zu erbitten. Dem Wunsch der Wiener Neustädter wurde 1530 entsprochen, allerdings nur unter der Bedingung, den Erlös aus diesen nun von der Stadt verwalteten ehemaligen Besitzungen der Augustiner-Chorherren zur Verbesserung der Stadtbefestigung zu verwenden. Es war aber offensichtlich nur Grund- und Hausbesitz, den der König der Stadt Wiener Neustadt damals überlassen hatte: die Klosterbibliothek sowie wertvolle Paramente, Ornate und Kirchengerät wurden auf Befehl Ferdinands I. hin in die Burg gebracht und gingen so vermutlich in das Eigentum des St.-Georgs-Ritterordens über. Eine zum Kloster St. Ulrich gehörige Mühle und das Sägewerk in Breitenau wurden nicht der Stadt, sondern dem Rentmeister zugesprochen. Gleichzeitig mit der Stadt Wiener Neustadt versuchte auch der damalige Neustädter Bischof Dr. Dietrich Kammerer, zugunsten seines recht unzulänglich dotierten Bistums die Augustiner-Chorherren von St. Ulrich zu beerben. Bischof Dietrich (der 1528 in den St.-Georgs-Ritterorden eingetreten war) erhielt dabei wertvolle Hilfe durch den Bischof von Wien Johann Fabri, der als Beichtvater und Berater König Ferdinands I. großen Einfluss auf dessen Entscheidungen hatte. Tatsächlich gelang es den Bischöfen von Wien und von Wiener Neustadt, durchzusetzen, dass das Klostergut von St. Ulrich wieder der Stadt Wiener Neustadt entzogen wurde. Es wurde zunächst der Universität Wien inkorporiert, aber schon bald darauf (am 6. September 1535) dem Bischof von Wiener Neustadt zur Verwaltung und Nutznießung überlassen. Als Gegenleistung war vom Bistum Wiener Neustadt jährlich eine Summe von 443 Gulden an die Wiener Universität zu zahlen. Als es in der Folge immer wieder zu Differenzen zwischen Universität und Bistum kam, hat Kaiser Ferdinand I. am 1. November 1551 dem Bistum Wiener Neustadt &amp;quot;das Sanct Ulrich Closter sambt desselben gründen, güttern, nutzungen, einkhomen, freyhaiten, rechten und gerechtigkeiten, nichts ausgeschlossen, gnediglich übergeben, incorporirt und eingeleibt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Für das Kloster der Regulierten Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt – diese waren zur Betreuung der neuen Kirche ''ob dem tor'' in der Burg (der späteren St. Georgskirche) vorgesehen – hatte der kaiserliche Stifter im Jahr 1459 folgende Dotation vorgesehen: Die (damals auf ungarischem Boden gelegene) Herrschaft Hornstein mit etlichen anderen ''stukhen und guettern'', ferner eine Mühle an der Schwarza in Breitenau und – als vorläufige Wohnung für die Augustiner-Chorherren gedacht – ein Haus in Wiener Neustadt. Im Jahr darauf schenkte Friedrich III. dem Augustiner-Chorherrenstift die Burg Pitten, zwei weitere an ihr Wiener Neustädter Haus angrenzende Häuser mit allen Rechten und Zugehörungen, sicherte ihnen den jährlichen Bezug von 60 Fuder Salz aus den Salinen in Aussee zu und übergab ihnen schließlich die bis dahin dem Stift Weltlicher Chorherren inkorporierte Pfarrkirche St. Ulrich samt den dazugehörigen Einkünften. Trotz der steten Fürsorge Friedrichs III. für die beiden Wiener Neustädter Chorherrenstifte blieb deren Ausstattung immer noch hinter den tatsächlich vorhandenen Erfordernissen zurück. Dies hatte nicht nur eine Reduzierung der ursprünglich für Wiener Neustadt vorgesehenen Kanonikerzahl zur Folge, sondern war Anlass für die zuletzt nur Schwierigkeiten mit sich bringenden Bestrebungen, Chorherrenstifte und St.-Georgs-Ritterorden zu vereinigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Stadt Wiener Neustadt und somit auch das 1459 gegründete Chorherrenstift befanden sich infolge ihrer zeitweiligen Zugehörigkeit zum Herzogtum Steiermark während des Mittelalters im Einflussgebiet des Erzbischofs von Salzburg. Als 1469 das Bistum Neustadt gegründet wurde, entzog Papst Paul II. die neue Diözese – und damit auch die hier befindlichen beiden Chorherrenstifte – der Jurisdiktion des Salzburger Erzbischofs. Mit der 1477 erfolgten Ernennung Peter Engelbrechts, des Dechanten der Weltlichen Chorherren in Wiener Neustadt, zum Bischof von Neustadt gingen die Rechte des Erzbischofs von Salzburg an den Neustädter Bischof über. Häufig übten jedoch päpstliche Legaten bei den Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren die Rechte des Ortsordinarius aus, nahmen Bestätigungen und Verleihungen vor und erteilten Sondervollmachten. Es war ganz im Sinne Kaiser Friedrichs III., möglichst viele Rechtshandlungen vom Apostolischen Stuhl selbst bestätigen oder durchführen zu lassen. Dass man sich in Angelegenheiten des Augustiner-Chorherrenklosters besonders oft an Rom zu wenden hatte, ist damit zu erklären, dass das Neustädter Bistum von 1495 bis 1521 vakant war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Sowohl Pröpste als auch Kanoniker der Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt waren fast durchwegs bürgerlicher oder bäuerlicher Herkunft. Sie kamen aus steirischen, kärntnerischen, salzburgischen und österreichischen Klöstern und Pfarren, aber auch aus Passau, aus Chiemsee usw.; es waren Geistliche der Erzdiözese Salzburg und der Diözese Passau. Während jedoch das weltliche Chorherrenstift von Wiener Neustadt in enger Verbindung zum Stift Spital am Pyhrn stand, hatte das Stift St. Dorothea in Wien großen Einfluss auf das Wiener Neustädter Augustiner-Chorherrenstift. Zu bischöflichen Würden gelangte der aus Chiemsee stammende Augustin Kiebinger, der von 1491 bis 1495 an der Spitze des Neustädter Bistums stand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
Im Jahr 1493 wurde dem Augustiner-Chorherrenstift in Wiener Neustadt die Unserer Lieben Frau geweihte [[Liste der Pfarren des Stiftes Wiener Neustadt#Unserer-Lieben-Frauen-Pfarrkirche|Wiener Neustädter Pfarrkirche]] inkorporiert. Dies war eine dreischiffige, spätromanisch-frühgotische Pfeilerbasilika aus dem 13. Jahrhundert mit einem Anfang des 14. Jahrhunderts anstelle der romanischen Choranlage errichteten gotischen Querschiff und gotischem Chor. Das romanische Westwerk mit den beiden rund 60 m hohen Türmen (Ende des 19. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit abgetragen und rekonstruiert) stammt aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Friedrich III. geht eine heute noch z. T. erhaltene neue Innenausstattung zurück, so unter anderem die mit reichem Blendmaßwerk, dem &amp;quot;AEIOU&amp;quot; und &amp;quot;1449&amp;quot; dekorierte &amp;quot;Hofempore&amp;quot; und die an den Pfeilern des Mittelschiffs stehenden lebensgroßen Apostelstatuen sowie die darunter angebrachten &amp;quot;Prophetentafeln&amp;quot; vom Meister des Winkler-Epitaphs (um 1490). In dem durch die Gründung des Bistums Neustadt 1469 zur Bischofskirche gewordenen Gotteshaus befinden sich eine Grablege der früh verstorbenen Kinder Erzherzogs Ernst des Eisernen (die wappengeschmückte Deckplatte des Hochgrabes überdauerte die Barockisierung des Doms im 18. Jahrhundert) sowie einige Grabdenkmäler Wiener Neustädter Bischöfe. Die Marmorkanzel im Mittelschiff ist ein Geschenk des Kardinals, Bischofs von Wien und Administrator des Bistums Neustadt Melchior Khlesl aus den Jahren 1608/09. Über das Aussehen des mittelalterlichen Hauptaltars ist nichts bekannt; seit 1767/76 steht an seiner Stelle ein mächtiger, sehr kostbarer Barockaltar; auf dem Altarbild ist Mariä Himmelfahrt (ein Werk des Gian Domenico Cignaroli, 1773) dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren hatten aber bereits vor der Domkirche die der hl. Maria geweihte Kirche &amp;quot;ob dem tor&amp;quot; in der Burg inne. Diese in den Jahren 1449 bis 1460 in den Westtrakt der Wiener Neustädter Burg eingebaute ursprüngliche Marien- und spätere Georgskirche wurde auf Wunsch Friedrichs III. den Augustiner-Chorherren sofort nach Fertigstellung im Jahr 1460 übergeben. Es war dies eine über einer gewaltigen gotischen Torhalle errichtete dreischiffige Hallenkirche mit geradem, von drei Fenstern durchbrochenen Chorabschluss. Von den acht 13 m hohen Säulen, die das Mittelschiff gegen die Seitenschiffe hin abgrenzten, überdauerte lediglich eine einzige, freskengeschmückte Säule gegenüber dem Oratorium der Kaiserin unversehrt die Zerstörungen, die Bomben im Zweiten Weltkrieg in der Kirche anrichteten. Entlang der Nord-, West- und Südwand der Kirche zieht sich eine auf Kragsteinen ruhende, steinerne Galerie hin, die an der Nordwand im reich geschmückten Oratorium des Kaisers, an der Südwand im Oratorium der Kaiserin endet. Unter den Stufen zum Hochaltar fand Kaiser Maximilian I. (verstorben 1519) seine letzte Ruhestätte. Das mittlere der drei mit prachtvollen Glasgemälden aus der Mitte des 16. Jahrhunderts versehenen Fenstern der Ostwand (durch Auslagerung im Zweiten Weltkrieg vor der Zerstörung bewahrt) zeigt Maximilian I. mit seiner Familie; darüber eine Darstellung der Taufe Christi. Von der Originalverglasung der Fenster der Nord- und Westwand hat sich nichts erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Kaiser Friedrich III. geht der große holzgeschnitzte, vergoldete Reliquienschrein zurück. In dem zwölfeckigen Taufbecken aus rotem Marmor, das Mitte des 15. Jahrhunderts geschaffen wurde, wurde mit großer Wahrscheinlichkeit der 1459 in der Wiener Neustädter Burg geborene spätere Kaiser Maximilian I. getauft. An der dem Burghof zugewandten Außenseite der St. Georgskirche – als die Kirche 1479 vom Kaiser dem St.-Georgs-Ritterorden übergeben wurde, scheint bald darauf ein Patroziniumswechsel stattgefunden zu haben – befindet sich die berühmte Wappenwand, fertiggestellt im Jahr 1453: 107 Wappenreliefs umgeben das Mittelfenster der Ostwand; unterhalb des Fensters steht die von den Wappen der habsburgischen Erbländer flankierte Statue Friedrich III. dargestellt mit den Insignien eines österreichischen Erzherzogs. Nach oben schließen drei Baldachinnischen mit den Sandsteinfiguren der hl. Maria (&amp;quot;Kirschenmadonna&amp;quot;), der hl. Katharina und der hl. Barbara die Wappenwand ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Aussehen der zuerst dem Stift Weltlicher Chorherren, später dann (1459) den Augustiner-Chorherren übergebenen Kirche St. Ulrich und dem dazugehörigen Kloster ist nichts bekannt: Kirche und Kloster St. Ulrich wurden bereits bei der Belagerung der Stadt Wiener Neustadt durch die Ungarn in den Jahren 1485 bis 1487 schwer beschädigt, daraufhin vermutlich nur notdürftig wiederhergestellt und schließlich im Türkenjahr 1529 endgültig abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Gertrud Buttlar-Gerhartl: Wiener Neustadt – Bischofssitz von 1469–1783. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich N.F. 52 (1986), S. 1–54.&lt;br /&gt;
* Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs, Niederösterreich südlich der Donau. Teil 2, Horn / Wien 2003.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fasching: Die Chorherrenstifte von Wiener Neustadt. Eine rechtsgeschichtliche Untersuchung. Veröffentlichungen des Kirchenhistorischen Instituts der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Bd. 2. Wien 1966.&lt;br /&gt;
* Johann Franzl: Studien zur Geschichte des Protestantismus in Wiener Neustadt. Diss. Univ. Wien. Wien 1974.&lt;br /&gt;
* Gertrud Gerhartl: Der Dom zu Wiener Neustadt 1279. Wien / Köln / Graz 1979.&lt;br /&gt;
* Gertrud Gerhartl: Wiener Neustadt. Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft. Wien &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;1993.&lt;br /&gt;
* Johann Jobst: Die Neustädter Burg und die k.u.k. Theresianische Militärakademie. Wien / Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
* Josef Mayer: Geschichte von Wiener Neustadt. Bd. 2. Wiener Neustadt 1926.&lt;br /&gt;
* Claudia Moddelmog: Königliche Stiftungen des Mittelalters im historischen Wandel: Quedlinburg und Speyer, Königsfelden, Wiener Neustadt und Andernach. Berlin 2012, S. 205–222.&lt;br /&gt;
* Georg Niemetz: Der Dom zu Wiener Neustadt. München 1984 (Schnell-Kunstführer, 1196).&lt;br /&gt;
* Erwin Reidinger: Planung oder Zufall. Wiener Neustadt 1192. Wiener Neustadt 1995.&lt;br /&gt;
* Roland  Schäffer: Adelige – Schwaben – Hofbeamte – Prinzenlehrer – arme Bischöfe. Die Pfarrer von Riegersburg im 14. und 15. Jahrhundert. In: Festschrift Gerhard Pferschy zum 70. Geburtstag. Hg. von Gernot Peter Obersteiner / Peter Wiesflecker. Graz 2000 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, 12), S. 577–601.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Wiener_Neustadt&amp;diff=10240</id>
		<title>Stift Wiener Neustadt</title>
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		<updated>2022-07-15T14:45:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Soziale Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1459&lt;br /&gt;
|Datum bis=1529&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Kirchlich gehörte Wiener Neustadt – von 1469 bis 1783 existierte ein Bistum Wiener Neustadt – zunächst zum Erzbistum Salzburg; seit 1722 war es ein Suffragan des Erzbistums Wien. Nach Aufhebung des Wiener Neustädter Bistums im Jahr 1783 fiel das Wiener Neustädter Stadtgebiet an das Erzbistum Wien.&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=de nova sua civitate edificatione (1194/95), apud Novam Civitatem (1204), Nova civitas in publico placito (1217), Niwenstat, muta in Nova Civitate (1244), in der Newentatt (1321), enhalben der Newenstat (1333), S(igillum) Vindobonensis Nove Civitatis (1358), ze der Newnstat (1363), von der Neustadt (1368), Urbe Novella (1425), Newstatt (1437/38), Neustadt (1460), die Wienerische Neustadt (Mitte 17. Jahrhundert), k.k. Stadt Wienerisch Neustadt (1747), k.k. Stadt Wiener Neustadt (1785)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=St. Ulrich, ab 1460 hl. Jungfrau Maria (Hallenkirche &amp;quot;ob dem tor&amp;quot;), ab 1469 wieder St. Ulrich&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Statutarstadt 50 km südlich von Wien gelegen. Ursprünglich zum Besitz der Grafen Formbach-Pitten gehörig, ging das im Mittelalter zwischen den Herzogtümern Österreich und Steiermark gelegene Gebiet 1158 an die Markgrafen von Steier aus dem Geschlecht der Traungauer über. Nach dem Aussterben der Traungauer 1192 an den im benachbarten Österreich regierenden Babenberger Herzog Leopold V. Bis Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Stadt Wiener Neustadt immer wieder als zur Steiermark gehörig bezeichnet; erst dann gilt Wiener Neustadt als österreichische Stadt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung=== &lt;br /&gt;
In der auf Befehl des Babenbergerherzogs Leopold V. um 1194 nahe der Grenze gegen Ungarn angelegten, stark befestigten &amp;quot;Neuen Stadt&amp;quot; sind bereits ein halbes Jahrhundert nach der Stadtgründung eine beachtliche Anzahl von Ordensniederlassungen nachzuweisen: um das Jahr 1250 gibt es hier ein Kloster der Minoriten, eines der Dominikaner und eines der Dominikanerinnen sowie ein Haus des Deutschen Ordens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Regierungszeit des frommen Habsburgers Friedrich III. (1440–1493) – dessen bevorzugte Residenz viele Jahrzehnte hindurch Wiener Neustadt gewesen ist – wird die Zahl der Niederlassungen geistlicher Orden innerhalb seiner Residenzstadt dann sogar mehr als verdoppelt. Zu den bereits bestehenden Klöstern (wobei das Dominikanerinnenkloster allerdings Anfang der vierziger Jahre des 15. Jahrhunderts zu bestehen aufhört) kommen nun noch ein Zisterzienserkloster (Stift Neukloster 1444), ein Stift Weltlicher Chorherren (1444), ein Stift Regulierter Augustiner-Chorherren (1459), eine Niederlassung des St.-Georgs-Ritterordens (seit ca. 1476) sowie ein Paulinerkloster (1480). Außerdem gelingt es Kaiser Friedrich III. im Jahr 1469, die Zustimmung des Papstes für die Errichtung eines Bistums in Wiener Neustadt zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Bulle vom 20. Dezember 1459 gab Papst Pius II. seine Zustimmung zur Gründung eines Augustiner-Chorherrenklosters in Wiener Neustadt und erfüllte damit den lange gehegten Wunsch Kaiser Friedrichs III. – er hatte ihn bereits anlässlich seines Romaufenthaltes 1452 Papst Nikolaus V. vorgetragen. Eine wichtige Voraussetzung für diese Klostergründung war bereits im Juni 1459 geschaffen worden: nachdem die Weltlichen Chorherren auf die ihrem Stift inkorporierte [[Liste der Pfarren des Stiftes Wiener Neustadt #Pfarre St. Ulrich|Pfarrkirche St. Ulrich]], in der westlichen Vorstadt von Wiener Neustadt gelegen, verzichtet hatten, stand diese Kirche (und zwar mit allen Zugehörungen) nun als Ausstattung für die Augustiner-Chorherren zur Verfügung. Der Stiftbrief für das Kloster der Regulierten Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt blieb bedauerlicherweise nicht erhalten. Es ist jedoch überliefert, dass der Augustinerkonvent nach dem Willen des kaiserlichen Stifters aus Propst, Dechant und 30 Chorherren bestehen sollte – diese große Zahl mag aber kaum je erreicht worden sein, denn die auch hier höchst unzulängliche Dotation hätte dies nur schwerlich erlaubt: Kaiser Friedrich III. vermochte seiner neuen Stiftung lediglich Burg und Herrschaft Hornstein im ungarischen Komitat Ödenburg, diverse dazugehörige Besitzungen in Deutsch- bzw. Ungarisch-Brodersdorf und in Stinkenbrunn, ferner eine Mühle an der Schwarza in Breitenau und schließlich ein gegenüber der Wiener Neustädter Burg gelegenes Haus zu schenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Gottesdienst hatten die Augustiner-Chorherren ab 1459 zunächst in der Pfarrkirche St. Ulrich zu versehen. Aber es war die am 8. Juni 1460 vom päpstlichen Legaten Kardinal Bessarion zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria geweihte große, neue Kirche &amp;quot;ob dem tor&amp;quot; in der Burg (die spätere St. Georgskirche), die Friedrich III. von allem Anfang an den Augustiner-Chorherren zugedacht hatte. In einer Urkunde vom 12. Juni 1460 heißt es jedenfalls, dass der Kaiser &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;ein Convent und Kirchen in Unser Burg auf dem Tor in der Neustadt mit firsatz, datz darin hinfuer ewiglich wonen und ein Convent machen und sein sullen Probst, Dechant und der korherren sannd Augustius Regel, gepauet, erhebet und gestifftet...&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; habe. Rund ein Jahrzehnt wirkten die Augustiner-Chorherren tatsächlich an der Marienkirche &amp;quot;ob dem Tor&amp;quot; in der kaiserlichen Burg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einem Wunsch Kaiser Friedrichs III. entsprechend, schrieb Papst Pius II. den Augustiner-Chorherren von Wiener Neustadt eine Kleidung vor, die sich von der sonst üblichen durch ihre Farbe unterschied: anstatt eines weißen Habits sollten sie einen braunen Habit mit einem goldfarbenen Kreuz auf der rechten Seite tragen; für das Almuzium (Schultermäntelchen aus Pelz), das über dem Habit getragen wurde, war an Festtagen und in der Kirche die Farbe weiß (anstatt, wie üblich, schwarz) vorgesehen, an gewöhnlichen Tagen und außerhalb der Kirche hatte man ein braunes Almuzium umzunehmen. Wie dem Propst der Weltlichen Chorherren stand auch dem Propst der Augustiner-Chorherren das Recht auf Pontifikalien zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes der Augustiner-Chorherren ist als Relief auf dem Friedrichsgrab im Wiener Stephansdom festgehalten: zu beiden Seiten des in der Mitte thronenden hl. Ulrich kniet je ein Infulierter – vermutlich Propst und Dechant; diese Gruppe wird von dreizehn (ebenfalls knienden) Kanonikern umgeben. Die Inschrift lautet: &amp;quot;CANONICI REGULARES S. ULRICI NOVE CIVITATIS&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vom Einzug der Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt bis zur Übersiedelung nach St. Ulrich===&lt;br /&gt;
Es waren wohl in erster Linie Chorherren aus dem [[Stift St. Dorothea in Wien|Kloster St. Dorothea in Wien]], die 1459/60 in der Kaiserresidenz Wiener Neustadt Einzug hielten und den Grundstock für das neu gegründete Augustiner-Chorherrenkloster daselbst bildeten. Auch [[Wilhelm Bermut]], den Kaiser Friedrich III. als ersten Propst seiner neuesten Klostergründung präsentierte, ist ein Chorherr von St. Dorothea gewesen. Wahrscheinlich wurden vom Wiener Neustädter Augustinerkonvent auch die im Stift St. Dorothea in Wien geltenden Statuten übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm und die mit ihm gekommenen Kanoniker nahmen Wohnung in dem vom Kaiser &amp;quot;von der Eysnerin&amp;quot; gekauften, der Burg gegenüberliegenden Haus; als sich dies bald als zu klein erwies, erwarb Friedrich III. für die Augustiner-Chorherren noch zwei an das genannte Haus anschließende Bürgerhäuser. Hier hatten die Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren nun in den nächsten zehn Jahren ihren Sitz – wobei sich diese Örtlichkeit als sehr praktisch hinsichtlich der Abhaltung des Gottesdienstes in der den Häusern gegenüberliegenden Marienkirche der kaiserlichen Burg erwies, die Betreuung der ziemlich weit entfernt davon liegenden Pfarrkirche St. Ulrich jedoch zu einem Problem werden ließ. Dieses Problem wurde ein Jahrzehnt später folgendermaßen gelöst: vermutlich 1468/69, also zur Zeit von Kaiser Friedrichs III. Zweitem Romzug, übersiedelten die Augustiner-Chorherren aus ihren bei der kaiserlichen Burg gelegenen Häusern in die Vorstadt St. Ulrich und bezogen Wohnung in den zur Pfarrkirche St. Ulrich gehörigen Gebäuden: Friedrich III. hatte Papst Paul II. darauf hingewiesen, dass die Entfernung zwischen Kloster und Kirche der Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren so groß sei, dass die Chorherren ihren Verpflichtungen weitaus besser nachgehen könnten, würden sie bei der Kirche St. Ulrich selbst wohnen. Daraufhin beauftragte der Papst den Abt des Stiftes Neukloster in Wiener Neustadt, St. Ulrich zu einer Konventspropstei zu erheben und das Kapitel der Augustiner-Chorherren von der Marienkirche ob dem Tor in der Burg nach St. Ulrich zu versetzen. Die Angelegenheit zog sich hin: erst 1471 hatte Abt Johannes die ihm anbefohlene Errichtung der Propstei St. Ulrich und die Versetzung der Augustiner-Chorherren dorthin durchgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Augustiner-Chorherrenstift in Wiener Neustadt und der St.-Georgs-Ritterorden===&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1478 holte Kaiser Friedrich III. den von ihm gegründeten und 1469 von Papst Paul II. bestätigten St.-Georgs-Ritterorden nach Wiener Neustadt. Dem bisher eher bescheiden dotierten Ritterorden übergab Friedrich III. die seit der Übersiedelung der Augustiner-Chorherren an die Kirche St. Ulrich wieder zur Verfügung stehende, der hl. Maria geweihte Kirche ''ob dem tor'' (die spätere St. Georgskirche) in der kaiserlichen Burg von Wiener Neustadt. Damit nicht genug, scheint Hans Siebenhirter, erster Hochmeister des St.-Georgs-Ritterordens, dem Kaiser die Idee eingegeben zu haben, den Papst um eine Vereinigung des St.-Georgs-Ritterordens mit dem Bistum Neustadt zu ersuchen: diese Vereinigung hätte die Wiener Neustädter Domkirche mit allen dazugehörigen Besitzungen unter den Einfluss der Georgsritter gebracht und ihre Position sehr gestärkt; Papst Sixtus IV. zeigte sich höchst entgegenkommend und vereinigte tatsächlich mit Bulle vom 24. Juni 1479 Bistum Neustadt und St.-Georgs-Ritterorden. Diese Verbindung Bistum – St.-Georgs-Ritterorden bestand jedoch nur auf dem Papier: Bischof Peter von Neustadt bekämpfte sie mit großer Ausdauer und weigerte sich hartnäckig, dem St.-Georgs-Ritterorden irgendwelche Rechte an der Liebfrauen-Pfarrkirche, also dem nunmehrigen Dom, zuzugestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Matthias Corvinus im Jahr 1490 und der Zurückgewinnung der von den Ungarn besetzten Stadt Wiener Neustadt durch König Maximilian I. verfolgte der seine letzten Lebensjahre in Linz verbringende Kaiser Friedrich III. einen neuen Plan, um sowohl Ansehen als auch Ausstattung des St.-Georgs-Ritterordens aufzubessern: Als die Ungarn im Jahr 1487 in die westliche Vorstadt der überaus tapfer verteidigten Stadt Wiener Neustadt eingedrungen waren, war bei den heftigen Kämpfen die Kirche St. Ulrich und das dort befindliche Kloster der Augustiner-Chorherren weitgehend zerstört worden. Nach der Vertreibung der ungarischen Besatzung im Jahr 1490/91 fehlte es an Mitteln, um Kirche und Kloster St. Ulrich unverzüglich wiederaufzubauen. Das mag Kaiser Friedrich III. veranlasst haben, die Übersiedelung der obdachlos gewordenen Augustiner-Chorherren an die Domkirche (bzw. in den dazugehörigen Propsthof) in Erwägung zu ziehen. Da Bischof Peter Engelbrecht am 17. Februar 1491 gestorben war, hatte man von dieser Seite keinen Protest zu erwarten; auch Peter Engelbrechts Nachfolger würde gegen diese Entscheidung kaum etwas einzuwenden haben, beabsichtigte der Kaiser doch [[Augustin Kiebinger]], Propst der Augustiner-Chorherren von Wiener Neustadt, dem Papst als neuen Bischof von Wiener Neustadt zu präsentieren. Allerdings stellte Friedrich III. die Bedingung, dass sowohl der zukünftige Bischof als auch der gesamte Konvent der Augustiner-Chorherren in Zukunft den Ordenshabit der Georgsritter tragen müssten: so würde man endlich die schon (allerdings nur vom Kaiser und den Georgsrittern) so lange gewünschte tatsächliche Vereinigung von St.-Georgs-Ritterorden und Bistum – und nun auch Augustiner-Chorherrenstift – erreichen. Nachdem Hochmeister Johann Geumann und sechs Angehörige des St.-Georgs-Ritterordens diesem Vorhaben Friedrichs III. ihre Zustimmung gegeben hatten, erklärte sich auch der zum Kaiser nach Linz befohlene Chorherrenpropst Augustin Kiebinger bereit, die Neustädter Bischofswürde zu den oben genannten Bedingungen anzunehmen. Die von Kaiser Friedrich III. in Linz beurkundete &amp;quot;verainigung und vertrag&amp;quot; zwischen dem Hochmeister des St.-Georgs-Ritterordens und dessen Mitbrüdern einerseits, sowie dem Propst von St. Ulrich und dem Konvent der Regulierten Augustiner-Chorherren andererseits, datiert vom 20. April 1491. Dieser Vertrag räumt den Augustiner-Chorherren Anrecht auf Wohnung und Seelsorge bei der bisher dem St.-Georgs-Ritterorden inkorporierten Wiener Neustädter Pfarrkirche, also dem Dom, ein. Neben der den Augustiner-Chorherren als &amp;quot;sitz und wonung&amp;quot; zugestandenen Domkirche verblieb ihnen aber nach wie vor die Propstei St. Ulrich. Außerdem erhielt der Augustiner-Konvent noch das nahe bei Wiener Neustadt gelegene Dorf Saubersdorf, ferner 100 Pfund Pfennig jährliche Gült aus dem kaiserlichen Kammergut und schließlich noch das Privileg, jährlich 24 Dreiling Wein in Wiener Neustadt ausschenken zu dürfen, und zwar ohne dafür &amp;quot;Ungeld&amp;quot; entrichten zu müssen. Doch ungeachtet dieser recht beachtlichen Schenkungen und Benefizien scheint bei den Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren schon bald nach Vertragsabschluss ein Sinneswandel eingetreten zu sein: plötzlich lehnten sie es strikt ab, zum äußeren Zeichen für die erfolgte Vereinigung den Habit des St.-Georgs-Ritterordens anzuziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der von Alter und Krankheit geplagte Kaiser musste sich damit abfinden, dass die von ihm so sehr gewünschte Vereinigung des St.-Georgs-Ritterordens mit Bistum und Augustiner-Chorherrenstift gescheitert war. Kurz vor seinem Tod im August 1493 setzte sich Friedrich III. beim Heiligen Vater in Rom dafür ein, dass man dort von der Inkorporation der Domkirche in den St.-Georgs-Ritterorden, &amp;quot;die denselben orden nit nuzlich gewesen ist&amp;quot;, wieder Abstand nehme und den Dom dem Augustinerkloster inkorporiere. Dem kaiserlichen Wunsch wurde entsprochen und Rom erkannte in der Folge in Wiener Neustadt die Augustiner-Chorherren als Kathedralkapitel an. Ein Zugeständnis gab es auch hinsichtlich der Kleidung der Augustiner: es wurde ihnen schriftlich bestätigt, von nun an wieder auf der Straße den braunen Habit (in der Kirche &amp;quot;mit Fehen Chorkappen&amp;quot;) tragen zu dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als am 24. Juni 1495 Bischof Augustin von Neustadt starb, wurde nicht – wie man hätte erwarten können – der Propst der Augustiner-Chorherren [[Johann Huntzdorfer]] zu dessen Nachfolger gewählt. Es ist wahrscheinlich der St.-Georgs-Ritterorden gewesen, der eine Präsentation Huntzdorfers zu hintertreiben gewusst hatte. So unterblieb die Ernennung eines neuen Bischofs von Neustadt vorderhand: die Sympathie König Maximilians I. – der 1493, nach dem Tod seines Vaters, Kaiser Friedrich III., an die Regierung gekommen war – gehörte ohne Zweifel dem St.-Georgs-Ritterorden und der König unternahm nichts gegen dessen Interessen. Allerdings machte man weder von weltlicher noch von geistlicher Seite den Augustiner-Chorherren den Besitz der Domkirche streitig. Sowohl Propst Johann Huntzdorfers Nachfolger [[Bernhard Zottmann]] wie auch der nächste Chorherrenpropst, [[Egidius Wiblinger]], erhielten ohne Schwierigkeiten seitens des Papstes die Ansprüche der Augustiner-Chorherren auf den Wiener Neustädter Dom zugesichert (1497 bzw. 1504).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1506 wurden die Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren auch durch Maximilian I. in all ihren Rechten bestätigt. Während der bis zum Jahr 1521 andauernden Sedisvakanz des Neustädter Bistums oblag dem Kapitel der Augustiner-Chorherren (das bereits während der Amtszeit des Bischofs Augustin Kiebinger 1491 bis 1495 gemeinsam mit diesem Bischof die Diözese regiert hatte) allein die Verwaltung des kleinen Stadtbistums. Die damit verbundenen Pflichten erfüllte das Kapitel zum einen Teil selbst, zum anderen Teil hatte sie sie einem Offizial übertragen. Mit dieser Entwicklung konnte natürlich der St.-Georgs-Ritterorden auf keinen Fall einverstanden sein. So versuchten die Georgsritter ab 1497 mit ständigen Protesten, die Stellung der Augustiner-Chorherren zu erschüttern; Unterstützung erhielten sie dabei von dem ihnen stets wohlgesinnten König: Maximilian I. – der erst 1506 den Augustiner-Chorherren den Besitz der Domkirche bestätigt hatte – sprach noch im selben Jahr die genannte Kirche den Georgsrittern zu. Das heißt, er ließ ihnen die Wahl, entweder in Zukunft den Habit des St.-Georgs-Ordens zu tragen oder auf die Dompfarre zu verzichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren zeigten sich weder zur Annahme der Ordenstracht der Georgsritter noch zum Verzicht auf die Domkirche bereit. So sah sich Kaiser Maximilian I. veranlasst, eine Kommission einzusetzen, die die Augustiner zur Übergabe der Domkirche an den St.-Georgs-Ritterorden bewegen sollte. Worauf beide Seiten Urkunden vorlegten, die ihre Rechte und Ansprüche bestätigten; man war nicht im Geringsten zum Nachgeben bereit. Die Verhandlungen zogen sich hin – erhielten die Augustiner-Chorherren in dieser Angelegenheit Unterstützung durch den Papst, so hatten die Georgsritter Kaiser Maximilian auf ihrer Seite. Auf Befehl des Kaisers wurden dem Augustiner-Chorherrnstift die aus der Innehabung der Domkirche resultierenden Einkünfte entzogen. Dieser seitens des Kaisers ausgeübte massive Druck brachte schließlich die Entscheidung: im Jahr 1508 resignierten die Augustiner-Chorherren und zogen sich aus dem Dom zurück. Mehr als ein Jahrzehnt später, 1522/23, schöpften sie noch einmal die Hoffnung, doch wieder zu ihrem Recht zu kommen, und zwar mit Hilfe Erzherzog Ferdinands, des späteren Königs und Kaisers Ferdinand I. Doch die Bemühungen des Konvents, an dessen Spitze damals Propst [[Paulus Nuster]] stand, brachten keinen Erfolg: Sowohl der St.-Georgs-Ritterorden als auch der 1521 eingesetzte neue Bischof von Neustadt Dr. Dietrich Kammerer setzten sich gegen die Wünsche und Bitten der Augustiner-Chorherren energisch zur Wehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation – das Ende der Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren=== &lt;br /&gt;
Ende der zwanziger Jahre des 16. Jahrhunderts fand die Lehre Martin Luthers auch in Wiener Neustadt Eingang. Es waren hier vor allem die Augustiner-Chorherren mit ihrem Sitz in der Vorstadt St. Ulrich, die sich der neuen Lehre gegenüber höchst aufgeschlossen zeigten – schon um das Jahr 1528 wurde sie in der Kirche St. Ulrich gepredigt. Bei der zu diesem Zeitpunkt vom Landesfürsten angeordneten Visitation aller Klöster wurde bezüglich des Wiener Neustädter Augustiner-Chorherrenklosters St. Ulrich berichtet, dass man hier nicht nur &amp;quot;etliche buecher der neuen opinion&amp;quot; entdeckt hätte, sondern dass auch die Klosterdisziplin sehr zu wünschen übrig lasse. Daraufhin erging unverzüglich an die Visitatoren der Befehl, keine Zeit zu verlieren und sofort &amp;quot;wider Brobst, Dechant und Khelner zu St. Ulrich vor der Newenstat von wegen Irer aufrürigen verkherlichen unnd lutherischen secten&amp;quot; zu verfahren. Da sich jedoch Dechant und Kellermeister rechtzeitig dem Zugriff der Obrigkeit entzogen hatten, konnten nur Propst Paulus Nuster, ferner ein Profess namens Augustin sowie drei weitere, namentlich nicht genannte Chorherren festgenommen werden. Sie wurden nach Wien gebracht und in Haft genommen. Relativ rasch erklärten sich Propst Paulus und der Profess Augustin zu einem öffentlichen Widerruf bereit; von dem Bischof-Koadjutor Johann Fabri wurde ihnen daraufhin die Lossprechung gewährt. Die drei anderen Chorherren scheinen nicht bereit gewesen zu sein, zu widerrufen; sie wurden weiterhin in Wien gefangen gehalten – wobei für ihren Unterhalt im Gefängnis der Wiener Neustädter Augustinerkonvent aufzukommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch im Jahr 1528 veranlasst die mit der Visitation betraute landesfürstliche Kommission Propst Paulus Nuster, einen Laien, und zwar den Wiener Neustädter Bürger Hans Mitterpacher, zum Verwalter der &amp;quot;hauswirtschaft&amp;quot; des wirtschaftlich arg zerrütteten Klosters St. Ulrich einzusetzen. Als 1529 die Türken gegen Wien zogen, wurde in aller Eile auch die Grenzstadt Wiener Neustadt in Verteidigungszustand gesetzt. Dazu gehörte u. a. die Abtragung verschiedener Gebäude in den Vorstädten, um dem Feind keine Möglichkeit zu geben, sich darin zu verschanzen. Auch das nach der ungarischen Belagerung nur notdürftig wieder instandgesetzte Kloster und die Kirche von St. Ulrich wurden damals demoliert. Nach Beendigung der Belagerung Wiens und dem Abzug des türkischen Heeres wurde in Wiener Neustadt ein Wiederaufbau des damals von seinen Bewohnern wahrscheinlich bereits aufgegebenen und verlassenen Augustiner-Chorherrenklosters von St. Ulrich wohl nicht mehr in Erwägung gezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch im Jahr 1529 setzten von verschiedenen Seiten Bemühungen ein, sich die zu der abgebrochenen Augustinerpropstei St. Ulrich gehörigen Besitzungen zu sichern: So wurde zunächst gleich einmal der Rat der Stadt Wiener Neustadt bei König Ferdinand I. vorstellig, um sich die genannten Güter zu erbitten. Dem Wunsch der Wiener Neustädter wurde 1530 entsprochen, allerdings nur unter der Bedingung, den Erlös aus diesen nun von der Stadt verwalteten ehemaligen Besitzungen der Augustiner-Chorherren zur Verbesserung der Stadtbefestigung zu verwenden. Es war aber offensichtlich nur Grund- und Hausbesitz, den der König der Stadt Wiener Neustadt damals überlassen hatte: die Klosterbibliothek sowie wertvolle Paramente, Ornate und Kirchengerät wurden auf Befehl Ferdinands I. hin in die Burg gebracht und gingen so vermutlich in das Eigentum des St.-Georgs-Ritterordens über. Eine zum Kloster St. Ulrich gehörige Mühle und das Sägewerk in Breitenau wurden nicht der Stadt, sondern dem Rentmeister zugesprochen. Gleichzeitig mit der Stadt Wiener Neustadt versuchte auch der damalige Neustädter Bischof Dr. Dietrich Kammerer, zugunsten seines recht unzulänglich dotierten Bistums die Augustiner-Chorherren von St. Ulrich zu beerben. Bischof Dietrich (der 1528 in den St.-Georgs-Ritterorden eingetreten war) erhielt dabei wertvolle Hilfe durch den Bischof von Wien Johann Fabri, der als Beichtvater und Berater König Ferdinands I. großen Einfluss auf dessen Entscheidungen hatte. Tatsächlich gelang es den Bischöfen von Wien und von Wiener Neustadt, durchzusetzen, dass das Klostergut von St. Ulrich wieder der Stadt Wiener Neustadt entzogen wurde. Es wurde zunächst der Universität Wien inkorporiert, aber schon bald darauf (am 6. September 1535) dem Bischof von Wiener Neustadt zur Verwaltung und Nutznießung überlassen. Als Gegenleistung war vom Bistum Wiener Neustadt jährlich eine Summe von 443 Gulden an die Wiener Universität zu zahlen. Als es in der Folge immer wieder zu Differenzen zwischen Universität und Bistum kam, hat Kaiser Ferdinand I. am 1. November 1551 dem Bistum Wiener Neustadt &amp;quot;das Sanct Ulrich Closter sambt desselben gründen, güttern, nutzungen, einkhomen, freyhaiten, rechten und gerechtigkeiten, nichts ausgeschlossen, gnediglich übergeben, incorporirt und eingeleibt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Für das Kloster der Regulierten Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt – diese waren zur Betreuung der neuen Kirche ''ob dem tor'' in der Burg (der späteren St. Georgskirche) vorgesehen – hatte der kaiserliche Stifter im Jahr 1459 folgende Dotation vorgesehen: Die (damals auf ungarischem Boden gelegene) Herrschaft Hornstein mit etlichen anderen ''stukhen und guettern'', ferner eine Mühle an der Schwarza in Breitenau und – als vorläufige Wohnung für die Augustiner-Chorherren gedacht – ein Haus in Wiener Neustadt. Im Jahr darauf schenkte Friedrich III. dem Augustiner-Chorherrenstift die Burg Pitten, zwei weitere an ihr Wiener Neustädter Haus angrenzende Häuser mit allen Rechten und Zugehörungen, sicherte ihnen den jährlichen Bezug von 60 Fuder Salz aus den Salinen in Aussee zu und übergab ihnen schließlich die bis dahin dem Stift Weltlicher Chorherren inkorporierte Pfarrkirche St. Ulrich samt den dazugehörigen Einkünften. Trotz der steten Fürsorge Friedrichs III. für die beiden Wiener Neustädter Chorherrenstifte blieb deren Ausstattung immer noch hinter den tatsächlich vorhandenen Erfordernissen zurück. Dies hatte nicht nur eine Reduzierung der ursprünglich für Wiener Neustadt vorgesehenen Kanonikerzahl zur Folge, sondern war Anlass für die zuletzt nur Schwierigkeiten mit sich bringenden Bestrebungen, Chorherrenstifte und St.-Georgs-Ritterorden zu vereinigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Stadt Wiener Neustadt und somit auch das 1459 gegründete Chorherrenstift befanden sich infolge ihrer zeitweiligen Zugehörigkeit zum Herzogtum Steiermark während des Mittelalters im Einflussgebiet des Erzbischofs von Salzburg. Als 1469 das Bistum Neustadt gegründet wurde, entzog Papst Paul II. die neue Diözese – und damit auch die hier befindlichen beiden Chorherrenstifte – der Jurisdiktion des Salzburger Erzbischofs. Mit der 1477 erfolgten Ernennung Peter Engelbrechts, des Dechanten der Weltlichen Chorherren in Wiener Neustadt, zum Bischof von Neustadt gingen die Rechte des Erzbischofs von Salzburg an den Neustädter Bischof über. Häufig übten jedoch päpstliche Legaten bei den Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren die Rechte des Ortsordinarius aus, nahmen Bestätigungen und Verleihungen vor und erteilten Sondervollmachten. Es war ganz im Sinne Kaiser Friedrichs III., möglichst viele Rechtshandlungen vom Apostolischen Stuhl selbst bestätigen oder durchführen zu lassen. Dass man sich in Angelegenheiten des Augustiner-Chorherrenklosters besonders oft an Rom zu wenden hatte, ist damit zu erklären, dass das Neustädter Bistum von 1495 bis 1521 vakant war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Sowohl Pröpste als auch Kanoniker der Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt waren fast durchwegs bürgerlicher oder bäuerlicher Herkunft. Sie kamen aus steirischen, kärntnerischen, salzburgischen und österreichischen Klöstern und Pfarren, aber auch aus Passau, aus Chiemsee usw.; es waren Geistliche der Erzdiözese Salzburg und der Diözese Passau. Während jedoch das weltliche Chorherrenstift von Wiener Neustadt in enger Verbindung zum Stift Spital am Pyhrn stand, hatte das Stift St. Dorothea in Wien großen Einfluss auf das Wiener Neustädter Augustiner-Chorherrenstift. Zu bischöflichen Würden gelangte der aus Chiemsee stammende Augustin Kiebinger, der von 1491 bis 1495 an der Spitze des Neustädter Bistums stand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
Im Jahr 1493 wurde dem Augustiner-Chorherrenstift zu Wiener Neustadt die Unserer Lieben Frau geweihte [[Liste der Pfarren des Stiftes Wiener Neustadt#Unserer-Lieben-Frauen-Pfarrkirche|Wiener Neustädter Pfarrkirche]] inkorporiert. Es war dies eine dreischiffige, spätromanisch-frühgotische Pfeilerbasilika aus dem 13. Jahrhundert mit einem Anfang des 14. Jahrhunderts anstelle der romanischen Choranlage errichteten gotischen Querschiff und gotischem Chor. Das romanische Westwerk mit den beiden rund 60 m hohen Türmen (Ende des 19. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit abgetragen und rekonstruiert) stammt aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Friedrich III. geht eine heute noch z. T. erhaltene neue Innenausstattung zurück, so unter anderem die mit reichem Blendmaßwerk, dem &amp;quot;AEIOU&amp;quot; und &amp;quot;1449&amp;quot; dekorierte &amp;quot;Hofempore&amp;quot; und die an den Pfeilern des Mittelschiffs stehenden lebensgroßen Apostelstatuen sowie die darunter angebrachten &amp;quot;Prophetentafeln&amp;quot; vom Meister des Winkler-Epitaphs (um 1490). In dem durch die Gründung des Bistums Neustadt 1469 zur Bischofskirche gewordenen Gotteshaus befinden sich eine Grablege der früh verstorbenen Kinder Erzherzogs Ernst des Eisernen (die wappengeschmückte Deckplatte des Hochgrabes überdauerte die Barockisierung des Doms im 18. Jahrhundert) sowie einige Grabdenkmäler Wiener Neustädter Bischöfe. Die Marmorkanzel im Mittelschiff ist ein Geschenk des Kardinals, Bischofs von Wien und Administrator des Bistums Neustadt Melchior Khlesl aus den Jahren 1608/09. Über das Aussehen des mittelalterlichen Hauptaltars ist nichts bekannt; seit 1767/76 steht an seiner Stelle ein mächtiger, sehr kostbarer Barockaltar; auf dem Altarbild ist Mariä Himmelfahrt (ein Werk des Gian Domenico Cignaroli, 1773) dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren hatten aber bereits vor der Domkirche die der hl. Maria geweihte Kirche &amp;quot;ob dem tor&amp;quot; in der Burg inne. Diese in den Jahren 1449 bis 1460 in den Westtrakt der Wiener Neustädter Burg eingebaute ursprüngliche Marien- und spätere Georgskirche ist auf Wunsch Friedrichs III. den Augustiner-Chorherren sofort nach Fertigstellung im Jahr 1460 übergeben worden. Es war dies eine über einer gewaltigen gotischen Torhalle errichtete dreischiffige Hallenkirche mit geradem, von drei Fenstern durchbrochenen Chorabschluss. Von den acht 13 m hohen Säulen, die das Mittelschiff gegen die Seitenschiffe hin abgrenzten, hat die Zerstörungen, die Bomben im Zweiten Weltkrieg in der Kirche anrichteten, lediglich eine einzige, freskengeschmückte Säule gegenüber dem Oratorium der Kaiserin unversehrt überdauert. Entlang der Nord-, West- und Südwand der Kirche zieht sich eine auf Kragsteinen ruhende, steinerne Galerie hin, die an der Nordwand im reich geschmückten Oratorium des Kaisers, an der Südwand im Oratorium der Kaiserin endet. Unter den Stufen zum Hochaltar fand Kaiser Maximilian I. (verstorben 1519) seine letzte Ruhestätte. Das mittlere der drei mit prachtvollen Glasgemälden aus der Mitte des 16. Jahrhunderts versehenen Fenstern der Ostwand (durch Auslagerung im Zweiten Weltkrieg vor der Zerstörung bewahrt) zeigt Maximilian I. mit seiner Familie; darüber eine Darstellung der Taufe Christi. Von der Originalverglasung der Fenster der Nord- und Westwand hat sich nichts erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Kaiser Friedrich III. geht der große holzgeschnitzte, vergoldete Reliquienschrein zurück. In dem zwölfeckigen Taufbecken aus rotem Marmor, das Mitte des 15. Jahrhunderts geschaffen wurde, ist mit großer Wahrscheinlichkeit der 1459 in der Wiener Neustädter Burg geborene spätere Kaiser Maximilian I. getauft worden. An der dem Burghof zugewandten Außenseite der St. Georgskirche – als die Kirche 1479 vom Kaiser dem St.-Georgs-Ritterorden übergeben wurde, scheint bald darauf ein Patroziniumswechsel stattgefunden zu haben - befindet sich die berühmte Wappenwand, fertiggestellt im Jahre 1453: 107 Wappenreliefs umgeben das Mittelfenster der Ostwand; unterhalb des Fensters steht die von den Wappen der habsburgischen Erbländer flankierte Statue Friedrich III. dargestellt mit den Insignien eines österreichischen Erzherzogs. Nach oben schließen drei Baldachinnischen mit den Sandsteinfiguren der hl. Maria (&amp;quot;Kirschenmadonna&amp;quot;), der hl. Katharina und der hl. Barbara die Wappenwand ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Aussehen der zuerst dem Stift Weltlicher Chorherren, später dann (1459) den Augustiner-Chorherren übergebenen Kirche St. Ulrich und dem dazugehörigen Kloster ist nichts bekannt: Kirche und Kloster St. Ulrich wurden bereits bei der Belagerung der Stadt Wiener Neustadt durch die Ungarn in den Jahren 1485 bis 1487 schwer beschädigt, daraufhin vermutlich nur notdürftig wiederhergestellt und schließlich im Türkenjahr 1529 endgültig abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Gertrud Buttlar-Gerhartl: Wiener Neustadt – Bischofssitz von 1469–1783. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich N.F. 52 (1986), S. 1–54.&lt;br /&gt;
* Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs, Niederösterreich südlich der Donau. Teil 2, Horn / Wien 2003.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fasching: Die Chorherrenstifte von Wiener Neustadt. Eine rechtsgeschichtliche Untersuchung. Veröffentlichungen des Kirchenhistorischen Instituts der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Bd. 2. Wien 1966.&lt;br /&gt;
* Johann Franzl: Studien zur Geschichte des Protestantismus in Wiener Neustadt. Diss. Univ. Wien. Wien 1974.&lt;br /&gt;
* Gertrud Gerhartl: Der Dom zu Wiener Neustadt 1279. Wien / Köln / Graz 1979.&lt;br /&gt;
* Gertrud Gerhartl: Wiener Neustadt. Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft. Wien &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;1993.&lt;br /&gt;
* Johann Jobst: Die Neustädter Burg und die k.u.k. Theresianische Militärakademie. Wien / Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
* Josef Mayer: Geschichte von Wiener Neustadt. Bd. 2. Wiener Neustadt 1926.&lt;br /&gt;
* Claudia Moddelmog: Königliche Stiftungen des Mittelalters im historischen Wandel: Quedlinburg und Speyer, Königsfelden, Wiener Neustadt und Andernach. Berlin 2012, S. 205–222.&lt;br /&gt;
* Georg Niemetz: Der Dom zu Wiener Neustadt. München 1984 (Schnell-Kunstführer, 1196).&lt;br /&gt;
* Erwin Reidinger: Planung oder Zufall. Wiener Neustadt 1192. Wiener Neustadt 1995.&lt;br /&gt;
* Roland  Schäffer: Adelige – Schwaben – Hofbeamte – Prinzenlehrer – arme Bischöfe. Die Pfarrer von Riegersburg im 14. und 15. Jahrhundert. In: Festschrift Gerhard Pferschy zum 70. Geburtstag. Hg. von Gernot Peter Obersteiner / Peter Wiesflecker. Graz 2000 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, 12), S. 577–601.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Wiener Neustadt</title>
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		<updated>2022-07-15T14:43:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Wirtschaftliche Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1459&lt;br /&gt;
|Datum bis=1529&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Kirchlich gehörte Wiener Neustadt – von 1469 bis 1783 existierte ein Bistum Wiener Neustadt – zunächst zum Erzbistum Salzburg; seit 1722 war es ein Suffragan des Erzbistums Wien. Nach Aufhebung des Wiener Neustädter Bistums im Jahr 1783 fiel das Wiener Neustädter Stadtgebiet an das Erzbistum Wien.&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=de nova sua civitate edificatione (1194/95), apud Novam Civitatem (1204), Nova civitas in publico placito (1217), Niwenstat, muta in Nova Civitate (1244), in der Newentatt (1321), enhalben der Newenstat (1333), S(igillum) Vindobonensis Nove Civitatis (1358), ze der Newnstat (1363), von der Neustadt (1368), Urbe Novella (1425), Newstatt (1437/38), Neustadt (1460), die Wienerische Neustadt (Mitte 17. Jahrhundert), k.k. Stadt Wienerisch Neustadt (1747), k.k. Stadt Wiener Neustadt (1785)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=St. Ulrich, ab 1460 hl. Jungfrau Maria (Hallenkirche &amp;quot;ob dem tor&amp;quot;), ab 1469 wieder St. Ulrich&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Statutarstadt 50 km südlich von Wien gelegen. Ursprünglich zum Besitz der Grafen Formbach-Pitten gehörig, ging das im Mittelalter zwischen den Herzogtümern Österreich und Steiermark gelegene Gebiet 1158 an die Markgrafen von Steier aus dem Geschlecht der Traungauer über. Nach dem Aussterben der Traungauer 1192 an den im benachbarten Österreich regierenden Babenberger Herzog Leopold V. Bis Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Stadt Wiener Neustadt immer wieder als zur Steiermark gehörig bezeichnet; erst dann gilt Wiener Neustadt als österreichische Stadt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung=== &lt;br /&gt;
In der auf Befehl des Babenbergerherzogs Leopold V. um 1194 nahe der Grenze gegen Ungarn angelegten, stark befestigten &amp;quot;Neuen Stadt&amp;quot; sind bereits ein halbes Jahrhundert nach der Stadtgründung eine beachtliche Anzahl von Ordensniederlassungen nachzuweisen: um das Jahr 1250 gibt es hier ein Kloster der Minoriten, eines der Dominikaner und eines der Dominikanerinnen sowie ein Haus des Deutschen Ordens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Regierungszeit des frommen Habsburgers Friedrich III. (1440–1493) – dessen bevorzugte Residenz viele Jahrzehnte hindurch Wiener Neustadt gewesen ist – wird die Zahl der Niederlassungen geistlicher Orden innerhalb seiner Residenzstadt dann sogar mehr als verdoppelt. Zu den bereits bestehenden Klöstern (wobei das Dominikanerinnenkloster allerdings Anfang der vierziger Jahre des 15. Jahrhunderts zu bestehen aufhört) kommen nun noch ein Zisterzienserkloster (Stift Neukloster 1444), ein Stift Weltlicher Chorherren (1444), ein Stift Regulierter Augustiner-Chorherren (1459), eine Niederlassung des St.-Georgs-Ritterordens (seit ca. 1476) sowie ein Paulinerkloster (1480). Außerdem gelingt es Kaiser Friedrich III. im Jahr 1469, die Zustimmung des Papstes für die Errichtung eines Bistums in Wiener Neustadt zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Bulle vom 20. Dezember 1459 gab Papst Pius II. seine Zustimmung zur Gründung eines Augustiner-Chorherrenklosters in Wiener Neustadt und erfüllte damit den lange gehegten Wunsch Kaiser Friedrichs III. – er hatte ihn bereits anlässlich seines Romaufenthaltes 1452 Papst Nikolaus V. vorgetragen. Eine wichtige Voraussetzung für diese Klostergründung war bereits im Juni 1459 geschaffen worden: nachdem die Weltlichen Chorherren auf die ihrem Stift inkorporierte [[Liste der Pfarren des Stiftes Wiener Neustadt #Pfarre St. Ulrich|Pfarrkirche St. Ulrich]], in der westlichen Vorstadt von Wiener Neustadt gelegen, verzichtet hatten, stand diese Kirche (und zwar mit allen Zugehörungen) nun als Ausstattung für die Augustiner-Chorherren zur Verfügung. Der Stiftbrief für das Kloster der Regulierten Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt blieb bedauerlicherweise nicht erhalten. Es ist jedoch überliefert, dass der Augustinerkonvent nach dem Willen des kaiserlichen Stifters aus Propst, Dechant und 30 Chorherren bestehen sollte – diese große Zahl mag aber kaum je erreicht worden sein, denn die auch hier höchst unzulängliche Dotation hätte dies nur schwerlich erlaubt: Kaiser Friedrich III. vermochte seiner neuen Stiftung lediglich Burg und Herrschaft Hornstein im ungarischen Komitat Ödenburg, diverse dazugehörige Besitzungen in Deutsch- bzw. Ungarisch-Brodersdorf und in Stinkenbrunn, ferner eine Mühle an der Schwarza in Breitenau und schließlich ein gegenüber der Wiener Neustädter Burg gelegenes Haus zu schenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Gottesdienst hatten die Augustiner-Chorherren ab 1459 zunächst in der Pfarrkirche St. Ulrich zu versehen. Aber es war die am 8. Juni 1460 vom päpstlichen Legaten Kardinal Bessarion zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria geweihte große, neue Kirche &amp;quot;ob dem tor&amp;quot; in der Burg (die spätere St. Georgskirche), die Friedrich III. von allem Anfang an den Augustiner-Chorherren zugedacht hatte. In einer Urkunde vom 12. Juni 1460 heißt es jedenfalls, dass der Kaiser &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;ein Convent und Kirchen in Unser Burg auf dem Tor in der Neustadt mit firsatz, datz darin hinfuer ewiglich wonen und ein Convent machen und sein sullen Probst, Dechant und der korherren sannd Augustius Regel, gepauet, erhebet und gestifftet...&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; habe. Rund ein Jahrzehnt wirkten die Augustiner-Chorherren tatsächlich an der Marienkirche &amp;quot;ob dem Tor&amp;quot; in der kaiserlichen Burg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einem Wunsch Kaiser Friedrichs III. entsprechend, schrieb Papst Pius II. den Augustiner-Chorherren von Wiener Neustadt eine Kleidung vor, die sich von der sonst üblichen durch ihre Farbe unterschied: anstatt eines weißen Habits sollten sie einen braunen Habit mit einem goldfarbenen Kreuz auf der rechten Seite tragen; für das Almuzium (Schultermäntelchen aus Pelz), das über dem Habit getragen wurde, war an Festtagen und in der Kirche die Farbe weiß (anstatt, wie üblich, schwarz) vorgesehen, an gewöhnlichen Tagen und außerhalb der Kirche hatte man ein braunes Almuzium umzunehmen. Wie dem Propst der Weltlichen Chorherren stand auch dem Propst der Augustiner-Chorherren das Recht auf Pontifikalien zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes der Augustiner-Chorherren ist als Relief auf dem Friedrichsgrab im Wiener Stephansdom festgehalten: zu beiden Seiten des in der Mitte thronenden hl. Ulrich kniet je ein Infulierter – vermutlich Propst und Dechant; diese Gruppe wird von dreizehn (ebenfalls knienden) Kanonikern umgeben. Die Inschrift lautet: &amp;quot;CANONICI REGULARES S. ULRICI NOVE CIVITATIS&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vom Einzug der Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt bis zur Übersiedelung nach St. Ulrich===&lt;br /&gt;
Es waren wohl in erster Linie Chorherren aus dem [[Stift St. Dorothea in Wien|Kloster St. Dorothea in Wien]], die 1459/60 in der Kaiserresidenz Wiener Neustadt Einzug hielten und den Grundstock für das neu gegründete Augustiner-Chorherrenkloster daselbst bildeten. Auch [[Wilhelm Bermut]], den Kaiser Friedrich III. als ersten Propst seiner neuesten Klostergründung präsentierte, ist ein Chorherr von St. Dorothea gewesen. Wahrscheinlich wurden vom Wiener Neustädter Augustinerkonvent auch die im Stift St. Dorothea in Wien geltenden Statuten übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm und die mit ihm gekommenen Kanoniker nahmen Wohnung in dem vom Kaiser &amp;quot;von der Eysnerin&amp;quot; gekauften, der Burg gegenüberliegenden Haus; als sich dies bald als zu klein erwies, erwarb Friedrich III. für die Augustiner-Chorherren noch zwei an das genannte Haus anschließende Bürgerhäuser. Hier hatten die Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren nun in den nächsten zehn Jahren ihren Sitz – wobei sich diese Örtlichkeit als sehr praktisch hinsichtlich der Abhaltung des Gottesdienstes in der den Häusern gegenüberliegenden Marienkirche der kaiserlichen Burg erwies, die Betreuung der ziemlich weit entfernt davon liegenden Pfarrkirche St. Ulrich jedoch zu einem Problem werden ließ. Dieses Problem wurde ein Jahrzehnt später folgendermaßen gelöst: vermutlich 1468/69, also zur Zeit von Kaiser Friedrichs III. Zweitem Romzug, übersiedelten die Augustiner-Chorherren aus ihren bei der kaiserlichen Burg gelegenen Häusern in die Vorstadt St. Ulrich und bezogen Wohnung in den zur Pfarrkirche St. Ulrich gehörigen Gebäuden: Friedrich III. hatte Papst Paul II. darauf hingewiesen, dass die Entfernung zwischen Kloster und Kirche der Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren so groß sei, dass die Chorherren ihren Verpflichtungen weitaus besser nachgehen könnten, würden sie bei der Kirche St. Ulrich selbst wohnen. Daraufhin beauftragte der Papst den Abt des Stiftes Neukloster in Wiener Neustadt, St. Ulrich zu einer Konventspropstei zu erheben und das Kapitel der Augustiner-Chorherren von der Marienkirche ob dem Tor in der Burg nach St. Ulrich zu versetzen. Die Angelegenheit zog sich hin: erst 1471 hatte Abt Johannes die ihm anbefohlene Errichtung der Propstei St. Ulrich und die Versetzung der Augustiner-Chorherren dorthin durchgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Augustiner-Chorherrenstift in Wiener Neustadt und der St.-Georgs-Ritterorden===&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1478 holte Kaiser Friedrich III. den von ihm gegründeten und 1469 von Papst Paul II. bestätigten St.-Georgs-Ritterorden nach Wiener Neustadt. Dem bisher eher bescheiden dotierten Ritterorden übergab Friedrich III. die seit der Übersiedelung der Augustiner-Chorherren an die Kirche St. Ulrich wieder zur Verfügung stehende, der hl. Maria geweihte Kirche ''ob dem tor'' (die spätere St. Georgskirche) in der kaiserlichen Burg von Wiener Neustadt. Damit nicht genug, scheint Hans Siebenhirter, erster Hochmeister des St.-Georgs-Ritterordens, dem Kaiser die Idee eingegeben zu haben, den Papst um eine Vereinigung des St.-Georgs-Ritterordens mit dem Bistum Neustadt zu ersuchen: diese Vereinigung hätte die Wiener Neustädter Domkirche mit allen dazugehörigen Besitzungen unter den Einfluss der Georgsritter gebracht und ihre Position sehr gestärkt; Papst Sixtus IV. zeigte sich höchst entgegenkommend und vereinigte tatsächlich mit Bulle vom 24. Juni 1479 Bistum Neustadt und St.-Georgs-Ritterorden. Diese Verbindung Bistum – St.-Georgs-Ritterorden bestand jedoch nur auf dem Papier: Bischof Peter von Neustadt bekämpfte sie mit großer Ausdauer und weigerte sich hartnäckig, dem St.-Georgs-Ritterorden irgendwelche Rechte an der Liebfrauen-Pfarrkirche, also dem nunmehrigen Dom, zuzugestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Matthias Corvinus im Jahr 1490 und der Zurückgewinnung der von den Ungarn besetzten Stadt Wiener Neustadt durch König Maximilian I. verfolgte der seine letzten Lebensjahre in Linz verbringende Kaiser Friedrich III. einen neuen Plan, um sowohl Ansehen als auch Ausstattung des St.-Georgs-Ritterordens aufzubessern: Als die Ungarn im Jahr 1487 in die westliche Vorstadt der überaus tapfer verteidigten Stadt Wiener Neustadt eingedrungen waren, war bei den heftigen Kämpfen die Kirche St. Ulrich und das dort befindliche Kloster der Augustiner-Chorherren weitgehend zerstört worden. Nach der Vertreibung der ungarischen Besatzung im Jahr 1490/91 fehlte es an Mitteln, um Kirche und Kloster St. Ulrich unverzüglich wiederaufzubauen. Das mag Kaiser Friedrich III. veranlasst haben, die Übersiedelung der obdachlos gewordenen Augustiner-Chorherren an die Domkirche (bzw. in den dazugehörigen Propsthof) in Erwägung zu ziehen. Da Bischof Peter Engelbrecht am 17. Februar 1491 gestorben war, hatte man von dieser Seite keinen Protest zu erwarten; auch Peter Engelbrechts Nachfolger würde gegen diese Entscheidung kaum etwas einzuwenden haben, beabsichtigte der Kaiser doch [[Augustin Kiebinger]], Propst der Augustiner-Chorherren von Wiener Neustadt, dem Papst als neuen Bischof von Wiener Neustadt zu präsentieren. Allerdings stellte Friedrich III. die Bedingung, dass sowohl der zukünftige Bischof als auch der gesamte Konvent der Augustiner-Chorherren in Zukunft den Ordenshabit der Georgsritter tragen müssten: so würde man endlich die schon (allerdings nur vom Kaiser und den Georgsrittern) so lange gewünschte tatsächliche Vereinigung von St.-Georgs-Ritterorden und Bistum – und nun auch Augustiner-Chorherrenstift – erreichen. Nachdem Hochmeister Johann Geumann und sechs Angehörige des St.-Georgs-Ritterordens diesem Vorhaben Friedrichs III. ihre Zustimmung gegeben hatten, erklärte sich auch der zum Kaiser nach Linz befohlene Chorherrenpropst Augustin Kiebinger bereit, die Neustädter Bischofswürde zu den oben genannten Bedingungen anzunehmen. Die von Kaiser Friedrich III. in Linz beurkundete &amp;quot;verainigung und vertrag&amp;quot; zwischen dem Hochmeister des St.-Georgs-Ritterordens und dessen Mitbrüdern einerseits, sowie dem Propst von St. Ulrich und dem Konvent der Regulierten Augustiner-Chorherren andererseits, datiert vom 20. April 1491. Dieser Vertrag räumt den Augustiner-Chorherren Anrecht auf Wohnung und Seelsorge bei der bisher dem St.-Georgs-Ritterorden inkorporierten Wiener Neustädter Pfarrkirche, also dem Dom, ein. Neben der den Augustiner-Chorherren als &amp;quot;sitz und wonung&amp;quot; zugestandenen Domkirche verblieb ihnen aber nach wie vor die Propstei St. Ulrich. Außerdem erhielt der Augustiner-Konvent noch das nahe bei Wiener Neustadt gelegene Dorf Saubersdorf, ferner 100 Pfund Pfennig jährliche Gült aus dem kaiserlichen Kammergut und schließlich noch das Privileg, jährlich 24 Dreiling Wein in Wiener Neustadt ausschenken zu dürfen, und zwar ohne dafür &amp;quot;Ungeld&amp;quot; entrichten zu müssen. Doch ungeachtet dieser recht beachtlichen Schenkungen und Benefizien scheint bei den Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren schon bald nach Vertragsabschluss ein Sinneswandel eingetreten zu sein: plötzlich lehnten sie es strikt ab, zum äußeren Zeichen für die erfolgte Vereinigung den Habit des St.-Georgs-Ritterordens anzuziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der von Alter und Krankheit geplagte Kaiser musste sich damit abfinden, dass die von ihm so sehr gewünschte Vereinigung des St.-Georgs-Ritterordens mit Bistum und Augustiner-Chorherrenstift gescheitert war. Kurz vor seinem Tod im August 1493 setzte sich Friedrich III. beim Heiligen Vater in Rom dafür ein, dass man dort von der Inkorporation der Domkirche in den St.-Georgs-Ritterorden, &amp;quot;die denselben orden nit nuzlich gewesen ist&amp;quot;, wieder Abstand nehme und den Dom dem Augustinerkloster inkorporiere. Dem kaiserlichen Wunsch wurde entsprochen und Rom erkannte in der Folge in Wiener Neustadt die Augustiner-Chorherren als Kathedralkapitel an. Ein Zugeständnis gab es auch hinsichtlich der Kleidung der Augustiner: es wurde ihnen schriftlich bestätigt, von nun an wieder auf der Straße den braunen Habit (in der Kirche &amp;quot;mit Fehen Chorkappen&amp;quot;) tragen zu dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als am 24. Juni 1495 Bischof Augustin von Neustadt starb, wurde nicht – wie man hätte erwarten können – der Propst der Augustiner-Chorherren [[Johann Huntzdorfer]] zu dessen Nachfolger gewählt. Es ist wahrscheinlich der St.-Georgs-Ritterorden gewesen, der eine Präsentation Huntzdorfers zu hintertreiben gewusst hatte. So unterblieb die Ernennung eines neuen Bischofs von Neustadt vorderhand: die Sympathie König Maximilians I. – der 1493, nach dem Tod seines Vaters, Kaiser Friedrich III., an die Regierung gekommen war – gehörte ohne Zweifel dem St.-Georgs-Ritterorden und der König unternahm nichts gegen dessen Interessen. Allerdings machte man weder von weltlicher noch von geistlicher Seite den Augustiner-Chorherren den Besitz der Domkirche streitig. Sowohl Propst Johann Huntzdorfers Nachfolger [[Bernhard Zottmann]] wie auch der nächste Chorherrenpropst, [[Egidius Wiblinger]], erhielten ohne Schwierigkeiten seitens des Papstes die Ansprüche der Augustiner-Chorherren auf den Wiener Neustädter Dom zugesichert (1497 bzw. 1504).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1506 wurden die Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren auch durch Maximilian I. in all ihren Rechten bestätigt. Während der bis zum Jahr 1521 andauernden Sedisvakanz des Neustädter Bistums oblag dem Kapitel der Augustiner-Chorherren (das bereits während der Amtszeit des Bischofs Augustin Kiebinger 1491 bis 1495 gemeinsam mit diesem Bischof die Diözese regiert hatte) allein die Verwaltung des kleinen Stadtbistums. Die damit verbundenen Pflichten erfüllte das Kapitel zum einen Teil selbst, zum anderen Teil hatte sie sie einem Offizial übertragen. Mit dieser Entwicklung konnte natürlich der St.-Georgs-Ritterorden auf keinen Fall einverstanden sein. So versuchten die Georgsritter ab 1497 mit ständigen Protesten, die Stellung der Augustiner-Chorherren zu erschüttern; Unterstützung erhielten sie dabei von dem ihnen stets wohlgesinnten König: Maximilian I. – der erst 1506 den Augustiner-Chorherren den Besitz der Domkirche bestätigt hatte – sprach noch im selben Jahr die genannte Kirche den Georgsrittern zu. Das heißt, er ließ ihnen die Wahl, entweder in Zukunft den Habit des St.-Georgs-Ordens zu tragen oder auf die Dompfarre zu verzichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren zeigten sich weder zur Annahme der Ordenstracht der Georgsritter noch zum Verzicht auf die Domkirche bereit. So sah sich Kaiser Maximilian I. veranlasst, eine Kommission einzusetzen, die die Augustiner zur Übergabe der Domkirche an den St.-Georgs-Ritterorden bewegen sollte. Worauf beide Seiten Urkunden vorlegten, die ihre Rechte und Ansprüche bestätigten; man war nicht im Geringsten zum Nachgeben bereit. Die Verhandlungen zogen sich hin – erhielten die Augustiner-Chorherren in dieser Angelegenheit Unterstützung durch den Papst, so hatten die Georgsritter Kaiser Maximilian auf ihrer Seite. Auf Befehl des Kaisers wurden dem Augustiner-Chorherrnstift die aus der Innehabung der Domkirche resultierenden Einkünfte entzogen. Dieser seitens des Kaisers ausgeübte massive Druck brachte schließlich die Entscheidung: im Jahr 1508 resignierten die Augustiner-Chorherren und zogen sich aus dem Dom zurück. Mehr als ein Jahrzehnt später, 1522/23, schöpften sie noch einmal die Hoffnung, doch wieder zu ihrem Recht zu kommen, und zwar mit Hilfe Erzherzog Ferdinands, des späteren Königs und Kaisers Ferdinand I. Doch die Bemühungen des Konvents, an dessen Spitze damals Propst [[Paulus Nuster]] stand, brachten keinen Erfolg: Sowohl der St.-Georgs-Ritterorden als auch der 1521 eingesetzte neue Bischof von Neustadt Dr. Dietrich Kammerer setzten sich gegen die Wünsche und Bitten der Augustiner-Chorherren energisch zur Wehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation – das Ende der Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren=== &lt;br /&gt;
Ende der zwanziger Jahre des 16. Jahrhunderts fand die Lehre Martin Luthers auch in Wiener Neustadt Eingang. Es waren hier vor allem die Augustiner-Chorherren mit ihrem Sitz in der Vorstadt St. Ulrich, die sich der neuen Lehre gegenüber höchst aufgeschlossen zeigten – schon um das Jahr 1528 wurde sie in der Kirche St. Ulrich gepredigt. Bei der zu diesem Zeitpunkt vom Landesfürsten angeordneten Visitation aller Klöster wurde bezüglich des Wiener Neustädter Augustiner-Chorherrenklosters St. Ulrich berichtet, dass man hier nicht nur &amp;quot;etliche buecher der neuen opinion&amp;quot; entdeckt hätte, sondern dass auch die Klosterdisziplin sehr zu wünschen übrig lasse. Daraufhin erging unverzüglich an die Visitatoren der Befehl, keine Zeit zu verlieren und sofort &amp;quot;wider Brobst, Dechant und Khelner zu St. Ulrich vor der Newenstat von wegen Irer aufrürigen verkherlichen unnd lutherischen secten&amp;quot; zu verfahren. Da sich jedoch Dechant und Kellermeister rechtzeitig dem Zugriff der Obrigkeit entzogen hatten, konnten nur Propst Paulus Nuster, ferner ein Profess namens Augustin sowie drei weitere, namentlich nicht genannte Chorherren festgenommen werden. Sie wurden nach Wien gebracht und in Haft genommen. Relativ rasch erklärten sich Propst Paulus und der Profess Augustin zu einem öffentlichen Widerruf bereit; von dem Bischof-Koadjutor Johann Fabri wurde ihnen daraufhin die Lossprechung gewährt. Die drei anderen Chorherren scheinen nicht bereit gewesen zu sein, zu widerrufen; sie wurden weiterhin in Wien gefangen gehalten – wobei für ihren Unterhalt im Gefängnis der Wiener Neustädter Augustinerkonvent aufzukommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch im Jahr 1528 veranlasst die mit der Visitation betraute landesfürstliche Kommission Propst Paulus Nuster, einen Laien, und zwar den Wiener Neustädter Bürger Hans Mitterpacher, zum Verwalter der &amp;quot;hauswirtschaft&amp;quot; des wirtschaftlich arg zerrütteten Klosters St. Ulrich einzusetzen. Als 1529 die Türken gegen Wien zogen, wurde in aller Eile auch die Grenzstadt Wiener Neustadt in Verteidigungszustand gesetzt. Dazu gehörte u. a. die Abtragung verschiedener Gebäude in den Vorstädten, um dem Feind keine Möglichkeit zu geben, sich darin zu verschanzen. Auch das nach der ungarischen Belagerung nur notdürftig wieder instandgesetzte Kloster und die Kirche von St. Ulrich wurden damals demoliert. Nach Beendigung der Belagerung Wiens und dem Abzug des türkischen Heeres wurde in Wiener Neustadt ein Wiederaufbau des damals von seinen Bewohnern wahrscheinlich bereits aufgegebenen und verlassenen Augustiner-Chorherrenklosters von St. Ulrich wohl nicht mehr in Erwägung gezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch im Jahr 1529 setzten von verschiedenen Seiten Bemühungen ein, sich die zu der abgebrochenen Augustinerpropstei St. Ulrich gehörigen Besitzungen zu sichern: So wurde zunächst gleich einmal der Rat der Stadt Wiener Neustadt bei König Ferdinand I. vorstellig, um sich die genannten Güter zu erbitten. Dem Wunsch der Wiener Neustädter wurde 1530 entsprochen, allerdings nur unter der Bedingung, den Erlös aus diesen nun von der Stadt verwalteten ehemaligen Besitzungen der Augustiner-Chorherren zur Verbesserung der Stadtbefestigung zu verwenden. Es war aber offensichtlich nur Grund- und Hausbesitz, den der König der Stadt Wiener Neustadt damals überlassen hatte: die Klosterbibliothek sowie wertvolle Paramente, Ornate und Kirchengerät wurden auf Befehl Ferdinands I. hin in die Burg gebracht und gingen so vermutlich in das Eigentum des St.-Georgs-Ritterordens über. Eine zum Kloster St. Ulrich gehörige Mühle und das Sägewerk in Breitenau wurden nicht der Stadt, sondern dem Rentmeister zugesprochen. Gleichzeitig mit der Stadt Wiener Neustadt versuchte auch der damalige Neustädter Bischof Dr. Dietrich Kammerer, zugunsten seines recht unzulänglich dotierten Bistums die Augustiner-Chorherren von St. Ulrich zu beerben. Bischof Dietrich (der 1528 in den St.-Georgs-Ritterorden eingetreten war) erhielt dabei wertvolle Hilfe durch den Bischof von Wien Johann Fabri, der als Beichtvater und Berater König Ferdinands I. großen Einfluss auf dessen Entscheidungen hatte. Tatsächlich gelang es den Bischöfen von Wien und von Wiener Neustadt, durchzusetzen, dass das Klostergut von St. Ulrich wieder der Stadt Wiener Neustadt entzogen wurde. Es wurde zunächst der Universität Wien inkorporiert, aber schon bald darauf (am 6. September 1535) dem Bischof von Wiener Neustadt zur Verwaltung und Nutznießung überlassen. Als Gegenleistung war vom Bistum Wiener Neustadt jährlich eine Summe von 443 Gulden an die Wiener Universität zu zahlen. Als es in der Folge immer wieder zu Differenzen zwischen Universität und Bistum kam, hat Kaiser Ferdinand I. am 1. November 1551 dem Bistum Wiener Neustadt &amp;quot;das Sanct Ulrich Closter sambt desselben gründen, güttern, nutzungen, einkhomen, freyhaiten, rechten und gerechtigkeiten, nichts ausgeschlossen, gnediglich übergeben, incorporirt und eingeleibt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Für das Kloster der Regulierten Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt – diese waren zur Betreuung der neuen Kirche ''ob dem tor'' in der Burg (der späteren St. Georgskirche) vorgesehen – hatte der kaiserliche Stifter im Jahr 1459 folgende Dotation vorgesehen: Die (damals auf ungarischem Boden gelegene) Herrschaft Hornstein mit etlichen anderen ''stukhen und guettern'', ferner eine Mühle an der Schwarza in Breitenau und – als vorläufige Wohnung für die Augustiner-Chorherren gedacht – ein Haus in Wiener Neustadt. Im Jahr darauf schenkte Friedrich III. dem Augustiner-Chorherrenstift die Burg Pitten, zwei weitere an ihr Wiener Neustädter Haus angrenzende Häuser mit allen Rechten und Zugehörungen, sicherte ihnen den jährlichen Bezug von 60 Fuder Salz aus den Salinen in Aussee zu und übergab ihnen schließlich die bis dahin dem Stift Weltlicher Chorherren inkorporierte Pfarrkirche St. Ulrich samt den dazugehörigen Einkünften. Trotz der steten Fürsorge Friedrichs III. für die beiden Wiener Neustädter Chorherrenstifte blieb deren Ausstattung immer noch hinter den tatsächlich vorhandenen Erfordernissen zurück. Dies hatte nicht nur eine Reduzierung der ursprünglich für Wiener Neustadt vorgesehenen Kanonikerzahl zur Folge, sondern war Anlass für die zuletzt nur Schwierigkeiten mit sich bringenden Bestrebungen, Chorherrenstifte und St.-Georgs-Ritterorden zu vereinigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Stadt Wiener Neustadt und somit auch das 1459 gegründete Chorherrenstift befanden sich infolge ihrer zeitweiligen Zugehörigkeit zum Herzogtum Steiermark während des Mittelalters im Einflussgebiet des Erzbischofs von Salzburg. Als 1469 das Bistum Neustadt gegründet wurde, entzog Papst Paul II. die neue Diözese – und damit auch die hier befindlichen beiden Chorherrenstifte – der Jurisdiktion des Salzburger Erzbischofs. Mit der 1477 erfolgten Ernennung Peter Engelbrechts, des Dechanten der Weltlichen Chorherren in Wiener Neustadt, zum Bischof von Neustadt gingen die Rechte des Erzbischofs von Salzburg an den Neustädter Bischof über. Häufig übten jedoch päpstliche Legaten bei den Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren die Rechte des Ortsordinarius aus, nahmen Bestätigungen und Verleihungen vor und erteilten Sondervollmachten. Es war ganz im Sinne Kaiser Friedrichs III., möglichst viele Rechtshandlungen vom Apostolischen Stuhl selbst bestätigen oder durchführen zu lassen. Dass man sich in Angelegenheiten des Augustiner-Chorherrenklosters besonders oft an Rom zu wenden hatte, ist damit zu erklären, dass das Neustädter Bistum von 1495 bis 1521 vakant war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Sowohl Pröpste als auch Kanoniker der Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt waren fast durchwegs bürgerlicher oder bäuerlicher Herkunft. Sie kamen aus steirischen, kärntnerischen, salzburgischen und österreichischen Klöstern und Pfarren, aber auch aus Passau, aus Chiemsee usw.; es waren Geistliche der Erzdiözese Salzburg und der Diözese Passau. Während jedoch das weltliche Chorherrenstift zu Wiener Neustadt in enger Verbindung zum Stift Spital am Pyhrn stand, hatte das Stift St. Dorothea in Wien großen Einfluss auf das Wiener Neustädter Augustiner-Chorherrenstift. Zu bischöflichen Würden gelangte der aus Chiemsee stammende Augustin Kiebinger, der von 1491 bis 1495 an der Spitze des Neustädter Bistums stand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
Im Jahr 1493 wurde dem Augustiner-Chorherrenstift zu Wiener Neustadt die Unserer Lieben Frau geweihte [[Liste der Pfarren des Stiftes Wiener Neustadt#Unserer-Lieben-Frauen-Pfarrkirche|Wiener Neustädter Pfarrkirche]] inkorporiert. Es war dies eine dreischiffige, spätromanisch-frühgotische Pfeilerbasilika aus dem 13. Jahrhundert mit einem Anfang des 14. Jahrhunderts anstelle der romanischen Choranlage errichteten gotischen Querschiff und gotischem Chor. Das romanische Westwerk mit den beiden rund 60 m hohen Türmen (Ende des 19. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit abgetragen und rekonstruiert) stammt aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Friedrich III. geht eine heute noch z. T. erhaltene neue Innenausstattung zurück, so unter anderem die mit reichem Blendmaßwerk, dem &amp;quot;AEIOU&amp;quot; und &amp;quot;1449&amp;quot; dekorierte &amp;quot;Hofempore&amp;quot; und die an den Pfeilern des Mittelschiffs stehenden lebensgroßen Apostelstatuen sowie die darunter angebrachten &amp;quot;Prophetentafeln&amp;quot; vom Meister des Winkler-Epitaphs (um 1490). In dem durch die Gründung des Bistums Neustadt 1469 zur Bischofskirche gewordenen Gotteshaus befinden sich eine Grablege der früh verstorbenen Kinder Erzherzogs Ernst des Eisernen (die wappengeschmückte Deckplatte des Hochgrabes überdauerte die Barockisierung des Doms im 18. Jahrhundert) sowie einige Grabdenkmäler Wiener Neustädter Bischöfe. Die Marmorkanzel im Mittelschiff ist ein Geschenk des Kardinals, Bischofs von Wien und Administrator des Bistums Neustadt Melchior Khlesl aus den Jahren 1608/09. Über das Aussehen des mittelalterlichen Hauptaltars ist nichts bekannt; seit 1767/76 steht an seiner Stelle ein mächtiger, sehr kostbarer Barockaltar; auf dem Altarbild ist Mariä Himmelfahrt (ein Werk des Gian Domenico Cignaroli, 1773) dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren hatten aber bereits vor der Domkirche die der hl. Maria geweihte Kirche &amp;quot;ob dem tor&amp;quot; in der Burg inne. Diese in den Jahren 1449 bis 1460 in den Westtrakt der Wiener Neustädter Burg eingebaute ursprüngliche Marien- und spätere Georgskirche ist auf Wunsch Friedrichs III. den Augustiner-Chorherren sofort nach Fertigstellung im Jahr 1460 übergeben worden. Es war dies eine über einer gewaltigen gotischen Torhalle errichtete dreischiffige Hallenkirche mit geradem, von drei Fenstern durchbrochenen Chorabschluss. Von den acht 13 m hohen Säulen, die das Mittelschiff gegen die Seitenschiffe hin abgrenzten, hat die Zerstörungen, die Bomben im Zweiten Weltkrieg in der Kirche anrichteten, lediglich eine einzige, freskengeschmückte Säule gegenüber dem Oratorium der Kaiserin unversehrt überdauert. Entlang der Nord-, West- und Südwand der Kirche zieht sich eine auf Kragsteinen ruhende, steinerne Galerie hin, die an der Nordwand im reich geschmückten Oratorium des Kaisers, an der Südwand im Oratorium der Kaiserin endet. Unter den Stufen zum Hochaltar fand Kaiser Maximilian I. (verstorben 1519) seine letzte Ruhestätte. Das mittlere der drei mit prachtvollen Glasgemälden aus der Mitte des 16. Jahrhunderts versehenen Fenstern der Ostwand (durch Auslagerung im Zweiten Weltkrieg vor der Zerstörung bewahrt) zeigt Maximilian I. mit seiner Familie; darüber eine Darstellung der Taufe Christi. Von der Originalverglasung der Fenster der Nord- und Westwand hat sich nichts erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Kaiser Friedrich III. geht der große holzgeschnitzte, vergoldete Reliquienschrein zurück. In dem zwölfeckigen Taufbecken aus rotem Marmor, das Mitte des 15. Jahrhunderts geschaffen wurde, ist mit großer Wahrscheinlichkeit der 1459 in der Wiener Neustädter Burg geborene spätere Kaiser Maximilian I. getauft worden. An der dem Burghof zugewandten Außenseite der St. Georgskirche – als die Kirche 1479 vom Kaiser dem St.-Georgs-Ritterorden übergeben wurde, scheint bald darauf ein Patroziniumswechsel stattgefunden zu haben - befindet sich die berühmte Wappenwand, fertiggestellt im Jahre 1453: 107 Wappenreliefs umgeben das Mittelfenster der Ostwand; unterhalb des Fensters steht die von den Wappen der habsburgischen Erbländer flankierte Statue Friedrich III. dargestellt mit den Insignien eines österreichischen Erzherzogs. Nach oben schließen drei Baldachinnischen mit den Sandsteinfiguren der hl. Maria (&amp;quot;Kirschenmadonna&amp;quot;), der hl. Katharina und der hl. Barbara die Wappenwand ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Aussehen der zuerst dem Stift Weltlicher Chorherren, später dann (1459) den Augustiner-Chorherren übergebenen Kirche St. Ulrich und dem dazugehörigen Kloster ist nichts bekannt: Kirche und Kloster St. Ulrich wurden bereits bei der Belagerung der Stadt Wiener Neustadt durch die Ungarn in den Jahren 1485 bis 1487 schwer beschädigt, daraufhin vermutlich nur notdürftig wiederhergestellt und schließlich im Türkenjahr 1529 endgültig abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Gertrud Buttlar-Gerhartl: Wiener Neustadt – Bischofssitz von 1469–1783. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich N.F. 52 (1986), S. 1–54.&lt;br /&gt;
* Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs, Niederösterreich südlich der Donau. Teil 2, Horn / Wien 2003.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fasching: Die Chorherrenstifte von Wiener Neustadt. Eine rechtsgeschichtliche Untersuchung. Veröffentlichungen des Kirchenhistorischen Instituts der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Bd. 2. Wien 1966.&lt;br /&gt;
* Johann Franzl: Studien zur Geschichte des Protestantismus in Wiener Neustadt. Diss. Univ. Wien. Wien 1974.&lt;br /&gt;
* Gertrud Gerhartl: Der Dom zu Wiener Neustadt 1279. Wien / Köln / Graz 1979.&lt;br /&gt;
* Gertrud Gerhartl: Wiener Neustadt. Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft. Wien &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;1993.&lt;br /&gt;
* Johann Jobst: Die Neustädter Burg und die k.u.k. Theresianische Militärakademie. Wien / Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
* Josef Mayer: Geschichte von Wiener Neustadt. Bd. 2. Wiener Neustadt 1926.&lt;br /&gt;
* Claudia Moddelmog: Königliche Stiftungen des Mittelalters im historischen Wandel: Quedlinburg und Speyer, Königsfelden, Wiener Neustadt und Andernach. Berlin 2012, S. 205–222.&lt;br /&gt;
* Georg Niemetz: Der Dom zu Wiener Neustadt. München 1984 (Schnell-Kunstführer, 1196).&lt;br /&gt;
* Erwin Reidinger: Planung oder Zufall. Wiener Neustadt 1192. Wiener Neustadt 1995.&lt;br /&gt;
* Roland  Schäffer: Adelige – Schwaben – Hofbeamte – Prinzenlehrer – arme Bischöfe. Die Pfarrer von Riegersburg im 14. und 15. Jahrhundert. In: Festschrift Gerhard Pferschy zum 70. Geburtstag. Hg. von Gernot Peter Obersteiner / Peter Wiesflecker. Graz 2000 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, 12), S. 577–601.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Wiener Neustadt</title>
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		<updated>2022-07-15T14:41:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Protestantismus und Gegenreformation – das Ende der Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1459&lt;br /&gt;
|Datum bis=1529&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Kirchlich gehörte Wiener Neustadt – von 1469 bis 1783 existierte ein Bistum Wiener Neustadt – zunächst zum Erzbistum Salzburg; seit 1722 war es ein Suffragan des Erzbistums Wien. Nach Aufhebung des Wiener Neustädter Bistums im Jahr 1783 fiel das Wiener Neustädter Stadtgebiet an das Erzbistum Wien.&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=de nova sua civitate edificatione (1194/95), apud Novam Civitatem (1204), Nova civitas in publico placito (1217), Niwenstat, muta in Nova Civitate (1244), in der Newentatt (1321), enhalben der Newenstat (1333), S(igillum) Vindobonensis Nove Civitatis (1358), ze der Newnstat (1363), von der Neustadt (1368), Urbe Novella (1425), Newstatt (1437/38), Neustadt (1460), die Wienerische Neustadt (Mitte 17. Jahrhundert), k.k. Stadt Wienerisch Neustadt (1747), k.k. Stadt Wiener Neustadt (1785)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=St. Ulrich, ab 1460 hl. Jungfrau Maria (Hallenkirche &amp;quot;ob dem tor&amp;quot;), ab 1469 wieder St. Ulrich&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Statutarstadt 50 km südlich von Wien gelegen. Ursprünglich zum Besitz der Grafen Formbach-Pitten gehörig, ging das im Mittelalter zwischen den Herzogtümern Österreich und Steiermark gelegene Gebiet 1158 an die Markgrafen von Steier aus dem Geschlecht der Traungauer über. Nach dem Aussterben der Traungauer 1192 an den im benachbarten Österreich regierenden Babenberger Herzog Leopold V. Bis Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Stadt Wiener Neustadt immer wieder als zur Steiermark gehörig bezeichnet; erst dann gilt Wiener Neustadt als österreichische Stadt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung=== &lt;br /&gt;
In der auf Befehl des Babenbergerherzogs Leopold V. um 1194 nahe der Grenze gegen Ungarn angelegten, stark befestigten &amp;quot;Neuen Stadt&amp;quot; sind bereits ein halbes Jahrhundert nach der Stadtgründung eine beachtliche Anzahl von Ordensniederlassungen nachzuweisen: um das Jahr 1250 gibt es hier ein Kloster der Minoriten, eines der Dominikaner und eines der Dominikanerinnen sowie ein Haus des Deutschen Ordens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Regierungszeit des frommen Habsburgers Friedrich III. (1440–1493) – dessen bevorzugte Residenz viele Jahrzehnte hindurch Wiener Neustadt gewesen ist – wird die Zahl der Niederlassungen geistlicher Orden innerhalb seiner Residenzstadt dann sogar mehr als verdoppelt. Zu den bereits bestehenden Klöstern (wobei das Dominikanerinnenkloster allerdings Anfang der vierziger Jahre des 15. Jahrhunderts zu bestehen aufhört) kommen nun noch ein Zisterzienserkloster (Stift Neukloster 1444), ein Stift Weltlicher Chorherren (1444), ein Stift Regulierter Augustiner-Chorherren (1459), eine Niederlassung des St.-Georgs-Ritterordens (seit ca. 1476) sowie ein Paulinerkloster (1480). Außerdem gelingt es Kaiser Friedrich III. im Jahr 1469, die Zustimmung des Papstes für die Errichtung eines Bistums in Wiener Neustadt zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Bulle vom 20. Dezember 1459 gab Papst Pius II. seine Zustimmung zur Gründung eines Augustiner-Chorherrenklosters in Wiener Neustadt und erfüllte damit den lange gehegten Wunsch Kaiser Friedrichs III. – er hatte ihn bereits anlässlich seines Romaufenthaltes 1452 Papst Nikolaus V. vorgetragen. Eine wichtige Voraussetzung für diese Klostergründung war bereits im Juni 1459 geschaffen worden: nachdem die Weltlichen Chorherren auf die ihrem Stift inkorporierte [[Liste der Pfarren des Stiftes Wiener Neustadt #Pfarre St. Ulrich|Pfarrkirche St. Ulrich]], in der westlichen Vorstadt von Wiener Neustadt gelegen, verzichtet hatten, stand diese Kirche (und zwar mit allen Zugehörungen) nun als Ausstattung für die Augustiner-Chorherren zur Verfügung. Der Stiftbrief für das Kloster der Regulierten Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt blieb bedauerlicherweise nicht erhalten. Es ist jedoch überliefert, dass der Augustinerkonvent nach dem Willen des kaiserlichen Stifters aus Propst, Dechant und 30 Chorherren bestehen sollte – diese große Zahl mag aber kaum je erreicht worden sein, denn die auch hier höchst unzulängliche Dotation hätte dies nur schwerlich erlaubt: Kaiser Friedrich III. vermochte seiner neuen Stiftung lediglich Burg und Herrschaft Hornstein im ungarischen Komitat Ödenburg, diverse dazugehörige Besitzungen in Deutsch- bzw. Ungarisch-Brodersdorf und in Stinkenbrunn, ferner eine Mühle an der Schwarza in Breitenau und schließlich ein gegenüber der Wiener Neustädter Burg gelegenes Haus zu schenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Gottesdienst hatten die Augustiner-Chorherren ab 1459 zunächst in der Pfarrkirche St. Ulrich zu versehen. Aber es war die am 8. Juni 1460 vom päpstlichen Legaten Kardinal Bessarion zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria geweihte große, neue Kirche &amp;quot;ob dem tor&amp;quot; in der Burg (die spätere St. Georgskirche), die Friedrich III. von allem Anfang an den Augustiner-Chorherren zugedacht hatte. In einer Urkunde vom 12. Juni 1460 heißt es jedenfalls, dass der Kaiser &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;ein Convent und Kirchen in Unser Burg auf dem Tor in der Neustadt mit firsatz, datz darin hinfuer ewiglich wonen und ein Convent machen und sein sullen Probst, Dechant und der korherren sannd Augustius Regel, gepauet, erhebet und gestifftet...&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; habe. Rund ein Jahrzehnt wirkten die Augustiner-Chorherren tatsächlich an der Marienkirche &amp;quot;ob dem Tor&amp;quot; in der kaiserlichen Burg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einem Wunsch Kaiser Friedrichs III. entsprechend, schrieb Papst Pius II. den Augustiner-Chorherren von Wiener Neustadt eine Kleidung vor, die sich von der sonst üblichen durch ihre Farbe unterschied: anstatt eines weißen Habits sollten sie einen braunen Habit mit einem goldfarbenen Kreuz auf der rechten Seite tragen; für das Almuzium (Schultermäntelchen aus Pelz), das über dem Habit getragen wurde, war an Festtagen und in der Kirche die Farbe weiß (anstatt, wie üblich, schwarz) vorgesehen, an gewöhnlichen Tagen und außerhalb der Kirche hatte man ein braunes Almuzium umzunehmen. Wie dem Propst der Weltlichen Chorherren stand auch dem Propst der Augustiner-Chorherren das Recht auf Pontifikalien zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes der Augustiner-Chorherren ist als Relief auf dem Friedrichsgrab im Wiener Stephansdom festgehalten: zu beiden Seiten des in der Mitte thronenden hl. Ulrich kniet je ein Infulierter – vermutlich Propst und Dechant; diese Gruppe wird von dreizehn (ebenfalls knienden) Kanonikern umgeben. Die Inschrift lautet: &amp;quot;CANONICI REGULARES S. ULRICI NOVE CIVITATIS&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vom Einzug der Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt bis zur Übersiedelung nach St. Ulrich===&lt;br /&gt;
Es waren wohl in erster Linie Chorherren aus dem [[Stift St. Dorothea in Wien|Kloster St. Dorothea in Wien]], die 1459/60 in der Kaiserresidenz Wiener Neustadt Einzug hielten und den Grundstock für das neu gegründete Augustiner-Chorherrenkloster daselbst bildeten. Auch [[Wilhelm Bermut]], den Kaiser Friedrich III. als ersten Propst seiner neuesten Klostergründung präsentierte, ist ein Chorherr von St. Dorothea gewesen. Wahrscheinlich wurden vom Wiener Neustädter Augustinerkonvent auch die im Stift St. Dorothea in Wien geltenden Statuten übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm und die mit ihm gekommenen Kanoniker nahmen Wohnung in dem vom Kaiser &amp;quot;von der Eysnerin&amp;quot; gekauften, der Burg gegenüberliegenden Haus; als sich dies bald als zu klein erwies, erwarb Friedrich III. für die Augustiner-Chorherren noch zwei an das genannte Haus anschließende Bürgerhäuser. Hier hatten die Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren nun in den nächsten zehn Jahren ihren Sitz – wobei sich diese Örtlichkeit als sehr praktisch hinsichtlich der Abhaltung des Gottesdienstes in der den Häusern gegenüberliegenden Marienkirche der kaiserlichen Burg erwies, die Betreuung der ziemlich weit entfernt davon liegenden Pfarrkirche St. Ulrich jedoch zu einem Problem werden ließ. Dieses Problem wurde ein Jahrzehnt später folgendermaßen gelöst: vermutlich 1468/69, also zur Zeit von Kaiser Friedrichs III. Zweitem Romzug, übersiedelten die Augustiner-Chorherren aus ihren bei der kaiserlichen Burg gelegenen Häusern in die Vorstadt St. Ulrich und bezogen Wohnung in den zur Pfarrkirche St. Ulrich gehörigen Gebäuden: Friedrich III. hatte Papst Paul II. darauf hingewiesen, dass die Entfernung zwischen Kloster und Kirche der Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren so groß sei, dass die Chorherren ihren Verpflichtungen weitaus besser nachgehen könnten, würden sie bei der Kirche St. Ulrich selbst wohnen. Daraufhin beauftragte der Papst den Abt des Stiftes Neukloster in Wiener Neustadt, St. Ulrich zu einer Konventspropstei zu erheben und das Kapitel der Augustiner-Chorherren von der Marienkirche ob dem Tor in der Burg nach St. Ulrich zu versetzen. Die Angelegenheit zog sich hin: erst 1471 hatte Abt Johannes die ihm anbefohlene Errichtung der Propstei St. Ulrich und die Versetzung der Augustiner-Chorherren dorthin durchgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Augustiner-Chorherrenstift in Wiener Neustadt und der St.-Georgs-Ritterorden===&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1478 holte Kaiser Friedrich III. den von ihm gegründeten und 1469 von Papst Paul II. bestätigten St.-Georgs-Ritterorden nach Wiener Neustadt. Dem bisher eher bescheiden dotierten Ritterorden übergab Friedrich III. die seit der Übersiedelung der Augustiner-Chorherren an die Kirche St. Ulrich wieder zur Verfügung stehende, der hl. Maria geweihte Kirche ''ob dem tor'' (die spätere St. Georgskirche) in der kaiserlichen Burg von Wiener Neustadt. Damit nicht genug, scheint Hans Siebenhirter, erster Hochmeister des St.-Georgs-Ritterordens, dem Kaiser die Idee eingegeben zu haben, den Papst um eine Vereinigung des St.-Georgs-Ritterordens mit dem Bistum Neustadt zu ersuchen: diese Vereinigung hätte die Wiener Neustädter Domkirche mit allen dazugehörigen Besitzungen unter den Einfluss der Georgsritter gebracht und ihre Position sehr gestärkt; Papst Sixtus IV. zeigte sich höchst entgegenkommend und vereinigte tatsächlich mit Bulle vom 24. Juni 1479 Bistum Neustadt und St.-Georgs-Ritterorden. Diese Verbindung Bistum – St.-Georgs-Ritterorden bestand jedoch nur auf dem Papier: Bischof Peter von Neustadt bekämpfte sie mit großer Ausdauer und weigerte sich hartnäckig, dem St.-Georgs-Ritterorden irgendwelche Rechte an der Liebfrauen-Pfarrkirche, also dem nunmehrigen Dom, zuzugestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Matthias Corvinus im Jahr 1490 und der Zurückgewinnung der von den Ungarn besetzten Stadt Wiener Neustadt durch König Maximilian I. verfolgte der seine letzten Lebensjahre in Linz verbringende Kaiser Friedrich III. einen neuen Plan, um sowohl Ansehen als auch Ausstattung des St.-Georgs-Ritterordens aufzubessern: Als die Ungarn im Jahr 1487 in die westliche Vorstadt der überaus tapfer verteidigten Stadt Wiener Neustadt eingedrungen waren, war bei den heftigen Kämpfen die Kirche St. Ulrich und das dort befindliche Kloster der Augustiner-Chorherren weitgehend zerstört worden. Nach der Vertreibung der ungarischen Besatzung im Jahr 1490/91 fehlte es an Mitteln, um Kirche und Kloster St. Ulrich unverzüglich wiederaufzubauen. Das mag Kaiser Friedrich III. veranlasst haben, die Übersiedelung der obdachlos gewordenen Augustiner-Chorherren an die Domkirche (bzw. in den dazugehörigen Propsthof) in Erwägung zu ziehen. Da Bischof Peter Engelbrecht am 17. Februar 1491 gestorben war, hatte man von dieser Seite keinen Protest zu erwarten; auch Peter Engelbrechts Nachfolger würde gegen diese Entscheidung kaum etwas einzuwenden haben, beabsichtigte der Kaiser doch [[Augustin Kiebinger]], Propst der Augustiner-Chorherren von Wiener Neustadt, dem Papst als neuen Bischof von Wiener Neustadt zu präsentieren. Allerdings stellte Friedrich III. die Bedingung, dass sowohl der zukünftige Bischof als auch der gesamte Konvent der Augustiner-Chorherren in Zukunft den Ordenshabit der Georgsritter tragen müssten: so würde man endlich die schon (allerdings nur vom Kaiser und den Georgsrittern) so lange gewünschte tatsächliche Vereinigung von St.-Georgs-Ritterorden und Bistum – und nun auch Augustiner-Chorherrenstift – erreichen. Nachdem Hochmeister Johann Geumann und sechs Angehörige des St.-Georgs-Ritterordens diesem Vorhaben Friedrichs III. ihre Zustimmung gegeben hatten, erklärte sich auch der zum Kaiser nach Linz befohlene Chorherrenpropst Augustin Kiebinger bereit, die Neustädter Bischofswürde zu den oben genannten Bedingungen anzunehmen. Die von Kaiser Friedrich III. in Linz beurkundete &amp;quot;verainigung und vertrag&amp;quot; zwischen dem Hochmeister des St.-Georgs-Ritterordens und dessen Mitbrüdern einerseits, sowie dem Propst von St. Ulrich und dem Konvent der Regulierten Augustiner-Chorherren andererseits, datiert vom 20. April 1491. Dieser Vertrag räumt den Augustiner-Chorherren Anrecht auf Wohnung und Seelsorge bei der bisher dem St.-Georgs-Ritterorden inkorporierten Wiener Neustädter Pfarrkirche, also dem Dom, ein. Neben der den Augustiner-Chorherren als &amp;quot;sitz und wonung&amp;quot; zugestandenen Domkirche verblieb ihnen aber nach wie vor die Propstei St. Ulrich. Außerdem erhielt der Augustiner-Konvent noch das nahe bei Wiener Neustadt gelegene Dorf Saubersdorf, ferner 100 Pfund Pfennig jährliche Gült aus dem kaiserlichen Kammergut und schließlich noch das Privileg, jährlich 24 Dreiling Wein in Wiener Neustadt ausschenken zu dürfen, und zwar ohne dafür &amp;quot;Ungeld&amp;quot; entrichten zu müssen. Doch ungeachtet dieser recht beachtlichen Schenkungen und Benefizien scheint bei den Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren schon bald nach Vertragsabschluss ein Sinneswandel eingetreten zu sein: plötzlich lehnten sie es strikt ab, zum äußeren Zeichen für die erfolgte Vereinigung den Habit des St.-Georgs-Ritterordens anzuziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der von Alter und Krankheit geplagte Kaiser musste sich damit abfinden, dass die von ihm so sehr gewünschte Vereinigung des St.-Georgs-Ritterordens mit Bistum und Augustiner-Chorherrenstift gescheitert war. Kurz vor seinem Tod im August 1493 setzte sich Friedrich III. beim Heiligen Vater in Rom dafür ein, dass man dort von der Inkorporation der Domkirche in den St.-Georgs-Ritterorden, &amp;quot;die denselben orden nit nuzlich gewesen ist&amp;quot;, wieder Abstand nehme und den Dom dem Augustinerkloster inkorporiere. Dem kaiserlichen Wunsch wurde entsprochen und Rom erkannte in der Folge in Wiener Neustadt die Augustiner-Chorherren als Kathedralkapitel an. Ein Zugeständnis gab es auch hinsichtlich der Kleidung der Augustiner: es wurde ihnen schriftlich bestätigt, von nun an wieder auf der Straße den braunen Habit (in der Kirche &amp;quot;mit Fehen Chorkappen&amp;quot;) tragen zu dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als am 24. Juni 1495 Bischof Augustin von Neustadt starb, wurde nicht – wie man hätte erwarten können – der Propst der Augustiner-Chorherren [[Johann Huntzdorfer]] zu dessen Nachfolger gewählt. Es ist wahrscheinlich der St.-Georgs-Ritterorden gewesen, der eine Präsentation Huntzdorfers zu hintertreiben gewusst hatte. So unterblieb die Ernennung eines neuen Bischofs von Neustadt vorderhand: die Sympathie König Maximilians I. – der 1493, nach dem Tod seines Vaters, Kaiser Friedrich III., an die Regierung gekommen war – gehörte ohne Zweifel dem St.-Georgs-Ritterorden und der König unternahm nichts gegen dessen Interessen. Allerdings machte man weder von weltlicher noch von geistlicher Seite den Augustiner-Chorherren den Besitz der Domkirche streitig. Sowohl Propst Johann Huntzdorfers Nachfolger [[Bernhard Zottmann]] wie auch der nächste Chorherrenpropst, [[Egidius Wiblinger]], erhielten ohne Schwierigkeiten seitens des Papstes die Ansprüche der Augustiner-Chorherren auf den Wiener Neustädter Dom zugesichert (1497 bzw. 1504).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1506 wurden die Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren auch durch Maximilian I. in all ihren Rechten bestätigt. Während der bis zum Jahr 1521 andauernden Sedisvakanz des Neustädter Bistums oblag dem Kapitel der Augustiner-Chorherren (das bereits während der Amtszeit des Bischofs Augustin Kiebinger 1491 bis 1495 gemeinsam mit diesem Bischof die Diözese regiert hatte) allein die Verwaltung des kleinen Stadtbistums. Die damit verbundenen Pflichten erfüllte das Kapitel zum einen Teil selbst, zum anderen Teil hatte sie sie einem Offizial übertragen. Mit dieser Entwicklung konnte natürlich der St.-Georgs-Ritterorden auf keinen Fall einverstanden sein. So versuchten die Georgsritter ab 1497 mit ständigen Protesten, die Stellung der Augustiner-Chorherren zu erschüttern; Unterstützung erhielten sie dabei von dem ihnen stets wohlgesinnten König: Maximilian I. – der erst 1506 den Augustiner-Chorherren den Besitz der Domkirche bestätigt hatte – sprach noch im selben Jahr die genannte Kirche den Georgsrittern zu. Das heißt, er ließ ihnen die Wahl, entweder in Zukunft den Habit des St.-Georgs-Ordens zu tragen oder auf die Dompfarre zu verzichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren zeigten sich weder zur Annahme der Ordenstracht der Georgsritter noch zum Verzicht auf die Domkirche bereit. So sah sich Kaiser Maximilian I. veranlasst, eine Kommission einzusetzen, die die Augustiner zur Übergabe der Domkirche an den St.-Georgs-Ritterorden bewegen sollte. Worauf beide Seiten Urkunden vorlegten, die ihre Rechte und Ansprüche bestätigten; man war nicht im Geringsten zum Nachgeben bereit. Die Verhandlungen zogen sich hin – erhielten die Augustiner-Chorherren in dieser Angelegenheit Unterstützung durch den Papst, so hatten die Georgsritter Kaiser Maximilian auf ihrer Seite. Auf Befehl des Kaisers wurden dem Augustiner-Chorherrnstift die aus der Innehabung der Domkirche resultierenden Einkünfte entzogen. Dieser seitens des Kaisers ausgeübte massive Druck brachte schließlich die Entscheidung: im Jahr 1508 resignierten die Augustiner-Chorherren und zogen sich aus dem Dom zurück. Mehr als ein Jahrzehnt später, 1522/23, schöpften sie noch einmal die Hoffnung, doch wieder zu ihrem Recht zu kommen, und zwar mit Hilfe Erzherzog Ferdinands, des späteren Königs und Kaisers Ferdinand I. Doch die Bemühungen des Konvents, an dessen Spitze damals Propst [[Paulus Nuster]] stand, brachten keinen Erfolg: Sowohl der St.-Georgs-Ritterorden als auch der 1521 eingesetzte neue Bischof von Neustadt Dr. Dietrich Kammerer setzten sich gegen die Wünsche und Bitten der Augustiner-Chorherren energisch zur Wehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation – das Ende der Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren=== &lt;br /&gt;
Ende der zwanziger Jahre des 16. Jahrhunderts fand die Lehre Martin Luthers auch in Wiener Neustadt Eingang. Es waren hier vor allem die Augustiner-Chorherren mit ihrem Sitz in der Vorstadt St. Ulrich, die sich der neuen Lehre gegenüber höchst aufgeschlossen zeigten – schon um das Jahr 1528 wurde sie in der Kirche St. Ulrich gepredigt. Bei der zu diesem Zeitpunkt vom Landesfürsten angeordneten Visitation aller Klöster wurde bezüglich des Wiener Neustädter Augustiner-Chorherrenklosters St. Ulrich berichtet, dass man hier nicht nur &amp;quot;etliche buecher der neuen opinion&amp;quot; entdeckt hätte, sondern dass auch die Klosterdisziplin sehr zu wünschen übrig lasse. Daraufhin erging unverzüglich an die Visitatoren der Befehl, keine Zeit zu verlieren und sofort &amp;quot;wider Brobst, Dechant und Khelner zu St. Ulrich vor der Newenstat von wegen Irer aufrürigen verkherlichen unnd lutherischen secten&amp;quot; zu verfahren. Da sich jedoch Dechant und Kellermeister rechtzeitig dem Zugriff der Obrigkeit entzogen hatten, konnten nur Propst Paulus Nuster, ferner ein Profess namens Augustin sowie drei weitere, namentlich nicht genannte Chorherren festgenommen werden. Sie wurden nach Wien gebracht und in Haft genommen. Relativ rasch erklärten sich Propst Paulus und der Profess Augustin zu einem öffentlichen Widerruf bereit; von dem Bischof-Koadjutor Johann Fabri wurde ihnen daraufhin die Lossprechung gewährt. Die drei anderen Chorherren scheinen nicht bereit gewesen zu sein, zu widerrufen; sie wurden weiterhin in Wien gefangen gehalten – wobei für ihren Unterhalt im Gefängnis der Wiener Neustädter Augustinerkonvent aufzukommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch im Jahr 1528 veranlasst die mit der Visitation betraute landesfürstliche Kommission Propst Paulus Nuster, einen Laien, und zwar den Wiener Neustädter Bürger Hans Mitterpacher, zum Verwalter der &amp;quot;hauswirtschaft&amp;quot; des wirtschaftlich arg zerrütteten Klosters St. Ulrich einzusetzen. Als 1529 die Türken gegen Wien zogen, wurde in aller Eile auch die Grenzstadt Wiener Neustadt in Verteidigungszustand gesetzt. Dazu gehörte u. a. die Abtragung verschiedener Gebäude in den Vorstädten, um dem Feind keine Möglichkeit zu geben, sich darin zu verschanzen. Auch das nach der ungarischen Belagerung nur notdürftig wieder instandgesetzte Kloster und die Kirche von St. Ulrich wurden damals demoliert. Nach Beendigung der Belagerung Wiens und dem Abzug des türkischen Heeres wurde in Wiener Neustadt ein Wiederaufbau des damals von seinen Bewohnern wahrscheinlich bereits aufgegebenen und verlassenen Augustiner-Chorherrenklosters von St. Ulrich wohl nicht mehr in Erwägung gezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch im Jahr 1529 setzten von verschiedenen Seiten Bemühungen ein, sich die zu der abgebrochenen Augustinerpropstei St. Ulrich gehörigen Besitzungen zu sichern: So wurde zunächst gleich einmal der Rat der Stadt Wiener Neustadt bei König Ferdinand I. vorstellig, um sich die genannten Güter zu erbitten. Dem Wunsch der Wiener Neustädter wurde 1530 entsprochen, allerdings nur unter der Bedingung, den Erlös aus diesen nun von der Stadt verwalteten ehemaligen Besitzungen der Augustiner-Chorherren zur Verbesserung der Stadtbefestigung zu verwenden. Es war aber offensichtlich nur Grund- und Hausbesitz, den der König der Stadt Wiener Neustadt damals überlassen hatte: die Klosterbibliothek sowie wertvolle Paramente, Ornate und Kirchengerät wurden auf Befehl Ferdinands I. hin in die Burg gebracht und gingen so vermutlich in das Eigentum des St.-Georgs-Ritterordens über. Eine zum Kloster St. Ulrich gehörige Mühle und das Sägewerk in Breitenau wurden nicht der Stadt, sondern dem Rentmeister zugesprochen. Gleichzeitig mit der Stadt Wiener Neustadt versuchte auch der damalige Neustädter Bischof Dr. Dietrich Kammerer, zugunsten seines recht unzulänglich dotierten Bistums die Augustiner-Chorherren von St. Ulrich zu beerben. Bischof Dietrich (der 1528 in den St.-Georgs-Ritterorden eingetreten war) erhielt dabei wertvolle Hilfe durch den Bischof von Wien Johann Fabri, der als Beichtvater und Berater König Ferdinands I. großen Einfluss auf dessen Entscheidungen hatte. Tatsächlich gelang es den Bischöfen von Wien und von Wiener Neustadt, durchzusetzen, dass das Klostergut von St. Ulrich wieder der Stadt Wiener Neustadt entzogen wurde. Es wurde zunächst der Universität Wien inkorporiert, aber schon bald darauf (am 6. September 1535) dem Bischof von Wiener Neustadt zur Verwaltung und Nutznießung überlassen. Als Gegenleistung war vom Bistum Wiener Neustadt jährlich eine Summe von 443 Gulden an die Wiener Universität zu zahlen. Als es in der Folge immer wieder zu Differenzen zwischen Universität und Bistum kam, hat Kaiser Ferdinand I. am 1. November 1551 dem Bistum Wiener Neustadt &amp;quot;das Sanct Ulrich Closter sambt desselben gründen, güttern, nutzungen, einkhomen, freyhaiten, rechten und gerechtigkeiten, nichts ausgeschlossen, gnediglich übergeben, incorporirt und eingeleibt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Für das Kloster der Regulierten Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt – diese waren zur Betreuung der neuen Kirche ''ob dem tor'' in der Burg (der späteren St. Georgskirche) vorgesehen – hatte der kaiserliche Stifter im Jahre 1459 folgende Dotation vorgesehen: Die (damals auf ungarischem Boden gelegene) Herrschaft Hornstein mit etlichen andern ''stukhen und guettern'', ferner eine Mühle an der Schwarza in Breitenau und – als vorläufige Wohnung für die Augustiner-Chorherren gedacht – ein Haus in Wiener Neustadt. Im Jahr darauf schenkte Friedrich III. dem Augustiner-Chorherrenstift die Burg Pitten, zwei weitere an ihr Wiener Neustädter Haus angrenzende Häuser mit allen Rechten und Zugehörungen, sicherte ihnen den jährlichen Bezug von 60 Fuder Salz aus den Salinen in Aussee zu und übergab ihnen schließlich die bis dahin dem Stift Weltlicher Chorherren inkorporierte Pfarrkirche St. Ulrich samt den dazu gehörigen Einkünften. Trotz der steten Fürsorge Friedrichs III. für die beiden Wiener Neustädter Chorherrenstifte blieb deren Ausstattung immer noch hinter den tatsächlich vorhandenen Erfordernissen zurück. Dies hatte nicht nur eine Reduzierung der ursprünglich für Wiener Neustadt vorgesehenen Kanonikerzahl zur Folge, sondern war Anlass für die zuletzt nur Schwierigkeiten mit sich bringenden Bestrebungen, Chorherrenstifte und St.-Georgs-Ritterorden zu vereinigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Stadt Wiener Neustadt und somit auch das 1459 gegründete Chorherrenstift befanden sich infolge ihrer zeitweiligen Zugehörigkeit zum Herzogtum Steiermark während des Mittelalters im Einflussgebiet des Erzbischofs von Salzburg. Als 1469 das Bistum Neustadt gegründet wurde, entzog Papst Paul II. die neue Diözese – und damit auch die hier befindlichen beiden Chorherrenstifte – der Jurisdiktion des Salzburger Erzbischofs. Mit der 1477 erfolgten Ernennung Peter Engelbrechts, des Dechanten der Weltlichen Chorherren in Wiener Neustadt, zum Bischof von Neustadt gingen die Rechte des Erzbischofs von Salzburg an den Neustädter Bischof über. Häufig übten jedoch päpstliche Legaten bei den Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren die Rechte des Ortsordinarius aus, nahmen Bestätigungen und Verleihungen vor und erteilten Sondervollmachten. Es war ganz im Sinne Kaiser Friedrichs III., möglichst viele Rechtshandlungen vom Apostolischen Stuhl selbst bestätigen oder durchführen zu lassen. Dass man sich in Angelegenheiten des Augustiner-Chorherrenklosters besonders oft an Rom zu wenden hatte, ist damit zu erklären, dass das Neustädter Bistum von 1495 bis 1521 vakant war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Sowohl Pröpste als auch Kanoniker der Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt waren fast durchwegs bürgerlicher oder bäuerlicher Herkunft. Sie kamen aus steirischen, kärntnerischen, salzburgischen und österreichischen Klöstern und Pfarren, aber auch aus Passau, aus Chiemsee usw.; es waren Geistliche der Erzdiözese Salzburg und der Diözese Passau. Während jedoch das weltliche Chorherrenstift zu Wiener Neustadt in enger Verbindung zum Stift Spital am Pyhrn stand, hatte das Stift St. Dorothea in Wien großen Einfluss auf das Wiener Neustädter Augustiner-Chorherrenstift. Zu bischöflichen Würden gelangte der aus Chiemsee stammende Augustin Kiebinger, der von 1491 bis 1495 an der Spitze des Neustädter Bistums stand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
Im Jahr 1493 wurde dem Augustiner-Chorherrenstift zu Wiener Neustadt die Unserer Lieben Frau geweihte [[Liste der Pfarren des Stiftes Wiener Neustadt#Unserer-Lieben-Frauen-Pfarrkirche|Wiener Neustädter Pfarrkirche]] inkorporiert. Es war dies eine dreischiffige, spätromanisch-frühgotische Pfeilerbasilika aus dem 13. Jahrhundert mit einem Anfang des 14. Jahrhunderts anstelle der romanischen Choranlage errichteten gotischen Querschiff und gotischem Chor. Das romanische Westwerk mit den beiden rund 60 m hohen Türmen (Ende des 19. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit abgetragen und rekonstruiert) stammt aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Friedrich III. geht eine heute noch z. T. erhaltene neue Innenausstattung zurück, so unter anderem die mit reichem Blendmaßwerk, dem &amp;quot;AEIOU&amp;quot; und &amp;quot;1449&amp;quot; dekorierte &amp;quot;Hofempore&amp;quot; und die an den Pfeilern des Mittelschiffs stehenden lebensgroßen Apostelstatuen sowie die darunter angebrachten &amp;quot;Prophetentafeln&amp;quot; vom Meister des Winkler-Epitaphs (um 1490). In dem durch die Gründung des Bistums Neustadt 1469 zur Bischofskirche gewordenen Gotteshaus befinden sich eine Grablege der früh verstorbenen Kinder Erzherzogs Ernst des Eisernen (die wappengeschmückte Deckplatte des Hochgrabes überdauerte die Barockisierung des Doms im 18. Jahrhundert) sowie einige Grabdenkmäler Wiener Neustädter Bischöfe. Die Marmorkanzel im Mittelschiff ist ein Geschenk des Kardinals, Bischofs von Wien und Administrator des Bistums Neustadt Melchior Khlesl aus den Jahren 1608/09. Über das Aussehen des mittelalterlichen Hauptaltars ist nichts bekannt; seit 1767/76 steht an seiner Stelle ein mächtiger, sehr kostbarer Barockaltar; auf dem Altarbild ist Mariä Himmelfahrt (ein Werk des Gian Domenico Cignaroli, 1773) dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren hatten aber bereits vor der Domkirche die der hl. Maria geweihte Kirche &amp;quot;ob dem tor&amp;quot; in der Burg inne. Diese in den Jahren 1449 bis 1460 in den Westtrakt der Wiener Neustädter Burg eingebaute ursprüngliche Marien- und spätere Georgskirche ist auf Wunsch Friedrichs III. den Augustiner-Chorherren sofort nach Fertigstellung im Jahr 1460 übergeben worden. Es war dies eine über einer gewaltigen gotischen Torhalle errichtete dreischiffige Hallenkirche mit geradem, von drei Fenstern durchbrochenen Chorabschluss. Von den acht 13 m hohen Säulen, die das Mittelschiff gegen die Seitenschiffe hin abgrenzten, hat die Zerstörungen, die Bomben im Zweiten Weltkrieg in der Kirche anrichteten, lediglich eine einzige, freskengeschmückte Säule gegenüber dem Oratorium der Kaiserin unversehrt überdauert. Entlang der Nord-, West- und Südwand der Kirche zieht sich eine auf Kragsteinen ruhende, steinerne Galerie hin, die an der Nordwand im reich geschmückten Oratorium des Kaisers, an der Südwand im Oratorium der Kaiserin endet. Unter den Stufen zum Hochaltar fand Kaiser Maximilian I. (verstorben 1519) seine letzte Ruhestätte. Das mittlere der drei mit prachtvollen Glasgemälden aus der Mitte des 16. Jahrhunderts versehenen Fenstern der Ostwand (durch Auslagerung im Zweiten Weltkrieg vor der Zerstörung bewahrt) zeigt Maximilian I. mit seiner Familie; darüber eine Darstellung der Taufe Christi. Von der Originalverglasung der Fenster der Nord- und Westwand hat sich nichts erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Kaiser Friedrich III. geht der große holzgeschnitzte, vergoldete Reliquienschrein zurück. In dem zwölfeckigen Taufbecken aus rotem Marmor, das Mitte des 15. Jahrhunderts geschaffen wurde, ist mit großer Wahrscheinlichkeit der 1459 in der Wiener Neustädter Burg geborene spätere Kaiser Maximilian I. getauft worden. An der dem Burghof zugewandten Außenseite der St. Georgskirche – als die Kirche 1479 vom Kaiser dem St.-Georgs-Ritterorden übergeben wurde, scheint bald darauf ein Patroziniumswechsel stattgefunden zu haben - befindet sich die berühmte Wappenwand, fertiggestellt im Jahre 1453: 107 Wappenreliefs umgeben das Mittelfenster der Ostwand; unterhalb des Fensters steht die von den Wappen der habsburgischen Erbländer flankierte Statue Friedrich III. dargestellt mit den Insignien eines österreichischen Erzherzogs. Nach oben schließen drei Baldachinnischen mit den Sandsteinfiguren der hl. Maria (&amp;quot;Kirschenmadonna&amp;quot;), der hl. Katharina und der hl. Barbara die Wappenwand ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Aussehen der zuerst dem Stift Weltlicher Chorherren, später dann (1459) den Augustiner-Chorherren übergebenen Kirche St. Ulrich und dem dazugehörigen Kloster ist nichts bekannt: Kirche und Kloster St. Ulrich wurden bereits bei der Belagerung der Stadt Wiener Neustadt durch die Ungarn in den Jahren 1485 bis 1487 schwer beschädigt, daraufhin vermutlich nur notdürftig wiederhergestellt und schließlich im Türkenjahr 1529 endgültig abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Gertrud Buttlar-Gerhartl: Wiener Neustadt – Bischofssitz von 1469–1783. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich N.F. 52 (1986), S. 1–54.&lt;br /&gt;
* Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs, Niederösterreich südlich der Donau. Teil 2, Horn / Wien 2003.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fasching: Die Chorherrenstifte von Wiener Neustadt. Eine rechtsgeschichtliche Untersuchung. Veröffentlichungen des Kirchenhistorischen Instituts der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Bd. 2. Wien 1966.&lt;br /&gt;
* Johann Franzl: Studien zur Geschichte des Protestantismus in Wiener Neustadt. Diss. Univ. Wien. Wien 1974.&lt;br /&gt;
* Gertrud Gerhartl: Der Dom zu Wiener Neustadt 1279. Wien / Köln / Graz 1979.&lt;br /&gt;
* Gertrud Gerhartl: Wiener Neustadt. Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft. Wien &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;1993.&lt;br /&gt;
* Johann Jobst: Die Neustädter Burg und die k.u.k. Theresianische Militärakademie. Wien / Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
* Josef Mayer: Geschichte von Wiener Neustadt. Bd. 2. Wiener Neustadt 1926.&lt;br /&gt;
* Claudia Moddelmog: Königliche Stiftungen des Mittelalters im historischen Wandel: Quedlinburg und Speyer, Königsfelden, Wiener Neustadt und Andernach. Berlin 2012, S. 205–222.&lt;br /&gt;
* Georg Niemetz: Der Dom zu Wiener Neustadt. München 1984 (Schnell-Kunstführer, 1196).&lt;br /&gt;
* Erwin Reidinger: Planung oder Zufall. Wiener Neustadt 1192. Wiener Neustadt 1995.&lt;br /&gt;
* Roland  Schäffer: Adelige – Schwaben – Hofbeamte – Prinzenlehrer – arme Bischöfe. Die Pfarrer von Riegersburg im 14. und 15. Jahrhundert. In: Festschrift Gerhard Pferschy zum 70. Geburtstag. Hg. von Gernot Peter Obersteiner / Peter Wiesflecker. Graz 2000 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, 12), S. 577–601.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Wiener Neustadt</title>
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		<updated>2022-07-15T14:35:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Das Augustiner-Chorherrenstift zu Wiener Neustadt und der St.-Georgs-Ritterorden */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1459&lt;br /&gt;
|Datum bis=1529&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Kirchlich gehörte Wiener Neustadt – von 1469 bis 1783 existierte ein Bistum Wiener Neustadt – zunächst zum Erzbistum Salzburg; seit 1722 war es ein Suffragan des Erzbistums Wien. Nach Aufhebung des Wiener Neustädter Bistums im Jahr 1783 fiel das Wiener Neustädter Stadtgebiet an das Erzbistum Wien.&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=de nova sua civitate edificatione (1194/95), apud Novam Civitatem (1204), Nova civitas in publico placito (1217), Niwenstat, muta in Nova Civitate (1244), in der Newentatt (1321), enhalben der Newenstat (1333), S(igillum) Vindobonensis Nove Civitatis (1358), ze der Newnstat (1363), von der Neustadt (1368), Urbe Novella (1425), Newstatt (1437/38), Neustadt (1460), die Wienerische Neustadt (Mitte 17. Jahrhundert), k.k. Stadt Wienerisch Neustadt (1747), k.k. Stadt Wiener Neustadt (1785)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=St. Ulrich, ab 1460 hl. Jungfrau Maria (Hallenkirche &amp;quot;ob dem tor&amp;quot;), ab 1469 wieder St. Ulrich&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Statutarstadt 50 km südlich von Wien gelegen. Ursprünglich zum Besitz der Grafen Formbach-Pitten gehörig, ging das im Mittelalter zwischen den Herzogtümern Österreich und Steiermark gelegene Gebiet 1158 an die Markgrafen von Steier aus dem Geschlecht der Traungauer über. Nach dem Aussterben der Traungauer 1192 an den im benachbarten Österreich regierenden Babenberger Herzog Leopold V. Bis Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Stadt Wiener Neustadt immer wieder als zur Steiermark gehörig bezeichnet; erst dann gilt Wiener Neustadt als österreichische Stadt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung=== &lt;br /&gt;
In der auf Befehl des Babenbergerherzogs Leopold V. um 1194 nahe der Grenze gegen Ungarn angelegten, stark befestigten &amp;quot;Neuen Stadt&amp;quot; sind bereits ein halbes Jahrhundert nach der Stadtgründung eine beachtliche Anzahl von Ordensniederlassungen nachzuweisen: um das Jahr 1250 gibt es hier ein Kloster der Minoriten, eines der Dominikaner und eines der Dominikanerinnen sowie ein Haus des Deutschen Ordens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Regierungszeit des frommen Habsburgers Friedrich III. (1440–1493) – dessen bevorzugte Residenz viele Jahrzehnte hindurch Wiener Neustadt gewesen ist – wird die Zahl der Niederlassungen geistlicher Orden innerhalb seiner Residenzstadt dann sogar mehr als verdoppelt. Zu den bereits bestehenden Klöstern (wobei das Dominikanerinnenkloster allerdings Anfang der vierziger Jahre des 15. Jahrhunderts zu bestehen aufhört) kommen nun noch ein Zisterzienserkloster (Stift Neukloster 1444), ein Stift Weltlicher Chorherren (1444), ein Stift Regulierter Augustiner-Chorherren (1459), eine Niederlassung des St.-Georgs-Ritterordens (seit ca. 1476) sowie ein Paulinerkloster (1480). Außerdem gelingt es Kaiser Friedrich III. im Jahr 1469, die Zustimmung des Papstes für die Errichtung eines Bistums in Wiener Neustadt zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Bulle vom 20. Dezember 1459 gab Papst Pius II. seine Zustimmung zur Gründung eines Augustiner-Chorherrenklosters in Wiener Neustadt und erfüllte damit den lange gehegten Wunsch Kaiser Friedrichs III. – er hatte ihn bereits anlässlich seines Romaufenthaltes 1452 Papst Nikolaus V. vorgetragen. Eine wichtige Voraussetzung für diese Klostergründung war bereits im Juni 1459 geschaffen worden: nachdem die Weltlichen Chorherren auf die ihrem Stift inkorporierte [[Liste der Pfarren des Stiftes Wiener Neustadt #Pfarre St. Ulrich|Pfarrkirche St. Ulrich]], in der westlichen Vorstadt von Wiener Neustadt gelegen, verzichtet hatten, stand diese Kirche (und zwar mit allen Zugehörungen) nun als Ausstattung für die Augustiner-Chorherren zur Verfügung. Der Stiftbrief für das Kloster der Regulierten Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt blieb bedauerlicherweise nicht erhalten. Es ist jedoch überliefert, dass der Augustinerkonvent nach dem Willen des kaiserlichen Stifters aus Propst, Dechant und 30 Chorherren bestehen sollte – diese große Zahl mag aber kaum je erreicht worden sein, denn die auch hier höchst unzulängliche Dotation hätte dies nur schwerlich erlaubt: Kaiser Friedrich III. vermochte seiner neuen Stiftung lediglich Burg und Herrschaft Hornstein im ungarischen Komitat Ödenburg, diverse dazugehörige Besitzungen in Deutsch- bzw. Ungarisch-Brodersdorf und in Stinkenbrunn, ferner eine Mühle an der Schwarza in Breitenau und schließlich ein gegenüber der Wiener Neustädter Burg gelegenes Haus zu schenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Gottesdienst hatten die Augustiner-Chorherren ab 1459 zunächst in der Pfarrkirche St. Ulrich zu versehen. Aber es war die am 8. Juni 1460 vom päpstlichen Legaten Kardinal Bessarion zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria geweihte große, neue Kirche &amp;quot;ob dem tor&amp;quot; in der Burg (die spätere St. Georgskirche), die Friedrich III. von allem Anfang an den Augustiner-Chorherren zugedacht hatte. In einer Urkunde vom 12. Juni 1460 heißt es jedenfalls, dass der Kaiser &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;ein Convent und Kirchen in Unser Burg auf dem Tor in der Neustadt mit firsatz, datz darin hinfuer ewiglich wonen und ein Convent machen und sein sullen Probst, Dechant und der korherren sannd Augustius Regel, gepauet, erhebet und gestifftet...&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; habe. Rund ein Jahrzehnt wirkten die Augustiner-Chorherren tatsächlich an der Marienkirche &amp;quot;ob dem Tor&amp;quot; in der kaiserlichen Burg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einem Wunsch Kaiser Friedrichs III. entsprechend, schrieb Papst Pius II. den Augustiner-Chorherren von Wiener Neustadt eine Kleidung vor, die sich von der sonst üblichen durch ihre Farbe unterschied: anstatt eines weißen Habits sollten sie einen braunen Habit mit einem goldfarbenen Kreuz auf der rechten Seite tragen; für das Almuzium (Schultermäntelchen aus Pelz), das über dem Habit getragen wurde, war an Festtagen und in der Kirche die Farbe weiß (anstatt, wie üblich, schwarz) vorgesehen, an gewöhnlichen Tagen und außerhalb der Kirche hatte man ein braunes Almuzium umzunehmen. Wie dem Propst der Weltlichen Chorherren stand auch dem Propst der Augustiner-Chorherren das Recht auf Pontifikalien zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes der Augustiner-Chorherren ist als Relief auf dem Friedrichsgrab im Wiener Stephansdom festgehalten: zu beiden Seiten des in der Mitte thronenden hl. Ulrich kniet je ein Infulierter – vermutlich Propst und Dechant; diese Gruppe wird von dreizehn (ebenfalls knienden) Kanonikern umgeben. Die Inschrift lautet: &amp;quot;CANONICI REGULARES S. ULRICI NOVE CIVITATIS&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vom Einzug der Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt bis zur Übersiedelung nach St. Ulrich===&lt;br /&gt;
Es waren wohl in erster Linie Chorherren aus dem [[Stift St. Dorothea in Wien|Kloster St. Dorothea in Wien]], die 1459/60 in der Kaiserresidenz Wiener Neustadt Einzug hielten und den Grundstock für das neu gegründete Augustiner-Chorherrenkloster daselbst bildeten. Auch [[Wilhelm Bermut]], den Kaiser Friedrich III. als ersten Propst seiner neuesten Klostergründung präsentierte, ist ein Chorherr von St. Dorothea gewesen. Wahrscheinlich wurden vom Wiener Neustädter Augustinerkonvent auch die im Stift St. Dorothea in Wien geltenden Statuten übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm und die mit ihm gekommenen Kanoniker nahmen Wohnung in dem vom Kaiser &amp;quot;von der Eysnerin&amp;quot; gekauften, der Burg gegenüberliegenden Haus; als sich dies bald als zu klein erwies, erwarb Friedrich III. für die Augustiner-Chorherren noch zwei an das genannte Haus anschließende Bürgerhäuser. Hier hatten die Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren nun in den nächsten zehn Jahren ihren Sitz – wobei sich diese Örtlichkeit als sehr praktisch hinsichtlich der Abhaltung des Gottesdienstes in der den Häusern gegenüberliegenden Marienkirche der kaiserlichen Burg erwies, die Betreuung der ziemlich weit entfernt davon liegenden Pfarrkirche St. Ulrich jedoch zu einem Problem werden ließ. Dieses Problem wurde ein Jahrzehnt später folgendermaßen gelöst: vermutlich 1468/69, also zur Zeit von Kaiser Friedrichs III. Zweitem Romzug, übersiedelten die Augustiner-Chorherren aus ihren bei der kaiserlichen Burg gelegenen Häusern in die Vorstadt St. Ulrich und bezogen Wohnung in den zur Pfarrkirche St. Ulrich gehörigen Gebäuden: Friedrich III. hatte Papst Paul II. darauf hingewiesen, dass die Entfernung zwischen Kloster und Kirche der Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren so groß sei, dass die Chorherren ihren Verpflichtungen weitaus besser nachgehen könnten, würden sie bei der Kirche St. Ulrich selbst wohnen. Daraufhin beauftragte der Papst den Abt des Stiftes Neukloster in Wiener Neustadt, St. Ulrich zu einer Konventspropstei zu erheben und das Kapitel der Augustiner-Chorherren von der Marienkirche ob dem Tor in der Burg nach St. Ulrich zu versetzen. Die Angelegenheit zog sich hin: erst 1471 hatte Abt Johannes die ihm anbefohlene Errichtung der Propstei St. Ulrich und die Versetzung der Augustiner-Chorherren dorthin durchgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Augustiner-Chorherrenstift in Wiener Neustadt und der St.-Georgs-Ritterorden===&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1478 holte Kaiser Friedrich III. den von ihm gegründeten und 1469 von Papst Paul II. bestätigten St.-Georgs-Ritterorden nach Wiener Neustadt. Dem bisher eher bescheiden dotierten Ritterorden übergab Friedrich III. die seit der Übersiedelung der Augustiner-Chorherren an die Kirche St. Ulrich wieder zur Verfügung stehende, der hl. Maria geweihte Kirche ''ob dem tor'' (die spätere St. Georgskirche) in der kaiserlichen Burg von Wiener Neustadt. Damit nicht genug, scheint Hans Siebenhirter, erster Hochmeister des St.-Georgs-Ritterordens, dem Kaiser die Idee eingegeben zu haben, den Papst um eine Vereinigung des St.-Georgs-Ritterordens mit dem Bistum Neustadt zu ersuchen: diese Vereinigung hätte die Wiener Neustädter Domkirche mit allen dazugehörigen Besitzungen unter den Einfluss der Georgsritter gebracht und ihre Position sehr gestärkt; Papst Sixtus IV. zeigte sich höchst entgegenkommend und vereinigte tatsächlich mit Bulle vom 24. Juni 1479 Bistum Neustadt und St.-Georgs-Ritterorden. Diese Verbindung Bistum – St.-Georgs-Ritterorden bestand jedoch nur auf dem Papier: Bischof Peter von Neustadt bekämpfte sie mit großer Ausdauer und weigerte sich hartnäckig, dem St.-Georgs-Ritterorden irgendwelche Rechte an der Liebfrauen-Pfarrkirche, also dem nunmehrigen Dom, zuzugestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Matthias Corvinus im Jahr 1490 und der Zurückgewinnung der von den Ungarn besetzten Stadt Wiener Neustadt durch König Maximilian I. verfolgte der seine letzten Lebensjahre in Linz verbringende Kaiser Friedrich III. einen neuen Plan, um sowohl Ansehen als auch Ausstattung des St.-Georgs-Ritterordens aufzubessern: Als die Ungarn im Jahr 1487 in die westliche Vorstadt der überaus tapfer verteidigten Stadt Wiener Neustadt eingedrungen waren, war bei den heftigen Kämpfen die Kirche St. Ulrich und das dort befindliche Kloster der Augustiner-Chorherren weitgehend zerstört worden. Nach der Vertreibung der ungarischen Besatzung im Jahr 1490/91 fehlte es an Mitteln, um Kirche und Kloster St. Ulrich unverzüglich wiederaufzubauen. Das mag Kaiser Friedrich III. veranlasst haben, die Übersiedelung der obdachlos gewordenen Augustiner-Chorherren an die Domkirche (bzw. in den dazugehörigen Propsthof) in Erwägung zu ziehen. Da Bischof Peter Engelbrecht am 17. Februar 1491 gestorben war, hatte man von dieser Seite keinen Protest zu erwarten; auch Peter Engelbrechts Nachfolger würde gegen diese Entscheidung kaum etwas einzuwenden haben, beabsichtigte der Kaiser doch [[Augustin Kiebinger]], Propst der Augustiner-Chorherren von Wiener Neustadt, dem Papst als neuen Bischof von Wiener Neustadt zu präsentieren. Allerdings stellte Friedrich III. die Bedingung, dass sowohl der zukünftige Bischof als auch der gesamte Konvent der Augustiner-Chorherren in Zukunft den Ordenshabit der Georgsritter tragen müssten: so würde man endlich die schon (allerdings nur vom Kaiser und den Georgsrittern) so lange gewünschte tatsächliche Vereinigung von St.-Georgs-Ritterorden und Bistum – und nun auch Augustiner-Chorherrenstift – erreichen. Nachdem Hochmeister Johann Geumann und sechs Angehörige des St.-Georgs-Ritterordens diesem Vorhaben Friedrichs III. ihre Zustimmung gegeben hatten, erklärte sich auch der zum Kaiser nach Linz befohlene Chorherrenpropst Augustin Kiebinger bereit, die Neustädter Bischofswürde zu den oben genannten Bedingungen anzunehmen. Die von Kaiser Friedrich III. in Linz beurkundete &amp;quot;verainigung und vertrag&amp;quot; zwischen dem Hochmeister des St.-Georgs-Ritterordens und dessen Mitbrüdern einerseits, sowie dem Propst von St. Ulrich und dem Konvent der Regulierten Augustiner-Chorherren andererseits, datiert vom 20. April 1491. Dieser Vertrag räumt den Augustiner-Chorherren Anrecht auf Wohnung und Seelsorge bei der bisher dem St.-Georgs-Ritterorden inkorporierten Wiener Neustädter Pfarrkirche, also dem Dom, ein. Neben der den Augustiner-Chorherren als &amp;quot;sitz und wonung&amp;quot; zugestandenen Domkirche verblieb ihnen aber nach wie vor die Propstei St. Ulrich. Außerdem erhielt der Augustiner-Konvent noch das nahe bei Wiener Neustadt gelegene Dorf Saubersdorf, ferner 100 Pfund Pfennig jährliche Gült aus dem kaiserlichen Kammergut und schließlich noch das Privileg, jährlich 24 Dreiling Wein in Wiener Neustadt ausschenken zu dürfen, und zwar ohne dafür &amp;quot;Ungeld&amp;quot; entrichten zu müssen. Doch ungeachtet dieser recht beachtlichen Schenkungen und Benefizien scheint bei den Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren schon bald nach Vertragsabschluss ein Sinneswandel eingetreten zu sein: plötzlich lehnten sie es strikt ab, zum äußeren Zeichen für die erfolgte Vereinigung den Habit des St.-Georgs-Ritterordens anzuziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der von Alter und Krankheit geplagte Kaiser musste sich damit abfinden, dass die von ihm so sehr gewünschte Vereinigung des St.-Georgs-Ritterordens mit Bistum und Augustiner-Chorherrenstift gescheitert war. Kurz vor seinem Tod im August 1493 setzte sich Friedrich III. beim Heiligen Vater in Rom dafür ein, dass man dort von der Inkorporation der Domkirche in den St.-Georgs-Ritterorden, &amp;quot;die denselben orden nit nuzlich gewesen ist&amp;quot;, wieder Abstand nehme und den Dom dem Augustinerkloster inkorporiere. Dem kaiserlichen Wunsch wurde entsprochen und Rom erkannte in der Folge in Wiener Neustadt die Augustiner-Chorherren als Kathedralkapitel an. Ein Zugeständnis gab es auch hinsichtlich der Kleidung der Augustiner: es wurde ihnen schriftlich bestätigt, von nun an wieder auf der Straße den braunen Habit (in der Kirche &amp;quot;mit Fehen Chorkappen&amp;quot;) tragen zu dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als am 24. Juni 1495 Bischof Augustin von Neustadt starb, wurde nicht – wie man hätte erwarten können – der Propst der Augustiner-Chorherren [[Johann Huntzdorfer]] zu dessen Nachfolger gewählt. Es ist wahrscheinlich der St.-Georgs-Ritterorden gewesen, der eine Präsentation Huntzdorfers zu hintertreiben gewusst hatte. So unterblieb die Ernennung eines neuen Bischofs von Neustadt vorderhand: die Sympathie König Maximilians I. – der 1493, nach dem Tod seines Vaters, Kaiser Friedrich III., an die Regierung gekommen war – gehörte ohne Zweifel dem St.-Georgs-Ritterorden und der König unternahm nichts gegen dessen Interessen. Allerdings machte man weder von weltlicher noch von geistlicher Seite den Augustiner-Chorherren den Besitz der Domkirche streitig. Sowohl Propst Johann Huntzdorfers Nachfolger [[Bernhard Zottmann]] wie auch der nächste Chorherrenpropst, [[Egidius Wiblinger]], erhielten ohne Schwierigkeiten seitens des Papstes die Ansprüche der Augustiner-Chorherren auf den Wiener Neustädter Dom zugesichert (1497 bzw. 1504).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1506 wurden die Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren auch durch Maximilian I. in all ihren Rechten bestätigt. Während der bis zum Jahr 1521 andauernden Sedisvakanz des Neustädter Bistums oblag dem Kapitel der Augustiner-Chorherren (das bereits während der Amtszeit des Bischofs Augustin Kiebinger 1491 bis 1495 gemeinsam mit diesem Bischof die Diözese regiert hatte) allein die Verwaltung des kleinen Stadtbistums. Die damit verbundenen Pflichten erfüllte das Kapitel zum einen Teil selbst, zum anderen Teil hatte sie sie einem Offizial übertragen. Mit dieser Entwicklung konnte natürlich der St.-Georgs-Ritterorden auf keinen Fall einverstanden sein. So versuchten die Georgsritter ab 1497 mit ständigen Protesten, die Stellung der Augustiner-Chorherren zu erschüttern; Unterstützung erhielten sie dabei von dem ihnen stets wohlgesinnten König: Maximilian I. – der erst 1506 den Augustiner-Chorherren den Besitz der Domkirche bestätigt hatte – sprach noch im selben Jahr die genannte Kirche den Georgsrittern zu. Das heißt, er ließ ihnen die Wahl, entweder in Zukunft den Habit des St.-Georgs-Ordens zu tragen oder auf die Dompfarre zu verzichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren zeigten sich weder zur Annahme der Ordenstracht der Georgsritter noch zum Verzicht auf die Domkirche bereit. So sah sich Kaiser Maximilian I. veranlasst, eine Kommission einzusetzen, die die Augustiner zur Übergabe der Domkirche an den St.-Georgs-Ritterorden bewegen sollte. Worauf beide Seiten Urkunden vorlegten, die ihre Rechte und Ansprüche bestätigten; man war nicht im Geringsten zum Nachgeben bereit. Die Verhandlungen zogen sich hin – erhielten die Augustiner-Chorherren in dieser Angelegenheit Unterstützung durch den Papst, so hatten die Georgsritter Kaiser Maximilian auf ihrer Seite. Auf Befehl des Kaisers wurden dem Augustiner-Chorherrnstift die aus der Innehabung der Domkirche resultierenden Einkünfte entzogen. Dieser seitens des Kaisers ausgeübte massive Druck brachte schließlich die Entscheidung: im Jahr 1508 resignierten die Augustiner-Chorherren und zogen sich aus dem Dom zurück. Mehr als ein Jahrzehnt später, 1522/23, schöpften sie noch einmal die Hoffnung, doch wieder zu ihrem Recht zu kommen, und zwar mit Hilfe Erzherzog Ferdinands, des späteren Königs und Kaisers Ferdinand I. Doch die Bemühungen des Konvents, an dessen Spitze damals Propst [[Paulus Nuster]] stand, brachten keinen Erfolg: Sowohl der St.-Georgs-Ritterorden als auch der 1521 eingesetzte neue Bischof von Neustadt Dr. Dietrich Kammerer setzten sich gegen die Wünsche und Bitten der Augustiner-Chorherren energisch zur Wehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation – das Ende der Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren=== &lt;br /&gt;
Ende der zwanziger Jahre des 16. Jahrhunderts fand die Lehre Martin Luthers auch in Wiener Neustadt Eingang. Es waren hier vor allem die Augustiner-Chorherren mit ihrem Sitz in der Vorstadt St. Ulrich, die sich der neuen Lehre gegenüber höchst aufgeschlossen zeigten – schon um das Jahr 1528 wurde sie in der Kirche St. Ulrich gepredigt. Bei der zu diesem Zeitpunkt vom Landesfürsten angeordneten Visitation aller Klöster wurde bezüglich des Wiener Neustädter Augustiner-Chorherrenklosters St. Ulrich berichtet, dass man hier nicht nur &amp;quot;etliche buecher der neuen opinion&amp;quot; entdeckt hätte, sondern dass auch die Klosterdisziplin sehr zu wünschen übrig lasse. Daraufhin erging unverzüglich an die Visitatoren der Befehl, keine Zeit zu verlieren und sofort &amp;quot;wider Brobst, Dechant und Khelner zu St. Ulrich vor der Newenstat von wegen Irer aufrürigen verkherlichen unnd lutherischen secten&amp;quot; zu verfahren. Da sich jedoch Dechant und Kellermeister rechtzeitig dem Zugriff der Obrigkeit entzogen hatten, konnten nur Propst Paulus Nuster, ferner ein Profess namens Augustin sowie drei weitere, namentlich nicht genannte Chorherren festgenommen werden. Sie wurden nach Wien gebracht und in Haft genommen. Relativ rasch erklärten sich Propst Paulus und der Profess Augustin zu einem öffentlichen Widerruf bereit; von dem Bischof-Koadjutor Johann Fabri ist ihnen daraufhin die Lossprechung gewährt worden. Die drei anderen Chorherren scheinen nicht bereit gewesen zu sein, zu widerrufen; sie wurden weiterhin in Wien gefangen gehalten – wobei für ihren Unterhalt im Gefängnis der Wiener Neustädter Augustinerkonvent aufzukommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch im Jahre 1528 veranlasst die mit der Visitation betraute landesfürstliche Kommission Propst Paulus Nuster, einen Laien, u. zw. den Wiener Neustädter Bürger Hans Mitterpacher, zum Verwalter der &amp;quot;hauswirtschaft&amp;quot; des wirtschaftlich arg zerrütteten Klosters St. Ulrich einzusetzen. Als 1529 die Türken gegen Wien zogen, wurde in aller Eile auch die Grenzstadt Wiener Neustadt in Verteidigungszustand gesetzt. Dazu gehörte u. a. die Abtragung verschiedener Gebäude in den Vorstädten, um dem Feind keine Möglichkeit zu geben, sich darin zu verschanzen. Auch das nach der ungarischen Belagerung nur notdürftig wieder instandgesetzte Kloster und die Kirche von St. Ulrich sind damals demoliert worden. Nach Beendigung der Belagerung Wiens und dem Abzug des türkischen Heeres ist in Wiener Neustadt ein Wiederaufbau des damals von seinen Bewohnern wahrscheinlich bereits aufgegebenen und verlassenen Augustiner-Chorherrenklosters von St. Ulrich wohl nicht mehr in Erwägung gezogen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch im Jahr 1529 setzten von verschiedenen Seiten Bemühungen ein, sich die zu der abgebrochenen Augustinerpropstei St. Ulrich gehörigen Besitzungen zu sichern: So wurde zunächst gleich einmal der Rat der Stadt Wiener Neustadt bei König Ferdinand I. vorstellig, um sich die genannten Güter zu erbitten. Dem Wunsch der Wiener Neustädter wurde 1530 entsprochen, allerdings nur unter der Bedingung, den Erlös aus diesen nun von der Stadt verwalteten ehemaligen Besitzungen der Augustiner-Chorherren zur Verbesserung der Stadtbefestigung zu verwenden. Es war aber offensichtlich nur Grund- und Hausbesitz, den der König der Stadt Wiener Neustadt damals überlassen hatte: die Klosterbibliothek sowie wertvolle Paramente, Ornate und Kirchengerät sind auf Befehl Ferdinands I. hin in die Burg gebracht worden und so vermutlich in das Eigentum des St.-Georgs-Ritterordens übergegangen. Eine zum Kloster St. Ulrich gehörige Mühle und das Sägewerk in Breitenau ist nicht der Stadt, sondern dem Rentmeister zugesprochen worden. Gleichzeitig mit der Stadt Wiener Neustadt versuchte auch der damalige Neustädter Bischof Dr. Dietrich Kammerer, zugunsten seines recht unzulänglich dotierten Bistums die Augustiner-Chorherren von St. Ulrich zu beerben. Bischof Dietrich (der 1528 in den St.-Georgs-Ritterorden eingetreten war) erhielt dabei wertvolle Hilfe durch den Bischof von Wien Johann Fabri, der als Beichtvater und Berater König Ferdinands I. großen Einfluss auf dessen Entscheidungen hatte. Tatsächlich gelang es den Bischöfen von Wien und von Wiener Neustadt durchzusetzen, dass das Klostergut von St. Ulrich wieder der Stadt Wiener Neustadt entzogen wurde. Es ist zunächst der Universität Wien inkorporiert, aber schon bald darauf (am 6. September 1535) dem Bischof von Wiener Neustadt zur Verwaltung und Nutznießung überlassen worden. Als Gegenleistung war vom Bistum Wiener Neustadt jährlich eine Summe von 443 Gulden an die Wiener Universität zu zahlen. Als es in der Folge immer wieder zu Differenzen zwischen Universität und Bistum kam, hat Kaiser Ferdinand I. am 1. November 1551 dem Bistum Wiener Neustadt &amp;quot;das Sanct Ulrich Closter sambt desselben gründen, güttern, nutzungen, einkhomen, freyhaiten, rechten und gerechtigkeiten, nichts ausgeschlossen, gnediglich übergeben, incorporirt und eingeleibt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Für das Kloster der Regulierten Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt – diese waren zur Betreuung der neuen Kirche ''ob dem tor'' in der Burg (der späteren St. Georgskirche) vorgesehen – hatte der kaiserliche Stifter im Jahre 1459 folgende Dotation vorgesehen: Die (damals auf ungarischem Boden gelegene) Herrschaft Hornstein mit etlichen andern ''stukhen und guettern'', ferner eine Mühle an der Schwarza in Breitenau und – als vorläufige Wohnung für die Augustiner-Chorherren gedacht – ein Haus in Wiener Neustadt. Im Jahr darauf schenkte Friedrich III. dem Augustiner-Chorherrenstift die Burg Pitten, zwei weitere an ihr Wiener Neustädter Haus angrenzende Häuser mit allen Rechten und Zugehörungen, sicherte ihnen den jährlichen Bezug von 60 Fuder Salz aus den Salinen in Aussee zu und übergab ihnen schließlich die bis dahin dem Stift Weltlicher Chorherren inkorporierte Pfarrkirche St. Ulrich samt den dazu gehörigen Einkünften. Trotz der steten Fürsorge Friedrichs III. für die beiden Wiener Neustädter Chorherrenstifte blieb deren Ausstattung immer noch hinter den tatsächlich vorhandenen Erfordernissen zurück. Dies hatte nicht nur eine Reduzierung der ursprünglich für Wiener Neustadt vorgesehenen Kanonikerzahl zur Folge, sondern war Anlass für die zuletzt nur Schwierigkeiten mit sich bringenden Bestrebungen, Chorherrenstifte und St.-Georgs-Ritterorden zu vereinigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Stadt Wiener Neustadt und somit auch das 1459 gegründete Chorherrenstift befanden sich infolge ihrer zeitweiligen Zugehörigkeit zum Herzogtum Steiermark während des Mittelalters im Einflussgebiet des Erzbischofs von Salzburg. Als 1469 das Bistum Neustadt gegründet wurde, entzog Papst Paul II. die neue Diözese – und damit auch die hier befindlichen beiden Chorherrenstifte – der Jurisdiktion des Salzburger Erzbischofs. Mit der 1477 erfolgten Ernennung Peter Engelbrechts, des Dechanten der Weltlichen Chorherren in Wiener Neustadt, zum Bischof von Neustadt gingen die Rechte des Erzbischofs von Salzburg an den Neustädter Bischof über. Häufig übten jedoch päpstliche Legaten bei den Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren die Rechte des Ortsordinarius aus, nahmen Bestätigungen und Verleihungen vor und erteilten Sondervollmachten. Es war ganz im Sinne Kaiser Friedrichs III., möglichst viele Rechtshandlungen vom Apostolischen Stuhl selbst bestätigen oder durchführen zu lassen. Dass man sich in Angelegenheiten des Augustiner-Chorherrenklosters besonders oft an Rom zu wenden hatte, ist damit zu erklären, dass das Neustädter Bistum von 1495 bis 1521 vakant war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Sowohl Pröpste als auch Kanoniker der Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt waren fast durchwegs bürgerlicher oder bäuerlicher Herkunft. Sie kamen aus steirischen, kärntnerischen, salzburgischen und österreichischen Klöstern und Pfarren, aber auch aus Passau, aus Chiemsee usw.; es waren Geistliche der Erzdiözese Salzburg und der Diözese Passau. Während jedoch das weltliche Chorherrenstift zu Wiener Neustadt in enger Verbindung zum Stift Spital am Pyhrn stand, hatte das Stift St. Dorothea in Wien großen Einfluss auf das Wiener Neustädter Augustiner-Chorherrenstift. Zu bischöflichen Würden gelangte der aus Chiemsee stammende Augustin Kiebinger, der von 1491 bis 1495 an der Spitze des Neustädter Bistums stand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
Im Jahr 1493 wurde dem Augustiner-Chorherrenstift zu Wiener Neustadt die Unserer Lieben Frau geweihte [[Liste der Pfarren des Stiftes Wiener Neustadt#Unserer-Lieben-Frauen-Pfarrkirche|Wiener Neustädter Pfarrkirche]] inkorporiert. Es war dies eine dreischiffige, spätromanisch-frühgotische Pfeilerbasilika aus dem 13. Jahrhundert mit einem Anfang des 14. Jahrhunderts anstelle der romanischen Choranlage errichteten gotischen Querschiff und gotischem Chor. Das romanische Westwerk mit den beiden rund 60 m hohen Türmen (Ende des 19. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit abgetragen und rekonstruiert) stammt aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Friedrich III. geht eine heute noch z. T. erhaltene neue Innenausstattung zurück, so unter anderem die mit reichem Blendmaßwerk, dem &amp;quot;AEIOU&amp;quot; und &amp;quot;1449&amp;quot; dekorierte &amp;quot;Hofempore&amp;quot; und die an den Pfeilern des Mittelschiffs stehenden lebensgroßen Apostelstatuen sowie die darunter angebrachten &amp;quot;Prophetentafeln&amp;quot; vom Meister des Winkler-Epitaphs (um 1490). In dem durch die Gründung des Bistums Neustadt 1469 zur Bischofskirche gewordenen Gotteshaus befinden sich eine Grablege der früh verstorbenen Kinder Erzherzogs Ernst des Eisernen (die wappengeschmückte Deckplatte des Hochgrabes überdauerte die Barockisierung des Doms im 18. Jahrhundert) sowie einige Grabdenkmäler Wiener Neustädter Bischöfe. Die Marmorkanzel im Mittelschiff ist ein Geschenk des Kardinals, Bischofs von Wien und Administrator des Bistums Neustadt Melchior Khlesl aus den Jahren 1608/09. Über das Aussehen des mittelalterlichen Hauptaltars ist nichts bekannt; seit 1767/76 steht an seiner Stelle ein mächtiger, sehr kostbarer Barockaltar; auf dem Altarbild ist Mariä Himmelfahrt (ein Werk des Gian Domenico Cignaroli, 1773) dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren hatten aber bereits vor der Domkirche die der hl. Maria geweihte Kirche &amp;quot;ob dem tor&amp;quot; in der Burg inne. Diese in den Jahren 1449 bis 1460 in den Westtrakt der Wiener Neustädter Burg eingebaute ursprüngliche Marien- und spätere Georgskirche ist auf Wunsch Friedrichs III. den Augustiner-Chorherren sofort nach Fertigstellung im Jahr 1460 übergeben worden. Es war dies eine über einer gewaltigen gotischen Torhalle errichtete dreischiffige Hallenkirche mit geradem, von drei Fenstern durchbrochenen Chorabschluss. Von den acht 13 m hohen Säulen, die das Mittelschiff gegen die Seitenschiffe hin abgrenzten, hat die Zerstörungen, die Bomben im Zweiten Weltkrieg in der Kirche anrichteten, lediglich eine einzige, freskengeschmückte Säule gegenüber dem Oratorium der Kaiserin unversehrt überdauert. Entlang der Nord-, West- und Südwand der Kirche zieht sich eine auf Kragsteinen ruhende, steinerne Galerie hin, die an der Nordwand im reich geschmückten Oratorium des Kaisers, an der Südwand im Oratorium der Kaiserin endet. Unter den Stufen zum Hochaltar fand Kaiser Maximilian I. (verstorben 1519) seine letzte Ruhestätte. Das mittlere der drei mit prachtvollen Glasgemälden aus der Mitte des 16. Jahrhunderts versehenen Fenstern der Ostwand (durch Auslagerung im Zweiten Weltkrieg vor der Zerstörung bewahrt) zeigt Maximilian I. mit seiner Familie; darüber eine Darstellung der Taufe Christi. Von der Originalverglasung der Fenster der Nord- und Westwand hat sich nichts erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Kaiser Friedrich III. geht der große holzgeschnitzte, vergoldete Reliquienschrein zurück. In dem zwölfeckigen Taufbecken aus rotem Marmor, das Mitte des 15. Jahrhunderts geschaffen wurde, ist mit großer Wahrscheinlichkeit der 1459 in der Wiener Neustädter Burg geborene spätere Kaiser Maximilian I. getauft worden. An der dem Burghof zugewandten Außenseite der St. Georgskirche – als die Kirche 1479 vom Kaiser dem St.-Georgs-Ritterorden übergeben wurde, scheint bald darauf ein Patroziniumswechsel stattgefunden zu haben - befindet sich die berühmte Wappenwand, fertiggestellt im Jahre 1453: 107 Wappenreliefs umgeben das Mittelfenster der Ostwand; unterhalb des Fensters steht die von den Wappen der habsburgischen Erbländer flankierte Statue Friedrich III. dargestellt mit den Insignien eines österreichischen Erzherzogs. Nach oben schließen drei Baldachinnischen mit den Sandsteinfiguren der hl. Maria (&amp;quot;Kirschenmadonna&amp;quot;), der hl. Katharina und der hl. Barbara die Wappenwand ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Aussehen der zuerst dem Stift Weltlicher Chorherren, später dann (1459) den Augustiner-Chorherren übergebenen Kirche St. Ulrich und dem dazugehörigen Kloster ist nichts bekannt: Kirche und Kloster St. Ulrich wurden bereits bei der Belagerung der Stadt Wiener Neustadt durch die Ungarn in den Jahren 1485 bis 1487 schwer beschädigt, daraufhin vermutlich nur notdürftig wiederhergestellt und schließlich im Türkenjahr 1529 endgültig abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Gertrud Buttlar-Gerhartl: Wiener Neustadt – Bischofssitz von 1469–1783. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich N.F. 52 (1986), S. 1–54.&lt;br /&gt;
* Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs, Niederösterreich südlich der Donau. Teil 2, Horn / Wien 2003.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fasching: Die Chorherrenstifte von Wiener Neustadt. Eine rechtsgeschichtliche Untersuchung. Veröffentlichungen des Kirchenhistorischen Instituts der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Bd. 2. Wien 1966.&lt;br /&gt;
* Johann Franzl: Studien zur Geschichte des Protestantismus in Wiener Neustadt. Diss. Univ. Wien. Wien 1974.&lt;br /&gt;
* Gertrud Gerhartl: Der Dom zu Wiener Neustadt 1279. Wien / Köln / Graz 1979.&lt;br /&gt;
* Gertrud Gerhartl: Wiener Neustadt. Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft. Wien &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;1993.&lt;br /&gt;
* Johann Jobst: Die Neustädter Burg und die k.u.k. Theresianische Militärakademie. Wien / Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
* Josef Mayer: Geschichte von Wiener Neustadt. Bd. 2. Wiener Neustadt 1926.&lt;br /&gt;
* Claudia Moddelmog: Königliche Stiftungen des Mittelalters im historischen Wandel: Quedlinburg und Speyer, Königsfelden, Wiener Neustadt und Andernach. Berlin 2012, S. 205–222.&lt;br /&gt;
* Georg Niemetz: Der Dom zu Wiener Neustadt. München 1984 (Schnell-Kunstführer, 1196).&lt;br /&gt;
* Erwin Reidinger: Planung oder Zufall. Wiener Neustadt 1192. Wiener Neustadt 1995.&lt;br /&gt;
* Roland  Schäffer: Adelige – Schwaben – Hofbeamte – Prinzenlehrer – arme Bischöfe. Die Pfarrer von Riegersburg im 14. und 15. Jahrhundert. In: Festschrift Gerhard Pferschy zum 70. Geburtstag. Hg. von Gernot Peter Obersteiner / Peter Wiesflecker. Graz 2000 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, 12), S. 577–601.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Wiener Neustadt</title>
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		<updated>2022-07-15T12:13:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Gründung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1459&lt;br /&gt;
|Datum bis=1529&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Kirchlich gehörte Wiener Neustadt – von 1469 bis 1783 existierte ein Bistum Wiener Neustadt – zunächst zum Erzbistum Salzburg; seit 1722 war es ein Suffragan des Erzbistums Wien. Nach Aufhebung des Wiener Neustädter Bistums im Jahr 1783 fiel das Wiener Neustädter Stadtgebiet an das Erzbistum Wien.&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=de nova sua civitate edificatione (1194/95), apud Novam Civitatem (1204), Nova civitas in publico placito (1217), Niwenstat, muta in Nova Civitate (1244), in der Newentatt (1321), enhalben der Newenstat (1333), S(igillum) Vindobonensis Nove Civitatis (1358), ze der Newnstat (1363), von der Neustadt (1368), Urbe Novella (1425), Newstatt (1437/38), Neustadt (1460), die Wienerische Neustadt (Mitte 17. Jahrhundert), k.k. Stadt Wienerisch Neustadt (1747), k.k. Stadt Wiener Neustadt (1785)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=St. Ulrich, ab 1460 hl. Jungfrau Maria (Hallenkirche &amp;quot;ob dem tor&amp;quot;), ab 1469 wieder St. Ulrich&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Statutarstadt 50 km südlich von Wien gelegen. Ursprünglich zum Besitz der Grafen Formbach-Pitten gehörig, ging das im Mittelalter zwischen den Herzogtümern Österreich und Steiermark gelegene Gebiet 1158 an die Markgrafen von Steier aus dem Geschlecht der Traungauer über. Nach dem Aussterben der Traungauer 1192 an den im benachbarten Österreich regierenden Babenberger Herzog Leopold V. Bis Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Stadt Wiener Neustadt immer wieder als zur Steiermark gehörig bezeichnet; erst dann gilt Wiener Neustadt als österreichische Stadt.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung=== &lt;br /&gt;
In der auf Befehl des Babenbergerherzogs Leopold V. um 1194 nahe der Grenze gegen Ungarn angelegten, stark befestigten &amp;quot;Neuen Stadt&amp;quot; sind bereits ein halbes Jahrhundert nach der Stadtgründung eine beachtliche Anzahl von Ordensniederlassungen nachzuweisen: um das Jahr 1250 gibt es hier ein Kloster der Minoriten, eines der Dominikaner und eines der Dominikanerinnen sowie ein Haus des Deutschen Ordens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der Regierungszeit des frommen Habsburgers Friedrich III. (1440–1493) – dessen bevorzugte Residenz viele Jahrzehnte hindurch Wiener Neustadt gewesen ist – wird die Zahl der Niederlassungen geistlicher Orden innerhalb seiner Residenzstadt dann sogar mehr als verdoppelt. Zu den bereits bestehenden Klöstern (wobei das Dominikanerinnenkloster allerdings Anfang der vierziger Jahre des 15. Jahrhunderts zu bestehen aufhört) kommen nun noch ein Zisterzienserkloster (Stift Neukloster 1444), ein Stift Weltlicher Chorherren (1444), ein Stift Regulierter Augustiner-Chorherren (1459), eine Niederlassung des St.-Georgs-Ritterordens (seit ca. 1476) sowie ein Paulinerkloster (1480). Außerdem gelingt es Kaiser Friedrich III. im Jahr 1469, die Zustimmung des Papstes für die Errichtung eines Bistums in Wiener Neustadt zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Bulle vom 20. Dezember 1459 gab Papst Pius II. seine Zustimmung zur Gründung eines Augustiner-Chorherrenklosters in Wiener Neustadt und erfüllte damit den lange gehegten Wunsch Kaiser Friedrichs III. – er hatte ihn bereits anlässlich seines Romaufenthaltes 1452 Papst Nikolaus V. vorgetragen. Eine wichtige Voraussetzung für diese Klostergründung war bereits im Juni 1459 geschaffen worden: nachdem die Weltlichen Chorherren auf die ihrem Stift inkorporierte [[Liste der Pfarren des Stiftes Wiener Neustadt #Pfarre St. Ulrich|Pfarrkirche St. Ulrich]], in der westlichen Vorstadt von Wiener Neustadt gelegen, verzichtet hatten, stand diese Kirche (und zwar mit allen Zugehörungen) nun als Ausstattung für die Augustiner-Chorherren zur Verfügung. Der Stiftbrief für das Kloster der Regulierten Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt blieb bedauerlicherweise nicht erhalten. Es ist jedoch überliefert, dass der Augustinerkonvent nach dem Willen des kaiserlichen Stifters aus Propst, Dechant und 30 Chorherren bestehen sollte – diese große Zahl mag aber kaum je erreicht worden sein, denn die auch hier höchst unzulängliche Dotation hätte dies nur schwerlich erlaubt: Kaiser Friedrich III. vermochte seiner neuen Stiftung lediglich Burg und Herrschaft Hornstein im ungarischen Komitat Ödenburg, diverse dazugehörige Besitzungen in Deutsch- bzw. Ungarisch-Brodersdorf und in Stinkenbrunn, ferner eine Mühle an der Schwarza in Breitenau und schließlich ein gegenüber der Wiener Neustädter Burg gelegenes Haus zu schenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Gottesdienst hatten die Augustiner-Chorherren ab 1459 zunächst in der Pfarrkirche St. Ulrich zu versehen. Aber es war die am 8. Juni 1460 vom päpstlichen Legaten Kardinal Bessarion zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria geweihte große, neue Kirche &amp;quot;ob dem tor&amp;quot; in der Burg (die spätere St. Georgskirche), die Friedrich III. von allem Anfang an den Augustiner-Chorherren zugedacht hatte. In einer Urkunde vom 12. Juni 1460 heißt es jedenfalls, dass der Kaiser &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;ein Convent und Kirchen in Unser Burg auf dem Tor in der Neustadt mit firsatz, datz darin hinfuer ewiglich wonen und ein Convent machen und sein sullen Probst, Dechant und der korherren sannd Augustius Regel, gepauet, erhebet und gestifftet...&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; habe. Rund ein Jahrzehnt wirkten die Augustiner-Chorherren tatsächlich an der Marienkirche &amp;quot;ob dem Tor&amp;quot; in der kaiserlichen Burg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einem Wunsch Kaiser Friedrichs III. entsprechend, schrieb Papst Pius II. den Augustiner-Chorherren von Wiener Neustadt eine Kleidung vor, die sich von der sonst üblichen durch ihre Farbe unterschied: anstatt eines weißen Habits sollten sie einen braunen Habit mit einem goldfarbenen Kreuz auf der rechten Seite tragen; für das Almuzium (Schultermäntelchen aus Pelz), das über dem Habit getragen wurde, war an Festtagen und in der Kirche die Farbe weiß (anstatt, wie üblich, schwarz) vorgesehen, an gewöhnlichen Tagen und außerhalb der Kirche hatte man ein braunes Almuzium umzunehmen. Wie dem Propst der Weltlichen Chorherren stand auch dem Propst der Augustiner-Chorherren das Recht auf Pontifikalien zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes der Augustiner-Chorherren ist als Relief auf dem Friedrichsgrab im Wiener Stephansdom festgehalten: zu beiden Seiten des in der Mitte thronenden hl. Ulrich kniet je ein Infulierter – vermutlich Propst und Dechant; diese Gruppe wird von dreizehn (ebenfalls knienden) Kanonikern umgeben. Die Inschrift lautet: &amp;quot;CANONICI REGULARES S. ULRICI NOVE CIVITATIS&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vom Einzug der Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt bis zur Übersiedelung nach St. Ulrich===&lt;br /&gt;
Es waren wohl in erster Linie Chorherren aus dem [[Stift St. Dorothea in Wien|Kloster St. Dorothea in Wien]], die 1459/60 in der Kaiserresidenz Wiener Neustadt Einzug hielten und den Grundstock für das neu gegründete Augustiner-Chorherrenkloster daselbst bildeten. Auch [[Wilhelm Bermut]], den Kaiser Friedrich III. als ersten Propst seiner neuesten Klostergründung präsentierte, ist ein Chorherr von St. Dorothea gewesen. Wahrscheinlich wurden vom Wiener Neustädter Augustinerkonvent auch die im Stift St. Dorothea in Wien geltenden Statuten übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm und die mit ihm gekommenen Kanoniker nahmen Wohnung in dem vom Kaiser &amp;quot;von der Eysnerin&amp;quot; gekauften, der Burg gegenüberliegenden Haus; als sich dies bald als zu klein erwies, erwarb Friedrich III. für die Augustiner-Chorherren noch zwei an das genannte Haus anschließende Bürgerhäuser. Hier hatten die Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren nun in den nächsten zehn Jahren ihren Sitz – wobei sich diese Örtlichkeit als sehr praktisch hinsichtlich der Abhaltung des Gottesdienstes in der den Häusern gegenüberliegenden Marienkirche der kaiserlichen Burg erwies, die Betreuung der ziemlich weit entfernt davon liegenden Pfarrkirche St. Ulrich jedoch zu einem Problem werden ließ. Dieses Problem wurde ein Jahrzehnt später folgendermaßen gelöst: vermutlich 1468/69, also zur Zeit von Kaiser Friedrichs III. Zweitem Romzug, übersiedelten die Augustiner-Chorherren aus ihren bei der kaiserlichen Burg gelegenen Häusern in die Vorstadt St. Ulrich und bezogen Wohnung in den zur Pfarrkirche St. Ulrich gehörigen Gebäuden: Friedrich III. hatte Papst Paul II. darauf hingewiesen, dass die Entfernung zwischen Kloster und Kirche der Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren so groß sei, dass die Chorherren ihren Verpflichtungen weitaus besser nachgehen könnten, würden sie bei der Kirche St. Ulrich selbst wohnen. Daraufhin beauftragte der Papst den Abt des Stiftes Neukloster in Wiener Neustadt, St. Ulrich zu einer Konventspropstei zu erheben und das Kapitel der Augustiner-Chorherren von der Marienkirche ob dem Tor in der Burg nach St. Ulrich zu versetzen. Die Angelegenheit zog sich hin: erst 1471 hatte Abt Johannes die ihm anbefohlene Errichtung der Propstei St. Ulrich und die Versetzung der Augustiner-Chorherren dorthin durchgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Augustiner-Chorherrenstift zu Wiener Neustadt und der St.-Georgs-Ritterorden===&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1478 holte Kaiser Friedrich III. den von ihm gegründeten und 1469 von Papst Paul II. bestätigten St.-Georgs-Ritterorden nach Wiener Neustadt. Dem bisher eher bescheiden dotierten Ritterorden übergab Friedrich III. die seit der Übersiedelung der Augustiner-Chorherren an die Kirche St. Ulrich wieder zur Verfügung stehende, der hl. Maria geweihte Kirche''ob dem tor'' (die spätere St. Georgskirche) in der kaiserlichen Burg zu Wiener Neustadt. Damit nicht genug, scheint Hans Siebenhirter, erster Hochmeister des St.-Georgs-Ritterordens, dem Kaiser die Idee eingegeben zu haben, den Papst um eine Vereinigung des St.-Georgs-Ritterordens mit dem Bistum Neustadt zu ersuchen: diese Vereinigung hätte die Wiener Neustädter Domkirche mit allen dazugehörigen Besitzungen unter den Einfluss der Georgsritter gebracht und ihre Position sehr gestärkt; Papst Sixtus IV. zeigte sich höchst entgegenkommend und vereinigte tatsächlich mit Bulle vom 24. Juni 1479 Bistum Neustadt und St.-Georgs-Ritterorden. Diese Verbindung Bistum – St.-Georgs-Ritterorden bestand jedoch nur auf dem Papier: Bischof Peter von Neustadt bekämpfte sie mit großer Ausdauer und weigerte sich hartnäckig, dem Georgs-Ritterorden irgendwelche Rechte an der Liebfrauen-Pfarrkirche, also dem nunmehrigen Dom, zuzugestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Matthias Corvinus im Jahre 1490 und der Zurückgewinnung der von den Ungarn besetzten Stadt Wiener Neustadt durch König Maximilian I. verfolgte der seine letzten Lebensjahre in Linz verbringende Kaiser Friedrich III. einen neuen Plan, um sowohl Ansehen als auch Ausstattung des St.-Georgs-Ritterordens aufzubessern: Als die Ungarn im Jahre 1487 in die westliche Vorstadt der überaus tapfer verteidigten Stadt Wiener Neustadt eingedrungen waren, war bei den heftigen Kämpfen die Kirche St. Ulrich und das dort befindliche Kloster der Augustiner-Chorherren weitgehend zerstört worden. Nach der Vertreibung der ungarischen Besatzung im Jahre 1490/91 fehlte es an Mitteln, um Kirche und Kloster St. Ulrich unverzüglich wiederaufzubauen. Das mag Kaiser Friedrich III. veranlasst haben, die Übersiedelung der obdachlos gewordenen Augustiner-Chorherren an die Domkirche (bzw. in den dazugehörigen Propsthof) in Erwägung zu ziehen. Da Bischof Peter Engelbrecht am 17. Februar 1491 gestorben war, hatte man von dieser Seite keinen Protest zu erwarten; auch Peter Engelbrechts Nachfolger würde gegen diese Entscheidung kaum etwas einzuwenden haben, beabsichtigte der Kaiser doch [[Augustin Kiebinger]], Propst der Augustiner-Chorherren zu Wiener Neustadt, dem Papst als neuen Bischof von Wiener Neustadt zu präsentieren. Allerdings stellte Friedrich III. die Bedingung, dass sowohl der zukünftige Bischof als auch der gesamte Konvent der Augustiner-Chorherren in Zukunft den Ordenshabit der Georgsritter tragen müssten: so würde man endlich die schon (allerdings nur vom Kaiser und den Georgsrittern) so lange gewünschte tatsächliche Vereinigung von St.-Georgs-Ritterorden und Bistum – und nun auch Augustiner-Chorherrenstift – erreichen. Nachdem Hochmeister Johann Geumann und sechs Angehörige des St.-Georgs-Ritterordens diesem Vorhaben Friedrichs III. ihre Zustimmung gegeben hatten, erklärte sich auch der zum Kaiser nach Linz befohlene Chorherrenpropst Augustin Kiebinger bereit, die Neustädter Bischofswürde zu den oben genannten Bedingungen anzunehmen. Die von Kaiser Friedrich III. in Linz beurkundete &amp;quot;verainigung und vertrag&amp;quot; zwischen dem Hochmeister des St.-Georgs-Ritterordens und dessen Mitbrüdern einerseits, sowie dem Propst zu St. Ulrich und dem Konvent der Regulierten Augustiner-Chorherren andererseits, datiert vom 20. April 1491. Dieser Vertrag räumt den Augustiner-Chorherren Anrecht auf Wohnung und Seelsorge bei der bisher dem St.-Georgs-Ritterorden inkorporierten Wiener Neustädter Pfarrkirche, also dem Dom, ein. Neben der den Augustiner-Chorherren als &amp;quot;sitz und wonung&amp;quot; zugestandenen Domkirche verblieb ihnen aber nach wie vor die Propstei St. Ulrich. Außerdem erhielt der Augustiner-Konvent noch das nahe bei Wiener Neustadt gelegene Dorf Saubersdorf, ferner 100 Pfund Pfennig jährliche Gült aus dem kaiserlichen Kammergut und schließlich noch das Privileg, jährlich 24 Dreiling Wein in Wiener Neustadt ausschenken zu dürfen, und zwar ohne dafür &amp;quot;Ungeld&amp;quot; entrichten zu müssen. Doch ungeachtet dieser recht beachtlichen Schenkungen und Benefizien, scheint bei den Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren schon bald nach Vertragsabschluss ein Sinneswandel eingetreten zu sein: plötzlich lehnten sie es strikte ab, zum äußeren Zeichen für die erfolgte Vereinigung den Habit des St.-Georgs-Ritterordens anzuziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der von Alter und Krankheit geplagte Kaiser musste sich damit abfinden, dass die von ihm so sehr gewünschte Vereinigung des St.-Georgs-Ritterordens mit Bistum und Augustiner-Chorherrenstift gescheitert war. Kurz vor seinem Tod im August 1493 setzte sich Friedrich III. beim Heiligen Vater in Rom dafür ein, dass man dort von der Inkorporation der Domkirche in den St.-Georgs-Ritterorden, &amp;quot;die denselben orden nit nuzlich gewesen ist&amp;quot;, wieder Abstand nehme und den Dom dem Augustinerkloster inkorporiere. Dem kaiserlichen Wunsch wurde entsprochen und Rom erkannte in der Folge in Wiener Neustadt die Augustiner-Chorherren als Kathedralkapitel an. Ein Zugeständnis gab es auch hinsichtlich der Kleidung der Augustiner: es wurde ihnen schriftlich bestätigt, von nun an wieder auf der Straße den braunen Habit (in der Kirche &amp;quot;mit Fehen Chorkappen&amp;quot;) tragen zu dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als am 24. Juni 1495 Bischof Augustin von Neustadt starb, wurde nicht – wie man hätte erwarten können – der Propst der Augustiner-Chorherren [[Johann Huntzdorfer]] zu dessen Nachfolger gewählt. Es ist wahrscheinlich der St.-Georgs-Ritterorden gewesen, der eine Präsentation Huntzdorfers zu hintertreiben gewusst hatte. So unterblieb die Ernennung eines neuen Bischofs von Neustadt vorderhand: die Sympathie König Maximilians I. – der 1493, nach dem Tode seines Vaters, Kaiser Friedrich III., an die Regierung gekommen war – gehörte ohne Zweifel dem St.-Georgs-Ritterorden und der König unternahm nichts gegen dessen Interessen. Allerdings machte man weder von weltlicher, noch von geistlicher Seite den Augustiner-Chorherren den Besitz der Domkirche streitig. Sowohl Propst Johann Huntzdorfers Nachfolger [[Bernhard Zottmann]] wie auch der nächste Chorherrenpropst, [[Egidius Wiblinger]], erhielten ohne Schwierigkeiten seitens des Papstes die Ansprüche der Augustiner-Chorherren auf den Wiener Neustädter Dom zugesichert (1497 bzw. 1504).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1506 wurden die Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren auch durch Maximilian I. in all ihren Rechten bestätigt. Während der bis zum Jahre 1521 andauernden Sedisvakanz des Neustädter Bistums oblag dem Kapitel der Augustiner-Chorherren (das bereits während der Amtszeit des Bischofs Augustin Kiebinger 1491 bis 1495 gemeinsam mit diesem Bischof die Diözese regiert hatte) allein die Verwaltung des kleinen Stadtbistums. Die damit verbundenen Pflichten erfüllte das Kapitel zum einen Teil selbst, zum anderen Teil hatte sie sie einem Offizial übertragen. Mit dieser Entwicklung konnte natürlich der St.-Georgs-Ritterorden auf keinen Fall einverstanden sein. So versuchten die Georgsritter ab 1497 mit ständigen Protesten, die Stellung der Augustiner-Chorherren zu erschüttern; Unterstützung erhielten sie dabei von dem ihnen stets wohlgesinnten König: Maximilian I. – der erst 1506 den Augustiner-Chorherren den Besitz der Domkirche bestätigt hatte – sprach noch im selben Jahr die genannte Kirche den Georgsrittern zu. Das heißt, er lässt ihnen die Wahl, entweder in Zukunft den Habit des St.-Georgs-Ordens zu tragen oder auf die Dompfarre zu verzichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren zeigten sich weder zur Annahme der Ordenstracht der Georgsritter, noch zum Verzicht auf die Domkirche bereit. So sah sich Kaiser Maximilian I. veranlasst, eine Kommission einzusetzen, die die Augustiner zur Übergabe der Domkirche an den St.-Georgs-Ritterorden bewegen sollte. Worauf beide Seiten Urkunden vorlegten, die ihre Rechte und Ansprüche bestätigten; man war nicht im geringsten zum Nachgeben bereit. Die Verhandlungen zogen sich hin – erhielten die Augustiner-Chorherren in dieser Angelegenheit Unterstützung durch den Papst, so hatten die Georgsritter Kaiser Maximilian auf ihrer Seite. Auf Befehl des Kaisers wurden dem Augustiner-Chorherrnstift die aus der Innehabung der Domkirche resultierenden Einkünfte entzogen. Dieser seitens des Kaisers ausgeübte massive Druck brachte schließlich die Entscheidung: im Jahre 1508 resignierten die Augustiner-Chorherren und zogen sich aus dem Dom zurück. Mehr als ein Jahrzehnt später, 1522/23, schöpften sie noch einmal die Hoffnung, doch wieder zu ihrem Recht zu kommen, u. zw. mit Hilfe Erzherzog Ferdinands, des späteren Königs und Kaisers Ferdinand I. Doch die Bemühungen des Konvents, an dessen Spitze damals Propst [[Paulus Nuster]] stand, brachten keinen Erfolg: Sowohl der St.-Georgs-Ritterorden als auch der 1521 eingesetzte neue Bischof von Neustadt Dr. Dietrich Kammerer setzten sich gegen die Wünsche und Bitten der Augustiner-Chorherren energisch zur Wehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation – das Ende der Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren=== &lt;br /&gt;
Ende der zwanziger Jahre des 16. Jahrhunderts fand die Lehre Martin Luthers auch in Wiener Neustadt Eingang. Es waren hier vor allem die Augustiner-Chorherren mit ihrem Sitz in der Vorstadt St. Ulrich, die sich der neuen Lehre gegenüber höchst aufgeschlossen zeigten – schon um das Jahr 1528 wurde sie in der Kirche St. Ulrich gepredigt. Bei der zu diesem Zeitpunkt vom Landesfürsten angeordneten Visitation aller Klöster wurde bezüglich des Wiener Neustädter Augustiner-Chorherrenklosters St. Ulrich berichtet, dass man hier nicht nur &amp;quot;etliche buecher der neuen opinion&amp;quot; entdeckt hätte, sondern dass auch die Klosterdisziplin sehr zu wünschen übrig lasse. Daraufhin erging unverzüglich an die Visitatoren der Befehl, keine Zeit zu verlieren und sofort &amp;quot;wider Brobst, Dechant und Khelner zu St. Ulrich vor der Newenstat von wegen Irer aufrürigen verkherlichen unnd lutherischen secten&amp;quot; zu verfahren. Da sich jedoch Dechant und Kellermeister rechtzeitig dem Zugriff der Obrigkeit entzogen hatten, konnten nur Propst Paulus Nuster, ferner ein Profess namens Augustin sowie drei weitere, namentlich nicht genannte Chorherren festgenommen werden. Sie wurden nach Wien gebracht und in Haft genommen. Relativ rasch erklärten sich Propst Paulus und der Profess Augustin zu einem öffentlichen Widerruf bereit; von dem Bischof-Koadjutor Johann Fabri ist ihnen daraufhin die Lossprechung gewährt worden. Die drei anderen Chorherren scheinen nicht bereit gewesen zu sein, zu widerrufen; sie wurden weiterhin in Wien gefangen gehalten – wobei für ihren Unterhalt im Gefängnis der Wiener Neustädter Augustinerkonvent aufzukommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch im Jahre 1528 veranlasst die mit der Visitation betraute landesfürstliche Kommission Propst Paulus Nuster, einen Laien, u. zw. den Wiener Neustädter Bürger Hans Mitterpacher, zum Verwalter der &amp;quot;hauswirtschaft&amp;quot; des wirtschaftlich arg zerrütteten Klosters St. Ulrich einzusetzen. Als 1529 die Türken gegen Wien zogen, wurde in aller Eile auch die Grenzstadt Wiener Neustadt in Verteidigungszustand gesetzt. Dazu gehörte u. a. die Abtragung verschiedener Gebäude in den Vorstädten, um dem Feind keine Möglichkeit zu geben, sich darin zu verschanzen. Auch das nach der ungarischen Belagerung nur notdürftig wieder instandgesetzte Kloster und die Kirche von St. Ulrich sind damals demoliert worden. Nach Beendigung der Belagerung Wiens und dem Abzug des türkischen Heeres ist in Wiener Neustadt ein Wiederaufbau des damals von seinen Bewohnern wahrscheinlich bereits aufgegebenen und verlassenen Augustiner-Chorherrenklosters von St. Ulrich wohl nicht mehr in Erwägung gezogen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch im Jahr 1529 setzten von verschiedenen Seiten Bemühungen ein, sich die zu der abgebrochenen Augustinerpropstei St. Ulrich gehörigen Besitzungen zu sichern: So wurde zunächst gleich einmal der Rat der Stadt Wiener Neustadt bei König Ferdinand I. vorstellig, um sich die genannten Güter zu erbitten. Dem Wunsch der Wiener Neustädter wurde 1530 entsprochen, allerdings nur unter der Bedingung, den Erlös aus diesen nun von der Stadt verwalteten ehemaligen Besitzungen der Augustiner-Chorherren zur Verbesserung der Stadtbefestigung zu verwenden. Es war aber offensichtlich nur Grund- und Hausbesitz, den der König der Stadt Wiener Neustadt damals überlassen hatte: die Klosterbibliothek sowie wertvolle Paramente, Ornate und Kirchengerät sind auf Befehl Ferdinands I. hin in die Burg gebracht worden und so vermutlich in das Eigentum des St.-Georgs-Ritterordens übergegangen. Eine zum Kloster St. Ulrich gehörige Mühle und das Sägewerk in Breitenau ist nicht der Stadt, sondern dem Rentmeister zugesprochen worden. Gleichzeitig mit der Stadt Wiener Neustadt versuchte auch der damalige Neustädter Bischof Dr. Dietrich Kammerer, zugunsten seines recht unzulänglich dotierten Bistums die Augustiner-Chorherren von St. Ulrich zu beerben. Bischof Dietrich (der 1528 in den St.-Georgs-Ritterorden eingetreten war) erhielt dabei wertvolle Hilfe durch den Bischof von Wien Johann Fabri, der als Beichtvater und Berater König Ferdinands I. großen Einfluss auf dessen Entscheidungen hatte. Tatsächlich gelang es den Bischöfen von Wien und von Wiener Neustadt durchzusetzen, dass das Klostergut von St. Ulrich wieder der Stadt Wiener Neustadt entzogen wurde. Es ist zunächst der Universität Wien inkorporiert, aber schon bald darauf (am 6. September 1535) dem Bischof von Wiener Neustadt zur Verwaltung und Nutznießung überlassen worden. Als Gegenleistung war vom Bistum Wiener Neustadt jährlich eine Summe von 443 Gulden an die Wiener Universität zu zahlen. Als es in der Folge immer wieder zu Differenzen zwischen Universität und Bistum kam, hat Kaiser Ferdinand I. am 1. November 1551 dem Bistum Wiener Neustadt &amp;quot;das Sanct Ulrich Closter sambt desselben gründen, güttern, nutzungen, einkhomen, freyhaiten, rechten und gerechtigkeiten, nichts ausgeschlossen, gnediglich übergeben, incorporirt und eingeleibt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Für das Kloster der Regulierten Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt – diese waren zur Betreuung der neuen Kirche ''ob dem tor'' in der Burg (der späteren St. Georgskirche) vorgesehen – hatte der kaiserliche Stifter im Jahre 1459 folgende Dotation vorgesehen: Die (damals auf ungarischem Boden gelegene) Herrschaft Hornstein mit etlichen andern ''stukhen und guettern'', ferner eine Mühle an der Schwarza in Breitenau und – als vorläufige Wohnung für die Augustiner-Chorherren gedacht – ein Haus in Wiener Neustadt. Im Jahr darauf schenkte Friedrich III. dem Augustiner-Chorherrenstift die Burg Pitten, zwei weitere an ihr Wiener Neustädter Haus angrenzende Häuser mit allen Rechten und Zugehörungen, sicherte ihnen den jährlichen Bezug von 60 Fuder Salz aus den Salinen in Aussee zu und übergab ihnen schließlich die bis dahin dem Stift Weltlicher Chorherren inkorporierte Pfarrkirche St. Ulrich samt den dazu gehörigen Einkünften. Trotz der steten Fürsorge Friedrichs III. für die beiden Wiener Neustädter Chorherrenstifte blieb deren Ausstattung immer noch hinter den tatsächlich vorhandenen Erfordernissen zurück. Dies hatte nicht nur eine Reduzierung der ursprünglich für Wiener Neustadt vorgesehenen Kanonikerzahl zur Folge, sondern war Anlass für die zuletzt nur Schwierigkeiten mit sich bringenden Bestrebungen, Chorherrenstifte und St.-Georgs-Ritterorden zu vereinigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Stadt Wiener Neustadt und somit auch das 1459 gegründete Chorherrenstift befanden sich infolge ihrer zeitweiligen Zugehörigkeit zum Herzogtum Steiermark während des Mittelalters im Einflussgebiet des Erzbischofs von Salzburg. Als 1469 das Bistum Neustadt gegründet wurde, entzog Papst Paul II. die neue Diözese – und damit auch die hier befindlichen beiden Chorherrenstifte – der Jurisdiktion des Salzburger Erzbischofs. Mit der 1477 erfolgten Ernennung Peter Engelbrechts, des Dechanten der Weltlichen Chorherren in Wiener Neustadt, zum Bischof von Neustadt gingen die Rechte des Erzbischofs von Salzburg an den Neustädter Bischof über. Häufig übten jedoch päpstliche Legaten bei den Wiener Neustädter Augustiner-Chorherren die Rechte des Ortsordinarius aus, nahmen Bestätigungen und Verleihungen vor und erteilten Sondervollmachten. Es war ganz im Sinne Kaiser Friedrichs III., möglichst viele Rechtshandlungen vom Apostolischen Stuhl selbst bestätigen oder durchführen zu lassen. Dass man sich in Angelegenheiten des Augustiner-Chorherrenklosters besonders oft an Rom zu wenden hatte, ist damit zu erklären, dass das Neustädter Bistum von 1495 bis 1521 vakant war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Sowohl Pröpste als auch Kanoniker der Augustiner-Chorherren in Wiener Neustadt waren fast durchwegs bürgerlicher oder bäuerlicher Herkunft. Sie kamen aus steirischen, kärntnerischen, salzburgischen und österreichischen Klöstern und Pfarren, aber auch aus Passau, aus Chiemsee usw.; es waren Geistliche der Erzdiözese Salzburg und der Diözese Passau. Während jedoch das weltliche Chorherrenstift zu Wiener Neustadt in enger Verbindung zum Stift Spital am Pyhrn stand, hatte das Stift St. Dorothea in Wien großen Einfluss auf das Wiener Neustädter Augustiner-Chorherrenstift. Zu bischöflichen Würden gelangte der aus Chiemsee stammende Augustin Kiebinger, der von 1491 bis 1495 an der Spitze des Neustädter Bistums stand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
Im Jahr 1493 wurde dem Augustiner-Chorherrenstift zu Wiener Neustadt die Unserer Lieben Frau geweihte [[Liste der Pfarren des Stiftes Wiener Neustadt#Unserer-Lieben-Frauen-Pfarrkirche|Wiener Neustädter Pfarrkirche]] inkorporiert. Es war dies eine dreischiffige, spätromanisch-frühgotische Pfeilerbasilika aus dem 13. Jahrhundert mit einem Anfang des 14. Jahrhunderts anstelle der romanischen Choranlage errichteten gotischen Querschiff und gotischem Chor. Das romanische Westwerk mit den beiden rund 60 m hohen Türmen (Ende des 19. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit abgetragen und rekonstruiert) stammt aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Friedrich III. geht eine heute noch z. T. erhaltene neue Innenausstattung zurück, so unter anderem die mit reichem Blendmaßwerk, dem &amp;quot;AEIOU&amp;quot; und &amp;quot;1449&amp;quot; dekorierte &amp;quot;Hofempore&amp;quot; und die an den Pfeilern des Mittelschiffs stehenden lebensgroßen Apostelstatuen sowie die darunter angebrachten &amp;quot;Prophetentafeln&amp;quot; vom Meister des Winkler-Epitaphs (um 1490). In dem durch die Gründung des Bistums Neustadt 1469 zur Bischofskirche gewordenen Gotteshaus befinden sich eine Grablege der früh verstorbenen Kinder Erzherzogs Ernst des Eisernen (die wappengeschmückte Deckplatte des Hochgrabes überdauerte die Barockisierung des Doms im 18. Jahrhundert) sowie einige Grabdenkmäler Wiener Neustädter Bischöfe. Die Marmorkanzel im Mittelschiff ist ein Geschenk des Kardinals, Bischofs von Wien und Administrator des Bistums Neustadt Melchior Khlesl aus den Jahren 1608/09. Über das Aussehen des mittelalterlichen Hauptaltars ist nichts bekannt; seit 1767/76 steht an seiner Stelle ein mächtiger, sehr kostbarer Barockaltar; auf dem Altarbild ist Mariä Himmelfahrt (ein Werk des Gian Domenico Cignaroli, 1773) dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren hatten aber bereits vor der Domkirche die der hl. Maria geweihte Kirche &amp;quot;ob dem tor&amp;quot; in der Burg inne. Diese in den Jahren 1449 bis 1460 in den Westtrakt der Wiener Neustädter Burg eingebaute ursprüngliche Marien- und spätere Georgskirche ist auf Wunsch Friedrichs III. den Augustiner-Chorherren sofort nach Fertigstellung im Jahr 1460 übergeben worden. Es war dies eine über einer gewaltigen gotischen Torhalle errichtete dreischiffige Hallenkirche mit geradem, von drei Fenstern durchbrochenen Chorabschluss. Von den acht 13 m hohen Säulen, die das Mittelschiff gegen die Seitenschiffe hin abgrenzten, hat die Zerstörungen, die Bomben im Zweiten Weltkrieg in der Kirche anrichteten, lediglich eine einzige, freskengeschmückte Säule gegenüber dem Oratorium der Kaiserin unversehrt überdauert. Entlang der Nord-, West- und Südwand der Kirche zieht sich eine auf Kragsteinen ruhende, steinerne Galerie hin, die an der Nordwand im reich geschmückten Oratorium des Kaisers, an der Südwand im Oratorium der Kaiserin endet. Unter den Stufen zum Hochaltar fand Kaiser Maximilian I. (verstorben 1519) seine letzte Ruhestätte. Das mittlere der drei mit prachtvollen Glasgemälden aus der Mitte des 16. Jahrhunderts versehenen Fenstern der Ostwand (durch Auslagerung im Zweiten Weltkrieg vor der Zerstörung bewahrt) zeigt Maximilian I. mit seiner Familie; darüber eine Darstellung der Taufe Christi. Von der Originalverglasung der Fenster der Nord- und Westwand hat sich nichts erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Kaiser Friedrich III. geht der große holzgeschnitzte, vergoldete Reliquienschrein zurück. In dem zwölfeckigen Taufbecken aus rotem Marmor, das Mitte des 15. Jahrhunderts geschaffen wurde, ist mit großer Wahrscheinlichkeit der 1459 in der Wiener Neustädter Burg geborene spätere Kaiser Maximilian I. getauft worden. An der dem Burghof zugewandten Außenseite der St. Georgskirche – als die Kirche 1479 vom Kaiser dem St.-Georgs-Ritterorden übergeben wurde, scheint bald darauf ein Patroziniumswechsel stattgefunden zu haben - befindet sich die berühmte Wappenwand, fertiggestellt im Jahre 1453: 107 Wappenreliefs umgeben das Mittelfenster der Ostwand; unterhalb des Fensters steht die von den Wappen der habsburgischen Erbländer flankierte Statue Friedrich III. dargestellt mit den Insignien eines österreichischen Erzherzogs. Nach oben schließen drei Baldachinnischen mit den Sandsteinfiguren der hl. Maria (&amp;quot;Kirschenmadonna&amp;quot;), der hl. Katharina und der hl. Barbara die Wappenwand ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Aussehen der zuerst dem Stift Weltlicher Chorherren, später dann (1459) den Augustiner-Chorherren übergebenen Kirche St. Ulrich und dem dazugehörigen Kloster ist nichts bekannt: Kirche und Kloster St. Ulrich wurden bereits bei der Belagerung der Stadt Wiener Neustadt durch die Ungarn in den Jahren 1485 bis 1487 schwer beschädigt, daraufhin vermutlich nur notdürftig wiederhergestellt und schließlich im Türkenjahr 1529 endgültig abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Gertrud Buttlar-Gerhartl: Wiener Neustadt – Bischofssitz von 1469–1783. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich N.F. 52 (1986), S. 1–54.&lt;br /&gt;
* Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs, Niederösterreich südlich der Donau. Teil 2, Horn / Wien 2003.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fasching: Die Chorherrenstifte von Wiener Neustadt. Eine rechtsgeschichtliche Untersuchung. Veröffentlichungen des Kirchenhistorischen Instituts der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Bd. 2. Wien 1966.&lt;br /&gt;
* Johann Franzl: Studien zur Geschichte des Protestantismus in Wiener Neustadt. Diss. Univ. Wien. Wien 1974.&lt;br /&gt;
* Gertrud Gerhartl: Der Dom zu Wiener Neustadt 1279. Wien / Köln / Graz 1979.&lt;br /&gt;
* Gertrud Gerhartl: Wiener Neustadt. Geschichte, Kunst, Kultur, Wirtschaft. Wien &amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt;1993.&lt;br /&gt;
* Johann Jobst: Die Neustädter Burg und die k.u.k. Theresianische Militärakademie. Wien / Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
* Josef Mayer: Geschichte von Wiener Neustadt. Bd. 2. Wiener Neustadt 1926.&lt;br /&gt;
* Claudia Moddelmog: Königliche Stiftungen des Mittelalters im historischen Wandel: Quedlinburg und Speyer, Königsfelden, Wiener Neustadt und Andernach. Berlin 2012, S. 205–222.&lt;br /&gt;
* Georg Niemetz: Der Dom zu Wiener Neustadt. München 1984 (Schnell-Kunstführer, 1196).&lt;br /&gt;
* Erwin Reidinger: Planung oder Zufall. Wiener Neustadt 1192. Wiener Neustadt 1995.&lt;br /&gt;
* Roland  Schäffer: Adelige – Schwaben – Hofbeamte – Prinzenlehrer – arme Bischöfe. Die Pfarrer von Riegersburg im 14. und 15. Jahrhundert. In: Festschrift Gerhard Pferschy zum 70. Geburtstag. Hg. von Gernot Peter Obersteiner / Peter Wiesflecker. Graz 2000 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, 12), S. 577–601.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Zell am See</title>
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		<updated>2022-07-14T13:01:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1121/29&lt;br /&gt;
|Datum bis=1216&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Zell gehört seit der Erhebung Salzburgs zum Erzbistum zum Sprengel der Diözese. Es wurde 1216 dem Bischof von Chiemsee unterstellt. Im Salzburger Pfarrverzeichnis von 1444–68/87 erscheint Zell am See unter den Pfarreien des Archidiakonats Trans Thuronem; dort ist das Kollationsrecht des Bischofs von Chiemsee verzeichnet. Im Verzeichnis von 1772 ist Zell im Dekanat Saalfelden genannt. Nach der Auflösung des Bistums Chiemsee 1807 wurde Zell wieder zur salzburgischen Pfarrei.&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Bisonzio, Bizonsio (788/790), Bisoncio, quod nunc Pinzco dicitur (798), in Bisontia (925), in Pisontia in loco Cella n[ominato] (926), in Pisontia (927), in Bisontia (Ostern 927), de Pisontia (927), ad Pisontiam (930), in loco qui dicitur cella (Mitte 12. Jahrhundert), ab dem 13. Jahrhundert Celle (in dem Pyntzgowe), seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts mit dem Beinamen „am See&amp;quot;.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Hippolyt (12. Jhd.)&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Stadt im Pinzgau (Land Salzburg), politischer Bezirk Zell am See. Zell am See wurde am Westufer des Zeller Sees im Pinzgau in altem Siedelgebiet errichtet. Die Region unterstand dem Einflussbereich des Baiernherzogs Tassilo. Das Erzbistum Salzburg gehörte zu den wichtigen Grundbesitzern des Pinzgaus, der seit Ende des 9. Jahrhunderts regelmäßig in den Königsurkunden für die Salzburger Kirche erwähnt wurde. Die Lehensherrschaft über den Pinzgau lag bis 1228 bei den bayerischen Herzögen und ging dann im Tausch an den Salzburger Erzbischof; am Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte Zell zu Bayern. Zell war ein Stützpunkt der Salzburger Erzbischöfe. Dem Marktort mit Dreiecksmarkt wurden 1357 neue Jahrmarktsrechte erteilt, Stadtrechte wurden erst 1928 verliehen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die karolingische Cella bis zur Reform durch Erzbischof Konrad===&lt;br /&gt;
In einer Schenkung des Priesters Boso und seines Bruders Johannes wurde eine Kirche in Zell am See mit der Zustimmung Herzog Tassilos an die Salzburger Kirche übergeben. Dort wurde eine Mönchszelle errichtet (&amp;quot;in supra memorato loco Bisonzio edificata est cella, in qua monachi Labore manuum suarum vivunt&amp;quot;). Sie stand in sehr enger Abhängigkeit von der Salzburger Kirche. Eine eigene Überlieferung hat sich nicht erhalten. Die Mönche von Zell fehlen im 784 angelegten Verbrüderungsbuch von St. Peter in Salzburg. Der Wechsel des Ortsnamens deutet jedoch darauf hin, dass die Gründung von Dauer war. In den kurz nach der Erhebung zum Erzbistum (798) angelegten &amp;quot;Breves Notitiae&amp;quot; wird die Schenkung erwähnt, nicht aber die Errichtung einer Zelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ort wird bis zum Beginn des 10. Jahrhunderts in den überlieferten Quellen nicht mehr genannt. Wann aus der Mönchszelle eine Kanonikergemeinschaft wurde, ist nicht zu klären. Weihnachten 926 vollzog der Salzburger Erzbischof Oadalbert (926–935) in Zell ein Rechtsgeschäft mit dem Vogt des Erzbistums Reginbert. Für das folgende Jahr ist ebenfalls ein Aufenthalt des Erzbischofs in Zell belegt. Beide Urkunden lassen keinen Schluss zu, welche der Kirchen in Zell Ort der Vertragsabschlüsse war bzw. ob ein anderer Platz für die Verhandlungen genutzt wurde. Die Tatsache, dass Oadalbert 926/27 in kurzer Folge zwei Urkunden in Zell am See ausstellte, hat zu der Vermutung geführt, dass der Ort als Rückzugskirche während der Zeit der Ungarneinfälle fungierte, was wiederum als Argument für den hohen Rang der Kirche innerhalb der Diözese diente. Die zeitlich dicht beieinanderliegenden Erwähnungen könnten auch nur ein Indiz für einen reisenden Erzbischof sein, der seiner Visitations- bzw. Weihepflicht nachkam. Auffällig ist zumindest, dass der Erzbischof das Weihnachtsfest nicht in seiner Domkirche feierte. Um die Mitte des 10. Jahrhunderts wurde ein ottonischer Kirchenbau errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Chorherrenstift bis zur Übertragung an den Bischof von Chiemsee===&lt;br /&gt;
Auf der 1129 abgehaltenen Synode von Laufen war der Propst (&amp;quot;praepositus&amp;quot;) [[Burchard]] von Zell anwesend. Die Nennung wird als Indiz dafür gewertet, dass zuvor die Umwandlung in ein Augustiner-Chorherrenstift des Salzburger Reformverbandes erfolgt war. In der Zeugenliste erscheint Burchard nach den Pröpsten von Au und Gars, aber vor dem Propst von Höglwörth. Dies entspricht einer untergeordneten und von Salzburg abhängigen Stellung des Stiftes, wie sie auch durch den weiteren Verlauf der Stiftsgeschichte deutlich wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Reform in Salzburg erst im Zuge des Wormser Konkordats an Dynamik gewann, wird die Umwandlung auf die Zeit zwischen 1121/1122 und 1129 datiert. Direkte Zeugnisse für die Reform in Zell am See fehlen. Eine Urkunde, die als Neubeginn zu werten wäre und dem Konvent eigene Verfügungsgewalt über ein Sondervermögen zugebilligt hätte, ist nicht erhalten. Vermutlich wurde sie nicht ausgestellt, da dies eine Unabhängigkeit von den Salzburger Erzbischöfen begründet hätte, die nicht intendiert war. Als Zeugen sind die Zeller Pröpste im 12. Jahrhundert oft in der Umgebung der Salzburger Erzbischöfe nachzuweisen. Dies blieb bis zur Unterstellung an den Chiemseer Bischof üblich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäß den Forschungen von F. Pagitz kam als Nachfolger Burchards Propst [[Dietram]] ins Amt. Im Verbrüderungsbuch von St. Peter erscheint ein Eintrag &amp;quot;Fres de cella/Dietrammi sanctis&amp;quot;. Da der Einzeleintrag im Zusammenhang mit der Eintragung des Domkapitels steht, die den Domkanonikern 1140 vom Kloster St. Peter versprochen worden war, ergibt sich die Datierung auf bald nach 1140. F. Pagitz deutet den Text so, als trenne der Zeilenwechsel zwei Einträge. Aus der Zusammenrückung scheint sich ihm die Beziehung zum Stift Zell zu ergeben. Alternative Interpretationen wären zu prüfen. Sicher ist lediglich, dass es einen Propst namens Dietram gegeben hat, der am 3. März unbekannten Jahres verstarb. Der Seckauer Memorialüberlieferung ist zu entnehmen, dass es sich bei dem Verstorbenen um einen Propst de Cella handelt. Eine zeitliche Einordnung erlauben diese Einträge nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als dritter Propst von Zell erscheint [[Friedrich]], der bereits in seiner Funktion als Propst von Zell eine Schenkung aus seinem Besitz verfügte, wie aus einer nicht datierten Urkunde hervorgeht. Friedrich gab Hörige für sein Seelenheil an das Stift Berchtesgaden. Die strenge vita communis der Salzburger Chorherren schrieb den Verzicht auf Privateigentum vor. Inwieweit die Stiftung als Akt zu interpretieren ist, mit dem Friedrich diesem Grundsatz genügte, kann nicht mit letzter Sicherheit entschieden werden. Die Tatsache, dass nur Hörige übertragen wurden, spricht eher dafür, dass es sich um einen Teil des Besitzes handelte. Als Indiz für eine strenge Lebensführung der Zeller Kanoniker ist dieser Beleg deshalb nicht zu werten. Friedrich wurde in einer auf 1160 zu datierenden Urkunde letztmals genannt. Er ist im Salzburger und im Admonter Nekrolog zum 19. September eingetragen. Sein Nachfolger wurde Propst [[Grimo]], der &amp;quot;vor 1164 Juni 22&amp;quot; in einer Urkunde des Erzbischofs als Zeuge erscheint. Im Nekrolog des Salzburger Domstiftes ist er zum 2. Dezember eingetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung Zells als Stützpunkt der Salzburger Erzbischöfe zeigt sich 1168, als Erzbischof Adalbert II. dort urkundete. Die &amp;quot;ad ordines nostros&amp;quot; zusammengekommenen Prälaten erteilten ihre Zustimmung. Die Salzburger Erzbischöfe übten das Präsentationsrecht für den Propst aus. Eine Unabhängigkeit in Form der freien Propstwahl konnte der Konvent nicht erreichen. Für einige Pröpste lässt sich nachweisen, dass sie gleichzeitig Domkanoniker in Salzburg waren. Die Zeller Propstwürde diente als Sprungbrett für eine kirchliche Karriere in der Erzdiözese, wie die Biographie des späteren Passauer Bischofs Wolfger erkennen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am Ende des 12. Jahrhunderts erfolgte die Vergabe der Propstei Zell nach Kriterien der Pfründenqualität, wie sie für weltliche Kanonikerstifte kennzeichnend ist. [[Wolfger]] wurde als Salzburger und Passauer Domkanoniker vor 1190 zum Zeller Propst. Bevor er 1191 Bischof von Passau wurde, ist er zweimal als Urkundenzeuge in der Umgebung des Salzburger Erzbischofs nachzuweisen. Noch im Jahr 1191 wurde die Propstei [[Perhtold]] unterstellt, der 1192 und 1196 urkundlich erwähnt wird. Nach der Amtszeit des 1198 belegten [[Ortolf]] übernahm um 1212 [[Rudiger von Radeck]] die Propstei, der als Spross eines Ministerialengeschlechts zuvor Pfarrer von Salzburghofen gewesen war. Im Jahr 1215 begleitete er Erzbischof Eberhard II. nach Augsburg, wo Friedrich II. den Ausgleich zwischen dem Hochstift Passau und Herzog Leopold VI. von Österreich regelte. In diesem Jahr ist er mehrfach im Umfeld des Erzbischofs erwähnt. Im zweiten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts erscheint in zwei Salzburger Urkunden ein Konrad als Pfarrer von Zell. Mit großer Wahrscheinlichkeit zielen diese Nennungen jedoch nicht auf Zell am See, sondern auf den Ort Zell nw. Breitbrunn am Chiemsee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der Übertragung an den Chiemseer Bischof bis zur Auflösung===&lt;br /&gt;
Das Stift Zell wurde im Jahr 1216 als Mensalgut der Bischöfe des neu errichteten Bistums Chiemsee verwendet. Ziel war es von da an, Erträge für die Ausstattung der bischöflichen Haushaltsführung zu erbringen. Der Papst hatte die Beibehaltung der alten Konventsstärke in Zell vorgeschrieben, sodass die Zahl der Kanoniker zunächst nicht reduziert werden sollte. Um den Überschuss zu sichern, wurde die Zahl der Kanoniker von Erzbischof Eberhard aber auf fünf Chorherren festgeschrieben: &amp;quot;numerum autem clericorum taliter moderamur: ... Celle quinque.&amp;quot; [[Rudiger]], der letzte namentlich bekannte Propst von Zell, wurde als neuer Chiemseer Bischof Nutznießer der Regelung, die im Zuge der Streitigkeiten um die Kompetenzen Eberhards II. in seiner Diözese getroffen wurde, um einen engen Vertrauten und Gefolgsmann gleichzeitig mit Kompetenzen auszustatten und in seiner Loyalität zu binden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1237 wurde Rudiger Bischof von Passau. Die Übertragung des Stiftes Zell ist wohl nicht als Schlag des Erzbischofs gegen die Augustiner-Chorherren anzusehen, die nach den Bestimmungen der Reform von 1215 nicht mehr in der Pfarrseelsorge tätig sein sollten, wie dies von F. Pagitz vermutet worden ist. Vielmehr deuten die Indizien darauf hin, dass die Reformbewegung in Zell bereits im 12. Jahrhundert an Einfluss verloren hatte und die Vergabe an den Chiemseer Bischof als Konsequenz aus dem Scheitern der Reform an diesem Ort zu bewerten ist. Dass Zell an den Chiemseer Bischof übertragen werden konnte, ist durch die eigenkirchenrechtliche Unterstellung unter den Salzburger Metropoliten zu erklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zell am See blieb eine der angeseheneren Kirchen der Region. Als Austellungsort einer erzbischöflichen Urkunde ist Zell 1256 erneut genannt. Kein Zeugnis lässt sicher erkennen, wann die Kanonikergemeinschaft in Zell endgültig aufgegeben wurde. Ein Indiz für die Reduktion des Personalbestandes vor Ort ist darin zu sehen, dass im Jahr 1268 ein Pfarrgeistlicher bezeugt ist, der nicht mehr als Propst bezeichnet wird. Er erschien vor dem Erzbischof, um für den Chiemseer Bischof das Recht bestätigen zu lassen, zwei Kleriker wegen Pfründenhäufung Dispens erteilen zu können, das der Chiemseer von Innozenz IV. erhalten hatte. Ob einzelne Pfründe an nicht-residierende Kanoniker ausgegeben wurden, ist anhand der gedruckten Quellen und Regesten zur Geschichte der Salzburger Erzdiözese nicht zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zeller Pfarrer Friedrich, der 1351 urkundlich nachgewiesen ist, hatte vermutlich ein Universitätsstudium absolviert und übernahm sowohl für den Chiemseer Bischof als auch für den Salzburger Erzbischof Aufgaben eines Notars. Während seiner Amtszeit dürfte der frühgotische Umbau erfolgt sein. Im Jahr 1361 wurde er selbst Chiemseer Bischof. Die Schwester dieses Bischofs fand 1372 in der Zeller Kirche ihre letzte Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
Die kurze Lebensdauer des Stiftes ist ursächlich dadurch begründet, dass seitens der Salzburger Erzbischöfe keine Verleihung eigener Verfügungskompetenzen über Vermögen erfolgte. Besitzübertragungen oder -bestätigungen durch die Salzburger Erzbischöfe sind in der Überlieferung nicht nachzuweisen. Ebensowenig scheint es im Hochmittelalter zu Zustiftungen des regionalen Adels gekommen zu sein. Als Stifter fungierten seit dem 13. Jahrhundert die Chiemseer Bischöfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rechtsgeschäfte und Stiftungen von Personen der Umgebung sind seit dem Spätmittelalter nachweisbar. Die Reduktion vom Stift zur Pfarrei hatte zusammen mit den erzbischöflichen Dispositionen bei der Vergabe zur Folge, dass Zell als attraktive Pfründe angesehen wurde. Zell am See erhielt die Funktion der Versorgungsstelle für hoffnungsvolle Träger administrativer Aufgaben. Seit dem Spätmittelalter führten sie nicht mehr den Titel des Propstes, sondern fungierten als Pfarrherren. Sie hatten nicht selten studiert, am Ende des Mittelalters waren Pfarrherren von Zell sogar promoviert. Mehrere Ablassverleihungen und Messstiftungen verbesserten die wirtschaftliche Ausstattung der Zeller Kirchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Bei der Grabung in der Hippolytkirche konnten keine karolingerzeitlichen Funde dokumentiert werden. Erst eine flächendeckende Ergrabung des Kirchenfußbodens von St. Hippolyt ließe sichere Aussagen zu. Es besteht die Möglichkeit, dass die karolingische Kirche kein Stein-, sondern ein Holzbau war. Ein solches Bauwerk ist nur bei diffiziler Auswertung der Grabungsbefunde erkennbar. Die durchgeführten Grabungen ergaben sicher einen Kirchenbau des 10. Jahrhunderts, von dem nur Teile der Krypta erhalten sind (die Wölbungen wurden jüngst von Söllner als sehr viel später gedeutet). Die Rekonstruktion deutet auf eine ca. 32 x 8 m große turmlose Saalkirche mit Rundapsis hin. Die hochromanische Hippolytkirche wird aufgrund des Befundes in die Zeit Erzbischof Konrads I. von Salzburg datiert. Man wird sich den Vermutungen anschließen dürfen, dass der Bau beim Festakt von 1168 bereits abgeschlossen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kirche ist ein Muster für die Baukunst der Augustiner-Chorherren in der Reformzeit der Mitte des 12. Jahrhunderts und zugleich ein Beleg für die wirtschaftliche Prosperität, obwohl archivalische Zeugnisse fehlen. Abgesehen von der Krypta und einem Stück Chorwand handelt es sich um einen völligen Neubau. Die dreischiffige Pfeilerbasilika mit drei Apsiden ist im Wesentlichen erhalten. Die turm- und querhauslose Form gilt als typisch für den regionalen Kirchenbau der Zeit und ist vor allem bei Konventskirchen anzutreffen. Als vergleichbar werden die Kirchen von Ossiach, Millstatt, Michaelbeuren, [[Stift St. Pölten|St. Pölten]], [[Stift Seckau|Seckau]], Seitenstetten und Salzburg/Nonnberg genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende des 12. bzw. am Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Kirche eingewölbt. Diese Ausschmückung wird mit den Ambitionen des späteren Bischofs Rudiger von Chiemsee in Verbindung gebracht. In seinem Testament bedachte der Chiemseer Bischof Konrad die Kirchenfabrik in Zell mit 2 Mark Silber. Welcher Zeller Kirche dieser Betrag zugedacht war, wird nicht erwähnt. Die Geldsumme ist im Vergleich mit den sonstigen Stiftungen des Bischofs eher moderat. Da der Bischof in Bischofshofen allein für Glocken und eine Fahne 10 Mark Silber schenkte, ist zu bezweifeln, dass die Geldsumme für so ehrgeizige Projekte wie die Auswölbung der Seitenschiffe samt Bemalung ausgereicht haben dürfte. Eine Rußschicht auf dem Estrich der spätromanischen Basilika deutet auf einen Kirchenbrand am Ende des 13. Jahrhunderts hin, der auf die Zeit vor der Stiftung datiert wurde, da diese mit nicht geringen Ausbesserungen begründet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umbauten zu Beginn des 14.Jahrhunderts gingen einher mit der Verfüllung der Krypta, der Hebung des Bodenniveaus und der Errichtung eines Kreuzrippengewölbes. Gleichzeitig dürften die Medaillons mit den Halbfiguren der klugen und törichten Jungfrauen sowie die unterste Malschicht in der Apside (Muttergottes mit Kind) zu datieren sein. Ein Altar &amp;quot;in medio chori&amp;quot; wurde 1335 vom Salzburger Erzbischof Friedrich III. von Leibnitz gestiftet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wandmalereien im 4. Joch stammen aus dem Ende des 14.Jahrhunderts. Ein Kirchturm kam entweder noch in der spätromanischen Bauphase oder im Zuge der frühgotischen Umbauten hinzu. Der Westturm entstand in der spätgotischen Ausbauphase im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts. Er wird in Verbindung gebracht mit den Ablassstiftungen von 1442, 1449, 1450 und 1452. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts entstand die Westempore. 1516 wurde von Bischof Bertolf Pürstinger von Chiemsee eine Wiedereinweihung vorgenommen. 1770 brannte die Kirche aus. Ende des 18. Jahrhunderts wurde über einen Abriss nachgedacht, sodass bereits Pläne für den Neubau erstellt wurden, der aber nicht zustande kam. Aus Sicherheitsgründen wurde das Gewölbe durch eine Holzdecke ersetzt. Neuzeitliche Veränderungen (vor allem die neugotische Umgestaltung) wurden im Zuge der letzten Restaurierung der Kirche entfernt. Die Konventsgebäude, die offenbar schon früh überflüssig wurden, sind nicht erhalten. Die Lage des Kreuzganges ist umstritten. Entgegen älteren Erwägungen, der Kreuzgang habe südlich der Kirche gelegen, wurde jüngst auch für die Nordseite plädiert, da nach der Entfernung des Putzes an der Kirchennordwand eine rundbogige Öffnung im Mauerwerk gefunden wurde, die als Eingang in das Klosterareal gedient haben könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Buchbesitz des Stiftes bzw. einzelner Konventsmitglieder ist bislang nicht wissenschaftlich nachgewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Urkunden im Salzburger Landesarchiv, vgl. MARTIN, Franz, Salzburger Archivberichte 2, Salzburg 1948. Urkunden im Konsistorialarchiv Salzburg, im Pfarrarchiv Zell, im Stadtarchiv Zell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
*BOSHOF, Egon / KNAPP, F. P., Wolfger von Erla. Bischof von Passau (1191–1204) und Patriarch von Aquileja (1204–1218) als Kirchenfürst und Literaturmäzen (Germanistische Bibliothek NF Reihe 3, 20) Heidelberg 1994.&lt;br /&gt;
* DIEPOLDER, Gertrud, Die Orts- und in &amp;quot;pago&amp;quot;-Nennungen im bayerischen Stammesherzogtum zur Zeit der Agilolfinger, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 20, 1957, 364-436, hier 382.&lt;br /&gt;
* FRODL, Walter, Die Stadtpfarrkirche Zell am See. Zur Restaurierung 1972–1975, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 31, 1977, 1–3.&lt;br /&gt;
* DERS ., Mittelalterliche Wandgemälde der Stadtpfarrkirche Zell am See, ebda. 21–29.&lt;br /&gt;
* FUHRMANN, Franz, Die mittelalterliche Baugeschichte der Stadtpfarrkirche Zell am See, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege 31, 1977, 10–20.&lt;br /&gt;
* DERS., Zell am See. Christliche Kunstführer 16, Salzburg, 4. Aufl. 1988.&lt;br /&gt;
* HERMANN, Karl Friedrich, Salzburg, Erläuterungen zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer 11, 9, Salzburg 1957, 159–161.&lt;br /&gt;
* HÖRBURGER, Franz, Die romanischen und vorrömischen Ortsnamen des Landes Salzburg, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 107, 1967, 37.&lt;br /&gt;
* DERS ., Salzburger Ortsnamenbuch, bearb. v. Ingo REIFFENSTEIN u. Leopold ZILLER, Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde Erg.-Bd. 9, Salzburg 1982, 100.&lt;br /&gt;
* Die KIRCHE ZUM HL. HIPPOLYTH. Zell am See. Renovierung 1972 bis 1975, Zell am See 1975.&lt;br /&gt;
* KOLLER, Heinrich, Zur Frühgeschichte der ältesten Klöster in der Umgebung von Salzburg, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 117 (1977), 5–20.&lt;br /&gt;
* MARTIN, Franz, Die Denkmale des politischen Bezirks Zell am See, Österreichische Kunsttopographie 25, Wien 1934. &lt;br /&gt;
* MIERAU, Heike Johanna, Vita communis und Pfarrseelsorge. Studien zu den Diözesen Salzburg und Passau im Hoch- und Spätmittelalter (Forschungen zur kirchlichen Rechtsgeschichte und zum Kirchenrecht 21) Köln–Wien 1997.&lt;br /&gt;
* MITTERER, Kurt Anton, Die Patrozinien der Diözese Salzburg unter besonderer Berücksichtigung der Heiligenverehrung im 8. und 9. Jahrhundert, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 130, 1990, 7–119 m. Kartenan.h., zu Zell 49.&lt;br /&gt;
* MOOSLEITNER, Fritz, Archäologische Untersuchungen in der Stadtpfarrkirche Zell am See, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege 31, 1977, 4–10.&lt;br /&gt;
* PAGITZ, Franz, Die Kirchen von Zell am See, in: DIE KIRCHE ZUM HL. HIPPOLYTH, 1975, 45–70.&lt;br /&gt;
* REIFFENSTEIN, Ingo, Bisonzio und Pinzgau, in: Mundart und Name im Sprachkontakt, Festschrift für Maria Hornung zum 70. Geburtstag (Beiträge zur Sprachinselforschung 8) Wien 1990, 289–298.&lt;br /&gt;
*SÖLLNER, Christine, Architekturgeschichte der Zeller Pfarrkirche, Diplomarbeit Wien 1997.&lt;br /&gt;
* WALLNER, Engelbert, Das Bistum Chiemsee im Mittelalter (1215–1508) (Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Stadt und des Landkreises Rosenheim V), Rosenheim 1967 WEINFURTER, Stefan, Salzburge r Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert, der Erzbischof Konrad I. von Salzburg (1106–1147) und die Regularkanoniker (Kölner historische Abhandlungen 24), Köln–Wien 1975.&lt;br /&gt;
* WENDEHORST, Alfred / BENZ, Stefan, Verzeichnis der Regularkanonikerstifte der Reichskirche, in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 54 (1994), 1–174.&lt;br /&gt;
* WOLFRAM, Herwig, Die Zeit der Agilolfinger. Rupert und Virgil, in: Geschichte Salzburgs I, hrsg. v. Heinz DOPSCH, Salzburg 1981, 121–156.&lt;br /&gt;
* ZEGG, Anton, Die lateinischen Inschriften der Bezirke Pongau und Pinzgau, Goldegg 1996.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Zell_am_See&amp;diff=10234</id>
		<title>Stift Zell am See</title>
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		<updated>2022-07-14T13:00:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Bau- und Kunstgeschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1121/29&lt;br /&gt;
|Datum bis=1216&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Zell gehört seit der Erhebung Salzburgs zum Erzbistum zum Sprengel der Diözese. Es wurde 1216 dem Bischof von Chiemsee unterstellt. Im Salzburger Pfarrverzeichnis von 1444–68/87 erscheint Zell am See unter den Pfarreien des Archidiakonats Trans Thuronem; dort ist das Kollationsrecht des Bischofs von Chiemsee verzeichnet. Im Verzeichnis von 1772 ist Zell im Dekanat Saalfelden genannt. Nach der Auflösung des Bistums Chiemsee 1807 wurde Zell wieder zur salzburgischen Pfarrei.&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Bisonzio, Bizonsio (788/790), Bisoncio, quod nunc Pinzco dicitur (798), in Bisontia (925), in Pisontia in loco Cella n[ominato] (926), in Pisontia (927), in Bisontia (Ostern 927), de Pisontia (927), ad Pisontiam (930), in loco qui dicitur cella (Mitte 12. Jahrhundert), ab dem 13. Jahrhundert Celle (in dem Pyntzgowe), seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts mit dem Beinamen „am See&amp;quot;.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Hippolyt (12. Jhd.)&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Stadt im Pinzgau (Land Salzburg), politischer Bezirk Zell am See. Zell am See wurde am Westufer des Zeller Sees im Pinzgau in altem Siedelgebiet errichtet. Die Region unterstand dem Einflussbereich des Baiernherzogs Tassilo. Das Erzbistum Salzburg gehörte zu den wichtigen Grundbesitzern des Pinzgaus, der seit Ende des 9. Jahrhunderts regelmäßig in den Königsurkunden für die Salzburger Kirche erwähnt wurde. Die Lehensherrschaft über den Pinzgau lag bis 1228 bei den bayerischen Herzögen und ging dann im Tausch an den Salzburger Erzbischof; am Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte Zell zu Bayern. Zell war ein Stützpunkt der Salzburger Erzbischöfe. Dem Marktort mit Dreiecksmarkt wurden 1357 neue Jahrmarktsrechte erteilt, Stadtrechte wurden erst 1928 verliehen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die karolingische Cella bis zur Reform durch Erzbischof Konrad===&lt;br /&gt;
In einer Schenkung des Priesters Boso und seines Bruders Johannes wurde eine Kirche in Zell am See mit der Zustimmung Herzog Tassilos an die Salzburger Kirche übergeben. Dort wurde eine Mönchszelle errichtet (&amp;quot;in supra memorato loco Bisonzio edificata est cella, in qua monachi Labore manuum suarum vivunt&amp;quot;). Sie stand in sehr enger Abhängigkeit von der Salzburger Kirche. Eine eigene Überlieferung hat sich nicht erhalten. Die Mönche von Zell fehlen im 784 angelegten Verbrüderungsbuch von St. Peter in Salzburg. Der Wechsel des Ortsnamens deutet jedoch darauf hin, dass die Gründung von Dauer war. In den kurz nach der Erhebung zum Erzbistum (798) angelegten &amp;quot;Breves Notitiae&amp;quot; wird die Schenkung erwähnt, nicht aber die Errichtung einer Zelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ort wird bis zum Beginn des 10. Jahrhunderts in den überlieferten Quellen nicht mehr genannt. Wann aus der Mönchszelle eine Kanonikergemeinschaft wurde, ist nicht zu klären. Weihnachten 926 vollzog der Salzburger Erzbischof Oadalbert (926–935) in Zell ein Rechtsgeschäft mit dem Vogt des Erzbistums Reginbert. Für das folgende Jahr ist ebenfalls ein Aufenthalt des Erzbischofs in Zell belegt. Beide Urkunden lassen keinen Schluss zu, welche der Kirchen in Zell Ort der Vertragsabschlüsse war bzw. ob ein anderer Platz für die Verhandlungen genutzt wurde. Die Tatsache, dass Oadalbert 926/27 in kurzer Folge zwei Urkunden in Zell am See ausstellte, hat zu der Vermutung geführt, dass der Ort als Rückzugskirche während der Zeit der Ungarneinfälle fungierte, was wiederum als Argument für den hohen Rang der Kirche innerhalb der Diözese diente. Die zeitlich dicht beieinanderliegenden Erwähnungen könnten auch nur ein Indiz für einen reisenden Erzbischof sein, der seiner Visitations- bzw. Weihepflicht nachkam. Auffällig ist zumindest, dass der Erzbischof das Weihnachtsfest nicht in seiner Domkirche feierte. Um die Mitte des 10. Jahrhunderts wurde ein ottonischer Kirchenbau errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Chorherrenstift bis zur Übertragung an den Bischof von Chiemsee===&lt;br /&gt;
Auf der 1129 abgehaltenen Synode von Laufen war der Propst (&amp;quot;praepositus&amp;quot;) [[Burchard]] von Zell anwesend. Die Nennung wird als Indiz dafür gewertet, dass zuvor die Umwandlung in ein Augustiner-Chorherrenstift des Salzburger Reformverbandes erfolgt war. In der Zeugenliste erscheint Burchard nach den Pröpsten von Au und Gars, aber vor dem Propst von Höglwörth. Dies entspricht einer untergeordneten und von Salzburg abhängigen Stellung des Stiftes, wie sie auch durch den weiteren Verlauf der Stiftsgeschichte deutlich wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Reform in Salzburg erst im Zuge des Wormser Konkordats an Dynamik gewann, wird die Umwandlung auf die Zeit zwischen 1121/1122 und 1129 datiert. Direkte Zeugnisse für die Reform in Zell am See fehlen. Eine Urkunde, die als Neubeginn zu werten wäre und dem Konvent eigene Verfügungsgewalt über ein Sondervermögen zugebilligt hätte, ist nicht erhalten. Vermutlich wurde sie nicht ausgestellt, da dies eine Unabhängigkeit von den Salzburger Erzbischöfen begründet hätte, die nicht intendiert war. Als Zeugen sind die Zeller Pröpste im 12. Jahrhundert oft in der Umgebung der Salzburger Erzbischöfe nachzuweisen. Dies blieb bis zur Unterstellung an den Chiemseer Bischof üblich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäß den Forschungen von F. Pagitz kam als Nachfolger Burchards Propst [[Dietram]] ins Amt. Im Verbrüderungsbuch von St. Peter erscheint ein Eintrag &amp;quot;Fres de cella/Dietrammi sanctis&amp;quot;. Da der Einzeleintrag im Zusammenhang mit der Eintragung des Domkapitels steht, die den Domkanonikern 1140 vom Kloster St. Peter versprochen worden war, ergibt sich die Datierung auf bald nach 1140. F. Pagitz deutet den Text so, als trenne der Zeilenwechsel zwei Einträge. Aus der Zusammenrückung scheint sich ihm die Beziehung zum Stift Zell zu ergeben. Alternative Interpretationen wären zu prüfen. Sicher ist lediglich, dass es einen Propst namens Dietram gegeben hat, der am 3. März unbekannten Jahres verstarb. Der Seckauer Memorialüberlieferung ist zu entnehmen, dass es sich bei dem Verstorbenen um einen Propst de Cella handelt. Eine zeitliche Einordnung erlauben diese Einträge nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als dritter Propst von Zell erscheint [[Friedrich]], der bereits in seiner Funktion als Propst von Zell eine Schenkung aus seinem Besitz verfügte, wie aus einer nicht datierten Urkunde hervorgeht. Friedrich gab Hörige für sein Seelenheil an das Stift Berchtesgaden. Die strenge vita communis der Salzburger Chorherren schrieb den Verzicht auf Privateigentum vor. Inwieweit die Stiftung als Akt zu interpretieren ist, mit dem Friedrich diesem Grundsatz genügte, kann nicht mit letzter Sicherheit entschieden werden. Die Tatsache, dass nur Hörige übertragen wurden, spricht eher dafür, dass es sich um einen Teil des Besitzes handelte. Als Indiz für eine strenge Lebensführung der Zeller Kanoniker ist dieser Beleg deshalb nicht zu werten. Friedrich wurde in einer auf 1160 zu datierenden Urkunde letztmals genannt. Er ist im Salzburger und im Admonter Nekrolog zum 19. September eingetragen. Sein Nachfolger wurde Propst [[Grimo]], der &amp;quot;vor 1164 Juni 22&amp;quot; in einer Urkunde des Erzbischofs als Zeuge erscheint. Im Nekrolog des Salzburger Domstiftes ist er zum 2. Dezember eingetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung Zells als Stützpunkt der Salzburger Erzbischöfe zeigt sich 1168, als Erzbischof Adalbert II. dort urkundete. Die &amp;quot;ad ordines nostros&amp;quot; zusammengekommenen Prälaten erteilten ihre Zustimmung. Die Salzburger Erzbischöfe übten das Präsentationsrecht für den Propst aus. Eine Unabhängigkeit in Form der freien Propstwahl konnte der Konvent nicht erreichen. Für einige Pröpste lässt sich nachweisen, dass sie gleichzeitig Domkanoniker in Salzburg waren. Die Zeller Propstwürde diente als Sprungbrett für eine kirchliche Karriere in der Erzdiözese, wie die Biographie des späteren Passauer Bischofs Wolfger erkennen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am Ende des 12. Jahrhunderts erfolgte die Vergabe der Propstei Zell nach Kriterien der Pfründenqualität, wie sie für weltliche Kanonikerstifte kennzeichnend ist. [[Wolfger]] wurde als Salzburger und Passauer Domkanoniker vor 1190 zum Zeller Propst. Bevor er 1191 Bischof von Passau wurde, ist er zweimal als Urkundenzeuge in der Umgebung des Salzburger Erzbischofs nachzuweisen. Noch im Jahr 1191 wurde die Propstei [[Perhtold]] unterstellt, der 1192 und 1196 urkundlich erwähnt wird. Nach der Amtszeit des 1198 belegten [[Ortolf]] übernahm um 1212 [[Rudiger von Radeck]] die Propstei, der als Spross eines Ministerialengeschlechts zuvor Pfarrer von Salzburghofen gewesen war. Im Jahr 1215 begleitete er Erzbischof Eberhard II. nach Augsburg, wo Friedrich II. den Ausgleich zwischen dem Hochstift Passau und Herzog Leopold VI. von Österreich regelte. In diesem Jahr ist er mehrfach im Umfeld des Erzbischofs erwähnt. Im zweiten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts erscheint in zwei Salzburger Urkunden ein Konrad als Pfarrer von Zell. Mit großer Wahrscheinlichkeit zielen diese Nennungen jedoch nicht auf Zell am See, sondern auf den Ort Zell nw. Breitbrunn am Chiemsee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der Übertragung an den Chiemseer Bischof bis zur Auflösung===&lt;br /&gt;
Das Stift Zell wurde im Jahr 1216 als Mensalgut der Bischöfe des neu errichteten Bistums Chiemsee verwendet. Ziel war es von da an, Erträge für die Ausstattung der bischöflichen Haushaltsführung zu erbringen. Der Papst hatte die Beibehaltung der alten Konventsstärke in Zell vorgeschrieben, sodass die Zahl der Kanoniker zunächst nicht reduziert werden sollte. Um den Überschuss zu sichern, wurde die Zahl der Kanoniker von Erzbischof Eberhard aber auf fünf Chorherren festgeschrieben: &amp;quot;numerum autem clericorum taliter moderamur: ... Celle quinque.&amp;quot; [[Rudiger]], der letzte namentlich bekannte Propst von Zell, wurde als neuer Chiemseer Bischof Nutznießer der Regelung, die im Zuge der Streitigkeiten um die Kompetenzen Eberhards II. in seiner Diözese getroffen wurde, um einen engen Vertrauten und Gefolgsmann gleichzeitig mit Kompetenzen auszustatten und in seiner Loyalität zu binden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1237 wurde Rudiger Bischof von Passau. Die Übertragung des Stiftes Zell ist wohl nicht als Schlag des Erzbischofs gegen die Augustiner-Chorherren anzusehen, die nach den Bestimmungen der Reform von 1215 nicht mehr in der Pfarrseelsorge tätig sein sollten, wie dies von F. Pagitz vermutet worden ist. Vielmehr deuten die Indizien darauf hin, dass die Reformbewegung in Zell bereits im 12. Jahrhundert an Einfluss verloren hatte und die Vergabe an den Chiemseer Bischof als Konsequenz aus dem Scheitern der Reform an diesem Ort zu bewerten ist. Dass Zell an den Chiemseer Bischof übertragen werden konnte, ist durch die eigenkirchenrechtliche Unterstellung unter den Salzburger Metropoliten zu erklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zell am See blieb eine der angeseheneren Kirchen der Region. Als Austellungsort einer erzbischöflichen Urkunde ist Zell 1256 erneut genannt. Kein Zeugnis lässt sicher erkennen, wann die Kanonikergemeinschaft in Zell endgültig aufgegeben wurde. Ein Indiz für die Reduktion des Personalbestandes vor Ort ist darin zu sehen, dass im Jahr 1268 ein Pfarrgeistlicher bezeugt ist, der nicht mehr als Propst bezeichnet wird. Er erschien vor dem Erzbischof, um für den Chiemseer Bischof das Recht bestätigen zu lassen, zwei Kleriker wegen Pfründenhäufung Dispens erteilen zu können, das der Chiemseer von Innozenz IV. erhalten hatte. Ob einzelne Pfründe an nicht-residierende Kanoniker ausgegeben wurden, ist anhand der gedruckten Quellen und Regesten zur Geschichte der Salzburger Erzdiözese nicht zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zeller Pfarrer Friedrich, der 1351 urkundlich nachgewiesen ist, hatte vermutlich ein Universitätsstudium absolviert und übernahm sowohl für den Chiemseer Bischof als auch für den Salzburger Erzbischof Aufgaben eines Notars. Während seiner Amtszeit dürfte der frühgotische Umbau erfolgt sein. Im Jahr 1361 wurde er selbst Chiemseer Bischof. Die Schwester dieses Bischofs fand 1372 in der Zeller Kirche ihre letzte Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
Die kurze Lebensdauer des Stiftes ist ursächlich dadurch begründet, dass seitens der Salzburger Erzbischöfe keine Verleihung eigener Verfügungskompetenzen über Vermögen erfolgte. Besitzübertragungen oder -bestätigungen durch die Salzburger Erzbischöfe sind in der Überlieferung nicht nachzuweisen. Ebensowenig scheint es im Hochmittelalter zu Zustiftungen des regionalen Adels gekommen zu sein. Als Stifter fungierten seit dem 13. Jahrhundert die Chiemseer Bischöfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rechtsgeschäfte und Stiftungen von Personen der Umgebung sind seit dem Spätmittelalter nachweisbar. Die Reduktion vom Stift zur Pfarrei hatte zusammen mit den erzbischöflichen Dispositionen bei der Vergabe zur Folge, dass Zell als attraktive Pfründe angesehen wurde. Zell am See erhielt die Funktion der Versorgungsstelle für hoffnungsvolle Träger administrativer Aufgaben. Seit dem Spätmittelalter führten sie nicht mehr den Titel des Propstes, sondern fungierten als Pfarrherren. Sie hatten nicht selten studiert, am Ende des Mittelalters waren Pfarrherren von Zell sogar promoviert. Mehrere Ablassverleihungen und Messstiftungen verbesserten die wirtschaftliche Ausstattung der Zeller Kirchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Bei der Grabung in der Hippolytkirche konnten keine karolingerzeitlichen Funde dokumentiert werden. Erst eine flächendeckende Ergrabung des Kirchenfußbodens von St. Hippolyt ließe sichere Aussagen zu. Es besteht die Möglichkeit, dass die karolingische Kirche kein Stein-, sondern ein Holzbau war. Ein solches Bauwerk ist nur bei diffiziler Auswertung der Grabungsbefunde erkennbar. Die durchgeführten Grabungen ergaben sicher einen Kirchenbau des 10. Jahrhunderts, von dem nur Teile der Krypta erhalten sind (die Wölbungen wurden jüngst von Söllner als sehr viel später gedeutet). Die Rekonstruktion deutet auf eine ca. 32 x 8 m große turmlose Saalkirche mit Rundapsis hin. Die hochromanische Hippolytkirche wird aufgrund des Befundes in die Zeit Erzbischof Konrads I. von Salzburg datiert. Man wird sich den Vermutungen anschließen dürfen, dass der Bau beim Festakt von 1168 bereits abgeschlossen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kirche ist ein Muster für die Baukunst der Augustiner-Chorherren in der Reformzeit der Mitte des 12. Jahrhunderts und zugleich ein Beleg für die wirtschaftliche Prosperität, obwohl archivalische Zeugnisse fehlen. Abgesehen von der Krypta und einem Stück Chorwand handelt es sich um einen völligen Neubau. Die dreischiffige Pfeilerbasilika mit drei Apsiden ist im Wesentlichen erhalten. Die turm- und querhauslose Form gilt als typisch für den regionalen Kirchenbau der Zeit und ist vor allem bei Konventskirchen anzutreffen. Als vergleichbar werden die Kirchen von Ossiach, Millstatt, Michaelbeuren, [[Stift St. Pölten|St. Pölten]], [[Stift Seckau|Seckau]], Seitenstetten und Salzburg/Nonnberg genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende des 12. bzw. am Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Kirche eingewölbt. Diese Ausschmückung wird mit den Ambitionen des späteren Bischofs Rudiger von Chiemsee in Verbindung gebracht. In seinem Testament bedachte der Chiemseer Bischof Konrad die Kirchenfabrik in Zell mit 2 Mark Silber. Welcher Zeller Kirche dieser Betrag zugedacht war, wird nicht erwähnt. Die Geldsumme ist im Vergleich mit den sonstigen Stiftungen des Bischofs eher moderat. Da der Bischof in Bischofshofen allein für Glocken und eine Fahne 10 Mark Silber schenkte, ist zu bezweifeln, dass die Geldsumme für so ehrgeizige Projekte wie die Auswölbung der Seitenschiffe samt Bemalung ausgereicht haben dürfte. Eine Rußschicht auf dem Estrich der spätromanischen Basilika deutet auf einen Kirchenbrand am Ende des 13. Jahrhunderts hin, der auf die Zeit vor der Stiftung datiert wurde, da diese mit nicht geringen Ausbesserungen begründet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umbauten zu Beginn des 14.Jahrhunderts gingen einher mit der Verfüllung der Krypta, der Hebung des Bodenniveaus und der Errichtung eines Kreuzrippengewölbes. Gleichzeitig dürften die Medaillons mit den Halbfiguren der klugen und törichten Jungfrauen sowie die unterste Malschicht in der Apside (Muttergottes mit Kind) zu datieren sein. Ein Altar &amp;quot;in medio chori&amp;quot; wurde 1335 vom Salzburger Erzbischof Friedrich III. von Leibnitz gestiftet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wandmalereien im 4. Joch stammen aus dem Ende des 14.Jahrhunderts. Ein Kirchturm kam entweder noch in der spätromanischen Bauphase oder im Zuge der frühgotischen Umbauten hinzu. Der Westturm entstand in der spätgotischen Ausbauphase im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts. Er wird in Verbindung gebracht mit den Ablassstiftungen von 1442, 1449, 1450 und 1452. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts entstand die Westempore. 1516 wurde von Bischof Bertolf Pürstinger von Chiemsee eine Wiedereinweihung vorgenommen. 1770 brannte die Kirche aus. Ende des 18. Jahrhunderts wurde über einen Abriss nachgedacht, sodass bereits Pläne für den Neubau erstellt wurden, der aber nicht zustande kam. Aus Sicherheitsgründen wurde das Gewölbe durch eine Holzdecke ersetzt. Neuzeitliche Veränderungen (vor allem die neugotische Umgestaltung) wurden im Zuge der letzten Restaurierung der Kirche entfernt. Die Konventsgebäude, die offenbar schon früh überflüssig wurden, sind nicht erhalten. Die Lage des Kreuzganges ist umstritten. Entgegen älteren Erwägungen, der Kreuzgang habe südlich der Kirche gelegen, wurde jüngst auch für die Nordseite plädiert, da nach der Entfernung des Putzes an der Kirchennordwand eine rundbogige Öffnung im Mauerwerk gefunden wurde, die als Eingang in das Klosterareal gedient haben könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Buchbesitz des Stiftes bzw. einzelner Konventsmitglieder ist bislang nicht wissenschaftlich nachgewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Urkunden im Salzburger Landesarchiv, vgl. MARTIN, Franz, Salzburger Archivberichte 2, Salzburg 1948. Urkunden im Konsistorialarchiv Salzburg, im Pfarrarchiv Zell, im Stadtarchiv Zell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
*BOSHOF, Egon / KNAPP, F. P., Wolfger von Erla. Bischof von Passau (1191–1204) und Patriarch von Aquileja (1204–1218) als Kirchenfürst und Literaturmäzen (Germanistische Bibliothek NF Reihe 3, 20) Heidelberg 1994.&lt;br /&gt;
* DIEPOLDER, Gertrud, Die Orts- und in &amp;quot;pago&amp;quot;-Nennungen im bayerischen Stammesherzogtum zur Zeit der Agilolfinger, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 20, 1957, 364-436, hier 382.&lt;br /&gt;
* FRODL, Walter, Die Stadtpfarrkirche Zell am See. Zur Restaurierung 1972–1975, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 31, 1977, 1-3.&lt;br /&gt;
* DERS ., Mittelalterliche Wandgemälde der Stadtpfarrkirche Zell am See, ebda. 21-29.&lt;br /&gt;
* FUHRMANN, Franz, Die mittelalterliche Baugeschichte der Stadtpfarrkirche Zell am See, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege 31, 1977, 10-20.&lt;br /&gt;
* DERS., Zell am See. Christliche Kunstführer 16, Salzburg, 4. Aufl. 1988.&lt;br /&gt;
* HERMANN, Karl Friedrich, Salzburg, Erläuterungen zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer 11, 9, Salzburg 1957, 159-161.&lt;br /&gt;
* HÖRBURGER, Franz, Die romanischen und vorrömischen Ortsnamen des Landes Salzburg, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 107, 1967, 37.&lt;br /&gt;
* DERS ., Salzburger Ortsnamenbuch, bearb. v. Ingo REIFFENSTEIN u. Leopold ZILLER, Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde Erg.-Bd. 9, Salzburg 1982, 100.&lt;br /&gt;
* Die KIRCHE ZUM HL. HIPPOLYTH. Zell am See. Renovierung 1972 bis 1975, Zell am See 1975.&lt;br /&gt;
* KOLLER, Heinrich, Zur Frühgeschichte der ältesten Klöster in der Umgebung von Salzburg, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 117 (1977), 5–20.&lt;br /&gt;
* MARTIN, Franz, Die Denkmale des politischen Bezirks Zell am See, Österreichische Kunsttopographie 25, Wien 1934. &lt;br /&gt;
* MIERAU, Heike Johanna, Vita communis und Pfarrseelsorge. Studien zu den Diözesen Salzburg und Passau im Hoch- und Spätmittelalter (Forschungen zur kirchlichen Rechtsgeschichte und zum Kirchenrecht 21) Köln–Wien 1997.&lt;br /&gt;
* MITTERER, Kurt Anton, Die Patrozinien der Diözese Salzburg unter besonderer Berücksichtigung der Heiligenverehrung im 8. und 9. Jahrhundert, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 130, 1990, 7-119 m. Kartenan.h., zu Zell 49.&lt;br /&gt;
* MOOSLEITNER, Fritz, Archäologische Untersuchungen in der Stadtpfarrkirche Zell am See, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege 31, 1977, 4-10.&lt;br /&gt;
* PAGITZ, Franz, Die Kirchen von Zell am See, in: DIE KIRCHE ZUM HL. HIPPOLYTH, 1975, 45-70.&lt;br /&gt;
* REIFFENSTEIN, Ingo, Bisonzio und Pinzgau, in: Mundart und Name im Sprachkontakt, Festschrift für Maria Hornung zum 70. Geburtstag (Beiträge zur Sprachinselforschung 8) Wien 1990, 289–298.&lt;br /&gt;
*SÖLLNER, Christine, Architekturgeschichte der Zeller Pfarrkirche, Diplomarbeit Wien 1997.&lt;br /&gt;
* WALLNER, Engelbert, Das Bistum Chiemsee im Mittelalter (1215–1508) (Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Stadt und des Landkreises Rosenheim V), Rosenheim 1967 WEINFURTER, Stefan, Salzburge r Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert, der Erzbischof Konrad I. von Salzburg (1106–1147) und die Regularkanoniker (Kölner historische Abhandlungen 24), Köln–Wien 1975.&lt;br /&gt;
* WENDEHORST, Alfred / BENZ, Stefan, Verzeichnis der Regularkanonikerstifte der Reichskirche, in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 54 (1994), 1–174.&lt;br /&gt;
* WOLFRAM, Herwig, Die Zeit der Agilolfinger. Rupert und Virgil, in: Geschichte Salzburgs I, hrsg. v. Heinz DOPSCH, Salzburg 1981, 121–156.&lt;br /&gt;
* ZEGG, Anton, Die lateinischen Inschriften der Bezirke Pongau und Pinzgau, Goldegg 1996.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Zell_am_See&amp;diff=10233</id>
		<title>Stift Zell am See</title>
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		<updated>2022-07-14T12:57:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Wirtschaftliche und soziale Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1121/29&lt;br /&gt;
|Datum bis=1216&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Zell gehört seit der Erhebung Salzburgs zum Erzbistum zum Sprengel der Diözese. Es wurde 1216 dem Bischof von Chiemsee unterstellt. Im Salzburger Pfarrverzeichnis von 1444–68/87 erscheint Zell am See unter den Pfarreien des Archidiakonats Trans Thuronem; dort ist das Kollationsrecht des Bischofs von Chiemsee verzeichnet. Im Verzeichnis von 1772 ist Zell im Dekanat Saalfelden genannt. Nach der Auflösung des Bistums Chiemsee 1807 wurde Zell wieder zur salzburgischen Pfarrei.&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Bisonzio, Bizonsio (788/790), Bisoncio, quod nunc Pinzco dicitur (798), in Bisontia (925), in Pisontia in loco Cella n[ominato] (926), in Pisontia (927), in Bisontia (Ostern 927), de Pisontia (927), ad Pisontiam (930), in loco qui dicitur cella (Mitte 12. Jahrhundert), ab dem 13. Jahrhundert Celle (in dem Pyntzgowe), seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts mit dem Beinamen „am See&amp;quot;.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Hippolyt (12. Jhd.)&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Stadt im Pinzgau (Land Salzburg), politischer Bezirk Zell am See. Zell am See wurde am Westufer des Zeller Sees im Pinzgau in altem Siedelgebiet errichtet. Die Region unterstand dem Einflussbereich des Baiernherzogs Tassilo. Das Erzbistum Salzburg gehörte zu den wichtigen Grundbesitzern des Pinzgaus, der seit Ende des 9. Jahrhunderts regelmäßig in den Königsurkunden für die Salzburger Kirche erwähnt wurde. Die Lehensherrschaft über den Pinzgau lag bis 1228 bei den bayerischen Herzögen und ging dann im Tausch an den Salzburger Erzbischof; am Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte Zell zu Bayern. Zell war ein Stützpunkt der Salzburger Erzbischöfe. Dem Marktort mit Dreiecksmarkt wurden 1357 neue Jahrmarktsrechte erteilt, Stadtrechte wurden erst 1928 verliehen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die karolingische Cella bis zur Reform durch Erzbischof Konrad===&lt;br /&gt;
In einer Schenkung des Priesters Boso und seines Bruders Johannes wurde eine Kirche in Zell am See mit der Zustimmung Herzog Tassilos an die Salzburger Kirche übergeben. Dort wurde eine Mönchszelle errichtet (&amp;quot;in supra memorato loco Bisonzio edificata est cella, in qua monachi Labore manuum suarum vivunt&amp;quot;). Sie stand in sehr enger Abhängigkeit von der Salzburger Kirche. Eine eigene Überlieferung hat sich nicht erhalten. Die Mönche von Zell fehlen im 784 angelegten Verbrüderungsbuch von St. Peter in Salzburg. Der Wechsel des Ortsnamens deutet jedoch darauf hin, dass die Gründung von Dauer war. In den kurz nach der Erhebung zum Erzbistum (798) angelegten &amp;quot;Breves Notitiae&amp;quot; wird die Schenkung erwähnt, nicht aber die Errichtung einer Zelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ort wird bis zum Beginn des 10. Jahrhunderts in den überlieferten Quellen nicht mehr genannt. Wann aus der Mönchszelle eine Kanonikergemeinschaft wurde, ist nicht zu klären. Weihnachten 926 vollzog der Salzburger Erzbischof Oadalbert (926–935) in Zell ein Rechtsgeschäft mit dem Vogt des Erzbistums Reginbert. Für das folgende Jahr ist ebenfalls ein Aufenthalt des Erzbischofs in Zell belegt. Beide Urkunden lassen keinen Schluss zu, welche der Kirchen in Zell Ort der Vertragsabschlüsse war bzw. ob ein anderer Platz für die Verhandlungen genutzt wurde. Die Tatsache, dass Oadalbert 926/27 in kurzer Folge zwei Urkunden in Zell am See ausstellte, hat zu der Vermutung geführt, dass der Ort als Rückzugskirche während der Zeit der Ungarneinfälle fungierte, was wiederum als Argument für den hohen Rang der Kirche innerhalb der Diözese diente. Die zeitlich dicht beieinanderliegenden Erwähnungen könnten auch nur ein Indiz für einen reisenden Erzbischof sein, der seiner Visitations- bzw. Weihepflicht nachkam. Auffällig ist zumindest, dass der Erzbischof das Weihnachtsfest nicht in seiner Domkirche feierte. Um die Mitte des 10. Jahrhunderts wurde ein ottonischer Kirchenbau errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Chorherrenstift bis zur Übertragung an den Bischof von Chiemsee===&lt;br /&gt;
Auf der 1129 abgehaltenen Synode von Laufen war der Propst (&amp;quot;praepositus&amp;quot;) [[Burchard]] von Zell anwesend. Die Nennung wird als Indiz dafür gewertet, dass zuvor die Umwandlung in ein Augustiner-Chorherrenstift des Salzburger Reformverbandes erfolgt war. In der Zeugenliste erscheint Burchard nach den Pröpsten von Au und Gars, aber vor dem Propst von Höglwörth. Dies entspricht einer untergeordneten und von Salzburg abhängigen Stellung des Stiftes, wie sie auch durch den weiteren Verlauf der Stiftsgeschichte deutlich wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Reform in Salzburg erst im Zuge des Wormser Konkordats an Dynamik gewann, wird die Umwandlung auf die Zeit zwischen 1121/1122 und 1129 datiert. Direkte Zeugnisse für die Reform in Zell am See fehlen. Eine Urkunde, die als Neubeginn zu werten wäre und dem Konvent eigene Verfügungsgewalt über ein Sondervermögen zugebilligt hätte, ist nicht erhalten. Vermutlich wurde sie nicht ausgestellt, da dies eine Unabhängigkeit von den Salzburger Erzbischöfen begründet hätte, die nicht intendiert war. Als Zeugen sind die Zeller Pröpste im 12. Jahrhundert oft in der Umgebung der Salzburger Erzbischöfe nachzuweisen. Dies blieb bis zur Unterstellung an den Chiemseer Bischof üblich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäß den Forschungen von F. Pagitz kam als Nachfolger Burchards Propst [[Dietram]] ins Amt. Im Verbrüderungsbuch von St. Peter erscheint ein Eintrag &amp;quot;Fres de cella/Dietrammi sanctis&amp;quot;. Da der Einzeleintrag im Zusammenhang mit der Eintragung des Domkapitels steht, die den Domkanonikern 1140 vom Kloster St. Peter versprochen worden war, ergibt sich die Datierung auf bald nach 1140. F. Pagitz deutet den Text so, als trenne der Zeilenwechsel zwei Einträge. Aus der Zusammenrückung scheint sich ihm die Beziehung zum Stift Zell zu ergeben. Alternative Interpretationen wären zu prüfen. Sicher ist lediglich, dass es einen Propst namens Dietram gegeben hat, der am 3. März unbekannten Jahres verstarb. Der Seckauer Memorialüberlieferung ist zu entnehmen, dass es sich bei dem Verstorbenen um einen Propst de Cella handelt. Eine zeitliche Einordnung erlauben diese Einträge nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als dritter Propst von Zell erscheint [[Friedrich]], der bereits in seiner Funktion als Propst von Zell eine Schenkung aus seinem Besitz verfügte, wie aus einer nicht datierten Urkunde hervorgeht. Friedrich gab Hörige für sein Seelenheil an das Stift Berchtesgaden. Die strenge vita communis der Salzburger Chorherren schrieb den Verzicht auf Privateigentum vor. Inwieweit die Stiftung als Akt zu interpretieren ist, mit dem Friedrich diesem Grundsatz genügte, kann nicht mit letzter Sicherheit entschieden werden. Die Tatsache, dass nur Hörige übertragen wurden, spricht eher dafür, dass es sich um einen Teil des Besitzes handelte. Als Indiz für eine strenge Lebensführung der Zeller Kanoniker ist dieser Beleg deshalb nicht zu werten. Friedrich wurde in einer auf 1160 zu datierenden Urkunde letztmals genannt. Er ist im Salzburger und im Admonter Nekrolog zum 19. September eingetragen. Sein Nachfolger wurde Propst [[Grimo]], der &amp;quot;vor 1164 Juni 22&amp;quot; in einer Urkunde des Erzbischofs als Zeuge erscheint. Im Nekrolog des Salzburger Domstiftes ist er zum 2. Dezember eingetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung Zells als Stützpunkt der Salzburger Erzbischöfe zeigt sich 1168, als Erzbischof Adalbert II. dort urkundete. Die &amp;quot;ad ordines nostros&amp;quot; zusammengekommenen Prälaten erteilten ihre Zustimmung. Die Salzburger Erzbischöfe übten das Präsentationsrecht für den Propst aus. Eine Unabhängigkeit in Form der freien Propstwahl konnte der Konvent nicht erreichen. Für einige Pröpste lässt sich nachweisen, dass sie gleichzeitig Domkanoniker in Salzburg waren. Die Zeller Propstwürde diente als Sprungbrett für eine kirchliche Karriere in der Erzdiözese, wie die Biographie des späteren Passauer Bischofs Wolfger erkennen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am Ende des 12. Jahrhunderts erfolgte die Vergabe der Propstei Zell nach Kriterien der Pfründenqualität, wie sie für weltliche Kanonikerstifte kennzeichnend ist. [[Wolfger]] wurde als Salzburger und Passauer Domkanoniker vor 1190 zum Zeller Propst. Bevor er 1191 Bischof von Passau wurde, ist er zweimal als Urkundenzeuge in der Umgebung des Salzburger Erzbischofs nachzuweisen. Noch im Jahr 1191 wurde die Propstei [[Perhtold]] unterstellt, der 1192 und 1196 urkundlich erwähnt wird. Nach der Amtszeit des 1198 belegten [[Ortolf]] übernahm um 1212 [[Rudiger von Radeck]] die Propstei, der als Spross eines Ministerialengeschlechts zuvor Pfarrer von Salzburghofen gewesen war. Im Jahr 1215 begleitete er Erzbischof Eberhard II. nach Augsburg, wo Friedrich II. den Ausgleich zwischen dem Hochstift Passau und Herzog Leopold VI. von Österreich regelte. In diesem Jahr ist er mehrfach im Umfeld des Erzbischofs erwähnt. Im zweiten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts erscheint in zwei Salzburger Urkunden ein Konrad als Pfarrer von Zell. Mit großer Wahrscheinlichkeit zielen diese Nennungen jedoch nicht auf Zell am See, sondern auf den Ort Zell nw. Breitbrunn am Chiemsee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der Übertragung an den Chiemseer Bischof bis zur Auflösung===&lt;br /&gt;
Das Stift Zell wurde im Jahr 1216 als Mensalgut der Bischöfe des neu errichteten Bistums Chiemsee verwendet. Ziel war es von da an, Erträge für die Ausstattung der bischöflichen Haushaltsführung zu erbringen. Der Papst hatte die Beibehaltung der alten Konventsstärke in Zell vorgeschrieben, sodass die Zahl der Kanoniker zunächst nicht reduziert werden sollte. Um den Überschuss zu sichern, wurde die Zahl der Kanoniker von Erzbischof Eberhard aber auf fünf Chorherren festgeschrieben: &amp;quot;numerum autem clericorum taliter moderamur: ... Celle quinque.&amp;quot; [[Rudiger]], der letzte namentlich bekannte Propst von Zell, wurde als neuer Chiemseer Bischof Nutznießer der Regelung, die im Zuge der Streitigkeiten um die Kompetenzen Eberhards II. in seiner Diözese getroffen wurde, um einen engen Vertrauten und Gefolgsmann gleichzeitig mit Kompetenzen auszustatten und in seiner Loyalität zu binden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1237 wurde Rudiger Bischof von Passau. Die Übertragung des Stiftes Zell ist wohl nicht als Schlag des Erzbischofs gegen die Augustiner-Chorherren anzusehen, die nach den Bestimmungen der Reform von 1215 nicht mehr in der Pfarrseelsorge tätig sein sollten, wie dies von F. Pagitz vermutet worden ist. Vielmehr deuten die Indizien darauf hin, dass die Reformbewegung in Zell bereits im 12. Jahrhundert an Einfluss verloren hatte und die Vergabe an den Chiemseer Bischof als Konsequenz aus dem Scheitern der Reform an diesem Ort zu bewerten ist. Dass Zell an den Chiemseer Bischof übertragen werden konnte, ist durch die eigenkirchenrechtliche Unterstellung unter den Salzburger Metropoliten zu erklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zell am See blieb eine der angeseheneren Kirchen der Region. Als Austellungsort einer erzbischöflichen Urkunde ist Zell 1256 erneut genannt. Kein Zeugnis lässt sicher erkennen, wann die Kanonikergemeinschaft in Zell endgültig aufgegeben wurde. Ein Indiz für die Reduktion des Personalbestandes vor Ort ist darin zu sehen, dass im Jahr 1268 ein Pfarrgeistlicher bezeugt ist, der nicht mehr als Propst bezeichnet wird. Er erschien vor dem Erzbischof, um für den Chiemseer Bischof das Recht bestätigen zu lassen, zwei Kleriker wegen Pfründenhäufung Dispens erteilen zu können, das der Chiemseer von Innozenz IV. erhalten hatte. Ob einzelne Pfründe an nicht-residierende Kanoniker ausgegeben wurden, ist anhand der gedruckten Quellen und Regesten zur Geschichte der Salzburger Erzdiözese nicht zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zeller Pfarrer Friedrich, der 1351 urkundlich nachgewiesen ist, hatte vermutlich ein Universitätsstudium absolviert und übernahm sowohl für den Chiemseer Bischof als auch für den Salzburger Erzbischof Aufgaben eines Notars. Während seiner Amtszeit dürfte der frühgotische Umbau erfolgt sein. Im Jahr 1361 wurde er selbst Chiemseer Bischof. Die Schwester dieses Bischofs fand 1372 in der Zeller Kirche ihre letzte Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
Die kurze Lebensdauer des Stiftes ist ursächlich dadurch begründet, dass seitens der Salzburger Erzbischöfe keine Verleihung eigener Verfügungskompetenzen über Vermögen erfolgte. Besitzübertragungen oder -bestätigungen durch die Salzburger Erzbischöfe sind in der Überlieferung nicht nachzuweisen. Ebensowenig scheint es im Hochmittelalter zu Zustiftungen des regionalen Adels gekommen zu sein. Als Stifter fungierten seit dem 13. Jahrhundert die Chiemseer Bischöfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rechtsgeschäfte und Stiftungen von Personen der Umgebung sind seit dem Spätmittelalter nachweisbar. Die Reduktion vom Stift zur Pfarrei hatte zusammen mit den erzbischöflichen Dispositionen bei der Vergabe zur Folge, dass Zell als attraktive Pfründe angesehen wurde. Zell am See erhielt die Funktion der Versorgungsstelle für hoffnungsvolle Träger administrativer Aufgaben. Seit dem Spätmittelalter führten sie nicht mehr den Titel des Propstes, sondern fungierten als Pfarrherren. Sie hatten nicht selten studiert, am Ende des Mittelalters waren Pfarrherren von Zell sogar promoviert. Mehrere Ablassverleihungen und Messstiftungen verbesserten die wirtschaftliche Ausstattung der Zeller Kirchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Bei der Grabung in der Hippolytkirche konnten keine karolingerzeitlichen Funde dokumentiert werden. Erst eine flächendeckende Ergrabung des Kirchenfußbodens von St. Hippolyt ließe sichere Aussagen zu. Es besteht die Möglichkeit, dass die karolingische Kirche kein Stein- sondern ein Holzbau war. Ein solches Bauwerk ist nur bei diffiziler Auswertung der Grabungsbefunde erkennbar. Die durchgeführten Grabungen ergaben sicher einen Kirchenbau des 10. Jahrhunderts, von dem nur Teile der Krypta erhalten sind (die Wölbungen wurden jüngst von Söllner als sehr viel später gedeutet). Die Rekonstruktion deutet auf eine ca. 32 x 8 Meter große turmlose Saalkirche mit Rundapsis hin. Die hochromanische Hippolytkirche wird aufgrund des Befundes in die Zeit Erzbischof Konrads I. von Salzburg datiert. Man wird sich den Vermutungen anschließen dürfen, dass der Bau beim Festakt von 1168 bereits abgeschlossen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kirche ist ein Muster für die Baukunst der Augustiner-Chorherren in der Reformzeit der Mitte des 12. Jahrhunderts und zugleich ein Beleg für die wirtschaftliche Prosperität, obwohl archivalische Zeugnisse fehlen. Abgesehen von der Krypta und einem Stück Chorwand handelt es sich um einen völligen Neubau. Die dreischiffige Pfeilerbasilika mit drei Apsiden ist im wesentlichen erhalten. Die turm- und querhauslose Form gilt als typisch für den regionalen Kirchenbau der Zeit und ist vor allem bei Konventskirchen anzutreffen. Als vergleichbar werden die Kirchen von Ossiach, Millstatt, Michaelbeuren, [[Stift St. Pölten|St. Pölten]], [[Stift Seckau|Seckau]], Seitenstetten und Salzburg/Nonnberg genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende des 12. bzw. am Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Kirche eingewölbt. Diese Ausschmückung wird mit den Ambitionen des späteren Bischofs Rudiger von Chiemsee in Verbindung gebracht. In seinem Testament bedachte der Chiemseer Bischof Konrad die Kirchenfabrik in Zell mit 2 Mark Silber. Welcher Zeller Kirche dieser Betrag zugedacht war, wird nicht erwähnt. Die Geldsumme ist im Vergleich mit den sonstigen Stiftungen des Bischofs eher moderat. Da der Bischof in Bischofshofen allein für Glocken und eine Fahne 10 Mark Silber schenkte, ist zu bezweifeln, dass die Geldsumme für so ehrgeizige Projekte wie die Auswölbung der Seitenschiffe samt Bemalung ausgereicht haben dürfte. Eine Rußschicht auf dem Estrich der spätromanischen Basilika deutet auf einen Kirchenbrand am Ende des 13. Jahrhunderts hin, der auf die Zeit vor der Stiftung dati ert wurde, da diese mit nicht geringen Ausbesserungen begründet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umbauten zu Beginn des 14.Jahrhunderts gingen einher mit der Verfüllung der Krypta, der Hebung des Bodenniveaus und der Errichtung eines Kreuzrippengewölbes. Gleichzeitig dürften die Medaillons mit den Halbfiguren der klugen und törichten Jungfrauen sowie die unterste Malschicht in der Apside (Muttergottes mit Kind) zu datieren sein. Ein Altar &amp;quot;in medio chori&amp;quot; wurde 1335 vom Salzburger Erzbischof Friedrich III. von Leibnitz gestiftet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wandmalereien im 4.Joch stammen aus dem Ende des 14.Jahrhunderts. Ein Kirchturm kam entweder noch in der spätromanischen Bauphase oder im Zuge der frühgotischen Umbauten hinzu. Der Westturm entstand in der spätgotischen Ausbauphase im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts. Er wird in Verbindung gebracht mit den Ablassstiftungen von 1442, 1449, 1450 und 1452. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts entstand die Westempore. 1516 wurde von Bischof Bertolf Pürstinger von Chiemsee eine Wiedereinweihung vorgenommen. 1770 brannte die Kirche aus. Ende des 18. Jahrhunderts wurde über einen Abriss nachgedacht, sodass bereits Pläne für den Neubau erstellt wurden, der aber nicht zustande kam. Aus Sicherheitsgründen wurde das Gewölbe durch eine Holzdecke ersetzt. Neuzeitliche Veränderungen (vor allem die neugotische Umgestaltung) wurden im Zuge der letzten Restaurierung der Kirche entfernt. Die Konventsgebäude, die offenbar schon früh überflüssig wurden, sind nicht erhalten. Die Lage des Kreuzganges ist umstritten. Entgegen älteren Erwägungen, der Kreuzgang habe südlich der Kirche gelegen, wurde jüngst auch für die Nordseite plädiert, da nach der Entfernung des Putzes an der Kirchennordwand eine rundbogige Öffnung im Mauerwerk gefunden wurde, die als Eingang in das Klosterareal gedient haben könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Buchbesitz des Stiftes bzw. einzelner Konventsmitglieder ist bislang nicht wissenschaftlich nachgewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Urkunden im Salzburger Landesarchiv, vgl. MARTIN, Franz, Salzburger Archivberichte 2, Salzburg 1948. Urkunden im Konsistorialarchiv Salzburg, im Pfarrarchiv Zell, im Stadtarchiv Zell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
*BOSHOF, Egon / KNAPP, F. P., Wolfger von Erla. Bischof von Passau (1191–1204) und Patriarch von Aquileja (1204–1218) als Kirchenfürst und Literaturmäzen (Germanistische Bibliothek NF Reihe 3, 20) Heidelberg 1994.&lt;br /&gt;
* DIEPOLDER, Gertrud, Die Orts- und in &amp;quot;pago&amp;quot;-Nennungen im bayerischen Stammesherzogtum zur Zeit der Agilolfinger, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 20, 1957, 364-436, hier 382.&lt;br /&gt;
* FRODL, Walter, Die Stadtpfarrkirche Zell am See. Zur Restaurierung 1972–1975, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 31, 1977, 1-3.&lt;br /&gt;
* DERS ., Mittelalterliche Wandgemälde der Stadtpfarrkirche Zell am See, ebda. 21-29.&lt;br /&gt;
* FUHRMANN, Franz, Die mittelalterliche Baugeschichte der Stadtpfarrkirche Zell am See, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege 31, 1977, 10-20.&lt;br /&gt;
* DERS., Zell am See. Christliche Kunstführer 16, Salzburg, 4. Aufl. 1988.&lt;br /&gt;
* HERMANN, Karl Friedrich, Salzburg, Erläuterungen zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer 11, 9, Salzburg 1957, 159-161.&lt;br /&gt;
* HÖRBURGER, Franz, Die romanischen und vorrömischen Ortsnamen des Landes Salzburg, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 107, 1967, 37.&lt;br /&gt;
* DERS ., Salzburger Ortsnamenbuch, bearb. v. Ingo REIFFENSTEIN u. Leopold ZILLER, Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde Erg.-Bd. 9, Salzburg 1982, 100.&lt;br /&gt;
* Die KIRCHE ZUM HL. HIPPOLYTH. Zell am See. Renovierung 1972 bis 1975, Zell am See 1975.&lt;br /&gt;
* KOLLER, Heinrich, Zur Frühgeschichte der ältesten Klöster in der Umgebung von Salzburg, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 117 (1977), 5–20.&lt;br /&gt;
* MARTIN, Franz, Die Denkmale des politischen Bezirks Zell am See, Österreichische Kunsttopographie 25, Wien 1934. &lt;br /&gt;
* MIERAU, Heike Johanna, Vita communis und Pfarrseelsorge. Studien zu den Diözesen Salzburg und Passau im Hoch- und Spätmittelalter (Forschungen zur kirchlichen Rechtsgeschichte und zum Kirchenrecht 21) Köln–Wien 1997.&lt;br /&gt;
* MITTERER, Kurt Anton, Die Patrozinien der Diözese Salzburg unter besonderer Berücksichtigung der Heiligenverehrung im 8. und 9. Jahrhundert, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 130, 1990, 7-119 m. Kartenan.h., zu Zell 49.&lt;br /&gt;
* MOOSLEITNER, Fritz, Archäologische Untersuchungen in der Stadtpfarrkirche Zell am See, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege 31, 1977, 4-10.&lt;br /&gt;
* PAGITZ, Franz, Die Kirchen von Zell am See, in: DIE KIRCHE ZUM HL. HIPPOLYTH, 1975, 45-70.&lt;br /&gt;
* REIFFENSTEIN, Ingo, Bisonzio und Pinzgau, in: Mundart und Name im Sprachkontakt, Festschrift für Maria Hornung zum 70. Geburtstag (Beiträge zur Sprachinselforschung 8) Wien 1990, 289–298.&lt;br /&gt;
*SÖLLNER, Christine, Architekturgeschichte der Zeller Pfarrkirche, Diplomarbeit Wien 1997.&lt;br /&gt;
* WALLNER, Engelbert, Das Bistum Chiemsee im Mittelalter (1215–1508) (Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Stadt und des Landkreises Rosenheim V), Rosenheim 1967 WEINFURTER, Stefan, Salzburge r Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert, der Erzbischof Konrad I. von Salzburg (1106–1147) und die Regularkanoniker (Kölner historische Abhandlungen 24), Köln–Wien 1975.&lt;br /&gt;
* WENDEHORST, Alfred / BENZ, Stefan, Verzeichnis der Regularkanonikerstifte der Reichskirche, in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 54 (1994), 1–174.&lt;br /&gt;
* WOLFRAM, Herwig, Die Zeit der Agilolfinger. Rupert und Virgil, in: Geschichte Salzburgs I, hrsg. v. Heinz DOPSCH, Salzburg 1981, 121–156.&lt;br /&gt;
* ZEGG, Anton, Die lateinischen Inschriften der Bezirke Pongau und Pinzgau, Goldegg 1996.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
	</entry>
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		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Zell_am_See&amp;diff=10232</id>
		<title>Stift Zell am See</title>
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		<updated>2022-07-14T12:55:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Von der Übertragung an den Chiemseer Bischof bis zur Auflösung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1121/29&lt;br /&gt;
|Datum bis=1216&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Zell gehört seit der Erhebung Salzburgs zum Erzbistum zum Sprengel der Diözese. Es wurde 1216 dem Bischof von Chiemsee unterstellt. Im Salzburger Pfarrverzeichnis von 1444–68/87 erscheint Zell am See unter den Pfarreien des Archidiakonats Trans Thuronem; dort ist das Kollationsrecht des Bischofs von Chiemsee verzeichnet. Im Verzeichnis von 1772 ist Zell im Dekanat Saalfelden genannt. Nach der Auflösung des Bistums Chiemsee 1807 wurde Zell wieder zur salzburgischen Pfarrei.&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Bisonzio, Bizonsio (788/790), Bisoncio, quod nunc Pinzco dicitur (798), in Bisontia (925), in Pisontia in loco Cella n[ominato] (926), in Pisontia (927), in Bisontia (Ostern 927), de Pisontia (927), ad Pisontiam (930), in loco qui dicitur cella (Mitte 12. Jahrhundert), ab dem 13. Jahrhundert Celle (in dem Pyntzgowe), seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts mit dem Beinamen „am See&amp;quot;.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Hippolyt (12. Jhd.)&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Stadt im Pinzgau (Land Salzburg), politischer Bezirk Zell am See. Zell am See wurde am Westufer des Zeller Sees im Pinzgau in altem Siedelgebiet errichtet. Die Region unterstand dem Einflussbereich des Baiernherzogs Tassilo. Das Erzbistum Salzburg gehörte zu den wichtigen Grundbesitzern des Pinzgaus, der seit Ende des 9. Jahrhunderts regelmäßig in den Königsurkunden für die Salzburger Kirche erwähnt wurde. Die Lehensherrschaft über den Pinzgau lag bis 1228 bei den bayerischen Herzögen und ging dann im Tausch an den Salzburger Erzbischof; am Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte Zell zu Bayern. Zell war ein Stützpunkt der Salzburger Erzbischöfe. Dem Marktort mit Dreiecksmarkt wurden 1357 neue Jahrmarktsrechte erteilt, Stadtrechte wurden erst 1928 verliehen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die karolingische Cella bis zur Reform durch Erzbischof Konrad===&lt;br /&gt;
In einer Schenkung des Priesters Boso und seines Bruders Johannes wurde eine Kirche in Zell am See mit der Zustimmung Herzog Tassilos an die Salzburger Kirche übergeben. Dort wurde eine Mönchszelle errichtet (&amp;quot;in supra memorato loco Bisonzio edificata est cella, in qua monachi Labore manuum suarum vivunt&amp;quot;). Sie stand in sehr enger Abhängigkeit von der Salzburger Kirche. Eine eigene Überlieferung hat sich nicht erhalten. Die Mönche von Zell fehlen im 784 angelegten Verbrüderungsbuch von St. Peter in Salzburg. Der Wechsel des Ortsnamens deutet jedoch darauf hin, dass die Gründung von Dauer war. In den kurz nach der Erhebung zum Erzbistum (798) angelegten &amp;quot;Breves Notitiae&amp;quot; wird die Schenkung erwähnt, nicht aber die Errichtung einer Zelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ort wird bis zum Beginn des 10. Jahrhunderts in den überlieferten Quellen nicht mehr genannt. Wann aus der Mönchszelle eine Kanonikergemeinschaft wurde, ist nicht zu klären. Weihnachten 926 vollzog der Salzburger Erzbischof Oadalbert (926–935) in Zell ein Rechtsgeschäft mit dem Vogt des Erzbistums Reginbert. Für das folgende Jahr ist ebenfalls ein Aufenthalt des Erzbischofs in Zell belegt. Beide Urkunden lassen keinen Schluss zu, welche der Kirchen in Zell Ort der Vertragsabschlüsse war bzw. ob ein anderer Platz für die Verhandlungen genutzt wurde. Die Tatsache, dass Oadalbert 926/27 in kurzer Folge zwei Urkunden in Zell am See ausstellte, hat zu der Vermutung geführt, dass der Ort als Rückzugskirche während der Zeit der Ungarneinfälle fungierte, was wiederum als Argument für den hohen Rang der Kirche innerhalb der Diözese diente. Die zeitlich dicht beieinanderliegenden Erwähnungen könnten auch nur ein Indiz für einen reisenden Erzbischof sein, der seiner Visitations- bzw. Weihepflicht nachkam. Auffällig ist zumindest, dass der Erzbischof das Weihnachtsfest nicht in seiner Domkirche feierte. Um die Mitte des 10. Jahrhunderts wurde ein ottonischer Kirchenbau errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Chorherrenstift bis zur Übertragung an den Bischof von Chiemsee===&lt;br /&gt;
Auf der 1129 abgehaltenen Synode von Laufen war der Propst (&amp;quot;praepositus&amp;quot;) [[Burchard]] von Zell anwesend. Die Nennung wird als Indiz dafür gewertet, dass zuvor die Umwandlung in ein Augustiner-Chorherrenstift des Salzburger Reformverbandes erfolgt war. In der Zeugenliste erscheint Burchard nach den Pröpsten von Au und Gars, aber vor dem Propst von Höglwörth. Dies entspricht einer untergeordneten und von Salzburg abhängigen Stellung des Stiftes, wie sie auch durch den weiteren Verlauf der Stiftsgeschichte deutlich wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Reform in Salzburg erst im Zuge des Wormser Konkordats an Dynamik gewann, wird die Umwandlung auf die Zeit zwischen 1121/1122 und 1129 datiert. Direkte Zeugnisse für die Reform in Zell am See fehlen. Eine Urkunde, die als Neubeginn zu werten wäre und dem Konvent eigene Verfügungsgewalt über ein Sondervermögen zugebilligt hätte, ist nicht erhalten. Vermutlich wurde sie nicht ausgestellt, da dies eine Unabhängigkeit von den Salzburger Erzbischöfen begründet hätte, die nicht intendiert war. Als Zeugen sind die Zeller Pröpste im 12. Jahrhundert oft in der Umgebung der Salzburger Erzbischöfe nachzuweisen. Dies blieb bis zur Unterstellung an den Chiemseer Bischof üblich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäß den Forschungen von F. Pagitz kam als Nachfolger Burchards Propst [[Dietram]] ins Amt. Im Verbrüderungsbuch von St. Peter erscheint ein Eintrag &amp;quot;Fres de cella/Dietrammi sanctis&amp;quot;. Da der Einzeleintrag im Zusammenhang mit der Eintragung des Domkapitels steht, die den Domkanonikern 1140 vom Kloster St. Peter versprochen worden war, ergibt sich die Datierung auf bald nach 1140. F. Pagitz deutet den Text so, als trenne der Zeilenwechsel zwei Einträge. Aus der Zusammenrückung scheint sich ihm die Beziehung zum Stift Zell zu ergeben. Alternative Interpretationen wären zu prüfen. Sicher ist lediglich, dass es einen Propst namens Dietram gegeben hat, der am 3. März unbekannten Jahres verstarb. Der Seckauer Memorialüberlieferung ist zu entnehmen, dass es sich bei dem Verstorbenen um einen Propst de Cella handelt. Eine zeitliche Einordnung erlauben diese Einträge nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als dritter Propst von Zell erscheint [[Friedrich]], der bereits in seiner Funktion als Propst von Zell eine Schenkung aus seinem Besitz verfügte, wie aus einer nicht datierten Urkunde hervorgeht. Friedrich gab Hörige für sein Seelenheil an das Stift Berchtesgaden. Die strenge vita communis der Salzburger Chorherren schrieb den Verzicht auf Privateigentum vor. Inwieweit die Stiftung als Akt zu interpretieren ist, mit dem Friedrich diesem Grundsatz genügte, kann nicht mit letzter Sicherheit entschieden werden. Die Tatsache, dass nur Hörige übertragen wurden, spricht eher dafür, dass es sich um einen Teil des Besitzes handelte. Als Indiz für eine strenge Lebensführung der Zeller Kanoniker ist dieser Beleg deshalb nicht zu werten. Friedrich wurde in einer auf 1160 zu datierenden Urkunde letztmals genannt. Er ist im Salzburger und im Admonter Nekrolog zum 19. September eingetragen. Sein Nachfolger wurde Propst [[Grimo]], der &amp;quot;vor 1164 Juni 22&amp;quot; in einer Urkunde des Erzbischofs als Zeuge erscheint. Im Nekrolog des Salzburger Domstiftes ist er zum 2. Dezember eingetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung Zells als Stützpunkt der Salzburger Erzbischöfe zeigt sich 1168, als Erzbischof Adalbert II. dort urkundete. Die &amp;quot;ad ordines nostros&amp;quot; zusammengekommenen Prälaten erteilten ihre Zustimmung. Die Salzburger Erzbischöfe übten das Präsentationsrecht für den Propst aus. Eine Unabhängigkeit in Form der freien Propstwahl konnte der Konvent nicht erreichen. Für einige Pröpste lässt sich nachweisen, dass sie gleichzeitig Domkanoniker in Salzburg waren. Die Zeller Propstwürde diente als Sprungbrett für eine kirchliche Karriere in der Erzdiözese, wie die Biographie des späteren Passauer Bischofs Wolfger erkennen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am Ende des 12. Jahrhunderts erfolgte die Vergabe der Propstei Zell nach Kriterien der Pfründenqualität, wie sie für weltliche Kanonikerstifte kennzeichnend ist. [[Wolfger]] wurde als Salzburger und Passauer Domkanoniker vor 1190 zum Zeller Propst. Bevor er 1191 Bischof von Passau wurde, ist er zweimal als Urkundenzeuge in der Umgebung des Salzburger Erzbischofs nachzuweisen. Noch im Jahr 1191 wurde die Propstei [[Perhtold]] unterstellt, der 1192 und 1196 urkundlich erwähnt wird. Nach der Amtszeit des 1198 belegten [[Ortolf]] übernahm um 1212 [[Rudiger von Radeck]] die Propstei, der als Spross eines Ministerialengeschlechts zuvor Pfarrer von Salzburghofen gewesen war. Im Jahr 1215 begleitete er Erzbischof Eberhard II. nach Augsburg, wo Friedrich II. den Ausgleich zwischen dem Hochstift Passau und Herzog Leopold VI. von Österreich regelte. In diesem Jahr ist er mehrfach im Umfeld des Erzbischofs erwähnt. Im zweiten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts erscheint in zwei Salzburger Urkunden ein Konrad als Pfarrer von Zell. Mit großer Wahrscheinlichkeit zielen diese Nennungen jedoch nicht auf Zell am See, sondern auf den Ort Zell nw. Breitbrunn am Chiemsee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der Übertragung an den Chiemseer Bischof bis zur Auflösung===&lt;br /&gt;
Das Stift Zell wurde im Jahr 1216 als Mensalgut der Bischöfe des neu errichteten Bistums Chiemsee verwendet. Ziel war es von da an, Erträge für die Ausstattung der bischöflichen Haushaltsführung zu erbringen. Der Papst hatte die Beibehaltung der alten Konventsstärke in Zell vorgeschrieben, sodass die Zahl der Kanoniker zunächst nicht reduziert werden sollte. Um den Überschuss zu sichern, wurde die Zahl der Kanoniker von Erzbischof Eberhard aber auf fünf Chorherren festgeschrieben: &amp;quot;numerum autem clericorum taliter moderamur: ... Celle quinque.&amp;quot; [[Rudiger]], der letzte namentlich bekannte Propst von Zell, wurde als neuer Chiemseer Bischof Nutznießer der Regelung, die im Zuge der Streitigkeiten um die Kompetenzen Eberhards II. in seiner Diözese getroffen wurde, um einen engen Vertrauten und Gefolgsmann gleichzeitig mit Kompetenzen auszustatten und in seiner Loyalität zu binden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1237 wurde Rudiger Bischof von Passau. Die Übertragung des Stiftes Zell ist wohl nicht als Schlag des Erzbischofs gegen die Augustiner-Chorherren anzusehen, die nach den Bestimmungen der Reform von 1215 nicht mehr in der Pfarrseelsorge tätig sein sollten, wie dies von F. Pagitz vermutet worden ist. Vielmehr deuten die Indizien darauf hin, dass die Reformbewegung in Zell bereits im 12. Jahrhundert an Einfluss verloren hatte und die Vergabe an den Chiemseer Bischof als Konsequenz aus dem Scheitern der Reform an diesem Ort zu bewerten ist. Dass Zell an den Chiemseer Bischof übertragen werden konnte, ist durch die eigenkirchenrechtliche Unterstellung unter den Salzburger Metropoliten zu erklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zell am See blieb eine der angeseheneren Kirchen der Region. Als Austellungsort einer erzbischöflichen Urkunde ist Zell 1256 erneut genannt. Kein Zeugnis lässt sicher erkennen, wann die Kanonikergemeinschaft in Zell endgültig aufgegeben wurde. Ein Indiz für die Reduktion des Personalbestandes vor Ort ist darin zu sehen, dass im Jahr 1268 ein Pfarrgeistlicher bezeugt ist, der nicht mehr als Propst bezeichnet wird. Er erschien vor dem Erzbischof, um für den Chiemseer Bischof das Recht bestätigen zu lassen, zwei Kleriker wegen Pfründenhäufung Dispens erteilen zu können, das der Chiemseer von Innozenz IV. erhalten hatte. Ob einzelne Pfründe an nicht-residierende Kanoniker ausgegeben wurden, ist anhand der gedruckten Quellen und Regesten zur Geschichte der Salzburger Erzdiözese nicht zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zeller Pfarrer Friedrich, der 1351 urkundlich nachgewiesen ist, hatte vermutlich ein Universitätsstudium absolviert und übernahm sowohl für den Chiemseer Bischof als auch für den Salzburger Erzbischof Aufgaben eines Notars. Während seiner Amtszeit dürfte der frühgotische Umbau erfolgt sein. Im Jahr 1361 wurde er selbst Chiemseer Bischof. Die Schwester dieses Bischofs fand 1372 in der Zeller Kirche ihre letzte Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
Die kurze Lebensdauer des Stiftes ist ursächlich dadurch begründet, dass von seiten der Salzburger Erzbischöfe keine Verleihung eigener Verfügungskompetenzen über Vermögen erfolgte. Besitzübertragungen oder -bestätigungen durch die Salzburger Erzbischöfe sind in der Überlieferung nicht nachzuweisen. Ebensowenig scheint es im Hochmittelalter zu Zustiftungen des regionalen Adels gekommen zu sein. Als Stifter fungierten seit dem 13. Jahrhundert die Chiemseer Bischöfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rechtsgeschäfte und Stiftungen von Personen der Umgebung sind seit dem Spätmittelalter nachweisbar. Die Reduktion vom Stift zur Pfarrei hatte zusammen mit den erzbischöflichen Dispositionen bei der Vergabe zur Folge, dass Zell als attraktive Pfründe angesehen wurde. Zell am See erhielt die Funktion der Versorgungsstelle für hoffnungsvolle Träger administrativer Aufgaben. Seit dem Spätmittelalter führten sie nicht mehr den Titel des Propstes, sondern fungierten als Pfarrherren. Sie hatten nicht selten studiert, am Ende des Mittelalters waren Pfarrherren von Zell sogar promoviert. Mehrere Ablassverleihungen und Messstiftungen verbesserten die wirtschaftliche Ausstattung der Zeller Kirchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Bei der Grabung in der Hippolytkirche konnten keine karolingerzeitlichen Funde dokumentiert werden. Erst eine flächendeckende Ergrabung des Kirchenfußbodens von St. Hippolyt ließe sichere Aussagen zu. Es besteht die Möglichkeit, dass die karolingische Kirche kein Stein- sondern ein Holzbau war. Ein solches Bauwerk ist nur bei diffiziler Auswertung der Grabungsbefunde erkennbar. Die durchgeführten Grabungen ergaben sicher einen Kirchenbau des 10. Jahrhunderts, von dem nur Teile der Krypta erhalten sind (die Wölbungen wurden jüngst von Söllner als sehr viel später gedeutet). Die Rekonstruktion deutet auf eine ca. 32 x 8 Meter große turmlose Saalkirche mit Rundapsis hin. Die hochromanische Hippolytkirche wird aufgrund des Befundes in die Zeit Erzbischof Konrads I. von Salzburg datiert. Man wird sich den Vermutungen anschließen dürfen, dass der Bau beim Festakt von 1168 bereits abgeschlossen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kirche ist ein Muster für die Baukunst der Augustiner-Chorherren in der Reformzeit der Mitte des 12. Jahrhunderts und zugleich ein Beleg für die wirtschaftliche Prosperität, obwohl archivalische Zeugnisse fehlen. Abgesehen von der Krypta und einem Stück Chorwand handelt es sich um einen völligen Neubau. Die dreischiffige Pfeilerbasilika mit drei Apsiden ist im wesentlichen erhalten. Die turm- und querhauslose Form gilt als typisch für den regionalen Kirchenbau der Zeit und ist vor allem bei Konventskirchen anzutreffen. Als vergleichbar werden die Kirchen von Ossiach, Millstatt, Michaelbeuren, [[Stift St. Pölten|St. Pölten]], [[Stift Seckau|Seckau]], Seitenstetten und Salzburg/Nonnberg genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende des 12. bzw. am Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Kirche eingewölbt. Diese Ausschmückung wird mit den Ambitionen des späteren Bischofs Rudiger von Chiemsee in Verbindung gebracht. In seinem Testament bedachte der Chiemseer Bischof Konrad die Kirchenfabrik in Zell mit 2 Mark Silber. Welcher Zeller Kirche dieser Betrag zugedacht war, wird nicht erwähnt. Die Geldsumme ist im Vergleich mit den sonstigen Stiftungen des Bischofs eher moderat. Da der Bischof in Bischofshofen allein für Glocken und eine Fahne 10 Mark Silber schenkte, ist zu bezweifeln, dass die Geldsumme für so ehrgeizige Projekte wie die Auswölbung der Seitenschiffe samt Bemalung ausgereicht haben dürfte. Eine Rußschicht auf dem Estrich der spätromanischen Basilika deutet auf einen Kirchenbrand am Ende des 13. Jahrhunderts hin, der auf die Zeit vor der Stiftung dati ert wurde, da diese mit nicht geringen Ausbesserungen begründet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umbauten zu Beginn des 14.Jahrhunderts gingen einher mit der Verfüllung der Krypta, der Hebung des Bodenniveaus und der Errichtung eines Kreuzrippengewölbes. Gleichzeitig dürften die Medaillons mit den Halbfiguren der klugen und törichten Jungfrauen sowie die unterste Malschicht in der Apside (Muttergottes mit Kind) zu datieren sein. Ein Altar &amp;quot;in medio chori&amp;quot; wurde 1335 vom Salzburger Erzbischof Friedrich III. von Leibnitz gestiftet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wandmalereien im 4.Joch stammen aus dem Ende des 14.Jahrhunderts. Ein Kirchturm kam entweder noch in der spätromanischen Bauphase oder im Zuge der frühgotischen Umbauten hinzu. Der Westturm entstand in der spätgotischen Ausbauphase im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts. Er wird in Verbindung gebracht mit den Ablassstiftungen von 1442, 1449, 1450 und 1452. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts entstand die Westempore. 1516 wurde von Bischof Bertolf Pürstinger von Chiemsee eine Wiedereinweihung vorgenommen. 1770 brannte die Kirche aus. Ende des 18. Jahrhunderts wurde über einen Abriss nachgedacht, sodass bereits Pläne für den Neubau erstellt wurden, der aber nicht zustande kam. Aus Sicherheitsgründen wurde das Gewölbe durch eine Holzdecke ersetzt. Neuzeitliche Veränderungen (vor allem die neugotische Umgestaltung) wurden im Zuge der letzten Restaurierung der Kirche entfernt. Die Konventsgebäude, die offenbar schon früh überflüssig wurden, sind nicht erhalten. Die Lage des Kreuzganges ist umstritten. Entgegen älteren Erwägungen, der Kreuzgang habe südlich der Kirche gelegen, wurde jüngst auch für die Nordseite plädiert, da nach der Entfernung des Putzes an der Kirchennordwand eine rundbogige Öffnung im Mauerwerk gefunden wurde, die als Eingang in das Klosterareal gedient haben könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Buchbesitz des Stiftes bzw. einzelner Konventsmitglieder ist bislang nicht wissenschaftlich nachgewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Urkunden im Salzburger Landesarchiv, vgl. MARTIN, Franz, Salzburger Archivberichte 2, Salzburg 1948. Urkunden im Konsistorialarchiv Salzburg, im Pfarrarchiv Zell, im Stadtarchiv Zell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
*BOSHOF, Egon / KNAPP, F. P., Wolfger von Erla. Bischof von Passau (1191–1204) und Patriarch von Aquileja (1204–1218) als Kirchenfürst und Literaturmäzen (Germanistische Bibliothek NF Reihe 3, 20) Heidelberg 1994.&lt;br /&gt;
* DIEPOLDER, Gertrud, Die Orts- und in &amp;quot;pago&amp;quot;-Nennungen im bayerischen Stammesherzogtum zur Zeit der Agilolfinger, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 20, 1957, 364-436, hier 382.&lt;br /&gt;
* FRODL, Walter, Die Stadtpfarrkirche Zell am See. Zur Restaurierung 1972–1975, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 31, 1977, 1-3.&lt;br /&gt;
* DERS ., Mittelalterliche Wandgemälde der Stadtpfarrkirche Zell am See, ebda. 21-29.&lt;br /&gt;
* FUHRMANN, Franz, Die mittelalterliche Baugeschichte der Stadtpfarrkirche Zell am See, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege 31, 1977, 10-20.&lt;br /&gt;
* DERS., Zell am See. Christliche Kunstführer 16, Salzburg, 4. Aufl. 1988.&lt;br /&gt;
* HERMANN, Karl Friedrich, Salzburg, Erläuterungen zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer 11, 9, Salzburg 1957, 159-161.&lt;br /&gt;
* HÖRBURGER, Franz, Die romanischen und vorrömischen Ortsnamen des Landes Salzburg, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 107, 1967, 37.&lt;br /&gt;
* DERS ., Salzburger Ortsnamenbuch, bearb. v. Ingo REIFFENSTEIN u. Leopold ZILLER, Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde Erg.-Bd. 9, Salzburg 1982, 100.&lt;br /&gt;
* Die KIRCHE ZUM HL. HIPPOLYTH. Zell am See. Renovierung 1972 bis 1975, Zell am See 1975.&lt;br /&gt;
* KOLLER, Heinrich, Zur Frühgeschichte der ältesten Klöster in der Umgebung von Salzburg, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 117 (1977), 5–20.&lt;br /&gt;
* MARTIN, Franz, Die Denkmale des politischen Bezirks Zell am See, Österreichische Kunsttopographie 25, Wien 1934. &lt;br /&gt;
* MIERAU, Heike Johanna, Vita communis und Pfarrseelsorge. Studien zu den Diözesen Salzburg und Passau im Hoch- und Spätmittelalter (Forschungen zur kirchlichen Rechtsgeschichte und zum Kirchenrecht 21) Köln–Wien 1997.&lt;br /&gt;
* MITTERER, Kurt Anton, Die Patrozinien der Diözese Salzburg unter besonderer Berücksichtigung der Heiligenverehrung im 8. und 9. Jahrhundert, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 130, 1990, 7-119 m. Kartenan.h., zu Zell 49.&lt;br /&gt;
* MOOSLEITNER, Fritz, Archäologische Untersuchungen in der Stadtpfarrkirche Zell am See, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege 31, 1977, 4-10.&lt;br /&gt;
* PAGITZ, Franz, Die Kirchen von Zell am See, in: DIE KIRCHE ZUM HL. HIPPOLYTH, 1975, 45-70.&lt;br /&gt;
* REIFFENSTEIN, Ingo, Bisonzio und Pinzgau, in: Mundart und Name im Sprachkontakt, Festschrift für Maria Hornung zum 70. Geburtstag (Beiträge zur Sprachinselforschung 8) Wien 1990, 289–298.&lt;br /&gt;
*SÖLLNER, Christine, Architekturgeschichte der Zeller Pfarrkirche, Diplomarbeit Wien 1997.&lt;br /&gt;
* WALLNER, Engelbert, Das Bistum Chiemsee im Mittelalter (1215–1508) (Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Stadt und des Landkreises Rosenheim V), Rosenheim 1967 WEINFURTER, Stefan, Salzburge r Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert, der Erzbischof Konrad I. von Salzburg (1106–1147) und die Regularkanoniker (Kölner historische Abhandlungen 24), Köln–Wien 1975.&lt;br /&gt;
* WENDEHORST, Alfred / BENZ, Stefan, Verzeichnis der Regularkanonikerstifte der Reichskirche, in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 54 (1994), 1–174.&lt;br /&gt;
* WOLFRAM, Herwig, Die Zeit der Agilolfinger. Rupert und Virgil, in: Geschichte Salzburgs I, hrsg. v. Heinz DOPSCH, Salzburg 1981, 121–156.&lt;br /&gt;
* ZEGG, Anton, Die lateinischen Inschriften der Bezirke Pongau und Pinzgau, Goldegg 1996.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Zell_am_See&amp;diff=10231</id>
		<title>Stift Zell am See</title>
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		<updated>2022-07-14T12:53:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Das Chorherrenstift bis zur Übertragung an den Bischof von Chiemsee */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1121/29&lt;br /&gt;
|Datum bis=1216&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Zell gehört seit der Erhebung Salzburgs zum Erzbistum zum Sprengel der Diözese. Es wurde 1216 dem Bischof von Chiemsee unterstellt. Im Salzburger Pfarrverzeichnis von 1444–68/87 erscheint Zell am See unter den Pfarreien des Archidiakonats Trans Thuronem; dort ist das Kollationsrecht des Bischofs von Chiemsee verzeichnet. Im Verzeichnis von 1772 ist Zell im Dekanat Saalfelden genannt. Nach der Auflösung des Bistums Chiemsee 1807 wurde Zell wieder zur salzburgischen Pfarrei.&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Bisonzio, Bizonsio (788/790), Bisoncio, quod nunc Pinzco dicitur (798), in Bisontia (925), in Pisontia in loco Cella n[ominato] (926), in Pisontia (927), in Bisontia (Ostern 927), de Pisontia (927), ad Pisontiam (930), in loco qui dicitur cella (Mitte 12. Jahrhundert), ab dem 13. Jahrhundert Celle (in dem Pyntzgowe), seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts mit dem Beinamen „am See&amp;quot;.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Hippolyt (12. Jhd.)&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Stadt im Pinzgau (Land Salzburg), politischer Bezirk Zell am See. Zell am See wurde am Westufer des Zeller Sees im Pinzgau in altem Siedelgebiet errichtet. Die Region unterstand dem Einflussbereich des Baiernherzogs Tassilo. Das Erzbistum Salzburg gehörte zu den wichtigen Grundbesitzern des Pinzgaus, der seit Ende des 9. Jahrhunderts regelmäßig in den Königsurkunden für die Salzburger Kirche erwähnt wurde. Die Lehensherrschaft über den Pinzgau lag bis 1228 bei den bayerischen Herzögen und ging dann im Tausch an den Salzburger Erzbischof; am Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte Zell zu Bayern. Zell war ein Stützpunkt der Salzburger Erzbischöfe. Dem Marktort mit Dreiecksmarkt wurden 1357 neue Jahrmarktsrechte erteilt, Stadtrechte wurden erst 1928 verliehen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die karolingische Cella bis zur Reform durch Erzbischof Konrad===&lt;br /&gt;
In einer Schenkung des Priesters Boso und seines Bruders Johannes wurde eine Kirche in Zell am See mit der Zustimmung Herzog Tassilos an die Salzburger Kirche übergeben. Dort wurde eine Mönchszelle errichtet (&amp;quot;in supra memorato loco Bisonzio edificata est cella, in qua monachi Labore manuum suarum vivunt&amp;quot;). Sie stand in sehr enger Abhängigkeit von der Salzburger Kirche. Eine eigene Überlieferung hat sich nicht erhalten. Die Mönche von Zell fehlen im 784 angelegten Verbrüderungsbuch von St. Peter in Salzburg. Der Wechsel des Ortsnamens deutet jedoch darauf hin, dass die Gründung von Dauer war. In den kurz nach der Erhebung zum Erzbistum (798) angelegten &amp;quot;Breves Notitiae&amp;quot; wird die Schenkung erwähnt, nicht aber die Errichtung einer Zelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ort wird bis zum Beginn des 10. Jahrhunderts in den überlieferten Quellen nicht mehr genannt. Wann aus der Mönchszelle eine Kanonikergemeinschaft wurde, ist nicht zu klären. Weihnachten 926 vollzog der Salzburger Erzbischof Oadalbert (926–935) in Zell ein Rechtsgeschäft mit dem Vogt des Erzbistums Reginbert. Für das folgende Jahr ist ebenfalls ein Aufenthalt des Erzbischofs in Zell belegt. Beide Urkunden lassen keinen Schluss zu, welche der Kirchen in Zell Ort der Vertragsabschlüsse war bzw. ob ein anderer Platz für die Verhandlungen genutzt wurde. Die Tatsache, dass Oadalbert 926/27 in kurzer Folge zwei Urkunden in Zell am See ausstellte, hat zu der Vermutung geführt, dass der Ort als Rückzugskirche während der Zeit der Ungarneinfälle fungierte, was wiederum als Argument für den hohen Rang der Kirche innerhalb der Diözese diente. Die zeitlich dicht beieinanderliegenden Erwähnungen könnten auch nur ein Indiz für einen reisenden Erzbischof sein, der seiner Visitations- bzw. Weihepflicht nachkam. Auffällig ist zumindest, dass der Erzbischof das Weihnachtsfest nicht in seiner Domkirche feierte. Um die Mitte des 10. Jahrhunderts wurde ein ottonischer Kirchenbau errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Chorherrenstift bis zur Übertragung an den Bischof von Chiemsee===&lt;br /&gt;
Auf der 1129 abgehaltenen Synode von Laufen war der Propst (&amp;quot;praepositus&amp;quot;) [[Burchard]] von Zell anwesend. Die Nennung wird als Indiz dafür gewertet, dass zuvor die Umwandlung in ein Augustiner-Chorherrenstift des Salzburger Reformverbandes erfolgt war. In der Zeugenliste erscheint Burchard nach den Pröpsten von Au und Gars, aber vor dem Propst von Höglwörth. Dies entspricht einer untergeordneten und von Salzburg abhängigen Stellung des Stiftes, wie sie auch durch den weiteren Verlauf der Stiftsgeschichte deutlich wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Reform in Salzburg erst im Zuge des Wormser Konkordats an Dynamik gewann, wird die Umwandlung auf die Zeit zwischen 1121/1122 und 1129 datiert. Direkte Zeugnisse für die Reform in Zell am See fehlen. Eine Urkunde, die als Neubeginn zu werten wäre und dem Konvent eigene Verfügungsgewalt über ein Sondervermögen zugebilligt hätte, ist nicht erhalten. Vermutlich wurde sie nicht ausgestellt, da dies eine Unabhängigkeit von den Salzburger Erzbischöfen begründet hätte, die nicht intendiert war. Als Zeugen sind die Zeller Pröpste im 12. Jahrhundert oft in der Umgebung der Salzburger Erzbischöfe nachzuweisen. Dies blieb bis zur Unterstellung an den Chiemseer Bischof üblich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäß den Forschungen von F. Pagitz kam als Nachfolger Burchards Propst [[Dietram]] ins Amt. Im Verbrüderungsbuch von St. Peter erscheint ein Eintrag &amp;quot;Fres de cella/Dietrammi sanctis&amp;quot;. Da der Einzeleintrag im Zusammenhang mit der Eintragung des Domkapitels steht, die den Domkanonikern 1140 vom Kloster St. Peter versprochen worden war, ergibt sich die Datierung auf bald nach 1140. F. Pagitz deutet den Text so, als trenne der Zeilenwechsel zwei Einträge. Aus der Zusammenrückung scheint sich ihm die Beziehung zum Stift Zell zu ergeben. Alternative Interpretationen wären zu prüfen. Sicher ist lediglich, dass es einen Propst namens Dietram gegeben hat, der am 3. März unbekannten Jahres verstarb. Der Seckauer Memorialüberlieferung ist zu entnehmen, dass es sich bei dem Verstorbenen um einen Propst de Cella handelt. Eine zeitliche Einordnung erlauben diese Einträge nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als dritter Propst von Zell erscheint [[Friedrich]], der bereits in seiner Funktion als Propst von Zell eine Schenkung aus seinem Besitz verfügte, wie aus einer nicht datierten Urkunde hervorgeht. Friedrich gab Hörige für sein Seelenheil an das Stift Berchtesgaden. Die strenge vita communis der Salzburger Chorherren schrieb den Verzicht auf Privateigentum vor. Inwieweit die Stiftung als Akt zu interpretieren ist, mit dem Friedrich diesem Grundsatz genügte, kann nicht mit letzter Sicherheit entschieden werden. Die Tatsache, dass nur Hörige übertragen wurden, spricht eher dafür, dass es sich um einen Teil des Besitzes handelte. Als Indiz für eine strenge Lebensführung der Zeller Kanoniker ist dieser Beleg deshalb nicht zu werten. Friedrich wurde in einer auf 1160 zu datierenden Urkunde letztmals genannt. Er ist im Salzburger und im Admonter Nekrolog zum 19. September eingetragen. Sein Nachfolger wurde Propst [[Grimo]], der &amp;quot;vor 1164 Juni 22&amp;quot; in einer Urkunde des Erzbischofs als Zeuge erscheint. Im Nekrolog des Salzburger Domstiftes ist er zum 2. Dezember eingetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung Zells als Stützpunkt der Salzburger Erzbischöfe zeigt sich 1168, als Erzbischof Adalbert II. dort urkundete. Die &amp;quot;ad ordines nostros&amp;quot; zusammengekommenen Prälaten erteilten ihre Zustimmung. Die Salzburger Erzbischöfe übten das Präsentationsrecht für den Propst aus. Eine Unabhängigkeit in Form der freien Propstwahl konnte der Konvent nicht erreichen. Für einige Pröpste lässt sich nachweisen, dass sie gleichzeitig Domkanoniker in Salzburg waren. Die Zeller Propstwürde diente als Sprungbrett für eine kirchliche Karriere in der Erzdiözese, wie die Biographie des späteren Passauer Bischofs Wolfger erkennen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am Ende des 12. Jahrhunderts erfolgte die Vergabe der Propstei Zell nach Kriterien der Pfründenqualität, wie sie für weltliche Kanonikerstifte kennzeichnend ist. [[Wolfger]] wurde als Salzburger und Passauer Domkanoniker vor 1190 zum Zeller Propst. Bevor er 1191 Bischof von Passau wurde, ist er zweimal als Urkundenzeuge in der Umgebung des Salzburger Erzbischofs nachzuweisen. Noch im Jahr 1191 wurde die Propstei [[Perhtold]] unterstellt, der 1192 und 1196 urkundlich erwähnt wird. Nach der Amtszeit des 1198 belegten [[Ortolf]] übernahm um 1212 [[Rudiger von Radeck]] die Propstei, der als Spross eines Ministerialengeschlechts zuvor Pfarrer von Salzburghofen gewesen war. Im Jahr 1215 begleitete er Erzbischof Eberhard II. nach Augsburg, wo Friedrich II. den Ausgleich zwischen dem Hochstift Passau und Herzog Leopold VI. von Österreich regelte. In diesem Jahr ist er mehrfach im Umfeld des Erzbischofs erwähnt. Im zweiten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts erscheint in zwei Salzburger Urkunden ein Konrad als Pfarrer von Zell. Mit großer Wahrscheinlichkeit zielen diese Nennungen jedoch nicht auf Zell am See, sondern auf den Ort Zell nw. Breitbrunn am Chiemsee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der Übertragung an den Chiemseer Bischof bis zur Auflösung===&lt;br /&gt;
Das Stift Zell wurde im Jahre 1216 als Mensalgut der Bischöfe des neu errichteten Bistums Chiemsee verwendet. Ziel war es von da an, Erträge für die Ausstattung der bischöflichen Haushaltsführung zu erbringen. Der Papst hatte die Beibehaltung der alten Konventsstärke in Zell vorgeschrieben, sodass die Zahl der Kanoniker zunächst nicht reduziert werden sollte. Um den Überschuss zu sichern, wurde die Zahl der Kanoniker von Erzbischof Eberhard aber auf fünf Chorherren festgeschrieben: &amp;quot;numerum autem clericorum taliter moderamur: ... Celle quinque.&amp;quot; [[Rudiger]], der letzte namentlich bekannte Propst von Zell, wurde als neuer Chiemseer Bischof Nutznießer der Regelung, die im Zuge der Streitigkeiten um die Kompetenzen Eberhards II. in seiner Diözese getroffen wurde, um einen engen Vertrauten und Gefolgsmann gleichzeitig mit Kompetenzen auszustatten und in seiner Loyalität zu binden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1237 wurde Rudiger Bischof von Passau. Die Übertragung des Stiftes Zell ist wohl nicht als Schlag des Erzbischofs gegen die Augustiner-Chorherren anzusehen, die nach den Bestimmungen der Reform von 1215 nicht mehr in der Pfarrseelsorge tätig sein sollten, wie dies von F. Pagitz vermutet worden ist. Vielmehr deuten die Indizien darauf hin, dass die Reformbewegung in Zell bereits im 12. Jahrhundert an Einfluss verloren hatte und die Vergabe an den Chiemseer Bischof als Konsequenz aus dem Scheitern der Reform an diesem Ort zu bewerten ist. Dass Zell an den Chiemseer Bischof übertragen werden konnte, ist durch die eigenkirchenrechtliche Unterstellung unter den Salzburger Metropoliten zu erklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zell am See blieb eine der angeseheneren Kirchen der Region. Als Austellungsort einer erzbischöflichen Urkunde ist Zell 1256 erneut genannt. Kein Zeugnis lässt sicher erkennen, wann die Kanonikergemeinschaft in Zell endgültig aufgegeben wurde. Ein Indiz für die Reduktion des Personalbestandes vor Ort ist darin zu sehen, dass im Jahr 1268 ein Pfarrgeistlicher bezeugt ist, der nicht mehr als Propst bezeichnet wird. Er erschien vor dem Erzbischof, um für den Chiemseer Bischof das Recht bestätigen zu lassen, zwei Kleriker wegen Pfründenhäufung Dispens erteilen zu können, das der Chiemseer von Innozenz IV. erhalten hatte. Ob einzelne Pfründe an nicht-residierende Kanoniker ausgegeben wurden, ist anhand der gedruckten Quellen und Regesten zur Geschichte der Salzburger Erzdiözese nicht zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zeller Pfarrer Friedrich, der 1351 urkundlich nachgewiesen ist, hatte vermutlich ein Universitätsstudium absolviert und übernahm sowohl für den Chiemseer Bischof als auch für den Salzburger Erzbischof Aufgaben eines Notars. Während seiner Amtszeit dürfte der frühgotische Umbau erfolgt sein. Im Jahre 1361 wurde er selbst Chiemseer Bischof. Die Schwester dieses Bischofs fand 1372 in der Zeller Kirche ihre letzte Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
Die kurze Lebensdauer des Stiftes ist ursächlich dadurch begründet, dass von seiten der Salzburger Erzbischöfe keine Verleihung eigener Verfügungskompetenzen über Vermögen erfolgte. Besitzübertragungen oder -bestätigungen durch die Salzburger Erzbischöfe sind in der Überlieferung nicht nachzuweisen. Ebensowenig scheint es im Hochmittelalter zu Zustiftungen des regionalen Adels gekommen zu sein. Als Stifter fungierten seit dem 13. Jahrhundert die Chiemseer Bischöfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rechtsgeschäfte und Stiftungen von Personen der Umgebung sind seit dem Spätmittelalter nachweisbar. Die Reduktion vom Stift zur Pfarrei hatte zusammen mit den erzbischöflichen Dispositionen bei der Vergabe zur Folge, dass Zell als attraktive Pfründe angesehen wurde. Zell am See erhielt die Funktion der Versorgungsstelle für hoffnungsvolle Träger administrativer Aufgaben. Seit dem Spätmittelalter führten sie nicht mehr den Titel des Propstes, sondern fungierten als Pfarrherren. Sie hatten nicht selten studiert, am Ende des Mittelalters waren Pfarrherren von Zell sogar promoviert. Mehrere Ablassverleihungen und Messstiftungen verbesserten die wirtschaftliche Ausstattung der Zeller Kirchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Bei der Grabung in der Hippolytkirche konnten keine karolingerzeitlichen Funde dokumentiert werden. Erst eine flächendeckende Ergrabung des Kirchenfußbodens von St. Hippolyt ließe sichere Aussagen zu. Es besteht die Möglichkeit, dass die karolingische Kirche kein Stein- sondern ein Holzbau war. Ein solches Bauwerk ist nur bei diffiziler Auswertung der Grabungsbefunde erkennbar. Die durchgeführten Grabungen ergaben sicher einen Kirchenbau des 10. Jahrhunderts, von dem nur Teile der Krypta erhalten sind (die Wölbungen wurden jüngst von Söllner als sehr viel später gedeutet). Die Rekonstruktion deutet auf eine ca. 32 x 8 Meter große turmlose Saalkirche mit Rundapsis hin. Die hochromanische Hippolytkirche wird aufgrund des Befundes in die Zeit Erzbischof Konrads I. von Salzburg datiert. Man wird sich den Vermutungen anschließen dürfen, dass der Bau beim Festakt von 1168 bereits abgeschlossen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kirche ist ein Muster für die Baukunst der Augustiner-Chorherren in der Reformzeit der Mitte des 12. Jahrhunderts und zugleich ein Beleg für die wirtschaftliche Prosperität, obwohl archivalische Zeugnisse fehlen. Abgesehen von der Krypta und einem Stück Chorwand handelt es sich um einen völligen Neubau. Die dreischiffige Pfeilerbasilika mit drei Apsiden ist im wesentlichen erhalten. Die turm- und querhauslose Form gilt als typisch für den regionalen Kirchenbau der Zeit und ist vor allem bei Konventskirchen anzutreffen. Als vergleichbar werden die Kirchen von Ossiach, Millstatt, Michaelbeuren, [[Stift St. Pölten|St. Pölten]], [[Stift Seckau|Seckau]], Seitenstetten und Salzburg/Nonnberg genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende des 12. bzw. am Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Kirche eingewölbt. Diese Ausschmückung wird mit den Ambitionen des späteren Bischofs Rudiger von Chiemsee in Verbindung gebracht. In seinem Testament bedachte der Chiemseer Bischof Konrad die Kirchenfabrik in Zell mit 2 Mark Silber. Welcher Zeller Kirche dieser Betrag zugedacht war, wird nicht erwähnt. Die Geldsumme ist im Vergleich mit den sonstigen Stiftungen des Bischofs eher moderat. Da der Bischof in Bischofshofen allein für Glocken und eine Fahne 10 Mark Silber schenkte, ist zu bezweifeln, dass die Geldsumme für so ehrgeizige Projekte wie die Auswölbung der Seitenschiffe samt Bemalung ausgereicht haben dürfte. Eine Rußschicht auf dem Estrich der spätromanischen Basilika deutet auf einen Kirchenbrand am Ende des 13. Jahrhunderts hin, der auf die Zeit vor der Stiftung dati ert wurde, da diese mit nicht geringen Ausbesserungen begründet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umbauten zu Beginn des 14.Jahrhunderts gingen einher mit der Verfüllung der Krypta, der Hebung des Bodenniveaus und der Errichtung eines Kreuzrippengewölbes. Gleichzeitig dürften die Medaillons mit den Halbfiguren der klugen und törichten Jungfrauen sowie die unterste Malschicht in der Apside (Muttergottes mit Kind) zu datieren sein. Ein Altar &amp;quot;in medio chori&amp;quot; wurde 1335 vom Salzburger Erzbischof Friedrich III. von Leibnitz gestiftet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wandmalereien im 4.Joch stammen aus dem Ende des 14.Jahrhunderts. Ein Kirchturm kam entweder noch in der spätromanischen Bauphase oder im Zuge der frühgotischen Umbauten hinzu. Der Westturm entstand in der spätgotischen Ausbauphase im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts. Er wird in Verbindung gebracht mit den Ablassstiftungen von 1442, 1449, 1450 und 1452. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts entstand die Westempore. 1516 wurde von Bischof Bertolf Pürstinger von Chiemsee eine Wiedereinweihung vorgenommen. 1770 brannte die Kirche aus. Ende des 18. Jahrhunderts wurde über einen Abriss nachgedacht, sodass bereits Pläne für den Neubau erstellt wurden, der aber nicht zustande kam. Aus Sicherheitsgründen wurde das Gewölbe durch eine Holzdecke ersetzt. Neuzeitliche Veränderungen (vor allem die neugotische Umgestaltung) wurden im Zuge der letzten Restaurierung der Kirche entfernt. Die Konventsgebäude, die offenbar schon früh überflüssig wurden, sind nicht erhalten. Die Lage des Kreuzganges ist umstritten. Entgegen älteren Erwägungen, der Kreuzgang habe südlich der Kirche gelegen, wurde jüngst auch für die Nordseite plädiert, da nach der Entfernung des Putzes an der Kirchennordwand eine rundbogige Öffnung im Mauerwerk gefunden wurde, die als Eingang in das Klosterareal gedient haben könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Buchbesitz des Stiftes bzw. einzelner Konventsmitglieder ist bislang nicht wissenschaftlich nachgewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Urkunden im Salzburger Landesarchiv, vgl. MARTIN, Franz, Salzburger Archivberichte 2, Salzburg 1948. Urkunden im Konsistorialarchiv Salzburg, im Pfarrarchiv Zell, im Stadtarchiv Zell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
*BOSHOF, Egon / KNAPP, F. P., Wolfger von Erla. Bischof von Passau (1191–1204) und Patriarch von Aquileja (1204–1218) als Kirchenfürst und Literaturmäzen (Germanistische Bibliothek NF Reihe 3, 20) Heidelberg 1994.&lt;br /&gt;
* DIEPOLDER, Gertrud, Die Orts- und in &amp;quot;pago&amp;quot;-Nennungen im bayerischen Stammesherzogtum zur Zeit der Agilolfinger, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 20, 1957, 364-436, hier 382.&lt;br /&gt;
* FRODL, Walter, Die Stadtpfarrkirche Zell am See. Zur Restaurierung 1972–1975, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 31, 1977, 1-3.&lt;br /&gt;
* DERS ., Mittelalterliche Wandgemälde der Stadtpfarrkirche Zell am See, ebda. 21-29.&lt;br /&gt;
* FUHRMANN, Franz, Die mittelalterliche Baugeschichte der Stadtpfarrkirche Zell am See, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege 31, 1977, 10-20.&lt;br /&gt;
* DERS., Zell am See. Christliche Kunstführer 16, Salzburg, 4. Aufl. 1988.&lt;br /&gt;
* HERMANN, Karl Friedrich, Salzburg, Erläuterungen zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer 11, 9, Salzburg 1957, 159-161.&lt;br /&gt;
* HÖRBURGER, Franz, Die romanischen und vorrömischen Ortsnamen des Landes Salzburg, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 107, 1967, 37.&lt;br /&gt;
* DERS ., Salzburger Ortsnamenbuch, bearb. v. Ingo REIFFENSTEIN u. Leopold ZILLER, Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde Erg.-Bd. 9, Salzburg 1982, 100.&lt;br /&gt;
* Die KIRCHE ZUM HL. HIPPOLYTH. Zell am See. Renovierung 1972 bis 1975, Zell am See 1975.&lt;br /&gt;
* KOLLER, Heinrich, Zur Frühgeschichte der ältesten Klöster in der Umgebung von Salzburg, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 117 (1977), 5–20.&lt;br /&gt;
* MARTIN, Franz, Die Denkmale des politischen Bezirks Zell am See, Österreichische Kunsttopographie 25, Wien 1934. &lt;br /&gt;
* MIERAU, Heike Johanna, Vita communis und Pfarrseelsorge. Studien zu den Diözesen Salzburg und Passau im Hoch- und Spätmittelalter (Forschungen zur kirchlichen Rechtsgeschichte und zum Kirchenrecht 21) Köln–Wien 1997.&lt;br /&gt;
* MITTERER, Kurt Anton, Die Patrozinien der Diözese Salzburg unter besonderer Berücksichtigung der Heiligenverehrung im 8. und 9. Jahrhundert, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 130, 1990, 7-119 m. Kartenan.h., zu Zell 49.&lt;br /&gt;
* MOOSLEITNER, Fritz, Archäologische Untersuchungen in der Stadtpfarrkirche Zell am See, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege 31, 1977, 4-10.&lt;br /&gt;
* PAGITZ, Franz, Die Kirchen von Zell am See, in: DIE KIRCHE ZUM HL. HIPPOLYTH, 1975, 45-70.&lt;br /&gt;
* REIFFENSTEIN, Ingo, Bisonzio und Pinzgau, in: Mundart und Name im Sprachkontakt, Festschrift für Maria Hornung zum 70. Geburtstag (Beiträge zur Sprachinselforschung 8) Wien 1990, 289–298.&lt;br /&gt;
*SÖLLNER, Christine, Architekturgeschichte der Zeller Pfarrkirche, Diplomarbeit Wien 1997.&lt;br /&gt;
* WALLNER, Engelbert, Das Bistum Chiemsee im Mittelalter (1215–1508) (Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Stadt und des Landkreises Rosenheim V), Rosenheim 1967 WEINFURTER, Stefan, Salzburge r Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert, der Erzbischof Konrad I. von Salzburg (1106–1147) und die Regularkanoniker (Kölner historische Abhandlungen 24), Köln–Wien 1975.&lt;br /&gt;
* WENDEHORST, Alfred / BENZ, Stefan, Verzeichnis der Regularkanonikerstifte der Reichskirche, in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 54 (1994), 1–174.&lt;br /&gt;
* WOLFRAM, Herwig, Die Zeit der Agilolfinger. Rupert und Virgil, in: Geschichte Salzburgs I, hrsg. v. Heinz DOPSCH, Salzburg 1981, 121–156.&lt;br /&gt;
* ZEGG, Anton, Die lateinischen Inschriften der Bezirke Pongau und Pinzgau, Goldegg 1996.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Zell am See</title>
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		<updated>2022-07-14T12:50:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Die karolingische Cella bis zur Reform durch Erzbischof Konrad */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1121/29&lt;br /&gt;
|Datum bis=1216&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Zell gehört seit der Erhebung Salzburgs zum Erzbistum zum Sprengel der Diözese. Es wurde 1216 dem Bischof von Chiemsee unterstellt. Im Salzburger Pfarrverzeichnis von 1444–68/87 erscheint Zell am See unter den Pfarreien des Archidiakonats Trans Thuronem; dort ist das Kollationsrecht des Bischofs von Chiemsee verzeichnet. Im Verzeichnis von 1772 ist Zell im Dekanat Saalfelden genannt. Nach der Auflösung des Bistums Chiemsee 1807 wurde Zell wieder zur salzburgischen Pfarrei.&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Bisonzio, Bizonsio (788/790), Bisoncio, quod nunc Pinzco dicitur (798), in Bisontia (925), in Pisontia in loco Cella n[ominato] (926), in Pisontia (927), in Bisontia (Ostern 927), de Pisontia (927), ad Pisontiam (930), in loco qui dicitur cella (Mitte 12. Jahrhundert), ab dem 13. Jahrhundert Celle (in dem Pyntzgowe), seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts mit dem Beinamen „am See&amp;quot;.&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Hippolyt (12. Jhd.)&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Stadt im Pinzgau (Land Salzburg), politischer Bezirk Zell am See. Zell am See wurde am Westufer des Zeller Sees im Pinzgau in altem Siedelgebiet errichtet. Die Region unterstand dem Einflussbereich des Baiernherzogs Tassilo. Das Erzbistum Salzburg gehörte zu den wichtigen Grundbesitzern des Pinzgaus, der seit Ende des 9. Jahrhunderts regelmäßig in den Königsurkunden für die Salzburger Kirche erwähnt wurde. Die Lehensherrschaft über den Pinzgau lag bis 1228 bei den bayerischen Herzögen und ging dann im Tausch an den Salzburger Erzbischof; am Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte Zell zu Bayern. Zell war ein Stützpunkt der Salzburger Erzbischöfe. Dem Marktort mit Dreiecksmarkt wurden 1357 neue Jahrmarktsrechte erteilt, Stadtrechte wurden erst 1928 verliehen.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die karolingische Cella bis zur Reform durch Erzbischof Konrad===&lt;br /&gt;
In einer Schenkung des Priesters Boso und seines Bruders Johannes wurde eine Kirche in Zell am See mit der Zustimmung Herzog Tassilos an die Salzburger Kirche übergeben. Dort wurde eine Mönchszelle errichtet (&amp;quot;in supra memorato loco Bisonzio edificata est cella, in qua monachi Labore manuum suarum vivunt&amp;quot;). Sie stand in sehr enger Abhängigkeit von der Salzburger Kirche. Eine eigene Überlieferung hat sich nicht erhalten. Die Mönche von Zell fehlen im 784 angelegten Verbrüderungsbuch von St. Peter in Salzburg. Der Wechsel des Ortsnamens deutet jedoch darauf hin, dass die Gründung von Dauer war. In den kurz nach der Erhebung zum Erzbistum (798) angelegten &amp;quot;Breves Notitiae&amp;quot; wird die Schenkung erwähnt, nicht aber die Errichtung einer Zelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ort wird bis zum Beginn des 10. Jahrhunderts in den überlieferten Quellen nicht mehr genannt. Wann aus der Mönchszelle eine Kanonikergemeinschaft wurde, ist nicht zu klären. Weihnachten 926 vollzog der Salzburger Erzbischof Oadalbert (926–935) in Zell ein Rechtsgeschäft mit dem Vogt des Erzbistums Reginbert. Für das folgende Jahr ist ebenfalls ein Aufenthalt des Erzbischofs in Zell belegt. Beide Urkunden lassen keinen Schluss zu, welche der Kirchen in Zell Ort der Vertragsabschlüsse war bzw. ob ein anderer Platz für die Verhandlungen genutzt wurde. Die Tatsache, dass Oadalbert 926/27 in kurzer Folge zwei Urkunden in Zell am See ausstellte, hat zu der Vermutung geführt, dass der Ort als Rückzugskirche während der Zeit der Ungarneinfälle fungierte, was wiederum als Argument für den hohen Rang der Kirche innerhalb der Diözese diente. Die zeitlich dicht beieinanderliegenden Erwähnungen könnten auch nur ein Indiz für einen reisenden Erzbischof sein, der seiner Visitations- bzw. Weihepflicht nachkam. Auffällig ist zumindest, dass der Erzbischof das Weihnachtsfest nicht in seiner Domkirche feierte. Um die Mitte des 10. Jahrhunderts wurde ein ottonischer Kirchenbau errichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Chorherrenstift bis zur Übertragung an den Bischof von Chiemsee===&lt;br /&gt;
Auf der 1129 abgehaltenen Synode von Laufen war der Propst (&amp;quot;praepositus&amp;quot;) [[Burchard]] von Zell anwesend. Die Nennung wird als Indiz dafür gewertet, dass zuvor die Umwandlung in ein Augustiner-Chorherrenstift des Salzburger Reformverbandes erfolgt war. In der Zeugenliste erscheint Burchard nach den Pröpsten von Au und Gars, aber vor dem Propst von Höglwörth. Dies entspricht einer untergeordneten und von Salzburg abhängigen Stellung des Stiftes, wie sie auch durch den weiteren Verlauf der Stiftsgeschichte deutlich wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Reform in Salzburg erst im Zuge des Wormser Konkordats an Dynamik gewann, wird die Umwandlung auf die Zeit zwischen 1121/1122 und 1129 datiert. Direkte Zeugnisse für die Reform in Zell am See fehlen. Eine Urkunde, die als Neubeginn zu werten wäre und dem Konvent eigene Verfügungsgewalt über ein Sondervermögen zugebilligt hätte, ist nicht erhalten. Vermutlich wurde sie nicht ausgestellt, da dies eine Unabhängigkeit von den Salzburger Erzbischöfen begründet hätte, die nicht intendiert war. Als Zeugen sind die Zeller Pröpste im 12. Jahrhundert oft in der Umgebung der Salzburger Erzbischöfe nachzuweisen. Dies blieb bis zur Unterstellung an den Chiemseer Bischof üblich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemäß den Forschungen von F. Pagitz kam als Nachfolger Burchards Propst [[Dietram]] ins Amt. Im Verbrüderungsbuch von St. Peter erscheint ein Eintrag &amp;quot;Fres de cella/Dietrammi sanctis&amp;quot;. Da der Einzeleintrag im Zusammenhang mit der Eintragung des Domkapitels steht, die den Domkanonikern 1140 vom Kloster St. Peter versprochen worden war, ergibt sich die Datierung auf bald nach 1140. F. Pagitz deutet den Text so, als trenne der Zeilenwechsel zwei Einträge. Aus der Zusammenrückung scheint sich ihm die Beziehung zum Stift Zell zu ergeben. Alternative Interpretationen wären zu prüfen. Sicher ist lediglich, dass es einen Propst namens Dietram gegeben hat, der am 3. März unbekannten Jahres verstarb. Der Seckauer Memorialüberlieferung ist zu entnehmen, dass es sich bei dem Verstorbenen um einen Propst de Cella handelt. Eine zeitliche Einordnung erlauben diese Einträge nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als dritter Propst von Zell erscheint [[Friedrich]], der bereits in seiner Funktion als Propst von Zell eine Schenkung aus seinem Besitz verfügte, wie aus einer nicht datierten Urkunde hervorgeht. Friedrich gab Hörige für sein Seelenheil an das Stift Berchtesgaden. Die strenge vita communis der Salzburger Chorherren schrieb den Verzicht auf Privateigentum vor. Inwieweit die Stiftung als Akt zu interpretieren ist, mit dem Friedrich diesem Grundsatz genügte, kann nicht mit letzter Sicherheit entschieden werden. Die Tatsache, dass nur Hörige übertragen wurden, spricht eher dafür, dass es sich um einen Teil des Besitzes gehandelt hat. Als Indiz für eine strenge Lebensführung der Zeller Kanoniker ist dieser Beleg deshalb nicht zu werten. Friedrich wurde in einer auf 1160 zu datierenden Urkunde letztmals genannt. Er ist im Salzburger und im Admonter Nekrolog zum 19. September eingetragen. Sein Nachfolger wurde Propst [[Grimo]], der &amp;quot;vor 1164 Juni 22&amp;quot; in einer Urkunde des Erzbischofs als Zeuge erscheint. Im Nekrolog des Salzburger Domstiftes ist er zum 2. Dezember eingetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung Zells als Stützpunkt der Salzburger Erzbischöfe zeigt sich 1168, als Erzbischof Adalbert II. dort urkundete. Die &amp;quot;ad ordines nostros&amp;quot; zusammengekommenen Prälaten erteilten ihre Zustimmung. Die Salzburger Erzbischöfe übten das Präsentationsrecht für den Propst aus. Eine Unabhängigkeit in Form der freien Propstwahl konnte der Konvent nicht erreichen. Für einige Pröpste lässt sich nachweisen, dass sie gleichzeitig Domkanoniker in Salzburg waren. Die Zeller Propstwürde diente als Sprungbrett für eine kirchliche Karriere in der Erzdiözese, wie die Biographie des späteren Passauer Bischofs Wolfger erkennen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am Ende des 12. Jahrhunderts erfolgte die Vergabe der Propstei Zell nach Kriterien der Pfründenqualität, wie sie für weltliche Kanonikerstifte kennzeichnend ist. [[Wolfger]] wurde als Salzburger und Passauer Domkanoniker vor 1190 zum Zeller Propst. Bevor er 1191 Bischof von Passau wurde, ist er zweimal als Urkundenzeuge in der Umgebung des Salzburger Erzbischofs nachzuweisen. Noch im Jahr 1191 wurde die Propstei [[Perhtold]] unterstellt, der 1192 und 1196 urkundlich erwähnt wird. Nach der Amtszeit des 1198 belegten [[Ortolf]] übernahm um 1212 [[Rudiger von Radeck]] die Propstei, der als Spross eines Ministerialengeschlechts zuvor Pfarrer von Salzburghofen gewesen war. Im Jahre 1215 begleitete er Erzbischof Eberhard II. nach Augsburg, wo Friedrich II. den Ausgleich zwischen dem Hochstift Passau und Herzog Leopold VI. von Österreich regelte. In diesem Jahr ist er mehrfach im Umfeld des Erzbischofs erwähnt. Im zweiten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts erscheint in zwei Salzburger Urkunden ein Konrad als Pfarrer von Zell. Mit großer Wahrscheinlichkeit zielen diese Nennungen jedoch nicht auf Zell am See, sondern auf den Ort Zell nw. Breitbrunn am Chiemsee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von der Übertragung an den Chiemseer Bischof bis zur Auflösung===&lt;br /&gt;
Das Stift Zell wurde im Jahre 1216 als Mensalgut der Bischöfe des neu errichteten Bistums Chiemsee verwendet. Ziel war es von da an, Erträge für die Ausstattung der bischöflichen Haushaltsführung zu erbringen. Der Papst hatte die Beibehaltung der alten Konventsstärke in Zell vorgeschrieben, sodass die Zahl der Kanoniker zunächst nicht reduziert werden sollte. Um den Überschuss zu sichern, wurde die Zahl der Kanoniker von Erzbischof Eberhard aber auf fünf Chorherren festgeschrieben: &amp;quot;numerum autem clericorum taliter moderamur: ... Celle quinque.&amp;quot; [[Rudiger]], der letzte namentlich bekannte Propst von Zell, wurde als neuer Chiemseer Bischof Nutznießer der Regelung, die im Zuge der Streitigkeiten um die Kompetenzen Eberhards II. in seiner Diözese getroffen wurde, um einen engen Vertrauten und Gefolgsmann gleichzeitig mit Kompetenzen auszustatten und in seiner Loyalität zu binden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1237 wurde Rudiger Bischof von Passau. Die Übertragung des Stiftes Zell ist wohl nicht als Schlag des Erzbischofs gegen die Augustiner-Chorherren anzusehen, die nach den Bestimmungen der Reform von 1215 nicht mehr in der Pfarrseelsorge tätig sein sollten, wie dies von F. Pagitz vermutet worden ist. Vielmehr deuten die Indizien darauf hin, dass die Reformbewegung in Zell bereits im 12. Jahrhundert an Einfluss verloren hatte und die Vergabe an den Chiemseer Bischof als Konsequenz aus dem Scheitern der Reform an diesem Ort zu bewerten ist. Dass Zell an den Chiemseer Bischof übertragen werden konnte, ist durch die eigenkirchenrechtliche Unterstellung unter den Salzburger Metropoliten zu erklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zell am See blieb eine der angeseheneren Kirchen der Region. Als Austellungsort einer erzbischöflichen Urkunde ist Zell 1256 erneut genannt. Kein Zeugnis lässt sicher erkennen, wann die Kanonikergemeinschaft in Zell endgültig aufgegeben wurde. Ein Indiz für die Reduktion des Personalbestandes vor Ort ist darin zu sehen, dass im Jahr 1268 ein Pfarrgeistlicher bezeugt ist, der nicht mehr als Propst bezeichnet wird. Er erschien vor dem Erzbischof, um für den Chiemseer Bischof das Recht bestätigen zu lassen, zwei Kleriker wegen Pfründenhäufung Dispens erteilen zu können, das der Chiemseer von Innozenz IV. erhalten hatte. Ob einzelne Pfründe an nicht-residierende Kanoniker ausgegeben wurden, ist anhand der gedruckten Quellen und Regesten zur Geschichte der Salzburger Erzdiözese nicht zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zeller Pfarrer Friedrich, der 1351 urkundlich nachgewiesen ist, hatte vermutlich ein Universitätsstudium absolviert und übernahm sowohl für den Chiemseer Bischof als auch für den Salzburger Erzbischof Aufgaben eines Notars. Während seiner Amtszeit dürfte der frühgotische Umbau erfolgt sein. Im Jahre 1361 wurde er selbst Chiemseer Bischof. Die Schwester dieses Bischofs fand 1372 in der Zeller Kirche ihre letzte Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
Die kurze Lebensdauer des Stiftes ist ursächlich dadurch begründet, dass von seiten der Salzburger Erzbischöfe keine Verleihung eigener Verfügungskompetenzen über Vermögen erfolgte. Besitzübertragungen oder -bestätigungen durch die Salzburger Erzbischöfe sind in der Überlieferung nicht nachzuweisen. Ebensowenig scheint es im Hochmittelalter zu Zustiftungen des regionalen Adels gekommen zu sein. Als Stifter fungierten seit dem 13. Jahrhundert die Chiemseer Bischöfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rechtsgeschäfte und Stiftungen von Personen der Umgebung sind seit dem Spätmittelalter nachweisbar. Die Reduktion vom Stift zur Pfarrei hatte zusammen mit den erzbischöflichen Dispositionen bei der Vergabe zur Folge, dass Zell als attraktive Pfründe angesehen wurde. Zell am See erhielt die Funktion der Versorgungsstelle für hoffnungsvolle Träger administrativer Aufgaben. Seit dem Spätmittelalter führten sie nicht mehr den Titel des Propstes, sondern fungierten als Pfarrherren. Sie hatten nicht selten studiert, am Ende des Mittelalters waren Pfarrherren von Zell sogar promoviert. Mehrere Ablassverleihungen und Messstiftungen verbesserten die wirtschaftliche Ausstattung der Zeller Kirchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
Bei der Grabung in der Hippolytkirche konnten keine karolingerzeitlichen Funde dokumentiert werden. Erst eine flächendeckende Ergrabung des Kirchenfußbodens von St. Hippolyt ließe sichere Aussagen zu. Es besteht die Möglichkeit, dass die karolingische Kirche kein Stein- sondern ein Holzbau war. Ein solches Bauwerk ist nur bei diffiziler Auswertung der Grabungsbefunde erkennbar. Die durchgeführten Grabungen ergaben sicher einen Kirchenbau des 10. Jahrhunderts, von dem nur Teile der Krypta erhalten sind (die Wölbungen wurden jüngst von Söllner als sehr viel später gedeutet). Die Rekonstruktion deutet auf eine ca. 32 x 8 Meter große turmlose Saalkirche mit Rundapsis hin. Die hochromanische Hippolytkirche wird aufgrund des Befundes in die Zeit Erzbischof Konrads I. von Salzburg datiert. Man wird sich den Vermutungen anschließen dürfen, dass der Bau beim Festakt von 1168 bereits abgeschlossen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kirche ist ein Muster für die Baukunst der Augustiner-Chorherren in der Reformzeit der Mitte des 12. Jahrhunderts und zugleich ein Beleg für die wirtschaftliche Prosperität, obwohl archivalische Zeugnisse fehlen. Abgesehen von der Krypta und einem Stück Chorwand handelt es sich um einen völligen Neubau. Die dreischiffige Pfeilerbasilika mit drei Apsiden ist im wesentlichen erhalten. Die turm- und querhauslose Form gilt als typisch für den regionalen Kirchenbau der Zeit und ist vor allem bei Konventskirchen anzutreffen. Als vergleichbar werden die Kirchen von Ossiach, Millstatt, Michaelbeuren, [[Stift St. Pölten|St. Pölten]], [[Stift Seckau|Seckau]], Seitenstetten und Salzburg/Nonnberg genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende des 12. bzw. am Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Kirche eingewölbt. Diese Ausschmückung wird mit den Ambitionen des späteren Bischofs Rudiger von Chiemsee in Verbindung gebracht. In seinem Testament bedachte der Chiemseer Bischof Konrad die Kirchenfabrik in Zell mit 2 Mark Silber. Welcher Zeller Kirche dieser Betrag zugedacht war, wird nicht erwähnt. Die Geldsumme ist im Vergleich mit den sonstigen Stiftungen des Bischofs eher moderat. Da der Bischof in Bischofshofen allein für Glocken und eine Fahne 10 Mark Silber schenkte, ist zu bezweifeln, dass die Geldsumme für so ehrgeizige Projekte wie die Auswölbung der Seitenschiffe samt Bemalung ausgereicht haben dürfte. Eine Rußschicht auf dem Estrich der spätromanischen Basilika deutet auf einen Kirchenbrand am Ende des 13. Jahrhunderts hin, der auf die Zeit vor der Stiftung dati ert wurde, da diese mit nicht geringen Ausbesserungen begründet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umbauten zu Beginn des 14.Jahrhunderts gingen einher mit der Verfüllung der Krypta, der Hebung des Bodenniveaus und der Errichtung eines Kreuzrippengewölbes. Gleichzeitig dürften die Medaillons mit den Halbfiguren der klugen und törichten Jungfrauen sowie die unterste Malschicht in der Apside (Muttergottes mit Kind) zu datieren sein. Ein Altar &amp;quot;in medio chori&amp;quot; wurde 1335 vom Salzburger Erzbischof Friedrich III. von Leibnitz gestiftet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wandmalereien im 4.Joch stammen aus dem Ende des 14.Jahrhunderts. Ein Kirchturm kam entweder noch in der spätromanischen Bauphase oder im Zuge der frühgotischen Umbauten hinzu. Der Westturm entstand in der spätgotischen Ausbauphase im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts. Er wird in Verbindung gebracht mit den Ablassstiftungen von 1442, 1449, 1450 und 1452. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts entstand die Westempore. 1516 wurde von Bischof Bertolf Pürstinger von Chiemsee eine Wiedereinweihung vorgenommen. 1770 brannte die Kirche aus. Ende des 18. Jahrhunderts wurde über einen Abriss nachgedacht, sodass bereits Pläne für den Neubau erstellt wurden, der aber nicht zustande kam. Aus Sicherheitsgründen wurde das Gewölbe durch eine Holzdecke ersetzt. Neuzeitliche Veränderungen (vor allem die neugotische Umgestaltung) wurden im Zuge der letzten Restaurierung der Kirche entfernt. Die Konventsgebäude, die offenbar schon früh überflüssig wurden, sind nicht erhalten. Die Lage des Kreuzganges ist umstritten. Entgegen älteren Erwägungen, der Kreuzgang habe südlich der Kirche gelegen, wurde jüngst auch für die Nordseite plädiert, da nach der Entfernung des Putzes an der Kirchennordwand eine rundbogige Öffnung im Mauerwerk gefunden wurde, die als Eingang in das Klosterareal gedient haben könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Buchbesitz des Stiftes bzw. einzelner Konventsmitglieder ist bislang nicht wissenschaftlich nachgewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Urkunden im Salzburger Landesarchiv, vgl. MARTIN, Franz, Salzburger Archivberichte 2, Salzburg 1948. Urkunden im Konsistorialarchiv Salzburg, im Pfarrarchiv Zell, im Stadtarchiv Zell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
*BOSHOF, Egon / KNAPP, F. P., Wolfger von Erla. Bischof von Passau (1191–1204) und Patriarch von Aquileja (1204–1218) als Kirchenfürst und Literaturmäzen (Germanistische Bibliothek NF Reihe 3, 20) Heidelberg 1994.&lt;br /&gt;
* DIEPOLDER, Gertrud, Die Orts- und in &amp;quot;pago&amp;quot;-Nennungen im bayerischen Stammesherzogtum zur Zeit der Agilolfinger, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 20, 1957, 364-436, hier 382.&lt;br /&gt;
* FRODL, Walter, Die Stadtpfarrkirche Zell am See. Zur Restaurierung 1972–1975, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 31, 1977, 1-3.&lt;br /&gt;
* DERS ., Mittelalterliche Wandgemälde der Stadtpfarrkirche Zell am See, ebda. 21-29.&lt;br /&gt;
* FUHRMANN, Franz, Die mittelalterliche Baugeschichte der Stadtpfarrkirche Zell am See, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege 31, 1977, 10-20.&lt;br /&gt;
* DERS., Zell am See. Christliche Kunstführer 16, Salzburg, 4. Aufl. 1988.&lt;br /&gt;
* HERMANN, Karl Friedrich, Salzburg, Erläuterungen zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer 11, 9, Salzburg 1957, 159-161.&lt;br /&gt;
* HÖRBURGER, Franz, Die romanischen und vorrömischen Ortsnamen des Landes Salzburg, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 107, 1967, 37.&lt;br /&gt;
* DERS ., Salzburger Ortsnamenbuch, bearb. v. Ingo REIFFENSTEIN u. Leopold ZILLER, Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde Erg.-Bd. 9, Salzburg 1982, 100.&lt;br /&gt;
* Die KIRCHE ZUM HL. HIPPOLYTH. Zell am See. Renovierung 1972 bis 1975, Zell am See 1975.&lt;br /&gt;
* KOLLER, Heinrich, Zur Frühgeschichte der ältesten Klöster in der Umgebung von Salzburg, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 117 (1977), 5–20.&lt;br /&gt;
* MARTIN, Franz, Die Denkmale des politischen Bezirks Zell am See, Österreichische Kunsttopographie 25, Wien 1934. &lt;br /&gt;
* MIERAU, Heike Johanna, Vita communis und Pfarrseelsorge. Studien zu den Diözesen Salzburg und Passau im Hoch- und Spätmittelalter (Forschungen zur kirchlichen Rechtsgeschichte und zum Kirchenrecht 21) Köln–Wien 1997.&lt;br /&gt;
* MITTERER, Kurt Anton, Die Patrozinien der Diözese Salzburg unter besonderer Berücksichtigung der Heiligenverehrung im 8. und 9. Jahrhundert, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 130, 1990, 7-119 m. Kartenan.h., zu Zell 49.&lt;br /&gt;
* MOOSLEITNER, Fritz, Archäologische Untersuchungen in der Stadtpfarrkirche Zell am See, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege 31, 1977, 4-10.&lt;br /&gt;
* PAGITZ, Franz, Die Kirchen von Zell am See, in: DIE KIRCHE ZUM HL. HIPPOLYTH, 1975, 45-70.&lt;br /&gt;
* REIFFENSTEIN, Ingo, Bisonzio und Pinzgau, in: Mundart und Name im Sprachkontakt, Festschrift für Maria Hornung zum 70. Geburtstag (Beiträge zur Sprachinselforschung 8) Wien 1990, 289–298.&lt;br /&gt;
*SÖLLNER, Christine, Architekturgeschichte der Zeller Pfarrkirche, Diplomarbeit Wien 1997.&lt;br /&gt;
* WALLNER, Engelbert, Das Bistum Chiemsee im Mittelalter (1215–1508) (Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Stadt und des Landkreises Rosenheim V), Rosenheim 1967 WEINFURTER, Stefan, Salzburge r Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert, der Erzbischof Konrad I. von Salzburg (1106–1147) und die Regularkanoniker (Kölner historische Abhandlungen 24), Köln–Wien 1975.&lt;br /&gt;
* WENDEHORST, Alfred / BENZ, Stefan, Verzeichnis der Regularkanonikerstifte der Reichskirche, in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 54 (1994), 1–174.&lt;br /&gt;
* WOLFRAM, Herwig, Die Zeit der Agilolfinger. Rupert und Virgil, in: Geschichte Salzburgs I, hrsg. v. Heinz DOPSCH, Salzburg 1981, 121–156.&lt;br /&gt;
* ZEGG, Anton, Die lateinischen Inschriften der Bezirke Pongau und Pinzgau, Goldegg 1996.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Rottenmann</title>
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		<updated>2022-07-14T12:46:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tod, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr in [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden hatte, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und erwarb für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;aufs glänzendste zurückgelegt&amp;lt;/span&amp;gt; und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollen 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St.-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten. Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, wahrscheinlich weil man keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Lauf der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedhof bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr in Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr im Namen des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administrator, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis – er war bereits der dritte Administrator – folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern in Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain bei Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauerngütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgischen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk in Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger von Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz samt einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und in Pichl, je zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente in Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift in St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetzung der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlauf des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der – entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes – die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt – neben den Wappen der übrigen Verordneten – die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant in Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St.-Georgs-Ordens in Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebürtiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot; erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer in Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer in Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahr 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeblich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs, wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar handelte. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St.-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Über die Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude, deren jüngster Teil heute &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird, fehlen eingehende Untersuchungen, was mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Auch Kendlmayrs Chronik bietet zur baulichen Entwicklung des Stiftes nur wenige Andeutungen, außerdem schließt sie mit 1592. Historisch gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten drei Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anlässlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der &amp;quot;Topographia Ducatus Stiriae&amp;quot; des G. M. Vischer von 1681. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche (Kern 15. Jahrhundert), jetzt als Pfarrhof genützt. Er wird auf einem Stich von Vischer mit z. T. zweigeschossigen Arkaden abgebildet, was nicht der Wirklichkeit entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) baute 1520 den Kornspeicher neben der Propstei, dann ein Haus daran. Im übernächsten Jahr folgte ein &amp;quot;Neubau&amp;quot; im Garten gegen das Bad zugekehrt, dann errichtete er eine (neue) Küche und Claffter. Sein Nachfolger Georg Ritzinger (1539–1545) baute einen Weinkeller, verschiedene Gewölbebogen für den Getreidekasten, eine Krankenstube, die Gartenmauer, ein Bad mit Brunnen und sanierte noch die Dächer des ganzen Klosters, alles mit ungeheuren Kosten verbunden. Von Propst David Panichner (1558–1573) schließlich heißt es nur lapidar, er habe das Kloster in Ruinen vorgefunden, aber wohnhaft hergerichtet hinterlassen, wobei für Bauten 1.500 Gulden aufgegangen seien. Aus dieser Zeit muss das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. Dann scheint am Stift für viele Jahre nichts mehr gebaut worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst in der Barockzeit wurde die Bautätigkeit am Stift wieder aufgenommen. Besonders Propst Mourat (1672–1683) huldigte einer kostspieligen Bau- und Repräsentationslust, denn es wurde ihm vom Konvent u. a. vorgeworfen, sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; neu gebaut, im nächsten Jahr aber wieder umgeändert, die Stube des Stiftsschaffers überbaut, den Getreidekasten baulich verändert und überhaupt manches &amp;quot;unnotwendige Gebey&amp;quot; aufgeführt zu haben. Der Propst bestritt die überstürzten Bauänderungen nicht, sondern meinte nur, der Konvent habe ihn selbst dazu &amp;quot;angeraizt&amp;quot;, da sonst kein Novize mehr &amp;quot;in dieses zerissene Closter&amp;quot; käme. Ob Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes, wurde &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; genannt und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem &amp;quot;supra portatili&amp;quot; Messen gelesen werden durften. Zwecks Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711. Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der i. ö. Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner (verstorben nach 1708) tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und angeblich 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei Wichner wohl eher Recht hat, wenn er schreibt, dass 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgeschlossen dargestellten Stift übereinstimmen bzw. zu ergänzen sind, muss der kunstgeschichtlichen Lokalforschung vorbehalten bleiben. Heute sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Zuge der Errichtung der Kanonie hat diese vom Mutterkloster eine gewisse Anzahl von Büchern mitbekommen, um die kanonischen Zeiten ebenso wie die Seelsorge halten zu können. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament um 9 Pfund Pfennige angekauft, was das &amp;quot;Chronicon&amp;quot; mit &amp;quot;damals ein sehr hoher Preis&amp;quot; kommentierte. Propst Ulrich von Konstanz (1463–1475) kaufte ebenfalls um viel Geld mehrere Bücher. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten, schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Kanonie ein &amp;quot;scriptorium&amp;quot; einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Vom Rottenmanner Chorherren [[Bernhard Faber]] wird ebenso wie von [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr in St. Dorothea, berichtet, sie seien fleißige und tüchtige Schreiber gewesen. Sie hätten verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern, das mehrere Jahre in Anspruch genommen habe und 1499 unter Propst Johann Kuglperger, wohl einem Bruder des Sigmund, fertiggestellt worden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger (verstorben 1512) war ein ausgesprochener Bücherfreund. Er hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher – worunter wohl Wiegendrucke zu verstehen sein werden – im Wert von 350 Pfund Pfennigen und zwei Lektionarien in Pergament von der Zeit und den Heiligen im Wert von 70 Pfund. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau (1545) war in Rottenmann bereits ein &amp;quot;schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern&amp;quot; und in einem Gewölbe das Archiv mit den in &amp;quot;Ladlen&amp;quot; aufbewahrten Urkunden vorhanden. Fünf besonders kostbare, silberne Bücher ruhten in einer eigenen Truhe. In den nächsten Jahrzehnten wurde für die Bibliothek nicht mehr viel getan, denn das Inventar der Propstei 1578 hält nur mehr lapidar fest: &amp;quot;In der Liberay allerley allte Büecher&amp;quot;, ohne ein einziges namentlich anzuführen. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. Immerhin wird von einer Bibliothek gesprochen. Dementsprechend gab es 1663 einen Chorherren als &amp;quot;bibliothecarius&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift damals bereits tief verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein, was sich auf das geistige Niveau des Konventes ausgewirkt haben muss. Mit diesem war es bezüglich wissenschaftlicher Interessen lange Zeit hindurch nicht gut bestellt, sieht man vom historiographisch tätigen Propst Kendlmayr als Verfasser des &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; ab. An der geistigen Stagnation konnten auch die aus Vorau gekommenen und alle später noch in Rottenmann eintretenden Chorherren nicht allzuviel ändern. Denn diese Kanoniker konzentrierten sich in erster Linie auf die Aufrechterhaltung der Seelsorge in den Stiftspfarren. Dass wissenschaftliches Arbeiten im damaligen Konvent aber nicht gänzlich erloschen war, beweist der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]], der seinem berühmten Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] um 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot; gab und durch einen anderen Mitbruder die vorhandenen Rottenmanner Klosterurkunden zusammenstellen ließ. Ob die 1785 vorhandenen Bücherbestände zum größeren Teil noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen sind, ist schwer zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich der Aufhebung des Stiftes ist auch vom Archiv und der Bibliothek die Rede, während J. Wichner über die Bibliothek nur zu sagen wusste, dass darüber nichts bekannt geworden sei. Lediglich einen Nürnberger Frühdruck (1494, Anton Koberger) aus ehemals Rottenmanner Bestand, betitelt &amp;quot;Fortalicium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos&amp;quot;, konnte er in der Admonter Stiftsbibliothek nachweisen. Dagegen stellte die Aufhebungskommission fest, dass es sehr wohl eine Menge Bücher in der Bibliothek gab, auch wenn dazu kein Katalog vorhanden war. Allein mehrere hundert Werke in 764 Bänden wurden mit Verfasser und Titel aufgenommen, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat und 800 schlechte nichts &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bedeidende&amp;lt;/span&amp;gt; Bücher aller Formate, einiges auch noch ungebunden. Die Bücher waren auf Holzstellagen, aber nach Wissensgebieten völlig vermischt aufgestellt. Es handelte sich vor allem um Werke der Theologie und ihrer verschiedenen Disziplinen, aber auch Publikationen zur Historiographie, darunter die &amp;quot;Scriptores Rerum Germanicarum&amp;quot;, die &amp;quot;Historia Friderici III.&amp;quot; von Eneas Silvius Piccolomini, die &amp;quot;Japonische Geschichte&amp;quot; von Joannes Crasset oder die &amp;quot;Japonische Kirchengeschichte&amp;quot; von Arsad, weiters waren Druckwerke aus den Gebieten der Philosophie, der antiken Schriftsteller, der Geographie usw. einschließlich der Erbauungsliteratur vorhanden. Der Wert der Bibliothek wurde auf 400 Gulden geschätzt. Das Inventar gibt keine Auskunft darüber, was mit dem Bücherschatz geschah. Kendlmayrs &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; befindet sich heute in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Dorthin kam auch eine nicht allzugroße Zahl von Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Archiv des Stiftes lagen 1785 fast ausschließlich Urkunden, die die Stiftung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftszeit bis um 1500 betrafen. Allein diese Urkunden wurden von der Aufhebungskommission der Inventarisierung für wert befunden, während alle zeitlich späteren Urkunden im Verzeichnis fehlen. Sie lagen möglicherweise nicht im Archiv, sondern in der Stiftskanzlei oder anderswo. Im Steiermärkischen Landesarchiv ist einiges aus dem Rottenmanner Urkundenbestand in die Allgemeine Urkundenreihe eingeflossen, und es existiert in diesem Archiv Aktenmaterial zu Rottenmann, Stift und Herrschaft, in 33 Kartons, darunter auch das Kopialbuch mit über 300 Urkunden, die bis etwas über das Jahr 1500 reichen, sowie Akten über das Stift im Archivkörper Altes Landrecht. Diese Archivalien werden ergänzt durch fünf Kartons Akten, die das Grazer Diözesanarchiv unter der Bezeichnung &amp;quot;Stift Rottenmann&amp;quot; besitzt. Das &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Akten über die Aufhebung bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das &amp;quot;Fundationsurbarium &amp;quot; ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da immer wieder die Äbte von Admont in Rottenmann intervenieren mussten, befindet sich im Stiftsarchiv Admont eine größere Anzahl von Archivalien des 16. bis 18. Jahrhunderts bezüglich Rottenmann, die J. Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält u. a. Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn. Auch der letzte Rottenmanner Dechant Franz Xaver Ortner ist mit zwei Eigenkompositionen vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* AMON, Karl, Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (= In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* AMON, Karl / LIEBMANN, Maximilian (Hrsg.), Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* LANC, Elga, Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Rottenmann&amp;diff=10228</id>
		<title>Stift Rottenmann</title>
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		<updated>2022-07-14T12:45:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Archivalien */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tod, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr in [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden hatte, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und erwarb für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;aufs glänzendste zurückgelegt&amp;lt;/span&amp;gt; und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollen 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St.-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten. Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, wahrscheinlich weil man keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Lauf der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedhof bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr in Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr im Namen des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administrator, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis – er war bereits der dritte Administrator – folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern in Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain bei Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauerngütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgischen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk in Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger von Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz samt einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und in Pichl, je zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente in Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift in St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetzung der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlauf des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der – entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes – die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt – neben den Wappen der übrigen Verordneten – die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant in Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St.-Georgs-Ordens in Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebürtiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot; erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer in Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer in Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahr 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeblich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs, wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar handelte. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St.-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Über die Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude, deren jüngster Teil heute &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird, fehlen eingehende Untersuchungen, was mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Auch Kendlmayrs Chronik bietet zur baulichen Entwicklung des Stiftes nur wenige Andeutungen, außerdem schließt sie mit 1592. Historisch gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten drei Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anlässlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der &amp;quot;Topographia Ducatus Stiriae&amp;quot; des G. M. Vischer von 1681. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche (Kern 15. Jahrhundert), jetzt als Pfarrhof genützt. Er wird auf einem Stich von Vischer mit z. T. zweigeschossigen Arkaden abgebildet, was nicht der Wirklichkeit entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) baute 1520 den Kornspeicher neben der Propstei, dann ein Haus daran. Im übernächsten Jahr folgte ein &amp;quot;Neubau&amp;quot; im Garten gegen das Bad zugekehrt, dann errichtete er eine (neue) Küche und Claffter. Sein Nachfolger Georg Ritzinger (1539–1545) baute einen Weinkeller, verschiedene Gewölbebogen für den Getreidekasten, eine Krankenstube, die Gartenmauer, ein Bad mit Brunnen und sanierte noch die Dächer des ganzen Klosters, alles mit ungeheuren Kosten verbunden. Von Propst David Panichner (1558–1573) schließlich heißt es nur lapidar, er habe das Kloster in Ruinen vorgefunden, aber wohnhaft hergerichtet hinterlassen, wobei für Bauten 1.500 Gulden aufgegangen seien. Aus dieser Zeit muss das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. Dann scheint am Stift für viele Jahre nichts mehr gebaut worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst in der Barockzeit wurde die Bautätigkeit am Stift wieder aufgenommen. Besonders Propst Mourat (1672–1683) huldigte einer kostspieligen Bau- und Repräsentationslust, denn es wurde ihm vom Konvent u. a. vorgeworfen, sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; neu gebaut, im nächsten Jahr aber wieder umgeändert, die Stube des Stiftsschaffers überbaut, den Getreidekasten baulich verändert und überhaupt manches &amp;quot;unnotwendige Gebey&amp;quot; aufgeführt zu haben. Der Propst bestritt die überstürzten Bauänderungen nicht, sondern meinte nur, der Konvent habe ihn selbst dazu &amp;quot;angeraizt&amp;quot;, da sonst kein Novize mehr &amp;quot;in dieses zerissene Closter&amp;quot; käme. Ob Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes, wurde &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; genannt und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem &amp;quot;supra portatili&amp;quot; Messen gelesen werden durften. Zwecks Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711. Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der i. ö. Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner (verstorben nach 1708) tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und angeblich 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei Wichner wohl eher Recht hat, wenn er schreibt, dass 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgeschlossen dargestellten Stift übereinstimmen bzw. zu ergänzen sind, muss der kunstgeschichtlichen Lokalforschung vorbehalten bleiben. Heute sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Zuge der Errichtung der Kanonie hat diese vom Mutterkloster eine gewisse Anzahl von Büchern mitbekommen, um die kanonischen Zeiten ebenso wie die Seelsorge halten zu können. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament um 9 Pfund Pfennige angekauft, was das &amp;quot;Chronicon&amp;quot; mit &amp;quot;damals ein sehr hoher Preis&amp;quot; kommentierte. Propst Ulrich von Konstanz (1463–1475) kaufte ebenfalls um viel Geld mehrere Bücher. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten, schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Kanonie ein &amp;quot;scriptorium&amp;quot; einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Vom Rottenmanner Chorherren [[Bernhard Faber]] wird ebenso wie von [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr in St. Dorothea, berichtet, sie seien fleißige und tüchtige Schreiber gewesen. Sie hätten verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern, das mehrere Jahre in Anspruch genommen habe und 1499 unter Propst Johann Kuglperger, wohl einem Bruder des Sigmund, fertiggestellt worden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger (verstorben 1512) war ein ausgesprochener Bücherfreund. Er hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher – worunter wohl Wiegendrucke zu verstehen sein werden – im Wert von 350 Pfund Pfennigen und zwei Lektionarien in Pergament von der Zeit und den Heiligen im Wert von 70 Pfund. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau (1545) war in Rottenmann bereits ein &amp;quot;schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern&amp;quot; und in einem Gewölbe das Archiv mit den in &amp;quot;Ladlen&amp;quot; aufbewahrten Urkunden vorhanden. Fünf besonders kostbare, silberne Bücher ruhten in einer eigenen Truhe. In den nächsten Jahrzehnten wurde für die Bibliothek nicht mehr viel getan, denn das Inventar der Propstei 1578 hält nur mehr lapidar fest: &amp;quot;In der Liberay allerley allte Büecher&amp;quot;, ohne ein einziges namentlich anzuführen. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. Immerhin wird von einer Bibliothek gesprochen. Dementsprechend gab es 1663 einen Chorherren als &amp;quot;bibliothecarius&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift damals bereits tief verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein, was sich auf das geistige Niveau des Konventes ausgewirkt haben muss. Mit diesem war es bezüglich wissenschaftlicher Interessen lange Zeit hindurch nicht gut bestellt, sieht man vom historiographisch tätigen Propst Kendlmayr als Verfasser des &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; ab. An der geistigen Stagnation konnten auch die aus Vorau gekommenen und alle später noch in Rottenmann eintretenden Chorherren nicht allzuviel ändern. Denn diese Kanoniker konzentrierten sich in erster Linie auf die Aufrechterhaltung der Seelsorge in den Stiftspfarren. Dass wissenschaftliches Arbeiten im damaligen Konvent aber nicht gänzlich erloschen war, beweist der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]], der seinem berühmten Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] um 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot; gab und durch einen anderen Mitbruder die vorhandenen Rottenmanner Klosterurkunden zusammenstellen ließ. Ob die 1785 vorhandenen Bücherbestände zum größeren Teil noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen sind, ist schwer zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich der Aufhebung des Stiftes ist auch vom Archiv und der Bibliothek die Rede, während J. Wichner über die Bibliothek nur zu sagen wusste, dass darüber nichts bekannt geworden sei. Lediglich einen Nürnberger Frühdruck (1494, Anton Koberger) aus ehemals Rottenmanner Bestand, betitelt &amp;quot;Fortalicium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos&amp;quot;, konnte er in der Admonter Stiftsbibliothek nachweisen. Dagegen stellte die Aufhebungskommission fest, dass es sehr wohl eine Menge Bücher in der Bibliothek gab, auch wenn dazu kein Katalog vorhanden war. Allein mehrere hundert Werke in 764 Bänden wurden mit Verfasser und Titel aufgenommen, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat und 800 schlechte nichts &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bedeidende&amp;lt;/span&amp;gt; Bücher aller Formate, einiges auch noch ungebunden. Die Bücher waren auf Holzstellagen, aber nach Wissensgebieten völlig vermischt aufgestellt. Es handelte sich vor allem um Werke der Theologie und ihrer verschiedenen Disziplinen, aber auch Publikationen zur Historiographie, darunter die &amp;quot;Scriptores Rerum Germanicarum&amp;quot;, die &amp;quot;Historia Friderici III.&amp;quot; von Eneas Silvius Piccolomini, die &amp;quot;Japonische Geschichte&amp;quot; von Joannes Crasset oder die &amp;quot;Japonische Kirchengeschichte&amp;quot; von Arsad, weiters waren Druckwerke aus den Gebieten der Philosophie, der antiken Schriftsteller, der Geographie usw. einschließlich der Erbauungsliteratur vorhanden. Der Wert der Bibliothek wurde auf 400 Gulden geschätzt. Das Inventar gibt keine Auskunft darüber, was mit dem Bücherschatz geschah. Kendlmayrs &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; befindet sich heute in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Dorthin kam auch eine nicht allzugroße Zahl von Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Archiv des Stiftes lagen 1785 fast ausschließlich Urkunden, die die Stiftung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftszeit bis um 1500 betrafen. Allein diese Urkunden wurden von der Aufhebungskommission der Inventarisierung für wert befunden, während alle zeitlich späteren Urkunden im Verzeichnis fehlen. Sie lagen möglicherweise nicht im Archiv, sondern in der Stiftskanzlei oder anderswo. Im Steiermärkischen Landesarchiv ist einiges aus dem Rottenmanner Urkundenbestand in die Allgemeine Urkundenreihe eingeflossen, und es existiert in diesem Archiv Aktenmaterial zu Rottenmann, Stift und Herrschaft, in 33 Kartons, darunter auch das Kopialbuch mit über 300 Urkunden, die bis etwas über das Jahr 1500 reichen, sowie Akten über das Stift im Archivkörper Altes Landrecht. Diese Archivalien werden ergänzt durch fünf Kartons Akten, die das Grazer Diözesanarchiv unter der Bezeichnung &amp;quot;Stift Rottenmann&amp;quot; besitzt. Das &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Akten über die Aufhebung bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das &amp;quot;Fundationsurbarium &amp;quot; ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da immer wieder die Äbte von Admont in Rottenmann intervenieren mussten, befindet sich im Stiftsarchiv Admont eine größere Anzahl von Archivalien des 16. bis 18. Jahrhunderts bezüglich Rottenmann, die J. Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält u. a. Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn. Auch der letzte Rottenmanner Dechant Franz Xaver Ortner ist mit zwei Eigenkompositionen vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* AMON, Karl, Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (=In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* AMON, Karl / LIEBMANN, Maximilian (Hrsg.), Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* LANC, Elga, Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Rottenmann</title>
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		<updated>2022-07-14T12:44:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Bibliothek */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tod, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr in [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden hatte, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und erwarb für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;aufs glänzendste zurückgelegt&amp;lt;/span&amp;gt; und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollen 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St.-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten. Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, wahrscheinlich weil man keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Lauf der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedhof bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr in Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr im Namen des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administrator, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis – er war bereits der dritte Administrator – folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern in Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain bei Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauerngütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgischen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk in Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger von Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz samt einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und in Pichl, je zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente in Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift in St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetzung der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlauf des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der – entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes – die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt – neben den Wappen der übrigen Verordneten – die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant in Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St.-Georgs-Ordens in Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebürtiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot; erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer in Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer in Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahr 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeblich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs, wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar handelte. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St.-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Über die Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude, deren jüngster Teil heute &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird, fehlen eingehende Untersuchungen, was mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Auch Kendlmayrs Chronik bietet zur baulichen Entwicklung des Stiftes nur wenige Andeutungen, außerdem schließt sie mit 1592. Historisch gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten drei Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anlässlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der &amp;quot;Topographia Ducatus Stiriae&amp;quot; des G. M. Vischer von 1681. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche (Kern 15. Jahrhundert), jetzt als Pfarrhof genützt. Er wird auf einem Stich von Vischer mit z. T. zweigeschossigen Arkaden abgebildet, was nicht der Wirklichkeit entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) baute 1520 den Kornspeicher neben der Propstei, dann ein Haus daran. Im übernächsten Jahr folgte ein &amp;quot;Neubau&amp;quot; im Garten gegen das Bad zugekehrt, dann errichtete er eine (neue) Küche und Claffter. Sein Nachfolger Georg Ritzinger (1539–1545) baute einen Weinkeller, verschiedene Gewölbebogen für den Getreidekasten, eine Krankenstube, die Gartenmauer, ein Bad mit Brunnen und sanierte noch die Dächer des ganzen Klosters, alles mit ungeheuren Kosten verbunden. Von Propst David Panichner (1558–1573) schließlich heißt es nur lapidar, er habe das Kloster in Ruinen vorgefunden, aber wohnhaft hergerichtet hinterlassen, wobei für Bauten 1.500 Gulden aufgegangen seien. Aus dieser Zeit muss das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. Dann scheint am Stift für viele Jahre nichts mehr gebaut worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst in der Barockzeit wurde die Bautätigkeit am Stift wieder aufgenommen. Besonders Propst Mourat (1672–1683) huldigte einer kostspieligen Bau- und Repräsentationslust, denn es wurde ihm vom Konvent u. a. vorgeworfen, sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; neu gebaut, im nächsten Jahr aber wieder umgeändert, die Stube des Stiftsschaffers überbaut, den Getreidekasten baulich verändert und überhaupt manches &amp;quot;unnotwendige Gebey&amp;quot; aufgeführt zu haben. Der Propst bestritt die überstürzten Bauänderungen nicht, sondern meinte nur, der Konvent habe ihn selbst dazu &amp;quot;angeraizt&amp;quot;, da sonst kein Novize mehr &amp;quot;in dieses zerissene Closter&amp;quot; käme. Ob Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes, wurde &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; genannt und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem &amp;quot;supra portatili&amp;quot; Messen gelesen werden durften. Zwecks Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711. Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der i. ö. Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner (verstorben nach 1708) tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und angeblich 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei Wichner wohl eher Recht hat, wenn er schreibt, dass 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgeschlossen dargestellten Stift übereinstimmen bzw. zu ergänzen sind, muss der kunstgeschichtlichen Lokalforschung vorbehalten bleiben. Heute sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Zuge der Errichtung der Kanonie hat diese vom Mutterkloster eine gewisse Anzahl von Büchern mitbekommen, um die kanonischen Zeiten ebenso wie die Seelsorge halten zu können. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament um 9 Pfund Pfennige angekauft, was das &amp;quot;Chronicon&amp;quot; mit &amp;quot;damals ein sehr hoher Preis&amp;quot; kommentierte. Propst Ulrich von Konstanz (1463–1475) kaufte ebenfalls um viel Geld mehrere Bücher. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten, schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Kanonie ein &amp;quot;scriptorium&amp;quot; einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Vom Rottenmanner Chorherren [[Bernhard Faber]] wird ebenso wie von [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr in St. Dorothea, berichtet, sie seien fleißige und tüchtige Schreiber gewesen. Sie hätten verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern, das mehrere Jahre in Anspruch genommen habe und 1499 unter Propst Johann Kuglperger, wohl einem Bruder des Sigmund, fertiggestellt worden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger (verstorben 1512) war ein ausgesprochener Bücherfreund. Er hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher – worunter wohl Wiegendrucke zu verstehen sein werden – im Wert von 350 Pfund Pfennigen und zwei Lektionarien in Pergament von der Zeit und den Heiligen im Wert von 70 Pfund. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau (1545) war in Rottenmann bereits ein &amp;quot;schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern&amp;quot; und in einem Gewölbe das Archiv mit den in &amp;quot;Ladlen&amp;quot; aufbewahrten Urkunden vorhanden. Fünf besonders kostbare, silberne Bücher ruhten in einer eigenen Truhe. In den nächsten Jahrzehnten wurde für die Bibliothek nicht mehr viel getan, denn das Inventar der Propstei 1578 hält nur mehr lapidar fest: &amp;quot;In der Liberay allerley allte Büecher&amp;quot;, ohne ein einziges namentlich anzuführen. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. Immerhin wird von einer Bibliothek gesprochen. Dementsprechend gab es 1663 einen Chorherren als &amp;quot;bibliothecarius&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift damals bereits tief verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein, was sich auf das geistige Niveau des Konventes ausgewirkt haben muss. Mit diesem war es bezüglich wissenschaftlicher Interessen lange Zeit hindurch nicht gut bestellt, sieht man vom historiographisch tätigen Propst Kendlmayr als Verfasser des &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; ab. An der geistigen Stagnation konnten auch die aus Vorau gekommenen und alle später noch in Rottenmann eintretenden Chorherren nicht allzuviel ändern. Denn diese Kanoniker konzentrierten sich in erster Linie auf die Aufrechterhaltung der Seelsorge in den Stiftspfarren. Dass wissenschaftliches Arbeiten im damaligen Konvent aber nicht gänzlich erloschen war, beweist der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]], der seinem berühmten Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] um 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot; gab und durch einen anderen Mitbruder die vorhandenen Rottenmanner Klosterurkunden zusammenstellen ließ. Ob die 1785 vorhandenen Bücherbestände zum größeren Teil noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen sind, ist schwer zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich der Aufhebung des Stiftes ist auch vom Archiv und der Bibliothek die Rede, während J. Wichner über die Bibliothek nur zu sagen wusste, dass darüber nichts bekannt geworden sei. Lediglich einen Nürnberger Frühdruck (1494, Anton Koberger) aus ehemals Rottenmanner Bestand, betitelt &amp;quot;Fortalicium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos&amp;quot;, konnte er in der Admonter Stiftsbibliothek nachweisen. Dagegen stellte die Aufhebungskommission fest, dass es sehr wohl eine Menge Bücher in der Bibliothek gab, auch wenn dazu kein Katalog vorhanden war. Allein mehrere hundert Werke in 764 Bänden wurden mit Verfasser und Titel aufgenommen, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat und 800 schlechte nichts &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bedeidende&amp;lt;/span&amp;gt; Bücher aller Formate, einiges auch noch ungebunden. Die Bücher waren auf Holzstellagen, aber nach Wissensgebieten völlig vermischt aufgestellt. Es handelte sich vor allem um Werke der Theologie und ihrer verschiedenen Disziplinen, aber auch Publikationen zur Historiographie, darunter die &amp;quot;Scriptores Rerum Germanicarum&amp;quot;, die &amp;quot;Historia Friderici III.&amp;quot; von Eneas Silvius Piccolomini, die &amp;quot;Japonische Geschichte&amp;quot; von Joannes Crasset oder die &amp;quot;Japonische Kirchengeschichte&amp;quot; von Arsad, weiters waren Druckwerke aus den Gebieten der Philosophie, der antiken Schriftsteller, der Geographie usw. einschließlich der Erbauungsliteratur vorhanden. Der Wert der Bibliothek wurde auf 400 Gulden geschätzt. Das Inventar gibt keine Auskunft darüber, was mit dem Bücherschatz geschah. Kendlmayrs &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; befindet sich heute in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Dorthin kam auch eine nicht allzugroße Zahl von Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Archiv des Stiftes lagen 1785 fast ausschließlich Urkunden, die die Stiftung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftszeit bis um 1500 betrafen. Allein diese Urkunden wurd en von der Aufhebungskommission der Inventarisierung für wert befunden, während alle zeitlich späteren Urkunden im Verzeichnis fehlen. Sie lagen möglicherweise nicht im Archiv, sondern in der Stiftskanzlei oder anderswo. Im Steiermärkischen Landesarchiv ist einiges aus dem Rottenmanner Urkundenbestand in die Allgemeine Urkundenreihe eingeflossen, und es existiert in diesem Archiv Aktenmaterial zu Rottenmann, Stift und Herrschaft, in 33 Kartons, darunter auch das Kopialbuch mit über 300 Urkunden, die bis etwas über das Jahr 1500 reichen, sowie Akten über das Stift im Archivkörper Altes Landrecht. Diese Archivalien werden ergänzt durch fünf Kartons Akten, die das Grazer Diözesanarchiv unter der Bezeichnung &amp;quot;Stift Rottenmann&amp;quot; besitzt. Das &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Akten über die Aufhebung bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das &amp;quot;Fundationsurbarium &amp;quot; ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da immer wieder die Äbte von Admont in Rottenmann intervenieren mussten, befindet sich im Stiftsarchiv Admont eine größere Anzahl von Archivalien des 16. bis 18. Jahrhunderts bezüglich Rottenmann, die J. Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält u. a. Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn. Auch der letzte Rottenmanner Dechant Franz Xaver Ortner ist mit zwei Eigenkompositionen vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* AMON, Karl, Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (=In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* AMON, Karl / LIEBMANN, Maximilian (Hrsg.), Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* LANC, Elga, Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Rottenmann</title>
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		<updated>2022-07-14T12:31:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Stiftsgebäude */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tod, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr in [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden hatte, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und erwarb für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;aufs glänzendste zurückgelegt&amp;lt;/span&amp;gt; und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollen 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St.-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten. Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, wahrscheinlich weil man keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Lauf der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedhof bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr in Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr im Namen des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administrator, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis – er war bereits der dritte Administrator – folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern in Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain bei Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauerngütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgischen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk in Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger von Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz samt einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und in Pichl, je zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente in Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift in St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetzung der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlauf des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der – entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes – die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt – neben den Wappen der übrigen Verordneten – die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant in Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St.-Georgs-Ordens in Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebürtiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot; erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer in Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer in Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahr 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeblich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs, wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar handelte. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St.-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Über die Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude, deren jüngster Teil heute &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird, fehlen eingehende Untersuchungen, was mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Auch Kendlmayrs Chronik bietet zur baulichen Entwicklung des Stiftes nur wenige Andeutungen, außerdem schließt sie mit 1592. Historisch gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten drei Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anlässlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der &amp;quot;Topographia Ducatus Stiriae&amp;quot; des G. M. Vischer von 1681. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche (Kern 15. Jahrhundert), jetzt als Pfarrhof genützt. Er wird auf einem Stich von Vischer mit z. T. zweigeschossigen Arkaden abgebildet, was nicht der Wirklichkeit entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) baute 1520 den Kornspeicher neben der Propstei, dann ein Haus daran. Im übernächsten Jahr folgte ein &amp;quot;Neubau&amp;quot; im Garten gegen das Bad zugekehrt, dann errichtete er eine (neue) Küche und Claffter. Sein Nachfolger Georg Ritzinger (1539–1545) baute einen Weinkeller, verschiedene Gewölbebogen für den Getreidekasten, eine Krankenstube, die Gartenmauer, ein Bad mit Brunnen und sanierte noch die Dächer des ganzen Klosters, alles mit ungeheuren Kosten verbunden. Von Propst David Panichner (1558–1573) schließlich heißt es nur lapidar, er habe das Kloster in Ruinen vorgefunden, aber wohnhaft hergerichtet hinterlassen, wobei für Bauten 1.500 Gulden aufgegangen seien. Aus dieser Zeit muss das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. Dann scheint am Stift für viele Jahre nichts mehr gebaut worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst in der Barockzeit wurde die Bautätigkeit am Stift wieder aufgenommen. Besonders Propst Mourat (1672–1683) huldigte einer kostspieligen Bau- und Repräsentationslust, denn es wurde ihm vom Konvent u. a. vorgeworfen, sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; neu gebaut, im nächsten Jahr aber wieder umgeändert, die Stube des Stiftsschaffers überbaut, den Getreidekasten baulich verändert und überhaupt manches &amp;quot;unnotwendige Gebey&amp;quot; aufgeführt zu haben. Der Propst bestritt die überstürzten Bauänderungen nicht, sondern meinte nur, der Konvent habe ihn selbst dazu &amp;quot;angeraizt&amp;quot;, da sonst kein Novize mehr &amp;quot;in dieses zerissene Closter&amp;quot; käme. Ob Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes, wurde &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; genannt und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem &amp;quot;supra portatili&amp;quot; Messen gelesen werden durften. Zwecks Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711. Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der i. ö. Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner (verstorben nach 1708) tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und angeblich 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei Wichner wohl eher Recht hat, wenn er schreibt, dass 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgeschlossen dargestellten Stift übereinstimmen bzw. zu ergänzen sind, muss der kunstgeschichtlichen Lokalforschung vorbehalten bleiben. Heute sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Zuge der Errichtung der Kanonie hat diese vom Mutterkloster eine gewisse Anzahl von Büchern mitbekommen, um die kanonischen Zeiten ebenso wie die Seelsorge halten zu können. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament um 9 Pfund Pfennige angekauft, was das &amp;quot;Chronicon&amp;quot; mit &amp;quot;damals ein sehr hoher Preis&amp;quot; kommentierte. Propst Ulrich von Konstanz (1463–1475) kaufte ebenfalls um viel Geld mehrere Bücher. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten,  schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Kanonie ein &amp;quot;scriptorium&amp;quot; einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Vom Rottenmanner Chorherren [[Bernhard Faber]] wird ebenso wie von [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr zu St. Dorothea, berichtet, sie seien fleißige und tüchtige Schreiber gewesen. Sie hätten verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern, das mehrere Jahre in Anspruch genommen habe und 1499 unter Propst Johann Kuglperger, wohl einem Bruder des Sigmund, fertiggestellt worden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger (verstorben 1512) war ein ausgesprochener Bücherfreund. Er hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher - worunter wohl Wiegendrucke zu verstehen sein werden - im Wert von 350 Pfund Pfennigen und zwei Lektionarien in Pergament von der Zeit und den Heiligen im Wert von 70 Pfund. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau (1545) war in Rottenmann bereits ein &amp;quot;schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern&amp;quot; und in einem Gewölbe das Archiv mit den in &amp;quot;Ladlen&amp;quot; aufbewahrten Urkunden vorhanden. Fünf besonders kostbare, silberne Bücher ruhten in einer eigenen Truhe. In den nächsten Jahrzehnten wurde für die Bibliothek nicht mehr viel getan, denn das Inventar der Propstei 1578 hält nur mehr lapidar fest: &amp;quot;In der Liberay allerley allte Büecher&amp;quot;, ohne ein einziges namentlich anzuführen. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. Immerhin wird von einer Bibliothek gesprochen. Dementsprechend gab es 1663 einen Chorherren als &amp;quot;bibliothecarius&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift damals bereits tief verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein, was sich auf das geistige Niveau des Konventes ausgewirkt haben muss. Mit diesem war es bezüglich wissenschaftlicher Interessen lange Zeit hindurch nicht gut bestellt, sieht man vom historiographisch tätigen Propst Kendlmayr als Verfasser des &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; ab. An der geistigen Stagnation konnten auch die aus Vorau gekommenen und alle später noch in Rottenmann eintretenden Chorherren nicht allzuviel ändern. Denn diese Kanoniker konzentrierten sich in erster Linie auf die Aufrechterhaltung der Seelsorge in den Stiftspfarren. Dass wissenschaftliches Arbeiten im damaligen Konvent aber nicht gänzlich erloschen war, beweist der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]], der seinem berühmten Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] um 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot; gab und durch einen anderen Mitbruder die vorhandenen Rottenmanner Klosterurkunden zusammenstellen ließ. Ob die 1785 vorhandenen Bücherbestände zum größeren Teil noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen sind, ist schwer zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich der Aufhebung des Stiftes ist auch vom Archiv und der Bibliothek die Rede, während J. Wichner über die Bibliothek nur zu sagen wusste, dass darüber nichts bekannt geworden sei. Lediglich einen Nürnberger Frühdruck (1494, Anton Koberger) aus ehemals Rottenmanner Bestand, betitelt &amp;quot;Fortalic ium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos&amp;quot;, konnte er in der Admonter Stiftsbibliothek nachweisen. Dagegen stellte die Aufhebungskommission fest, dass es sehr wohl eine Menge Bücher in der Bibliothek gab, auch wenn dazu kein Katalog vorhanden war. Allein mehrere hundert Werke in 764 Bänden wurden mit Verfasser und Titel aufgenommen, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat und 800 schlechte nichts bedeidende Bücher aller Formate, einiges auch noch ungebunden. Die Bücher waren auf Holzstellagen, aber nach Wissensgebieten völlig vermischt aufgestellt. Es handelte sich vor allem um Werke der Theologie und ihrer verschiedenen Disziplinen, aber auch Publikationen zur Historiographie, darunter die &amp;quot;Scriptores Rerum Germanicarum&amp;quot;, die &amp;quot;Historia Friderici III. &amp;quot; von Eneas Silvius Piccolomini, die &amp;quot;Japonische Geschichte&amp;quot; von Joannes Crasset oder die &amp;quot;Japonische Kirchengeschichte&amp;quot; von Arsad, weiters waren Druckwerke aus den Gebieten der Philosophie, der antiken Schriftsteller, der Geographie usw. einschließlich der Erbauungsliteratur vorhanden. Der Wert der Bibliothek wurde auf 400 Gulden geschätzt. Das Inventar gibt keine Auskunft darüber, was mit dem Bücherschatz geschah. Kendlmayrs &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; befindet sich heute in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Dorthin kam auch eine nicht allzugroße Zahl von Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Archiv des Stiftes lagen 1785 fast ausschließlich Urkunden, die die Stiftung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftszeit bis um 1500 betrafen. Allein diese Urkunden wurd en von der Aufhebungskommission der Inventarisierung für wert befunden, während alle zeitlich späteren Urkunden im Verzeichnis fehlen. Sie lagen möglicherweise nicht im Archiv, sondern in der Stiftskanzlei oder anderswo. Im Steiermärkischen Landesarchiv ist einiges aus dem Rottenmanner Urkundenbestand in die Allgemeine Urkundenreihe eingeflossen, und es existiert in diesem Archiv Aktenmaterial zu Rottenmann, Stift und Herrschaft, in 33 Kartons, darunter auch das Kopialbuch mit über 300 Urkunden, die bis etwas über das Jahr 1500 reichen, sowie Akten über das Stift im Archivkörper Altes Landrecht. Diese Archivalien werden ergänzt durch fünf Kartons Akten, die das Grazer Diözesanarchiv unter der Bezeichnung &amp;quot;Stift Rottenmann&amp;quot; besitzt. Das &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Akten über die Aufhebung bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das &amp;quot;Fundationsurbarium &amp;quot; ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da immer wieder die Äbte von Admont in Rottenmann intervenieren mussten, befindet sich im Stiftsarchiv Admont eine größere Anzahl von Archivalien des 16. bis 18. Jahrhunderts bezüglich Rottenmann, die J. Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält u. a. Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn. Auch der letzte Rottenmanner Dechant Franz Xaver Ortner ist mit zwei Eigenkompositionen vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* AMON, Karl, Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (=In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* AMON, Karl / LIEBMANN, Maximilian (Hrsg.), Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* LANC, Elga, Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Rottenmann</title>
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		<updated>2022-07-14T12:28:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Sakralbauten */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tod, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr in [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden hatte, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und erwarb für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;aufs glänzendste zurückgelegt&amp;lt;/span&amp;gt; und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollen 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St.-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten. Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, wahrscheinlich weil man keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Lauf der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedhof bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr in Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr im Namen des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administrator, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis – er war bereits der dritte Administrator – folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern in Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain bei Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauerngütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgischen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk in Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger von Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz samt einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und in Pichl, je zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente in Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift in St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetzung der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlauf des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der – entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes – die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt – neben den Wappen der übrigen Verordneten – die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant in Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St.-Georgs-Ordens in Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebürtiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot; erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer in Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer in Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahr 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeblich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs, wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar handelte. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St.-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Über die Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude, deren jüngster Teil heute „Schloss&amp;quot; genannt wird, fehlen eingehende Untersuchungen, was mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Auch Kendlmayrs Chronik bietet zur baulichen Entwicklung des Stiftes nur wenige Andeutungen, außerdem schließt sie mit 1592. Historisch gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten drei Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anläßlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der &amp;quot;Topographia Ducatus Stiriae&amp;quot; des G. M. Vischer von 1681. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche (Kern 15. Jahrhundert), jetzt als Pfarrhof genützt. Er wird auf einem Stich von Vischer mit z. T. zweigeschossigen Arkaden abgebildet, was nicht der Wirklichkeit entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) baute 1520 den Kornspeicher neben der Propstei, dann ein Haus daran. Im übernächsten Jahr folgte ein &amp;quot;Neubau&amp;quot; im Garten gegen das Bad zugekehrt, dann errichtete er eine (neue) Küche und Claffter. Sein Nachfolger Georg Ritzinger (1539–1545) baute einen Weinkeller, verschiedene Gewölbebogen für den Getreidekasten, eine Krankenstube, die Gartenmauer, ein Bad mit Brunnen und sanierte noch die Dächer des ganzen Klosters, alles mit ungeheuren Kosten. Von Propst David Panichner (1558–1573) schließlich heißt es nur lapidar, er habe das Kloster in Ruinen vorgefunden, aber wohnhaft hergerichtet hinterlassen, wobei für Bauten 1.500 Gulden aufgegangen seien. Aus dieser Zeit muss das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. Dann scheint am Stift für viele Jahre nichts mehr gebaut worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst in der Barockzeit wurde die Bautätigkeit am Stift wieder aufgenommen. Besonders Propst Mourat (1672–1683) huldigte einer kostspieligen Bau- und Repräsentationslust, denn es wurde ihm vom Konvent u. a. vorgeworfen, sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; neu gebaut, im nächsten Jahr aber wieder umgeändert, die Stube des Stiftsschaffers überbaut, den Getreidekasten baulich verändert und überhaupt manches &amp;quot;unnotwendige Gebey&amp;quot; aufgeführt zu haben. Der Propst bestritt die überstürzten Bauänderungen nicht, sondern meinte nur, der Konvent habe ihn selbst dazu &amp;quot;angeraizt&amp;quot;, da sonst kein Novize mehr &amp;quot;in dieses zerissene Closter&amp;quot; käme. Ob Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes, wurde &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; genannt und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem &amp;quot;supra portatili&amp;quot; Messen gelesen werden durften. Zwecks Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711. Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der i. ö. Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner (verstorben nach 1708) tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und angeblich 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei Wichner wohl eher Recht hat, wenn er schreibt, dass 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgesch lossen dargestellten Stift übereinstimmen bzw . zu ergänzen sind, muss der kunstgeschichtlichen Lokalforschung vorbehalten bleiben. Heute sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Zuge der Errichtung der Kanonie hat diese vom Mutterkloster eine gewisse Anzahl von Büchern mitbekommen, um die kanonischen Zeiten ebenso wie die Seelsorge halten zu können. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament um 9 Pfund Pfennige angekauft, was das &amp;quot;Chronicon&amp;quot; mit &amp;quot;damals ein sehr hoher Preis&amp;quot; kommentierte. Propst Ulrich von Konstanz (1463–1475) kaufte ebenfalls um viel Geld mehrere Bücher. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten,  schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Kanonie ein &amp;quot;scriptorium&amp;quot; einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Vom Rottenmanner Chorherren [[Bernhard Faber]] wird ebenso wie von [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr zu St. Dorothea, berichtet, sie seien fleißige und tüchtige Schreiber gewesen. Sie hätten verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern, das mehrere Jahre in Anspruch genommen habe und 1499 unter Propst Johann Kuglperger, wohl einem Bruder des Sigmund, fertiggestellt worden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger (verstorben 1512) war ein ausgesprochener Bücherfreund. Er hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher - worunter wohl Wiegendrucke zu verstehen sein werden - im Wert von 350 Pfund Pfennigen und zwei Lektionarien in Pergament von der Zeit und den Heiligen im Wert von 70 Pfund. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau (1545) war in Rottenmann bereits ein &amp;quot;schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern&amp;quot; und in einem Gewölbe das Archiv mit den in &amp;quot;Ladlen&amp;quot; aufbewahrten Urkunden vorhanden. Fünf besonders kostbare, silberne Bücher ruhten in einer eigenen Truhe. In den nächsten Jahrzehnten wurde für die Bibliothek nicht mehr viel getan, denn das Inventar der Propstei 1578 hält nur mehr lapidar fest: &amp;quot;In der Liberay allerley allte Büecher&amp;quot;, ohne ein einziges namentlich anzuführen. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. Immerhin wird von einer Bibliothek gesprochen. Dementsprechend gab es 1663 einen Chorherren als &amp;quot;bibliothecarius&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift damals bereits tief verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein, was sich auf das geistige Niveau des Konventes ausgewirkt haben muss. Mit diesem war es bezüglich wissenschaftlicher Interessen lange Zeit hindurch nicht gut bestellt, sieht man vom historiographisch tätigen Propst Kendlmayr als Verfasser des &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; ab. An der geistigen Stagnation konnten auch die aus Vorau gekommenen und alle später noch in Rottenmann eintretenden Chorherren nicht allzuviel ändern. Denn diese Kanoniker konzentrierten sich in erster Linie auf die Aufrechterhaltung der Seelsorge in den Stiftspfarren. Dass wissenschaftliches Arbeiten im damaligen Konvent aber nicht gänzlich erloschen war, beweist der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]], der seinem berühmten Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] um 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot; gab und durch einen anderen Mitbruder die vorhandenen Rottenmanner Klosterurkunden zusammenstellen ließ. Ob die 1785 vorhandenen Bücherbestände zum größeren Teil noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen sind, ist schwer zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich der Aufhebung des Stiftes ist auch vom Archiv und der Bibliothek die Rede, während J. Wichner über die Bibliothek nur zu sagen wusste, dass darüber nichts bekannt geworden sei. Lediglich einen Nürnberger Frühdruck (1494, Anton Koberger) aus ehemals Rottenmanner Bestand, betitelt &amp;quot;Fortalic ium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos&amp;quot;, konnte er in der Admonter Stiftsbibliothek nachweisen. Dagegen stellte die Aufhebungskommission fest, dass es sehr wohl eine Menge Bücher in der Bibliothek gab, auch wenn dazu kein Katalog vorhanden war. Allein mehrere hundert Werke in 764 Bänden wurden mit Verfasser und Titel aufgenommen, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat und 800 schlechte nichts bedeidende Bücher aller Formate, einiges auch noch ungebunden. Die Bücher waren auf Holzstellagen, aber nach Wissensgebieten völlig vermischt aufgestellt. Es handelte sich vor allem um Werke der Theologie und ihrer verschiedenen Disziplinen, aber auch Publikationen zur Historiographie, darunter die &amp;quot;Scriptores Rerum Germanicarum&amp;quot;, die &amp;quot;Historia Friderici III. &amp;quot; von Eneas Silvius Piccolomini, die &amp;quot;Japonische Geschichte&amp;quot; von Joannes Crasset oder die &amp;quot;Japonische Kirchengeschichte&amp;quot; von Arsad, weiters waren Druckwerke aus den Gebieten der Philosophie, der antiken Schriftsteller, der Geographie usw. einschließlich der Erbauungsliteratur vorhanden. Der Wert der Bibliothek wurde auf 400 Gulden geschätzt. Das Inventar gibt keine Auskunft darüber, was mit dem Bücherschatz geschah. Kendlmayrs &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; befindet sich heute in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Dorthin kam auch eine nicht allzugroße Zahl von Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Archiv des Stiftes lagen 1785 fast ausschließlich Urkunden, die die Stiftung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftszeit bis um 1500 betrafen. Allein diese Urkunden wurd en von der Aufhebungskommission der Inventarisierung für wert befunden, während alle zeitlich späteren Urkunden im Verzeichnis fehlen. Sie lagen möglicherweise nicht im Archiv, sondern in der Stiftskanzlei oder anderswo. Im Steiermärkischen Landesarchiv ist einiges aus dem Rottenmanner Urkundenbestand in die Allgemeine Urkundenreihe eingeflossen, und es existiert in diesem Archiv Aktenmaterial zu Rottenmann, Stift und Herrschaft, in 33 Kartons, darunter auch das Kopialbuch mit über 300 Urkunden, die bis etwas über das Jahr 1500 reichen, sowie Akten über das Stift im Archivkörper Altes Landrecht. Diese Archivalien werden ergänzt durch fünf Kartons Akten, die das Grazer Diözesanarchiv unter der Bezeichnung &amp;quot;Stift Rottenmann&amp;quot; besitzt. Das &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Akten über die Aufhebung bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das &amp;quot;Fundationsurbarium &amp;quot; ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da immer wieder die Äbte von Admont in Rottenmann intervenieren mussten, befindet sich im Stiftsarchiv Admont eine größere Anzahl von Archivalien des 16. bis 18. Jahrhunderts bezüglich Rottenmann, die J. Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält u. a. Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn. Auch der letzte Rottenmanner Dechant Franz Xaver Ortner ist mit zwei Eigenkompositionen vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* AMON, Karl, Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (=In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* AMON, Karl / LIEBMANN, Maximilian (Hrsg.), Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* LANC, Elga, Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Rottenmann</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Soziale Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tod, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr in [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden hatte, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und erwarb für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;aufs glänzendste zurückgelegt&amp;lt;/span&amp;gt; und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollen 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St.-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten. Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, wahrscheinlich weil man keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Lauf der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedhof bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr in Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr im Namen des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administrator, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis – er war bereits der dritte Administrator – folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern in Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain bei Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauerngütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgischen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk in Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger von Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz samt einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und in Pichl, je zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente in Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift in St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetzung der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlauf des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der – entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes – die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt – neben den Wappen der übrigen Verordneten – die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant in Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St.-Georgs-Ordens in Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebürtiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot; erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer in Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer in Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahr 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeb lich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar gehandelt hat. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Über die Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude, deren jüngster Teil heute „Schloss&amp;quot; genannt wird, fehlen eingehende Untersuchungen, was mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Auch Kendlmayrs Chronik bietet zur baulichen Entwicklung des Stiftes nur wenige Andeutungen, außerdem schließt sie mit 1592. Historisch gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten drei Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anläßlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der &amp;quot;Topographia Ducatus Stiriae&amp;quot; des G. M. Vischer von 1681. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche (Kern 15. Jahrhundert), jetzt als Pfarrhof genützt. Er wird auf einem Stich von Vischer mit z. T. zweigeschossigen Arkaden abgebildet, was nicht der Wirklichkeit entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) baute 1520 den Kornspeicher neben der Propstei, dann ein Haus daran. Im übernächsten Jahr folgte ein &amp;quot;Neubau&amp;quot; im Garten gegen das Bad zugekehrt, dann errichtete er eine (neue) Küche und Claffter. Sein Nachfolger Georg Ritzinger (1539–1545) baute einen Weinkeller, verschiedene Gewölbebogen für den Getreidekasten, eine Krankenstube, die Gartenmauer, ein Bad mit Brunnen und sanierte noch die Dächer des ganzen Klosters, alles mit ungeheuren Kosten. Von Propst David Panichner (1558–1573) schließlich heißt es nur lapidar, er habe das Kloster in Ruinen vorgefunden, aber wohnhaft hergerichtet hinterlassen, wobei für Bauten 1.500 Gulden aufgegangen seien. Aus dieser Zeit muss das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. Dann scheint am Stift für viele Jahre nichts mehr gebaut worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst in der Barockzeit wurde die Bautätigkeit am Stift wieder aufgenommen. Besonders Propst Mourat (1672–1683) huldigte einer kostspieligen Bau- und Repräsentationslust, denn es wurde ihm vom Konvent u. a. vorgeworfen, sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; neu gebaut, im nächsten Jahr aber wieder umgeändert, die Stube des Stiftsschaffers überbaut, den Getreidekasten baulich verändert und überhaupt manches &amp;quot;unnotwendige Gebey&amp;quot; aufgeführt zu haben. Der Propst bestritt die überstürzten Bauänderungen nicht, sondern meinte nur, der Konvent habe ihn selbst dazu &amp;quot;angeraizt&amp;quot;, da sonst kein Novize mehr &amp;quot;in dieses zerissene Closter&amp;quot; käme. Ob Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes, wurde &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; genannt und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem &amp;quot;supra portatili&amp;quot; Messen gelesen werden durften. Zwecks Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711. Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der i. ö. Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner (verstorben nach 1708) tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und angeblich 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei Wichner wohl eher Recht hat, wenn er schreibt, dass 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgesch lossen dargestellten Stift übereinstimmen bzw . zu ergänzen sind, muss der kunstgeschichtlichen Lokalforschung vorbehalten bleiben. Heute sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Zuge der Errichtung der Kanonie hat diese vom Mutterkloster eine gewisse Anzahl von Büchern mitbekommen, um die kanonischen Zeiten ebenso wie die Seelsorge halten zu können. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament um 9 Pfund Pfennige angekauft, was das &amp;quot;Chronicon&amp;quot; mit &amp;quot;damals ein sehr hoher Preis&amp;quot; kommentierte. Propst Ulrich von Konstanz (1463–1475) kaufte ebenfalls um viel Geld mehrere Bücher. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten,  schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Kanonie ein &amp;quot;scriptorium&amp;quot; einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Vom Rottenmanner Chorherren [[Bernhard Faber]] wird ebenso wie von [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr zu St. Dorothea, berichtet, sie seien fleißige und tüchtige Schreiber gewesen. Sie hätten verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern, das mehrere Jahre in Anspruch genommen habe und 1499 unter Propst Johann Kuglperger, wohl einem Bruder des Sigmund, fertiggestellt worden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger (verstorben 1512) war ein ausgesprochener Bücherfreund. Er hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher - worunter wohl Wiegendrucke zu verstehen sein werden - im Wert von 350 Pfund Pfennigen und zwei Lektionarien in Pergament von der Zeit und den Heiligen im Wert von 70 Pfund. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau (1545) war in Rottenmann bereits ein &amp;quot;schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern&amp;quot; und in einem Gewölbe das Archiv mit den in &amp;quot;Ladlen&amp;quot; aufbewahrten Urkunden vorhanden. Fünf besonders kostbare, silberne Bücher ruhten in einer eigenen Truhe. In den nächsten Jahrzehnten wurde für die Bibliothek nicht mehr viel getan, denn das Inventar der Propstei 1578 hält nur mehr lapidar fest: &amp;quot;In der Liberay allerley allte Büecher&amp;quot;, ohne ein einziges namentlich anzuführen. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. Immerhin wird von einer Bibliothek gesprochen. Dementsprechend gab es 1663 einen Chorherren als &amp;quot;bibliothecarius&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift damals bereits tief verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein, was sich auf das geistige Niveau des Konventes ausgewirkt haben muss. Mit diesem war es bezüglich wissenschaftlicher Interessen lange Zeit hindurch nicht gut bestellt, sieht man vom historiographisch tätigen Propst Kendlmayr als Verfasser des &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; ab. An der geistigen Stagnation konnten auch die aus Vorau gekommenen und alle später noch in Rottenmann eintretenden Chorherren nicht allzuviel ändern. Denn diese Kanoniker konzentrierten sich in erster Linie auf die Aufrechterhaltung der Seelsorge in den Stiftspfarren. Dass wissenschaftliches Arbeiten im damaligen Konvent aber nicht gänzlich erloschen war, beweist der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]], der seinem berühmten Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] um 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot; gab und durch einen anderen Mitbruder die vorhandenen Rottenmanner Klosterurkunden zusammenstellen ließ. Ob die 1785 vorhandenen Bücherbestände zum größeren Teil noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen sind, ist schwer zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich der Aufhebung des Stiftes ist auch vom Archiv und der Bibliothek die Rede, während J. Wichner über die Bibliothek nur zu sagen wusste, dass darüber nichts bekannt geworden sei. Lediglich einen Nürnberger Frühdruck (1494, Anton Koberger) aus ehemals Rottenmanner Bestand, betitelt &amp;quot;Fortalic ium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos&amp;quot;, konnte er in der Admonter Stiftsbibliothek nachweisen. Dagegen stellte die Aufhebungskommission fest, dass es sehr wohl eine Menge Bücher in der Bibliothek gab, auch wenn dazu kein Katalog vorhanden war. Allein mehrere hundert Werke in 764 Bänden wurden mit Verfasser und Titel aufgenommen, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat und 800 schlechte nichts bedeidende Bücher aller Formate, einiges auch noch ungebunden. Die Bücher waren auf Holzstellagen, aber nach Wissensgebieten völlig vermischt aufgestellt. Es handelte sich vor allem um Werke der Theologie und ihrer verschiedenen Disziplinen, aber auch Publikationen zur Historiographie, darunter die &amp;quot;Scriptores Rerum Germanicarum&amp;quot;, die &amp;quot;Historia Friderici III. &amp;quot; von Eneas Silvius Piccolomini, die &amp;quot;Japonische Geschichte&amp;quot; von Joannes Crasset oder die &amp;quot;Japonische Kirchengeschichte&amp;quot; von Arsad, weiters waren Druckwerke aus den Gebieten der Philosophie, der antiken Schriftsteller, der Geographie usw. einschließlich der Erbauungsliteratur vorhanden. Der Wert der Bibliothek wurde auf 400 Gulden geschätzt. Das Inventar gibt keine Auskunft darüber, was mit dem Bücherschatz geschah. Kendlmayrs &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; befindet sich heute in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Dorthin kam auch eine nicht allzugroße Zahl von Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Archiv des Stiftes lagen 1785 fast ausschließlich Urkunden, die die Stiftung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftszeit bis um 1500 betrafen. Allein diese Urkunden wurd en von der Aufhebungskommission der Inventarisierung für wert befunden, während alle zeitlich späteren Urkunden im Verzeichnis fehlen. Sie lagen möglicherweise nicht im Archiv, sondern in der Stiftskanzlei oder anderswo. Im Steiermärkischen Landesarchiv ist einiges aus dem Rottenmanner Urkundenbestand in die Allgemeine Urkundenreihe eingeflossen, und es existiert in diesem Archiv Aktenmaterial zu Rottenmann, Stift und Herrschaft, in 33 Kartons, darunter auch das Kopialbuch mit über 300 Urkunden, die bis etwas über das Jahr 1500 reichen, sowie Akten über das Stift im Archivkörper Altes Landrecht. Diese Archivalien werden ergänzt durch fünf Kartons Akten, die das Grazer Diözesanarchiv unter der Bezeichnung &amp;quot;Stift Rottenmann&amp;quot; besitzt. Das &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Akten über die Aufhebung bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das &amp;quot;Fundationsurbarium &amp;quot; ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da immer wieder die Äbte von Admont in Rottenmann intervenieren mussten, befindet sich im Stiftsarchiv Admont eine größere Anzahl von Archivalien des 16. bis 18. Jahrhunderts bezüglich Rottenmann, die J. Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält u. a. Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn. Auch der letzte Rottenmanner Dechant Franz Xaver Ortner ist mit zwei Eigenkompositionen vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* AMON, Karl, Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (=In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* AMON, Karl / LIEBMANN, Maximilian (Hrsg.), Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* LANC, Elga, Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Rottenmann</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Rechtliche Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tod, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr in [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden hatte, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und erwarb für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;aufs glänzendste zurückgelegt&amp;lt;/span&amp;gt; und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollen 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St.-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten. Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, wahrscheinlich weil man keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Lauf der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedhof bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr in Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr im Namen des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administrator, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis – er war bereits der dritte Administrator – folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern in Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain bei Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauerngütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgischen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk in Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger von Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz samt einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und in Pichl, je zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente in Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift in St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetzung der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlauf des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der – entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes – die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt – neben den Wappen der übrigen Verordneten – die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant zu Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St-Georgs-Ordens zu Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebür tiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot;, erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer zu Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer zu Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahre 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeb lich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar gehandelt hat. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Über die Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude, deren jüngster Teil heute „Schloss&amp;quot; genannt wird, fehlen eingehende Untersuchungen, was mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Auch Kendlmayrs Chronik bietet zur baulichen Entwicklung des Stiftes nur wenige Andeutungen, außerdem schließt sie mit 1592. Historisch gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten drei Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anläßlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der &amp;quot;Topographia Ducatus Stiriae&amp;quot; des G. M. Vischer von 1681. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche (Kern 15. Jahrhundert), jetzt als Pfarrhof genützt. Er wird auf einem Stich von Vischer mit z. T. zweigeschossigen Arkaden abgebildet, was nicht der Wirklichkeit entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) baute 1520 den Kornspeicher neben der Propstei, dann ein Haus daran. Im übernächsten Jahr folgte ein &amp;quot;Neubau&amp;quot; im Garten gegen das Bad zugekehrt, dann errichtete er eine (neue) Küche und Claffter. Sein Nachfolger Georg Ritzinger (1539–1545) baute einen Weinkeller, verschiedene Gewölbebogen für den Getreidekasten, eine Krankenstube, die Gartenmauer, ein Bad mit Brunnen und sanierte noch die Dächer des ganzen Klosters, alles mit ungeheuren Kosten. Von Propst David Panichner (1558–1573) schließlich heißt es nur lapidar, er habe das Kloster in Ruinen vorgefunden, aber wohnhaft hergerichtet hinterlassen, wobei für Bauten 1.500 Gulden aufgegangen seien. Aus dieser Zeit muss das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. Dann scheint am Stift für viele Jahre nichts mehr gebaut worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst in der Barockzeit wurde die Bautätigkeit am Stift wieder aufgenommen. Besonders Propst Mourat (1672–1683) huldigte einer kostspieligen Bau- und Repräsentationslust, denn es wurde ihm vom Konvent u. a. vorgeworfen, sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; neu gebaut, im nächsten Jahr aber wieder umgeändert, die Stube des Stiftsschaffers überbaut, den Getreidekasten baulich verändert und überhaupt manches &amp;quot;unnotwendige Gebey&amp;quot; aufgeführt zu haben. Der Propst bestritt die überstürzten Bauänderungen nicht, sondern meinte nur, der Konvent habe ihn selbst dazu &amp;quot;angeraizt&amp;quot;, da sonst kein Novize mehr &amp;quot;in dieses zerissene Closter&amp;quot; käme. Ob Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes, wurde &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; genannt und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem &amp;quot;supra portatili&amp;quot; Messen gelesen werden durften. Zwecks Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711. Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der i. ö. Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner (verstorben nach 1708) tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und angeblich 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei Wichner wohl eher Recht hat, wenn er schreibt, dass 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgesch lossen dargestellten Stift übereinstimmen bzw . zu ergänzen sind, muss der kunstgeschichtlichen Lokalforschung vorbehalten bleiben. Heute sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Zuge der Errichtung der Kanonie hat diese vom Mutterkloster eine gewisse Anzahl von Büchern mitbekommen, um die kanonischen Zeiten ebenso wie die Seelsorge halten zu können. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament um 9 Pfund Pfennige angekauft, was das &amp;quot;Chronicon&amp;quot; mit &amp;quot;damals ein sehr hoher Preis&amp;quot; kommentierte. Propst Ulrich von Konstanz (1463–1475) kaufte ebenfalls um viel Geld mehrere Bücher. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten,  schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Kanonie ein &amp;quot;scriptorium&amp;quot; einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Vom Rottenmanner Chorherren [[Bernhard Faber]] wird ebenso wie von [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr zu St. Dorothea, berichtet, sie seien fleißige und tüchtige Schreiber gewesen. Sie hätten verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern, das mehrere Jahre in Anspruch genommen habe und 1499 unter Propst Johann Kuglperger, wohl einem Bruder des Sigmund, fertiggestellt worden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger (verstorben 1512) war ein ausgesprochener Bücherfreund. Er hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher - worunter wohl Wiegendrucke zu verstehen sein werden - im Wert von 350 Pfund Pfennigen und zwei Lektionarien in Pergament von der Zeit und den Heiligen im Wert von 70 Pfund. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau (1545) war in Rottenmann bereits ein &amp;quot;schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern&amp;quot; und in einem Gewölbe das Archiv mit den in &amp;quot;Ladlen&amp;quot; aufbewahrten Urkunden vorhanden. Fünf besonders kostbare, silberne Bücher ruhten in einer eigenen Truhe. In den nächsten Jahrzehnten wurde für die Bibliothek nicht mehr viel getan, denn das Inventar der Propstei 1578 hält nur mehr lapidar fest: &amp;quot;In der Liberay allerley allte Büecher&amp;quot;, ohne ein einziges namentlich anzuführen. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. Immerhin wird von einer Bibliothek gesprochen. Dementsprechend gab es 1663 einen Chorherren als &amp;quot;bibliothecarius&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift damals bereits tief verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein, was sich auf das geistige Niveau des Konventes ausgewirkt haben muss. Mit diesem war es bezüglich wissenschaftlicher Interessen lange Zeit hindurch nicht gut bestellt, sieht man vom historiographisch tätigen Propst Kendlmayr als Verfasser des &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; ab. An der geistigen Stagnation konnten auch die aus Vorau gekommenen und alle später noch in Rottenmann eintretenden Chorherren nicht allzuviel ändern. Denn diese Kanoniker konzentrierten sich in erster Linie auf die Aufrechterhaltung der Seelsorge in den Stiftspfarren. Dass wissenschaftliches Arbeiten im damaligen Konvent aber nicht gänzlich erloschen war, beweist der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]], der seinem berühmten Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] um 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot; gab und durch einen anderen Mitbruder die vorhandenen Rottenmanner Klosterurkunden zusammenstellen ließ. Ob die 1785 vorhandenen Bücherbestände zum größeren Teil noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen sind, ist schwer zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich der Aufhebung des Stiftes ist auch vom Archiv und der Bibliothek die Rede, während J. Wichner über die Bibliothek nur zu sagen wusste, dass darüber nichts bekannt geworden sei. Lediglich einen Nürnberger Frühdruck (1494, Anton Koberger) aus ehemals Rottenmanner Bestand, betitelt &amp;quot;Fortalic ium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos&amp;quot;, konnte er in der Admonter Stiftsbibliothek nachweisen. Dagegen stellte die Aufhebungskommission fest, dass es sehr wohl eine Menge Bücher in der Bibliothek gab, auch wenn dazu kein Katalog vorhanden war. Allein mehrere hundert Werke in 764 Bänden wurden mit Verfasser und Titel aufgenommen, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat und 800 schlechte nichts bedeidende Bücher aller Formate, einiges auch noch ungebunden. Die Bücher waren auf Holzstellagen, aber nach Wissensgebieten völlig vermischt aufgestellt. Es handelte sich vor allem um Werke der Theologie und ihrer verschiedenen Disziplinen, aber auch Publikationen zur Historiographie, darunter die &amp;quot;Scriptores Rerum Germanicarum&amp;quot;, die &amp;quot;Historia Friderici III. &amp;quot; von Eneas Silvius Piccolomini, die &amp;quot;Japonische Geschichte&amp;quot; von Joannes Crasset oder die &amp;quot;Japonische Kirchengeschichte&amp;quot; von Arsad, weiters waren Druckwerke aus den Gebieten der Philosophie, der antiken Schriftsteller, der Geographie usw. einschließlich der Erbauungsliteratur vorhanden. Der Wert der Bibliothek wurde auf 400 Gulden geschätzt. Das Inventar gibt keine Auskunft darüber, was mit dem Bücherschatz geschah. Kendlmayrs &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; befindet sich heute in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Dorthin kam auch eine nicht allzugroße Zahl von Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Archiv des Stiftes lagen 1785 fast ausschließlich Urkunden, die die Stiftung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftszeit bis um 1500 betrafen. Allein diese Urkunden wurd en von der Aufhebungskommission der Inventarisierung für wert befunden, während alle zeitlich späteren Urkunden im Verzeichnis fehlen. Sie lagen möglicherweise nicht im Archiv, sondern in der Stiftskanzlei oder anderswo. Im Steiermärkischen Landesarchiv ist einiges aus dem Rottenmanner Urkundenbestand in die Allgemeine Urkundenreihe eingeflossen, und es existiert in diesem Archiv Aktenmaterial zu Rottenmann, Stift und Herrschaft, in 33 Kartons, darunter auch das Kopialbuch mit über 300 Urkunden, die bis etwas über das Jahr 1500 reichen, sowie Akten über das Stift im Archivkörper Altes Landrecht. Diese Archivalien werden ergänzt durch fünf Kartons Akten, die das Grazer Diözesanarchiv unter der Bezeichnung &amp;quot;Stift Rottenmann&amp;quot; besitzt. Das &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Akten über die Aufhebung bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das &amp;quot;Fundationsurbarium &amp;quot; ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da immer wieder die Äbte von Admont in Rottenmann intervenieren mussten, befindet sich im Stiftsarchiv Admont eine größere Anzahl von Archivalien des 16. bis 18. Jahrhunderts bezüglich Rottenmann, die J. Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält u. a. Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn. Auch der letzte Rottenmanner Dechant Franz Xaver Ortner ist mit zwei Eigenkompositionen vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* AMON, Karl, Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (=In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* AMON, Karl / LIEBMANN, Maximilian (Hrsg.), Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* LANC, Elga, Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Rottenmann</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Wirtschaftliche Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tod, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr in [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden hatte, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und erwarb für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;aufs glänzendste zurückgelegt&amp;lt;/span&amp;gt; und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollen 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St.-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten. Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, wahrscheinlich weil man keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Lauf der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedhof bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr in Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr im Namen des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administrator, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis – er war bereits der dritte Administrator – folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern in Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain bei Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauerngütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgischen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk in Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger von Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz samt einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und in Pichl, je zwei Weingärten in Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente in Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift zu St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetztmg der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlaufe des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der - entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes - die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt - neben den Wappen der übrigen Verordneten - die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant zu Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St-Georgs-Ordens zu Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebür tiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot;, erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer zu Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer zu Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahre 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeb lich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar gehandelt hat. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Über die Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude, deren jüngster Teil heute „Schloss&amp;quot; genannt wird, fehlen eingehende Untersuchungen, was mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Auch Kendlmayrs Chronik bietet zur baulichen Entwicklung des Stiftes nur wenige Andeutungen, außerdem schließt sie mit 1592. Historisch gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten drei Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anläßlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der &amp;quot;Topographia Ducatus Stiriae&amp;quot; des G. M. Vischer von 1681. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche (Kern 15. Jahrhundert), jetzt als Pfarrhof genützt. Er wird auf einem Stich von Vischer mit z. T. zweigeschossigen Arkaden abgebildet, was nicht der Wirklichkeit entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) baute 1520 den Kornspeicher neben der Propstei, dann ein Haus daran. Im übernächsten Jahr folgte ein &amp;quot;Neubau&amp;quot; im Garten gegen das Bad zugekehrt, dann errichtete er eine (neue) Küche und Claffter. Sein Nachfolger Georg Ritzinger (1539–1545) baute einen Weinkeller, verschiedene Gewölbebogen für den Getreidekasten, eine Krankenstube, die Gartenmauer, ein Bad mit Brunnen und sanierte noch die Dächer des ganzen Klosters, alles mit ungeheuren Kosten. Von Propst David Panichner (1558–1573) schließlich heißt es nur lapidar, er habe das Kloster in Ruinen vorgefunden, aber wohnhaft hergerichtet hinterlassen, wobei für Bauten 1.500 Gulden aufgegangen seien. Aus dieser Zeit muss das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. Dann scheint am Stift für viele Jahre nichts mehr gebaut worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst in der Barockzeit wurde die Bautätigkeit am Stift wieder aufgenommen. Besonders Propst Mourat (1672–1683) huldigte einer kostspieligen Bau- und Repräsentationslust, denn es wurde ihm vom Konvent u. a. vorgeworfen, sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; neu gebaut, im nächsten Jahr aber wieder umgeändert, die Stube des Stiftsschaffers überbaut, den Getreidekasten baulich verändert und überhaupt manches &amp;quot;unnotwendige Gebey&amp;quot; aufgeführt zu haben. Der Propst bestritt die überstürzten Bauänderungen nicht, sondern meinte nur, der Konvent habe ihn selbst dazu &amp;quot;angeraizt&amp;quot;, da sonst kein Novize mehr &amp;quot;in dieses zerissene Closter&amp;quot; käme. Ob Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes, wurde &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; genannt und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem &amp;quot;supra portatili&amp;quot; Messen gelesen werden durften. Zwecks Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711. Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der i. ö. Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner (verstorben nach 1708) tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und angeblich 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei Wichner wohl eher Recht hat, wenn er schreibt, dass 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgesch lossen dargestellten Stift übereinstimmen bzw . zu ergänzen sind, muss der kunstgeschichtlichen Lokalforschung vorbehalten bleiben. Heute sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Zuge der Errichtung der Kanonie hat diese vom Mutterkloster eine gewisse Anzahl von Büchern mitbekommen, um die kanonischen Zeiten ebenso wie die Seelsorge halten zu können. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament um 9 Pfund Pfennige angekauft, was das &amp;quot;Chronicon&amp;quot; mit &amp;quot;damals ein sehr hoher Preis&amp;quot; kommentierte. Propst Ulrich von Konstanz (1463–1475) kaufte ebenfalls um viel Geld mehrere Bücher. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten,  schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Kanonie ein &amp;quot;scriptorium&amp;quot; einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Vom Rottenmanner Chorherren [[Bernhard Faber]] wird ebenso wie von [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr zu St. Dorothea, berichtet, sie seien fleißige und tüchtige Schreiber gewesen. Sie hätten verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern, das mehrere Jahre in Anspruch genommen habe und 1499 unter Propst Johann Kuglperger, wohl einem Bruder des Sigmund, fertiggestellt worden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger (verstorben 1512) war ein ausgesprochener Bücherfreund. Er hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher - worunter wohl Wiegendrucke zu verstehen sein werden - im Wert von 350 Pfund Pfennigen und zwei Lektionarien in Pergament von der Zeit und den Heiligen im Wert von 70 Pfund. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau (1545) war in Rottenmann bereits ein &amp;quot;schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern&amp;quot; und in einem Gewölbe das Archiv mit den in &amp;quot;Ladlen&amp;quot; aufbewahrten Urkunden vorhanden. Fünf besonders kostbare, silberne Bücher ruhten in einer eigenen Truhe. In den nächsten Jahrzehnten wurde für die Bibliothek nicht mehr viel getan, denn das Inventar der Propstei 1578 hält nur mehr lapidar fest: &amp;quot;In der Liberay allerley allte Büecher&amp;quot;, ohne ein einziges namentlich anzuführen. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. Immerhin wird von einer Bibliothek gesprochen. Dementsprechend gab es 1663 einen Chorherren als &amp;quot;bibliothecarius&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift damals bereits tief verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein, was sich auf das geistige Niveau des Konventes ausgewirkt haben muss. Mit diesem war es bezüglich wissenschaftlicher Interessen lange Zeit hindurch nicht gut bestellt, sieht man vom historiographisch tätigen Propst Kendlmayr als Verfasser des &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; ab. An der geistigen Stagnation konnten auch die aus Vorau gekommenen und alle später noch in Rottenmann eintretenden Chorherren nicht allzuviel ändern. Denn diese Kanoniker konzentrierten sich in erster Linie auf die Aufrechterhaltung der Seelsorge in den Stiftspfarren. Dass wissenschaftliches Arbeiten im damaligen Konvent aber nicht gänzlich erloschen war, beweist der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]], der seinem berühmten Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] um 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot; gab und durch einen anderen Mitbruder die vorhandenen Rottenmanner Klosterurkunden zusammenstellen ließ. Ob die 1785 vorhandenen Bücherbestände zum größeren Teil noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen sind, ist schwer zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich der Aufhebung des Stiftes ist auch vom Archiv und der Bibliothek die Rede, während J. Wichner über die Bibliothek nur zu sagen wusste, dass darüber nichts bekannt geworden sei. Lediglich einen Nürnberger Frühdruck (1494, Anton Koberger) aus ehemals Rottenmanner Bestand, betitelt &amp;quot;Fortalic ium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos&amp;quot;, konnte er in der Admonter Stiftsbibliothek nachweisen. Dagegen stellte die Aufhebungskommission fest, dass es sehr wohl eine Menge Bücher in der Bibliothek gab, auch wenn dazu kein Katalog vorhanden war. Allein mehrere hundert Werke in 764 Bänden wurden mit Verfasser und Titel aufgenommen, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat und 800 schlechte nichts bedeidende Bücher aller Formate, einiges auch noch ungebunden. Die Bücher waren auf Holzstellagen, aber nach Wissensgebieten völlig vermischt aufgestellt. Es handelte sich vor allem um Werke der Theologie und ihrer verschiedenen Disziplinen, aber auch Publikationen zur Historiographie, darunter die &amp;quot;Scriptores Rerum Germanicarum&amp;quot;, die &amp;quot;Historia Friderici III. &amp;quot; von Eneas Silvius Piccolomini, die &amp;quot;Japonische Geschichte&amp;quot; von Joannes Crasset oder die &amp;quot;Japonische Kirchengeschichte&amp;quot; von Arsad, weiters waren Druckwerke aus den Gebieten der Philosophie, der antiken Schriftsteller, der Geographie usw. einschließlich der Erbauungsliteratur vorhanden. Der Wert der Bibliothek wurde auf 400 Gulden geschätzt. Das Inventar gibt keine Auskunft darüber, was mit dem Bücherschatz geschah. Kendlmayrs &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; befindet sich heute in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Dorthin kam auch eine nicht allzugroße Zahl von Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Archiv des Stiftes lagen 1785 fast ausschließlich Urkunden, die die Stiftung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftszeit bis um 1500 betrafen. Allein diese Urkunden wurd en von der Aufhebungskommission der Inventarisierung für wert befunden, während alle zeitlich späteren Urkunden im Verzeichnis fehlen. Sie lagen möglicherweise nicht im Archiv, sondern in der Stiftskanzlei oder anderswo. Im Steiermärkischen Landesarchiv ist einiges aus dem Rottenmanner Urkundenbestand in die Allgemeine Urkundenreihe eingeflossen, und es existiert in diesem Archiv Aktenmaterial zu Rottenmann, Stift und Herrschaft, in 33 Kartons, darunter auch das Kopialbuch mit über 300 Urkunden, die bis etwas über das Jahr 1500 reichen, sowie Akten über das Stift im Archivkörper Altes Landrecht. Diese Archivalien werden ergänzt durch fünf Kartons Akten, die das Grazer Diözesanarchiv unter der Bezeichnung &amp;quot;Stift Rottenmann&amp;quot; besitzt. Das &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Akten über die Aufhebung bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das &amp;quot;Fundationsurbarium &amp;quot; ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da immer wieder die Äbte von Admont in Rottenmann intervenieren mussten, befindet sich im Stiftsarchiv Admont eine größere Anzahl von Archivalien des 16. bis 18. Jahrhunderts bezüglich Rottenmann, die J. Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält u. a. Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn. Auch der letzte Rottenmanner Dechant Franz Xaver Ortner ist mit zwei Eigenkompositionen vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* AMON, Karl, Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (=In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* AMON, Karl / LIEBMANN, Maximilian (Hrsg.), Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* LANC, Elga, Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Rottenmann</title>
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		<updated>2022-07-14T12:03:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Stiftsaufhebung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tod, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr in [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden hatte, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und erwarb für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;aufs glänzendste zurückgelegt&amp;lt;/span&amp;gt; und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollen 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St.-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten. Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, wahrscheinlich weil man keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Lauf der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedhof bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr in Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr im Namen des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administrator, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis – er war bereits der dritte Administrator – folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern zu Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain zu Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauern gütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgi schen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk zu Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger zu Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz sam t einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und zu Pichl, je zwei Weingärten zu Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente zu Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift zu St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetztmg der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlaufe des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der - entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes - die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt - neben den Wappen der übrigen Verordneten - die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant zu Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St-Georgs-Ordens zu Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebür tiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot;, erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer zu Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer zu Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahre 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeb lich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar gehandelt hat. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Über die Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude, deren jüngster Teil heute „Schloss&amp;quot; genannt wird, fehlen eingehende Untersuchungen, was mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Auch Kendlmayrs Chronik bietet zur baulichen Entwicklung des Stiftes nur wenige Andeutungen, außerdem schließt sie mit 1592. Historisch gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten drei Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anläßlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der &amp;quot;Topographia Ducatus Stiriae&amp;quot; des G. M. Vischer von 1681. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche (Kern 15. Jahrhundert), jetzt als Pfarrhof genützt. Er wird auf einem Stich von Vischer mit z. T. zweigeschossigen Arkaden abgebildet, was nicht der Wirklichkeit entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) baute 1520 den Kornspeicher neben der Propstei, dann ein Haus daran. Im übernächsten Jahr folgte ein &amp;quot;Neubau&amp;quot; im Garten gegen das Bad zugekehrt, dann errichtete er eine (neue) Küche und Claffter. Sein Nachfolger Georg Ritzinger (1539–1545) baute einen Weinkeller, verschiedene Gewölbebogen für den Getreidekasten, eine Krankenstube, die Gartenmauer, ein Bad mit Brunnen und sanierte noch die Dächer des ganzen Klosters, alles mit ungeheuren Kosten. Von Propst David Panichner (1558–1573) schließlich heißt es nur lapidar, er habe das Kloster in Ruinen vorgefunden, aber wohnhaft hergerichtet hinterlassen, wobei für Bauten 1.500 Gulden aufgegangen seien. Aus dieser Zeit muss das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. Dann scheint am Stift für viele Jahre nichts mehr gebaut worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst in der Barockzeit wurde die Bautätigkeit am Stift wieder aufgenommen. Besonders Propst Mourat (1672–1683) huldigte einer kostspieligen Bau- und Repräsentationslust, denn es wurde ihm vom Konvent u. a. vorgeworfen, sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; neu gebaut, im nächsten Jahr aber wieder umgeändert, die Stube des Stiftsschaffers überbaut, den Getreidekasten baulich verändert und überhaupt manches &amp;quot;unnotwendige Gebey&amp;quot; aufgeführt zu haben. Der Propst bestritt die überstürzten Bauänderungen nicht, sondern meinte nur, der Konvent habe ihn selbst dazu &amp;quot;angeraizt&amp;quot;, da sonst kein Novize mehr &amp;quot;in dieses zerissene Closter&amp;quot; käme. Ob Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes, wurde &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; genannt und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem &amp;quot;supra portatili&amp;quot; Messen gelesen werden durften. Zwecks Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711. Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der i. ö. Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner (verstorben nach 1708) tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und angeblich 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei Wichner wohl eher Recht hat, wenn er schreibt, dass 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgesch lossen dargestellten Stift übereinstimmen bzw . zu ergänzen sind, muss der kunstgeschichtlichen Lokalforschung vorbehalten bleiben. Heute sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Zuge der Errichtung der Kanonie hat diese vom Mutterkloster eine gewisse Anzahl von Büchern mitbekommen, um die kanonischen Zeiten ebenso wie die Seelsorge halten zu können. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament um 9 Pfund Pfennige angekauft, was das &amp;quot;Chronicon&amp;quot; mit &amp;quot;damals ein sehr hoher Preis&amp;quot; kommentierte. Propst Ulrich von Konstanz (1463–1475) kaufte ebenfalls um viel Geld mehrere Bücher. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten,  schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Kanonie ein &amp;quot;scriptorium&amp;quot; einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Vom Rottenmanner Chorherren [[Bernhard Faber]] wird ebenso wie von [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr zu St. Dorothea, berichtet, sie seien fleißige und tüchtige Schreiber gewesen. Sie hätten verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern, das mehrere Jahre in Anspruch genommen habe und 1499 unter Propst Johann Kuglperger, wohl einem Bruder des Sigmund, fertiggestellt worden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger (verstorben 1512) war ein ausgesprochener Bücherfreund. Er hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher - worunter wohl Wiegendrucke zu verstehen sein werden - im Wert von 350 Pfund Pfennigen und zwei Lektionarien in Pergament von der Zeit und den Heiligen im Wert von 70 Pfund. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau (1545) war in Rottenmann bereits ein &amp;quot;schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern&amp;quot; und in einem Gewölbe das Archiv mit den in &amp;quot;Ladlen&amp;quot; aufbewahrten Urkunden vorhanden. Fünf besonders kostbare, silberne Bücher ruhten in einer eigenen Truhe. In den nächsten Jahrzehnten wurde für die Bibliothek nicht mehr viel getan, denn das Inventar der Propstei 1578 hält nur mehr lapidar fest: &amp;quot;In der Liberay allerley allte Büecher&amp;quot;, ohne ein einziges namentlich anzuführen. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. Immerhin wird von einer Bibliothek gesprochen. Dementsprechend gab es 1663 einen Chorherren als &amp;quot;bibliothecarius&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift damals bereits tief verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein, was sich auf das geistige Niveau des Konventes ausgewirkt haben muss. Mit diesem war es bezüglich wissenschaftlicher Interessen lange Zeit hindurch nicht gut bestellt, sieht man vom historiographisch tätigen Propst Kendlmayr als Verfasser des &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; ab. An der geistigen Stagnation konnten auch die aus Vorau gekommenen und alle später noch in Rottenmann eintretenden Chorherren nicht allzuviel ändern. Denn diese Kanoniker konzentrierten sich in erster Linie auf die Aufrechterhaltung der Seelsorge in den Stiftspfarren. Dass wissenschaftliches Arbeiten im damaligen Konvent aber nicht gänzlich erloschen war, beweist der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]], der seinem berühmten Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] um 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot; gab und durch einen anderen Mitbruder die vorhandenen Rottenmanner Klosterurkunden zusammenstellen ließ. Ob die 1785 vorhandenen Bücherbestände zum größeren Teil noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen sind, ist schwer zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich der Aufhebung des Stiftes ist auch vom Archiv und der Bibliothek die Rede, während J. Wichner über die Bibliothek nur zu sagen wusste, dass darüber nichts bekannt geworden sei. Lediglich einen Nürnberger Frühdruck (1494, Anton Koberger) aus ehemals Rottenmanner Bestand, betitelt &amp;quot;Fortalic ium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos&amp;quot;, konnte er in der Admonter Stiftsbibliothek nachweisen. Dagegen stellte die Aufhebungskommission fest, dass es sehr wohl eine Menge Bücher in der Bibliothek gab, auch wenn dazu kein Katalog vorhanden war. Allein mehrere hundert Werke in 764 Bänden wurden mit Verfasser und Titel aufgenommen, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat und 800 schlechte nichts bedeidende Bücher aller Formate, einiges auch noch ungebunden. Die Bücher waren auf Holzstellagen, aber nach Wissensgebieten völlig vermischt aufgestellt. Es handelte sich vor allem um Werke der Theologie und ihrer verschiedenen Disziplinen, aber auch Publikationen zur Historiographie, darunter die &amp;quot;Scriptores Rerum Germanicarum&amp;quot;, die &amp;quot;Historia Friderici III. &amp;quot; von Eneas Silvius Piccolomini, die &amp;quot;Japonische Geschichte&amp;quot; von Joannes Crasset oder die &amp;quot;Japonische Kirchengeschichte&amp;quot; von Arsad, weiters waren Druckwerke aus den Gebieten der Philosophie, der antiken Schriftsteller, der Geographie usw. einschließlich der Erbauungsliteratur vorhanden. Der Wert der Bibliothek wurde auf 400 Gulden geschätzt. Das Inventar gibt keine Auskunft darüber, was mit dem Bücherschatz geschah. Kendlmayrs &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; befindet sich heute in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Dorthin kam auch eine nicht allzugroße Zahl von Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Archiv des Stiftes lagen 1785 fast ausschließlich Urkunden, die die Stiftung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftszeit bis um 1500 betrafen. Allein diese Urkunden wurd en von der Aufhebungskommission der Inventarisierung für wert befunden, während alle zeitlich späteren Urkunden im Verzeichnis fehlen. Sie lagen möglicherweise nicht im Archiv, sondern in der Stiftskanzlei oder anderswo. Im Steiermärkischen Landesarchiv ist einiges aus dem Rottenmanner Urkundenbestand in die Allgemeine Urkundenreihe eingeflossen, und es existiert in diesem Archiv Aktenmaterial zu Rottenmann, Stift und Herrschaft, in 33 Kartons, darunter auch das Kopialbuch mit über 300 Urkunden, die bis etwas über das Jahr 1500 reichen, sowie Akten über das Stift im Archivkörper Altes Landrecht. Diese Archivalien werden ergänzt durch fünf Kartons Akten, die das Grazer Diözesanarchiv unter der Bezeichnung &amp;quot;Stift Rottenmann&amp;quot; besitzt. Das &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Akten über die Aufhebung bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das &amp;quot;Fundationsurbarium &amp;quot; ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da immer wieder die Äbte von Admont in Rottenmann intervenieren mussten, befindet sich im Stiftsarchiv Admont eine größere Anzahl von Archivalien des 16. bis 18. Jahrhunderts bezüglich Rottenmann, die J. Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält u. a. Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn. Auch der letzte Rottenmanner Dechant Franz Xaver Ortner ist mit zwei Eigenkompositionen vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* AMON, Karl, Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (=In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* AMON, Karl / LIEBMANN, Maximilian (Hrsg.), Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* LANC, Elga, Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Rottenmann</title>
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		<updated>2022-07-14T12:02:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Administration durch das Stift Vorau */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tod, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr in [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden hatte, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und erwarb für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;aufs glänzendste zurückgelegt&amp;lt;/span&amp;gt; und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollen 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St.-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten. Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, wahrscheinlich weil man keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Lauf der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedhof bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr in Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr im Namen des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administrator, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis – er war bereits der dritte Administrator – folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes vor. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern zu Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain zu Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauern gütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgi schen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk zu Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger zu Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz sam t einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und zu Pichl, je zwei Weingärten zu Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente zu Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift zu St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetztmg der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlaufe des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der - entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes - die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt - neben den Wappen der übrigen Verordneten - die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant zu Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St-Georgs-Ordens zu Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebür tiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot;, erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer zu Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer zu Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahre 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeb lich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar gehandelt hat. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Über die Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude, deren jüngster Teil heute „Schloss&amp;quot; genannt wird, fehlen eingehende Untersuchungen, was mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Auch Kendlmayrs Chronik bietet zur baulichen Entwicklung des Stiftes nur wenige Andeutungen, außerdem schließt sie mit 1592. Historisch gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten drei Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anläßlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der &amp;quot;Topographia Ducatus Stiriae&amp;quot; des G. M. Vischer von 1681. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche (Kern 15. Jahrhundert), jetzt als Pfarrhof genützt. Er wird auf einem Stich von Vischer mit z. T. zweigeschossigen Arkaden abgebildet, was nicht der Wirklichkeit entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) baute 1520 den Kornspeicher neben der Propstei, dann ein Haus daran. Im übernächsten Jahr folgte ein &amp;quot;Neubau&amp;quot; im Garten gegen das Bad zugekehrt, dann errichtete er eine (neue) Küche und Claffter. Sein Nachfolger Georg Ritzinger (1539–1545) baute einen Weinkeller, verschiedene Gewölbebogen für den Getreidekasten, eine Krankenstube, die Gartenmauer, ein Bad mit Brunnen und sanierte noch die Dächer des ganzen Klosters, alles mit ungeheuren Kosten. Von Propst David Panichner (1558–1573) schließlich heißt es nur lapidar, er habe das Kloster in Ruinen vorgefunden, aber wohnhaft hergerichtet hinterlassen, wobei für Bauten 1.500 Gulden aufgegangen seien. Aus dieser Zeit muss das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. Dann scheint am Stift für viele Jahre nichts mehr gebaut worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst in der Barockzeit wurde die Bautätigkeit am Stift wieder aufgenommen. Besonders Propst Mourat (1672–1683) huldigte einer kostspieligen Bau- und Repräsentationslust, denn es wurde ihm vom Konvent u. a. vorgeworfen, sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; neu gebaut, im nächsten Jahr aber wieder umgeändert, die Stube des Stiftsschaffers überbaut, den Getreidekasten baulich verändert und überhaupt manches &amp;quot;unnotwendige Gebey&amp;quot; aufgeführt zu haben. Der Propst bestritt die überstürzten Bauänderungen nicht, sondern meinte nur, der Konvent habe ihn selbst dazu &amp;quot;angeraizt&amp;quot;, da sonst kein Novize mehr &amp;quot;in dieses zerissene Closter&amp;quot; käme. Ob Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes, wurde &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; genannt und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem &amp;quot;supra portatili&amp;quot; Messen gelesen werden durften. Zwecks Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711. Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der i. ö. Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner (verstorben nach 1708) tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und angeblich 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei Wichner wohl eher Recht hat, wenn er schreibt, dass 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgesch lossen dargestellten Stift übereinstimmen bzw . zu ergänzen sind, muss der kunstgeschichtlichen Lokalforschung vorbehalten bleiben. Heute sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Zuge der Errichtung der Kanonie hat diese vom Mutterkloster eine gewisse Anzahl von Büchern mitbekommen, um die kanonischen Zeiten ebenso wie die Seelsorge halten zu können. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament um 9 Pfund Pfennige angekauft, was das &amp;quot;Chronicon&amp;quot; mit &amp;quot;damals ein sehr hoher Preis&amp;quot; kommentierte. Propst Ulrich von Konstanz (1463–1475) kaufte ebenfalls um viel Geld mehrere Bücher. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten,  schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Kanonie ein &amp;quot;scriptorium&amp;quot; einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Vom Rottenmanner Chorherren [[Bernhard Faber]] wird ebenso wie von [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr zu St. Dorothea, berichtet, sie seien fleißige und tüchtige Schreiber gewesen. Sie hätten verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern, das mehrere Jahre in Anspruch genommen habe und 1499 unter Propst Johann Kuglperger, wohl einem Bruder des Sigmund, fertiggestellt worden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger (verstorben 1512) war ein ausgesprochener Bücherfreund. Er hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher - worunter wohl Wiegendrucke zu verstehen sein werden - im Wert von 350 Pfund Pfennigen und zwei Lektionarien in Pergament von der Zeit und den Heiligen im Wert von 70 Pfund. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau (1545) war in Rottenmann bereits ein &amp;quot;schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern&amp;quot; und in einem Gewölbe das Archiv mit den in &amp;quot;Ladlen&amp;quot; aufbewahrten Urkunden vorhanden. Fünf besonders kostbare, silberne Bücher ruhten in einer eigenen Truhe. In den nächsten Jahrzehnten wurde für die Bibliothek nicht mehr viel getan, denn das Inventar der Propstei 1578 hält nur mehr lapidar fest: &amp;quot;In der Liberay allerley allte Büecher&amp;quot;, ohne ein einziges namentlich anzuführen. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. Immerhin wird von einer Bibliothek gesprochen. Dementsprechend gab es 1663 einen Chorherren als &amp;quot;bibliothecarius&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift damals bereits tief verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein, was sich auf das geistige Niveau des Konventes ausgewirkt haben muss. Mit diesem war es bezüglich wissenschaftlicher Interessen lange Zeit hindurch nicht gut bestellt, sieht man vom historiographisch tätigen Propst Kendlmayr als Verfasser des &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; ab. An der geistigen Stagnation konnten auch die aus Vorau gekommenen und alle später noch in Rottenmann eintretenden Chorherren nicht allzuviel ändern. Denn diese Kanoniker konzentrierten sich in erster Linie auf die Aufrechterhaltung der Seelsorge in den Stiftspfarren. Dass wissenschaftliches Arbeiten im damaligen Konvent aber nicht gänzlich erloschen war, beweist der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]], der seinem berühmten Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] um 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot; gab und durch einen anderen Mitbruder die vorhandenen Rottenmanner Klosterurkunden zusammenstellen ließ. Ob die 1785 vorhandenen Bücherbestände zum größeren Teil noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen sind, ist schwer zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich der Aufhebung des Stiftes ist auch vom Archiv und der Bibliothek die Rede, während J. Wichner über die Bibliothek nur zu sagen wusste, dass darüber nichts bekannt geworden sei. Lediglich einen Nürnberger Frühdruck (1494, Anton Koberger) aus ehemals Rottenmanner Bestand, betitelt &amp;quot;Fortalic ium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos&amp;quot;, konnte er in der Admonter Stiftsbibliothek nachweisen. Dagegen stellte die Aufhebungskommission fest, dass es sehr wohl eine Menge Bücher in der Bibliothek gab, auch wenn dazu kein Katalog vorhanden war. Allein mehrere hundert Werke in 764 Bänden wurden mit Verfasser und Titel aufgenommen, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat und 800 schlechte nichts bedeidende Bücher aller Formate, einiges auch noch ungebunden. Die Bücher waren auf Holzstellagen, aber nach Wissensgebieten völlig vermischt aufgestellt. Es handelte sich vor allem um Werke der Theologie und ihrer verschiedenen Disziplinen, aber auch Publikationen zur Historiographie, darunter die &amp;quot;Scriptores Rerum Germanicarum&amp;quot;, die &amp;quot;Historia Friderici III. &amp;quot; von Eneas Silvius Piccolomini, die &amp;quot;Japonische Geschichte&amp;quot; von Joannes Crasset oder die &amp;quot;Japonische Kirchengeschichte&amp;quot; von Arsad, weiters waren Druckwerke aus den Gebieten der Philosophie, der antiken Schriftsteller, der Geographie usw. einschließlich der Erbauungsliteratur vorhanden. Der Wert der Bibliothek wurde auf 400 Gulden geschätzt. Das Inventar gibt keine Auskunft darüber, was mit dem Bücherschatz geschah. Kendlmayrs &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; befindet sich heute in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Dorthin kam auch eine nicht allzugroße Zahl von Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Archiv des Stiftes lagen 1785 fast ausschließlich Urkunden, die die Stiftung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftszeit bis um 1500 betrafen. Allein diese Urkunden wurd en von der Aufhebungskommission der Inventarisierung für wert befunden, während alle zeitlich späteren Urkunden im Verzeichnis fehlen. Sie lagen möglicherweise nicht im Archiv, sondern in der Stiftskanzlei oder anderswo. Im Steiermärkischen Landesarchiv ist einiges aus dem Rottenmanner Urkundenbestand in die Allgemeine Urkundenreihe eingeflossen, und es existiert in diesem Archiv Aktenmaterial zu Rottenmann, Stift und Herrschaft, in 33 Kartons, darunter auch das Kopialbuch mit über 300 Urkunden, die bis etwas über das Jahr 1500 reichen, sowie Akten über das Stift im Archivkörper Altes Landrecht. Diese Archivalien werden ergänzt durch fünf Kartons Akten, die das Grazer Diözesanarchiv unter der Bezeichnung &amp;quot;Stift Rottenmann&amp;quot; besitzt. Das &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Akten über die Aufhebung bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das &amp;quot;Fundationsurbarium &amp;quot; ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da immer wieder die Äbte von Admont in Rottenmann intervenieren mussten, befindet sich im Stiftsarchiv Admont eine größere Anzahl von Archivalien des 16. bis 18. Jahrhunderts bezüglich Rottenmann, die J. Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält u. a. Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn. Auch der letzte Rottenmanner Dechant Franz Xaver Ortner ist mit zwei Eigenkompositionen vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* AMON, Karl, Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (=In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* AMON, Karl / LIEBMANN, Maximilian (Hrsg.), Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* LANC, Elga, Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Rottenmann</title>
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		<updated>2022-07-14T11:56:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Das Stift im 17. Jahrhundert */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tod, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr in [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden hatte, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und erwarb für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;aufs glänzendste zurückgelegt&amp;lt;/span&amp;gt; und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollen 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St.-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten. Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, wahrscheinlich weil man keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Lauf der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedhof bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr in Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr im Namen des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da sich auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administra tor, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis, er war bereits der dritte Administrator, folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes vor. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern zu Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain zu Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauern gütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgi schen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk zu Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger zu Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz sam t einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und zu Pichl, je zwei Weingärten zu Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente zu Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift zu St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetztmg der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlaufe des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der - entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes - die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt - neben den Wappen der übrigen Verordneten - die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant zu Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St-Georgs-Ordens zu Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebür tiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot;, erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer zu Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer zu Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahre 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeb lich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar gehandelt hat. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Über die Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude, deren jüngster Teil heute „Schloss&amp;quot; genannt wird, fehlen eingehende Untersuchungen, was mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Auch Kendlmayrs Chronik bietet zur baulichen Entwicklung des Stiftes nur wenige Andeutungen, außerdem schließt sie mit 1592. Historisch gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten drei Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anläßlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der &amp;quot;Topographia Ducatus Stiriae&amp;quot; des G. M. Vischer von 1681. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche (Kern 15. Jahrhundert), jetzt als Pfarrhof genützt. Er wird auf einem Stich von Vischer mit z. T. zweigeschossigen Arkaden abgebildet, was nicht der Wirklichkeit entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) baute 1520 den Kornspeicher neben der Propstei, dann ein Haus daran. Im übernächsten Jahr folgte ein &amp;quot;Neubau&amp;quot; im Garten gegen das Bad zugekehrt, dann errichtete er eine (neue) Küche und Claffter. Sein Nachfolger Georg Ritzinger (1539–1545) baute einen Weinkeller, verschiedene Gewölbebogen für den Getreidekasten, eine Krankenstube, die Gartenmauer, ein Bad mit Brunnen und sanierte noch die Dächer des ganzen Klosters, alles mit ungeheuren Kosten. Von Propst David Panichner (1558–1573) schließlich heißt es nur lapidar, er habe das Kloster in Ruinen vorgefunden, aber wohnhaft hergerichtet hinterlassen, wobei für Bauten 1.500 Gulden aufgegangen seien. Aus dieser Zeit muss das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. Dann scheint am Stift für viele Jahre nichts mehr gebaut worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst in der Barockzeit wurde die Bautätigkeit am Stift wieder aufgenommen. Besonders Propst Mourat (1672–1683) huldigte einer kostspieligen Bau- und Repräsentationslust, denn es wurde ihm vom Konvent u. a. vorgeworfen, sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; neu gebaut, im nächsten Jahr aber wieder umgeändert, die Stube des Stiftsschaffers überbaut, den Getreidekasten baulich verändert und überhaupt manches &amp;quot;unnotwendige Gebey&amp;quot; aufgeführt zu haben. Der Propst bestritt die überstürzten Bauänderungen nicht, sondern meinte nur, der Konvent habe ihn selbst dazu &amp;quot;angeraizt&amp;quot;, da sonst kein Novize mehr &amp;quot;in dieses zerissene Closter&amp;quot; käme. Ob Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes, wurde &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; genannt und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem &amp;quot;supra portatili&amp;quot; Messen gelesen werden durften. Zwecks Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711. Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der i. ö. Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner (verstorben nach 1708) tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und angeblich 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei Wichner wohl eher Recht hat, wenn er schreibt, dass 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgesch lossen dargestellten Stift übereinstimmen bzw . zu ergänzen sind, muss der kunstgeschichtlichen Lokalforschung vorbehalten bleiben. Heute sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Zuge der Errichtung der Kanonie hat diese vom Mutterkloster eine gewisse Anzahl von Büchern mitbekommen, um die kanonischen Zeiten ebenso wie die Seelsorge halten zu können. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament um 9 Pfund Pfennige angekauft, was das &amp;quot;Chronicon&amp;quot; mit &amp;quot;damals ein sehr hoher Preis&amp;quot; kommentierte. Propst Ulrich von Konstanz (1463–1475) kaufte ebenfalls um viel Geld mehrere Bücher. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten,  schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Kanonie ein &amp;quot;scriptorium&amp;quot; einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Vom Rottenmanner Chorherren [[Bernhard Faber]] wird ebenso wie von [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr zu St. Dorothea, berichtet, sie seien fleißige und tüchtige Schreiber gewesen. Sie hätten verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern, das mehrere Jahre in Anspruch genommen habe und 1499 unter Propst Johann Kuglperger, wohl einem Bruder des Sigmund, fertiggestellt worden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger (verstorben 1512) war ein ausgesprochener Bücherfreund. Er hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher - worunter wohl Wiegendrucke zu verstehen sein werden - im Wert von 350 Pfund Pfennigen und zwei Lektionarien in Pergament von der Zeit und den Heiligen im Wert von 70 Pfund. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau (1545) war in Rottenmann bereits ein &amp;quot;schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern&amp;quot; und in einem Gewölbe das Archiv mit den in &amp;quot;Ladlen&amp;quot; aufbewahrten Urkunden vorhanden. Fünf besonders kostbare, silberne Bücher ruhten in einer eigenen Truhe. In den nächsten Jahrzehnten wurde für die Bibliothek nicht mehr viel getan, denn das Inventar der Propstei 1578 hält nur mehr lapidar fest: &amp;quot;In der Liberay allerley allte Büecher&amp;quot;, ohne ein einziges namentlich anzuführen. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. Immerhin wird von einer Bibliothek gesprochen. Dementsprechend gab es 1663 einen Chorherren als &amp;quot;bibliothecarius&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift damals bereits tief verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein, was sich auf das geistige Niveau des Konventes ausgewirkt haben muss. Mit diesem war es bezüglich wissenschaftlicher Interessen lange Zeit hindurch nicht gut bestellt, sieht man vom historiographisch tätigen Propst Kendlmayr als Verfasser des &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; ab. An der geistigen Stagnation konnten auch die aus Vorau gekommenen und alle später noch in Rottenmann eintretenden Chorherren nicht allzuviel ändern. Denn diese Kanoniker konzentrierten sich in erster Linie auf die Aufrechterhaltung der Seelsorge in den Stiftspfarren. Dass wissenschaftliches Arbeiten im damaligen Konvent aber nicht gänzlich erloschen war, beweist der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]], der seinem berühmten Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] um 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot; gab und durch einen anderen Mitbruder die vorhandenen Rottenmanner Klosterurkunden zusammenstellen ließ. Ob die 1785 vorhandenen Bücherbestände zum größeren Teil noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen sind, ist schwer zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich der Aufhebung des Stiftes ist auch vom Archiv und der Bibliothek die Rede, während J. Wichner über die Bibliothek nur zu sagen wusste, dass darüber nichts bekannt geworden sei. Lediglich einen Nürnberger Frühdruck (1494, Anton Koberger) aus ehemals Rottenmanner Bestand, betitelt &amp;quot;Fortalic ium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos&amp;quot;, konnte er in der Admonter Stiftsbibliothek nachweisen. Dagegen stellte die Aufhebungskommission fest, dass es sehr wohl eine Menge Bücher in der Bibliothek gab, auch wenn dazu kein Katalog vorhanden war. Allein mehrere hundert Werke in 764 Bänden wurden mit Verfasser und Titel aufgenommen, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat und 800 schlechte nichts bedeidende Bücher aller Formate, einiges auch noch ungebunden. Die Bücher waren auf Holzstellagen, aber nach Wissensgebieten völlig vermischt aufgestellt. Es handelte sich vor allem um Werke der Theologie und ihrer verschiedenen Disziplinen, aber auch Publikationen zur Historiographie, darunter die &amp;quot;Scriptores Rerum Germanicarum&amp;quot;, die &amp;quot;Historia Friderici III. &amp;quot; von Eneas Silvius Piccolomini, die &amp;quot;Japonische Geschichte&amp;quot; von Joannes Crasset oder die &amp;quot;Japonische Kirchengeschichte&amp;quot; von Arsad, weiters waren Druckwerke aus den Gebieten der Philosophie, der antiken Schriftsteller, der Geographie usw. einschließlich der Erbauungsliteratur vorhanden. Der Wert der Bibliothek wurde auf 400 Gulden geschätzt. Das Inventar gibt keine Auskunft darüber, was mit dem Bücherschatz geschah. Kendlmayrs &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; befindet sich heute in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Dorthin kam auch eine nicht allzugroße Zahl von Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Archiv des Stiftes lagen 1785 fast ausschließlich Urkunden, die die Stiftung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftszeit bis um 1500 betrafen. Allein diese Urkunden wurd en von der Aufhebungskommission der Inventarisierung für wert befunden, während alle zeitlich späteren Urkunden im Verzeichnis fehlen. Sie lagen möglicherweise nicht im Archiv, sondern in der Stiftskanzlei oder anderswo. Im Steiermärkischen Landesarchiv ist einiges aus dem Rottenmanner Urkundenbestand in die Allgemeine Urkundenreihe eingeflossen, und es existiert in diesem Archiv Aktenmaterial zu Rottenmann, Stift und Herrschaft, in 33 Kartons, darunter auch das Kopialbuch mit über 300 Urkunden, die bis etwas über das Jahr 1500 reichen, sowie Akten über das Stift im Archivkörper Altes Landrecht. Diese Archivalien werden ergänzt durch fünf Kartons Akten, die das Grazer Diözesanarchiv unter der Bezeichnung &amp;quot;Stift Rottenmann&amp;quot; besitzt. Das &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Akten über die Aufhebung bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das &amp;quot;Fundationsurbarium &amp;quot; ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da immer wieder die Äbte von Admont in Rottenmann intervenieren mussten, befindet sich im Stiftsarchiv Admont eine größere Anzahl von Archivalien des 16. bis 18. Jahrhunderts bezüglich Rottenmann, die J. Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält u. a. Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn. Auch der letzte Rottenmanner Dechant Franz Xaver Ortner ist mit zwei Eigenkompositionen vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* AMON, Karl, Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (=In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* AMON, Karl / LIEBMANN, Maximilian (Hrsg.), Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* LANC, Elga, Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Rottenmann</title>
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		<updated>2022-07-14T11:47:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tod, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr in [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden hatte, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und erwarb für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;aufs glänzendste zurückgelegt&amp;lt;/span&amp;gt; und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollen 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St.-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten. Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, wahrscheinlich weil man keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tode des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Laufe der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedho f bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr zu Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr namens des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da sich auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administra tor, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis, er war bereits der dritte Administrator, folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes vor. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern zu Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain zu Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauern gütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgi schen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk zu Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger zu Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz sam t einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und zu Pichl, je zwei Weingärten zu Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente zu Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift zu St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetztmg der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlaufe des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der - entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes - die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt - neben den Wappen der übrigen Verordneten - die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant zu Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St-Georgs-Ordens zu Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebür tiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot;, erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer zu Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer zu Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahre 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeb lich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar gehandelt hat. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Über die Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude, deren jüngster Teil heute „Schloss&amp;quot; genannt wird, fehlen eingehende Untersuchungen, was mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Auch Kendlmayrs Chronik bietet zur baulichen Entwicklung des Stiftes nur wenige Andeutungen, außerdem schließt sie mit 1592. Historisch gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten drei Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anläßlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der &amp;quot;Topographia Ducatus Stiriae&amp;quot; des G. M. Vischer von 1681. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche (Kern 15. Jahrhundert), jetzt als Pfarrhof genützt. Er wird auf einem Stich von Vischer mit z. T. zweigeschossigen Arkaden abgebildet, was nicht der Wirklichkeit entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) baute 1520 den Kornspeicher neben der Propstei, dann ein Haus daran. Im übernächsten Jahr folgte ein &amp;quot;Neubau&amp;quot; im Garten gegen das Bad zugekehrt, dann errichtete er eine (neue) Küche und Claffter. Sein Nachfolger Georg Ritzinger (1539–1545) baute einen Weinkeller, verschiedene Gewölbebogen für den Getreidekasten, eine Krankenstube, die Gartenmauer, ein Bad mit Brunnen und sanierte noch die Dächer des ganzen Klosters, alles mit ungeheuren Kosten. Von Propst David Panichner (1558–1573) schließlich heißt es nur lapidar, er habe das Kloster in Ruinen vorgefunden, aber wohnhaft hergerichtet hinterlassen, wobei für Bauten 1.500 Gulden aufgegangen seien. Aus dieser Zeit muss das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. Dann scheint am Stift für viele Jahre nichts mehr gebaut worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst in der Barockzeit wurde die Bautätigkeit am Stift wieder aufgenommen. Besonders Propst Mourat (1672–1683) huldigte einer kostspieligen Bau- und Repräsentationslust, denn es wurde ihm vom Konvent u. a. vorgeworfen, sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; neu gebaut, im nächsten Jahr aber wieder umgeändert, die Stube des Stiftsschaffers überbaut, den Getreidekasten baulich verändert und überhaupt manches &amp;quot;unnotwendige Gebey&amp;quot; aufgeführt zu haben. Der Propst bestritt die überstürzten Bauänderungen nicht, sondern meinte nur, der Konvent habe ihn selbst dazu &amp;quot;angeraizt&amp;quot;, da sonst kein Novize mehr &amp;quot;in dieses zerissene Closter&amp;quot; käme. Ob Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes, wurde &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; genannt und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem &amp;quot;supra portatili&amp;quot; Messen gelesen werden durften. Zwecks Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711. Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der i. ö. Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner (verstorben nach 1708) tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und angeblich 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei Wichner wohl eher Recht hat, wenn er schreibt, dass 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgesch lossen dargestellten Stift übereinstimmen bzw . zu ergänzen sind, muss der kunstgeschichtlichen Lokalforschung vorbehalten bleiben. Heute sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Zuge der Errichtung der Kanonie hat diese vom Mutterkloster eine gewisse Anzahl von Büchern mitbekommen, um die kanonischen Zeiten ebenso wie die Seelsorge halten zu können. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament um 9 Pfund Pfennige angekauft, was das &amp;quot;Chronicon&amp;quot; mit &amp;quot;damals ein sehr hoher Preis&amp;quot; kommentierte. Propst Ulrich von Konstanz (1463–1475) kaufte ebenfalls um viel Geld mehrere Bücher. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten,  schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Kanonie ein &amp;quot;scriptorium&amp;quot; einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Vom Rottenmanner Chorherren [[Bernhard Faber]] wird ebenso wie von [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr zu St. Dorothea, berichtet, sie seien fleißige und tüchtige Schreiber gewesen. Sie hätten verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern, das mehrere Jahre in Anspruch genommen habe und 1499 unter Propst Johann Kuglperger, wohl einem Bruder des Sigmund, fertiggestellt worden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger (verstorben 1512) war ein ausgesprochener Bücherfreund. Er hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher - worunter wohl Wiegendrucke zu verstehen sein werden - im Wert von 350 Pfund Pfennigen und zwei Lektionarien in Pergament von der Zeit und den Heiligen im Wert von 70 Pfund. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau (1545) war in Rottenmann bereits ein &amp;quot;schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern&amp;quot; und in einem Gewölbe das Archiv mit den in &amp;quot;Ladlen&amp;quot; aufbewahrten Urkunden vorhanden. Fünf besonders kostbare, silberne Bücher ruhten in einer eigenen Truhe. In den nächsten Jahrzehnten wurde für die Bibliothek nicht mehr viel getan, denn das Inventar der Propstei 1578 hält nur mehr lapidar fest: &amp;quot;In der Liberay allerley allte Büecher&amp;quot;, ohne ein einziges namentlich anzuführen. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. Immerhin wird von einer Bibliothek gesprochen. Dementsprechend gab es 1663 einen Chorherren als &amp;quot;bibliothecarius&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift damals bereits tief verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein, was sich auf das geistige Niveau des Konventes ausgewirkt haben muss. Mit diesem war es bezüglich wissenschaftlicher Interessen lange Zeit hindurch nicht gut bestellt, sieht man vom historiographisch tätigen Propst Kendlmayr als Verfasser des &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; ab. An der geistigen Stagnation konnten auch die aus Vorau gekommenen und alle später noch in Rottenmann eintretenden Chorherren nicht allzuviel ändern. Denn diese Kanoniker konzentrierten sich in erster Linie auf die Aufrechterhaltung der Seelsorge in den Stiftspfarren. Dass wissenschaftliches Arbeiten im damaligen Konvent aber nicht gänzlich erloschen war, beweist der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]], der seinem berühmten Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] um 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot; gab und durch einen anderen Mitbruder die vorhandenen Rottenmanner Klosterurkunden zusammenstellen ließ. Ob die 1785 vorhandenen Bücherbestände zum größeren Teil noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen sind, ist schwer zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich der Aufhebung des Stiftes ist auch vom Archiv und der Bibliothek die Rede, während J. Wichner über die Bibliothek nur zu sagen wusste, dass darüber nichts bekannt geworden sei. Lediglich einen Nürnberger Frühdruck (1494, Anton Koberger) aus ehemals Rottenmanner Bestand, betitelt &amp;quot;Fortalic ium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos&amp;quot;, konnte er in der Admonter Stiftsbibliothek nachweisen. Dagegen stellte die Aufhebungskommission fest, dass es sehr wohl eine Menge Bücher in der Bibliothek gab, auch wenn dazu kein Katalog vorhanden war. Allein mehrere hundert Werke in 764 Bänden wurden mit Verfasser und Titel aufgenommen, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat und 800 schlechte nichts bedeidende Bücher aller Formate, einiges auch noch ungebunden. Die Bücher waren auf Holzstellagen, aber nach Wissensgebieten völlig vermischt aufgestellt. Es handelte sich vor allem um Werke der Theologie und ihrer verschiedenen Disziplinen, aber auch Publikationen zur Historiographie, darunter die &amp;quot;Scriptores Rerum Germanicarum&amp;quot;, die &amp;quot;Historia Friderici III. &amp;quot; von Eneas Silvius Piccolomini, die &amp;quot;Japonische Geschichte&amp;quot; von Joannes Crasset oder die &amp;quot;Japonische Kirchengeschichte&amp;quot; von Arsad, weiters waren Druckwerke aus den Gebieten der Philosophie, der antiken Schriftsteller, der Geographie usw. einschließlich der Erbauungsliteratur vorhanden. Der Wert der Bibliothek wurde auf 400 Gulden geschätzt. Das Inventar gibt keine Auskunft darüber, was mit dem Bücherschatz geschah. Kendlmayrs &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; befindet sich heute in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Dorthin kam auch eine nicht allzugroße Zahl von Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Archiv des Stiftes lagen 1785 fast ausschließlich Urkunden, die die Stiftung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftszeit bis um 1500 betrafen. Allein diese Urkunden wurd en von der Aufhebungskommission der Inventarisierung für wert befunden, während alle zeitlich späteren Urkunden im Verzeichnis fehlen. Sie lagen möglicherweise nicht im Archiv, sondern in der Stiftskanzlei oder anderswo. Im Steiermärkischen Landesarchiv ist einiges aus dem Rottenmanner Urkundenbestand in die Allgemeine Urkundenreihe eingeflossen, und es existiert in diesem Archiv Aktenmaterial zu Rottenmann, Stift und Herrschaft, in 33 Kartons, darunter auch das Kopialbuch mit über 300 Urkunden, die bis etwas über das Jahr 1500 reichen, sowie Akten über das Stift im Archivkörper Altes Landrecht. Diese Archivalien werden ergänzt durch fünf Kartons Akten, die das Grazer Diözesanarchiv unter der Bezeichnung &amp;quot;Stift Rottenmann&amp;quot; besitzt. Das &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Akten über die Aufhebung bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das &amp;quot;Fundationsurbarium &amp;quot; ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da immer wieder die Äbte von Admont in Rottenmann intervenieren mussten, befindet sich im Stiftsarchiv Admont eine größere Anzahl von Archivalien des 16. bis 18. Jahrhunderts bezüglich Rottenmann, die J. Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält u. a. Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn. Auch der letzte Rottenmanner Dechant Franz Xaver Ortner ist mit zwei Eigenkompositionen vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* AMON, Karl, Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (=In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* AMON, Karl / LIEBMANN, Maximilian (Hrsg.), Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* LANC, Elga, Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Rottenmann</title>
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		<updated>2022-07-14T09:43:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Das erste Jahrhundert */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger in Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr – 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte – konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475–1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512–1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tode, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr zu [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und hat für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt erworben. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien aufs glänzendste zurückgelegt und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollten 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten . Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, weil man wahrscheinlich keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tode des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Laufe der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedho f bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr zu Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr namens des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da sich auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administra tor, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis, er war bereits der dritte Administrator, folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes vor. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern zu Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain zu Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauern gütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgi schen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk zu Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger zu Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz sam t einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und zu Pichl, je zwei Weingärten zu Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente zu Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift zu St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetztmg der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlaufe des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der - entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes - die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt - neben den Wappen der übrigen Verordneten - die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant zu Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St-Georgs-Ordens zu Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebür tiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot;, erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer zu Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer zu Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahre 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeb lich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar gehandelt hat. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Über die Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude, deren jüngster Teil heute „Schloss&amp;quot; genannt wird, fehlen eingehende Untersuchungen, was mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Auch Kendlmayrs Chronik bietet zur baulichen Entwicklung des Stiftes nur wenige Andeutungen, außerdem schließt sie mit 1592. Historisch gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten drei Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anläßlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der &amp;quot;Topographia Ducatus Stiriae&amp;quot; des G. M. Vischer von 1681. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche (Kern 15. Jahrhundert), jetzt als Pfarrhof genützt. Er wird auf einem Stich von Vischer mit z. T. zweigeschossigen Arkaden abgebildet, was nicht der Wirklichkeit entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) baute 1520 den Kornspeicher neben der Propstei, dann ein Haus daran. Im übernächsten Jahr folgte ein &amp;quot;Neubau&amp;quot; im Garten gegen das Bad zugekehrt, dann errichtete er eine (neue) Küche und Claffter. Sein Nachfolger Georg Ritzinger (1539–1545) baute einen Weinkeller, verschiedene Gewölbebogen für den Getreidekasten, eine Krankenstube, die Gartenmauer, ein Bad mit Brunnen und sanierte noch die Dächer des ganzen Klosters, alles mit ungeheuren Kosten. Von Propst David Panichner (1558–1573) schließlich heißt es nur lapidar, er habe das Kloster in Ruinen vorgefunden, aber wohnhaft hergerichtet hinterlassen, wobei für Bauten 1.500 Gulden aufgegangen seien. Aus dieser Zeit muss das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. Dann scheint am Stift für viele Jahre nichts mehr gebaut worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst in der Barockzeit wurde die Bautätigkeit am Stift wieder aufgenommen. Besonders Propst Mourat (1672–1683) huldigte einer kostspieligen Bau- und Repräsentationslust, denn es wurde ihm vom Konvent u. a. vorgeworfen, sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; neu gebaut, im nächsten Jahr aber wieder umgeändert, die Stube des Stiftsschaffers überbaut, den Getreidekasten baulich verändert und überhaupt manches &amp;quot;unnotwendige Gebey&amp;quot; aufgeführt zu haben. Der Propst bestritt die überstürzten Bauänderungen nicht, sondern meinte nur, der Konvent habe ihn selbst dazu &amp;quot;angeraizt&amp;quot;, da sonst kein Novize mehr &amp;quot;in dieses zerissene Closter&amp;quot; käme. Ob Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes, wurde &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; genannt und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem &amp;quot;supra portatili&amp;quot; Messen gelesen werden durften. Zwecks Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711. Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der i. ö. Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner (verstorben nach 1708) tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und angeblich 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei Wichner wohl eher Recht hat, wenn er schreibt, dass 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgesch lossen dargestellten Stift übereinstimmen bzw . zu ergänzen sind, muss der kunstgeschichtlichen Lokalforschung vorbehalten bleiben. Heute sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Zuge der Errichtung der Kanonie hat diese vom Mutterkloster eine gewisse Anzahl von Büchern mitbekommen, um die kanonischen Zeiten ebenso wie die Seelsorge halten zu können. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament um 9 Pfund Pfennige angekauft, was das &amp;quot;Chronicon&amp;quot; mit &amp;quot;damals ein sehr hoher Preis&amp;quot; kommentierte. Propst Ulrich von Konstanz (1463–1475) kaufte ebenfalls um viel Geld mehrere Bücher. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten,  schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Kanonie ein &amp;quot;scriptorium&amp;quot; einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Vom Rottenmanner Chorherren [[Bernhard Faber]] wird ebenso wie von [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr zu St. Dorothea, berichtet, sie seien fleißige und tüchtige Schreiber gewesen. Sie hätten verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern, das mehrere Jahre in Anspruch genommen habe und 1499 unter Propst Johann Kuglperger, wohl einem Bruder des Sigmund, fertiggestellt worden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger (verstorben 1512) war ein ausgesprochener Bücherfreund. Er hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher - worunter wohl Wiegendrucke zu verstehen sein werden - im Wert von 350 Pfund Pfennigen und zwei Lektionarien in Pergament von der Zeit und den Heiligen im Wert von 70 Pfund. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau (1545) war in Rottenmann bereits ein &amp;quot;schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern&amp;quot; und in einem Gewölbe das Archiv mit den in &amp;quot;Ladlen&amp;quot; aufbewahrten Urkunden vorhanden. Fünf besonders kostbare, silberne Bücher ruhten in einer eigenen Truhe. In den nächsten Jahrzehnten wurde für die Bibliothek nicht mehr viel getan, denn das Inventar der Propstei 1578 hält nur mehr lapidar fest: &amp;quot;In der Liberay allerley allte Büecher&amp;quot;, ohne ein einziges namentlich anzuführen. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. Immerhin wird von einer Bibliothek gesprochen. Dementsprechend gab es 1663 einen Chorherren als &amp;quot;bibliothecarius&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift damals bereits tief verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein, was sich auf das geistige Niveau des Konventes ausgewirkt haben muss. Mit diesem war es bezüglich wissenschaftlicher Interessen lange Zeit hindurch nicht gut bestellt, sieht man vom historiographisch tätigen Propst Kendlmayr als Verfasser des &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; ab. An der geistigen Stagnation konnten auch die aus Vorau gekommenen und alle später noch in Rottenmann eintretenden Chorherren nicht allzuviel ändern. Denn diese Kanoniker konzentrierten sich in erster Linie auf die Aufrechterhaltung der Seelsorge in den Stiftspfarren. Dass wissenschaftliches Arbeiten im damaligen Konvent aber nicht gänzlich erloschen war, beweist der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]], der seinem berühmten Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] um 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot; gab und durch einen anderen Mitbruder die vorhandenen Rottenmanner Klosterurkunden zusammenstellen ließ. Ob die 1785 vorhandenen Bücherbestände zum größeren Teil noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen sind, ist schwer zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich der Aufhebung des Stiftes ist auch vom Archiv und der Bibliothek die Rede, während J. Wichner über die Bibliothek nur zu sagen wusste, dass darüber nichts bekannt geworden sei. Lediglich einen Nürnberger Frühdruck (1494, Anton Koberger) aus ehemals Rottenmanner Bestand, betitelt &amp;quot;Fortalic ium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos&amp;quot;, konnte er in der Admonter Stiftsbibliothek nachweisen. Dagegen stellte die Aufhebungskommission fest, dass es sehr wohl eine Menge Bücher in der Bibliothek gab, auch wenn dazu kein Katalog vorhanden war. Allein mehrere hundert Werke in 764 Bänden wurden mit Verfasser und Titel aufgenommen, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat und 800 schlechte nichts bedeidende Bücher aller Formate, einiges auch noch ungebunden. Die Bücher waren auf Holzstellagen, aber nach Wissensgebieten völlig vermischt aufgestellt. Es handelte sich vor allem um Werke der Theologie und ihrer verschiedenen Disziplinen, aber auch Publikationen zur Historiographie, darunter die &amp;quot;Scriptores Rerum Germanicarum&amp;quot;, die &amp;quot;Historia Friderici III. &amp;quot; von Eneas Silvius Piccolomini, die &amp;quot;Japonische Geschichte&amp;quot; von Joannes Crasset oder die &amp;quot;Japonische Kirchengeschichte&amp;quot; von Arsad, weiters waren Druckwerke aus den Gebieten der Philosophie, der antiken Schriftsteller, der Geographie usw. einschließlich der Erbauungsliteratur vorhanden. Der Wert der Bibliothek wurde auf 400 Gulden geschätzt. Das Inventar gibt keine Auskunft darüber, was mit dem Bücherschatz geschah. Kendlmayrs &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; befindet sich heute in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Dorthin kam auch eine nicht allzugroße Zahl von Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Archiv des Stiftes lagen 1785 fast ausschließlich Urkunden, die die Stiftung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftszeit bis um 1500 betrafen. Allein diese Urkunden wurd en von der Aufhebungskommission der Inventarisierung für wert befunden, während alle zeitlich späteren Urkunden im Verzeichnis fehlen. Sie lagen möglicherweise nicht im Archiv, sondern in der Stiftskanzlei oder anderswo. Im Steiermärkischen Landesarchiv ist einiges aus dem Rottenmanner Urkundenbestand in die Allgemeine Urkundenreihe eingeflossen, und es existiert in diesem Archiv Aktenmaterial zu Rottenmann, Stift und Herrschaft, in 33 Kartons, darunter auch das Kopialbuch mit über 300 Urkunden, die bis etwas über das Jahr 1500 reichen, sowie Akten über das Stift im Archivkörper Altes Landrecht. Diese Archivalien werden ergänzt durch fünf Kartons Akten, die das Grazer Diözesanarchiv unter der Bezeichnung &amp;quot;Stift Rottenmann&amp;quot; besitzt. Das &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Akten über die Aufhebung bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das &amp;quot;Fundationsurbarium &amp;quot; ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da immer wieder die Äbte von Admont in Rottenmann intervenieren mussten, befindet sich im Stiftsarchiv Admont eine größere Anzahl von Archivalien des 16. bis 18. Jahrhunderts bezüglich Rottenmann, die J. Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält u. a. Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn. Auch der letzte Rottenmanner Dechant Franz Xaver Ortner ist mit zwei Eigenkompositionen vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* AMON, Karl, Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (=In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* AMON, Karl / LIEBMANN, Maximilian (Hrsg.), Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* LANC, Elga, Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Rottenmann</title>
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		<updated>2022-07-14T09:39:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Gründung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1455&lt;br /&gt;
|Datum bis=1785&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=1455 Neuenstift unserer lieben Frau zu Rottenmann am Rain, 1467 Vnser neyen stüfft zu Rottenmann, 1478 Kloster vom h. Nikolaus der regulirten Canonici vom h. Augustin, 1480 Kloster zur h. Maria und der beiden Johannes außer Rottenmann, 1573 Propstej sannd Niclaß Gotshaus zw Rottenman, 1659 das khaiserliche Stifft St. Nikolay zu Rottenmann, 1684 Kayserl. Collegiat-Stifft Canon. Reg. bey St. Nicola zu Rottenmann&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hll. Johannes der Täufer und Johannes Apostel, ab 1481 hl. Nikolaus&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick== &lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
Als älteste Grundbesitzer in und um Rottenmann lassen sich die Hochstifte Salzburg und Bamberg, aber auch der Landesfürst nachweisen. Obwohl 927 der Chorbischof [[Chotabert]] vom Salzburger Erzbischof u. a. ein Gut &amp;quot;ad Rotenmannun&amp;quot; erhielt, lag der unter den Babenbergern entstandene Markt auf landesfürstlichem Grund. Die Bedeutung als Mautstelle und Salzniederlage sowie die Ummauerung des Marktes während des Interregnums waren die Voraussetzung für den Aufstieg Rottenmanns zur Stadt, der mit der Anerkennung der Stadtrechte durch König Rudolf 1277 und 1279 seinen Abschluss fand. Das Chorherrenstift Rottenmann ist das zweitjüngste Stift nicht nur dieses Ordens in der Steiermark, sondern der steirischen Klöster überhaupt. Seine Errichtung erfolgte nicht, wie bei Klostergründungen üblich, durch den Landesfürsten, durch kirchliche oder weltliche Würdenträger, sondern geht auf den frommen Sinn des Rottenmanner Bürgers Wolfgang Dietz zurück. Dieser war einer der reichsten Bewohner der Stadt, heiratete eine vermögende Frau und hatte überdies das Glück, durch sechs Erbschaften und eine größere Anzahl vorteilhafter Ankäufe von Grundstücken, Kaufrechten, Diensten und Lehen schließlich ein so bedeutendes Vermögen zu besitzen, dass er sich, da kinderlos, an die Stiftung eines Klosters wagen konnte. Er dachte zuerst an ein Kloster für Karmeliter oder Minoriten bzw. ein Nonnenkloster, richtete aber dann sein Interesse auf den Orden der Augustiner-Chorherren, den er im [[Stift St. Dorothea in Wien|Dorotheerstift in Wien]] kennengelernt hatte. Dieses Kloster war aus der Reformbewegung des Klosters Raudnitz entstanden und besaß allgemein ein so hohes Niveau, dass sich Dietz begeistert fühlte. Kein geringerer als Kardinal Nikolaus von Cusa hatte die Annahme der Raudnitzer Reform durch alle Chorherrenstifte in der Erzdiözese Salzburg verlangt. Über Vermittlung des Bischofs Ulrich von Gurk unterbreitete Dietz seinen Plan König Friedrich IV., als dem Landesfürsten und Stadtherren von Rottenmann, mit der Bitte, die Errichtung eines Chorherrenstiftes zu genehmigen, sich um einen Propst und Kanoniker aus dem Stift St. Dorothea in Wien zu bemühen und die Stadtpfarrkirche zum hl. Nikolaus der Neugründung einzuverleiben. Dietz war bereit, die Dotation des Stiftes in die Hände des Kaisers zu legen. Sitz des Stiftes sollte das in der Rottermanner Vorstadt &amp;quot;am Rain&amp;quot; gelegene Spital mit der Marienkirche sein. Dieser im Laufe der Zeit eher verwahrlosten Armenstiftung hatte sich Dietz bereits früher angenommen und sie dadurch vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrt. Als er erkannte, dass seine nicht geringen Mittel für eine tatsächliche Klostergründung doch nicht hinreichten, bat er den König, die Gründung zu übernehmen. Friedrich machte das Vorhaben zu seinem persönlichen Anliegen und trat als eifriger Förderer und Befürworter auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1451 waren die Verbesserungen an den Baulichkeiten des Spitals so weit fortgeschritten, dass sie sich zu einem Kloster eigneten. Friedrich, inzwischen Kaiser geworden, bemühte sich nun in Rom um die Bestätigung der Stiftung durch den Papst und um dessen Bewilligung, die Rottenmanner Stadtpfarre St. Nikolaus dem Stift zu inkorporieren. Der Heilige Stuhl ging auf die Wünsche des Kaisers ein und beauftragte den Propst von St. Dorothea, Stiftung und Ausstattung für Rottenmann zu prüfen, dieses dann mit Chorherren zu besiedeln und einen Propst einzusetzen. Gleichzeitig verfügte der Papst die Inkorporation der Stadtpfarre in das neue Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Dezember 1454 meldete Friedrich III. dem Papst die Gründung des Stiftes, die im Mai 1455 die Bestätigung Papst Calixtus III. erhielt. Am 16. August 1455 kam die Gründung formell zum Abschluss. An diesem Tag wurde in Wiener Neustadt in der Wohnung des Bischofs von Gurk und in Gegenwart dreier geistlicher Zeugen die Stiftung der Kanonie Rottenmann vom Propst des Dorotheerstiftes in Wien, Niklas, im Namen des Papstes bestätigt, der Wiener Chorherr Mag. Johannes Jung aus Dinkelsbühl zum ersten Propst bestimmt und ihm fünf Mitbrüder von St. Dorothea beigegeben, die den ersten Rottenmanner Konvent bildeten. Am 18. August investierte Propst Niklas in Rottenmann persönlich den ersten Propst, indem er sein eigenes Birett dem vor ihm knienden Mag. Jung aufsetzte und ihm auf diese Weise die Leitung und Verwaltung des Klosters wie auch der Pfarre St. Nikolaus übertrug. Damit war die Gründung des Chorherrenstiftes &amp;quot;unserer lieben Frau am Rain zu Rottenmann&amp;quot; vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1456 erklärte sich der Kaiser in seinem Namen und für seine Nachfolger im Landesfürstentum zum Vogt und Schirmherrn des Klosters, der Salzburger Erzbischof als kirchlicher Ordinarius behielt sich die Bestätigtigung jedes neu gewählten Propstes vor. Schon bald nach ihrer Ankunft in Rottenmann gerieten Stift und Konvent in erste Schwierigkeiten. Einerseits waren die meisten Bürger der Stadt und auch die Bauernschaft der Umgebung mit der Errichtung eines Klosters in ihrem Burgfried unzufrieden. Andererseits machte ein vom Kaiser mit einer Provision auf ein kirchliches Benefiz ausgestatteter Kleriker sein Recht ausgerechnet bei der Rottenmanner Stadtpfarre geltend, die eigentlich vom Salzburger Erzbischof zu vergeben war. Darüber kam es zu einem erbitterten Streit zwischen dem Konvent und der Pfarrgemeinde, die die Chorherren aus der Pfarrkirche vertrieb und diese besetzte. Friedrich III. ließ den Widerstand durch Söldner brechen, die Rädelsführer in Graz inhaftieren, worauf der städtische Magistrat einlenkte und zum Frieden mit dem Stift bereit war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Transferierung des Klosters in die Stadt Rottenmann===&lt;br /&gt;
Störend für die Entwicklung des jungen Stiftes wirkte sich das enge Zusammenleben der zölibatär lebenden Chorherren mit den zum Teil weiblichen Spitalsinsassen aus, welche Schwierigkeit man durch die Verlegung der Armen in ein anderes Gebäude beseitigte. Als Abgeltung für den Verlust ihrer bisherigen Bleibe hatten die Armen von den Chorherren ein Subsidium in Geld oder Getreide zu erhalten. Wesentlich ungünstiger für das Stift erwies sich seine ungeschützte Lage vor den Mauern der Stadt. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Türkengefahr ordnete Friedrich III. 1478 die Verlegung des Stiftes in das Pfarrhaus der Stadt an, die am 17. August 1480 offiziell erfolgte und vom päpstlichen Legaten bestätigt wurde. Die St. Nikolaus-Kirche wurde nun auch Konventkirche. Die bisherigen Spital- und Stiftsgebäude mussten auf Befehl des Kaisers vom Magistrat der Stadt abgebrochen werden, um dem potentiellen Feind nicht als Verschanzung dienen zu können. Als kurz darauf tatsächlich türkische Streifscharen ins Paltental eindrangen, befand sich das Stift bereits hinter den Stadtmauern in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das erste Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Der Gründungspropst [[Johannes Jung]] blieb nur acht Jahre Vorsteher seines Konventes. 1463 bestimmte ihn der Salzburger Erzbischof zur Leitung der Propstei Au in Bayern, wohin Jung in Begleitung des Kanonikers Wolfgang abreiste. Da sie aber dort übel behandelt wurden, übertrug der Erzbischof Jung die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach. Der personell schwache Rottenmanner Konvent erbat sich nun vom Mutterstift St. Dorothea einen neuen Propst und erhielt einen solchen in dem Professen [[Ulrich von Konstanz]]. Auch dieser sah sich wiederholten Anfeindungen von Seiten der Rottenmanner Bürgerschaft ausgesetzt, sodass der Kaiser seinen Pfleger zu Wolkenstein, den Abt von Admont und den Magistrat von Rottenmann aufforderte, niemandem zu gestatten, Propst und Konventualen zu beschweren, unbillig zu behandeln oder aus dem Kloster zu vertreiben. Trotz großer finanzieller Opfer für die Türkenabwehr - 1471 zahlte das Stift dafür ein Drittel seiner Jahreseinkünfte - konnte Propst Ulrich einige Pretiosen für die Kirche, darunter eine kleine Silbermonstranz mit einem Dorn der Krone Christi, anschaffen. Auch Bücher, namentlich Frühdrucke, wurden um teures Geld gekauft. Als Propst Ulrich nach zwölfjähriger Regierung starb, machte der Konvent erstmals von seinem Recht der freien Propstwahl Gebrauch und wählte diesen aus seiner Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wahl fiel auf [[Johann Kuglperger]], unter dem das Kloster in die Stadt übersiedelte. Ihm gewährte der Heilige Stuhl einige Privilegien, die das Fasten zur Adventzeit auch bei Mehlspeisen, die Spendung der Sakramente der Kommunion, der letzten Ölung und der Ehe auch an auswärtige Pfarrkinder, die Verrichtung der Horen und des Gottesdienstes nach dem Brevier und den Vorschriften der Passauer Kirche u. a. betrafen. 1477 ging Rottenmann seine erste Konföderation ein: Wegen der Almosen für das Leobner Dominikanerkloster wurde das Stift aller frommen Werke und Verdienste der deutschen Provinz dieses Ordens teilhaftig gemacht. Die Regierungszeiten Propst Johann Kuglpergers (1475-1512) und seines Nachfolgers [[Magnus Praitenpaumer]] (1512-1539) währten zusammen über sechzig Jahre. Es waren anscheinend die besten Jahre, die das Stift in seiner Geschichte erlebte. In dieser Zeit wurden bedeutende Bauvorhaben durchgeführt. Die St. Nikolauskirche, deren Umbau gerade in Fertigstellung begriffen war, als die Chorherren sie übernahmen, erwies sich als zu klein für eine Klosterkirche. Wegen Geldmangels zog sich der Bau des Langhauses und Chors über Jahrzehnte hin und erst 1509 erfolgte die Fertigstellung des Gotteshauses. 1512 wurde der Hochaltar geweiht. Propst Praitenpaumer, groß an Gestalt und Geist, ergänzte die Ausstattung der Kirche durch eine Marmorkanzel. 1514 resignierte der Pfarrer von Irdning seine Pfarre zugunsten des Stiftes, wenn dieses die Inkorporierung der Pfarre durch den Papst erreichen sollte, was noch im selben Jahr tatsächlich über Intervention Kaiser Maximilians I. gelang. Im Jahr darauf glückte dem Propst auch die Inkorporierung der Pfarre Lassing in das Stift durch Papst Leo X. Propst Magnus fungierte bereits 1524 als Kommissär des Salzburger Archidiakonats im Ennstal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Personeller und wirtschaftlicher Niedergang im 16. Jahrhundert===&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren der Regierung Ferdinands I. verschlechterte sich die finanzielle Lage der Propstei wegen fast ununterbrochener Geldforderungen seitens der Regierung zur Bekämpfung der Türken zusehends. Damals wurde der Grundstein für die spätere wirtschaftliche Notlage gelegt, unter der das Stift bis weit ins 18. Jahrhundert litt. Propst Magnus hatte während seiner Regierungszeit zehn Chorherren aufgenommen und verfügte noch über mehrere andere in der Seelsorge tätige Priester, deren Namen unbekannt blieben. Obwohl sich auch in der Obersteiermark schon die ersten Regungen des Protestantismus zeigten, lebte der Konvent 1528 genau nach der Regel seines Ordens, wie die Visitation dieses Jahres feststellen konnte. Die Bürgerschaft der Stadt war bereits weitgehend von reformatorischem Gedankengut durchdrungen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann der probst predig, so leutten sy auffzuhorn, machen in jerr. Das man aber lacht under der predig, sey nit wunder, dan der probst sag so khindisch ding, das man mueß lachen, er heb auch selb offt an zu lachen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Propst Magnus wurde 1540 [[Georg Ritzinger]], Pfarrer in Irdning und Chorherr von Rottenmann, zum Nachfolger gewählt. Der Wahl wohnten die Äbte von Admont und St. Lambrecht bei. Ritzinger war ursprünglich Dominikaner gewesen, aber nach Rottenmann übergetreten. Fünf Jahre später wurde Ritzinger, nach den Worten König Ferdinands &amp;quot;wol belesen zu Predigen und Hawswirtschafft geschickht&amp;quot;, zum Propst von Vorau berufen und verließ Rottenmann, worüber sich der Konvent beim Salzburger Erzbischof beschwerte, der dem Propst befahl, bei Strafe der Exkommunikation auf seinen früheren Posten zurückzukehren und das von Rottenmann mitgenommene Geld und die Kleinodien zurückzustellen. Ritzinger bestritt, etwas vom Kloster mitgenommen zu haben, verzichtete aber auf Rottenmann, und [[Sigmund Kleubenstein]] wurde neuer Propst. Am Rottenmanner Stiftsgebäude hatte Ritzinger, trotz finanzieller Engpässe, noch einige bauliche Verbesserungen vornehmen und etliche Grundstücke ankaufen können. Jedoch hat er nur zwei Konventualen eingekleidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen des auch in der Obersteiermark immer stärker um sich greifenden Protestantismus nahm in der Folgezeit die Zahl der Konventualen dramatisch ab. Unter Propst Sigmund Kleubenstein (1546–1555) gab es 1552 nur noch zwei Chorherren, bei seinem Tode, drei Jahre später, war der Konvent bereits ausgestorben. In Ermangelung eines Konventes wurden alle weiteren Pröpste bis zu [[Bartholomäus Ferdinand Judex]] nicht gewählt, sondern postuliert. Auf Propst Kleubenstein folgte [[Georg Walcher]], Chorherr zu [[Stift St. Zeno in Reichenhall|St. Zeno in Reichenhall]], der aber schon 1557 das Kloster heimlich verließ, um dieses, wie er es gefunden, ohne einen einzigen Chorherren, dafür aber noch höher verschuldet zu hinterlassen. 1558 ernannte Salzburg [[Johann David Panichner]], Chorherr von [[Stift Berchtesgaden|Berchtesgaden]], zum neuen Propst. Diesem gelang es zwar, Schulden des Stiftes in nicht geringer Höhe, zum Teil aus seinem eigenen Vermögen, zu tilgen, doch musste er auch wieder neue machen, nicht zuletzt deshalb, weil er das Kloster, das er baufällig vorgefunden haben soll, ordentlich wiederhergestellt hinterließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1562 war Panichner Archidiakon in der Ober- und Untersteiermark, zum untersteirischen Archidiakonat war ihm das Benefiz zur hl. Katharina der Pfarre Gratwein verliehen. 1571 hielt er eine Synode für den Klerus seines obersteirischen Archidiakonates ab, 1569 nahm er an einer Salzburger Synode teil und auch sonst nahm er erzpriesterliche Aufgaben wahr. Als erster Propst von Rottenmann erschien er regelmäßig auf den Landtagen in Graz und hat für seine dortigen Aufenthalte ein Haus in der Stadt erworben. Zum Verhängnis wurde ihm nicht so sehr die schlechte Finanzgebarung des Stiftes, sondern seine privaten Verhältnisse. Er hatte seine Köchin öffentlich als seine Ehefrau bezeichnet und in Graz der Predigt eines evangelischen Prädikanten beigewohnt, die er vor allen Leuten lobte. Dies kostete ihn das Vertrauen des Erzherzogs, der ihn der Propstei entsetzte, auf die Panichner 1573 formell verzichtete. Kurz darauf starb er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzherzog Karl designierte nun den Seckauer Chorherren [[Laurenz Reisacher]], den der Erzbischof, weil nicht von ihm designiert, zuerst nicht anerkennen wollte, sondern Reisacher vielmehr seinerseits ernannte. Dieser war noch kein Jahr im Amt, als er 1575 unerwartet starb. Die Schulden des Stiftes waren mittlerweile auf 1.295 Gulden angewachsen. Konvent gab es weiterhin keinen. Neuer Propst wurde der Grazer Pfarrer [[Ulrich Lang]], Baccalaureus der Theologie. Er betrieb energisch die Rekatholisierung seiner Pfarrangehörigen, stieß aber bei Richter, Rat und Bürgerschaft von Rottenmann auf erbitterten Widerstand, der von den protestantischen Freiherrn Hoffman noch unterstützt wurde. Als Besitzer der nahen Schlösser Strechau und Grünbühel waren die evangelischen &amp;quot;Könige des Ennstales&amp;quot;, wie die Hoffman bezeichnet werden, die Förderer des Protestantismus im Palten- und oberen Eimstal schlechthin. Auf die vom Stift nicht mehr besetzten Pfarren hatten die Hoffman evangelische Prädikanten gesetzt und hielten einen solchen auch in Schloss Grünbühel, zu dem die Rottenmanner Bürger in Scharen liefen. Unmittelbar vor der Stadt, beim Thalhof, hatten die Hoffman 1578/79 eine evangelische Kirche als Begräbnisstätte für ihre Familie gebaut, in der auch Gottesdienste stattfanden. Als der Propst in Rottenmann nach langer Zeit wieder die Fronleichnamsprozession abhalten wollte und den Rottenmanner Magistrat zur Teilnahme aufforderte, erhielt er von diesem ein Mahnschreiben, keine Neuerungen einzuführen. Beschwerden des Propstes an den Erzherzog waren die Folge, konnten aber an der Situation vorläufig nichts ändern. Wegen dieser andauernden Streitigkeiten und der prekären wirtschaftlichen Lage des Stiftes wollte Lang nicht weiter Propst sein und resignierte 1578. Er verließ die Steiermark und wurde sofort Archidiakon des Patriarchats Aquileja in Kärnten. Der päpstliche Legat Felician Ninguarda nannte ihn eine &amp;quot;Ausnahme an gutem Betragen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Nachfolger wurde von Salzburg der oberste Hofkaplan des Erzherzogs, [[Johann Muchitsch]], Priester der Diözese Aquileja und 36 Jahre alt, in Aussicht genommen und, nach einigem Widerstreben des Erzherzogs, investiert. Bedingung für seine Einsetzung war, dass er in Seckau das Ordensgelübde abzulegen hatte. Muchitsch stammte aus ärmsten Verhältnissen und war als Student in Wien sogar gezwungen gewesen, um Suppe betteln zu müssen, hatte aber seine Studien aufs glänzendste zurückgelegt und war Hofkaplan Erzherzog Karls geworden. Während Muchitsch im Ringen um die Wiederaufrichtung der katholischen Religion in der Stadt Rottenmann erste Erfolge erzielte, wozu erzherzogliche Mandate an den Magistrat viel beitrugen, war die Macht der Freiherrn Hoffman ungebrochen. Die Bürger von Rottenmann mieden die katholische Pfarrkirche nach wie vor und strömten in die Hoffmann'sche Kirche beim Thalhof vor der Stadt oder nach Schloss Grünbühel. Pastor David Senger betreute nicht nur die Kirche beim Thalhof und die Schlosskapelle der Hoffman, sondern mit einem Diakon auch die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg. Befehle des Erzherzogs an die Hoffman, die Pfarren Lassing und Oppenberg dem Propst zurückzustellen, wurden immer wieder ignoriert. Über diese Auseinandersetzungen soll Propst Muchitsch die Stiftsökonomie vernachlässigt, seit seinem Regierungsantritt keine Steuern gezahlt und darüberhinaus noch Schulden gemacht haben. Diese sollten 1581 eine solche Höhe erreicht haben, dass ihn der Erzherzog von der Propstei entfernte. So berichtet Propst Kendlmayr hundert Jahre später in seiner Chronik. Dies stimmt so nicht. Muchitsch hat, nach anderen Quellen, nichts veräußert, sondern noch zurückgekauft. Für Nuntius Germanico Malaspina aber war allein die Tatsache entscheidend, dass Muchitsch ein Mann &amp;quot;di scandalosa vita&amp;quot; war, der &amp;quot;enormi peccati&amp;quot; begangen hatte. Muchitsch musste zugeben, mit der verstorbenen Äbtissin der Judenburger Klarissen intime Spiele getrieben und im dortigen Kloster im Fasching getanzt zu haben. Mit seiner Dienerin hatte er schon lange ein Verhältnis. Deshalb setzte Malaspina den Propst kurzerhand ab und internierte ihn im [[Stift Seckau|Domstift Seckau]], von wo er zweimal floh, bis er, nach Verbüßung seiner Haft, auf eine niederösterreichische Pfarre Seckaus abgeschoben werden konnte. An seiner statt wurde [[Christof Staindl]] zum Propst berufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staindl, 27 Jahre alt, war Angehöriger des Millstätter St-Georgs-Ordens und Präfekt des Ordensgutes Pürgg. Er wird als feine, bescheidene und gelehrte Person, als guter Prediger beschrieben und eines exemplarischen Lebenswandels gelobt. In Salzburg, wohin sich der Propst zur Konfirmation begeben hatte, schilderte dieser dem Erzbischof die schwierige Lage des Stiftes und bat, den früheren Propst Muchitsch über den Verbleib der Stiftsgüter und den reichen Nachlass des Propstes Panichner zur Verantwortung zu ziehen. Um den drohenden Konkurs des Stiftes zu verhindern, verkaufte Propst Staindl 1582 dem Hofvizekanzler Wolfgang Schranz mit Bewilligung des Erzherzogs das Amt Strechau um 2.129 Gulden. Da Staindl die Ordensprofess nicht ablegen wollte, bei den Untertanen &amp;quot;in der geistlichkhait khain Hoffnung&amp;quot; sah und wirtschaftlich keine Besserung erreichte, resignierte er im Dezember 1584.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun bemühte sich der frühere Propst Johann Muchitsch bei Erzherzog Karl um seine Wiedereinsetzung in die Propstei und erhielt diese auch, jedoch unter strengen Bedingungen, die zu erfüllen er sich in einem Revers verpflichtete. Er gelobte, fortan ein untadeliges, klösterliches Leben zu führen, Sakramente und Predigt nach katholischem Brauch zu vollziehen, keine neuen Schulden zu machen, die alten abzuzahlen und die Wirtschaft des Klosters zu konsolidieren. Die Rückstellung der Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter die Jurisdiktion des Stiftes gelang Muchitsch vorerst nicht, weil die Freiherrn Hoffman dies immer wieder zu verhindern wussten . Durch den Tod des Erzherzogs 1590 verzögerte sich die Angelegenheit noch um weitere Jahre. In der Folge fiel Muchitsch in sein früheres Lotterleben zurück und sollte im Oktober 1598 auf Befehl des Erzbischofs vom Seckauer Bischof seiner Propstei neuerlich entsetzt werden, begab sich aber nach Graz und bat Erzherzog Ferdinand fußfallend, weiter in der Propstei belassen zu werden. Dies geschah auch, weil man wahrscheinlich keinen anderen fand, der das Amt übernehmen konnte oder wollte, sodass Muchitsch bis zu seinem Tod 1608 Propst blieb. Der Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. als Herr der innerösterreichischen Erblande bedeutete für die evangelischen Bürger und Bauern auch in der Steiermark das Ende des öffentlich ausgeübten evangelischen Exerzitiums. 1599 kam die landesfürstliche Religionskommission nach Rottenmann. Die Bürgerschaft der Stadt wurde zwangsweise rekatholisiert, die evangelischen Bibeln und Bücher verbrannt und zuletzt auch die Hoffman'sche Kirche beim Thalhof in Brand gesteckt und gesprengt. Da die Rekatholisierung Rottenmanns nur eine scheinbare war, kam im nächsten Jahr Bischof Martin Brenner von Seckau nach Rottenmann und reformierte die Bürger der Stadt samt den Bauern der Pfarren Lassing, Liezen und Rottenmann neuerlich, dieses Mal jedoch nachhaltig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 17. Jahrhundert=== &lt;br /&gt;
Nach dem Tode des Propstes Muchitsch folgte in der Propstei der Pöllauer Chorherr [[Martin Stromayr]]. Auf ihn setzte auch der Grazer Hof seine Hoffnung, was ein Aufenthalt des Erzherzogs im Stift ausdrückt. Es gab zwar wieder einen Konvent mit einigen Chorherren, aber die Disziplin im Kloster war noch sehr mangelhaft, denn der Seckauer Bischof musste den Propst ermahnen, seine Religiosen, die &amp;quot;scandalose&amp;quot; lebten, besser zu beaufsichtigen und gut zu halten, damit sie keinen Grund hätten, dem Stift fernzubleiben. Von den Wirren der Reformationszeit erholte sich das Stift nur langsam. Die im Auftrag Salzburgs vom Seckauer Bischof 1619 durchgeführte Visitation fand in Rottenmann außer dem Propst noch vier Chorherren und zwei Novizen vor. Der Propst war 40 Jahre alt, stammte aus Hartberg und war Kanoniker von Pöllau gewesen. Bei Antritt seiner Würde in Rottenmann gab es dort nur zwei Weltpriester, die verheiratet waren. Der Propst hatte sie sofort entlassen und an ihrer Stelle einen Mitbruder aus Pöllau berufen. Die Chorherren gaben Pöllau, Neudau in der Oststeiermark und Kärnten, die Novizen die Diözesen Freising und Mainz als Heimat an. Der älteste war 37, der jüngste 30 Jahre alt. Zwei Chorherren waren vor einem Jahr wegen innerklösterlicher Schwierigkeiten aus dem Stift entwichen und auch einer der verbliebenen hatte große Probleme mit dem Zölibat, die ihm den Klosterkerker bei Brot und Wasser eingetragen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1621 brannte der Ort Irdning nieder und auch die der Propstei inkorporierte Kirche erlitt großen Schaden. Im Herbst 1623 starb Stromayr und hinterließ vier Konventualen. Ihrer geringen Zahl wegen wollten sie keinen Propst aus ihrer Mitte wählen, sondern postulierten 1624 auf die Propstei den Seckauer Chorherren Mag. [[Andreas Pechinger]], einen gebürtigen Leibnitzer. 1633 visitierte der Salzburger Konsistorialdirektor Johann Marcus von Aldringen die Kanonie und erließ strenge Anordnungen hinsichtlich des Lebens der Konventualen, das sonst den Statuten der Lateranensischen Kongregation unterworfen war. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen dem Propst und einem Chorherren sowie Klagen über die schlechte Disziplin im Stift machten in der Folge die Intervention des Abtes von Admont und 1644 eine weitere Visitation im Kloster notwendig. Vor allem der Ausgang der Chorherren aus der Klausur durch die Kirche wurde verboten und die Pflege des gregorianischen Chorals vorgeschrieben. Propst Andreas starb 1645 in Graz und erhielt im Chorherren Bartholomäus Ferdinand Judex (Richter) nach langer Zeit wieder einen Nachfolger aus dem eigenen Konvent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzig Jahre hindurch hatte kein Rottenmanner Chorherr das Amt des Propstes bekleidet. In dieser für Rottenmann verworrenen Zeit war den Pröpsten auch die Würde des Archidiakons im Ennstal entzogen worden und als Salzburg 1648 dieses Amt dem Admonter Abt übertrug, fühlte sich der Rottenmanner Konvent gekränkt und trat in Opposition zu Admont, sodass die Kanonie zum Gehorsam gegen den Abt aufgefordert werden musste. Im Gegensatz zur Stadt Rottenmann, die 1661 in Grund verarmt und hoch verschuldet war, scheint es dem Stift unter diesem Propst allmählich besser gegangen zu sein, denn er konnte der niederösterreichischen Landschaft über 5.000 Gulden leihen, allerdings unter Konditionen, die sich später als sehr nachteilig erwiesen. Das erst wenige Jahre zuvor gekaufte Gut Aigen im Ennstal verkaufte der Propst wieder, um mit dem Erlös einen Hammer zu erwerben, womit man der Mode der Zeit folgte. Goldgrube dürfte das Unternehmen aber keines gewesen sein. 1663 und 1671 fanden wieder Visitationen im Stift statt, die das Konventleben der Chorherren regelten. Es wurde z. B. angeordnet, die Konventzellen mit Öfen zu versehen und einen guten Koch anzustellen. Als 1672 der Propst starb und eine Sperre des Stiftsvermögens notwendig war, kam es zwischen dem Admonter Abt als salzburgischem Kommissär und den kaiserlichen Kommissären zu einem Präzedenzstreit, wie er in jener Zeit auch in anderen Stiften bei solchen Anlässen auftrat. Äußerlich gesehen ging es um Fragen der Etikette, des Vortrittes der Kommissäre bei diversen Handlungen, im Prinzip aber um das Eingriffsrecht des Staates in Agenden, die bisher der Ordinarius allein beansprucht hatte. Bevor der Konvent aber zur Wahl schritt, wurden &amp;quot;Capitulationes&amp;quot; aufgesetzt, die alle wahlberechtigten Chorherren eigenhändig unterschrieben und überdies beschworen. Die ersten vier Punkte betrafen die Finanzsituation des Stiftes: Der Gewählte sollte ohne Zustimmung des Kapitels keine Kapitalien aufnehmen, hatte dem Kapitel über das Stiftsvermögen jährlich Rechnung zu legen, darauf bedacht zu sein, die Schulden des Klosters zu tilgen und keine weiten Reisen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Wahl, an der neun Chorherren teilnahmen, ging der Stiftsdechant [[Georg Christoph Mourat]] als neuer Propst hervor. Obwohl er nur elf Jahre regierte (1672–1683), wurde er der Barockpropst Rottenmanns, mit allen charakterlichen Vorzügen und Schwächen, die auszugsweise geschildert zu werden verdienen. Zu Mourats Zeit war die Propsteikirche mit Paramenten, Messbüchern und anderen kirchlichen Geräten wohl ausgestattet. Zum Klosterschatz gehörten ein silbernes Pastorale, drei vergoldete Pektorale, sechs Pontifikalringe und je vier kostbare und einfache Mitren. Dies war nicht wenig, wenn man die fast permanente finanzielle Krise des Stiftes bedenkt. Leider besaß diese Großzügigkeit keine finanzielle Deckung. Die von Propst Mourat in der Propstei- und Stadtpfarrkirche St. Nikolaus errichteten vier Kapellen samt Altären, wie auch die anderen von ihm vorgenommenen Bauten und Anschaffungen konnte sich das Stift eigentlich gar nicht leisten, denn die Ausgaben wurden mit Fremdgeld finanziert, wodurch die Verschuldung der Propstei neuerlich stieg. Das selbstherrliche Auftreten des Propstes gegenüber den Bürgern der Stadt hatte den Magistrat im Laufe der Zeit so erbittert, dass er sich gezwungen sah, dem Admonter Abt als Erzpriester seine Beschwerden in zehn Punkten vorzulegen und um Abhilfe zu bitten. Besonders erzürnte die Stadt der Umstand, dass vermögenslos verstorbene Bürger und Bauern nicht mehr am Stadtpfarrfriedho f bei der St. Nikolaus-Kirche bestattet werden durften, sondern nach St. Georgen getragen werden mussten, wo sie &amp;quot;sine luce et cruce&amp;quot; wie Ketzer, Türken oder Heiden begraben wurden. Nachdem der Streit vor die Regierung gekommen war, wurde 1677 ein Vergleich zwischen Stadt und Stift geschlossen. Auch im Konvent gärte es. 1680 fühlten sich der Dechant [[Johann Albert Kendlmayr]], den der Propst seines Amtes enthoben hatte, und zehn Chorherren veranlasst, beim Salzburger Konsistorium eine viele Punkte umfassende Klageschrift gegen den Propst einzureichen. Sogar die innerösterreichische Regierung wurde davon informiert. 1681 wiederholte der Konvent seine Vorwürfe, die darin gipfelten, dass der Propst bereits Schulden in Höhe von 30.500 Gulden angehäuft und sich einiger &amp;quot;Scandala&amp;quot; schuldig gemacht habe, darunter solcher, dass er während der Pestzeit (1680) Frauen ins Stift eingeladen, mit ihnen in seiner Tafelstube Tänze veranstaltet und bei Tisch &amp;quot;liderlich gebuzte und geblöste Frauen&amp;quot; neben die Konventualen gesetzt habe. Mit der Köchin, die jetzt schwanger sei, habe er ein Verhältnis unterhalten. Den Konventualen habe er im Zorn gewünscht, der Blitz möge sie erschlagen oder der Teufel solle sie holen. Diese und andere Vorwürfe wurden im März 1681 bei einer vom Admonter Abt und zwei landesfürstlichen Kommissären vorgenommenen Visitation untersucht. Bei dieser wiederholte der Konvent seine Beschwerden. Vor allem die unnötigen Ausgaben für Bauten und &amp;quot;der zu große bracht in Raisen, wenigist mit 9 oder 10 Pferden&amp;quot; wurden dem Propst angelastet. Dieser bestritt die Vorwürfe im Einzelnen: die jetzige Wirtschaft sei kein &amp;quot;confusum chaos&amp;quot;, sondern so, wie sie eben möglich sei. Wenn die jungen Konventualen sich beklagten, zu Fuß zu ihren geistlichen Verrichtungen gehen zu müssen, so sei dies nichts Neues, auch er habe früher zu Fuß gehen müssen. Ein Übereinkommen zwischen den Kommissären, Propst und Kapitel spezifizierte die Aufwendungen, die dem Propst vom Kapitel zu bezahlen waren. Damit waren die Probleme mit dem Propst aber noch nicht bereinigt, denn es gab ein höchst unerfreuliches Nachspiel. Abt Adalbert von Admont berichtete kurz nach Abschluss seiner Kommission dem Salzburger Konsistorium, dass viele Beschwerden gegen den Propst sehr wohl berechtigt seien. Er behandle die Konventualen mit groben Worten, es gebe keine Haus- und Stundenordnung und Kleidung sowie Küche ließen zu wünschen übrig. Die Kommissäre hätten deshalb dem Propst die Verwaltung der Temporalien abgenommen und dem Dechant übertragen. Salzburg war jedoch der Meinung, dass dem Propst die Temporalien nicht genommen werden könnten, außerdem habe er sich wegen Erkrankung nicht ausreichend verteidigen können. Der Abt möge mit Dr. Franz Dreer das Kloster nochmals &amp;quot;in spiritualibus&amp;quot; visitieren. Propst Mourat war unterdessen nach Salzburg gereist, hatte dort Befürworter gefunden und den Abt als den für seine &amp;quot;Bestrafung&amp;quot; Schuldigen geschildert, was dieser, als er davon erfuhr, übel aufnahm. Abt Adalbert war darüber so verärgert, dass er die Admonter Abtei und das Archidiakonat resignieren wollte, falls ihm schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden könnte. Er zeichnete ein tristes Bild von der Persönlichkeit des Propstes, der bereits Zisterzienser von Lilienfeld, Benediktiner in Scheyern und Chorherr zu Rohrschach gewesen, aber überall entlassen worden sei. Abt Urban von Admont habe ihn in den Admonterhof in Graz aufgenommen und studieren lassen, doch habe Mourat mehr die Gasthäuser als die Kollegien besucht. Selbst in Rottenmann sei er als Kleriker schon einmal entlassen, aber wieder aufgenommen worden, dafür habe er seinem Vorgänger mit Steinen die Fenster eingeworfen. Der Abt verlangte für die Beleidigung durch Mourat Satisfaktion. Diese Vorgänge dürften Propst Mourat ziemlich mitgenommen haben. Anfang Jänner 1683 starb er, nicht ohne sich zuvor noch mit seinem Kapitel ausgesöhnt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger stand schon vor der Wahl fest: Dechant Johann Albert Kendlmayr. Er war anscheinend der erste Propst, der in Rottenmann vom Seckauer Bischof benediziert wurde. Er wird als äußerst fromm, tugendhaft, der Wissenschaften kundig und in der Verwaltung tüchtig beschrieben. Zudem war er Verordneter des Prälatenstandes und Rat des Fürstbischofs von Bamberg. Beim Stift gründete er die Bruderschaft vom hl. Franz Xaver für Adelige und Priester und ließ eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen mit einer Gruft als Begräbnisstätte des Konventes errichten. Ein bleibendes Denkmal hat sich Propst Kendlmayr mit dem von ihm verfassten &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; gesetzt, in dem er die Stiftsgeschichte bis zum Jahr 1592 beschrieb. 1690 ließ er den Pfarrhof in Lassing erbauen. Von Kaiser Leopold I. erhielt das Stift eine Beihilfe von 1.000 Gulden aus der Maut von Rottenmann und 1702 wurde dem Propst durch päpstliche Verfügung die obersteirische Pfarre Pöls samt der reichen Pfründe auf zehn Jahre verliehen. 1701 fand wieder eine Visitation der Propstei durch Admont statt, die diesmal wenig zu beanstanden fand. Das Verhältnis der beiden Klöster war mittlerweile ein nachbarlich gutes, was auch der Umstand beweist, dass der Propst 1686 in Frauenberg das Begräbnis des verstorbenen Admonter Abtes hielt. Als Kuriosum des Barockzeitalters kann man die Übersendung des Papageis &amp;quot;Paperl&amp;quot; an Kaiser Joseph I. betrachten, den ein Chorherr namens des Propstes in Wien dem Herrscher persönlich überreichte. Der Vogel war darauf abgerichtet, lateinische, patriotische Sprüche aufzusagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsbankrott===&lt;br /&gt;
Kaum war Propst Kendlmayr 1702 gestorben und Chorherr [[Aquilin Hirmer]] zum Nachfolger gewählt worden, begann sich das alte Übel des chronischen Geldmangels und der Überschuldung des Stiftes wieder massiv bemerkbar zu machen. Kommissionen, Visitationen, Mandate und Dekrete vermochten keine Abhilfe zu schaffen. 1705 schlug eine staatliche Kommission erstmals vor, den Personalstand der Chorherren durch ihre Versetzung in andere Klöster des Ordens zu verringern, um solcherart Ausgaben zu sparen. Das jahrelange Tauziehen zwischen der Regierung, dem Admonter Abt als Archidiakon und damit Vertreter Salzburgs sowie dem Propst hinsichtlich geeigneter Maßnahmen zur Sanierung der Wirtschaft der Propstei ließ nur wertvolle Zeit verstreichen, ohne die notwendige Gesundung des Stiftes einzuleiten. Dessen Aktiva betrugen etwas mehr als 190.000 Gulden, die Passiva aber bereits 170.547 Gulden. Seltsam berührt die Weigerung der niederösterreichischen Chorherrenstifte, dem Bruderstift mit einer Beihilfe beizuspringen. Nur der Propst des weltlichen Stiftes Spital am Pyhrn wollte 40.000 Gulden gegen entsprechende Sicherstellung geben. Zuletzt tauchte seitens der geistlichen und weltlichen Behörden der Plan auf, mit der Rettung Rottenmanns das [[Stift Vorau]] zu befassen, das aber aus Sorge, durch die Gläubiger Rottenmanns selbst Schaden zu erleiden, lange zögerte. Widerstand gegen diese Option kam auch aus dem Rottenmanner Konvent. Propst Hirmer weigerte sich, abzudanken und nach Vorau zu ziehen. Andererseits wollte ihn auch kein anderes österreichisches Chorherrenstift aufnehmen. Nach einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen allen Beteiligten kam am 2. März 1711 durch Abt Anselm von Admont namens des Salzburger Erzbischofs ein Übereinkommen zustande, durch das Vorau die spirituelle und wirtschaftliche Leitung Rottenmanns übernahm und einige Vorauer Chorherren nach Rottenmann entsandte, von denen Maximilian Andrä Peraith Administrator wurde, während sich Propst Hirmer in den Pfarrhof nach Lassing zurückzog. Nach dem Ende der Vorauer Administration räumte man Propst Hirmer 1736 wieder die Temporalienverwaltung des Stiftes ein, doch wollte er dorthin nur dann zurückkehren, wenn man ihm auch die Spiritualia übergebe, was aber nicht sofort geschah. Über diese Verhandlungen ist Hirmer zwei Jahre später gestorben. Er war der 18. und letzte Propst der Kanonie Rottenmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Administration durch das Stift Vorau===&lt;br /&gt;
Die Administration Voraus stieß in Rottenmann sofort auf vielfältige Schwierigkeiten und die Vorauer Chorherren hatten anfangs unter den ständigen Belästigungen, Verdächtigungen und Verleumdungen durch die Gläubiger des Stiftes sehr zu leiden. Diese reichten bei der Regierung ununterbrochen Klagen ein, die zu wiederholten Mahnungen, Drohungen und Untersuchungen durch die staatlichen Behörden führten. Propst Webersberg von Vorau suchte deshalb die Bürde der Administration loszuwerden, da sich auch der Plan Voraus, sämtliche Schulden von Rottenmann zu übernehmen, wenn dieses Vorau einverleibt werde, fehlschlug. Es dauerte bis 1735, dass Vorau von der unglaublich schwer gefallenen Versprech- und Zahlungsbürde befreit wurde. Damals waren vom ursprünglichen Rottenmanner Konvent nur noch zwei Chorherren am Leben. Es war daher notwendig, Chorherren aus Vorau ständig nach Rottenmann zu entsenden, um den Konvent wieder aufzufüllen und die Pfarrseelsorge gewährleisten zu können. Mittels eines Vertrages wurden am 24. April 1735 neun Vorauer aus ihrem Klosterverband entlassen und vom Admonter Abt feierlich und dauernd dem Stift Rottenmann inkorporiert. Einer von ihnen, [[Johann Albin de Apostolis]], wurde als Administrator in spiritualibus und Dechant bestätigt. Auch alle folgenden Stiftsvorsteher führten den Titel Dechant und Administra tor, sodass es von 1738 bis zur Aufhebung des Stiftes 1785 keinen Propst mehr gab. Für Rottenmann wäre die Inkorporation der obersteirischen Pfarre Pöls eine große finanzielle Hilfe gewesen. Obwohl Admont diese Einverleibung befürwortete, lehnte Salzburg ab. Man verlieh die Pfarre aber dem Chorherren [[Anian Stadler]], der dadurch Erzpriester wurde, aber dem Stift von der Pfarre 1.000 Gulden jährlich abführen musste. Als man später von ihm immer höhere Summen verlangte und mit Pfändung drohte, verließ er Pfarre und Stift für immer. In dieser Zeit konsolidierte sich die wirtschaftliche Situation des Stiftes allmählich soweit, dass 1760/70 (1750) ein Flügel des Stiftsgebäudes neu errichtet werden konnte, der jetzt &amp;quot;Schloss&amp;quot; genannt wird. Auf Johann Albin de Apostolis, er war bereits der dritte Administrator, folgten noch vier weitere Dechante, von denen [[Matthäus Huszar]] und [[Joseph Anton Haring]] noch aus Vorau gekommen, [[Albin Patrizius Mayrhofer]] und [[Franz Xaver Ortner]] aber bereits in Rottenmann eingetreten waren. Ortner war von 1775 bis 1785 Dechant und erlebte in diesem Jahr die Aufhebung des Stiftes. Er wurde danach Säkular-Stadtpfarrer von Rottenmann und starb 1790.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsaufhebung===&lt;br /&gt;
Am 15. Juli 1785 verkündete der Kreishauptmann von Judenburg Paul Purgstaller dem Dechant und Konvent die Aufhebung des Stiftes. Dechant und Konvent durften noch fünf Monate im Kloster bleiben. Als Jahrespension wurden dem Dechant 600 Gulden, dem Pfarrer 400 und den Chorherren je 300 Gulden angewiesen. Bei der Aufnahme des Inventars waren 2.007 Gulden Bargeld und 7.335 Gulden Aktivvermögen vorhanden. An Pretiosen fand sich im Stift nur wenig Bedeutendes vor. Das wertvollste Stück stellte ein altes (wohl spätgotisches) Pastorale aus vergoldetem Silber mit Statuen und falschen Steinen dar, das neben drei alten Mitren an die Zeit erinnerte, als noch Pröpste das Stift regierten, denn die Dechante ab 1735 waren nicht infuliert. Sonst gab es noch die überkommenen Silberbestecke und -becher, die samt allen anderen entbehrlichen Silbergeräten eingezogen wurden. Das Stiftsvermögen betrug einschließlich der Pfarren Lassing, Liezen und Irdning 150.333 Gulden, am wertvollsten war die Herrschaft Rottenmann. Sämtlicher Grund- und Gültenbesitz bildete ab sofort die Kammeralherrschaft Rottenmann, deren erster Verwalter Purgstaller wurde. Die zwölf ehemaligen Chorherren und der Dechant blieben noch fünf Monate im Stift. Die meisten übernahmen die Seelsorge auf den Stiftspfarren bzw. blieben weiter dort, wo sie schon bisher gewirkt hatten, bis der letzte von ihnen 1825 in Lassing starb. Die Michaelskapelle neben der Stadtpfarrkirche wurde profaniert und zum Wohnhaus gemacht. Die Spitalkirche (Maria am Rain), vom Abbruch bedroht, fand im Bürger Paul Egger einen großherzigen Retter, indem er sie kaufte und der Rottenmanner Pfarrgemeinde schenkte, mit der Verpflichtung, die Kirche stets im baulichen Zustand zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Kloster Rottenmann war von Wolfgang Dietz mit Eigengütern, Stücken, Gründen, Gülten, Zinsen und Diensten dotiert worden, die für den Unterhalt eines Klosters vorerst ausgereicht haben mochten, wenn ihnen noch weitere und nicht zu kleine Erwerbungen durch das Stift gefolgt wären. Die Einkünfte dieser Güter erbrachten nach dem &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; Friedrichs III. vom 19. November 1456 jährlich 70 Pfund Pfennige. Die gestifteten Güter waren folgende: zwei Huben zu Treglwang samt vier dazugehörigen Herbergen, zwei Huben im Dorf Gaishorn samt einer Herberge daselbst (beide Orte im Paltental), etwa sechzehn Dienste von Gütern zu Bad Mitterndorf, im Hinterberg bei Rottenmann, Oberdorf und Reut, Zinse und Dienste von 16 Gütern oder Huben bzw. Almen in der Strechen bei Rottenmann, sowie Zinse und Dienste von einem Haus, Garten und Acker, mehreren Werk- und drei Hofstätten, gelegen am Rain zu Rottenmann, also unmittelbar beim Kloster. Diese Güter, die bereits in einem eigenen Urbar verzeichnet waren, übergaben Dietz und seine Frau Anna, samt der schon früher (1439) von ihnen auf den genannten Gütern zur Kirche Maria am Rain gestifteten Messe, dem Kloster. Dazu fügte die Rottenmanner Bruderschaft unserer lieben Frau noch die Stiftung des Adam Riedmarcher von 1456 an diese Bruderschaft hinzu, welche drei Schenkungen mit dem kaiserlichen Bestätigungsbrief von 1456 anerkannt wurden. Kurz vor seinem Tod beschenkte Dietz das Stift neuerlich. An dieses kamen dadurch die Bambergischen Lehen bei St. Georgen bei Rottenmann, bestehend aus fünf Bauern gütern samt den Zugehörungen, Wäldern, Äckern und Almen, die salzburgi schen Lehen in der Pfarre St. Lorenzen im Paltental, der Anteil des Dietz am Eisenbergwerk zu Liezen samt Hämmern und Blähhäusern, schließlich noch einzelne Stücke im Pyhrn, in der Strechen bei Rottenmann und ein Acker ober der Landstraße am Rain. Die Summe der davon einkommenden Dienste betrug fast 110 Pfund Pfennige jährlich. Drei Tage bevor Dietz starb, schenkte er die letzten fünf Güter samt Mühlen und anderen Zugehörungen an sein geliebtes Stift, ebenso seine Barschaft und Kleinodien, sein Silbergeschirr und Bettgewand. Auf einigen der gestifteten Güter lagen Verpflichtungen zu Messen oder Jahrtagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon 1455 war dem Kloster die Rottenmanner Pfarre St. Nikolaus inkorporiert worden, doch kam das Kloster nur unter Schwierigkeiten in deren faktischen Besitz. Die Einkünfte der Pfarre betrugen ca. 16 Mark Silber. In der Folge wurde das Stift von Privaten mit Schenkungen bedacht und kaufte auch selbst Güter an, darunter Anteile am Eisenabbau am Salberg bei Liezen und ein Gut in der Pfarre Haus im Ennstal. Kaiser Friedrich ordnete an, dass alle Erzschürfe in der Pfarre Rottenmann und in Oppenberg beim Propst angesucht werden müssten, und dem Pfleger zu Wolkenstein trug er auf, die Wälder und Fischwässer des Klosters in der Strechen vor Übergriffen der Bevölkerung zu schützen. 1464 befreite Friedrich III. das Stift von allen Steuern auf seinen Gütern im Burgfried Rottenmann. Schon Kaiser Maximilian I. schrieb an den Heiligen Stuhl, dass das Kloster &amp;quot;valde pauper et exile in redditibus est.&amp;quot; Dies blieb so bis zur Vorauer Administration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert gliederte sich der Besitz des Stiftes in folgende Ämter: Au, Donnersbach, Irdning, Lassing, Liezen, Oppenberg, Paltental, Perndorf (Bärndorf), Stadt Rottenmann, Schladming, Seiten, Strechau (Strechen), Treglwang, das Hofamt und das einverleibte Gösser Amt Rottenmann. Von 1675 bis 1754 besaß das Stift ein Haus in Graz, von 1652 bis 1667 das Gut Aigen im Ennstal. Dass das Stift niemals in den dauernden Besitz der einen oder anderen größeren Herrschaft gelangte, ist einer der Gründe für seine permanente wirtschaftliche Misere. Ein anderer ist die für das arme Stift viel zu hohe landesfürstliche Besteuerung unter Ferdinand I. Allein durch die Quart verlor das Stift 59 Pfund Herrengülten an Andreas Hoffman, dessen Familie die Güter auch dann nicht mehr herausgab, als das Stift sie zurückkaufen konnte. Die seitens der Landschaft erfolgte Einziehung der Stiftspfarren, deren Erträge stiftische Steuerschulden abdecken sollten, und die von den evangelischen Hoffman lange Zeit ausgeübte Vogtei über die Pfarren beraubte das Stift jahrzehntelang aller Einnahmen daraus. Häufiger Propstwechsel, wirtschaftliche Nachlässigkeit der oft nur kurz amtierenden Stiftsvorsteher und kostspielige Amtsführung einiger Pröpste des 17. Jahrhunderts ruinierten das Stiftsvermögen zusätzlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1692 machte der Konvent die Regierung in mehreren Punkten auf die finanzielle Notlage des Stiftes aufmerksam und begründete sie damit, dass Rottenmann von der seinerzeitigen Verleihung der Erzschürfrechte in den Pfarren Rottenmann und Oppenberg nichts habe, weil die Flöße unergiebig seien. Die Befreiung der Klostergüter von der Landessteuer sei erloschen und außer einigen Äckern müsse jetzt alles versteuert werden, sogar &amp;quot;jedes Ay&amp;quot;. Die dem Stift seinerzeit geschenkten Weingärten und zwei Äcker habe man den Erben des Gebers teuer abkaufen müssen. Die staatlichen Steuern seien vom Stift trotz Befreiung durch Friedrich III. 1491 (recte: bis auf Widerruf!) immer wieder gefordert worden und hätten zuletzt 100.000 (?) Gulden betragen, wovon die derzeitige Verschuldung herrühre. Sogar die Pfarre Irdning habe 1525 zur Quart beitragen müssen. Die Pfarre Lassing hätten die Landstände 1563 dem Stift gewaltsam entzogen und evangelischen Prädikanten übertragen, weshalb das Stift 30 Jahre lang von der Pfarre nichts genossen habe, im Gegenteil, es hätte die Pfarrgülten durch Verkauf anderer Gülten ablösen müssen. Kaiser Leopold I., an den sich das Stift um Hilfe und Schutz wandte, vertröstete es 1692, auf bessere Zeiten zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Aquilin Hirmer erfolgte der offizielle Bankrott des Stiftes, der de facto schon längst eingetreten war. Der Stiftsbesitz umfasste 1702/03 den Stiftshof in Graz sam t einem Garten, je einen Weingarten im Sausal (Weststeiermark) und zu Pichl, je zwei Weingärten zu Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer, die neue Weinfechsung und die Weinvorräte in Graz und Rottenmann, den stiftischen Meierhof, zwei Gärten, eine Mühle, einen Hammer, vier Häuser und einen Garten in der Stadt Rottenmann, drei große Fischteiche, das Jagdrevier und die Wälder in der Strechen, die Holz- und Jagdgerechtigkeit &amp;quot;Creuzberg&amp;quot;, das Jagdrecht in &amp;quot;Khüzsteug&amp;quot;, Zehente zu Liezen, Lassing, Oppenberg und Irdning sowie ganze 1.000 Gulden Bargeld. Die Untertanenausstände betrugen 1.505 Gulden. Das Inventar an Silbersachen weist neben vier Pektoralien an Goldketten und drei schönen Pontifikalringen das übliche Tafelgeschirr aus. Daneben werden im Inventar 28 Betten und drei Khobelwägen sowie sechs Schlitten angeführt. 1706 waren die Schulden des Stiftes auf über 170.000 Gulden angewachsen, denen Aktivwerte von 190.000 Gulden gegenüberstanden. Das Stift war am Ende seiner Zahlungsfähigkeit, während die zahlreichen Gläubiger ihr Geld forderten. Als Retter in höchster Not konnte das Bruderstift Vorau gewonnen werden. Die von 1711 bis 1734 dauernde Vorauer Administration stellte 1735 eine Kalkulation auf, der zufolge bei Übernahme der Verwaltung das Stiftsvermögen 134.153 Gulden, die Schulden aber 162.858 Gulden betragen hätten. Um die fast hundert Gläubiger wenigstens teilweise zu befriedigen, hatte man unfundierte Grundstücke, Weingärten sowie die Wein- und Getreideausstände abgestoßen, ebenso die kaiserlichen Subsidien aus der Rottenmanner Maut. Vorau konnte in der Zeit seiner Verwaltung 50.000 Gulden an reinem Schuldenkapital und weitere 30.000 Gulden Schuldenzinsen tilgen. Trotzdem blieb noch ein Schuldenrest von 71.847 Gulden, allerdings war auch das Vermögen des Stiftes durch die Verkäufe auf einen Wert von 85.721 Gulden gesunken. Während der letzten Jahrzehnte seines Bestandes erholte sich das Stift wirtschaftlich so weit, dass bei seiner Aufhebung Aktiva von 150.333 Gulden Schulden von nur 706 Gulden gegenüberstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Als 1475 zum ersten Mal ein Propst aus dem Rottenmanner Kapitel gewählt wurde, geschah dies noch im ersten Stift zu St. Maria am Rain vor einer Reihe von geistlichen Zeugen, darunter der ehemalige erste Propst Jung. Der Gewählte willigte nach dem üblichen Einwand der Unwürdigkeit in die Übernahme des Amtes ein, worauf ein &amp;quot;Tedeum&amp;quot; gesungen und der Erwählte unter Glockengeläute vor den Altar der hl. Maria geführt wurde, wo er sich auf sein Angesicht warf und die vorgesehenen Gebete über ihn gesprochen wurden. Dann verkündete man die Wahl dem versammelten Volk. Ein Kleriker der Passauer Diözese, der als öffentlicher Notar dem Wahlakt beigewohnt hatte, verfasste eine Urkunde, die von allen Kapitularen unterschrieben, mit dem Konventsiegel versehen und dann an den Salzburger Erzbischof gesandt wurde, mit der Bitte, die Wahl zu bestätigen und den Gewählten persönlich zu konfirmieren. Die Konfirmierung erfolgte bald darauf in Salzburg, indem der Neuerwählte den Treueid auf die Salzburger Kirche ablegte, worauf ihm der Ring angesteckt wurde. Noch Propst Magnus Praitenpaumer reiste 1512 persönlich zur Konfirmation nach Salzburg, sein Nachfolger Propst Walcher erhielt seine Investituren 1555 aber schon in Rottenmann durch den Salzburger Domdechant. Propst Reisacher wurde 1574 wieder in Salzburg konfirmiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit der Reformation kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Salzburg und dem Landesfürsten über das Recht der Ein- und Absetzung der Pröpste. Schon der Postulation von Propst Ritzinger nach Vorau durch König Ferdinand I. hatte Salzburg nicht zugestimmt und auch gegen die Absetzung von Propst Panichner durch den Erzherzog verwahrte sich Salzburg entschieden. Propst Muchitsch war 1581 vom Grazer Nuntius kraft päpstlicher Vollmacht seines Amtes entsetzt worden, worauf er Christof Staindl zum Propst berief. Dessen Resignation wollte Salzburg zunächst nicht annehmen und befahl ihm, auf seinem Posten zu bleiben, um eine Neubesetztmg der Propstei durch den Nuntius oder Landesfürsten zu verhindern. Allein die Namen der mit dieser Angelegenheit von Salzburg wie dem Landesfürsten befassten Persönlichkeiten zeigen das hohe Interesse beider Seiten, kein Präjudiz entstehen zu lassen. Dass Muchitsch neuerlich zur Propstei berufen wurde, hatte er allein dem Willen des Erzherzogs zu verdanken. Propst Pechinger wurden 1624 die Spiritualia von zwei salzburgischen Kommissären, dem Erzpriester Georg Hammer und dem Pfarrer von St. Dionysen bei Bruck, die Temporalia aber von diesen gemeinsam mit kaiserlichen Kommissären eingeantwortet. Dazu hatten letztere alles Recht, denn Rottenmann war ein kaiserliches Stift und der Landesfürst seit jeher sein Vogt. Diese rechtlich geteilte Zuständigkeit hatte für die Kanonie bis zur Aufhebung Geltung. Eine Auszeichnung durch Salzburg bedeutete für Propst Johann Kuglperger seine Berufung zum Archidiakon im Ennstal (1494), welche Bürde er, trotz Bitte um Enthebung, bis ans Lebensende tragen musste. Sein Nachfolger Magnus Praitenpaumer wird 1524 Kommissär des Salzburger Archidiakonates genannt. Propst Panichner war, ungeachtet seiner persönlichen Verhältnisse, seit 1562 zugleich Archidiakon der Ober- und Untersteiermark. Nach seiner Resignation 1573 kam kein Rottenmanner Propst mehr zur Würde des Archidiakons. Diese wurde im 17. Jahrhundert an die Äbte von Admont übertragen, was zu Spannungen Admonts mit Rottenmann führte, das sich bei der Besetzung dieses Amtes, das früher die Pröpste innegehabt hatten, übergangen fühlte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu großen rechtlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlaufe des 16. Jahrhunderts mit den Eigentümern der nächst der Stadt Rottenmann gelegenen Herrschaft Strechau, den Freiherrn Hoffman. Diese griffen nach der Vogtei der Pfarren Irdning und Lassing und maßten sich unter diesem Titel die Inventur der Güter verstorbener Pfarrer sowie die Investitur der neuen Pfarrer an. 1539 sah sich das Stift gezwungen, mit Hans Hoffman einen Vertrag abzuschließen, der - entgegen den kaiserlichen Privilegien für das freie Besetzungsrecht des Stiftes - die Mitwirkung der Herrschaft bei der Besetzung der Pfarre Lassing festlegte. 1564 entzog die mehrheitlich evangelische Landschaft dem Stift die Pfarren Lassing, Liezen und Oppenberg unter dem Vorwand stiftischer Steuerschulden, und Hans Friedrich Freiherr Hoffman zu Strechau, prominentester Sprecher der evangelischen Landstände, besetzte die Pfarren mit Prädikanten aus dem Reich. Das Stift konnte dagegen auch deshalb nichts unternehmen, weil es nicht in der Lage war, die Pfarren mit eigenen katholischen Seelsorgern zu versorgen. Versuche des Stiftes, die Pfarren von den Hoffman zurückzubekommen, scheiterten trotz mehrerer landesfürstlicher Mandate am Widerstand der Hoffman und der evangelischen Bevölkerung. Dieser wurde erst 1599 durch die von Erzherzog Ferdinand mit Hilfe des Seckauer Bischofs Martin Brenner und militärischer Gewalt durchgeführte Gegenreformation endgültig gebrochen. Seit die Prälaten auf dem steirischen Landtag eine eigene Kurie bildeten, gehörten die Rottenmanner Pröpste diesem Gremium an. Propst Andreas Pechinger (1624–1645) war anscheinend der erste Rottenmanner Propst, der vom Prälatenstand in das Verordnetenkollegium entsandt wurde, denn das mit 1644 datierte Tor des damals fertiggestellten Grazer Landeszeughauses trägt - neben den Wappen der übrigen Verordneten - die kombinierten Wappen des Stiftes und des Propstes. Am 2. März 1711 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Bedingungen enthielt, unter denen das Stift Vorau die Rettung des überschuldeten Klosters Rottenmann übernehmen wollte. Vorau gab acht Chorherren für Rottenmann ab, die formell in dieses Stift übertraten, damit die Seelsorge auf den Stiftspfarren gewährleistet werden konnte. Salzburg bestellte aber weiterhin keinen Propst mehr, sondern ein vom Erzbischof ernannter Dechant leitete das Stift bis zu dessen Aufhebung. Für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit des Stiftes wird bereits 1473 ein Hofrichter erwähnt, der mit dem Gerichtsstab &amp;quot;in offenen Hoffrecht&amp;quot; namens des Propstes zu sitzen pflegte. Die Blutgerichtsbarkeit besaß das Kloster nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Der erste Rottenmanner Propst Johannes Jung kam mit fünf Mitbrüdern vom Augustinerkloster in St. Dorothea in Wien nach Rottenmann. Jung stammte aus Dinkelsbühl, war 1431 an der Wiener Universität zum Doktor der Theologie promoviert worden und Dechant zu Vorau und St. Dorothea gewesen. Die anderen fünf Konventualen Georg Kastner, Stefan Tengkh aus Eggenburg, Jakob von Luttau, Mag. Wolfgang von Wilhelmsburg und der Konverse Andreas Prunlechner stammten zum Teil aus Niederösterreich. Jung sollte 1463 Propst des Bayrischen Klosters Au werden, wohin er mit Wolfgang von Wilhelmsburg abreiste, doch waren die Verhältnisse dort so unleidlich, dass sie der Erzbischof auf die Propstei St. Mauritz im kärtnerischen Friesach postulierte. Auch Wolfgang von Wilhelmsburg war ehedem Chorherr in Vorau. Er und Jung waren vom Vorauer Propst zwecks Reform von St. Dorothea nach Vorau geholt worden, werden als gelehrt und ihr Wirken für Vorau als segensreich beschrieben. Der 1475 erwähnte Chorherr Jakob Smuzer dürfte der erste gebürtige Rottenmanner gewesen sein, der in das Stift eintrat, denn in Rottenmann gab es eine gleichnamige Bürgerfamilie, die 1446 den Stadtrichter stellte. Auch der zweite Propst wurde aus dem Mutterkloster erbeten und hinterließ 1475 acht Chorherren sowie den bereits erwähnten Konversen Andreas. Später sind in Rottenmann keine Konversen mehr nachzuweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Wahl des Propstes Johann Kuglperger, dessen Heimat Frankenmarkt in Oberösterreich war, befanden sich außer ihm noch sieben Kanoniker und der Laienbruder Andreas im Konvent. Der 1512 verstorbene Propst Kuglperger hat elf Chorherren aufgenommen, darunter seinen aus Kirchdorf in Oberösterreich gebürtigen Nachfolger und einen gewissen Martin Hartlieb aus Rottenmann. Alle Chorherren waren bürgerlicher Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Ritzinger gehörte ursprünglich dem Orden der Dominikaner an, war aber 1535 als Chorherr aufgenommen worden. Er wechselte nach einigen Jahren nach Vorau, musste aber auch dort resignieren und starb als Chorherr dieses Stiftes. Er hatte in Rottenmann nur zwei Chorherren aufgenommen, darunter einen Verwandten namens Rupert Ritzinger. 1552 gab es außer dem damaligen Propst Sigmund Kleubenstein nur noch zwei Priester im Konvent, als der Propst drei Jahre später starb, überhaupt keinen Kanoniker mehr. Dieser Zustand dauerte mehr als vierzig Jahre, weshalb es ein Jahrhundert lang keine gewählten, sondern nur noch designierte Pröpste gab. Diese waren vor ihrer Berufung Mitglieder der Augustiner-Chorherrenklöster St. Zeno in Reichenhall, Berchtesgaden und Seckau. Ihnen folgte in der Würde Johann Muchitsch aus Cilli/Celje, Pfarrer von St. Ägidius in Graz, Hofkaplan und Almosenier Erzherzog Karls. Er sollte das feierliche Ordensgelübde im Seckauer Kloster ablegen, wurde aber vom Grazer Nuntius abgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst war eigentlich Angehöriger des St-Georgs-Ordens zu Millstatt, nach seinem Weggang wurde wieder der schon vorher Propst gewesene Johann Muchitsch eingesetzt, dessen Bruder Georg der bekannte Erzpriester, Pfarrer von Gratwein und Propst von Pöllau war. 1633 befanden sich außer dem Propst wieder sechs Chorherren in Rottenmann, von denen zwei aus Graz, einer aus Rottenmann, einer aus Augsburg und einer aus Böhmen stammte. Nach dem Tod des Propstes Pechinger 1645, der ein gebür tiger Leibnitzer war, wählten neun Chorherren den neuen Propst Bartholomäus Ferdinand Judex, einen Minoriten aus Graz, der aus der Diözese Prag stammte. Bei seinem Tod 1672 lebten außer dem zum Nachfolger gewählten Dechant Georg Christoph Mourat noch weitere acht Chorherren, sieben Priester und ein Diakon, im Stift. Der Senior war 58 Jahre alt, ein Chorherr zählte 49 Jahre, sechs waren zwischen 32 und 38 Jahre alt, bei einem fehlt die Altersangabe. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug ca. 40 Jahre. Als Klosterämter werden 1659 ein &amp;quot;inspector culinae&amp;quot;, ein &amp;quot;cellarius&amp;quot;, ein &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, 1663 ein &amp;quot;vicedecanus&amp;quot; und ein &amp;quot;vestiarius&amp;quot; sowie ein &amp;quot;rector musices et bibliothecarius&amp;quot;, erwähnt. Die Funktionen des &amp;quot;sacristanus&amp;quot;, &amp;quot;cathechista&amp;quot; und &amp;quot;cellarius&amp;quot; waren damals in einer Person besetzt und alle stiftischen Seelsorgestationen hatten ihren Vikar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1681 war die Zahl der Konventualen, einschließlich des Propstes, auf 16 Herren gestiegen, sank aber dann bis 1736 infolge ausbleibender Eintritte rasch ab. 1711 kamen die ersten Vorauer Chorherren nach Rottenmann, wo schon 1685/86 Dr. [[Eusebius Johann Kendlmayer|Eusebius Kendlmayr]] aus Vorau, Bruder des Rottenmanner Propstes, als Novizenmeister gewirkt hatte. Da die Aushilfe der Vorauer in der Seelsorge der Rottenmanner Pfarren anfangs nur interimistisch gedacht war, wurde eine dauerhafte Regelung des Personalproblemes notwendig. 1735 traten folgende Chorherren von Vorau nach Rottenmann über: Johann Albin de Apostolis (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Michael Schrottmiller (Pfarrer zu Liezen, verstorben 1745), Matthäus Huszar (Administrator und Dechant, verstorben 1757), Anton Marcellin Simbinelli (Stadtpfarrer zu Rottenmann 1724–1774), Anian Stadler (Pfarrer von Pöls, Archidiakon, aus dem Orden ausgetreten), Martin Posaucko (verstorben 1758), Johann Caspar Kern (verstorben 1772), Theoderich Kalchegger (verstorben 1748) und Joseph Anton von Haring (Pfarrer in Irdning, dann Dechant 1757–1764). Simbinelli war der letzte aus Vorau gekommene Chorherr Rottenmanns. Mit dem Tod des letzten Propstes Aquilin Hirmer und seines Mitbruders [[Johann Anton Külnprain]] im Jahre 1738 war der ursprüngliche Rottenmanner Konvent ausgestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die mit Vorauer Herren besiedelte Kanonie musste nun selbst für ihren personellen Fortbestand sorgen und tatsächlich konnten bis 1782 immer wieder Kandidaten für den Eintritt in Rottenmann gewonnen werden. Bei der Aufhebung des Stiftes 1785 war der Konvent zahlenmäßig gleich stark wie er hundert Jahre zuvor gewesen war. Im Stift lebten zuletzt außer dem Dechant und gleichzeitigen Administrator Franz Xaver Ortner noch sieben Chorherren, fünf weitere versahen die Seelsorge auf den Stiftspfarren. Sieben der dreizehn Chorherren kamen aus der Steiermark, drei aus dem Erzstift Salzburg und je einer aus Kärnten, Linz und Böhmen. Das Durchschnittsalter des Konventes betrug knapp 42 Jahre. Der letzte ehemalige Chorherr Rottenmanns dürfte Johann Ev. Neuhofer gewesen sein, der 1825 als Pfarrer von Lassing starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J. Wichner hat eine Liste der Chorherren von 1455 bis zur Aufhebung des Stiftes zusammengestellt, die erkennen lässt, dass der Konvent während der 330 Jahre seines Bestehens hauptsächlich von bürgerlichen, möglicherweise sogar aus dem Bauernstand stammenden Chorherren besetzt war. Adelige sind im Konvent nur vereinzelt nachzuweisen, wie z. B. Propst [[Johann David Panichner]], der hohe Adel war in Rottenmann überhaupt nie vertreten. Wegen ihrer so lange Zeit wirtschaftlich zerrütteten Lage und des dadurch angeschlagenen Ansehens bot die Kanonie für Söhne des hohen Adels, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, zu wenig Attraktivität, um dort einzutreten. Söhne aus prominenten Familien bevorzugten für ihren Eintritt die besser situierten und renommierten Stifte des Landes. Rottenmann kann daher als ein von der vermögenden Oberschicht während der Barockzeit gemiedenes Kloster gelten, das deshalb der gerade in jener Zeit reichlich fließenden Mittel und Protektion dieser sozialen Gruppe entbehren musste, was sich für die Wirtschaftsgebahrung des Stiftes nachteilig auswirkte. Vielleicht sollte die 1684 an der Kanonie erfolgte Errichtung der &amp;quot;Congregatio Nobilium et Sacerdotium&amp;quot; zum hl. Franz Xaver dem angeschlagenen Prestige des Klosters aufhelfen, denn unter ihren Mitgliedern befanden sich Personen aus den höchsten Ständen, wie einzelne Äbte von St. Paul im Lavanttal und Vorau, Landeshauptmann Carl Weikhard Graf Breuner, Fürstin Maria Charlotte Eggenberg, Grafen, hohe Offiziere und zahlreiche Kanoniker der steirischen Stifte sowie Priester von bedeutenden Pfarren, bis hin zum Pfarrer von St. Johann in Tirol, aber auch der bekannte Vorauer Barockmaler Johann Cyriak Hackhofer. Die Bruderschaft gab ihre Mitgliederlisten stets aktualisiert, sogar gedruckt, heraus, diese sind aber zugleich mit dem Stift untergegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Sakralbauten===&lt;br /&gt;
Über die Entstehung der Nikolaus-Kirche ist nichts bekannt. Angeb lich soll 1249 der Hauptaltar geweiht worden sein, 1266 folgte die Weihe eines Bartholomäus-Altares. Die Kirche gehörte als Filiale zur Pfarre Lassing. Mit der Zuerkennung des Stadtrechtes drehte sich das Verhältnis der Rottenmanner St.-Nikolaus-Kirche zur Mutterpfarre um. 1323 erscheint bereits ein Pfarrer in Rottenmann. 1398 spendete der damalige Pfarrer eine Turmuhr und die Stadt die Uhrglocke dazu. Aus der Zeit 1341/55 werden bereits mehrere Altäre in der Kirche erwähnt, die der Jungfrau Maria, dem hl. Andreas und dem hl. Leonhard geweiht waren. Für die wachsende Stadtbevölkerung wurde die Pfarrkirche bald zu klein, sodass 1446 mit dem Umbau der romanischen Kirche begonnen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inkorporierung von Pfarre und Kirche in das Stift Rottenmann verlief nicht reibungslos, besonders seit die Chorherren 1480 in das Pfarrhaus eingezogen waren. Denn bisher hatte die Stadt den Kirchenbau betrieben, und am massiven Kirchturm, der der Stadt gehörte, prangte das Stadtwappen. Nun übernahm das Stift den weiteren Ausbau der Pfarr- und Kollegiatkirche. Diese erhielt ein fast quadratisches neues Langhaus, das 1479 vom Rottenmanner Baumeister Christoph Marl baulich abgeschlossen wurde. Marl hatte aus der geplanten vierjochigen dreischiffigen Halle eine dreijochige Anlage gemacht, indem er statt der notwendigen sechs nur vier Pfeiler errichtete, weshalb er mit neun Gewölbejochen auskommen musste. Dies führte zu der eigenartig verzerrten Rippenlegung des Gewölbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1489 weihte der Lavanter Bischof Erhard das Langhaus und fünf Altäre: einen in der Mitte zu Ehren der Jungfrau Maria, die anderen den hl. Bartholomäus/Augustin, Andreas, Florian und Leonhard. Hatte schon die Errichtung des 40,2 m langen und fast 16 m breiten Langhauses das mit Gütern nicht gerade übermäßig gesegnete Stift viel Geld gekostet, konnte die Vollendung des Chores nur mit Hilfe von Spenden, Privatstiftungen und Grundverkäufen finanziert werden. Der Chor ist fast ebenso lang wie das Kirchenschiff, aber nur 13,5 m breit. Auch er ist durch ein Säulenpaar in drei Schiffe geteilt. Am 12. Juni 1512 konsekrierte Bischof Berthold Pürstinger von Chiemsee die fertiggestellte Kollegiatkirche samt weiteren vier Altären. Der Hochaltar war den hl. Nikolaus, Rupert und Virgil dediziert, der zweite Altar der hl. Anna, der dritte dem hl. Stefan, der vierte dem hl. Bischof Dionysius. Außerdem weihte der Bischof eine über der Sakristei gelegene Kapelle mit einem Altar zu Ehren der vier Kirchenlehrer und des hl. Bischofs Martin. Das Kirchweihfest wurde auf den Sonntag nach Michaelis, das Fest der Weihe des Hochaltars auf den Sonntag &amp;quot;Cantate&amp;quot; festgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1513 wurde der in der Mitte der Kirche stehende Lieb-Frauen-Altar abgebrochen, weil er, nach Vermutung Kohlbachs wahrscheinlich ein Lettneraltar gewesen ist und die Sicht auf den neuen Hochaltar verstellte. Die Ausgestaltung des Chores übernahm der berühmte Maler und Bildschnitzer Lienhard Astl, der dafür 1521 die hohe Summe von 111 Pfund erhielt, wobei es sich möglicherweise um den Preis für einen Flügelaltar gehandelt hat. Für die Stiftskirche schaffte Propst Magnus Praitenpaumer auch eine aus rotem Salzburger Marmor gearbeitete Kanzel an, die noch vorhanden ist und sein und des Stiftes Wappen sowie die Jahreszahl 1513 trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls in diese Zeit gehört der 1514 entstandene und aus Zirbenholz geschnitzte Betstuhl zu Ehren Friedrichs III. und seiner Gemahlin Leonora, der 1977 vom Leobner Bildhauer Josef Veiter restauriert wurde. Der Datierung nach dürfte der Betstuhl eine Widmung Kaiser Maximilians I. an seine Eltern sein, denn der Kaiser hielt sich mehrmals in Rottenmann auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Bartholomäus Ferdinand Judex (1645–1672) ist der Auftraggeber des Chorgestühls mit seiner reich intarsierten Wandvertäfelung, und unter Propst Mourat erfolgte 1675 der Anbau der vier barocken Seitenkapellen, von denen drei Altarblätter von der Hand des Kremser Schmidt (um 1770/1777) schmücken. Sie stellen die Heiligen Antonius von Padua, Josef und Franz Xaver dar, der vierte Altar ist der hl. Maria geweiht. Nach dem 1686 in Graz gedruckten Buch über die St.-Xaver-Bruderschaft am Stift Rottenmann wird Propst Kendlmayr als derjenige bezeichnet, der die Kapelle des hl. Franz Xaver erbaut und darunter die Gruft der Chorherren angelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679 wurde der Musikchor errichtet. Aus derselben Zeit stammt das Gehäuse der Orgel, die 1794 von Franz Xaver Chrismann ein neues, noch vorhandenes Werk erhielt, das nach Chrismanns Tod (Rottenmann 1795) von seinem Schüler vollendet wurde. Im 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar der Pfarr- und Kollegiatkirche im Rokokostil erneuert und mit einem Altarblatt des Kirchenpatrons Nikolaus von Philipp Carl Laubmann versehen (1760). Zahlreiche Heiligenstatuen der Kirchenaltäre datieren ebenfalls aus jener Zeit. Sämtliche Kirchenglocken stammen aber aus neuerer Zeit. In den Kirchen, die einst zum Seelsorgebereich des Stiftes gehörten, befinden sich zahlreiche sakrale Kunstwerke, deren Herkunft aber nicht immer auf das Mäzenatentum des Stiftes zurückgeführt werden kann. Einzelnes davon stammt aus der Zeit vor der Stiftsgründung bzw. Inkorporation dieser Kirchen in die Kanonie, anderes dürfte von der betreffenden Pfarrgemeinde angeschafft worden sein. Für die St-Georgs-Kirche fertigte der schon erwähnte Lienhard Astl um 1520 einen 5 m hohen Altarschrein an, der neben der Statue des hl. Georg noch mehrere andere Figuren besaß, die 1966/68 mit Ausnahme des Hauptheiligen alle gestohlen wurden und bisher nicht mehr auftauchten. Die Malereien der Flügel werden dem Meister der Madonna II des Abtes Valentin Pierer (von St. Lambrecht) zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Über die Baugeschichte der ehemaligen Stiftsgebäude, deren jüngster Teil heute „Schloss&amp;quot; genannt wird, fehlen eingehende Untersuchungen, was mit dem Mangel an Quellen zusammenhängt. Auch Kendlmayrs Chronik bietet zur baulichen Entwicklung des Stiftes nur wenige Andeutungen, außerdem schließt sie mit 1592. Historisch gesichert ist, dass die Chorherren vom ursprünglichen Stift bei der Spitalkirche in den Pfarrhof der St. Nikolauskirche übersiedelten. Die ältesten drei Abbildungen des Stiftes stammen aus den Jahren 1679 und 1681. Die erste ist ein Votivbild im ehemaligen Redemptoristenkloster von Mautern im Liesingtal, entstanden anläßlich eines Stadtbrandes von Rottenmann. Die anderen beiden Darstellungen sind Kupferstiche aus der &amp;quot;Topographia Ducatus Stiriae&amp;quot; des G. M. Vischer von 1681. Als ältester Teil der damals bereits mehrflügeligen Anlage gilt der südlich der Kirche gelegene Trakt mit dem Verbindungsflügel zur Kirche (Kern 15. Jahrhundert), jetzt als Pfarrhof genützt. Er wird auf einem Stich von Vischer mit z. T. zweigeschossigen Arkaden abgebildet, was nicht der Wirklichkeit entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert wurde der Stiftsbereich baulich sukzessive ausgeweitet. Propst Magnus Praitenpaumer (1512–1539) baute 1520 den Kornspeicher neben der Propstei, dann ein Haus daran. Im übernächsten Jahr folgte ein &amp;quot;Neubau&amp;quot; im Garten gegen das Bad zugekehrt, dann errichtete er eine (neue) Küche und Claffter. Sein Nachfolger Georg Ritzinger (1539–1545) baute einen Weinkeller, verschiedene Gewölbebogen für den Getreidekasten, eine Krankenstube, die Gartenmauer, ein Bad mit Brunnen und sanierte noch die Dächer des ganzen Klosters, alles mit ungeheuren Kosten. Von Propst David Panichner (1558–1573) schließlich heißt es nur lapidar, er habe das Kloster in Ruinen vorgefunden, aber wohnhaft hergerichtet hinterlassen, wobei für Bauten 1.500 Gulden aufgegangen seien. Aus dieser Zeit muss das Renaissance-Tor östlich der Pfarrkirche stammen. Dann scheint am Stift für viele Jahre nichts mehr gebaut worden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst in der Barockzeit wurde die Bautätigkeit am Stift wieder aufgenommen. Besonders Propst Mourat (1672–1683) huldigte einer kostspieligen Bau- und Repräsentationslust, denn es wurde ihm vom Konvent u. a. vorgeworfen, sein &amp;quot;Zimber und Khamber&amp;quot; neu gebaut, im nächsten Jahr aber wieder umgeändert, die Stube des Stiftsschaffers überbaut, den Getreidekasten baulich verändert und überhaupt manches &amp;quot;unnotwendige Gebey&amp;quot; aufgeführt zu haben. Der Propst bestritt die überstürzten Bauänderungen nicht, sondern meinte nur, der Konvent habe ihn selbst dazu &amp;quot;angeraizt&amp;quot;, da sonst kein Novize mehr &amp;quot;in dieses zerissene Closter&amp;quot; käme. Ob Propst Mourat oder noch sein Vorgänger das Stiftshaus in Graz an der Bastei beim Eisernen Tor (heute Hans-Sachs-Gasse 10) erbauen ließ, ist unklar. Es war 1674 schon im Besitz des Stiftes, wurde &amp;quot;Rottenmanner Hof&amp;quot; genannt und hatte 1706 einen Wert von 4.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1675 wurde dem Propst für die dortige Hauskapelle die Errichtung eines Altares bewilligt, auf dem &amp;quot;supra portatili&amp;quot; Messen gelesen werden durften. Zwecks Schuldentilgung verkaufte die Vorauer Administration das Haus 1711. Um 1700 wurde der älteste Stiftstrakt umgebaut und erhielt teilweise Stuckdecken mit Laub- und Bandlwerk. Als Baumeister des Stiftes dürfte der i. ö. Hof- und Kriegsmaurermeister Bartlme Ebner (verstorben nach 1708) tätig gewesen sein. Der Stiftskomplex, von einer Mauer umgeben, wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im Osten um einen Torbau und angeblich 1750 um zwei weitere Trakte außerhalb der Stiftsmauer erweitert, wobei Wichner wohl eher Recht hat, wenn er schreibt, dass 1760/70 nur ein Flügel gebaut wurde. Ob und wie diese Nachrichten mit dem bei Vischer baulich bereits abgesch lossen dargestellten Stift übereinstimmen bzw . zu ergänzen sind, muss der kunstgeschichtlichen Lokalforschung vorbehalten bleiben. Heute sind manche der auf dem Vischer-Stich abgebildeten Stiftsgebäude nicht mehr vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek== &lt;br /&gt;
Im Zuge der Errichtung der Kanonie hat diese vom Mutterkloster eine gewisse Anzahl von Büchern mitbekommen, um die kanonischen Zeiten ebenso wie die Seelsorge halten zu können. Die ersten Chorherren waren äußerst gebildet: Propst Jung besaß das Doktorat der Universität Wien, Stephan Tenk von Eggenburg war 1433 deren Rektor gewesen und Wolfgang von Wilhelmsburg hatte 1454 Sonntagspredigten verfasst, die sich noch in Vorau befinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Jung (1455–1463) wurden vier Messbücher und drei Psalter in Pergament um 9 Pfund Pfennige angekauft, was das &amp;quot;Chronicon&amp;quot; mit &amp;quot;damals ein sehr hoher Preis&amp;quot; kommentierte. Propst Ulrich von Konstanz (1463–1475) kaufte ebenfalls um viel Geld mehrere Bücher. Es entsprach den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen des Konventes, dessen Mitglieder in Wien Theologie studierten,  schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Kanonie ein &amp;quot;scriptorium&amp;quot; einzurichten, wodurch das Stift von Bücherspenden aus dem Mutterkloster oder Ankäufen etwas unabhängiger wurde. Vom Rottenmanner Chorherren [[Bernhard Faber]] wird ebenso wie von [[Sigmund Kuglperger]], Chorherr zu St. Dorothea, berichtet, sie seien fleißige und tüchtige Schreiber gewesen. Sie hätten verschiedene Bücher auf Pergament zum Gebrauch der Rottenmanner Chorherren geschrieben, darunter ein großes Buch für die Vespern, das mehrere Jahre in Anspruch genommen habe und 1499 unter Propst Johann Kuglperger, wohl einem Bruder des Sigmund, fertiggestellt worden sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Kuglperger (verstorben 1512) war ein ausgesprochener Bücherfreund. Er hinterließ eine Bibliothek gedruckter Bücher - worunter wohl Wiegendrucke zu verstehen sein werden - im Wert von 350 Pfund Pfennigen und zwei Lektionarien in Pergament von der Zeit und den Heiligen im Wert von 70 Pfund. Beim Weggang von Propst Georg Ritzinger nach Vorau (1545) war in Rottenmann bereits ein &amp;quot;schener grosser Vorrath mit allerlay Puechern&amp;quot; und in einem Gewölbe das Archiv mit den in &amp;quot;Ladlen&amp;quot; aufbewahrten Urkunden vorhanden. Fünf besonders kostbare, silberne Bücher ruhten in einer eigenen Truhe. In den nächsten Jahrzehnten wurde für die Bibliothek nicht mehr viel getan, denn das Inventar der Propstei 1578 hält nur mehr lapidar fest: &amp;quot;In der Liberay allerley allte Büecher&amp;quot;, ohne ein einziges namentlich anzuführen. Trotzdem konnte man 1591 einige Bücher an das Stift Pöllau verleihen, die aber erst 1674, nach einem ergangenen richterlichen Urteil, an Rottenmann zurückgestellt wurden, wobei nur die Zahl, nicht aber die Art der Bücher genannt wird. 1643 heißt es, die in zu geringer Anzahl vorhandenen Bücher dienten zwar dem Gebrauch der Konventualen, seien aber weder gut noch nützlich. Immerhin wird von einer Bibliothek gesprochen. Dementsprechend gab es 1663 einen Chorherren als &amp;quot;bibliothecarius&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Stift damals bereits tief verschuldet war und dies bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb, dürfte für den Ankauf neuer Bücher nur hin und wieder Geld vorhanden gewesen sein, was sich auf das geistige Niveau des Konventes ausgewirkt haben muss. Mit diesem war es bezüglich wissenschaftlicher Interessen lange Zeit hindurch nicht gut bestellt, sieht man vom historiographisch tätigen Propst Kendlmayr als Verfasser des &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; ab. An der geistigen Stagnation konnten auch die aus Vorau gekommenen und alle später noch in Rottenmann eintretenden Chorherren nicht allzuviel ändern. Denn diese Kanoniker konzentrierten sich in erster Linie auf die Aufrechterhaltung der Seelsorge in den Stiftspfarren. Dass wissenschaftliches Arbeiten im damaligen Konvent aber nicht gänzlich erloschen war, beweist der Chorherr [[Marcellin Anton Simbinelli Edler von Battistoni|Anton Marcellin Simbinelli]], der seinem berühmten Vorauer Mitbruder [[Aquilinus Julius Caesar]] um 1760 eine Abschrift der &amp;quot;Cillier Chronik&amp;quot; gab und durch einen anderen Mitbruder die vorhandenen Rottenmanner Klosterurkunden zusammenstellen ließ. Ob die 1785 vorhandenen Bücherbestände zum größeren Teil noch aus der Zeit der Pröpste oder erst unter den Administratoren ins Kloster gekommen sind, ist schwer zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich der Aufhebung des Stiftes ist auch vom Archiv und der Bibliothek die Rede, während J. Wichner über die Bibliothek nur zu sagen wusste, dass darüber nichts bekannt geworden sei. Lediglich einen Nürnberger Frühdruck (1494, Anton Koberger) aus ehemals Rottenmanner Bestand, betitelt &amp;quot;Fortalic ium fidei contra iudeos saracenos aliosque fidei inimicos&amp;quot;, konnte er in der Admonter Stiftsbibliothek nachweisen. Dagegen stellte die Aufhebungskommission fest, dass es sehr wohl eine Menge Bücher in der Bibliothek gab, auch wenn dazu kein Katalog vorhanden war. Allein mehrere hundert Werke in 764 Bänden wurden mit Verfasser und Titel aufgenommen, dazu kamen 890 Quartbände, 3.014 Bände in Quart- und Oktavformat und 800 schlechte nichts bedeidende Bücher aller Formate, einiges auch noch ungebunden. Die Bücher waren auf Holzstellagen, aber nach Wissensgebieten völlig vermischt aufgestellt. Es handelte sich vor allem um Werke der Theologie und ihrer verschiedenen Disziplinen, aber auch Publikationen zur Historiographie, darunter die &amp;quot;Scriptores Rerum Germanicarum&amp;quot;, die &amp;quot;Historia Friderici III. &amp;quot; von Eneas Silvius Piccolomini, die &amp;quot;Japonische Geschichte&amp;quot; von Joannes Crasset oder die &amp;quot;Japonische Kirchengeschichte&amp;quot; von Arsad, weiters waren Druckwerke aus den Gebieten der Philosophie, der antiken Schriftsteller, der Geographie usw. einschließlich der Erbauungsliteratur vorhanden. Der Wert der Bibliothek wurde auf 400 Gulden geschätzt. Das Inventar gibt keine Auskunft darüber, was mit dem Bücherschatz geschah. Kendlmayrs &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; befindet sich heute in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Dorthin kam auch eine nicht allzugroße Zahl von Büchern aus der ehemaligen Stiftsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Im Archiv des Stiftes lagen 1785 fast ausschließlich Urkunden, die die Stiftung des Klosters und des Spitals am Rain sowie die Stiftszeit bis um 1500 betrafen. Allein diese Urkunden wurd en von der Aufhebungskommission der Inventarisierung für wert befunden, während alle zeitlich späteren Urkunden im Verzeichnis fehlen. Sie lagen möglicherweise nicht im Archiv, sondern in der Stiftskanzlei oder anderswo. Im Steiermärkischen Landesarchiv ist einiges aus dem Rottenmanner Urkundenbestand in die Allgemeine Urkundenreihe eingeflossen, und es existiert in diesem Archiv Aktenmaterial zu Rottenmann, Stift und Herrschaft, in 33 Kartons, darunter auch das Kopialbuch mit über 300 Urkunden, die bis etwas über das Jahr 1500 reichen, sowie Akten über das Stift im Archivkörper Altes Landrecht. Diese Archivalien werden ergänzt durch fünf Kartons Akten, die das Grazer Diözesanarchiv unter der Bezeichnung &amp;quot;Stift Rottenmann&amp;quot; besitzt. Das &amp;quot;Chronicon Rottenmannense&amp;quot; von Propst Kendlmayr befindet sich in der Handschriftenabteilung der Grazer Universitätsbibliothek. Akten über die Aufhebung bewahrt auch das Allgemeine Verwaltungsarchiv in Wien (&amp;quot;Alter Kultus&amp;quot;), das &amp;quot;Fundationsurbarium &amp;quot; ist als Handschrift im Wiener Haus-, Hof-und Staatsarchiv vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da immer wieder die Äbte von Admont in Rottenmann intervenieren mussten, befindet sich im Stiftsarchiv Admont eine größere Anzahl von Archivalien des 16. bis 18. Jahrhunderts bezüglich Rottenmann, die J. Widmer in sein Manuskript eingearbeitet hat. Bezüglich der Vorauer Administration ist Aktenmaterial auch im Stiftsarchiv Vorau vorhanden. Aus Rottenmann stammt eine umfangreiche handschriftliche Notensammlung von Vokal- und Instrumentalmusik, die um 1740/60 im Stift angelegt wurde und über das Pfarrarchiv Bad Aussee ins Diözesanarchiv Graz gelangte. Sie enthält u. a. Werke von Carl Ditters von Dittersdorf, Christoph Willibald Gluck, Leopold Mozart und Joseph Haydn. Auch der letzte Rottenmanner Dechant Franz Xaver Ortner ist mit zwei Eigenkompositionen vertreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* AMON, Karl, Rottenmann, in: Flore at Canonia Voravii 825 Jahre Chorherrenstift Vorau 1163–1988 (=In Unum Congregati 1988, H. 3-4), Klosterneuburg 1988, 29 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Die Steiermark vor der Glaubensspaltung. Kirchliche Zustände 1490–1520, in: TOMEK, Ernst / AMON, Karl, Geschichte der Diözese Seckau III. Bd., Graz–Wien–Köln 1960 (Rottenmann: 109, 120, 155, 191, 277, 314)&lt;br /&gt;
* AMON, Karl / LIEBMANN, Maximilian (Hrsg.), Kirchengeschichte der Steiermark, Graz–Wien–Köln 1993, 115 f., 122, 129, 215&lt;br /&gt;
* DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark, Wien 1982, 186 f. (Irdning), 245f. (Lassing), 270 (Liezen), 347 f., 406 ff.&lt;br /&gt;
* FANK, Pius, Das Chorherrenstift Vorau, Vorau 21959, 72, 159, 172, 189 f.&lt;br /&gt;
* KOHLBACH, Rochus, Rottenmann, in: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat, Graz 1953, 247 ff., 294, 317.&lt;br /&gt;
* KRAWARIK, Hans, Zur Geschichte des Stiftes St. Niklas in Rottenmann, in: Blätter für Heimatkunde 45, 1971, 79 ff.&lt;br /&gt;
* LANC, Elga, Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark (Corpus der mittelalterlichen Wandmalereien Österreichs Bd. II: Steiermark), Wien 2002, Textbd. 412 f. (Rottenmann, Filialkirche St. Georg), 418 f. (Rottenmann, Pfarrkirche St. Nikolaus) u. Tafelbd., Nr. 544-561.&lt;br /&gt;
* LOSERTH, Johann, Das Kirchengut in Steiermark im 16. und 17. Jahrhundert, in: Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark VIII/3 (1912), 59, 107, 132 ff., 199.&lt;br /&gt;
* LUSCHIN, Arnold, Die Siegel der steirischen Abteien und Convente des Mittelalters, in: Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale XIX, 1874), 252 f.&lt;br /&gt;
* PANGERL, Mathias, Geschichte des Chorherrenstiftes St. Niklas zu Rottenmann von seiner Gründung bis zu seiner Uebertragung in die Stadt, in: Mitteilungen des historischen Vereins für Steiermark 16 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 73 ff.&lt;br /&gt;
* PFAU, Josef, 1000 Jahre Rottenmann. Festschrift zur Jahrtausendfeier der Stadt Rottenmann, Rottenmann 1952.&lt;br /&gt;
* PIRCHEGGER, Hans, Die kirchliche Einteilung der Steiermark vor 1783, in: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (hrsg. v. d. Akademie der Wissenschaften in Wien, Wien 1940), II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 1. Teil Steiermark, 43 f., 46 f.&lt;br /&gt;
* DERS., Über Johann Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rottenmann, in: Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen 5 (1868), 35 ff.&lt;br /&gt;
* RADAELLI, Elisabeth, Kurzer Abriß der Geschichte der römisch-katholischen Pfarre Rottenmann, ihrer Kirchen und des ehemaligen Chorherrenstiftes, in: 700 Jahre Stadt Rottenmann 1279-1979. Ein Heimatbuch, Festschrift, hrsg. v. d. Stadtgemeinde Rottenmann, Franz Stockinger, Graz (1979), 34 ff.&lt;br /&gt;
* RAINER, Johann, WEISS, Sabine, Die Visitation steirischer Klöster und Pfarren im Jahre 1581 (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XXX, 1977), 18 f., 22 ff., 92 ff., 113 Anm. 30, 139.&lt;br /&gt;
* ROTTENMANN historische Notizen, gesammelt u. hrsg. v. einem Rottenmanner, Rottenmann 1887.&lt;br /&gt;
* SCHELLHASS, Karl, der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583, Bd. II. (Bibliothek des preußischen historischen Institutes in Rom 18, 1939; Ulrich Lang: 29,35)&lt;br /&gt;
* SCHNEIDER, Benedikt, Lassing 1036–1986, Lassing 1986, 171 ff.&lt;br /&gt;
* SCHMÖLZER, Elisabeth, Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie. Graz I, Adels- und Freihäuser, hrsg. v. Amt der Steiermärk. Landesregierung, Graz2 1993, 96.&lt;br /&gt;
* SCHWARZKOGLER, Ileane, Bankrott im Barock. Das Schicksal der Augustiner Chorherren in Rottenmann, in: Kat. Steirische Landesausstellung 1992: Lust und Leid – Barocke Kunst barocker Alltag, 271 ff.&lt;br /&gt;
* VERZEICHNIS der österreichischen Katastralgemeinden Stand 1950 und Übersicht über die Pfarren im österreichischen Bundesgebiet vor der josephinischen Pfarregulierung, hrsg. v. d. österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beilage zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt. Kirchen- und Grafschaftskarte, Pfarr- und Diözesankarte von Österreich, 49.&lt;br /&gt;
* WEISS, Karl, Rottenmann. Von der ersten Besiedlung bis zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke (mit Beiträgen v. Ferdinand OPLI, Anni und Josef PFAU, Hans PIRCHEGGER u. a.), Rottenmann 1995.&lt;br /&gt;
* DERS., 750 Jahre Stadt Rottenmann. Die Geschichte im Zeitraffer, Rottenmann 2004.&lt;br /&gt;
* WICHNER, Jakob, Rottenmann. Geschichte der Stadt, des Stiftes und der Pfarre, Typoskript 1897, Stiftsarchiv Admont, Nachlaß Wichner Nr. 5 (Kopie im DAG).&lt;br /&gt;
* WOHLGEMUTH, Franz, Geschichte der Pfarre Gaishorn und des Paltentales, Gaishorn 1955, 387 ff.&lt;br /&gt;
* WOLF, Adam, Die Aufhebung der Klöster in Innerösterreich 1782–1790. Ein Beitrag zur Geschichte Kaiser Joseph's II., Wien 1871, 118.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Ranshofen</title>
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		<updated>2022-07-14T09:25:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Archivalien */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1125&lt;br /&gt;
|Datum bis=1811/10/28&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis Ende des 18. Jahrhunderts)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=&amp;quot;curtis rantesdorf&amp;quot;, Hof Rantesdorf (788)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Pankraz, hl. Michael, hl. Jungfrau Maria&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte== &lt;br /&gt;
===Vorgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Errichtung des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen kurz vor oder im Jahr 1125 knüpfte an Voraussetzungen an, die durch eine damals schon Jahrhunderte währende Geschichte gegeben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen war zunächst ein Hof der bayerischen Agilolfingerherzöge, deren letzter, der unglückliche Tassilo III., im gleichen Jahr durch Karl den Großen seine Herrscherwürde einbüßte, in dem Ranshofen – als &amp;quot;Rantesdorf&amp;quot; – erstmals im Licht einer geschichtlichen Nachricht erscheint. Unter den Nachfolgern Karls des Großen wurde Ranshofen eine königliche Pfalz, ein Ort, der dem Herrscher als Aufenthalt und Verwaltungsstützpunkt diente. Kaiser Arnulf, einer der letzten ostfränkischen Karolinger, ließ hier zwischen 896 und 898 eine dem hl. Pankraz geweihte Kapelle erbauen und stattete sie mit Besitzungen, liturgischen Geräten, kostbaren Glasfenstern und Tapisserien sehr großzügig aus. Ein Priester Ellimprecht – wohl ein Mitglied der kaiserlichen Hofkapelle – erhielt die neu errichtete Pfalzkapelle zunächst als Lehen übertragen. Mit einer Urkunde vom 17. Oktober 898 wandelte Kaiser Arnulf dieses Lehen dann in ein freies Eigentum des Priesters Ellimprecht um. Nach dessen Tod sollte alles dem von Arnulfs Vater in Alt-Ötting gegründeten Säkularkanonikerstift zufallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Monate später fertigte Arnulf dann zugunsten der Ranshofener Pankrazkapelle eine weitere Urkunde aus, die allerdings nur in mittelalterlichen Abschriften überliefert wird. An ihrem Text fällt auf, dass vom Priester Ellimprecht nun keine Rede mehr ist. Als Empfänger der gegebenen Güter erscheinen vielmehr &amp;quot;die Kleriker, die dort den Gottesdienst verrichten&amp;quot;. Aus dieser Formulierung hat man auf die nachträgliche Gründung eines Säkularkanonikerstifts in Ranshofen schließen wollen, über dessen Bestand sonst jedoch keine Nachrichten existieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das weitere Schicksal der Pfalz mit der dazugehörigen Pankrazkapelle ist dann nämlich über Jahrzehnte hinweg völlig ungewiss. Wir wissen nicht, ob schon Herzog Arnulf aus dem Geschlecht der Luitpoldinger, der nach dem Tod von König Ludwig (&amp;quot;dem Kind&amp;quot;) 911 die Herrschaft über Bayern an sich gerissen hatte, im Zuge seiner Enteignungen von Kirchengütern die ursprünglich vorgesehene Schenkung der Ranshofener Kapelle an das Stift Alt-Ötting wieder rückgängig gemacht hat oder ob das Abhängigkeitsverhältnis erst später gelöst wurde. Auch über die Auswirkungen der Ungarneinfälle auf das Gebiet schweigen die Quellen. Erst gegen Ende des 10. Jahrhunderts finden wir hier unter Herzog Heinrich dem Zänker einen bayerischen Landtag versammelt, der die sogenannten &amp;quot;Ranshofener Landgesetze&amp;quot; beschließt. Dessen Sohn, der 1002 zum König gewählte und später zum Kaiser gekrönte Heinrich II. (&amp;quot;der Heilige&amp;quot;) ließ am Weihnachtstag des Jahres 996 – noch als bayerischer Herzog – in der Pfalzkapelle den Mönch [[Gotthart von Niederaltaich]] zum Abt dieses Klosters weihen. Heinrichs Gemahlin Kunigunde schließlich verfügte 1025 über die Ranshofener Pfalz wie über familiären Privatbesitz, indem sie diese zusammen mit anderen Königshöfen gegen Güter des Bistums Freising abtauschen wollte. Der Nachfolger Heinrichs II., König Konrad II., scheint diesen Tausch aber nicht anerkannt zu haben. Jedenfalls gehörte das &amp;quot;praedium Ranteshoven&amp;quot; – so der neue Name der Siedlung seit dem ausgehenden 10. Jahrhundert – mit der dazugehörigen Kapelle weiterhin zum Reichsgut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Gründung – oder Wiederbelebung – eines Kanonikerstiftes verweisen erst wieder zwei Urkunden, die Kaiser Heinrich III. im Jahr 1040 für Ranshofen ausgestellt haben soll. Auch sie sind nur in Abschriften überliefert und gelten der Urkundenforschung in ihrer vorliegenden Gestalt als Fälschungen. Man hat allerdings den Versuch unternommen, in beiden authentische Abschnitte von späteren Zusätzen zu trennen. Dabei begegnet im vermutlich echten Text die Angabe über eine Schenkung von Zehenten zugunsten der in Ranshofen &amp;quot;weilenden Priester ..., damit der Gottesdienst dort täglich gefeiert werde.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutet man dies als Hinweis auf eine Klerikergemeinschaft, so dürfte diese in den Wirren der Zeit des Investiturstreits wieder zerfallen sein. Jedenfalls begegnen in den ältesten Schenkungsnotizen des Ranshofener Traditionskodex, deren Textüberlieferung vor 1070 einsetzt, zunächst nur einzelne Priester der Pankrazkirche, die mehrfach auch als Pfarrer bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte===&lt;br /&gt;
Erste Anzeichen für die erneute Einrichtung einer Kanonikergemeinschaft kann man am Text der Ranshofener Traditionen seit etwa 1120 beobachten. Die hier aufgezeichneten Schenkungen erfolgen jetzt nämlich zugunsten der an der Pankrazkirche &amp;quot;für Gott streitenden Brüder (fratres Deo militantes)&amp;quot;, eine Formulierung, die im Zusammenhang mit Regularkanonikern auch andernorts immer wieder begegnet, vereinzelt freilich auch für Angehörige eines weltlichen Kanonikerstiftes gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicheren Boden gewinnen wir somit erst mit der Schenkungsurkunde des Bayernherzogs Heinrich IX. des Schwarzen (1120–1126) vom 30. Juli 1125, in welcher dieser zusammen mit seiner Gemahlin Wulfhilde in der Ranshofener Pfalz den &amp;quot;an der Pankrazkirche nach der Regel des hl. Augustinus Christus dienenden Brüdern Zehent im Gau&amp;quot; Ranshofen sowie verschiedene Güter übergibt. Auf dieser Urkunde basiert dann auch die Darstellung des bayerischen Historikers Aventin, der in seinem um 1520 geschriebenen &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; annimmt, Herzog Heinrich IX. habe hier im Jahr 1125 auf &amp;quot;Geheiß und Rat&amp;quot; des Salzburger Erzbischofs Konrad I. ein Augustiner-Chorherrenstift gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aventins Annahme ist freilich nur mit gewissen Vorbehalten zu übernehmen, denn eine zu diesem Zeitpunkt erst beschlossene Neugründung eines Klosters wird im Urkundentext ebensowenig erwähnt wie ein Zusammenwirken oder Zusammentreffen mit dem Salzburger Erzbischof. Ein Regularkanonikerkloster wird vielmehr als bereits bestehend vorausgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist die Einführung von Augustiner-Chorherren in Ranshofen vielleicht schon zwischen 1120 und 1125 erfolgt. Der weitere Ausbau des Stiftes zu einem Kloster für Chorherren, Chorfrauen und Konversen dürfte sich allerdings noch über die Zeit Heinrichs IX. hinaus bis in die Jahre der Herrschaft seines Sohnes Heinrich X. des Stolzen (1126–1139) erstreckt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Einrichtung eines Augustiner-Chorherrenstiftes erfasste eine wichtige religiöse Erneuerungsbewegung des Mittelalters Ranshofen. Eine Schlüsselfigur ihrer weiteren Ausbreitung war zweifelsohne der Salzburger Erzbischof Konrad I. (1109–1147). Er gilt als Gründer oder Erneuerer einer großen Zahl von Chorherrenstiften innerhalb und außerhalb seines engeren Diözesanbereiches. So ist seine Einflussnahme bei der Errichtung eines Chorherrenklosters in Ranshofen nicht auszuschließen. Quellenmäßig greifbar wird ein Zusammenhang mit ihm freilich erst um 1138/39. Damals nahm Konrad I. zusammen mit Bischof Roman von Gurk in Ranshofen eine Schenkung von Besitzungen der Ministerialen von Rohr im Kremstal für das Kloster entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Entwicklung im Hoch-und Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
Neben der Gestaltung der Liturgie in der Messfeier und beim Chorgebet war die Seelsorge ein wichtiges Anliegen des neuen Ordens. Da der Ranshofener Seelsorgesprengel sehr umfangreich war, wurden schon damals im weiten Umkreis Kirchen dafür neu gebaut oder vorhandene Kapellen übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ranshofen selbst baute man neben der Stiftskirche eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche. Andere Aufgaben waren die Krankenpflege, die schulische Unterweisung und die wissenschaftlichen Studien. Für letztere benötigte man ebenso wie für den Gottesdienst Handschriften, die zu einem großen Teil in der Schreibstube des Klosters, dem &amp;quot;scriptorium&amp;quot;, von den Chorherren selbst in mühevoller Arbeit hergestellt wurden. Aus Urkunden und Traditionsnotizen kennen wir einige Namen von Pröpsten des 12. und beginnenden 13. Jahrhunderts. Genannt werden ein [[Manegold]], der mit dem Magistertitel ausgezeichnet erscheint, nach ihm [[Meginhard]], [[Altmann (Stift Ranshofen)|Altmann]] und [[Adelhard]], unter dem 1178 das berühmte Evangeliar angekauft wurde, danach [[Liutold]] – wohl identisch mit dem im Evangelienbuch bezeugten Schatzmeister gleichen Namens –, dann nochmals ein Adelhard, der mit dem ersten Propst dieses Namens eine Person sein könnte, schließlich noch [[Etticho]] und [[Wichard]]. In verschiedenen Totenbüchern der Salzburger Diözese wird außerdem ein Propst [[Liutfrid von Ranshofen]] verzeichnet, der nur schwer einzuordnen ist. Vielleicht gehört er an den Anfang der Reihe gestellt, anstelle des von Aventin aus der Urkunde Heinrichs IX. von 1125 übernommenen [[Raffold]]. (Letzterer war vermutlich kein geistlicher Propst, sondern einer der Verwalter des Pfalzgutes.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1140 kam es zu einer Kontroverse mit dem Passauer Bischof Reginbert um die Seelsorgerechte und die daraus erwachsenden Zehentforderungen. Im Zusammenhang damit hat der Passauer Ordinarius den Kanonikern einen ungenannten jugendlichen Propst aufgezwungen, gegen den sie sich mit Erfolg aufgelehnt haben. Freiheit der Propstwahl ist dann auch eines der wichtigsten Rechte, das Ranshofen immer wieder urkundlich zugesichert wird, zum ersten Mal in dem großen Schutzprivileg des Papstes Eugen III. von 1147.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts – inzwischen hatten die Wittelsbacher den durch Kaiser Friedrich Barbarossa abgesetzten Heinrich den Löwen in der Herrschaft über Bayern abgelöst – begann für Ranshofen einer der unruhigsten Abschnitte seiner Geschichte. 1233 plünderten Truppen des Babenbergerherzogs Friedrich des Streitbaren bei Kämpfen mit Herzog Otto II. von Bayern Neukirchen an der Enknach, wobei die dortige Filialkirche zu schwerem Schaden kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Jahre danach, wahrscheinlich 1242, überfielen von der Burg Obernberg kommende Leute des Passauer Bischofs Ranshofen selbst und verbrannten zusammen mit der herzoglichen Pfalz auch die beiden Kirchen. 1250 drohten neue Gefahren. Bischof Rüdiger von Passau war durch den päpstlichen Legaten Albert Beham abgesetzt worden, und Berthold, ein gebürtiger Graf von Sigmaringen, sollte seine Stelle einnehmen. Doch Rüdiger leistete Widerstand und wurde dabei durch den bayerischen Herzog unterstützt. So durchzogen Soldaten des Gegenbischofs im November 1250 neuerlich plündernd den angrenzenden Weilhartsforst und verwüsteten das Land. Die Stiftskirche soll anschließend wieder aufgebaut und 1255 neu eingeweiht worden sein. Doch bald danach wurde das Gebiet um den unteren Inn im Zusammenhang mit Kämpfen zwischen Herzog Heinrich von Niederbayern – das Herzogtum war inzwischen nach dem Tod Ottos II. unter seinen Söhnen geteilt worden – und König Ottokar von Böhmen neuerlich Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen wurde 1266 ein zweites Mal niedergebrannt und dabei fast zur Gänze zerstört. So klagte Propst [[Sifrid]] (1255–1277) in einer Bittschrift an Papst Klemens IV. darüber, dass im Kloster nur mehr drei Leute Unterhalt fänden, während davor 14 Priester und 50 weitere Stiftsangehörige mühelos versorgt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Resignation Sifrids erlebte Ranshofen aber dann unter seinem Nachfolger [[Konrad I.]] (1277–1311) eine Zeit des Wiederaufschwungs. Neben den nun wieder günstigeren äußeren Verhältnissen ist diese Blüte vor allem in der Tatkraft und Zielstrebigkeit jenes Prälaten begründet. Bereits im Jahr seiner Erwählung begann er mit der Anlage eines Privilegienbuches, in das die Urkunden des Klosters in übersichtlicher Form eingetragen werden sollten. In dem angeschlossenen Urbar wurden die Stiftsgüter verzeichnet. Beide Teile hat Propst Konrad I. später in etwas abgewandelter Form nochmals redigiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der schon unter seinem Vorgänger begonnene Neubau der Stiftskirche wurde 1283 abgeschlossen und in Gegenwart des bayerischen Herzogs durch den Bischof von Regensburg eingeweiht. Auch das Kanonissenstift wurde erneuert und Einrichtungen für die Krankenpflege geschaffen. Schon mit Konrads gleichnamigem Nachfolger [[Konrad II.]] (1311–1332) setzte allerdings neuerlich eine Zeit des Niedergangs ein. Später besserten sich die Verhältnisse wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift wurde im 14. und 15. Jahrhundert vielfach durch Privilegien der Herzöge von Bayern und von Österreich ausgezeichnet. Auch Kaiser Ludwig der Bayer und später Maximilian I. reihten sich unter die Förderer ein. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts mehrten sich ganz allgemein die Versuche, dem damals drohenden Verfall der Klöster entgegenzuwirken. Erste Ansätze einer solchen Reform in Ranshofen unter den Pröpsten [[Erasmus Ridmund]] (1435–1444), [[Friedrich Gunderstorfer]] (1444–1448) und Thomas Wittel (1451–1462) zeigten jedoch keinen nachhaltigen Erfolg. Erst der aus dem niederösterreichischen [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] berufene Propst [[Wolfgang]] konnte das Kloster im Sinne einer vom böhmischen Stift Raudnitz ausgehenden Reformbewegung erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Nachdem Ranshofen im bayerischen Erbfolgekrieg trotz bedrohlicher Nähe des Kriegsgeschehens glimpflich davongekommen war, begann 1508 Propst [[Kaspar Türndl]] (1504—1529) mit dem Neubau der Stiftskirche. Gleichzeitig kam es zu einer Blütezeit humanistischen Geistes, die sich in den erhaltenen Handschriften und Frühdrucken aus der Klosterbibliothek spiegelt. Aber auch erste Anzeichen für eine beginnende Auseinandersetzung mit den Lehren Martin Luthers lassen sich von 1520 an beobachten. Eine Steigerung dieser Tendenzen ergab sich unter Propst [[Augustin I. Münich]] (1529—1560). Zeitgenossen rühmten ihn als Freund der Studien und Wissenschaften. Die Stiftsschule war unter seiner Herrschaft eine der größten Unterrichtsanstalten von ganz Bayern. Aus dem Protokoll einer Passauer Kirchenvisitation von 1559/60, der wichtigsten Quelle unserer Kenntnis über die Ausbreitung der Reformation im Innviertel, erfahren wir jedoch, dass die an dieser Schule wirkenden Schulmeister eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der protestantischen Glaubenslehren gespielt haben. Vielleicht steht die bald nach der Visitation erfolgte Resignation des Propstes im Zusammenhang mit seiner toleranten Einstellung gegenüber den Anhängern des neuen Glaubens. Unter seinem Nachfolger [[Adam Gensleitner]] (1560—1587) wurde jedenfalls sehr rasch die Gegenreformation voll zur Geltung gebracht, sodass der römische Kurienkardinal Commendone, der Ranshofen 1569 visitiert hat, den Zustand von Kirche, Kloster und Schule bereits als zufriedenstellend beurteilte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren neuerlichen Verfalls an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert begann nach 1620 eine der glanzvollsten Perioden der Geschichte Ranshofens. Der klostereigenen Geschichtsschreibung gilt sie als das Werk von vier aufeinanderfolgenden Prälaten. Trotz wachsender Bedrohung durch den Dreißigjährigen Krieg erneuerte Propst Philipp Vetterl (1620—1634) nicht nur die schwer darniederliegende Disziplin des Gemeinschaftslebens, sondern begann auch einen frühbarocken Neubau der Klosteranlage. 1628 erhielt der Propst durch Papst Urban VIII. für sich und seine Nachfolger das Recht des Gebrauchs der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1634 kam der bayerische Kurfürst Maximilian I. mit seiner Familie und seinem Hofstaat auf der Flucht vor den schwedischen Truppen, die München besetzt hatten, nach Ranshofen und blieb hier bis zum Frühjahr 1635. Während des Aufenthalts im Kloster starb die Kurfürstin Elisabeth am 4. Jänner 1635.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Gegenwart des Kurfürsten gewählte Propst [[Simon Meier]] (1635—1665) kümmerte sich besonders um die Neuordnung der Bibliothek und um die wissenschaftlichen Studien der Stiftsangehörigen. Propst [[Benno Meier]] (1665—1687) – ein Neffe seines Vorgängers – ließ im Schloss Neukirchen eine theologische Studienanstalt einrichten. Besondere Sorgfalt widmete er dem Stiftsarchiv mit den alten Urkunden. Seinem Ordnungssinn ist es zu verdanken, dass wir für die Zeit seiner Regierung genaue Aufzeichnungen über die vorhandenen Kirchengeräte und einen Katalog der erworbenen Bücher besitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ivo Kurzbauer]] (1687—1715) erneuerte schließlich Kirche und Kloster für ein 1699 gefeiertes &amp;quot;Acht-tägiges hochfeierliches Jubel-Fest&amp;quot; zum Gedächtnis der achthundertjährigen Geschichte der Pankrazkirche und krönte damit die Bestrebungen seiner Vorgänger, eine Entwicklung, die [[Augustin II. Pariser]] (1715—1741) zwar weiterführen, aber nicht mehr steigern konnte. Die barocke Glanzzeit des Stiftes hatte damit ihren Höhepunkt bereits überschritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild, das Ranshofen dann von der Mitte des 18. Jahrhunderts an bietet, ist eher uneinheitlich. Man kann es nur verstehen, wenn man die Erscheinungen von zwei Seiten her eingrenzt: vom Weiterführen überkommener Lebensformen des Barock einerseits und von der damals auch in Bayern bereits einsetzenden Aufklärungsbewegung andererseits. Mit dem Frieden von Teschen (1779) fiel das lnnviertel an Österreich. Dadurch wurden die vom Geist jener Zeit geprägten Reformen Kaiser Josephs II. alsbald auch in Ranshofen wirksam. Im Zusammenhang mit der Neuorganisation des Pfarrnetzes wurden verschiedene Filialkirchen in Pfarrkirchen umgewandelt, die Formen des Gottesdienstes reformiert, die Ranshofener Pfarrkirche St. Michael gesperrt und später abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Abtrennung der Diözese Linz vom Bistum Passau löste altgewohnte Bindungen. Vor allem die Franzosenkriege brachten dann neuerlich große Unruhe in das Kloster. Das Stift wurde einmal von diesen und einmal von jenen Truppen als Militärspital beansprucht. Es kam zu Gewalttaten und Plünderungen. Aber auch die Klostergemeinde selbst war vom Geist der Aufklärung angekränkelt.&lt;br /&gt;
Vor allem der letzte, 1784 gewählte Propst [[Johann Nepomuk Kierl]] gilt als schwach und verschwenderisch. Nach seinem Tod im Jahr 1809 kommt es innerhalb der zerfallenen und in sich gespaltenen Gemeinschaft zu keiner Neuwahl mehr. So findet die von der &amp;quot;Rieder Regierung&amp;quot; während der französischen Besatzung 1810 angekündigte Aufhebung Ranshofen bereits im Zustand der Krise.&lt;br /&gt;
Der Übertritt in den Weltpriesterstand kommt den damals noch hier lebenden Chorherren eher gelegen. Vor der endgültigen Aufhebung am 28. Oktober 1811 brachte man die als wertvoll angesehenen Archivalien in das Hauptstaatsarchiv nach München und einen großen Teil der Bibliotheksbestände in die jetzige Bayerische Staatsbibliothek. Anderes wurde in der ganzen Welt verstreut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammen mit dem, was in Ranshofen selbst heute noch sichtbar ist, legen diese Dokumente ein beredtes Zeugnis ab von der Pflege von Religion, Wissenschaft und Kunst im Chorherrenstift Ranshofen im Verlauf seiner Jahrhunderte währenden Geschichte. Indirekt kann man aus ihnen aber auch ahnen, wie bedeutungsvoll dieses Wirken der Chorherren für jene Menschen gewesen sein muss, die im Umkreis des Klosters gelebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Nachgeschichte===&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung erwarb der bayerische General Graf von Montjoie-Frohberg die Stiftsgebäude und den ausgedehnten Grundbesitz und wandelte einen Teil der ehemaligen Klosteranlage zum &amp;quot;Schloss Ranshofen&amp;quot; um. Anderes wurde abgetragen. Die frühere Stiftskirche blieb als Pfarrkirche erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erster Pfarrer wurde der seinerzeitige Stiftsdechant [[Pankraz Hauser]]. Der Pfarrer war damals einige Jahrzehnte hindurch auch Repräsentant der weltlichen Verwaltung. Erst im Zuge der Reformen bekam Ranshofen im Jahr 1848 eine eigene Gemeindeverwaltung. Auch erhielten die bis dahin unfreien Bauern die Möglichkeit, den Grund und Boden, den sie vorher als Untertanen bewirtschaftet hatten, gegen ein geringes Entgelt als Eigentum zu erwerben.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1851 kaufte dann Ferdinand Wertheimer, der später als Abgeordneter dem oberösterreichischen Landtag angehörte, die &amp;quot;Herrschaft Ranshofen&amp;quot; und wandelte im Lauf der Jahre den immer noch beachtlichen Großgrundbesitz in einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb um. Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland im März 1938 wurde der Wertheimersche Familienbesitz jedoch vom Deutschen Reich &amp;quot;abgelöst&amp;quot;. Im Oktober des gleichen Jahres wurde die vorher selbständige Gemeinde Ranshofen der Stadt Braunau einverleibt und ein Jahr später begann man bereits auf den Wertheimer-Gründen mit dem Bau eines Aluminiumwerkes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute ist man bemüht, das noch Vorhandene zu erhalten und zu pflegen, wobei der Komplex von Kirche und ehemaligem Stift besitzmäßig auf die Diözese Linz, die Stadt Braunau und private Eigentümer verteilt ist. Die Kirche und der Bibliothekssaal im ehemaligen Konventgebäude werden – abgesehen von der liturgischen Verwendung des Gotteshauses – auch für kulturelle Veranstaltungen genützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Will man sich ein Bild von den wirtschaftlichen Verhältnissen des Chorherrenstiftes Ranshofen im Mittelalter machen, wird man zunächst von der Urkunde Herzog Heinrichs IX. von Bayern aus dem Jahr 1125 ausgehen müssen. Sie gilt in der Literatur ja als &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; des Klosters. Als geschenktes Gut werden darin Güter in Handenberg, Braunau und einem – nicht mehr bestimmbaren – Dürrnberg nördlich der Donau sowie verschiedene kleinere Liegenschaften angeführt. Letztere wurden den Regularkanonikern teils als Eigenbesitz, teils als Lehen überlassen. Dazu kamen die herzoglichen Zehenten &amp;quot;im Gau&amp;quot; Ranshofen und die Kirche Enknach (&amp;quot;Enkinacha&amp;quot;) – vermutlich am Ort oder in der Nähe des heutigen Neukirchen an der Enknach gelegen – mit dem dazugehörigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich erst nach Ausfertigung der Urkunde wurde an einer bestimmten Stelle nachträglich noch ein Hinweis eingefügt, dass jene Hörigen, die vorher in der Hand des Herzogs oder des Kämmerers bzw. des – herzoglichen – Propstes gewesen seien, nun auch dem Kloster unterstellt würden. So reichhaltig diese Schenkung gewesen ist, so wird damit keineswegs der gesamte wirtschaftliche Besitz Ranshofens zur Zeit der Gründung des Chorherrenstiftes umschrieben. Die Einrichtung des mittelalterlichen Klosters erfolgte ja nicht in der Einöde eines unerschlossenen Gebietes, sondern knüpfte an eine Jahrhunderte währende Vorgeschichte an. Schon Kaiser Arnulf hatte ja die von ihm erbaute Pfalzkapelle reich mit Gütern ausgestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den umfangreichsten Einblick in die Ranshofener Besitzverhältnisse im hohen Mittelalter gewähren jedoch die Notizen des Traditionskodex, deren Inhalte den Zeitraum von etwa 1070 bis 1250 umspannen, also auch schon vor 1125 einsetzen. Die Texte bezeugen die Übergabe von Gütern im näheren und weiteren Umkreis von Ranshofen, darüber hinaus die Schenkung von 5-Pfennig-Zensualen, sowie von Knechten und Mägden. Wie in anderen Klöstern machen auch in Ranshofen die Selbstübergaben von ehemals freien Personen, in der Absicht, sich unter dem Schutz des Stiftes gegen Übergriffe von Mächtigeren abzusichern, einen beträchtlichen Teil der Zensualenschenkungen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere wichtige Quelle zur mittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte Ranshofens ist dann das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes [[Konrad I.]]. Die Handschrift enthält neben zwei Kopialbüchern zwei Urbare, welche 1277 beziehungsweise 1303 angelegt wurden. Da im älteren Urbar die erste Lage der Handschrift verlorengegangen ist, kann man nur aus dem jüngeren erkennen, dass der Grundbesitz sich damals auf acht Urbarämter verteilte, die im Innviertel (Haselbach, Überackern, Neukirchen/Enknach, Nonsbach und Ranshofen), im oberösterreichischen Kremstal (Rohr) und in den jetzigen bayerischen Landkreisen Rottal-Inn und Alt-Ötting gelegen waren (Kollbach und &amp;quot;Trans Enum&amp;quot;). Dazu kamen noch Weingärten in der Wachau. Im Abgabenverzeichnis über die im Dorf Ranshofen ausgegebenen Lehen werden auch zwei Schuster, ein Schneider, ein Fleischer, ein Koch und ein Bader angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte Ranshofens stiegen in der Folgezeit dann noch durch die Stiftung von Jahrtagen in Form von &amp;quot;Seelgeräten&amp;quot;, das sind Schenkungen zugunsten von jährlich, manchmal sogar wöchentlich zu lesenden Messen für das Seelenheil von Verstorbenen. Ähnliche Stiftungen begegnen auch in den Filialkirchen des Klosters, unter denen die Braunauer Stephanskirche durch die Befestigung der Siedlung und die Stadterhebung im Jahr 1260 bald eine Sonderstellung einnehmen sollte. Kaiser Ludwig der Bayer (1314–1347) stiftete 1345 eine täglich zu lesende Messe für sich und seine Vorfahren und Nachkommen. Gleichzeitig schenkte er dem Kloster jene Güter im Dorf Ranshofen, die bis dahin noch herzoglicher Besitz gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schiffstransport des Klosterweins aus den Weingärten in der Wachau auf Donau und Inn erhielt das Chorherrenstift verschiedentlich Privilegien über die Mautfreiheit, so 1287 vom österreichischen Herzog Albrecht I., die er 1295 und sein Sohn Friedrich der Schöne 1314 nochmals bekräftigten. Eine Bestätigung dieser Privilegien durch Kaiser Maximilian I. erbaten der Propst und das Kapitel von Ranshofen schließlich noch 1498. In einzelnen Fällen hat das Kloster aber auch ältere Besitzungen, die schwer zu bewirtschaften waren oder den erwarteten Ertrag nicht erbrachten, wieder abgestoßen. Ein wertvolles Dokument solcher wirtschaftlicher Veränderungen ist eine von Propst [[Benno Meier]] 1670 verfasste &amp;quot;Relation von den Ranshoverischen in Österreich gelegenen Höf und Weingärten&amp;quot;. Darin verzeichnete der Prälat zunächst alles, was er aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen über die niederösterreichischen Besitzungen Ranshofens in Erfahrung bringen konnte. Es handelte sich um Höfe und Weingärten in Schwallenbach, Spitz, Loiben, Stein, Krems und Gobelsburg in der Wachau und um Weingärten in Kritzendorf bei Klosterneuburg. Zu seiner Zeit waren davon fast nur mehr die Weingärten in Unterloiben – ihre Riednamen sind vielfach bis heute in Gebrauch – dem Stift verblieben. Ihr Zentrum war ein großer Lesehof in Unterloiben nahe der Kirche, der als der heutige &amp;quot;Loibnerhof&amp;quot; identifiziert werden kann. Weil die Kosten-Nutzen-Rechnung des Propstes auch darüber negativ ausfiel, verkaufte er ein Jahr später den ganzen Komplex an das Kloster Tegernsee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen guten Überblick über den Stiftsbesitz und die Untertanen im Bereich von Ranshofen selbst in der Zeit des beginnenden 18. Jahrhunderts gibt ein im Auftrag des Propstes Ivo (1687–1715) durch den bayerischen Geometer Matthäus Paur im Jahr 1714 angelegtes Mappenwerk (&amp;quot;Gruntrys mit angehengter Beschreibung&amp;quot;, in der Literatur im allgemeinen als &amp;quot;Grundriss-Libell&amp;quot; bezeichnet). Der davon erhaltene Teil besteht aus Plandarstellungen aller Besitzungen im Bereich der sogenannten &amp;quot;Hofmark&amp;quot; Ranshofen mit darauf bezogenen Erläuterungen. Diese umfasste damals 81 Häuser, von denen die meisten vom Stift auf Erb- oder Leibrechtsbasis verliehen waren. Etwa die Hälfte davon wurde landwirtschaftlich genutzt. Der Rest war an Gewerbetreibende vergeben, unter denen sich auch ein Saitenmacher, ein Sattler, ein Bierbrauer und ein Metzger aus Braunau finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge der Abtrennung des Innviertels von Bayern durch den Frieden von Teschen ergaben sich während der letzten Jahrzehnte des Bestandes des Klosters Probleme mit der Verwaltung der bei Bayern verbliebenen Besitzungen jenseits des Inn. So wurden etwa im Verlauf der napoleonischen Kriege – Bayern kämpfte damals auf der Seite der Franzosen gegen Österreich – die Erträgnisse von Grundherrschaften, die auf bayerischem Gebiet gelegen waren, für das Stift gesperrt. 1810 schließlich begann man im Zuge der Auflösung die beweglichen Güter und die Wertsachen zu versteigern. Die Einnahmen betrugen 13.000 Gulden, die nach Salzburg, von wo aus kurzzeitig auch das Innviertel verwaltet wurde, abgeliefert werden mussten. Das 400 Joch große Stiftsgut, bestehend aus Äckern, Wiesen, Auen, Gärten und anderem, kaufte am 17. August 1812 der bayerische General und königliche Adjutant Graf Montjoie-Frohberg um 54.000 Gulden. Nur den unteren Teil des Lachforstes und ein Haus in Dietfurt (unterhalb von Braunau) behielt der bayerische Staat für sich zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Die rechtliche Lage der Ranshofener Pfalz war vom ausgehenden 11. bis um die Mitte des 12. Jahrhunderts eine eher wechselhafte. Dies findet auch in der damals beginnenden Geschichte des Chorherrenstiftes seinen Niederschlag. Die Pfalz und die dazugehörende Pankrazkapelle waren ja seit der Karolingerzeit Reichsgut und als solches der Verfügungsgewalt des Königs unterstellt. Den Bayernherzögen war zwischendurch zwar die Nutzung überlassen, sie wurden gegen Ende des 11. Jahrhunderts wegen ihrer reichsfeindlichen Politik im Zusammenhang mit dem Investiturstreit aber wiederholt durch Kaiser Heinrich IV. abgesetzt: zuerst Otto von Nordheim und später Welf I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So begegnet in einer vermutlich 1074 anzusetzenden Traditionsnotiz Kaiser Heinrich IV. selbst als Eigentümer von Ranshofen (&amp;quot;cuius praedium erat, quod Ranshovin vocatur&amp;quot;). Erst seit 1096 wurden die Welfen wieder mit Bayern belehnt und waren damit innerhalb bestimmter Grenzen über das Land am Inn verfügungsberechtigt. Die schwankende Rechtslage von Ranshofen kommt dann besonders in der &amp;quot;Gründungsurkunde&amp;quot; Herzog Heinrichs IX. von 1125 zum Ausdruck. Ihre Textform und ihre Ausstattung schließen sich in vielem dem Vorbild königlicher Siegelurkunden an. Dem Stil der Herrscherurkunden entspricht wohl auch der Hinweis auf die Mitwirkung und Zustimmung von Heinrichs Gemahlin Wulfhilde. Gerade dies ist allerdings rechtlich höchst fragwürdig, da es sich bei den geschenkten Gütern ja nicht um welfischen Eigenbesitz, sondern um dem Herzog überantwortetes Reichsgut handelte, für dessen Vergabe viel eher die Zustimmung des Königs erforderlich gewesen wäre. (Freilich war im Juli des Jahres 1125 nach dem Tod Kaiser Heinrichs V. Lothar III. noch nicht gewählt.) Die Strafformel, welche eine Bußzahlung von 60 Gulden an die Kammer des Königs bzw. des Kaisers bei Eingriffen in das Schenkungsgut vorsieht, bestätigt diese Auffassung. Dennoch versuchte Herzog Heinrich der Löwe später die Meinung durchzusetzen, Ranshofen sei ein Eigenstift seiner Familie, so vor allem, wenn er die dort dienenden Regularkanoniker als zu seiner Kapelle gehörig bezeichnet und die Gründung insgesamt fälschlicherweise mit seinem Vater Heinrich dem Stolzen in Verbindung bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1139 hatte nach dem Tod Heinrichs des Stolzen zunächst der Babenberger Leopold IV. zusammen mit dem Herzogtum Bayern das Reichsgut um Ranshofen erhalten. Er ist jedoch bereits zwei Jahre später verstorben. Damals behielt König Konrad III. dann für kurze Zeit Bayern selbst in der Hand. In diesen Zeitabschnitt fällt das große Schutzprivileg Konrads von 1142, in dem der König die Besitzungen des Chorherrenstiftes, das er eine Gründung seines Urgroßvaters, des Kaisers Heinrich III., nennt, bestätigt. Eine Erwähnung einer Erneuerung durch die Welfen wurde in der Urkunde – offensichtlich aus politischen Gründen – unterdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Jahr belehnte der König den Babenberger Heinrich &amp;quot;Jasomirgott&amp;quot; mit Bayern. Das ist wohl jener &amp;quot;Heinricus Dux Bawariae&amp;quot;, welcher in einer anderen Tradition das an den Obstgarten der Regularkanoniker angrenzende Land am Altar des hl. Pankraz übergibt. Auch erscheint er in dem großen Privileg des Papstes Eugen III. von 1147 als Fürsprecher des Stiftes. Darin wird unter anderem erwähnt, dass der Vogt (&amp;quot;advocatus&amp;quot;) über das Herzogsgut gleichzeitig der Vogt des Klosters Ranshofen sei. Diese Bestimmung wird dann auch im Privileg des Papstes Hadrian IV. von 1158 wiederholt. Diesmal ist jedoch bereits Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, der Schirmherr des Klosters. Friedrich Barbarossa hatte ihn inzwischen 1154 mit dem von ihm zurückgeforderten Bayern belehnt. Schon 1157 hatte Heinrich der Löwe in einer Urkunde verfügt, dass der Vogt nicht nur die herzogliche Pfalz mit deren Untertanen, sondern auch die Stiftsleute an seiner Stelle beschützen und beschirmen sollte. Er habe auch die Klagen der Kanoniker und ihrer Eigenleute anzuhören und ihnen gebührend Recht zu verschaffen. Geld sollte er dafür nicht von ihnen fordern, sondern nur von des Herzogs Kammer nach altem Herkommen seinen Lohn empfangen. Darüber hinaus solle er keine Verfügungsgewalt über das Kloster oder dessen Eigenleute und Besitzungen haben und auch keine Steuern von ihnen eintreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vögte begegnen bereits mehrfach in den frühen Ranshofener Schenkungsnotizen aus der Zeit um 1100. Sie waren damals wohl vom König eingesetzt und hatten die Aufgabe, die unfreien Untergebenen vor Gericht zu vertreten, konnten aber auch selbst Streitigkeiten schlichten und Strafen verhängen. Bei Schenkungen an die Kirche fungierten sie als wichtige Zeugen. In späteren Traditionsnotizen wird fallweise der Herzog selbst als Vogt des Klosters angesprochen, so nach 1180 der Wittelsbacher Otto I. (&amp;quot;tune temporis dux Bawariae et eiusdem loci advocatus&amp;quot;). Nach dem Zeugnis der beiden angeführten päpstlichen Privilegien ließen sich aber schon zuvor die Herzöge in dieser Funktion durch von ihnen bestellte Untervögte vertreten. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts werden diese dann meistens als Richter (&amp;quot;judex&amp;quot;) angesprochen. Ob die Ranshofener Untervögte ihre Stellung – wie etwa in Reichersberg – zur persönlichen Besitzerweiterung und Bereicherung missbraucht haben, ist aus den Quellen nicht mehr zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf verschiebt sich die rechtliche Verfügungsgewalt mehr und mehr zugunsten des Landesfürsten. Der ehemalige Pfalzbereich wird dem herzoglichen Amt Burghausen zugeordnet. Einen Höhepunkt erreicht diese Entwicklung mit Kaiser Ludwig dem Bayern, der in sich ja Königs- und Herzogsamt vereinigte. Von ihm erhielt der Propst 1345 das Recht der niederen Gerichtsbarkeit über alle Stiftsuntertanen. Vögte des Chorherrenstiftes Ranshofen treten in der Folgezeit nicht mehr in Erscheinung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Von den Chorherren, die in der frühen Zeit dem Stift Ranshofen angehörten, kennen wir nur einzelne Namen, die außerdem meistens wenig über ihre soziale Herkunft aussagen. Ein im Traditionskodex vor 1120 mehrfach genannter Pfarrer [[Erenbert]] wird anlässlich der Schenkung seines Gutes Pfaffing in einer der Notizen als &amp;quot;canonicus s. Pancratii mart.&amp;quot; bezeichnet, was ihn als Säkularkanoniker charakterisieren könnte. Ob er später auch noch dem Regularkanonikerkonvent angehört hat, ist ebenso fraglich, wie die – in der Literatur vielfach angenommene – Übernahme der ältesten Augustiner-Chorherren aus dem Salzburger Domstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die ersten Pröpste gibt es vereinzelte Hypothesen ihrer Herkunft, sowohl in genealogischer wie in geistlicher Hinsicht, die freilich einer kritischen Überprüfung kaum standhalten. Einen Ansatzpunkt für die Beantwortung der Frage nach dem sozialen Umfeld der ältesten Ranshofener Regularkanoniker gewinnen wir aus jener Traditionsnotiz von 1138/39, nach welcher der Reichsministeriale Friedrich von Rohr und seine Gemahlin Berta in Anwesenheit des Salzburger Erzbischofs Konrad I. und des Bischofs Roman von Gurk ihr ganzes Gut in Rohr (im oberösterreichischen Kremstal) übergaben, als sie ihren Sohn Richer dem Kloster zur geistlichen Ausbildung anvertrauten. Und in unmittelbarer Nachbarschaft zu dieser Notiz lesen wir im Traditionskodex von der Schenkung eines Eginbert, eines Neffen des Kadelhoch von Rohr, anlässlich seines Eintritts in das Stift (&amp;quot;tradidit semetipsum ad aram s. Pancratii secundum regulam communis vitae ibidem degendum&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu passen auch die spärlichen Angaben, die wir aus einem – nur im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr auszugsweise überlieferten – Ranshofener Nekrolog dieses Zeitabschnitts schöpfen können. Als verstorbene Chorherren wurden darin [[Konrad von Retenbach]], [[Bernhard von Hut]], [[Hartwig von Sattelbogen]], [[Heinrich von Loitzenkirchen]], [[Heinrich von Braunau]], [[Friedrich von Weilhart]], [[Pabo von Ering]] und [[Wilhelm von Mattsee]] genannt. Es sind vorwiegend Familienangehörige der Ministerialen, die aufgrund ihrer Dienste für den König oder den Herzog unfreie Bauernhöfe, Lehengüter, manchmal auch Eigenbesitz im engeren oder weiteren Umfeld Ranshofens, bewirtschafteten und das Kloster von seinen Anfängen an immer wieder beschenkten. Manche dieser Familien – sie werden in den Urkundentexten einmal als Reichsdienstmannen (&amp;quot;ministeriales regni&amp;quot;) und einmal als Herzogsdienstleute (&amp;quot;ministeriales ducis&amp;quot;) bezeichnet, was wiederum mit der schwankenden Rechtslage der Ranshofener Pfalz zusammenzusehen sein dürfte – hatten im Kloster auch ihre Grablege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gleiche Bild zeigen die in das Totenbuch eingetragenen Namen der Chorfrauen, aber auch der Laienbrüder und -schwestern, die im Stift Aufnahme gefunden hatten. Aus der – schon oben erwähnten – Supplik des Propstes Sifrid an den Papst Clemens IV. wissen wir, dass vor den kriegerischen Ereignissen, durch die Ranshofen um die Mitte des 13. Jahrhunderts großen Schaden genommen hatte, vierzehn Priester versorgt worden waren, während zu seiner Zeit der Konvent auf drei Angehörige zusammengeschmolzen war. Auch das Chorfrauenstift war den Zerstörungen zum Opfer gefallen. Unter Propst Konrad I. wurde es jedoch erneuert. Es sollten aber nicht mehr als sechs Frauen aufgenommen werden, von denen eine zur Vorsteherin (&amp;quot;magistra&amp;quot;) bestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Herkunft der Chorherren anlangt, so begegnen in der Folgezeit weiterhin viele Angehörige von Ministerialenfamilien aus dem Umkreis Ranshofens. Mit dem Ausgang des Mittelalters ändert sich dieses Bild. Zunächst verschwinden die Chorfrauen aus den Quellen. Die überlieferten Namensformen der Chorherren lassen erkennen, dass die in das Stift eingetretenen Personen jetzt mehr und mehr bürgerlicher Herkunft waren und daran änderte sich auch in der Neuzeit nichts. Die Unterlagen, die darüber Auskunft geben, sind vor allem der Visitationsbericht von 1559/60, ferner zwei Namenskataloge der Ranshofener Chorherren von 1665 und 1687 im &amp;quot;Inventarium&amp;quot; des Propstes Benno Meier und schließlich zwei Nekrologaufzeichnungen, die von 1619 bis 1771 reichen (Bayerische Staatsbibliothek München, Clm. 12721, fol. 135-141).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Aufhebung im Jahr 1811 traten die verbliebenen Chorherren in den Weltpriesterstand über. Der St. Florianer Historiker Franz Xaver Pritz schreibt dazu: Einer der Chorherren weinte über dieses Schicksal, die Anderen verließen das Stift ohne Leid und Freude. Jeder erhielt eine Pension von 600 Gulden Reichs-Währung, die später um 100 Gulden vermindert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der Bücherbestand der Ranshofener Klosterbibliothek wurde durch die Aufhebung des Augustiner-Chorherrenstiftes in alle Winde verstreut. Dies gilt zunächst für die alten Handschriften, von denen der größte Teil 1811 nach München abtransportiert und in der jetzigen Bayerischen Staatsbibliothek untergebracht wurde. Andere Ranshofener Kodizes sind während des 19. Jahrhunderts vorwiegend über den Antiquariatshandel in verschiedene andere Bibliotheken gelangt: drei liegen – &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;nach derzeitigem Wissensstand&amp;lt;/span&amp;gt; – in der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin, drei in der Bodleian Library in Oxford, zwei in der russischen Staatsbibliothek in St. Petersburg, um die zwanzig schenkte ein Augsburger Antiquar nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 der Straßburger Universitätsbibliothek, Einzelstücke wurden schließlich noch in Linz (OÖ. Landesbibliothek), in Paris, in Budapest und in New York (Library of Saint Bonaventura College) festgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Provenienz der Handschriften bei der Katalogisierung soweit wie möglich erfasst wurde, ist es bei den gedruckten Büchern meistens schwieriger, ihre Ranshofener Herkunft nachzuweisen. Eine Reihe von Inkunabeln und Frühdrucken aus dem 16. Jahrhundert kamen bereits 1784 anlässlich der Abtrennung der Diözese Linz vom Passauer Bistum im Zusammenhang mit der Errichtung eines Priesterseminars an die jetzige Bibliothek der Katholisch-theologischen Hochschule in Linz. Nur wenige Einzelstücke verblieben im Raum von Ranshofen und Braunau. Erst mit der breiteren Überlieferung von Ranshofener Handschriften aus dem 12. und 13. Jahrhundert wird eine verhältnismäßig sichere Beantwortung der Fragen nach dem Skriptorium und der Bibliothek des Chorherrenstiftes im hohen Mittelalter möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgangspunkt der diesbezüglichen Überlegungen war dabei zunächst jenes Ranshofener Evangeliar, das die Bodleian Library in Oxford aus dem Nachlass des venezianischen Ex-Jesuiten Luigi Canonici 1817 erworben hat (Canon. Bibi. Lat. 60). Den vier Evangelien sind jeweils ganzseitige Deckfarbenminiaturen der einzelnen Evangelisten vorangestellt; im Zusammenhang mit der Passionsgeschichte begegnet innerhalb des Johannesevangeliums auch eine ganzseitige &amp;quot;Kreuzigung Christi&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Zur künstlerischen Ausgestaltung gehören weiters die Kanontafeln und kunstvolle Initialen von verschiedener Form und Größe. Den reichsten Schmuck zeigen hier die zu Zierseiten ausgestalteten Textanfänge. In einer Eintragung am Schluss der Handschrift werden der Propst Adelhard von Ranshofen und der Schatzmeister Liutold im Zusammenhang mit der Bezahlung des 1178 vollendeten Buches erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Swarzenski hat als erster die große Stilverwandtschaft der Deckfarbenminiaturen des Ranshofener Kodex mit denen eines Evangeliars, das bei der Aufhebung des Benediktinerstiftes Mondsee in die Österreichische Nationalbibliothek gelangt ist (Cvp. 1244), aufgezeigt. Da nun im Mondseer Evangeliar ein &amp;quot;Liutoldus monachus&amp;quot; von sich sagt, er habe die Handschrift geschrieben und seinem Können gemäß ausgeschmückt, hat Swarzenski erwogen, den Mönch Liutold mit dem Ranshofener Thesaurar gleichen Namens zu identifizieren. Diese These verfestigte sich dann zur Annahme einer Ranshofener Schreib- und Malschule, als deren Mittelpunkt man den von Mondsee nach Ranshofen übergewechselten Liutold ansehen wollte. In den letzten Jahrzehnten setzte sich jedoch mehr und mehr die Meinung durch, das Ranshofener Evangeliar sei mit einem Salzburger Skriptorium (am ehesten im Benediktinerstift St. Peter) in Verbindung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Salzburger Herkunft wird heute auch für eine dreiteilige lateinische Bibelhandschrift angenommen, von der bis vor kurzem nur die beiden ersten Bände mit Texten aus dem Alten Testament, die bei der Aufhebung Ranshofens nach München kamen (Clm. 23039, Clm. 12601), bekannt waren. Erst im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zur Reichersberger Chorherrenausstellung von 1984 fand Kurt Holter heraus, dass sich der dazugehörige dritte Teil mit dem Psalter und den Schriften des Neuen Testaments ebenfalls in Oxford befindet (Canon. Bibi. Lat. 76). Jeder der drei Bände ist mit verschieden gestalteten Federzeichnungs- oder Deckfarbeninitialen ausgeschmückt. Leider wurden einzelne von ihnen durch nachträgliche Übermalungen entstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den zahlreichen übrigen Ranshofener Handschriften des hohen Mittelalters (mit Werken der Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor dem Großen, ferner Schriften des Kirchenlehrers Isidor von Sevilla, der Symbolisten Rupert von Deutz, Hugo von St. Victor und Bernhard von Clairvaux sowie des der Frühscholastik nahestehenden Honorius Augustodunensis) hat Elisabeth Klemm die der Bayerischen Staatsbibliothek gehörenden eingehend untersucht und genau beschrieben. Für eine Reihe von ihnen nimmt sie mit Sicherheit eine Entstehung in Ranshofen an (Clm. 12608, Clm. 12613-12616, Clm. 12631, Clm. 12633, Clm. 12641 und Clm. 23603), für andere gilt ihr das zumindest als wahrscheinlich. So lässt dies auf den Bestand eines Skriptoriums seit der Einrichtung des Regularkanonikerstiftes schließen, in dem die meisten der weniger anspruchsvollen Gebrauchshandschriften hergestellt worden sein dürften. Nur für besonders repräsentative Kodizes scheint man auf qualitativ leistungsfähigere Werkstätten zurückgegriffen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Hinweis auf den frühen Verlust von Büchern erhalten wir aus einem Bericht der &amp;quot;Mattseer Annalen&amp;quot; über einen Überfall von Kriegsleuten des Passauer Bischofs auf Ranshofen, der dort zwar zum Jahr 1250 überliefert wird, höchstwahrscheinlich aber auf das Jahr 1242 anzusetzen ist. Damals sei das Kloster geplündert und die Pfarrkirche St. Michael in Brand gesteckt worden. Missalien und Bücher, welche der schulischen Unterweisung gedient haben, seien dabei zugrunde gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen freilich nur unvollständigen Überblick über den alten Ranshofener Bücherschatz vermittelt ein um die Mitte des 14. Jahrhunderts geschriebenes Fragment eines Bibliothekskatalogs, der nachträglich in einen Kodex mit der &amp;quot;Legenda aurea&amp;quot; des Jacobus de Voragine eingebunden worden ist (Clm. 12643, fol. 356). Die verzeichneten Handschriften sind in zwei Gruppen aufgegliedert. Zuerst wird eine Reihe von 89 Kodizes aufgezählt, von denen es heißt, sie würden oberhalb der Sakristei des Prälaten aufbewahrt, womit ein Hinweis auf die Lage der Bibliothek während des Mittelalters gegeben erscheint. Die zweite Gruppe wird als in einem langen Kasten befindlich beschrieben. Hier bricht die Reihe allerdings mitten im 21. Titel ab. Das folgende Blatt mit der Fortsetzung ist verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das bedeutendste Denkmal humanistischen Geistes, welches Ranshofen hervorgebracht hat, war wohl das über Anregung des Propstes Kaspar Türndl bereits 1517 hier begonnene &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; des bayerischen Historikers Aventin. Aventin selbst kennzeichnet seinen Versuch einer auf die Quellen zurückgehenden Geschichtsdarstellung im Sinne seines Lehrers Konrad Celtis in der Vorrede durch den Hinweis auf sein Studium der alten Urkunden, des Traditionsbuches und der Kodizes der Stiftsbibliothek. Dass seine Ergebnisse einer kritischen Überprüfung nicht immer standhalten, steht außer Frage. Dennoch war seine Arbeit maßgeblich für alle späteren Darstellungen der Geschichte Ranshofens. Eine Handschrift des Werkes gelangte nach der Aufhebung des Klosters in das OÖ. Landesarchiv nach Linz, eine weitere Abschrift als Geschenk des letzten Stiftsdechants Pankraz Hauser nach Reichersberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die humanistische Gesinnung von Propst Augustin I. Münich bezeugt die Widmungsschrift an den Propst zu den in Sophonias Pämingers &amp;quot;Poematum libri duo&amp;quot; von 1557 veröffentlichten Elegien seines Bruders Balthasar Päminger. Den reformatorischen Tendenzen der Zeit entsprechend nimmt es nicht wunder, wenn im Bericht der Passauer Diözesanvisitationskommission von 1559/60 am Büchervorrat Kritik geübt wird. Zwar fand man in der &amp;quot;Liberei&amp;quot; viele &amp;quot;guete katholische Authores&amp;quot;; aber in einem Stüblein wurden neben unverdächtigen Büchern auch elf Schriften mit protestantischem Inhalt entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit dem Neubau des Konventgebäudes unter den Pröpsten Philipp Vetterl und Simon Meier Mitte des 17. Jahrhunderts wurde ein neuer Bibliotheksraum im Südtrakt des Klosters eingerichtet. Der Ranshofener Stiftsdechant Hieronymus Mayr verfasste damals sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot;, ein zweibändiges Geschichtswerk über Ranshofen. Der erste Band ist in vier Teile gegliedert. Enthalten sind Angaben über den hl. Pankraz, über Gründer und Wohltäter von Kirche und Kloster, über die Lebensweise der Chorherren, aber auch Verzeichnisse der Konventsmitglieder aus älterer und jüngerer Zeit. Der abschließende vierte Teil bringt eine nach den Pröpsten geordnete Stiftsgeschichte bis 1634. Die Titelseite zeigt in Form einer Federzeichnung das Aussehen des Klosters nach der Erneuerung. Dieser Band ist heute im Besitz des OÖ. Landesarchivs. Die Fortsetzung dazu über die Jahre von 1635 bis 1665 befindet sich in der Bibliothek des [[Stift St. Florian|Chorherrenstiftes St. Florian]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Quelle für unsere Kenntnis der Ranshofener Bibliotheksgeschichte während des ausgehenden 17. Jahrhunderts ist ein &amp;quot;Inventarium der geistlichen Sachen des Stiftes Ranshofen&amp;quot;, das Propst Benno Meier anlässlich seiner Resignation 1687 anfertigen ließ. Es enthält neben Inventaraufschreibungen und zwei Namenskatalogen der Ranshofener Chorherren vor allem eine katalogartige Liste sämtlicher unter seiner Herrschaft angekauften Druckwerke (&amp;quot;Libri comparati&amp;quot;). Einige der genannten Bücher befinden sich heute in der Braunauer Studienbibliothek. Ranshofener Herkunft ist wohl auch für den dort ebenfalls vorhandenen Bericht über die Ranshofener 800-Jahr-Feier von 1699 (&amp;quot;Saeculum octavum&amp;quot;, Augsburg 1702) vorauszusetzen. Nach der Widmung an Propst Ivo Kurzbauer werden im ersten Teil die Texte der Predigten, die während des &amp;quot;Acht-tägigen hoch-feyerlichen Jubel-Festes&amp;quot; von verschiedenen Kanzelrednern gehalten wurden, abgedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
===Baugeschichte=== &lt;br /&gt;
Der älteste Kirchenbau in Ranshofen war die zwischen 896 und 898 durch Kaiser Arnulf errichtete und dem hl. Pankraz geweihte karolingische Pfalzkapelle. Eine in der älteren Forschung diskutierte noch frühere Marienkapelle ist quellenmäßig nicht zu belegen. Diese Pfalzkapelle wurde dann mehr als zwei Jahrhunderte später zur ersten Klosterkirche des Augustiner-Chorherrenstiftes umgewandelt. Bei seiner Einrichtung überließ der damals hier herrschende Bayernherzog den Regularkanonikern seine Kapelle für den Gottesdienst. Als Seelsorgekirche wurde daneben eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche gebaut. Leider ist von der alten Pfalzkapelle – ebenso wie von der Königs- beziehungsweise Herzogspfalz, zu der sie gehörte – kaum mehr etwas erhalten geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grabungen, die der um die Archäologie der Umgebung von Braunau bemühte Maler Hugo von Preen zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Auftrag der k.u.k. Zentralkommission durchführte, blieben ohne nennenswerte Ergebnisse. Nur in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Stiftskirche stieß er auf Reste alter Grundmauern, die man mit der Pfalz in Verbindung bringen konnte. Im Zusammenhang mit einer Nachricht aus den &amp;quot;Mattseer Annalen&amp;quot; über die Zerstörung Ranshofens im Jahr 1242, aus der hervorgeht, dass die Pfalz damals zwischen dem Kloster und der Pfarrkirche St. Michael gestanden war, leitete Schiffmann dann aufgrund dieser Grabungen die Hypothese ab, die Pfalz sei westlich von der Pfalzkapelle, etwa an der Stelle, wo das Hauptschiff und der Turm der heutigen Kirche stehen, gelegen gewesen. Die Pfalzkapelle selbst aber – damals noch nicht größer als das jetzige Presbyterium – habe den Ostabschluss des Pfalzgebäudes gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Neubau des Chorherrenklosters oder eine Erweiterung des vorher ja schon anzunehmenden Säkularkanonikerstiftes nach 1125 ist naheliegend. Höchst fragwürdig erscheint allerdings eine Kirchweihnotiz für das Kloster und den &amp;quot;Pankrazaltar&amp;quot; (&amp;quot;monasterium et altare s. Pancratii&amp;quot;) von 1135. Sie nennt nämlich neben dem weihenden Bischof Reginbert von Passau den Kaiser Heinrich II., eine Reihe von Bischöfen und einen Herzog Heinrich von Bayern und Sachsen als Anwesende. Reginbert wurde allerdings erst 1138 Passauer Bischof (sein Vorgänger hieß Reginmar) und der Kaiser und die übrigen Bischöfe scheinen aus der verfälschten Urkunde Kaiser Heinrichs III. von 1040 übernommen zu sein. Nur Herzog Heinrich X. (der Stolze) von Bayern, der allerdings auch erst 1137 zusätzlich mit Sachsen belehnt worden war, käme als &amp;quot;Zeitzeuge&amp;quot; in Betracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach schweren Schäden, die Kirche und Kloster bei den kriegerischen Überfällen von 1242, 1250 und 1266 erlitten hatten, wurden beide wiederhergestellt und schließlich 1283 durch den Regensburger Bischof Heinrich neu eingeweiht. Die kunstgeschichtliche Forschung vermutet für die Kirche einen Bau im Stil der frühen Gotik. Reste von zwei säulentragenden Steinlöwen und drei Medaillonbilder an der südlichen Außenmauer des Chores, die stilistisch zu dieser Bauperiode gehören, lassen jedenfalls erkennen, dass beim spätgotischen Kirchenbau zu Beginn des 16. Jahrhunderts zumindest ein Teil des Mauerwerks übernommen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1337 stiftete der Braunauer Bürger Ulrich Schön eine Friedhofskapelle (Karner), die dem Hl. Geist und dem hl. Oswald geweiht wurde. Sie ist als achteckiger Tuffsteinbau mit spitzbogigem Portal und drei Fenstern erhalten geblieben. Im Inneren enden die von verschieden gestalteten Konsolen ausgehenden Rippen in einem Schlussstein mit großer Rose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Seelsorgekirche wurde 1474 von Propst Wolfgang der Grundstein zu einem gotischen Neubau gelegt. Auf den ältesten erhaltenen Abbildungen ist ihr Turm noch mit einem spitzzulaufenden Helm gedeckt. Als ältestes Element des Um- bzw. Neubaus der Stiftskirche ist die unter Propst Blasius Rosenstingl (1494–1504) neu gestaltete Marienkapelle (&amp;quot;Rosenkranzkapelle&amp;quot;) anzusehen, die später – als ostseitiger Abschluss des nördlichen Seitenschiffs – in die Konstruktion der Kirche einbezogen wurde. Von diesem unter Propst Kaspar Türndl (1504–1526) errichteten spätgotischen Bau ist freilich heute kaum mehr etwas zu erkennen, wenn man von der schlichten Außenerscheinung mit den glatt geputzten Wänden, dem Tuffsockel und den dreifach gestuften Stützmauern des Langhauses absieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Inneren ist die gotische Baukonstruktion fast zur Gänze durch die Umformungen der Barockzeit verdeckt. Nur das einfache Kreuzrippengewölbe des oberen Konventchores oberhalb der Sakristei ist vom Kirchenschiff aus noch sichtbar. Im Hinblick auf die der gleichen Bauperiode angehörenden Bauten der Ranshofener Filialkirchen in Neukirchen/Enknach und Hochburg, vor allem aber der Bürgerspitalskirche in der nahen Stadt Braunau, die als inkorporierte Pfarre ja ebenfalls an das Stift gebunden war, spricht Brucher in seiner Darstellung der &amp;quot;Gotik in Österreich&amp;quot; von einer Innviertler Bautengruppe, die nachhaltig im künstlerischen Ausstrahlungsbereich des Hans von Burghausen stand. Eine Nähe solcher Tendenzen wird man für die Stiftskirche selbst zumindest hypothetisch voraussetzen dürfen, auch wenn der Nachweis dafür nur schwer zu erbringen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild der baulichen Entwicklung Ranshofens ist in den folgenden Jahren von der Barockisierung geprägt, die in mehreren Phasen vor allem dem Innenraum der Stiftskirche ein völlig neues Aussehen verlieh. Die ersten Ansätze dazu sind schon für die Zeit von Propst Hilarius Steyrer (1610–1620) überliefert. Zu großen Veränderungen kam es unter seinem Nachfolger, Propst Philipp Vetterl (1620–1634). 1621 war der Turm der Stiftskirche eingestürzt. In der Folge ließ der Propst – er wird in der Grabinschrift als &amp;quot;architectus insignis&amp;quot; gerühmt – einen neuen bauen, der allerdings weiter nach Westen verlagert wurde, da man zwischen Turm und Kirchenschiff eine halbrunde Westkonche einschob. Diese diente der Errichtung einer Musikempore, auf der eine damals neu angeschaffte Orgel aufgestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1624 begann Propst Philipp auch noch mit der Erneuerung des Stiftsgebäudes, wofür er aus Italien Maurer berief (&amp;quot;ex Italia murarios conducens&amp;quot;). Im Stadium seines vollen Ausbaus, wie es Ansichten aus der Zeit nach 1700 sichtbar machen, bestand das Kloster mit seinen Nebengebäuden aus drei in Nord-Süd-Richtung aneinander anschließenden Gevierten: dem Konventgebäude mit der Prälatur, der Dekanei und der Bibliothek, einem verbindenden Zwischengebäude und dem Meierhof mit dem Bräuhaus. Nach Osten zu waren verschiedene Gärten angelegt (der Blumengarten, der Konventgarten, der Baumgarten und der sogenannte &amp;quot;Kuchelgarten&amp;quot;). Das Ganze wurde von einer Einfriedungsmauer mit einem Torturm umschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1650 standen davon nur der unter Propst Philipp erbaute Konventtrakt und der Meierhof, den Propst Philipps Nachfolger, Propst Simon Meier (1634–1665), neu errichten ließ. Als Baumeister hat Martin dafür einen Bartolomeo Viscardi ausfindig gemacht, der sich in einem Kommissionsprotokoll der Jesuitenkirche in Burghausen als &amp;quot;Stift Ranshofenscher Baumeister&amp;quot; bezeichnet. Schon vorher nannte Schiffmann einen Kaspar Regeton, der 1624/25 auch am Stiftsneubau in Reichersberg beteiligt war. Ulm hat ihn als einen Kaspar Righettoni aus Castenada im Misoxtal in Graubünden identifiziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verbindungstrakt zwischen Konventgebäude und Meierhof entstand erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts, ebenso ein westlich von der Stiftskirche ausgeführter Gasttrakt. Die umfangreichsten Veränderungen an der Stiftskirche wurden unter Propst Ivo Kurzbauer (1687–1715) im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 vorgenommen. Abgesehen von der großzügig erneuerten Innenausstattung kam es zu zahlreichen Eingriffen in die Bausubstanz der Kirche, die alle dem Zweck dienen sollten, den Innenraum in Einklang mit dem barocken Gesamtbild zu bringen. Dazu gehörten vor allem eine Erweiterung der Fensterflächen, das Abtragen einiger Pfeiler, die von außen das Kircheninnere verfinsterten, und schließlich im Chor die Konstruktion einer in den Dachraum hineinragenden Kuppel, um so dem neuen Hochaltar eine entsprechende Höhenausdehnung zu ermöglichen. Propst Ivo begann auch noch mit dem Bau eines neuen Turmes mit barockem Helm für die Pfarrkirche [[St. Michael]], der unter seinem Nachfolger, Propst Augustin II., nach 1715 fertiggestellt wurde. 1799 wurde diese Kirche jedoch zur Gänze abgetragen. Das dabei freigewordene Material verwendete man zum Ausbau der Festung Braunau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert wurden nach der Aufhebung und der damit verbundenen Profanierung des Stiftes der nördliche und der östliche Teil des Konventgebäudes abgetragen. 1859 brannte der Turm der ehemaligen Stiftskirche aus, wobei die Barockorgel völlig zerstört wurde. Die spitze Helmform, welche der Turm beim Wiederaufbau erhielt, könnte als unbeholfener Versuch einer Regotisierung gemeint gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildende Kunst=== &lt;br /&gt;
Abgesehen von den kunstgeschichtlich wertvollen romanischen Handschriften sind nur ganz wenige mittelalterliche Denkmäler der bildenden Kunst aus Ranshofen erhalten geblieben. Zu nennen sind hier zunächst jene drei Medaillonbilder im sogenannten &amp;quot;Rollgang&amp;quot; an der südlichen Außenmauer des Chores der ehemaligen Stiftskirche vom Beginn des 14. Jahrhunderts. Sie wurden in der älteren Literatur als Apostelköpfe gedeutet, zuletzt wurde auch erwogen, ob man sie nicht mit einer Notiz Aventins in Zusammenhang bringen könnte, nach der die Bischöfe Reginbert von Passau und Heinrich von Regensburg auf Fresken dargestellt waren. Dem gleichen Zeitabschnitt sind stilistisch jene zwei säulentragenden Portallöwen aus Ranshofen zuzuordnen, die heute die Besuchergarderobe im Braunauer Bezirksmuseum behüten. In der Stiftskirche selbst ist noch die schön gestaltete gotische Grabplatte des Propstes Blasius Rosenstingl, die dem Salzburger Bildhauer Hans Valkenauer zugeschrieben wird, zu sehen. Rosenstingls Verehrung der Gottesmutter – er hat ja auch den Neubau der Marienkapelle durchgeführt – findet darauf in einer Darstellung der hl. Maria, die von zwei musizierenden Engeln begleitet wird, beredten Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Umkreis der Ranshofener Filialkirchen wären noch zwei qualitativ hervorragende Holzreliefs mit Darstellungen des Marientodes in Hochburg (um 1490) und in Neukirchen/Enknach (um 1510) hervorzuheben sowie eine Monstranz aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert, die der heutigen Pfarrkirche in Handenberg gehört, ferner der &amp;quot;Bäckeraltar&amp;quot; in der Braunauer Stadtpfarrkirche. Obwohl für die Zeit des beginnenden Barock mehrfach über Altarerneuerungen in Ranshofen berichtet wird, ist kaum etwas namhaft zu machen, was aus dieser Periode an kunstgeschichtlich Bedeutsamem erhalten wäre. In jüngerer Zeit hat allerdings Lipp die Herkunft einer im Braunauer Bezirksmuseum aufgestellten Holzplastik aus Ranshofen aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts von einem Ranshofener Altarwerk zur Diskussion gestellt. Diese wollte man aufgrund der Krone und der Reichsinsignien früher als eine Darstellung des Kaisers Arnulf ansehen. Lipp deutete sie als den heilig gesprochenen Kaiser Heinrich II., der ja im klostereigenen Geschichtsverständnis einen besonderen Stellenwert einnahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge mit einem Altarwerk der Stiftskirche werden auch für Holzplastiken des hl. Pankratius und vier Engelfiguren aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts vermutet, die heute als Aufsatzfiguren der Orgel dienen. Zwei herausragende Stücke kunstgewerblicher Arbeit sind schließlich noch die Monstranz und der Kelch, welche 1682 durch Propst Benno Meier bei dem Augsburger Goldschmied Georg Reischle in Auftrag gegeben wurden. Beide Geräte sind aus Silber gefertigt, teilweise vergoldet und mit Halbedelsteinen geschmückt. Zahlreiche Emailmedaillons mit Szenen aus dem Leben Christi gehören zur künstlerischen Ausstattung des Ensembles. Dazu kommen weitere Medaillons mit Grisaillebildern der Rosenkranzgeheimnisse, welche das herzförmige Fenster der Monstranz einrahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erscheinungsbild, das heute den Besucher der ehemaligen Stiftskirche in Ranshofen empfängt, ist geprägt von der großzügigen Umgestaltung, welche das Innere im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 erfahren hat. Dies gilt sowohl von den damals neu aufgestellten Altären als auch von den Deckenfresken im Haupt- und im nördlichen Seitenschiff. Die Bilder des monumental wirkenden Hochaltars, die Enthauptung des hl. Pankraz und darüber (als Aufsatzbild) die hl. Dreifaltigkeit darstellend, stammen von dem in Braunau geborenen bayerischen Hofmaler Johann Kaspar Sing. Sie werden von einem Aufbau aus gewundenen Säulen, Akanthusranken und einer Reihe von Heiligenfiguren eingerahmt, der dem Braunauer Bildhauer Sebastian Hagenauer zugeschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein genaueres Hinsehen verdient die Deckengestaltung mit der Stukkaturverzierung und den beiden Freskenzyklen zur Pankrazvita (im Chor und im Hauptschiff) und zum Marienleben (im nördlichen Seitenschiff). Das Besondere daran sind eine Fülle kleiner Emblembilder, die um die erzählenden Hauptbilder herum gruppiert sind und das dort dargestellte Geschehen kommentieren bzw. erläutern, eine Darstellungsform, die sich im Hochbarock einer gewissen Beliebtheit erfreute und der zahlreiche Handbücher gewidmet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reihe der Pankrazbilder etwa beginnt im Chorraum über dem Hochaltar mit einem Mittelbild, das die Unterweisung des jungen Pankraz durch den Papst zeigt. In zwei kleineren, flankierenden Seitenbildern wird die Landung des aus Phrygien stammenden Jünglings mit seiner Begleitung in Ostia bzw. der Empfang der Reisegruppe am Tor des päpstlichen Palastes geschildert. Die dazugehörenden Emblembilder zeigen eine Uhr, eine Sonnenblume, eine Feuerwerksrakete und eine Nachteule. Die Uhr, deren im Gehäuse verborgenes Werk die Zeiger treibt, symbolisiert die geheime Kraft, die den jungen Pankraz auf seine Reise trieb. Die Sonnenblume, die sich sogar der hinter Wolken versteckten Sonne zuwendet, verweist auf den Weg zum Glauben, den er auch durch Hindernisse unbeirrt geht. Die brennend zum Himmel aufsteigende Feuerwerksrakete ist ein Bild für den Feuereifer, mit dem der junge Mann seinen Weg zu Gott sucht. Die Nachteule schließlich, die von der aufgehenden Sonne vertrieben wird, zeigt seine Erleuchtung durch den päpstlichen Religionsunterricht an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer dieses komplizierte Bildprogramm entworfen hat, wissen wir nicht. Am ehesten ist an Propst Ivo Kurzbauer selbst zu denken. Die Ausführung der Bilder schreibt Martin in der Kunsttopographie des Bezirkes Braunau aufgrund einer Eintragung in den Ehematriken der Ranshofener Kirche dem Laienbruder Christof Lehrl aus dem bayerischen [[Chorherrenstift Högelwörth]] zu. Lehrl wird dort zusammen mit zwei Stukkateuren als Trauzeuge bei der Hochzeit des Malers Josef Pöckl aus Teisendorf, der später in Uttendorf ansässig war, genannt. Dass dieser Pöckl auch an den Fresken mitgemalt haben dürfte, ist Martin entgangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Signatur &amp;quot;I.P.&amp;quot; bei einem der Fresken des Seitenschiffs könnte aber mit &amp;quot;Iosephus Pöckl&amp;quot; aufzulösen sein. Dieses Monogramm findet sich übrigens auch bei einem der &amp;quot;Autorenbilder&amp;quot;, mit denen zur gleichen Zeit die Decke der Bibliothek im Konventtrakt ausgeschmückt wurde, wieder. Unter Propst Augustin II. Pariser wurde um 1730 die Rosenkranzkapelle mit Fresken ausgeschmückt, in den letzten Jahrzehnten des Bestehens des Chorherrenstiftes ist dann noch die Ausgestaltung von Teilen des Prälatentraktes mit Stuckverzierung von Johann Baptist Modler aus Kößlarn hervorzuheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikpflege==&lt;br /&gt;
Die einzige zur Gänze erhaltene mittelalterliche Musikhandschrift aus dem Chorherrenstift Ranshofen ist ein &amp;quot;Breviarium sive ordo&amp;quot; genannter Kodex des 13. Jahrhunderts in München (Bayerische Staatsbibliothek, Clm. 12635 B). Sie verzeichnet und erläutert die Reihenfolge der Gesänge für das Stundengebet und die Messe für die einzelnen Festtage im Verlauf des Kirchenjahres. Als Vorlage des Ranshofener Kodex ist ein &amp;quot;Ordinarium&amp;quot; des Salzburger Domstiftes aus dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts anzusehen (Universitätsbibliothek Salzburg, Cod. M II 6). Über weite Strecken textgleich mit der Ranshofener Handschrift ist außerdem der Vorauer Cod. 99, der ebenfalls dem 13. Jahrhundert angehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonderes Interesse seitens der Wissenschaft fand in diesen miteinander verwandten Handschriften die Aufzeichnung der &amp;quot;Visitatio sepulcri&amp;quot;, eines gesungenen geistlichen Spiels innerhalb der Osternachtsliturgie, in dem der Besuch der Frauen am Grab Jesu, ihre Botschaft an Petrus und Johannes und deren Wettlauf zum leeren Grab in einer sehr zeremoniösen Weise dargestellt werden. Den Schluss bildet das vom Volk gesungene deutschsprachige Osterlied &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht in dieser sogenannten &amp;quot;Liturgischen Osterfeier&amp;quot; eine wesentliche Wurzel für die Entwicklung des mittelalterlichen Dramas. Aus inzwischen verlorengegangenen mittelalterlichen Liturgiebüchern hat schließlich noch im 17. Jahrhundert Hieronymus Mayr die Texte einer Sequenz (&amp;quot;Ante thronum majestatis&amp;quot;) und eines spätmittelalterlichen Reimoffiziums zum Pankrazfest in sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; kopiert. Schon für diesen Zeitraum ist eine intensive Musikpflege innerhalb der Stiftsschule vorauszusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der musikalischen Theorie, die im Rahmen der Unterweisung aus den &amp;quot;Sieben freien Künsten&amp;quot; vermittelt wurde, erfuhren die Klosterschüler eine gründliche Schulung in der Praxis des Singens, sodass sie beim Gottesdienst die Chorherren unterstützen, manchmal sogar vertreten konnten. Seit dem 16. Jahrhundert lassen sich dann auch für die Musikpflege in Ranshofen Erscheinungen beobachten, die mit der Ausbreitung der humanistischen Bewegung in Zusammenhang stehen. So traten in der Klosterschule an die Stelle des geistlichen &amp;quot;Scholasticus&amp;quot; weltliche Lehrer, die zusammen mit ihren Schülern auch in der Kirche sangen, wobei die mehrstimmigen Musikformen der Renaissance rasch in das Repertoire eindrangen. Die Wurzeln dafür kann man bis in die Regierungszeit des Propstes Kaspar Türndl zurückverfolgen. Er ließ für die „Präbendisten&amp;quot; – die auf Kosten des Stiftes ausgebildeten Sängerknaben – eine eigene Unterkunft erbauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger, Propst Augustin Münich, wirkte hier vor 1550 ein Magister Johann Kappenstill als Lehrer, der später als Stadtschreiber in Passau im Umkreis des dortigen Humanismus große Wertschätzung genoss und zum Freundeskreis um Leonhard Päminger gehört hat. Seinem Nachfolger, Magister Stephan Vokenrieder, hat Päminger sogar zwei Spruchmotetten gewidmet, die später in die gedruckte Ausgabe der Pämingerschen &amp;quot;Cantiones ecclesiaticae&amp;quot; aufgenommen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein umfassendes Bild der schulischen Verhältnisse in Ranshofen um die Mitte des 16. Jahrhunderts vermittelt das Passauer Visitationsprotokoll von 1559/60. Der &amp;quot;cantor&amp;quot; hielt sich zur Zeit der Kirchenvisitation überhaupt von den Musikaufführungen fern (singt nicht zu Chor). Mit den Schülern, welche er unterrichtete, sang er jedoch regelmäßig vor Beginn des Unterrichts das &amp;quot;Veni, sancte Spiritus&amp;quot; und das &amp;quot;Veni creator&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den &amp;quot;scholasticus&amp;quot; erfahren wir, dass er mit den Schülern eine &amp;quot;Comoedia de coena Domini&amp;quot; (&amp;quot;Spiel vom Herrenmahl&amp;quot;) aufgeführt habe: ein Hinweis auf die Pflege des Schultheaters in Ranshofen. Die Größe der Stiftsschule wird daran erkennbar, dass neben dem Schulmeister und dem Kantor noch ein Magister Thomas Winter genannt wird. Er wird als &amp;quot;ludirector&amp;quot; bezeichnet, hatte also wohl neben dem Schuldienst auch noch die Leitung der Kirchenmusik zu versehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Musikrepertoire sind wir leider nur sehr bruchstückhaft informiert. Vorauszusetzen ist die fortlaufende Pflege des Gregorianischen Chorals. Daneben werden verschiedene protestantische Gemeindelieder genannt, die zunächst wohl einstimmig, fallweise vermutlich von der Schulkantorei in mehrstimmigen Sätzen gesungen wurden, in denen sie schon sehr früh Verbreitung gefunden hatten. Gewiss sang man daneben aber auch mehrstimmige lateinische Messkompositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Orgel hat es damals hier ebenfalls schon gegeben, denn im Visitationsbericht wird bereits ein Organist unter den Klosterdienern aufgezählt. Die noch in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts einsetzende Gegenreformation beginnt dann das Erscheinungsbild des Schulwesens und der Musikpflege alsbald zu verändern. In einer staatlichen Schulordnung von 1569 wurde für die Lateinschulen wieder das Singen der alten Choralweisen vorgeschrieben. Die gefälschten Psalmen und Lieder – gemeint sind die protestantischen Kirchenlieder – wurden aus Kirche und Schule verbannt. Ein Zeugnis dieser vorerst nur zögernd einsetzenden Entwicklung ist für Ranshofen der Visitationsbericht des römischen Kurienkardinals &amp;quot;Commendone&amp;quot; aus dem Jahr 1569. Nach ihm unterrichteten damals immer noch drei Lehrer etwa achtzig Schüler in Grammatik und Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chorherren sangen das Offizium schön und mit Andacht auf dem alten Konventchor oberhalb der Sakristei. Während der Woche wurde die Messe nur gelesen. An Sonn- und Feiertagen jedoch sangen sie die Chorknaben in der Pfarrkirche St. Michael. Eine weitere wichtige Umstellung des Schulwesens erfolgte zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Nach dem Vorbild der Jesuitengymnasien übernahm jetzt wieder ein Geistlicher die Leitung der Schule und das Amt des &amp;quot;regens chori&amp;quot;. Weltliche Lehrer sind fortan nur noch in untergeordneter Stellung anzutreffen. Der erste geistliche Chorregent in Ranshofen, den wir dem Namen nach kennen, ist der spätere Propst Philipp Vetterl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; berichtet von argen Missständen, die damals im Kloster geherrscht hätten. So habe Frater Philippus das Offizium, besonders die abendliche Vesper, häufig mit den Chorknaben allein gesungen, während sich die übrigen Stiftsangehörigen in Wirtshäusern und Spelunken herumgetrieben hätten. Nach seiner Wahl zum Propst begann er jedoch zielstrebig das Kloster zu erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1622 wurde auf der neugebauten Musikempore der Stiftskirche eine neue Orgel aufgestellt. Noch die Grabinschrift des Propstes rühmt das Werk wegen der Größe der Pfeifen und der Lieblichkeit seines Klanges. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts wirkte [[Sebastian Widerstain]] als Stiftsorganist in Ranshofen. Nach einem Musikalienkatalog des Münchener Buchhändlers Paul Parsdorffer gab er eine Sammlung von &amp;quot;Miserere&amp;quot; für vier bis acht Singstimmen, zwei Violinen und Orgel im Druck heraus, denen noch eine &amp;quot;Lauretanische Litanei&amp;quot; hinzugefügt ist. Die Besetzung der leider nirgends erhaltenen Sammlung Widerstains zeigt, dass damals bereits Musikformen des Frühbarock mit selbständig geführten instrumentalen Begleitstimmen im Raum Ranshofen verbreitet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1699 wurde zum 800-Jahr-Fest des Bestehens der Pankrazkapelle im oberen Konventchor eine kleine Chororgel aufgestellt. Das musikalische Programm der Gottesdienste, die im Verlauf der eine Woche dauernden Festlichkeiten stattfanden, ist leider nicht im Detail überliefert. Von Biber ist in Kremsmünster die Abschrift einer &amp;quot;Missa Sti. Henrici&amp;quot; erhalten. Es ist nicht auszuschließen, dass sie in diesem Zusammenhang von Ranshofen in Auftrag gegeben worden ist, verehrte man doch damals den heiligen Kaiser Heinrich II. – wenn auch nur irrtümlich – als einen der Gründer des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vierteljahrhundert später begegnet in [[Wilhelm Ganspeckh]] (1687–1770) der erste und gleichzeitig einzige Ranshofener Chorherr, der nachweisbar auch als Komponist tätig gewesen ist. Der Vater und zwei seiner Brüder waren unter Kurfürst Max Emanuel Musiker an der Bayerischen Hofmusikkapelle. Nach seinen Studien und der Priesterweihe war er lange Zeit Chorregent im Kloster. Von seinen musikalischen Werken ist einzelnes erhalten geblieben, vor allem ein Druck mit acht Messen und einem Requiem, der 1724 unter dem Titel &amp;quot;Octiduum sacrum&amp;quot; erschienen ist. Als zweiter Teil sind noch zwölf Offertorien angehängt. Die Messen sind nach den Altarheiligen der Stiftskirche benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Sekundiz des letzten Ranshofener Propstes Johann Nepomuk Kierl wurde 1805 noch eine eigens dafür komponierte Kantate (&amp;quot;Heut möge jede Brust das mächtige Gefühl der Freude schwellen&amp;quot;) eines unbekannten Komponisten aufgeführt, deren Partitur erhalten ist. Sie ist das letzte Zeugnis der Musikpflege im Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien== &lt;br /&gt;
Das Ranshofener Stiftsarchiv enthielt seinerzeit eine große Zahl von Originalurkunden, dazu mehrere Kopialbücher, andere Handschriften und sonstige Akten. Das meiste davon kam bei der Aufhebung 1811 nach München in das jetzige Bayerische Hauptstaatsarchiv. Kleinere Aktenbestände befanden sich außerdem im Staatsarchiv in Landshut, wurden von dort aber in der Zwischenzeit ebenfalls an das Hauptstaatsarchiv in München abgegeben. Nur weniges ist im Ranshofener Pfarrhof zurückgeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die älteste erhaltene Urkunde ist die von Kaiser Arnulf über die &amp;quot;Verleihung&amp;quot; der Pfalzkapelle an den Priester Ellimprecht (Bayr. HStA München, Kaiserselekt 87 = Ranshofen Urk. 1) aus dem Jahr 898. Sie muss seit der Karolingerzeit durchgehend an der Pankrazkirche aufbewahrt worden sein. Im Bayerischen Hauptstaatsarchiv befindet sich auch die Urkunde Herzog Heinrichs IX. von 1125, der sogenannte „Stiftbrief&amp;quot; des Augustiner-Chorherrenklosters (Ranshofen Urk. 2), neben weiteren Königs- und Herzogsurkunden. Auch päpstliche Privilegien für Ranshofen liegen dort auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Handschriften des Archivs ist jene des alten Traditionskodex seit der Aufhebung des Klosters leider verschollen. Die einzige auf das Originalmanuskript zurückgehende Textedition ist die der &amp;quot;Monumenta Boica&amp;quot; von 1764. Diese Textform wurde dann 1852 im ersten Band des Urkundenbuches des Landes ob der Enns neuerlich abgedruckt. Etwa gleichzeitig fand der St. Florianer Chorherr [[Jodok Stülz]] im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr eine große Zahl von Traditionen, die Mayr um 1650 aus dem Traditionskodex kopiert hatte. Ein Reihe von weiteren Notizen sind darin in regestenartiger Form wiedergegeben. Diese Überlieferung wertete Konrad Schiffmann 1905 in einer Neuedition aus und erläuterte seine daraus abgeleiteten Erkenntnisse in einer ausführlichen Einleitung. Zum einen kann man nämlich aus dem Vergleich der verschiedenen Überlieferungen erkennen, dass im Monumenta-Boica-Text eine Reihe von Notizen ausgelassen wurde. Zum anderen lassen sich aus den von Mayr gemachten Angaben über die Folien, auf denen er die einzelnen Traditionen gefunden hatte, wertvolle Hinweise auf die ursprüngliche Zusammensetzung des Kodex gewinnen. Dabei wird deutlich, dass die Handschrift aus mehreren vorerst voneinander unabhängig bestehenden Lagen schließlich zu einem Kodex verbunden wurde. Einzelne Lagen erscheinen hinsichtlich der Chronologie falsch aneinandergereiht. Außerdem begegnen die Notizen der ersten Lage in einem späteren Teil ein zweites Mal, wobei die älteste Lage mit der Notiz über die vom Bayernherzog Welf II. getätigte Schenkung von Besitzungen in Handenberg an die Pankrazkirche und die als zugehörige Filialkirche zu denkende Jakobikapelle in Handenberg (Schiffmann II 1, um 1110) eröffnet worden sein dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den erhalten gebliebenen Handschriften des Archivs ist das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes Konrad I. von 1277/1303 die wichtigste (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Ransh. Lit. 1). Sie enthält neben den beiden – bereits oben im Abschnitt über die wirtschaftliche Entwicklung gestreiften – Urbaren zwei Kopialbücher mit wichtigen Urkundenabschriften. Die vier Teile wurden vermutlich erst im 17. Jahrhundert zu einem Kodex zusammengebunden. Die beiden Kopialbücher enthalten wertvolle Zeugnisse zum Ranshofener Urkundenwesen, darunter Kopien von heute verschollenen Originalurkunden, wie etwa die Abschriften jener beiden Urkundentexte, die als verfälschte Fassungen eines Diploms Kaiser Heinrichs III. für Ranshofen anzusehen sind. Auf fol. 47ff. finden sich Angaben über verschiedene Altarweihen, die Schiffmann im Anhang seiner Ranshofener Baugeschichte publiziert hat (&amp;quot;Die Kirchweih-Chronik von Ranshofen&amp;quot;). Zwei weitere Kopialbücher schrieb am Beginn des 15. Jahrhunderts der Chorherr [[Christian Perger]] aus Eggenfelden (Ransh. Lit. 4 bzw. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein von Propst Philipp Vetterl 1623 angelegtes Urkundenbuch befindet sich im Braunauer Stadtpfarrkirchenarchiv. Es enthält zunächst Kopien von Urkunden, die sich auf die Braunauer Stadtpfarre St. Stephan beziehen, im weiteren Verlauf sind auch andere Stiftungen zugunsten des Klosters oder seiner Filialkirchen in den Text aufgenommen. Zum Archivbestand haben wohl auch der Bericht des Propstes Benno Meier über die niederösterreichischen Besitzungen von 1670 und das von ihm angelegte &amp;quot;Inventarium&amp;quot; von 1665/1687 gehört (vgl. oben die Abschnitte &amp;quot;Wirtschaftliche Verhältnisse&amp;quot; und &amp;quot;Bibliothek&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Bernhard Bischoff: Die südostdeutschen Schreibschulen der Karolingerzeit. Band 2. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Gotische Baukunst in Österreich. Salzburg 1990.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
* Rudolf Guby: Die Kunstdenkmäler des oberösterreichischen Innviertels. Wien 1921.&lt;br /&gt;
* Siegfried Haider: Zum Problem karolingischer Pfalzen in Oberösterreich. In: Baiern, Ungarn und Slawen im Donauraum. Hg. von Willibald Katzinger / Marckhgott, Gerhart. Linz 1991 (Forschungen zur Geschichte der Städte und Märkte Österreichs, 4), S. 11–16.&lt;br /&gt;
* Peter Herde: Ranshofener Urkundenstudien. In: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte 24 (1961), S. 183–228. [http://periodika.digitale-sammlungen.de/zblg/kapitel/zblg24_kap8 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die mittelalterliche Buchkunst der Chorherrenstifte am Inn. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 205–231.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Klemm: Die romanischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München. Teil 1: Die Diözesen Regensburg, Passau und Salzburg. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Sigrid Krämer: Die Bibliothek von Ranshofen im frühen und hohen Mittelalter. Band 2. In: The Role of Book in Medieval Culture. Hg. von Peter Felix Ganz. Turnhout 1986 (Bibliologia Elementa ad Librorum Studia Pertinantia, 4), S. 41–72.&lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme der Chorherrenkirche in Ranshofen. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 6 (1966), S. 179–219.&lt;br /&gt;
* Wilfried L. Lipp: Das ehemalige Augustiner Chorherrenstift Ranshofen - Ein Beitrag zur Kunstgeschichte. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, 149–160.&lt;br /&gt;
* Walther Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften des deutschen Sprachgebietes. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 7 (1971), S. 7–102.&lt;br /&gt;
* Alfred Marks: Oberösterreich in alten Ansichten. Linz 1968.&lt;br /&gt;
* Franz Martin (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Braunau. Wien 1947 (Österreichische Kunsttopographie, 30).&lt;br /&gt;
* August Prenninger: Hinweise zur Bevölkerungsstruktur Ranshofens vom Mittelalter bis zur Bauernbefreiung 1848. In: Rantesdorf 788-1988, 1200 Jahre Ranshofen. Ausstellung vom 28. Mai bis 17. Juli 1988. Hg. von Walter Pilshofer / Rudolf Schmidt. Braunau am Inn 1988, S. 39–44.&lt;br /&gt;
* [[Franz Xaver Pritz]]: Geschichte des aufgelassenen Stiftes der regulirten Chorherren des heiligen Augustin zu Ranshofen in Oberösterreich. In: Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen 17 (1857), S. 327–435. [https://books.google.at/books?id=U5YJAAAAIAAJ&amp;amp;vq=pritz&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA327#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Baugeschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Archiv für die Geschichte der Diözese Linz 5/1 (1908), S. 3–26.&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Aufhebung des Stiftes Ranshofen. In: Unterhaltungsbeilage der Linzer Tages-Post, Nr. 42, Jg. 1911 (15. Oktober 1911).&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Ranshofener Stiftsschule im Zeitalter des Humanismus und der Reformation. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 117 (1972), S. 199–212. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_117a_0199-0212.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Musik im Stift Ranshofen. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 120 (1975), S. 67-110 [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_120a_0067-0110.pdf (Digitalisat)]; 121 (1976), S. 179–222. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_121a_0179-0222.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Überlieferung der Ranshofener Traditionen. Vorbemerkungen zu einer künftigen Neuedition In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 16 (1990), S. 5–16. [https://www.ooegeschichte.at/fileadmin/media/migrated/bibliografiedb/mooela_16_0005-0016.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Das Ranshofener Evangeliar in Oxford (Manuscript Canonici Bible Latin 60 der Bodleian Library). Ranshofen 2012.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in den jüngeren Teilen des Ranshofener Traditionskodex. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 22 (2011), S. 291–320.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in Notizen aus dem ältesten Teil des Ranshofener Traditionskomplex. Zum Erscheinen der Schiffmann-Ausgabe vor 100 Jahren. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 21 (2008), S. 107–142.&lt;br /&gt;
* Hubert Schopf: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen am Inn im Mittelalter 1125–1426. Diss. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1985.&lt;br /&gt;
* Max Schrott: Die Conföderationen unserer Stifte. In: In Unum Congregati 5 (1985), S. 123–154.&lt;br /&gt;
* Georg Swarzenski: Die Salzburger Malerei von den ersten Anfängen bis zur Blütezeit des romanischen Stils. Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
* Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 245–294.&lt;br /&gt;
* Margareta Vyoral-Tschapka: Die Klosteranlage des ehemaligen Augustiner Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege Oberösterreich 160: Festschrift für Georg Heilingsetzer zum 70. Geburtstag (2015), S. 577–616.&lt;br /&gt;
* Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert. Köln 1975 (Kölner historische Abhandlungen, 24).&lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Königsherzogsgut in Oberösterreich. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 3 (1954), S. 101–145.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Zur Rechtsgeschichte des Stiftes Ranshofen und seiner Pfarreien. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 161–170.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Ranshofen</title>
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		<updated>2022-07-14T09:22:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Musikpflege */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1125&lt;br /&gt;
|Datum bis=1811/10/28&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis Ende des 18. Jahrhunderts)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=&amp;quot;curtis rantesdorf&amp;quot;, Hof Rantesdorf (788)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Pankraz, hl. Michael, hl. Jungfrau Maria&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte== &lt;br /&gt;
===Vorgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Errichtung des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen kurz vor oder im Jahr 1125 knüpfte an Voraussetzungen an, die durch eine damals schon Jahrhunderte währende Geschichte gegeben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen war zunächst ein Hof der bayerischen Agilolfingerherzöge, deren letzter, der unglückliche Tassilo III., im gleichen Jahr durch Karl den Großen seine Herrscherwürde einbüßte, in dem Ranshofen – als &amp;quot;Rantesdorf&amp;quot; – erstmals im Licht einer geschichtlichen Nachricht erscheint. Unter den Nachfolgern Karls des Großen wurde Ranshofen eine königliche Pfalz, ein Ort, der dem Herrscher als Aufenthalt und Verwaltungsstützpunkt diente. Kaiser Arnulf, einer der letzten ostfränkischen Karolinger, ließ hier zwischen 896 und 898 eine dem hl. Pankraz geweihte Kapelle erbauen und stattete sie mit Besitzungen, liturgischen Geräten, kostbaren Glasfenstern und Tapisserien sehr großzügig aus. Ein Priester Ellimprecht – wohl ein Mitglied der kaiserlichen Hofkapelle – erhielt die neu errichtete Pfalzkapelle zunächst als Lehen übertragen. Mit einer Urkunde vom 17. Oktober 898 wandelte Kaiser Arnulf dieses Lehen dann in ein freies Eigentum des Priesters Ellimprecht um. Nach dessen Tod sollte alles dem von Arnulfs Vater in Alt-Ötting gegründeten Säkularkanonikerstift zufallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Monate später fertigte Arnulf dann zugunsten der Ranshofener Pankrazkapelle eine weitere Urkunde aus, die allerdings nur in mittelalterlichen Abschriften überliefert wird. An ihrem Text fällt auf, dass vom Priester Ellimprecht nun keine Rede mehr ist. Als Empfänger der gegebenen Güter erscheinen vielmehr &amp;quot;die Kleriker, die dort den Gottesdienst verrichten&amp;quot;. Aus dieser Formulierung hat man auf die nachträgliche Gründung eines Säkularkanonikerstifts in Ranshofen schließen wollen, über dessen Bestand sonst jedoch keine Nachrichten existieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das weitere Schicksal der Pfalz mit der dazugehörigen Pankrazkapelle ist dann nämlich über Jahrzehnte hinweg völlig ungewiss. Wir wissen nicht, ob schon Herzog Arnulf aus dem Geschlecht der Luitpoldinger, der nach dem Tod von König Ludwig (&amp;quot;dem Kind&amp;quot;) 911 die Herrschaft über Bayern an sich gerissen hatte, im Zuge seiner Enteignungen von Kirchengütern die ursprünglich vorgesehene Schenkung der Ranshofener Kapelle an das Stift Alt-Ötting wieder rückgängig gemacht hat oder ob das Abhängigkeitsverhältnis erst später gelöst wurde. Auch über die Auswirkungen der Ungarneinfälle auf das Gebiet schweigen die Quellen. Erst gegen Ende des 10. Jahrhunderts finden wir hier unter Herzog Heinrich dem Zänker einen bayerischen Landtag versammelt, der die sogenannten &amp;quot;Ranshofener Landgesetze&amp;quot; beschließt. Dessen Sohn, der 1002 zum König gewählte und später zum Kaiser gekrönte Heinrich II. (&amp;quot;der Heilige&amp;quot;) ließ am Weihnachtstag des Jahres 996 – noch als bayerischer Herzog – in der Pfalzkapelle den Mönch [[Gotthart von Niederaltaich]] zum Abt dieses Klosters weihen. Heinrichs Gemahlin Kunigunde schließlich verfügte 1025 über die Ranshofener Pfalz wie über familiären Privatbesitz, indem sie diese zusammen mit anderen Königshöfen gegen Güter des Bistums Freising abtauschen wollte. Der Nachfolger Heinrichs II., König Konrad II., scheint diesen Tausch aber nicht anerkannt zu haben. Jedenfalls gehörte das &amp;quot;praedium Ranteshoven&amp;quot; – so der neue Name der Siedlung seit dem ausgehenden 10. Jahrhundert – mit der dazugehörigen Kapelle weiterhin zum Reichsgut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Gründung – oder Wiederbelebung – eines Kanonikerstiftes verweisen erst wieder zwei Urkunden, die Kaiser Heinrich III. im Jahr 1040 für Ranshofen ausgestellt haben soll. Auch sie sind nur in Abschriften überliefert und gelten der Urkundenforschung in ihrer vorliegenden Gestalt als Fälschungen. Man hat allerdings den Versuch unternommen, in beiden authentische Abschnitte von späteren Zusätzen zu trennen. Dabei begegnet im vermutlich echten Text die Angabe über eine Schenkung von Zehenten zugunsten der in Ranshofen &amp;quot;weilenden Priester ..., damit der Gottesdienst dort täglich gefeiert werde.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutet man dies als Hinweis auf eine Klerikergemeinschaft, so dürfte diese in den Wirren der Zeit des Investiturstreits wieder zerfallen sein. Jedenfalls begegnen in den ältesten Schenkungsnotizen des Ranshofener Traditionskodex, deren Textüberlieferung vor 1070 einsetzt, zunächst nur einzelne Priester der Pankrazkirche, die mehrfach auch als Pfarrer bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte===&lt;br /&gt;
Erste Anzeichen für die erneute Einrichtung einer Kanonikergemeinschaft kann man am Text der Ranshofener Traditionen seit etwa 1120 beobachten. Die hier aufgezeichneten Schenkungen erfolgen jetzt nämlich zugunsten der an der Pankrazkirche &amp;quot;für Gott streitenden Brüder (fratres Deo militantes)&amp;quot;, eine Formulierung, die im Zusammenhang mit Regularkanonikern auch andernorts immer wieder begegnet, vereinzelt freilich auch für Angehörige eines weltlichen Kanonikerstiftes gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicheren Boden gewinnen wir somit erst mit der Schenkungsurkunde des Bayernherzogs Heinrich IX. des Schwarzen (1120–1126) vom 30. Juli 1125, in welcher dieser zusammen mit seiner Gemahlin Wulfhilde in der Ranshofener Pfalz den &amp;quot;an der Pankrazkirche nach der Regel des hl. Augustinus Christus dienenden Brüdern Zehent im Gau&amp;quot; Ranshofen sowie verschiedene Güter übergibt. Auf dieser Urkunde basiert dann auch die Darstellung des bayerischen Historikers Aventin, der in seinem um 1520 geschriebenen &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; annimmt, Herzog Heinrich IX. habe hier im Jahr 1125 auf &amp;quot;Geheiß und Rat&amp;quot; des Salzburger Erzbischofs Konrad I. ein Augustiner-Chorherrenstift gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aventins Annahme ist freilich nur mit gewissen Vorbehalten zu übernehmen, denn eine zu diesem Zeitpunkt erst beschlossene Neugründung eines Klosters wird im Urkundentext ebensowenig erwähnt wie ein Zusammenwirken oder Zusammentreffen mit dem Salzburger Erzbischof. Ein Regularkanonikerkloster wird vielmehr als bereits bestehend vorausgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist die Einführung von Augustiner-Chorherren in Ranshofen vielleicht schon zwischen 1120 und 1125 erfolgt. Der weitere Ausbau des Stiftes zu einem Kloster für Chorherren, Chorfrauen und Konversen dürfte sich allerdings noch über die Zeit Heinrichs IX. hinaus bis in die Jahre der Herrschaft seines Sohnes Heinrich X. des Stolzen (1126–1139) erstreckt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Einrichtung eines Augustiner-Chorherrenstiftes erfasste eine wichtige religiöse Erneuerungsbewegung des Mittelalters Ranshofen. Eine Schlüsselfigur ihrer weiteren Ausbreitung war zweifelsohne der Salzburger Erzbischof Konrad I. (1109–1147). Er gilt als Gründer oder Erneuerer einer großen Zahl von Chorherrenstiften innerhalb und außerhalb seines engeren Diözesanbereiches. So ist seine Einflussnahme bei der Errichtung eines Chorherrenklosters in Ranshofen nicht auszuschließen. Quellenmäßig greifbar wird ein Zusammenhang mit ihm freilich erst um 1138/39. Damals nahm Konrad I. zusammen mit Bischof Roman von Gurk in Ranshofen eine Schenkung von Besitzungen der Ministerialen von Rohr im Kremstal für das Kloster entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Entwicklung im Hoch-und Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
Neben der Gestaltung der Liturgie in der Messfeier und beim Chorgebet war die Seelsorge ein wichtiges Anliegen des neuen Ordens. Da der Ranshofener Seelsorgesprengel sehr umfangreich war, wurden schon damals im weiten Umkreis Kirchen dafür neu gebaut oder vorhandene Kapellen übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ranshofen selbst baute man neben der Stiftskirche eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche. Andere Aufgaben waren die Krankenpflege, die schulische Unterweisung und die wissenschaftlichen Studien. Für letztere benötigte man ebenso wie für den Gottesdienst Handschriften, die zu einem großen Teil in der Schreibstube des Klosters, dem &amp;quot;scriptorium&amp;quot;, von den Chorherren selbst in mühevoller Arbeit hergestellt wurden. Aus Urkunden und Traditionsnotizen kennen wir einige Namen von Pröpsten des 12. und beginnenden 13. Jahrhunderts. Genannt werden ein [[Manegold]], der mit dem Magistertitel ausgezeichnet erscheint, nach ihm [[Meginhard]], [[Altmann (Stift Ranshofen)|Altmann]] und [[Adelhard]], unter dem 1178 das berühmte Evangeliar angekauft wurde, danach [[Liutold]] – wohl identisch mit dem im Evangelienbuch bezeugten Schatzmeister gleichen Namens –, dann nochmals ein Adelhard, der mit dem ersten Propst dieses Namens eine Person sein könnte, schließlich noch [[Etticho]] und [[Wichard]]. In verschiedenen Totenbüchern der Salzburger Diözese wird außerdem ein Propst [[Liutfrid von Ranshofen]] verzeichnet, der nur schwer einzuordnen ist. Vielleicht gehört er an den Anfang der Reihe gestellt, anstelle des von Aventin aus der Urkunde Heinrichs IX. von 1125 übernommenen [[Raffold]]. (Letzterer war vermutlich kein geistlicher Propst, sondern einer der Verwalter des Pfalzgutes.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1140 kam es zu einer Kontroverse mit dem Passauer Bischof Reginbert um die Seelsorgerechte und die daraus erwachsenden Zehentforderungen. Im Zusammenhang damit hat der Passauer Ordinarius den Kanonikern einen ungenannten jugendlichen Propst aufgezwungen, gegen den sie sich mit Erfolg aufgelehnt haben. Freiheit der Propstwahl ist dann auch eines der wichtigsten Rechte, das Ranshofen immer wieder urkundlich zugesichert wird, zum ersten Mal in dem großen Schutzprivileg des Papstes Eugen III. von 1147.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts – inzwischen hatten die Wittelsbacher den durch Kaiser Friedrich Barbarossa abgesetzten Heinrich den Löwen in der Herrschaft über Bayern abgelöst – begann für Ranshofen einer der unruhigsten Abschnitte seiner Geschichte. 1233 plünderten Truppen des Babenbergerherzogs Friedrich des Streitbaren bei Kämpfen mit Herzog Otto II. von Bayern Neukirchen an der Enknach, wobei die dortige Filialkirche zu schwerem Schaden kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Jahre danach, wahrscheinlich 1242, überfielen von der Burg Obernberg kommende Leute des Passauer Bischofs Ranshofen selbst und verbrannten zusammen mit der herzoglichen Pfalz auch die beiden Kirchen. 1250 drohten neue Gefahren. Bischof Rüdiger von Passau war durch den päpstlichen Legaten Albert Beham abgesetzt worden, und Berthold, ein gebürtiger Graf von Sigmaringen, sollte seine Stelle einnehmen. Doch Rüdiger leistete Widerstand und wurde dabei durch den bayerischen Herzog unterstützt. So durchzogen Soldaten des Gegenbischofs im November 1250 neuerlich plündernd den angrenzenden Weilhartsforst und verwüsteten das Land. Die Stiftskirche soll anschließend wieder aufgebaut und 1255 neu eingeweiht worden sein. Doch bald danach wurde das Gebiet um den unteren Inn im Zusammenhang mit Kämpfen zwischen Herzog Heinrich von Niederbayern – das Herzogtum war inzwischen nach dem Tod Ottos II. unter seinen Söhnen geteilt worden – und König Ottokar von Böhmen neuerlich Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen wurde 1266 ein zweites Mal niedergebrannt und dabei fast zur Gänze zerstört. So klagte Propst [[Sifrid]] (1255–1277) in einer Bittschrift an Papst Klemens IV. darüber, dass im Kloster nur mehr drei Leute Unterhalt fänden, während davor 14 Priester und 50 weitere Stiftsangehörige mühelos versorgt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Resignation Sifrids erlebte Ranshofen aber dann unter seinem Nachfolger [[Konrad I.]] (1277–1311) eine Zeit des Wiederaufschwungs. Neben den nun wieder günstigeren äußeren Verhältnissen ist diese Blüte vor allem in der Tatkraft und Zielstrebigkeit jenes Prälaten begründet. Bereits im Jahr seiner Erwählung begann er mit der Anlage eines Privilegienbuches, in das die Urkunden des Klosters in übersichtlicher Form eingetragen werden sollten. In dem angeschlossenen Urbar wurden die Stiftsgüter verzeichnet. Beide Teile hat Propst Konrad I. später in etwas abgewandelter Form nochmals redigiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der schon unter seinem Vorgänger begonnene Neubau der Stiftskirche wurde 1283 abgeschlossen und in Gegenwart des bayerischen Herzogs durch den Bischof von Regensburg eingeweiht. Auch das Kanonissenstift wurde erneuert und Einrichtungen für die Krankenpflege geschaffen. Schon mit Konrads gleichnamigem Nachfolger [[Konrad II.]] (1311–1332) setzte allerdings neuerlich eine Zeit des Niedergangs ein. Später besserten sich die Verhältnisse wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift wurde im 14. und 15. Jahrhundert vielfach durch Privilegien der Herzöge von Bayern und von Österreich ausgezeichnet. Auch Kaiser Ludwig der Bayer und später Maximilian I. reihten sich unter die Förderer ein. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts mehrten sich ganz allgemein die Versuche, dem damals drohenden Verfall der Klöster entgegenzuwirken. Erste Ansätze einer solchen Reform in Ranshofen unter den Pröpsten [[Erasmus Ridmund]] (1435–1444), [[Friedrich Gunderstorfer]] (1444–1448) und Thomas Wittel (1451–1462) zeigten jedoch keinen nachhaltigen Erfolg. Erst der aus dem niederösterreichischen [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] berufene Propst [[Wolfgang]] konnte das Kloster im Sinne einer vom böhmischen Stift Raudnitz ausgehenden Reformbewegung erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Nachdem Ranshofen im bayerischen Erbfolgekrieg trotz bedrohlicher Nähe des Kriegsgeschehens glimpflich davongekommen war, begann 1508 Propst [[Kaspar Türndl]] (1504—1529) mit dem Neubau der Stiftskirche. Gleichzeitig kam es zu einer Blütezeit humanistischen Geistes, die sich in den erhaltenen Handschriften und Frühdrucken aus der Klosterbibliothek spiegelt. Aber auch erste Anzeichen für eine beginnende Auseinandersetzung mit den Lehren Martin Luthers lassen sich von 1520 an beobachten. Eine Steigerung dieser Tendenzen ergab sich unter Propst [[Augustin I. Münich]] (1529—1560). Zeitgenossen rühmten ihn als Freund der Studien und Wissenschaften. Die Stiftsschule war unter seiner Herrschaft eine der größten Unterrichtsanstalten von ganz Bayern. Aus dem Protokoll einer Passauer Kirchenvisitation von 1559/60, der wichtigsten Quelle unserer Kenntnis über die Ausbreitung der Reformation im Innviertel, erfahren wir jedoch, dass die an dieser Schule wirkenden Schulmeister eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der protestantischen Glaubenslehren gespielt haben. Vielleicht steht die bald nach der Visitation erfolgte Resignation des Propstes im Zusammenhang mit seiner toleranten Einstellung gegenüber den Anhängern des neuen Glaubens. Unter seinem Nachfolger [[Adam Gensleitner]] (1560—1587) wurde jedenfalls sehr rasch die Gegenreformation voll zur Geltung gebracht, sodass der römische Kurienkardinal Commendone, der Ranshofen 1569 visitiert hat, den Zustand von Kirche, Kloster und Schule bereits als zufriedenstellend beurteilte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren neuerlichen Verfalls an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert begann nach 1620 eine der glanzvollsten Perioden der Geschichte Ranshofens. Der klostereigenen Geschichtsschreibung gilt sie als das Werk von vier aufeinanderfolgenden Prälaten. Trotz wachsender Bedrohung durch den Dreißigjährigen Krieg erneuerte Propst Philipp Vetterl (1620—1634) nicht nur die schwer darniederliegende Disziplin des Gemeinschaftslebens, sondern begann auch einen frühbarocken Neubau der Klosteranlage. 1628 erhielt der Propst durch Papst Urban VIII. für sich und seine Nachfolger das Recht des Gebrauchs der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1634 kam der bayerische Kurfürst Maximilian I. mit seiner Familie und seinem Hofstaat auf der Flucht vor den schwedischen Truppen, die München besetzt hatten, nach Ranshofen und blieb hier bis zum Frühjahr 1635. Während des Aufenthalts im Kloster starb die Kurfürstin Elisabeth am 4. Jänner 1635.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Gegenwart des Kurfürsten gewählte Propst [[Simon Meier]] (1635—1665) kümmerte sich besonders um die Neuordnung der Bibliothek und um die wissenschaftlichen Studien der Stiftsangehörigen. Propst [[Benno Meier]] (1665—1687) – ein Neffe seines Vorgängers – ließ im Schloss Neukirchen eine theologische Studienanstalt einrichten. Besondere Sorgfalt widmete er dem Stiftsarchiv mit den alten Urkunden. Seinem Ordnungssinn ist es zu verdanken, dass wir für die Zeit seiner Regierung genaue Aufzeichnungen über die vorhandenen Kirchengeräte und einen Katalog der erworbenen Bücher besitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ivo Kurzbauer]] (1687—1715) erneuerte schließlich Kirche und Kloster für ein 1699 gefeiertes &amp;quot;Acht-tägiges hochfeierliches Jubel-Fest&amp;quot; zum Gedächtnis der achthundertjährigen Geschichte der Pankrazkirche und krönte damit die Bestrebungen seiner Vorgänger, eine Entwicklung, die [[Augustin II. Pariser]] (1715—1741) zwar weiterführen, aber nicht mehr steigern konnte. Die barocke Glanzzeit des Stiftes hatte damit ihren Höhepunkt bereits überschritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild, das Ranshofen dann von der Mitte des 18. Jahrhunderts an bietet, ist eher uneinheitlich. Man kann es nur verstehen, wenn man die Erscheinungen von zwei Seiten her eingrenzt: vom Weiterführen überkommener Lebensformen des Barock einerseits und von der damals auch in Bayern bereits einsetzenden Aufklärungsbewegung andererseits. Mit dem Frieden von Teschen (1779) fiel das lnnviertel an Österreich. Dadurch wurden die vom Geist jener Zeit geprägten Reformen Kaiser Josephs II. alsbald auch in Ranshofen wirksam. Im Zusammenhang mit der Neuorganisation des Pfarrnetzes wurden verschiedene Filialkirchen in Pfarrkirchen umgewandelt, die Formen des Gottesdienstes reformiert, die Ranshofener Pfarrkirche St. Michael gesperrt und später abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Abtrennung der Diözese Linz vom Bistum Passau löste altgewohnte Bindungen. Vor allem die Franzosenkriege brachten dann neuerlich große Unruhe in das Kloster. Das Stift wurde einmal von diesen und einmal von jenen Truppen als Militärspital beansprucht. Es kam zu Gewalttaten und Plünderungen. Aber auch die Klostergemeinde selbst war vom Geist der Aufklärung angekränkelt.&lt;br /&gt;
Vor allem der letzte, 1784 gewählte Propst [[Johann Nepomuk Kierl]] gilt als schwach und verschwenderisch. Nach seinem Tod im Jahr 1809 kommt es innerhalb der zerfallenen und in sich gespaltenen Gemeinschaft zu keiner Neuwahl mehr. So findet die von der &amp;quot;Rieder Regierung&amp;quot; während der französischen Besatzung 1810 angekündigte Aufhebung Ranshofen bereits im Zustand der Krise.&lt;br /&gt;
Der Übertritt in den Weltpriesterstand kommt den damals noch hier lebenden Chorherren eher gelegen. Vor der endgültigen Aufhebung am 28. Oktober 1811 brachte man die als wertvoll angesehenen Archivalien in das Hauptstaatsarchiv nach München und einen großen Teil der Bibliotheksbestände in die jetzige Bayerische Staatsbibliothek. Anderes wurde in der ganzen Welt verstreut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammen mit dem, was in Ranshofen selbst heute noch sichtbar ist, legen diese Dokumente ein beredtes Zeugnis ab von der Pflege von Religion, Wissenschaft und Kunst im Chorherrenstift Ranshofen im Verlauf seiner Jahrhunderte währenden Geschichte. Indirekt kann man aus ihnen aber auch ahnen, wie bedeutungsvoll dieses Wirken der Chorherren für jene Menschen gewesen sein muss, die im Umkreis des Klosters gelebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Nachgeschichte===&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung erwarb der bayerische General Graf von Montjoie-Frohberg die Stiftsgebäude und den ausgedehnten Grundbesitz und wandelte einen Teil der ehemaligen Klosteranlage zum &amp;quot;Schloss Ranshofen&amp;quot; um. Anderes wurde abgetragen. Die frühere Stiftskirche blieb als Pfarrkirche erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erster Pfarrer wurde der seinerzeitige Stiftsdechant [[Pankraz Hauser]]. Der Pfarrer war damals einige Jahrzehnte hindurch auch Repräsentant der weltlichen Verwaltung. Erst im Zuge der Reformen bekam Ranshofen im Jahr 1848 eine eigene Gemeindeverwaltung. Auch erhielten die bis dahin unfreien Bauern die Möglichkeit, den Grund und Boden, den sie vorher als Untertanen bewirtschaftet hatten, gegen ein geringes Entgelt als Eigentum zu erwerben.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1851 kaufte dann Ferdinand Wertheimer, der später als Abgeordneter dem oberösterreichischen Landtag angehörte, die &amp;quot;Herrschaft Ranshofen&amp;quot; und wandelte im Lauf der Jahre den immer noch beachtlichen Großgrundbesitz in einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb um. Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland im März 1938 wurde der Wertheimersche Familienbesitz jedoch vom Deutschen Reich &amp;quot;abgelöst&amp;quot;. Im Oktober des gleichen Jahres wurde die vorher selbständige Gemeinde Ranshofen der Stadt Braunau einverleibt und ein Jahr später begann man bereits auf den Wertheimer-Gründen mit dem Bau eines Aluminiumwerkes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute ist man bemüht, das noch Vorhandene zu erhalten und zu pflegen, wobei der Komplex von Kirche und ehemaligem Stift besitzmäßig auf die Diözese Linz, die Stadt Braunau und private Eigentümer verteilt ist. Die Kirche und der Bibliothekssaal im ehemaligen Konventgebäude werden – abgesehen von der liturgischen Verwendung des Gotteshauses – auch für kulturelle Veranstaltungen genützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Will man sich ein Bild von den wirtschaftlichen Verhältnissen des Chorherrenstiftes Ranshofen im Mittelalter machen, wird man zunächst von der Urkunde Herzog Heinrichs IX. von Bayern aus dem Jahr 1125 ausgehen müssen. Sie gilt in der Literatur ja als &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; des Klosters. Als geschenktes Gut werden darin Güter in Handenberg, Braunau und einem – nicht mehr bestimmbaren – Dürrnberg nördlich der Donau sowie verschiedene kleinere Liegenschaften angeführt. Letztere wurden den Regularkanonikern teils als Eigenbesitz, teils als Lehen überlassen. Dazu kamen die herzoglichen Zehenten &amp;quot;im Gau&amp;quot; Ranshofen und die Kirche Enknach (&amp;quot;Enkinacha&amp;quot;) – vermutlich am Ort oder in der Nähe des heutigen Neukirchen an der Enknach gelegen – mit dem dazugehörigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich erst nach Ausfertigung der Urkunde wurde an einer bestimmten Stelle nachträglich noch ein Hinweis eingefügt, dass jene Hörigen, die vorher in der Hand des Herzogs oder des Kämmerers bzw. des – herzoglichen – Propstes gewesen seien, nun auch dem Kloster unterstellt würden. So reichhaltig diese Schenkung gewesen ist, so wird damit keineswegs der gesamte wirtschaftliche Besitz Ranshofens zur Zeit der Gründung des Chorherrenstiftes umschrieben. Die Einrichtung des mittelalterlichen Klosters erfolgte ja nicht in der Einöde eines unerschlossenen Gebietes, sondern knüpfte an eine Jahrhunderte währende Vorgeschichte an. Schon Kaiser Arnulf hatte ja die von ihm erbaute Pfalzkapelle reich mit Gütern ausgestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den umfangreichsten Einblick in die Ranshofener Besitzverhältnisse im hohen Mittelalter gewähren jedoch die Notizen des Traditionskodex, deren Inhalte den Zeitraum von etwa 1070 bis 1250 umspannen, also auch schon vor 1125 einsetzen. Die Texte bezeugen die Übergabe von Gütern im näheren und weiteren Umkreis von Ranshofen, darüber hinaus die Schenkung von 5-Pfennig-Zensualen, sowie von Knechten und Mägden. Wie in anderen Klöstern machen auch in Ranshofen die Selbstübergaben von ehemals freien Personen, in der Absicht, sich unter dem Schutz des Stiftes gegen Übergriffe von Mächtigeren abzusichern, einen beträchtlichen Teil der Zensualenschenkungen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere wichtige Quelle zur mittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte Ranshofens ist dann das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes [[Konrad I.]]. Die Handschrift enthält neben zwei Kopialbüchern zwei Urbare, welche 1277 beziehungsweise 1303 angelegt wurden. Da im älteren Urbar die erste Lage der Handschrift verlorengegangen ist, kann man nur aus dem jüngeren erkennen, dass der Grundbesitz sich damals auf acht Urbarämter verteilte, die im Innviertel (Haselbach, Überackern, Neukirchen/Enknach, Nonsbach und Ranshofen), im oberösterreichischen Kremstal (Rohr) und in den jetzigen bayerischen Landkreisen Rottal-Inn und Alt-Ötting gelegen waren (Kollbach und &amp;quot;Trans Enum&amp;quot;). Dazu kamen noch Weingärten in der Wachau. Im Abgabenverzeichnis über die im Dorf Ranshofen ausgegebenen Lehen werden auch zwei Schuster, ein Schneider, ein Fleischer, ein Koch und ein Bader angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte Ranshofens stiegen in der Folgezeit dann noch durch die Stiftung von Jahrtagen in Form von &amp;quot;Seelgeräten&amp;quot;, das sind Schenkungen zugunsten von jährlich, manchmal sogar wöchentlich zu lesenden Messen für das Seelenheil von Verstorbenen. Ähnliche Stiftungen begegnen auch in den Filialkirchen des Klosters, unter denen die Braunauer Stephanskirche durch die Befestigung der Siedlung und die Stadterhebung im Jahr 1260 bald eine Sonderstellung einnehmen sollte. Kaiser Ludwig der Bayer (1314–1347) stiftete 1345 eine täglich zu lesende Messe für sich und seine Vorfahren und Nachkommen. Gleichzeitig schenkte er dem Kloster jene Güter im Dorf Ranshofen, die bis dahin noch herzoglicher Besitz gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schiffstransport des Klosterweins aus den Weingärten in der Wachau auf Donau und Inn erhielt das Chorherrenstift verschiedentlich Privilegien über die Mautfreiheit, so 1287 vom österreichischen Herzog Albrecht I., die er 1295 und sein Sohn Friedrich der Schöne 1314 nochmals bekräftigten. Eine Bestätigung dieser Privilegien durch Kaiser Maximilian I. erbaten der Propst und das Kapitel von Ranshofen schließlich noch 1498. In einzelnen Fällen hat das Kloster aber auch ältere Besitzungen, die schwer zu bewirtschaften waren oder den erwarteten Ertrag nicht erbrachten, wieder abgestoßen. Ein wertvolles Dokument solcher wirtschaftlicher Veränderungen ist eine von Propst [[Benno Meier]] 1670 verfasste &amp;quot;Relation von den Ranshoverischen in Österreich gelegenen Höf und Weingärten&amp;quot;. Darin verzeichnete der Prälat zunächst alles, was er aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen über die niederösterreichischen Besitzungen Ranshofens in Erfahrung bringen konnte. Es handelte sich um Höfe und Weingärten in Schwallenbach, Spitz, Loiben, Stein, Krems und Gobelsburg in der Wachau und um Weingärten in Kritzendorf bei Klosterneuburg. Zu seiner Zeit waren davon fast nur mehr die Weingärten in Unterloiben – ihre Riednamen sind vielfach bis heute in Gebrauch – dem Stift verblieben. Ihr Zentrum war ein großer Lesehof in Unterloiben nahe der Kirche, der als der heutige &amp;quot;Loibnerhof&amp;quot; identifiziert werden kann. Weil die Kosten-Nutzen-Rechnung des Propstes auch darüber negativ ausfiel, verkaufte er ein Jahr später den ganzen Komplex an das Kloster Tegernsee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen guten Überblick über den Stiftsbesitz und die Untertanen im Bereich von Ranshofen selbst in der Zeit des beginnenden 18. Jahrhunderts gibt ein im Auftrag des Propstes Ivo (1687–1715) durch den bayerischen Geometer Matthäus Paur im Jahr 1714 angelegtes Mappenwerk (&amp;quot;Gruntrys mit angehengter Beschreibung&amp;quot;, in der Literatur im allgemeinen als &amp;quot;Grundriss-Libell&amp;quot; bezeichnet). Der davon erhaltene Teil besteht aus Plandarstellungen aller Besitzungen im Bereich der sogenannten &amp;quot;Hofmark&amp;quot; Ranshofen mit darauf bezogenen Erläuterungen. Diese umfasste damals 81 Häuser, von denen die meisten vom Stift auf Erb- oder Leibrechtsbasis verliehen waren. Etwa die Hälfte davon wurde landwirtschaftlich genutzt. Der Rest war an Gewerbetreibende vergeben, unter denen sich auch ein Saitenmacher, ein Sattler, ein Bierbrauer und ein Metzger aus Braunau finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge der Abtrennung des Innviertels von Bayern durch den Frieden von Teschen ergaben sich während der letzten Jahrzehnte des Bestandes des Klosters Probleme mit der Verwaltung der bei Bayern verbliebenen Besitzungen jenseits des Inn. So wurden etwa im Verlauf der napoleonischen Kriege – Bayern kämpfte damals auf der Seite der Franzosen gegen Österreich – die Erträgnisse von Grundherrschaften, die auf bayerischem Gebiet gelegen waren, für das Stift gesperrt. 1810 schließlich begann man im Zuge der Auflösung die beweglichen Güter und die Wertsachen zu versteigern. Die Einnahmen betrugen 13.000 Gulden, die nach Salzburg, von wo aus kurzzeitig auch das Innviertel verwaltet wurde, abgeliefert werden mussten. Das 400 Joch große Stiftsgut, bestehend aus Äckern, Wiesen, Auen, Gärten und anderem, kaufte am 17. August 1812 der bayerische General und königliche Adjutant Graf Montjoie-Frohberg um 54.000 Gulden. Nur den unteren Teil des Lachforstes und ein Haus in Dietfurt (unterhalb von Braunau) behielt der bayerische Staat für sich zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Die rechtliche Lage der Ranshofener Pfalz war vom ausgehenden 11. bis um die Mitte des 12. Jahrhunderts eine eher wechselhafte. Dies findet auch in der damals beginnenden Geschichte des Chorherrenstiftes seinen Niederschlag. Die Pfalz und die dazugehörende Pankrazkapelle waren ja seit der Karolingerzeit Reichsgut und als solches der Verfügungsgewalt des Königs unterstellt. Den Bayernherzögen war zwischendurch zwar die Nutzung überlassen, sie wurden gegen Ende des 11. Jahrhunderts wegen ihrer reichsfeindlichen Politik im Zusammenhang mit dem Investiturstreit aber wiederholt durch Kaiser Heinrich IV. abgesetzt: zuerst Otto von Nordheim und später Welf I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So begegnet in einer vermutlich 1074 anzusetzenden Traditionsnotiz Kaiser Heinrich IV. selbst als Eigentümer von Ranshofen (&amp;quot;cuius praedium erat, quod Ranshovin vocatur&amp;quot;). Erst seit 1096 wurden die Welfen wieder mit Bayern belehnt und waren damit innerhalb bestimmter Grenzen über das Land am Inn verfügungsberechtigt. Die schwankende Rechtslage von Ranshofen kommt dann besonders in der &amp;quot;Gründungsurkunde&amp;quot; Herzog Heinrichs IX. von 1125 zum Ausdruck. Ihre Textform und ihre Ausstattung schließen sich in vielem dem Vorbild königlicher Siegelurkunden an. Dem Stil der Herrscherurkunden entspricht wohl auch der Hinweis auf die Mitwirkung und Zustimmung von Heinrichs Gemahlin Wulfhilde. Gerade dies ist allerdings rechtlich höchst fragwürdig, da es sich bei den geschenkten Gütern ja nicht um welfischen Eigenbesitz, sondern um dem Herzog überantwortetes Reichsgut handelte, für dessen Vergabe viel eher die Zustimmung des Königs erforderlich gewesen wäre. (Freilich war im Juli des Jahres 1125 nach dem Tod Kaiser Heinrichs V. Lothar III. noch nicht gewählt.) Die Strafformel, welche eine Bußzahlung von 60 Gulden an die Kammer des Königs bzw. des Kaisers bei Eingriffen in das Schenkungsgut vorsieht, bestätigt diese Auffassung. Dennoch versuchte Herzog Heinrich der Löwe später die Meinung durchzusetzen, Ranshofen sei ein Eigenstift seiner Familie, so vor allem, wenn er die dort dienenden Regularkanoniker als zu seiner Kapelle gehörig bezeichnet und die Gründung insgesamt fälschlicherweise mit seinem Vater Heinrich dem Stolzen in Verbindung bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1139 hatte nach dem Tod Heinrichs des Stolzen zunächst der Babenberger Leopold IV. zusammen mit dem Herzogtum Bayern das Reichsgut um Ranshofen erhalten. Er ist jedoch bereits zwei Jahre später verstorben. Damals behielt König Konrad III. dann für kurze Zeit Bayern selbst in der Hand. In diesen Zeitabschnitt fällt das große Schutzprivileg Konrads von 1142, in dem der König die Besitzungen des Chorherrenstiftes, das er eine Gründung seines Urgroßvaters, des Kaisers Heinrich III., nennt, bestätigt. Eine Erwähnung einer Erneuerung durch die Welfen wurde in der Urkunde – offensichtlich aus politischen Gründen – unterdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Jahr belehnte der König den Babenberger Heinrich &amp;quot;Jasomirgott&amp;quot; mit Bayern. Das ist wohl jener &amp;quot;Heinricus Dux Bawariae&amp;quot;, welcher in einer anderen Tradition das an den Obstgarten der Regularkanoniker angrenzende Land am Altar des hl. Pankraz übergibt. Auch erscheint er in dem großen Privileg des Papstes Eugen III. von 1147 als Fürsprecher des Stiftes. Darin wird unter anderem erwähnt, dass der Vogt (&amp;quot;advocatus&amp;quot;) über das Herzogsgut gleichzeitig der Vogt des Klosters Ranshofen sei. Diese Bestimmung wird dann auch im Privileg des Papstes Hadrian IV. von 1158 wiederholt. Diesmal ist jedoch bereits Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, der Schirmherr des Klosters. Friedrich Barbarossa hatte ihn inzwischen 1154 mit dem von ihm zurückgeforderten Bayern belehnt. Schon 1157 hatte Heinrich der Löwe in einer Urkunde verfügt, dass der Vogt nicht nur die herzogliche Pfalz mit deren Untertanen, sondern auch die Stiftsleute an seiner Stelle beschützen und beschirmen sollte. Er habe auch die Klagen der Kanoniker und ihrer Eigenleute anzuhören und ihnen gebührend Recht zu verschaffen. Geld sollte er dafür nicht von ihnen fordern, sondern nur von des Herzogs Kammer nach altem Herkommen seinen Lohn empfangen. Darüber hinaus solle er keine Verfügungsgewalt über das Kloster oder dessen Eigenleute und Besitzungen haben und auch keine Steuern von ihnen eintreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vögte begegnen bereits mehrfach in den frühen Ranshofener Schenkungsnotizen aus der Zeit um 1100. Sie waren damals wohl vom König eingesetzt und hatten die Aufgabe, die unfreien Untergebenen vor Gericht zu vertreten, konnten aber auch selbst Streitigkeiten schlichten und Strafen verhängen. Bei Schenkungen an die Kirche fungierten sie als wichtige Zeugen. In späteren Traditionsnotizen wird fallweise der Herzog selbst als Vogt des Klosters angesprochen, so nach 1180 der Wittelsbacher Otto I. (&amp;quot;tune temporis dux Bawariae et eiusdem loci advocatus&amp;quot;). Nach dem Zeugnis der beiden angeführten päpstlichen Privilegien ließen sich aber schon zuvor die Herzöge in dieser Funktion durch von ihnen bestellte Untervögte vertreten. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts werden diese dann meistens als Richter (&amp;quot;judex&amp;quot;) angesprochen. Ob die Ranshofener Untervögte ihre Stellung – wie etwa in Reichersberg – zur persönlichen Besitzerweiterung und Bereicherung missbraucht haben, ist aus den Quellen nicht mehr zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf verschiebt sich die rechtliche Verfügungsgewalt mehr und mehr zugunsten des Landesfürsten. Der ehemalige Pfalzbereich wird dem herzoglichen Amt Burghausen zugeordnet. Einen Höhepunkt erreicht diese Entwicklung mit Kaiser Ludwig dem Bayern, der in sich ja Königs- und Herzogsamt vereinigte. Von ihm erhielt der Propst 1345 das Recht der niederen Gerichtsbarkeit über alle Stiftsuntertanen. Vögte des Chorherrenstiftes Ranshofen treten in der Folgezeit nicht mehr in Erscheinung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Von den Chorherren, die in der frühen Zeit dem Stift Ranshofen angehörten, kennen wir nur einzelne Namen, die außerdem meistens wenig über ihre soziale Herkunft aussagen. Ein im Traditionskodex vor 1120 mehrfach genannter Pfarrer [[Erenbert]] wird anlässlich der Schenkung seines Gutes Pfaffing in einer der Notizen als &amp;quot;canonicus s. Pancratii mart.&amp;quot; bezeichnet, was ihn als Säkularkanoniker charakterisieren könnte. Ob er später auch noch dem Regularkanonikerkonvent angehört hat, ist ebenso fraglich, wie die – in der Literatur vielfach angenommene – Übernahme der ältesten Augustiner-Chorherren aus dem Salzburger Domstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die ersten Pröpste gibt es vereinzelte Hypothesen ihrer Herkunft, sowohl in genealogischer wie in geistlicher Hinsicht, die freilich einer kritischen Überprüfung kaum standhalten. Einen Ansatzpunkt für die Beantwortung der Frage nach dem sozialen Umfeld der ältesten Ranshofener Regularkanoniker gewinnen wir aus jener Traditionsnotiz von 1138/39, nach welcher der Reichsministeriale Friedrich von Rohr und seine Gemahlin Berta in Anwesenheit des Salzburger Erzbischofs Konrad I. und des Bischofs Roman von Gurk ihr ganzes Gut in Rohr (im oberösterreichischen Kremstal) übergaben, als sie ihren Sohn Richer dem Kloster zur geistlichen Ausbildung anvertrauten. Und in unmittelbarer Nachbarschaft zu dieser Notiz lesen wir im Traditionskodex von der Schenkung eines Eginbert, eines Neffen des Kadelhoch von Rohr, anlässlich seines Eintritts in das Stift (&amp;quot;tradidit semetipsum ad aram s. Pancratii secundum regulam communis vitae ibidem degendum&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu passen auch die spärlichen Angaben, die wir aus einem – nur im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr auszugsweise überlieferten – Ranshofener Nekrolog dieses Zeitabschnitts schöpfen können. Als verstorbene Chorherren wurden darin [[Konrad von Retenbach]], [[Bernhard von Hut]], [[Hartwig von Sattelbogen]], [[Heinrich von Loitzenkirchen]], [[Heinrich von Braunau]], [[Friedrich von Weilhart]], [[Pabo von Ering]] und [[Wilhelm von Mattsee]] genannt. Es sind vorwiegend Familienangehörige der Ministerialen, die aufgrund ihrer Dienste für den König oder den Herzog unfreie Bauernhöfe, Lehengüter, manchmal auch Eigenbesitz im engeren oder weiteren Umfeld Ranshofens, bewirtschafteten und das Kloster von seinen Anfängen an immer wieder beschenkten. Manche dieser Familien – sie werden in den Urkundentexten einmal als Reichsdienstmannen (&amp;quot;ministeriales regni&amp;quot;) und einmal als Herzogsdienstleute (&amp;quot;ministeriales ducis&amp;quot;) bezeichnet, was wiederum mit der schwankenden Rechtslage der Ranshofener Pfalz zusammenzusehen sein dürfte – hatten im Kloster auch ihre Grablege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gleiche Bild zeigen die in das Totenbuch eingetragenen Namen der Chorfrauen, aber auch der Laienbrüder und -schwestern, die im Stift Aufnahme gefunden hatten. Aus der – schon oben erwähnten – Supplik des Propstes Sifrid an den Papst Clemens IV. wissen wir, dass vor den kriegerischen Ereignissen, durch die Ranshofen um die Mitte des 13. Jahrhunderts großen Schaden genommen hatte, vierzehn Priester versorgt worden waren, während zu seiner Zeit der Konvent auf drei Angehörige zusammengeschmolzen war. Auch das Chorfrauenstift war den Zerstörungen zum Opfer gefallen. Unter Propst Konrad I. wurde es jedoch erneuert. Es sollten aber nicht mehr als sechs Frauen aufgenommen werden, von denen eine zur Vorsteherin (&amp;quot;magistra&amp;quot;) bestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Herkunft der Chorherren anlangt, so begegnen in der Folgezeit weiterhin viele Angehörige von Ministerialenfamilien aus dem Umkreis Ranshofens. Mit dem Ausgang des Mittelalters ändert sich dieses Bild. Zunächst verschwinden die Chorfrauen aus den Quellen. Die überlieferten Namensformen der Chorherren lassen erkennen, dass die in das Stift eingetretenen Personen jetzt mehr und mehr bürgerlicher Herkunft waren und daran änderte sich auch in der Neuzeit nichts. Die Unterlagen, die darüber Auskunft geben, sind vor allem der Visitationsbericht von 1559/60, ferner zwei Namenskataloge der Ranshofener Chorherren von 1665 und 1687 im &amp;quot;Inventarium&amp;quot; des Propstes Benno Meier und schließlich zwei Nekrologaufzeichnungen, die von 1619 bis 1771 reichen (Bayerische Staatsbibliothek München, Clm. 12721, fol. 135-141).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Aufhebung im Jahr 1811 traten die verbliebenen Chorherren in den Weltpriesterstand über. Der St. Florianer Historiker Franz Xaver Pritz schreibt dazu: Einer der Chorherren weinte über dieses Schicksal, die Anderen verließen das Stift ohne Leid und Freude. Jeder erhielt eine Pension von 600 Gulden Reichs-Währung, die später um 100 Gulden vermindert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der Bücherbestand der Ranshofener Klosterbibliothek wurde durch die Aufhebung des Augustiner-Chorherrenstiftes in alle Winde verstreut. Dies gilt zunächst für die alten Handschriften, von denen der größte Teil 1811 nach München abtransportiert und in der jetzigen Bayerischen Staatsbibliothek untergebracht wurde. Andere Ranshofener Kodizes sind während des 19. Jahrhunderts vorwiegend über den Antiquariatshandel in verschiedene andere Bibliotheken gelangt: drei liegen – &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;nach derzeitigem Wissensstand&amp;lt;/span&amp;gt; – in der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin, drei in der Bodleian Library in Oxford, zwei in der russischen Staatsbibliothek in St. Petersburg, um die zwanzig schenkte ein Augsburger Antiquar nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 der Straßburger Universitätsbibliothek, Einzelstücke wurden schließlich noch in Linz (OÖ. Landesbibliothek), in Paris, in Budapest und in New York (Library of Saint Bonaventura College) festgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Provenienz der Handschriften bei der Katalogisierung soweit wie möglich erfasst wurde, ist es bei den gedruckten Büchern meistens schwieriger, ihre Ranshofener Herkunft nachzuweisen. Eine Reihe von Inkunabeln und Frühdrucken aus dem 16. Jahrhundert kamen bereits 1784 anlässlich der Abtrennung der Diözese Linz vom Passauer Bistum im Zusammenhang mit der Errichtung eines Priesterseminars an die jetzige Bibliothek der Katholisch-theologischen Hochschule in Linz. Nur wenige Einzelstücke verblieben im Raum von Ranshofen und Braunau. Erst mit der breiteren Überlieferung von Ranshofener Handschriften aus dem 12. und 13. Jahrhundert wird eine verhältnismäßig sichere Beantwortung der Fragen nach dem Skriptorium und der Bibliothek des Chorherrenstiftes im hohen Mittelalter möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgangspunkt der diesbezüglichen Überlegungen war dabei zunächst jenes Ranshofener Evangeliar, das die Bodleian Library in Oxford aus dem Nachlass des venezianischen Ex-Jesuiten Luigi Canonici 1817 erworben hat (Canon. Bibi. Lat. 60). Den vier Evangelien sind jeweils ganzseitige Deckfarbenminiaturen der einzelnen Evangelisten vorangestellt; im Zusammenhang mit der Passionsgeschichte begegnet innerhalb des Johannesevangeliums auch eine ganzseitige &amp;quot;Kreuzigung Christi&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Zur künstlerischen Ausgestaltung gehören weiters die Kanontafeln und kunstvolle Initialen von verschiedener Form und Größe. Den reichsten Schmuck zeigen hier die zu Zierseiten ausgestalteten Textanfänge. In einer Eintragung am Schluss der Handschrift werden der Propst Adelhard von Ranshofen und der Schatzmeister Liutold im Zusammenhang mit der Bezahlung des 1178 vollendeten Buches erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Swarzenski hat als erster die große Stilverwandtschaft der Deckfarbenminiaturen des Ranshofener Kodex mit denen eines Evangeliars, das bei der Aufhebung des Benediktinerstiftes Mondsee in die Österreichische Nationalbibliothek gelangt ist (Cvp. 1244), aufgezeigt. Da nun im Mondseer Evangeliar ein &amp;quot;Liutoldus monachus&amp;quot; von sich sagt, er habe die Handschrift geschrieben und seinem Können gemäß ausgeschmückt, hat Swarzenski erwogen, den Mönch Liutold mit dem Ranshofener Thesaurar gleichen Namens zu identifizieren. Diese These verfestigte sich dann zur Annahme einer Ranshofener Schreib- und Malschule, als deren Mittelpunkt man den von Mondsee nach Ranshofen übergewechselten Liutold ansehen wollte. In den letzten Jahrzehnten setzte sich jedoch mehr und mehr die Meinung durch, das Ranshofener Evangeliar sei mit einem Salzburger Skriptorium (am ehesten im Benediktinerstift St. Peter) in Verbindung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Salzburger Herkunft wird heute auch für eine dreiteilige lateinische Bibelhandschrift angenommen, von der bis vor kurzem nur die beiden ersten Bände mit Texten aus dem Alten Testament, die bei der Aufhebung Ranshofens nach München kamen (Clm. 23039, Clm. 12601), bekannt waren. Erst im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zur Reichersberger Chorherrenausstellung von 1984 fand Kurt Holter heraus, dass sich der dazugehörige dritte Teil mit dem Psalter und den Schriften des Neuen Testaments ebenfalls in Oxford befindet (Canon. Bibi. Lat. 76). Jeder der drei Bände ist mit verschieden gestalteten Federzeichnungs- oder Deckfarbeninitialen ausgeschmückt. Leider wurden einzelne von ihnen durch nachträgliche Übermalungen entstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den zahlreichen übrigen Ranshofener Handschriften des hohen Mittelalters (mit Werken der Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor dem Großen, ferner Schriften des Kirchenlehrers Isidor von Sevilla, der Symbolisten Rupert von Deutz, Hugo von St. Victor und Bernhard von Clairvaux sowie des der Frühscholastik nahestehenden Honorius Augustodunensis) hat Elisabeth Klemm die der Bayerischen Staatsbibliothek gehörenden eingehend untersucht und genau beschrieben. Für eine Reihe von ihnen nimmt sie mit Sicherheit eine Entstehung in Ranshofen an (Clm. 12608, Clm. 12613-12616, Clm. 12631, Clm. 12633, Clm. 12641 und Clm. 23603), für andere gilt ihr das zumindest als wahrscheinlich. So lässt dies auf den Bestand eines Skriptoriums seit der Einrichtung des Regularkanonikerstiftes schließen, in dem die meisten der weniger anspruchsvollen Gebrauchshandschriften hergestellt worden sein dürften. Nur für besonders repräsentative Kodizes scheint man auf qualitativ leistungsfähigere Werkstätten zurückgegriffen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Hinweis auf den frühen Verlust von Büchern erhalten wir aus einem Bericht der &amp;quot;Mattseer Annalen&amp;quot; über einen Überfall von Kriegsleuten des Passauer Bischofs auf Ranshofen, der dort zwar zum Jahr 1250 überliefert wird, höchstwahrscheinlich aber auf das Jahr 1242 anzusetzen ist. Damals sei das Kloster geplündert und die Pfarrkirche St. Michael in Brand gesteckt worden. Missalien und Bücher, welche der schulischen Unterweisung gedient haben, seien dabei zugrunde gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen freilich nur unvollständigen Überblick über den alten Ranshofener Bücherschatz vermittelt ein um die Mitte des 14. Jahrhunderts geschriebenes Fragment eines Bibliothekskatalogs, der nachträglich in einen Kodex mit der &amp;quot;Legenda aurea&amp;quot; des Jacobus de Voragine eingebunden worden ist (Clm. 12643, fol. 356). Die verzeichneten Handschriften sind in zwei Gruppen aufgegliedert. Zuerst wird eine Reihe von 89 Kodizes aufgezählt, von denen es heißt, sie würden oberhalb der Sakristei des Prälaten aufbewahrt, womit ein Hinweis auf die Lage der Bibliothek während des Mittelalters gegeben erscheint. Die zweite Gruppe wird als in einem langen Kasten befindlich beschrieben. Hier bricht die Reihe allerdings mitten im 21. Titel ab. Das folgende Blatt mit der Fortsetzung ist verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das bedeutendste Denkmal humanistischen Geistes, welches Ranshofen hervorgebracht hat, war wohl das über Anregung des Propstes Kaspar Türndl bereits 1517 hier begonnene &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; des bayerischen Historikers Aventin. Aventin selbst kennzeichnet seinen Versuch einer auf die Quellen zurückgehenden Geschichtsdarstellung im Sinne seines Lehrers Konrad Celtis in der Vorrede durch den Hinweis auf sein Studium der alten Urkunden, des Traditionsbuches und der Kodizes der Stiftsbibliothek. Dass seine Ergebnisse einer kritischen Überprüfung nicht immer standhalten, steht außer Frage. Dennoch war seine Arbeit maßgeblich für alle späteren Darstellungen der Geschichte Ranshofens. Eine Handschrift des Werkes gelangte nach der Aufhebung des Klosters in das OÖ. Landesarchiv nach Linz, eine weitere Abschrift als Geschenk des letzten Stiftsdechants Pankraz Hauser nach Reichersberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die humanistische Gesinnung von Propst Augustin I. Münich bezeugt die Widmungsschrift an den Propst zu den in Sophonias Pämingers &amp;quot;Poematum libri duo&amp;quot; von 1557 veröffentlichten Elegien seines Bruders Balthasar Päminger. Den reformatorischen Tendenzen der Zeit entsprechend nimmt es nicht wunder, wenn im Bericht der Passauer Diözesanvisitationskommission von 1559/60 am Büchervorrat Kritik geübt wird. Zwar fand man in der &amp;quot;Liberei&amp;quot; viele &amp;quot;guete katholische Authores&amp;quot;; aber in einem Stüblein wurden neben unverdächtigen Büchern auch elf Schriften mit protestantischem Inhalt entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit dem Neubau des Konventgebäudes unter den Pröpsten Philipp Vetterl und Simon Meier Mitte des 17. Jahrhunderts wurde ein neuer Bibliotheksraum im Südtrakt des Klosters eingerichtet. Der Ranshofener Stiftsdechant Hieronymus Mayr verfasste damals sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot;, ein zweibändiges Geschichtswerk über Ranshofen. Der erste Band ist in vier Teile gegliedert. Enthalten sind Angaben über den hl. Pankraz, über Gründer und Wohltäter von Kirche und Kloster, über die Lebensweise der Chorherren, aber auch Verzeichnisse der Konventsmitglieder aus älterer und jüngerer Zeit. Der abschließende vierte Teil bringt eine nach den Pröpsten geordnete Stiftsgeschichte bis 1634. Die Titelseite zeigt in Form einer Federzeichnung das Aussehen des Klosters nach der Erneuerung. Dieser Band ist heute im Besitz des OÖ. Landesarchivs. Die Fortsetzung dazu über die Jahre von 1635 bis 1665 befindet sich in der Bibliothek des [[Stift St. Florian|Chorherrenstiftes St. Florian]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Quelle für unsere Kenntnis der Ranshofener Bibliotheksgeschichte während des ausgehenden 17. Jahrhunderts ist ein &amp;quot;Inventarium der geistlichen Sachen des Stiftes Ranshofen&amp;quot;, das Propst Benno Meier anlässlich seiner Resignation 1687 anfertigen ließ. Es enthält neben Inventaraufschreibungen und zwei Namenskatalogen der Ranshofener Chorherren vor allem eine katalogartige Liste sämtlicher unter seiner Herrschaft angekauften Druckwerke (&amp;quot;Libri comparati&amp;quot;). Einige der genannten Bücher befinden sich heute in der Braunauer Studienbibliothek. Ranshofener Herkunft ist wohl auch für den dort ebenfalls vorhandenen Bericht über die Ranshofener 800-Jahr-Feier von 1699 (&amp;quot;Saeculum octavum&amp;quot;, Augsburg 1702) vorauszusetzen. Nach der Widmung an Propst Ivo Kurzbauer werden im ersten Teil die Texte der Predigten, die während des &amp;quot;Acht-tägigen hoch-feyerlichen Jubel-Festes&amp;quot; von verschiedenen Kanzelrednern gehalten wurden, abgedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
===Baugeschichte=== &lt;br /&gt;
Der älteste Kirchenbau in Ranshofen war die zwischen 896 und 898 durch Kaiser Arnulf errichtete und dem hl. Pankraz geweihte karolingische Pfalzkapelle. Eine in der älteren Forschung diskutierte noch frühere Marienkapelle ist quellenmäßig nicht zu belegen. Diese Pfalzkapelle wurde dann mehr als zwei Jahrhunderte später zur ersten Klosterkirche des Augustiner-Chorherrenstiftes umgewandelt. Bei seiner Einrichtung überließ der damals hier herrschende Bayernherzog den Regularkanonikern seine Kapelle für den Gottesdienst. Als Seelsorgekirche wurde daneben eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche gebaut. Leider ist von der alten Pfalzkapelle – ebenso wie von der Königs- beziehungsweise Herzogspfalz, zu der sie gehörte – kaum mehr etwas erhalten geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grabungen, die der um die Archäologie der Umgebung von Braunau bemühte Maler Hugo von Preen zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Auftrag der k.u.k. Zentralkommission durchführte, blieben ohne nennenswerte Ergebnisse. Nur in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Stiftskirche stieß er auf Reste alter Grundmauern, die man mit der Pfalz in Verbindung bringen konnte. Im Zusammenhang mit einer Nachricht aus den &amp;quot;Mattseer Annalen&amp;quot; über die Zerstörung Ranshofens im Jahr 1242, aus der hervorgeht, dass die Pfalz damals zwischen dem Kloster und der Pfarrkirche St. Michael gestanden war, leitete Schiffmann dann aufgrund dieser Grabungen die Hypothese ab, die Pfalz sei westlich von der Pfalzkapelle, etwa an der Stelle, wo das Hauptschiff und der Turm der heutigen Kirche stehen, gelegen gewesen. Die Pfalzkapelle selbst aber – damals noch nicht größer als das jetzige Presbyterium – habe den Ostabschluss des Pfalzgebäudes gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Neubau des Chorherrenklosters oder eine Erweiterung des vorher ja schon anzunehmenden Säkularkanonikerstiftes nach 1125 ist naheliegend. Höchst fragwürdig erscheint allerdings eine Kirchweihnotiz für das Kloster und den &amp;quot;Pankrazaltar&amp;quot; (&amp;quot;monasterium et altare s. Pancratii&amp;quot;) von 1135. Sie nennt nämlich neben dem weihenden Bischof Reginbert von Passau den Kaiser Heinrich II., eine Reihe von Bischöfen und einen Herzog Heinrich von Bayern und Sachsen als Anwesende. Reginbert wurde allerdings erst 1138 Passauer Bischof (sein Vorgänger hieß Reginmar) und der Kaiser und die übrigen Bischöfe scheinen aus der verfälschten Urkunde Kaiser Heinrichs III. von 1040 übernommen zu sein. Nur Herzog Heinrich X. (der Stolze) von Bayern, der allerdings auch erst 1137 zusätzlich mit Sachsen belehnt worden war, käme als &amp;quot;Zeitzeuge&amp;quot; in Betracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach schweren Schäden, die Kirche und Kloster bei den kriegerischen Überfällen von 1242, 1250 und 1266 erlitten hatten, wurden beide wiederhergestellt und schließlich 1283 durch den Regensburger Bischof Heinrich neu eingeweiht. Die kunstgeschichtliche Forschung vermutet für die Kirche einen Bau im Stil der frühen Gotik. Reste von zwei säulentragenden Steinlöwen und drei Medaillonbilder an der südlichen Außenmauer des Chores, die stilistisch zu dieser Bauperiode gehören, lassen jedenfalls erkennen, dass beim spätgotischen Kirchenbau zu Beginn des 16. Jahrhunderts zumindest ein Teil des Mauerwerks übernommen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1337 stiftete der Braunauer Bürger Ulrich Schön eine Friedhofskapelle (Karner), die dem Hl. Geist und dem hl. Oswald geweiht wurde. Sie ist als achteckiger Tuffsteinbau mit spitzbogigem Portal und drei Fenstern erhalten geblieben. Im Inneren enden die von verschieden gestalteten Konsolen ausgehenden Rippen in einem Schlussstein mit großer Rose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Seelsorgekirche wurde 1474 von Propst Wolfgang der Grundstein zu einem gotischen Neubau gelegt. Auf den ältesten erhaltenen Abbildungen ist ihr Turm noch mit einem spitzzulaufenden Helm gedeckt. Als ältestes Element des Um- bzw. Neubaus der Stiftskirche ist die unter Propst Blasius Rosenstingl (1494–1504) neu gestaltete Marienkapelle (&amp;quot;Rosenkranzkapelle&amp;quot;) anzusehen, die später – als ostseitiger Abschluss des nördlichen Seitenschiffs – in die Konstruktion der Kirche einbezogen wurde. Von diesem unter Propst Kaspar Türndl (1504–1526) errichteten spätgotischen Bau ist freilich heute kaum mehr etwas zu erkennen, wenn man von der schlichten Außenerscheinung mit den glatt geputzten Wänden, dem Tuffsockel und den dreifach gestuften Stützmauern des Langhauses absieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Inneren ist die gotische Baukonstruktion fast zur Gänze durch die Umformungen der Barockzeit verdeckt. Nur das einfache Kreuzrippengewölbe des oberen Konventchores oberhalb der Sakristei ist vom Kirchenschiff aus noch sichtbar. Im Hinblick auf die der gleichen Bauperiode angehörenden Bauten der Ranshofener Filialkirchen in Neukirchen/Enknach und Hochburg, vor allem aber der Bürgerspitalskirche in der nahen Stadt Braunau, die als inkorporierte Pfarre ja ebenfalls an das Stift gebunden war, spricht Brucher in seiner Darstellung der &amp;quot;Gotik in Österreich&amp;quot; von einer Innviertler Bautengruppe, die nachhaltig im künstlerischen Ausstrahlungsbereich des Hans von Burghausen stand. Eine Nähe solcher Tendenzen wird man für die Stiftskirche selbst zumindest hypothetisch voraussetzen dürfen, auch wenn der Nachweis dafür nur schwer zu erbringen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild der baulichen Entwicklung Ranshofens ist in den folgenden Jahren von der Barockisierung geprägt, die in mehreren Phasen vor allem dem Innenraum der Stiftskirche ein völlig neues Aussehen verlieh. Die ersten Ansätze dazu sind schon für die Zeit von Propst Hilarius Steyrer (1610–1620) überliefert. Zu großen Veränderungen kam es unter seinem Nachfolger, Propst Philipp Vetterl (1620–1634). 1621 war der Turm der Stiftskirche eingestürzt. In der Folge ließ der Propst – er wird in der Grabinschrift als &amp;quot;architectus insignis&amp;quot; gerühmt – einen neuen bauen, der allerdings weiter nach Westen verlagert wurde, da man zwischen Turm und Kirchenschiff eine halbrunde Westkonche einschob. Diese diente der Errichtung einer Musikempore, auf der eine damals neu angeschaffte Orgel aufgestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1624 begann Propst Philipp auch noch mit der Erneuerung des Stiftsgebäudes, wofür er aus Italien Maurer berief (&amp;quot;ex Italia murarios conducens&amp;quot;). Im Stadium seines vollen Ausbaus, wie es Ansichten aus der Zeit nach 1700 sichtbar machen, bestand das Kloster mit seinen Nebengebäuden aus drei in Nord-Süd-Richtung aneinander anschließenden Gevierten: dem Konventgebäude mit der Prälatur, der Dekanei und der Bibliothek, einem verbindenden Zwischengebäude und dem Meierhof mit dem Bräuhaus. Nach Osten zu waren verschiedene Gärten angelegt (der Blumengarten, der Konventgarten, der Baumgarten und der sogenannte &amp;quot;Kuchelgarten&amp;quot;). Das Ganze wurde von einer Einfriedungsmauer mit einem Torturm umschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1650 standen davon nur der unter Propst Philipp erbaute Konventtrakt und der Meierhof, den Propst Philipps Nachfolger, Propst Simon Meier (1634–1665), neu errichten ließ. Als Baumeister hat Martin dafür einen Bartolomeo Viscardi ausfindig gemacht, der sich in einem Kommissionsprotokoll der Jesuitenkirche in Burghausen als &amp;quot;Stift Ranshofenscher Baumeister&amp;quot; bezeichnet. Schon vorher nannte Schiffmann einen Kaspar Regeton, der 1624/25 auch am Stiftsneubau in Reichersberg beteiligt war. Ulm hat ihn als einen Kaspar Righettoni aus Castenada im Misoxtal in Graubünden identifiziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verbindungstrakt zwischen Konventgebäude und Meierhof entstand erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts, ebenso ein westlich von der Stiftskirche ausgeführter Gasttrakt. Die umfangreichsten Veränderungen an der Stiftskirche wurden unter Propst Ivo Kurzbauer (1687–1715) im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 vorgenommen. Abgesehen von der großzügig erneuerten Innenausstattung kam es zu zahlreichen Eingriffen in die Bausubstanz der Kirche, die alle dem Zweck dienen sollten, den Innenraum in Einklang mit dem barocken Gesamtbild zu bringen. Dazu gehörten vor allem eine Erweiterung der Fensterflächen, das Abtragen einiger Pfeiler, die von außen das Kircheninnere verfinsterten, und schließlich im Chor die Konstruktion einer in den Dachraum hineinragenden Kuppel, um so dem neuen Hochaltar eine entsprechende Höhenausdehnung zu ermöglichen. Propst Ivo begann auch noch mit dem Bau eines neuen Turmes mit barockem Helm für die Pfarrkirche [[St. Michael]], der unter seinem Nachfolger, Propst Augustin II., nach 1715 fertiggestellt wurde. 1799 wurde diese Kirche jedoch zur Gänze abgetragen. Das dabei freigewordene Material verwendete man zum Ausbau der Festung Braunau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert wurden nach der Aufhebung und der damit verbundenen Profanierung des Stiftes der nördliche und der östliche Teil des Konventgebäudes abgetragen. 1859 brannte der Turm der ehemaligen Stiftskirche aus, wobei die Barockorgel völlig zerstört wurde. Die spitze Helmform, welche der Turm beim Wiederaufbau erhielt, könnte als unbeholfener Versuch einer Regotisierung gemeint gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildende Kunst=== &lt;br /&gt;
Abgesehen von den kunstgeschichtlich wertvollen romanischen Handschriften sind nur ganz wenige mittelalterliche Denkmäler der bildenden Kunst aus Ranshofen erhalten geblieben. Zu nennen sind hier zunächst jene drei Medaillonbilder im sogenannten &amp;quot;Rollgang&amp;quot; an der südlichen Außenmauer des Chores der ehemaligen Stiftskirche vom Beginn des 14. Jahrhunderts. Sie wurden in der älteren Literatur als Apostelköpfe gedeutet, zuletzt wurde auch erwogen, ob man sie nicht mit einer Notiz Aventins in Zusammenhang bringen könnte, nach der die Bischöfe Reginbert von Passau und Heinrich von Regensburg auf Fresken dargestellt waren. Dem gleichen Zeitabschnitt sind stilistisch jene zwei säulentragenden Portallöwen aus Ranshofen zuzuordnen, die heute die Besuchergarderobe im Braunauer Bezirksmuseum behüten. In der Stiftskirche selbst ist noch die schön gestaltete gotische Grabplatte des Propstes Blasius Rosenstingl, die dem Salzburger Bildhauer Hans Valkenauer zugeschrieben wird, zu sehen. Rosenstingls Verehrung der Gottesmutter – er hat ja auch den Neubau der Marienkapelle durchgeführt – findet darauf in einer Darstellung der hl. Maria, die von zwei musizierenden Engeln begleitet wird, beredten Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Umkreis der Ranshofener Filialkirchen wären noch zwei qualitativ hervorragende Holzreliefs mit Darstellungen des Marientodes in Hochburg (um 1490) und in Neukirchen/Enknach (um 1510) hervorzuheben sowie eine Monstranz aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert, die der heutigen Pfarrkirche in Handenberg gehört, ferner der &amp;quot;Bäckeraltar&amp;quot; in der Braunauer Stadtpfarrkirche. Obwohl für die Zeit des beginnenden Barock mehrfach über Altarerneuerungen in Ranshofen berichtet wird, ist kaum etwas namhaft zu machen, was aus dieser Periode an kunstgeschichtlich Bedeutsamem erhalten wäre. In jüngerer Zeit hat allerdings Lipp die Herkunft einer im Braunauer Bezirksmuseum aufgestellten Holzplastik aus Ranshofen aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts von einem Ranshofener Altarwerk zur Diskussion gestellt. Diese wollte man aufgrund der Krone und der Reichsinsignien früher als eine Darstellung des Kaisers Arnulf ansehen. Lipp deutete sie als den heilig gesprochenen Kaiser Heinrich II., der ja im klostereigenen Geschichtsverständnis einen besonderen Stellenwert einnahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge mit einem Altarwerk der Stiftskirche werden auch für Holzplastiken des hl. Pankratius und vier Engelfiguren aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts vermutet, die heute als Aufsatzfiguren der Orgel dienen. Zwei herausragende Stücke kunstgewerblicher Arbeit sind schließlich noch die Monstranz und der Kelch, welche 1682 durch Propst Benno Meier bei dem Augsburger Goldschmied Georg Reischle in Auftrag gegeben wurden. Beide Geräte sind aus Silber gefertigt, teilweise vergoldet und mit Halbedelsteinen geschmückt. Zahlreiche Emailmedaillons mit Szenen aus dem Leben Christi gehören zur künstlerischen Ausstattung des Ensembles. Dazu kommen weitere Medaillons mit Grisaillebildern der Rosenkranzgeheimnisse, welche das herzförmige Fenster der Monstranz einrahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erscheinungsbild, das heute den Besucher der ehemaligen Stiftskirche in Ranshofen empfängt, ist geprägt von der großzügigen Umgestaltung, welche das Innere im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 erfahren hat. Dies gilt sowohl von den damals neu aufgestellten Altären als auch von den Deckenfresken im Haupt- und im nördlichen Seitenschiff. Die Bilder des monumental wirkenden Hochaltars, die Enthauptung des hl. Pankraz und darüber (als Aufsatzbild) die hl. Dreifaltigkeit darstellend, stammen von dem in Braunau geborenen bayerischen Hofmaler Johann Kaspar Sing. Sie werden von einem Aufbau aus gewundenen Säulen, Akanthusranken und einer Reihe von Heiligenfiguren eingerahmt, der dem Braunauer Bildhauer Sebastian Hagenauer zugeschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein genaueres Hinsehen verdient die Deckengestaltung mit der Stukkaturverzierung und den beiden Freskenzyklen zur Pankrazvita (im Chor und im Hauptschiff) und zum Marienleben (im nördlichen Seitenschiff). Das Besondere daran sind eine Fülle kleiner Emblembilder, die um die erzählenden Hauptbilder herum gruppiert sind und das dort dargestellte Geschehen kommentieren bzw. erläutern, eine Darstellungsform, die sich im Hochbarock einer gewissen Beliebtheit erfreute und der zahlreiche Handbücher gewidmet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reihe der Pankrazbilder etwa beginnt im Chorraum über dem Hochaltar mit einem Mittelbild, das die Unterweisung des jungen Pankraz durch den Papst zeigt. In zwei kleineren, flankierenden Seitenbildern wird die Landung des aus Phrygien stammenden Jünglings mit seiner Begleitung in Ostia bzw. der Empfang der Reisegruppe am Tor des päpstlichen Palastes geschildert. Die dazugehörenden Emblembilder zeigen eine Uhr, eine Sonnenblume, eine Feuerwerksrakete und eine Nachteule. Die Uhr, deren im Gehäuse verborgenes Werk die Zeiger treibt, symbolisiert die geheime Kraft, die den jungen Pankraz auf seine Reise trieb. Die Sonnenblume, die sich sogar der hinter Wolken versteckten Sonne zuwendet, verweist auf den Weg zum Glauben, den er auch durch Hindernisse unbeirrt geht. Die brennend zum Himmel aufsteigende Feuerwerksrakete ist ein Bild für den Feuereifer, mit dem der junge Mann seinen Weg zu Gott sucht. Die Nachteule schließlich, die von der aufgehenden Sonne vertrieben wird, zeigt seine Erleuchtung durch den päpstlichen Religionsunterricht an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer dieses komplizierte Bildprogramm entworfen hat, wissen wir nicht. Am ehesten ist an Propst Ivo Kurzbauer selbst zu denken. Die Ausführung der Bilder schreibt Martin in der Kunsttopographie des Bezirkes Braunau aufgrund einer Eintragung in den Ehematriken der Ranshofener Kirche dem Laienbruder Christof Lehrl aus dem bayerischen [[Chorherrenstift Högelwörth]] zu. Lehrl wird dort zusammen mit zwei Stukkateuren als Trauzeuge bei der Hochzeit des Malers Josef Pöckl aus Teisendorf, der später in Uttendorf ansässig war, genannt. Dass dieser Pöckl auch an den Fresken mitgemalt haben dürfte, ist Martin entgangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Signatur &amp;quot;I.P.&amp;quot; bei einem der Fresken des Seitenschiffs könnte aber mit &amp;quot;Iosephus Pöckl&amp;quot; aufzulösen sein. Dieses Monogramm findet sich übrigens auch bei einem der &amp;quot;Autorenbilder&amp;quot;, mit denen zur gleichen Zeit die Decke der Bibliothek im Konventtrakt ausgeschmückt wurde, wieder. Unter Propst Augustin II. Pariser wurde um 1730 die Rosenkranzkapelle mit Fresken ausgeschmückt, in den letzten Jahrzehnten des Bestehens des Chorherrenstiftes ist dann noch die Ausgestaltung von Teilen des Prälatentraktes mit Stuckverzierung von Johann Baptist Modler aus Kößlarn hervorzuheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikpflege==&lt;br /&gt;
Die einzige zur Gänze erhaltene mittelalterliche Musikhandschrift aus dem Chorherrenstift Ranshofen ist ein &amp;quot;Breviarium sive ordo&amp;quot; genannter Kodex des 13. Jahrhunderts in München (Bayerische Staatsbibliothek, Clm. 12635 B). Sie verzeichnet und erläutert die Reihenfolge der Gesänge für das Stundengebet und die Messe für die einzelnen Festtage im Verlauf des Kirchenjahres. Als Vorlage des Ranshofener Kodex ist ein &amp;quot;Ordinarium&amp;quot; des Salzburger Domstiftes aus dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts anzusehen (Universitätsbibliothek Salzburg, Cod. M II 6). Über weite Strecken textgleich mit der Ranshofener Handschrift ist außerdem der Vorauer Cod. 99, der ebenfalls dem 13. Jahrhundert angehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonderes Interesse seitens der Wissenschaft fand in diesen miteinander verwandten Handschriften die Aufzeichnung der &amp;quot;Visitatio sepulcri&amp;quot;, eines gesungenen geistlichen Spiels innerhalb der Osternachtsliturgie, in dem der Besuch der Frauen am Grab Jesu, ihre Botschaft an Petrus und Johannes und deren Wettlauf zum leeren Grab in einer sehr zeremoniösen Weise dargestellt werden. Den Schluss bildet das vom Volk gesungene deutschsprachige Osterlied &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht in dieser sogenannten &amp;quot;Liturgischen Osterfeier&amp;quot; eine wesentliche Wurzel für die Entwicklung des mittelalterlichen Dramas. Aus inzwischen verlorengegangenen mittelalterlichen Liturgiebüchern hat schließlich noch im 17. Jahrhundert Hieronymus Mayr die Texte einer Sequenz (&amp;quot;Ante thronum majestatis&amp;quot;) und eines spätmittelalterlichen Reimoffiziums zum Pankrazfest in sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; kopiert. Schon für diesen Zeitraum ist eine intensive Musikpflege innerhalb der Stiftsschule vorauszusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der musikalischen Theorie, die im Rahmen der Unterweisung aus den &amp;quot;Sieben freien Künsten&amp;quot; vermittelt wurde, erfuhren die Klosterschüler eine gründliche Schulung in der Praxis des Singens, sodass sie beim Gottesdienst die Chorherren unterstützen, manchmal sogar vertreten konnten. Seit dem 16. Jahrhundert lassen sich dann auch für die Musikpflege in Ranshofen Erscheinungen beobachten, die mit der Ausbreitung der humanistischen Bewegung in Zusammenhang stehen. So traten in der Klosterschule an die Stelle des geistlichen &amp;quot;Scholasticus&amp;quot; weltliche Lehrer, die zusammen mit ihren Schülern auch in der Kirche sangen, wobei die mehrstimmigen Musikformen der Renaissance rasch in das Repertoire eindrangen. Die Wurzeln dafür kann man bis in die Regierungszeit des Propstes Kaspar Türndl zurückverfolgen. Er ließ für die „Präbendisten&amp;quot; – die auf Kosten des Stiftes ausgebildeten Sängerknaben – eine eigene Unterkunft erbauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger, Propst Augustin Münich, wirkte hier vor 1550 ein Magister Johann Kappenstill als Lehrer, der später als Stadtschreiber in Passau im Umkreis des dortigen Humanismus große Wertschätzung genoss und zum Freundeskreis um Leonhard Päminger gehört hat. Seinem Nachfolger, Magister Stephan Vokenrieder, hat Päminger sogar zwei Spruchmotetten gewidmet, die später in die gedruckte Ausgabe der Pämingerschen &amp;quot;Cantiones ecclesiaticae&amp;quot; aufgenommen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein umfassendes Bild der schulischen Verhältnisse in Ranshofen um die Mitte des 16. Jahrhunderts vermittelt das Passauer Visitationsprotokoll von 1559/60. Der &amp;quot;cantor&amp;quot; hielt sich zur Zeit der Kirchenvisitation überhaupt von den Musikaufführungen fern (singt nicht zu Chor). Mit den Schülern, welche er unterrichtete, sang er jedoch regelmäßig vor Beginn des Unterrichts das &amp;quot;Veni, sancte Spiritus&amp;quot; und das &amp;quot;Veni creator&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den &amp;quot;scholasticus&amp;quot; erfahren wir, dass er mit den Schülern eine &amp;quot;Comoedia de coena Domini&amp;quot; (&amp;quot;Spiel vom Herrenmahl&amp;quot;) aufgeführt habe: ein Hinweis auf die Pflege des Schultheaters in Ranshofen. Die Größe der Stiftsschule wird daran erkennbar, dass neben dem Schulmeister und dem Kantor noch ein Magister Thomas Winter genannt wird. Er wird als &amp;quot;ludirector&amp;quot; bezeichnet, hatte also wohl neben dem Schuldienst auch noch die Leitung der Kirchenmusik zu versehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Musikrepertoire sind wir leider nur sehr bruchstückhaft informiert. Vorauszusetzen ist die fortlaufende Pflege des Gregorianischen Chorals. Daneben werden verschiedene protestantische Gemeindelieder genannt, die zunächst wohl einstimmig, fallweise vermutlich von der Schulkantorei in mehrstimmigen Sätzen gesungen wurden, in denen sie schon sehr früh Verbreitung gefunden hatten. Gewiss sang man daneben aber auch mehrstimmige lateinische Messkompositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Orgel hat es damals hier ebenfalls schon gegeben, denn im Visitationsbericht wird bereits ein Organist unter den Klosterdienern aufgezählt. Die noch in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts einsetzende Gegenreformation beginnt dann das Erscheinungsbild des Schulwesens und der Musikpflege alsbald zu verändern. In einer staatlichen Schulordnung von 1569 wurde für die Lateinschulen wieder das Singen der alten Choralweisen vorgeschrieben. Die gefälschten Psalmen und Lieder – gemeint sind die protestantischen Kirchenlieder – wurden aus Kirche und Schule verbannt. Ein Zeugnis dieser vorerst nur zögernd einsetzenden Entwicklung ist für Ranshofen der Visitationsbericht des römischen Kurienkardinals &amp;quot;Commendone&amp;quot; aus dem Jahr 1569. Nach ihm unterrichteten damals immer noch drei Lehrer etwa achtzig Schüler in Grammatik und Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chorherren sangen das Offizium schön und mit Andacht auf dem alten Konventchor oberhalb der Sakristei. Während der Woche wurde die Messe nur gelesen. An Sonn- und Feiertagen jedoch sangen sie die Chorknaben in der Pfarrkirche St. Michael. Eine weitere wichtige Umstellung des Schulwesens erfolgte zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Nach dem Vorbild der Jesuitengymnasien übernahm jetzt wieder ein Geistlicher die Leitung der Schule und das Amt des &amp;quot;regens chori&amp;quot;. Weltliche Lehrer sind fortan nur noch in untergeordneter Stellung anzutreffen. Der erste geistliche Chorregent in Ranshofen, den wir dem Namen nach kennen, ist der spätere Propst Philipp Vetterl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; berichtet von argen Missständen, die damals im Kloster geherrscht hätten. So habe Frater Philippus das Offizium, besonders die abendliche Vesper, häufig mit den Chorknaben allein gesungen, während sich die übrigen Stiftsangehörigen in Wirtshäusern und Spelunken herumgetrieben hätten. Nach seiner Wahl zum Propst begann er jedoch zielstrebig das Kloster zu erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1622 wurde auf der neugebauten Musikempore der Stiftskirche eine neue Orgel aufgestellt. Noch die Grabinschrift des Propstes rühmt das Werk wegen der Größe der Pfeifen und der Lieblichkeit seines Klanges. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts wirkte [[Sebastian Widerstain]] als Stiftsorganist in Ranshofen. Nach einem Musikalienkatalog des Münchener Buchhändlers Paul Parsdorffer gab er eine Sammlung von &amp;quot;Miserere&amp;quot; für vier bis acht Singstimmen, zwei Violinen und Orgel im Druck heraus, denen noch eine &amp;quot;Lauretanische Litanei&amp;quot; hinzugefügt ist. Die Besetzung der leider nirgends erhaltenen Sammlung Widerstains zeigt, dass damals bereits Musikformen des Frühbarock mit selbständig geführten instrumentalen Begleitstimmen im Raum Ranshofen verbreitet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1699 wurde zum 800-Jahr-Fest des Bestehens der Pankrazkapelle im oberen Konventchor eine kleine Chororgel aufgestellt. Das musikalische Programm der Gottesdienste, die im Verlauf der eine Woche dauernden Festlichkeiten stattfanden, ist leider nicht im Detail überliefert. Von Biber ist in Kremsmünster die Abschrift einer &amp;quot;Missa Sti. Henrici&amp;quot; erhalten. Es ist nicht auszuschließen, dass sie in diesem Zusammenhang von Ranshofen in Auftrag gegeben worden ist, verehrte man doch damals den heiligen Kaiser Heinrich II. – wenn auch nur irrtümlich – als einen der Gründer des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vierteljahrhundert später begegnet in [[Wilhelm Ganspeckh]] (1687–1770) der erste und gleichzeitig einzige Ranshofener Chorherr, der nachweisbar auch als Komponist tätig gewesen ist. Der Vater und zwei seiner Brüder waren unter Kurfürst Max Emanuel Musiker an der Bayerischen Hofmusikkapelle. Nach seinen Studien und der Priesterweihe war er lange Zeit Chorregent im Kloster. Von seinen musikalischen Werken ist einzelnes erhalten geblieben, vor allem ein Druck mit acht Messen und einem Requiem, der 1724 unter dem Titel &amp;quot;Octiduum sacrum&amp;quot; erschienen ist. Als zweiter Teil sind noch zwölf Offertorien angehängt. Die Messen sind nach den Altarheiligen der Stiftskirche benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Sekundiz des letzten Ranshofener Propstes Johann Nepomuk Kierl wurde 1805 noch eine eigens dafür komponierte Kantate (&amp;quot;Heut möge jede Brust das mächtige Gefühl der Freude schwellen&amp;quot;) eines unbekannten Komponisten aufgeführt, deren Partitur erhalten ist. Sie ist das letzte Zeugnis der Musikpflege im Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien== &lt;br /&gt;
Das Ranshofener Stiftsarchiv enthielt seinerzeit eine große Zahl von Originalurkunden, dazu mehrere Kopialbücher, andere Handschriften und sonstige Akten. Das meiste davon kam bei der Aufhebung 1811 nach München in das jetzige Bayerische Hauptstaatsarchiv. Kleinere Aktenbestände befanden sich außerdem im Staatsarchiv in Landshut, wurden von dort aber in der Zwischenzeit ebenfalls an das Hauptstaatsarchiv in München abgegeben. Nur weniges ist im Ranshofener Pfarrhof zurückgeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die älteste erhaltene Urkunde ist die von Kaiser Arnulf über die „Verleihung&amp;quot; der Pfalzkapelle an den Priester Ellimprecht (Bayr. HStA München, Kaiserselekt 87 = Ranshofen Urk. 1) aus dem Jahr 898. Sie muss seit der Karolingerzeit durchgehend an der Pankrazkirche aufbewahrt worden sein. Im Bayerischen Hauptstaatsarchiv befindet sich auch die Urkunde Herzog Heinrichs IX. von 1125, der sogenannte „Stiftbrief&amp;quot; des Augustiner-Chorherrenklosters (Ranshofen Urk. 2), neben weiteren Königs- und Herzogsurkunden. Auch päpstliche Privilegien für Ranshofen liegen dort auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Handschriften des Archivs ist jene des alten Traditionskodex seit der Aufhebung des Klosters leider verschollen. Die einzige auf das Originalmanuskript zurückgehende Textedition ist die der &amp;quot;Monumenta Boica&amp;quot; von 1764. Diese Textform wurde dann 1852 im ersten Band des Urkundenbuches des Landes ob der Enns neuerlich abgedruckt. Etwa gleichzeitig fand der St. Florianer Chorherr [[Jodok Stülz]] im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr eine große Zahl von Traditionen, die Mayr um 1650 aus dem Traditionskodex kopiert hatte. Ein Reihe von weiteren Notizen sind darin in regestenartiger Form wiedergegeben. Diese Überlieferung wertete Konrad Schiffmann 1905 in einer Neuedition aus und erläuterte seine daraus abgeleiteten Erkenntnisse in einer ausführlichen Einleitung. Zum einen kann man nämlich aus dem Vergleich der verschiedenen Überlieferungen erkennen, dass im Monumenta-Boica-Text eine Reihe von Notizen ausgelassen wurden. Zum anderen lassen sich aus den von Mayr gemachten Angaben über die Folien, auf denen er die einzelnen Traditionen gefunden hatte, wertvolle Hinweise auf die ursprüngliche Zusammensetzung des Kodex gewinnen. Dabei wird deutlich, dass die Handschrift aus mehreren vorerst voneinander unabhängig bestehenden Lagen schließlich zu einem Kodex verbunden wurde. Einzelne Lagen erscheinen hinsichtlich der Chronologie falsch aneinandergereiht. Außerdem begegnen die Notizen der ersten Lage in einem späteren Teil ein zweites Mal, wobei die älteste Lage mit der Notiz über die vom Bayernherzog Welf II. getätigte Schenkung von Besitzungen in Handenberg an die Pankrazkirche und die als zugehörige Filialkirche zu denkende Jakobikapelle in Handenberg (Schiffmann II 1, um 1110) eröffnet worden sein dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den erhalten gebliebenen Handschriften des Archivs ist das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes Konrad I. von 1277/1303 die wichtigste (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Ransh. Lit. 1). Sie enthält neben den beiden - bereits oben im Abschnitt über die wirtschaftliche Entwicklung gestreiften - Urbaren zwei Kopialbücher mit wichtigen Urkundenabschriften. Die vier Teile wurden vermutlich erst im 17. Jahrhundert zu einem Kodex zusammengebund en. Die beiden Kopialbücher enthalten wertvolle Zeugnisse zum Ranshofener Urkundenwesen, darunter Kopien von heute verschollenen Originalurkunden, wie etwa die Abschriften jener beiden Urkundentexte, die als verfälschte Fassungen eines Diploms Kaiser Heinrichs III. für Ranshofen anzusehen sind. Auf fol. 47ff. finden sich Angaben über verschiedene Altarweihen, die Schiffmann im Anhang seiner Ranshofener Baugeschichte publiziert hat (&amp;quot;Die Kirchweih-Chronik von Ranshofen&amp;quot;). Zwei weitere Kopialbücher schrieb am Beginn des 15. Jahrhunderts der Chorherr [[Christian Perger]] aus Eggenfelden (Ransh. Lit. 4 bzw. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein von Propst Philipp Vetterl 1623 angelegtes Urkundenbuch befindet sich im Braunauer Stadtpfarrkirchenarchiv. Es enthält zunächst Kopien von Urkunden, die sich auf die Braunauer Stadtpfarre St. Stephan beziehen, im weiteren Verlauf sind auch andere Stiftungen zugunsten des Klosters oder seiner Filialkirchen in den Text aufgenommen. Zum Archivbestand haben wohl auch der Bericht des Propstes Benno Meier über die niederösterreichischen Besitzungen von 1670 und das von ihm angelegte &amp;quot;Inventarium&amp;quot; von 1665/1687 gehört (vgl. oben die Abschnitte &amp;quot;Wirtschaftliche Verhältnisse&amp;quot; und &amp;quot;Bibliothek&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Bernhard Bischoff: Die südostdeutschen Schreibschulen der Karolingerzeit. Band 2. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Gotische Baukunst in Österreich. Salzburg 1990.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
* Rudolf Guby: Die Kunstdenkmäler des oberösterreichischen Innviertels. Wien 1921.&lt;br /&gt;
* Siegfried Haider: Zum Problem karolingischer Pfalzen in Oberösterreich. In: Baiern, Ungarn und Slawen im Donauraum. Hg. von Willibald Katzinger / Marckhgott, Gerhart. Linz 1991 (Forschungen zur Geschichte der Städte und Märkte Österreichs, 4), S. 11–16.&lt;br /&gt;
* Peter Herde: Ranshofener Urkundenstudien. In: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte 24 (1961), S. 183–228. [http://periodika.digitale-sammlungen.de/zblg/kapitel/zblg24_kap8 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die mittelalterliche Buchkunst der Chorherrenstifte am Inn. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 205–231.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Klemm: Die romanischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München. Teil 1: Die Diözesen Regensburg, Passau und Salzburg. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Sigrid Krämer: Die Bibliothek von Ranshofen im frühen und hohen Mittelalter. Band 2. In: The Role of Book in Medieval Culture. Hg. von Peter Felix Ganz. Turnhout 1986 (Bibliologia Elementa ad Librorum Studia Pertinantia, 4), S. 41–72.&lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme der Chorherrenkirche in Ranshofen. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 6 (1966), S. 179–219.&lt;br /&gt;
* Wilfried L. Lipp: Das ehemalige Augustiner Chorherrenstift Ranshofen - Ein Beitrag zur Kunstgeschichte. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, 149–160.&lt;br /&gt;
* Walther Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften des deutschen Sprachgebietes. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 7 (1971), S. 7–102.&lt;br /&gt;
* Alfred Marks: Oberösterreich in alten Ansichten. Linz 1968.&lt;br /&gt;
* Franz Martin (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Braunau. Wien 1947 (Österreichische Kunsttopographie, 30).&lt;br /&gt;
* August Prenninger: Hinweise zur Bevölkerungsstruktur Ranshofens vom Mittelalter bis zur Bauernbefreiung 1848. In: Rantesdorf 788-1988, 1200 Jahre Ranshofen. Ausstellung vom 28. Mai bis 17. Juli 1988. Hg. von Walter Pilshofer / Rudolf Schmidt. Braunau am Inn 1988, S. 39–44.&lt;br /&gt;
* [[Franz Xaver Pritz]]: Geschichte des aufgelassenen Stiftes der regulirten Chorherren des heiligen Augustin zu Ranshofen in Oberösterreich. In: Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen 17 (1857), S. 327–435. [https://books.google.at/books?id=U5YJAAAAIAAJ&amp;amp;vq=pritz&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA327#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Baugeschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Archiv für die Geschichte der Diözese Linz 5/1 (1908), S. 3–26.&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Aufhebung des Stiftes Ranshofen. In: Unterhaltungsbeilage der Linzer Tages-Post, Nr. 42, Jg. 1911 (15. Oktober 1911).&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Ranshofener Stiftsschule im Zeitalter des Humanismus und der Reformation. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 117 (1972), S. 199–212. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_117a_0199-0212.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Musik im Stift Ranshofen. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 120 (1975), S. 67-110 [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_120a_0067-0110.pdf (Digitalisat)]; 121 (1976), S. 179–222. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_121a_0179-0222.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Überlieferung der Ranshofener Traditionen. Vorbemerkungen zu einer künftigen Neuedition In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 16 (1990), S. 5–16. [https://www.ooegeschichte.at/fileadmin/media/migrated/bibliografiedb/mooela_16_0005-0016.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Das Ranshofener Evangeliar in Oxford (Manuscript Canonici Bible Latin 60 der Bodleian Library). Ranshofen 2012.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in den jüngeren Teilen des Ranshofener Traditionskodex. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 22 (2011), S. 291–320.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in Notizen aus dem ältesten Teil des Ranshofener Traditionskomplex. Zum Erscheinen der Schiffmann-Ausgabe vor 100 Jahren. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 21 (2008), S. 107–142.&lt;br /&gt;
* Hubert Schopf: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen am Inn im Mittelalter 1125–1426. Diss. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1985.&lt;br /&gt;
* Max Schrott: Die Conföderationen unserer Stifte. In: In Unum Congregati 5 (1985), S. 123–154.&lt;br /&gt;
* Georg Swarzenski: Die Salzburger Malerei von den ersten Anfängen bis zur Blütezeit des romanischen Stils. Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
* Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 245–294.&lt;br /&gt;
* Margareta Vyoral-Tschapka: Die Klosteranlage des ehemaligen Augustiner Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege Oberösterreich 160: Festschrift für Georg Heilingsetzer zum 70. Geburtstag (2015), S. 577–616.&lt;br /&gt;
* Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert. Köln 1975 (Kölner historische Abhandlungen, 24).&lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Königsherzogsgut in Oberösterreich. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 3 (1954), S. 101–145.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Zur Rechtsgeschichte des Stiftes Ranshofen und seiner Pfarreien. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 161–170.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Ranshofen</title>
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		<updated>2022-07-14T09:15:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Bildende Kunst */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1125&lt;br /&gt;
|Datum bis=1811/10/28&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis Ende des 18. Jahrhunderts)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=&amp;quot;curtis rantesdorf&amp;quot;, Hof Rantesdorf (788)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Pankraz, hl. Michael, hl. Jungfrau Maria&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte== &lt;br /&gt;
===Vorgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Errichtung des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen kurz vor oder im Jahr 1125 knüpfte an Voraussetzungen an, die durch eine damals schon Jahrhunderte währende Geschichte gegeben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen war zunächst ein Hof der bayerischen Agilolfingerherzöge, deren letzter, der unglückliche Tassilo III., im gleichen Jahr durch Karl den Großen seine Herrscherwürde einbüßte, in dem Ranshofen – als &amp;quot;Rantesdorf&amp;quot; – erstmals im Licht einer geschichtlichen Nachricht erscheint. Unter den Nachfolgern Karls des Großen wurde Ranshofen eine königliche Pfalz, ein Ort, der dem Herrscher als Aufenthalt und Verwaltungsstützpunkt diente. Kaiser Arnulf, einer der letzten ostfränkischen Karolinger, ließ hier zwischen 896 und 898 eine dem hl. Pankraz geweihte Kapelle erbauen und stattete sie mit Besitzungen, liturgischen Geräten, kostbaren Glasfenstern und Tapisserien sehr großzügig aus. Ein Priester Ellimprecht – wohl ein Mitglied der kaiserlichen Hofkapelle – erhielt die neu errichtete Pfalzkapelle zunächst als Lehen übertragen. Mit einer Urkunde vom 17. Oktober 898 wandelte Kaiser Arnulf dieses Lehen dann in ein freies Eigentum des Priesters Ellimprecht um. Nach dessen Tod sollte alles dem von Arnulfs Vater in Alt-Ötting gegründeten Säkularkanonikerstift zufallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Monate später fertigte Arnulf dann zugunsten der Ranshofener Pankrazkapelle eine weitere Urkunde aus, die allerdings nur in mittelalterlichen Abschriften überliefert wird. An ihrem Text fällt auf, dass vom Priester Ellimprecht nun keine Rede mehr ist. Als Empfänger der gegebenen Güter erscheinen vielmehr &amp;quot;die Kleriker, die dort den Gottesdienst verrichten&amp;quot;. Aus dieser Formulierung hat man auf die nachträgliche Gründung eines Säkularkanonikerstifts in Ranshofen schließen wollen, über dessen Bestand sonst jedoch keine Nachrichten existieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das weitere Schicksal der Pfalz mit der dazugehörigen Pankrazkapelle ist dann nämlich über Jahrzehnte hinweg völlig ungewiss. Wir wissen nicht, ob schon Herzog Arnulf aus dem Geschlecht der Luitpoldinger, der nach dem Tod von König Ludwig (&amp;quot;dem Kind&amp;quot;) 911 die Herrschaft über Bayern an sich gerissen hatte, im Zuge seiner Enteignungen von Kirchengütern die ursprünglich vorgesehene Schenkung der Ranshofener Kapelle an das Stift Alt-Ötting wieder rückgängig gemacht hat oder ob das Abhängigkeitsverhältnis erst später gelöst wurde. Auch über die Auswirkungen der Ungarneinfälle auf das Gebiet schweigen die Quellen. Erst gegen Ende des 10. Jahrhunderts finden wir hier unter Herzog Heinrich dem Zänker einen bayerischen Landtag versammelt, der die sogenannten &amp;quot;Ranshofener Landgesetze&amp;quot; beschließt. Dessen Sohn, der 1002 zum König gewählte und später zum Kaiser gekrönte Heinrich II. (&amp;quot;der Heilige&amp;quot;) ließ am Weihnachtstag des Jahres 996 – noch als bayerischer Herzog – in der Pfalzkapelle den Mönch [[Gotthart von Niederaltaich]] zum Abt dieses Klosters weihen. Heinrichs Gemahlin Kunigunde schließlich verfügte 1025 über die Ranshofener Pfalz wie über familiären Privatbesitz, indem sie diese zusammen mit anderen Königshöfen gegen Güter des Bistums Freising abtauschen wollte. Der Nachfolger Heinrichs II., König Konrad II., scheint diesen Tausch aber nicht anerkannt zu haben. Jedenfalls gehörte das &amp;quot;praedium Ranteshoven&amp;quot; – so der neue Name der Siedlung seit dem ausgehenden 10. Jahrhundert – mit der dazugehörigen Kapelle weiterhin zum Reichsgut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Gründung – oder Wiederbelebung – eines Kanonikerstiftes verweisen erst wieder zwei Urkunden, die Kaiser Heinrich III. im Jahr 1040 für Ranshofen ausgestellt haben soll. Auch sie sind nur in Abschriften überliefert und gelten der Urkundenforschung in ihrer vorliegenden Gestalt als Fälschungen. Man hat allerdings den Versuch unternommen, in beiden authentische Abschnitte von späteren Zusätzen zu trennen. Dabei begegnet im vermutlich echten Text die Angabe über eine Schenkung von Zehenten zugunsten der in Ranshofen &amp;quot;weilenden Priester ..., damit der Gottesdienst dort täglich gefeiert werde.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutet man dies als Hinweis auf eine Klerikergemeinschaft, so dürfte diese in den Wirren der Zeit des Investiturstreits wieder zerfallen sein. Jedenfalls begegnen in den ältesten Schenkungsnotizen des Ranshofener Traditionskodex, deren Textüberlieferung vor 1070 einsetzt, zunächst nur einzelne Priester der Pankrazkirche, die mehrfach auch als Pfarrer bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte===&lt;br /&gt;
Erste Anzeichen für die erneute Einrichtung einer Kanonikergemeinschaft kann man am Text der Ranshofener Traditionen seit etwa 1120 beobachten. Die hier aufgezeichneten Schenkungen erfolgen jetzt nämlich zugunsten der an der Pankrazkirche &amp;quot;für Gott streitenden Brüder (fratres Deo militantes)&amp;quot;, eine Formulierung, die im Zusammenhang mit Regularkanonikern auch andernorts immer wieder begegnet, vereinzelt freilich auch für Angehörige eines weltlichen Kanonikerstiftes gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicheren Boden gewinnen wir somit erst mit der Schenkungsurkunde des Bayernherzogs Heinrich IX. des Schwarzen (1120–1126) vom 30. Juli 1125, in welcher dieser zusammen mit seiner Gemahlin Wulfhilde in der Ranshofener Pfalz den &amp;quot;an der Pankrazkirche nach der Regel des hl. Augustinus Christus dienenden Brüdern Zehent im Gau&amp;quot; Ranshofen sowie verschiedene Güter übergibt. Auf dieser Urkunde basiert dann auch die Darstellung des bayerischen Historikers Aventin, der in seinem um 1520 geschriebenen &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; annimmt, Herzog Heinrich IX. habe hier im Jahr 1125 auf &amp;quot;Geheiß und Rat&amp;quot; des Salzburger Erzbischofs Konrad I. ein Augustiner-Chorherrenstift gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aventins Annahme ist freilich nur mit gewissen Vorbehalten zu übernehmen, denn eine zu diesem Zeitpunkt erst beschlossene Neugründung eines Klosters wird im Urkundentext ebensowenig erwähnt wie ein Zusammenwirken oder Zusammentreffen mit dem Salzburger Erzbischof. Ein Regularkanonikerkloster wird vielmehr als bereits bestehend vorausgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist die Einführung von Augustiner-Chorherren in Ranshofen vielleicht schon zwischen 1120 und 1125 erfolgt. Der weitere Ausbau des Stiftes zu einem Kloster für Chorherren, Chorfrauen und Konversen dürfte sich allerdings noch über die Zeit Heinrichs IX. hinaus bis in die Jahre der Herrschaft seines Sohnes Heinrich X. des Stolzen (1126–1139) erstreckt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Einrichtung eines Augustiner-Chorherrenstiftes erfasste eine wichtige religiöse Erneuerungsbewegung des Mittelalters Ranshofen. Eine Schlüsselfigur ihrer weiteren Ausbreitung war zweifelsohne der Salzburger Erzbischof Konrad I. (1109–1147). Er gilt als Gründer oder Erneuerer einer großen Zahl von Chorherrenstiften innerhalb und außerhalb seines engeren Diözesanbereiches. So ist seine Einflussnahme bei der Errichtung eines Chorherrenklosters in Ranshofen nicht auszuschließen. Quellenmäßig greifbar wird ein Zusammenhang mit ihm freilich erst um 1138/39. Damals nahm Konrad I. zusammen mit Bischof Roman von Gurk in Ranshofen eine Schenkung von Besitzungen der Ministerialen von Rohr im Kremstal für das Kloster entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Entwicklung im Hoch-und Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
Neben der Gestaltung der Liturgie in der Messfeier und beim Chorgebet war die Seelsorge ein wichtiges Anliegen des neuen Ordens. Da der Ranshofener Seelsorgesprengel sehr umfangreich war, wurden schon damals im weiten Umkreis Kirchen dafür neu gebaut oder vorhandene Kapellen übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ranshofen selbst baute man neben der Stiftskirche eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche. Andere Aufgaben waren die Krankenpflege, die schulische Unterweisung und die wissenschaftlichen Studien. Für letztere benötigte man ebenso wie für den Gottesdienst Handschriften, die zu einem großen Teil in der Schreibstube des Klosters, dem &amp;quot;scriptorium&amp;quot;, von den Chorherren selbst in mühevoller Arbeit hergestellt wurden. Aus Urkunden und Traditionsnotizen kennen wir einige Namen von Pröpsten des 12. und beginnenden 13. Jahrhunderts. Genannt werden ein [[Manegold]], der mit dem Magistertitel ausgezeichnet erscheint, nach ihm [[Meginhard]], [[Altmann (Stift Ranshofen)|Altmann]] und [[Adelhard]], unter dem 1178 das berühmte Evangeliar angekauft wurde, danach [[Liutold]] – wohl identisch mit dem im Evangelienbuch bezeugten Schatzmeister gleichen Namens –, dann nochmals ein Adelhard, der mit dem ersten Propst dieses Namens eine Person sein könnte, schließlich noch [[Etticho]] und [[Wichard]]. In verschiedenen Totenbüchern der Salzburger Diözese wird außerdem ein Propst [[Liutfrid von Ranshofen]] verzeichnet, der nur schwer einzuordnen ist. Vielleicht gehört er an den Anfang der Reihe gestellt, anstelle des von Aventin aus der Urkunde Heinrichs IX. von 1125 übernommenen [[Raffold]]. (Letzterer war vermutlich kein geistlicher Propst, sondern einer der Verwalter des Pfalzgutes.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1140 kam es zu einer Kontroverse mit dem Passauer Bischof Reginbert um die Seelsorgerechte und die daraus erwachsenden Zehentforderungen. Im Zusammenhang damit hat der Passauer Ordinarius den Kanonikern einen ungenannten jugendlichen Propst aufgezwungen, gegen den sie sich mit Erfolg aufgelehnt haben. Freiheit der Propstwahl ist dann auch eines der wichtigsten Rechte, das Ranshofen immer wieder urkundlich zugesichert wird, zum ersten Mal in dem großen Schutzprivileg des Papstes Eugen III. von 1147.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts – inzwischen hatten die Wittelsbacher den durch Kaiser Friedrich Barbarossa abgesetzten Heinrich den Löwen in der Herrschaft über Bayern abgelöst – begann für Ranshofen einer der unruhigsten Abschnitte seiner Geschichte. 1233 plünderten Truppen des Babenbergerherzogs Friedrich des Streitbaren bei Kämpfen mit Herzog Otto II. von Bayern Neukirchen an der Enknach, wobei die dortige Filialkirche zu schwerem Schaden kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Jahre danach, wahrscheinlich 1242, überfielen von der Burg Obernberg kommende Leute des Passauer Bischofs Ranshofen selbst und verbrannten zusammen mit der herzoglichen Pfalz auch die beiden Kirchen. 1250 drohten neue Gefahren. Bischof Rüdiger von Passau war durch den päpstlichen Legaten Albert Beham abgesetzt worden, und Berthold, ein gebürtiger Graf von Sigmaringen, sollte seine Stelle einnehmen. Doch Rüdiger leistete Widerstand und wurde dabei durch den bayerischen Herzog unterstützt. So durchzogen Soldaten des Gegenbischofs im November 1250 neuerlich plündernd den angrenzenden Weilhartsforst und verwüsteten das Land. Die Stiftskirche soll anschließend wieder aufgebaut und 1255 neu eingeweiht worden sein. Doch bald danach wurde das Gebiet um den unteren Inn im Zusammenhang mit Kämpfen zwischen Herzog Heinrich von Niederbayern – das Herzogtum war inzwischen nach dem Tod Ottos II. unter seinen Söhnen geteilt worden – und König Ottokar von Böhmen neuerlich Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen wurde 1266 ein zweites Mal niedergebrannt und dabei fast zur Gänze zerstört. So klagte Propst [[Sifrid]] (1255–1277) in einer Bittschrift an Papst Klemens IV. darüber, dass im Kloster nur mehr drei Leute Unterhalt fänden, während davor 14 Priester und 50 weitere Stiftsangehörige mühelos versorgt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Resignation Sifrids erlebte Ranshofen aber dann unter seinem Nachfolger [[Konrad I.]] (1277–1311) eine Zeit des Wiederaufschwungs. Neben den nun wieder günstigeren äußeren Verhältnissen ist diese Blüte vor allem in der Tatkraft und Zielstrebigkeit jenes Prälaten begründet. Bereits im Jahr seiner Erwählung begann er mit der Anlage eines Privilegienbuches, in das die Urkunden des Klosters in übersichtlicher Form eingetragen werden sollten. In dem angeschlossenen Urbar wurden die Stiftsgüter verzeichnet. Beide Teile hat Propst Konrad I. später in etwas abgewandelter Form nochmals redigiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der schon unter seinem Vorgänger begonnene Neubau der Stiftskirche wurde 1283 abgeschlossen und in Gegenwart des bayerischen Herzogs durch den Bischof von Regensburg eingeweiht. Auch das Kanonissenstift wurde erneuert und Einrichtungen für die Krankenpflege geschaffen. Schon mit Konrads gleichnamigem Nachfolger [[Konrad II.]] (1311–1332) setzte allerdings neuerlich eine Zeit des Niedergangs ein. Später besserten sich die Verhältnisse wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift wurde im 14. und 15. Jahrhundert vielfach durch Privilegien der Herzöge von Bayern und von Österreich ausgezeichnet. Auch Kaiser Ludwig der Bayer und später Maximilian I. reihten sich unter die Förderer ein. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts mehrten sich ganz allgemein die Versuche, dem damals drohenden Verfall der Klöster entgegenzuwirken. Erste Ansätze einer solchen Reform in Ranshofen unter den Pröpsten [[Erasmus Ridmund]] (1435–1444), [[Friedrich Gunderstorfer]] (1444–1448) und Thomas Wittel (1451–1462) zeigten jedoch keinen nachhaltigen Erfolg. Erst der aus dem niederösterreichischen [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] berufene Propst [[Wolfgang]] konnte das Kloster im Sinne einer vom böhmischen Stift Raudnitz ausgehenden Reformbewegung erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Nachdem Ranshofen im bayerischen Erbfolgekrieg trotz bedrohlicher Nähe des Kriegsgeschehens glimpflich davongekommen war, begann 1508 Propst [[Kaspar Türndl]] (1504—1529) mit dem Neubau der Stiftskirche. Gleichzeitig kam es zu einer Blütezeit humanistischen Geistes, die sich in den erhaltenen Handschriften und Frühdrucken aus der Klosterbibliothek spiegelt. Aber auch erste Anzeichen für eine beginnende Auseinandersetzung mit den Lehren Martin Luthers lassen sich von 1520 an beobachten. Eine Steigerung dieser Tendenzen ergab sich unter Propst [[Augustin I. Münich]] (1529—1560). Zeitgenossen rühmten ihn als Freund der Studien und Wissenschaften. Die Stiftsschule war unter seiner Herrschaft eine der größten Unterrichtsanstalten von ganz Bayern. Aus dem Protokoll einer Passauer Kirchenvisitation von 1559/60, der wichtigsten Quelle unserer Kenntnis über die Ausbreitung der Reformation im Innviertel, erfahren wir jedoch, dass die an dieser Schule wirkenden Schulmeister eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der protestantischen Glaubenslehren gespielt haben. Vielleicht steht die bald nach der Visitation erfolgte Resignation des Propstes im Zusammenhang mit seiner toleranten Einstellung gegenüber den Anhängern des neuen Glaubens. Unter seinem Nachfolger [[Adam Gensleitner]] (1560—1587) wurde jedenfalls sehr rasch die Gegenreformation voll zur Geltung gebracht, sodass der römische Kurienkardinal Commendone, der Ranshofen 1569 visitiert hat, den Zustand von Kirche, Kloster und Schule bereits als zufriedenstellend beurteilte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren neuerlichen Verfalls an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert begann nach 1620 eine der glanzvollsten Perioden der Geschichte Ranshofens. Der klostereigenen Geschichtsschreibung gilt sie als das Werk von vier aufeinanderfolgenden Prälaten. Trotz wachsender Bedrohung durch den Dreißigjährigen Krieg erneuerte Propst Philipp Vetterl (1620—1634) nicht nur die schwer darniederliegende Disziplin des Gemeinschaftslebens, sondern begann auch einen frühbarocken Neubau der Klosteranlage. 1628 erhielt der Propst durch Papst Urban VIII. für sich und seine Nachfolger das Recht des Gebrauchs der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1634 kam der bayerische Kurfürst Maximilian I. mit seiner Familie und seinem Hofstaat auf der Flucht vor den schwedischen Truppen, die München besetzt hatten, nach Ranshofen und blieb hier bis zum Frühjahr 1635. Während des Aufenthalts im Kloster starb die Kurfürstin Elisabeth am 4. Jänner 1635.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Gegenwart des Kurfürsten gewählte Propst [[Simon Meier]] (1635—1665) kümmerte sich besonders um die Neuordnung der Bibliothek und um die wissenschaftlichen Studien der Stiftsangehörigen. Propst [[Benno Meier]] (1665—1687) – ein Neffe seines Vorgängers – ließ im Schloss Neukirchen eine theologische Studienanstalt einrichten. Besondere Sorgfalt widmete er dem Stiftsarchiv mit den alten Urkunden. Seinem Ordnungssinn ist es zu verdanken, dass wir für die Zeit seiner Regierung genaue Aufzeichnungen über die vorhandenen Kirchengeräte und einen Katalog der erworbenen Bücher besitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ivo Kurzbauer]] (1687—1715) erneuerte schließlich Kirche und Kloster für ein 1699 gefeiertes &amp;quot;Acht-tägiges hochfeierliches Jubel-Fest&amp;quot; zum Gedächtnis der achthundertjährigen Geschichte der Pankrazkirche und krönte damit die Bestrebungen seiner Vorgänger, eine Entwicklung, die [[Augustin II. Pariser]] (1715—1741) zwar weiterführen, aber nicht mehr steigern konnte. Die barocke Glanzzeit des Stiftes hatte damit ihren Höhepunkt bereits überschritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild, das Ranshofen dann von der Mitte des 18. Jahrhunderts an bietet, ist eher uneinheitlich. Man kann es nur verstehen, wenn man die Erscheinungen von zwei Seiten her eingrenzt: vom Weiterführen überkommener Lebensformen des Barock einerseits und von der damals auch in Bayern bereits einsetzenden Aufklärungsbewegung andererseits. Mit dem Frieden von Teschen (1779) fiel das lnnviertel an Österreich. Dadurch wurden die vom Geist jener Zeit geprägten Reformen Kaiser Josephs II. alsbald auch in Ranshofen wirksam. Im Zusammenhang mit der Neuorganisation des Pfarrnetzes wurden verschiedene Filialkirchen in Pfarrkirchen umgewandelt, die Formen des Gottesdienstes reformiert, die Ranshofener Pfarrkirche St. Michael gesperrt und später abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Abtrennung der Diözese Linz vom Bistum Passau löste altgewohnte Bindungen. Vor allem die Franzosenkriege brachten dann neuerlich große Unruhe in das Kloster. Das Stift wurde einmal von diesen und einmal von jenen Truppen als Militärspital beansprucht. Es kam zu Gewalttaten und Plünderungen. Aber auch die Klostergemeinde selbst war vom Geist der Aufklärung angekränkelt.&lt;br /&gt;
Vor allem der letzte, 1784 gewählte Propst [[Johann Nepomuk Kierl]] gilt als schwach und verschwenderisch. Nach seinem Tod im Jahr 1809 kommt es innerhalb der zerfallenen und in sich gespaltenen Gemeinschaft zu keiner Neuwahl mehr. So findet die von der &amp;quot;Rieder Regierung&amp;quot; während der französischen Besatzung 1810 angekündigte Aufhebung Ranshofen bereits im Zustand der Krise.&lt;br /&gt;
Der Übertritt in den Weltpriesterstand kommt den damals noch hier lebenden Chorherren eher gelegen. Vor der endgültigen Aufhebung am 28. Oktober 1811 brachte man die als wertvoll angesehenen Archivalien in das Hauptstaatsarchiv nach München und einen großen Teil der Bibliotheksbestände in die jetzige Bayerische Staatsbibliothek. Anderes wurde in der ganzen Welt verstreut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammen mit dem, was in Ranshofen selbst heute noch sichtbar ist, legen diese Dokumente ein beredtes Zeugnis ab von der Pflege von Religion, Wissenschaft und Kunst im Chorherrenstift Ranshofen im Verlauf seiner Jahrhunderte währenden Geschichte. Indirekt kann man aus ihnen aber auch ahnen, wie bedeutungsvoll dieses Wirken der Chorherren für jene Menschen gewesen sein muss, die im Umkreis des Klosters gelebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Nachgeschichte===&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung erwarb der bayerische General Graf von Montjoie-Frohberg die Stiftsgebäude und den ausgedehnten Grundbesitz und wandelte einen Teil der ehemaligen Klosteranlage zum &amp;quot;Schloss Ranshofen&amp;quot; um. Anderes wurde abgetragen. Die frühere Stiftskirche blieb als Pfarrkirche erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erster Pfarrer wurde der seinerzeitige Stiftsdechant [[Pankraz Hauser]]. Der Pfarrer war damals einige Jahrzehnte hindurch auch Repräsentant der weltlichen Verwaltung. Erst im Zuge der Reformen bekam Ranshofen im Jahr 1848 eine eigene Gemeindeverwaltung. Auch erhielten die bis dahin unfreien Bauern die Möglichkeit, den Grund und Boden, den sie vorher als Untertanen bewirtschaftet hatten, gegen ein geringes Entgelt als Eigentum zu erwerben.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1851 kaufte dann Ferdinand Wertheimer, der später als Abgeordneter dem oberösterreichischen Landtag angehörte, die &amp;quot;Herrschaft Ranshofen&amp;quot; und wandelte im Lauf der Jahre den immer noch beachtlichen Großgrundbesitz in einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb um. Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland im März 1938 wurde der Wertheimersche Familienbesitz jedoch vom Deutschen Reich &amp;quot;abgelöst&amp;quot;. Im Oktober des gleichen Jahres wurde die vorher selbständige Gemeinde Ranshofen der Stadt Braunau einverleibt und ein Jahr später begann man bereits auf den Wertheimer-Gründen mit dem Bau eines Aluminiumwerkes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute ist man bemüht, das noch Vorhandene zu erhalten und zu pflegen, wobei der Komplex von Kirche und ehemaligem Stift besitzmäßig auf die Diözese Linz, die Stadt Braunau und private Eigentümer verteilt ist. Die Kirche und der Bibliothekssaal im ehemaligen Konventgebäude werden – abgesehen von der liturgischen Verwendung des Gotteshauses – auch für kulturelle Veranstaltungen genützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Will man sich ein Bild von den wirtschaftlichen Verhältnissen des Chorherrenstiftes Ranshofen im Mittelalter machen, wird man zunächst von der Urkunde Herzog Heinrichs IX. von Bayern aus dem Jahr 1125 ausgehen müssen. Sie gilt in der Literatur ja als &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; des Klosters. Als geschenktes Gut werden darin Güter in Handenberg, Braunau und einem – nicht mehr bestimmbaren – Dürrnberg nördlich der Donau sowie verschiedene kleinere Liegenschaften angeführt. Letztere wurden den Regularkanonikern teils als Eigenbesitz, teils als Lehen überlassen. Dazu kamen die herzoglichen Zehenten &amp;quot;im Gau&amp;quot; Ranshofen und die Kirche Enknach (&amp;quot;Enkinacha&amp;quot;) – vermutlich am Ort oder in der Nähe des heutigen Neukirchen an der Enknach gelegen – mit dem dazugehörigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich erst nach Ausfertigung der Urkunde wurde an einer bestimmten Stelle nachträglich noch ein Hinweis eingefügt, dass jene Hörigen, die vorher in der Hand des Herzogs oder des Kämmerers bzw. des – herzoglichen – Propstes gewesen seien, nun auch dem Kloster unterstellt würden. So reichhaltig diese Schenkung gewesen ist, so wird damit keineswegs der gesamte wirtschaftliche Besitz Ranshofens zur Zeit der Gründung des Chorherrenstiftes umschrieben. Die Einrichtung des mittelalterlichen Klosters erfolgte ja nicht in der Einöde eines unerschlossenen Gebietes, sondern knüpfte an eine Jahrhunderte währende Vorgeschichte an. Schon Kaiser Arnulf hatte ja die von ihm erbaute Pfalzkapelle reich mit Gütern ausgestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den umfangreichsten Einblick in die Ranshofener Besitzverhältnisse im hohen Mittelalter gewähren jedoch die Notizen des Traditionskodex, deren Inhalte den Zeitraum von etwa 1070 bis 1250 umspannen, also auch schon vor 1125 einsetzen. Die Texte bezeugen die Übergabe von Gütern im näheren und weiteren Umkreis von Ranshofen, darüber hinaus die Schenkung von 5-Pfennig-Zensualen, sowie von Knechten und Mägden. Wie in anderen Klöstern machen auch in Ranshofen die Selbstübergaben von ehemals freien Personen, in der Absicht, sich unter dem Schutz des Stiftes gegen Übergriffe von Mächtigeren abzusichern, einen beträchtlichen Teil der Zensualenschenkungen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere wichtige Quelle zur mittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte Ranshofens ist dann das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes [[Konrad I.]]. Die Handschrift enthält neben zwei Kopialbüchern zwei Urbare, welche 1277 beziehungsweise 1303 angelegt wurden. Da im älteren Urbar die erste Lage der Handschrift verlorengegangen ist, kann man nur aus dem jüngeren erkennen, dass der Grundbesitz sich damals auf acht Urbarämter verteilte, die im Innviertel (Haselbach, Überackern, Neukirchen/Enknach, Nonsbach und Ranshofen), im oberösterreichischen Kremstal (Rohr) und in den jetzigen bayerischen Landkreisen Rottal-Inn und Alt-Ötting gelegen waren (Kollbach und &amp;quot;Trans Enum&amp;quot;). Dazu kamen noch Weingärten in der Wachau. Im Abgabenverzeichnis über die im Dorf Ranshofen ausgegebenen Lehen werden auch zwei Schuster, ein Schneider, ein Fleischer, ein Koch und ein Bader angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte Ranshofens stiegen in der Folgezeit dann noch durch die Stiftung von Jahrtagen in Form von &amp;quot;Seelgeräten&amp;quot;, das sind Schenkungen zugunsten von jährlich, manchmal sogar wöchentlich zu lesenden Messen für das Seelenheil von Verstorbenen. Ähnliche Stiftungen begegnen auch in den Filialkirchen des Klosters, unter denen die Braunauer Stephanskirche durch die Befestigung der Siedlung und die Stadterhebung im Jahr 1260 bald eine Sonderstellung einnehmen sollte. Kaiser Ludwig der Bayer (1314–1347) stiftete 1345 eine täglich zu lesende Messe für sich und seine Vorfahren und Nachkommen. Gleichzeitig schenkte er dem Kloster jene Güter im Dorf Ranshofen, die bis dahin noch herzoglicher Besitz gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schiffstransport des Klosterweins aus den Weingärten in der Wachau auf Donau und Inn erhielt das Chorherrenstift verschiedentlich Privilegien über die Mautfreiheit, so 1287 vom österreichischen Herzog Albrecht I., die er 1295 und sein Sohn Friedrich der Schöne 1314 nochmals bekräftigten. Eine Bestätigung dieser Privilegien durch Kaiser Maximilian I. erbaten der Propst und das Kapitel von Ranshofen schließlich noch 1498. In einzelnen Fällen hat das Kloster aber auch ältere Besitzungen, die schwer zu bewirtschaften waren oder den erwarteten Ertrag nicht erbrachten, wieder abgestoßen. Ein wertvolles Dokument solcher wirtschaftlicher Veränderungen ist eine von Propst [[Benno Meier]] 1670 verfasste &amp;quot;Relation von den Ranshoverischen in Österreich gelegenen Höf und Weingärten&amp;quot;. Darin verzeichnete der Prälat zunächst alles, was er aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen über die niederösterreichischen Besitzungen Ranshofens in Erfahrung bringen konnte. Es handelte sich um Höfe und Weingärten in Schwallenbach, Spitz, Loiben, Stein, Krems und Gobelsburg in der Wachau und um Weingärten in Kritzendorf bei Klosterneuburg. Zu seiner Zeit waren davon fast nur mehr die Weingärten in Unterloiben – ihre Riednamen sind vielfach bis heute in Gebrauch – dem Stift verblieben. Ihr Zentrum war ein großer Lesehof in Unterloiben nahe der Kirche, der als der heutige &amp;quot;Loibnerhof&amp;quot; identifiziert werden kann. Weil die Kosten-Nutzen-Rechnung des Propstes auch darüber negativ ausfiel, verkaufte er ein Jahr später den ganzen Komplex an das Kloster Tegernsee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen guten Überblick über den Stiftsbesitz und die Untertanen im Bereich von Ranshofen selbst in der Zeit des beginnenden 18. Jahrhunderts gibt ein im Auftrag des Propstes Ivo (1687–1715) durch den bayerischen Geometer Matthäus Paur im Jahr 1714 angelegtes Mappenwerk (&amp;quot;Gruntrys mit angehengter Beschreibung&amp;quot;, in der Literatur im allgemeinen als &amp;quot;Grundriss-Libell&amp;quot; bezeichnet). Der davon erhaltene Teil besteht aus Plandarstellungen aller Besitzungen im Bereich der sogenannten &amp;quot;Hofmark&amp;quot; Ranshofen mit darauf bezogenen Erläuterungen. Diese umfasste damals 81 Häuser, von denen die meisten vom Stift auf Erb- oder Leibrechtsbasis verliehen waren. Etwa die Hälfte davon wurde landwirtschaftlich genutzt. Der Rest war an Gewerbetreibende vergeben, unter denen sich auch ein Saitenmacher, ein Sattler, ein Bierbrauer und ein Metzger aus Braunau finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge der Abtrennung des Innviertels von Bayern durch den Frieden von Teschen ergaben sich während der letzten Jahrzehnte des Bestandes des Klosters Probleme mit der Verwaltung der bei Bayern verbliebenen Besitzungen jenseits des Inn. So wurden etwa im Verlauf der napoleonischen Kriege – Bayern kämpfte damals auf der Seite der Franzosen gegen Österreich – die Erträgnisse von Grundherrschaften, die auf bayerischem Gebiet gelegen waren, für das Stift gesperrt. 1810 schließlich begann man im Zuge der Auflösung die beweglichen Güter und die Wertsachen zu versteigern. Die Einnahmen betrugen 13.000 Gulden, die nach Salzburg, von wo aus kurzzeitig auch das Innviertel verwaltet wurde, abgeliefert werden mussten. Das 400 Joch große Stiftsgut, bestehend aus Äckern, Wiesen, Auen, Gärten und anderem, kaufte am 17. August 1812 der bayerische General und königliche Adjutant Graf Montjoie-Frohberg um 54.000 Gulden. Nur den unteren Teil des Lachforstes und ein Haus in Dietfurt (unterhalb von Braunau) behielt der bayerische Staat für sich zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Die rechtliche Lage der Ranshofener Pfalz war vom ausgehenden 11. bis um die Mitte des 12. Jahrhunderts eine eher wechselhafte. Dies findet auch in der damals beginnenden Geschichte des Chorherrenstiftes seinen Niederschlag. Die Pfalz und die dazugehörende Pankrazkapelle waren ja seit der Karolingerzeit Reichsgut und als solches der Verfügungsgewalt des Königs unterstellt. Den Bayernherzögen war zwischendurch zwar die Nutzung überlassen, sie wurden gegen Ende des 11. Jahrhunderts wegen ihrer reichsfeindlichen Politik im Zusammenhang mit dem Investiturstreit aber wiederholt durch Kaiser Heinrich IV. abgesetzt: zuerst Otto von Nordheim und später Welf I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So begegnet in einer vermutlich 1074 anzusetzenden Traditionsnotiz Kaiser Heinrich IV. selbst als Eigentümer von Ranshofen (&amp;quot;cuius praedium erat, quod Ranshovin vocatur&amp;quot;). Erst seit 1096 wurden die Welfen wieder mit Bayern belehnt und waren damit innerhalb bestimmter Grenzen über das Land am Inn verfügungsberechtigt. Die schwankende Rechtslage von Ranshofen kommt dann besonders in der &amp;quot;Gründungsurkunde&amp;quot; Herzog Heinrichs IX. von 1125 zum Ausdruck. Ihre Textform und ihre Ausstattung schließen sich in vielem dem Vorbild königlicher Siegelurkunden an. Dem Stil der Herrscherurkunden entspricht wohl auch der Hinweis auf die Mitwirkung und Zustimmung von Heinrichs Gemahlin Wulfhilde. Gerade dies ist allerdings rechtlich höchst fragwürdig, da es sich bei den geschenkten Gütern ja nicht um welfischen Eigenbesitz, sondern um dem Herzog überantwortetes Reichsgut handelte, für dessen Vergabe viel eher die Zustimmung des Königs erforderlich gewesen wäre. (Freilich war im Juli des Jahres 1125 nach dem Tod Kaiser Heinrichs V. Lothar III. noch nicht gewählt.) Die Strafformel, welche eine Bußzahlung von 60 Gulden an die Kammer des Königs bzw. des Kaisers bei Eingriffen in das Schenkungsgut vorsieht, bestätigt diese Auffassung. Dennoch versuchte Herzog Heinrich der Löwe später die Meinung durchzusetzen, Ranshofen sei ein Eigenstift seiner Familie, so vor allem, wenn er die dort dienenden Regularkanoniker als zu seiner Kapelle gehörig bezeichnet und die Gründung insgesamt fälschlicherweise mit seinem Vater Heinrich dem Stolzen in Verbindung bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1139 hatte nach dem Tod Heinrichs des Stolzen zunächst der Babenberger Leopold IV. zusammen mit dem Herzogtum Bayern das Reichsgut um Ranshofen erhalten. Er ist jedoch bereits zwei Jahre später verstorben. Damals behielt König Konrad III. dann für kurze Zeit Bayern selbst in der Hand. In diesen Zeitabschnitt fällt das große Schutzprivileg Konrads von 1142, in dem der König die Besitzungen des Chorherrenstiftes, das er eine Gründung seines Urgroßvaters, des Kaisers Heinrich III., nennt, bestätigt. Eine Erwähnung einer Erneuerung durch die Welfen wurde in der Urkunde – offensichtlich aus politischen Gründen – unterdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Jahr belehnte der König den Babenberger Heinrich &amp;quot;Jasomirgott&amp;quot; mit Bayern. Das ist wohl jener &amp;quot;Heinricus Dux Bawariae&amp;quot;, welcher in einer anderen Tradition das an den Obstgarten der Regularkanoniker angrenzende Land am Altar des hl. Pankraz übergibt. Auch erscheint er in dem großen Privileg des Papstes Eugen III. von 1147 als Fürsprecher des Stiftes. Darin wird unter anderem erwähnt, dass der Vogt (&amp;quot;advocatus&amp;quot;) über das Herzogsgut gleichzeitig der Vogt des Klosters Ranshofen sei. Diese Bestimmung wird dann auch im Privileg des Papstes Hadrian IV. von 1158 wiederholt. Diesmal ist jedoch bereits Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, der Schirmherr des Klosters. Friedrich Barbarossa hatte ihn inzwischen 1154 mit dem von ihm zurückgeforderten Bayern belehnt. Schon 1157 hatte Heinrich der Löwe in einer Urkunde verfügt, dass der Vogt nicht nur die herzogliche Pfalz mit deren Untertanen, sondern auch die Stiftsleute an seiner Stelle beschützen und beschirmen sollte. Er habe auch die Klagen der Kanoniker und ihrer Eigenleute anzuhören und ihnen gebührend Recht zu verschaffen. Geld sollte er dafür nicht von ihnen fordern, sondern nur von des Herzogs Kammer nach altem Herkommen seinen Lohn empfangen. Darüber hinaus solle er keine Verfügungsgewalt über das Kloster oder dessen Eigenleute und Besitzungen haben und auch keine Steuern von ihnen eintreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vögte begegnen bereits mehrfach in den frühen Ranshofener Schenkungsnotizen aus der Zeit um 1100. Sie waren damals wohl vom König eingesetzt und hatten die Aufgabe, die unfreien Untergebenen vor Gericht zu vertreten, konnten aber auch selbst Streitigkeiten schlichten und Strafen verhängen. Bei Schenkungen an die Kirche fungierten sie als wichtige Zeugen. In späteren Traditionsnotizen wird fallweise der Herzog selbst als Vogt des Klosters angesprochen, so nach 1180 der Wittelsbacher Otto I. (&amp;quot;tune temporis dux Bawariae et eiusdem loci advocatus&amp;quot;). Nach dem Zeugnis der beiden angeführten päpstlichen Privilegien ließen sich aber schon zuvor die Herzöge in dieser Funktion durch von ihnen bestellte Untervögte vertreten. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts werden diese dann meistens als Richter (&amp;quot;judex&amp;quot;) angesprochen. Ob die Ranshofener Untervögte ihre Stellung – wie etwa in Reichersberg – zur persönlichen Besitzerweiterung und Bereicherung missbraucht haben, ist aus den Quellen nicht mehr zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf verschiebt sich die rechtliche Verfügungsgewalt mehr und mehr zugunsten des Landesfürsten. Der ehemalige Pfalzbereich wird dem herzoglichen Amt Burghausen zugeordnet. Einen Höhepunkt erreicht diese Entwicklung mit Kaiser Ludwig dem Bayern, der in sich ja Königs- und Herzogsamt vereinigte. Von ihm erhielt der Propst 1345 das Recht der niederen Gerichtsbarkeit über alle Stiftsuntertanen. Vögte des Chorherrenstiftes Ranshofen treten in der Folgezeit nicht mehr in Erscheinung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Von den Chorherren, die in der frühen Zeit dem Stift Ranshofen angehörten, kennen wir nur einzelne Namen, die außerdem meistens wenig über ihre soziale Herkunft aussagen. Ein im Traditionskodex vor 1120 mehrfach genannter Pfarrer [[Erenbert]] wird anlässlich der Schenkung seines Gutes Pfaffing in einer der Notizen als &amp;quot;canonicus s. Pancratii mart.&amp;quot; bezeichnet, was ihn als Säkularkanoniker charakterisieren könnte. Ob er später auch noch dem Regularkanonikerkonvent angehört hat, ist ebenso fraglich, wie die – in der Literatur vielfach angenommene – Übernahme der ältesten Augustiner-Chorherren aus dem Salzburger Domstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die ersten Pröpste gibt es vereinzelte Hypothesen ihrer Herkunft, sowohl in genealogischer wie in geistlicher Hinsicht, die freilich einer kritischen Überprüfung kaum standhalten. Einen Ansatzpunkt für die Beantwortung der Frage nach dem sozialen Umfeld der ältesten Ranshofener Regularkanoniker gewinnen wir aus jener Traditionsnotiz von 1138/39, nach welcher der Reichsministeriale Friedrich von Rohr und seine Gemahlin Berta in Anwesenheit des Salzburger Erzbischofs Konrad I. und des Bischofs Roman von Gurk ihr ganzes Gut in Rohr (im oberösterreichischen Kremstal) übergaben, als sie ihren Sohn Richer dem Kloster zur geistlichen Ausbildung anvertrauten. Und in unmittelbarer Nachbarschaft zu dieser Notiz lesen wir im Traditionskodex von der Schenkung eines Eginbert, eines Neffen des Kadelhoch von Rohr, anlässlich seines Eintritts in das Stift (&amp;quot;tradidit semetipsum ad aram s. Pancratii secundum regulam communis vitae ibidem degendum&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu passen auch die spärlichen Angaben, die wir aus einem – nur im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr auszugsweise überlieferten – Ranshofener Nekrolog dieses Zeitabschnitts schöpfen können. Als verstorbene Chorherren wurden darin [[Konrad von Retenbach]], [[Bernhard von Hut]], [[Hartwig von Sattelbogen]], [[Heinrich von Loitzenkirchen]], [[Heinrich von Braunau]], [[Friedrich von Weilhart]], [[Pabo von Ering]] und [[Wilhelm von Mattsee]] genannt. Es sind vorwiegend Familienangehörige der Ministerialen, die aufgrund ihrer Dienste für den König oder den Herzog unfreie Bauernhöfe, Lehengüter, manchmal auch Eigenbesitz im engeren oder weiteren Umfeld Ranshofens, bewirtschafteten und das Kloster von seinen Anfängen an immer wieder beschenkten. Manche dieser Familien – sie werden in den Urkundentexten einmal als Reichsdienstmannen (&amp;quot;ministeriales regni&amp;quot;) und einmal als Herzogsdienstleute (&amp;quot;ministeriales ducis&amp;quot;) bezeichnet, was wiederum mit der schwankenden Rechtslage der Ranshofener Pfalz zusammenzusehen sein dürfte – hatten im Kloster auch ihre Grablege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gleiche Bild zeigen die in das Totenbuch eingetragenen Namen der Chorfrauen, aber auch der Laienbrüder und -schwestern, die im Stift Aufnahme gefunden hatten. Aus der – schon oben erwähnten – Supplik des Propstes Sifrid an den Papst Clemens IV. wissen wir, dass vor den kriegerischen Ereignissen, durch die Ranshofen um die Mitte des 13. Jahrhunderts großen Schaden genommen hatte, vierzehn Priester versorgt worden waren, während zu seiner Zeit der Konvent auf drei Angehörige zusammengeschmolzen war. Auch das Chorfrauenstift war den Zerstörungen zum Opfer gefallen. Unter Propst Konrad I. wurde es jedoch erneuert. Es sollten aber nicht mehr als sechs Frauen aufgenommen werden, von denen eine zur Vorsteherin (&amp;quot;magistra&amp;quot;) bestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Herkunft der Chorherren anlangt, so begegnen in der Folgezeit weiterhin viele Angehörige von Ministerialenfamilien aus dem Umkreis Ranshofens. Mit dem Ausgang des Mittelalters ändert sich dieses Bild. Zunächst verschwinden die Chorfrauen aus den Quellen. Die überlieferten Namensformen der Chorherren lassen erkennen, dass die in das Stift eingetretenen Personen jetzt mehr und mehr bürgerlicher Herkunft waren und daran änderte sich auch in der Neuzeit nichts. Die Unterlagen, die darüber Auskunft geben, sind vor allem der Visitationsbericht von 1559/60, ferner zwei Namenskataloge der Ranshofener Chorherren von 1665 und 1687 im &amp;quot;Inventarium&amp;quot; des Propstes Benno Meier und schließlich zwei Nekrologaufzeichnungen, die von 1619 bis 1771 reichen (Bayerische Staatsbibliothek München, Clm. 12721, fol. 135-141).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Aufhebung im Jahr 1811 traten die verbliebenen Chorherren in den Weltpriesterstand über. Der St. Florianer Historiker Franz Xaver Pritz schreibt dazu: Einer der Chorherren weinte über dieses Schicksal, die Anderen verließen das Stift ohne Leid und Freude. Jeder erhielt eine Pension von 600 Gulden Reichs-Währung, die später um 100 Gulden vermindert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der Bücherbestand der Ranshofener Klosterbibliothek wurde durch die Aufhebung des Augustiner-Chorherrenstiftes in alle Winde verstreut. Dies gilt zunächst für die alten Handschriften, von denen der größte Teil 1811 nach München abtransportiert und in der jetzigen Bayerischen Staatsbibliothek untergebracht wurde. Andere Ranshofener Kodizes sind während des 19. Jahrhunderts vorwiegend über den Antiquariatshandel in verschiedene andere Bibliotheken gelangt: drei liegen – &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;nach derzeitigem Wissensstand&amp;lt;/span&amp;gt; – in der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin, drei in der Bodleian Library in Oxford, zwei in der russischen Staatsbibliothek in St. Petersburg, um die zwanzig schenkte ein Augsburger Antiquar nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 der Straßburger Universitätsbibliothek, Einzelstücke wurden schließlich noch in Linz (OÖ. Landesbibliothek), in Paris, in Budapest und in New York (Library of Saint Bonaventura College) festgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Provenienz der Handschriften bei der Katalogisierung soweit wie möglich erfasst wurde, ist es bei den gedruckten Büchern meistens schwieriger, ihre Ranshofener Herkunft nachzuweisen. Eine Reihe von Inkunabeln und Frühdrucken aus dem 16. Jahrhundert kamen bereits 1784 anlässlich der Abtrennung der Diözese Linz vom Passauer Bistum im Zusammenhang mit der Errichtung eines Priesterseminars an die jetzige Bibliothek der Katholisch-theologischen Hochschule in Linz. Nur wenige Einzelstücke verblieben im Raum von Ranshofen und Braunau. Erst mit der breiteren Überlieferung von Ranshofener Handschriften aus dem 12. und 13. Jahrhundert wird eine verhältnismäßig sichere Beantwortung der Fragen nach dem Skriptorium und der Bibliothek des Chorherrenstiftes im hohen Mittelalter möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgangspunkt der diesbezüglichen Überlegungen war dabei zunächst jenes Ranshofener Evangeliar, das die Bodleian Library in Oxford aus dem Nachlass des venezianischen Ex-Jesuiten Luigi Canonici 1817 erworben hat (Canon. Bibi. Lat. 60). Den vier Evangelien sind jeweils ganzseitige Deckfarbenminiaturen der einzelnen Evangelisten vorangestellt; im Zusammenhang mit der Passionsgeschichte begegnet innerhalb des Johannesevangeliums auch eine ganzseitige &amp;quot;Kreuzigung Christi&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Zur künstlerischen Ausgestaltung gehören weiters die Kanontafeln und kunstvolle Initialen von verschiedener Form und Größe. Den reichsten Schmuck zeigen hier die zu Zierseiten ausgestalteten Textanfänge. In einer Eintragung am Schluss der Handschrift werden der Propst Adelhard von Ranshofen und der Schatzmeister Liutold im Zusammenhang mit der Bezahlung des 1178 vollendeten Buches erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Swarzenski hat als erster die große Stilverwandtschaft der Deckfarbenminiaturen des Ranshofener Kodex mit denen eines Evangeliars, das bei der Aufhebung des Benediktinerstiftes Mondsee in die Österreichische Nationalbibliothek gelangt ist (Cvp. 1244), aufgezeigt. Da nun im Mondseer Evangeliar ein &amp;quot;Liutoldus monachus&amp;quot; von sich sagt, er habe die Handschrift geschrieben und seinem Können gemäß ausgeschmückt, hat Swarzenski erwogen, den Mönch Liutold mit dem Ranshofener Thesaurar gleichen Namens zu identifizieren. Diese These verfestigte sich dann zur Annahme einer Ranshofener Schreib- und Malschule, als deren Mittelpunkt man den von Mondsee nach Ranshofen übergewechselten Liutold ansehen wollte. In den letzten Jahrzehnten setzte sich jedoch mehr und mehr die Meinung durch, das Ranshofener Evangeliar sei mit einem Salzburger Skriptorium (am ehesten im Benediktinerstift St. Peter) in Verbindung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Salzburger Herkunft wird heute auch für eine dreiteilige lateinische Bibelhandschrift angenommen, von der bis vor kurzem nur die beiden ersten Bände mit Texten aus dem Alten Testament, die bei der Aufhebung Ranshofens nach München kamen (Clm. 23039, Clm. 12601), bekannt waren. Erst im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zur Reichersberger Chorherrenausstellung von 1984 fand Kurt Holter heraus, dass sich der dazugehörige dritte Teil mit dem Psalter und den Schriften des Neuen Testaments ebenfalls in Oxford befindet (Canon. Bibi. Lat. 76). Jeder der drei Bände ist mit verschieden gestalteten Federzeichnungs- oder Deckfarbeninitialen ausgeschmückt. Leider wurden einzelne von ihnen durch nachträgliche Übermalungen entstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den zahlreichen übrigen Ranshofener Handschriften des hohen Mittelalters (mit Werken der Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor dem Großen, ferner Schriften des Kirchenlehrers Isidor von Sevilla, der Symbolisten Rupert von Deutz, Hugo von St. Victor und Bernhard von Clairvaux sowie des der Frühscholastik nahestehenden Honorius Augustodunensis) hat Elisabeth Klemm die der Bayerischen Staatsbibliothek gehörenden eingehend untersucht und genau beschrieben. Für eine Reihe von ihnen nimmt sie mit Sicherheit eine Entstehung in Ranshofen an (Clm. 12608, Clm. 12613-12616, Clm. 12631, Clm. 12633, Clm. 12641 und Clm. 23603), für andere gilt ihr das zumindest als wahrscheinlich. So lässt dies auf den Bestand eines Skriptoriums seit der Einrichtung des Regularkanonikerstiftes schließen, in dem die meisten der weniger anspruchsvollen Gebrauchshandschriften hergestellt worden sein dürften. Nur für besonders repräsentative Kodizes scheint man auf qualitativ leistungsfähigere Werkstätten zurückgegriffen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Hinweis auf den frühen Verlust von Büchern erhalten wir aus einem Bericht der &amp;quot;Mattseer Annalen&amp;quot; über einen Überfall von Kriegsleuten des Passauer Bischofs auf Ranshofen, der dort zwar zum Jahr 1250 überliefert wird, höchstwahrscheinlich aber auf das Jahr 1242 anzusetzen ist. Damals sei das Kloster geplündert und die Pfarrkirche St. Michael in Brand gesteckt worden. Missalien und Bücher, welche der schulischen Unterweisung gedient haben, seien dabei zugrunde gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen freilich nur unvollständigen Überblick über den alten Ranshofener Bücherschatz vermittelt ein um die Mitte des 14. Jahrhunderts geschriebenes Fragment eines Bibliothekskatalogs, der nachträglich in einen Kodex mit der &amp;quot;Legenda aurea&amp;quot; des Jacobus de Voragine eingebunden worden ist (Clm. 12643, fol. 356). Die verzeichneten Handschriften sind in zwei Gruppen aufgegliedert. Zuerst wird eine Reihe von 89 Kodizes aufgezählt, von denen es heißt, sie würden oberhalb der Sakristei des Prälaten aufbewahrt, womit ein Hinweis auf die Lage der Bibliothek während des Mittelalters gegeben erscheint. Die zweite Gruppe wird als in einem langen Kasten befindlich beschrieben. Hier bricht die Reihe allerdings mitten im 21. Titel ab. Das folgende Blatt mit der Fortsetzung ist verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das bedeutendste Denkmal humanistischen Geistes, welches Ranshofen hervorgebracht hat, war wohl das über Anregung des Propstes Kaspar Türndl bereits 1517 hier begonnene &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; des bayerischen Historikers Aventin. Aventin selbst kennzeichnet seinen Versuch einer auf die Quellen zurückgehenden Geschichtsdarstellung im Sinne seines Lehrers Konrad Celtis in der Vorrede durch den Hinweis auf sein Studium der alten Urkunden, des Traditionsbuches und der Kodizes der Stiftsbibliothek. Dass seine Ergebnisse einer kritischen Überprüfung nicht immer standhalten, steht außer Frage. Dennoch war seine Arbeit maßgeblich für alle späteren Darstellungen der Geschichte Ranshofens. Eine Handschrift des Werkes gelangte nach der Aufhebung des Klosters in das OÖ. Landesarchiv nach Linz, eine weitere Abschrift als Geschenk des letzten Stiftsdechants Pankraz Hauser nach Reichersberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die humanistische Gesinnung von Propst Augustin I. Münich bezeugt die Widmungsschrift an den Propst zu den in Sophonias Pämingers &amp;quot;Poematum libri duo&amp;quot; von 1557 veröffentlichten Elegien seines Bruders Balthasar Päminger. Den reformatorischen Tendenzen der Zeit entsprechend nimmt es nicht wunder, wenn im Bericht der Passauer Diözesanvisitationskommission von 1559/60 am Büchervorrat Kritik geübt wird. Zwar fand man in der &amp;quot;Liberei&amp;quot; viele &amp;quot;guete katholische Authores&amp;quot;; aber in einem Stüblein wurden neben unverdächtigen Büchern auch elf Schriften mit protestantischem Inhalt entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit dem Neubau des Konventgebäudes unter den Pröpsten Philipp Vetterl und Simon Meier Mitte des 17. Jahrhunderts wurde ein neuer Bibliotheksraum im Südtrakt des Klosters eingerichtet. Der Ranshofener Stiftsdechant Hieronymus Mayr verfasste damals sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot;, ein zweibändiges Geschichtswerk über Ranshofen. Der erste Band ist in vier Teile gegliedert. Enthalten sind Angaben über den hl. Pankraz, über Gründer und Wohltäter von Kirche und Kloster, über die Lebensweise der Chorherren, aber auch Verzeichnisse der Konventsmitglieder aus älterer und jüngerer Zeit. Der abschließende vierte Teil bringt eine nach den Pröpsten geordnete Stiftsgeschichte bis 1634. Die Titelseite zeigt in Form einer Federzeichnung das Aussehen des Klosters nach der Erneuerung. Dieser Band ist heute im Besitz des OÖ. Landesarchivs. Die Fortsetzung dazu über die Jahre von 1635 bis 1665 befindet sich in der Bibliothek des [[Stift St. Florian|Chorherrenstiftes St. Florian]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Quelle für unsere Kenntnis der Ranshofener Bibliotheksgeschichte während des ausgehenden 17. Jahrhunderts ist ein &amp;quot;Inventarium der geistlichen Sachen des Stiftes Ranshofen&amp;quot;, das Propst Benno Meier anlässlich seiner Resignation 1687 anfertigen ließ. Es enthält neben Inventaraufschreibungen und zwei Namenskatalogen der Ranshofener Chorherren vor allem eine katalogartige Liste sämtlicher unter seiner Herrschaft angekauften Druckwerke (&amp;quot;Libri comparati&amp;quot;). Einige der genannten Bücher befinden sich heute in der Braunauer Studienbibliothek. Ranshofener Herkunft ist wohl auch für den dort ebenfalls vorhandenen Bericht über die Ranshofener 800-Jahr-Feier von 1699 (&amp;quot;Saeculum octavum&amp;quot;, Augsburg 1702) vorauszusetzen. Nach der Widmung an Propst Ivo Kurzbauer werden im ersten Teil die Texte der Predigten, die während des &amp;quot;Acht-tägigen hoch-feyerlichen Jubel-Festes&amp;quot; von verschiedenen Kanzelrednern gehalten wurden, abgedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
===Baugeschichte=== &lt;br /&gt;
Der älteste Kirchenbau in Ranshofen war die zwischen 896 und 898 durch Kaiser Arnulf errichtete und dem hl. Pankraz geweihte karolingische Pfalzkapelle. Eine in der älteren Forschung diskutierte noch frühere Marienkapelle ist quellenmäßig nicht zu belegen. Diese Pfalzkapelle wurde dann mehr als zwei Jahrhunderte später zur ersten Klosterkirche des Augustiner-Chorherrenstiftes umgewandelt. Bei seiner Einrichtung überließ der damals hier herrschende Bayernherzog den Regularkanonikern seine Kapelle für den Gottesdienst. Als Seelsorgekirche wurde daneben eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche gebaut. Leider ist von der alten Pfalzkapelle – ebenso wie von der Königs- beziehungsweise Herzogspfalz, zu der sie gehörte – kaum mehr etwas erhalten geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grabungen, die der um die Archäologie der Umgebung von Braunau bemühte Maler Hugo von Preen zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Auftrag der k.u.k. Zentralkommission durchführte, blieben ohne nennenswerte Ergebnisse. Nur in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Stiftskirche stieß er auf Reste alter Grundmauern, die man mit der Pfalz in Verbindung bringen konnte. Im Zusammenhang mit einer Nachricht aus den &amp;quot;Mattseer Annalen&amp;quot; über die Zerstörung Ranshofens im Jahr 1242, aus der hervorgeht, dass die Pfalz damals zwischen dem Kloster und der Pfarrkirche St. Michael gestanden war, leitete Schiffmann dann aufgrund dieser Grabungen die Hypothese ab, die Pfalz sei westlich von der Pfalzkapelle, etwa an der Stelle, wo das Hauptschiff und der Turm der heutigen Kirche stehen, gelegen gewesen. Die Pfalzkapelle selbst aber – damals noch nicht größer als das jetzige Presbyterium – habe den Ostabschluss des Pfalzgebäudes gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Neubau des Chorherrenklosters oder eine Erweiterung des vorher ja schon anzunehmenden Säkularkanonikerstiftes nach 1125 ist naheliegend. Höchst fragwürdig erscheint allerdings eine Kirchweihnotiz für das Kloster und den &amp;quot;Pankrazaltar&amp;quot; (&amp;quot;monasterium et altare s. Pancratii&amp;quot;) von 1135. Sie nennt nämlich neben dem weihenden Bischof Reginbert von Passau den Kaiser Heinrich II., eine Reihe von Bischöfen und einen Herzog Heinrich von Bayern und Sachsen als Anwesende. Reginbert wurde allerdings erst 1138 Passauer Bischof (sein Vorgänger hieß Reginmar) und der Kaiser und die übrigen Bischöfe scheinen aus der verfälschten Urkunde Kaiser Heinrichs III. von 1040 übernommen zu sein. Nur Herzog Heinrich X. (der Stolze) von Bayern, der allerdings auch erst 1137 zusätzlich mit Sachsen belehnt worden war, käme als &amp;quot;Zeitzeuge&amp;quot; in Betracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach schweren Schäden, die Kirche und Kloster bei den kriegerischen Überfällen von 1242, 1250 und 1266 erlitten hatten, wurden beide wiederhergestellt und schließlich 1283 durch den Regensburger Bischof Heinrich neu eingeweiht. Die kunstgeschichtliche Forschung vermutet für die Kirche einen Bau im Stil der frühen Gotik. Reste von zwei säulentragenden Steinlöwen und drei Medaillonbilder an der südlichen Außenmauer des Chores, die stilistisch zu dieser Bauperiode gehören, lassen jedenfalls erkennen, dass beim spätgotischen Kirchenbau zu Beginn des 16. Jahrhunderts zumindest ein Teil des Mauerwerks übernommen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1337 stiftete der Braunauer Bürger Ulrich Schön eine Friedhofskapelle (Karner), die dem Hl. Geist und dem hl. Oswald geweiht wurde. Sie ist als achteckiger Tuffsteinbau mit spitzbogigem Portal und drei Fenstern erhalten geblieben. Im Inneren enden die von verschieden gestalteten Konsolen ausgehenden Rippen in einem Schlussstein mit großer Rose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Seelsorgekirche wurde 1474 von Propst Wolfgang der Grundstein zu einem gotischen Neubau gelegt. Auf den ältesten erhaltenen Abbildungen ist ihr Turm noch mit einem spitzzulaufenden Helm gedeckt. Als ältestes Element des Um- bzw. Neubaus der Stiftskirche ist die unter Propst Blasius Rosenstingl (1494–1504) neu gestaltete Marienkapelle (&amp;quot;Rosenkranzkapelle&amp;quot;) anzusehen, die später – als ostseitiger Abschluss des nördlichen Seitenschiffs – in die Konstruktion der Kirche einbezogen wurde. Von diesem unter Propst Kaspar Türndl (1504–1526) errichteten spätgotischen Bau ist freilich heute kaum mehr etwas zu erkennen, wenn man von der schlichten Außenerscheinung mit den glatt geputzten Wänden, dem Tuffsockel und den dreifach gestuften Stützmauern des Langhauses absieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Inneren ist die gotische Baukonstruktion fast zur Gänze durch die Umformungen der Barockzeit verdeckt. Nur das einfache Kreuzrippengewölbe des oberen Konventchores oberhalb der Sakristei ist vom Kirchenschiff aus noch sichtbar. Im Hinblick auf die der gleichen Bauperiode angehörenden Bauten der Ranshofener Filialkirchen in Neukirchen/Enknach und Hochburg, vor allem aber der Bürgerspitalskirche in der nahen Stadt Braunau, die als inkorporierte Pfarre ja ebenfalls an das Stift gebunden war, spricht Brucher in seiner Darstellung der &amp;quot;Gotik in Österreich&amp;quot; von einer Innviertler Bautengruppe, die nachhaltig im künstlerischen Ausstrahlungsbereich des Hans von Burghausen stand. Eine Nähe solcher Tendenzen wird man für die Stiftskirche selbst zumindest hypothetisch voraussetzen dürfen, auch wenn der Nachweis dafür nur schwer zu erbringen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild der baulichen Entwicklung Ranshofens ist in den folgenden Jahren von der Barockisierung geprägt, die in mehreren Phasen vor allem dem Innenraum der Stiftskirche ein völlig neues Aussehen verlieh. Die ersten Ansätze dazu sind schon für die Zeit von Propst Hilarius Steyrer (1610–1620) überliefert. Zu großen Veränderungen kam es unter seinem Nachfolger, Propst Philipp Vetterl (1620–1634). 1621 war der Turm der Stiftskirche eingestürzt. In der Folge ließ der Propst – er wird in der Grabinschrift als &amp;quot;architectus insignis&amp;quot; gerühmt – einen neuen bauen, der allerdings weiter nach Westen verlagert wurde, da man zwischen Turm und Kirchenschiff eine halbrunde Westkonche einschob. Diese diente der Errichtung einer Musikempore, auf der eine damals neu angeschaffte Orgel aufgestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1624 begann Propst Philipp auch noch mit der Erneuerung des Stiftsgebäudes, wofür er aus Italien Maurer berief (&amp;quot;ex Italia murarios conducens&amp;quot;). Im Stadium seines vollen Ausbaus, wie es Ansichten aus der Zeit nach 1700 sichtbar machen, bestand das Kloster mit seinen Nebengebäuden aus drei in Nord-Süd-Richtung aneinander anschließenden Gevierten: dem Konventgebäude mit der Prälatur, der Dekanei und der Bibliothek, einem verbindenden Zwischengebäude und dem Meierhof mit dem Bräuhaus. Nach Osten zu waren verschiedene Gärten angelegt (der Blumengarten, der Konventgarten, der Baumgarten und der sogenannte &amp;quot;Kuchelgarten&amp;quot;). Das Ganze wurde von einer Einfriedungsmauer mit einem Torturm umschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1650 standen davon nur der unter Propst Philipp erbaute Konventtrakt und der Meierhof, den Propst Philipps Nachfolger, Propst Simon Meier (1634–1665), neu errichten ließ. Als Baumeister hat Martin dafür einen Bartolomeo Viscardi ausfindig gemacht, der sich in einem Kommissionsprotokoll der Jesuitenkirche in Burghausen als &amp;quot;Stift Ranshofenscher Baumeister&amp;quot; bezeichnet. Schon vorher nannte Schiffmann einen Kaspar Regeton, der 1624/25 auch am Stiftsneubau in Reichersberg beteiligt war. Ulm hat ihn als einen Kaspar Righettoni aus Castenada im Misoxtal in Graubünden identifiziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verbindungstrakt zwischen Konventgebäude und Meierhof entstand erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts, ebenso ein westlich von der Stiftskirche ausgeführter Gasttrakt. Die umfangreichsten Veränderungen an der Stiftskirche wurden unter Propst Ivo Kurzbauer (1687–1715) im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 vorgenommen. Abgesehen von der großzügig erneuerten Innenausstattung kam es zu zahlreichen Eingriffen in die Bausubstanz der Kirche, die alle dem Zweck dienen sollten, den Innenraum in Einklang mit dem barocken Gesamtbild zu bringen. Dazu gehörten vor allem eine Erweiterung der Fensterflächen, das Abtragen einiger Pfeiler, die von außen das Kircheninnere verfinsterten, und schließlich im Chor die Konstruktion einer in den Dachraum hineinragenden Kuppel, um so dem neuen Hochaltar eine entsprechende Höhenausdehnung zu ermöglichen. Propst Ivo begann auch noch mit dem Bau eines neuen Turmes mit barockem Helm für die Pfarrkirche [[St. Michael]], der unter seinem Nachfolger, Propst Augustin II., nach 1715 fertiggestellt wurde. 1799 wurde diese Kirche jedoch zur Gänze abgetragen. Das dabei freigewordene Material verwendete man zum Ausbau der Festung Braunau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert wurden nach der Aufhebung und der damit verbundenen Profanierung des Stiftes der nördliche und der östliche Teil des Konventgebäudes abgetragen. 1859 brannte der Turm der ehemaligen Stiftskirche aus, wobei die Barockorgel völlig zerstört wurde. Die spitze Helmform, welche der Turm beim Wiederaufbau erhielt, könnte als unbeholfener Versuch einer Regotisierung gemeint gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildende Kunst=== &lt;br /&gt;
Abgesehen von den kunstgeschichtlich wertvollen romanischen Handschriften sind nur ganz wenige mittelalterliche Denkmäler der bildenden Kunst aus Ranshofen erhalten geblieben. Zu nennen sind hier zunächst jene drei Medaillonbilder im sogenannten &amp;quot;Rollgang&amp;quot; an der südlichen Außenmauer des Chores der ehemaligen Stiftskirche vom Beginn des 14. Jahrhunderts. Sie wurden in der älteren Literatur als Apostelköpfe gedeutet, zuletzt wurde auch erwogen, ob man sie nicht mit einer Notiz Aventins in Zusammenhang bringen könnte, nach der die Bischöfe Reginbert von Passau und Heinrich von Regensburg auf Fresken dargestellt waren. Dem gleichen Zeitabschnitt sind stilistisch jene zwei säulentragenden Portallöwen aus Ranshofen zuzuordnen, die heute die Besuchergarderobe im Braunauer Bezirksmuseum behüten. In der Stiftskirche selbst ist noch die schön gestaltete gotische Grabplatte des Propstes Blasius Rosenstingl, die dem Salzburger Bildhauer Hans Valkenauer zugeschrieben wird, zu sehen. Rosenstingls Verehrung der Gottesmutter – er hat ja auch den Neubau der Marienkapelle durchgeführt – findet darauf in einer Darstellung der hl. Maria, die von zwei musizierenden Engeln begleitet wird, beredten Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Umkreis der Ranshofener Filialkirchen wären noch zwei qualitativ hervorragende Holzreliefs mit Darstellungen des Marientodes in Hochburg (um 1490) und in Neukirchen/Enknach (um 1510) hervorzuheben sowie eine Monstranz aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert, die der heutigen Pfarrkirche in Handenberg gehört, ferner der &amp;quot;Bäckeraltar&amp;quot; in der Braunauer Stadtpfarrkirche. Obwohl für die Zeit des beginnenden Barock mehrfach über Altarerneuerungen in Ranshofen berichtet wird, ist kaum etwas namhaft zu machen, was aus dieser Periode an kunstgeschichtlich Bedeutsamem erhalten wäre. In jüngerer Zeit hat allerdings Lipp die Herkunft einer im Braunauer Bezirksmuseum aufgestellten Holzplastik aus Ranshofen aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts von einem Ranshofener Altarwerk zur Diskussion gestellt. Diese wollte man aufgrund der Krone und der Reichsinsignien früher als eine Darstellung des Kaisers Arnulf ansehen. Lipp deutete sie als den heilig gesprochenen Kaiser Heinrich II., der ja im klostereigenen Geschichtsverständnis einen besonderen Stellenwert einnahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge mit einem Altarwerk der Stiftskirche werden auch für Holzplastiken des hl. Pankratius und vier Engelfiguren aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts vermutet, die heute als Aufsatzfiguren der Orgel dienen. Zwei herausragende Stücke kunstgewerblicher Arbeit sind schließlich noch die Monstranz und der Kelch, welche 1682 durch Propst Benno Meier bei dem Augsburger Goldschmied Georg Reischle in Auftrag gegeben wurden. Beide Geräte sind aus Silber gefertigt, teilweise vergoldet und mit Halbedelsteinen geschmückt. Zahlreiche Emailmedaillons mit Szenen aus dem Leben Christi gehören zur künstlerischen Ausstattung des Ensembles. Dazu kommen weitere Medaillons mit Grisaillebildern der Rosenkranzgeheimnisse, welche das herzförmige Fenster der Monstranz einrahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erscheinungsbild, das heute den Besucher der ehemaligen Stiftskirche in Ranshofen empfängt, ist geprägt von der großzügigen Umgestaltung, welche das Innere im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 erfahren hat. Dies gilt sowohl von den damals neu aufgestellten Altären als auch von den Deckenfresken im Haupt- und im nördlichen Seitenschiff. Die Bilder des monumental wirkenden Hochaltars, die Enthauptung des hl. Pankraz und darüber (als Aufsatzbild) die hl. Dreifaltigkeit darstellend, stammen von dem in Braunau geborenen bayerischen Hofmaler Johann Kaspar Sing. Sie werden von einem Aufbau aus gewundenen Säulen, Akanthusranken und einer Reihe von Heiligenfiguren eingerahmt, der dem Braunauer Bildhauer Sebastian Hagenauer zugeschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein genaueres Hinsehen verdient die Deckengestaltung mit der Stukkaturverzierung und den beiden Freskenzyklen zur Pankrazvita (im Chor und im Hauptschiff) und zum Marienleben (im nördlichen Seitenschiff). Das Besondere daran sind eine Fülle kleiner Emblembilder, die um die erzählenden Hauptbilder herum gruppiert sind und das dort dargestellte Geschehen kommentieren bzw. erläutern, eine Darstellungsform, die sich im Hochbarock einer gewissen Beliebtheit erfreute und der zahlreiche Handbücher gewidmet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reihe der Pankrazbilder etwa beginnt im Chorraum über dem Hochaltar mit einem Mittelbild, das die Unterweisung des jungen Pankraz durch den Papst zeigt. In zwei kleineren, flankierenden Seitenbildern wird die Landung des aus Phrygien stammenden Jünglings mit seiner Begleitung in Ostia bzw. der Empfang der Reisegruppe am Tor des päpstlichen Palastes geschildert. Die dazugehörenden Emblembilder zeigen eine Uhr, eine Sonnenblume, eine Feuerwerksrakete und eine Nachteule. Die Uhr, deren im Gehäuse verborgenes Werk die Zeiger treibt, symbolisiert die geheime Kraft, die den jungen Pankraz auf seine Reise trieb. Die Sonnenblume, die sich sogar der hinter Wolken versteckten Sonne zuwendet, verweist auf den Weg zum Glauben, den er auch durch Hindernisse unbeirrt geht. Die brennend zum Himmel aufsteigende Feuerwerksrakete ist ein Bild für den Feuereifer, mit dem der junge Mann seinen Weg zu Gott sucht. Die Nachteule schließlich, die von der aufgehenden Sonne vertrieben wird, zeigt seine Erleuchtung durch den päpstlichen Religionsunterricht an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer dieses komplizierte Bildprogramm entworfen hat, wissen wir nicht. Am ehesten ist an Propst Ivo Kurzbauer selbst zu denken. Die Ausführung der Bilder schreibt Martin in der Kunsttopographie des Bezirkes Braunau aufgrund einer Eintragung in den Ehematriken der Ranshofener Kirche dem Laienbruder Christof Lehrl aus dem bayerischen [[Chorherrenstift Högelwörth]] zu. Lehrl wird dort zusammen mit zwei Stukkateuren als Trauzeuge bei der Hochzeit des Malers Josef Pöckl aus Teisendorf, der später in Uttendorf ansässig war, genannt. Dass dieser Pöckl auch an den Fresken mitgemalt haben dürfte, ist Martin entgangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Signatur &amp;quot;I.P.&amp;quot; bei einem der Fresken des Seitenschiffs könnte aber mit &amp;quot;Iosephus Pöckl&amp;quot; aufzulösen sein. Dieses Monogramm findet sich übrigens auch bei einem der &amp;quot;Autorenbilder&amp;quot;, mit denen zur gleichen Zeit die Decke der Bibliothek im Konventtrakt ausgeschmückt wurde, wieder. Unter Propst Augustin II. Pariser wurde um 1730 die Rosenkranzkapelle mit Fresken ausgeschmückt, in den letzten Jahrzehnten des Bestehens des Chorherrenstiftes ist dann noch die Ausgestaltung von Teilen des Prälatentraktes mit Stuckverzierung von Johann Baptist Modler aus Kößlarn hervorzuheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikpflege==&lt;br /&gt;
Die einzige zur Gänze erhaltene mittelalterliche Musikhandschrift aus dem Chorherrenstift Ranshofen ist ein &amp;quot;Breviarium sive ordo&amp;quot; genannter Kodex des 13. Jahrhunderts in München (Bayerische Staatsbibliothek, Clm. 12635 B). Sie verzeichnet und erläutert die Reihenfolge der Gesänge für das Stundengebet und die Messe für die einzelnen Festtage im Verlauf des Kirchenjahres. Als Vorlage des Ranshofener Kodex ist ein &amp;quot;Ordinarium&amp;quot; des Salzburger Domstiftes aus dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts anzusehen (Universitätsbibliothek Salzburg, Cod. M II 6). Über weite Strecken textgleich mit der Ranshofener Handschrift ist außerdem der Vorauer Cod. 99, der ebenfalls dem 13. Jahrhundert angehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonderes Interesse seitens der Wissenschaft fand in diesen miteinander verwandten Handschriften die Aufzeichnung der &amp;quot;Visitatio sepulcri&amp;quot;, eines gesungenen geistlichen Spiels innerhalb der Osternachtsliturgie, in dem der Besuch der Frauen am Grabe Jesu, ihre Botschaft an Petrus und Johannes und deren Wettlauf zum leeren Grab in einer sehr zeremoniösen Weise dargestellt werden. Den Schluss bildet das vom Volk gesungene deutschsprachige Osterlied &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht in dieser sogenannten &amp;quot;Liturgischen Osterfeier&amp;quot; eine wesentliche Wurzel für die Entwicklung des mittelalterlichen Dramas. Aus inzwischen verlorengegangenen mittelalterlichen Liturgiebüchern hat schließlich noch im 17. Jahrhundert Hieronymus Mayr die Texte einer Sequenz (&amp;quot;Ante thronum majestatis&amp;quot;) und eines spätmittelalterlichen Reimoffiziums zum Pankrazfest in sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; kopiert. Schon für diesen Zeitraum ist eine intensive Musikpflege innerhalb der Stiftsschule vorauszusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der musikalischen Theorie, die im Rahmen der Unterweisung aus den &amp;quot;Sieben freien Künsten&amp;quot; vermittelt wurde, erfuhren die Klosterschüler eine gründliche Schulung in der Praxis des Singens, sodass sie beim Gottesdienst die Chorherren unter stützen, manchmal sogar vertreten konnten. Seit dem 16. Jahrhundert lassen sich dann auch für die Musikpflege in Ranshofen Erscheinungen beobachten, die mit der Ausbreitung der humanistischen Bewegung in Zusammenhang stehen. So traten in der Klosterschule an die Stelle des geistlichen &amp;quot;Scholasticus&amp;quot; weltliche Lehrer, die zusammen mit ihren Schülern auch in der Kirche sangen, wobei die mehrstimmigen Musikformen der Renaissance rasch in das Repertoire eindrangen. Die Wurzeln dafür kann man bis in die Regierungszeit des Propstes Kaspar Türndl zu rückverfolgen. Er ließ für die „Präbendisten&amp;quot; - die auf Kosten des Stiftes ausgebildeten Sängerknaben - eine eigene Unterkunft erbauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger, Propst Augustin Münich, wirkte hier vor 1550 ein Magister Johann Kappenstill als Lehrer, der später als Stadtschreiber in Passau im Umkreis des dortigen Humanismus große Wertschätzung genoss und zum Freundeskreis um Leonhard Päminger gehört hat. Seinem Nachfolger, Magister Stephan Vokenrieder, hat Päminger sogar zwei Spruchmotetten gewidmet, die später in die gedruckte Ausgabe der Pämingerschen &amp;quot;Cantiones ecclesiaticae&amp;quot; aufgenommen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein umfassendes Bild der schulischen Verhältnisse in Ranshofen um die Mitte des 16. Jahrhunderts vermittelt das Passauer Visitationsprotokoll von 1559/60. Der &amp;quot;cantor&amp;quot; hielt sich zur Zeit der Kirchenvisitation überhaupt von den Musikaufführungen fern (singt nicht zu Chor). Mit den Schülern, welche er unterrichtete, sang er jedoch regelmäßig vor Beginn des Unterrichts das &amp;quot;Veni, sancte Spiritus&amp;quot; und das &amp;quot;Veni creator&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den &amp;quot;scholasticus&amp;quot; erfahren wir, dass er mit den Schülern eine &amp;quot;Comoedia de coena Domini&amp;quot; (&amp;quot;Spiel vom Herrenmahl&amp;quot;) aufgeführt habe: ein Hinweis auf die Pflege des Schultheaters in Ranshofen. Die Größe der Stiftsschule wird daran erkennbar, dass neben dem Schulmeister und dem Kantor noch ein Magister Thomas Winter genannt wird. Er wird als &amp;quot;ludirector&amp;quot; bezeichnet, hatte also wohl neben dem Schuldienst auch noch die Leitung der Kirchenmusik zu versehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Musikrepertoire sind wir leider nur sehr bruchstückhaft informiert. Vorauszusetzen ist die fortlaufende Pflege des Gregorianischen Chorals. Daneben werden verschiedene protestantische Gemeindelieder genannt, die zunächst wohl einstimmig, fallweise vermutlich von der Schulkantorei in mehrstimmigen Sätzen gesungen wurden, in denen sie schon sehr früh Verbreitung gefunden hatten. Gewiss sang man daneben aber auch mehrstimmige lateinische Messkompositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Orgel hat es damals hier ebenfalls schon gegeben, denn im Visitationsbericht wird bereits ein Organist unter den Klosterdienern aufgezählt. Die noch in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts einsetzende Gegenreformation beginnt dann das Erscheinungsbild des Schulwesens und der Musikpflege alsbald zu verändern. In einer staatlichen Schulordnung von 1569 wurde für die Lateinschulen wieder das Singen der alten Choralweisen vorgeschrieben. Die gefälschten Psalmen und Lieder - gemeint sind die protestantischen Kirchenlieder - wurden aus Kirche und Schule verbannt. Ein Zeugnis dieser vorerst nur zögernd einsetzenden Entwicklung ist für Ranshofen der Visitationsbericht des römischen Kurienkardinals &amp;quot;Commendone&amp;quot; aus dem Jahre 1569. Nach ihm unterrichteten damals immer noch drei Lehrer etwa achtzig Schüler aus Grammatik und Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chorherren sangen das Offizium schön und mit Andacht auf dem alten Konventchor oberhalb der Sakristei. Während der Woche wurde die Messe nur gelesen. An Sonn- und Feiertagen jedoch sangen sie die Chorknaben in der Pfarrkirche St. Michael. Eine weitere wichtige Umstellung des Schulwesens erfolgte zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Nach dem Vorbild der Jesuitengymnasien übernahm jetzt wieder ein Geistlicher die Leitung der Schule und das Amt des &amp;quot;regens chori&amp;quot;. Weltliche Lehrer sind fortan nur noch in untergeordneter Stellung anzutreffen. Der erste geistliche Chorregent in Ranshofen, den wir dem Namen nach kennen, ist der spätere Propst Philipp Vetterl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; berichtet von argen Missständen, die damals im Kloster geherrscht hätten. So habe Frater Philippus das Offizium, besonders die abendliche Vesper, häufig mit den Chorknaben allein gesungen, während sich die übrigen Stiftsangehörigen in Wirtshäusern und Spelunken herumgetrieben hätten. Nach seiner Wahl zum Propst begann er jedoch zielstrebig das Kloster zu erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1622 wurde auf der neugebauten Musikempore der Stiftskirche eine neue Orgel aufgestellt. Noch die Grabinschrift des Propstes rühmt das Werk wegen der Größe der Pfeifen und der Lieblichkeit seines Klanges. Um die Mitte des 17. Jahrhund erts wirkte [[Sebastian Widerstain]] als Stiftsorganist in Ranshofen. Nach einem Musikalienkatalog des Münchener Buchhändlers Paul Parsdorffer gab er eine Sammlung von &amp;quot;Miserere&amp;quot; für vier bis acht Singstimmen, zwei Violinen und Orgel im Druck heraus, denen noch eine &amp;quot;Lauretanische Litanei&amp;quot; hinzugefügt ist. Die Besetzung der leider nirgends erhaltenen Sammlung Widerstains zeigt, dass damals bereits Musikformen des Frühbarock mit selbständig geführten instrumentalen Begleitstimmen im Raum Ranshofen verbreitet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1699 wurde zum 800-Jahr-Fest des Bestehens der Pankrazkapelle im oberen Konventchor eine kleine Chororgel aufgeste llt. Das musikalische Programm der Gottesdienste, die im Verlauf der eine Woche dauernden Festlichkeiten stattfanden, ist leider nicht im Detail überliefert. Von Biber ist in Kremsmünster die Abschrift einer &amp;quot;Missa Sti. Henrici&amp;quot; erhalten. Es ist nicht auszuschließen, dass sie in diesem Zusammenhang von Ranshofen in Auftrag gegeben worden ist, verehrte man doch damals den heiligen Kaiser Heinrich II. - wenn auch nur irrtümlich - als einen der Gründer des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vierteljahrhundert später begegnet in [[Wilhelm Ganspeckh]] (1687-1770) der erste und gleichzeitig einzige Ranshofener Chorherr, der nachweisbar auch als Komponist tätig gewesen ist. Der Vater und zwei seiner Brüder waren unter Kurfürst Max Emanuel Musiker an der Bayerischen Hofmusikkapelle. Nach seinen Studien und der Priesterweihe war er lange Zeit Chorregent im Kloster. Von seinen musikalischen Werken ist einzelnes erhalten geblieben, vor allem ein Druck mit acht Messen und einem Requiem, der 1724 unter dem Titel &amp;quot;Octiduum sacrum&amp;quot; erschienen ist. Als zweiter Teil sind noch zwölf Offertorien angehängt. Die Messen sind nach den Altarheiligen der Stiftskirche benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Sekundiz des letzten Ranshofener Propstes Johann Nepomuk Kierl wurde 1805 noch eine eigens dafür komponierte Kantate (&amp;quot;Heut möge jede Brust das mächtige Gefühl der Freude schwellen&amp;quot;) eines unbekannten Komponisten aufgeführt, deren Partitur erhalten ist. Sie ist das letzte Zeugnis der Musikpflege im Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien== &lt;br /&gt;
Das Ranshofener Stiftsarchiv enthielt seinerzeit eine große Zahl von Originalurkunden, dazu mehrere Kopialbücher, andere Handschriften und sonstige Akten. Das meiste davon kam bei der Aufhebung 1811 nach München in das jetzige Bayerische Hauptstaatsarchiv. Kleinere Aktenbestände befanden sich außerdem im Staatsarchiv in Landshut, wurden von dort aber in der Zwischenzeit ebenfalls an das Hauptstaatsarchiv in München abgegeben. Nur weniges ist im Ranshofener Pfarrhof zurückgeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die älteste erhaltene Urkunde ist die von Kaiser Arnulf über die „Verleihung&amp;quot; der Pfalzkapelle an den Priester Ellimprecht (Bayr. HStA München, Kaiserselekt 87 = Ranshofen Urk. 1) aus dem Jahr 898. Sie muss seit der Karolingerzeit durchgehend an der Pankrazkirche aufbewahrt worden sein. Im Bayerischen Hauptstaatsarchiv befindet sich auch die Urkunde Herzog Heinrichs IX. von 1125, der sogenannte „Stiftbrief&amp;quot; des Augustiner-Chorherrenklosters (Ranshofen Urk. 2), neben weiteren Königs- und Herzogsurkunden. Auch päpstliche Privilegien für Ranshofen liegen dort auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Handschriften des Archivs ist jene des alten Traditionskodex seit der Aufhebung des Klosters leider verschollen. Die einzige auf das Originalmanuskript zurückgehende Textedition ist die der &amp;quot;Monumenta Boica&amp;quot; von 1764. Diese Textform wurde dann 1852 im ersten Band des Urkundenbuches des Landes ob der Enns neuerlich abgedruckt. Etwa gleichzeitig fand der St. Florianer Chorherr [[Jodok Stülz]] im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr eine große Zahl von Traditionen, die Mayr um 1650 aus dem Traditionskodex kopiert hatte. Ein Reihe von weiteren Notizen sind darin in regestenartiger Form wiedergegeben. Diese Überlieferung wertete Konrad Schiffmann 1905 in einer Neuedition aus und erläuterte seine daraus abgeleiteten Erkenntnisse in einer ausführlichen Einleitung. Zum einen kann man nämlich aus dem Vergleich der verschiedenen Überlieferungen erkennen, dass im Monumenta-Boica-Text eine Reihe von Notizen ausgelassen wurden. Zum anderen lassen sich aus den von Mayr gemachten Angaben über die Folien, auf denen er die einzelnen Traditionen gefunden hatte, wertvolle Hinweise auf die ursprüngliche Zusammensetzung des Kodex gewinnen. Dabei wird deutlich, dass die Handschrift aus mehreren vorerst voneinander unabhängig bestehenden Lagen schließlich zu einem Kodex verbunden wurde. Einzelne Lagen erscheinen hinsichtlich der Chronologie falsch aneinandergereiht. Außerdem begegnen die Notizen der ersten Lage in einem späteren Teil ein zweites Mal, wobei die älteste Lage mit der Notiz über die vom Bayernherzog Welf II. getätigte Schenkung von Besitzungen in Handenberg an die Pankrazkirche und die als zugehörige Filialkirche zu denkende Jakobikapelle in Handenberg (Schiffmann II 1, um 1110) eröffnet worden sein dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den erhalten gebliebenen Handschriften des Archivs ist das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes Konrad I. von 1277/1303 die wichtigste (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Ransh. Lit. 1). Sie enthält neben den beiden - bereits oben im Abschnitt über die wirtschaftliche Entwicklung gestreiften - Urbaren zwei Kopialbücher mit wichtigen Urkundenabschriften. Die vier Teile wurden vermutlich erst im 17. Jahrhundert zu einem Kodex zusammengebund en. Die beiden Kopialbücher enthalten wertvolle Zeugnisse zum Ranshofener Urkundenwesen, darunter Kopien von heute verschollenen Originalurkunden, wie etwa die Abschriften jener beiden Urkundentexte, die als verfälschte Fassungen eines Diploms Kaiser Heinrichs III. für Ranshofen anzusehen sind. Auf fol. 47ff. finden sich Angaben über verschiedene Altarweihen, die Schiffmann im Anhang seiner Ranshofener Baugeschichte publiziert hat (&amp;quot;Die Kirchweih-Chronik von Ranshofen&amp;quot;). Zwei weitere Kopialbücher schrieb am Beginn des 15. Jahrhunderts der Chorherr [[Christian Perger]] aus Eggenfelden (Ransh. Lit. 4 bzw. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein von Propst Philipp Vetterl 1623 angelegtes Urkundenbuch befindet sich im Braunauer Stadtpfarrkirchenarchiv. Es enthält zunächst Kopien von Urkunden, die sich auf die Braunauer Stadtpfarre St. Stephan beziehen, im weiteren Verlauf sind auch andere Stiftungen zugunsten des Klosters oder seiner Filialkirchen in den Text aufgenommen. Zum Archivbestand haben wohl auch der Bericht des Propstes Benno Meier über die niederösterreichischen Besitzungen von 1670 und das von ihm angelegte &amp;quot;Inventarium&amp;quot; von 1665/1687 gehört (vgl. oben die Abschnitte &amp;quot;Wirtschaftliche Verhältnisse&amp;quot; und &amp;quot;Bibliothek&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Bernhard Bischoff: Die südostdeutschen Schreibschulen der Karolingerzeit. Band 2. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Gotische Baukunst in Österreich. Salzburg 1990.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
* Rudolf Guby: Die Kunstdenkmäler des oberösterreichischen Innviertels. Wien 1921.&lt;br /&gt;
* Siegfried Haider: Zum Problem karolingischer Pfalzen in Oberösterreich. In: Baiern, Ungarn und Slawen im Donauraum. Hg. von Willibald Katzinger / Marckhgott, Gerhart. Linz 1991 (Forschungen zur Geschichte der Städte und Märkte Österreichs, 4), S. 11–16.&lt;br /&gt;
* Peter Herde: Ranshofener Urkundenstudien. In: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte 24 (1961), S. 183–228. [http://periodika.digitale-sammlungen.de/zblg/kapitel/zblg24_kap8 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die mittelalterliche Buchkunst der Chorherrenstifte am Inn. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 205–231.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Klemm: Die romanischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München. Teil 1: Die Diözesen Regensburg, Passau und Salzburg. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Sigrid Krämer: Die Bibliothek von Ranshofen im frühen und hohen Mittelalter. Band 2. In: The Role of Book in Medieval Culture. Hg. von Peter Felix Ganz. Turnhout 1986 (Bibliologia Elementa ad Librorum Studia Pertinantia, 4), S. 41–72.&lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme der Chorherrenkirche in Ranshofen. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 6 (1966), S. 179–219.&lt;br /&gt;
* Wilfried L. Lipp: Das ehemalige Augustiner Chorherrenstift Ranshofen - Ein Beitrag zur Kunstgeschichte. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, 149–160.&lt;br /&gt;
* Walther Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften des deutschen Sprachgebietes. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 7 (1971), S. 7–102.&lt;br /&gt;
* Alfred Marks: Oberösterreich in alten Ansichten. Linz 1968.&lt;br /&gt;
* Franz Martin (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Braunau. Wien 1947 (Österreichische Kunsttopographie, 30).&lt;br /&gt;
* August Prenninger: Hinweise zur Bevölkerungsstruktur Ranshofens vom Mittelalter bis zur Bauernbefreiung 1848. In: Rantesdorf 788-1988, 1200 Jahre Ranshofen. Ausstellung vom 28. Mai bis 17. Juli 1988. Hg. von Walter Pilshofer / Rudolf Schmidt. Braunau am Inn 1988, S. 39–44.&lt;br /&gt;
* [[Franz Xaver Pritz]]: Geschichte des aufgelassenen Stiftes der regulirten Chorherren des heiligen Augustin zu Ranshofen in Oberösterreich. In: Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen 17 (1857), S. 327–435. [https://books.google.at/books?id=U5YJAAAAIAAJ&amp;amp;vq=pritz&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA327#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Baugeschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Archiv für die Geschichte der Diözese Linz 5/1 (1908), S. 3–26.&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Aufhebung des Stiftes Ranshofen. In: Unterhaltungsbeilage der Linzer Tages-Post, Nr. 42, Jg. 1911 (15. Oktober 1911).&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Ranshofener Stiftsschule im Zeitalter des Humanismus und der Reformation. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 117 (1972), S. 199–212. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_117a_0199-0212.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Musik im Stift Ranshofen. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 120 (1975), S. 67-110 [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_120a_0067-0110.pdf (Digitalisat)]; 121 (1976), S. 179–222. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_121a_0179-0222.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Überlieferung der Ranshofener Traditionen. Vorbemerkungen zu einer künftigen Neuedition In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 16 (1990), S. 5–16. [https://www.ooegeschichte.at/fileadmin/media/migrated/bibliografiedb/mooela_16_0005-0016.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Das Ranshofener Evangeliar in Oxford (Manuscript Canonici Bible Latin 60 der Bodleian Library). Ranshofen 2012.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in den jüngeren Teilen des Ranshofener Traditionskodex. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 22 (2011), S. 291–320.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in Notizen aus dem ältesten Teil des Ranshofener Traditionskomplex. Zum Erscheinen der Schiffmann-Ausgabe vor 100 Jahren. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 21 (2008), S. 107–142.&lt;br /&gt;
* Hubert Schopf: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen am Inn im Mittelalter 1125–1426. Diss. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1985.&lt;br /&gt;
* Max Schrott: Die Conföderationen unserer Stifte. In: In Unum Congregati 5 (1985), S. 123–154.&lt;br /&gt;
* Georg Swarzenski: Die Salzburger Malerei von den ersten Anfängen bis zur Blütezeit des romanischen Stils. Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
* Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 245–294.&lt;br /&gt;
* Margareta Vyoral-Tschapka: Die Klosteranlage des ehemaligen Augustiner Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege Oberösterreich 160: Festschrift für Georg Heilingsetzer zum 70. Geburtstag (2015), S. 577–616.&lt;br /&gt;
* Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert. Köln 1975 (Kölner historische Abhandlungen, 24).&lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Königsherzogsgut in Oberösterreich. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 3 (1954), S. 101–145.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Zur Rechtsgeschichte des Stiftes Ranshofen und seiner Pfarreien. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 161–170.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Ranshofen</title>
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		<updated>2022-07-14T09:04:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Baugeschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1125&lt;br /&gt;
|Datum bis=1811/10/28&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis Ende des 18. Jahrhunderts)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=&amp;quot;curtis rantesdorf&amp;quot;, Hof Rantesdorf (788)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Pankraz, hl. Michael, hl. Jungfrau Maria&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte== &lt;br /&gt;
===Vorgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Errichtung des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen kurz vor oder im Jahr 1125 knüpfte an Voraussetzungen an, die durch eine damals schon Jahrhunderte währende Geschichte gegeben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen war zunächst ein Hof der bayerischen Agilolfingerherzöge, deren letzter, der unglückliche Tassilo III., im gleichen Jahr durch Karl den Großen seine Herrscherwürde einbüßte, in dem Ranshofen – als &amp;quot;Rantesdorf&amp;quot; – erstmals im Licht einer geschichtlichen Nachricht erscheint. Unter den Nachfolgern Karls des Großen wurde Ranshofen eine königliche Pfalz, ein Ort, der dem Herrscher als Aufenthalt und Verwaltungsstützpunkt diente. Kaiser Arnulf, einer der letzten ostfränkischen Karolinger, ließ hier zwischen 896 und 898 eine dem hl. Pankraz geweihte Kapelle erbauen und stattete sie mit Besitzungen, liturgischen Geräten, kostbaren Glasfenstern und Tapisserien sehr großzügig aus. Ein Priester Ellimprecht – wohl ein Mitglied der kaiserlichen Hofkapelle – erhielt die neu errichtete Pfalzkapelle zunächst als Lehen übertragen. Mit einer Urkunde vom 17. Oktober 898 wandelte Kaiser Arnulf dieses Lehen dann in ein freies Eigentum des Priesters Ellimprecht um. Nach dessen Tod sollte alles dem von Arnulfs Vater in Alt-Ötting gegründeten Säkularkanonikerstift zufallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Monate später fertigte Arnulf dann zugunsten der Ranshofener Pankrazkapelle eine weitere Urkunde aus, die allerdings nur in mittelalterlichen Abschriften überliefert wird. An ihrem Text fällt auf, dass vom Priester Ellimprecht nun keine Rede mehr ist. Als Empfänger der gegebenen Güter erscheinen vielmehr &amp;quot;die Kleriker, die dort den Gottesdienst verrichten&amp;quot;. Aus dieser Formulierung hat man auf die nachträgliche Gründung eines Säkularkanonikerstifts in Ranshofen schließen wollen, über dessen Bestand sonst jedoch keine Nachrichten existieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das weitere Schicksal der Pfalz mit der dazugehörigen Pankrazkapelle ist dann nämlich über Jahrzehnte hinweg völlig ungewiss. Wir wissen nicht, ob schon Herzog Arnulf aus dem Geschlecht der Luitpoldinger, der nach dem Tod von König Ludwig (&amp;quot;dem Kind&amp;quot;) 911 die Herrschaft über Bayern an sich gerissen hatte, im Zuge seiner Enteignungen von Kirchengütern die ursprünglich vorgesehene Schenkung der Ranshofener Kapelle an das Stift Alt-Ötting wieder rückgängig gemacht hat oder ob das Abhängigkeitsverhältnis erst später gelöst wurde. Auch über die Auswirkungen der Ungarneinfälle auf das Gebiet schweigen die Quellen. Erst gegen Ende des 10. Jahrhunderts finden wir hier unter Herzog Heinrich dem Zänker einen bayerischen Landtag versammelt, der die sogenannten &amp;quot;Ranshofener Landgesetze&amp;quot; beschließt. Dessen Sohn, der 1002 zum König gewählte und später zum Kaiser gekrönte Heinrich II. (&amp;quot;der Heilige&amp;quot;) ließ am Weihnachtstag des Jahres 996 – noch als bayerischer Herzog – in der Pfalzkapelle den Mönch [[Gotthart von Niederaltaich]] zum Abt dieses Klosters weihen. Heinrichs Gemahlin Kunigunde schließlich verfügte 1025 über die Ranshofener Pfalz wie über familiären Privatbesitz, indem sie diese zusammen mit anderen Königshöfen gegen Güter des Bistums Freising abtauschen wollte. Der Nachfolger Heinrichs II., König Konrad II., scheint diesen Tausch aber nicht anerkannt zu haben. Jedenfalls gehörte das &amp;quot;praedium Ranteshoven&amp;quot; – so der neue Name der Siedlung seit dem ausgehenden 10. Jahrhundert – mit der dazugehörigen Kapelle weiterhin zum Reichsgut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Gründung – oder Wiederbelebung – eines Kanonikerstiftes verweisen erst wieder zwei Urkunden, die Kaiser Heinrich III. im Jahr 1040 für Ranshofen ausgestellt haben soll. Auch sie sind nur in Abschriften überliefert und gelten der Urkundenforschung in ihrer vorliegenden Gestalt als Fälschungen. Man hat allerdings den Versuch unternommen, in beiden authentische Abschnitte von späteren Zusätzen zu trennen. Dabei begegnet im vermutlich echten Text die Angabe über eine Schenkung von Zehenten zugunsten der in Ranshofen &amp;quot;weilenden Priester ..., damit der Gottesdienst dort täglich gefeiert werde.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutet man dies als Hinweis auf eine Klerikergemeinschaft, so dürfte diese in den Wirren der Zeit des Investiturstreits wieder zerfallen sein. Jedenfalls begegnen in den ältesten Schenkungsnotizen des Ranshofener Traditionskodex, deren Textüberlieferung vor 1070 einsetzt, zunächst nur einzelne Priester der Pankrazkirche, die mehrfach auch als Pfarrer bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte===&lt;br /&gt;
Erste Anzeichen für die erneute Einrichtung einer Kanonikergemeinschaft kann man am Text der Ranshofener Traditionen seit etwa 1120 beobachten. Die hier aufgezeichneten Schenkungen erfolgen jetzt nämlich zugunsten der an der Pankrazkirche &amp;quot;für Gott streitenden Brüder (fratres Deo militantes)&amp;quot;, eine Formulierung, die im Zusammenhang mit Regularkanonikern auch andernorts immer wieder begegnet, vereinzelt freilich auch für Angehörige eines weltlichen Kanonikerstiftes gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicheren Boden gewinnen wir somit erst mit der Schenkungsurkunde des Bayernherzogs Heinrich IX. des Schwarzen (1120–1126) vom 30. Juli 1125, in welcher dieser zusammen mit seiner Gemahlin Wulfhilde in der Ranshofener Pfalz den &amp;quot;an der Pankrazkirche nach der Regel des hl. Augustinus Christus dienenden Brüdern Zehent im Gau&amp;quot; Ranshofen sowie verschiedene Güter übergibt. Auf dieser Urkunde basiert dann auch die Darstellung des bayerischen Historikers Aventin, der in seinem um 1520 geschriebenen &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; annimmt, Herzog Heinrich IX. habe hier im Jahr 1125 auf &amp;quot;Geheiß und Rat&amp;quot; des Salzburger Erzbischofs Konrad I. ein Augustiner-Chorherrenstift gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aventins Annahme ist freilich nur mit gewissen Vorbehalten zu übernehmen, denn eine zu diesem Zeitpunkt erst beschlossene Neugründung eines Klosters wird im Urkundentext ebensowenig erwähnt wie ein Zusammenwirken oder Zusammentreffen mit dem Salzburger Erzbischof. Ein Regularkanonikerkloster wird vielmehr als bereits bestehend vorausgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist die Einführung von Augustiner-Chorherren in Ranshofen vielleicht schon zwischen 1120 und 1125 erfolgt. Der weitere Ausbau des Stiftes zu einem Kloster für Chorherren, Chorfrauen und Konversen dürfte sich allerdings noch über die Zeit Heinrichs IX. hinaus bis in die Jahre der Herrschaft seines Sohnes Heinrich X. des Stolzen (1126–1139) erstreckt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Einrichtung eines Augustiner-Chorherrenstiftes erfasste eine wichtige religiöse Erneuerungsbewegung des Mittelalters Ranshofen. Eine Schlüsselfigur ihrer weiteren Ausbreitung war zweifelsohne der Salzburger Erzbischof Konrad I. (1109–1147). Er gilt als Gründer oder Erneuerer einer großen Zahl von Chorherrenstiften innerhalb und außerhalb seines engeren Diözesanbereiches. So ist seine Einflussnahme bei der Errichtung eines Chorherrenklosters in Ranshofen nicht auszuschließen. Quellenmäßig greifbar wird ein Zusammenhang mit ihm freilich erst um 1138/39. Damals nahm Konrad I. zusammen mit Bischof Roman von Gurk in Ranshofen eine Schenkung von Besitzungen der Ministerialen von Rohr im Kremstal für das Kloster entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Entwicklung im Hoch-und Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
Neben der Gestaltung der Liturgie in der Messfeier und beim Chorgebet war die Seelsorge ein wichtiges Anliegen des neuen Ordens. Da der Ranshofener Seelsorgesprengel sehr umfangreich war, wurden schon damals im weiten Umkreis Kirchen dafür neu gebaut oder vorhandene Kapellen übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ranshofen selbst baute man neben der Stiftskirche eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche. Andere Aufgaben waren die Krankenpflege, die schulische Unterweisung und die wissenschaftlichen Studien. Für letztere benötigte man ebenso wie für den Gottesdienst Handschriften, die zu einem großen Teil in der Schreibstube des Klosters, dem &amp;quot;scriptorium&amp;quot;, von den Chorherren selbst in mühevoller Arbeit hergestellt wurden. Aus Urkunden und Traditionsnotizen kennen wir einige Namen von Pröpsten des 12. und beginnenden 13. Jahrhunderts. Genannt werden ein [[Manegold]], der mit dem Magistertitel ausgezeichnet erscheint, nach ihm [[Meginhard]], [[Altmann (Stift Ranshofen)|Altmann]] und [[Adelhard]], unter dem 1178 das berühmte Evangeliar angekauft wurde, danach [[Liutold]] – wohl identisch mit dem im Evangelienbuch bezeugten Schatzmeister gleichen Namens –, dann nochmals ein Adelhard, der mit dem ersten Propst dieses Namens eine Person sein könnte, schließlich noch [[Etticho]] und [[Wichard]]. In verschiedenen Totenbüchern der Salzburger Diözese wird außerdem ein Propst [[Liutfrid von Ranshofen]] verzeichnet, der nur schwer einzuordnen ist. Vielleicht gehört er an den Anfang der Reihe gestellt, anstelle des von Aventin aus der Urkunde Heinrichs IX. von 1125 übernommenen [[Raffold]]. (Letzterer war vermutlich kein geistlicher Propst, sondern einer der Verwalter des Pfalzgutes.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1140 kam es zu einer Kontroverse mit dem Passauer Bischof Reginbert um die Seelsorgerechte und die daraus erwachsenden Zehentforderungen. Im Zusammenhang damit hat der Passauer Ordinarius den Kanonikern einen ungenannten jugendlichen Propst aufgezwungen, gegen den sie sich mit Erfolg aufgelehnt haben. Freiheit der Propstwahl ist dann auch eines der wichtigsten Rechte, das Ranshofen immer wieder urkundlich zugesichert wird, zum ersten Mal in dem großen Schutzprivileg des Papstes Eugen III. von 1147.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts – inzwischen hatten die Wittelsbacher den durch Kaiser Friedrich Barbarossa abgesetzten Heinrich den Löwen in der Herrschaft über Bayern abgelöst – begann für Ranshofen einer der unruhigsten Abschnitte seiner Geschichte. 1233 plünderten Truppen des Babenbergerherzogs Friedrich des Streitbaren bei Kämpfen mit Herzog Otto II. von Bayern Neukirchen an der Enknach, wobei die dortige Filialkirche zu schwerem Schaden kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Jahre danach, wahrscheinlich 1242, überfielen von der Burg Obernberg kommende Leute des Passauer Bischofs Ranshofen selbst und verbrannten zusammen mit der herzoglichen Pfalz auch die beiden Kirchen. 1250 drohten neue Gefahren. Bischof Rüdiger von Passau war durch den päpstlichen Legaten Albert Beham abgesetzt worden, und Berthold, ein gebürtiger Graf von Sigmaringen, sollte seine Stelle einnehmen. Doch Rüdiger leistete Widerstand und wurde dabei durch den bayerischen Herzog unterstützt. So durchzogen Soldaten des Gegenbischofs im November 1250 neuerlich plündernd den angrenzenden Weilhartsforst und verwüsteten das Land. Die Stiftskirche soll anschließend wieder aufgebaut und 1255 neu eingeweiht worden sein. Doch bald danach wurde das Gebiet um den unteren Inn im Zusammenhang mit Kämpfen zwischen Herzog Heinrich von Niederbayern – das Herzogtum war inzwischen nach dem Tod Ottos II. unter seinen Söhnen geteilt worden – und König Ottokar von Böhmen neuerlich Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen wurde 1266 ein zweites Mal niedergebrannt und dabei fast zur Gänze zerstört. So klagte Propst [[Sifrid]] (1255–1277) in einer Bittschrift an Papst Klemens IV. darüber, dass im Kloster nur mehr drei Leute Unterhalt fänden, während davor 14 Priester und 50 weitere Stiftsangehörige mühelos versorgt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Resignation Sifrids erlebte Ranshofen aber dann unter seinem Nachfolger [[Konrad I.]] (1277–1311) eine Zeit des Wiederaufschwungs. Neben den nun wieder günstigeren äußeren Verhältnissen ist diese Blüte vor allem in der Tatkraft und Zielstrebigkeit jenes Prälaten begründet. Bereits im Jahr seiner Erwählung begann er mit der Anlage eines Privilegienbuches, in das die Urkunden des Klosters in übersichtlicher Form eingetragen werden sollten. In dem angeschlossenen Urbar wurden die Stiftsgüter verzeichnet. Beide Teile hat Propst Konrad I. später in etwas abgewandelter Form nochmals redigiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der schon unter seinem Vorgänger begonnene Neubau der Stiftskirche wurde 1283 abgeschlossen und in Gegenwart des bayerischen Herzogs durch den Bischof von Regensburg eingeweiht. Auch das Kanonissenstift wurde erneuert und Einrichtungen für die Krankenpflege geschaffen. Schon mit Konrads gleichnamigem Nachfolger [[Konrad II.]] (1311–1332) setzte allerdings neuerlich eine Zeit des Niedergangs ein. Später besserten sich die Verhältnisse wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift wurde im 14. und 15. Jahrhundert vielfach durch Privilegien der Herzöge von Bayern und von Österreich ausgezeichnet. Auch Kaiser Ludwig der Bayer und später Maximilian I. reihten sich unter die Förderer ein. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts mehrten sich ganz allgemein die Versuche, dem damals drohenden Verfall der Klöster entgegenzuwirken. Erste Ansätze einer solchen Reform in Ranshofen unter den Pröpsten [[Erasmus Ridmund]] (1435–1444), [[Friedrich Gunderstorfer]] (1444–1448) und Thomas Wittel (1451–1462) zeigten jedoch keinen nachhaltigen Erfolg. Erst der aus dem niederösterreichischen [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] berufene Propst [[Wolfgang]] konnte das Kloster im Sinne einer vom böhmischen Stift Raudnitz ausgehenden Reformbewegung erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Nachdem Ranshofen im bayerischen Erbfolgekrieg trotz bedrohlicher Nähe des Kriegsgeschehens glimpflich davongekommen war, begann 1508 Propst [[Kaspar Türndl]] (1504—1529) mit dem Neubau der Stiftskirche. Gleichzeitig kam es zu einer Blütezeit humanistischen Geistes, die sich in den erhaltenen Handschriften und Frühdrucken aus der Klosterbibliothek spiegelt. Aber auch erste Anzeichen für eine beginnende Auseinandersetzung mit den Lehren Martin Luthers lassen sich von 1520 an beobachten. Eine Steigerung dieser Tendenzen ergab sich unter Propst [[Augustin I. Münich]] (1529—1560). Zeitgenossen rühmten ihn als Freund der Studien und Wissenschaften. Die Stiftsschule war unter seiner Herrschaft eine der größten Unterrichtsanstalten von ganz Bayern. Aus dem Protokoll einer Passauer Kirchenvisitation von 1559/60, der wichtigsten Quelle unserer Kenntnis über die Ausbreitung der Reformation im Innviertel, erfahren wir jedoch, dass die an dieser Schule wirkenden Schulmeister eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der protestantischen Glaubenslehren gespielt haben. Vielleicht steht die bald nach der Visitation erfolgte Resignation des Propstes im Zusammenhang mit seiner toleranten Einstellung gegenüber den Anhängern des neuen Glaubens. Unter seinem Nachfolger [[Adam Gensleitner]] (1560—1587) wurde jedenfalls sehr rasch die Gegenreformation voll zur Geltung gebracht, sodass der römische Kurienkardinal Commendone, der Ranshofen 1569 visitiert hat, den Zustand von Kirche, Kloster und Schule bereits als zufriedenstellend beurteilte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren neuerlichen Verfalls an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert begann nach 1620 eine der glanzvollsten Perioden der Geschichte Ranshofens. Der klostereigenen Geschichtsschreibung gilt sie als das Werk von vier aufeinanderfolgenden Prälaten. Trotz wachsender Bedrohung durch den Dreißigjährigen Krieg erneuerte Propst Philipp Vetterl (1620—1634) nicht nur die schwer darniederliegende Disziplin des Gemeinschaftslebens, sondern begann auch einen frühbarocken Neubau der Klosteranlage. 1628 erhielt der Propst durch Papst Urban VIII. für sich und seine Nachfolger das Recht des Gebrauchs der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1634 kam der bayerische Kurfürst Maximilian I. mit seiner Familie und seinem Hofstaat auf der Flucht vor den schwedischen Truppen, die München besetzt hatten, nach Ranshofen und blieb hier bis zum Frühjahr 1635. Während des Aufenthalts im Kloster starb die Kurfürstin Elisabeth am 4. Jänner 1635.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Gegenwart des Kurfürsten gewählte Propst [[Simon Meier]] (1635—1665) kümmerte sich besonders um die Neuordnung der Bibliothek und um die wissenschaftlichen Studien der Stiftsangehörigen. Propst [[Benno Meier]] (1665—1687) – ein Neffe seines Vorgängers – ließ im Schloss Neukirchen eine theologische Studienanstalt einrichten. Besondere Sorgfalt widmete er dem Stiftsarchiv mit den alten Urkunden. Seinem Ordnungssinn ist es zu verdanken, dass wir für die Zeit seiner Regierung genaue Aufzeichnungen über die vorhandenen Kirchengeräte und einen Katalog der erworbenen Bücher besitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ivo Kurzbauer]] (1687—1715) erneuerte schließlich Kirche und Kloster für ein 1699 gefeiertes &amp;quot;Acht-tägiges hochfeierliches Jubel-Fest&amp;quot; zum Gedächtnis der achthundertjährigen Geschichte der Pankrazkirche und krönte damit die Bestrebungen seiner Vorgänger, eine Entwicklung, die [[Augustin II. Pariser]] (1715—1741) zwar weiterführen, aber nicht mehr steigern konnte. Die barocke Glanzzeit des Stiftes hatte damit ihren Höhepunkt bereits überschritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild, das Ranshofen dann von der Mitte des 18. Jahrhunderts an bietet, ist eher uneinheitlich. Man kann es nur verstehen, wenn man die Erscheinungen von zwei Seiten her eingrenzt: vom Weiterführen überkommener Lebensformen des Barock einerseits und von der damals auch in Bayern bereits einsetzenden Aufklärungsbewegung andererseits. Mit dem Frieden von Teschen (1779) fiel das lnnviertel an Österreich. Dadurch wurden die vom Geist jener Zeit geprägten Reformen Kaiser Josephs II. alsbald auch in Ranshofen wirksam. Im Zusammenhang mit der Neuorganisation des Pfarrnetzes wurden verschiedene Filialkirchen in Pfarrkirchen umgewandelt, die Formen des Gottesdienstes reformiert, die Ranshofener Pfarrkirche St. Michael gesperrt und später abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Abtrennung der Diözese Linz vom Bistum Passau löste altgewohnte Bindungen. Vor allem die Franzosenkriege brachten dann neuerlich große Unruhe in das Kloster. Das Stift wurde einmal von diesen und einmal von jenen Truppen als Militärspital beansprucht. Es kam zu Gewalttaten und Plünderungen. Aber auch die Klostergemeinde selbst war vom Geist der Aufklärung angekränkelt.&lt;br /&gt;
Vor allem der letzte, 1784 gewählte Propst [[Johann Nepomuk Kierl]] gilt als schwach und verschwenderisch. Nach seinem Tod im Jahr 1809 kommt es innerhalb der zerfallenen und in sich gespaltenen Gemeinschaft zu keiner Neuwahl mehr. So findet die von der &amp;quot;Rieder Regierung&amp;quot; während der französischen Besatzung 1810 angekündigte Aufhebung Ranshofen bereits im Zustand der Krise.&lt;br /&gt;
Der Übertritt in den Weltpriesterstand kommt den damals noch hier lebenden Chorherren eher gelegen. Vor der endgültigen Aufhebung am 28. Oktober 1811 brachte man die als wertvoll angesehenen Archivalien in das Hauptstaatsarchiv nach München und einen großen Teil der Bibliotheksbestände in die jetzige Bayerische Staatsbibliothek. Anderes wurde in der ganzen Welt verstreut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammen mit dem, was in Ranshofen selbst heute noch sichtbar ist, legen diese Dokumente ein beredtes Zeugnis ab von der Pflege von Religion, Wissenschaft und Kunst im Chorherrenstift Ranshofen im Verlauf seiner Jahrhunderte währenden Geschichte. Indirekt kann man aus ihnen aber auch ahnen, wie bedeutungsvoll dieses Wirken der Chorherren für jene Menschen gewesen sein muss, die im Umkreis des Klosters gelebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Nachgeschichte===&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung erwarb der bayerische General Graf von Montjoie-Frohberg die Stiftsgebäude und den ausgedehnten Grundbesitz und wandelte einen Teil der ehemaligen Klosteranlage zum &amp;quot;Schloss Ranshofen&amp;quot; um. Anderes wurde abgetragen. Die frühere Stiftskirche blieb als Pfarrkirche erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erster Pfarrer wurde der seinerzeitige Stiftsdechant [[Pankraz Hauser]]. Der Pfarrer war damals einige Jahrzehnte hindurch auch Repräsentant der weltlichen Verwaltung. Erst im Zuge der Reformen bekam Ranshofen im Jahr 1848 eine eigene Gemeindeverwaltung. Auch erhielten die bis dahin unfreien Bauern die Möglichkeit, den Grund und Boden, den sie vorher als Untertanen bewirtschaftet hatten, gegen ein geringes Entgelt als Eigentum zu erwerben.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1851 kaufte dann Ferdinand Wertheimer, der später als Abgeordneter dem oberösterreichischen Landtag angehörte, die &amp;quot;Herrschaft Ranshofen&amp;quot; und wandelte im Lauf der Jahre den immer noch beachtlichen Großgrundbesitz in einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb um. Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland im März 1938 wurde der Wertheimersche Familienbesitz jedoch vom Deutschen Reich &amp;quot;abgelöst&amp;quot;. Im Oktober des gleichen Jahres wurde die vorher selbständige Gemeinde Ranshofen der Stadt Braunau einverleibt und ein Jahr später begann man bereits auf den Wertheimer-Gründen mit dem Bau eines Aluminiumwerkes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute ist man bemüht, das noch Vorhandene zu erhalten und zu pflegen, wobei der Komplex von Kirche und ehemaligem Stift besitzmäßig auf die Diözese Linz, die Stadt Braunau und private Eigentümer verteilt ist. Die Kirche und der Bibliothekssaal im ehemaligen Konventgebäude werden – abgesehen von der liturgischen Verwendung des Gotteshauses – auch für kulturelle Veranstaltungen genützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Will man sich ein Bild von den wirtschaftlichen Verhältnissen des Chorherrenstiftes Ranshofen im Mittelalter machen, wird man zunächst von der Urkunde Herzog Heinrichs IX. von Bayern aus dem Jahr 1125 ausgehen müssen. Sie gilt in der Literatur ja als &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; des Klosters. Als geschenktes Gut werden darin Güter in Handenberg, Braunau und einem – nicht mehr bestimmbaren – Dürrnberg nördlich der Donau sowie verschiedene kleinere Liegenschaften angeführt. Letztere wurden den Regularkanonikern teils als Eigenbesitz, teils als Lehen überlassen. Dazu kamen die herzoglichen Zehenten &amp;quot;im Gau&amp;quot; Ranshofen und die Kirche Enknach (&amp;quot;Enkinacha&amp;quot;) – vermutlich am Ort oder in der Nähe des heutigen Neukirchen an der Enknach gelegen – mit dem dazugehörigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich erst nach Ausfertigung der Urkunde wurde an einer bestimmten Stelle nachträglich noch ein Hinweis eingefügt, dass jene Hörigen, die vorher in der Hand des Herzogs oder des Kämmerers bzw. des – herzoglichen – Propstes gewesen seien, nun auch dem Kloster unterstellt würden. So reichhaltig diese Schenkung gewesen ist, so wird damit keineswegs der gesamte wirtschaftliche Besitz Ranshofens zur Zeit der Gründung des Chorherrenstiftes umschrieben. Die Einrichtung des mittelalterlichen Klosters erfolgte ja nicht in der Einöde eines unerschlossenen Gebietes, sondern knüpfte an eine Jahrhunderte währende Vorgeschichte an. Schon Kaiser Arnulf hatte ja die von ihm erbaute Pfalzkapelle reich mit Gütern ausgestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den umfangreichsten Einblick in die Ranshofener Besitzverhältnisse im hohen Mittelalter gewähren jedoch die Notizen des Traditionskodex, deren Inhalte den Zeitraum von etwa 1070 bis 1250 umspannen, also auch schon vor 1125 einsetzen. Die Texte bezeugen die Übergabe von Gütern im näheren und weiteren Umkreis von Ranshofen, darüber hinaus die Schenkung von 5-Pfennig-Zensualen, sowie von Knechten und Mägden. Wie in anderen Klöstern machen auch in Ranshofen die Selbstübergaben von ehemals freien Personen, in der Absicht, sich unter dem Schutz des Stiftes gegen Übergriffe von Mächtigeren abzusichern, einen beträchtlichen Teil der Zensualenschenkungen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere wichtige Quelle zur mittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte Ranshofens ist dann das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes [[Konrad I.]]. Die Handschrift enthält neben zwei Kopialbüchern zwei Urbare, welche 1277 beziehungsweise 1303 angelegt wurden. Da im älteren Urbar die erste Lage der Handschrift verlorengegangen ist, kann man nur aus dem jüngeren erkennen, dass der Grundbesitz sich damals auf acht Urbarämter verteilte, die im Innviertel (Haselbach, Überackern, Neukirchen/Enknach, Nonsbach und Ranshofen), im oberösterreichischen Kremstal (Rohr) und in den jetzigen bayerischen Landkreisen Rottal-Inn und Alt-Ötting gelegen waren (Kollbach und &amp;quot;Trans Enum&amp;quot;). Dazu kamen noch Weingärten in der Wachau. Im Abgabenverzeichnis über die im Dorf Ranshofen ausgegebenen Lehen werden auch zwei Schuster, ein Schneider, ein Fleischer, ein Koch und ein Bader angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte Ranshofens stiegen in der Folgezeit dann noch durch die Stiftung von Jahrtagen in Form von &amp;quot;Seelgeräten&amp;quot;, das sind Schenkungen zugunsten von jährlich, manchmal sogar wöchentlich zu lesenden Messen für das Seelenheil von Verstorbenen. Ähnliche Stiftungen begegnen auch in den Filialkirchen des Klosters, unter denen die Braunauer Stephanskirche durch die Befestigung der Siedlung und die Stadterhebung im Jahr 1260 bald eine Sonderstellung einnehmen sollte. Kaiser Ludwig der Bayer (1314–1347) stiftete 1345 eine täglich zu lesende Messe für sich und seine Vorfahren und Nachkommen. Gleichzeitig schenkte er dem Kloster jene Güter im Dorf Ranshofen, die bis dahin noch herzoglicher Besitz gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schiffstransport des Klosterweins aus den Weingärten in der Wachau auf Donau und Inn erhielt das Chorherrenstift verschiedentlich Privilegien über die Mautfreiheit, so 1287 vom österreichischen Herzog Albrecht I., die er 1295 und sein Sohn Friedrich der Schöne 1314 nochmals bekräftigten. Eine Bestätigung dieser Privilegien durch Kaiser Maximilian I. erbaten der Propst und das Kapitel von Ranshofen schließlich noch 1498. In einzelnen Fällen hat das Kloster aber auch ältere Besitzungen, die schwer zu bewirtschaften waren oder den erwarteten Ertrag nicht erbrachten, wieder abgestoßen. Ein wertvolles Dokument solcher wirtschaftlicher Veränderungen ist eine von Propst [[Benno Meier]] 1670 verfasste &amp;quot;Relation von den Ranshoverischen in Österreich gelegenen Höf und Weingärten&amp;quot;. Darin verzeichnete der Prälat zunächst alles, was er aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen über die niederösterreichischen Besitzungen Ranshofens in Erfahrung bringen konnte. Es handelte sich um Höfe und Weingärten in Schwallenbach, Spitz, Loiben, Stein, Krems und Gobelsburg in der Wachau und um Weingärten in Kritzendorf bei Klosterneuburg. Zu seiner Zeit waren davon fast nur mehr die Weingärten in Unterloiben – ihre Riednamen sind vielfach bis heute in Gebrauch – dem Stift verblieben. Ihr Zentrum war ein großer Lesehof in Unterloiben nahe der Kirche, der als der heutige &amp;quot;Loibnerhof&amp;quot; identifiziert werden kann. Weil die Kosten-Nutzen-Rechnung des Propstes auch darüber negativ ausfiel, verkaufte er ein Jahr später den ganzen Komplex an das Kloster Tegernsee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen guten Überblick über den Stiftsbesitz und die Untertanen im Bereich von Ranshofen selbst in der Zeit des beginnenden 18. Jahrhunderts gibt ein im Auftrag des Propstes Ivo (1687–1715) durch den bayerischen Geometer Matthäus Paur im Jahr 1714 angelegtes Mappenwerk (&amp;quot;Gruntrys mit angehengter Beschreibung&amp;quot;, in der Literatur im allgemeinen als &amp;quot;Grundriss-Libell&amp;quot; bezeichnet). Der davon erhaltene Teil besteht aus Plandarstellungen aller Besitzungen im Bereich der sogenannten &amp;quot;Hofmark&amp;quot; Ranshofen mit darauf bezogenen Erläuterungen. Diese umfasste damals 81 Häuser, von denen die meisten vom Stift auf Erb- oder Leibrechtsbasis verliehen waren. Etwa die Hälfte davon wurde landwirtschaftlich genutzt. Der Rest war an Gewerbetreibende vergeben, unter denen sich auch ein Saitenmacher, ein Sattler, ein Bierbrauer und ein Metzger aus Braunau finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge der Abtrennung des Innviertels von Bayern durch den Frieden von Teschen ergaben sich während der letzten Jahrzehnte des Bestandes des Klosters Probleme mit der Verwaltung der bei Bayern verbliebenen Besitzungen jenseits des Inn. So wurden etwa im Verlauf der napoleonischen Kriege – Bayern kämpfte damals auf der Seite der Franzosen gegen Österreich – die Erträgnisse von Grundherrschaften, die auf bayerischem Gebiet gelegen waren, für das Stift gesperrt. 1810 schließlich begann man im Zuge der Auflösung die beweglichen Güter und die Wertsachen zu versteigern. Die Einnahmen betrugen 13.000 Gulden, die nach Salzburg, von wo aus kurzzeitig auch das Innviertel verwaltet wurde, abgeliefert werden mussten. Das 400 Joch große Stiftsgut, bestehend aus Äckern, Wiesen, Auen, Gärten und anderem, kaufte am 17. August 1812 der bayerische General und königliche Adjutant Graf Montjoie-Frohberg um 54.000 Gulden. Nur den unteren Teil des Lachforstes und ein Haus in Dietfurt (unterhalb von Braunau) behielt der bayerische Staat für sich zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Die rechtliche Lage der Ranshofener Pfalz war vom ausgehenden 11. bis um die Mitte des 12. Jahrhunderts eine eher wechselhafte. Dies findet auch in der damals beginnenden Geschichte des Chorherrenstiftes seinen Niederschlag. Die Pfalz und die dazugehörende Pankrazkapelle waren ja seit der Karolingerzeit Reichsgut und als solches der Verfügungsgewalt des Königs unterstellt. Den Bayernherzögen war zwischendurch zwar die Nutzung überlassen, sie wurden gegen Ende des 11. Jahrhunderts wegen ihrer reichsfeindlichen Politik im Zusammenhang mit dem Investiturstreit aber wiederholt durch Kaiser Heinrich IV. abgesetzt: zuerst Otto von Nordheim und später Welf I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So begegnet in einer vermutlich 1074 anzusetzenden Traditionsnotiz Kaiser Heinrich IV. selbst als Eigentümer von Ranshofen (&amp;quot;cuius praedium erat, quod Ranshovin vocatur&amp;quot;). Erst seit 1096 wurden die Welfen wieder mit Bayern belehnt und waren damit innerhalb bestimmter Grenzen über das Land am Inn verfügungsberechtigt. Die schwankende Rechtslage von Ranshofen kommt dann besonders in der &amp;quot;Gründungsurkunde&amp;quot; Herzog Heinrichs IX. von 1125 zum Ausdruck. Ihre Textform und ihre Ausstattung schließen sich in vielem dem Vorbild königlicher Siegelurkunden an. Dem Stil der Herrscherurkunden entspricht wohl auch der Hinweis auf die Mitwirkung und Zustimmung von Heinrichs Gemahlin Wulfhilde. Gerade dies ist allerdings rechtlich höchst fragwürdig, da es sich bei den geschenkten Gütern ja nicht um welfischen Eigenbesitz, sondern um dem Herzog überantwortetes Reichsgut handelte, für dessen Vergabe viel eher die Zustimmung des Königs erforderlich gewesen wäre. (Freilich war im Juli des Jahres 1125 nach dem Tod Kaiser Heinrichs V. Lothar III. noch nicht gewählt.) Die Strafformel, welche eine Bußzahlung von 60 Gulden an die Kammer des Königs bzw. des Kaisers bei Eingriffen in das Schenkungsgut vorsieht, bestätigt diese Auffassung. Dennoch versuchte Herzog Heinrich der Löwe später die Meinung durchzusetzen, Ranshofen sei ein Eigenstift seiner Familie, so vor allem, wenn er die dort dienenden Regularkanoniker als zu seiner Kapelle gehörig bezeichnet und die Gründung insgesamt fälschlicherweise mit seinem Vater Heinrich dem Stolzen in Verbindung bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1139 hatte nach dem Tod Heinrichs des Stolzen zunächst der Babenberger Leopold IV. zusammen mit dem Herzogtum Bayern das Reichsgut um Ranshofen erhalten. Er ist jedoch bereits zwei Jahre später verstorben. Damals behielt König Konrad III. dann für kurze Zeit Bayern selbst in der Hand. In diesen Zeitabschnitt fällt das große Schutzprivileg Konrads von 1142, in dem der König die Besitzungen des Chorherrenstiftes, das er eine Gründung seines Urgroßvaters, des Kaisers Heinrich III., nennt, bestätigt. Eine Erwähnung einer Erneuerung durch die Welfen wurde in der Urkunde – offensichtlich aus politischen Gründen – unterdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Jahr belehnte der König den Babenberger Heinrich &amp;quot;Jasomirgott&amp;quot; mit Bayern. Das ist wohl jener &amp;quot;Heinricus Dux Bawariae&amp;quot;, welcher in einer anderen Tradition das an den Obstgarten der Regularkanoniker angrenzende Land am Altar des hl. Pankraz übergibt. Auch erscheint er in dem großen Privileg des Papstes Eugen III. von 1147 als Fürsprecher des Stiftes. Darin wird unter anderem erwähnt, dass der Vogt (&amp;quot;advocatus&amp;quot;) über das Herzogsgut gleichzeitig der Vogt des Klosters Ranshofen sei. Diese Bestimmung wird dann auch im Privileg des Papstes Hadrian IV. von 1158 wiederholt. Diesmal ist jedoch bereits Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, der Schirmherr des Klosters. Friedrich Barbarossa hatte ihn inzwischen 1154 mit dem von ihm zurückgeforderten Bayern belehnt. Schon 1157 hatte Heinrich der Löwe in einer Urkunde verfügt, dass der Vogt nicht nur die herzogliche Pfalz mit deren Untertanen, sondern auch die Stiftsleute an seiner Stelle beschützen und beschirmen sollte. Er habe auch die Klagen der Kanoniker und ihrer Eigenleute anzuhören und ihnen gebührend Recht zu verschaffen. Geld sollte er dafür nicht von ihnen fordern, sondern nur von des Herzogs Kammer nach altem Herkommen seinen Lohn empfangen. Darüber hinaus solle er keine Verfügungsgewalt über das Kloster oder dessen Eigenleute und Besitzungen haben und auch keine Steuern von ihnen eintreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vögte begegnen bereits mehrfach in den frühen Ranshofener Schenkungsnotizen aus der Zeit um 1100. Sie waren damals wohl vom König eingesetzt und hatten die Aufgabe, die unfreien Untergebenen vor Gericht zu vertreten, konnten aber auch selbst Streitigkeiten schlichten und Strafen verhängen. Bei Schenkungen an die Kirche fungierten sie als wichtige Zeugen. In späteren Traditionsnotizen wird fallweise der Herzog selbst als Vogt des Klosters angesprochen, so nach 1180 der Wittelsbacher Otto I. (&amp;quot;tune temporis dux Bawariae et eiusdem loci advocatus&amp;quot;). Nach dem Zeugnis der beiden angeführten päpstlichen Privilegien ließen sich aber schon zuvor die Herzöge in dieser Funktion durch von ihnen bestellte Untervögte vertreten. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts werden diese dann meistens als Richter (&amp;quot;judex&amp;quot;) angesprochen. Ob die Ranshofener Untervögte ihre Stellung – wie etwa in Reichersberg – zur persönlichen Besitzerweiterung und Bereicherung missbraucht haben, ist aus den Quellen nicht mehr zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf verschiebt sich die rechtliche Verfügungsgewalt mehr und mehr zugunsten des Landesfürsten. Der ehemalige Pfalzbereich wird dem herzoglichen Amt Burghausen zugeordnet. Einen Höhepunkt erreicht diese Entwicklung mit Kaiser Ludwig dem Bayern, der in sich ja Königs- und Herzogsamt vereinigte. Von ihm erhielt der Propst 1345 das Recht der niederen Gerichtsbarkeit über alle Stiftsuntertanen. Vögte des Chorherrenstiftes Ranshofen treten in der Folgezeit nicht mehr in Erscheinung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Von den Chorherren, die in der frühen Zeit dem Stift Ranshofen angehörten, kennen wir nur einzelne Namen, die außerdem meistens wenig über ihre soziale Herkunft aussagen. Ein im Traditionskodex vor 1120 mehrfach genannter Pfarrer [[Erenbert]] wird anlässlich der Schenkung seines Gutes Pfaffing in einer der Notizen als &amp;quot;canonicus s. Pancratii mart.&amp;quot; bezeichnet, was ihn als Säkularkanoniker charakterisieren könnte. Ob er später auch noch dem Regularkanonikerkonvent angehört hat, ist ebenso fraglich, wie die – in der Literatur vielfach angenommene – Übernahme der ältesten Augustiner-Chorherren aus dem Salzburger Domstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die ersten Pröpste gibt es vereinzelte Hypothesen ihrer Herkunft, sowohl in genealogischer wie in geistlicher Hinsicht, die freilich einer kritischen Überprüfung kaum standhalten. Einen Ansatzpunkt für die Beantwortung der Frage nach dem sozialen Umfeld der ältesten Ranshofener Regularkanoniker gewinnen wir aus jener Traditionsnotiz von 1138/39, nach welcher der Reichsministeriale Friedrich von Rohr und seine Gemahlin Berta in Anwesenheit des Salzburger Erzbischofs Konrad I. und des Bischofs Roman von Gurk ihr ganzes Gut in Rohr (im oberösterreichischen Kremstal) übergaben, als sie ihren Sohn Richer dem Kloster zur geistlichen Ausbildung anvertrauten. Und in unmittelbarer Nachbarschaft zu dieser Notiz lesen wir im Traditionskodex von der Schenkung eines Eginbert, eines Neffen des Kadelhoch von Rohr, anlässlich seines Eintritts in das Stift (&amp;quot;tradidit semetipsum ad aram s. Pancratii secundum regulam communis vitae ibidem degendum&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu passen auch die spärlichen Angaben, die wir aus einem – nur im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr auszugsweise überlieferten – Ranshofener Nekrolog dieses Zeitabschnitts schöpfen können. Als verstorbene Chorherren wurden darin [[Konrad von Retenbach]], [[Bernhard von Hut]], [[Hartwig von Sattelbogen]], [[Heinrich von Loitzenkirchen]], [[Heinrich von Braunau]], [[Friedrich von Weilhart]], [[Pabo von Ering]] und [[Wilhelm von Mattsee]] genannt. Es sind vorwiegend Familienangehörige der Ministerialen, die aufgrund ihrer Dienste für den König oder den Herzog unfreie Bauernhöfe, Lehengüter, manchmal auch Eigenbesitz im engeren oder weiteren Umfeld Ranshofens, bewirtschafteten und das Kloster von seinen Anfängen an immer wieder beschenkten. Manche dieser Familien – sie werden in den Urkundentexten einmal als Reichsdienstmannen (&amp;quot;ministeriales regni&amp;quot;) und einmal als Herzogsdienstleute (&amp;quot;ministeriales ducis&amp;quot;) bezeichnet, was wiederum mit der schwankenden Rechtslage der Ranshofener Pfalz zusammenzusehen sein dürfte – hatten im Kloster auch ihre Grablege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gleiche Bild zeigen die in das Totenbuch eingetragenen Namen der Chorfrauen, aber auch der Laienbrüder und -schwestern, die im Stift Aufnahme gefunden hatten. Aus der – schon oben erwähnten – Supplik des Propstes Sifrid an den Papst Clemens IV. wissen wir, dass vor den kriegerischen Ereignissen, durch die Ranshofen um die Mitte des 13. Jahrhunderts großen Schaden genommen hatte, vierzehn Priester versorgt worden waren, während zu seiner Zeit der Konvent auf drei Angehörige zusammengeschmolzen war. Auch das Chorfrauenstift war den Zerstörungen zum Opfer gefallen. Unter Propst Konrad I. wurde es jedoch erneuert. Es sollten aber nicht mehr als sechs Frauen aufgenommen werden, von denen eine zur Vorsteherin (&amp;quot;magistra&amp;quot;) bestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Herkunft der Chorherren anlangt, so begegnen in der Folgezeit weiterhin viele Angehörige von Ministerialenfamilien aus dem Umkreis Ranshofens. Mit dem Ausgang des Mittelalters ändert sich dieses Bild. Zunächst verschwinden die Chorfrauen aus den Quellen. Die überlieferten Namensformen der Chorherren lassen erkennen, dass die in das Stift eingetretenen Personen jetzt mehr und mehr bürgerlicher Herkunft waren und daran änderte sich auch in der Neuzeit nichts. Die Unterlagen, die darüber Auskunft geben, sind vor allem der Visitationsbericht von 1559/60, ferner zwei Namenskataloge der Ranshofener Chorherren von 1665 und 1687 im &amp;quot;Inventarium&amp;quot; des Propstes Benno Meier und schließlich zwei Nekrologaufzeichnungen, die von 1619 bis 1771 reichen (Bayerische Staatsbibliothek München, Clm. 12721, fol. 135-141).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Aufhebung im Jahr 1811 traten die verbliebenen Chorherren in den Weltpriesterstand über. Der St. Florianer Historiker Franz Xaver Pritz schreibt dazu: Einer der Chorherren weinte über dieses Schicksal, die Anderen verließen das Stift ohne Leid und Freude. Jeder erhielt eine Pension von 600 Gulden Reichs-Währung, die später um 100 Gulden vermindert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der Bücherbestand der Ranshofener Klosterbibliothek wurde durch die Aufhebung des Augustiner-Chorherrenstiftes in alle Winde verstreut. Dies gilt zunächst für die alten Handschriften, von denen der größte Teil 1811 nach München abtransportiert und in der jetzigen Bayerischen Staatsbibliothek untergebracht wurde. Andere Ranshofener Kodizes sind während des 19. Jahrhunderts vorwiegend über den Antiquariatshandel in verschiedene andere Bibliotheken gelangt: drei liegen – &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;nach derzeitigem Wissensstand&amp;lt;/span&amp;gt; – in der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin, drei in der Bodleian Library in Oxford, zwei in der russischen Staatsbibliothek in St. Petersburg, um die zwanzig schenkte ein Augsburger Antiquar nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 der Straßburger Universitätsbibliothek, Einzelstücke wurden schließlich noch in Linz (OÖ. Landesbibliothek), in Paris, in Budapest und in New York (Library of Saint Bonaventura College) festgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Provenienz der Handschriften bei der Katalogisierung soweit wie möglich erfasst wurde, ist es bei den gedruckten Büchern meistens schwieriger, ihre Ranshofener Herkunft nachzuweisen. Eine Reihe von Inkunabeln und Frühdrucken aus dem 16. Jahrhundert kamen bereits 1784 anlässlich der Abtrennung der Diözese Linz vom Passauer Bistum im Zusammenhang mit der Errichtung eines Priesterseminars an die jetzige Bibliothek der Katholisch-theologischen Hochschule in Linz. Nur wenige Einzelstücke verblieben im Raum von Ranshofen und Braunau. Erst mit der breiteren Überlieferung von Ranshofener Handschriften aus dem 12. und 13. Jahrhundert wird eine verhältnismäßig sichere Beantwortung der Fragen nach dem Skriptorium und der Bibliothek des Chorherrenstiftes im hohen Mittelalter möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgangspunkt der diesbezüglichen Überlegungen war dabei zunächst jenes Ranshofener Evangeliar, das die Bodleian Library in Oxford aus dem Nachlass des venezianischen Ex-Jesuiten Luigi Canonici 1817 erworben hat (Canon. Bibi. Lat. 60). Den vier Evangelien sind jeweils ganzseitige Deckfarbenminiaturen der einzelnen Evangelisten vorangestellt; im Zusammenhang mit der Passionsgeschichte begegnet innerhalb des Johannesevangeliums auch eine ganzseitige &amp;quot;Kreuzigung Christi&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Zur künstlerischen Ausgestaltung gehören weiters die Kanontafeln und kunstvolle Initialen von verschiedener Form und Größe. Den reichsten Schmuck zeigen hier die zu Zierseiten ausgestalteten Textanfänge. In einer Eintragung am Schluss der Handschrift werden der Propst Adelhard von Ranshofen und der Schatzmeister Liutold im Zusammenhang mit der Bezahlung des 1178 vollendeten Buches erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Swarzenski hat als erster die große Stilverwandtschaft der Deckfarbenminiaturen des Ranshofener Kodex mit denen eines Evangeliars, das bei der Aufhebung des Benediktinerstiftes Mondsee in die Österreichische Nationalbibliothek gelangt ist (Cvp. 1244), aufgezeigt. Da nun im Mondseer Evangeliar ein &amp;quot;Liutoldus monachus&amp;quot; von sich sagt, er habe die Handschrift geschrieben und seinem Können gemäß ausgeschmückt, hat Swarzenski erwogen, den Mönch Liutold mit dem Ranshofener Thesaurar gleichen Namens zu identifizieren. Diese These verfestigte sich dann zur Annahme einer Ranshofener Schreib- und Malschule, als deren Mittelpunkt man den von Mondsee nach Ranshofen übergewechselten Liutold ansehen wollte. In den letzten Jahrzehnten setzte sich jedoch mehr und mehr die Meinung durch, das Ranshofener Evangeliar sei mit einem Salzburger Skriptorium (am ehesten im Benediktinerstift St. Peter) in Verbindung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Salzburger Herkunft wird heute auch für eine dreiteilige lateinische Bibelhandschrift angenommen, von der bis vor kurzem nur die beiden ersten Bände mit Texten aus dem Alten Testament, die bei der Aufhebung Ranshofens nach München kamen (Clm. 23039, Clm. 12601), bekannt waren. Erst im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zur Reichersberger Chorherrenausstellung von 1984 fand Kurt Holter heraus, dass sich der dazugehörige dritte Teil mit dem Psalter und den Schriften des Neuen Testaments ebenfalls in Oxford befindet (Canon. Bibi. Lat. 76). Jeder der drei Bände ist mit verschieden gestalteten Federzeichnungs- oder Deckfarbeninitialen ausgeschmückt. Leider wurden einzelne von ihnen durch nachträgliche Übermalungen entstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den zahlreichen übrigen Ranshofener Handschriften des hohen Mittelalters (mit Werken der Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor dem Großen, ferner Schriften des Kirchenlehrers Isidor von Sevilla, der Symbolisten Rupert von Deutz, Hugo von St. Victor und Bernhard von Clairvaux sowie des der Frühscholastik nahestehenden Honorius Augustodunensis) hat Elisabeth Klemm die der Bayerischen Staatsbibliothek gehörenden eingehend untersucht und genau beschrieben. Für eine Reihe von ihnen nimmt sie mit Sicherheit eine Entstehung in Ranshofen an (Clm. 12608, Clm. 12613-12616, Clm. 12631, Clm. 12633, Clm. 12641 und Clm. 23603), für andere gilt ihr das zumindest als wahrscheinlich. So lässt dies auf den Bestand eines Skriptoriums seit der Einrichtung des Regularkanonikerstiftes schließen, in dem die meisten der weniger anspruchsvollen Gebrauchshandschriften hergestellt worden sein dürften. Nur für besonders repräsentative Kodizes scheint man auf qualitativ leistungsfähigere Werkstätten zurückgegriffen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Hinweis auf den frühen Verlust von Büchern erhalten wir aus einem Bericht der &amp;quot;Mattseer Annalen&amp;quot; über einen Überfall von Kriegsleuten des Passauer Bischofs auf Ranshofen, der dort zwar zum Jahr 1250 überliefert wird, höchstwahrscheinlich aber auf das Jahr 1242 anzusetzen ist. Damals sei das Kloster geplündert und die Pfarrkirche St. Michael in Brand gesteckt worden. Missalien und Bücher, welche der schulischen Unterweisung gedient haben, seien dabei zugrunde gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen freilich nur unvollständigen Überblick über den alten Ranshofener Bücherschatz vermittelt ein um die Mitte des 14. Jahrhunderts geschriebenes Fragment eines Bibliothekskatalogs, der nachträglich in einen Kodex mit der &amp;quot;Legenda aurea&amp;quot; des Jacobus de Voragine eingebunden worden ist (Clm. 12643, fol. 356). Die verzeichneten Handschriften sind in zwei Gruppen aufgegliedert. Zuerst wird eine Reihe von 89 Kodizes aufgezählt, von denen es heißt, sie würden oberhalb der Sakristei des Prälaten aufbewahrt, womit ein Hinweis auf die Lage der Bibliothek während des Mittelalters gegeben erscheint. Die zweite Gruppe wird als in einem langen Kasten befindlich beschrieben. Hier bricht die Reihe allerdings mitten im 21. Titel ab. Das folgende Blatt mit der Fortsetzung ist verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das bedeutendste Denkmal humanistischen Geistes, welches Ranshofen hervorgebracht hat, war wohl das über Anregung des Propstes Kaspar Türndl bereits 1517 hier begonnene &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; des bayerischen Historikers Aventin. Aventin selbst kennzeichnet seinen Versuch einer auf die Quellen zurückgehenden Geschichtsdarstellung im Sinne seines Lehrers Konrad Celtis in der Vorrede durch den Hinweis auf sein Studium der alten Urkunden, des Traditionsbuches und der Kodizes der Stiftsbibliothek. Dass seine Ergebnisse einer kritischen Überprüfung nicht immer standhalten, steht außer Frage. Dennoch war seine Arbeit maßgeblich für alle späteren Darstellungen der Geschichte Ranshofens. Eine Handschrift des Werkes gelangte nach der Aufhebung des Klosters in das OÖ. Landesarchiv nach Linz, eine weitere Abschrift als Geschenk des letzten Stiftsdechants Pankraz Hauser nach Reichersberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die humanistische Gesinnung von Propst Augustin I. Münich bezeugt die Widmungsschrift an den Propst zu den in Sophonias Pämingers &amp;quot;Poematum libri duo&amp;quot; von 1557 veröffentlichten Elegien seines Bruders Balthasar Päminger. Den reformatorischen Tendenzen der Zeit entsprechend nimmt es nicht wunder, wenn im Bericht der Passauer Diözesanvisitationskommission von 1559/60 am Büchervorrat Kritik geübt wird. Zwar fand man in der &amp;quot;Liberei&amp;quot; viele &amp;quot;guete katholische Authores&amp;quot;; aber in einem Stüblein wurden neben unverdächtigen Büchern auch elf Schriften mit protestantischem Inhalt entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit dem Neubau des Konventgebäudes unter den Pröpsten Philipp Vetterl und Simon Meier Mitte des 17. Jahrhunderts wurde ein neuer Bibliotheksraum im Südtrakt des Klosters eingerichtet. Der Ranshofener Stiftsdechant Hieronymus Mayr verfasste damals sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot;, ein zweibändiges Geschichtswerk über Ranshofen. Der erste Band ist in vier Teile gegliedert. Enthalten sind Angaben über den hl. Pankraz, über Gründer und Wohltäter von Kirche und Kloster, über die Lebensweise der Chorherren, aber auch Verzeichnisse der Konventsmitglieder aus älterer und jüngerer Zeit. Der abschließende vierte Teil bringt eine nach den Pröpsten geordnete Stiftsgeschichte bis 1634. Die Titelseite zeigt in Form einer Federzeichnung das Aussehen des Klosters nach der Erneuerung. Dieser Band ist heute im Besitz des OÖ. Landesarchivs. Die Fortsetzung dazu über die Jahre von 1635 bis 1665 befindet sich in der Bibliothek des [[Stift St. Florian|Chorherrenstiftes St. Florian]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Quelle für unsere Kenntnis der Ranshofener Bibliotheksgeschichte während des ausgehenden 17. Jahrhunderts ist ein &amp;quot;Inventarium der geistlichen Sachen des Stiftes Ranshofen&amp;quot;, das Propst Benno Meier anlässlich seiner Resignation 1687 anfertigen ließ. Es enthält neben Inventaraufschreibungen und zwei Namenskatalogen der Ranshofener Chorherren vor allem eine katalogartige Liste sämtlicher unter seiner Herrschaft angekauften Druckwerke (&amp;quot;Libri comparati&amp;quot;). Einige der genannten Bücher befinden sich heute in der Braunauer Studienbibliothek. Ranshofener Herkunft ist wohl auch für den dort ebenfalls vorhandenen Bericht über die Ranshofener 800-Jahr-Feier von 1699 (&amp;quot;Saeculum octavum&amp;quot;, Augsburg 1702) vorauszusetzen. Nach der Widmung an Propst Ivo Kurzbauer werden im ersten Teil die Texte der Predigten, die während des &amp;quot;Acht-tägigen hoch-feyerlichen Jubel-Festes&amp;quot; von verschiedenen Kanzelrednern gehalten wurden, abgedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
===Baugeschichte=== &lt;br /&gt;
Der älteste Kirchenbau in Ranshofen war die zwischen 896 und 898 durch Kaiser Arnulf errichtete und dem hl. Pankraz geweihte karolingische Pfalzkapelle. Eine in der älteren Forschung diskutierte noch frühere Marienkapelle ist quellenmäßig nicht zu belegen. Diese Pfalzkapelle wurde dann mehr als zwei Jahrhunderte später zur ersten Klosterkirche des Augustiner-Chorherrenstiftes umgewandelt. Bei seiner Einrichtung überließ der damals hier herrschende Bayernherzog den Regularkanonikern seine Kapelle für den Gottesdienst. Als Seelsorgekirche wurde daneben eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche gebaut. Leider ist von der alten Pfalzkapelle – ebenso wie von der Königs- beziehungsweise Herzogspfalz, zu der sie gehörte – kaum mehr etwas erhalten geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grabungen, die der um die Archäologie der Umgebung von Braunau bemühte Maler Hugo von Preen zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Auftrag der k.u.k. Zentralkommission durchführte, blieben ohne nennenswerte Ergebnisse. Nur in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Stiftskirche stieß er auf Reste alter Grundmauern, die man mit der Pfalz in Verbindung bringen konnte. Im Zusammenhang mit einer Nachricht aus den &amp;quot;Mattseer Annalen&amp;quot; über die Zerstörung Ranshofens im Jahr 1242, aus der hervorgeht, dass die Pfalz damals zwischen dem Kloster und der Pfarrkirche St. Michael gestanden war, leitete Schiffmann dann aufgrund dieser Grabungen die Hypothese ab, die Pfalz sei westlich von der Pfalzkapelle, etwa an der Stelle, wo das Hauptschiff und der Turm der heutigen Kirche stehen, gelegen gewesen. Die Pfalzkapelle selbst aber – damals noch nicht größer als das jetzige Presbyterium – habe den Ostabschluss des Pfalzgebäudes gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Neubau des Chorherrenklosters oder eine Erweiterung des vorher ja schon anzunehmenden Säkularkanonikerstiftes nach 1125 ist naheliegend. Höchst fragwürdig erscheint allerdings eine Kirchweihnotiz für das Kloster und den &amp;quot;Pankrazaltar&amp;quot; (&amp;quot;monasterium et altare s. Pancratii&amp;quot;) von 1135. Sie nennt nämlich neben dem weihenden Bischof Reginbert von Passau den Kaiser Heinrich II., eine Reihe von Bischöfen und einen Herzog Heinrich von Bayern und Sachsen als Anwesende. Reginbert wurde allerdings erst 1138 Passauer Bischof (sein Vorgänger hieß Reginmar) und der Kaiser und die übrigen Bischöfe scheinen aus der verfälschten Urkunde Kaiser Heinrichs III. von 1040 übernommen zu sein. Nur Herzog Heinrich X. (der Stolze) von Bayern, der allerdings auch erst 1137 zusätzlich mit Sachsen belehnt worden war, käme als &amp;quot;Zeitzeuge&amp;quot; in Betracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach schweren Schäden, die Kirche und Kloster bei den kriegerischen Überfällen von 1242, 1250 und 1266 erlitten hatten, wurden beide wiederhergestellt und schließlich 1283 durch den Regensburger Bischof Heinrich neu eingeweiht. Die kunstgeschichtliche Forschung vermutet für die Kirche einen Bau im Stil der frühen Gotik. Reste von zwei säulentragenden Steinlöwen und drei Medaillonbilder an der südlichen Außenmauer des Chores, die stilistisch zu dieser Bauperiode gehören, lassen jedenfalls erkennen, dass beim spätgotischen Kirchenbau zu Beginn des 16. Jahrhunderts zumindest ein Teil des Mauerwerks übernommen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1337 stiftete der Braunauer Bürger Ulrich Schön eine Friedhofskapelle (Karner), die dem Hl. Geist und dem hl. Oswald geweiht wurde. Sie ist als achteckiger Tuffsteinbau mit spitzbogigem Portal und drei Fenstern erhalten geblieben. Im Inneren enden die von verschieden gestalteten Konsolen ausgehenden Rippen in einem Schlussstein mit großer Rose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Seelsorgekirche wurde 1474 von Propst Wolfgang der Grundstein zu einem gotischen Neubau gelegt. Auf den ältesten erhaltenen Abbildungen ist ihr Turm noch mit einem spitzzulaufenden Helm gedeckt. Als ältestes Element des Um- bzw. Neubaus der Stiftskirche ist die unter Propst Blasius Rosenstingl (1494–1504) neu gestaltete Marienkapelle (&amp;quot;Rosenkranzkapelle&amp;quot;) anzusehen, die später – als ostseitiger Abschluss des nördlichen Seitenschiffs – in die Konstruktion der Kirche einbezogen wurde. Von diesem unter Propst Kaspar Türndl (1504–1526) errichteten spätgotischen Bau ist freilich heute kaum mehr etwas zu erkennen, wenn man von der schlichten Außenerscheinung mit den glatt geputzten Wänden, dem Tuffsockel und den dreifach gestuften Stützmauern des Langhauses absieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Inneren ist die gotische Baukonstruktion fast zur Gänze durch die Umformungen der Barockzeit verdeckt. Nur das einfache Kreuzrippengewölbe des oberen Konventchores oberhalb der Sakristei ist vom Kirchenschiff aus noch sichtbar. Im Hinblick auf die der gleichen Bauperiode angehörenden Bauten der Ranshofener Filialkirchen in Neukirchen/Enknach und Hochburg, vor allem aber der Bürgerspitalskirche in der nahen Stadt Braunau, die als inkorporierte Pfarre ja ebenfalls an das Stift gebunden war, spricht Brucher in seiner Darstellung der &amp;quot;Gotik in Österreich&amp;quot; von einer Innviertler Bautengruppe, die nachhaltig im künstlerischen Ausstrahlungsbereich des Hans von Burghausen stand. Eine Nähe solcher Tendenzen wird man für die Stiftskirche selbst zumindest hypothetisch voraussetzen dürfen, auch wenn der Nachweis dafür nur schwer zu erbringen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild der baulichen Entwicklung Ranshofens ist in den folgenden Jahren von der Barockisierung geprägt, die in mehreren Phasen vor allem dem Innenraum der Stiftskirche ein völlig neues Aussehen verlieh. Die ersten Ansätze dazu sind schon für die Zeit von Propst Hilarius Steyrer (1610–1620) überliefert. Zu großen Veränderungen kam es unter seinem Nachfolger, Propst Philipp Vetterl (1620–1634). 1621 war der Turm der Stiftskirche eingestürzt. In der Folge ließ der Propst – er wird in der Grabinschrift als &amp;quot;architectus insignis&amp;quot; gerühmt – einen neuen bauen, der allerdings weiter nach Westen verlagert wurde, da man zwischen Turm und Kirchenschiff eine halbrunde Westkonche einschob. Diese diente der Errichtung einer Musikempore, auf der eine damals neu angeschaffte Orgel aufgestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1624 begann Propst Philipp auch noch mit der Erneuerung des Stiftsgebäudes, wofür er aus Italien Maurer berief (&amp;quot;ex Italia murarios conducens&amp;quot;). Im Stadium seines vollen Ausbaus, wie es Ansichten aus der Zeit nach 1700 sichtbar machen, bestand das Kloster mit seinen Nebengebäuden aus drei in Nord-Süd-Richtung aneinander anschließenden Gevierten: dem Konventgebäude mit der Prälatur, der Dekanei und der Bibliothek, einem verbindenden Zwischengebäude und dem Meierhof mit dem Bräuhaus. Nach Osten zu waren verschiedene Gärten angelegt (der Blumengarten, der Konventgarten, der Baumgarten und der sogenannte &amp;quot;Kuchelgarten&amp;quot;). Das Ganze wurde von einer Einfriedungsmauer mit einem Torturm umschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1650 standen davon nur der unter Propst Philipp erbaute Konventtrakt und der Meierhof, den Propst Philipps Nachfolger, Propst Simon Meier (1634–1665), neu errichten ließ. Als Baumeister hat Martin dafür einen Bartolomeo Viscardi ausfindig gemacht, der sich in einem Kommissionsprotokoll der Jesuitenkirche in Burghausen als &amp;quot;Stift Ranshofenscher Baumeister&amp;quot; bezeichnet. Schon vorher nannte Schiffmann einen Kaspar Regeton, der 1624/25 auch am Stiftsneubau in Reichersberg beteiligt war. Ulm hat ihn als einen Kaspar Righettoni aus Castenada im Misoxtal in Graubünden identifiziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verbindungstrakt zwischen Konventgebäude und Meierhof entstand erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts, ebenso ein westlich von der Stiftskirche ausgeführter Gasttrakt. Die umfangreichsten Veränderungen an der Stiftskirche wurden unter Propst Ivo Kurzbauer (1687–1715) im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 vorgenommen. Abgesehen von der großzügig erneuerten Innenausstattung kam es zu zahlreichen Eingriffen in die Bausubstanz der Kirche, die alle dem Zweck dienen sollten, den Innenraum in Einklang mit dem barocken Gesamtbild zu bringen. Dazu gehörten vor allem eine Erweiterung der Fensterflächen, das Abtragen einiger Pfeiler, die von außen das Kircheninnere verfinsterten, und schließlich im Chor die Konstruktion einer in den Dachraum hineinragenden Kuppel, um so dem neuen Hochaltar eine entsprechende Höhenausdehnung zu ermöglichen. Propst Ivo begann auch noch mit dem Bau eines neuen Turmes mit barockem Helm für die Pfarrkirche [[St. Michael]], der unter seinem Nachfolger, Propst Augustin II., nach 1715 fertiggestellt wurde. 1799 wurde diese Kirche jedoch zur Gänze abgetragen. Das dabei freigewordene Material verwendete man zum Ausbau der Festung Braunau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert wurden nach der Aufhebung und der damit verbundenen Profanierung des Stiftes der nördliche und der östliche Teil des Konventgebäudes abgetragen. 1859 brannte der Turm der ehemaligen Stiftskirche aus, wobei die Barockorgel völlig zerstört wurde. Die spitze Helmform, welche der Turm beim Wiederaufbau erhielt, könnte als unbeholfener Versuch einer Regotisierung gemeint gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildende Kunst=== &lt;br /&gt;
Abgesehen von den kunstgeschichtlich wertvollen romanischen Handschriften sind nur ganz wenige mittelalterliche Denkmäler der bildenden Kunst aus Ranshofen erhalten geblieben. Zu nennen sind hier zunächst jene drei Medaillonbilder im sogenannten &amp;quot;Rollgang&amp;quot; an der südlichen Außenmauer des Chores der ehemaligen Stiftskirche vom Beginn des 14. Jahrhunderts. Sie wurden in der älteren Literatur als Apostelköpfe gedeutet, zuletzt wurde auch erwogen, ob man sie nicht mit einer Notiz Aventins in Zusammenhang bringen könnte, nach der die Bischöfe Reginbert von Passau und Heinrich von Regensburg auf Fresken dargestellt waren. Dem gleichen Zeitabschnitt sind stilistisch jene zwei säulentragenden Portallöwen aus Ranshofen zuzuordnen, die heute die Besuchergarderobe im Braunauer Bezirksmuseum behüten. In der Stiftskirche selbst ist noch die schön gestaltete gotische Grabplatte des Propstes Blasius Rosenstingl, die dem Salzburger Bildhauer Hans Valkenauer zugeschrieben wird, zu sehen. Rosenstingls Verehrung der Gottesmutter - er hat ja auch den Neubau der Marienkapelle durchgeführt - findet darauf in einer Darstellung der hl. Maria, die von zwei musizierenden Engeln begleitet wird, beredten Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Umkreis der Ranshofener Filialkirchen wären noch zwei qualitativ hervorragende Holzreliefs mit Darstellungen des Marientodes in Hochburg (um 1490) und in Neukirchen/Enknach (um 1510) hervorzuheben sowie eine Monstranz aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert, die der heutigen Pfarrkirche in Handenberg gehört, ferner der &amp;quot;Bäckeraltar&amp;quot; in der Braunauer Stadtpfarrkirche. Obwohl für die Zeit des beginnenden Barock mehrfach über Altarerneuerungen in Ranshofen berichtet wird, ist kaum etwas namhaft zu machen, was aus dieser Periode an kunstgeschichtlich Bedeutsamem erhalten wäre. In jüngerer Zeit hat allerdings Lipp die Herkunft einer im Braunauer Bezirksmuseum aufgestellten Holzplastik aus Ranshofen aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts von einem Ranshofener Altarwerk zur Diskussion gestellt. Diese wollte man aufgrund der Krone und der Reichsinsignien früher als eine Darstellung des Kaisers Arnulf ansehen. Lipp deutete sie als den heilig gesprochenen Kaiser Heinrich II., der ja im klostereigenen Geschichtsverständnis einen besonderen Stellenwert einnahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge mit einem Altarwerk der Stiftskirche werden auch für Holzplastiken des hl. Pankratius und vier Engelfiguren aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts vermutet, die heute als Aufsatzfiguren der Orgel dienen. Zwei herausragende Stücke kunstgewerblicher Arbeit sind schließlich noch die Monstranz und der Kelch, welche 1682 durch Propst Benno Meier bei dem Augsburger Goldschmied Georg Reischle in Auftrag gegeben wurden. Beide Geräte sind aus Silber gefertigt, teilweise vergoldet und mit Halbedelsteinen geschmückt. Zahlreiche Emailmedaillons mit Szenen aus dem Leben Christi gehören zur künstlerischen Ausstattung des Ensembles. Dazu kommen weitere Medaillons mit Grisaillebildern der Rosenkranzgeheimnisse, welche das herzförmige Fenster der Monstranz einrahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erscheinungsbild, das heute den Besucher der ehemaligen Stiftskirche in Ranshofen empfängt, ist geprägt von der großzügigen Umgestaltung, welche das Innere im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 erfahren hat. Dies gilt sowohl von den damals neu aufgestellten Altären als auch von den Deckenfresken im Haupt- und im nördlichen Seitenschiff. Die Bilder des monumental wirkenden Hochaltars, die Enthauptung des hl. Pankraz und darüber (als Aufsatzbild) die hl. Dreifaltigkeit darstellend, stammen von dem in Braunau geborenen bayerischen Hofmaler Johann Kaspar Sing. Sie werden von einem Aufbau aus gewundenen Säulen, Akanthusranken und einer Reihe von Heiligenfiguren eingerahmt, der dem Braunauer Bildhauer Sebastian Hagenauer zugeschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein genaueres Hinsehen verdient die Deckengestaltung mit der Stukkaturverzierung und den beiden Freskenzyklen zur Pankrazvita (im Chor und im Hauptschiff) und zum Marienleben (im nördlichen Seitenschiff). Das Besondere daran sind eine Fülle kleiner Emblembilder, die um die erzählenden Hauptbilder herum gruppiert sind und das dort dargestellte Geschehen kommentieren bzw. erläutern, eine Darstellungsform, die sich im Hochbarock einer gewissen Beliebtheit erfreute und der zahlreiche Handbücher gewidmet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reihe der Pankrazbilder etwa beginnt im Chorraum über dem Hochaltar mit einem Mittelbild, das die Unterweisung des jungen Pankraz durch den Papst zeigt. In zwei kleineren, flankierenden Seitenbildern wird die Landung des aus Phrygien stammenden Jünglings mit seiner Begleitung in Ostia bzw. der Empfang der Reisegruppe am Tor des päpstlichen Palastes geschildert. Die dazugehörenden Emblembilder zeigen eine Uhr, eine Sonnenblume, eine Feuerwerksrakete und eine Nachteule. Die Uhr, deren im Gehäuse verborgenes Werk die Zeiger treibt, symbolisiert die geheime Kraft, die den jungen Pankraz auf seine Reise trieb. Die Sonnenblume, die sich sogar der hinter Wolken versteckten Sonne zuwendet, verweist auf den Weg zum Glauben, den er auch durch Hindernisse unbeirrt geht. Die brennend zum Himmel aufsteigende Feuerwerksrakete ist ein Bild für den Feuereifer, mit dem der junge Mann seinen Weg zu Gott sucht. Die Nachteule schließlich, die von der aufgehenden Sonne vertrieben wird, zeigt seine Erleuchtung durch den päpstlichen Religionsunterricht an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer dieses komplizierte Bildprogramm entworfen hat, wissen wir nicht. Am ehesten ist an Propst Ivo Kurzbauer selbst zu denken. Die Ausführung der Bilder schreibt Martin in der Kunsttopographie des Bezirkes Braunau aufgrund einer Eintragung in den Ehematriken der Ranshofener Kirche dem Laienbruder Christof Lehrl aus dem bayerischen [[Chorherrenstift Högelwörth]] zu. Lehrl wird dort zusammen mit zwei Stukkateuren als Trauzeuge bei der Hochzeit des Malers Josef Pöckl aus Teisendorf, der später in Uttendorf ansässig war, genannt. Dass dieser Pöckl auch an den Fresken mitgemalt haben dürfte, ist Martin entgangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Signatur &amp;quot;I.P.&amp;quot; bei einem der Fresken des Seitenschiffs könnte aber mit &amp;quot;Iosephus Pöckl&amp;quot; aufzulösen sein. Dieses Monogramm findet sich übrigens auch bei einem der &amp;quot;Autorenbilder&amp;quot;, mit denen zur gleichen Zeit die Decke der Bibliothek im Konventtrakt ausgeschmückt wurde, wieder. Unter Propst Augustin II. Pariser wurde um 1730 die Rosenkranzkapelle mit Fresken ausgeschmückt, in den letzten Jahrzehnten des Bestehens des Chorherrenstiftes ist dann noch die Ausgestaltung von Teilen des Prälatentraktes mit Stuckverzierung von Johann Baptist Modler aus Kößlarn hervorzuheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikpflege==&lt;br /&gt;
Die einzige zur Gänze erhaltene mittelalterliche Musikhandschrift aus dem Chorherrenstift Ranshofen ist ein &amp;quot;Breviarium sive ordo&amp;quot; genannter Kodex des 13. Jahrhunderts in München (Bayerische Staatsbibliothek, Clm. 12635 B). Sie verzeichnet und erläutert die Reihenfolge der Gesänge für das Stundengebet und die Messe für die einzelnen Festtage im Verlauf des Kirchenjahres. Als Vorlage des Ranshofener Kodex ist ein &amp;quot;Ordinarium&amp;quot; des Salzburger Domstiftes aus dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts anzusehen (Universitätsbibliothek Salzburg, Cod. M II 6). Über weite Strecken textgleich mit der Ranshofener Handschrift ist außerdem der Vorauer Cod. 99, der ebenfalls dem 13. Jahrhundert angehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonderes Interesse seitens der Wissenschaft fand in diesen miteinander verwandten Handschriften die Aufzeichnung der &amp;quot;Visitatio sepulcri&amp;quot;, eines gesungenen geistlichen Spiels innerhalb der Osternachtsliturgie, in dem der Besuch der Frauen am Grabe Jesu, ihre Botschaft an Petrus und Johannes und deren Wettlauf zum leeren Grab in einer sehr zeremoniösen Weise dargestellt werden. Den Schluss bildet das vom Volk gesungene deutschsprachige Osterlied &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht in dieser sogenannten &amp;quot;Liturgischen Osterfeier&amp;quot; eine wesentliche Wurzel für die Entwicklung des mittelalterlichen Dramas. Aus inzwischen verlorengegangenen mittelalterlichen Liturgiebüchern hat schließlich noch im 17. Jahrhundert Hieronymus Mayr die Texte einer Sequenz (&amp;quot;Ante thronum majestatis&amp;quot;) und eines spätmittelalterlichen Reimoffiziums zum Pankrazfest in sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; kopiert. Schon für diesen Zeitraum ist eine intensive Musikpflege innerhalb der Stiftsschule vorauszusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der musikalischen Theorie, die im Rahmen der Unterweisung aus den &amp;quot;Sieben freien Künsten&amp;quot; vermittelt wurde, erfuhren die Klosterschüler eine gründliche Schulung in der Praxis des Singens, sodass sie beim Gottesdienst die Chorherren unter stützen, manchmal sogar vertreten konnten. Seit dem 16. Jahrhundert lassen sich dann auch für die Musikpflege in Ranshofen Erscheinungen beobachten, die mit der Ausbreitung der humanistischen Bewegung in Zusammenhang stehen. So traten in der Klosterschule an die Stelle des geistlichen &amp;quot;Scholasticus&amp;quot; weltliche Lehrer, die zusammen mit ihren Schülern auch in der Kirche sangen, wobei die mehrstimmigen Musikformen der Renaissance rasch in das Repertoire eindrangen. Die Wurzeln dafür kann man bis in die Regierungszeit des Propstes Kaspar Türndl zu rückverfolgen. Er ließ für die „Präbendisten&amp;quot; - die auf Kosten des Stiftes ausgebildeten Sängerknaben - eine eigene Unterkunft erbauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger, Propst Augustin Münich, wirkte hier vor 1550 ein Magister Johann Kappenstill als Lehrer, der später als Stadtschreiber in Passau im Umkreis des dortigen Humanismus große Wertschätzung genoss und zum Freundeskreis um Leonhard Päminger gehört hat. Seinem Nachfolger, Magister Stephan Vokenrieder, hat Päminger sogar zwei Spruchmotetten gewidmet, die später in die gedruckte Ausgabe der Pämingerschen &amp;quot;Cantiones ecclesiaticae&amp;quot; aufgenommen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein umfassendes Bild der schulischen Verhältnisse in Ranshofen um die Mitte des 16. Jahrhunderts vermittelt das Passauer Visitationsprotokoll von 1559/60. Der &amp;quot;cantor&amp;quot; hielt sich zur Zeit der Kirchenvisitation überhaupt von den Musikaufführungen fern (singt nicht zu Chor). Mit den Schülern, welche er unterrichtete, sang er jedoch regelmäßig vor Beginn des Unterrichts das &amp;quot;Veni, sancte Spiritus&amp;quot; und das &amp;quot;Veni creator&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den &amp;quot;scholasticus&amp;quot; erfahren wir, dass er mit den Schülern eine &amp;quot;Comoedia de coena Domini&amp;quot; (&amp;quot;Spiel vom Herrenmahl&amp;quot;) aufgeführt habe: ein Hinweis auf die Pflege des Schultheaters in Ranshofen. Die Größe der Stiftsschule wird daran erkennbar, dass neben dem Schulmeister und dem Kantor noch ein Magister Thomas Winter genannt wird. Er wird als &amp;quot;ludirector&amp;quot; bezeichnet, hatte also wohl neben dem Schuldienst auch noch die Leitung der Kirchenmusik zu versehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Musikrepertoire sind wir leider nur sehr bruchstückhaft informiert. Vorauszusetzen ist die fortlaufende Pflege des Gregorianischen Chorals. Daneben werden verschiedene protestantische Gemeindelieder genannt, die zunächst wohl einstimmig, fallweise vermutlich von der Schulkantorei in mehrstimmigen Sätzen gesungen wurden, in denen sie schon sehr früh Verbreitung gefunden hatten. Gewiss sang man daneben aber auch mehrstimmige lateinische Messkompositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Orgel hat es damals hier ebenfalls schon gegeben, denn im Visitationsbericht wird bereits ein Organist unter den Klosterdienern aufgezählt. Die noch in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts einsetzende Gegenreformation beginnt dann das Erscheinungsbild des Schulwesens und der Musikpflege alsbald zu verändern. In einer staatlichen Schulordnung von 1569 wurde für die Lateinschulen wieder das Singen der alten Choralweisen vorgeschrieben. Die gefälschten Psalmen und Lieder - gemeint sind die protestantischen Kirchenlieder - wurden aus Kirche und Schule verbannt. Ein Zeugnis dieser vorerst nur zögernd einsetzenden Entwicklung ist für Ranshofen der Visitationsbericht des römischen Kurienkardinals &amp;quot;Commendone&amp;quot; aus dem Jahre 1569. Nach ihm unterrichteten damals immer noch drei Lehrer etwa achtzig Schüler aus Grammatik und Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chorherren sangen das Offizium schön und mit Andacht auf dem alten Konventchor oberhalb der Sakristei. Während der Woche wurde die Messe nur gelesen. An Sonn- und Feiertagen jedoch sangen sie die Chorknaben in der Pfarrkirche St. Michael. Eine weitere wichtige Umstellung des Schulwesens erfolgte zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Nach dem Vorbild der Jesuitengymnasien übernahm jetzt wieder ein Geistlicher die Leitung der Schule und das Amt des &amp;quot;regens chori&amp;quot;. Weltliche Lehrer sind fortan nur noch in untergeordneter Stellung anzutreffen. Der erste geistliche Chorregent in Ranshofen, den wir dem Namen nach kennen, ist der spätere Propst Philipp Vetterl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; berichtet von argen Missständen, die damals im Kloster geherrscht hätten. So habe Frater Philippus das Offizium, besonders die abendliche Vesper, häufig mit den Chorknaben allein gesungen, während sich die übrigen Stiftsangehörigen in Wirtshäusern und Spelunken herumgetrieben hätten. Nach seiner Wahl zum Propst begann er jedoch zielstrebig das Kloster zu erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1622 wurde auf der neugebauten Musikempore der Stiftskirche eine neue Orgel aufgestellt. Noch die Grabinschrift des Propstes rühmt das Werk wegen der Größe der Pfeifen und der Lieblichkeit seines Klanges. Um die Mitte des 17. Jahrhund erts wirkte [[Sebastian Widerstain]] als Stiftsorganist in Ranshofen. Nach einem Musikalienkatalog des Münchener Buchhändlers Paul Parsdorffer gab er eine Sammlung von &amp;quot;Miserere&amp;quot; für vier bis acht Singstimmen, zwei Violinen und Orgel im Druck heraus, denen noch eine &amp;quot;Lauretanische Litanei&amp;quot; hinzugefügt ist. Die Besetzung der leider nirgends erhaltenen Sammlung Widerstains zeigt, dass damals bereits Musikformen des Frühbarock mit selbständig geführten instrumentalen Begleitstimmen im Raum Ranshofen verbreitet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1699 wurde zum 800-Jahr-Fest des Bestehens der Pankrazkapelle im oberen Konventchor eine kleine Chororgel aufgeste llt. Das musikalische Programm der Gottesdienste, die im Verlauf der eine Woche dauernden Festlichkeiten stattfanden, ist leider nicht im Detail überliefert. Von Biber ist in Kremsmünster die Abschrift einer &amp;quot;Missa Sti. Henrici&amp;quot; erhalten. Es ist nicht auszuschließen, dass sie in diesem Zusammenhang von Ranshofen in Auftrag gegeben worden ist, verehrte man doch damals den heiligen Kaiser Heinrich II. - wenn auch nur irrtümlich - als einen der Gründer des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vierteljahrhundert später begegnet in [[Wilhelm Ganspeckh]] (1687-1770) der erste und gleichzeitig einzige Ranshofener Chorherr, der nachweisbar auch als Komponist tätig gewesen ist. Der Vater und zwei seiner Brüder waren unter Kurfürst Max Emanuel Musiker an der Bayerischen Hofmusikkapelle. Nach seinen Studien und der Priesterweihe war er lange Zeit Chorregent im Kloster. Von seinen musikalischen Werken ist einzelnes erhalten geblieben, vor allem ein Druck mit acht Messen und einem Requiem, der 1724 unter dem Titel &amp;quot;Octiduum sacrum&amp;quot; erschienen ist. Als zweiter Teil sind noch zwölf Offertorien angehängt. Die Messen sind nach den Altarheiligen der Stiftskirche benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Sekundiz des letzten Ranshofener Propstes Johann Nepomuk Kierl wurde 1805 noch eine eigens dafür komponierte Kantate (&amp;quot;Heut möge jede Brust das mächtige Gefühl der Freude schwellen&amp;quot;) eines unbekannten Komponisten aufgeführt, deren Partitur erhalten ist. Sie ist das letzte Zeugnis der Musikpflege im Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien== &lt;br /&gt;
Das Ranshofener Stiftsarchiv enthielt seinerzeit eine große Zahl von Originalurkunden, dazu mehrere Kopialbücher, andere Handschriften und sonstige Akten. Das meiste davon kam bei der Aufhebung 1811 nach München in das jetzige Bayerische Hauptstaatsarchiv. Kleinere Aktenbestände befanden sich außerdem im Staatsarchiv in Landshut, wurden von dort aber in der Zwischenzeit ebenfalls an das Hauptstaatsarchiv in München abgegeben. Nur weniges ist im Ranshofener Pfarrhof zurückgeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die älteste erhaltene Urkunde ist die von Kaiser Arnulf über die „Verleihung&amp;quot; der Pfalzkapelle an den Priester Ellimprecht (Bayr. HStA München, Kaiserselekt 87 = Ranshofen Urk. 1) aus dem Jahr 898. Sie muss seit der Karolingerzeit durchgehend an der Pankrazkirche aufbewahrt worden sein. Im Bayerischen Hauptstaatsarchiv befindet sich auch die Urkunde Herzog Heinrichs IX. von 1125, der sogenannte „Stiftbrief&amp;quot; des Augustiner-Chorherrenklosters (Ranshofen Urk. 2), neben weiteren Königs- und Herzogsurkunden. Auch päpstliche Privilegien für Ranshofen liegen dort auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Handschriften des Archivs ist jene des alten Traditionskodex seit der Aufhebung des Klosters leider verschollen. Die einzige auf das Originalmanuskript zurückgehende Textedition ist die der &amp;quot;Monumenta Boica&amp;quot; von 1764. Diese Textform wurde dann 1852 im ersten Band des Urkundenbuches des Landes ob der Enns neuerlich abgedruckt. Etwa gleichzeitig fand der St. Florianer Chorherr [[Jodok Stülz]] im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr eine große Zahl von Traditionen, die Mayr um 1650 aus dem Traditionskodex kopiert hatte. Ein Reihe von weiteren Notizen sind darin in regestenartiger Form wiedergegeben. Diese Überlieferung wertete Konrad Schiffmann 1905 in einer Neuedition aus und erläuterte seine daraus abgeleiteten Erkenntnisse in einer ausführlichen Einleitung. Zum einen kann man nämlich aus dem Vergleich der verschiedenen Überlieferungen erkennen, dass im Monumenta-Boica-Text eine Reihe von Notizen ausgelassen wurden. Zum anderen lassen sich aus den von Mayr gemachten Angaben über die Folien, auf denen er die einzelnen Traditionen gefunden hatte, wertvolle Hinweise auf die ursprüngliche Zusammensetzung des Kodex gewinnen. Dabei wird deutlich, dass die Handschrift aus mehreren vorerst voneinander unabhängig bestehenden Lagen schließlich zu einem Kodex verbunden wurde. Einzelne Lagen erscheinen hinsichtlich der Chronologie falsch aneinandergereiht. Außerdem begegnen die Notizen der ersten Lage in einem späteren Teil ein zweites Mal, wobei die älteste Lage mit der Notiz über die vom Bayernherzog Welf II. getätigte Schenkung von Besitzungen in Handenberg an die Pankrazkirche und die als zugehörige Filialkirche zu denkende Jakobikapelle in Handenberg (Schiffmann II 1, um 1110) eröffnet worden sein dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den erhalten gebliebenen Handschriften des Archivs ist das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes Konrad I. von 1277/1303 die wichtigste (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Ransh. Lit. 1). Sie enthält neben den beiden - bereits oben im Abschnitt über die wirtschaftliche Entwicklung gestreiften - Urbaren zwei Kopialbücher mit wichtigen Urkundenabschriften. Die vier Teile wurden vermutlich erst im 17. Jahrhundert zu einem Kodex zusammengebund en. Die beiden Kopialbücher enthalten wertvolle Zeugnisse zum Ranshofener Urkundenwesen, darunter Kopien von heute verschollenen Originalurkunden, wie etwa die Abschriften jener beiden Urkundentexte, die als verfälschte Fassungen eines Diploms Kaiser Heinrichs III. für Ranshofen anzusehen sind. Auf fol. 47ff. finden sich Angaben über verschiedene Altarweihen, die Schiffmann im Anhang seiner Ranshofener Baugeschichte publiziert hat (&amp;quot;Die Kirchweih-Chronik von Ranshofen&amp;quot;). Zwei weitere Kopialbücher schrieb am Beginn des 15. Jahrhunderts der Chorherr [[Christian Perger]] aus Eggenfelden (Ransh. Lit. 4 bzw. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein von Propst Philipp Vetterl 1623 angelegtes Urkundenbuch befindet sich im Braunauer Stadtpfarrkirchenarchiv. Es enthält zunächst Kopien von Urkunden, die sich auf die Braunauer Stadtpfarre St. Stephan beziehen, im weiteren Verlauf sind auch andere Stiftungen zugunsten des Klosters oder seiner Filialkirchen in den Text aufgenommen. Zum Archivbestand haben wohl auch der Bericht des Propstes Benno Meier über die niederösterreichischen Besitzungen von 1670 und das von ihm angelegte &amp;quot;Inventarium&amp;quot; von 1665/1687 gehört (vgl. oben die Abschnitte &amp;quot;Wirtschaftliche Verhältnisse&amp;quot; und &amp;quot;Bibliothek&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Bernhard Bischoff: Die südostdeutschen Schreibschulen der Karolingerzeit. Band 2. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Gotische Baukunst in Österreich. Salzburg 1990.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
* Rudolf Guby: Die Kunstdenkmäler des oberösterreichischen Innviertels. Wien 1921.&lt;br /&gt;
* Siegfried Haider: Zum Problem karolingischer Pfalzen in Oberösterreich. In: Baiern, Ungarn und Slawen im Donauraum. Hg. von Willibald Katzinger / Marckhgott, Gerhart. Linz 1991 (Forschungen zur Geschichte der Städte und Märkte Österreichs, 4), S. 11–16.&lt;br /&gt;
* Peter Herde: Ranshofener Urkundenstudien. In: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte 24 (1961), S. 183–228. [http://periodika.digitale-sammlungen.de/zblg/kapitel/zblg24_kap8 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die mittelalterliche Buchkunst der Chorherrenstifte am Inn. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 205–231.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Klemm: Die romanischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München. Teil 1: Die Diözesen Regensburg, Passau und Salzburg. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Sigrid Krämer: Die Bibliothek von Ranshofen im frühen und hohen Mittelalter. Band 2. In: The Role of Book in Medieval Culture. Hg. von Peter Felix Ganz. Turnhout 1986 (Bibliologia Elementa ad Librorum Studia Pertinantia, 4), S. 41–72.&lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme der Chorherrenkirche in Ranshofen. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 6 (1966), S. 179–219.&lt;br /&gt;
* Wilfried L. Lipp: Das ehemalige Augustiner Chorherrenstift Ranshofen - Ein Beitrag zur Kunstgeschichte. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, 149–160.&lt;br /&gt;
* Walther Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften des deutschen Sprachgebietes. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 7 (1971), S. 7–102.&lt;br /&gt;
* Alfred Marks: Oberösterreich in alten Ansichten. Linz 1968.&lt;br /&gt;
* Franz Martin (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Braunau. Wien 1947 (Österreichische Kunsttopographie, 30).&lt;br /&gt;
* August Prenninger: Hinweise zur Bevölkerungsstruktur Ranshofens vom Mittelalter bis zur Bauernbefreiung 1848. In: Rantesdorf 788-1988, 1200 Jahre Ranshofen. Ausstellung vom 28. Mai bis 17. Juli 1988. Hg. von Walter Pilshofer / Rudolf Schmidt. Braunau am Inn 1988, S. 39–44.&lt;br /&gt;
* [[Franz Xaver Pritz]]: Geschichte des aufgelassenen Stiftes der regulirten Chorherren des heiligen Augustin zu Ranshofen in Oberösterreich. In: Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen 17 (1857), S. 327–435. [https://books.google.at/books?id=U5YJAAAAIAAJ&amp;amp;vq=pritz&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA327#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Baugeschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Archiv für die Geschichte der Diözese Linz 5/1 (1908), S. 3–26.&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Aufhebung des Stiftes Ranshofen. In: Unterhaltungsbeilage der Linzer Tages-Post, Nr. 42, Jg. 1911 (15. Oktober 1911).&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Ranshofener Stiftsschule im Zeitalter des Humanismus und der Reformation. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 117 (1972), S. 199–212. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_117a_0199-0212.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Musik im Stift Ranshofen. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 120 (1975), S. 67-110 [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_120a_0067-0110.pdf (Digitalisat)]; 121 (1976), S. 179–222. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_121a_0179-0222.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Überlieferung der Ranshofener Traditionen. Vorbemerkungen zu einer künftigen Neuedition In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 16 (1990), S. 5–16. [https://www.ooegeschichte.at/fileadmin/media/migrated/bibliografiedb/mooela_16_0005-0016.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Das Ranshofener Evangeliar in Oxford (Manuscript Canonici Bible Latin 60 der Bodleian Library). Ranshofen 2012.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in den jüngeren Teilen des Ranshofener Traditionskodex. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 22 (2011), S. 291–320.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in Notizen aus dem ältesten Teil des Ranshofener Traditionskomplex. Zum Erscheinen der Schiffmann-Ausgabe vor 100 Jahren. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 21 (2008), S. 107–142.&lt;br /&gt;
* Hubert Schopf: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen am Inn im Mittelalter 1125–1426. Diss. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1985.&lt;br /&gt;
* Max Schrott: Die Conföderationen unserer Stifte. In: In Unum Congregati 5 (1985), S. 123–154.&lt;br /&gt;
* Georg Swarzenski: Die Salzburger Malerei von den ersten Anfängen bis zur Blütezeit des romanischen Stils. Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
* Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 245–294.&lt;br /&gt;
* Margareta Vyoral-Tschapka: Die Klosteranlage des ehemaligen Augustiner Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege Oberösterreich 160: Festschrift für Georg Heilingsetzer zum 70. Geburtstag (2015), S. 577–616.&lt;br /&gt;
* Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert. Köln 1975 (Kölner historische Abhandlungen, 24).&lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Königsherzogsgut in Oberösterreich. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 3 (1954), S. 101–145.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Zur Rechtsgeschichte des Stiftes Ranshofen und seiner Pfarreien. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 161–170.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Ranshofen</title>
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		<updated>2022-07-14T08:56:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Bibliothek */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1125&lt;br /&gt;
|Datum bis=1811/10/28&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis Ende des 18. Jahrhunderts)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=&amp;quot;curtis rantesdorf&amp;quot;, Hof Rantesdorf (788)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Pankraz, hl. Michael, hl. Jungfrau Maria&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte== &lt;br /&gt;
===Vorgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Errichtung des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen kurz vor oder im Jahr 1125 knüpfte an Voraussetzungen an, die durch eine damals schon Jahrhunderte währende Geschichte gegeben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen war zunächst ein Hof der bayerischen Agilolfingerherzöge, deren letzter, der unglückliche Tassilo III., im gleichen Jahr durch Karl den Großen seine Herrscherwürde einbüßte, in dem Ranshofen – als &amp;quot;Rantesdorf&amp;quot; – erstmals im Licht einer geschichtlichen Nachricht erscheint. Unter den Nachfolgern Karls des Großen wurde Ranshofen eine königliche Pfalz, ein Ort, der dem Herrscher als Aufenthalt und Verwaltungsstützpunkt diente. Kaiser Arnulf, einer der letzten ostfränkischen Karolinger, ließ hier zwischen 896 und 898 eine dem hl. Pankraz geweihte Kapelle erbauen und stattete sie mit Besitzungen, liturgischen Geräten, kostbaren Glasfenstern und Tapisserien sehr großzügig aus. Ein Priester Ellimprecht – wohl ein Mitglied der kaiserlichen Hofkapelle – erhielt die neu errichtete Pfalzkapelle zunächst als Lehen übertragen. Mit einer Urkunde vom 17. Oktober 898 wandelte Kaiser Arnulf dieses Lehen dann in ein freies Eigentum des Priesters Ellimprecht um. Nach dessen Tod sollte alles dem von Arnulfs Vater in Alt-Ötting gegründeten Säkularkanonikerstift zufallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Monate später fertigte Arnulf dann zugunsten der Ranshofener Pankrazkapelle eine weitere Urkunde aus, die allerdings nur in mittelalterlichen Abschriften überliefert wird. An ihrem Text fällt auf, dass vom Priester Ellimprecht nun keine Rede mehr ist. Als Empfänger der gegebenen Güter erscheinen vielmehr &amp;quot;die Kleriker, die dort den Gottesdienst verrichten&amp;quot;. Aus dieser Formulierung hat man auf die nachträgliche Gründung eines Säkularkanonikerstifts in Ranshofen schließen wollen, über dessen Bestand sonst jedoch keine Nachrichten existieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das weitere Schicksal der Pfalz mit der dazugehörigen Pankrazkapelle ist dann nämlich über Jahrzehnte hinweg völlig ungewiss. Wir wissen nicht, ob schon Herzog Arnulf aus dem Geschlecht der Luitpoldinger, der nach dem Tod von König Ludwig (&amp;quot;dem Kind&amp;quot;) 911 die Herrschaft über Bayern an sich gerissen hatte, im Zuge seiner Enteignungen von Kirchengütern die ursprünglich vorgesehene Schenkung der Ranshofener Kapelle an das Stift Alt-Ötting wieder rückgängig gemacht hat oder ob das Abhängigkeitsverhältnis erst später gelöst wurde. Auch über die Auswirkungen der Ungarneinfälle auf das Gebiet schweigen die Quellen. Erst gegen Ende des 10. Jahrhunderts finden wir hier unter Herzog Heinrich dem Zänker einen bayerischen Landtag versammelt, der die sogenannten &amp;quot;Ranshofener Landgesetze&amp;quot; beschließt. Dessen Sohn, der 1002 zum König gewählte und später zum Kaiser gekrönte Heinrich II. (&amp;quot;der Heilige&amp;quot;) ließ am Weihnachtstag des Jahres 996 – noch als bayerischer Herzog – in der Pfalzkapelle den Mönch [[Gotthart von Niederaltaich]] zum Abt dieses Klosters weihen. Heinrichs Gemahlin Kunigunde schließlich verfügte 1025 über die Ranshofener Pfalz wie über familiären Privatbesitz, indem sie diese zusammen mit anderen Königshöfen gegen Güter des Bistums Freising abtauschen wollte. Der Nachfolger Heinrichs II., König Konrad II., scheint diesen Tausch aber nicht anerkannt zu haben. Jedenfalls gehörte das &amp;quot;praedium Ranteshoven&amp;quot; – so der neue Name der Siedlung seit dem ausgehenden 10. Jahrhundert – mit der dazugehörigen Kapelle weiterhin zum Reichsgut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Gründung – oder Wiederbelebung – eines Kanonikerstiftes verweisen erst wieder zwei Urkunden, die Kaiser Heinrich III. im Jahr 1040 für Ranshofen ausgestellt haben soll. Auch sie sind nur in Abschriften überliefert und gelten der Urkundenforschung in ihrer vorliegenden Gestalt als Fälschungen. Man hat allerdings den Versuch unternommen, in beiden authentische Abschnitte von späteren Zusätzen zu trennen. Dabei begegnet im vermutlich echten Text die Angabe über eine Schenkung von Zehenten zugunsten der in Ranshofen &amp;quot;weilenden Priester ..., damit der Gottesdienst dort täglich gefeiert werde.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutet man dies als Hinweis auf eine Klerikergemeinschaft, so dürfte diese in den Wirren der Zeit des Investiturstreits wieder zerfallen sein. Jedenfalls begegnen in den ältesten Schenkungsnotizen des Ranshofener Traditionskodex, deren Textüberlieferung vor 1070 einsetzt, zunächst nur einzelne Priester der Pankrazkirche, die mehrfach auch als Pfarrer bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte===&lt;br /&gt;
Erste Anzeichen für die erneute Einrichtung einer Kanonikergemeinschaft kann man am Text der Ranshofener Traditionen seit etwa 1120 beobachten. Die hier aufgezeichneten Schenkungen erfolgen jetzt nämlich zugunsten der an der Pankrazkirche &amp;quot;für Gott streitenden Brüder (fratres Deo militantes)&amp;quot;, eine Formulierung, die im Zusammenhang mit Regularkanonikern auch andernorts immer wieder begegnet, vereinzelt freilich auch für Angehörige eines weltlichen Kanonikerstiftes gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicheren Boden gewinnen wir somit erst mit der Schenkungsurkunde des Bayernherzogs Heinrich IX. des Schwarzen (1120–1126) vom 30. Juli 1125, in welcher dieser zusammen mit seiner Gemahlin Wulfhilde in der Ranshofener Pfalz den &amp;quot;an der Pankrazkirche nach der Regel des hl. Augustinus Christus dienenden Brüdern Zehent im Gau&amp;quot; Ranshofen sowie verschiedene Güter übergibt. Auf dieser Urkunde basiert dann auch die Darstellung des bayerischen Historikers Aventin, der in seinem um 1520 geschriebenen &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; annimmt, Herzog Heinrich IX. habe hier im Jahr 1125 auf &amp;quot;Geheiß und Rat&amp;quot; des Salzburger Erzbischofs Konrad I. ein Augustiner-Chorherrenstift gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aventins Annahme ist freilich nur mit gewissen Vorbehalten zu übernehmen, denn eine zu diesem Zeitpunkt erst beschlossene Neugründung eines Klosters wird im Urkundentext ebensowenig erwähnt wie ein Zusammenwirken oder Zusammentreffen mit dem Salzburger Erzbischof. Ein Regularkanonikerkloster wird vielmehr als bereits bestehend vorausgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist die Einführung von Augustiner-Chorherren in Ranshofen vielleicht schon zwischen 1120 und 1125 erfolgt. Der weitere Ausbau des Stiftes zu einem Kloster für Chorherren, Chorfrauen und Konversen dürfte sich allerdings noch über die Zeit Heinrichs IX. hinaus bis in die Jahre der Herrschaft seines Sohnes Heinrich X. des Stolzen (1126–1139) erstreckt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Einrichtung eines Augustiner-Chorherrenstiftes erfasste eine wichtige religiöse Erneuerungsbewegung des Mittelalters Ranshofen. Eine Schlüsselfigur ihrer weiteren Ausbreitung war zweifelsohne der Salzburger Erzbischof Konrad I. (1109–1147). Er gilt als Gründer oder Erneuerer einer großen Zahl von Chorherrenstiften innerhalb und außerhalb seines engeren Diözesanbereiches. So ist seine Einflussnahme bei der Errichtung eines Chorherrenklosters in Ranshofen nicht auszuschließen. Quellenmäßig greifbar wird ein Zusammenhang mit ihm freilich erst um 1138/39. Damals nahm Konrad I. zusammen mit Bischof Roman von Gurk in Ranshofen eine Schenkung von Besitzungen der Ministerialen von Rohr im Kremstal für das Kloster entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Entwicklung im Hoch-und Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
Neben der Gestaltung der Liturgie in der Messfeier und beim Chorgebet war die Seelsorge ein wichtiges Anliegen des neuen Ordens. Da der Ranshofener Seelsorgesprengel sehr umfangreich war, wurden schon damals im weiten Umkreis Kirchen dafür neu gebaut oder vorhandene Kapellen übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ranshofen selbst baute man neben der Stiftskirche eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche. Andere Aufgaben waren die Krankenpflege, die schulische Unterweisung und die wissenschaftlichen Studien. Für letztere benötigte man ebenso wie für den Gottesdienst Handschriften, die zu einem großen Teil in der Schreibstube des Klosters, dem &amp;quot;scriptorium&amp;quot;, von den Chorherren selbst in mühevoller Arbeit hergestellt wurden. Aus Urkunden und Traditionsnotizen kennen wir einige Namen von Pröpsten des 12. und beginnenden 13. Jahrhunderts. Genannt werden ein [[Manegold]], der mit dem Magistertitel ausgezeichnet erscheint, nach ihm [[Meginhard]], [[Altmann (Stift Ranshofen)|Altmann]] und [[Adelhard]], unter dem 1178 das berühmte Evangeliar angekauft wurde, danach [[Liutold]] – wohl identisch mit dem im Evangelienbuch bezeugten Schatzmeister gleichen Namens –, dann nochmals ein Adelhard, der mit dem ersten Propst dieses Namens eine Person sein könnte, schließlich noch [[Etticho]] und [[Wichard]]. In verschiedenen Totenbüchern der Salzburger Diözese wird außerdem ein Propst [[Liutfrid von Ranshofen]] verzeichnet, der nur schwer einzuordnen ist. Vielleicht gehört er an den Anfang der Reihe gestellt, anstelle des von Aventin aus der Urkunde Heinrichs IX. von 1125 übernommenen [[Raffold]]. (Letzterer war vermutlich kein geistlicher Propst, sondern einer der Verwalter des Pfalzgutes.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1140 kam es zu einer Kontroverse mit dem Passauer Bischof Reginbert um die Seelsorgerechte und die daraus erwachsenden Zehentforderungen. Im Zusammenhang damit hat der Passauer Ordinarius den Kanonikern einen ungenannten jugendlichen Propst aufgezwungen, gegen den sie sich mit Erfolg aufgelehnt haben. Freiheit der Propstwahl ist dann auch eines der wichtigsten Rechte, das Ranshofen immer wieder urkundlich zugesichert wird, zum ersten Mal in dem großen Schutzprivileg des Papstes Eugen III. von 1147.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts – inzwischen hatten die Wittelsbacher den durch Kaiser Friedrich Barbarossa abgesetzten Heinrich den Löwen in der Herrschaft über Bayern abgelöst – begann für Ranshofen einer der unruhigsten Abschnitte seiner Geschichte. 1233 plünderten Truppen des Babenbergerherzogs Friedrich des Streitbaren bei Kämpfen mit Herzog Otto II. von Bayern Neukirchen an der Enknach, wobei die dortige Filialkirche zu schwerem Schaden kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Jahre danach, wahrscheinlich 1242, überfielen von der Burg Obernberg kommende Leute des Passauer Bischofs Ranshofen selbst und verbrannten zusammen mit der herzoglichen Pfalz auch die beiden Kirchen. 1250 drohten neue Gefahren. Bischof Rüdiger von Passau war durch den päpstlichen Legaten Albert Beham abgesetzt worden, und Berthold, ein gebürtiger Graf von Sigmaringen, sollte seine Stelle einnehmen. Doch Rüdiger leistete Widerstand und wurde dabei durch den bayerischen Herzog unterstützt. So durchzogen Soldaten des Gegenbischofs im November 1250 neuerlich plündernd den angrenzenden Weilhartsforst und verwüsteten das Land. Die Stiftskirche soll anschließend wieder aufgebaut und 1255 neu eingeweiht worden sein. Doch bald danach wurde das Gebiet um den unteren Inn im Zusammenhang mit Kämpfen zwischen Herzog Heinrich von Niederbayern – das Herzogtum war inzwischen nach dem Tod Ottos II. unter seinen Söhnen geteilt worden – und König Ottokar von Böhmen neuerlich Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen wurde 1266 ein zweites Mal niedergebrannt und dabei fast zur Gänze zerstört. So klagte Propst [[Sifrid]] (1255–1277) in einer Bittschrift an Papst Klemens IV. darüber, dass im Kloster nur mehr drei Leute Unterhalt fänden, während davor 14 Priester und 50 weitere Stiftsangehörige mühelos versorgt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Resignation Sifrids erlebte Ranshofen aber dann unter seinem Nachfolger [[Konrad I.]] (1277–1311) eine Zeit des Wiederaufschwungs. Neben den nun wieder günstigeren äußeren Verhältnissen ist diese Blüte vor allem in der Tatkraft und Zielstrebigkeit jenes Prälaten begründet. Bereits im Jahr seiner Erwählung begann er mit der Anlage eines Privilegienbuches, in das die Urkunden des Klosters in übersichtlicher Form eingetragen werden sollten. In dem angeschlossenen Urbar wurden die Stiftsgüter verzeichnet. Beide Teile hat Propst Konrad I. später in etwas abgewandelter Form nochmals redigiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der schon unter seinem Vorgänger begonnene Neubau der Stiftskirche wurde 1283 abgeschlossen und in Gegenwart des bayerischen Herzogs durch den Bischof von Regensburg eingeweiht. Auch das Kanonissenstift wurde erneuert und Einrichtungen für die Krankenpflege geschaffen. Schon mit Konrads gleichnamigem Nachfolger [[Konrad II.]] (1311–1332) setzte allerdings neuerlich eine Zeit des Niedergangs ein. Später besserten sich die Verhältnisse wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift wurde im 14. und 15. Jahrhundert vielfach durch Privilegien der Herzöge von Bayern und von Österreich ausgezeichnet. Auch Kaiser Ludwig der Bayer und später Maximilian I. reihten sich unter die Förderer ein. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts mehrten sich ganz allgemein die Versuche, dem damals drohenden Verfall der Klöster entgegenzuwirken. Erste Ansätze einer solchen Reform in Ranshofen unter den Pröpsten [[Erasmus Ridmund]] (1435–1444), [[Friedrich Gunderstorfer]] (1444–1448) und Thomas Wittel (1451–1462) zeigten jedoch keinen nachhaltigen Erfolg. Erst der aus dem niederösterreichischen [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] berufene Propst [[Wolfgang]] konnte das Kloster im Sinne einer vom böhmischen Stift Raudnitz ausgehenden Reformbewegung erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Nachdem Ranshofen im bayerischen Erbfolgekrieg trotz bedrohlicher Nähe des Kriegsgeschehens glimpflich davongekommen war, begann 1508 Propst [[Kaspar Türndl]] (1504—1529) mit dem Neubau der Stiftskirche. Gleichzeitig kam es zu einer Blütezeit humanistischen Geistes, die sich in den erhaltenen Handschriften und Frühdrucken aus der Klosterbibliothek spiegelt. Aber auch erste Anzeichen für eine beginnende Auseinandersetzung mit den Lehren Martin Luthers lassen sich von 1520 an beobachten. Eine Steigerung dieser Tendenzen ergab sich unter Propst [[Augustin I. Münich]] (1529—1560). Zeitgenossen rühmten ihn als Freund der Studien und Wissenschaften. Die Stiftsschule war unter seiner Herrschaft eine der größten Unterrichtsanstalten von ganz Bayern. Aus dem Protokoll einer Passauer Kirchenvisitation von 1559/60, der wichtigsten Quelle unserer Kenntnis über die Ausbreitung der Reformation im Innviertel, erfahren wir jedoch, dass die an dieser Schule wirkenden Schulmeister eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der protestantischen Glaubenslehren gespielt haben. Vielleicht steht die bald nach der Visitation erfolgte Resignation des Propstes im Zusammenhang mit seiner toleranten Einstellung gegenüber den Anhängern des neuen Glaubens. Unter seinem Nachfolger [[Adam Gensleitner]] (1560—1587) wurde jedenfalls sehr rasch die Gegenreformation voll zur Geltung gebracht, sodass der römische Kurienkardinal Commendone, der Ranshofen 1569 visitiert hat, den Zustand von Kirche, Kloster und Schule bereits als zufriedenstellend beurteilte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren neuerlichen Verfalls an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert begann nach 1620 eine der glanzvollsten Perioden der Geschichte Ranshofens. Der klostereigenen Geschichtsschreibung gilt sie als das Werk von vier aufeinanderfolgenden Prälaten. Trotz wachsender Bedrohung durch den Dreißigjährigen Krieg erneuerte Propst Philipp Vetterl (1620—1634) nicht nur die schwer darniederliegende Disziplin des Gemeinschaftslebens, sondern begann auch einen frühbarocken Neubau der Klosteranlage. 1628 erhielt der Propst durch Papst Urban VIII. für sich und seine Nachfolger das Recht des Gebrauchs der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1634 kam der bayerische Kurfürst Maximilian I. mit seiner Familie und seinem Hofstaat auf der Flucht vor den schwedischen Truppen, die München besetzt hatten, nach Ranshofen und blieb hier bis zum Frühjahr 1635. Während des Aufenthalts im Kloster starb die Kurfürstin Elisabeth am 4. Jänner 1635.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Gegenwart des Kurfürsten gewählte Propst [[Simon Meier]] (1635—1665) kümmerte sich besonders um die Neuordnung der Bibliothek und um die wissenschaftlichen Studien der Stiftsangehörigen. Propst [[Benno Meier]] (1665—1687) – ein Neffe seines Vorgängers – ließ im Schloss Neukirchen eine theologische Studienanstalt einrichten. Besondere Sorgfalt widmete er dem Stiftsarchiv mit den alten Urkunden. Seinem Ordnungssinn ist es zu verdanken, dass wir für die Zeit seiner Regierung genaue Aufzeichnungen über die vorhandenen Kirchengeräte und einen Katalog der erworbenen Bücher besitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ivo Kurzbauer]] (1687—1715) erneuerte schließlich Kirche und Kloster für ein 1699 gefeiertes &amp;quot;Acht-tägiges hochfeierliches Jubel-Fest&amp;quot; zum Gedächtnis der achthundertjährigen Geschichte der Pankrazkirche und krönte damit die Bestrebungen seiner Vorgänger, eine Entwicklung, die [[Augustin II. Pariser]] (1715—1741) zwar weiterführen, aber nicht mehr steigern konnte. Die barocke Glanzzeit des Stiftes hatte damit ihren Höhepunkt bereits überschritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild, das Ranshofen dann von der Mitte des 18. Jahrhunderts an bietet, ist eher uneinheitlich. Man kann es nur verstehen, wenn man die Erscheinungen von zwei Seiten her eingrenzt: vom Weiterführen überkommener Lebensformen des Barock einerseits und von der damals auch in Bayern bereits einsetzenden Aufklärungsbewegung andererseits. Mit dem Frieden von Teschen (1779) fiel das lnnviertel an Österreich. Dadurch wurden die vom Geist jener Zeit geprägten Reformen Kaiser Josephs II. alsbald auch in Ranshofen wirksam. Im Zusammenhang mit der Neuorganisation des Pfarrnetzes wurden verschiedene Filialkirchen in Pfarrkirchen umgewandelt, die Formen des Gottesdienstes reformiert, die Ranshofener Pfarrkirche St. Michael gesperrt und später abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Abtrennung der Diözese Linz vom Bistum Passau löste altgewohnte Bindungen. Vor allem die Franzosenkriege brachten dann neuerlich große Unruhe in das Kloster. Das Stift wurde einmal von diesen und einmal von jenen Truppen als Militärspital beansprucht. Es kam zu Gewalttaten und Plünderungen. Aber auch die Klostergemeinde selbst war vom Geist der Aufklärung angekränkelt.&lt;br /&gt;
Vor allem der letzte, 1784 gewählte Propst [[Johann Nepomuk Kierl]] gilt als schwach und verschwenderisch. Nach seinem Tod im Jahr 1809 kommt es innerhalb der zerfallenen und in sich gespaltenen Gemeinschaft zu keiner Neuwahl mehr. So findet die von der &amp;quot;Rieder Regierung&amp;quot; während der französischen Besatzung 1810 angekündigte Aufhebung Ranshofen bereits im Zustand der Krise.&lt;br /&gt;
Der Übertritt in den Weltpriesterstand kommt den damals noch hier lebenden Chorherren eher gelegen. Vor der endgültigen Aufhebung am 28. Oktober 1811 brachte man die als wertvoll angesehenen Archivalien in das Hauptstaatsarchiv nach München und einen großen Teil der Bibliotheksbestände in die jetzige Bayerische Staatsbibliothek. Anderes wurde in der ganzen Welt verstreut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammen mit dem, was in Ranshofen selbst heute noch sichtbar ist, legen diese Dokumente ein beredtes Zeugnis ab von der Pflege von Religion, Wissenschaft und Kunst im Chorherrenstift Ranshofen im Verlauf seiner Jahrhunderte währenden Geschichte. Indirekt kann man aus ihnen aber auch ahnen, wie bedeutungsvoll dieses Wirken der Chorherren für jene Menschen gewesen sein muss, die im Umkreis des Klosters gelebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Nachgeschichte===&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung erwarb der bayerische General Graf von Montjoie-Frohberg die Stiftsgebäude und den ausgedehnten Grundbesitz und wandelte einen Teil der ehemaligen Klosteranlage zum &amp;quot;Schloss Ranshofen&amp;quot; um. Anderes wurde abgetragen. Die frühere Stiftskirche blieb als Pfarrkirche erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erster Pfarrer wurde der seinerzeitige Stiftsdechant [[Pankraz Hauser]]. Der Pfarrer war damals einige Jahrzehnte hindurch auch Repräsentant der weltlichen Verwaltung. Erst im Zuge der Reformen bekam Ranshofen im Jahr 1848 eine eigene Gemeindeverwaltung. Auch erhielten die bis dahin unfreien Bauern die Möglichkeit, den Grund und Boden, den sie vorher als Untertanen bewirtschaftet hatten, gegen ein geringes Entgelt als Eigentum zu erwerben.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1851 kaufte dann Ferdinand Wertheimer, der später als Abgeordneter dem oberösterreichischen Landtag angehörte, die &amp;quot;Herrschaft Ranshofen&amp;quot; und wandelte im Lauf der Jahre den immer noch beachtlichen Großgrundbesitz in einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb um. Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland im März 1938 wurde der Wertheimersche Familienbesitz jedoch vom Deutschen Reich &amp;quot;abgelöst&amp;quot;. Im Oktober des gleichen Jahres wurde die vorher selbständige Gemeinde Ranshofen der Stadt Braunau einverleibt und ein Jahr später begann man bereits auf den Wertheimer-Gründen mit dem Bau eines Aluminiumwerkes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute ist man bemüht, das noch Vorhandene zu erhalten und zu pflegen, wobei der Komplex von Kirche und ehemaligem Stift besitzmäßig auf die Diözese Linz, die Stadt Braunau und private Eigentümer verteilt ist. Die Kirche und der Bibliothekssaal im ehemaligen Konventgebäude werden – abgesehen von der liturgischen Verwendung des Gotteshauses – auch für kulturelle Veranstaltungen genützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Will man sich ein Bild von den wirtschaftlichen Verhältnissen des Chorherrenstiftes Ranshofen im Mittelalter machen, wird man zunächst von der Urkunde Herzog Heinrichs IX. von Bayern aus dem Jahr 1125 ausgehen müssen. Sie gilt in der Literatur ja als &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; des Klosters. Als geschenktes Gut werden darin Güter in Handenberg, Braunau und einem – nicht mehr bestimmbaren – Dürrnberg nördlich der Donau sowie verschiedene kleinere Liegenschaften angeführt. Letztere wurden den Regularkanonikern teils als Eigenbesitz, teils als Lehen überlassen. Dazu kamen die herzoglichen Zehenten &amp;quot;im Gau&amp;quot; Ranshofen und die Kirche Enknach (&amp;quot;Enkinacha&amp;quot;) – vermutlich am Ort oder in der Nähe des heutigen Neukirchen an der Enknach gelegen – mit dem dazugehörigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich erst nach Ausfertigung der Urkunde wurde an einer bestimmten Stelle nachträglich noch ein Hinweis eingefügt, dass jene Hörigen, die vorher in der Hand des Herzogs oder des Kämmerers bzw. des – herzoglichen – Propstes gewesen seien, nun auch dem Kloster unterstellt würden. So reichhaltig diese Schenkung gewesen ist, so wird damit keineswegs der gesamte wirtschaftliche Besitz Ranshofens zur Zeit der Gründung des Chorherrenstiftes umschrieben. Die Einrichtung des mittelalterlichen Klosters erfolgte ja nicht in der Einöde eines unerschlossenen Gebietes, sondern knüpfte an eine Jahrhunderte währende Vorgeschichte an. Schon Kaiser Arnulf hatte ja die von ihm erbaute Pfalzkapelle reich mit Gütern ausgestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den umfangreichsten Einblick in die Ranshofener Besitzverhältnisse im hohen Mittelalter gewähren jedoch die Notizen des Traditionskodex, deren Inhalte den Zeitraum von etwa 1070 bis 1250 umspannen, also auch schon vor 1125 einsetzen. Die Texte bezeugen die Übergabe von Gütern im näheren und weiteren Umkreis von Ranshofen, darüber hinaus die Schenkung von 5-Pfennig-Zensualen, sowie von Knechten und Mägden. Wie in anderen Klöstern machen auch in Ranshofen die Selbstübergaben von ehemals freien Personen, in der Absicht, sich unter dem Schutz des Stiftes gegen Übergriffe von Mächtigeren abzusichern, einen beträchtlichen Teil der Zensualenschenkungen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere wichtige Quelle zur mittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte Ranshofens ist dann das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes [[Konrad I.]]. Die Handschrift enthält neben zwei Kopialbüchern zwei Urbare, welche 1277 beziehungsweise 1303 angelegt wurden. Da im älteren Urbar die erste Lage der Handschrift verlorengegangen ist, kann man nur aus dem jüngeren erkennen, dass der Grundbesitz sich damals auf acht Urbarämter verteilte, die im Innviertel (Haselbach, Überackern, Neukirchen/Enknach, Nonsbach und Ranshofen), im oberösterreichischen Kremstal (Rohr) und in den jetzigen bayerischen Landkreisen Rottal-Inn und Alt-Ötting gelegen waren (Kollbach und &amp;quot;Trans Enum&amp;quot;). Dazu kamen noch Weingärten in der Wachau. Im Abgabenverzeichnis über die im Dorf Ranshofen ausgegebenen Lehen werden auch zwei Schuster, ein Schneider, ein Fleischer, ein Koch und ein Bader angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte Ranshofens stiegen in der Folgezeit dann noch durch die Stiftung von Jahrtagen in Form von &amp;quot;Seelgeräten&amp;quot;, das sind Schenkungen zugunsten von jährlich, manchmal sogar wöchentlich zu lesenden Messen für das Seelenheil von Verstorbenen. Ähnliche Stiftungen begegnen auch in den Filialkirchen des Klosters, unter denen die Braunauer Stephanskirche durch die Befestigung der Siedlung und die Stadterhebung im Jahr 1260 bald eine Sonderstellung einnehmen sollte. Kaiser Ludwig der Bayer (1314–1347) stiftete 1345 eine täglich zu lesende Messe für sich und seine Vorfahren und Nachkommen. Gleichzeitig schenkte er dem Kloster jene Güter im Dorf Ranshofen, die bis dahin noch herzoglicher Besitz gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schiffstransport des Klosterweins aus den Weingärten in der Wachau auf Donau und Inn erhielt das Chorherrenstift verschiedentlich Privilegien über die Mautfreiheit, so 1287 vom österreichischen Herzog Albrecht I., die er 1295 und sein Sohn Friedrich der Schöne 1314 nochmals bekräftigten. Eine Bestätigung dieser Privilegien durch Kaiser Maximilian I. erbaten der Propst und das Kapitel von Ranshofen schließlich noch 1498. In einzelnen Fällen hat das Kloster aber auch ältere Besitzungen, die schwer zu bewirtschaften waren oder den erwarteten Ertrag nicht erbrachten, wieder abgestoßen. Ein wertvolles Dokument solcher wirtschaftlicher Veränderungen ist eine von Propst [[Benno Meier]] 1670 verfasste &amp;quot;Relation von den Ranshoverischen in Österreich gelegenen Höf und Weingärten&amp;quot;. Darin verzeichnete der Prälat zunächst alles, was er aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen über die niederösterreichischen Besitzungen Ranshofens in Erfahrung bringen konnte. Es handelte sich um Höfe und Weingärten in Schwallenbach, Spitz, Loiben, Stein, Krems und Gobelsburg in der Wachau und um Weingärten in Kritzendorf bei Klosterneuburg. Zu seiner Zeit waren davon fast nur mehr die Weingärten in Unterloiben – ihre Riednamen sind vielfach bis heute in Gebrauch – dem Stift verblieben. Ihr Zentrum war ein großer Lesehof in Unterloiben nahe der Kirche, der als der heutige &amp;quot;Loibnerhof&amp;quot; identifiziert werden kann. Weil die Kosten-Nutzen-Rechnung des Propstes auch darüber negativ ausfiel, verkaufte er ein Jahr später den ganzen Komplex an das Kloster Tegernsee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen guten Überblick über den Stiftsbesitz und die Untertanen im Bereich von Ranshofen selbst in der Zeit des beginnenden 18. Jahrhunderts gibt ein im Auftrag des Propstes Ivo (1687–1715) durch den bayerischen Geometer Matthäus Paur im Jahr 1714 angelegtes Mappenwerk (&amp;quot;Gruntrys mit angehengter Beschreibung&amp;quot;, in der Literatur im allgemeinen als &amp;quot;Grundriss-Libell&amp;quot; bezeichnet). Der davon erhaltene Teil besteht aus Plandarstellungen aller Besitzungen im Bereich der sogenannten &amp;quot;Hofmark&amp;quot; Ranshofen mit darauf bezogenen Erläuterungen. Diese umfasste damals 81 Häuser, von denen die meisten vom Stift auf Erb- oder Leibrechtsbasis verliehen waren. Etwa die Hälfte davon wurde landwirtschaftlich genutzt. Der Rest war an Gewerbetreibende vergeben, unter denen sich auch ein Saitenmacher, ein Sattler, ein Bierbrauer und ein Metzger aus Braunau finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge der Abtrennung des Innviertels von Bayern durch den Frieden von Teschen ergaben sich während der letzten Jahrzehnte des Bestandes des Klosters Probleme mit der Verwaltung der bei Bayern verbliebenen Besitzungen jenseits des Inn. So wurden etwa im Verlauf der napoleonischen Kriege – Bayern kämpfte damals auf der Seite der Franzosen gegen Österreich – die Erträgnisse von Grundherrschaften, die auf bayerischem Gebiet gelegen waren, für das Stift gesperrt. 1810 schließlich begann man im Zuge der Auflösung die beweglichen Güter und die Wertsachen zu versteigern. Die Einnahmen betrugen 13.000 Gulden, die nach Salzburg, von wo aus kurzzeitig auch das Innviertel verwaltet wurde, abgeliefert werden mussten. Das 400 Joch große Stiftsgut, bestehend aus Äckern, Wiesen, Auen, Gärten und anderem, kaufte am 17. August 1812 der bayerische General und königliche Adjutant Graf Montjoie-Frohberg um 54.000 Gulden. Nur den unteren Teil des Lachforstes und ein Haus in Dietfurt (unterhalb von Braunau) behielt der bayerische Staat für sich zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Die rechtliche Lage der Ranshofener Pfalz war vom ausgehenden 11. bis um die Mitte des 12. Jahrhunderts eine eher wechselhafte. Dies findet auch in der damals beginnenden Geschichte des Chorherrenstiftes seinen Niederschlag. Die Pfalz und die dazugehörende Pankrazkapelle waren ja seit der Karolingerzeit Reichsgut und als solches der Verfügungsgewalt des Königs unterstellt. Den Bayernherzögen war zwischendurch zwar die Nutzung überlassen, sie wurden gegen Ende des 11. Jahrhunderts wegen ihrer reichsfeindlichen Politik im Zusammenhang mit dem Investiturstreit aber wiederholt durch Kaiser Heinrich IV. abgesetzt: zuerst Otto von Nordheim und später Welf I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So begegnet in einer vermutlich 1074 anzusetzenden Traditionsnotiz Kaiser Heinrich IV. selbst als Eigentümer von Ranshofen (&amp;quot;cuius praedium erat, quod Ranshovin vocatur&amp;quot;). Erst seit 1096 wurden die Welfen wieder mit Bayern belehnt und waren damit innerhalb bestimmter Grenzen über das Land am Inn verfügungsberechtigt. Die schwankende Rechtslage von Ranshofen kommt dann besonders in der &amp;quot;Gründungsurkunde&amp;quot; Herzog Heinrichs IX. von 1125 zum Ausdruck. Ihre Textform und ihre Ausstattung schließen sich in vielem dem Vorbild königlicher Siegelurkunden an. Dem Stil der Herrscherurkunden entspricht wohl auch der Hinweis auf die Mitwirkung und Zustimmung von Heinrichs Gemahlin Wulfhilde. Gerade dies ist allerdings rechtlich höchst fragwürdig, da es sich bei den geschenkten Gütern ja nicht um welfischen Eigenbesitz, sondern um dem Herzog überantwortetes Reichsgut handelte, für dessen Vergabe viel eher die Zustimmung des Königs erforderlich gewesen wäre. (Freilich war im Juli des Jahres 1125 nach dem Tod Kaiser Heinrichs V. Lothar III. noch nicht gewählt.) Die Strafformel, welche eine Bußzahlung von 60 Gulden an die Kammer des Königs bzw. des Kaisers bei Eingriffen in das Schenkungsgut vorsieht, bestätigt diese Auffassung. Dennoch versuchte Herzog Heinrich der Löwe später die Meinung durchzusetzen, Ranshofen sei ein Eigenstift seiner Familie, so vor allem, wenn er die dort dienenden Regularkanoniker als zu seiner Kapelle gehörig bezeichnet und die Gründung insgesamt fälschlicherweise mit seinem Vater Heinrich dem Stolzen in Verbindung bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1139 hatte nach dem Tod Heinrichs des Stolzen zunächst der Babenberger Leopold IV. zusammen mit dem Herzogtum Bayern das Reichsgut um Ranshofen erhalten. Er ist jedoch bereits zwei Jahre später verstorben. Damals behielt König Konrad III. dann für kurze Zeit Bayern selbst in der Hand. In diesen Zeitabschnitt fällt das große Schutzprivileg Konrads von 1142, in dem der König die Besitzungen des Chorherrenstiftes, das er eine Gründung seines Urgroßvaters, des Kaisers Heinrich III., nennt, bestätigt. Eine Erwähnung einer Erneuerung durch die Welfen wurde in der Urkunde – offensichtlich aus politischen Gründen – unterdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Jahr belehnte der König den Babenberger Heinrich &amp;quot;Jasomirgott&amp;quot; mit Bayern. Das ist wohl jener &amp;quot;Heinricus Dux Bawariae&amp;quot;, welcher in einer anderen Tradition das an den Obstgarten der Regularkanoniker angrenzende Land am Altar des hl. Pankraz übergibt. Auch erscheint er in dem großen Privileg des Papstes Eugen III. von 1147 als Fürsprecher des Stiftes. Darin wird unter anderem erwähnt, dass der Vogt (&amp;quot;advocatus&amp;quot;) über das Herzogsgut gleichzeitig der Vogt des Klosters Ranshofen sei. Diese Bestimmung wird dann auch im Privileg des Papstes Hadrian IV. von 1158 wiederholt. Diesmal ist jedoch bereits Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, der Schirmherr des Klosters. Friedrich Barbarossa hatte ihn inzwischen 1154 mit dem von ihm zurückgeforderten Bayern belehnt. Schon 1157 hatte Heinrich der Löwe in einer Urkunde verfügt, dass der Vogt nicht nur die herzogliche Pfalz mit deren Untertanen, sondern auch die Stiftsleute an seiner Stelle beschützen und beschirmen sollte. Er habe auch die Klagen der Kanoniker und ihrer Eigenleute anzuhören und ihnen gebührend Recht zu verschaffen. Geld sollte er dafür nicht von ihnen fordern, sondern nur von des Herzogs Kammer nach altem Herkommen seinen Lohn empfangen. Darüber hinaus solle er keine Verfügungsgewalt über das Kloster oder dessen Eigenleute und Besitzungen haben und auch keine Steuern von ihnen eintreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vögte begegnen bereits mehrfach in den frühen Ranshofener Schenkungsnotizen aus der Zeit um 1100. Sie waren damals wohl vom König eingesetzt und hatten die Aufgabe, die unfreien Untergebenen vor Gericht zu vertreten, konnten aber auch selbst Streitigkeiten schlichten und Strafen verhängen. Bei Schenkungen an die Kirche fungierten sie als wichtige Zeugen. In späteren Traditionsnotizen wird fallweise der Herzog selbst als Vogt des Klosters angesprochen, so nach 1180 der Wittelsbacher Otto I. (&amp;quot;tune temporis dux Bawariae et eiusdem loci advocatus&amp;quot;). Nach dem Zeugnis der beiden angeführten päpstlichen Privilegien ließen sich aber schon zuvor die Herzöge in dieser Funktion durch von ihnen bestellte Untervögte vertreten. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts werden diese dann meistens als Richter (&amp;quot;judex&amp;quot;) angesprochen. Ob die Ranshofener Untervögte ihre Stellung – wie etwa in Reichersberg – zur persönlichen Besitzerweiterung und Bereicherung missbraucht haben, ist aus den Quellen nicht mehr zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf verschiebt sich die rechtliche Verfügungsgewalt mehr und mehr zugunsten des Landesfürsten. Der ehemalige Pfalzbereich wird dem herzoglichen Amt Burghausen zugeordnet. Einen Höhepunkt erreicht diese Entwicklung mit Kaiser Ludwig dem Bayern, der in sich ja Königs- und Herzogsamt vereinigte. Von ihm erhielt der Propst 1345 das Recht der niederen Gerichtsbarkeit über alle Stiftsuntertanen. Vögte des Chorherrenstiftes Ranshofen treten in der Folgezeit nicht mehr in Erscheinung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Von den Chorherren, die in der frühen Zeit dem Stift Ranshofen angehörten, kennen wir nur einzelne Namen, die außerdem meistens wenig über ihre soziale Herkunft aussagen. Ein im Traditionskodex vor 1120 mehrfach genannter Pfarrer [[Erenbert]] wird anlässlich der Schenkung seines Gutes Pfaffing in einer der Notizen als &amp;quot;canonicus s. Pancratii mart.&amp;quot; bezeichnet, was ihn als Säkularkanoniker charakterisieren könnte. Ob er später auch noch dem Regularkanonikerkonvent angehört hat, ist ebenso fraglich, wie die – in der Literatur vielfach angenommene – Übernahme der ältesten Augustiner-Chorherren aus dem Salzburger Domstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die ersten Pröpste gibt es vereinzelte Hypothesen ihrer Herkunft, sowohl in genealogischer wie in geistlicher Hinsicht, die freilich einer kritischen Überprüfung kaum standhalten. Einen Ansatzpunkt für die Beantwortung der Frage nach dem sozialen Umfeld der ältesten Ranshofener Regularkanoniker gewinnen wir aus jener Traditionsnotiz von 1138/39, nach welcher der Reichsministeriale Friedrich von Rohr und seine Gemahlin Berta in Anwesenheit des Salzburger Erzbischofs Konrad I. und des Bischofs Roman von Gurk ihr ganzes Gut in Rohr (im oberösterreichischen Kremstal) übergaben, als sie ihren Sohn Richer dem Kloster zur geistlichen Ausbildung anvertrauten. Und in unmittelbarer Nachbarschaft zu dieser Notiz lesen wir im Traditionskodex von der Schenkung eines Eginbert, eines Neffen des Kadelhoch von Rohr, anlässlich seines Eintritts in das Stift (&amp;quot;tradidit semetipsum ad aram s. Pancratii secundum regulam communis vitae ibidem degendum&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu passen auch die spärlichen Angaben, die wir aus einem – nur im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr auszugsweise überlieferten – Ranshofener Nekrolog dieses Zeitabschnitts schöpfen können. Als verstorbene Chorherren wurden darin [[Konrad von Retenbach]], [[Bernhard von Hut]], [[Hartwig von Sattelbogen]], [[Heinrich von Loitzenkirchen]], [[Heinrich von Braunau]], [[Friedrich von Weilhart]], [[Pabo von Ering]] und [[Wilhelm von Mattsee]] genannt. Es sind vorwiegend Familienangehörige der Ministerialen, die aufgrund ihrer Dienste für den König oder den Herzog unfreie Bauernhöfe, Lehengüter, manchmal auch Eigenbesitz im engeren oder weiteren Umfeld Ranshofens, bewirtschafteten und das Kloster von seinen Anfängen an immer wieder beschenkten. Manche dieser Familien – sie werden in den Urkundentexten einmal als Reichsdienstmannen (&amp;quot;ministeriales regni&amp;quot;) und einmal als Herzogsdienstleute (&amp;quot;ministeriales ducis&amp;quot;) bezeichnet, was wiederum mit der schwankenden Rechtslage der Ranshofener Pfalz zusammenzusehen sein dürfte – hatten im Kloster auch ihre Grablege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gleiche Bild zeigen die in das Totenbuch eingetragenen Namen der Chorfrauen, aber auch der Laienbrüder und -schwestern, die im Stift Aufnahme gefunden hatten. Aus der – schon oben erwähnten – Supplik des Propstes Sifrid an den Papst Clemens IV. wissen wir, dass vor den kriegerischen Ereignissen, durch die Ranshofen um die Mitte des 13. Jahrhunderts großen Schaden genommen hatte, vierzehn Priester versorgt worden waren, während zu seiner Zeit der Konvent auf drei Angehörige zusammengeschmolzen war. Auch das Chorfrauenstift war den Zerstörungen zum Opfer gefallen. Unter Propst Konrad I. wurde es jedoch erneuert. Es sollten aber nicht mehr als sechs Frauen aufgenommen werden, von denen eine zur Vorsteherin (&amp;quot;magistra&amp;quot;) bestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Herkunft der Chorherren anlangt, so begegnen in der Folgezeit weiterhin viele Angehörige von Ministerialenfamilien aus dem Umkreis Ranshofens. Mit dem Ausgang des Mittelalters ändert sich dieses Bild. Zunächst verschwinden die Chorfrauen aus den Quellen. Die überlieferten Namensformen der Chorherren lassen erkennen, dass die in das Stift eingetretenen Personen jetzt mehr und mehr bürgerlicher Herkunft waren und daran änderte sich auch in der Neuzeit nichts. Die Unterlagen, die darüber Auskunft geben, sind vor allem der Visitationsbericht von 1559/60, ferner zwei Namenskataloge der Ranshofener Chorherren von 1665 und 1687 im &amp;quot;Inventarium&amp;quot; des Propstes Benno Meier und schließlich zwei Nekrologaufzeichnungen, die von 1619 bis 1771 reichen (Bayerische Staatsbibliothek München, Clm. 12721, fol. 135-141).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Aufhebung im Jahr 1811 traten die verbliebenen Chorherren in den Weltpriesterstand über. Der St. Florianer Historiker Franz Xaver Pritz schreibt dazu: Einer der Chorherren weinte über dieses Schicksal, die Anderen verließen das Stift ohne Leid und Freude. Jeder erhielt eine Pension von 600 Gulden Reichs-Währung, die später um 100 Gulden vermindert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der Bücherbestand der Ranshofener Klosterbibliothek wurde durch die Aufhebung des Augustiner-Chorherrenstiftes in alle Winde verstreut. Dies gilt zunächst für die alten Handschriften, von denen der größte Teil 1811 nach München abtransportiert und in der jetzigen Bayerischen Staatsbibliothek untergebracht wurde. Andere Ranshofener Kodizes sind während des 19. Jahrhunderts vorwiegend über den Antiquariatshandel in verschiedene andere Bibliotheken gelangt: drei liegen – &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;nach derzeitigem Wissensstand&amp;lt;/span&amp;gt; – in der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin, drei in der Bodleian Library in Oxford, zwei in der russischen Staatsbibliothek in St. Petersburg, um die zwanzig schenkte ein Augsburger Antiquar nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 der Straßburger Universitätsbibliothek, Einzelstücke wurden schließlich noch in Linz (OÖ. Landesbibliothek), in Paris, in Budapest und in New York (Library of Saint Bonaventura College) festgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Provenienz der Handschriften bei der Katalogisierung soweit wie möglich erfasst wurde, ist es bei den gedruckten Büchern meistens schwieriger, ihre Ranshofener Herkunft nachzuweisen. Eine Reihe von Inkunabeln und Frühdrucken aus dem 16. Jahrhundert kamen bereits 1784 anlässlich der Abtrennung der Diözese Linz vom Passauer Bistum im Zusammenhang mit der Errichtung eines Priesterseminars an die jetzige Bibliothek der Katholisch-theologischen Hochschule in Linz. Nur wenige Einzelstücke verblieben im Raum von Ranshofen und Braunau. Erst mit der breiteren Überlieferung von Ranshofener Handschriften aus dem 12. und 13. Jahrhundert wird eine verhältnismäßig sichere Beantwortung der Fragen nach dem Skriptorium und der Bibliothek des Chorherrenstiftes im hohen Mittelalter möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgangspunkt der diesbezüglichen Überlegungen war dabei zunächst jenes Ranshofener Evangeliar, das die Bodleian Library in Oxford aus dem Nachlass des venezianischen Ex-Jesuiten Luigi Canonici 1817 erworben hat (Canon. Bibi. Lat. 60). Den vier Evangelien sind jeweils ganzseitige Deckfarbenminiaturen der einzelnen Evangelisten vorangestellt; im Zusammenhang mit der Passionsgeschichte begegnet innerhalb des Johannesevangeliums auch eine ganzseitige &amp;quot;Kreuzigung Christi&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Zur künstlerischen Ausgestaltung gehören weiters die Kanontafeln und kunstvolle Initialen von verschiedener Form und Größe. Den reichsten Schmuck zeigen hier die zu Zierseiten ausgestalteten Textanfänge. In einer Eintragung am Schluss der Handschrift werden der Propst Adelhard von Ranshofen und der Schatzmeister Liutold im Zusammenhang mit der Bezahlung des 1178 vollendeten Buches erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Swarzenski hat als erster die große Stilverwandtschaft der Deckfarbenminiaturen des Ranshofener Kodex mit denen eines Evangeliars, das bei der Aufhebung des Benediktinerstiftes Mondsee in die Österreichische Nationalbibliothek gelangt ist (Cvp. 1244), aufgezeigt. Da nun im Mondseer Evangeliar ein &amp;quot;Liutoldus monachus&amp;quot; von sich sagt, er habe die Handschrift geschrieben und seinem Können gemäß ausgeschmückt, hat Swarzenski erwogen, den Mönch Liutold mit dem Ranshofener Thesaurar gleichen Namens zu identifizieren. Diese These verfestigte sich dann zur Annahme einer Ranshofener Schreib- und Malschule, als deren Mittelpunkt man den von Mondsee nach Ranshofen übergewechselten Liutold ansehen wollte. In den letzten Jahrzehnten setzte sich jedoch mehr und mehr die Meinung durch, das Ranshofener Evangeliar sei mit einem Salzburger Skriptorium (am ehesten im Benediktinerstift St. Peter) in Verbindung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Salzburger Herkunft wird heute auch für eine dreiteilige lateinische Bibelhandschrift angenommen, von der bis vor kurzem nur die beiden ersten Bände mit Texten aus dem Alten Testament, die bei der Aufhebung Ranshofens nach München kamen (Clm. 23039, Clm. 12601), bekannt waren. Erst im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zur Reichersberger Chorherrenausstellung von 1984 fand Kurt Holter heraus, dass sich der dazugehörige dritte Teil mit dem Psalter und den Schriften des Neuen Testaments ebenfalls in Oxford befindet (Canon. Bibi. Lat. 76). Jeder der drei Bände ist mit verschieden gestalteten Federzeichnungs- oder Deckfarbeninitialen ausgeschmückt. Leider wurden einzelne von ihnen durch nachträgliche Übermalungen entstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den zahlreichen übrigen Ranshofener Handschriften des hohen Mittelalters (mit Werken der Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor dem Großen, ferner Schriften des Kirchenlehrers Isidor von Sevilla, der Symbolisten Rupert von Deutz, Hugo von St. Victor und Bernhard von Clairvaux sowie des der Frühscholastik nahestehenden Honorius Augustodunensis) hat Elisabeth Klemm die der Bayerischen Staatsbibliothek gehörenden eingehend untersucht und genau beschrieben. Für eine Reihe von ihnen nimmt sie mit Sicherheit eine Entstehung in Ranshofen an (Clm. 12608, Clm. 12613-12616, Clm. 12631, Clm. 12633, Clm. 12641 und Clm. 23603), für andere gilt ihr das zumindest als wahrscheinlich. So lässt dies auf den Bestand eines Skriptoriums seit der Einrichtung des Regularkanonikerstiftes schließen, in dem die meisten der weniger anspruchsvollen Gebrauchshandschriften hergestellt worden sein dürften. Nur für besonders repräsentative Kodizes scheint man auf qualitativ leistungsfähigere Werkstätten zurückgegriffen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Hinweis auf den frühen Verlust von Büchern erhalten wir aus einem Bericht der &amp;quot;Mattseer Annalen&amp;quot; über einen Überfall von Kriegsleuten des Passauer Bischofs auf Ranshofen, der dort zwar zum Jahr 1250 überliefert wird, höchstwahrscheinlich aber auf das Jahr 1242 anzusetzen ist. Damals sei das Kloster geplündert und die Pfarrkirche St. Michael in Brand gesteckt worden. Missalien und Bücher, welche der schulischen Unterweisung gedient haben, seien dabei zugrunde gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen freilich nur unvollständigen Überblick über den alten Ranshofener Bücherschatz vermittelt ein um die Mitte des 14. Jahrhunderts geschriebenes Fragment eines Bibliothekskatalogs, der nachträglich in einen Kodex mit der &amp;quot;Legenda aurea&amp;quot; des Jacobus de Voragine eingebunden worden ist (Clm. 12643, fol. 356). Die verzeichneten Handschriften sind in zwei Gruppen aufgegliedert. Zuerst wird eine Reihe von 89 Kodizes aufgezählt, von denen es heißt, sie würden oberhalb der Sakristei des Prälaten aufbewahrt, womit ein Hinweis auf die Lage der Bibliothek während des Mittelalters gegeben erscheint. Die zweite Gruppe wird als in einem langen Kasten befindlich beschrieben. Hier bricht die Reihe allerdings mitten im 21. Titel ab. Das folgende Blatt mit der Fortsetzung ist verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das bedeutendste Denkmal humanistischen Geistes, welches Ranshofen hervorgebracht hat, war wohl das über Anregung des Propstes Kaspar Türndl bereits 1517 hier begonnene &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; des bayerischen Historikers Aventin. Aventin selbst kennzeichnet seinen Versuch einer auf die Quellen zurückgehenden Geschichtsdarstellung im Sinne seines Lehrers Konrad Celtis in der Vorrede durch den Hinweis auf sein Studium der alten Urkunden, des Traditionsbuches und der Kodizes der Stiftsbibliothek. Dass seine Ergebnisse einer kritischen Überprüfung nicht immer standhalten, steht außer Frage. Dennoch war seine Arbeit maßgeblich für alle späteren Darstellungen der Geschichte Ranshofens. Eine Handschrift des Werkes gelangte nach der Aufhebung des Klosters in das OÖ. Landesarchiv nach Linz, eine weitere Abschrift als Geschenk des letzten Stiftsdechants Pankraz Hauser nach Reichersberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die humanistische Gesinnung von Propst Augustin I. Münich bezeugt die Widmungsschrift an den Propst zu den in Sophonias Pämingers &amp;quot;Poematum libri duo&amp;quot; von 1557 veröffentlichten Elegien seines Bruders Balthasar Päminger. Den reformatorischen Tendenzen der Zeit entsprechend nimmt es nicht wunder, wenn im Bericht der Passauer Diözesanvisitationskommission von 1559/60 am Büchervorrat Kritik geübt wird. Zwar fand man in der &amp;quot;Liberei&amp;quot; viele &amp;quot;guete katholische Authores&amp;quot;; aber in einem Stüblein wurden neben unverdächtigen Büchern auch elf Schriften mit protestantischem Inhalt entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit dem Neubau des Konventgebäudes unter den Pröpsten Philipp Vetterl und Simon Meier Mitte des 17. Jahrhunderts wurde ein neuer Bibliotheksraum im Südtrakt des Klosters eingerichtet. Der Ranshofener Stiftsdechant Hieronymus Mayr verfasste damals sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot;, ein zweibändiges Geschichtswerk über Ranshofen. Der erste Band ist in vier Teile gegliedert. Enthalten sind Angaben über den hl. Pankraz, über Gründer und Wohltäter von Kirche und Kloster, über die Lebensweise der Chorherren, aber auch Verzeichnisse der Konventsmitglieder aus älterer und jüngerer Zeit. Der abschließende vierte Teil bringt eine nach den Pröpsten geordnete Stiftsgeschichte bis 1634. Die Titelseite zeigt in Form einer Federzeichnung das Aussehen des Klosters nach der Erneuerung. Dieser Band ist heute im Besitz des OÖ. Landesarchivs. Die Fortsetzung dazu über die Jahre von 1635 bis 1665 befindet sich in der Bibliothek des [[Stift St. Florian|Chorherrenstiftes St. Florian]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Quelle für unsere Kenntnis der Ranshofener Bibliotheksgeschichte während des ausgehenden 17. Jahrhunderts ist ein &amp;quot;Inventarium der geistlichen Sachen des Stiftes Ranshofen&amp;quot;, das Propst Benno Meier anlässlich seiner Resignation 1687 anfertigen ließ. Es enthält neben Inventaraufschreibungen und zwei Namenskatalogen der Ranshofener Chorherren vor allem eine katalogartige Liste sämtlicher unter seiner Herrschaft angekauften Druckwerke (&amp;quot;Libri comparati&amp;quot;). Einige der genannten Bücher befinden sich heute in der Braunauer Studienbibliothek. Ranshofener Herkunft ist wohl auch für den dort ebenfalls vorhandenen Bericht über die Ranshofener 800-Jahr-Feier von 1699 (&amp;quot;Saeculum octavum&amp;quot;, Augsburg 1702) vorauszusetzen. Nach der Widmung an Propst Ivo Kurzbauer werden im ersten Teil die Texte der Predigten, die während des &amp;quot;Acht-tägigen hoch-feyerlichen Jubel-Festes&amp;quot; von verschiedenen Kanzelrednern gehalten wurden, abgedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
===Baugeschichte=== &lt;br /&gt;
Der älteste Kirchenbau in Ranshofen war die zwischen 896 und 898 durch Kaiser Arnulf errichtete und dem hl. Pankraz geweihte karolingische Pfalzkapelle. Eine in der älteren Forschung diskutierte noch frühere Marienkapelle ist quellenmäßig nicht zu belegen. Diese Pfalzkapelle wurde dann mehr als zwei Jahrhunderte später zur ersten Klosterkirche des Augustiner-Chorherrenstiftes umgewandelt. Bei seiner Einrichtung überließ der damals hier herrschende Bayernherzog den Regularkanonikern seine Kapelle für den Gottesdienst. Als Seelsorgekirche wurde daneben eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche gebaut. Leider ist von der alten Pfalzkapelle - ebenso wie von der Königs- beziehungsweise Herzogspfalz, zu der sie gehört hat - kaum mehr etwas erhalten geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grabungen, die der um die Archäologie der Umgebung von Braunau bemühte Maler Hugo von Preen zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Auftrag der k.u.k. Zentralkommission durchführte, blieben ohne nennenswerte Ergebnisse. Nur in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Stiftskirche stieß er auf Reste alter Grundmauern, die man mit der Pfalz in Verbindung bringen konnte. Im Zusammenhang mit einer Nachricht aus den „Mattseer Annalen&amp;quot; über die Zerstörung Ranshofens zum Jahr 1242, aus der hervorgeht, dass die Pfalz damals zwischen dem Kloster und der Pfarrkirche St. Michael gestanden war, hat Schiffmann dann aufgrund dieser Grabungen die Hypothese abgeleitet, die Pfalz sei westlich von der Pfalzkapelle, etwa an der Stelle, wo das Hauptschiff und der Turm der heutigen Kirche stehen, gelegen gewesen. Die Pfalzkapelle selbst aber - damals noch nicht größer als das jetzige Presbyterium - habe den Ostabschluss des Pfalzgebäudes gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Neubau des Chorherrenklosters oder eine Erweiterung des vorher ja schon anzunehmenden Säkularkanonikerstiftes nach 1125 ist naheliegend. Höchst fragwürdig erscheint allerdings eine Kirchweihnotiz für das Kloster und den &amp;quot;Pankrazaltar&amp;quot; (&amp;quot;monasterium et altare s. Pancratii&amp;quot;) von 1135. Sie nennt nämlich neben dem weihenden Bischof Reginbert von Passau den Kaiser Heinrich II., eine Reihe von Bischöfen und einen Herzog Heinrich von Bayern und Sachsen als Anwesende. Reginbert wurde allerdings erst 1138 Passauer Bischof (sein Vorgänger hieß Reginmar) und der Kaiser und die übrigen Bischöfe scheinen aus der verfälschten Urkunde Kaiser Heinrichs III. von 1040 übernommen zu sein. Nur Herzog Heinrich X. (der Stolze) von Bayern, der allerdings auch erst 1137 zusätzlich mit Sachsen belehnt worden war, käme als &amp;quot;Zeitzeuge&amp;quot; in Betracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach schweren Schäden, die Kirche und Kloster bei den kriegerischen Überfällen von 1242, 1250 und 1266 erlitten hatten, wurden beide wiederhergestellt und schließlich 1283 durch den Regensburger Bischof Heinrich neu eingeweiht. Die kunstgeschichtliche Forschung vermutet für die Kirche einen Bau im Stil der frühen Gotik. Reste von zwei säulentragenden Steinlöwen und drei Medaillonbilder an der südlichen Außenmauer des Chores, die stilistisch zu dieser Bauperiode gehören, lassen jedenfalls erkennen, dass beim spätgotischen Kirchenbau zu Beginn des 16. Jahrhunderts zumindest ein Teil des Mauerwerks übernommen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1337 stiftete der Braunauer Bürger Ulrich Schön eine Friedhofskapelle (Karner), die dem Hl. Geist und dem hl. Oswald geweiht wurde. Sie ist als achteckiger Tuffsteinbau mit spitzbogigem Portal und drei Fenstern erhalten geblieben. Im Inneren enden die von verschieden gestalteten Konsolen ausgehenden Rippen in einem Schlussstein mit großer Rose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Seelsorgekirche wurde 1474 von Propst Wolfgang der Grundstein zu einem gotischen Neubau gelegt. Auf den ältesten erhaltenen Abbildungen ist ihr Turm noch mit einem spitzzulaufenden Helm gedeckt. Als ältestes Element des Um- bzw. Neubaus der Stiftskirche ist die unter Propst Blasius Rosenstingl (1494-1504) neu gestaltete Marienkapelle (&amp;quot;Rosenkranzkapelle&amp;quot;) anzusehen, die später - als ostseitiger Abschluss des nördlichen Seitenschiffs - in die Konstruktion der Kirche einbezogen wurde. Von diesem unter Propst Kaspar Türndl (1504-15 26) errichteten spätgotischen Bau ist freilich heute kaum mehr etwas zu erkennen, wenn man von der schlichten Außenerscheinung mit den glatt geputzten Wänden, dem Tuffsockel und den dreifach gestuften Stützmauern des Langhauses absieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Inneren ist die gotische Baukonstruktion fast zur Gänze durch die Umformungen der Barockzeit verdeckt. Nur das einfache Kreuzrippengewölbe des oberen Konventchores oberhalb der Sakristei ist vom Kirchenschiff aus noch sichtbar. Im Hinblick auf die der gleichen Bauperiode angehörenden Bauten der Ranshofener Filialkirchen in Neukirchen/Enknach und Hochburg, vor allem aber der Bürgerspitalskirche in der nahen Stadt Braunau, die als inkorporierte Pfarre ja ebenfalls an das Stift gebunden war, spricht Brucher in seiner Darstellung der &amp;quot;Gotik in Österreich&amp;quot; von einer Innviertler Bautengruppe, die nachhaltig im künstlerischen Ausstrahlungsbereich des Hans von Burghausen stand. Eine Nähe solcher Tendenzen wird man für die Stiftskirche selbst zumindest hypothetisch voraussetzen dürfen, auch wenn der Nachweis dafür nur schwer zu erbringen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild der baulichen Entwicklung Ranshofens ist in den folgenden Jahren von der Barockisierung geprägt, die in mehreren Phasen vor allem dem Innenraum der Stiftskirche ein völlig neues Aussehen verlieh. Die ersten Ansätze dazu sind schon für die Zeit von Propst Hilarius Steyrer (1610-1620) überliefert. Zu großen Veränderungen kam es unter seinem Nachfolger, Propst Philipp Vetterl (1620-1634). 1621 war der Turm der Stiftskirche eingestürzt. In der Folge ließ der Propst - er wird in der Grabinschrift als &amp;quot;architectus insignis&amp;quot; gerühmt - einen neuen bauen, der allerdings weiter nach Westen verlagert wurde, da man zwischen Turm und Kirchenschiff eine halbrunde Westkonche einschob. Diese diente der Errichtung einer Musikempore, auf der eine damals neu angeschaffte Orgel aufgestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1624 begann Propst Philipp auch noch mit der Erneuerung des Stiftsgebäudes, wofür er aus Italien Maurer berief (&amp;quot;ex Italia murarios conducens&amp;quot;). Im Stadium seines vollen Ausbaus, wie es Ansichten aus der Zeit nach 1700 sichtbar machen, bestand das Kloster mit seinen Nebengebäuden aus drei in Nord-Süd-Richtung aneinander anschließenden Gevierten: dem Konventgebäude mit der Prälatur, der Dekanei und der Bibliothek, einem verbindenden Zwischengebäude und dem Meierhof mit dem Bräuhaus. Nach Osten zu waren verschiedene Gärten angelegt (der Blumengarten, der Konventgarten, der Baumgarten und der sogenannte &amp;quot;Kuchelgarten&amp;quot;). Das Ganze wurde von einer Einfriedungsmauer mit einem Torturm umschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1650 standen davon nur der unter Propst Philipp erbaute Konventtrakt und der Meierhof, den Propst Philipps Nachfolger, Propst Simon Meier (1634-1665), neu errichten ließ. Als Baumeister hat Martin dafür einen Bartolomeo Viscardi ausfindig gemacht, der sich in einem Kommissionsprotokoll der Jesuitenkirche in Burghausen als &amp;quot;Stift Ranshofenscher Baumeister&amp;quot; bezeichnet. Schon vorher nannte Schiffmann einen Kaspar Regeton, der 1624/25 auch am Stiftsneubau in Reichersberg beteiligt war. Ulm hat ihn als einen Kaspar Righettoni aus Castenada im Misoxtal in Graubünden identifiziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verbindungstrakt zwischen Konventgebäude und Meierhof entstand erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts, ebenso ein westlich von der Stiftskirche ausgeführter Gasttrakt. Die umfangreichsten Veränderungen an der Stiftskirche wurden unter Propst Ivo Kurzbauer (1687-1715) im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 vorgenommen. Abgesehen von der großzügig erneuerten Innenausstattung kam es zu zahlreichen Eingriffen in die Bausubstanz der Kirche, die alle dem Zweck dienen sollten, den Innenraum in Einklang mit dem barocken Gesamtbild zu bringen. Dazu gehörten vor allem eine Erweiterung der Fensterflächen, das Abtragen einiger Pfeiler, die von außen das Kircheninnere verfinsterten, und schließlich im Chor die Konstruktion einer in den Dachraum hineinragenden Kuppel, um so dem neuen Hochaltar eine entsprechende Höhenausdehnung zu ermöglichen. Propst Ivo begann auch noch mit dem Bau eines neuen Turmes mit barockem Helm für die Pfarrkirche [[St. Michael]], der unter seinem Nachfolger, Propst Augustin II., nach 1715 fertiggestellt wurde. 1799 wurde diese Kirche jedoch zur Gänze abgetragen. Das dabei freigewordene Material verwendete man zum Ausbau der Festung Braunau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert wurden nach der Aufhebung und der damit verbundenen Profanierung des Stiftes der nördliche und der östliche Teil des Konventgebäudes abgetragen. 1859 brannte der Turm der ehemaligen Stiftskirche aus, wobei die Barockorgel völlig zerstört wurde. Die spitze Helmform, welche der Turm beim Wiederaufbau erhielt, könnte als unbeholfener Versuch einer Regotisierung gemeint gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildende Kunst=== &lt;br /&gt;
Abgesehen von den kunstgeschichtlich wertvollen romanischen Handschriften sind nur ganz wenige mittelalterliche Denkmäler der bildenden Kunst aus Ranshofen erhalten geblieben. Zu nennen sind hier zunächst jene drei Medaillonbilder im sogenannten &amp;quot;Rollgang&amp;quot; an der südlichen Außenmauer des Chores der ehemaligen Stiftskirche vom Beginn des 14. Jahrhunderts. Sie wurden in der älteren Literatur als Apostelköpfe gedeutet, zuletzt wurde auch erwogen, ob man sie nicht mit einer Notiz Aventins in Zusammenhang bringen könnte, nach der die Bischöfe Reginbert von Passau und Heinrich von Regensburg auf Fresken dargestellt waren. Dem gleichen Zeitabschnitt sind stilistisch jene zwei säulentragenden Portallöwen aus Ranshofen zuzuordnen, die heute die Besuchergarderobe im Braunauer Bezirksmuseum behüten. In der Stiftskirche selbst ist noch die schön gestaltete gotische Grabplatte des Propstes Blasius Rosenstingl, die dem Salzburger Bildhauer Hans Valkenauer zugeschrieben wird, zu sehen. Rosenstingls Verehrung der Gottesmutter - er hat ja auch den Neubau der Marienkapelle durchgeführt - findet darauf in einer Darstellung der hl. Maria, die von zwei musizierenden Engeln begleitet wird, beredten Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Umkreis der Ranshofener Filialkirchen wären noch zwei qualitativ hervorragende Holzreliefs mit Darstellungen des Marientodes in Hochburg (um 1490) und in Neukirchen/Enknach (um 1510) hervorzuheben sowie eine Monstranz aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert, die der heutigen Pfarrkirche in Handenberg gehört, ferner der &amp;quot;Bäckeraltar&amp;quot; in der Braunauer Stadtpfarrkirche. Obwohl für die Zeit des beginnenden Barock mehrfach über Altarerneuerungen in Ranshofen berichtet wird, ist kaum etwas namhaft zu machen, was aus dieser Periode an kunstgeschichtlich Bedeutsamem erhalten wäre. In jüngerer Zeit hat allerdings Lipp die Herkunft einer im Braunauer Bezirksmuseum aufgestellten Holzplastik aus Ranshofen aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts von einem Ranshofener Altarwerk zur Diskussion gestellt. Diese wollte man aufgrund der Krone und der Reichsinsignien früher als eine Darstellung des Kaisers Arnulf ansehen. Lipp deutete sie als den heilig gesprochenen Kaiser Heinrich II., der ja im klostereigenen Geschichtsverständnis einen besonderen Stellenwert einnahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge mit einem Altarwerk der Stiftskirche werden auch für Holzplastiken des hl. Pankratius und vier Engelfiguren aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts vermutet, die heute als Aufsatzfiguren der Orgel dienen. Zwei herausragende Stücke kunstgewerblicher Arbeit sind schließlich noch die Monstranz und der Kelch, welche 1682 durch Propst Benno Meier bei dem Augsburger Goldschmied Georg Reischle in Auftrag gegeben wurden. Beide Geräte sind aus Silber gefertigt, teilweise vergoldet und mit Halbedelsteinen geschmückt. Zahlreiche Emailmedaillons mit Szenen aus dem Leben Christi gehören zur künstlerischen Ausstattung des Ensembles. Dazu kommen weitere Medaillons mit Grisaillebildern der Rosenkranzgeheimnisse, welche das herzförmige Fenster der Monstranz einrahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erscheinungsbild, das heute den Besucher der ehemaligen Stiftskirche in Ranshofen empfängt, ist geprägt von der großzügigen Umgestaltung, welche das Innere im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 erfahren hat. Dies gilt sowohl von den damals neu aufgestellten Altären als auch von den Deckenfresken im Haupt- und im nördlichen Seitenschiff. Die Bilder des monumental wirkenden Hochaltars, die Enthauptung des hl. Pankraz und darüber (als Aufsatzbild) die hl. Dreifaltigkeit darstellend, stammen von dem in Braunau geborenen bayerischen Hofmaler Johann Kaspar Sing. Sie werden von einem Aufbau aus gewundenen Säulen, Akanthusranken und einer Reihe von Heiligenfiguren eingerahmt, der dem Braunauer Bildhauer Sebastian Hagenauer zugeschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein genaueres Hinsehen verdient die Deckengestaltung mit der Stukkaturverzierung und den beiden Freskenzyklen zur Pankrazvita (im Chor und im Hauptschiff) und zum Marienleben (im nördlichen Seitenschiff). Das Besondere daran sind eine Fülle kleiner Emblembilder, die um die erzählenden Hauptbilder herum gruppiert sind und das dort dargestellte Geschehen kommentieren bzw. erläutern, eine Darstellungsform, die sich im Hochbarock einer gewissen Beliebtheit erfreute und der zahlreiche Handbücher gewidmet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reihe der Pankrazbilder etwa beginnt im Chorraum über dem Hochaltar mit einem Mittelbild, das die Unterweisung des jungen Pankraz durch den Papst zeigt. In zwei kleineren, flankierenden Seitenbildern wird die Landung des aus Phrygien stammenden Jünglings mit seiner Begleitung in Ostia bzw. der Empfang der Reisegruppe am Tor des päpstlichen Palastes geschildert. Die dazugehörenden Emblembilder zeigen eine Uhr, eine Sonnenblume, eine Feuerwerksrakete und eine Nachteule. Die Uhr, deren im Gehäuse verborgenes Werk die Zeiger treibt, symbolisiert die geheime Kraft, die den jungen Pankraz auf seine Reise trieb. Die Sonnenblume, die sich sogar der hinter Wolken versteckten Sonne zuwendet, verweist auf den Weg zum Glauben, den er auch durch Hindernisse unbeirrt geht. Die brennend zum Himmel aufsteigende Feuerwerksrakete ist ein Bild für den Feuereifer, mit dem der junge Mann seinen Weg zu Gott sucht. Die Nachteule schließlich, die von der aufgehenden Sonne vertrieben wird, zeigt seine Erleuchtung durch den päpstlichen Religionsunterricht an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer dieses komplizierte Bildprogramm entworfen hat, wissen wir nicht. Am ehesten ist an Propst Ivo Kurzbauer selbst zu denken. Die Ausführung der Bilder schreibt Martin in der Kunsttopographie des Bezirkes Braunau aufgrund einer Eintragung in den Ehematriken der Ranshofener Kirche dem Laienbruder Christof Lehrl aus dem bayerischen [[Chorherrenstift Högelwörth]] zu. Lehrl wird dort zusammen mit zwei Stukkateuren als Trauzeuge bei der Hochzeit des Malers Josef Pöckl aus Teisendorf, der später in Uttendorf ansässig war, genannt. Dass dieser Pöckl auch an den Fresken mitgemalt haben dürfte, ist Martin entgangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Signatur &amp;quot;I.P.&amp;quot; bei einem der Fresken des Seitenschiffs könnte aber mit &amp;quot;Iosephus Pöckl&amp;quot; aufzulösen sein. Dieses Monogramm findet sich übrigens auch bei einem der &amp;quot;Autorenbilder&amp;quot;, mit denen zur gleichen Zeit die Decke der Bibliothek im Konventtrakt ausgeschmückt wurde, wieder. Unter Propst Augustin II. Pariser wurde um 1730 die Rosenkranzkapelle mit Fresken ausgeschmückt, in den letzten Jahrzehnten des Bestehens des Chorherrenstiftes ist dann noch die Ausgestaltung von Teilen des Prälatentraktes mit Stuckverzierung von Johann Baptist Modler aus Kößlarn hervorzuheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikpflege==&lt;br /&gt;
Die einzige zur Gänze erhaltene mittelalterliche Musikhandschrift aus dem Chorherrenstift Ranshofen ist ein &amp;quot;Breviarium sive ordo&amp;quot; genannter Kodex des 13. Jahrhunderts in München (Bayerische Staatsbibliothek, Clm. 12635 B). Sie verzeichnet und erläutert die Reihenfolge der Gesänge für das Stundengebet und die Messe für die einzelnen Festtage im Verlauf des Kirchenjahres. Als Vorlage des Ranshofener Kodex ist ein &amp;quot;Ordinarium&amp;quot; des Salzburger Domstiftes aus dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts anzusehen (Universitätsbibliothek Salzburg, Cod. M II 6). Über weite Strecken textgleich mit der Ranshofener Handschrift ist außerdem der Vorauer Cod. 99, der ebenfalls dem 13. Jahrhundert angehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonderes Interesse seitens der Wissenschaft fand in diesen miteinander verwandten Handschriften die Aufzeichnung der &amp;quot;Visitatio sepulcri&amp;quot;, eines gesungenen geistlichen Spiels innerhalb der Osternachtsliturgie, in dem der Besuch der Frauen am Grabe Jesu, ihre Botschaft an Petrus und Johannes und deren Wettlauf zum leeren Grab in einer sehr zeremoniösen Weise dargestellt werden. Den Schluss bildet das vom Volk gesungene deutschsprachige Osterlied &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht in dieser sogenannten &amp;quot;Liturgischen Osterfeier&amp;quot; eine wesentliche Wurzel für die Entwicklung des mittelalterlichen Dramas. Aus inzwischen verlorengegangenen mittelalterlichen Liturgiebüchern hat schließlich noch im 17. Jahrhundert Hieronymus Mayr die Texte einer Sequenz (&amp;quot;Ante thronum majestatis&amp;quot;) und eines spätmittelalterlichen Reimoffiziums zum Pankrazfest in sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; kopiert. Schon für diesen Zeitraum ist eine intensive Musikpflege innerhalb der Stiftsschule vorauszusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der musikalischen Theorie, die im Rahmen der Unterweisung aus den &amp;quot;Sieben freien Künsten&amp;quot; vermittelt wurde, erfuhren die Klosterschüler eine gründliche Schulung in der Praxis des Singens, sodass sie beim Gottesdienst die Chorherren unter stützen, manchmal sogar vertreten konnten. Seit dem 16. Jahrhundert lassen sich dann auch für die Musikpflege in Ranshofen Erscheinungen beobachten, die mit der Ausbreitung der humanistischen Bewegung in Zusammenhang stehen. So traten in der Klosterschule an die Stelle des geistlichen &amp;quot;Scholasticus&amp;quot; weltliche Lehrer, die zusammen mit ihren Schülern auch in der Kirche sangen, wobei die mehrstimmigen Musikformen der Renaissance rasch in das Repertoire eindrangen. Die Wurzeln dafür kann man bis in die Regierungszeit des Propstes Kaspar Türndl zu rückverfolgen. Er ließ für die „Präbendisten&amp;quot; - die auf Kosten des Stiftes ausgebildeten Sängerknaben - eine eigene Unterkunft erbauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger, Propst Augustin Münich, wirkte hier vor 1550 ein Magister Johann Kappenstill als Lehrer, der später als Stadtschreiber in Passau im Umkreis des dortigen Humanismus große Wertschätzung genoss und zum Freundeskreis um Leonhard Päminger gehört hat. Seinem Nachfolger, Magister Stephan Vokenrieder, hat Päminger sogar zwei Spruchmotetten gewidmet, die später in die gedruckte Ausgabe der Pämingerschen &amp;quot;Cantiones ecclesiaticae&amp;quot; aufgenommen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein umfassendes Bild der schulischen Verhältnisse in Ranshofen um die Mitte des 16. Jahrhunderts vermittelt das Passauer Visitationsprotokoll von 1559/60. Der &amp;quot;cantor&amp;quot; hielt sich zur Zeit der Kirchenvisitation überhaupt von den Musikaufführungen fern (singt nicht zu Chor). Mit den Schülern, welche er unterrichtete, sang er jedoch regelmäßig vor Beginn des Unterrichts das &amp;quot;Veni, sancte Spiritus&amp;quot; und das &amp;quot;Veni creator&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den &amp;quot;scholasticus&amp;quot; erfahren wir, dass er mit den Schülern eine &amp;quot;Comoedia de coena Domini&amp;quot; (&amp;quot;Spiel vom Herrenmahl&amp;quot;) aufgeführt habe: ein Hinweis auf die Pflege des Schultheaters in Ranshofen. Die Größe der Stiftsschule wird daran erkennbar, dass neben dem Schulmeister und dem Kantor noch ein Magister Thomas Winter genannt wird. Er wird als &amp;quot;ludirector&amp;quot; bezeichnet, hatte also wohl neben dem Schuldienst auch noch die Leitung der Kirchenmusik zu versehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Musikrepertoire sind wir leider nur sehr bruchstückhaft informiert. Vorauszusetzen ist die fortlaufende Pflege des Gregorianischen Chorals. Daneben werden verschiedene protestantische Gemeindelieder genannt, die zunächst wohl einstimmig, fallweise vermutlich von der Schulkantorei in mehrstimmigen Sätzen gesungen wurden, in denen sie schon sehr früh Verbreitung gefunden hatten. Gewiss sang man daneben aber auch mehrstimmige lateinische Messkompositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Orgel hat es damals hier ebenfalls schon gegeben, denn im Visitationsbericht wird bereits ein Organist unter den Klosterdienern aufgezählt. Die noch in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts einsetzende Gegenreformation beginnt dann das Erscheinungsbild des Schulwesens und der Musikpflege alsbald zu verändern. In einer staatlichen Schulordnung von 1569 wurde für die Lateinschulen wieder das Singen der alten Choralweisen vorgeschrieben. Die gefälschten Psalmen und Lieder - gemeint sind die protestantischen Kirchenlieder - wurden aus Kirche und Schule verbannt. Ein Zeugnis dieser vorerst nur zögernd einsetzenden Entwicklung ist für Ranshofen der Visitationsbericht des römischen Kurienkardinals &amp;quot;Commendone&amp;quot; aus dem Jahre 1569. Nach ihm unterrichteten damals immer noch drei Lehrer etwa achtzig Schüler aus Grammatik und Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chorherren sangen das Offizium schön und mit Andacht auf dem alten Konventchor oberhalb der Sakristei. Während der Woche wurde die Messe nur gelesen. An Sonn- und Feiertagen jedoch sangen sie die Chorknaben in der Pfarrkirche St. Michael. Eine weitere wichtige Umstellung des Schulwesens erfolgte zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Nach dem Vorbild der Jesuitengymnasien übernahm jetzt wieder ein Geistlicher die Leitung der Schule und das Amt des &amp;quot;regens chori&amp;quot;. Weltliche Lehrer sind fortan nur noch in untergeordneter Stellung anzutreffen. Der erste geistliche Chorregent in Ranshofen, den wir dem Namen nach kennen, ist der spätere Propst Philipp Vetterl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; berichtet von argen Missständen, die damals im Kloster geherrscht hätten. So habe Frater Philippus das Offizium, besonders die abendliche Vesper, häufig mit den Chorknaben allein gesungen, während sich die übrigen Stiftsangehörigen in Wirtshäusern und Spelunken herumgetrieben hätten. Nach seiner Wahl zum Propst begann er jedoch zielstrebig das Kloster zu erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1622 wurde auf der neugebauten Musikempore der Stiftskirche eine neue Orgel aufgestellt. Noch die Grabinschrift des Propstes rühmt das Werk wegen der Größe der Pfeifen und der Lieblichkeit seines Klanges. Um die Mitte des 17. Jahrhund erts wirkte [[Sebastian Widerstain]] als Stiftsorganist in Ranshofen. Nach einem Musikalienkatalog des Münchener Buchhändlers Paul Parsdorffer gab er eine Sammlung von &amp;quot;Miserere&amp;quot; für vier bis acht Singstimmen, zwei Violinen und Orgel im Druck heraus, denen noch eine &amp;quot;Lauretanische Litanei&amp;quot; hinzugefügt ist. Die Besetzung der leider nirgends erhaltenen Sammlung Widerstains zeigt, dass damals bereits Musikformen des Frühbarock mit selbständig geführten instrumentalen Begleitstimmen im Raum Ranshofen verbreitet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1699 wurde zum 800-Jahr-Fest des Bestehens der Pankrazkapelle im oberen Konventchor eine kleine Chororgel aufgeste llt. Das musikalische Programm der Gottesdienste, die im Verlauf der eine Woche dauernden Festlichkeiten stattfanden, ist leider nicht im Detail überliefert. Von Biber ist in Kremsmünster die Abschrift einer &amp;quot;Missa Sti. Henrici&amp;quot; erhalten. Es ist nicht auszuschließen, dass sie in diesem Zusammenhang von Ranshofen in Auftrag gegeben worden ist, verehrte man doch damals den heiligen Kaiser Heinrich II. - wenn auch nur irrtümlich - als einen der Gründer des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vierteljahrhundert später begegnet in [[Wilhelm Ganspeckh]] (1687-1770) der erste und gleichzeitig einzige Ranshofener Chorherr, der nachweisbar auch als Komponist tätig gewesen ist. Der Vater und zwei seiner Brüder waren unter Kurfürst Max Emanuel Musiker an der Bayerischen Hofmusikkapelle. Nach seinen Studien und der Priesterweihe war er lange Zeit Chorregent im Kloster. Von seinen musikalischen Werken ist einzelnes erhalten geblieben, vor allem ein Druck mit acht Messen und einem Requiem, der 1724 unter dem Titel &amp;quot;Octiduum sacrum&amp;quot; erschienen ist. Als zweiter Teil sind noch zwölf Offertorien angehängt. Die Messen sind nach den Altarheiligen der Stiftskirche benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Sekundiz des letzten Ranshofener Propstes Johann Nepomuk Kierl wurde 1805 noch eine eigens dafür komponierte Kantate (&amp;quot;Heut möge jede Brust das mächtige Gefühl der Freude schwellen&amp;quot;) eines unbekannten Komponisten aufgeführt, deren Partitur erhalten ist. Sie ist das letzte Zeugnis der Musikpflege im Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien== &lt;br /&gt;
Das Ranshofener Stiftsarchiv enthielt seinerzeit eine große Zahl von Originalurkunden, dazu mehrere Kopialbücher, andere Handschriften und sonstige Akten. Das meiste davon kam bei der Aufhebung 1811 nach München in das jetzige Bayerische Hauptstaatsarchiv. Kleinere Aktenbestände befanden sich außerdem im Staatsarchiv in Landshut, wurden von dort aber in der Zwischenzeit ebenfalls an das Hauptstaatsarchiv in München abgegeben. Nur weniges ist im Ranshofener Pfarrhof zurückgeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die älteste erhaltene Urkunde ist die von Kaiser Arnulf über die „Verleihung&amp;quot; der Pfalzkapelle an den Priester Ellimprecht (Bayr. HStA München, Kaiserselekt 87 = Ranshofen Urk. 1) aus dem Jahr 898. Sie muss seit der Karolingerzeit durchgehend an der Pankrazkirche aufbewahrt worden sein. Im Bayerischen Hauptstaatsarchiv befindet sich auch die Urkunde Herzog Heinrichs IX. von 1125, der sogenannte „Stiftbrief&amp;quot; des Augustiner-Chorherrenklosters (Ranshofen Urk. 2), neben weiteren Königs- und Herzogsurkunden. Auch päpstliche Privilegien für Ranshofen liegen dort auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Handschriften des Archivs ist jene des alten Traditionskodex seit der Aufhebung des Klosters leider verschollen. Die einzige auf das Originalmanuskript zurückgehende Textedition ist die der &amp;quot;Monumenta Boica&amp;quot; von 1764. Diese Textform wurde dann 1852 im ersten Band des Urkundenbuches des Landes ob der Enns neuerlich abgedruckt. Etwa gleichzeitig fand der St. Florianer Chorherr [[Jodok Stülz]] im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr eine große Zahl von Traditionen, die Mayr um 1650 aus dem Traditionskodex kopiert hatte. Ein Reihe von weiteren Notizen sind darin in regestenartiger Form wiedergegeben. Diese Überlieferung wertete Konrad Schiffmann 1905 in einer Neuedition aus und erläuterte seine daraus abgeleiteten Erkenntnisse in einer ausführlichen Einleitung. Zum einen kann man nämlich aus dem Vergleich der verschiedenen Überlieferungen erkennen, dass im Monumenta-Boica-Text eine Reihe von Notizen ausgelassen wurden. Zum anderen lassen sich aus den von Mayr gemachten Angaben über die Folien, auf denen er die einzelnen Traditionen gefunden hatte, wertvolle Hinweise auf die ursprüngliche Zusammensetzung des Kodex gewinnen. Dabei wird deutlich, dass die Handschrift aus mehreren vorerst voneinander unabhängig bestehenden Lagen schließlich zu einem Kodex verbunden wurde. Einzelne Lagen erscheinen hinsichtlich der Chronologie falsch aneinandergereiht. Außerdem begegnen die Notizen der ersten Lage in einem späteren Teil ein zweites Mal, wobei die älteste Lage mit der Notiz über die vom Bayernherzog Welf II. getätigte Schenkung von Besitzungen in Handenberg an die Pankrazkirche und die als zugehörige Filialkirche zu denkende Jakobikapelle in Handenberg (Schiffmann II 1, um 1110) eröffnet worden sein dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den erhalten gebliebenen Handschriften des Archivs ist das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes Konrad I. von 1277/1303 die wichtigste (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Ransh. Lit. 1). Sie enthält neben den beiden - bereits oben im Abschnitt über die wirtschaftliche Entwicklung gestreiften - Urbaren zwei Kopialbücher mit wichtigen Urkundenabschriften. Die vier Teile wurden vermutlich erst im 17. Jahrhundert zu einem Kodex zusammengebund en. Die beiden Kopialbücher enthalten wertvolle Zeugnisse zum Ranshofener Urkundenwesen, darunter Kopien von heute verschollenen Originalurkunden, wie etwa die Abschriften jener beiden Urkundentexte, die als verfälschte Fassungen eines Diploms Kaiser Heinrichs III. für Ranshofen anzusehen sind. Auf fol. 47ff. finden sich Angaben über verschiedene Altarweihen, die Schiffmann im Anhang seiner Ranshofener Baugeschichte publiziert hat (&amp;quot;Die Kirchweih-Chronik von Ranshofen&amp;quot;). Zwei weitere Kopialbücher schrieb am Beginn des 15. Jahrhunderts der Chorherr [[Christian Perger]] aus Eggenfelden (Ransh. Lit. 4 bzw. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein von Propst Philipp Vetterl 1623 angelegtes Urkundenbuch befindet sich im Braunauer Stadtpfarrkirchenarchiv. Es enthält zunächst Kopien von Urkunden, die sich auf die Braunauer Stadtpfarre St. Stephan beziehen, im weiteren Verlauf sind auch andere Stiftungen zugunsten des Klosters oder seiner Filialkirchen in den Text aufgenommen. Zum Archivbestand haben wohl auch der Bericht des Propstes Benno Meier über die niederösterreichischen Besitzungen von 1670 und das von ihm angelegte &amp;quot;Inventarium&amp;quot; von 1665/1687 gehört (vgl. oben die Abschnitte &amp;quot;Wirtschaftliche Verhältnisse&amp;quot; und &amp;quot;Bibliothek&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Bernhard Bischoff: Die südostdeutschen Schreibschulen der Karolingerzeit. Band 2. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Gotische Baukunst in Österreich. Salzburg 1990.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
* Rudolf Guby: Die Kunstdenkmäler des oberösterreichischen Innviertels. Wien 1921.&lt;br /&gt;
* Siegfried Haider: Zum Problem karolingischer Pfalzen in Oberösterreich. In: Baiern, Ungarn und Slawen im Donauraum. Hg. von Willibald Katzinger / Marckhgott, Gerhart. Linz 1991 (Forschungen zur Geschichte der Städte und Märkte Österreichs, 4), S. 11–16.&lt;br /&gt;
* Peter Herde: Ranshofener Urkundenstudien. In: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte 24 (1961), S. 183–228. [http://periodika.digitale-sammlungen.de/zblg/kapitel/zblg24_kap8 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die mittelalterliche Buchkunst der Chorherrenstifte am Inn. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 205–231.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Klemm: Die romanischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München. Teil 1: Die Diözesen Regensburg, Passau und Salzburg. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Sigrid Krämer: Die Bibliothek von Ranshofen im frühen und hohen Mittelalter. Band 2. In: The Role of Book in Medieval Culture. Hg. von Peter Felix Ganz. Turnhout 1986 (Bibliologia Elementa ad Librorum Studia Pertinantia, 4), S. 41–72.&lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme der Chorherrenkirche in Ranshofen. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 6 (1966), S. 179–219.&lt;br /&gt;
* Wilfried L. Lipp: Das ehemalige Augustiner Chorherrenstift Ranshofen - Ein Beitrag zur Kunstgeschichte. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, 149–160.&lt;br /&gt;
* Walther Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften des deutschen Sprachgebietes. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 7 (1971), S. 7–102.&lt;br /&gt;
* Alfred Marks: Oberösterreich in alten Ansichten. Linz 1968.&lt;br /&gt;
* Franz Martin (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Braunau. Wien 1947 (Österreichische Kunsttopographie, 30).&lt;br /&gt;
* August Prenninger: Hinweise zur Bevölkerungsstruktur Ranshofens vom Mittelalter bis zur Bauernbefreiung 1848. In: Rantesdorf 788-1988, 1200 Jahre Ranshofen. Ausstellung vom 28. Mai bis 17. Juli 1988. Hg. von Walter Pilshofer / Rudolf Schmidt. Braunau am Inn 1988, S. 39–44.&lt;br /&gt;
* [[Franz Xaver Pritz]]: Geschichte des aufgelassenen Stiftes der regulirten Chorherren des heiligen Augustin zu Ranshofen in Oberösterreich. In: Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen 17 (1857), S. 327–435. [https://books.google.at/books?id=U5YJAAAAIAAJ&amp;amp;vq=pritz&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA327#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Baugeschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Archiv für die Geschichte der Diözese Linz 5/1 (1908), S. 3–26.&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Aufhebung des Stiftes Ranshofen. In: Unterhaltungsbeilage der Linzer Tages-Post, Nr. 42, Jg. 1911 (15. Oktober 1911).&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Ranshofener Stiftsschule im Zeitalter des Humanismus und der Reformation. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 117 (1972), S. 199–212. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_117a_0199-0212.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Musik im Stift Ranshofen. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 120 (1975), S. 67-110 [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_120a_0067-0110.pdf (Digitalisat)]; 121 (1976), S. 179–222. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_121a_0179-0222.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Überlieferung der Ranshofener Traditionen. Vorbemerkungen zu einer künftigen Neuedition In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 16 (1990), S. 5–16. [https://www.ooegeschichte.at/fileadmin/media/migrated/bibliografiedb/mooela_16_0005-0016.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Das Ranshofener Evangeliar in Oxford (Manuscript Canonici Bible Latin 60 der Bodleian Library). Ranshofen 2012.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in den jüngeren Teilen des Ranshofener Traditionskodex. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 22 (2011), S. 291–320.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in Notizen aus dem ältesten Teil des Ranshofener Traditionskomplex. Zum Erscheinen der Schiffmann-Ausgabe vor 100 Jahren. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 21 (2008), S. 107–142.&lt;br /&gt;
* Hubert Schopf: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen am Inn im Mittelalter 1125–1426. Diss. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1985.&lt;br /&gt;
* Max Schrott: Die Conföderationen unserer Stifte. In: In Unum Congregati 5 (1985), S. 123–154.&lt;br /&gt;
* Georg Swarzenski: Die Salzburger Malerei von den ersten Anfängen bis zur Blütezeit des romanischen Stils. Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
* Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 245–294.&lt;br /&gt;
* Margareta Vyoral-Tschapka: Die Klosteranlage des ehemaligen Augustiner Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege Oberösterreich 160: Festschrift für Georg Heilingsetzer zum 70. Geburtstag (2015), S. 577–616.&lt;br /&gt;
* Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert. Köln 1975 (Kölner historische Abhandlungen, 24).&lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Königsherzogsgut in Oberösterreich. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 3 (1954), S. 101–145.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Zur Rechtsgeschichte des Stiftes Ranshofen und seiner Pfarreien. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 161–170.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Ranshofen</title>
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		<updated>2022-07-14T08:46:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Soziale Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1125&lt;br /&gt;
|Datum bis=1811/10/28&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis Ende des 18. Jahrhunderts)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=&amp;quot;curtis rantesdorf&amp;quot;, Hof Rantesdorf (788)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Pankraz, hl. Michael, hl. Jungfrau Maria&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte== &lt;br /&gt;
===Vorgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Errichtung des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen kurz vor oder im Jahr 1125 knüpfte an Voraussetzungen an, die durch eine damals schon Jahrhunderte währende Geschichte gegeben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen war zunächst ein Hof der bayerischen Agilolfingerherzöge, deren letzter, der unglückliche Tassilo III., im gleichen Jahr durch Karl den Großen seine Herrscherwürde einbüßte, in dem Ranshofen – als &amp;quot;Rantesdorf&amp;quot; – erstmals im Licht einer geschichtlichen Nachricht erscheint. Unter den Nachfolgern Karls des Großen wurde Ranshofen eine königliche Pfalz, ein Ort, der dem Herrscher als Aufenthalt und Verwaltungsstützpunkt diente. Kaiser Arnulf, einer der letzten ostfränkischen Karolinger, ließ hier zwischen 896 und 898 eine dem hl. Pankraz geweihte Kapelle erbauen und stattete sie mit Besitzungen, liturgischen Geräten, kostbaren Glasfenstern und Tapisserien sehr großzügig aus. Ein Priester Ellimprecht – wohl ein Mitglied der kaiserlichen Hofkapelle – erhielt die neu errichtete Pfalzkapelle zunächst als Lehen übertragen. Mit einer Urkunde vom 17. Oktober 898 wandelte Kaiser Arnulf dieses Lehen dann in ein freies Eigentum des Priesters Ellimprecht um. Nach dessen Tod sollte alles dem von Arnulfs Vater in Alt-Ötting gegründeten Säkularkanonikerstift zufallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Monate später fertigte Arnulf dann zugunsten der Ranshofener Pankrazkapelle eine weitere Urkunde aus, die allerdings nur in mittelalterlichen Abschriften überliefert wird. An ihrem Text fällt auf, dass vom Priester Ellimprecht nun keine Rede mehr ist. Als Empfänger der gegebenen Güter erscheinen vielmehr &amp;quot;die Kleriker, die dort den Gottesdienst verrichten&amp;quot;. Aus dieser Formulierung hat man auf die nachträgliche Gründung eines Säkularkanonikerstifts in Ranshofen schließen wollen, über dessen Bestand sonst jedoch keine Nachrichten existieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das weitere Schicksal der Pfalz mit der dazugehörigen Pankrazkapelle ist dann nämlich über Jahrzehnte hinweg völlig ungewiss. Wir wissen nicht, ob schon Herzog Arnulf aus dem Geschlecht der Luitpoldinger, der nach dem Tod von König Ludwig (&amp;quot;dem Kind&amp;quot;) 911 die Herrschaft über Bayern an sich gerissen hatte, im Zuge seiner Enteignungen von Kirchengütern die ursprünglich vorgesehene Schenkung der Ranshofener Kapelle an das Stift Alt-Ötting wieder rückgängig gemacht hat oder ob das Abhängigkeitsverhältnis erst später gelöst wurde. Auch über die Auswirkungen der Ungarneinfälle auf das Gebiet schweigen die Quellen. Erst gegen Ende des 10. Jahrhunderts finden wir hier unter Herzog Heinrich dem Zänker einen bayerischen Landtag versammelt, der die sogenannten &amp;quot;Ranshofener Landgesetze&amp;quot; beschließt. Dessen Sohn, der 1002 zum König gewählte und später zum Kaiser gekrönte Heinrich II. (&amp;quot;der Heilige&amp;quot;) ließ am Weihnachtstag des Jahres 996 – noch als bayerischer Herzog – in der Pfalzkapelle den Mönch [[Gotthart von Niederaltaich]] zum Abt dieses Klosters weihen. Heinrichs Gemahlin Kunigunde schließlich verfügte 1025 über die Ranshofener Pfalz wie über familiären Privatbesitz, indem sie diese zusammen mit anderen Königshöfen gegen Güter des Bistums Freising abtauschen wollte. Der Nachfolger Heinrichs II., König Konrad II., scheint diesen Tausch aber nicht anerkannt zu haben. Jedenfalls gehörte das &amp;quot;praedium Ranteshoven&amp;quot; – so der neue Name der Siedlung seit dem ausgehenden 10. Jahrhundert – mit der dazugehörigen Kapelle weiterhin zum Reichsgut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Gründung – oder Wiederbelebung – eines Kanonikerstiftes verweisen erst wieder zwei Urkunden, die Kaiser Heinrich III. im Jahr 1040 für Ranshofen ausgestellt haben soll. Auch sie sind nur in Abschriften überliefert und gelten der Urkundenforschung in ihrer vorliegenden Gestalt als Fälschungen. Man hat allerdings den Versuch unternommen, in beiden authentische Abschnitte von späteren Zusätzen zu trennen. Dabei begegnet im vermutlich echten Text die Angabe über eine Schenkung von Zehenten zugunsten der in Ranshofen &amp;quot;weilenden Priester ..., damit der Gottesdienst dort täglich gefeiert werde.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutet man dies als Hinweis auf eine Klerikergemeinschaft, so dürfte diese in den Wirren der Zeit des Investiturstreits wieder zerfallen sein. Jedenfalls begegnen in den ältesten Schenkungsnotizen des Ranshofener Traditionskodex, deren Textüberlieferung vor 1070 einsetzt, zunächst nur einzelne Priester der Pankrazkirche, die mehrfach auch als Pfarrer bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte===&lt;br /&gt;
Erste Anzeichen für die erneute Einrichtung einer Kanonikergemeinschaft kann man am Text der Ranshofener Traditionen seit etwa 1120 beobachten. Die hier aufgezeichneten Schenkungen erfolgen jetzt nämlich zugunsten der an der Pankrazkirche &amp;quot;für Gott streitenden Brüder (fratres Deo militantes)&amp;quot;, eine Formulierung, die im Zusammenhang mit Regularkanonikern auch andernorts immer wieder begegnet, vereinzelt freilich auch für Angehörige eines weltlichen Kanonikerstiftes gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicheren Boden gewinnen wir somit erst mit der Schenkungsurkunde des Bayernherzogs Heinrich IX. des Schwarzen (1120–1126) vom 30. Juli 1125, in welcher dieser zusammen mit seiner Gemahlin Wulfhilde in der Ranshofener Pfalz den &amp;quot;an der Pankrazkirche nach der Regel des hl. Augustinus Christus dienenden Brüdern Zehent im Gau&amp;quot; Ranshofen sowie verschiedene Güter übergibt. Auf dieser Urkunde basiert dann auch die Darstellung des bayerischen Historikers Aventin, der in seinem um 1520 geschriebenen &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; annimmt, Herzog Heinrich IX. habe hier im Jahr 1125 auf &amp;quot;Geheiß und Rat&amp;quot; des Salzburger Erzbischofs Konrad I. ein Augustiner-Chorherrenstift gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aventins Annahme ist freilich nur mit gewissen Vorbehalten zu übernehmen, denn eine zu diesem Zeitpunkt erst beschlossene Neugründung eines Klosters wird im Urkundentext ebensowenig erwähnt wie ein Zusammenwirken oder Zusammentreffen mit dem Salzburger Erzbischof. Ein Regularkanonikerkloster wird vielmehr als bereits bestehend vorausgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist die Einführung von Augustiner-Chorherren in Ranshofen vielleicht schon zwischen 1120 und 1125 erfolgt. Der weitere Ausbau des Stiftes zu einem Kloster für Chorherren, Chorfrauen und Konversen dürfte sich allerdings noch über die Zeit Heinrichs IX. hinaus bis in die Jahre der Herrschaft seines Sohnes Heinrich X. des Stolzen (1126–1139) erstreckt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Einrichtung eines Augustiner-Chorherrenstiftes erfasste eine wichtige religiöse Erneuerungsbewegung des Mittelalters Ranshofen. Eine Schlüsselfigur ihrer weiteren Ausbreitung war zweifelsohne der Salzburger Erzbischof Konrad I. (1109–1147). Er gilt als Gründer oder Erneuerer einer großen Zahl von Chorherrenstiften innerhalb und außerhalb seines engeren Diözesanbereiches. So ist seine Einflussnahme bei der Errichtung eines Chorherrenklosters in Ranshofen nicht auszuschließen. Quellenmäßig greifbar wird ein Zusammenhang mit ihm freilich erst um 1138/39. Damals nahm Konrad I. zusammen mit Bischof Roman von Gurk in Ranshofen eine Schenkung von Besitzungen der Ministerialen von Rohr im Kremstal für das Kloster entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Entwicklung im Hoch-und Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
Neben der Gestaltung der Liturgie in der Messfeier und beim Chorgebet war die Seelsorge ein wichtiges Anliegen des neuen Ordens. Da der Ranshofener Seelsorgesprengel sehr umfangreich war, wurden schon damals im weiten Umkreis Kirchen dafür neu gebaut oder vorhandene Kapellen übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ranshofen selbst baute man neben der Stiftskirche eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche. Andere Aufgaben waren die Krankenpflege, die schulische Unterweisung und die wissenschaftlichen Studien. Für letztere benötigte man ebenso wie für den Gottesdienst Handschriften, die zu einem großen Teil in der Schreibstube des Klosters, dem &amp;quot;scriptorium&amp;quot;, von den Chorherren selbst in mühevoller Arbeit hergestellt wurden. Aus Urkunden und Traditionsnotizen kennen wir einige Namen von Pröpsten des 12. und beginnenden 13. Jahrhunderts. Genannt werden ein [[Manegold]], der mit dem Magistertitel ausgezeichnet erscheint, nach ihm [[Meginhard]], [[Altmann (Stift Ranshofen)|Altmann]] und [[Adelhard]], unter dem 1178 das berühmte Evangeliar angekauft wurde, danach [[Liutold]] – wohl identisch mit dem im Evangelienbuch bezeugten Schatzmeister gleichen Namens –, dann nochmals ein Adelhard, der mit dem ersten Propst dieses Namens eine Person sein könnte, schließlich noch [[Etticho]] und [[Wichard]]. In verschiedenen Totenbüchern der Salzburger Diözese wird außerdem ein Propst [[Liutfrid von Ranshofen]] verzeichnet, der nur schwer einzuordnen ist. Vielleicht gehört er an den Anfang der Reihe gestellt, anstelle des von Aventin aus der Urkunde Heinrichs IX. von 1125 übernommenen [[Raffold]]. (Letzterer war vermutlich kein geistlicher Propst, sondern einer der Verwalter des Pfalzgutes.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1140 kam es zu einer Kontroverse mit dem Passauer Bischof Reginbert um die Seelsorgerechte und die daraus erwachsenden Zehentforderungen. Im Zusammenhang damit hat der Passauer Ordinarius den Kanonikern einen ungenannten jugendlichen Propst aufgezwungen, gegen den sie sich mit Erfolg aufgelehnt haben. Freiheit der Propstwahl ist dann auch eines der wichtigsten Rechte, das Ranshofen immer wieder urkundlich zugesichert wird, zum ersten Mal in dem großen Schutzprivileg des Papstes Eugen III. von 1147.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts – inzwischen hatten die Wittelsbacher den durch Kaiser Friedrich Barbarossa abgesetzten Heinrich den Löwen in der Herrschaft über Bayern abgelöst – begann für Ranshofen einer der unruhigsten Abschnitte seiner Geschichte. 1233 plünderten Truppen des Babenbergerherzogs Friedrich des Streitbaren bei Kämpfen mit Herzog Otto II. von Bayern Neukirchen an der Enknach, wobei die dortige Filialkirche zu schwerem Schaden kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Jahre danach, wahrscheinlich 1242, überfielen von der Burg Obernberg kommende Leute des Passauer Bischofs Ranshofen selbst und verbrannten zusammen mit der herzoglichen Pfalz auch die beiden Kirchen. 1250 drohten neue Gefahren. Bischof Rüdiger von Passau war durch den päpstlichen Legaten Albert Beham abgesetzt worden, und Berthold, ein gebürtiger Graf von Sigmaringen, sollte seine Stelle einnehmen. Doch Rüdiger leistete Widerstand und wurde dabei durch den bayerischen Herzog unterstützt. So durchzogen Soldaten des Gegenbischofs im November 1250 neuerlich plündernd den angrenzenden Weilhartsforst und verwüsteten das Land. Die Stiftskirche soll anschließend wieder aufgebaut und 1255 neu eingeweiht worden sein. Doch bald danach wurde das Gebiet um den unteren Inn im Zusammenhang mit Kämpfen zwischen Herzog Heinrich von Niederbayern – das Herzogtum war inzwischen nach dem Tod Ottos II. unter seinen Söhnen geteilt worden – und König Ottokar von Böhmen neuerlich Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen wurde 1266 ein zweites Mal niedergebrannt und dabei fast zur Gänze zerstört. So klagte Propst [[Sifrid]] (1255–1277) in einer Bittschrift an Papst Klemens IV. darüber, dass im Kloster nur mehr drei Leute Unterhalt fänden, während davor 14 Priester und 50 weitere Stiftsangehörige mühelos versorgt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Resignation Sifrids erlebte Ranshofen aber dann unter seinem Nachfolger [[Konrad I.]] (1277–1311) eine Zeit des Wiederaufschwungs. Neben den nun wieder günstigeren äußeren Verhältnissen ist diese Blüte vor allem in der Tatkraft und Zielstrebigkeit jenes Prälaten begründet. Bereits im Jahr seiner Erwählung begann er mit der Anlage eines Privilegienbuches, in das die Urkunden des Klosters in übersichtlicher Form eingetragen werden sollten. In dem angeschlossenen Urbar wurden die Stiftsgüter verzeichnet. Beide Teile hat Propst Konrad I. später in etwas abgewandelter Form nochmals redigiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der schon unter seinem Vorgänger begonnene Neubau der Stiftskirche wurde 1283 abgeschlossen und in Gegenwart des bayerischen Herzogs durch den Bischof von Regensburg eingeweiht. Auch das Kanonissenstift wurde erneuert und Einrichtungen für die Krankenpflege geschaffen. Schon mit Konrads gleichnamigem Nachfolger [[Konrad II.]] (1311–1332) setzte allerdings neuerlich eine Zeit des Niedergangs ein. Später besserten sich die Verhältnisse wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift wurde im 14. und 15. Jahrhundert vielfach durch Privilegien der Herzöge von Bayern und von Österreich ausgezeichnet. Auch Kaiser Ludwig der Bayer und später Maximilian I. reihten sich unter die Förderer ein. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts mehrten sich ganz allgemein die Versuche, dem damals drohenden Verfall der Klöster entgegenzuwirken. Erste Ansätze einer solchen Reform in Ranshofen unter den Pröpsten [[Erasmus Ridmund]] (1435–1444), [[Friedrich Gunderstorfer]] (1444–1448) und Thomas Wittel (1451–1462) zeigten jedoch keinen nachhaltigen Erfolg. Erst der aus dem niederösterreichischen [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] berufene Propst [[Wolfgang]] konnte das Kloster im Sinne einer vom böhmischen Stift Raudnitz ausgehenden Reformbewegung erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Nachdem Ranshofen im bayerischen Erbfolgekrieg trotz bedrohlicher Nähe des Kriegsgeschehens glimpflich davongekommen war, begann 1508 Propst [[Kaspar Türndl]] (1504—1529) mit dem Neubau der Stiftskirche. Gleichzeitig kam es zu einer Blütezeit humanistischen Geistes, die sich in den erhaltenen Handschriften und Frühdrucken aus der Klosterbibliothek spiegelt. Aber auch erste Anzeichen für eine beginnende Auseinandersetzung mit den Lehren Martin Luthers lassen sich von 1520 an beobachten. Eine Steigerung dieser Tendenzen ergab sich unter Propst [[Augustin I. Münich]] (1529—1560). Zeitgenossen rühmten ihn als Freund der Studien und Wissenschaften. Die Stiftsschule war unter seiner Herrschaft eine der größten Unterrichtsanstalten von ganz Bayern. Aus dem Protokoll einer Passauer Kirchenvisitation von 1559/60, der wichtigsten Quelle unserer Kenntnis über die Ausbreitung der Reformation im Innviertel, erfahren wir jedoch, dass die an dieser Schule wirkenden Schulmeister eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der protestantischen Glaubenslehren gespielt haben. Vielleicht steht die bald nach der Visitation erfolgte Resignation des Propstes im Zusammenhang mit seiner toleranten Einstellung gegenüber den Anhängern des neuen Glaubens. Unter seinem Nachfolger [[Adam Gensleitner]] (1560—1587) wurde jedenfalls sehr rasch die Gegenreformation voll zur Geltung gebracht, sodass der römische Kurienkardinal Commendone, der Ranshofen 1569 visitiert hat, den Zustand von Kirche, Kloster und Schule bereits als zufriedenstellend beurteilte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren neuerlichen Verfalls an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert begann nach 1620 eine der glanzvollsten Perioden der Geschichte Ranshofens. Der klostereigenen Geschichtsschreibung gilt sie als das Werk von vier aufeinanderfolgenden Prälaten. Trotz wachsender Bedrohung durch den Dreißigjährigen Krieg erneuerte Propst Philipp Vetterl (1620—1634) nicht nur die schwer darniederliegende Disziplin des Gemeinschaftslebens, sondern begann auch einen frühbarocken Neubau der Klosteranlage. 1628 erhielt der Propst durch Papst Urban VIII. für sich und seine Nachfolger das Recht des Gebrauchs der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1634 kam der bayerische Kurfürst Maximilian I. mit seiner Familie und seinem Hofstaat auf der Flucht vor den schwedischen Truppen, die München besetzt hatten, nach Ranshofen und blieb hier bis zum Frühjahr 1635. Während des Aufenthalts im Kloster starb die Kurfürstin Elisabeth am 4. Jänner 1635.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Gegenwart des Kurfürsten gewählte Propst [[Simon Meier]] (1635—1665) kümmerte sich besonders um die Neuordnung der Bibliothek und um die wissenschaftlichen Studien der Stiftsangehörigen. Propst [[Benno Meier]] (1665—1687) – ein Neffe seines Vorgängers – ließ im Schloss Neukirchen eine theologische Studienanstalt einrichten. Besondere Sorgfalt widmete er dem Stiftsarchiv mit den alten Urkunden. Seinem Ordnungssinn ist es zu verdanken, dass wir für die Zeit seiner Regierung genaue Aufzeichnungen über die vorhandenen Kirchengeräte und einen Katalog der erworbenen Bücher besitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ivo Kurzbauer]] (1687—1715) erneuerte schließlich Kirche und Kloster für ein 1699 gefeiertes &amp;quot;Acht-tägiges hochfeierliches Jubel-Fest&amp;quot; zum Gedächtnis der achthundertjährigen Geschichte der Pankrazkirche und krönte damit die Bestrebungen seiner Vorgänger, eine Entwicklung, die [[Augustin II. Pariser]] (1715—1741) zwar weiterführen, aber nicht mehr steigern konnte. Die barocke Glanzzeit des Stiftes hatte damit ihren Höhepunkt bereits überschritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild, das Ranshofen dann von der Mitte des 18. Jahrhunderts an bietet, ist eher uneinheitlich. Man kann es nur verstehen, wenn man die Erscheinungen von zwei Seiten her eingrenzt: vom Weiterführen überkommener Lebensformen des Barock einerseits und von der damals auch in Bayern bereits einsetzenden Aufklärungsbewegung andererseits. Mit dem Frieden von Teschen (1779) fiel das lnnviertel an Österreich. Dadurch wurden die vom Geist jener Zeit geprägten Reformen Kaiser Josephs II. alsbald auch in Ranshofen wirksam. Im Zusammenhang mit der Neuorganisation des Pfarrnetzes wurden verschiedene Filialkirchen in Pfarrkirchen umgewandelt, die Formen des Gottesdienstes reformiert, die Ranshofener Pfarrkirche St. Michael gesperrt und später abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Abtrennung der Diözese Linz vom Bistum Passau löste altgewohnte Bindungen. Vor allem die Franzosenkriege brachten dann neuerlich große Unruhe in das Kloster. Das Stift wurde einmal von diesen und einmal von jenen Truppen als Militärspital beansprucht. Es kam zu Gewalttaten und Plünderungen. Aber auch die Klostergemeinde selbst war vom Geist der Aufklärung angekränkelt.&lt;br /&gt;
Vor allem der letzte, 1784 gewählte Propst [[Johann Nepomuk Kierl]] gilt als schwach und verschwenderisch. Nach seinem Tod im Jahr 1809 kommt es innerhalb der zerfallenen und in sich gespaltenen Gemeinschaft zu keiner Neuwahl mehr. So findet die von der &amp;quot;Rieder Regierung&amp;quot; während der französischen Besatzung 1810 angekündigte Aufhebung Ranshofen bereits im Zustand der Krise.&lt;br /&gt;
Der Übertritt in den Weltpriesterstand kommt den damals noch hier lebenden Chorherren eher gelegen. Vor der endgültigen Aufhebung am 28. Oktober 1811 brachte man die als wertvoll angesehenen Archivalien in das Hauptstaatsarchiv nach München und einen großen Teil der Bibliotheksbestände in die jetzige Bayerische Staatsbibliothek. Anderes wurde in der ganzen Welt verstreut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammen mit dem, was in Ranshofen selbst heute noch sichtbar ist, legen diese Dokumente ein beredtes Zeugnis ab von der Pflege von Religion, Wissenschaft und Kunst im Chorherrenstift Ranshofen im Verlauf seiner Jahrhunderte währenden Geschichte. Indirekt kann man aus ihnen aber auch ahnen, wie bedeutungsvoll dieses Wirken der Chorherren für jene Menschen gewesen sein muss, die im Umkreis des Klosters gelebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Nachgeschichte===&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung erwarb der bayerische General Graf von Montjoie-Frohberg die Stiftsgebäude und den ausgedehnten Grundbesitz und wandelte einen Teil der ehemaligen Klosteranlage zum &amp;quot;Schloss Ranshofen&amp;quot; um. Anderes wurde abgetragen. Die frühere Stiftskirche blieb als Pfarrkirche erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erster Pfarrer wurde der seinerzeitige Stiftsdechant [[Pankraz Hauser]]. Der Pfarrer war damals einige Jahrzehnte hindurch auch Repräsentant der weltlichen Verwaltung. Erst im Zuge der Reformen bekam Ranshofen im Jahr 1848 eine eigene Gemeindeverwaltung. Auch erhielten die bis dahin unfreien Bauern die Möglichkeit, den Grund und Boden, den sie vorher als Untertanen bewirtschaftet hatten, gegen ein geringes Entgelt als Eigentum zu erwerben.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1851 kaufte dann Ferdinand Wertheimer, der später als Abgeordneter dem oberösterreichischen Landtag angehörte, die &amp;quot;Herrschaft Ranshofen&amp;quot; und wandelte im Lauf der Jahre den immer noch beachtlichen Großgrundbesitz in einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb um. Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland im März 1938 wurde der Wertheimersche Familienbesitz jedoch vom Deutschen Reich &amp;quot;abgelöst&amp;quot;. Im Oktober des gleichen Jahres wurde die vorher selbständige Gemeinde Ranshofen der Stadt Braunau einverleibt und ein Jahr später begann man bereits auf den Wertheimer-Gründen mit dem Bau eines Aluminiumwerkes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute ist man bemüht, das noch Vorhandene zu erhalten und zu pflegen, wobei der Komplex von Kirche und ehemaligem Stift besitzmäßig auf die Diözese Linz, die Stadt Braunau und private Eigentümer verteilt ist. Die Kirche und der Bibliothekssaal im ehemaligen Konventgebäude werden – abgesehen von der liturgischen Verwendung des Gotteshauses – auch für kulturelle Veranstaltungen genützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Will man sich ein Bild von den wirtschaftlichen Verhältnissen des Chorherrenstiftes Ranshofen im Mittelalter machen, wird man zunächst von der Urkunde Herzog Heinrichs IX. von Bayern aus dem Jahr 1125 ausgehen müssen. Sie gilt in der Literatur ja als &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; des Klosters. Als geschenktes Gut werden darin Güter in Handenberg, Braunau und einem – nicht mehr bestimmbaren – Dürrnberg nördlich der Donau sowie verschiedene kleinere Liegenschaften angeführt. Letztere wurden den Regularkanonikern teils als Eigenbesitz, teils als Lehen überlassen. Dazu kamen die herzoglichen Zehenten &amp;quot;im Gau&amp;quot; Ranshofen und die Kirche Enknach (&amp;quot;Enkinacha&amp;quot;) – vermutlich am Ort oder in der Nähe des heutigen Neukirchen an der Enknach gelegen – mit dem dazugehörigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich erst nach Ausfertigung der Urkunde wurde an einer bestimmten Stelle nachträglich noch ein Hinweis eingefügt, dass jene Hörigen, die vorher in der Hand des Herzogs oder des Kämmerers bzw. des – herzoglichen – Propstes gewesen seien, nun auch dem Kloster unterstellt würden. So reichhaltig diese Schenkung gewesen ist, so wird damit keineswegs der gesamte wirtschaftliche Besitz Ranshofens zur Zeit der Gründung des Chorherrenstiftes umschrieben. Die Einrichtung des mittelalterlichen Klosters erfolgte ja nicht in der Einöde eines unerschlossenen Gebietes, sondern knüpfte an eine Jahrhunderte währende Vorgeschichte an. Schon Kaiser Arnulf hatte ja die von ihm erbaute Pfalzkapelle reich mit Gütern ausgestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den umfangreichsten Einblick in die Ranshofener Besitzverhältnisse im hohen Mittelalter gewähren jedoch die Notizen des Traditionskodex, deren Inhalte den Zeitraum von etwa 1070 bis 1250 umspannen, also auch schon vor 1125 einsetzen. Die Texte bezeugen die Übergabe von Gütern im näheren und weiteren Umkreis von Ranshofen, darüber hinaus die Schenkung von 5-Pfennig-Zensualen, sowie von Knechten und Mägden. Wie in anderen Klöstern machen auch in Ranshofen die Selbstübergaben von ehemals freien Personen, in der Absicht, sich unter dem Schutz des Stiftes gegen Übergriffe von Mächtigeren abzusichern, einen beträchtlichen Teil der Zensualenschenkungen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere wichtige Quelle zur mittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte Ranshofens ist dann das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes [[Konrad I.]]. Die Handschrift enthält neben zwei Kopialbüchern zwei Urbare, welche 1277 beziehungsweise 1303 angelegt wurden. Da im älteren Urbar die erste Lage der Handschrift verlorengegangen ist, kann man nur aus dem jüngeren erkennen, dass der Grundbesitz sich damals auf acht Urbarämter verteilte, die im Innviertel (Haselbach, Überackern, Neukirchen/Enknach, Nonsbach und Ranshofen), im oberösterreichischen Kremstal (Rohr) und in den jetzigen bayerischen Landkreisen Rottal-Inn und Alt-Ötting gelegen waren (Kollbach und &amp;quot;Trans Enum&amp;quot;). Dazu kamen noch Weingärten in der Wachau. Im Abgabenverzeichnis über die im Dorf Ranshofen ausgegebenen Lehen werden auch zwei Schuster, ein Schneider, ein Fleischer, ein Koch und ein Bader angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte Ranshofens stiegen in der Folgezeit dann noch durch die Stiftung von Jahrtagen in Form von &amp;quot;Seelgeräten&amp;quot;, das sind Schenkungen zugunsten von jährlich, manchmal sogar wöchentlich zu lesenden Messen für das Seelenheil von Verstorbenen. Ähnliche Stiftungen begegnen auch in den Filialkirchen des Klosters, unter denen die Braunauer Stephanskirche durch die Befestigung der Siedlung und die Stadterhebung im Jahr 1260 bald eine Sonderstellung einnehmen sollte. Kaiser Ludwig der Bayer (1314–1347) stiftete 1345 eine täglich zu lesende Messe für sich und seine Vorfahren und Nachkommen. Gleichzeitig schenkte er dem Kloster jene Güter im Dorf Ranshofen, die bis dahin noch herzoglicher Besitz gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schiffstransport des Klosterweins aus den Weingärten in der Wachau auf Donau und Inn erhielt das Chorherrenstift verschiedentlich Privilegien über die Mautfreiheit, so 1287 vom österreichischen Herzog Albrecht I., die er 1295 und sein Sohn Friedrich der Schöne 1314 nochmals bekräftigten. Eine Bestätigung dieser Privilegien durch Kaiser Maximilian I. erbaten der Propst und das Kapitel von Ranshofen schließlich noch 1498. In einzelnen Fällen hat das Kloster aber auch ältere Besitzungen, die schwer zu bewirtschaften waren oder den erwarteten Ertrag nicht erbrachten, wieder abgestoßen. Ein wertvolles Dokument solcher wirtschaftlicher Veränderungen ist eine von Propst [[Benno Meier]] 1670 verfasste &amp;quot;Relation von den Ranshoverischen in Österreich gelegenen Höf und Weingärten&amp;quot;. Darin verzeichnete der Prälat zunächst alles, was er aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen über die niederösterreichischen Besitzungen Ranshofens in Erfahrung bringen konnte. Es handelte sich um Höfe und Weingärten in Schwallenbach, Spitz, Loiben, Stein, Krems und Gobelsburg in der Wachau und um Weingärten in Kritzendorf bei Klosterneuburg. Zu seiner Zeit waren davon fast nur mehr die Weingärten in Unterloiben – ihre Riednamen sind vielfach bis heute in Gebrauch – dem Stift verblieben. Ihr Zentrum war ein großer Lesehof in Unterloiben nahe der Kirche, der als der heutige &amp;quot;Loibnerhof&amp;quot; identifiziert werden kann. Weil die Kosten-Nutzen-Rechnung des Propstes auch darüber negativ ausfiel, verkaufte er ein Jahr später den ganzen Komplex an das Kloster Tegernsee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen guten Überblick über den Stiftsbesitz und die Untertanen im Bereich von Ranshofen selbst in der Zeit des beginnenden 18. Jahrhunderts gibt ein im Auftrag des Propstes Ivo (1687–1715) durch den bayerischen Geometer Matthäus Paur im Jahr 1714 angelegtes Mappenwerk (&amp;quot;Gruntrys mit angehengter Beschreibung&amp;quot;, in der Literatur im allgemeinen als &amp;quot;Grundriss-Libell&amp;quot; bezeichnet). Der davon erhaltene Teil besteht aus Plandarstellungen aller Besitzungen im Bereich der sogenannten &amp;quot;Hofmark&amp;quot; Ranshofen mit darauf bezogenen Erläuterungen. Diese umfasste damals 81 Häuser, von denen die meisten vom Stift auf Erb- oder Leibrechtsbasis verliehen waren. Etwa die Hälfte davon wurde landwirtschaftlich genutzt. Der Rest war an Gewerbetreibende vergeben, unter denen sich auch ein Saitenmacher, ein Sattler, ein Bierbrauer und ein Metzger aus Braunau finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge der Abtrennung des Innviertels von Bayern durch den Frieden von Teschen ergaben sich während der letzten Jahrzehnte des Bestandes des Klosters Probleme mit der Verwaltung der bei Bayern verbliebenen Besitzungen jenseits des Inn. So wurden etwa im Verlauf der napoleonischen Kriege – Bayern kämpfte damals auf der Seite der Franzosen gegen Österreich – die Erträgnisse von Grundherrschaften, die auf bayerischem Gebiet gelegen waren, für das Stift gesperrt. 1810 schließlich begann man im Zuge der Auflösung die beweglichen Güter und die Wertsachen zu versteigern. Die Einnahmen betrugen 13.000 Gulden, die nach Salzburg, von wo aus kurzzeitig auch das Innviertel verwaltet wurde, abgeliefert werden mussten. Das 400 Joch große Stiftsgut, bestehend aus Äckern, Wiesen, Auen, Gärten und anderem, kaufte am 17. August 1812 der bayerische General und königliche Adjutant Graf Montjoie-Frohberg um 54.000 Gulden. Nur den unteren Teil des Lachforstes und ein Haus in Dietfurt (unterhalb von Braunau) behielt der bayerische Staat für sich zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Die rechtliche Lage der Ranshofener Pfalz war vom ausgehenden 11. bis um die Mitte des 12. Jahrhunderts eine eher wechselhafte. Dies findet auch in der damals beginnenden Geschichte des Chorherrenstiftes seinen Niederschlag. Die Pfalz und die dazugehörende Pankrazkapelle waren ja seit der Karolingerzeit Reichsgut und als solches der Verfügungsgewalt des Königs unterstellt. Den Bayernherzögen war zwischendurch zwar die Nutzung überlassen, sie wurden gegen Ende des 11. Jahrhunderts wegen ihrer reichsfeindlichen Politik im Zusammenhang mit dem Investiturstreit aber wiederholt durch Kaiser Heinrich IV. abgesetzt: zuerst Otto von Nordheim und später Welf I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So begegnet in einer vermutlich 1074 anzusetzenden Traditionsnotiz Kaiser Heinrich IV. selbst als Eigentümer von Ranshofen (&amp;quot;cuius praedium erat, quod Ranshovin vocatur&amp;quot;). Erst seit 1096 wurden die Welfen wieder mit Bayern belehnt und waren damit innerhalb bestimmter Grenzen über das Land am Inn verfügungsberechtigt. Die schwankende Rechtslage von Ranshofen kommt dann besonders in der &amp;quot;Gründungsurkunde&amp;quot; Herzog Heinrichs IX. von 1125 zum Ausdruck. Ihre Textform und ihre Ausstattung schließen sich in vielem dem Vorbild königlicher Siegelurkunden an. Dem Stil der Herrscherurkunden entspricht wohl auch der Hinweis auf die Mitwirkung und Zustimmung von Heinrichs Gemahlin Wulfhilde. Gerade dies ist allerdings rechtlich höchst fragwürdig, da es sich bei den geschenkten Gütern ja nicht um welfischen Eigenbesitz, sondern um dem Herzog überantwortetes Reichsgut handelte, für dessen Vergabe viel eher die Zustimmung des Königs erforderlich gewesen wäre. (Freilich war im Juli des Jahres 1125 nach dem Tod Kaiser Heinrichs V. Lothar III. noch nicht gewählt.) Die Strafformel, welche eine Bußzahlung von 60 Gulden an die Kammer des Königs bzw. des Kaisers bei Eingriffen in das Schenkungsgut vorsieht, bestätigt diese Auffassung. Dennoch versuchte Herzog Heinrich der Löwe später die Meinung durchzusetzen, Ranshofen sei ein Eigenstift seiner Familie, so vor allem, wenn er die dort dienenden Regularkanoniker als zu seiner Kapelle gehörig bezeichnet und die Gründung insgesamt fälschlicherweise mit seinem Vater Heinrich dem Stolzen in Verbindung bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1139 hatte nach dem Tod Heinrichs des Stolzen zunächst der Babenberger Leopold IV. zusammen mit dem Herzogtum Bayern das Reichsgut um Ranshofen erhalten. Er ist jedoch bereits zwei Jahre später verstorben. Damals behielt König Konrad III. dann für kurze Zeit Bayern selbst in der Hand. In diesen Zeitabschnitt fällt das große Schutzprivileg Konrads von 1142, in dem der König die Besitzungen des Chorherrenstiftes, das er eine Gründung seines Urgroßvaters, des Kaisers Heinrich III., nennt, bestätigt. Eine Erwähnung einer Erneuerung durch die Welfen wurde in der Urkunde – offensichtlich aus politischen Gründen – unterdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Jahr belehnte der König den Babenberger Heinrich &amp;quot;Jasomirgott&amp;quot; mit Bayern. Das ist wohl jener &amp;quot;Heinricus Dux Bawariae&amp;quot;, welcher in einer anderen Tradition das an den Obstgarten der Regularkanoniker angrenzende Land am Altar des hl. Pankraz übergibt. Auch erscheint er in dem großen Privileg des Papstes Eugen III. von 1147 als Fürsprecher des Stiftes. Darin wird unter anderem erwähnt, dass der Vogt (&amp;quot;advocatus&amp;quot;) über das Herzogsgut gleichzeitig der Vogt des Klosters Ranshofen sei. Diese Bestimmung wird dann auch im Privileg des Papstes Hadrian IV. von 1158 wiederholt. Diesmal ist jedoch bereits Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, der Schirmherr des Klosters. Friedrich Barbarossa hatte ihn inzwischen 1154 mit dem von ihm zurückgeforderten Bayern belehnt. Schon 1157 hatte Heinrich der Löwe in einer Urkunde verfügt, dass der Vogt nicht nur die herzogliche Pfalz mit deren Untertanen, sondern auch die Stiftsleute an seiner Stelle beschützen und beschirmen sollte. Er habe auch die Klagen der Kanoniker und ihrer Eigenleute anzuhören und ihnen gebührend Recht zu verschaffen. Geld sollte er dafür nicht von ihnen fordern, sondern nur von des Herzogs Kammer nach altem Herkommen seinen Lohn empfangen. Darüber hinaus solle er keine Verfügungsgewalt über das Kloster oder dessen Eigenleute und Besitzungen haben und auch keine Steuern von ihnen eintreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vögte begegnen bereits mehrfach in den frühen Ranshofener Schenkungsnotizen aus der Zeit um 1100. Sie waren damals wohl vom König eingesetzt und hatten die Aufgabe, die unfreien Untergebenen vor Gericht zu vertreten, konnten aber auch selbst Streitigkeiten schlichten und Strafen verhängen. Bei Schenkungen an die Kirche fungierten sie als wichtige Zeugen. In späteren Traditionsnotizen wird fallweise der Herzog selbst als Vogt des Klosters angesprochen, so nach 1180 der Wittelsbacher Otto I. (&amp;quot;tune temporis dux Bawariae et eiusdem loci advocatus&amp;quot;). Nach dem Zeugnis der beiden angeführten päpstlichen Privilegien ließen sich aber schon zuvor die Herzöge in dieser Funktion durch von ihnen bestellte Untervögte vertreten. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts werden diese dann meistens als Richter (&amp;quot;judex&amp;quot;) angesprochen. Ob die Ranshofener Untervögte ihre Stellung – wie etwa in Reichersberg – zur persönlichen Besitzerweiterung und Bereicherung missbraucht haben, ist aus den Quellen nicht mehr zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf verschiebt sich die rechtliche Verfügungsgewalt mehr und mehr zugunsten des Landesfürsten. Der ehemalige Pfalzbereich wird dem herzoglichen Amt Burghausen zugeordnet. Einen Höhepunkt erreicht diese Entwicklung mit Kaiser Ludwig dem Bayern, der in sich ja Königs- und Herzogsamt vereinigte. Von ihm erhielt der Propst 1345 das Recht der niederen Gerichtsbarkeit über alle Stiftsuntertanen. Vögte des Chorherrenstiftes Ranshofen treten in der Folgezeit nicht mehr in Erscheinung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Von den Chorherren, die in der frühen Zeit dem Stift Ranshofen angehörten, kennen wir nur einzelne Namen, die außerdem meistens wenig über ihre soziale Herkunft aussagen. Ein im Traditionskodex vor 1120 mehrfach genannter Pfarrer [[Erenbert]] wird anlässlich der Schenkung seines Gutes Pfaffing in einer der Notizen als &amp;quot;canonicus s. Pancratii mart.&amp;quot; bezeichnet, was ihn als Säkularkanoniker charakterisieren könnte. Ob er später auch noch dem Regularkanonikerkonvent angehört hat, ist ebenso fraglich, wie die – in der Literatur vielfach angenommene – Übernahme der ältesten Augustiner-Chorherren aus dem Salzburger Domstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die ersten Pröpste gibt es vereinzelte Hypothesen ihrer Herkunft, sowohl in genealogischer wie in geistlicher Hinsicht, die freilich einer kritischen Überprüfung kaum standhalten. Einen Ansatzpunkt für die Beantwortung der Frage nach dem sozialen Umfeld der ältesten Ranshofener Regularkanoniker gewinnen wir aus jener Traditionsnotiz von 1138/39, nach welcher der Reichsministeriale Friedrich von Rohr und seine Gemahlin Berta in Anwesenheit des Salzburger Erzbischofs Konrad I. und des Bischofs Roman von Gurk ihr ganzes Gut in Rohr (im oberösterreichischen Kremstal) übergaben, als sie ihren Sohn Richer dem Kloster zur geistlichen Ausbildung anvertrauten. Und in unmittelbarer Nachbarschaft zu dieser Notiz lesen wir im Traditionskodex von der Schenkung eines Eginbert, eines Neffen des Kadelhoch von Rohr, anlässlich seines Eintritts in das Stift (&amp;quot;tradidit semetipsum ad aram s. Pancratii secundum regulam communis vitae ibidem degendum&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu passen auch die spärlichen Angaben, die wir aus einem – nur im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr auszugsweise überlieferten – Ranshofener Nekrolog dieses Zeitabschnitts schöpfen können. Als verstorbene Chorherren wurden darin [[Konrad von Retenbach]], [[Bernhard von Hut]], [[Hartwig von Sattelbogen]], [[Heinrich von Loitzenkirchen]], [[Heinrich von Braunau]], [[Friedrich von Weilhart]], [[Pabo von Ering]] und [[Wilhelm von Mattsee]] genannt. Es sind vorwiegend Familienangehörige der Ministerialen, die aufgrund ihrer Dienste für den König oder den Herzog unfreie Bauernhöfe, Lehengüter, manchmal auch Eigenbesitz im engeren oder weiteren Umfeld Ranshofens, bewirtschafteten und das Kloster von seinen Anfängen an immer wieder beschenkten. Manche dieser Familien – sie werden in den Urkundentexten einmal als Reichsdienstmannen (&amp;quot;ministeriales regni&amp;quot;) und einmal als Herzogsdienstleute (&amp;quot;ministeriales ducis&amp;quot;) bezeichnet, was wiederum mit der schwankenden Rechtslage der Ranshofener Pfalz zusammenzusehen sein dürfte – hatten im Kloster auch ihre Grablege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gleiche Bild zeigen die in das Totenbuch eingetragenen Namen der Chorfrauen, aber auch der Laienbrüder und -schwestern, die im Stift Aufnahme gefunden hatten. Aus der – schon oben erwähnten – Supplik des Propstes Sifrid an den Papst Clemens IV. wissen wir, dass vor den kriegerischen Ereignissen, durch die Ranshofen um die Mitte des 13. Jahrhunderts großen Schaden genommen hatte, vierzehn Priester versorgt worden waren, während zu seiner Zeit der Konvent auf drei Angehörige zusammengeschmolzen war. Auch das Chorfrauenstift war den Zerstörungen zum Opfer gefallen. Unter Propst Konrad I. wurde es jedoch erneuert. Es sollten aber nicht mehr als sechs Frauen aufgenommen werden, von denen eine zur Vorsteherin (&amp;quot;magistra&amp;quot;) bestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Herkunft der Chorherren anlangt, so begegnen in der Folgezeit weiterhin viele Angehörige von Ministerialenfamilien aus dem Umkreis Ranshofens. Mit dem Ausgang des Mittelalters ändert sich dieses Bild. Zunächst verschwinden die Chorfrauen aus den Quellen. Die überlieferten Namensformen der Chorherren lassen erkennen, dass die in das Stift eingetretenen Personen jetzt mehr und mehr bürgerlicher Herkunft waren und daran änderte sich auch in der Neuzeit nichts. Die Unterlagen, die darüber Auskunft geben, sind vor allem der Visitationsbericht von 1559/60, ferner zwei Namenskataloge der Ranshofener Chorherren von 1665 und 1687 im &amp;quot;Inventarium&amp;quot; des Propstes Benno Meier und schließlich zwei Nekrologaufzeichnungen, die von 1619 bis 1771 reichen (Bayerische Staatsbibliothek München, Clm. 12721, fol. 135-141).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Aufhebung im Jahr 1811 traten die verbliebenen Chorherren in den Weltpriesterstand über. Der St. Florianer Historiker Franz Xaver Pritz schreibt dazu: Einer der Chorherren weinte über dieses Schicksal, die Anderen verließen das Stift ohne Leid und Freude. Jeder erhielt eine Pension von 600 Gulden Reichs-Währung, die später um 100 Gulden vermindert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der Bücherbestand der Ranshofener Klosterbibliothek wurde durch die Aufhebung des Augustiner-Chorherrenstiftes in alle Winde verstreut. Dies gilt zunächst für die alten Handschriften, von denen der größte Teil 1811 nach München abtransportiert und in der jetzigen Bayerischen Staatsbibliothek untergebracht wurde. Andere Ranshofener Kodizes sind während des 19. Jahrhunderts vorwiegend über den Antiquariatshandel in verschiedene andere Bibliotheken gelangt: drei liegen - &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;nach derzeitigem Wissensstand&amp;lt;/span&amp;gt; - in der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin, drei in der Bodleian Library in Oxford, zwei in der russischen Staatsbibliothek in St. Petersburg, um die zwanzig schenkte ein Augsburger Antiquar nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 der Straßburger Universitätsbibliothek, Einzelstücke wurden schließlich noch in Linz (OÖ. Landesbibliothek), in Paris, in Budapest und in New York (Library of Saint Bonaventura College) festgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Provenienz der Handschriften bei der Katalogisierung soweit wie möglich erfasst wurde, ist es bei den gedruckten Büchern meistens schwieriger, ihre Ranshofener Herkunft nachzuweisen. Eine Reihe von Inkunabeln und Frühdrucken aus dem 16. Jahrhundert kamen bereits 1784 anlässlich der Abtrennung der Diözese Linz vom Passauer Bistum im Zusammenhang mit der Errichtung eines Priesterseminars an die jetzige Bibliothek der Katholisch-theologischen Hochschule in Linz. Nur wenige Einzelstücke verblieben im Raum von Ranshofen und Braunau. Erst mit der breiteren Überlieferung von Ranshofener Handschriften aus dem 12. und 13. Jahrhundert wird eine verhältnismäßig sichere Beantwortung der Fragen nach dem Skriptorium und der Bibliothek des Chorherrenstiftes im hoh en Mittelalter möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgangspunkt der diesbezüglichen Überlegungen war dabei zunächst jenes Ranshofener Evangeliar, das die Bodleian Library in Oxford aus dem Nachlass des venezianischen Ex-Jesuiten Luigi Canonici 1817 erworben hat (Canon . Bibi. Lat. 60). Den vier Evangelien sind jeweils ganzseitige Deckfarbenminiaturen der einzelnen Evangelisten vorangestellt; im Zusammenhang mit der Passionsgeschichte begegnet innerhalb des Johannesevangeliums auch eine ganzseitige &amp;quot;Kreuzigung Christi&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Zur künstlerischen Ausgestaltung gehören weiters die Kanontafeln und kunstvolle Initialen von verschiedener Form und Größe. Den reichsten Schmuck zeigen hier die zu Zierseiten ausgestalteten Textanfänge. In einer Eintragung am Schluss der Handschrift werden der Propst Adelhard von Ranshofen und der Schatzmeister Liutold im Zusammenhang mit der Bezahlung des 1178 vollendeten Buches erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Swarzenski hat als erster die große Stilverwandtschaft der Deckfarbenminiaturen des Ranshofener Kodex mit denen eines Evangeliars, das bei der Aufhebung des Benediktinerstiftes Mondsee in die Österreichische Nationalbibliothek gelangt ist (Cvp. 1244), aufgezeigt. Da nun im Mondseer Evangeliar ein &amp;quot;Liutoldus monachus&amp;quot; von sich sagt, er habe die Handschrift geschrieben und seinem Können gemäß ausgeschmückt , hat Swarzenski erwogen, den Mönch Liutold mit dem Ranshofener Thesaurar gleichen Namens zu identifizieren. Diese These verfestigte sich dann zur Annahme einer Ranshofener Schreib- und Malschule, als deren Mittelpunkt man den von Mondsee nach Ranshofen übergewechselten Liutold ansehen wollte. In den letzten Jahrzehnten setzte sich jedoch mehr und mehr die Meinung durch, das Ranshofener Evangeliar sei mit einem Salzburger Skriptorium (am ehesten im Benediktinerstift St. Peter) in Verbindung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Salzburger Herkunft wird heute auch für eine dreiteilige lateinische Bibelhandschrift angenommen, von der bis vor kurzem nur die beiden ersten Bände mit Texten aus dem Alten Testament, die bei der Aufhebung Ranshofens nach München kamen (Clm. 23039, Clm. 12601), bekannt waren. Erst im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zur Reichersberger Chorherrenausstellung von 1984 fand Kurt Holter heraus, dass sich der dazugehörige dritte Teil mit dem Psalter und den Schriften des Neuen Testaments ebenfalls in Oxford befindet (Canon. Bibi. Lat. 76). Jeder der drei Bände ist mit verschieden gestalteten Federzeichnungs- oder Deckfarbeninitialen ausgeschmückt. Leider wurden einzelne von ihnen durch nachträgliche Übermalungen entstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den zahlreichen übrigen Ranshofener Handschriften des hohen Mittelalters (mit Werken der Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor dem Großen, ferner Schriften des Kirchenlehrers Isidor von Sevilla, der Symbolisten Rupert von Deutz, Hugo von St. Victor und Bernhard von Clairvaux sowie des der Frühscholastik nahestehenden Honorius Augustodunensis) hat Elisabeth Klemm die der Bayerischen Staatsbibliothek gehörenden eingehend untersucht und genau beschrieben. Für eine Reihe von ihnen nimmt sie mit Sicherheit eine Entstehung in Ranshofen an (Clm. 12608, Clm. 12613-12616, Clm. 12631, Clm. 12633, Clm. 12641 und Clm. 23603), für andere gilt ihr das zumindest als wahrscheinlich. So lässt dies auf den Bestand eines Skriptoriums seit der Einrichtung des Regularkanonikerstiftes schließen, in dem die meisten der weniger anspruchsvollen Gebrauchshandschriften hergestellt worden sein dürften. Nur für besonders repräsentative Kodizes scheint man auf qualitativ leistungsfähigere Werkstätten zurückgegriffen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Hinweis auf den frühen Verlust von Büchern erhalten wir aus einem Bericht der &amp;quot;Mattseer Annalen&amp;quot; über einen Überfall von Kriegsleuten des Passauer Bischofs auf Ranshofen, der dort zwar zum Jahr 1250 überliefert wird, höchstwahrscheinlich aber auf das Jahr 1242 anzusetzen ist. Damals sei das Kloster geplündert und die Pfarrkirche St. Michael in Brand gesteckt worden. Missalien und Bücher, welche der schulischen Unterweisung gedient haben, seien dabei zugrunde gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen freilich nur unvollständigen Überblick über den alten Ranshofener Bücherschatz vermittelt ein um die Mitte des 14. Jahrhunderts geschriebenes Fragment eines Bibliothekskatalogs, der nachträglich in einen Kodex mit der &amp;quot;Legenda aurea&amp;quot; des Jacobus de Voragine eingebunden worden ist (Clm. 12643, fol. 356). Die verzeichneten Handschriften sind in zwei Gruppen aufgegliedert. Zuerst wird eine Reihe von 89 Kodizes aufgezählt, von denen es heißt, sie würden oberhalb der Sakristei des Prälaten aufbewahrt, womit ein Hinweis auf die Lage der Bibliothek während des Mittelalters gegeben erscheint. Die zweite Gruppe wird als in einem langen Kasten befindlich beschrieben. Hier bricht die Reihe allerdings mitten im 21. Titel ab. Das folgende Blatt mit der Fortsetzung ist verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das bedeutendste Denkmal humanistischen Geistes, welches Ranshofen hervorgebracht hat, war wohl das über Anregung des Propstes Kaspar Türndl bereits 1517 hier begonnene &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; des bayerischen Historikers Aventin. Aventin selbst kennzeichnet seinen Versuch einer auf die Quellen zurückgehenden Geschichtsdarstellung im Sinne seines Lehrers Konrad Celtis in der Vorrede durch den Hinweis auf sein Studium der alten Urkunden, des Traditionsbuches und der Kodizes der Stiftsbibliothek. Dass seine Ergebnisse einer kritischen Überprüfung nicht immer standhalten, steht außer Frage. Dennoch war seine Arbeit maßgeblich für alle späteren Darstellungen der Geschichte Ranshofens. Eine Handschrift des Werkes gelangte nach der Aufhebung des Klosters in das OÖ. Landesarchiv nach Linz, eine weitere Abschrift als Geschenk des letzten Stiftsdechants Pankraz Hauser nach Reichersberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die humanistische Gesinnung von Propst Augustin I. Münich bezeugt die Widmungsschrift an den Propst zu den in Sophonias Pämingers &amp;quot;Poematum libri duo&amp;quot; von 1557 veröffentlichten Elegien seines Bruders Balthasar Päminger. Den reformatorischen Tendenzen der Zeit entsprechend nimmt es nicht wunder, wenn im Bericht der Passauer Diözesanvisitationskommission von 1559/60 am Büchervorrat Kritik geübt wird. Zwar fand man in der &amp;quot;Liberei&amp;quot; viele &amp;quot;guete katholische Authores&amp;quot;; aber in einem Stüblein wurden neben unverdächtigen Büchern auch elf Schriften mit protestantischem Inhalt entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit dem Neubau des Konventgebäudes unter den Pröpsten Philipp Vetterl und Simon Meier Mitte des 17. Jahrhunderts wurde ein neuer Bibliotheksraum im Südtrakt des Klosters eingerichtet. Der Ranshofener Stiftsdechant Hieronymus Mayr verfasste damals sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot;, ein zweibändiges Geschichtswerk über Ranshofen. Der erste Band ist in vier Teile gegliedert. Enthalten sind Angaben über den hl. Pankraz, über Gründer und Wohltäter von Kirche und Kloster, über die Lebensweise der Chorherren, aber auch Verzeichnisse der Konventsmitglieder aus älterer und jüngerer Zeit. Der abschließende vierte Teil bringt eine nach den Pröpsten geordnete Stiftsgeschichte bis 1634. Die Titelseite zeigt in Form einer Federzeichnung das Aussehen des Klosters nach der Erneuerung. Dieser Band ist heute im Besitz des OÖ. Landesarchivs. Die Fortsetzung dazu über die Jahre von 1635 bis 1665 befindet sich in der Bibliothek des [[Stift St. Florian|Chorherrenstiftes St. Florian]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Quelle für unsere Kenntnis der Ranshofener Bibliotheksgeschichte während des ausgehenden 17. Jahrhunderts ist ein &amp;quot;Inventarium der geistlichen Sachen des Stiftes Ranshofen&amp;quot;, das Propst Benno Meier anlässlich seiner Resignation 1687 anfertigen ließ. Es enthält neben Inventaraufschreibungen und zwei Namenskatalogen der Ranshofener Chorherren vor allem eine katalogartige Liste sämtlicher unter seiner Herrschaft angekauften Druckwerke (&amp;quot;Libri comparati&amp;quot;). Einige der genannten Bücher befinden sich heute in der Braunauer Studienbibliothek. Ranshofener Herkunft ist wohl auch für den dort ebenfalls vorhandenen Bericht über die Ranshofener 800-Jahr-Feier von 1699 (&amp;quot;Saeculum octavum&amp;quot;, Augsburg 1702) vorauszusetzen. Nach der Widmung an Propst Ivo Kurzbauer werden im ersten Teil die Texte der Predigten, die während des &amp;quot;Acht-tägigen hoch-feyerlichen Jubel-Festes&amp;quot; von verschiedenen Kanzelrednern gehalten wurden, abgedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
===Baugeschichte=== &lt;br /&gt;
Der älteste Kirchenbau in Ranshofen war die zwischen 896 und 898 durch Kaiser Arnulf errichtete und dem hl. Pankraz geweihte karolingische Pfalzkapelle. Eine in der älteren Forschung diskutierte noch frühere Marienkapelle ist quellenmäßig nicht zu belegen. Diese Pfalzkapelle wurde dann mehr als zwei Jahrhunderte später zur ersten Klosterkirche des Augustiner-Chorherrenstiftes umgewandelt. Bei seiner Einrichtung überließ der damals hier herrschende Bayernherzog den Regularkanonikern seine Kapelle für den Gottesdienst. Als Seelsorgekirche wurde daneben eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche gebaut. Leider ist von der alten Pfalzkapelle - ebenso wie von der Königs- beziehungsweise Herzogspfalz, zu der sie gehört hat - kaum mehr etwas erhalten geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grabungen, die der um die Archäologie der Umgebung von Braunau bemühte Maler Hugo von Preen zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Auftrag der k.u.k. Zentralkommission durchführte, blieben ohne nennenswerte Ergebnisse. Nur in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Stiftskirche stieß er auf Reste alter Grundmauern, die man mit der Pfalz in Verbindung bringen konnte. Im Zusammenhang mit einer Nachricht aus den „Mattseer Annalen&amp;quot; über die Zerstörung Ranshofens zum Jahr 1242, aus der hervorgeht, dass die Pfalz damals zwischen dem Kloster und der Pfarrkirche St. Michael gestanden war, hat Schiffmann dann aufgrund dieser Grabungen die Hypothese abgeleitet, die Pfalz sei westlich von der Pfalzkapelle, etwa an der Stelle, wo das Hauptschiff und der Turm der heutigen Kirche stehen, gelegen gewesen. Die Pfalzkapelle selbst aber - damals noch nicht größer als das jetzige Presbyterium - habe den Ostabschluss des Pfalzgebäudes gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Neubau des Chorherrenklosters oder eine Erweiterung des vorher ja schon anzunehmenden Säkularkanonikerstiftes nach 1125 ist naheliegend. Höchst fragwürdig erscheint allerdings eine Kirchweihnotiz für das Kloster und den &amp;quot;Pankrazaltar&amp;quot; (&amp;quot;monasterium et altare s. Pancratii&amp;quot;) von 1135. Sie nennt nämlich neben dem weihenden Bischof Reginbert von Passau den Kaiser Heinrich II., eine Reihe von Bischöfen und einen Herzog Heinrich von Bayern und Sachsen als Anwesende. Reginbert wurde allerdings erst 1138 Passauer Bischof (sein Vorgänger hieß Reginmar) und der Kaiser und die übrigen Bischöfe scheinen aus der verfälschten Urkunde Kaiser Heinrichs III. von 1040 übernommen zu sein. Nur Herzog Heinrich X. (der Stolze) von Bayern, der allerdings auch erst 1137 zusätzlich mit Sachsen belehnt worden war, käme als &amp;quot;Zeitzeuge&amp;quot; in Betracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach schweren Schäden, die Kirche und Kloster bei den kriegerischen Überfällen von 1242, 1250 und 1266 erlitten hatten, wurden beide wiederhergestellt und schließlich 1283 durch den Regensburger Bischof Heinrich neu eingeweiht. Die kunstgeschichtliche Forschung vermutet für die Kirche einen Bau im Stil der frühen Gotik. Reste von zwei säulentragenden Steinlöwen und drei Medaillonbilder an der südlichen Außenmauer des Chores, die stilistisch zu dieser Bauperiode gehören, lassen jedenfalls erkennen, dass beim spätgotischen Kirchenbau zu Beginn des 16. Jahrhunderts zumindest ein Teil des Mauerwerks übernommen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1337 stiftete der Braunauer Bürger Ulrich Schön eine Friedhofskapelle (Karner), die dem Hl. Geist und dem hl. Oswald geweiht wurde. Sie ist als achteckiger Tuffsteinbau mit spitzbogigem Portal und drei Fenstern erhalten geblieben. Im Inneren enden die von verschieden gestalteten Konsolen ausgehenden Rippen in einem Schlussstein mit großer Rose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Seelsorgekirche wurde 1474 von Propst Wolfgang der Grundstein zu einem gotischen Neubau gelegt. Auf den ältesten erhaltenen Abbildungen ist ihr Turm noch mit einem spitzzulaufenden Helm gedeckt. Als ältestes Element des Um- bzw. Neubaus der Stiftskirche ist die unter Propst Blasius Rosenstingl (1494-1504) neu gestaltete Marienkapelle (&amp;quot;Rosenkranzkapelle&amp;quot;) anzusehen, die später - als ostseitiger Abschluss des nördlichen Seitenschiffs - in die Konstruktion der Kirche einbezogen wurde. Von diesem unter Propst Kaspar Türndl (1504-15 26) errichteten spätgotischen Bau ist freilich heute kaum mehr etwas zu erkennen, wenn man von der schlichten Außenerscheinung mit den glatt geputzten Wänden, dem Tuffsockel und den dreifach gestuften Stützmauern des Langhauses absieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Inneren ist die gotische Baukonstruktion fast zur Gänze durch die Umformungen der Barockzeit verdeckt. Nur das einfache Kreuzrippengewölbe des oberen Konventchores oberhalb der Sakristei ist vom Kirchenschiff aus noch sichtbar. Im Hinblick auf die der gleichen Bauperiode angehörenden Bauten der Ranshofener Filialkirchen in Neukirchen/Enknach und Hochburg, vor allem aber der Bürgerspitalskirche in der nahen Stadt Braunau, die als inkorporierte Pfarre ja ebenfalls an das Stift gebunden war, spricht Brucher in seiner Darstellung der &amp;quot;Gotik in Österreich&amp;quot; von einer Innviertler Bautengruppe, die nachhaltig im künstlerischen Ausstrahlungsbereich des Hans von Burghausen stand. Eine Nähe solcher Tendenzen wird man für die Stiftskirche selbst zumindest hypothetisch voraussetzen dürfen, auch wenn der Nachweis dafür nur schwer zu erbringen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild der baulichen Entwicklung Ranshofens ist in den folgenden Jahren von der Barockisierung geprägt, die in mehreren Phasen vor allem dem Innenraum der Stiftskirche ein völlig neues Aussehen verlieh. Die ersten Ansätze dazu sind schon für die Zeit von Propst Hilarius Steyrer (1610-1620) überliefert. Zu großen Veränderungen kam es unter seinem Nachfolger, Propst Philipp Vetterl (1620-1634). 1621 war der Turm der Stiftskirche eingestürzt. In der Folge ließ der Propst - er wird in der Grabinschrift als &amp;quot;architectus insignis&amp;quot; gerühmt - einen neuen bauen, der allerdings weiter nach Westen verlagert wurde, da man zwischen Turm und Kirchenschiff eine halbrunde Westkonche einschob. Diese diente der Errichtung einer Musikempore, auf der eine damals neu angeschaffte Orgel aufgestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1624 begann Propst Philipp auch noch mit der Erneuerung des Stiftsgebäudes, wofür er aus Italien Maurer berief (&amp;quot;ex Italia murarios conducens&amp;quot;). Im Stadium seines vollen Ausbaus, wie es Ansichten aus der Zeit nach 1700 sichtbar machen, bestand das Kloster mit seinen Nebengebäuden aus drei in Nord-Süd-Richtung aneinander anschließenden Gevierten: dem Konventgebäude mit der Prälatur, der Dekanei und der Bibliothek, einem verbindenden Zwischengebäude und dem Meierhof mit dem Bräuhaus. Nach Osten zu waren verschiedene Gärten angelegt (der Blumengarten, der Konventgarten, der Baumgarten und der sogenannte &amp;quot;Kuchelgarten&amp;quot;). Das Ganze wurde von einer Einfriedungsmauer mit einem Torturm umschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1650 standen davon nur der unter Propst Philipp erbaute Konventtrakt und der Meierhof, den Propst Philipps Nachfolger, Propst Simon Meier (1634-1665), neu errichten ließ. Als Baumeister hat Martin dafür einen Bartolomeo Viscardi ausfindig gemacht, der sich in einem Kommissionsprotokoll der Jesuitenkirche in Burghausen als &amp;quot;Stift Ranshofenscher Baumeister&amp;quot; bezeichnet. Schon vorher nannte Schiffmann einen Kaspar Regeton, der 1624/25 auch am Stiftsneubau in Reichersberg beteiligt war. Ulm hat ihn als einen Kaspar Righettoni aus Castenada im Misoxtal in Graubünden identifiziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verbindungstrakt zwischen Konventgebäude und Meierhof entstand erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts, ebenso ein westlich von der Stiftskirche ausgeführter Gasttrakt. Die umfangreichsten Veränderungen an der Stiftskirche wurden unter Propst Ivo Kurzbauer (1687-1715) im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 vorgenommen. Abgesehen von der großzügig erneuerten Innenausstattung kam es zu zahlreichen Eingriffen in die Bausubstanz der Kirche, die alle dem Zweck dienen sollten, den Innenraum in Einklang mit dem barocken Gesamtbild zu bringen. Dazu gehörten vor allem eine Erweiterung der Fensterflächen, das Abtragen einiger Pfeiler, die von außen das Kircheninnere verfinsterten, und schließlich im Chor die Konstruktion einer in den Dachraum hineinragenden Kuppel, um so dem neuen Hochaltar eine entsprechende Höhenausdehnung zu ermöglichen. Propst Ivo begann auch noch mit dem Bau eines neuen Turmes mit barockem Helm für die Pfarrkirche [[St. Michael]], der unter seinem Nachfolger, Propst Augustin II., nach 1715 fertiggestellt wurde. 1799 wurde diese Kirche jedoch zur Gänze abgetragen. Das dabei freigewordene Material verwendete man zum Ausbau der Festung Braunau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert wurden nach der Aufhebung und der damit verbundenen Profanierung des Stiftes der nördliche und der östliche Teil des Konventgebäudes abgetragen. 1859 brannte der Turm der ehemaligen Stiftskirche aus, wobei die Barockorgel völlig zerstört wurde. Die spitze Helmform, welche der Turm beim Wiederaufbau erhielt, könnte als unbeholfener Versuch einer Regotisierung gemeint gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildende Kunst=== &lt;br /&gt;
Abgesehen von den kunstgeschichtlich wertvollen romanischen Handschriften sind nur ganz wenige mittelalterliche Denkmäler der bildenden Kunst aus Ranshofen erhalten geblieben. Zu nennen sind hier zunächst jene drei Medaillonbilder im sogenannten &amp;quot;Rollgang&amp;quot; an der südlichen Außenmauer des Chores der ehemaligen Stiftskirche vom Beginn des 14. Jahrhunderts. Sie wurden in der älteren Literatur als Apostelköpfe gedeutet, zuletzt wurde auch erwogen, ob man sie nicht mit einer Notiz Aventins in Zusammenhang bringen könnte, nach der die Bischöfe Reginbert von Passau und Heinrich von Regensburg auf Fresken dargestellt waren. Dem gleichen Zeitabschnitt sind stilistisch jene zwei säulentragenden Portallöwen aus Ranshofen zuzuordnen, die heute die Besuchergarderobe im Braunauer Bezirksmuseum behüten. In der Stiftskirche selbst ist noch die schön gestaltete gotische Grabplatte des Propstes Blasius Rosenstingl, die dem Salzburger Bildhauer Hans Valkenauer zugeschrieben wird, zu sehen. Rosenstingls Verehrung der Gottesmutter - er hat ja auch den Neubau der Marienkapelle durchgeführt - findet darauf in einer Darstellung der hl. Maria, die von zwei musizierenden Engeln begleitet wird, beredten Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Umkreis der Ranshofener Filialkirchen wären noch zwei qualitativ hervorragende Holzreliefs mit Darstellungen des Marientodes in Hochburg (um 1490) und in Neukirchen/Enknach (um 1510) hervorzuheben sowie eine Monstranz aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert, die der heutigen Pfarrkirche in Handenberg gehört, ferner der &amp;quot;Bäckeraltar&amp;quot; in der Braunauer Stadtpfarrkirche. Obwohl für die Zeit des beginnenden Barock mehrfach über Altarerneuerungen in Ranshofen berichtet wird, ist kaum etwas namhaft zu machen, was aus dieser Periode an kunstgeschichtlich Bedeutsamem erhalten wäre. In jüngerer Zeit hat allerdings Lipp die Herkunft einer im Braunauer Bezirksmuseum aufgestellten Holzplastik aus Ranshofen aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts von einem Ranshofener Altarwerk zur Diskussion gestellt. Diese wollte man aufgrund der Krone und der Reichsinsignien früher als eine Darstellung des Kaisers Arnulf ansehen. Lipp deutete sie als den heilig gesprochenen Kaiser Heinrich II., der ja im klostereigenen Geschichtsverständnis einen besonderen Stellenwert einnahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge mit einem Altarwerk der Stiftskirche werden auch für Holzplastiken des hl. Pankratius und vier Engelfiguren aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts vermutet, die heute als Aufsatzfiguren der Orgel dienen. Zwei herausragende Stücke kunstgewerblicher Arbeit sind schließlich noch die Monstranz und der Kelch, welche 1682 durch Propst Benno Meier bei dem Augsburger Goldschmied Georg Reischle in Auftrag gegeben wurden. Beide Geräte sind aus Silber gefertigt, teilweise vergoldet und mit Halbedelsteinen geschmückt. Zahlreiche Emailmedaillons mit Szenen aus dem Leben Christi gehören zur künstlerischen Ausstattung des Ensembles. Dazu kommen weitere Medaillons mit Grisaillebildern der Rosenkranzgeheimnisse, welche das herzförmige Fenster der Monstranz einrahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erscheinungsbild, das heute den Besucher der ehemaligen Stiftskirche in Ranshofen empfängt, ist geprägt von der großzügigen Umgestaltung, welche das Innere im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 erfahren hat. Dies gilt sowohl von den damals neu aufgestellten Altären als auch von den Deckenfresken im Haupt- und im nördlichen Seitenschiff. Die Bilder des monumental wirkenden Hochaltars, die Enthauptung des hl. Pankraz und darüber (als Aufsatzbild) die hl. Dreifaltigkeit darstellend, stammen von dem in Braunau geborenen bayerischen Hofmaler Johann Kaspar Sing. Sie werden von einem Aufbau aus gewundenen Säulen, Akanthusranken und einer Reihe von Heiligenfiguren eingerahmt, der dem Braunauer Bildhauer Sebastian Hagenauer zugeschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein genaueres Hinsehen verdient die Deckengestaltung mit der Stukkaturverzierung und den beiden Freskenzyklen zur Pankrazvita (im Chor und im Hauptschiff) und zum Marienleben (im nördlichen Seitenschiff). Das Besondere daran sind eine Fülle kleiner Emblembilder, die um die erzählenden Hauptbilder herum gruppiert sind und das dort dargestellte Geschehen kommentieren bzw. erläutern, eine Darstellungsform, die sich im Hochbarock einer gewissen Beliebtheit erfreute und der zahlreiche Handbücher gewidmet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reihe der Pankrazbilder etwa beginnt im Chorraum über dem Hochaltar mit einem Mittelbild, das die Unterweisung des jungen Pankraz durch den Papst zeigt. In zwei kleineren, flankierenden Seitenbildern wird die Landung des aus Phrygien stammenden Jünglings mit seiner Begleitung in Ostia bzw. der Empfang der Reisegruppe am Tor des päpstlichen Palastes geschildert. Die dazugehörenden Emblembilder zeigen eine Uhr, eine Sonnenblume, eine Feuerwerksrakete und eine Nachteule. Die Uhr, deren im Gehäuse verborgenes Werk die Zeiger treibt, symbolisiert die geheime Kraft, die den jungen Pankraz auf seine Reise trieb. Die Sonnenblume, die sich sogar der hinter Wolken versteckten Sonne zuwendet, verweist auf den Weg zum Glauben, den er auch durch Hindernisse unbeirrt geht. Die brennend zum Himmel aufsteigende Feuerwerksrakete ist ein Bild für den Feuereifer, mit dem der junge Mann seinen Weg zu Gott sucht. Die Nachteule schließlich, die von der aufgehenden Sonne vertrieben wird, zeigt seine Erleuchtung durch den päpstlichen Religionsunterricht an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer dieses komplizierte Bildprogramm entworfen hat, wissen wir nicht. Am ehesten ist an Propst Ivo Kurzbauer selbst zu denken. Die Ausführung der Bilder schreibt Martin in der Kunsttopographie des Bezirkes Braunau aufgrund einer Eintragung in den Ehematriken der Ranshofener Kirche dem Laienbruder Christof Lehrl aus dem bayerischen [[Chorherrenstift Högelwörth]] zu. Lehrl wird dort zusammen mit zwei Stukkateuren als Trauzeuge bei der Hochzeit des Malers Josef Pöckl aus Teisendorf, der später in Uttendorf ansässig war, genannt. Dass dieser Pöckl auch an den Fresken mitgemalt haben dürfte, ist Martin entgangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Signatur &amp;quot;I.P.&amp;quot; bei einem der Fresken des Seitenschiffs könnte aber mit &amp;quot;Iosephus Pöckl&amp;quot; aufzulösen sein. Dieses Monogramm findet sich übrigens auch bei einem der &amp;quot;Autorenbilder&amp;quot;, mit denen zur gleichen Zeit die Decke der Bibliothek im Konventtrakt ausgeschmückt wurde, wieder. Unter Propst Augustin II. Pariser wurde um 1730 die Rosenkranzkapelle mit Fresken ausgeschmückt, in den letzten Jahrzehnten des Bestehens des Chorherrenstiftes ist dann noch die Ausgestaltung von Teilen des Prälatentraktes mit Stuckverzierung von Johann Baptist Modler aus Kößlarn hervorzuheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikpflege==&lt;br /&gt;
Die einzige zur Gänze erhaltene mittelalterliche Musikhandschrift aus dem Chorherrenstift Ranshofen ist ein &amp;quot;Breviarium sive ordo&amp;quot; genannter Kodex des 13. Jahrhunderts in München (Bayerische Staatsbibliothek, Clm. 12635 B). Sie verzeichnet und erläutert die Reihenfolge der Gesänge für das Stundengebet und die Messe für die einzelnen Festtage im Verlauf des Kirchenjahres. Als Vorlage des Ranshofener Kodex ist ein &amp;quot;Ordinarium&amp;quot; des Salzburger Domstiftes aus dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts anzusehen (Universitätsbibliothek Salzburg, Cod. M II 6). Über weite Strecken textgleich mit der Ranshofener Handschrift ist außerdem der Vorauer Cod. 99, der ebenfalls dem 13. Jahrhundert angehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonderes Interesse seitens der Wissenschaft fand in diesen miteinander verwandten Handschriften die Aufzeichnung der &amp;quot;Visitatio sepulcri&amp;quot;, eines gesungenen geistlichen Spiels innerhalb der Osternachtsliturgie, in dem der Besuch der Frauen am Grabe Jesu, ihre Botschaft an Petrus und Johannes und deren Wettlauf zum leeren Grab in einer sehr zeremoniösen Weise dargestellt werden. Den Schluss bildet das vom Volk gesungene deutschsprachige Osterlied &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht in dieser sogenannten &amp;quot;Liturgischen Osterfeier&amp;quot; eine wesentliche Wurzel für die Entwicklung des mittelalterlichen Dramas. Aus inzwischen verlorengegangenen mittelalterlichen Liturgiebüchern hat schließlich noch im 17. Jahrhundert Hieronymus Mayr die Texte einer Sequenz (&amp;quot;Ante thronum majestatis&amp;quot;) und eines spätmittelalterlichen Reimoffiziums zum Pankrazfest in sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; kopiert. Schon für diesen Zeitraum ist eine intensive Musikpflege innerhalb der Stiftsschule vorauszusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der musikalischen Theorie, die im Rahmen der Unterweisung aus den &amp;quot;Sieben freien Künsten&amp;quot; vermittelt wurde, erfuhren die Klosterschüler eine gründliche Schulung in der Praxis des Singens, sodass sie beim Gottesdienst die Chorherren unter stützen, manchmal sogar vertreten konnten. Seit dem 16. Jahrhundert lassen sich dann auch für die Musikpflege in Ranshofen Erscheinungen beobachten, die mit der Ausbreitung der humanistischen Bewegung in Zusammenhang stehen. So traten in der Klosterschule an die Stelle des geistlichen &amp;quot;Scholasticus&amp;quot; weltliche Lehrer, die zusammen mit ihren Schülern auch in der Kirche sangen, wobei die mehrstimmigen Musikformen der Renaissance rasch in das Repertoire eindrangen. Die Wurzeln dafür kann man bis in die Regierungszeit des Propstes Kaspar Türndl zu rückverfolgen. Er ließ für die „Präbendisten&amp;quot; - die auf Kosten des Stiftes ausgebildeten Sängerknaben - eine eigene Unterkunft erbauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger, Propst Augustin Münich, wirkte hier vor 1550 ein Magister Johann Kappenstill als Lehrer, der später als Stadtschreiber in Passau im Umkreis des dortigen Humanismus große Wertschätzung genoss und zum Freundeskreis um Leonhard Päminger gehört hat. Seinem Nachfolger, Magister Stephan Vokenrieder, hat Päminger sogar zwei Spruchmotetten gewidmet, die später in die gedruckte Ausgabe der Pämingerschen &amp;quot;Cantiones ecclesiaticae&amp;quot; aufgenommen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein umfassendes Bild der schulischen Verhältnisse in Ranshofen um die Mitte des 16. Jahrhunderts vermittelt das Passauer Visitationsprotokoll von 1559/60. Der &amp;quot;cantor&amp;quot; hielt sich zur Zeit der Kirchenvisitation überhaupt von den Musikaufführungen fern (singt nicht zu Chor). Mit den Schülern, welche er unterrichtete, sang er jedoch regelmäßig vor Beginn des Unterrichts das &amp;quot;Veni, sancte Spiritus&amp;quot; und das &amp;quot;Veni creator&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den &amp;quot;scholasticus&amp;quot; erfahren wir, dass er mit den Schülern eine &amp;quot;Comoedia de coena Domini&amp;quot; (&amp;quot;Spiel vom Herrenmahl&amp;quot;) aufgeführt habe: ein Hinweis auf die Pflege des Schultheaters in Ranshofen. Die Größe der Stiftsschule wird daran erkennbar, dass neben dem Schulmeister und dem Kantor noch ein Magister Thomas Winter genannt wird. Er wird als &amp;quot;ludirector&amp;quot; bezeichnet, hatte also wohl neben dem Schuldienst auch noch die Leitung der Kirchenmusik zu versehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Musikrepertoire sind wir leider nur sehr bruchstückhaft informiert. Vorauszusetzen ist die fortlaufende Pflege des Gregorianischen Chorals. Daneben werden verschiedene protestantische Gemeindelieder genannt, die zunächst wohl einstimmig, fallweise vermutlich von der Schulkantorei in mehrstimmigen Sätzen gesungen wurden, in denen sie schon sehr früh Verbreitung gefunden hatten. Gewiss sang man daneben aber auch mehrstimmige lateinische Messkompositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Orgel hat es damals hier ebenfalls schon gegeben, denn im Visitationsbericht wird bereits ein Organist unter den Klosterdienern aufgezählt. Die noch in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts einsetzende Gegenreformation beginnt dann das Erscheinungsbild des Schulwesens und der Musikpflege alsbald zu verändern. In einer staatlichen Schulordnung von 1569 wurde für die Lateinschulen wieder das Singen der alten Choralweisen vorgeschrieben. Die gefälschten Psalmen und Lieder - gemeint sind die protestantischen Kirchenlieder - wurden aus Kirche und Schule verbannt. Ein Zeugnis dieser vorerst nur zögernd einsetzenden Entwicklung ist für Ranshofen der Visitationsbericht des römischen Kurienkardinals &amp;quot;Commendone&amp;quot; aus dem Jahre 1569. Nach ihm unterrichteten damals immer noch drei Lehrer etwa achtzig Schüler aus Grammatik und Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chorherren sangen das Offizium schön und mit Andacht auf dem alten Konventchor oberhalb der Sakristei. Während der Woche wurde die Messe nur gelesen. An Sonn- und Feiertagen jedoch sangen sie die Chorknaben in der Pfarrkirche St. Michael. Eine weitere wichtige Umstellung des Schulwesens erfolgte zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Nach dem Vorbild der Jesuitengymnasien übernahm jetzt wieder ein Geistlicher die Leitung der Schule und das Amt des &amp;quot;regens chori&amp;quot;. Weltliche Lehrer sind fortan nur noch in untergeordneter Stellung anzutreffen. Der erste geistliche Chorregent in Ranshofen, den wir dem Namen nach kennen, ist der spätere Propst Philipp Vetterl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; berichtet von argen Missständen, die damals im Kloster geherrscht hätten. So habe Frater Philippus das Offizium, besonders die abendliche Vesper, häufig mit den Chorknaben allein gesungen, während sich die übrigen Stiftsangehörigen in Wirtshäusern und Spelunken herumgetrieben hätten. Nach seiner Wahl zum Propst begann er jedoch zielstrebig das Kloster zu erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1622 wurde auf der neugebauten Musikempore der Stiftskirche eine neue Orgel aufgestellt. Noch die Grabinschrift des Propstes rühmt das Werk wegen der Größe der Pfeifen und der Lieblichkeit seines Klanges. Um die Mitte des 17. Jahrhund erts wirkte [[Sebastian Widerstain]] als Stiftsorganist in Ranshofen. Nach einem Musikalienkatalog des Münchener Buchhändlers Paul Parsdorffer gab er eine Sammlung von &amp;quot;Miserere&amp;quot; für vier bis acht Singstimmen, zwei Violinen und Orgel im Druck heraus, denen noch eine &amp;quot;Lauretanische Litanei&amp;quot; hinzugefügt ist. Die Besetzung der leider nirgends erhaltenen Sammlung Widerstains zeigt, dass damals bereits Musikformen des Frühbarock mit selbständig geführten instrumentalen Begleitstimmen im Raum Ranshofen verbreitet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1699 wurde zum 800-Jahr-Fest des Bestehens der Pankrazkapelle im oberen Konventchor eine kleine Chororgel aufgeste llt. Das musikalische Programm der Gottesdienste, die im Verlauf der eine Woche dauernden Festlichkeiten stattfanden, ist leider nicht im Detail überliefert. Von Biber ist in Kremsmünster die Abschrift einer &amp;quot;Missa Sti. Henrici&amp;quot; erhalten. Es ist nicht auszuschließen, dass sie in diesem Zusammenhang von Ranshofen in Auftrag gegeben worden ist, verehrte man doch damals den heiligen Kaiser Heinrich II. - wenn auch nur irrtümlich - als einen der Gründer des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vierteljahrhundert später begegnet in [[Wilhelm Ganspeckh]] (1687-1770) der erste und gleichzeitig einzige Ranshofener Chorherr, der nachweisbar auch als Komponist tätig gewesen ist. Der Vater und zwei seiner Brüder waren unter Kurfürst Max Emanuel Musiker an der Bayerischen Hofmusikkapelle. Nach seinen Studien und der Priesterweihe war er lange Zeit Chorregent im Kloster. Von seinen musikalischen Werken ist einzelnes erhalten geblieben, vor allem ein Druck mit acht Messen und einem Requiem, der 1724 unter dem Titel &amp;quot;Octiduum sacrum&amp;quot; erschienen ist. Als zweiter Teil sind noch zwölf Offertorien angehängt. Die Messen sind nach den Altarheiligen der Stiftskirche benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Sekundiz des letzten Ranshofener Propstes Johann Nepomuk Kierl wurde 1805 noch eine eigens dafür komponierte Kantate (&amp;quot;Heut möge jede Brust das mächtige Gefühl der Freude schwellen&amp;quot;) eines unbekannten Komponisten aufgeführt, deren Partitur erhalten ist. Sie ist das letzte Zeugnis der Musikpflege im Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien== &lt;br /&gt;
Das Ranshofener Stiftsarchiv enthielt seinerzeit eine große Zahl von Originalurkunden, dazu mehrere Kopialbücher, andere Handschriften und sonstige Akten. Das meiste davon kam bei der Aufhebung 1811 nach München in das jetzige Bayerische Hauptstaatsarchiv. Kleinere Aktenbestände befanden sich außerdem im Staatsarchiv in Landshut, wurden von dort aber in der Zwischenzeit ebenfalls an das Hauptstaatsarchiv in München abgegeben. Nur weniges ist im Ranshofener Pfarrhof zurückgeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die älteste erhaltene Urkunde ist die von Kaiser Arnulf über die „Verleihung&amp;quot; der Pfalzkapelle an den Priester Ellimprecht (Bayr. HStA München, Kaiserselekt 87 = Ranshofen Urk. 1) aus dem Jahr 898. Sie muss seit der Karolingerzeit durchgehend an der Pankrazkirche aufbewahrt worden sein. Im Bayerischen Hauptstaatsarchiv befindet sich auch die Urkunde Herzog Heinrichs IX. von 1125, der sogenannte „Stiftbrief&amp;quot; des Augustiner-Chorherrenklosters (Ranshofen Urk. 2), neben weiteren Königs- und Herzogsurkunden. Auch päpstliche Privilegien für Ranshofen liegen dort auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Handschriften des Archivs ist jene des alten Traditionskodex seit der Aufhebung des Klosters leider verschollen. Die einzige auf das Originalmanuskript zurückgehende Textedition ist die der &amp;quot;Monumenta Boica&amp;quot; von 1764. Diese Textform wurde dann 1852 im ersten Band des Urkundenbuches des Landes ob der Enns neuerlich abgedruckt. Etwa gleichzeitig fand der St. Florianer Chorherr [[Jodok Stülz]] im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr eine große Zahl von Traditionen, die Mayr um 1650 aus dem Traditionskodex kopiert hatte. Ein Reihe von weiteren Notizen sind darin in regestenartiger Form wiedergegeben. Diese Überlieferung wertete Konrad Schiffmann 1905 in einer Neuedition aus und erläuterte seine daraus abgeleiteten Erkenntnisse in einer ausführlichen Einleitung. Zum einen kann man nämlich aus dem Vergleich der verschiedenen Überlieferungen erkennen, dass im Monumenta-Boica-Text eine Reihe von Notizen ausgelassen wurden. Zum anderen lassen sich aus den von Mayr gemachten Angaben über die Folien, auf denen er die einzelnen Traditionen gefunden hatte, wertvolle Hinweise auf die ursprüngliche Zusammensetzung des Kodex gewinnen. Dabei wird deutlich, dass die Handschrift aus mehreren vorerst voneinander unabhängig bestehenden Lagen schließlich zu einem Kodex verbunden wurde. Einzelne Lagen erscheinen hinsichtlich der Chronologie falsch aneinandergereiht. Außerdem begegnen die Notizen der ersten Lage in einem späteren Teil ein zweites Mal, wobei die älteste Lage mit der Notiz über die vom Bayernherzog Welf II. getätigte Schenkung von Besitzungen in Handenberg an die Pankrazkirche und die als zugehörige Filialkirche zu denkende Jakobikapelle in Handenberg (Schiffmann II 1, um 1110) eröffnet worden sein dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den erhalten gebliebenen Handschriften des Archivs ist das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes Konrad I. von 1277/1303 die wichtigste (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Ransh. Lit. 1). Sie enthält neben den beiden - bereits oben im Abschnitt über die wirtschaftliche Entwicklung gestreiften - Urbaren zwei Kopialbücher mit wichtigen Urkundenabschriften. Die vier Teile wurden vermutlich erst im 17. Jahrhundert zu einem Kodex zusammengebund en. Die beiden Kopialbücher enthalten wertvolle Zeugnisse zum Ranshofener Urkundenwesen, darunter Kopien von heute verschollenen Originalurkunden, wie etwa die Abschriften jener beiden Urkundentexte, die als verfälschte Fassungen eines Diploms Kaiser Heinrichs III. für Ranshofen anzusehen sind. Auf fol. 47ff. finden sich Angaben über verschiedene Altarweihen, die Schiffmann im Anhang seiner Ranshofener Baugeschichte publiziert hat (&amp;quot;Die Kirchweih-Chronik von Ranshofen&amp;quot;). Zwei weitere Kopialbücher schrieb am Beginn des 15. Jahrhunderts der Chorherr [[Christian Perger]] aus Eggenfelden (Ransh. Lit. 4 bzw. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein von Propst Philipp Vetterl 1623 angelegtes Urkundenbuch befindet sich im Braunauer Stadtpfarrkirchenarchiv. Es enthält zunächst Kopien von Urkunden, die sich auf die Braunauer Stadtpfarre St. Stephan beziehen, im weiteren Verlauf sind auch andere Stiftungen zugunsten des Klosters oder seiner Filialkirchen in den Text aufgenommen. Zum Archivbestand haben wohl auch der Bericht des Propstes Benno Meier über die niederösterreichischen Besitzungen von 1670 und das von ihm angelegte &amp;quot;Inventarium&amp;quot; von 1665/1687 gehört (vgl. oben die Abschnitte &amp;quot;Wirtschaftliche Verhältnisse&amp;quot; und &amp;quot;Bibliothek&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Bernhard Bischoff: Die südostdeutschen Schreibschulen der Karolingerzeit. Band 2. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Gotische Baukunst in Österreich. Salzburg 1990.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
* Rudolf Guby: Die Kunstdenkmäler des oberösterreichischen Innviertels. Wien 1921.&lt;br /&gt;
* Siegfried Haider: Zum Problem karolingischer Pfalzen in Oberösterreich. In: Baiern, Ungarn und Slawen im Donauraum. Hg. von Willibald Katzinger / Marckhgott, Gerhart. Linz 1991 (Forschungen zur Geschichte der Städte und Märkte Österreichs, 4), S. 11–16.&lt;br /&gt;
* Peter Herde: Ranshofener Urkundenstudien. In: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte 24 (1961), S. 183–228. [http://periodika.digitale-sammlungen.de/zblg/kapitel/zblg24_kap8 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die mittelalterliche Buchkunst der Chorherrenstifte am Inn. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 205–231.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Klemm: Die romanischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München. Teil 1: Die Diözesen Regensburg, Passau und Salzburg. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Sigrid Krämer: Die Bibliothek von Ranshofen im frühen und hohen Mittelalter. Band 2. In: The Role of Book in Medieval Culture. Hg. von Peter Felix Ganz. Turnhout 1986 (Bibliologia Elementa ad Librorum Studia Pertinantia, 4), S. 41–72.&lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme der Chorherrenkirche in Ranshofen. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 6 (1966), S. 179–219.&lt;br /&gt;
* Wilfried L. Lipp: Das ehemalige Augustiner Chorherrenstift Ranshofen - Ein Beitrag zur Kunstgeschichte. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, 149–160.&lt;br /&gt;
* Walther Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften des deutschen Sprachgebietes. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 7 (1971), S. 7–102.&lt;br /&gt;
* Alfred Marks: Oberösterreich in alten Ansichten. Linz 1968.&lt;br /&gt;
* Franz Martin (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Braunau. Wien 1947 (Österreichische Kunsttopographie, 30).&lt;br /&gt;
* August Prenninger: Hinweise zur Bevölkerungsstruktur Ranshofens vom Mittelalter bis zur Bauernbefreiung 1848. In: Rantesdorf 788-1988, 1200 Jahre Ranshofen. Ausstellung vom 28. Mai bis 17. Juli 1988. Hg. von Walter Pilshofer / Rudolf Schmidt. Braunau am Inn 1988, S. 39–44.&lt;br /&gt;
* [[Franz Xaver Pritz]]: Geschichte des aufgelassenen Stiftes der regulirten Chorherren des heiligen Augustin zu Ranshofen in Oberösterreich. In: Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen 17 (1857), S. 327–435. [https://books.google.at/books?id=U5YJAAAAIAAJ&amp;amp;vq=pritz&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA327#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Baugeschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Archiv für die Geschichte der Diözese Linz 5/1 (1908), S. 3–26.&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Aufhebung des Stiftes Ranshofen. In: Unterhaltungsbeilage der Linzer Tages-Post, Nr. 42, Jg. 1911 (15. Oktober 1911).&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Ranshofener Stiftsschule im Zeitalter des Humanismus und der Reformation. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 117 (1972), S. 199–212. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_117a_0199-0212.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Musik im Stift Ranshofen. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 120 (1975), S. 67-110 [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_120a_0067-0110.pdf (Digitalisat)]; 121 (1976), S. 179–222. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_121a_0179-0222.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Überlieferung der Ranshofener Traditionen. Vorbemerkungen zu einer künftigen Neuedition In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 16 (1990), S. 5–16. [https://www.ooegeschichte.at/fileadmin/media/migrated/bibliografiedb/mooela_16_0005-0016.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Das Ranshofener Evangeliar in Oxford (Manuscript Canonici Bible Latin 60 der Bodleian Library). Ranshofen 2012.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in den jüngeren Teilen des Ranshofener Traditionskodex. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 22 (2011), S. 291–320.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in Notizen aus dem ältesten Teil des Ranshofener Traditionskomplex. Zum Erscheinen der Schiffmann-Ausgabe vor 100 Jahren. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 21 (2008), S. 107–142.&lt;br /&gt;
* Hubert Schopf: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen am Inn im Mittelalter 1125–1426. Diss. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1985.&lt;br /&gt;
* Max Schrott: Die Conföderationen unserer Stifte. In: In Unum Congregati 5 (1985), S. 123–154.&lt;br /&gt;
* Georg Swarzenski: Die Salzburger Malerei von den ersten Anfängen bis zur Blütezeit des romanischen Stils. Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
* Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 245–294.&lt;br /&gt;
* Margareta Vyoral-Tschapka: Die Klosteranlage des ehemaligen Augustiner Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege Oberösterreich 160: Festschrift für Georg Heilingsetzer zum 70. Geburtstag (2015), S. 577–616.&lt;br /&gt;
* Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert. Köln 1975 (Kölner historische Abhandlungen, 24).&lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Königsherzogsgut in Oberösterreich. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 3 (1954), S. 101–145.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Zur Rechtsgeschichte des Stiftes Ranshofen und seiner Pfarreien. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 161–170.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Ranshofen</title>
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		<updated>2022-07-14T08:42:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Rechtliche Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1125&lt;br /&gt;
|Datum bis=1811/10/28&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis Ende des 18. Jahrhunderts)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=&amp;quot;curtis rantesdorf&amp;quot;, Hof Rantesdorf (788)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Pankraz, hl. Michael, hl. Jungfrau Maria&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte== &lt;br /&gt;
===Vorgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Errichtung des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen kurz vor oder im Jahr 1125 knüpfte an Voraussetzungen an, die durch eine damals schon Jahrhunderte währende Geschichte gegeben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen war zunächst ein Hof der bayerischen Agilolfingerherzöge, deren letzter, der unglückliche Tassilo III., im gleichen Jahr durch Karl den Großen seine Herrscherwürde einbüßte, in dem Ranshofen – als &amp;quot;Rantesdorf&amp;quot; – erstmals im Licht einer geschichtlichen Nachricht erscheint. Unter den Nachfolgern Karls des Großen wurde Ranshofen eine königliche Pfalz, ein Ort, der dem Herrscher als Aufenthalt und Verwaltungsstützpunkt diente. Kaiser Arnulf, einer der letzten ostfränkischen Karolinger, ließ hier zwischen 896 und 898 eine dem hl. Pankraz geweihte Kapelle erbauen und stattete sie mit Besitzungen, liturgischen Geräten, kostbaren Glasfenstern und Tapisserien sehr großzügig aus. Ein Priester Ellimprecht – wohl ein Mitglied der kaiserlichen Hofkapelle – erhielt die neu errichtete Pfalzkapelle zunächst als Lehen übertragen. Mit einer Urkunde vom 17. Oktober 898 wandelte Kaiser Arnulf dieses Lehen dann in ein freies Eigentum des Priesters Ellimprecht um. Nach dessen Tod sollte alles dem von Arnulfs Vater in Alt-Ötting gegründeten Säkularkanonikerstift zufallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Monate später fertigte Arnulf dann zugunsten der Ranshofener Pankrazkapelle eine weitere Urkunde aus, die allerdings nur in mittelalterlichen Abschriften überliefert wird. An ihrem Text fällt auf, dass vom Priester Ellimprecht nun keine Rede mehr ist. Als Empfänger der gegebenen Güter erscheinen vielmehr &amp;quot;die Kleriker, die dort den Gottesdienst verrichten&amp;quot;. Aus dieser Formulierung hat man auf die nachträgliche Gründung eines Säkularkanonikerstifts in Ranshofen schließen wollen, über dessen Bestand sonst jedoch keine Nachrichten existieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das weitere Schicksal der Pfalz mit der dazugehörigen Pankrazkapelle ist dann nämlich über Jahrzehnte hinweg völlig ungewiss. Wir wissen nicht, ob schon Herzog Arnulf aus dem Geschlecht der Luitpoldinger, der nach dem Tod von König Ludwig (&amp;quot;dem Kind&amp;quot;) 911 die Herrschaft über Bayern an sich gerissen hatte, im Zuge seiner Enteignungen von Kirchengütern die ursprünglich vorgesehene Schenkung der Ranshofener Kapelle an das Stift Alt-Ötting wieder rückgängig gemacht hat oder ob das Abhängigkeitsverhältnis erst später gelöst wurde. Auch über die Auswirkungen der Ungarneinfälle auf das Gebiet schweigen die Quellen. Erst gegen Ende des 10. Jahrhunderts finden wir hier unter Herzog Heinrich dem Zänker einen bayerischen Landtag versammelt, der die sogenannten &amp;quot;Ranshofener Landgesetze&amp;quot; beschließt. Dessen Sohn, der 1002 zum König gewählte und später zum Kaiser gekrönte Heinrich II. (&amp;quot;der Heilige&amp;quot;) ließ am Weihnachtstag des Jahres 996 – noch als bayerischer Herzog – in der Pfalzkapelle den Mönch [[Gotthart von Niederaltaich]] zum Abt dieses Klosters weihen. Heinrichs Gemahlin Kunigunde schließlich verfügte 1025 über die Ranshofener Pfalz wie über familiären Privatbesitz, indem sie diese zusammen mit anderen Königshöfen gegen Güter des Bistums Freising abtauschen wollte. Der Nachfolger Heinrichs II., König Konrad II., scheint diesen Tausch aber nicht anerkannt zu haben. Jedenfalls gehörte das &amp;quot;praedium Ranteshoven&amp;quot; – so der neue Name der Siedlung seit dem ausgehenden 10. Jahrhundert – mit der dazugehörigen Kapelle weiterhin zum Reichsgut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Gründung – oder Wiederbelebung – eines Kanonikerstiftes verweisen erst wieder zwei Urkunden, die Kaiser Heinrich III. im Jahr 1040 für Ranshofen ausgestellt haben soll. Auch sie sind nur in Abschriften überliefert und gelten der Urkundenforschung in ihrer vorliegenden Gestalt als Fälschungen. Man hat allerdings den Versuch unternommen, in beiden authentische Abschnitte von späteren Zusätzen zu trennen. Dabei begegnet im vermutlich echten Text die Angabe über eine Schenkung von Zehenten zugunsten der in Ranshofen &amp;quot;weilenden Priester ..., damit der Gottesdienst dort täglich gefeiert werde.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutet man dies als Hinweis auf eine Klerikergemeinschaft, so dürfte diese in den Wirren der Zeit des Investiturstreits wieder zerfallen sein. Jedenfalls begegnen in den ältesten Schenkungsnotizen des Ranshofener Traditionskodex, deren Textüberlieferung vor 1070 einsetzt, zunächst nur einzelne Priester der Pankrazkirche, die mehrfach auch als Pfarrer bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte===&lt;br /&gt;
Erste Anzeichen für die erneute Einrichtung einer Kanonikergemeinschaft kann man am Text der Ranshofener Traditionen seit etwa 1120 beobachten. Die hier aufgezeichneten Schenkungen erfolgen jetzt nämlich zugunsten der an der Pankrazkirche &amp;quot;für Gott streitenden Brüder (fratres Deo militantes)&amp;quot;, eine Formulierung, die im Zusammenhang mit Regularkanonikern auch andernorts immer wieder begegnet, vereinzelt freilich auch für Angehörige eines weltlichen Kanonikerstiftes gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicheren Boden gewinnen wir somit erst mit der Schenkungsurkunde des Bayernherzogs Heinrich IX. des Schwarzen (1120–1126) vom 30. Juli 1125, in welcher dieser zusammen mit seiner Gemahlin Wulfhilde in der Ranshofener Pfalz den &amp;quot;an der Pankrazkirche nach der Regel des hl. Augustinus Christus dienenden Brüdern Zehent im Gau&amp;quot; Ranshofen sowie verschiedene Güter übergibt. Auf dieser Urkunde basiert dann auch die Darstellung des bayerischen Historikers Aventin, der in seinem um 1520 geschriebenen &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; annimmt, Herzog Heinrich IX. habe hier im Jahr 1125 auf &amp;quot;Geheiß und Rat&amp;quot; des Salzburger Erzbischofs Konrad I. ein Augustiner-Chorherrenstift gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aventins Annahme ist freilich nur mit gewissen Vorbehalten zu übernehmen, denn eine zu diesem Zeitpunkt erst beschlossene Neugründung eines Klosters wird im Urkundentext ebensowenig erwähnt wie ein Zusammenwirken oder Zusammentreffen mit dem Salzburger Erzbischof. Ein Regularkanonikerkloster wird vielmehr als bereits bestehend vorausgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist die Einführung von Augustiner-Chorherren in Ranshofen vielleicht schon zwischen 1120 und 1125 erfolgt. Der weitere Ausbau des Stiftes zu einem Kloster für Chorherren, Chorfrauen und Konversen dürfte sich allerdings noch über die Zeit Heinrichs IX. hinaus bis in die Jahre der Herrschaft seines Sohnes Heinrich X. des Stolzen (1126–1139) erstreckt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Einrichtung eines Augustiner-Chorherrenstiftes erfasste eine wichtige religiöse Erneuerungsbewegung des Mittelalters Ranshofen. Eine Schlüsselfigur ihrer weiteren Ausbreitung war zweifelsohne der Salzburger Erzbischof Konrad I. (1109–1147). Er gilt als Gründer oder Erneuerer einer großen Zahl von Chorherrenstiften innerhalb und außerhalb seines engeren Diözesanbereiches. So ist seine Einflussnahme bei der Errichtung eines Chorherrenklosters in Ranshofen nicht auszuschließen. Quellenmäßig greifbar wird ein Zusammenhang mit ihm freilich erst um 1138/39. Damals nahm Konrad I. zusammen mit Bischof Roman von Gurk in Ranshofen eine Schenkung von Besitzungen der Ministerialen von Rohr im Kremstal für das Kloster entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Entwicklung im Hoch-und Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
Neben der Gestaltung der Liturgie in der Messfeier und beim Chorgebet war die Seelsorge ein wichtiges Anliegen des neuen Ordens. Da der Ranshofener Seelsorgesprengel sehr umfangreich war, wurden schon damals im weiten Umkreis Kirchen dafür neu gebaut oder vorhandene Kapellen übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ranshofen selbst baute man neben der Stiftskirche eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche. Andere Aufgaben waren die Krankenpflege, die schulische Unterweisung und die wissenschaftlichen Studien. Für letztere benötigte man ebenso wie für den Gottesdienst Handschriften, die zu einem großen Teil in der Schreibstube des Klosters, dem &amp;quot;scriptorium&amp;quot;, von den Chorherren selbst in mühevoller Arbeit hergestellt wurden. Aus Urkunden und Traditionsnotizen kennen wir einige Namen von Pröpsten des 12. und beginnenden 13. Jahrhunderts. Genannt werden ein [[Manegold]], der mit dem Magistertitel ausgezeichnet erscheint, nach ihm [[Meginhard]], [[Altmann (Stift Ranshofen)|Altmann]] und [[Adelhard]], unter dem 1178 das berühmte Evangeliar angekauft wurde, danach [[Liutold]] – wohl identisch mit dem im Evangelienbuch bezeugten Schatzmeister gleichen Namens –, dann nochmals ein Adelhard, der mit dem ersten Propst dieses Namens eine Person sein könnte, schließlich noch [[Etticho]] und [[Wichard]]. In verschiedenen Totenbüchern der Salzburger Diözese wird außerdem ein Propst [[Liutfrid von Ranshofen]] verzeichnet, der nur schwer einzuordnen ist. Vielleicht gehört er an den Anfang der Reihe gestellt, anstelle des von Aventin aus der Urkunde Heinrichs IX. von 1125 übernommenen [[Raffold]]. (Letzterer war vermutlich kein geistlicher Propst, sondern einer der Verwalter des Pfalzgutes.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1140 kam es zu einer Kontroverse mit dem Passauer Bischof Reginbert um die Seelsorgerechte und die daraus erwachsenden Zehentforderungen. Im Zusammenhang damit hat der Passauer Ordinarius den Kanonikern einen ungenannten jugendlichen Propst aufgezwungen, gegen den sie sich mit Erfolg aufgelehnt haben. Freiheit der Propstwahl ist dann auch eines der wichtigsten Rechte, das Ranshofen immer wieder urkundlich zugesichert wird, zum ersten Mal in dem großen Schutzprivileg des Papstes Eugen III. von 1147.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts – inzwischen hatten die Wittelsbacher den durch Kaiser Friedrich Barbarossa abgesetzten Heinrich den Löwen in der Herrschaft über Bayern abgelöst – begann für Ranshofen einer der unruhigsten Abschnitte seiner Geschichte. 1233 plünderten Truppen des Babenbergerherzogs Friedrich des Streitbaren bei Kämpfen mit Herzog Otto II. von Bayern Neukirchen an der Enknach, wobei die dortige Filialkirche zu schwerem Schaden kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Jahre danach, wahrscheinlich 1242, überfielen von der Burg Obernberg kommende Leute des Passauer Bischofs Ranshofen selbst und verbrannten zusammen mit der herzoglichen Pfalz auch die beiden Kirchen. 1250 drohten neue Gefahren. Bischof Rüdiger von Passau war durch den päpstlichen Legaten Albert Beham abgesetzt worden, und Berthold, ein gebürtiger Graf von Sigmaringen, sollte seine Stelle einnehmen. Doch Rüdiger leistete Widerstand und wurde dabei durch den bayerischen Herzog unterstützt. So durchzogen Soldaten des Gegenbischofs im November 1250 neuerlich plündernd den angrenzenden Weilhartsforst und verwüsteten das Land. Die Stiftskirche soll anschließend wieder aufgebaut und 1255 neu eingeweiht worden sein. Doch bald danach wurde das Gebiet um den unteren Inn im Zusammenhang mit Kämpfen zwischen Herzog Heinrich von Niederbayern – das Herzogtum war inzwischen nach dem Tod Ottos II. unter seinen Söhnen geteilt worden – und König Ottokar von Böhmen neuerlich Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen wurde 1266 ein zweites Mal niedergebrannt und dabei fast zur Gänze zerstört. So klagte Propst [[Sifrid]] (1255–1277) in einer Bittschrift an Papst Klemens IV. darüber, dass im Kloster nur mehr drei Leute Unterhalt fänden, während davor 14 Priester und 50 weitere Stiftsangehörige mühelos versorgt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Resignation Sifrids erlebte Ranshofen aber dann unter seinem Nachfolger [[Konrad I.]] (1277–1311) eine Zeit des Wiederaufschwungs. Neben den nun wieder günstigeren äußeren Verhältnissen ist diese Blüte vor allem in der Tatkraft und Zielstrebigkeit jenes Prälaten begründet. Bereits im Jahr seiner Erwählung begann er mit der Anlage eines Privilegienbuches, in das die Urkunden des Klosters in übersichtlicher Form eingetragen werden sollten. In dem angeschlossenen Urbar wurden die Stiftsgüter verzeichnet. Beide Teile hat Propst Konrad I. später in etwas abgewandelter Form nochmals redigiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der schon unter seinem Vorgänger begonnene Neubau der Stiftskirche wurde 1283 abgeschlossen und in Gegenwart des bayerischen Herzogs durch den Bischof von Regensburg eingeweiht. Auch das Kanonissenstift wurde erneuert und Einrichtungen für die Krankenpflege geschaffen. Schon mit Konrads gleichnamigem Nachfolger [[Konrad II.]] (1311–1332) setzte allerdings neuerlich eine Zeit des Niedergangs ein. Später besserten sich die Verhältnisse wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift wurde im 14. und 15. Jahrhundert vielfach durch Privilegien der Herzöge von Bayern und von Österreich ausgezeichnet. Auch Kaiser Ludwig der Bayer und später Maximilian I. reihten sich unter die Förderer ein. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts mehrten sich ganz allgemein die Versuche, dem damals drohenden Verfall der Klöster entgegenzuwirken. Erste Ansätze einer solchen Reform in Ranshofen unter den Pröpsten [[Erasmus Ridmund]] (1435–1444), [[Friedrich Gunderstorfer]] (1444–1448) und Thomas Wittel (1451–1462) zeigten jedoch keinen nachhaltigen Erfolg. Erst der aus dem niederösterreichischen [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] berufene Propst [[Wolfgang]] konnte das Kloster im Sinne einer vom böhmischen Stift Raudnitz ausgehenden Reformbewegung erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Nachdem Ranshofen im bayerischen Erbfolgekrieg trotz bedrohlicher Nähe des Kriegsgeschehens glimpflich davongekommen war, begann 1508 Propst [[Kaspar Türndl]] (1504—1529) mit dem Neubau der Stiftskirche. Gleichzeitig kam es zu einer Blütezeit humanistischen Geistes, die sich in den erhaltenen Handschriften und Frühdrucken aus der Klosterbibliothek spiegelt. Aber auch erste Anzeichen für eine beginnende Auseinandersetzung mit den Lehren Martin Luthers lassen sich von 1520 an beobachten. Eine Steigerung dieser Tendenzen ergab sich unter Propst [[Augustin I. Münich]] (1529—1560). Zeitgenossen rühmten ihn als Freund der Studien und Wissenschaften. Die Stiftsschule war unter seiner Herrschaft eine der größten Unterrichtsanstalten von ganz Bayern. Aus dem Protokoll einer Passauer Kirchenvisitation von 1559/60, der wichtigsten Quelle unserer Kenntnis über die Ausbreitung der Reformation im Innviertel, erfahren wir jedoch, dass die an dieser Schule wirkenden Schulmeister eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der protestantischen Glaubenslehren gespielt haben. Vielleicht steht die bald nach der Visitation erfolgte Resignation des Propstes im Zusammenhang mit seiner toleranten Einstellung gegenüber den Anhängern des neuen Glaubens. Unter seinem Nachfolger [[Adam Gensleitner]] (1560—1587) wurde jedenfalls sehr rasch die Gegenreformation voll zur Geltung gebracht, sodass der römische Kurienkardinal Commendone, der Ranshofen 1569 visitiert hat, den Zustand von Kirche, Kloster und Schule bereits als zufriedenstellend beurteilte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren neuerlichen Verfalls an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert begann nach 1620 eine der glanzvollsten Perioden der Geschichte Ranshofens. Der klostereigenen Geschichtsschreibung gilt sie als das Werk von vier aufeinanderfolgenden Prälaten. Trotz wachsender Bedrohung durch den Dreißigjährigen Krieg erneuerte Propst Philipp Vetterl (1620—1634) nicht nur die schwer darniederliegende Disziplin des Gemeinschaftslebens, sondern begann auch einen frühbarocken Neubau der Klosteranlage. 1628 erhielt der Propst durch Papst Urban VIII. für sich und seine Nachfolger das Recht des Gebrauchs der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1634 kam der bayerische Kurfürst Maximilian I. mit seiner Familie und seinem Hofstaat auf der Flucht vor den schwedischen Truppen, die München besetzt hatten, nach Ranshofen und blieb hier bis zum Frühjahr 1635. Während des Aufenthalts im Kloster starb die Kurfürstin Elisabeth am 4. Jänner 1635.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Gegenwart des Kurfürsten gewählte Propst [[Simon Meier]] (1635—1665) kümmerte sich besonders um die Neuordnung der Bibliothek und um die wissenschaftlichen Studien der Stiftsangehörigen. Propst [[Benno Meier]] (1665—1687) – ein Neffe seines Vorgängers – ließ im Schloss Neukirchen eine theologische Studienanstalt einrichten. Besondere Sorgfalt widmete er dem Stiftsarchiv mit den alten Urkunden. Seinem Ordnungssinn ist es zu verdanken, dass wir für die Zeit seiner Regierung genaue Aufzeichnungen über die vorhandenen Kirchengeräte und einen Katalog der erworbenen Bücher besitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ivo Kurzbauer]] (1687—1715) erneuerte schließlich Kirche und Kloster für ein 1699 gefeiertes &amp;quot;Acht-tägiges hochfeierliches Jubel-Fest&amp;quot; zum Gedächtnis der achthundertjährigen Geschichte der Pankrazkirche und krönte damit die Bestrebungen seiner Vorgänger, eine Entwicklung, die [[Augustin II. Pariser]] (1715—1741) zwar weiterführen, aber nicht mehr steigern konnte. Die barocke Glanzzeit des Stiftes hatte damit ihren Höhepunkt bereits überschritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild, das Ranshofen dann von der Mitte des 18. Jahrhunderts an bietet, ist eher uneinheitlich. Man kann es nur verstehen, wenn man die Erscheinungen von zwei Seiten her eingrenzt: vom Weiterführen überkommener Lebensformen des Barock einerseits und von der damals auch in Bayern bereits einsetzenden Aufklärungsbewegung andererseits. Mit dem Frieden von Teschen (1779) fiel das lnnviertel an Österreich. Dadurch wurden die vom Geist jener Zeit geprägten Reformen Kaiser Josephs II. alsbald auch in Ranshofen wirksam. Im Zusammenhang mit der Neuorganisation des Pfarrnetzes wurden verschiedene Filialkirchen in Pfarrkirchen umgewandelt, die Formen des Gottesdienstes reformiert, die Ranshofener Pfarrkirche St. Michael gesperrt und später abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Abtrennung der Diözese Linz vom Bistum Passau löste altgewohnte Bindungen. Vor allem die Franzosenkriege brachten dann neuerlich große Unruhe in das Kloster. Das Stift wurde einmal von diesen und einmal von jenen Truppen als Militärspital beansprucht. Es kam zu Gewalttaten und Plünderungen. Aber auch die Klostergemeinde selbst war vom Geist der Aufklärung angekränkelt.&lt;br /&gt;
Vor allem der letzte, 1784 gewählte Propst [[Johann Nepomuk Kierl]] gilt als schwach und verschwenderisch. Nach seinem Tod im Jahr 1809 kommt es innerhalb der zerfallenen und in sich gespaltenen Gemeinschaft zu keiner Neuwahl mehr. So findet die von der &amp;quot;Rieder Regierung&amp;quot; während der französischen Besatzung 1810 angekündigte Aufhebung Ranshofen bereits im Zustand der Krise.&lt;br /&gt;
Der Übertritt in den Weltpriesterstand kommt den damals noch hier lebenden Chorherren eher gelegen. Vor der endgültigen Aufhebung am 28. Oktober 1811 brachte man die als wertvoll angesehenen Archivalien in das Hauptstaatsarchiv nach München und einen großen Teil der Bibliotheksbestände in die jetzige Bayerische Staatsbibliothek. Anderes wurde in der ganzen Welt verstreut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammen mit dem, was in Ranshofen selbst heute noch sichtbar ist, legen diese Dokumente ein beredtes Zeugnis ab von der Pflege von Religion, Wissenschaft und Kunst im Chorherrenstift Ranshofen im Verlauf seiner Jahrhunderte währenden Geschichte. Indirekt kann man aus ihnen aber auch ahnen, wie bedeutungsvoll dieses Wirken der Chorherren für jene Menschen gewesen sein muss, die im Umkreis des Klosters gelebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Nachgeschichte===&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung erwarb der bayerische General Graf von Montjoie-Frohberg die Stiftsgebäude und den ausgedehnten Grundbesitz und wandelte einen Teil der ehemaligen Klosteranlage zum &amp;quot;Schloss Ranshofen&amp;quot; um. Anderes wurde abgetragen. Die frühere Stiftskirche blieb als Pfarrkirche erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erster Pfarrer wurde der seinerzeitige Stiftsdechant [[Pankraz Hauser]]. Der Pfarrer war damals einige Jahrzehnte hindurch auch Repräsentant der weltlichen Verwaltung. Erst im Zuge der Reformen bekam Ranshofen im Jahr 1848 eine eigene Gemeindeverwaltung. Auch erhielten die bis dahin unfreien Bauern die Möglichkeit, den Grund und Boden, den sie vorher als Untertanen bewirtschaftet hatten, gegen ein geringes Entgelt als Eigentum zu erwerben.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1851 kaufte dann Ferdinand Wertheimer, der später als Abgeordneter dem oberösterreichischen Landtag angehörte, die &amp;quot;Herrschaft Ranshofen&amp;quot; und wandelte im Lauf der Jahre den immer noch beachtlichen Großgrundbesitz in einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb um. Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland im März 1938 wurde der Wertheimersche Familienbesitz jedoch vom Deutschen Reich &amp;quot;abgelöst&amp;quot;. Im Oktober des gleichen Jahres wurde die vorher selbständige Gemeinde Ranshofen der Stadt Braunau einverleibt und ein Jahr später begann man bereits auf den Wertheimer-Gründen mit dem Bau eines Aluminiumwerkes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute ist man bemüht, das noch Vorhandene zu erhalten und zu pflegen, wobei der Komplex von Kirche und ehemaligem Stift besitzmäßig auf die Diözese Linz, die Stadt Braunau und private Eigentümer verteilt ist. Die Kirche und der Bibliothekssaal im ehemaligen Konventgebäude werden – abgesehen von der liturgischen Verwendung des Gotteshauses – auch für kulturelle Veranstaltungen genützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Will man sich ein Bild von den wirtschaftlichen Verhältnissen des Chorherrenstiftes Ranshofen im Mittelalter machen, wird man zunächst von der Urkunde Herzog Heinrichs IX. von Bayern aus dem Jahr 1125 ausgehen müssen. Sie gilt in der Literatur ja als &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; des Klosters. Als geschenktes Gut werden darin Güter in Handenberg, Braunau und einem – nicht mehr bestimmbaren – Dürrnberg nördlich der Donau sowie verschiedene kleinere Liegenschaften angeführt. Letztere wurden den Regularkanonikern teils als Eigenbesitz, teils als Lehen überlassen. Dazu kamen die herzoglichen Zehenten &amp;quot;im Gau&amp;quot; Ranshofen und die Kirche Enknach (&amp;quot;Enkinacha&amp;quot;) – vermutlich am Ort oder in der Nähe des heutigen Neukirchen an der Enknach gelegen – mit dem dazugehörigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich erst nach Ausfertigung der Urkunde wurde an einer bestimmten Stelle nachträglich noch ein Hinweis eingefügt, dass jene Hörigen, die vorher in der Hand des Herzogs oder des Kämmerers bzw. des – herzoglichen – Propstes gewesen seien, nun auch dem Kloster unterstellt würden. So reichhaltig diese Schenkung gewesen ist, so wird damit keineswegs der gesamte wirtschaftliche Besitz Ranshofens zur Zeit der Gründung des Chorherrenstiftes umschrieben. Die Einrichtung des mittelalterlichen Klosters erfolgte ja nicht in der Einöde eines unerschlossenen Gebietes, sondern knüpfte an eine Jahrhunderte währende Vorgeschichte an. Schon Kaiser Arnulf hatte ja die von ihm erbaute Pfalzkapelle reich mit Gütern ausgestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den umfangreichsten Einblick in die Ranshofener Besitzverhältnisse im hohen Mittelalter gewähren jedoch die Notizen des Traditionskodex, deren Inhalte den Zeitraum von etwa 1070 bis 1250 umspannen, also auch schon vor 1125 einsetzen. Die Texte bezeugen die Übergabe von Gütern im näheren und weiteren Umkreis von Ranshofen, darüber hinaus die Schenkung von 5-Pfennig-Zensualen, sowie von Knechten und Mägden. Wie in anderen Klöstern machen auch in Ranshofen die Selbstübergaben von ehemals freien Personen, in der Absicht, sich unter dem Schutz des Stiftes gegen Übergriffe von Mächtigeren abzusichern, einen beträchtlichen Teil der Zensualenschenkungen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere wichtige Quelle zur mittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte Ranshofens ist dann das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes [[Konrad I.]]. Die Handschrift enthält neben zwei Kopialbüchern zwei Urbare, welche 1277 beziehungsweise 1303 angelegt wurden. Da im älteren Urbar die erste Lage der Handschrift verlorengegangen ist, kann man nur aus dem jüngeren erkennen, dass der Grundbesitz sich damals auf acht Urbarämter verteilte, die im Innviertel (Haselbach, Überackern, Neukirchen/Enknach, Nonsbach und Ranshofen), im oberösterreichischen Kremstal (Rohr) und in den jetzigen bayerischen Landkreisen Rottal-Inn und Alt-Ötting gelegen waren (Kollbach und &amp;quot;Trans Enum&amp;quot;). Dazu kamen noch Weingärten in der Wachau. Im Abgabenverzeichnis über die im Dorf Ranshofen ausgegebenen Lehen werden auch zwei Schuster, ein Schneider, ein Fleischer, ein Koch und ein Bader angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte Ranshofens stiegen in der Folgezeit dann noch durch die Stiftung von Jahrtagen in Form von &amp;quot;Seelgeräten&amp;quot;, das sind Schenkungen zugunsten von jährlich, manchmal sogar wöchentlich zu lesenden Messen für das Seelenheil von Verstorbenen. Ähnliche Stiftungen begegnen auch in den Filialkirchen des Klosters, unter denen die Braunauer Stephanskirche durch die Befestigung der Siedlung und die Stadterhebung im Jahr 1260 bald eine Sonderstellung einnehmen sollte. Kaiser Ludwig der Bayer (1314–1347) stiftete 1345 eine täglich zu lesende Messe für sich und seine Vorfahren und Nachkommen. Gleichzeitig schenkte er dem Kloster jene Güter im Dorf Ranshofen, die bis dahin noch herzoglicher Besitz gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schiffstransport des Klosterweins aus den Weingärten in der Wachau auf Donau und Inn erhielt das Chorherrenstift verschiedentlich Privilegien über die Mautfreiheit, so 1287 vom österreichischen Herzog Albrecht I., die er 1295 und sein Sohn Friedrich der Schöne 1314 nochmals bekräftigten. Eine Bestätigung dieser Privilegien durch Kaiser Maximilian I. erbaten der Propst und das Kapitel von Ranshofen schließlich noch 1498. In einzelnen Fällen hat das Kloster aber auch ältere Besitzungen, die schwer zu bewirtschaften waren oder den erwarteten Ertrag nicht erbrachten, wieder abgestoßen. Ein wertvolles Dokument solcher wirtschaftlicher Veränderungen ist eine von Propst [[Benno Meier]] 1670 verfasste &amp;quot;Relation von den Ranshoverischen in Österreich gelegenen Höf und Weingärten&amp;quot;. Darin verzeichnete der Prälat zunächst alles, was er aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen über die niederösterreichischen Besitzungen Ranshofens in Erfahrung bringen konnte. Es handelte sich um Höfe und Weingärten in Schwallenbach, Spitz, Loiben, Stein, Krems und Gobelsburg in der Wachau und um Weingärten in Kritzendorf bei Klosterneuburg. Zu seiner Zeit waren davon fast nur mehr die Weingärten in Unterloiben – ihre Riednamen sind vielfach bis heute in Gebrauch – dem Stift verblieben. Ihr Zentrum war ein großer Lesehof in Unterloiben nahe der Kirche, der als der heutige &amp;quot;Loibnerhof&amp;quot; identifiziert werden kann. Weil die Kosten-Nutzen-Rechnung des Propstes auch darüber negativ ausfiel, verkaufte er ein Jahr später den ganzen Komplex an das Kloster Tegernsee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen guten Überblick über den Stiftsbesitz und die Untertanen im Bereich von Ranshofen selbst in der Zeit des beginnenden 18. Jahrhunderts gibt ein im Auftrag des Propstes Ivo (1687–1715) durch den bayerischen Geometer Matthäus Paur im Jahr 1714 angelegtes Mappenwerk (&amp;quot;Gruntrys mit angehengter Beschreibung&amp;quot;, in der Literatur im allgemeinen als &amp;quot;Grundriss-Libell&amp;quot; bezeichnet). Der davon erhaltene Teil besteht aus Plandarstellungen aller Besitzungen im Bereich der sogenannten &amp;quot;Hofmark&amp;quot; Ranshofen mit darauf bezogenen Erläuterungen. Diese umfasste damals 81 Häuser, von denen die meisten vom Stift auf Erb- oder Leibrechtsbasis verliehen waren. Etwa die Hälfte davon wurde landwirtschaftlich genutzt. Der Rest war an Gewerbetreibende vergeben, unter denen sich auch ein Saitenmacher, ein Sattler, ein Bierbrauer und ein Metzger aus Braunau finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge der Abtrennung des Innviertels von Bayern durch den Frieden von Teschen ergaben sich während der letzten Jahrzehnte des Bestandes des Klosters Probleme mit der Verwaltung der bei Bayern verbliebenen Besitzungen jenseits des Inn. So wurden etwa im Verlauf der napoleonischen Kriege – Bayern kämpfte damals auf der Seite der Franzosen gegen Österreich – die Erträgnisse von Grundherrschaften, die auf bayerischem Gebiet gelegen waren, für das Stift gesperrt. 1810 schließlich begann man im Zuge der Auflösung die beweglichen Güter und die Wertsachen zu versteigern. Die Einnahmen betrugen 13.000 Gulden, die nach Salzburg, von wo aus kurzzeitig auch das Innviertel verwaltet wurde, abgeliefert werden mussten. Das 400 Joch große Stiftsgut, bestehend aus Äckern, Wiesen, Auen, Gärten und anderem, kaufte am 17. August 1812 der bayerische General und königliche Adjutant Graf Montjoie-Frohberg um 54.000 Gulden. Nur den unteren Teil des Lachforstes und ein Haus in Dietfurt (unterhalb von Braunau) behielt der bayerische Staat für sich zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Die rechtliche Lage der Ranshofener Pfalz war vom ausgehenden 11. bis um die Mitte des 12. Jahrhunderts eine eher wechselhafte. Dies findet auch in der damals beginnenden Geschichte des Chorherrenstiftes seinen Niederschlag. Die Pfalz und die dazugehörende Pankrazkapelle waren ja seit der Karolingerzeit Reichsgut und als solches der Verfügungsgewalt des Königs unterstellt. Den Bayernherzögen war zwischendurch zwar die Nutzung überlassen, sie wurden gegen Ende des 11. Jahrhunderts wegen ihrer reichsfeindlichen Politik im Zusammenhang mit dem Investiturstreit aber wiederholt durch Kaiser Heinrich IV. abgesetzt: zuerst Otto von Nordheim und später Welf I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So begegnet in einer vermutlich 1074 anzusetzenden Traditionsnotiz Kaiser Heinrich IV. selbst als Eigentümer von Ranshofen (&amp;quot;cuius praedium erat, quod Ranshovin vocatur&amp;quot;). Erst seit 1096 wurden die Welfen wieder mit Bayern belehnt und waren damit innerhalb bestimmter Grenzen über das Land am Inn verfügungsberechtigt. Die schwankende Rechtslage von Ranshofen kommt dann besonders in der &amp;quot;Gründungsurkunde&amp;quot; Herzog Heinrichs IX. von 1125 zum Ausdruck. Ihre Textform und ihre Ausstattung schließen sich in vielem dem Vorbild königlicher Siegelurkunden an. Dem Stil der Herrscherurkunden entspricht wohl auch der Hinweis auf die Mitwirkung und Zustimmung von Heinrichs Gemahlin Wulfhilde. Gerade dies ist allerdings rechtlich höchst fragwürdig, da es sich bei den geschenkten Gütern ja nicht um welfischen Eigenbesitz, sondern um dem Herzog überantwortetes Reichsgut handelte, für dessen Vergabe viel eher die Zustimmung des Königs erforderlich gewesen wäre. (Freilich war im Juli des Jahres 1125 nach dem Tod Kaiser Heinrichs V. Lothar III. noch nicht gewählt.) Die Strafformel, welche eine Bußzahlung von 60 Gulden an die Kammer des Königs bzw. des Kaisers bei Eingriffen in das Schenkungsgut vorsieht, bestätigt diese Auffassung. Dennoch versuchte Herzog Heinrich der Löwe später die Meinung durchzusetzen, Ranshofen sei ein Eigenstift seiner Familie, so vor allem, wenn er die dort dienenden Regularkanoniker als zu seiner Kapelle gehörig bezeichnet und die Gründung insgesamt fälschlicherweise mit seinem Vater Heinrich dem Stolzen in Verbindung bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1139 hatte nach dem Tod Heinrichs des Stolzen zunächst der Babenberger Leopold IV. zusammen mit dem Herzogtum Bayern das Reichsgut um Ranshofen erhalten. Er ist jedoch bereits zwei Jahre später verstorben. Damals behielt König Konrad III. dann für kurze Zeit Bayern selbst in der Hand. In diesen Zeitabschnitt fällt das große Schutzprivileg Konrads von 1142, in dem der König die Besitzungen des Chorherrenstiftes, das er eine Gründung seines Urgroßvaters, des Kaisers Heinrich III., nennt, bestätigt. Eine Erwähnung einer Erneuerung durch die Welfen wurde in der Urkunde – offensichtlich aus politischen Gründen – unterdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Jahr belehnte der König den Babenberger Heinrich &amp;quot;Jasomirgott&amp;quot; mit Bayern. Das ist wohl jener &amp;quot;Heinricus Dux Bawariae&amp;quot;, welcher in einer anderen Tradition das an den Obstgarten der Regularkanoniker angrenzende Land am Altar des hl. Pankraz übergibt. Auch erscheint er in dem großen Privileg des Papstes Eugen III. von 1147 als Fürsprecher des Stiftes. Darin wird unter anderem erwähnt, dass der Vogt (&amp;quot;advocatus&amp;quot;) über das Herzogsgut gleichzeitig der Vogt des Klosters Ranshofen sei. Diese Bestimmung wird dann auch im Privileg des Papstes Hadrian IV. von 1158 wiederholt. Diesmal ist jedoch bereits Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, der Schirmherr des Klosters. Friedrich Barbarossa hatte ihn inzwischen 1154 mit dem von ihm zurückgeforderten Bayern belehnt. Schon 1157 hatte Heinrich der Löwe in einer Urkunde verfügt, dass der Vogt nicht nur die herzogliche Pfalz mit deren Untertanen, sondern auch die Stiftsleute an seiner Stelle beschützen und beschirmen sollte. Er habe auch die Klagen der Kanoniker und ihrer Eigenleute anzuhören und ihnen gebührend Recht zu verschaffen. Geld sollte er dafür nicht von ihnen fordern, sondern nur von des Herzogs Kammer nach altem Herkommen seinen Lohn empfangen. Darüber hinaus solle er keine Verfügungsgewalt über das Kloster oder dessen Eigenleute und Besitzungen haben und auch keine Steuern von ihnen eintreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vögte begegnen bereits mehrfach in den frühen Ranshofener Schenkungsnotizen aus der Zeit um 1100. Sie waren damals wohl vom König eingesetzt und hatten die Aufgabe, die unfreien Untergebenen vor Gericht zu vertreten, konnten aber auch selbst Streitigkeiten schlichten und Strafen verhängen. Bei Schenkungen an die Kirche fungierten sie als wichtige Zeugen. In späteren Traditionsnotizen wird fallweise der Herzog selbst als Vogt des Klosters angesprochen, so nach 1180 der Wittelsbacher Otto I. (&amp;quot;tune temporis dux Bawariae et eiusdem loci advocatus&amp;quot;). Nach dem Zeugnis der beiden angeführten päpstlichen Privilegien ließen sich aber schon zuvor die Herzöge in dieser Funktion durch von ihnen bestellte Untervögte vertreten. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts werden diese dann meistens als Richter (&amp;quot;judex&amp;quot;) angesprochen. Ob die Ranshofener Untervögte ihre Stellung – wie etwa in Reichersberg – zur persönlichen Besitzerweiterung und Bereicherung missbraucht haben, ist aus den Quellen nicht mehr zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf verschiebt sich die rechtliche Verfügungsgewalt mehr und mehr zugunsten des Landesfürsten. Der ehemalige Pfalzbereich wird dem herzoglichen Amt Burghausen zugeordnet. Einen Höhepunkt erreicht diese Entwicklung mit Kaiser Ludwig dem Bayern, der in sich ja Königs- und Herzogsamt vereinigte. Von ihm erhielt der Propst 1345 das Recht der niederen Gerichtsbarkeit über alle Stiftsuntertanen. Vögte des Chorherrenstiftes Ranshofen treten in der Folgezeit nicht mehr in Erscheinung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Von den Chorherren, die in der frühen Zeit dem Stift Ranshofen angehört haben, kennen wir nur einzelne Namen, die außerdem meistens wenig über ihre soziale Herkunft aussagen. Ein im Traditionskodex vor 1120 mehrfach genannt er Pfarrer [[Erenbert]] wird &lt;br /&gt;
anlässlich der Schenkung seines Gutes Pfaffing in einer der Notizen als &amp;quot;canonicus s. Pancratii mart.&amp;quot; bezeichnet, was ihn als Säkularkanoniker charakterisieren könnte. Ob er später auch noch dem Regularkanonikerkonvent angehört hat, ist ebenso fraglich, wie die - in der Literatur vielfach angenommene - Übernahme der ältesten Augustiner-Chorherren aus dem Salzburger Domstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die ersten Pröpste gibt es vereinzelte Hypothesen ihrer Herkunft, sowohl in genealogischer wie in geistlicher Hinsicht, die freilich einer kritischen Überprüfung kaum standhalten. Einen Ansatzpunkt für die Beantwortung der Frage nach dem sozialen Umfeld der ältesten Ranshofener Regularkanoniker gewinnen wir aus jener Traditionsnotiz von 1138/39, nach welcher der Reichsministeriale Friedrich von Rohr und seine Gemahlin Berta in Anw esenheit des Salzburger Erzbischofs Konrad I. und des Bischofs Roman von Gurk ihr ganzes Gut in Rohr (im oberösterreichischen Kremstal) übergaben, als sie ihren Sohn Richer dem Kloster zur geistlichen Ausbildung anvertrauten. Und in unmittelbarer Nachbarschaft zu dieser Notiz lesen wir im Traditionskodex von der Schenkung eines Eginbert, eines Neffen des Kadelhoch von Rohr, anlässlich seines Eintritts in das Stift (&amp;quot;tradidit semetipsum ad aram s. Pancratii secundum regulam communis vitae ibidem degendum&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu passen auch die spärlichen Angaben, die wir aus einem - nur im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr auszugsweise überlieferten - Ranshofener Nekrolog dieses Zeitabschnitts schöpfen können. Als verstorbene Chorherren wurden darin [[Konrad von Retenbach]], [[Bernhard von Hut]], [[Hartwig von Sattelbogen]], [[Heinrich von Loitzenkirchen]], [[Heinrich von Braunau]], [[Friedrich von Weilhart]], [[Pabo von Ering]] und [[Wilhelm von Mattsee]] genannt. Es sind vorwiegend Familienangehörige der Ministerialen, die aufgrund ihrer Dienste für den König oder den Herzog unfreie Bauernhöfe, Lehengüter, manchmal auch Eigenbesitz im engeren oder weiteren Umfeld Ranshofens, bewirtschafteten und das Kloster von seinen Anfängen an immer wieder beschenkten. Manche dieser Familien - sie werden in den Urkundentexten einmal als Reichsdienstmannen (&amp;quot;ministeriales regni&amp;quot;) und einmal als Herzogsdienstleute (&amp;quot;ministeria les ducis&amp;quot;) bezeichnet, was wiederum mit der schwankenden Rechtslage der Ranshofener Pfalz zusammenzusehen sein dürfte - hatten im Kloster auch ihre Grablege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gleiche Bild zeigen die in das Totenbuch eingetragenen Namen der Chorfrauen, aber auch der Laienbrüder und -schwestern, die im Stift Aufnahme gefunden hatten. Aus der - schon oben erwähnten - Supplik des Propstes Sifrid an den Papst Clemens IV. wissen wir, dass vor den kriegerischen Ereignissen, durch die Ranshofen um die Mitte des 13. Jahrhunderts großen Schaden genommen hatte, vierzehn Priester versorgt worden waren, während zu seiner Zeit der Konvent auf drei Angehörige zusammengeschmolzen war. Auch das Chorfrauenstift war den Zerstörungen zum Opfer gefallen. Unter Propst Konrad I. wurde es jedoch erneuert. Es sollten aber nicht mehr als sechs Frauen aufgenommen werden, von denen eine zur Vorsteherin (&amp;quot;magistra&amp;quot;) bestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Herkunft der Chorherren anlangt, so begegnen in der Folgezeit weiterhin viele Angehörige von Ministerialenfamilien aus dem Umkreis Ranshofens. Mit dem Ausgang des Mittelalters ändert sich dieses Bild. Zunächst verschwinden die Chorfrauen aus den Quellen. Die überlieferten Namensformen der Chorherren lassen erkennen, dass die in das Stift eingetretenen Personen jetzt mehr und mehr bürgerlicher Herkunft waren und daran änderte sich auch in der Neuzeit nichts. Die Unterlagen, die darüber Auskunft geben, sind vor allem der Visitationsbericht von 1559/60, ferner zwei Namenskataloge der Ranshofener Chorherren von 1665 und 1687 im &amp;quot;Inventarium&amp;quot; des Propstes Benno Meier und schließlich zwei Nekrologaufzeichnungen, die von 1619 bis 1771 reichen (Bayerische Staatsbibliothek München, Clm. 12721, fol. 135-141).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Aufhebung im Jahr 1811 traten die verbliebenen Chorherren in den Weltpriesterstand über. Der St. Florianer Historiker Franz Xaver Pritz schreibt dazu: Einer der Chorherren weinte über dieses Schicksal, die Anderen verließen das Stift ohne Leid und Freude. Jeder erhielt eine Pension von 600 Gulden Reichs-Währung, die später um 100 Gulden vermindert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der Bücherbestand der Ranshofener Klosterbibliothek wurde durch die Aufhebung des Augustiner-Chorherrenstiftes in alle Winde verstreut. Dies gilt zunächst für die alten Handschriften, von denen der größte Teil 1811 nach München abtransportiert und in der jetzigen Bayerischen Staatsbibliothek untergebracht wurde. Andere Ranshofener Kodizes sind während des 19. Jahrhunderts vorwiegend über den Antiquariatshandel in verschiedene andere Bibliotheken gelangt: drei liegen - &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;nach derzeitigem Wissensstand&amp;lt;/span&amp;gt; - in der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin, drei in der Bodleian Library in Oxford, zwei in der russischen Staatsbibliothek in St. Petersburg, um die zwanzig schenkte ein Augsburger Antiquar nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 der Straßburger Universitätsbibliothek, Einzelstücke wurden schließlich noch in Linz (OÖ. Landesbibliothek), in Paris, in Budapest und in New York (Library of Saint Bonaventura College) festgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Provenienz der Handschriften bei der Katalogisierung soweit wie möglich erfasst wurde, ist es bei den gedruckten Büchern meistens schwieriger, ihre Ranshofener Herkunft nachzuweisen. Eine Reihe von Inkunabeln und Frühdrucken aus dem 16. Jahrhundert kamen bereits 1784 anlässlich der Abtrennung der Diözese Linz vom Passauer Bistum im Zusammenhang mit der Errichtung eines Priesterseminars an die jetzige Bibliothek der Katholisch-theologischen Hochschule in Linz. Nur wenige Einzelstücke verblieben im Raum von Ranshofen und Braunau. Erst mit der breiteren Überlieferung von Ranshofener Handschriften aus dem 12. und 13. Jahrhundert wird eine verhältnismäßig sichere Beantwortung der Fragen nach dem Skriptorium und der Bibliothek des Chorherrenstiftes im hoh en Mittelalter möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgangspunkt der diesbezüglichen Überlegungen war dabei zunächst jenes Ranshofener Evangeliar, das die Bodleian Library in Oxford aus dem Nachlass des venezianischen Ex-Jesuiten Luigi Canonici 1817 erworben hat (Canon . Bibi. Lat. 60). Den vier Evangelien sind jeweils ganzseitige Deckfarbenminiaturen der einzelnen Evangelisten vorangestellt; im Zusammenhang mit der Passionsgeschichte begegnet innerhalb des Johannesevangeliums auch eine ganzseitige &amp;quot;Kreuzigung Christi&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Zur künstlerischen Ausgestaltung gehören weiters die Kanontafeln und kunstvolle Initialen von verschiedener Form und Größe. Den reichsten Schmuck zeigen hier die zu Zierseiten ausgestalteten Textanfänge. In einer Eintragung am Schluss der Handschrift werden der Propst Adelhard von Ranshofen und der Schatzmeister Liutold im Zusammenhang mit der Bezahlung des 1178 vollendeten Buches erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Swarzenski hat als erster die große Stilverwandtschaft der Deckfarbenminiaturen des Ranshofener Kodex mit denen eines Evangeliars, das bei der Aufhebung des Benediktinerstiftes Mondsee in die Österreichische Nationalbibliothek gelangt ist (Cvp. 1244), aufgezeigt. Da nun im Mondseer Evangeliar ein &amp;quot;Liutoldus monachus&amp;quot; von sich sagt, er habe die Handschrift geschrieben und seinem Können gemäß ausgeschmückt , hat Swarzenski erwogen, den Mönch Liutold mit dem Ranshofener Thesaurar gleichen Namens zu identifizieren. Diese These verfestigte sich dann zur Annahme einer Ranshofener Schreib- und Malschule, als deren Mittelpunkt man den von Mondsee nach Ranshofen übergewechselten Liutold ansehen wollte. In den letzten Jahrzehnten setzte sich jedoch mehr und mehr die Meinung durch, das Ranshofener Evangeliar sei mit einem Salzburger Skriptorium (am ehesten im Benediktinerstift St. Peter) in Verbindung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Salzburger Herkunft wird heute auch für eine dreiteilige lateinische Bibelhandschrift angenommen, von der bis vor kurzem nur die beiden ersten Bände mit Texten aus dem Alten Testament, die bei der Aufhebung Ranshofens nach München kamen (Clm. 23039, Clm. 12601), bekannt waren. Erst im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zur Reichersberger Chorherrenausstellung von 1984 fand Kurt Holter heraus, dass sich der dazugehörige dritte Teil mit dem Psalter und den Schriften des Neuen Testaments ebenfalls in Oxford befindet (Canon. Bibi. Lat. 76). Jeder der drei Bände ist mit verschieden gestalteten Federzeichnungs- oder Deckfarbeninitialen ausgeschmückt. Leider wurden einzelne von ihnen durch nachträgliche Übermalungen entstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den zahlreichen übrigen Ranshofener Handschriften des hohen Mittelalters (mit Werken der Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor dem Großen, ferner Schriften des Kirchenlehrers Isidor von Sevilla, der Symbolisten Rupert von Deutz, Hugo von St. Victor und Bernhard von Clairvaux sowie des der Frühscholastik nahestehenden Honorius Augustodunensis) hat Elisabeth Klemm die der Bayerischen Staatsbibliothek gehörenden eingehend untersucht und genau beschrieben. Für eine Reihe von ihnen nimmt sie mit Sicherheit eine Entstehung in Ranshofen an (Clm. 12608, Clm. 12613-12616, Clm. 12631, Clm. 12633, Clm. 12641 und Clm. 23603), für andere gilt ihr das zumindest als wahrscheinlich. So lässt dies auf den Bestand eines Skriptoriums seit der Einrichtung des Regularkanonikerstiftes schließen, in dem die meisten der weniger anspruchsvollen Gebrauchshandschriften hergestellt worden sein dürften. Nur für besonders repräsentative Kodizes scheint man auf qualitativ leistungsfähigere Werkstätten zurückgegriffen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Hinweis auf den frühen Verlust von Büchern erhalten wir aus einem Bericht der &amp;quot;Mattseer Annalen&amp;quot; über einen Überfall von Kriegsleuten des Passauer Bischofs auf Ranshofen, der dort zwar zum Jahr 1250 überliefert wird, höchstwahrscheinlich aber auf das Jahr 1242 anzusetzen ist. Damals sei das Kloster geplündert und die Pfarrkirche St. Michael in Brand gesteckt worden. Missalien und Bücher, welche der schulischen Unterweisung gedient haben, seien dabei zugrunde gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen freilich nur unvollständigen Überblick über den alten Ranshofener Bücherschatz vermittelt ein um die Mitte des 14. Jahrhunderts geschriebenes Fragment eines Bibliothekskatalogs, der nachträglich in einen Kodex mit der &amp;quot;Legenda aurea&amp;quot; des Jacobus de Voragine eingebunden worden ist (Clm. 12643, fol. 356). Die verzeichneten Handschriften sind in zwei Gruppen aufgegliedert. Zuerst wird eine Reihe von 89 Kodizes aufgezählt, von denen es heißt, sie würden oberhalb der Sakristei des Prälaten aufbewahrt, womit ein Hinweis auf die Lage der Bibliothek während des Mittelalters gegeben erscheint. Die zweite Gruppe wird als in einem langen Kasten befindlich beschrieben. Hier bricht die Reihe allerdings mitten im 21. Titel ab. Das folgende Blatt mit der Fortsetzung ist verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das bedeutendste Denkmal humanistischen Geistes, welches Ranshofen hervorgebracht hat, war wohl das über Anregung des Propstes Kaspar Türndl bereits 1517 hier begonnene &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; des bayerischen Historikers Aventin. Aventin selbst kennzeichnet seinen Versuch einer auf die Quellen zurückgehenden Geschichtsdarstellung im Sinne seines Lehrers Konrad Celtis in der Vorrede durch den Hinweis auf sein Studium der alten Urkunden, des Traditionsbuches und der Kodizes der Stiftsbibliothek. Dass seine Ergebnisse einer kritischen Überprüfung nicht immer standhalten, steht außer Frage. Dennoch war seine Arbeit maßgeblich für alle späteren Darstellungen der Geschichte Ranshofens. Eine Handschrift des Werkes gelangte nach der Aufhebung des Klosters in das OÖ. Landesarchiv nach Linz, eine weitere Abschrift als Geschenk des letzten Stiftsdechants Pankraz Hauser nach Reichersberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die humanistische Gesinnung von Propst Augustin I. Münich bezeugt die Widmungsschrift an den Propst zu den in Sophonias Pämingers &amp;quot;Poematum libri duo&amp;quot; von 1557 veröffentlichten Elegien seines Bruders Balthasar Päminger. Den reformatorischen Tendenzen der Zeit entsprechend nimmt es nicht wunder, wenn im Bericht der Passauer Diözesanvisitationskommission von 1559/60 am Büchervorrat Kritik geübt wird. Zwar fand man in der &amp;quot;Liberei&amp;quot; viele &amp;quot;guete katholische Authores&amp;quot;; aber in einem Stüblein wurden neben unverdächtigen Büchern auch elf Schriften mit protestantischem Inhalt entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit dem Neubau des Konventgebäudes unter den Pröpsten Philipp Vetterl und Simon Meier Mitte des 17. Jahrhunderts wurde ein neuer Bibliotheksraum im Südtrakt des Klosters eingerichtet. Der Ranshofener Stiftsdechant Hieronymus Mayr verfasste damals sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot;, ein zweibändiges Geschichtswerk über Ranshofen. Der erste Band ist in vier Teile gegliedert. Enthalten sind Angaben über den hl. Pankraz, über Gründer und Wohltäter von Kirche und Kloster, über die Lebensweise der Chorherren, aber auch Verzeichnisse der Konventsmitglieder aus älterer und jüngerer Zeit. Der abschließende vierte Teil bringt eine nach den Pröpsten geordnete Stiftsgeschichte bis 1634. Die Titelseite zeigt in Form einer Federzeichnung das Aussehen des Klosters nach der Erneuerung. Dieser Band ist heute im Besitz des OÖ. Landesarchivs. Die Fortsetzung dazu über die Jahre von 1635 bis 1665 befindet sich in der Bibliothek des [[Stift St. Florian|Chorherrenstiftes St. Florian]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Quelle für unsere Kenntnis der Ranshofener Bibliotheksgeschichte während des ausgehenden 17. Jahrhunderts ist ein &amp;quot;Inventarium der geistlichen Sachen des Stiftes Ranshofen&amp;quot;, das Propst Benno Meier anlässlich seiner Resignation 1687 anfertigen ließ. Es enthält neben Inventaraufschreibungen und zwei Namenskatalogen der Ranshofener Chorherren vor allem eine katalogartige Liste sämtlicher unter seiner Herrschaft angekauften Druckwerke (&amp;quot;Libri comparati&amp;quot;). Einige der genannten Bücher befinden sich heute in der Braunauer Studienbibliothek. Ranshofener Herkunft ist wohl auch für den dort ebenfalls vorhandenen Bericht über die Ranshofener 800-Jahr-Feier von 1699 (&amp;quot;Saeculum octavum&amp;quot;, Augsburg 1702) vorauszusetzen. Nach der Widmung an Propst Ivo Kurzbauer werden im ersten Teil die Texte der Predigten, die während des &amp;quot;Acht-tägigen hoch-feyerlichen Jubel-Festes&amp;quot; von verschiedenen Kanzelrednern gehalten wurden, abgedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
===Baugeschichte=== &lt;br /&gt;
Der älteste Kirchenbau in Ranshofen war die zwischen 896 und 898 durch Kaiser Arnulf errichtete und dem hl. Pankraz geweihte karolingische Pfalzkapelle. Eine in der älteren Forschung diskutierte noch frühere Marienkapelle ist quellenmäßig nicht zu belegen. Diese Pfalzkapelle wurde dann mehr als zwei Jahrhunderte später zur ersten Klosterkirche des Augustiner-Chorherrenstiftes umgewandelt. Bei seiner Einrichtung überließ der damals hier herrschende Bayernherzog den Regularkanonikern seine Kapelle für den Gottesdienst. Als Seelsorgekirche wurde daneben eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche gebaut. Leider ist von der alten Pfalzkapelle - ebenso wie von der Königs- beziehungsweise Herzogspfalz, zu der sie gehört hat - kaum mehr etwas erhalten geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grabungen, die der um die Archäologie der Umgebung von Braunau bemühte Maler Hugo von Preen zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Auftrag der k.u.k. Zentralkommission durchführte, blieben ohne nennenswerte Ergebnisse. Nur in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Stiftskirche stieß er auf Reste alter Grundmauern, die man mit der Pfalz in Verbindung bringen konnte. Im Zusammenhang mit einer Nachricht aus den „Mattseer Annalen&amp;quot; über die Zerstörung Ranshofens zum Jahr 1242, aus der hervorgeht, dass die Pfalz damals zwischen dem Kloster und der Pfarrkirche St. Michael gestanden war, hat Schiffmann dann aufgrund dieser Grabungen die Hypothese abgeleitet, die Pfalz sei westlich von der Pfalzkapelle, etwa an der Stelle, wo das Hauptschiff und der Turm der heutigen Kirche stehen, gelegen gewesen. Die Pfalzkapelle selbst aber - damals noch nicht größer als das jetzige Presbyterium - habe den Ostabschluss des Pfalzgebäudes gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Neubau des Chorherrenklosters oder eine Erweiterung des vorher ja schon anzunehmenden Säkularkanonikerstiftes nach 1125 ist naheliegend. Höchst fragwürdig erscheint allerdings eine Kirchweihnotiz für das Kloster und den &amp;quot;Pankrazaltar&amp;quot; (&amp;quot;monasterium et altare s. Pancratii&amp;quot;) von 1135. Sie nennt nämlich neben dem weihenden Bischof Reginbert von Passau den Kaiser Heinrich II., eine Reihe von Bischöfen und einen Herzog Heinrich von Bayern und Sachsen als Anwesende. Reginbert wurde allerdings erst 1138 Passauer Bischof (sein Vorgänger hieß Reginmar) und der Kaiser und die übrigen Bischöfe scheinen aus der verfälschten Urkunde Kaiser Heinrichs III. von 1040 übernommen zu sein. Nur Herzog Heinrich X. (der Stolze) von Bayern, der allerdings auch erst 1137 zusätzlich mit Sachsen belehnt worden war, käme als &amp;quot;Zeitzeuge&amp;quot; in Betracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach schweren Schäden, die Kirche und Kloster bei den kriegerischen Überfällen von 1242, 1250 und 1266 erlitten hatten, wurden beide wiederhergestellt und schließlich 1283 durch den Regensburger Bischof Heinrich neu eingeweiht. Die kunstgeschichtliche Forschung vermutet für die Kirche einen Bau im Stil der frühen Gotik. Reste von zwei säulentragenden Steinlöwen und drei Medaillonbilder an der südlichen Außenmauer des Chores, die stilistisch zu dieser Bauperiode gehören, lassen jedenfalls erkennen, dass beim spätgotischen Kirchenbau zu Beginn des 16. Jahrhunderts zumindest ein Teil des Mauerwerks übernommen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1337 stiftete der Braunauer Bürger Ulrich Schön eine Friedhofskapelle (Karner), die dem Hl. Geist und dem hl. Oswald geweiht wurde. Sie ist als achteckiger Tuffsteinbau mit spitzbogigem Portal und drei Fenstern erhalten geblieben. Im Inneren enden die von verschieden gestalteten Konsolen ausgehenden Rippen in einem Schlussstein mit großer Rose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Seelsorgekirche wurde 1474 von Propst Wolfgang der Grundstein zu einem gotischen Neubau gelegt. Auf den ältesten erhaltenen Abbildungen ist ihr Turm noch mit einem spitzzulaufenden Helm gedeckt. Als ältestes Element des Um- bzw. Neubaus der Stiftskirche ist die unter Propst Blasius Rosenstingl (1494-1504) neu gestaltete Marienkapelle (&amp;quot;Rosenkranzkapelle&amp;quot;) anzusehen, die später - als ostseitiger Abschluss des nördlichen Seitenschiffs - in die Konstruktion der Kirche einbezogen wurde. Von diesem unter Propst Kaspar Türndl (1504-15 26) errichteten spätgotischen Bau ist freilich heute kaum mehr etwas zu erkennen, wenn man von der schlichten Außenerscheinung mit den glatt geputzten Wänden, dem Tuffsockel und den dreifach gestuften Stützmauern des Langhauses absieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Inneren ist die gotische Baukonstruktion fast zur Gänze durch die Umformungen der Barockzeit verdeckt. Nur das einfache Kreuzrippengewölbe des oberen Konventchores oberhalb der Sakristei ist vom Kirchenschiff aus noch sichtbar. Im Hinblick auf die der gleichen Bauperiode angehörenden Bauten der Ranshofener Filialkirchen in Neukirchen/Enknach und Hochburg, vor allem aber der Bürgerspitalskirche in der nahen Stadt Braunau, die als inkorporierte Pfarre ja ebenfalls an das Stift gebunden war, spricht Brucher in seiner Darstellung der &amp;quot;Gotik in Österreich&amp;quot; von einer Innviertler Bautengruppe, die nachhaltig im künstlerischen Ausstrahlungsbereich des Hans von Burghausen stand. Eine Nähe solcher Tendenzen wird man für die Stiftskirche selbst zumindest hypothetisch voraussetzen dürfen, auch wenn der Nachweis dafür nur schwer zu erbringen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild der baulichen Entwicklung Ranshofens ist in den folgenden Jahren von der Barockisierung geprägt, die in mehreren Phasen vor allem dem Innenraum der Stiftskirche ein völlig neues Aussehen verlieh. Die ersten Ansätze dazu sind schon für die Zeit von Propst Hilarius Steyrer (1610-1620) überliefert. Zu großen Veränderungen kam es unter seinem Nachfolger, Propst Philipp Vetterl (1620-1634). 1621 war der Turm der Stiftskirche eingestürzt. In der Folge ließ der Propst - er wird in der Grabinschrift als &amp;quot;architectus insignis&amp;quot; gerühmt - einen neuen bauen, der allerdings weiter nach Westen verlagert wurde, da man zwischen Turm und Kirchenschiff eine halbrunde Westkonche einschob. Diese diente der Errichtung einer Musikempore, auf der eine damals neu angeschaffte Orgel aufgestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1624 begann Propst Philipp auch noch mit der Erneuerung des Stiftsgebäudes, wofür er aus Italien Maurer berief (&amp;quot;ex Italia murarios conducens&amp;quot;). Im Stadium seines vollen Ausbaus, wie es Ansichten aus der Zeit nach 1700 sichtbar machen, bestand das Kloster mit seinen Nebengebäuden aus drei in Nord-Süd-Richtung aneinander anschließenden Gevierten: dem Konventgebäude mit der Prälatur, der Dekanei und der Bibliothek, einem verbindenden Zwischengebäude und dem Meierhof mit dem Bräuhaus. Nach Osten zu waren verschiedene Gärten angelegt (der Blumengarten, der Konventgarten, der Baumgarten und der sogenannte &amp;quot;Kuchelgarten&amp;quot;). Das Ganze wurde von einer Einfriedungsmauer mit einem Torturm umschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1650 standen davon nur der unter Propst Philipp erbaute Konventtrakt und der Meierhof, den Propst Philipps Nachfolger, Propst Simon Meier (1634-1665), neu errichten ließ. Als Baumeister hat Martin dafür einen Bartolomeo Viscardi ausfindig gemacht, der sich in einem Kommissionsprotokoll der Jesuitenkirche in Burghausen als &amp;quot;Stift Ranshofenscher Baumeister&amp;quot; bezeichnet. Schon vorher nannte Schiffmann einen Kaspar Regeton, der 1624/25 auch am Stiftsneubau in Reichersberg beteiligt war. Ulm hat ihn als einen Kaspar Righettoni aus Castenada im Misoxtal in Graubünden identifiziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verbindungstrakt zwischen Konventgebäude und Meierhof entstand erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts, ebenso ein westlich von der Stiftskirche ausgeführter Gasttrakt. Die umfangreichsten Veränderungen an der Stiftskirche wurden unter Propst Ivo Kurzbauer (1687-1715) im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 vorgenommen. Abgesehen von der großzügig erneuerten Innenausstattung kam es zu zahlreichen Eingriffen in die Bausubstanz der Kirche, die alle dem Zweck dienen sollten, den Innenraum in Einklang mit dem barocken Gesamtbild zu bringen. Dazu gehörten vor allem eine Erweiterung der Fensterflächen, das Abtragen einiger Pfeiler, die von außen das Kircheninnere verfinsterten, und schließlich im Chor die Konstruktion einer in den Dachraum hineinragenden Kuppel, um so dem neuen Hochaltar eine entsprechende Höhenausdehnung zu ermöglichen. Propst Ivo begann auch noch mit dem Bau eines neuen Turmes mit barockem Helm für die Pfarrkirche [[St. Michael]], der unter seinem Nachfolger, Propst Augustin II., nach 1715 fertiggestellt wurde. 1799 wurde diese Kirche jedoch zur Gänze abgetragen. Das dabei freigewordene Material verwendete man zum Ausbau der Festung Braunau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert wurden nach der Aufhebung und der damit verbundenen Profanierung des Stiftes der nördliche und der östliche Teil des Konventgebäudes abgetragen. 1859 brannte der Turm der ehemaligen Stiftskirche aus, wobei die Barockorgel völlig zerstört wurde. Die spitze Helmform, welche der Turm beim Wiederaufbau erhielt, könnte als unbeholfener Versuch einer Regotisierung gemeint gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildende Kunst=== &lt;br /&gt;
Abgesehen von den kunstgeschichtlich wertvollen romanischen Handschriften sind nur ganz wenige mittelalterliche Denkmäler der bildenden Kunst aus Ranshofen erhalten geblieben. Zu nennen sind hier zunächst jene drei Medaillonbilder im sogenannten &amp;quot;Rollgang&amp;quot; an der südlichen Außenmauer des Chores der ehemaligen Stiftskirche vom Beginn des 14. Jahrhunderts. Sie wurden in der älteren Literatur als Apostelköpfe gedeutet, zuletzt wurde auch erwogen, ob man sie nicht mit einer Notiz Aventins in Zusammenhang bringen könnte, nach der die Bischöfe Reginbert von Passau und Heinrich von Regensburg auf Fresken dargestellt waren. Dem gleichen Zeitabschnitt sind stilistisch jene zwei säulentragenden Portallöwen aus Ranshofen zuzuordnen, die heute die Besuchergarderobe im Braunauer Bezirksmuseum behüten. In der Stiftskirche selbst ist noch die schön gestaltete gotische Grabplatte des Propstes Blasius Rosenstingl, die dem Salzburger Bildhauer Hans Valkenauer zugeschrieben wird, zu sehen. Rosenstingls Verehrung der Gottesmutter - er hat ja auch den Neubau der Marienkapelle durchgeführt - findet darauf in einer Darstellung der hl. Maria, die von zwei musizierenden Engeln begleitet wird, beredten Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Umkreis der Ranshofener Filialkirchen wären noch zwei qualitativ hervorragende Holzreliefs mit Darstellungen des Marientodes in Hochburg (um 1490) und in Neukirchen/Enknach (um 1510) hervorzuheben sowie eine Monstranz aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert, die der heutigen Pfarrkirche in Handenberg gehört, ferner der &amp;quot;Bäckeraltar&amp;quot; in der Braunauer Stadtpfarrkirche. Obwohl für die Zeit des beginnenden Barock mehrfach über Altarerneuerungen in Ranshofen berichtet wird, ist kaum etwas namhaft zu machen, was aus dieser Periode an kunstgeschichtlich Bedeutsamem erhalten wäre. In jüngerer Zeit hat allerdings Lipp die Herkunft einer im Braunauer Bezirksmuseum aufgestellten Holzplastik aus Ranshofen aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts von einem Ranshofener Altarwerk zur Diskussion gestellt. Diese wollte man aufgrund der Krone und der Reichsinsignien früher als eine Darstellung des Kaisers Arnulf ansehen. Lipp deutete sie als den heilig gesprochenen Kaiser Heinrich II., der ja im klostereigenen Geschichtsverständnis einen besonderen Stellenwert einnahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge mit einem Altarwerk der Stiftskirche werden auch für Holzplastiken des hl. Pankratius und vier Engelfiguren aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts vermutet, die heute als Aufsatzfiguren der Orgel dienen. Zwei herausragende Stücke kunstgewerblicher Arbeit sind schließlich noch die Monstranz und der Kelch, welche 1682 durch Propst Benno Meier bei dem Augsburger Goldschmied Georg Reischle in Auftrag gegeben wurden. Beide Geräte sind aus Silber gefertigt, teilweise vergoldet und mit Halbedelsteinen geschmückt. Zahlreiche Emailmedaillons mit Szenen aus dem Leben Christi gehören zur künstlerischen Ausstattung des Ensembles. Dazu kommen weitere Medaillons mit Grisaillebildern der Rosenkranzgeheimnisse, welche das herzförmige Fenster der Monstranz einrahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erscheinungsbild, das heute den Besucher der ehemaligen Stiftskirche in Ranshofen empfängt, ist geprägt von der großzügigen Umgestaltung, welche das Innere im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 erfahren hat. Dies gilt sowohl von den damals neu aufgestellten Altären als auch von den Deckenfresken im Haupt- und im nördlichen Seitenschiff. Die Bilder des monumental wirkenden Hochaltars, die Enthauptung des hl. Pankraz und darüber (als Aufsatzbild) die hl. Dreifaltigkeit darstellend, stammen von dem in Braunau geborenen bayerischen Hofmaler Johann Kaspar Sing. Sie werden von einem Aufbau aus gewundenen Säulen, Akanthusranken und einer Reihe von Heiligenfiguren eingerahmt, der dem Braunauer Bildhauer Sebastian Hagenauer zugeschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein genaueres Hinsehen verdient die Deckengestaltung mit der Stukkaturverzierung und den beiden Freskenzyklen zur Pankrazvita (im Chor und im Hauptschiff) und zum Marienleben (im nördlichen Seitenschiff). Das Besondere daran sind eine Fülle kleiner Emblembilder, die um die erzählenden Hauptbilder herum gruppiert sind und das dort dargestellte Geschehen kommentieren bzw. erläutern, eine Darstellungsform, die sich im Hochbarock einer gewissen Beliebtheit erfreute und der zahlreiche Handbücher gewidmet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reihe der Pankrazbilder etwa beginnt im Chorraum über dem Hochaltar mit einem Mittelbild, das die Unterweisung des jungen Pankraz durch den Papst zeigt. In zwei kleineren, flankierenden Seitenbildern wird die Landung des aus Phrygien stammenden Jünglings mit seiner Begleitung in Ostia bzw. der Empfang der Reisegruppe am Tor des päpstlichen Palastes geschildert. Die dazugehörenden Emblembilder zeigen eine Uhr, eine Sonnenblume, eine Feuerwerksrakete und eine Nachteule. Die Uhr, deren im Gehäuse verborgenes Werk die Zeiger treibt, symbolisiert die geheime Kraft, die den jungen Pankraz auf seine Reise trieb. Die Sonnenblume, die sich sogar der hinter Wolken versteckten Sonne zuwendet, verweist auf den Weg zum Glauben, den er auch durch Hindernisse unbeirrt geht. Die brennend zum Himmel aufsteigende Feuerwerksrakete ist ein Bild für den Feuereifer, mit dem der junge Mann seinen Weg zu Gott sucht. Die Nachteule schließlich, die von der aufgehenden Sonne vertrieben wird, zeigt seine Erleuchtung durch den päpstlichen Religionsunterricht an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer dieses komplizierte Bildprogramm entworfen hat, wissen wir nicht. Am ehesten ist an Propst Ivo Kurzbauer selbst zu denken. Die Ausführung der Bilder schreibt Martin in der Kunsttopographie des Bezirkes Braunau aufgrund einer Eintragung in den Ehematriken der Ranshofener Kirche dem Laienbruder Christof Lehrl aus dem bayerischen [[Chorherrenstift Högelwörth]] zu. Lehrl wird dort zusammen mit zwei Stukkateuren als Trauzeuge bei der Hochzeit des Malers Josef Pöckl aus Teisendorf, der später in Uttendorf ansässig war, genannt. Dass dieser Pöckl auch an den Fresken mitgemalt haben dürfte, ist Martin entgangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Signatur &amp;quot;I.P.&amp;quot; bei einem der Fresken des Seitenschiffs könnte aber mit &amp;quot;Iosephus Pöckl&amp;quot; aufzulösen sein. Dieses Monogramm findet sich übrigens auch bei einem der &amp;quot;Autorenbilder&amp;quot;, mit denen zur gleichen Zeit die Decke der Bibliothek im Konventtrakt ausgeschmückt wurde, wieder. Unter Propst Augustin II. Pariser wurde um 1730 die Rosenkranzkapelle mit Fresken ausgeschmückt, in den letzten Jahrzehnten des Bestehens des Chorherrenstiftes ist dann noch die Ausgestaltung von Teilen des Prälatentraktes mit Stuckverzierung von Johann Baptist Modler aus Kößlarn hervorzuheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikpflege==&lt;br /&gt;
Die einzige zur Gänze erhaltene mittelalterliche Musikhandschrift aus dem Chorherrenstift Ranshofen ist ein &amp;quot;Breviarium sive ordo&amp;quot; genannter Kodex des 13. Jahrhunderts in München (Bayerische Staatsbibliothek, Clm. 12635 B). Sie verzeichnet und erläutert die Reihenfolge der Gesänge für das Stundengebet und die Messe für die einzelnen Festtage im Verlauf des Kirchenjahres. Als Vorlage des Ranshofener Kodex ist ein &amp;quot;Ordinarium&amp;quot; des Salzburger Domstiftes aus dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts anzusehen (Universitätsbibliothek Salzburg, Cod. M II 6). Über weite Strecken textgleich mit der Ranshofener Handschrift ist außerdem der Vorauer Cod. 99, der ebenfalls dem 13. Jahrhundert angehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonderes Interesse seitens der Wissenschaft fand in diesen miteinander verwandten Handschriften die Aufzeichnung der &amp;quot;Visitatio sepulcri&amp;quot;, eines gesungenen geistlichen Spiels innerhalb der Osternachtsliturgie, in dem der Besuch der Frauen am Grabe Jesu, ihre Botschaft an Petrus und Johannes und deren Wettlauf zum leeren Grab in einer sehr zeremoniösen Weise dargestellt werden. Den Schluss bildet das vom Volk gesungene deutschsprachige Osterlied &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht in dieser sogenannten &amp;quot;Liturgischen Osterfeier&amp;quot; eine wesentliche Wurzel für die Entwicklung des mittelalterlichen Dramas. Aus inzwischen verlorengegangenen mittelalterlichen Liturgiebüchern hat schließlich noch im 17. Jahrhundert Hieronymus Mayr die Texte einer Sequenz (&amp;quot;Ante thronum majestatis&amp;quot;) und eines spätmittelalterlichen Reimoffiziums zum Pankrazfest in sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; kopiert. Schon für diesen Zeitraum ist eine intensive Musikpflege innerhalb der Stiftsschule vorauszusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der musikalischen Theorie, die im Rahmen der Unterweisung aus den &amp;quot;Sieben freien Künsten&amp;quot; vermittelt wurde, erfuhren die Klosterschüler eine gründliche Schulung in der Praxis des Singens, sodass sie beim Gottesdienst die Chorherren unter stützen, manchmal sogar vertreten konnten. Seit dem 16. Jahrhundert lassen sich dann auch für die Musikpflege in Ranshofen Erscheinungen beobachten, die mit der Ausbreitung der humanistischen Bewegung in Zusammenhang stehen. So traten in der Klosterschule an die Stelle des geistlichen &amp;quot;Scholasticus&amp;quot; weltliche Lehrer, die zusammen mit ihren Schülern auch in der Kirche sangen, wobei die mehrstimmigen Musikformen der Renaissance rasch in das Repertoire eindrangen. Die Wurzeln dafür kann man bis in die Regierungszeit des Propstes Kaspar Türndl zu rückverfolgen. Er ließ für die „Präbendisten&amp;quot; - die auf Kosten des Stiftes ausgebildeten Sängerknaben - eine eigene Unterkunft erbauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger, Propst Augustin Münich, wirkte hier vor 1550 ein Magister Johann Kappenstill als Lehrer, der später als Stadtschreiber in Passau im Umkreis des dortigen Humanismus große Wertschätzung genoss und zum Freundeskreis um Leonhard Päminger gehört hat. Seinem Nachfolger, Magister Stephan Vokenrieder, hat Päminger sogar zwei Spruchmotetten gewidmet, die später in die gedruckte Ausgabe der Pämingerschen &amp;quot;Cantiones ecclesiaticae&amp;quot; aufgenommen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein umfassendes Bild der schulischen Verhältnisse in Ranshofen um die Mitte des 16. Jahrhunderts vermittelt das Passauer Visitationsprotokoll von 1559/60. Der &amp;quot;cantor&amp;quot; hielt sich zur Zeit der Kirchenvisitation überhaupt von den Musikaufführungen fern (singt nicht zu Chor). Mit den Schülern, welche er unterrichtete, sang er jedoch regelmäßig vor Beginn des Unterrichts das &amp;quot;Veni, sancte Spiritus&amp;quot; und das &amp;quot;Veni creator&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den &amp;quot;scholasticus&amp;quot; erfahren wir, dass er mit den Schülern eine &amp;quot;Comoedia de coena Domini&amp;quot; (&amp;quot;Spiel vom Herrenmahl&amp;quot;) aufgeführt habe: ein Hinweis auf die Pflege des Schultheaters in Ranshofen. Die Größe der Stiftsschule wird daran erkennbar, dass neben dem Schulmeister und dem Kantor noch ein Magister Thomas Winter genannt wird. Er wird als &amp;quot;ludirector&amp;quot; bezeichnet, hatte also wohl neben dem Schuldienst auch noch die Leitung der Kirchenmusik zu versehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Musikrepertoire sind wir leider nur sehr bruchstückhaft informiert. Vorauszusetzen ist die fortlaufende Pflege des Gregorianischen Chorals. Daneben werden verschiedene protestantische Gemeindelieder genannt, die zunächst wohl einstimmig, fallweise vermutlich von der Schulkantorei in mehrstimmigen Sätzen gesungen wurden, in denen sie schon sehr früh Verbreitung gefunden hatten. Gewiss sang man daneben aber auch mehrstimmige lateinische Messkompositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Orgel hat es damals hier ebenfalls schon gegeben, denn im Visitationsbericht wird bereits ein Organist unter den Klosterdienern aufgezählt. Die noch in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts einsetzende Gegenreformation beginnt dann das Erscheinungsbild des Schulwesens und der Musikpflege alsbald zu verändern. In einer staatlichen Schulordnung von 1569 wurde für die Lateinschulen wieder das Singen der alten Choralweisen vorgeschrieben. Die gefälschten Psalmen und Lieder - gemeint sind die protestantischen Kirchenlieder - wurden aus Kirche und Schule verbannt. Ein Zeugnis dieser vorerst nur zögernd einsetzenden Entwicklung ist für Ranshofen der Visitationsbericht des römischen Kurienkardinals &amp;quot;Commendone&amp;quot; aus dem Jahre 1569. Nach ihm unterrichteten damals immer noch drei Lehrer etwa achtzig Schüler aus Grammatik und Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chorherren sangen das Offizium schön und mit Andacht auf dem alten Konventchor oberhalb der Sakristei. Während der Woche wurde die Messe nur gelesen. An Sonn- und Feiertagen jedoch sangen sie die Chorknaben in der Pfarrkirche St. Michael. Eine weitere wichtige Umstellung des Schulwesens erfolgte zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Nach dem Vorbild der Jesuitengymnasien übernahm jetzt wieder ein Geistlicher die Leitung der Schule und das Amt des &amp;quot;regens chori&amp;quot;. Weltliche Lehrer sind fortan nur noch in untergeordneter Stellung anzutreffen. Der erste geistliche Chorregent in Ranshofen, den wir dem Namen nach kennen, ist der spätere Propst Philipp Vetterl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; berichtet von argen Missständen, die damals im Kloster geherrscht hätten. So habe Frater Philippus das Offizium, besonders die abendliche Vesper, häufig mit den Chorknaben allein gesungen, während sich die übrigen Stiftsangehörigen in Wirtshäusern und Spelunken herumgetrieben hätten. Nach seiner Wahl zum Propst begann er jedoch zielstrebig das Kloster zu erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1622 wurde auf der neugebauten Musikempore der Stiftskirche eine neue Orgel aufgestellt. Noch die Grabinschrift des Propstes rühmt das Werk wegen der Größe der Pfeifen und der Lieblichkeit seines Klanges. Um die Mitte des 17. Jahrhund erts wirkte [[Sebastian Widerstain]] als Stiftsorganist in Ranshofen. Nach einem Musikalienkatalog des Münchener Buchhändlers Paul Parsdorffer gab er eine Sammlung von &amp;quot;Miserere&amp;quot; für vier bis acht Singstimmen, zwei Violinen und Orgel im Druck heraus, denen noch eine &amp;quot;Lauretanische Litanei&amp;quot; hinzugefügt ist. Die Besetzung der leider nirgends erhaltenen Sammlung Widerstains zeigt, dass damals bereits Musikformen des Frühbarock mit selbständig geführten instrumentalen Begleitstimmen im Raum Ranshofen verbreitet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1699 wurde zum 800-Jahr-Fest des Bestehens der Pankrazkapelle im oberen Konventchor eine kleine Chororgel aufgeste llt. Das musikalische Programm der Gottesdienste, die im Verlauf der eine Woche dauernden Festlichkeiten stattfanden, ist leider nicht im Detail überliefert. Von Biber ist in Kremsmünster die Abschrift einer &amp;quot;Missa Sti. Henrici&amp;quot; erhalten. Es ist nicht auszuschließen, dass sie in diesem Zusammenhang von Ranshofen in Auftrag gegeben worden ist, verehrte man doch damals den heiligen Kaiser Heinrich II. - wenn auch nur irrtümlich - als einen der Gründer des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vierteljahrhundert später begegnet in [[Wilhelm Ganspeckh]] (1687-1770) der erste und gleichzeitig einzige Ranshofener Chorherr, der nachweisbar auch als Komponist tätig gewesen ist. Der Vater und zwei seiner Brüder waren unter Kurfürst Max Emanuel Musiker an der Bayerischen Hofmusikkapelle. Nach seinen Studien und der Priesterweihe war er lange Zeit Chorregent im Kloster. Von seinen musikalischen Werken ist einzelnes erhalten geblieben, vor allem ein Druck mit acht Messen und einem Requiem, der 1724 unter dem Titel &amp;quot;Octiduum sacrum&amp;quot; erschienen ist. Als zweiter Teil sind noch zwölf Offertorien angehängt. Die Messen sind nach den Altarheiligen der Stiftskirche benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Sekundiz des letzten Ranshofener Propstes Johann Nepomuk Kierl wurde 1805 noch eine eigens dafür komponierte Kantate (&amp;quot;Heut möge jede Brust das mächtige Gefühl der Freude schwellen&amp;quot;) eines unbekannten Komponisten aufgeführt, deren Partitur erhalten ist. Sie ist das letzte Zeugnis der Musikpflege im Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien== &lt;br /&gt;
Das Ranshofener Stiftsarchiv enthielt seinerzeit eine große Zahl von Originalurkunden, dazu mehrere Kopialbücher, andere Handschriften und sonstige Akten. Das meiste davon kam bei der Aufhebung 1811 nach München in das jetzige Bayerische Hauptstaatsarchiv. Kleinere Aktenbestände befanden sich außerdem im Staatsarchiv in Landshut, wurden von dort aber in der Zwischenzeit ebenfalls an das Hauptstaatsarchiv in München abgegeben. Nur weniges ist im Ranshofener Pfarrhof zurückgeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die älteste erhaltene Urkunde ist die von Kaiser Arnulf über die „Verleihung&amp;quot; der Pfalzkapelle an den Priester Ellimprecht (Bayr. HStA München, Kaiserselekt 87 = Ranshofen Urk. 1) aus dem Jahr 898. Sie muss seit der Karolingerzeit durchgehend an der Pankrazkirche aufbewahrt worden sein. Im Bayerischen Hauptstaatsarchiv befindet sich auch die Urkunde Herzog Heinrichs IX. von 1125, der sogenannte „Stiftbrief&amp;quot; des Augustiner-Chorherrenklosters (Ranshofen Urk. 2), neben weiteren Königs- und Herzogsurkunden. Auch päpstliche Privilegien für Ranshofen liegen dort auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Handschriften des Archivs ist jene des alten Traditionskodex seit der Aufhebung des Klosters leider verschollen. Die einzige auf das Originalmanuskript zurückgehende Textedition ist die der &amp;quot;Monumenta Boica&amp;quot; von 1764. Diese Textform wurde dann 1852 im ersten Band des Urkundenbuches des Landes ob der Enns neuerlich abgedruckt. Etwa gleichzeitig fand der St. Florianer Chorherr [[Jodok Stülz]] im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr eine große Zahl von Traditionen, die Mayr um 1650 aus dem Traditionskodex kopiert hatte. Ein Reihe von weiteren Notizen sind darin in regestenartiger Form wiedergegeben. Diese Überlieferung wertete Konrad Schiffmann 1905 in einer Neuedition aus und erläuterte seine daraus abgeleiteten Erkenntnisse in einer ausführlichen Einleitung. Zum einen kann man nämlich aus dem Vergleich der verschiedenen Überlieferungen erkennen, dass im Monumenta-Boica-Text eine Reihe von Notizen ausgelassen wurden. Zum anderen lassen sich aus den von Mayr gemachten Angaben über die Folien, auf denen er die einzelnen Traditionen gefunden hatte, wertvolle Hinweise auf die ursprüngliche Zusammensetzung des Kodex gewinnen. Dabei wird deutlich, dass die Handschrift aus mehreren vorerst voneinander unabhängig bestehenden Lagen schließlich zu einem Kodex verbunden wurde. Einzelne Lagen erscheinen hinsichtlich der Chronologie falsch aneinandergereiht. Außerdem begegnen die Notizen der ersten Lage in einem späteren Teil ein zweites Mal, wobei die älteste Lage mit der Notiz über die vom Bayernherzog Welf II. getätigte Schenkung von Besitzungen in Handenberg an die Pankrazkirche und die als zugehörige Filialkirche zu denkende Jakobikapelle in Handenberg (Schiffmann II 1, um 1110) eröffnet worden sein dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den erhalten gebliebenen Handschriften des Archivs ist das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes Konrad I. von 1277/1303 die wichtigste (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Ransh. Lit. 1). Sie enthält neben den beiden - bereits oben im Abschnitt über die wirtschaftliche Entwicklung gestreiften - Urbaren zwei Kopialbücher mit wichtigen Urkundenabschriften. Die vier Teile wurden vermutlich erst im 17. Jahrhundert zu einem Kodex zusammengebund en. Die beiden Kopialbücher enthalten wertvolle Zeugnisse zum Ranshofener Urkundenwesen, darunter Kopien von heute verschollenen Originalurkunden, wie etwa die Abschriften jener beiden Urkundentexte, die als verfälschte Fassungen eines Diploms Kaiser Heinrichs III. für Ranshofen anzusehen sind. Auf fol. 47ff. finden sich Angaben über verschiedene Altarweihen, die Schiffmann im Anhang seiner Ranshofener Baugeschichte publiziert hat (&amp;quot;Die Kirchweih-Chronik von Ranshofen&amp;quot;). Zwei weitere Kopialbücher schrieb am Beginn des 15. Jahrhunderts der Chorherr [[Christian Perger]] aus Eggenfelden (Ransh. Lit. 4 bzw. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein von Propst Philipp Vetterl 1623 angelegtes Urkundenbuch befindet sich im Braunauer Stadtpfarrkirchenarchiv. Es enthält zunächst Kopien von Urkunden, die sich auf die Braunauer Stadtpfarre St. Stephan beziehen, im weiteren Verlauf sind auch andere Stiftungen zugunsten des Klosters oder seiner Filialkirchen in den Text aufgenommen. Zum Archivbestand haben wohl auch der Bericht des Propstes Benno Meier über die niederösterreichischen Besitzungen von 1670 und das von ihm angelegte &amp;quot;Inventarium&amp;quot; von 1665/1687 gehört (vgl. oben die Abschnitte &amp;quot;Wirtschaftliche Verhältnisse&amp;quot; und &amp;quot;Bibliothek&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Bernhard Bischoff: Die südostdeutschen Schreibschulen der Karolingerzeit. Band 2. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Gotische Baukunst in Österreich. Salzburg 1990.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
* Rudolf Guby: Die Kunstdenkmäler des oberösterreichischen Innviertels. Wien 1921.&lt;br /&gt;
* Siegfried Haider: Zum Problem karolingischer Pfalzen in Oberösterreich. In: Baiern, Ungarn und Slawen im Donauraum. Hg. von Willibald Katzinger / Marckhgott, Gerhart. Linz 1991 (Forschungen zur Geschichte der Städte und Märkte Österreichs, 4), S. 11–16.&lt;br /&gt;
* Peter Herde: Ranshofener Urkundenstudien. In: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte 24 (1961), S. 183–228. [http://periodika.digitale-sammlungen.de/zblg/kapitel/zblg24_kap8 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die mittelalterliche Buchkunst der Chorherrenstifte am Inn. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 205–231.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Klemm: Die romanischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München. Teil 1: Die Diözesen Regensburg, Passau und Salzburg. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Sigrid Krämer: Die Bibliothek von Ranshofen im frühen und hohen Mittelalter. Band 2. In: The Role of Book in Medieval Culture. Hg. von Peter Felix Ganz. Turnhout 1986 (Bibliologia Elementa ad Librorum Studia Pertinantia, 4), S. 41–72.&lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme der Chorherrenkirche in Ranshofen. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 6 (1966), S. 179–219.&lt;br /&gt;
* Wilfried L. Lipp: Das ehemalige Augustiner Chorherrenstift Ranshofen - Ein Beitrag zur Kunstgeschichte. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, 149–160.&lt;br /&gt;
* Walther Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften des deutschen Sprachgebietes. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 7 (1971), S. 7–102.&lt;br /&gt;
* Alfred Marks: Oberösterreich in alten Ansichten. Linz 1968.&lt;br /&gt;
* Franz Martin (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Braunau. Wien 1947 (Österreichische Kunsttopographie, 30).&lt;br /&gt;
* August Prenninger: Hinweise zur Bevölkerungsstruktur Ranshofens vom Mittelalter bis zur Bauernbefreiung 1848. In: Rantesdorf 788-1988, 1200 Jahre Ranshofen. Ausstellung vom 28. Mai bis 17. Juli 1988. Hg. von Walter Pilshofer / Rudolf Schmidt. Braunau am Inn 1988, S. 39–44.&lt;br /&gt;
* [[Franz Xaver Pritz]]: Geschichte des aufgelassenen Stiftes der regulirten Chorherren des heiligen Augustin zu Ranshofen in Oberösterreich. In: Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen 17 (1857), S. 327–435. [https://books.google.at/books?id=U5YJAAAAIAAJ&amp;amp;vq=pritz&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA327#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Baugeschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Archiv für die Geschichte der Diözese Linz 5/1 (1908), S. 3–26.&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Aufhebung des Stiftes Ranshofen. In: Unterhaltungsbeilage der Linzer Tages-Post, Nr. 42, Jg. 1911 (15. Oktober 1911).&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Ranshofener Stiftsschule im Zeitalter des Humanismus und der Reformation. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 117 (1972), S. 199–212. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_117a_0199-0212.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Musik im Stift Ranshofen. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 120 (1975), S. 67-110 [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_120a_0067-0110.pdf (Digitalisat)]; 121 (1976), S. 179–222. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_121a_0179-0222.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Überlieferung der Ranshofener Traditionen. Vorbemerkungen zu einer künftigen Neuedition In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 16 (1990), S. 5–16. [https://www.ooegeschichte.at/fileadmin/media/migrated/bibliografiedb/mooela_16_0005-0016.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Das Ranshofener Evangeliar in Oxford (Manuscript Canonici Bible Latin 60 der Bodleian Library). Ranshofen 2012.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in den jüngeren Teilen des Ranshofener Traditionskodex. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 22 (2011), S. 291–320.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in Notizen aus dem ältesten Teil des Ranshofener Traditionskomplex. Zum Erscheinen der Schiffmann-Ausgabe vor 100 Jahren. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 21 (2008), S. 107–142.&lt;br /&gt;
* Hubert Schopf: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen am Inn im Mittelalter 1125–1426. Diss. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1985.&lt;br /&gt;
* Max Schrott: Die Conföderationen unserer Stifte. In: In Unum Congregati 5 (1985), S. 123–154.&lt;br /&gt;
* Georg Swarzenski: Die Salzburger Malerei von den ersten Anfängen bis zur Blütezeit des romanischen Stils. Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
* Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 245–294.&lt;br /&gt;
* Margareta Vyoral-Tschapka: Die Klosteranlage des ehemaligen Augustiner Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege Oberösterreich 160: Festschrift für Georg Heilingsetzer zum 70. Geburtstag (2015), S. 577–616.&lt;br /&gt;
* Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert. Köln 1975 (Kölner historische Abhandlungen, 24).&lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Königsherzogsgut in Oberösterreich. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 3 (1954), S. 101–145.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Zur Rechtsgeschichte des Stiftes Ranshofen und seiner Pfarreien. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 161–170.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Ranshofen</title>
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		<updated>2022-07-14T08:14:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Wirtschaftliche Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1125&lt;br /&gt;
|Datum bis=1811/10/28&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis Ende des 18. Jahrhunderts)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=&amp;quot;curtis rantesdorf&amp;quot;, Hof Rantesdorf (788)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Pankraz, hl. Michael, hl. Jungfrau Maria&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte== &lt;br /&gt;
===Vorgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Errichtung des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen kurz vor oder im Jahr 1125 knüpfte an Voraussetzungen an, die durch eine damals schon Jahrhunderte währende Geschichte gegeben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen war zunächst ein Hof der bayerischen Agilolfingerherzöge, deren letzter, der unglückliche Tassilo III., im gleichen Jahr durch Karl den Großen seine Herrscherwürde einbüßte, in dem Ranshofen – als &amp;quot;Rantesdorf&amp;quot; – erstmals im Licht einer geschichtlichen Nachricht erscheint. Unter den Nachfolgern Karls des Großen wurde Ranshofen eine königliche Pfalz, ein Ort, der dem Herrscher als Aufenthalt und Verwaltungsstützpunkt diente. Kaiser Arnulf, einer der letzten ostfränkischen Karolinger, ließ hier zwischen 896 und 898 eine dem hl. Pankraz geweihte Kapelle erbauen und stattete sie mit Besitzungen, liturgischen Geräten, kostbaren Glasfenstern und Tapisserien sehr großzügig aus. Ein Priester Ellimprecht – wohl ein Mitglied der kaiserlichen Hofkapelle – erhielt die neu errichtete Pfalzkapelle zunächst als Lehen übertragen. Mit einer Urkunde vom 17. Oktober 898 wandelte Kaiser Arnulf dieses Lehen dann in ein freies Eigentum des Priesters Ellimprecht um. Nach dessen Tod sollte alles dem von Arnulfs Vater in Alt-Ötting gegründeten Säkularkanonikerstift zufallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Monate später fertigte Arnulf dann zugunsten der Ranshofener Pankrazkapelle eine weitere Urkunde aus, die allerdings nur in mittelalterlichen Abschriften überliefert wird. An ihrem Text fällt auf, dass vom Priester Ellimprecht nun keine Rede mehr ist. Als Empfänger der gegebenen Güter erscheinen vielmehr &amp;quot;die Kleriker, die dort den Gottesdienst verrichten&amp;quot;. Aus dieser Formulierung hat man auf die nachträgliche Gründung eines Säkularkanonikerstifts in Ranshofen schließen wollen, über dessen Bestand sonst jedoch keine Nachrichten existieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das weitere Schicksal der Pfalz mit der dazugehörigen Pankrazkapelle ist dann nämlich über Jahrzehnte hinweg völlig ungewiss. Wir wissen nicht, ob schon Herzog Arnulf aus dem Geschlecht der Luitpoldinger, der nach dem Tod von König Ludwig (&amp;quot;dem Kind&amp;quot;) 911 die Herrschaft über Bayern an sich gerissen hatte, im Zuge seiner Enteignungen von Kirchengütern die ursprünglich vorgesehene Schenkung der Ranshofener Kapelle an das Stift Alt-Ötting wieder rückgängig gemacht hat oder ob das Abhängigkeitsverhältnis erst später gelöst wurde. Auch über die Auswirkungen der Ungarneinfälle auf das Gebiet schweigen die Quellen. Erst gegen Ende des 10. Jahrhunderts finden wir hier unter Herzog Heinrich dem Zänker einen bayerischen Landtag versammelt, der die sogenannten &amp;quot;Ranshofener Landgesetze&amp;quot; beschließt. Dessen Sohn, der 1002 zum König gewählte und später zum Kaiser gekrönte Heinrich II. (&amp;quot;der Heilige&amp;quot;) ließ am Weihnachtstag des Jahres 996 – noch als bayerischer Herzog – in der Pfalzkapelle den Mönch [[Gotthart von Niederaltaich]] zum Abt dieses Klosters weihen. Heinrichs Gemahlin Kunigunde schließlich verfügte 1025 über die Ranshofener Pfalz wie über familiären Privatbesitz, indem sie diese zusammen mit anderen Königshöfen gegen Güter des Bistums Freising abtauschen wollte. Der Nachfolger Heinrichs II., König Konrad II., scheint diesen Tausch aber nicht anerkannt zu haben. Jedenfalls gehörte das &amp;quot;praedium Ranteshoven&amp;quot; – so der neue Name der Siedlung seit dem ausgehenden 10. Jahrhundert – mit der dazugehörigen Kapelle weiterhin zum Reichsgut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Gründung – oder Wiederbelebung – eines Kanonikerstiftes verweisen erst wieder zwei Urkunden, die Kaiser Heinrich III. im Jahr 1040 für Ranshofen ausgestellt haben soll. Auch sie sind nur in Abschriften überliefert und gelten der Urkundenforschung in ihrer vorliegenden Gestalt als Fälschungen. Man hat allerdings den Versuch unternommen, in beiden authentische Abschnitte von späteren Zusätzen zu trennen. Dabei begegnet im vermutlich echten Text die Angabe über eine Schenkung von Zehenten zugunsten der in Ranshofen &amp;quot;weilenden Priester ..., damit der Gottesdienst dort täglich gefeiert werde.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutet man dies als Hinweis auf eine Klerikergemeinschaft, so dürfte diese in den Wirren der Zeit des Investiturstreits wieder zerfallen sein. Jedenfalls begegnen in den ältesten Schenkungsnotizen des Ranshofener Traditionskodex, deren Textüberlieferung vor 1070 einsetzt, zunächst nur einzelne Priester der Pankrazkirche, die mehrfach auch als Pfarrer bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte===&lt;br /&gt;
Erste Anzeichen für die erneute Einrichtung einer Kanonikergemeinschaft kann man am Text der Ranshofener Traditionen seit etwa 1120 beobachten. Die hier aufgezeichneten Schenkungen erfolgen jetzt nämlich zugunsten der an der Pankrazkirche &amp;quot;für Gott streitenden Brüder (fratres Deo militantes)&amp;quot;, eine Formulierung, die im Zusammenhang mit Regularkanonikern auch andernorts immer wieder begegnet, vereinzelt freilich auch für Angehörige eines weltlichen Kanonikerstiftes gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicheren Boden gewinnen wir somit erst mit der Schenkungsurkunde des Bayernherzogs Heinrich IX. des Schwarzen (1120–1126) vom 30. Juli 1125, in welcher dieser zusammen mit seiner Gemahlin Wulfhilde in der Ranshofener Pfalz den &amp;quot;an der Pankrazkirche nach der Regel des hl. Augustinus Christus dienenden Brüdern Zehent im Gau&amp;quot; Ranshofen sowie verschiedene Güter übergibt. Auf dieser Urkunde basiert dann auch die Darstellung des bayerischen Historikers Aventin, der in seinem um 1520 geschriebenen &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; annimmt, Herzog Heinrich IX. habe hier im Jahr 1125 auf &amp;quot;Geheiß und Rat&amp;quot; des Salzburger Erzbischofs Konrad I. ein Augustiner-Chorherrenstift gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aventins Annahme ist freilich nur mit gewissen Vorbehalten zu übernehmen, denn eine zu diesem Zeitpunkt erst beschlossene Neugründung eines Klosters wird im Urkundentext ebensowenig erwähnt wie ein Zusammenwirken oder Zusammentreffen mit dem Salzburger Erzbischof. Ein Regularkanonikerkloster wird vielmehr als bereits bestehend vorausgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist die Einführung von Augustiner-Chorherren in Ranshofen vielleicht schon zwischen 1120 und 1125 erfolgt. Der weitere Ausbau des Stiftes zu einem Kloster für Chorherren, Chorfrauen und Konversen dürfte sich allerdings noch über die Zeit Heinrichs IX. hinaus bis in die Jahre der Herrschaft seines Sohnes Heinrich X. des Stolzen (1126–1139) erstreckt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Einrichtung eines Augustiner-Chorherrenstiftes erfasste eine wichtige religiöse Erneuerungsbewegung des Mittelalters Ranshofen. Eine Schlüsselfigur ihrer weiteren Ausbreitung war zweifelsohne der Salzburger Erzbischof Konrad I. (1109–1147). Er gilt als Gründer oder Erneuerer einer großen Zahl von Chorherrenstiften innerhalb und außerhalb seines engeren Diözesanbereiches. So ist seine Einflussnahme bei der Errichtung eines Chorherrenklosters in Ranshofen nicht auszuschließen. Quellenmäßig greifbar wird ein Zusammenhang mit ihm freilich erst um 1138/39. Damals nahm Konrad I. zusammen mit Bischof Roman von Gurk in Ranshofen eine Schenkung von Besitzungen der Ministerialen von Rohr im Kremstal für das Kloster entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Entwicklung im Hoch-und Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
Neben der Gestaltung der Liturgie in der Messfeier und beim Chorgebet war die Seelsorge ein wichtiges Anliegen des neuen Ordens. Da der Ranshofener Seelsorgesprengel sehr umfangreich war, wurden schon damals im weiten Umkreis Kirchen dafür neu gebaut oder vorhandene Kapellen übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ranshofen selbst baute man neben der Stiftskirche eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche. Andere Aufgaben waren die Krankenpflege, die schulische Unterweisung und die wissenschaftlichen Studien. Für letztere benötigte man ebenso wie für den Gottesdienst Handschriften, die zu einem großen Teil in der Schreibstube des Klosters, dem &amp;quot;scriptorium&amp;quot;, von den Chorherren selbst in mühevoller Arbeit hergestellt wurden. Aus Urkunden und Traditionsnotizen kennen wir einige Namen von Pröpsten des 12. und beginnenden 13. Jahrhunderts. Genannt werden ein [[Manegold]], der mit dem Magistertitel ausgezeichnet erscheint, nach ihm [[Meginhard]], [[Altmann (Stift Ranshofen)|Altmann]] und [[Adelhard]], unter dem 1178 das berühmte Evangeliar angekauft wurde, danach [[Liutold]] – wohl identisch mit dem im Evangelienbuch bezeugten Schatzmeister gleichen Namens –, dann nochmals ein Adelhard, der mit dem ersten Propst dieses Namens eine Person sein könnte, schließlich noch [[Etticho]] und [[Wichard]]. In verschiedenen Totenbüchern der Salzburger Diözese wird außerdem ein Propst [[Liutfrid von Ranshofen]] verzeichnet, der nur schwer einzuordnen ist. Vielleicht gehört er an den Anfang der Reihe gestellt, anstelle des von Aventin aus der Urkunde Heinrichs IX. von 1125 übernommenen [[Raffold]]. (Letzterer war vermutlich kein geistlicher Propst, sondern einer der Verwalter des Pfalzgutes.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1140 kam es zu einer Kontroverse mit dem Passauer Bischof Reginbert um die Seelsorgerechte und die daraus erwachsenden Zehentforderungen. Im Zusammenhang damit hat der Passauer Ordinarius den Kanonikern einen ungenannten jugendlichen Propst aufgezwungen, gegen den sie sich mit Erfolg aufgelehnt haben. Freiheit der Propstwahl ist dann auch eines der wichtigsten Rechte, das Ranshofen immer wieder urkundlich zugesichert wird, zum ersten Mal in dem großen Schutzprivileg des Papstes Eugen III. von 1147.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts – inzwischen hatten die Wittelsbacher den durch Kaiser Friedrich Barbarossa abgesetzten Heinrich den Löwen in der Herrschaft über Bayern abgelöst – begann für Ranshofen einer der unruhigsten Abschnitte seiner Geschichte. 1233 plünderten Truppen des Babenbergerherzogs Friedrich des Streitbaren bei Kämpfen mit Herzog Otto II. von Bayern Neukirchen an der Enknach, wobei die dortige Filialkirche zu schwerem Schaden kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Jahre danach, wahrscheinlich 1242, überfielen von der Burg Obernberg kommende Leute des Passauer Bischofs Ranshofen selbst und verbrannten zusammen mit der herzoglichen Pfalz auch die beiden Kirchen. 1250 drohten neue Gefahren. Bischof Rüdiger von Passau war durch den päpstlichen Legaten Albert Beham abgesetzt worden, und Berthold, ein gebürtiger Graf von Sigmaringen, sollte seine Stelle einnehmen. Doch Rüdiger leistete Widerstand und wurde dabei durch den bayerischen Herzog unterstützt. So durchzogen Soldaten des Gegenbischofs im November 1250 neuerlich plündernd den angrenzenden Weilhartsforst und verwüsteten das Land. Die Stiftskirche soll anschließend wieder aufgebaut und 1255 neu eingeweiht worden sein. Doch bald danach wurde das Gebiet um den unteren Inn im Zusammenhang mit Kämpfen zwischen Herzog Heinrich von Niederbayern – das Herzogtum war inzwischen nach dem Tod Ottos II. unter seinen Söhnen geteilt worden – und König Ottokar von Böhmen neuerlich Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen wurde 1266 ein zweites Mal niedergebrannt und dabei fast zur Gänze zerstört. So klagte Propst [[Sifrid]] (1255–1277) in einer Bittschrift an Papst Klemens IV. darüber, dass im Kloster nur mehr drei Leute Unterhalt fänden, während davor 14 Priester und 50 weitere Stiftsangehörige mühelos versorgt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Resignation Sifrids erlebte Ranshofen aber dann unter seinem Nachfolger [[Konrad I.]] (1277–1311) eine Zeit des Wiederaufschwungs. Neben den nun wieder günstigeren äußeren Verhältnissen ist diese Blüte vor allem in der Tatkraft und Zielstrebigkeit jenes Prälaten begründet. Bereits im Jahr seiner Erwählung begann er mit der Anlage eines Privilegienbuches, in das die Urkunden des Klosters in übersichtlicher Form eingetragen werden sollten. In dem angeschlossenen Urbar wurden die Stiftsgüter verzeichnet. Beide Teile hat Propst Konrad I. später in etwas abgewandelter Form nochmals redigiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der schon unter seinem Vorgänger begonnene Neubau der Stiftskirche wurde 1283 abgeschlossen und in Gegenwart des bayerischen Herzogs durch den Bischof von Regensburg eingeweiht. Auch das Kanonissenstift wurde erneuert und Einrichtungen für die Krankenpflege geschaffen. Schon mit Konrads gleichnamigem Nachfolger [[Konrad II.]] (1311–1332) setzte allerdings neuerlich eine Zeit des Niedergangs ein. Später besserten sich die Verhältnisse wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift wurde im 14. und 15. Jahrhundert vielfach durch Privilegien der Herzöge von Bayern und von Österreich ausgezeichnet. Auch Kaiser Ludwig der Bayer und später Maximilian I. reihten sich unter die Förderer ein. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts mehrten sich ganz allgemein die Versuche, dem damals drohenden Verfall der Klöster entgegenzuwirken. Erste Ansätze einer solchen Reform in Ranshofen unter den Pröpsten [[Erasmus Ridmund]] (1435–1444), [[Friedrich Gunderstorfer]] (1444–1448) und Thomas Wittel (1451–1462) zeigten jedoch keinen nachhaltigen Erfolg. Erst der aus dem niederösterreichischen [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] berufene Propst [[Wolfgang]] konnte das Kloster im Sinne einer vom böhmischen Stift Raudnitz ausgehenden Reformbewegung erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Nachdem Ranshofen im bayerischen Erbfolgekrieg trotz bedrohlicher Nähe des Kriegsgeschehens glimpflich davongekommen war, begann 1508 Propst [[Kaspar Türndl]] (1504—1529) mit dem Neubau der Stiftskirche. Gleichzeitig kam es zu einer Blütezeit humanistischen Geistes, die sich in den erhaltenen Handschriften und Frühdrucken aus der Klosterbibliothek spiegelt. Aber auch erste Anzeichen für eine beginnende Auseinandersetzung mit den Lehren Martin Luthers lassen sich von 1520 an beobachten. Eine Steigerung dieser Tendenzen ergab sich unter Propst [[Augustin I. Münich]] (1529—1560). Zeitgenossen rühmten ihn als Freund der Studien und Wissenschaften. Die Stiftsschule war unter seiner Herrschaft eine der größten Unterrichtsanstalten von ganz Bayern. Aus dem Protokoll einer Passauer Kirchenvisitation von 1559/60, der wichtigsten Quelle unserer Kenntnis über die Ausbreitung der Reformation im Innviertel, erfahren wir jedoch, dass die an dieser Schule wirkenden Schulmeister eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der protestantischen Glaubenslehren gespielt haben. Vielleicht steht die bald nach der Visitation erfolgte Resignation des Propstes im Zusammenhang mit seiner toleranten Einstellung gegenüber den Anhängern des neuen Glaubens. Unter seinem Nachfolger [[Adam Gensleitner]] (1560—1587) wurde jedenfalls sehr rasch die Gegenreformation voll zur Geltung gebracht, sodass der römische Kurienkardinal Commendone, der Ranshofen 1569 visitiert hat, den Zustand von Kirche, Kloster und Schule bereits als zufriedenstellend beurteilte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren neuerlichen Verfalls an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert begann nach 1620 eine der glanzvollsten Perioden der Geschichte Ranshofens. Der klostereigenen Geschichtsschreibung gilt sie als das Werk von vier aufeinanderfolgenden Prälaten. Trotz wachsender Bedrohung durch den Dreißigjährigen Krieg erneuerte Propst Philipp Vetterl (1620—1634) nicht nur die schwer darniederliegende Disziplin des Gemeinschaftslebens, sondern begann auch einen frühbarocken Neubau der Klosteranlage. 1628 erhielt der Propst durch Papst Urban VIII. für sich und seine Nachfolger das Recht des Gebrauchs der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1634 kam der bayerische Kurfürst Maximilian I. mit seiner Familie und seinem Hofstaat auf der Flucht vor den schwedischen Truppen, die München besetzt hatten, nach Ranshofen und blieb hier bis zum Frühjahr 1635. Während des Aufenthalts im Kloster starb die Kurfürstin Elisabeth am 4. Jänner 1635.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Gegenwart des Kurfürsten gewählte Propst [[Simon Meier]] (1635—1665) kümmerte sich besonders um die Neuordnung der Bibliothek und um die wissenschaftlichen Studien der Stiftsangehörigen. Propst [[Benno Meier]] (1665—1687) – ein Neffe seines Vorgängers – ließ im Schloss Neukirchen eine theologische Studienanstalt einrichten. Besondere Sorgfalt widmete er dem Stiftsarchiv mit den alten Urkunden. Seinem Ordnungssinn ist es zu verdanken, dass wir für die Zeit seiner Regierung genaue Aufzeichnungen über die vorhandenen Kirchengeräte und einen Katalog der erworbenen Bücher besitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ivo Kurzbauer]] (1687—1715) erneuerte schließlich Kirche und Kloster für ein 1699 gefeiertes &amp;quot;Acht-tägiges hochfeierliches Jubel-Fest&amp;quot; zum Gedächtnis der achthundertjährigen Geschichte der Pankrazkirche und krönte damit die Bestrebungen seiner Vorgänger, eine Entwicklung, die [[Augustin II. Pariser]] (1715—1741) zwar weiterführen, aber nicht mehr steigern konnte. Die barocke Glanzzeit des Stiftes hatte damit ihren Höhepunkt bereits überschritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild, das Ranshofen dann von der Mitte des 18. Jahrhunderts an bietet, ist eher uneinheitlich. Man kann es nur verstehen, wenn man die Erscheinungen von zwei Seiten her eingrenzt: vom Weiterführen überkommener Lebensformen des Barock einerseits und von der damals auch in Bayern bereits einsetzenden Aufklärungsbewegung andererseits. Mit dem Frieden von Teschen (1779) fiel das lnnviertel an Österreich. Dadurch wurden die vom Geist jener Zeit geprägten Reformen Kaiser Josephs II. alsbald auch in Ranshofen wirksam. Im Zusammenhang mit der Neuorganisation des Pfarrnetzes wurden verschiedene Filialkirchen in Pfarrkirchen umgewandelt, die Formen des Gottesdienstes reformiert, die Ranshofener Pfarrkirche St. Michael gesperrt und später abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Abtrennung der Diözese Linz vom Bistum Passau löste altgewohnte Bindungen. Vor allem die Franzosenkriege brachten dann neuerlich große Unruhe in das Kloster. Das Stift wurde einmal von diesen und einmal von jenen Truppen als Militärspital beansprucht. Es kam zu Gewalttaten und Plünderungen. Aber auch die Klostergemeinde selbst war vom Geist der Aufklärung angekränkelt.&lt;br /&gt;
Vor allem der letzte, 1784 gewählte Propst [[Johann Nepomuk Kierl]] gilt als schwach und verschwenderisch. Nach seinem Tod im Jahr 1809 kommt es innerhalb der zerfallenen und in sich gespaltenen Gemeinschaft zu keiner Neuwahl mehr. So findet die von der &amp;quot;Rieder Regierung&amp;quot; während der französischen Besatzung 1810 angekündigte Aufhebung Ranshofen bereits im Zustand der Krise.&lt;br /&gt;
Der Übertritt in den Weltpriesterstand kommt den damals noch hier lebenden Chorherren eher gelegen. Vor der endgültigen Aufhebung am 28. Oktober 1811 brachte man die als wertvoll angesehenen Archivalien in das Hauptstaatsarchiv nach München und einen großen Teil der Bibliotheksbestände in die jetzige Bayerische Staatsbibliothek. Anderes wurde in der ganzen Welt verstreut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammen mit dem, was in Ranshofen selbst heute noch sichtbar ist, legen diese Dokumente ein beredtes Zeugnis ab von der Pflege von Religion, Wissenschaft und Kunst im Chorherrenstift Ranshofen im Verlauf seiner Jahrhunderte währenden Geschichte. Indirekt kann man aus ihnen aber auch ahnen, wie bedeutungsvoll dieses Wirken der Chorherren für jene Menschen gewesen sein muss, die im Umkreis des Klosters gelebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Nachgeschichte===&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung erwarb der bayerische General Graf von Montjoie-Frohberg die Stiftsgebäude und den ausgedehnten Grundbesitz und wandelte einen Teil der ehemaligen Klosteranlage zum &amp;quot;Schloss Ranshofen&amp;quot; um. Anderes wurde abgetragen. Die frühere Stiftskirche blieb als Pfarrkirche erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erster Pfarrer wurde der seinerzeitige Stiftsdechant [[Pankraz Hauser]]. Der Pfarrer war damals einige Jahrzehnte hindurch auch Repräsentant der weltlichen Verwaltung. Erst im Zuge der Reformen bekam Ranshofen im Jahr 1848 eine eigene Gemeindeverwaltung. Auch erhielten die bis dahin unfreien Bauern die Möglichkeit, den Grund und Boden, den sie vorher als Untertanen bewirtschaftet hatten, gegen ein geringes Entgelt als Eigentum zu erwerben.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1851 kaufte dann Ferdinand Wertheimer, der später als Abgeordneter dem oberösterreichischen Landtag angehörte, die &amp;quot;Herrschaft Ranshofen&amp;quot; und wandelte im Lauf der Jahre den immer noch beachtlichen Großgrundbesitz in einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb um. Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland im März 1938 wurde der Wertheimersche Familienbesitz jedoch vom Deutschen Reich &amp;quot;abgelöst&amp;quot;. Im Oktober des gleichen Jahres wurde die vorher selbständige Gemeinde Ranshofen der Stadt Braunau einverleibt und ein Jahr später begann man bereits auf den Wertheimer-Gründen mit dem Bau eines Aluminiumwerkes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute ist man bemüht, das noch Vorhandene zu erhalten und zu pflegen, wobei der Komplex von Kirche und ehemaligem Stift besitzmäßig auf die Diözese Linz, die Stadt Braunau und private Eigentümer verteilt ist. Die Kirche und der Bibliothekssaal im ehemaligen Konventgebäude werden – abgesehen von der liturgischen Verwendung des Gotteshauses – auch für kulturelle Veranstaltungen genützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Will man sich ein Bild von den wirtschaftlichen Verhältnissen des Chorherrenstiftes Ranshofen im Mittelalter machen, wird man zunächst von der Urkunde Herzog Heinrichs IX. von Bayern aus dem Jahr 1125 ausgehen müssen. Sie gilt in der Literatur ja als &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; des Klosters. Als geschenktes Gut werden darin Güter in Handenberg, Braunau und einem – nicht mehr bestimmbaren – Dürrnberg nördlich der Donau sowie verschiedene kleinere Liegenschaften angeführt. Letztere wurden den Regularkanonikern teils als Eigenbesitz, teils als Lehen überlassen. Dazu kamen die herzoglichen Zehenten &amp;quot;im Gau&amp;quot; Ranshofen und die Kirche Enknach (&amp;quot;Enkinacha&amp;quot;) – vermutlich am Ort oder in der Nähe des heutigen Neukirchen an der Enknach gelegen – mit dem dazugehörigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich erst nach Ausfertigung der Urkunde wurde an einer bestimmten Stelle nachträglich noch ein Hinweis eingefügt, dass jene Hörigen, die vorher in der Hand des Herzogs oder des Kämmerers bzw. des – herzoglichen – Propstes gewesen seien, nun auch dem Kloster unterstellt würden. So reichhaltig diese Schenkung gewesen ist, so wird damit keineswegs der gesamte wirtschaftliche Besitz Ranshofens zur Zeit der Gründung des Chorherrenstiftes umschrieben. Die Einrichtung des mittelalterlichen Klosters erfolgte ja nicht in der Einöde eines unerschlossenen Gebietes, sondern knüpfte an eine Jahrhunderte währende Vorgeschichte an. Schon Kaiser Arnulf hatte ja die von ihm erbaute Pfalzkapelle reich mit Gütern ausgestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den umfangreichsten Einblick in die Ranshofener Besitzverhältnisse im hohen Mittelalter gewähren jedoch die Notizen des Traditionskodex, deren Inhalte den Zeitraum von etwa 1070 bis 1250 umspannen, also auch schon vor 1125 einsetzen. Die Texte bezeugen die Übergabe von Gütern im näheren und weiteren Umkreis von Ranshofen, darüber hinaus die Schenkung von 5-Pfennig-Zensualen, sowie von Knechten und Mägden. Wie in anderen Klöstern machen auch in Ranshofen die Selbstübergaben von ehemals freien Personen, in der Absicht, sich unter dem Schutz des Stiftes gegen Übergriffe von Mächtigeren abzusichern, einen beträchtlichen Teil der Zensualenschenkungen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere wichtige Quelle zur mittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte Ranshofens ist dann das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes [[Konrad I.]]. Die Handschrift enthält neben zwei Kopialbüchern zwei Urbare, welche 1277 beziehungsweise 1303 angelegt wurden. Da im älteren Urbar die erste Lage der Handschrift verlorengegangen ist, kann man nur aus dem jüngeren erkennen, dass der Grundbesitz sich damals auf acht Urbarämter verteilte, die im Innviertel (Haselbach, Überackern, Neukirchen/Enknach, Nonsbach und Ranshofen), im oberösterreichischen Kremstal (Rohr) und in den jetzigen bayerischen Landkreisen Rottal-Inn und Alt-Ötting gelegen waren (Kollbach und &amp;quot;Trans Enum&amp;quot;). Dazu kamen noch Weingärten in der Wachau. Im Abgabenverzeichnis über die im Dorf Ranshofen ausgegebenen Lehen werden auch zwei Schuster, ein Schneider, ein Fleischer, ein Koch und ein Bader angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte Ranshofens stiegen in der Folgezeit dann noch durch die Stiftung von Jahrtagen in Form von &amp;quot;Seelgeräten&amp;quot;, das sind Schenkungen zugunsten von jährlich, manchmal sogar wöchentlich zu lesenden Messen für das Seelenheil von Verstorbenen. Ähnliche Stiftungen begegnen auch in den Filialkirchen des Klosters, unter denen die Braunauer Stephanskirche durch die Befestigung der Siedlung und die Stadterhebung im Jahr 1260 bald eine Sonderstellung einnehmen sollte. Kaiser Ludwig der Bayer (1314–1347) stiftete 1345 eine täglich zu lesende Messe für sich und seine Vorfahren und Nachkommen. Gleichzeitig schenkte er dem Kloster jene Güter im Dorf Ranshofen, die bis dahin noch herzoglicher Besitz gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schiffstransport des Klosterweins aus den Weingärten in der Wachau auf Donau und Inn erhielt das Chorherrenstift verschiedentlich Privilegien über die Mautfreiheit, so 1287 vom österreichischen Herzog Albrecht I., die er 1295 und sein Sohn Friedrich der Schöne 1314 nochmals bekräftigten. Eine Bestätigung dieser Privilegien durch Kaiser Maximilian I. erbaten der Propst und das Kapitel von Ranshofen schließlich noch 1498. In einzelnen Fällen hat das Kloster aber auch ältere Besitzungen, die schwer zu bewirtschaften waren oder den erwarteten Ertrag nicht erbrachten, wieder abgestoßen. Ein wertvolles Dokument solcher wirtschaftlicher Veränderungen ist eine von Propst [[Benno Meier]] 1670 verfasste &amp;quot;Relation von den Ranshoverischen in Österreich gelegenen Höf und Weingärten&amp;quot;. Darin verzeichnete der Prälat zunächst alles, was er aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen über die niederösterreichischen Besitzungen Ranshofens in Erfahrung bringen konnte. Es handelte sich um Höfe und Weingärten in Schwallenbach, Spitz, Loiben, Stein, Krems und Gobelsburg in der Wachau und um Weingärten in Kritzendorf bei Klosterneuburg. Zu seiner Zeit waren davon fast nur mehr die Weingärten in Unterloiben – ihre Riednamen sind vielfach bis heute in Gebrauch – dem Stift verblieben. Ihr Zentrum war ein großer Lesehof in Unterloiben nahe der Kirche, der als der heutige &amp;quot;Loibnerhof&amp;quot; identifiziert werden kann. Weil die Kosten-Nutzen-Rechnung des Propstes auch darüber negativ ausfiel, verkaufte er ein Jahr später den ganzen Komplex an das Kloster Tegernsee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen guten Überblick über den Stiftsbesitz und die Untertanen im Bereich von Ranshofen selbst in der Zeit des beginnenden 18. Jahrhunderts gibt ein im Auftrag des Propstes Ivo (1687–1715) durch den bayerischen Geometer Matthäus Paur im Jahr 1714 angelegtes Mappenwerk (&amp;quot;Gruntrys mit angehengter Beschreibung&amp;quot;, in der Literatur im allgemeinen als &amp;quot;Grundriss-Libell&amp;quot; bezeichnet). Der davon erhaltene Teil besteht aus Plandarstellungen aller Besitzungen im Bereich der sogenannten &amp;quot;Hofmark&amp;quot; Ranshofen mit darauf bezogenen Erläuterungen. Diese umfasste damals 81 Häuser, von denen die meisten vom Stift auf Erb- oder Leibrechtsbasis verliehen waren. Etwa die Hälfte davon wurde landwirtschaftlich genutzt. Der Rest war an Gewerbetreibende vergeben, unter denen sich auch ein Saitenmacher, ein Sattler, ein Bierbrauer und ein Metzger aus Braunau finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge der Abtrennung des Innviertels von Bayern durch den Frieden von Teschen ergaben sich während der letzten Jahrzehnte des Bestandes des Klosters Probleme mit der Verwaltung der bei Bayern verbliebenen Besitzungen jenseits des Inn. So wurden etwa im Verlauf der napoleonischen Kriege – Bayern kämpfte damals auf der Seite der Franzosen gegen Österreich – die Erträgnisse von Grundherrschaften, die auf bayerischem Gebiet gelegen waren, für das Stift gesperrt. 1810 schließlich begann man im Zuge der Auflösung die beweglichen Güter und die Wertsachen zu versteigern. Die Einnahmen betrugen 13.000 Gulden, die nach Salzburg, von wo aus kurzzeitig auch das Innviertel verwaltet wurde, abgeliefert werden mussten. Das 400 Joch große Stiftsgut, bestehend aus Äckern, Wiesen, Auen, Gärten und anderem, kaufte am 17. August 1812 der bayerische General und königliche Adjutant Graf Montjoie-Frohberg um 54.000 Gulden. Nur den unteren Teil des Lachforstes und ein Haus in Dietfurt (unterhalb von Braunau) behielt der bayerische Staat für sich zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Die rechtliche Lage der Ranshofener Pfalz war vom ausgehenden 11. bis um die Mitte des 12. Jahrhunderts eine eher wechselhafte. Dies findet auch in der damals beginnenden Geschichte des Chorherrenstiftes seinen Niederschlag. Die Pfalz und die dazugehörende Pankrazkapelle waren ja seit der Karolingerzeit Reichsgut und als solches der Verfügungsgewalt des Königs unterstellt. Den Bayernherzögen war zwischendurch zwar die Nutzung überlassen, sie wurden gegen Ende des 11. Jahrhunderts wegen ihrer reichsfeindlichen Politik im Zusammenhang mit dem Investiturstreit aber wiederholt durch Kaiser Heinrich IV. abgesetzt: zuerst Otto von Nordheim und später Welf I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So begegnet in einer vermutlich 1074 anzusetzenden Traditionsnotiz Kaiser Heinrich IV. selbst als Eigentümer von Ranshofen (&amp;quot;cuius praedium erat, quod Ranshovin vocatur&amp;quot;). Erst seit 1096 wurden die Welfen wieder mit Bayern belehnt und waren damit innerhalb bestimmter Grenzen über das Land am Inn verfügungsberechtigt. Die schwankende Rechtslage von Ranshofen kommt dann besonders in der &amp;quot;Gründungsurkunde&amp;quot; Herzog Heinrichs IX. von 1125 zum Ausdruck. Ihre Textform und ihre Ausstattung schließen sich in vielem dem Vorbild königlicher Siegelurkunden an. Dem Stil der Herrscherurkunden entspricht wohl auch der Hinweis auf die Mitwirkung und Zustimmung von Heinrichs Gemahlin Wulfhilde. Gerade dies ist allerdings rechtlich höchst fragwürdig, da es sich bei den geschenkten Gütern ja nicht um welfischen Eigenbesitz, sondern um dem Herzog überantwortetes Reichsgut gehandelt hat, für dessen Vergabe viel eher die Zustimmung des Königs erforderlich gewesen wäre. (Freilich war im Juli des Jahres 1125 nach dem Tod Kaiser Heinrichs V. Lothar III. noch nicht gewählt.) Die Strafformel, welche eine Bußzahlung von 60 Gulden an die Kammer des Königs bzw. des Kaisers bei Eingriffen in das Schenkungsgut vorsieht, bestätigt diese Auffassung. Dennoch versuchte Herzog Heinrich der Löwe später die Meinung durchzusetzen, Ranshofen sei ein Eigenstift seiner Familie, so vor allem, wenn er die dort dienenden Regularkanoniker als zu seiner Kapelle gehörig bezeichnet und die Gründung insgesamt fälschlicherweise mit seinem Vater Heinrich dem Stolzen in Verbindung bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1139 hatte nach dem Tod Heinrichs des Stolzen zunäch stder Babenberger Leopold IV. zusammen mit dem Herzogtum Bayern das Reichsgut um Ranshofen erhalten. Er ist jedoch bereits zwei Jahre später verstorben. Damals behielt König Konrad III. dann für kurze Zeit Bayern selbst in der Hand. In diesen Zeitabschnitt fällt das große Schutzprivileg Konrads von 1142, in dem der König die Besitzungen des Chorherrenstiftes, das er eine Gründung seines Urgroßvaters, des Kaisers Heinrich III., nennt, bestätigt. Eine Erwähnung einer Erneuerung durch die Welfen wurde in der Urkunde - offensichtlich aus politischen Gründen - unterdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Jahr belehnte der König den Babenberger Heinrich &amp;quot;Jasomirgott&amp;quot; mit Bayern. Das ist wohl jener &amp;quot;Heinricus Dux Bawariae&amp;quot;, welcher in einer anderen Tradition das an den Obstgarten der Regularkanoniker angrenzende Land am Altar des hl. Pankraz übergibt. Auch erscheint er in dem großen Privileg des Papstes Eugen III. von 1147 als Fürsprecher des Stiftes. Darin wird unter anderem erwähnt, dass der Vogt (&amp;quot;advocatus&amp;quot;) über das Herzogsgut gleichzeitig der Vogt des Klosters Ranshofen sei. Diese Bestimmung wird dann auch im Privileg des Papstes Hadrian IV. von 1158 wiederholt. Diesmal ist jedoch bereits Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, der Schirmherr des Klosters. Friedrich Barbarossa hatte ihn inzwischen 1154 mit dem von ihm zurückgeforderten Bayern belehnt. Schon 1157 hatte Heinrich der Löwe in einer Urkunde verfügt, dass der Vogt nicht nur die herzogliche Pfalz mit deren Untertanen, sondern auch die Stiftsleute an seiner Stelle beschützen und beschirmen sollte. Er habe auch die Klagen der Kanoniker und ihrer Eigenleute anzuhören und ihnen gebührend Recht zu verschaffen. Geld sollte er dafür nicht von ihnen fordern, sondern nur von des Herzogs Kammer nach altem Herkommen seinen Lohn empfangen. Darüber hinaus solle er keine Verfügungsgewalt über das Kloster oder dessen Eigenleute und Besitzungen haben und auch keine Steuern von ihnen eintreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vögte begegnen bereits mehrfach in den frühen Ranshofener Schenkungsnotizen aus der Zeit um 1100. Sie waren damals wohl vom König eingesetzt und hatten die Aufgabe, die unfreien Untergebenen vor Gericht zu vertreten, konnten aber auch selbst Streitigkeiten schlichten und Strafen verhängen. Bei Schenkungen an die Kirche fungierten sie als wichtige Zeugen. In späteren Traditionsnotizen wird fallweise der Herzog selbst als Vogt des Klosters angesprochen, so nach 1180 der Wittelsbacher Otto I. (&amp;quot;tune temporis dux Bawariae et eiusdem loci advocatus&amp;quot;). Nach dem Zeugnis der beiden angeführten päpstlichen Privilegien ließen sich aber schon zuvor die Herzöge in dieser Funktion durch von ihnen bestellte Untervögte vertreten. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts werden diese dann meistens als Richter (&amp;quot;judex&amp;quot;) angesprochen. Ob die Ranshofener Untervögte ihre Stellung - wie etwa in Reichersberg - zur persönlichen Besitzerweiterung und Bereicherung missbraucht haben, ist aus den Quellen nicht mehr zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf verschiebt sich die rechtliche Verfügungsgewalt mehr und mehr zugunsten des Landesfürsten. Der ehemalige Pfalzbereich wird dem herzoglichen Amt Burghausen zugeordnet. Einen Höhepunkt erreicht diese Entwicklung mit Kaiser Ludwig dem Bayern, der in sich ja Königs- und Herzogsamt vereinigte. Von ihm erhielt der Propst 1345 das Recht der niederen Gerichtsbarkeit über alle Stiftsuntertanen. Vögte des Chorherrenstiftes Ranshofen treten in der Folgezeit nicht mehr in Erscheinung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Von den Chorherren, die in der frühen Zeit dem Stift Ranshofen angehört haben, kennen wir nur einzelne Namen, die außerdem meistens wenig über ihre soziale Herkunft aussagen. Ein im Traditionskodex vor 1120 mehrfach genannt er Pfarrer [[Erenbert]] wird &lt;br /&gt;
anlässlich der Schenkung seines Gutes Pfaffing in einer der Notizen als &amp;quot;canonicus s. Pancratii mart.&amp;quot; bezeichnet, was ihn als Säkularkanoniker charakterisieren könnte. Ob er später auch noch dem Regularkanonikerkonvent angehört hat, ist ebenso fraglich, wie die - in der Literatur vielfach angenommene - Übernahme der ältesten Augustiner-Chorherren aus dem Salzburger Domstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die ersten Pröpste gibt es vereinzelte Hypothesen ihrer Herkunft, sowohl in genealogischer wie in geistlicher Hinsicht, die freilich einer kritischen Überprüfung kaum standhalten. Einen Ansatzpunkt für die Beantwortung der Frage nach dem sozialen Umfeld der ältesten Ranshofener Regularkanoniker gewinnen wir aus jener Traditionsnotiz von 1138/39, nach welcher der Reichsministeriale Friedrich von Rohr und seine Gemahlin Berta in Anw esenheit des Salzburger Erzbischofs Konrad I. und des Bischofs Roman von Gurk ihr ganzes Gut in Rohr (im oberösterreichischen Kremstal) übergaben, als sie ihren Sohn Richer dem Kloster zur geistlichen Ausbildung anvertrauten. Und in unmittelbarer Nachbarschaft zu dieser Notiz lesen wir im Traditionskodex von der Schenkung eines Eginbert, eines Neffen des Kadelhoch von Rohr, anlässlich seines Eintritts in das Stift (&amp;quot;tradidit semetipsum ad aram s. Pancratii secundum regulam communis vitae ibidem degendum&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu passen auch die spärlichen Angaben, die wir aus einem - nur im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr auszugsweise überlieferten - Ranshofener Nekrolog dieses Zeitabschnitts schöpfen können. Als verstorbene Chorherren wurden darin [[Konrad von Retenbach]], [[Bernhard von Hut]], [[Hartwig von Sattelbogen]], [[Heinrich von Loitzenkirchen]], [[Heinrich von Braunau]], [[Friedrich von Weilhart]], [[Pabo von Ering]] und [[Wilhelm von Mattsee]] genannt. Es sind vorwiegend Familienangehörige der Ministerialen, die aufgrund ihrer Dienste für den König oder den Herzog unfreie Bauernhöfe, Lehengüter, manchmal auch Eigenbesitz im engeren oder weiteren Umfeld Ranshofens, bewirtschafteten und das Kloster von seinen Anfängen an immer wieder beschenkten. Manche dieser Familien - sie werden in den Urkundentexten einmal als Reichsdienstmannen (&amp;quot;ministeriales regni&amp;quot;) und einmal als Herzogsdienstleute (&amp;quot;ministeria les ducis&amp;quot;) bezeichnet, was wiederum mit der schwankenden Rechtslage der Ranshofener Pfalz zusammenzusehen sein dürfte - hatten im Kloster auch ihre Grablege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gleiche Bild zeigen die in das Totenbuch eingetragenen Namen der Chorfrauen, aber auch der Laienbrüder und -schwestern, die im Stift Aufnahme gefunden hatten. Aus der - schon oben erwähnten - Supplik des Propstes Sifrid an den Papst Clemens IV. wissen wir, dass vor den kriegerischen Ereignissen, durch die Ranshofen um die Mitte des 13. Jahrhunderts großen Schaden genommen hatte, vierzehn Priester versorgt worden waren, während zu seiner Zeit der Konvent auf drei Angehörige zusammengeschmolzen war. Auch das Chorfrauenstift war den Zerstörungen zum Opfer gefallen. Unter Propst Konrad I. wurde es jedoch erneuert. Es sollten aber nicht mehr als sechs Frauen aufgenommen werden, von denen eine zur Vorsteherin (&amp;quot;magistra&amp;quot;) bestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Herkunft der Chorherren anlangt, so begegnen in der Folgezeit weiterhin viele Angehörige von Ministerialenfamilien aus dem Umkreis Ranshofens. Mit dem Ausgang des Mittelalters ändert sich dieses Bild. Zunächst verschwinden die Chorfrauen aus den Quellen. Die überlieferten Namensformen der Chorherren lassen erkennen, dass die in das Stift eingetretenen Personen jetzt mehr und mehr bürgerlicher Herkunft waren und daran änderte sich auch in der Neuzeit nichts. Die Unterlagen, die darüber Auskunft geben, sind vor allem der Visitationsbericht von 1559/60, ferner zwei Namenskataloge der Ranshofener Chorherren von 1665 und 1687 im &amp;quot;Inventarium&amp;quot; des Propstes Benno Meier und schließlich zwei Nekrologaufzeichnungen, die von 1619 bis 1771 reichen (Bayerische Staatsbibliothek München, Clm. 12721, fol. 135-141).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Aufhebung im Jahr 1811 traten die verbliebenen Chorherren in den Weltpriesterstand über. Der St. Florianer Historiker Franz Xaver Pritz schreibt dazu: Einer der Chorherren weinte über dieses Schicksal, die Anderen verließen das Stift ohne Leid und Freude. Jeder erhielt eine Pension von 600 Gulden Reichs-Währung, die später um 100 Gulden vermindert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der Bücherbestand der Ranshofener Klosterbibliothek wurde durch die Aufhebung des Augustiner-Chorherrenstiftes in alle Winde verstreut. Dies gilt zunächst für die alten Handschriften, von denen der größte Teil 1811 nach München abtransportiert und in der jetzigen Bayerischen Staatsbibliothek untergebracht wurde. Andere Ranshofener Kodizes sind während des 19. Jahrhunderts vorwiegend über den Antiquariatshandel in verschiedene andere Bibliotheken gelangt: drei liegen - &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;nach derzeitigem Wissensstand&amp;lt;/span&amp;gt; - in der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin, drei in der Bodleian Library in Oxford, zwei in der russischen Staatsbibliothek in St. Petersburg, um die zwanzig schenkte ein Augsburger Antiquar nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 der Straßburger Universitätsbibliothek, Einzelstücke wurden schließlich noch in Linz (OÖ. Landesbibliothek), in Paris, in Budapest und in New York (Library of Saint Bonaventura College) festgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Provenienz der Handschriften bei der Katalogisierung soweit wie möglich erfasst wurde, ist es bei den gedruckten Büchern meistens schwieriger, ihre Ranshofener Herkunft nachzuweisen. Eine Reihe von Inkunabeln und Frühdrucken aus dem 16. Jahrhundert kamen bereits 1784 anlässlich der Abtrennung der Diözese Linz vom Passauer Bistum im Zusammenhang mit der Errichtung eines Priesterseminars an die jetzige Bibliothek der Katholisch-theologischen Hochschule in Linz. Nur wenige Einzelstücke verblieben im Raum von Ranshofen und Braunau. Erst mit der breiteren Überlieferung von Ranshofener Handschriften aus dem 12. und 13. Jahrhundert wird eine verhältnismäßig sichere Beantwortung der Fragen nach dem Skriptorium und der Bibliothek des Chorherrenstiftes im hoh en Mittelalter möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgangspunkt der diesbezüglichen Überlegungen war dabei zunächst jenes Ranshofener Evangeliar, das die Bodleian Library in Oxford aus dem Nachlass des venezianischen Ex-Jesuiten Luigi Canonici 1817 erworben hat (Canon . Bibi. Lat. 60). Den vier Evangelien sind jeweils ganzseitige Deckfarbenminiaturen der einzelnen Evangelisten vorangestellt; im Zusammenhang mit der Passionsgeschichte begegnet innerhalb des Johannesevangeliums auch eine ganzseitige &amp;quot;Kreuzigung Christi&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Zur künstlerischen Ausgestaltung gehören weiters die Kanontafeln und kunstvolle Initialen von verschiedener Form und Größe. Den reichsten Schmuck zeigen hier die zu Zierseiten ausgestalteten Textanfänge. In einer Eintragung am Schluss der Handschrift werden der Propst Adelhard von Ranshofen und der Schatzmeister Liutold im Zusammenhang mit der Bezahlung des 1178 vollendeten Buches erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Swarzenski hat als erster die große Stilverwandtschaft der Deckfarbenminiaturen des Ranshofener Kodex mit denen eines Evangeliars, das bei der Aufhebung des Benediktinerstiftes Mondsee in die Österreichische Nationalbibliothek gelangt ist (Cvp. 1244), aufgezeigt. Da nun im Mondseer Evangeliar ein &amp;quot;Liutoldus monachus&amp;quot; von sich sagt, er habe die Handschrift geschrieben und seinem Können gemäß ausgeschmückt , hat Swarzenski erwogen, den Mönch Liutold mit dem Ranshofener Thesaurar gleichen Namens zu identifizieren. Diese These verfestigte sich dann zur Annahme einer Ranshofener Schreib- und Malschule, als deren Mittelpunkt man den von Mondsee nach Ranshofen übergewechselten Liutold ansehen wollte. In den letzten Jahrzehnten setzte sich jedoch mehr und mehr die Meinung durch, das Ranshofener Evangeliar sei mit einem Salzburger Skriptorium (am ehesten im Benediktinerstift St. Peter) in Verbindung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Salzburger Herkunft wird heute auch für eine dreiteilige lateinische Bibelhandschrift angenommen, von der bis vor kurzem nur die beiden ersten Bände mit Texten aus dem Alten Testament, die bei der Aufhebung Ranshofens nach München kamen (Clm. 23039, Clm. 12601), bekannt waren. Erst im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zur Reichersberger Chorherrenausstellung von 1984 fand Kurt Holter heraus, dass sich der dazugehörige dritte Teil mit dem Psalter und den Schriften des Neuen Testaments ebenfalls in Oxford befindet (Canon. Bibi. Lat. 76). Jeder der drei Bände ist mit verschieden gestalteten Federzeichnungs- oder Deckfarbeninitialen ausgeschmückt. Leider wurden einzelne von ihnen durch nachträgliche Übermalungen entstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den zahlreichen übrigen Ranshofener Handschriften des hohen Mittelalters (mit Werken der Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor dem Großen, ferner Schriften des Kirchenlehrers Isidor von Sevilla, der Symbolisten Rupert von Deutz, Hugo von St. Victor und Bernhard von Clairvaux sowie des der Frühscholastik nahestehenden Honorius Augustodunensis) hat Elisabeth Klemm die der Bayerischen Staatsbibliothek gehörenden eingehend untersucht und genau beschrieben. Für eine Reihe von ihnen nimmt sie mit Sicherheit eine Entstehung in Ranshofen an (Clm. 12608, Clm. 12613-12616, Clm. 12631, Clm. 12633, Clm. 12641 und Clm. 23603), für andere gilt ihr das zumindest als wahrscheinlich. So lässt dies auf den Bestand eines Skriptoriums seit der Einrichtung des Regularkanonikerstiftes schließen, in dem die meisten der weniger anspruchsvollen Gebrauchshandschriften hergestellt worden sein dürften. Nur für besonders repräsentative Kodizes scheint man auf qualitativ leistungsfähigere Werkstätten zurückgegriffen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Hinweis auf den frühen Verlust von Büchern erhalten wir aus einem Bericht der &amp;quot;Mattseer Annalen&amp;quot; über einen Überfall von Kriegsleuten des Passauer Bischofs auf Ranshofen, der dort zwar zum Jahr 1250 überliefert wird, höchstwahrscheinlich aber auf das Jahr 1242 anzusetzen ist. Damals sei das Kloster geplündert und die Pfarrkirche St. Michael in Brand gesteckt worden. Missalien und Bücher, welche der schulischen Unterweisung gedient haben, seien dabei zugrunde gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen freilich nur unvollständigen Überblick über den alten Ranshofener Bücherschatz vermittelt ein um die Mitte des 14. Jahrhunderts geschriebenes Fragment eines Bibliothekskatalogs, der nachträglich in einen Kodex mit der &amp;quot;Legenda aurea&amp;quot; des Jacobus de Voragine eingebunden worden ist (Clm. 12643, fol. 356). Die verzeichneten Handschriften sind in zwei Gruppen aufgegliedert. Zuerst wird eine Reihe von 89 Kodizes aufgezählt, von denen es heißt, sie würden oberhalb der Sakristei des Prälaten aufbewahrt, womit ein Hinweis auf die Lage der Bibliothek während des Mittelalters gegeben erscheint. Die zweite Gruppe wird als in einem langen Kasten befindlich beschrieben. Hier bricht die Reihe allerdings mitten im 21. Titel ab. Das folgende Blatt mit der Fortsetzung ist verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das bedeutendste Denkmal humanistischen Geistes, welches Ranshofen hervorgebracht hat, war wohl das über Anregung des Propstes Kaspar Türndl bereits 1517 hier begonnene &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; des bayerischen Historikers Aventin. Aventin selbst kennzeichnet seinen Versuch einer auf die Quellen zurückgehenden Geschichtsdarstellung im Sinne seines Lehrers Konrad Celtis in der Vorrede durch den Hinweis auf sein Studium der alten Urkunden, des Traditionsbuches und der Kodizes der Stiftsbibliothek. Dass seine Ergebnisse einer kritischen Überprüfung nicht immer standhalten, steht außer Frage. Dennoch war seine Arbeit maßgeblich für alle späteren Darstellungen der Geschichte Ranshofens. Eine Handschrift des Werkes gelangte nach der Aufhebung des Klosters in das OÖ. Landesarchiv nach Linz, eine weitere Abschrift als Geschenk des letzten Stiftsdechants Pankraz Hauser nach Reichersberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die humanistische Gesinnung von Propst Augustin I. Münich bezeugt die Widmungsschrift an den Propst zu den in Sophonias Pämingers &amp;quot;Poematum libri duo&amp;quot; von 1557 veröffentlichten Elegien seines Bruders Balthasar Päminger. Den reformatorischen Tendenzen der Zeit entsprechend nimmt es nicht wunder, wenn im Bericht der Passauer Diözesanvisitationskommission von 1559/60 am Büchervorrat Kritik geübt wird. Zwar fand man in der &amp;quot;Liberei&amp;quot; viele &amp;quot;guete katholische Authores&amp;quot;; aber in einem Stüblein wurden neben unverdächtigen Büchern auch elf Schriften mit protestantischem Inhalt entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit dem Neubau des Konventgebäudes unter den Pröpsten Philipp Vetterl und Simon Meier Mitte des 17. Jahrhunderts wurde ein neuer Bibliotheksraum im Südtrakt des Klosters eingerichtet. Der Ranshofener Stiftsdechant Hieronymus Mayr verfasste damals sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot;, ein zweibändiges Geschichtswerk über Ranshofen. Der erste Band ist in vier Teile gegliedert. Enthalten sind Angaben über den hl. Pankraz, über Gründer und Wohltäter von Kirche und Kloster, über die Lebensweise der Chorherren, aber auch Verzeichnisse der Konventsmitglieder aus älterer und jüngerer Zeit. Der abschließende vierte Teil bringt eine nach den Pröpsten geordnete Stiftsgeschichte bis 1634. Die Titelseite zeigt in Form einer Federzeichnung das Aussehen des Klosters nach der Erneuerung. Dieser Band ist heute im Besitz des OÖ. Landesarchivs. Die Fortsetzung dazu über die Jahre von 1635 bis 1665 befindet sich in der Bibliothek des [[Stift St. Florian|Chorherrenstiftes St. Florian]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Quelle für unsere Kenntnis der Ranshofener Bibliotheksgeschichte während des ausgehenden 17. Jahrhunderts ist ein &amp;quot;Inventarium der geistlichen Sachen des Stiftes Ranshofen&amp;quot;, das Propst Benno Meier anlässlich seiner Resignation 1687 anfertigen ließ. Es enthält neben Inventaraufschreibungen und zwei Namenskatalogen der Ranshofener Chorherren vor allem eine katalogartige Liste sämtlicher unter seiner Herrschaft angekauften Druckwerke (&amp;quot;Libri comparati&amp;quot;). Einige der genannten Bücher befinden sich heute in der Braunauer Studienbibliothek. Ranshofener Herkunft ist wohl auch für den dort ebenfalls vorhandenen Bericht über die Ranshofener 800-Jahr-Feier von 1699 (&amp;quot;Saeculum octavum&amp;quot;, Augsburg 1702) vorauszusetzen. Nach der Widmung an Propst Ivo Kurzbauer werden im ersten Teil die Texte der Predigten, die während des &amp;quot;Acht-tägigen hoch-feyerlichen Jubel-Festes&amp;quot; von verschiedenen Kanzelrednern gehalten wurden, abgedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
===Baugeschichte=== &lt;br /&gt;
Der älteste Kirchenbau in Ranshofen war die zwischen 896 und 898 durch Kaiser Arnulf errichtete und dem hl. Pankraz geweihte karolingische Pfalzkapelle. Eine in der älteren Forschung diskutierte noch frühere Marienkapelle ist quellenmäßig nicht zu belegen. Diese Pfalzkapelle wurde dann mehr als zwei Jahrhunderte später zur ersten Klosterkirche des Augustiner-Chorherrenstiftes umgewandelt. Bei seiner Einrichtung überließ der damals hier herrschende Bayernherzog den Regularkanonikern seine Kapelle für den Gottesdienst. Als Seelsorgekirche wurde daneben eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche gebaut. Leider ist von der alten Pfalzkapelle - ebenso wie von der Königs- beziehungsweise Herzogspfalz, zu der sie gehört hat - kaum mehr etwas erhalten geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grabungen, die der um die Archäologie der Umgebung von Braunau bemühte Maler Hugo von Preen zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Auftrag der k.u.k. Zentralkommission durchführte, blieben ohne nennenswerte Ergebnisse. Nur in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Stiftskirche stieß er auf Reste alter Grundmauern, die man mit der Pfalz in Verbindung bringen konnte. Im Zusammenhang mit einer Nachricht aus den „Mattseer Annalen&amp;quot; über die Zerstörung Ranshofens zum Jahr 1242, aus der hervorgeht, dass die Pfalz damals zwischen dem Kloster und der Pfarrkirche St. Michael gestanden war, hat Schiffmann dann aufgrund dieser Grabungen die Hypothese abgeleitet, die Pfalz sei westlich von der Pfalzkapelle, etwa an der Stelle, wo das Hauptschiff und der Turm der heutigen Kirche stehen, gelegen gewesen. Die Pfalzkapelle selbst aber - damals noch nicht größer als das jetzige Presbyterium - habe den Ostabschluss des Pfalzgebäudes gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Neubau des Chorherrenklosters oder eine Erweiterung des vorher ja schon anzunehmenden Säkularkanonikerstiftes nach 1125 ist naheliegend. Höchst fragwürdig erscheint allerdings eine Kirchweihnotiz für das Kloster und den &amp;quot;Pankrazaltar&amp;quot; (&amp;quot;monasterium et altare s. Pancratii&amp;quot;) von 1135. Sie nennt nämlich neben dem weihenden Bischof Reginbert von Passau den Kaiser Heinrich II., eine Reihe von Bischöfen und einen Herzog Heinrich von Bayern und Sachsen als Anwesende. Reginbert wurde allerdings erst 1138 Passauer Bischof (sein Vorgänger hieß Reginmar) und der Kaiser und die übrigen Bischöfe scheinen aus der verfälschten Urkunde Kaiser Heinrichs III. von 1040 übernommen zu sein. Nur Herzog Heinrich X. (der Stolze) von Bayern, der allerdings auch erst 1137 zusätzlich mit Sachsen belehnt worden war, käme als &amp;quot;Zeitzeuge&amp;quot; in Betracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach schweren Schäden, die Kirche und Kloster bei den kriegerischen Überfällen von 1242, 1250 und 1266 erlitten hatten, wurden beide wiederhergestellt und schließlich 1283 durch den Regensburger Bischof Heinrich neu eingeweiht. Die kunstgeschichtliche Forschung vermutet für die Kirche einen Bau im Stil der frühen Gotik. Reste von zwei säulentragenden Steinlöwen und drei Medaillonbilder an der südlichen Außenmauer des Chores, die stilistisch zu dieser Bauperiode gehören, lassen jedenfalls erkennen, dass beim spätgotischen Kirchenbau zu Beginn des 16. Jahrhunderts zumindest ein Teil des Mauerwerks übernommen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1337 stiftete der Braunauer Bürger Ulrich Schön eine Friedhofskapelle (Karner), die dem Hl. Geist und dem hl. Oswald geweiht wurde. Sie ist als achteckiger Tuffsteinbau mit spitzbogigem Portal und drei Fenstern erhalten geblieben. Im Inneren enden die von verschieden gestalteten Konsolen ausgehenden Rippen in einem Schlussstein mit großer Rose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Seelsorgekirche wurde 1474 von Propst Wolfgang der Grundstein zu einem gotischen Neubau gelegt. Auf den ältesten erhaltenen Abbildungen ist ihr Turm noch mit einem spitzzulaufenden Helm gedeckt. Als ältestes Element des Um- bzw. Neubaus der Stiftskirche ist die unter Propst Blasius Rosenstingl (1494-1504) neu gestaltete Marienkapelle (&amp;quot;Rosenkranzkapelle&amp;quot;) anzusehen, die später - als ostseitiger Abschluss des nördlichen Seitenschiffs - in die Konstruktion der Kirche einbezogen wurde. Von diesem unter Propst Kaspar Türndl (1504-15 26) errichteten spätgotischen Bau ist freilich heute kaum mehr etwas zu erkennen, wenn man von der schlichten Außenerscheinung mit den glatt geputzten Wänden, dem Tuffsockel und den dreifach gestuften Stützmauern des Langhauses absieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Inneren ist die gotische Baukonstruktion fast zur Gänze durch die Umformungen der Barockzeit verdeckt. Nur das einfache Kreuzrippengewölbe des oberen Konventchores oberhalb der Sakristei ist vom Kirchenschiff aus noch sichtbar. Im Hinblick auf die der gleichen Bauperiode angehörenden Bauten der Ranshofener Filialkirchen in Neukirchen/Enknach und Hochburg, vor allem aber der Bürgerspitalskirche in der nahen Stadt Braunau, die als inkorporierte Pfarre ja ebenfalls an das Stift gebunden war, spricht Brucher in seiner Darstellung der &amp;quot;Gotik in Österreich&amp;quot; von einer Innviertler Bautengruppe, die nachhaltig im künstlerischen Ausstrahlungsbereich des Hans von Burghausen stand. Eine Nähe solcher Tendenzen wird man für die Stiftskirche selbst zumindest hypothetisch voraussetzen dürfen, auch wenn der Nachweis dafür nur schwer zu erbringen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild der baulichen Entwicklung Ranshofens ist in den folgenden Jahren von der Barockisierung geprägt, die in mehreren Phasen vor allem dem Innenraum der Stiftskirche ein völlig neues Aussehen verlieh. Die ersten Ansätze dazu sind schon für die Zeit von Propst Hilarius Steyrer (1610-1620) überliefert. Zu großen Veränderungen kam es unter seinem Nachfolger, Propst Philipp Vetterl (1620-1634). 1621 war der Turm der Stiftskirche eingestürzt. In der Folge ließ der Propst - er wird in der Grabinschrift als &amp;quot;architectus insignis&amp;quot; gerühmt - einen neuen bauen, der allerdings weiter nach Westen verlagert wurde, da man zwischen Turm und Kirchenschiff eine halbrunde Westkonche einschob. Diese diente der Errichtung einer Musikempore, auf der eine damals neu angeschaffte Orgel aufgestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1624 begann Propst Philipp auch noch mit der Erneuerung des Stiftsgebäudes, wofür er aus Italien Maurer berief (&amp;quot;ex Italia murarios conducens&amp;quot;). Im Stadium seines vollen Ausbaus, wie es Ansichten aus der Zeit nach 1700 sichtbar machen, bestand das Kloster mit seinen Nebengebäuden aus drei in Nord-Süd-Richtung aneinander anschließenden Gevierten: dem Konventgebäude mit der Prälatur, der Dekanei und der Bibliothek, einem verbindenden Zwischengebäude und dem Meierhof mit dem Bräuhaus. Nach Osten zu waren verschiedene Gärten angelegt (der Blumengarten, der Konventgarten, der Baumgarten und der sogenannte &amp;quot;Kuchelgarten&amp;quot;). Das Ganze wurde von einer Einfriedungsmauer mit einem Torturm umschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1650 standen davon nur der unter Propst Philipp erbaute Konventtrakt und der Meierhof, den Propst Philipps Nachfolger, Propst Simon Meier (1634-1665), neu errichten ließ. Als Baumeister hat Martin dafür einen Bartolomeo Viscardi ausfindig gemacht, der sich in einem Kommissionsprotokoll der Jesuitenkirche in Burghausen als &amp;quot;Stift Ranshofenscher Baumeister&amp;quot; bezeichnet. Schon vorher nannte Schiffmann einen Kaspar Regeton, der 1624/25 auch am Stiftsneubau in Reichersberg beteiligt war. Ulm hat ihn als einen Kaspar Righettoni aus Castenada im Misoxtal in Graubünden identifiziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verbindungstrakt zwischen Konventgebäude und Meierhof entstand erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts, ebenso ein westlich von der Stiftskirche ausgeführter Gasttrakt. Die umfangreichsten Veränderungen an der Stiftskirche wurden unter Propst Ivo Kurzbauer (1687-1715) im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 vorgenommen. Abgesehen von der großzügig erneuerten Innenausstattung kam es zu zahlreichen Eingriffen in die Bausubstanz der Kirche, die alle dem Zweck dienen sollten, den Innenraum in Einklang mit dem barocken Gesamtbild zu bringen. Dazu gehörten vor allem eine Erweiterung der Fensterflächen, das Abtragen einiger Pfeiler, die von außen das Kircheninnere verfinsterten, und schließlich im Chor die Konstruktion einer in den Dachraum hineinragenden Kuppel, um so dem neuen Hochaltar eine entsprechende Höhenausdehnung zu ermöglichen. Propst Ivo begann auch noch mit dem Bau eines neuen Turmes mit barockem Helm für die Pfarrkirche [[St. Michael]], der unter seinem Nachfolger, Propst Augustin II., nach 1715 fertiggestellt wurde. 1799 wurde diese Kirche jedoch zur Gänze abgetragen. Das dabei freigewordene Material verwendete man zum Ausbau der Festung Braunau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert wurden nach der Aufhebung und der damit verbundenen Profanierung des Stiftes der nördliche und der östliche Teil des Konventgebäudes abgetragen. 1859 brannte der Turm der ehemaligen Stiftskirche aus, wobei die Barockorgel völlig zerstört wurde. Die spitze Helmform, welche der Turm beim Wiederaufbau erhielt, könnte als unbeholfener Versuch einer Regotisierung gemeint gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildende Kunst=== &lt;br /&gt;
Abgesehen von den kunstgeschichtlich wertvollen romanischen Handschriften sind nur ganz wenige mittelalterliche Denkmäler der bildenden Kunst aus Ranshofen erhalten geblieben. Zu nennen sind hier zunächst jene drei Medaillonbilder im sogenannten &amp;quot;Rollgang&amp;quot; an der südlichen Außenmauer des Chores der ehemaligen Stiftskirche vom Beginn des 14. Jahrhunderts. Sie wurden in der älteren Literatur als Apostelköpfe gedeutet, zuletzt wurde auch erwogen, ob man sie nicht mit einer Notiz Aventins in Zusammenhang bringen könnte, nach der die Bischöfe Reginbert von Passau und Heinrich von Regensburg auf Fresken dargestellt waren. Dem gleichen Zeitabschnitt sind stilistisch jene zwei säulentragenden Portallöwen aus Ranshofen zuzuordnen, die heute die Besuchergarderobe im Braunauer Bezirksmuseum behüten. In der Stiftskirche selbst ist noch die schön gestaltete gotische Grabplatte des Propstes Blasius Rosenstingl, die dem Salzburger Bildhauer Hans Valkenauer zugeschrieben wird, zu sehen. Rosenstingls Verehrung der Gottesmutter - er hat ja auch den Neubau der Marienkapelle durchgeführt - findet darauf in einer Darstellung der hl. Maria, die von zwei musizierenden Engeln begleitet wird, beredten Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Umkreis der Ranshofener Filialkirchen wären noch zwei qualitativ hervorragende Holzreliefs mit Darstellungen des Marientodes in Hochburg (um 1490) und in Neukirchen/Enknach (um 1510) hervorzuheben sowie eine Monstranz aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert, die der heutigen Pfarrkirche in Handenberg gehört, ferner der &amp;quot;Bäckeraltar&amp;quot; in der Braunauer Stadtpfarrkirche. Obwohl für die Zeit des beginnenden Barock mehrfach über Altarerneuerungen in Ranshofen berichtet wird, ist kaum etwas namhaft zu machen, was aus dieser Periode an kunstgeschichtlich Bedeutsamem erhalten wäre. In jüngerer Zeit hat allerdings Lipp die Herkunft einer im Braunauer Bezirksmuseum aufgestellten Holzplastik aus Ranshofen aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts von einem Ranshofener Altarwerk zur Diskussion gestellt. Diese wollte man aufgrund der Krone und der Reichsinsignien früher als eine Darstellung des Kaisers Arnulf ansehen. Lipp deutete sie als den heilig gesprochenen Kaiser Heinrich II., der ja im klostereigenen Geschichtsverständnis einen besonderen Stellenwert einnahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge mit einem Altarwerk der Stiftskirche werden auch für Holzplastiken des hl. Pankratius und vier Engelfiguren aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts vermutet, die heute als Aufsatzfiguren der Orgel dienen. Zwei herausragende Stücke kunstgewerblicher Arbeit sind schließlich noch die Monstranz und der Kelch, welche 1682 durch Propst Benno Meier bei dem Augsburger Goldschmied Georg Reischle in Auftrag gegeben wurden. Beide Geräte sind aus Silber gefertigt, teilweise vergoldet und mit Halbedelsteinen geschmückt. Zahlreiche Emailmedaillons mit Szenen aus dem Leben Christi gehören zur künstlerischen Ausstattung des Ensembles. Dazu kommen weitere Medaillons mit Grisaillebildern der Rosenkranzgeheimnisse, welche das herzförmige Fenster der Monstranz einrahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erscheinungsbild, das heute den Besucher der ehemaligen Stiftskirche in Ranshofen empfängt, ist geprägt von der großzügigen Umgestaltung, welche das Innere im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 erfahren hat. Dies gilt sowohl von den damals neu aufgestellten Altären als auch von den Deckenfresken im Haupt- und im nördlichen Seitenschiff. Die Bilder des monumental wirkenden Hochaltars, die Enthauptung des hl. Pankraz und darüber (als Aufsatzbild) die hl. Dreifaltigkeit darstellend, stammen von dem in Braunau geborenen bayerischen Hofmaler Johann Kaspar Sing. Sie werden von einem Aufbau aus gewundenen Säulen, Akanthusranken und einer Reihe von Heiligenfiguren eingerahmt, der dem Braunauer Bildhauer Sebastian Hagenauer zugeschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein genaueres Hinsehen verdient die Deckengestaltung mit der Stukkaturverzierung und den beiden Freskenzyklen zur Pankrazvita (im Chor und im Hauptschiff) und zum Marienleben (im nördlichen Seitenschiff). Das Besondere daran sind eine Fülle kleiner Emblembilder, die um die erzählenden Hauptbilder herum gruppiert sind und das dort dargestellte Geschehen kommentieren bzw. erläutern, eine Darstellungsform, die sich im Hochbarock einer gewissen Beliebtheit erfreute und der zahlreiche Handbücher gewidmet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reihe der Pankrazbilder etwa beginnt im Chorraum über dem Hochaltar mit einem Mittelbild, das die Unterweisung des jungen Pankraz durch den Papst zeigt. In zwei kleineren, flankierenden Seitenbildern wird die Landung des aus Phrygien stammenden Jünglings mit seiner Begleitung in Ostia bzw. der Empfang der Reisegruppe am Tor des päpstlichen Palastes geschildert. Die dazugehörenden Emblembilder zeigen eine Uhr, eine Sonnenblume, eine Feuerwerksrakete und eine Nachteule. Die Uhr, deren im Gehäuse verborgenes Werk die Zeiger treibt, symbolisiert die geheime Kraft, die den jungen Pankraz auf seine Reise trieb. Die Sonnenblume, die sich sogar der hinter Wolken versteckten Sonne zuwendet, verweist auf den Weg zum Glauben, den er auch durch Hindernisse unbeirrt geht. Die brennend zum Himmel aufsteigende Feuerwerksrakete ist ein Bild für den Feuereifer, mit dem der junge Mann seinen Weg zu Gott sucht. Die Nachteule schließlich, die von der aufgehenden Sonne vertrieben wird, zeigt seine Erleuchtung durch den päpstlichen Religionsunterricht an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer dieses komplizierte Bildprogramm entworfen hat, wissen wir nicht. Am ehesten ist an Propst Ivo Kurzbauer selbst zu denken. Die Ausführung der Bilder schreibt Martin in der Kunsttopographie des Bezirkes Braunau aufgrund einer Eintragung in den Ehematriken der Ranshofener Kirche dem Laienbruder Christof Lehrl aus dem bayerischen [[Chorherrenstift Högelwörth]] zu. Lehrl wird dort zusammen mit zwei Stukkateuren als Trauzeuge bei der Hochzeit des Malers Josef Pöckl aus Teisendorf, der später in Uttendorf ansässig war, genannt. Dass dieser Pöckl auch an den Fresken mitgemalt haben dürfte, ist Martin entgangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Signatur &amp;quot;I.P.&amp;quot; bei einem der Fresken des Seitenschiffs könnte aber mit &amp;quot;Iosephus Pöckl&amp;quot; aufzulösen sein. Dieses Monogramm findet sich übrigens auch bei einem der &amp;quot;Autorenbilder&amp;quot;, mit denen zur gleichen Zeit die Decke der Bibliothek im Konventtrakt ausgeschmückt wurde, wieder. Unter Propst Augustin II. Pariser wurde um 1730 die Rosenkranzkapelle mit Fresken ausgeschmückt, in den letzten Jahrzehnten des Bestehens des Chorherrenstiftes ist dann noch die Ausgestaltung von Teilen des Prälatentraktes mit Stuckverzierung von Johann Baptist Modler aus Kößlarn hervorzuheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikpflege==&lt;br /&gt;
Die einzige zur Gänze erhaltene mittelalterliche Musikhandschrift aus dem Chorherrenstift Ranshofen ist ein &amp;quot;Breviarium sive ordo&amp;quot; genannter Kodex des 13. Jahrhunderts in München (Bayerische Staatsbibliothek, Clm. 12635 B). Sie verzeichnet und erläutert die Reihenfolge der Gesänge für das Stundengebet und die Messe für die einzelnen Festtage im Verlauf des Kirchenjahres. Als Vorlage des Ranshofener Kodex ist ein &amp;quot;Ordinarium&amp;quot; des Salzburger Domstiftes aus dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts anzusehen (Universitätsbibliothek Salzburg, Cod. M II 6). Über weite Strecken textgleich mit der Ranshofener Handschrift ist außerdem der Vorauer Cod. 99, der ebenfalls dem 13. Jahrhundert angehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonderes Interesse seitens der Wissenschaft fand in diesen miteinander verwandten Handschriften die Aufzeichnung der &amp;quot;Visitatio sepulcri&amp;quot;, eines gesungenen geistlichen Spiels innerhalb der Osternachtsliturgie, in dem der Besuch der Frauen am Grabe Jesu, ihre Botschaft an Petrus und Johannes und deren Wettlauf zum leeren Grab in einer sehr zeremoniösen Weise dargestellt werden. Den Schluss bildet das vom Volk gesungene deutschsprachige Osterlied &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht in dieser sogenannten &amp;quot;Liturgischen Osterfeier&amp;quot; eine wesentliche Wurzel für die Entwicklung des mittelalterlichen Dramas. Aus inzwischen verlorengegangenen mittelalterlichen Liturgiebüchern hat schließlich noch im 17. Jahrhundert Hieronymus Mayr die Texte einer Sequenz (&amp;quot;Ante thronum majestatis&amp;quot;) und eines spätmittelalterlichen Reimoffiziums zum Pankrazfest in sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; kopiert. Schon für diesen Zeitraum ist eine intensive Musikpflege innerhalb der Stiftsschule vorauszusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der musikalischen Theorie, die im Rahmen der Unterweisung aus den &amp;quot;Sieben freien Künsten&amp;quot; vermittelt wurde, erfuhren die Klosterschüler eine gründliche Schulung in der Praxis des Singens, sodass sie beim Gottesdienst die Chorherren unter stützen, manchmal sogar vertreten konnten. Seit dem 16. Jahrhundert lassen sich dann auch für die Musikpflege in Ranshofen Erscheinungen beobachten, die mit der Ausbreitung der humanistischen Bewegung in Zusammenhang stehen. So traten in der Klosterschule an die Stelle des geistlichen &amp;quot;Scholasticus&amp;quot; weltliche Lehrer, die zusammen mit ihren Schülern auch in der Kirche sangen, wobei die mehrstimmigen Musikformen der Renaissance rasch in das Repertoire eindrangen. Die Wurzeln dafür kann man bis in die Regierungszeit des Propstes Kaspar Türndl zu rückverfolgen. Er ließ für die „Präbendisten&amp;quot; - die auf Kosten des Stiftes ausgebildeten Sängerknaben - eine eigene Unterkunft erbauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger, Propst Augustin Münich, wirkte hier vor 1550 ein Magister Johann Kappenstill als Lehrer, der später als Stadtschreiber in Passau im Umkreis des dortigen Humanismus große Wertschätzung genoss und zum Freundeskreis um Leonhard Päminger gehört hat. Seinem Nachfolger, Magister Stephan Vokenrieder, hat Päminger sogar zwei Spruchmotetten gewidmet, die später in die gedruckte Ausgabe der Pämingerschen &amp;quot;Cantiones ecclesiaticae&amp;quot; aufgenommen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein umfassendes Bild der schulischen Verhältnisse in Ranshofen um die Mitte des 16. Jahrhunderts vermittelt das Passauer Visitationsprotokoll von 1559/60. Der &amp;quot;cantor&amp;quot; hielt sich zur Zeit der Kirchenvisitation überhaupt von den Musikaufführungen fern (singt nicht zu Chor). Mit den Schülern, welche er unterrichtete, sang er jedoch regelmäßig vor Beginn des Unterrichts das &amp;quot;Veni, sancte Spiritus&amp;quot; und das &amp;quot;Veni creator&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den &amp;quot;scholasticus&amp;quot; erfahren wir, dass er mit den Schülern eine &amp;quot;Comoedia de coena Domini&amp;quot; (&amp;quot;Spiel vom Herrenmahl&amp;quot;) aufgeführt habe: ein Hinweis auf die Pflege des Schultheaters in Ranshofen. Die Größe der Stiftsschule wird daran erkennbar, dass neben dem Schulmeister und dem Kantor noch ein Magister Thomas Winter genannt wird. Er wird als &amp;quot;ludirector&amp;quot; bezeichnet, hatte also wohl neben dem Schuldienst auch noch die Leitung der Kirchenmusik zu versehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Musikrepertoire sind wir leider nur sehr bruchstückhaft informiert. Vorauszusetzen ist die fortlaufende Pflege des Gregorianischen Chorals. Daneben werden verschiedene protestantische Gemeindelieder genannt, die zunächst wohl einstimmig, fallweise vermutlich von der Schulkantorei in mehrstimmigen Sätzen gesungen wurden, in denen sie schon sehr früh Verbreitung gefunden hatten. Gewiss sang man daneben aber auch mehrstimmige lateinische Messkompositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Orgel hat es damals hier ebenfalls schon gegeben, denn im Visitationsbericht wird bereits ein Organist unter den Klosterdienern aufgezählt. Die noch in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts einsetzende Gegenreformation beginnt dann das Erscheinungsbild des Schulwesens und der Musikpflege alsbald zu verändern. In einer staatlichen Schulordnung von 1569 wurde für die Lateinschulen wieder das Singen der alten Choralweisen vorgeschrieben. Die gefälschten Psalmen und Lieder - gemeint sind die protestantischen Kirchenlieder - wurden aus Kirche und Schule verbannt. Ein Zeugnis dieser vorerst nur zögernd einsetzenden Entwicklung ist für Ranshofen der Visitationsbericht des römischen Kurienkardinals &amp;quot;Commendone&amp;quot; aus dem Jahre 1569. Nach ihm unterrichteten damals immer noch drei Lehrer etwa achtzig Schüler aus Grammatik und Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chorherren sangen das Offizium schön und mit Andacht auf dem alten Konventchor oberhalb der Sakristei. Während der Woche wurde die Messe nur gelesen. An Sonn- und Feiertagen jedoch sangen sie die Chorknaben in der Pfarrkirche St. Michael. Eine weitere wichtige Umstellung des Schulwesens erfolgte zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Nach dem Vorbild der Jesuitengymnasien übernahm jetzt wieder ein Geistlicher die Leitung der Schule und das Amt des &amp;quot;regens chori&amp;quot;. Weltliche Lehrer sind fortan nur noch in untergeordneter Stellung anzutreffen. Der erste geistliche Chorregent in Ranshofen, den wir dem Namen nach kennen, ist der spätere Propst Philipp Vetterl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; berichtet von argen Missständen, die damals im Kloster geherrscht hätten. So habe Frater Philippus das Offizium, besonders die abendliche Vesper, häufig mit den Chorknaben allein gesungen, während sich die übrigen Stiftsangehörigen in Wirtshäusern und Spelunken herumgetrieben hätten. Nach seiner Wahl zum Propst begann er jedoch zielstrebig das Kloster zu erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1622 wurde auf der neugebauten Musikempore der Stiftskirche eine neue Orgel aufgestellt. Noch die Grabinschrift des Propstes rühmt das Werk wegen der Größe der Pfeifen und der Lieblichkeit seines Klanges. Um die Mitte des 17. Jahrhund erts wirkte [[Sebastian Widerstain]] als Stiftsorganist in Ranshofen. Nach einem Musikalienkatalog des Münchener Buchhändlers Paul Parsdorffer gab er eine Sammlung von &amp;quot;Miserere&amp;quot; für vier bis acht Singstimmen, zwei Violinen und Orgel im Druck heraus, denen noch eine &amp;quot;Lauretanische Litanei&amp;quot; hinzugefügt ist. Die Besetzung der leider nirgends erhaltenen Sammlung Widerstains zeigt, dass damals bereits Musikformen des Frühbarock mit selbständig geführten instrumentalen Begleitstimmen im Raum Ranshofen verbreitet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1699 wurde zum 800-Jahr-Fest des Bestehens der Pankrazkapelle im oberen Konventchor eine kleine Chororgel aufgeste llt. Das musikalische Programm der Gottesdienste, die im Verlauf der eine Woche dauernden Festlichkeiten stattfanden, ist leider nicht im Detail überliefert. Von Biber ist in Kremsmünster die Abschrift einer &amp;quot;Missa Sti. Henrici&amp;quot; erhalten. Es ist nicht auszuschließen, dass sie in diesem Zusammenhang von Ranshofen in Auftrag gegeben worden ist, verehrte man doch damals den heiligen Kaiser Heinrich II. - wenn auch nur irrtümlich - als einen der Gründer des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vierteljahrhundert später begegnet in [[Wilhelm Ganspeckh]] (1687-1770) der erste und gleichzeitig einzige Ranshofener Chorherr, der nachweisbar auch als Komponist tätig gewesen ist. Der Vater und zwei seiner Brüder waren unter Kurfürst Max Emanuel Musiker an der Bayerischen Hofmusikkapelle. Nach seinen Studien und der Priesterweihe war er lange Zeit Chorregent im Kloster. Von seinen musikalischen Werken ist einzelnes erhalten geblieben, vor allem ein Druck mit acht Messen und einem Requiem, der 1724 unter dem Titel &amp;quot;Octiduum sacrum&amp;quot; erschienen ist. Als zweiter Teil sind noch zwölf Offertorien angehängt. Die Messen sind nach den Altarheiligen der Stiftskirche benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Sekundiz des letzten Ranshofener Propstes Johann Nepomuk Kierl wurde 1805 noch eine eigens dafür komponierte Kantate (&amp;quot;Heut möge jede Brust das mächtige Gefühl der Freude schwellen&amp;quot;) eines unbekannten Komponisten aufgeführt, deren Partitur erhalten ist. Sie ist das letzte Zeugnis der Musikpflege im Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien== &lt;br /&gt;
Das Ranshofener Stiftsarchiv enthielt seinerzeit eine große Zahl von Originalurkunden, dazu mehrere Kopialbücher, andere Handschriften und sonstige Akten. Das meiste davon kam bei der Aufhebung 1811 nach München in das jetzige Bayerische Hauptstaatsarchiv. Kleinere Aktenbestände befanden sich außerdem im Staatsarchiv in Landshut, wurden von dort aber in der Zwischenzeit ebenfalls an das Hauptstaatsarchiv in München abgegeben. Nur weniges ist im Ranshofener Pfarrhof zurückgeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die älteste erhaltene Urkunde ist die von Kaiser Arnulf über die „Verleihung&amp;quot; der Pfalzkapelle an den Priester Ellimprecht (Bayr. HStA München, Kaiserselekt 87 = Ranshofen Urk. 1) aus dem Jahr 898. Sie muss seit der Karolingerzeit durchgehend an der Pankrazkirche aufbewahrt worden sein. Im Bayerischen Hauptstaatsarchiv befindet sich auch die Urkunde Herzog Heinrichs IX. von 1125, der sogenannte „Stiftbrief&amp;quot; des Augustiner-Chorherrenklosters (Ranshofen Urk. 2), neben weiteren Königs- und Herzogsurkunden. Auch päpstliche Privilegien für Ranshofen liegen dort auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Handschriften des Archivs ist jene des alten Traditionskodex seit der Aufhebung des Klosters leider verschollen. Die einzige auf das Originalmanuskript zurückgehende Textedition ist die der &amp;quot;Monumenta Boica&amp;quot; von 1764. Diese Textform wurde dann 1852 im ersten Band des Urkundenbuches des Landes ob der Enns neuerlich abgedruckt. Etwa gleichzeitig fand der St. Florianer Chorherr [[Jodok Stülz]] im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr eine große Zahl von Traditionen, die Mayr um 1650 aus dem Traditionskodex kopiert hatte. Ein Reihe von weiteren Notizen sind darin in regestenartiger Form wiedergegeben. Diese Überlieferung wertete Konrad Schiffmann 1905 in einer Neuedition aus und erläuterte seine daraus abgeleiteten Erkenntnisse in einer ausführlichen Einleitung. Zum einen kann man nämlich aus dem Vergleich der verschiedenen Überlieferungen erkennen, dass im Monumenta-Boica-Text eine Reihe von Notizen ausgelassen wurden. Zum anderen lassen sich aus den von Mayr gemachten Angaben über die Folien, auf denen er die einzelnen Traditionen gefunden hatte, wertvolle Hinweise auf die ursprüngliche Zusammensetzung des Kodex gewinnen. Dabei wird deutlich, dass die Handschrift aus mehreren vorerst voneinander unabhängig bestehenden Lagen schließlich zu einem Kodex verbunden wurde. Einzelne Lagen erscheinen hinsichtlich der Chronologie falsch aneinandergereiht. Außerdem begegnen die Notizen der ersten Lage in einem späteren Teil ein zweites Mal, wobei die älteste Lage mit der Notiz über die vom Bayernherzog Welf II. getätigte Schenkung von Besitzungen in Handenberg an die Pankrazkirche und die als zugehörige Filialkirche zu denkende Jakobikapelle in Handenberg (Schiffmann II 1, um 1110) eröffnet worden sein dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den erhalten gebliebenen Handschriften des Archivs ist das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes Konrad I. von 1277/1303 die wichtigste (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Ransh. Lit. 1). Sie enthält neben den beiden - bereits oben im Abschnitt über die wirtschaftliche Entwicklung gestreiften - Urbaren zwei Kopialbücher mit wichtigen Urkundenabschriften. Die vier Teile wurden vermutlich erst im 17. Jahrhundert zu einem Kodex zusammengebund en. Die beiden Kopialbücher enthalten wertvolle Zeugnisse zum Ranshofener Urkundenwesen, darunter Kopien von heute verschollenen Originalurkunden, wie etwa die Abschriften jener beiden Urkundentexte, die als verfälschte Fassungen eines Diploms Kaiser Heinrichs III. für Ranshofen anzusehen sind. Auf fol. 47ff. finden sich Angaben über verschiedene Altarweihen, die Schiffmann im Anhang seiner Ranshofener Baugeschichte publiziert hat (&amp;quot;Die Kirchweih-Chronik von Ranshofen&amp;quot;). Zwei weitere Kopialbücher schrieb am Beginn des 15. Jahrhunderts der Chorherr [[Christian Perger]] aus Eggenfelden (Ransh. Lit. 4 bzw. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein von Propst Philipp Vetterl 1623 angelegtes Urkundenbuch befindet sich im Braunauer Stadtpfarrkirchenarchiv. Es enthält zunächst Kopien von Urkunden, die sich auf die Braunauer Stadtpfarre St. Stephan beziehen, im weiteren Verlauf sind auch andere Stiftungen zugunsten des Klosters oder seiner Filialkirchen in den Text aufgenommen. Zum Archivbestand haben wohl auch der Bericht des Propstes Benno Meier über die niederösterreichischen Besitzungen von 1670 und das von ihm angelegte &amp;quot;Inventarium&amp;quot; von 1665/1687 gehört (vgl. oben die Abschnitte &amp;quot;Wirtschaftliche Verhältnisse&amp;quot; und &amp;quot;Bibliothek&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Bernhard Bischoff: Die südostdeutschen Schreibschulen der Karolingerzeit. Band 2. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Gotische Baukunst in Österreich. Salzburg 1990.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
* Rudolf Guby: Die Kunstdenkmäler des oberösterreichischen Innviertels. Wien 1921.&lt;br /&gt;
* Siegfried Haider: Zum Problem karolingischer Pfalzen in Oberösterreich. In: Baiern, Ungarn und Slawen im Donauraum. Hg. von Willibald Katzinger / Marckhgott, Gerhart. Linz 1991 (Forschungen zur Geschichte der Städte und Märkte Österreichs, 4), S. 11–16.&lt;br /&gt;
* Peter Herde: Ranshofener Urkundenstudien. In: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte 24 (1961), S. 183–228. [http://periodika.digitale-sammlungen.de/zblg/kapitel/zblg24_kap8 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die mittelalterliche Buchkunst der Chorherrenstifte am Inn. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 205–231.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Klemm: Die romanischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München. Teil 1: Die Diözesen Regensburg, Passau und Salzburg. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Sigrid Krämer: Die Bibliothek von Ranshofen im frühen und hohen Mittelalter. Band 2. In: The Role of Book in Medieval Culture. Hg. von Peter Felix Ganz. Turnhout 1986 (Bibliologia Elementa ad Librorum Studia Pertinantia, 4), S. 41–72.&lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme der Chorherrenkirche in Ranshofen. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 6 (1966), S. 179–219.&lt;br /&gt;
* Wilfried L. Lipp: Das ehemalige Augustiner Chorherrenstift Ranshofen - Ein Beitrag zur Kunstgeschichte. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, 149–160.&lt;br /&gt;
* Walther Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften des deutschen Sprachgebietes. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 7 (1971), S. 7–102.&lt;br /&gt;
* Alfred Marks: Oberösterreich in alten Ansichten. Linz 1968.&lt;br /&gt;
* Franz Martin (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Braunau. Wien 1947 (Österreichische Kunsttopographie, 30).&lt;br /&gt;
* August Prenninger: Hinweise zur Bevölkerungsstruktur Ranshofens vom Mittelalter bis zur Bauernbefreiung 1848. In: Rantesdorf 788-1988, 1200 Jahre Ranshofen. Ausstellung vom 28. Mai bis 17. Juli 1988. Hg. von Walter Pilshofer / Rudolf Schmidt. Braunau am Inn 1988, S. 39–44.&lt;br /&gt;
* [[Franz Xaver Pritz]]: Geschichte des aufgelassenen Stiftes der regulirten Chorherren des heiligen Augustin zu Ranshofen in Oberösterreich. In: Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen 17 (1857), S. 327–435. [https://books.google.at/books?id=U5YJAAAAIAAJ&amp;amp;vq=pritz&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA327#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Baugeschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Archiv für die Geschichte der Diözese Linz 5/1 (1908), S. 3–26.&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Aufhebung des Stiftes Ranshofen. In: Unterhaltungsbeilage der Linzer Tages-Post, Nr. 42, Jg. 1911 (15. Oktober 1911).&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Ranshofener Stiftsschule im Zeitalter des Humanismus und der Reformation. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 117 (1972), S. 199–212. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_117a_0199-0212.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Musik im Stift Ranshofen. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 120 (1975), S. 67-110 [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_120a_0067-0110.pdf (Digitalisat)]; 121 (1976), S. 179–222. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_121a_0179-0222.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Überlieferung der Ranshofener Traditionen. Vorbemerkungen zu einer künftigen Neuedition In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 16 (1990), S. 5–16. [https://www.ooegeschichte.at/fileadmin/media/migrated/bibliografiedb/mooela_16_0005-0016.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Das Ranshofener Evangeliar in Oxford (Manuscript Canonici Bible Latin 60 der Bodleian Library). Ranshofen 2012.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in den jüngeren Teilen des Ranshofener Traditionskodex. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 22 (2011), S. 291–320.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in Notizen aus dem ältesten Teil des Ranshofener Traditionskomplex. Zum Erscheinen der Schiffmann-Ausgabe vor 100 Jahren. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 21 (2008), S. 107–142.&lt;br /&gt;
* Hubert Schopf: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen am Inn im Mittelalter 1125–1426. Diss. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1985.&lt;br /&gt;
* Max Schrott: Die Conföderationen unserer Stifte. In: In Unum Congregati 5 (1985), S. 123–154.&lt;br /&gt;
* Georg Swarzenski: Die Salzburger Malerei von den ersten Anfängen bis zur Blütezeit des romanischen Stils. Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
* Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 245–294.&lt;br /&gt;
* Margareta Vyoral-Tschapka: Die Klosteranlage des ehemaligen Augustiner Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege Oberösterreich 160: Festschrift für Georg Heilingsetzer zum 70. Geburtstag (2015), S. 577–616.&lt;br /&gt;
* Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert. Köln 1975 (Kölner historische Abhandlungen, 24).&lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Königsherzogsgut in Oberösterreich. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 3 (1954), S. 101–145.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Zur Rechtsgeschichte des Stiftes Ranshofen und seiner Pfarreien. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 161–170.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Ranshofen</title>
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		<updated>2022-07-14T08:08:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Nachgeschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1125&lt;br /&gt;
|Datum bis=1811/10/28&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis Ende des 18. Jahrhunderts)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=&amp;quot;curtis rantesdorf&amp;quot;, Hof Rantesdorf (788)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Pankraz, hl. Michael, hl. Jungfrau Maria&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte== &lt;br /&gt;
===Vorgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Errichtung des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen kurz vor oder im Jahr 1125 knüpfte an Voraussetzungen an, die durch eine damals schon Jahrhunderte währende Geschichte gegeben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen war zunächst ein Hof der bayerischen Agilolfingerherzöge, deren letzter, der unglückliche Tassilo III., im gleichen Jahr durch Karl den Großen seine Herrscherwürde einbüßte, in dem Ranshofen – als &amp;quot;Rantesdorf&amp;quot; – erstmals im Licht einer geschichtlichen Nachricht erscheint. Unter den Nachfolgern Karls des Großen wurde Ranshofen eine königliche Pfalz, ein Ort, der dem Herrscher als Aufenthalt und Verwaltungsstützpunkt diente. Kaiser Arnulf, einer der letzten ostfränkischen Karolinger, ließ hier zwischen 896 und 898 eine dem hl. Pankraz geweihte Kapelle erbauen und stattete sie mit Besitzungen, liturgischen Geräten, kostbaren Glasfenstern und Tapisserien sehr großzügig aus. Ein Priester Ellimprecht – wohl ein Mitglied der kaiserlichen Hofkapelle – erhielt die neu errichtete Pfalzkapelle zunächst als Lehen übertragen. Mit einer Urkunde vom 17. Oktober 898 wandelte Kaiser Arnulf dieses Lehen dann in ein freies Eigentum des Priesters Ellimprecht um. Nach dessen Tod sollte alles dem von Arnulfs Vater in Alt-Ötting gegründeten Säkularkanonikerstift zufallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Monate später fertigte Arnulf dann zugunsten der Ranshofener Pankrazkapelle eine weitere Urkunde aus, die allerdings nur in mittelalterlichen Abschriften überliefert wird. An ihrem Text fällt auf, dass vom Priester Ellimprecht nun keine Rede mehr ist. Als Empfänger der gegebenen Güter erscheinen vielmehr &amp;quot;die Kleriker, die dort den Gottesdienst verrichten&amp;quot;. Aus dieser Formulierung hat man auf die nachträgliche Gründung eines Säkularkanonikerstifts in Ranshofen schließen wollen, über dessen Bestand sonst jedoch keine Nachrichten existieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das weitere Schicksal der Pfalz mit der dazugehörigen Pankrazkapelle ist dann nämlich über Jahrzehnte hinweg völlig ungewiss. Wir wissen nicht, ob schon Herzog Arnulf aus dem Geschlecht der Luitpoldinger, der nach dem Tod von König Ludwig (&amp;quot;dem Kind&amp;quot;) 911 die Herrschaft über Bayern an sich gerissen hatte, im Zuge seiner Enteignungen von Kirchengütern die ursprünglich vorgesehene Schenkung der Ranshofener Kapelle an das Stift Alt-Ötting wieder rückgängig gemacht hat oder ob das Abhängigkeitsverhältnis erst später gelöst wurde. Auch über die Auswirkungen der Ungarneinfälle auf das Gebiet schweigen die Quellen. Erst gegen Ende des 10. Jahrhunderts finden wir hier unter Herzog Heinrich dem Zänker einen bayerischen Landtag versammelt, der die sogenannten &amp;quot;Ranshofener Landgesetze&amp;quot; beschließt. Dessen Sohn, der 1002 zum König gewählte und später zum Kaiser gekrönte Heinrich II. (&amp;quot;der Heilige&amp;quot;) ließ am Weihnachtstag des Jahres 996 – noch als bayerischer Herzog – in der Pfalzkapelle den Mönch [[Gotthart von Niederaltaich]] zum Abt dieses Klosters weihen. Heinrichs Gemahlin Kunigunde schließlich verfügte 1025 über die Ranshofener Pfalz wie über familiären Privatbesitz, indem sie diese zusammen mit anderen Königshöfen gegen Güter des Bistums Freising abtauschen wollte. Der Nachfolger Heinrichs II., König Konrad II., scheint diesen Tausch aber nicht anerkannt zu haben. Jedenfalls gehörte das &amp;quot;praedium Ranteshoven&amp;quot; – so der neue Name der Siedlung seit dem ausgehenden 10. Jahrhundert – mit der dazugehörigen Kapelle weiterhin zum Reichsgut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Gründung – oder Wiederbelebung – eines Kanonikerstiftes verweisen erst wieder zwei Urkunden, die Kaiser Heinrich III. im Jahr 1040 für Ranshofen ausgestellt haben soll. Auch sie sind nur in Abschriften überliefert und gelten der Urkundenforschung in ihrer vorliegenden Gestalt als Fälschungen. Man hat allerdings den Versuch unternommen, in beiden authentische Abschnitte von späteren Zusätzen zu trennen. Dabei begegnet im vermutlich echten Text die Angabe über eine Schenkung von Zehenten zugunsten der in Ranshofen &amp;quot;weilenden Priester ..., damit der Gottesdienst dort täglich gefeiert werde.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutet man dies als Hinweis auf eine Klerikergemeinschaft, so dürfte diese in den Wirren der Zeit des Investiturstreits wieder zerfallen sein. Jedenfalls begegnen in den ältesten Schenkungsnotizen des Ranshofener Traditionskodex, deren Textüberlieferung vor 1070 einsetzt, zunächst nur einzelne Priester der Pankrazkirche, die mehrfach auch als Pfarrer bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte===&lt;br /&gt;
Erste Anzeichen für die erneute Einrichtung einer Kanonikergemeinschaft kann man am Text der Ranshofener Traditionen seit etwa 1120 beobachten. Die hier aufgezeichneten Schenkungen erfolgen jetzt nämlich zugunsten der an der Pankrazkirche &amp;quot;für Gott streitenden Brüder (fratres Deo militantes)&amp;quot;, eine Formulierung, die im Zusammenhang mit Regularkanonikern auch andernorts immer wieder begegnet, vereinzelt freilich auch für Angehörige eines weltlichen Kanonikerstiftes gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicheren Boden gewinnen wir somit erst mit der Schenkungsurkunde des Bayernherzogs Heinrich IX. des Schwarzen (1120–1126) vom 30. Juli 1125, in welcher dieser zusammen mit seiner Gemahlin Wulfhilde in der Ranshofener Pfalz den &amp;quot;an der Pankrazkirche nach der Regel des hl. Augustinus Christus dienenden Brüdern Zehent im Gau&amp;quot; Ranshofen sowie verschiedene Güter übergibt. Auf dieser Urkunde basiert dann auch die Darstellung des bayerischen Historikers Aventin, der in seinem um 1520 geschriebenen &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; annimmt, Herzog Heinrich IX. habe hier im Jahr 1125 auf &amp;quot;Geheiß und Rat&amp;quot; des Salzburger Erzbischofs Konrad I. ein Augustiner-Chorherrenstift gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aventins Annahme ist freilich nur mit gewissen Vorbehalten zu übernehmen, denn eine zu diesem Zeitpunkt erst beschlossene Neugründung eines Klosters wird im Urkundentext ebensowenig erwähnt wie ein Zusammenwirken oder Zusammentreffen mit dem Salzburger Erzbischof. Ein Regularkanonikerkloster wird vielmehr als bereits bestehend vorausgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist die Einführung von Augustiner-Chorherren in Ranshofen vielleicht schon zwischen 1120 und 1125 erfolgt. Der weitere Ausbau des Stiftes zu einem Kloster für Chorherren, Chorfrauen und Konversen dürfte sich allerdings noch über die Zeit Heinrichs IX. hinaus bis in die Jahre der Herrschaft seines Sohnes Heinrich X. des Stolzen (1126–1139) erstreckt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Einrichtung eines Augustiner-Chorherrenstiftes erfasste eine wichtige religiöse Erneuerungsbewegung des Mittelalters Ranshofen. Eine Schlüsselfigur ihrer weiteren Ausbreitung war zweifelsohne der Salzburger Erzbischof Konrad I. (1109–1147). Er gilt als Gründer oder Erneuerer einer großen Zahl von Chorherrenstiften innerhalb und außerhalb seines engeren Diözesanbereiches. So ist seine Einflussnahme bei der Errichtung eines Chorherrenklosters in Ranshofen nicht auszuschließen. Quellenmäßig greifbar wird ein Zusammenhang mit ihm freilich erst um 1138/39. Damals nahm Konrad I. zusammen mit Bischof Roman von Gurk in Ranshofen eine Schenkung von Besitzungen der Ministerialen von Rohr im Kremstal für das Kloster entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Entwicklung im Hoch-und Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
Neben der Gestaltung der Liturgie in der Messfeier und beim Chorgebet war die Seelsorge ein wichtiges Anliegen des neuen Ordens. Da der Ranshofener Seelsorgesprengel sehr umfangreich war, wurden schon damals im weiten Umkreis Kirchen dafür neu gebaut oder vorhandene Kapellen übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ranshofen selbst baute man neben der Stiftskirche eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche. Andere Aufgaben waren die Krankenpflege, die schulische Unterweisung und die wissenschaftlichen Studien. Für letztere benötigte man ebenso wie für den Gottesdienst Handschriften, die zu einem großen Teil in der Schreibstube des Klosters, dem &amp;quot;scriptorium&amp;quot;, von den Chorherren selbst in mühevoller Arbeit hergestellt wurden. Aus Urkunden und Traditionsnotizen kennen wir einige Namen von Pröpsten des 12. und beginnenden 13. Jahrhunderts. Genannt werden ein [[Manegold]], der mit dem Magistertitel ausgezeichnet erscheint, nach ihm [[Meginhard]], [[Altmann (Stift Ranshofen)|Altmann]] und [[Adelhard]], unter dem 1178 das berühmte Evangeliar angekauft wurde, danach [[Liutold]] – wohl identisch mit dem im Evangelienbuch bezeugten Schatzmeister gleichen Namens –, dann nochmals ein Adelhard, der mit dem ersten Propst dieses Namens eine Person sein könnte, schließlich noch [[Etticho]] und [[Wichard]]. In verschiedenen Totenbüchern der Salzburger Diözese wird außerdem ein Propst [[Liutfrid von Ranshofen]] verzeichnet, der nur schwer einzuordnen ist. Vielleicht gehört er an den Anfang der Reihe gestellt, anstelle des von Aventin aus der Urkunde Heinrichs IX. von 1125 übernommenen [[Raffold]]. (Letzterer war vermutlich kein geistlicher Propst, sondern einer der Verwalter des Pfalzgutes.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1140 kam es zu einer Kontroverse mit dem Passauer Bischof Reginbert um die Seelsorgerechte und die daraus erwachsenden Zehentforderungen. Im Zusammenhang damit hat der Passauer Ordinarius den Kanonikern einen ungenannten jugendlichen Propst aufgezwungen, gegen den sie sich mit Erfolg aufgelehnt haben. Freiheit der Propstwahl ist dann auch eines der wichtigsten Rechte, das Ranshofen immer wieder urkundlich zugesichert wird, zum ersten Mal in dem großen Schutzprivileg des Papstes Eugen III. von 1147.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts – inzwischen hatten die Wittelsbacher den durch Kaiser Friedrich Barbarossa abgesetzten Heinrich den Löwen in der Herrschaft über Bayern abgelöst – begann für Ranshofen einer der unruhigsten Abschnitte seiner Geschichte. 1233 plünderten Truppen des Babenbergerherzogs Friedrich des Streitbaren bei Kämpfen mit Herzog Otto II. von Bayern Neukirchen an der Enknach, wobei die dortige Filialkirche zu schwerem Schaden kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Jahre danach, wahrscheinlich 1242, überfielen von der Burg Obernberg kommende Leute des Passauer Bischofs Ranshofen selbst und verbrannten zusammen mit der herzoglichen Pfalz auch die beiden Kirchen. 1250 drohten neue Gefahren. Bischof Rüdiger von Passau war durch den päpstlichen Legaten Albert Beham abgesetzt worden, und Berthold, ein gebürtiger Graf von Sigmaringen, sollte seine Stelle einnehmen. Doch Rüdiger leistete Widerstand und wurde dabei durch den bayerischen Herzog unterstützt. So durchzogen Soldaten des Gegenbischofs im November 1250 neuerlich plündernd den angrenzenden Weilhartsforst und verwüsteten das Land. Die Stiftskirche soll anschließend wieder aufgebaut und 1255 neu eingeweiht worden sein. Doch bald danach wurde das Gebiet um den unteren Inn im Zusammenhang mit Kämpfen zwischen Herzog Heinrich von Niederbayern – das Herzogtum war inzwischen nach dem Tod Ottos II. unter seinen Söhnen geteilt worden – und König Ottokar von Böhmen neuerlich Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen wurde 1266 ein zweites Mal niedergebrannt und dabei fast zur Gänze zerstört. So klagte Propst [[Sifrid]] (1255–1277) in einer Bittschrift an Papst Klemens IV. darüber, dass im Kloster nur mehr drei Leute Unterhalt fänden, während davor 14 Priester und 50 weitere Stiftsangehörige mühelos versorgt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Resignation Sifrids erlebte Ranshofen aber dann unter seinem Nachfolger [[Konrad I.]] (1277–1311) eine Zeit des Wiederaufschwungs. Neben den nun wieder günstigeren äußeren Verhältnissen ist diese Blüte vor allem in der Tatkraft und Zielstrebigkeit jenes Prälaten begründet. Bereits im Jahr seiner Erwählung begann er mit der Anlage eines Privilegienbuches, in das die Urkunden des Klosters in übersichtlicher Form eingetragen werden sollten. In dem angeschlossenen Urbar wurden die Stiftsgüter verzeichnet. Beide Teile hat Propst Konrad I. später in etwas abgewandelter Form nochmals redigiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der schon unter seinem Vorgänger begonnene Neubau der Stiftskirche wurde 1283 abgeschlossen und in Gegenwart des bayerischen Herzogs durch den Bischof von Regensburg eingeweiht. Auch das Kanonissenstift wurde erneuert und Einrichtungen für die Krankenpflege geschaffen. Schon mit Konrads gleichnamigem Nachfolger [[Konrad II.]] (1311–1332) setzte allerdings neuerlich eine Zeit des Niedergangs ein. Später besserten sich die Verhältnisse wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift wurde im 14. und 15. Jahrhundert vielfach durch Privilegien der Herzöge von Bayern und von Österreich ausgezeichnet. Auch Kaiser Ludwig der Bayer und später Maximilian I. reihten sich unter die Förderer ein. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts mehrten sich ganz allgemein die Versuche, dem damals drohenden Verfall der Klöster entgegenzuwirken. Erste Ansätze einer solchen Reform in Ranshofen unter den Pröpsten [[Erasmus Ridmund]] (1435–1444), [[Friedrich Gunderstorfer]] (1444–1448) und Thomas Wittel (1451–1462) zeigten jedoch keinen nachhaltigen Erfolg. Erst der aus dem niederösterreichischen [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] berufene Propst [[Wolfgang]] konnte das Kloster im Sinne einer vom böhmischen Stift Raudnitz ausgehenden Reformbewegung erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Nachdem Ranshofen im bayerischen Erbfolgekrieg trotz bedrohlicher Nähe des Kriegsgeschehens glimpflich davongekommen war, begann 1508 Propst [[Kaspar Türndl]] (1504—1529) mit dem Neubau der Stiftskirche. Gleichzeitig kam es zu einer Blütezeit humanistischen Geistes, die sich in den erhaltenen Handschriften und Frühdrucken aus der Klosterbibliothek spiegelt. Aber auch erste Anzeichen für eine beginnende Auseinandersetzung mit den Lehren Martin Luthers lassen sich von 1520 an beobachten. Eine Steigerung dieser Tendenzen ergab sich unter Propst [[Augustin I. Münich]] (1529—1560). Zeitgenossen rühmten ihn als Freund der Studien und Wissenschaften. Die Stiftsschule war unter seiner Herrschaft eine der größten Unterrichtsanstalten von ganz Bayern. Aus dem Protokoll einer Passauer Kirchenvisitation von 1559/60, der wichtigsten Quelle unserer Kenntnis über die Ausbreitung der Reformation im Innviertel, erfahren wir jedoch, dass die an dieser Schule wirkenden Schulmeister eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der protestantischen Glaubenslehren gespielt haben. Vielleicht steht die bald nach der Visitation erfolgte Resignation des Propstes im Zusammenhang mit seiner toleranten Einstellung gegenüber den Anhängern des neuen Glaubens. Unter seinem Nachfolger [[Adam Gensleitner]] (1560—1587) wurde jedenfalls sehr rasch die Gegenreformation voll zur Geltung gebracht, sodass der römische Kurienkardinal Commendone, der Ranshofen 1569 visitiert hat, den Zustand von Kirche, Kloster und Schule bereits als zufriedenstellend beurteilte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren neuerlichen Verfalls an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert begann nach 1620 eine der glanzvollsten Perioden der Geschichte Ranshofens. Der klostereigenen Geschichtsschreibung gilt sie als das Werk von vier aufeinanderfolgenden Prälaten. Trotz wachsender Bedrohung durch den Dreißigjährigen Krieg erneuerte Propst Philipp Vetterl (1620—1634) nicht nur die schwer darniederliegende Disziplin des Gemeinschaftslebens, sondern begann auch einen frühbarocken Neubau der Klosteranlage. 1628 erhielt der Propst durch Papst Urban VIII. für sich und seine Nachfolger das Recht des Gebrauchs der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1634 kam der bayerische Kurfürst Maximilian I. mit seiner Familie und seinem Hofstaat auf der Flucht vor den schwedischen Truppen, die München besetzt hatten, nach Ranshofen und blieb hier bis zum Frühjahr 1635. Während des Aufenthalts im Kloster starb die Kurfürstin Elisabeth am 4. Jänner 1635.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Gegenwart des Kurfürsten gewählte Propst [[Simon Meier]] (1635—1665) kümmerte sich besonders um die Neuordnung der Bibliothek und um die wissenschaftlichen Studien der Stiftsangehörigen. Propst [[Benno Meier]] (1665—1687) – ein Neffe seines Vorgängers – ließ im Schloss Neukirchen eine theologische Studienanstalt einrichten. Besondere Sorgfalt widmete er dem Stiftsarchiv mit den alten Urkunden. Seinem Ordnungssinn ist es zu verdanken, dass wir für die Zeit seiner Regierung genaue Aufzeichnungen über die vorhandenen Kirchengeräte und einen Katalog der erworbenen Bücher besitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ivo Kurzbauer]] (1687—1715) erneuerte schließlich Kirche und Kloster für ein 1699 gefeiertes &amp;quot;Acht-tägiges hochfeierliches Jubel-Fest&amp;quot; zum Gedächtnis der achthundertjährigen Geschichte der Pankrazkirche und krönte damit die Bestrebungen seiner Vorgänger, eine Entwicklung, die [[Augustin II. Pariser]] (1715—1741) zwar weiterführen, aber nicht mehr steigern konnte. Die barocke Glanzzeit des Stiftes hatte damit ihren Höhepunkt bereits überschritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild, das Ranshofen dann von der Mitte des 18. Jahrhunderts an bietet, ist eher uneinheitlich. Man kann es nur verstehen, wenn man die Erscheinungen von zwei Seiten her eingrenzt: vom Weiterführen überkommener Lebensformen des Barock einerseits und von der damals auch in Bayern bereits einsetzenden Aufklärungsbewegung andererseits. Mit dem Frieden von Teschen (1779) fiel das lnnviertel an Österreich. Dadurch wurden die vom Geist jener Zeit geprägten Reformen Kaiser Josephs II. alsbald auch in Ranshofen wirksam. Im Zusammenhang mit der Neuorganisation des Pfarrnetzes wurden verschiedene Filialkirchen in Pfarrkirchen umgewandelt, die Formen des Gottesdienstes reformiert, die Ranshofener Pfarrkirche St. Michael gesperrt und später abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Abtrennung der Diözese Linz vom Bistum Passau löste altgewohnte Bindungen. Vor allem die Franzosenkriege brachten dann neuerlich große Unruhe in das Kloster. Das Stift wurde einmal von diesen und einmal von jenen Truppen als Militärspital beansprucht. Es kam zu Gewalttaten und Plünderungen. Aber auch die Klostergemeinde selbst war vom Geist der Aufklärung angekränkelt.&lt;br /&gt;
Vor allem der letzte, 1784 gewählte Propst [[Johann Nepomuk Kierl]] gilt als schwach und verschwenderisch. Nach seinem Tod im Jahr 1809 kommt es innerhalb der zerfallenen und in sich gespaltenen Gemeinschaft zu keiner Neuwahl mehr. So findet die von der &amp;quot;Rieder Regierung&amp;quot; während der französischen Besatzung 1810 angekündigte Aufhebung Ranshofen bereits im Zustand der Krise.&lt;br /&gt;
Der Übertritt in den Weltpriesterstand kommt den damals noch hier lebenden Chorherren eher gelegen. Vor der endgültigen Aufhebung am 28. Oktober 1811 brachte man die als wertvoll angesehenen Archivalien in das Hauptstaatsarchiv nach München und einen großen Teil der Bibliotheksbestände in die jetzige Bayerische Staatsbibliothek. Anderes wurde in der ganzen Welt verstreut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammen mit dem, was in Ranshofen selbst heute noch sichtbar ist, legen diese Dokumente ein beredtes Zeugnis ab von der Pflege von Religion, Wissenschaft und Kunst im Chorherrenstift Ranshofen im Verlauf seiner Jahrhunderte währenden Geschichte. Indirekt kann man aus ihnen aber auch ahnen, wie bedeutungsvoll dieses Wirken der Chorherren für jene Menschen gewesen sein muss, die im Umkreis des Klosters gelebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Nachgeschichte===&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung erwarb der bayerische General Graf von Montjoie-Frohberg die Stiftsgebäude und den ausgedehnten Grundbesitz und wandelte einen Teil der ehemaligen Klosteranlage zum &amp;quot;Schloss Ranshofen&amp;quot; um. Anderes wurde abgetragen. Die frühere Stiftskirche blieb als Pfarrkirche erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erster Pfarrer wurde der seinerzeitige Stiftsdechant [[Pankraz Hauser]]. Der Pfarrer war damals einige Jahrzehnte hindurch auch Repräsentant der weltlichen Verwaltung. Erst im Zuge der Reformen bekam Ranshofen im Jahr 1848 eine eigene Gemeindeverwaltung. Auch erhielten die bis dahin unfreien Bauern die Möglichkeit, den Grund und Boden, den sie vorher als Untertanen bewirtschaftet hatten, gegen ein geringes Entgelt als Eigentum zu erwerben.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1851 kaufte dann Ferdinand Wertheimer, der später als Abgeordneter dem oberösterreichischen Landtag angehörte, die &amp;quot;Herrschaft Ranshofen&amp;quot; und wandelte im Lauf der Jahre den immer noch beachtlichen Großgrundbesitz in einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb um. Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland im März 1938 wurde der Wertheimersche Familienbesitz jedoch vom Deutschen Reich &amp;quot;abgelöst&amp;quot;. Im Oktober des gleichen Jahres wurde die vorher selbständige Gemeinde Ranshofen der Stadt Braunau einverleibt und ein Jahr später begann man bereits auf den Wertheimer-Gründen mit dem Bau eines Aluminiumwerkes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute ist man bemüht, das noch Vorhandene zu erhalten und zu pflegen, wobei der Komplex von Kirche und ehemaligem Stift besitzmäßig auf die Diözese Linz, die Stadt Braunau und private Eigentümer verteilt ist. Die Kirche und der Bibliothekssaal im ehemaligen Konventgebäude werden – abgesehen von der liturgischen Verwendung des Gotteshauses – auch für kulturelle Veranstaltungen genützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Will man sich ein Bild von den wirtschaftlichen Verhältnissen des Chorherrenstiftes Ranshofen im Mittelalter machen, wird man zunächst von der Urkunde Herzog Heinrichs IX. von Bayern aus dem Jahre 1125 ausgehen müssen. Sie gilt in der Literatur ja als &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; des Klosters. Als geschenktes Gut werden darin Güter in Handenberg, Braunau und einem - nicht mehr bestimmbaren - Dürrnberg nördlich der Donau, sowie verschiedene kleinere Liegenschaften angeführt. Letztere wurden den Regularkanonikern teils als Eigenbesitz, teils als Lehen überlassen. Dazu kamen die herzoglichen Zehenten &amp;quot;im Gau&amp;quot; Ranshofen und die Kirche Enknach (&amp;quot;Enkinacha&amp;quot;) - vermutlich am Ort oder in der Nähe des heutigen Neukirchen an der Enknach gelegen - mit dem dazugehörigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich erst nach Ausfertigung der Urkunde wurde an einer bestimmten Stelle nachträglich noch ein Hinweis eingefügt, dass jene Hörigen, die vorher in der Hand des Herzogs oder des Kämmerers bzw. des - herzoglichen - Propstes gewesen seien, nun auch dem Kloster unterstellt würden. So reichhaltig diese Schenkung gewesen ist, so wird damit keineswegs der gesamte wirtschaftliche Besitz Ranshofens zur Zeit der Gründung des Chorherrenstiftes umschrieben. Die Einrichtung des mittelalterlichen Klosters erfolgte ja nicht in der Einöde eines unerschlossenen Gebietes, sondern knüpfte an eine Jahrhunderte währende Vorgeschichte an. Schon Kaiser Arnulf hatte ja die von ihm erbaute Pfalzkapelle reich mit Gütern ausgestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den umfangreichsten Einblick in die Ranshofener Besitzverhältnisse im hohen Mittelalter gewähren jedoch die Notizen des Traditionskodex, deren Inhalte den Zeitraum von etwa 1070 bis 1250 umspannen, also auch schon vor 1125 einsetzen. Die Texte bezeugen die Übergabe von Gütern im näheren und weiteren Umkreis von Ranshofen, darüber hinaus die Schenkung von 5-Pfennig- Zensualen, sowie von Knechten und Mägden. Wie in anderen Klöstern machen auch in Ranshofen die Selbstübergaben von ehemals freien Personen, in der Absicht sich unter dem Schutz des Stiftes gegen Übergriffe von Mächtigeren abzusichern, einen beträchtlichen Teil der Zensualenschenkungen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere wichtige Quelle zur mittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte Ranshofens ist dann das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes [[Konrad I.]] Die Handschrift enthält neben zwei Kopialbüchern zwei Urbare, welche 1277 beziehungsweise 1303 angelegt wurden. Da im älteren Urbar die erste Lage der Handschrift verlorengegangen ist, kann man nur aus dem jüngeren erkennen, dass der Grundbesitz sich damals auf acht Urbarämter verteilte, die im Innviertel (Haselbach, Überackern, Neukirchen/Enknach, Nonsbach und Ranshofen), im oberösterreichischen Kremstal (Rohr) und in den jetzigen bayerischen Landkreisen Rottal-Inn und Alt-Ötting gelegen waren (Kollbach und &amp;quot;Trans Enum&amp;quot;). Dazu kamen noch Weingärten in der Wachau. Im Abgabenverzeichnis über die im Dorf Ranshofen ausgegebenen Lehen werden auch zwei Schuster, ein Schneider, ein Fleischer, ein Koch und ein Bader angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte Ranshofens stiegen in der Folgezeit dann noch durch die Stiftung von Jahrtagen in Form von &amp;quot;Seelgeräten&amp;quot;, das sind Schenkungen zugunsten von jährlich, manchmal sogar wöchentlich zu lesenden Messen für das Seelenheil von Verstorbenen. Ähnliche Stiftungen begegnen auch in den Filialkirchen des Klosters, unter denen die Braunauer Stephanskirche durch die Befestigung der Siedlung und die Stadterhebung im Jahr 1260 bald eine Sonderstellung einnehmen sollte. Kaiser Ludwig der Bayer (1314–1347) stiftete 1345 eine täglich zu lesende Messe für sich und seine Vorfahren und Nachkommen. Gleichzeitig schenkte er dem Kloster jene Güter im Dorf Ranshofen, die bis dahin noch herzoglicher Besitz gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schiffstransport des Klosterweins aus den Weingärten in der Wachau auf Donau und Inn erhielt das Chorherrenstift verschiedentlich Privilegien über die Mautfreiheit, so 1287 vom österreichischen Herzog Albrecht I., die er 1295 und sein Sohn Friedrich der Schöne 1314 nochmals bekräftigten. Eine Bestätigung dieser Privilegien durch Kaiser Maximilian I. erbaten der Propst und das Kapitel von Ranshofen schließlich noch 1498. In einzelnen Fällen hat das Kloster aber auch ältere Besitzungen, die schwer zu bewirtschaften waren oder den erwarteten Ertrag nicht erbrachten, wieder abgestoßen. Ein wertvolles Dokument solcher wirtschaftlicher Veränderungen ist eine von Propst [[Benno Meier]] 1670 verfasste &amp;quot;Relation von den Ranshoverischen in Österreich gelegenen Höf und Weingärten&amp;quot;. Darin verzeichnete der Prälat zunächst alles, was er aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen über die niederösterreichischen Besitzungen Ranshofens in Erfahrung bringen konnte. Es handelte sich um Höfe und Weingärten in Schwallenbach, Spitz, Loiben, Stein, Krems und Gobelsburg in der Wachau und um Weingärten in Kritzendorf bei Klosterneuburg. Zu seiner Zeit waren davon fast nur mehr die Weingärten in Unterloiben - ihre Riednamen sind vielfach bis heute in Gebrauch - dem Stift verblieben. Ihr Zentrum war ein großer Lesehof in Unterloiben nahe der Kirche, der als der heutige &amp;quot;Loibnerhof&amp;quot; identifiziert werden kann. Weil die Kosten-Nutzen-Rechnung des Propstes auch darüber negativ ausfiel, hat er ein Jahr später den ganzen Komplex an das Kloster Tegernsee verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen guten Überblick über den Stiftsbesitz und die Untertanen im Bereich von Ranshofen selbst in der Zeit des beginnenden 18. Jahrhunderts gibt ein im Auftrag des Propstes Ivo (1687–1715) durch den bayerischen Geometer Matthäus Paur im Jahre 1714 angelegtes Mappenwerk (&amp;quot;Gruntrys mit angehengter Beschreibung&amp;quot;, in der Literatur im allgemeinen als &amp;quot;Grundriss-Libell&amp;quot; bezeichnet). Der davon erhaltene Teil besteht aus Plandarstellungen aller Besitzungen im Bereich der sogenannten &amp;quot;Hofmark&amp;quot; Ranshofen mit darauf bezogenen Erläuterungen. Diese umfasste damals 81 Häuser, von denen die meisten vom Stift auf Erb- oder Leibrechtsbasis verliehen waren. Etwa die Hälfte davon wurde landwirtschaftlich genutzt. Der Rest war an Gewerbetreibende vergeben, unter denen sich auch ein Saitenmacher, ein Sattler, ein Bierbrauer und ein Metzger aus Braunau finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge der Abtrennung des Innviertels von Bayern durch den Frieden von Teschen ergaben sich während der letzten Jahrzehnte des Bestandes des Klosters Probleme mit der Verwaltung der bei Bayern verbliebenen Besitzungen jenseits des Inn. So wurden etwa im Verlauf der napoleonischen Kriege - Bayern kämpfte damals auf der Seite der Franzosen gegen Österreich - die Erträgnisse von Grundherrschaften, die auf bayerischem Gebiet gelegen waren, für das Stift gesperrt. 1810 schließlich begann man im Zuge der Auflösung die beweglichen Güter und die Wertsachen zu versteigern. Die Einnahmen betrugen 13.000 Gulden, die nach Salzburg, von wo aus kurzzeitig auch das Innviertel verwaltet wurde, abgeliefert werden mussten. Das 400 Joch große Stiftsgut, bestehend aus Äckern, Wiesen, Auen, Gärten und anderem, kaufte am 17. August 1812 der bayerische General und königliche Adjutant Graf Montjoie-Frohberg um 54.000 Gulden. Nur den unteren Teil des Lachforstes und ein Haus in Dietfurt (unterhalb von Braunau) behielt der bayerische Staat für sich zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Die rechtliche Lage der Ranshofener Pfalz war vom ausgehenden 11. bis um die Mitte des 12. Jahrhunderts eine eher wechselhafte. Dies findet auch in der damals beginnenden Geschichte des Chorherrenstiftes seinen Niederschlag. Die Pfalz und die dazugehörende Pankrazkapelle waren ja seit der Karolingerzeit Reichsgut und als solches der Verfügungsgewalt des Königs unterstellt. Den Bayernherzögen war zwischendurch zwar die Nutzung überlassen, sie wurden gegen Ende des 11. Jahrhunderts wegen ihrer reichsfeindlichen Politik im Zusammenhang mit dem Investiturstreit aber wiederholt durch Kaiser Heinrich IV. abgesetzt: zuerst Otto von Nordheim und später Welf I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So begegnet in einer vermutlich 1074 anzusetzenden Traditionsnotiz Kaiser Heinrich IV. selbst als Eigentümer von Ranshofen (&amp;quot;cuius praedium erat, quod Ranshovin vocatur&amp;quot;). Erst seit 1096 wurden die Welfen wieder mit Bayern belehnt und waren damit innerhalb bestimmter Grenzen über das Land am Inn verfügungsberechtigt. Die schwankende Rechtslage von Ranshofen kommt dann besonders in der &amp;quot;Gründungsurkunde&amp;quot; Herzog Heinrichs IX. von 1125 zum Ausdruck. Ihre Textform und ihre Ausstattung schließen sich in vielem dem Vorbild königlicher Siegelurkunden an. Dem Stil der Herrscherurkunden entspricht wohl auch der Hinweis auf die Mitwirkung und Zustimmung von Heinrichs Gemahlin Wulfhilde. Gerade dies ist allerdings rechtlich höchst fragwürdig, da es sich bei den geschenkten Gütern ja nicht um welfischen Eigenbesitz, sondern um dem Herzog überantwortetes Reichsgut gehandelt hat, für dessen Vergabe viel eher die Zustimmung des Königs erforderlich gewesen wäre. (Freilich war im Juli des Jahres 1125 nach dem Tod Kaiser Heinrichs V. Lothar III. noch nicht gewählt.) Die Strafformel, welche eine Bußzahlung von 60 Gulden an die Kammer des Königs bzw. des Kaisers bei Eingriffen in das Schenkungsgut vorsieht, bestätigt diese Auffassung. Dennoch versuchte Herzog Heinrich der Löwe später die Meinung durchzusetzen, Ranshofen sei ein Eigenstift seiner Familie, so vor allem, wenn er die dort dienenden Regularkanoniker als zu seiner Kapelle gehörig bezeichnet und die Gründung insgesamt fälschlicherweise mit seinem Vater Heinrich dem Stolzen in Verbindung bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1139 hatte nach dem Tod Heinrichs des Stolzen zunäch stder Babenberger Leopold IV. zusammen mit dem Herzogtum Bayern das Reichsgut um Ranshofen erhalten. Er ist jedoch bereits zwei Jahre später verstorben. Damals behielt König Konrad III. dann für kurze Zeit Bayern selbst in der Hand. In diesen Zeitabschnitt fällt das große Schutzprivileg Konrads von 1142, in dem der König die Besitzungen des Chorherrenstiftes, das er eine Gründung seines Urgroßvaters, des Kaisers Heinrich III., nennt, bestätigt. Eine Erwähnung einer Erneuerung durch die Welfen wurde in der Urkunde - offensichtlich aus politischen Gründen - unterdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Jahr belehnte der König den Babenberger Heinrich &amp;quot;Jasomirgott&amp;quot; mit Bayern. Das ist wohl jener &amp;quot;Heinricus Dux Bawariae&amp;quot;, welcher in einer anderen Tradition das an den Obstgarten der Regularkanoniker angrenzende Land am Altar des hl. Pankraz übergibt. Auch erscheint er in dem großen Privileg des Papstes Eugen III. von 1147 als Fürsprecher des Stiftes. Darin wird unter anderem erwähnt, dass der Vogt (&amp;quot;advocatus&amp;quot;) über das Herzogsgut gleichzeitig der Vogt des Klosters Ranshofen sei. Diese Bestimmung wird dann auch im Privileg des Papstes Hadrian IV. von 1158 wiederholt. Diesmal ist jedoch bereits Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, der Schirmherr des Klosters. Friedrich Barbarossa hatte ihn inzwischen 1154 mit dem von ihm zurückgeforderten Bayern belehnt. Schon 1157 hatte Heinrich der Löwe in einer Urkunde verfügt, dass der Vogt nicht nur die herzogliche Pfalz mit deren Untertanen, sondern auch die Stiftsleute an seiner Stelle beschützen und beschirmen sollte. Er habe auch die Klagen der Kanoniker und ihrer Eigenleute anzuhören und ihnen gebührend Recht zu verschaffen. Geld sollte er dafür nicht von ihnen fordern, sondern nur von des Herzogs Kammer nach altem Herkommen seinen Lohn empfangen. Darüber hinaus solle er keine Verfügungsgewalt über das Kloster oder dessen Eigenleute und Besitzungen haben und auch keine Steuern von ihnen eintreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vögte begegnen bereits mehrfach in den frühen Ranshofener Schenkungsnotizen aus der Zeit um 1100. Sie waren damals wohl vom König eingesetzt und hatten die Aufgabe, die unfreien Untergebenen vor Gericht zu vertreten, konnten aber auch selbst Streitigkeiten schlichten und Strafen verhängen. Bei Schenkungen an die Kirche fungierten sie als wichtige Zeugen. In späteren Traditionsnotizen wird fallweise der Herzog selbst als Vogt des Klosters angesprochen, so nach 1180 der Wittelsbacher Otto I. (&amp;quot;tune temporis dux Bawariae et eiusdem loci advocatus&amp;quot;). Nach dem Zeugnis der beiden angeführten päpstlichen Privilegien ließen sich aber schon zuvor die Herzöge in dieser Funktion durch von ihnen bestellte Untervögte vertreten. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts werden diese dann meistens als Richter (&amp;quot;judex&amp;quot;) angesprochen. Ob die Ranshofener Untervögte ihre Stellung - wie etwa in Reichersberg - zur persönlichen Besitzerweiterung und Bereicherung missbraucht haben, ist aus den Quellen nicht mehr zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf verschiebt sich die rechtliche Verfügungsgewalt mehr und mehr zugunsten des Landesfürsten. Der ehemalige Pfalzbereich wird dem herzoglichen Amt Burghausen zugeordnet. Einen Höhepunkt erreicht diese Entwicklung mit Kaiser Ludwig dem Bayern, der in sich ja Königs- und Herzogsamt vereinigte. Von ihm erhielt der Propst 1345 das Recht der niederen Gerichtsbarkeit über alle Stiftsuntertanen. Vögte des Chorherrenstiftes Ranshofen treten in der Folgezeit nicht mehr in Erscheinung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Von den Chorherren, die in der frühen Zeit dem Stift Ranshofen angehört haben, kennen wir nur einzelne Namen, die außerdem meistens wenig über ihre soziale Herkunft aussagen. Ein im Traditionskodex vor 1120 mehrfach genannt er Pfarrer [[Erenbert]] wird &lt;br /&gt;
anlässlich der Schenkung seines Gutes Pfaffing in einer der Notizen als &amp;quot;canonicus s. Pancratii mart.&amp;quot; bezeichnet, was ihn als Säkularkanoniker charakterisieren könnte. Ob er später auch noch dem Regularkanonikerkonvent angehört hat, ist ebenso fraglich, wie die - in der Literatur vielfach angenommene - Übernahme der ältesten Augustiner-Chorherren aus dem Salzburger Domstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die ersten Pröpste gibt es vereinzelte Hypothesen ihrer Herkunft, sowohl in genealogischer wie in geistlicher Hinsicht, die freilich einer kritischen Überprüfung kaum standhalten. Einen Ansatzpunkt für die Beantwortung der Frage nach dem sozialen Umfeld der ältesten Ranshofener Regularkanoniker gewinnen wir aus jener Traditionsnotiz von 1138/39, nach welcher der Reichsministeriale Friedrich von Rohr und seine Gemahlin Berta in Anw esenheit des Salzburger Erzbischofs Konrad I. und des Bischofs Roman von Gurk ihr ganzes Gut in Rohr (im oberösterreichischen Kremstal) übergaben, als sie ihren Sohn Richer dem Kloster zur geistlichen Ausbildung anvertrauten. Und in unmittelbarer Nachbarschaft zu dieser Notiz lesen wir im Traditionskodex von der Schenkung eines Eginbert, eines Neffen des Kadelhoch von Rohr, anlässlich seines Eintritts in das Stift (&amp;quot;tradidit semetipsum ad aram s. Pancratii secundum regulam communis vitae ibidem degendum&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu passen auch die spärlichen Angaben, die wir aus einem - nur im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr auszugsweise überlieferten - Ranshofener Nekrolog dieses Zeitabschnitts schöpfen können. Als verstorbene Chorherren wurden darin [[Konrad von Retenbach]], [[Bernhard von Hut]], [[Hartwig von Sattelbogen]], [[Heinrich von Loitzenkirchen]], [[Heinrich von Braunau]], [[Friedrich von Weilhart]], [[Pabo von Ering]] und [[Wilhelm von Mattsee]] genannt. Es sind vorwiegend Familienangehörige der Ministerialen, die aufgrund ihrer Dienste für den König oder den Herzog unfreie Bauernhöfe, Lehengüter, manchmal auch Eigenbesitz im engeren oder weiteren Umfeld Ranshofens, bewirtschafteten und das Kloster von seinen Anfängen an immer wieder beschenkten. Manche dieser Familien - sie werden in den Urkundentexten einmal als Reichsdienstmannen (&amp;quot;ministeriales regni&amp;quot;) und einmal als Herzogsdienstleute (&amp;quot;ministeria les ducis&amp;quot;) bezeichnet, was wiederum mit der schwankenden Rechtslage der Ranshofener Pfalz zusammenzusehen sein dürfte - hatten im Kloster auch ihre Grablege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gleiche Bild zeigen die in das Totenbuch eingetragenen Namen der Chorfrauen, aber auch der Laienbrüder und -schwestern, die im Stift Aufnahme gefunden hatten. Aus der - schon oben erwähnten - Supplik des Propstes Sifrid an den Papst Clemens IV. wissen wir, dass vor den kriegerischen Ereignissen, durch die Ranshofen um die Mitte des 13. Jahrhunderts großen Schaden genommen hatte, vierzehn Priester versorgt worden waren, während zu seiner Zeit der Konvent auf drei Angehörige zusammengeschmolzen war. Auch das Chorfrauenstift war den Zerstörungen zum Opfer gefallen. Unter Propst Konrad I. wurde es jedoch erneuert. Es sollten aber nicht mehr als sechs Frauen aufgenommen werden, von denen eine zur Vorsteherin (&amp;quot;magistra&amp;quot;) bestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Herkunft der Chorherren anlangt, so begegnen in der Folgezeit weiterhin viele Angehörige von Ministerialenfamilien aus dem Umkreis Ranshofens. Mit dem Ausgang des Mittelalters ändert sich dieses Bild. Zunächst verschwinden die Chorfrauen aus den Quellen. Die überlieferten Namensformen der Chorherren lassen erkennen, dass die in das Stift eingetretenen Personen jetzt mehr und mehr bürgerlicher Herkunft waren und daran änderte sich auch in der Neuzeit nichts. Die Unterlagen, die darüber Auskunft geben, sind vor allem der Visitationsbericht von 1559/60, ferner zwei Namenskataloge der Ranshofener Chorherren von 1665 und 1687 im &amp;quot;Inventarium&amp;quot; des Propstes Benno Meier und schließlich zwei Nekrologaufzeichnungen, die von 1619 bis 1771 reichen (Bayerische Staatsbibliothek München, Clm. 12721, fol. 135-141).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Aufhebung im Jahr 1811 traten die verbliebenen Chorherren in den Weltpriesterstand über. Der St. Florianer Historiker Franz Xaver Pritz schreibt dazu: Einer der Chorherren weinte über dieses Schicksal, die Anderen verließen das Stift ohne Leid und Freude. Jeder erhielt eine Pension von 600 Gulden Reichs-Währung, die später um 100 Gulden vermindert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der Bücherbestand der Ranshofener Klosterbibliothek wurde durch die Aufhebung des Augustiner-Chorherrenstiftes in alle Winde verstreut. Dies gilt zunächst für die alten Handschriften, von denen der größte Teil 1811 nach München abtransportiert und in der jetzigen Bayerischen Staatsbibliothek untergebracht wurde. Andere Ranshofener Kodizes sind während des 19. Jahrhunderts vorwiegend über den Antiquariatshandel in verschiedene andere Bibliotheken gelangt: drei liegen - &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;nach derzeitigem Wissensstand&amp;lt;/span&amp;gt; - in der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin, drei in der Bodleian Library in Oxford, zwei in der russischen Staatsbibliothek in St. Petersburg, um die zwanzig schenkte ein Augsburger Antiquar nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 der Straßburger Universitätsbibliothek, Einzelstücke wurden schließlich noch in Linz (OÖ. Landesbibliothek), in Paris, in Budapest und in New York (Library of Saint Bonaventura College) festgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Provenienz der Handschriften bei der Katalogisierung soweit wie möglich erfasst wurde, ist es bei den gedruckten Büchern meistens schwieriger, ihre Ranshofener Herkunft nachzuweisen. Eine Reihe von Inkunabeln und Frühdrucken aus dem 16. Jahrhundert kamen bereits 1784 anlässlich der Abtrennung der Diözese Linz vom Passauer Bistum im Zusammenhang mit der Errichtung eines Priesterseminars an die jetzige Bibliothek der Katholisch-theologischen Hochschule in Linz. Nur wenige Einzelstücke verblieben im Raum von Ranshofen und Braunau. Erst mit der breiteren Überlieferung von Ranshofener Handschriften aus dem 12. und 13. Jahrhundert wird eine verhältnismäßig sichere Beantwortung der Fragen nach dem Skriptorium und der Bibliothek des Chorherrenstiftes im hoh en Mittelalter möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgangspunkt der diesbezüglichen Überlegungen war dabei zunächst jenes Ranshofener Evangeliar, das die Bodleian Library in Oxford aus dem Nachlass des venezianischen Ex-Jesuiten Luigi Canonici 1817 erworben hat (Canon . Bibi. Lat. 60). Den vier Evangelien sind jeweils ganzseitige Deckfarbenminiaturen der einzelnen Evangelisten vorangestellt; im Zusammenhang mit der Passionsgeschichte begegnet innerhalb des Johannesevangeliums auch eine ganzseitige &amp;quot;Kreuzigung Christi&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Zur künstlerischen Ausgestaltung gehören weiters die Kanontafeln und kunstvolle Initialen von verschiedener Form und Größe. Den reichsten Schmuck zeigen hier die zu Zierseiten ausgestalteten Textanfänge. In einer Eintragung am Schluss der Handschrift werden der Propst Adelhard von Ranshofen und der Schatzmeister Liutold im Zusammenhang mit der Bezahlung des 1178 vollendeten Buches erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Swarzenski hat als erster die große Stilverwandtschaft der Deckfarbenminiaturen des Ranshofener Kodex mit denen eines Evangeliars, das bei der Aufhebung des Benediktinerstiftes Mondsee in die Österreichische Nationalbibliothek gelangt ist (Cvp. 1244), aufgezeigt. Da nun im Mondseer Evangeliar ein &amp;quot;Liutoldus monachus&amp;quot; von sich sagt, er habe die Handschrift geschrieben und seinem Können gemäß ausgeschmückt , hat Swarzenski erwogen, den Mönch Liutold mit dem Ranshofener Thesaurar gleichen Namens zu identifizieren. Diese These verfestigte sich dann zur Annahme einer Ranshofener Schreib- und Malschule, als deren Mittelpunkt man den von Mondsee nach Ranshofen übergewechselten Liutold ansehen wollte. In den letzten Jahrzehnten setzte sich jedoch mehr und mehr die Meinung durch, das Ranshofener Evangeliar sei mit einem Salzburger Skriptorium (am ehesten im Benediktinerstift St. Peter) in Verbindung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Salzburger Herkunft wird heute auch für eine dreiteilige lateinische Bibelhandschrift angenommen, von der bis vor kurzem nur die beiden ersten Bände mit Texten aus dem Alten Testament, die bei der Aufhebung Ranshofens nach München kamen (Clm. 23039, Clm. 12601), bekannt waren. Erst im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zur Reichersberger Chorherrenausstellung von 1984 fand Kurt Holter heraus, dass sich der dazugehörige dritte Teil mit dem Psalter und den Schriften des Neuen Testaments ebenfalls in Oxford befindet (Canon. Bibi. Lat. 76). Jeder der drei Bände ist mit verschieden gestalteten Federzeichnungs- oder Deckfarbeninitialen ausgeschmückt. Leider wurden einzelne von ihnen durch nachträgliche Übermalungen entstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den zahlreichen übrigen Ranshofener Handschriften des hohen Mittelalters (mit Werken der Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor dem Großen, ferner Schriften des Kirchenlehrers Isidor von Sevilla, der Symbolisten Rupert von Deutz, Hugo von St. Victor und Bernhard von Clairvaux sowie des der Frühscholastik nahestehenden Honorius Augustodunensis) hat Elisabeth Klemm die der Bayerischen Staatsbibliothek gehörenden eingehend untersucht und genau beschrieben. Für eine Reihe von ihnen nimmt sie mit Sicherheit eine Entstehung in Ranshofen an (Clm. 12608, Clm. 12613-12616, Clm. 12631, Clm. 12633, Clm. 12641 und Clm. 23603), für andere gilt ihr das zumindest als wahrscheinlich. So lässt dies auf den Bestand eines Skriptoriums seit der Einrichtung des Regularkanonikerstiftes schließen, in dem die meisten der weniger anspruchsvollen Gebrauchshandschriften hergestellt worden sein dürften. Nur für besonders repräsentative Kodizes scheint man auf qualitativ leistungsfähigere Werkstätten zurückgegriffen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Hinweis auf den frühen Verlust von Büchern erhalten wir aus einem Bericht der &amp;quot;Mattseer Annalen&amp;quot; über einen Überfall von Kriegsleuten des Passauer Bischofs auf Ranshofen, der dort zwar zum Jahr 1250 überliefert wird, höchstwahrscheinlich aber auf das Jahr 1242 anzusetzen ist. Damals sei das Kloster geplündert und die Pfarrkirche St. Michael in Brand gesteckt worden. Missalien und Bücher, welche der schulischen Unterweisung gedient haben, seien dabei zugrunde gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen freilich nur unvollständigen Überblick über den alten Ranshofener Bücherschatz vermittelt ein um die Mitte des 14. Jahrhunderts geschriebenes Fragment eines Bibliothekskatalogs, der nachträglich in einen Kodex mit der &amp;quot;Legenda aurea&amp;quot; des Jacobus de Voragine eingebunden worden ist (Clm. 12643, fol. 356). Die verzeichneten Handschriften sind in zwei Gruppen aufgegliedert. Zuerst wird eine Reihe von 89 Kodizes aufgezählt, von denen es heißt, sie würden oberhalb der Sakristei des Prälaten aufbewahrt, womit ein Hinweis auf die Lage der Bibliothek während des Mittelalters gegeben erscheint. Die zweite Gruppe wird als in einem langen Kasten befindlich beschrieben. Hier bricht die Reihe allerdings mitten im 21. Titel ab. Das folgende Blatt mit der Fortsetzung ist verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das bedeutendste Denkmal humanistischen Geistes, welches Ranshofen hervorgebracht hat, war wohl das über Anregung des Propstes Kaspar Türndl bereits 1517 hier begonnene &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; des bayerischen Historikers Aventin. Aventin selbst kennzeichnet seinen Versuch einer auf die Quellen zurückgehenden Geschichtsdarstellung im Sinne seines Lehrers Konrad Celtis in der Vorrede durch den Hinweis auf sein Studium der alten Urkunden, des Traditionsbuches und der Kodizes der Stiftsbibliothek. Dass seine Ergebnisse einer kritischen Überprüfung nicht immer standhalten, steht außer Frage. Dennoch war seine Arbeit maßgeblich für alle späteren Darstellungen der Geschichte Ranshofens. Eine Handschrift des Werkes gelangte nach der Aufhebung des Klosters in das OÖ. Landesarchiv nach Linz, eine weitere Abschrift als Geschenk des letzten Stiftsdechants Pankraz Hauser nach Reichersberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die humanistische Gesinnung von Propst Augustin I. Münich bezeugt die Widmungsschrift an den Propst zu den in Sophonias Pämingers &amp;quot;Poematum libri duo&amp;quot; von 1557 veröffentlichten Elegien seines Bruders Balthasar Päminger. Den reformatorischen Tendenzen der Zeit entsprechend nimmt es nicht wunder, wenn im Bericht der Passauer Diözesanvisitationskommission von 1559/60 am Büchervorrat Kritik geübt wird. Zwar fand man in der &amp;quot;Liberei&amp;quot; viele &amp;quot;guete katholische Authores&amp;quot;; aber in einem Stüblein wurden neben unverdächtigen Büchern auch elf Schriften mit protestantischem Inhalt entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit dem Neubau des Konventgebäudes unter den Pröpsten Philipp Vetterl und Simon Meier Mitte des 17. Jahrhunderts wurde ein neuer Bibliotheksraum im Südtrakt des Klosters eingerichtet. Der Ranshofener Stiftsdechant Hieronymus Mayr verfasste damals sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot;, ein zweibändiges Geschichtswerk über Ranshofen. Der erste Band ist in vier Teile gegliedert. Enthalten sind Angaben über den hl. Pankraz, über Gründer und Wohltäter von Kirche und Kloster, über die Lebensweise der Chorherren, aber auch Verzeichnisse der Konventsmitglieder aus älterer und jüngerer Zeit. Der abschließende vierte Teil bringt eine nach den Pröpsten geordnete Stiftsgeschichte bis 1634. Die Titelseite zeigt in Form einer Federzeichnung das Aussehen des Klosters nach der Erneuerung. Dieser Band ist heute im Besitz des OÖ. Landesarchivs. Die Fortsetzung dazu über die Jahre von 1635 bis 1665 befindet sich in der Bibliothek des [[Stift St. Florian|Chorherrenstiftes St. Florian]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Quelle für unsere Kenntnis der Ranshofener Bibliotheksgeschichte während des ausgehenden 17. Jahrhunderts ist ein &amp;quot;Inventarium der geistlichen Sachen des Stiftes Ranshofen&amp;quot;, das Propst Benno Meier anlässlich seiner Resignation 1687 anfertigen ließ. Es enthält neben Inventaraufschreibungen und zwei Namenskatalogen der Ranshofener Chorherren vor allem eine katalogartige Liste sämtlicher unter seiner Herrschaft angekauften Druckwerke (&amp;quot;Libri comparati&amp;quot;). Einige der genannten Bücher befinden sich heute in der Braunauer Studienbibliothek. Ranshofener Herkunft ist wohl auch für den dort ebenfalls vorhandenen Bericht über die Ranshofener 800-Jahr-Feier von 1699 (&amp;quot;Saeculum octavum&amp;quot;, Augsburg 1702) vorauszusetzen. Nach der Widmung an Propst Ivo Kurzbauer werden im ersten Teil die Texte der Predigten, die während des &amp;quot;Acht-tägigen hoch-feyerlichen Jubel-Festes&amp;quot; von verschiedenen Kanzelrednern gehalten wurden, abgedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
===Baugeschichte=== &lt;br /&gt;
Der älteste Kirchenbau in Ranshofen war die zwischen 896 und 898 durch Kaiser Arnulf errichtete und dem hl. Pankraz geweihte karolingische Pfalzkapelle. Eine in der älteren Forschung diskutierte noch frühere Marienkapelle ist quellenmäßig nicht zu belegen. Diese Pfalzkapelle wurde dann mehr als zwei Jahrhunderte später zur ersten Klosterkirche des Augustiner-Chorherrenstiftes umgewandelt. Bei seiner Einrichtung überließ der damals hier herrschende Bayernherzog den Regularkanonikern seine Kapelle für den Gottesdienst. Als Seelsorgekirche wurde daneben eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche gebaut. Leider ist von der alten Pfalzkapelle - ebenso wie von der Königs- beziehungsweise Herzogspfalz, zu der sie gehört hat - kaum mehr etwas erhalten geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grabungen, die der um die Archäologie der Umgebung von Braunau bemühte Maler Hugo von Preen zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Auftrag der k.u.k. Zentralkommission durchführte, blieben ohne nennenswerte Ergebnisse. Nur in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Stiftskirche stieß er auf Reste alter Grundmauern, die man mit der Pfalz in Verbindung bringen konnte. Im Zusammenhang mit einer Nachricht aus den „Mattseer Annalen&amp;quot; über die Zerstörung Ranshofens zum Jahr 1242, aus der hervorgeht, dass die Pfalz damals zwischen dem Kloster und der Pfarrkirche St. Michael gestanden war, hat Schiffmann dann aufgrund dieser Grabungen die Hypothese abgeleitet, die Pfalz sei westlich von der Pfalzkapelle, etwa an der Stelle, wo das Hauptschiff und der Turm der heutigen Kirche stehen, gelegen gewesen. Die Pfalzkapelle selbst aber - damals noch nicht größer als das jetzige Presbyterium - habe den Ostabschluss des Pfalzgebäudes gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Neubau des Chorherrenklosters oder eine Erweiterung des vorher ja schon anzunehmenden Säkularkanonikerstiftes nach 1125 ist naheliegend. Höchst fragwürdig erscheint allerdings eine Kirchweihnotiz für das Kloster und den &amp;quot;Pankrazaltar&amp;quot; (&amp;quot;monasterium et altare s. Pancratii&amp;quot;) von 1135. Sie nennt nämlich neben dem weihenden Bischof Reginbert von Passau den Kaiser Heinrich II., eine Reihe von Bischöfen und einen Herzog Heinrich von Bayern und Sachsen als Anwesende. Reginbert wurde allerdings erst 1138 Passauer Bischof (sein Vorgänger hieß Reginmar) und der Kaiser und die übrigen Bischöfe scheinen aus der verfälschten Urkunde Kaiser Heinrichs III. von 1040 übernommen zu sein. Nur Herzog Heinrich X. (der Stolze) von Bayern, der allerdings auch erst 1137 zusätzlich mit Sachsen belehnt worden war, käme als &amp;quot;Zeitzeuge&amp;quot; in Betracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach schweren Schäden, die Kirche und Kloster bei den kriegerischen Überfällen von 1242, 1250 und 1266 erlitten hatten, wurden beide wiederhergestellt und schließlich 1283 durch den Regensburger Bischof Heinrich neu eingeweiht. Die kunstgeschichtliche Forschung vermutet für die Kirche einen Bau im Stil der frühen Gotik. Reste von zwei säulentragenden Steinlöwen und drei Medaillonbilder an der südlichen Außenmauer des Chores, die stilistisch zu dieser Bauperiode gehören, lassen jedenfalls erkennen, dass beim spätgotischen Kirchenbau zu Beginn des 16. Jahrhunderts zumindest ein Teil des Mauerwerks übernommen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1337 stiftete der Braunauer Bürger Ulrich Schön eine Friedhofskapelle (Karner), die dem Hl. Geist und dem hl. Oswald geweiht wurde. Sie ist als achteckiger Tuffsteinbau mit spitzbogigem Portal und drei Fenstern erhalten geblieben. Im Inneren enden die von verschieden gestalteten Konsolen ausgehenden Rippen in einem Schlussstein mit großer Rose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Seelsorgekirche wurde 1474 von Propst Wolfgang der Grundstein zu einem gotischen Neubau gelegt. Auf den ältesten erhaltenen Abbildungen ist ihr Turm noch mit einem spitzzulaufenden Helm gedeckt. Als ältestes Element des Um- bzw. Neubaus der Stiftskirche ist die unter Propst Blasius Rosenstingl (1494-1504) neu gestaltete Marienkapelle (&amp;quot;Rosenkranzkapelle&amp;quot;) anzusehen, die später - als ostseitiger Abschluss des nördlichen Seitenschiffs - in die Konstruktion der Kirche einbezogen wurde. Von diesem unter Propst Kaspar Türndl (1504-15 26) errichteten spätgotischen Bau ist freilich heute kaum mehr etwas zu erkennen, wenn man von der schlichten Außenerscheinung mit den glatt geputzten Wänden, dem Tuffsockel und den dreifach gestuften Stützmauern des Langhauses absieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Inneren ist die gotische Baukonstruktion fast zur Gänze durch die Umformungen der Barockzeit verdeckt. Nur das einfache Kreuzrippengewölbe des oberen Konventchores oberhalb der Sakristei ist vom Kirchenschiff aus noch sichtbar. Im Hinblick auf die der gleichen Bauperiode angehörenden Bauten der Ranshofener Filialkirchen in Neukirchen/Enknach und Hochburg, vor allem aber der Bürgerspitalskirche in der nahen Stadt Braunau, die als inkorporierte Pfarre ja ebenfalls an das Stift gebunden war, spricht Brucher in seiner Darstellung der &amp;quot;Gotik in Österreich&amp;quot; von einer Innviertler Bautengruppe, die nachhaltig im künstlerischen Ausstrahlungsbereich des Hans von Burghausen stand. Eine Nähe solcher Tendenzen wird man für die Stiftskirche selbst zumindest hypothetisch voraussetzen dürfen, auch wenn der Nachweis dafür nur schwer zu erbringen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild der baulichen Entwicklung Ranshofens ist in den folgenden Jahren von der Barockisierung geprägt, die in mehreren Phasen vor allem dem Innenraum der Stiftskirche ein völlig neues Aussehen verlieh. Die ersten Ansätze dazu sind schon für die Zeit von Propst Hilarius Steyrer (1610-1620) überliefert. Zu großen Veränderungen kam es unter seinem Nachfolger, Propst Philipp Vetterl (1620-1634). 1621 war der Turm der Stiftskirche eingestürzt. In der Folge ließ der Propst - er wird in der Grabinschrift als &amp;quot;architectus insignis&amp;quot; gerühmt - einen neuen bauen, der allerdings weiter nach Westen verlagert wurde, da man zwischen Turm und Kirchenschiff eine halbrunde Westkonche einschob. Diese diente der Errichtung einer Musikempore, auf der eine damals neu angeschaffte Orgel aufgestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1624 begann Propst Philipp auch noch mit der Erneuerung des Stiftsgebäudes, wofür er aus Italien Maurer berief (&amp;quot;ex Italia murarios conducens&amp;quot;). Im Stadium seines vollen Ausbaus, wie es Ansichten aus der Zeit nach 1700 sichtbar machen, bestand das Kloster mit seinen Nebengebäuden aus drei in Nord-Süd-Richtung aneinander anschließenden Gevierten: dem Konventgebäude mit der Prälatur, der Dekanei und der Bibliothek, einem verbindenden Zwischengebäude und dem Meierhof mit dem Bräuhaus. Nach Osten zu waren verschiedene Gärten angelegt (der Blumengarten, der Konventgarten, der Baumgarten und der sogenannte &amp;quot;Kuchelgarten&amp;quot;). Das Ganze wurde von einer Einfriedungsmauer mit einem Torturm umschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1650 standen davon nur der unter Propst Philipp erbaute Konventtrakt und der Meierhof, den Propst Philipps Nachfolger, Propst Simon Meier (1634-1665), neu errichten ließ. Als Baumeister hat Martin dafür einen Bartolomeo Viscardi ausfindig gemacht, der sich in einem Kommissionsprotokoll der Jesuitenkirche in Burghausen als &amp;quot;Stift Ranshofenscher Baumeister&amp;quot; bezeichnet. Schon vorher nannte Schiffmann einen Kaspar Regeton, der 1624/25 auch am Stiftsneubau in Reichersberg beteiligt war. Ulm hat ihn als einen Kaspar Righettoni aus Castenada im Misoxtal in Graubünden identifiziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verbindungstrakt zwischen Konventgebäude und Meierhof entstand erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts, ebenso ein westlich von der Stiftskirche ausgeführter Gasttrakt. Die umfangreichsten Veränderungen an der Stiftskirche wurden unter Propst Ivo Kurzbauer (1687-1715) im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 vorgenommen. Abgesehen von der großzügig erneuerten Innenausstattung kam es zu zahlreichen Eingriffen in die Bausubstanz der Kirche, die alle dem Zweck dienen sollten, den Innenraum in Einklang mit dem barocken Gesamtbild zu bringen. Dazu gehörten vor allem eine Erweiterung der Fensterflächen, das Abtragen einiger Pfeiler, die von außen das Kircheninnere verfinsterten, und schließlich im Chor die Konstruktion einer in den Dachraum hineinragenden Kuppel, um so dem neuen Hochaltar eine entsprechende Höhenausdehnung zu ermöglichen. Propst Ivo begann auch noch mit dem Bau eines neuen Turmes mit barockem Helm für die Pfarrkirche [[St. Michael]], der unter seinem Nachfolger, Propst Augustin II., nach 1715 fertiggestellt wurde. 1799 wurde diese Kirche jedoch zur Gänze abgetragen. Das dabei freigewordene Material verwendete man zum Ausbau der Festung Braunau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert wurden nach der Aufhebung und der damit verbundenen Profanierung des Stiftes der nördliche und der östliche Teil des Konventgebäudes abgetragen. 1859 brannte der Turm der ehemaligen Stiftskirche aus, wobei die Barockorgel völlig zerstört wurde. Die spitze Helmform, welche der Turm beim Wiederaufbau erhielt, könnte als unbeholfener Versuch einer Regotisierung gemeint gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildende Kunst=== &lt;br /&gt;
Abgesehen von den kunstgeschichtlich wertvollen romanischen Handschriften sind nur ganz wenige mittelalterliche Denkmäler der bildenden Kunst aus Ranshofen erhalten geblieben. Zu nennen sind hier zunächst jene drei Medaillonbilder im sogenannten &amp;quot;Rollgang&amp;quot; an der südlichen Außenmauer des Chores der ehemaligen Stiftskirche vom Beginn des 14. Jahrhunderts. Sie wurden in der älteren Literatur als Apostelköpfe gedeutet, zuletzt wurde auch erwogen, ob man sie nicht mit einer Notiz Aventins in Zusammenhang bringen könnte, nach der die Bischöfe Reginbert von Passau und Heinrich von Regensburg auf Fresken dargestellt waren. Dem gleichen Zeitabschnitt sind stilistisch jene zwei säulentragenden Portallöwen aus Ranshofen zuzuordnen, die heute die Besuchergarderobe im Braunauer Bezirksmuseum behüten. In der Stiftskirche selbst ist noch die schön gestaltete gotische Grabplatte des Propstes Blasius Rosenstingl, die dem Salzburger Bildhauer Hans Valkenauer zugeschrieben wird, zu sehen. Rosenstingls Verehrung der Gottesmutter - er hat ja auch den Neubau der Marienkapelle durchgeführt - findet darauf in einer Darstellung der hl. Maria, die von zwei musizierenden Engeln begleitet wird, beredten Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Umkreis der Ranshofener Filialkirchen wären noch zwei qualitativ hervorragende Holzreliefs mit Darstellungen des Marientodes in Hochburg (um 1490) und in Neukirchen/Enknach (um 1510) hervorzuheben sowie eine Monstranz aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert, die der heutigen Pfarrkirche in Handenberg gehört, ferner der &amp;quot;Bäckeraltar&amp;quot; in der Braunauer Stadtpfarrkirche. Obwohl für die Zeit des beginnenden Barock mehrfach über Altarerneuerungen in Ranshofen berichtet wird, ist kaum etwas namhaft zu machen, was aus dieser Periode an kunstgeschichtlich Bedeutsamem erhalten wäre. In jüngerer Zeit hat allerdings Lipp die Herkunft einer im Braunauer Bezirksmuseum aufgestellten Holzplastik aus Ranshofen aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts von einem Ranshofener Altarwerk zur Diskussion gestellt. Diese wollte man aufgrund der Krone und der Reichsinsignien früher als eine Darstellung des Kaisers Arnulf ansehen. Lipp deutete sie als den heilig gesprochenen Kaiser Heinrich II., der ja im klostereigenen Geschichtsverständnis einen besonderen Stellenwert einnahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge mit einem Altarwerk der Stiftskirche werden auch für Holzplastiken des hl. Pankratius und vier Engelfiguren aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts vermutet, die heute als Aufsatzfiguren der Orgel dienen. Zwei herausragende Stücke kunstgewerblicher Arbeit sind schließlich noch die Monstranz und der Kelch, welche 1682 durch Propst Benno Meier bei dem Augsburger Goldschmied Georg Reischle in Auftrag gegeben wurden. Beide Geräte sind aus Silber gefertigt, teilweise vergoldet und mit Halbedelsteinen geschmückt. Zahlreiche Emailmedaillons mit Szenen aus dem Leben Christi gehören zur künstlerischen Ausstattung des Ensembles. Dazu kommen weitere Medaillons mit Grisaillebildern der Rosenkranzgeheimnisse, welche das herzförmige Fenster der Monstranz einrahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erscheinungsbild, das heute den Besucher der ehemaligen Stiftskirche in Ranshofen empfängt, ist geprägt von der großzügigen Umgestaltung, welche das Innere im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 erfahren hat. Dies gilt sowohl von den damals neu aufgestellten Altären als auch von den Deckenfresken im Haupt- und im nördlichen Seitenschiff. Die Bilder des monumental wirkenden Hochaltars, die Enthauptung des hl. Pankraz und darüber (als Aufsatzbild) die hl. Dreifaltigkeit darstellend, stammen von dem in Braunau geborenen bayerischen Hofmaler Johann Kaspar Sing. Sie werden von einem Aufbau aus gewundenen Säulen, Akanthusranken und einer Reihe von Heiligenfiguren eingerahmt, der dem Braunauer Bildhauer Sebastian Hagenauer zugeschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein genaueres Hinsehen verdient die Deckengestaltung mit der Stukkaturverzierung und den beiden Freskenzyklen zur Pankrazvita (im Chor und im Hauptschiff) und zum Marienleben (im nördlichen Seitenschiff). Das Besondere daran sind eine Fülle kleiner Emblembilder, die um die erzählenden Hauptbilder herum gruppiert sind und das dort dargestellte Geschehen kommentieren bzw. erläutern, eine Darstellungsform, die sich im Hochbarock einer gewissen Beliebtheit erfreute und der zahlreiche Handbücher gewidmet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reihe der Pankrazbilder etwa beginnt im Chorraum über dem Hochaltar mit einem Mittelbild, das die Unterweisung des jungen Pankraz durch den Papst zeigt. In zwei kleineren, flankierenden Seitenbildern wird die Landung des aus Phrygien stammenden Jünglings mit seiner Begleitung in Ostia bzw. der Empfang der Reisegruppe am Tor des päpstlichen Palastes geschildert. Die dazugehörenden Emblembilder zeigen eine Uhr, eine Sonnenblume, eine Feuerwerksrakete und eine Nachteule. Die Uhr, deren im Gehäuse verborgenes Werk die Zeiger treibt, symbolisiert die geheime Kraft, die den jungen Pankraz auf seine Reise trieb. Die Sonnenblume, die sich sogar der hinter Wolken versteckten Sonne zuwendet, verweist auf den Weg zum Glauben, den er auch durch Hindernisse unbeirrt geht. Die brennend zum Himmel aufsteigende Feuerwerksrakete ist ein Bild für den Feuereifer, mit dem der junge Mann seinen Weg zu Gott sucht. Die Nachteule schließlich, die von der aufgehenden Sonne vertrieben wird, zeigt seine Erleuchtung durch den päpstlichen Religionsunterricht an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer dieses komplizierte Bildprogramm entworfen hat, wissen wir nicht. Am ehesten ist an Propst Ivo Kurzbauer selbst zu denken. Die Ausführung der Bilder schreibt Martin in der Kunsttopographie des Bezirkes Braunau aufgrund einer Eintragung in den Ehematriken der Ranshofener Kirche dem Laienbruder Christof Lehrl aus dem bayerischen [[Chorherrenstift Högelwörth]] zu. Lehrl wird dort zusammen mit zwei Stukkateuren als Trauzeuge bei der Hochzeit des Malers Josef Pöckl aus Teisendorf, der später in Uttendorf ansässig war, genannt. Dass dieser Pöckl auch an den Fresken mitgemalt haben dürfte, ist Martin entgangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Signatur &amp;quot;I.P.&amp;quot; bei einem der Fresken des Seitenschiffs könnte aber mit &amp;quot;Iosephus Pöckl&amp;quot; aufzulösen sein. Dieses Monogramm findet sich übrigens auch bei einem der &amp;quot;Autorenbilder&amp;quot;, mit denen zur gleichen Zeit die Decke der Bibliothek im Konventtrakt ausgeschmückt wurde, wieder. Unter Propst Augustin II. Pariser wurde um 1730 die Rosenkranzkapelle mit Fresken ausgeschmückt, in den letzten Jahrzehnten des Bestehens des Chorherrenstiftes ist dann noch die Ausgestaltung von Teilen des Prälatentraktes mit Stuckverzierung von Johann Baptist Modler aus Kößlarn hervorzuheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikpflege==&lt;br /&gt;
Die einzige zur Gänze erhaltene mittelalterliche Musikhandschrift aus dem Chorherrenstift Ranshofen ist ein &amp;quot;Breviarium sive ordo&amp;quot; genannter Kodex des 13. Jahrhunderts in München (Bayerische Staatsbibliothek, Clm. 12635 B). Sie verzeichnet und erläutert die Reihenfolge der Gesänge für das Stundengebet und die Messe für die einzelnen Festtage im Verlauf des Kirchenjahres. Als Vorlage des Ranshofener Kodex ist ein &amp;quot;Ordinarium&amp;quot; des Salzburger Domstiftes aus dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts anzusehen (Universitätsbibliothek Salzburg, Cod. M II 6). Über weite Strecken textgleich mit der Ranshofener Handschrift ist außerdem der Vorauer Cod. 99, der ebenfalls dem 13. Jahrhundert angehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonderes Interesse seitens der Wissenschaft fand in diesen miteinander verwandten Handschriften die Aufzeichnung der &amp;quot;Visitatio sepulcri&amp;quot;, eines gesungenen geistlichen Spiels innerhalb der Osternachtsliturgie, in dem der Besuch der Frauen am Grabe Jesu, ihre Botschaft an Petrus und Johannes und deren Wettlauf zum leeren Grab in einer sehr zeremoniösen Weise dargestellt werden. Den Schluss bildet das vom Volk gesungene deutschsprachige Osterlied &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht in dieser sogenannten &amp;quot;Liturgischen Osterfeier&amp;quot; eine wesentliche Wurzel für die Entwicklung des mittelalterlichen Dramas. Aus inzwischen verlorengegangenen mittelalterlichen Liturgiebüchern hat schließlich noch im 17. Jahrhundert Hieronymus Mayr die Texte einer Sequenz (&amp;quot;Ante thronum majestatis&amp;quot;) und eines spätmittelalterlichen Reimoffiziums zum Pankrazfest in sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; kopiert. Schon für diesen Zeitraum ist eine intensive Musikpflege innerhalb der Stiftsschule vorauszusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der musikalischen Theorie, die im Rahmen der Unterweisung aus den &amp;quot;Sieben freien Künsten&amp;quot; vermittelt wurde, erfuhren die Klosterschüler eine gründliche Schulung in der Praxis des Singens, sodass sie beim Gottesdienst die Chorherren unter stützen, manchmal sogar vertreten konnten. Seit dem 16. Jahrhundert lassen sich dann auch für die Musikpflege in Ranshofen Erscheinungen beobachten, die mit der Ausbreitung der humanistischen Bewegung in Zusammenhang stehen. So traten in der Klosterschule an die Stelle des geistlichen &amp;quot;Scholasticus&amp;quot; weltliche Lehrer, die zusammen mit ihren Schülern auch in der Kirche sangen, wobei die mehrstimmigen Musikformen der Renaissance rasch in das Repertoire eindrangen. Die Wurzeln dafür kann man bis in die Regierungszeit des Propstes Kaspar Türndl zu rückverfolgen. Er ließ für die „Präbendisten&amp;quot; - die auf Kosten des Stiftes ausgebildeten Sängerknaben - eine eigene Unterkunft erbauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger, Propst Augustin Münich, wirkte hier vor 1550 ein Magister Johann Kappenstill als Lehrer, der später als Stadtschreiber in Passau im Umkreis des dortigen Humanismus große Wertschätzung genoss und zum Freundeskreis um Leonhard Päminger gehört hat. Seinem Nachfolger, Magister Stephan Vokenrieder, hat Päminger sogar zwei Spruchmotetten gewidmet, die später in die gedruckte Ausgabe der Pämingerschen &amp;quot;Cantiones ecclesiaticae&amp;quot; aufgenommen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein umfassendes Bild der schulischen Verhältnisse in Ranshofen um die Mitte des 16. Jahrhunderts vermittelt das Passauer Visitationsprotokoll von 1559/60. Der &amp;quot;cantor&amp;quot; hielt sich zur Zeit der Kirchenvisitation überhaupt von den Musikaufführungen fern (singt nicht zu Chor). Mit den Schülern, welche er unterrichtete, sang er jedoch regelmäßig vor Beginn des Unterrichts das &amp;quot;Veni, sancte Spiritus&amp;quot; und das &amp;quot;Veni creator&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den &amp;quot;scholasticus&amp;quot; erfahren wir, dass er mit den Schülern eine &amp;quot;Comoedia de coena Domini&amp;quot; (&amp;quot;Spiel vom Herrenmahl&amp;quot;) aufgeführt habe: ein Hinweis auf die Pflege des Schultheaters in Ranshofen. Die Größe der Stiftsschule wird daran erkennbar, dass neben dem Schulmeister und dem Kantor noch ein Magister Thomas Winter genannt wird. Er wird als &amp;quot;ludirector&amp;quot; bezeichnet, hatte also wohl neben dem Schuldienst auch noch die Leitung der Kirchenmusik zu versehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Musikrepertoire sind wir leider nur sehr bruchstückhaft informiert. Vorauszusetzen ist die fortlaufende Pflege des Gregorianischen Chorals. Daneben werden verschiedene protestantische Gemeindelieder genannt, die zunächst wohl einstimmig, fallweise vermutlich von der Schulkantorei in mehrstimmigen Sätzen gesungen wurden, in denen sie schon sehr früh Verbreitung gefunden hatten. Gewiss sang man daneben aber auch mehrstimmige lateinische Messkompositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Orgel hat es damals hier ebenfalls schon gegeben, denn im Visitationsbericht wird bereits ein Organist unter den Klosterdienern aufgezählt. Die noch in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts einsetzende Gegenreformation beginnt dann das Erscheinungsbild des Schulwesens und der Musikpflege alsbald zu verändern. In einer staatlichen Schulordnung von 1569 wurde für die Lateinschulen wieder das Singen der alten Choralweisen vorgeschrieben. Die gefälschten Psalmen und Lieder - gemeint sind die protestantischen Kirchenlieder - wurden aus Kirche und Schule verbannt. Ein Zeugnis dieser vorerst nur zögernd einsetzenden Entwicklung ist für Ranshofen der Visitationsbericht des römischen Kurienkardinals &amp;quot;Commendone&amp;quot; aus dem Jahre 1569. Nach ihm unterrichteten damals immer noch drei Lehrer etwa achtzig Schüler aus Grammatik und Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chorherren sangen das Offizium schön und mit Andacht auf dem alten Konventchor oberhalb der Sakristei. Während der Woche wurde die Messe nur gelesen. An Sonn- und Feiertagen jedoch sangen sie die Chorknaben in der Pfarrkirche St. Michael. Eine weitere wichtige Umstellung des Schulwesens erfolgte zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Nach dem Vorbild der Jesuitengymnasien übernahm jetzt wieder ein Geistlicher die Leitung der Schule und das Amt des &amp;quot;regens chori&amp;quot;. Weltliche Lehrer sind fortan nur noch in untergeordneter Stellung anzutreffen. Der erste geistliche Chorregent in Ranshofen, den wir dem Namen nach kennen, ist der spätere Propst Philipp Vetterl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; berichtet von argen Missständen, die damals im Kloster geherrscht hätten. So habe Frater Philippus das Offizium, besonders die abendliche Vesper, häufig mit den Chorknaben allein gesungen, während sich die übrigen Stiftsangehörigen in Wirtshäusern und Spelunken herumgetrieben hätten. Nach seiner Wahl zum Propst begann er jedoch zielstrebig das Kloster zu erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1622 wurde auf der neugebauten Musikempore der Stiftskirche eine neue Orgel aufgestellt. Noch die Grabinschrift des Propstes rühmt das Werk wegen der Größe der Pfeifen und der Lieblichkeit seines Klanges. Um die Mitte des 17. Jahrhund erts wirkte [[Sebastian Widerstain]] als Stiftsorganist in Ranshofen. Nach einem Musikalienkatalog des Münchener Buchhändlers Paul Parsdorffer gab er eine Sammlung von &amp;quot;Miserere&amp;quot; für vier bis acht Singstimmen, zwei Violinen und Orgel im Druck heraus, denen noch eine &amp;quot;Lauretanische Litanei&amp;quot; hinzugefügt ist. Die Besetzung der leider nirgends erhaltenen Sammlung Widerstains zeigt, dass damals bereits Musikformen des Frühbarock mit selbständig geführten instrumentalen Begleitstimmen im Raum Ranshofen verbreitet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1699 wurde zum 800-Jahr-Fest des Bestehens der Pankrazkapelle im oberen Konventchor eine kleine Chororgel aufgeste llt. Das musikalische Programm der Gottesdienste, die im Verlauf der eine Woche dauernden Festlichkeiten stattfanden, ist leider nicht im Detail überliefert. Von Biber ist in Kremsmünster die Abschrift einer &amp;quot;Missa Sti. Henrici&amp;quot; erhalten. Es ist nicht auszuschließen, dass sie in diesem Zusammenhang von Ranshofen in Auftrag gegeben worden ist, verehrte man doch damals den heiligen Kaiser Heinrich II. - wenn auch nur irrtümlich - als einen der Gründer des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vierteljahrhundert später begegnet in [[Wilhelm Ganspeckh]] (1687-1770) der erste und gleichzeitig einzige Ranshofener Chorherr, der nachweisbar auch als Komponist tätig gewesen ist. Der Vater und zwei seiner Brüder waren unter Kurfürst Max Emanuel Musiker an der Bayerischen Hofmusikkapelle. Nach seinen Studien und der Priesterweihe war er lange Zeit Chorregent im Kloster. Von seinen musikalischen Werken ist einzelnes erhalten geblieben, vor allem ein Druck mit acht Messen und einem Requiem, der 1724 unter dem Titel &amp;quot;Octiduum sacrum&amp;quot; erschienen ist. Als zweiter Teil sind noch zwölf Offertorien angehängt. Die Messen sind nach den Altarheiligen der Stiftskirche benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Sekundiz des letzten Ranshofener Propstes Johann Nepomuk Kierl wurde 1805 noch eine eigens dafür komponierte Kantate (&amp;quot;Heut möge jede Brust das mächtige Gefühl der Freude schwellen&amp;quot;) eines unbekannten Komponisten aufgeführt, deren Partitur erhalten ist. Sie ist das letzte Zeugnis der Musikpflege im Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien== &lt;br /&gt;
Das Ranshofener Stiftsarchiv enthielt seinerzeit eine große Zahl von Originalurkunden, dazu mehrere Kopialbücher, andere Handschriften und sonstige Akten. Das meiste davon kam bei der Aufhebung 1811 nach München in das jetzige Bayerische Hauptstaatsarchiv. Kleinere Aktenbestände befanden sich außerdem im Staatsarchiv in Landshut, wurden von dort aber in der Zwischenzeit ebenfalls an das Hauptstaatsarchiv in München abgegeben. Nur weniges ist im Ranshofener Pfarrhof zurückgeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die älteste erhaltene Urkunde ist die von Kaiser Arnulf über die „Verleihung&amp;quot; der Pfalzkapelle an den Priester Ellimprecht (Bayr. HStA München, Kaiserselekt 87 = Ranshofen Urk. 1) aus dem Jahr 898. Sie muss seit der Karolingerzeit durchgehend an der Pankrazkirche aufbewahrt worden sein. Im Bayerischen Hauptstaatsarchiv befindet sich auch die Urkunde Herzog Heinrichs IX. von 1125, der sogenannte „Stiftbrief&amp;quot; des Augustiner-Chorherrenklosters (Ranshofen Urk. 2), neben weiteren Königs- und Herzogsurkunden. Auch päpstliche Privilegien für Ranshofen liegen dort auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Handschriften des Archivs ist jene des alten Traditionskodex seit der Aufhebung des Klosters leider verschollen. Die einzige auf das Originalmanuskript zurückgehende Textedition ist die der &amp;quot;Monumenta Boica&amp;quot; von 1764. Diese Textform wurde dann 1852 im ersten Band des Urkundenbuches des Landes ob der Enns neuerlich abgedruckt. Etwa gleichzeitig fand der St. Florianer Chorherr [[Jodok Stülz]] im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr eine große Zahl von Traditionen, die Mayr um 1650 aus dem Traditionskodex kopiert hatte. Ein Reihe von weiteren Notizen sind darin in regestenartiger Form wiedergegeben. Diese Überlieferung wertete Konrad Schiffmann 1905 in einer Neuedition aus und erläuterte seine daraus abgeleiteten Erkenntnisse in einer ausführlichen Einleitung. Zum einen kann man nämlich aus dem Vergleich der verschiedenen Überlieferungen erkennen, dass im Monumenta-Boica-Text eine Reihe von Notizen ausgelassen wurden. Zum anderen lassen sich aus den von Mayr gemachten Angaben über die Folien, auf denen er die einzelnen Traditionen gefunden hatte, wertvolle Hinweise auf die ursprüngliche Zusammensetzung des Kodex gewinnen. Dabei wird deutlich, dass die Handschrift aus mehreren vorerst voneinander unabhängig bestehenden Lagen schließlich zu einem Kodex verbunden wurde. Einzelne Lagen erscheinen hinsichtlich der Chronologie falsch aneinandergereiht. Außerdem begegnen die Notizen der ersten Lage in einem späteren Teil ein zweites Mal, wobei die älteste Lage mit der Notiz über die vom Bayernherzog Welf II. getätigte Schenkung von Besitzungen in Handenberg an die Pankrazkirche und die als zugehörige Filialkirche zu denkende Jakobikapelle in Handenberg (Schiffmann II 1, um 1110) eröffnet worden sein dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den erhalten gebliebenen Handschriften des Archivs ist das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes Konrad I. von 1277/1303 die wichtigste (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Ransh. Lit. 1). Sie enthält neben den beiden - bereits oben im Abschnitt über die wirtschaftliche Entwicklung gestreiften - Urbaren zwei Kopialbücher mit wichtigen Urkundenabschriften. Die vier Teile wurden vermutlich erst im 17. Jahrhundert zu einem Kodex zusammengebund en. Die beiden Kopialbücher enthalten wertvolle Zeugnisse zum Ranshofener Urkundenwesen, darunter Kopien von heute verschollenen Originalurkunden, wie etwa die Abschriften jener beiden Urkundentexte, die als verfälschte Fassungen eines Diploms Kaiser Heinrichs III. für Ranshofen anzusehen sind. Auf fol. 47ff. finden sich Angaben über verschiedene Altarweihen, die Schiffmann im Anhang seiner Ranshofener Baugeschichte publiziert hat (&amp;quot;Die Kirchweih-Chronik von Ranshofen&amp;quot;). Zwei weitere Kopialbücher schrieb am Beginn des 15. Jahrhunderts der Chorherr [[Christian Perger]] aus Eggenfelden (Ransh. Lit. 4 bzw. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein von Propst Philipp Vetterl 1623 angelegtes Urkundenbuch befindet sich im Braunauer Stadtpfarrkirchenarchiv. Es enthält zunächst Kopien von Urkunden, die sich auf die Braunauer Stadtpfarre St. Stephan beziehen, im weiteren Verlauf sind auch andere Stiftungen zugunsten des Klosters oder seiner Filialkirchen in den Text aufgenommen. Zum Archivbestand haben wohl auch der Bericht des Propstes Benno Meier über die niederösterreichischen Besitzungen von 1670 und das von ihm angelegte &amp;quot;Inventarium&amp;quot; von 1665/1687 gehört (vgl. oben die Abschnitte &amp;quot;Wirtschaftliche Verhältnisse&amp;quot; und &amp;quot;Bibliothek&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Bernhard Bischoff: Die südostdeutschen Schreibschulen der Karolingerzeit. Band 2. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Gotische Baukunst in Österreich. Salzburg 1990.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
* Rudolf Guby: Die Kunstdenkmäler des oberösterreichischen Innviertels. Wien 1921.&lt;br /&gt;
* Siegfried Haider: Zum Problem karolingischer Pfalzen in Oberösterreich. In: Baiern, Ungarn und Slawen im Donauraum. Hg. von Willibald Katzinger / Marckhgott, Gerhart. Linz 1991 (Forschungen zur Geschichte der Städte und Märkte Österreichs, 4), S. 11–16.&lt;br /&gt;
* Peter Herde: Ranshofener Urkundenstudien. In: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte 24 (1961), S. 183–228. [http://periodika.digitale-sammlungen.de/zblg/kapitel/zblg24_kap8 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die mittelalterliche Buchkunst der Chorherrenstifte am Inn. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 205–231.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Klemm: Die romanischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München. Teil 1: Die Diözesen Regensburg, Passau und Salzburg. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Sigrid Krämer: Die Bibliothek von Ranshofen im frühen und hohen Mittelalter. Band 2. In: The Role of Book in Medieval Culture. Hg. von Peter Felix Ganz. Turnhout 1986 (Bibliologia Elementa ad Librorum Studia Pertinantia, 4), S. 41–72.&lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme der Chorherrenkirche in Ranshofen. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 6 (1966), S. 179–219.&lt;br /&gt;
* Wilfried L. Lipp: Das ehemalige Augustiner Chorherrenstift Ranshofen - Ein Beitrag zur Kunstgeschichte. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, 149–160.&lt;br /&gt;
* Walther Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften des deutschen Sprachgebietes. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 7 (1971), S. 7–102.&lt;br /&gt;
* Alfred Marks: Oberösterreich in alten Ansichten. Linz 1968.&lt;br /&gt;
* Franz Martin (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Braunau. Wien 1947 (Österreichische Kunsttopographie, 30).&lt;br /&gt;
* August Prenninger: Hinweise zur Bevölkerungsstruktur Ranshofens vom Mittelalter bis zur Bauernbefreiung 1848. In: Rantesdorf 788-1988, 1200 Jahre Ranshofen. Ausstellung vom 28. Mai bis 17. Juli 1988. Hg. von Walter Pilshofer / Rudolf Schmidt. Braunau am Inn 1988, S. 39–44.&lt;br /&gt;
* [[Franz Xaver Pritz]]: Geschichte des aufgelassenen Stiftes der regulirten Chorherren des heiligen Augustin zu Ranshofen in Oberösterreich. In: Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen 17 (1857), S. 327–435. [https://books.google.at/books?id=U5YJAAAAIAAJ&amp;amp;vq=pritz&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA327#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Baugeschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Archiv für die Geschichte der Diözese Linz 5/1 (1908), S. 3–26.&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Aufhebung des Stiftes Ranshofen. In: Unterhaltungsbeilage der Linzer Tages-Post, Nr. 42, Jg. 1911 (15. Oktober 1911).&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Ranshofener Stiftsschule im Zeitalter des Humanismus und der Reformation. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 117 (1972), S. 199–212. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_117a_0199-0212.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Musik im Stift Ranshofen. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 120 (1975), S. 67-110 [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_120a_0067-0110.pdf (Digitalisat)]; 121 (1976), S. 179–222. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_121a_0179-0222.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Überlieferung der Ranshofener Traditionen. Vorbemerkungen zu einer künftigen Neuedition In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 16 (1990), S. 5–16. [https://www.ooegeschichte.at/fileadmin/media/migrated/bibliografiedb/mooela_16_0005-0016.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Das Ranshofener Evangeliar in Oxford (Manuscript Canonici Bible Latin 60 der Bodleian Library). Ranshofen 2012.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in den jüngeren Teilen des Ranshofener Traditionskodex. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 22 (2011), S. 291–320.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in Notizen aus dem ältesten Teil des Ranshofener Traditionskomplex. Zum Erscheinen der Schiffmann-Ausgabe vor 100 Jahren. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 21 (2008), S. 107–142.&lt;br /&gt;
* Hubert Schopf: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen am Inn im Mittelalter 1125–1426. Diss. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1985.&lt;br /&gt;
* Max Schrott: Die Conföderationen unserer Stifte. In: In Unum Congregati 5 (1985), S. 123–154.&lt;br /&gt;
* Georg Swarzenski: Die Salzburger Malerei von den ersten Anfängen bis zur Blütezeit des romanischen Stils. Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
* Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 245–294.&lt;br /&gt;
* Margareta Vyoral-Tschapka: Die Klosteranlage des ehemaligen Augustiner Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege Oberösterreich 160: Festschrift für Georg Heilingsetzer zum 70. Geburtstag (2015), S. 577–616.&lt;br /&gt;
* Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert. Köln 1975 (Kölner historische Abhandlungen, 24).&lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Königsherzogsgut in Oberösterreich. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 3 (1954), S. 101–145.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Zur Rechtsgeschichte des Stiftes Ranshofen und seiner Pfarreien. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 161–170.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Ranshofen</title>
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		<updated>2022-07-14T08:06:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Neuzeit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1125&lt;br /&gt;
|Datum bis=1811/10/28&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis Ende des 18. Jahrhunderts)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=&amp;quot;curtis rantesdorf&amp;quot;, Hof Rantesdorf (788)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Pankraz, hl. Michael, hl. Jungfrau Maria&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte== &lt;br /&gt;
===Vorgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Errichtung des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen kurz vor oder im Jahr 1125 knüpfte an Voraussetzungen an, die durch eine damals schon Jahrhunderte währende Geschichte gegeben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen war zunächst ein Hof der bayerischen Agilolfingerherzöge, deren letzter, der unglückliche Tassilo III., im gleichen Jahr durch Karl den Großen seine Herrscherwürde einbüßte, in dem Ranshofen – als &amp;quot;Rantesdorf&amp;quot; – erstmals im Licht einer geschichtlichen Nachricht erscheint. Unter den Nachfolgern Karls des Großen wurde Ranshofen eine königliche Pfalz, ein Ort, der dem Herrscher als Aufenthalt und Verwaltungsstützpunkt diente. Kaiser Arnulf, einer der letzten ostfränkischen Karolinger, ließ hier zwischen 896 und 898 eine dem hl. Pankraz geweihte Kapelle erbauen und stattete sie mit Besitzungen, liturgischen Geräten, kostbaren Glasfenstern und Tapisserien sehr großzügig aus. Ein Priester Ellimprecht – wohl ein Mitglied der kaiserlichen Hofkapelle – erhielt die neu errichtete Pfalzkapelle zunächst als Lehen übertragen. Mit einer Urkunde vom 17. Oktober 898 wandelte Kaiser Arnulf dieses Lehen dann in ein freies Eigentum des Priesters Ellimprecht um. Nach dessen Tod sollte alles dem von Arnulfs Vater in Alt-Ötting gegründeten Säkularkanonikerstift zufallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Monate später fertigte Arnulf dann zugunsten der Ranshofener Pankrazkapelle eine weitere Urkunde aus, die allerdings nur in mittelalterlichen Abschriften überliefert wird. An ihrem Text fällt auf, dass vom Priester Ellimprecht nun keine Rede mehr ist. Als Empfänger der gegebenen Güter erscheinen vielmehr &amp;quot;die Kleriker, die dort den Gottesdienst verrichten&amp;quot;. Aus dieser Formulierung hat man auf die nachträgliche Gründung eines Säkularkanonikerstifts in Ranshofen schließen wollen, über dessen Bestand sonst jedoch keine Nachrichten existieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das weitere Schicksal der Pfalz mit der dazugehörigen Pankrazkapelle ist dann nämlich über Jahrzehnte hinweg völlig ungewiss. Wir wissen nicht, ob schon Herzog Arnulf aus dem Geschlecht der Luitpoldinger, der nach dem Tod von König Ludwig (&amp;quot;dem Kind&amp;quot;) 911 die Herrschaft über Bayern an sich gerissen hatte, im Zuge seiner Enteignungen von Kirchengütern die ursprünglich vorgesehene Schenkung der Ranshofener Kapelle an das Stift Alt-Ötting wieder rückgängig gemacht hat oder ob das Abhängigkeitsverhältnis erst später gelöst wurde. Auch über die Auswirkungen der Ungarneinfälle auf das Gebiet schweigen die Quellen. Erst gegen Ende des 10. Jahrhunderts finden wir hier unter Herzog Heinrich dem Zänker einen bayerischen Landtag versammelt, der die sogenannten &amp;quot;Ranshofener Landgesetze&amp;quot; beschließt. Dessen Sohn, der 1002 zum König gewählte und später zum Kaiser gekrönte Heinrich II. (&amp;quot;der Heilige&amp;quot;) ließ am Weihnachtstag des Jahres 996 – noch als bayerischer Herzog – in der Pfalzkapelle den Mönch [[Gotthart von Niederaltaich]] zum Abt dieses Klosters weihen. Heinrichs Gemahlin Kunigunde schließlich verfügte 1025 über die Ranshofener Pfalz wie über familiären Privatbesitz, indem sie diese zusammen mit anderen Königshöfen gegen Güter des Bistums Freising abtauschen wollte. Der Nachfolger Heinrichs II., König Konrad II., scheint diesen Tausch aber nicht anerkannt zu haben. Jedenfalls gehörte das &amp;quot;praedium Ranteshoven&amp;quot; – so der neue Name der Siedlung seit dem ausgehenden 10. Jahrhundert – mit der dazugehörigen Kapelle weiterhin zum Reichsgut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Gründung – oder Wiederbelebung – eines Kanonikerstiftes verweisen erst wieder zwei Urkunden, die Kaiser Heinrich III. im Jahr 1040 für Ranshofen ausgestellt haben soll. Auch sie sind nur in Abschriften überliefert und gelten der Urkundenforschung in ihrer vorliegenden Gestalt als Fälschungen. Man hat allerdings den Versuch unternommen, in beiden authentische Abschnitte von späteren Zusätzen zu trennen. Dabei begegnet im vermutlich echten Text die Angabe über eine Schenkung von Zehenten zugunsten der in Ranshofen &amp;quot;weilenden Priester ..., damit der Gottesdienst dort täglich gefeiert werde.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutet man dies als Hinweis auf eine Klerikergemeinschaft, so dürfte diese in den Wirren der Zeit des Investiturstreits wieder zerfallen sein. Jedenfalls begegnen in den ältesten Schenkungsnotizen des Ranshofener Traditionskodex, deren Textüberlieferung vor 1070 einsetzt, zunächst nur einzelne Priester der Pankrazkirche, die mehrfach auch als Pfarrer bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte===&lt;br /&gt;
Erste Anzeichen für die erneute Einrichtung einer Kanonikergemeinschaft kann man am Text der Ranshofener Traditionen seit etwa 1120 beobachten. Die hier aufgezeichneten Schenkungen erfolgen jetzt nämlich zugunsten der an der Pankrazkirche &amp;quot;für Gott streitenden Brüder (fratres Deo militantes)&amp;quot;, eine Formulierung, die im Zusammenhang mit Regularkanonikern auch andernorts immer wieder begegnet, vereinzelt freilich auch für Angehörige eines weltlichen Kanonikerstiftes gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicheren Boden gewinnen wir somit erst mit der Schenkungsurkunde des Bayernherzogs Heinrich IX. des Schwarzen (1120–1126) vom 30. Juli 1125, in welcher dieser zusammen mit seiner Gemahlin Wulfhilde in der Ranshofener Pfalz den &amp;quot;an der Pankrazkirche nach der Regel des hl. Augustinus Christus dienenden Brüdern Zehent im Gau&amp;quot; Ranshofen sowie verschiedene Güter übergibt. Auf dieser Urkunde basiert dann auch die Darstellung des bayerischen Historikers Aventin, der in seinem um 1520 geschriebenen &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; annimmt, Herzog Heinrich IX. habe hier im Jahr 1125 auf &amp;quot;Geheiß und Rat&amp;quot; des Salzburger Erzbischofs Konrad I. ein Augustiner-Chorherrenstift gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aventins Annahme ist freilich nur mit gewissen Vorbehalten zu übernehmen, denn eine zu diesem Zeitpunkt erst beschlossene Neugründung eines Klosters wird im Urkundentext ebensowenig erwähnt wie ein Zusammenwirken oder Zusammentreffen mit dem Salzburger Erzbischof. Ein Regularkanonikerkloster wird vielmehr als bereits bestehend vorausgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist die Einführung von Augustiner-Chorherren in Ranshofen vielleicht schon zwischen 1120 und 1125 erfolgt. Der weitere Ausbau des Stiftes zu einem Kloster für Chorherren, Chorfrauen und Konversen dürfte sich allerdings noch über die Zeit Heinrichs IX. hinaus bis in die Jahre der Herrschaft seines Sohnes Heinrich X. des Stolzen (1126–1139) erstreckt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Einrichtung eines Augustiner-Chorherrenstiftes erfasste eine wichtige religiöse Erneuerungsbewegung des Mittelalters Ranshofen. Eine Schlüsselfigur ihrer weiteren Ausbreitung war zweifelsohne der Salzburger Erzbischof Konrad I. (1109–1147). Er gilt als Gründer oder Erneuerer einer großen Zahl von Chorherrenstiften innerhalb und außerhalb seines engeren Diözesanbereiches. So ist seine Einflussnahme bei der Errichtung eines Chorherrenklosters in Ranshofen nicht auszuschließen. Quellenmäßig greifbar wird ein Zusammenhang mit ihm freilich erst um 1138/39. Damals nahm Konrad I. zusammen mit Bischof Roman von Gurk in Ranshofen eine Schenkung von Besitzungen der Ministerialen von Rohr im Kremstal für das Kloster entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Entwicklung im Hoch-und Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
Neben der Gestaltung der Liturgie in der Messfeier und beim Chorgebet war die Seelsorge ein wichtiges Anliegen des neuen Ordens. Da der Ranshofener Seelsorgesprengel sehr umfangreich war, wurden schon damals im weiten Umkreis Kirchen dafür neu gebaut oder vorhandene Kapellen übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ranshofen selbst baute man neben der Stiftskirche eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche. Andere Aufgaben waren die Krankenpflege, die schulische Unterweisung und die wissenschaftlichen Studien. Für letztere benötigte man ebenso wie für den Gottesdienst Handschriften, die zu einem großen Teil in der Schreibstube des Klosters, dem &amp;quot;scriptorium&amp;quot;, von den Chorherren selbst in mühevoller Arbeit hergestellt wurden. Aus Urkunden und Traditionsnotizen kennen wir einige Namen von Pröpsten des 12. und beginnenden 13. Jahrhunderts. Genannt werden ein [[Manegold]], der mit dem Magistertitel ausgezeichnet erscheint, nach ihm [[Meginhard]], [[Altmann (Stift Ranshofen)|Altmann]] und [[Adelhard]], unter dem 1178 das berühmte Evangeliar angekauft wurde, danach [[Liutold]] – wohl identisch mit dem im Evangelienbuch bezeugten Schatzmeister gleichen Namens –, dann nochmals ein Adelhard, der mit dem ersten Propst dieses Namens eine Person sein könnte, schließlich noch [[Etticho]] und [[Wichard]]. In verschiedenen Totenbüchern der Salzburger Diözese wird außerdem ein Propst [[Liutfrid von Ranshofen]] verzeichnet, der nur schwer einzuordnen ist. Vielleicht gehört er an den Anfang der Reihe gestellt, anstelle des von Aventin aus der Urkunde Heinrichs IX. von 1125 übernommenen [[Raffold]]. (Letzterer war vermutlich kein geistlicher Propst, sondern einer der Verwalter des Pfalzgutes.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1140 kam es zu einer Kontroverse mit dem Passauer Bischof Reginbert um die Seelsorgerechte und die daraus erwachsenden Zehentforderungen. Im Zusammenhang damit hat der Passauer Ordinarius den Kanonikern einen ungenannten jugendlichen Propst aufgezwungen, gegen den sie sich mit Erfolg aufgelehnt haben. Freiheit der Propstwahl ist dann auch eines der wichtigsten Rechte, das Ranshofen immer wieder urkundlich zugesichert wird, zum ersten Mal in dem großen Schutzprivileg des Papstes Eugen III. von 1147.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts – inzwischen hatten die Wittelsbacher den durch Kaiser Friedrich Barbarossa abgesetzten Heinrich den Löwen in der Herrschaft über Bayern abgelöst – begann für Ranshofen einer der unruhigsten Abschnitte seiner Geschichte. 1233 plünderten Truppen des Babenbergerherzogs Friedrich des Streitbaren bei Kämpfen mit Herzog Otto II. von Bayern Neukirchen an der Enknach, wobei die dortige Filialkirche zu schwerem Schaden kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Jahre danach, wahrscheinlich 1242, überfielen von der Burg Obernberg kommende Leute des Passauer Bischofs Ranshofen selbst und verbrannten zusammen mit der herzoglichen Pfalz auch die beiden Kirchen. 1250 drohten neue Gefahren. Bischof Rüdiger von Passau war durch den päpstlichen Legaten Albert Beham abgesetzt worden, und Berthold, ein gebürtiger Graf von Sigmaringen, sollte seine Stelle einnehmen. Doch Rüdiger leistete Widerstand und wurde dabei durch den bayerischen Herzog unterstützt. So durchzogen Soldaten des Gegenbischofs im November 1250 neuerlich plündernd den angrenzenden Weilhartsforst und verwüsteten das Land. Die Stiftskirche soll anschließend wieder aufgebaut und 1255 neu eingeweiht worden sein. Doch bald danach wurde das Gebiet um den unteren Inn im Zusammenhang mit Kämpfen zwischen Herzog Heinrich von Niederbayern – das Herzogtum war inzwischen nach dem Tod Ottos II. unter seinen Söhnen geteilt worden – und König Ottokar von Böhmen neuerlich Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen wurde 1266 ein zweites Mal niedergebrannt und dabei fast zur Gänze zerstört. So klagte Propst [[Sifrid]] (1255–1277) in einer Bittschrift an Papst Klemens IV. darüber, dass im Kloster nur mehr drei Leute Unterhalt fänden, während davor 14 Priester und 50 weitere Stiftsangehörige mühelos versorgt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Resignation Sifrids erlebte Ranshofen aber dann unter seinem Nachfolger [[Konrad I.]] (1277–1311) eine Zeit des Wiederaufschwungs. Neben den nun wieder günstigeren äußeren Verhältnissen ist diese Blüte vor allem in der Tatkraft und Zielstrebigkeit jenes Prälaten begründet. Bereits im Jahr seiner Erwählung begann er mit der Anlage eines Privilegienbuches, in das die Urkunden des Klosters in übersichtlicher Form eingetragen werden sollten. In dem angeschlossenen Urbar wurden die Stiftsgüter verzeichnet. Beide Teile hat Propst Konrad I. später in etwas abgewandelter Form nochmals redigiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der schon unter seinem Vorgänger begonnene Neubau der Stiftskirche wurde 1283 abgeschlossen und in Gegenwart des bayerischen Herzogs durch den Bischof von Regensburg eingeweiht. Auch das Kanonissenstift wurde erneuert und Einrichtungen für die Krankenpflege geschaffen. Schon mit Konrads gleichnamigem Nachfolger [[Konrad II.]] (1311–1332) setzte allerdings neuerlich eine Zeit des Niedergangs ein. Später besserten sich die Verhältnisse wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift wurde im 14. und 15. Jahrhundert vielfach durch Privilegien der Herzöge von Bayern und von Österreich ausgezeichnet. Auch Kaiser Ludwig der Bayer und später Maximilian I. reihten sich unter die Förderer ein. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts mehrten sich ganz allgemein die Versuche, dem damals drohenden Verfall der Klöster entgegenzuwirken. Erste Ansätze einer solchen Reform in Ranshofen unter den Pröpsten [[Erasmus Ridmund]] (1435–1444), [[Friedrich Gunderstorfer]] (1444–1448) und Thomas Wittel (1451–1462) zeigten jedoch keinen nachhaltigen Erfolg. Erst der aus dem niederösterreichischen [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] berufene Propst [[Wolfgang]] konnte das Kloster im Sinne einer vom böhmischen Stift Raudnitz ausgehenden Reformbewegung erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Nachdem Ranshofen im bayerischen Erbfolgekrieg trotz bedrohlicher Nähe des Kriegsgeschehens glimpflich davongekommen war, begann 1508 Propst [[Kaspar Türndl]] (1504—1529) mit dem Neubau der Stiftskirche. Gleichzeitig kam es zu einer Blütezeit humanistischen Geistes, die sich in den erhaltenen Handschriften und Frühdrucken aus der Klosterbibliothek spiegelt. Aber auch erste Anzeichen für eine beginnende Auseinandersetzung mit den Lehren Martin Luthers lassen sich von 1520 an beobachten. Eine Steigerung dieser Tendenzen ergab sich unter Propst [[Augustin I. Münich]] (1529—1560). Zeitgenossen rühmten ihn als Freund der Studien und Wissenschaften. Die Stiftsschule war unter seiner Herrschaft eine der größten Unterrichtsanstalten von ganz Bayern. Aus dem Protokoll einer Passauer Kirchenvisitation von 1559/60, der wichtigsten Quelle unserer Kenntnis über die Ausbreitung der Reformation im Innviertel, erfahren wir jedoch, dass die an dieser Schule wirkenden Schulmeister eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der protestantischen Glaubenslehren gespielt haben. Vielleicht steht die bald nach der Visitation erfolgte Resignation des Propstes im Zusammenhang mit seiner toleranten Einstellung gegenüber den Anhängern des neuen Glaubens. Unter seinem Nachfolger [[Adam Gensleitner]] (1560—1587) wurde jedenfalls sehr rasch die Gegenreformation voll zur Geltung gebracht, sodass der römische Kurienkardinal Commendone, der Ranshofen 1569 visitiert hat, den Zustand von Kirche, Kloster und Schule bereits als zufriedenstellend beurteilte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren neuerlichen Verfalls an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert begann nach 1620 eine der glanzvollsten Perioden der Geschichte Ranshofens. Der klostereigenen Geschichtsschreibung gilt sie als das Werk von vier aufeinanderfolgenden Prälaten. Trotz wachsender Bedrohung durch den Dreißigjährigen Krieg erneuerte Propst Philipp Vetterl (1620—1634) nicht nur die schwer darniederliegende Disziplin des Gemeinschaftslebens, sondern begann auch einen frühbarocken Neubau der Klosteranlage. 1628 erhielt der Propst durch Papst Urban VIII. für sich und seine Nachfolger das Recht des Gebrauchs der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1634 kam der bayerische Kurfürst Maximilian I. mit seiner Familie und seinem Hofstaat auf der Flucht vor den schwedischen Truppen, die München besetzt hatten, nach Ranshofen und blieb hier bis zum Frühjahr 1635. Während des Aufenthalts im Kloster starb die Kurfürstin Elisabeth am 4. Jänner 1635.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Gegenwart des Kurfürsten gewählte Propst [[Simon Meier]] (1635—1665) kümmerte sich besonders um die Neuordnung der Bibliothek und um die wissenschaftlichen Studien der Stiftsangehörigen. Propst [[Benno Meier]] (1665—1687) – ein Neffe seines Vorgängers – ließ im Schloss Neukirchen eine theologische Studienanstalt einrichten. Besondere Sorgfalt widmete er dem Stiftsarchiv mit den alten Urkunden. Seinem Ordnungssinn ist es zu verdanken, dass wir für die Zeit seiner Regierung genaue Aufzeichnungen über die vorhandenen Kirchengeräte und einen Katalog der erworbenen Bücher besitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ivo Kurzbauer]] (1687—1715) erneuerte schließlich Kirche und Kloster für ein 1699 gefeiertes &amp;quot;Acht-tägiges hochfeierliches Jubel-Fest&amp;quot; zum Gedächtnis der achthundertjährigen Geschichte der Pankrazkirche und krönte damit die Bestrebungen seiner Vorgänger, eine Entwicklung, die [[Augustin II. Pariser]] (1715—1741) zwar weiterführen, aber nicht mehr steigern konnte. Die barocke Glanzzeit des Stiftes hatte damit ihren Höhepunkt bereits überschritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild, das Ranshofen dann von der Mitte des 18. Jahrhunderts an bietet, ist eher uneinheitlich. Man kann es nur verstehen, wenn man die Erscheinungen von zwei Seiten her eingrenzt: vom Weiterführen überkommener Lebensformen des Barock einerseits und von der damals auch in Bayern bereits einsetzenden Aufklärungsbewegung andererseits. Mit dem Frieden von Teschen (1779) fiel das lnnviertel an Österreich. Dadurch wurden die vom Geist jener Zeit geprägten Reformen Kaiser Josephs II. alsbald auch in Ranshofen wirksam. Im Zusammenhang mit der Neuorganisation des Pfarrnetzes wurden verschiedene Filialkirchen in Pfarrkirchen umgewandelt, die Formen des Gottesdienstes reformiert, die Ranshofener Pfarrkirche St. Michael gesperrt und später abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Abtrennung der Diözese Linz vom Bistum Passau löste altgewohnte Bindungen. Vor allem die Franzosenkriege brachten dann neuerlich große Unruhe in das Kloster. Das Stift wurde einmal von diesen und einmal von jenen Truppen als Militärspital beansprucht. Es kam zu Gewalttaten und Plünderungen. Aber auch die Klostergemeinde selbst war vom Geist der Aufklärung angekränkelt.&lt;br /&gt;
Vor allem der letzte, 1784 gewählte Propst [[Johann Nepomuk Kierl]] gilt als schwach und verschwenderisch. Nach seinem Tod im Jahr 1809 kommt es innerhalb der zerfallenen und in sich gespaltenen Gemeinschaft zu keiner Neuwahl mehr. So findet die von der &amp;quot;Rieder Regierung&amp;quot; während der französischen Besatzung 1810 angekündigte Aufhebung Ranshofen bereits im Zustand der Krise.&lt;br /&gt;
Der Übertritt in den Weltpriesterstand kommt den damals noch hier lebenden Chorherren eher gelegen. Vor der endgültigen Aufhebung am 28. Oktober 1811 brachte man die als wertvoll angesehenen Archivalien in das Hauptstaatsarchiv nach München und einen großen Teil der Bibliotheksbestände in die jetzige Bayerische Staatsbibliothek. Anderes wurde in der ganzen Welt verstreut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammen mit dem, was in Ranshofen selbst heute noch sichtbar ist, legen diese Dokumente ein beredtes Zeugnis ab von der Pflege von Religion, Wissenschaft und Kunst im Chorherrenstift Ranshofen im Verlauf seiner Jahrhunderte währenden Geschichte. Indirekt kann man aus ihnen aber auch ahnen, wie bedeutungsvoll dieses Wirken der Chorherren für jene Menschen gewesen sein muss, die im Umkreis des Klosters gelebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Nachgeschichte===&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung erwarb der bayerische General Graf von Montjoie-Frohberg die Stiftsgebäude und den ausgedehnten Grundbesitz und wandelte einen Teil der ehemaligen Klosteranlage zum &amp;quot;Schloss Ranshofen&amp;quot; um. Anderes wurde abgetragen. Die frühere Stiftskirche blieb als Pfarrkirche erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erster Pfarrer wurde der seinerzeitige Stiftsdechant [[Pankraz Hauser]]. Der Pfarrer war damals einige Jahrzehnte hindurch auch Repräsentant der weltlichen Verwaltung. Erst im Zuge der Reformen bekam Ranshofen im Jahr 1848 eine eigene Gemeindeverwaltung. Auch erhielten die bis dahin unfreien Bauern die Möglichkeit, den Grund und Boden, den sie vorher als Untertanen bewirtschaftet hatten, gegen ein geringes Entgelt als Eigentum zu erwerben.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1851 kaufte dann Ferdinand Wertheimer, der später als Abgeordneter dem oberösterreichischen Landtag angehörte, die &amp;quot;Herrschaft Ranshofen&amp;quot; und wandelte im Laufe der Jahre den immer noch beachtlichen Großgrundbesitz in einen landwirtschaftlichen Musterbetriebum. Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland im März 1938 wurde der Wertheimersche Familienbesitz jedoch vom Deutschen Reich &amp;quot;abgelöst&amp;quot;. Im Oktober des gleichen Jahres wurde die vorher selbständige Geme inde Ranshofen der Stadt Braunau einverleibt und ein Jahr später begann man bereits auf den Wertheimer-Gründen mit dem Bau eines Aluminiumwerkes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute ist man bemüht, das noch Vorhandene zu erhalten und zu pflegen, wobei der Komplex von Kirche und ehemaligem Stift besitzmäßig auf die Diözese Linz, die Stadt Braunau und private Eigentümer verteilt ist. Die Kirche und der Bibliothekssaal im ehemaligen Konventgebäude werden - abgesehen von der liturgischen Verwendung des Gotteshauses - auch für kulturelle Veranstaltungen genützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Will man sich ein Bild von den wirtschaftlichen Verhältnissen des Chorherrenstiftes Ranshofen im Mittelalter machen, wird man zunächst von der Urkunde Herzog Heinrichs IX. von Bayern aus dem Jahre 1125 ausgehen müssen. Sie gilt in der Literatur ja als &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; des Klosters. Als geschenktes Gut werden darin Güter in Handenberg, Braunau und einem - nicht mehr bestimmbaren - Dürrnberg nördlich der Donau, sowie verschiedene kleinere Liegenschaften angeführt. Letztere wurden den Regularkanonikern teils als Eigenbesitz, teils als Lehen überlassen. Dazu kamen die herzoglichen Zehenten &amp;quot;im Gau&amp;quot; Ranshofen und die Kirche Enknach (&amp;quot;Enkinacha&amp;quot;) - vermutlich am Ort oder in der Nähe des heutigen Neukirchen an der Enknach gelegen - mit dem dazugehörigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich erst nach Ausfertigung der Urkunde wurde an einer bestimmten Stelle nachträglich noch ein Hinweis eingefügt, dass jene Hörigen, die vorher in der Hand des Herzogs oder des Kämmerers bzw. des - herzoglichen - Propstes gewesen seien, nun auch dem Kloster unterstellt würden. So reichhaltig diese Schenkung gewesen ist, so wird damit keineswegs der gesamte wirtschaftliche Besitz Ranshofens zur Zeit der Gründung des Chorherrenstiftes umschrieben. Die Einrichtung des mittelalterlichen Klosters erfolgte ja nicht in der Einöde eines unerschlossenen Gebietes, sondern knüpfte an eine Jahrhunderte währende Vorgeschichte an. Schon Kaiser Arnulf hatte ja die von ihm erbaute Pfalzkapelle reich mit Gütern ausgestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den umfangreichsten Einblick in die Ranshofener Besitzverhältnisse im hohen Mittelalter gewähren jedoch die Notizen des Traditionskodex, deren Inhalte den Zeitraum von etwa 1070 bis 1250 umspannen, also auch schon vor 1125 einsetzen. Die Texte bezeugen die Übergabe von Gütern im näheren und weiteren Umkreis von Ranshofen, darüber hinaus die Schenkung von 5-Pfennig- Zensualen, sowie von Knechten und Mägden. Wie in anderen Klöstern machen auch in Ranshofen die Selbstübergaben von ehemals freien Personen, in der Absicht sich unter dem Schutz des Stiftes gegen Übergriffe von Mächtigeren abzusichern, einen beträchtlichen Teil der Zensualenschenkungen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere wichtige Quelle zur mittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte Ranshofens ist dann das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes [[Konrad I.]] Die Handschrift enthält neben zwei Kopialbüchern zwei Urbare, welche 1277 beziehungsweise 1303 angelegt wurden. Da im älteren Urbar die erste Lage der Handschrift verlorengegangen ist, kann man nur aus dem jüngeren erkennen, dass der Grundbesitz sich damals auf acht Urbarämter verteilte, die im Innviertel (Haselbach, Überackern, Neukirchen/Enknach, Nonsbach und Ranshofen), im oberösterreichischen Kremstal (Rohr) und in den jetzigen bayerischen Landkreisen Rottal-Inn und Alt-Ötting gelegen waren (Kollbach und &amp;quot;Trans Enum&amp;quot;). Dazu kamen noch Weingärten in der Wachau. Im Abgabenverzeichnis über die im Dorf Ranshofen ausgegebenen Lehen werden auch zwei Schuster, ein Schneider, ein Fleischer, ein Koch und ein Bader angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte Ranshofens stiegen in der Folgezeit dann noch durch die Stiftung von Jahrtagen in Form von &amp;quot;Seelgeräten&amp;quot;, das sind Schenkungen zugunsten von jährlich, manchmal sogar wöchentlich zu lesenden Messen für das Seelenheil von Verstorbenen. Ähnliche Stiftungen begegnen auch in den Filialkirchen des Klosters, unter denen die Braunauer Stephanskirche durch die Befestigung der Siedlung und die Stadterhebung im Jahr 1260 bald eine Sonderstellung einnehmen sollte. Kaiser Ludwig der Bayer (1314–1347) stiftete 1345 eine täglich zu lesende Messe für sich und seine Vorfahren und Nachkommen. Gleichzeitig schenkte er dem Kloster jene Güter im Dorf Ranshofen, die bis dahin noch herzoglicher Besitz gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schiffstransport des Klosterweins aus den Weingärten in der Wachau auf Donau und Inn erhielt das Chorherrenstift verschiedentlich Privilegien über die Mautfreiheit, so 1287 vom österreichischen Herzog Albrecht I., die er 1295 und sein Sohn Friedrich der Schöne 1314 nochmals bekräftigten. Eine Bestätigung dieser Privilegien durch Kaiser Maximilian I. erbaten der Propst und das Kapitel von Ranshofen schließlich noch 1498. In einzelnen Fällen hat das Kloster aber auch ältere Besitzungen, die schwer zu bewirtschaften waren oder den erwarteten Ertrag nicht erbrachten, wieder abgestoßen. Ein wertvolles Dokument solcher wirtschaftlicher Veränderungen ist eine von Propst [[Benno Meier]] 1670 verfasste &amp;quot;Relation von den Ranshoverischen in Österreich gelegenen Höf und Weingärten&amp;quot;. Darin verzeichnete der Prälat zunächst alles, was er aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen über die niederösterreichischen Besitzungen Ranshofens in Erfahrung bringen konnte. Es handelte sich um Höfe und Weingärten in Schwallenbach, Spitz, Loiben, Stein, Krems und Gobelsburg in der Wachau und um Weingärten in Kritzendorf bei Klosterneuburg. Zu seiner Zeit waren davon fast nur mehr die Weingärten in Unterloiben - ihre Riednamen sind vielfach bis heute in Gebrauch - dem Stift verblieben. Ihr Zentrum war ein großer Lesehof in Unterloiben nahe der Kirche, der als der heutige &amp;quot;Loibnerhof&amp;quot; identifiziert werden kann. Weil die Kosten-Nutzen-Rechnung des Propstes auch darüber negativ ausfiel, hat er ein Jahr später den ganzen Komplex an das Kloster Tegernsee verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen guten Überblick über den Stiftsbesitz und die Untertanen im Bereich von Ranshofen selbst in der Zeit des beginnenden 18. Jahrhunderts gibt ein im Auftrag des Propstes Ivo (1687–1715) durch den bayerischen Geometer Matthäus Paur im Jahre 1714 angelegtes Mappenwerk (&amp;quot;Gruntrys mit angehengter Beschreibung&amp;quot;, in der Literatur im allgemeinen als &amp;quot;Grundriss-Libell&amp;quot; bezeichnet). Der davon erhaltene Teil besteht aus Plandarstellungen aller Besitzungen im Bereich der sogenannten &amp;quot;Hofmark&amp;quot; Ranshofen mit darauf bezogenen Erläuterungen. Diese umfasste damals 81 Häuser, von denen die meisten vom Stift auf Erb- oder Leibrechtsbasis verliehen waren. Etwa die Hälfte davon wurde landwirtschaftlich genutzt. Der Rest war an Gewerbetreibende vergeben, unter denen sich auch ein Saitenmacher, ein Sattler, ein Bierbrauer und ein Metzger aus Braunau finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge der Abtrennung des Innviertels von Bayern durch den Frieden von Teschen ergaben sich während der letzten Jahrzehnte des Bestandes des Klosters Probleme mit der Verwaltung der bei Bayern verbliebenen Besitzungen jenseits des Inn. So wurden etwa im Verlauf der napoleonischen Kriege - Bayern kämpfte damals auf der Seite der Franzosen gegen Österreich - die Erträgnisse von Grundherrschaften, die auf bayerischem Gebiet gelegen waren, für das Stift gesperrt. 1810 schließlich begann man im Zuge der Auflösung die beweglichen Güter und die Wertsachen zu versteigern. Die Einnahmen betrugen 13.000 Gulden, die nach Salzburg, von wo aus kurzzeitig auch das Innviertel verwaltet wurde, abgeliefert werden mussten. Das 400 Joch große Stiftsgut, bestehend aus Äckern, Wiesen, Auen, Gärten und anderem, kaufte am 17. August 1812 der bayerische General und königliche Adjutant Graf Montjoie-Frohberg um 54.000 Gulden. Nur den unteren Teil des Lachforstes und ein Haus in Dietfurt (unterhalb von Braunau) behielt der bayerische Staat für sich zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Die rechtliche Lage der Ranshofener Pfalz war vom ausgehenden 11. bis um die Mitte des 12. Jahrhunderts eine eher wechselhafte. Dies findet auch in der damals beginnenden Geschichte des Chorherrenstiftes seinen Niederschlag. Die Pfalz und die dazugehörende Pankrazkapelle waren ja seit der Karolingerzeit Reichsgut und als solches der Verfügungsgewalt des Königs unterstellt. Den Bayernherzögen war zwischendurch zwar die Nutzung überlassen, sie wurden gegen Ende des 11. Jahrhunderts wegen ihrer reichsfeindlichen Politik im Zusammenhang mit dem Investiturstreit aber wiederholt durch Kaiser Heinrich IV. abgesetzt: zuerst Otto von Nordheim und später Welf I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So begegnet in einer vermutlich 1074 anzusetzenden Traditionsnotiz Kaiser Heinrich IV. selbst als Eigentümer von Ranshofen (&amp;quot;cuius praedium erat, quod Ranshovin vocatur&amp;quot;). Erst seit 1096 wurden die Welfen wieder mit Bayern belehnt und waren damit innerhalb bestimmter Grenzen über das Land am Inn verfügungsberechtigt. Die schwankende Rechtslage von Ranshofen kommt dann besonders in der &amp;quot;Gründungsurkunde&amp;quot; Herzog Heinrichs IX. von 1125 zum Ausdruck. Ihre Textform und ihre Ausstattung schließen sich in vielem dem Vorbild königlicher Siegelurkunden an. Dem Stil der Herrscherurkunden entspricht wohl auch der Hinweis auf die Mitwirkung und Zustimmung von Heinrichs Gemahlin Wulfhilde. Gerade dies ist allerdings rechtlich höchst fragwürdig, da es sich bei den geschenkten Gütern ja nicht um welfischen Eigenbesitz, sondern um dem Herzog überantwortetes Reichsgut gehandelt hat, für dessen Vergabe viel eher die Zustimmung des Königs erforderlich gewesen wäre. (Freilich war im Juli des Jahres 1125 nach dem Tod Kaiser Heinrichs V. Lothar III. noch nicht gewählt.) Die Strafformel, welche eine Bußzahlung von 60 Gulden an die Kammer des Königs bzw. des Kaisers bei Eingriffen in das Schenkungsgut vorsieht, bestätigt diese Auffassung. Dennoch versuchte Herzog Heinrich der Löwe später die Meinung durchzusetzen, Ranshofen sei ein Eigenstift seiner Familie, so vor allem, wenn er die dort dienenden Regularkanoniker als zu seiner Kapelle gehörig bezeichnet und die Gründung insgesamt fälschlicherweise mit seinem Vater Heinrich dem Stolzen in Verbindung bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1139 hatte nach dem Tod Heinrichs des Stolzen zunäch stder Babenberger Leopold IV. zusammen mit dem Herzogtum Bayern das Reichsgut um Ranshofen erhalten. Er ist jedoch bereits zwei Jahre später verstorben. Damals behielt König Konrad III. dann für kurze Zeit Bayern selbst in der Hand. In diesen Zeitabschnitt fällt das große Schutzprivileg Konrads von 1142, in dem der König die Besitzungen des Chorherrenstiftes, das er eine Gründung seines Urgroßvaters, des Kaisers Heinrich III., nennt, bestätigt. Eine Erwähnung einer Erneuerung durch die Welfen wurde in der Urkunde - offensichtlich aus politischen Gründen - unterdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Jahr belehnte der König den Babenberger Heinrich &amp;quot;Jasomirgott&amp;quot; mit Bayern. Das ist wohl jener &amp;quot;Heinricus Dux Bawariae&amp;quot;, welcher in einer anderen Tradition das an den Obstgarten der Regularkanoniker angrenzende Land am Altar des hl. Pankraz übergibt. Auch erscheint er in dem großen Privileg des Papstes Eugen III. von 1147 als Fürsprecher des Stiftes. Darin wird unter anderem erwähnt, dass der Vogt (&amp;quot;advocatus&amp;quot;) über das Herzogsgut gleichzeitig der Vogt des Klosters Ranshofen sei. Diese Bestimmung wird dann auch im Privileg des Papstes Hadrian IV. von 1158 wiederholt. Diesmal ist jedoch bereits Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, der Schirmherr des Klosters. Friedrich Barbarossa hatte ihn inzwischen 1154 mit dem von ihm zurückgeforderten Bayern belehnt. Schon 1157 hatte Heinrich der Löwe in einer Urkunde verfügt, dass der Vogt nicht nur die herzogliche Pfalz mit deren Untertanen, sondern auch die Stiftsleute an seiner Stelle beschützen und beschirmen sollte. Er habe auch die Klagen der Kanoniker und ihrer Eigenleute anzuhören und ihnen gebührend Recht zu verschaffen. Geld sollte er dafür nicht von ihnen fordern, sondern nur von des Herzogs Kammer nach altem Herkommen seinen Lohn empfangen. Darüber hinaus solle er keine Verfügungsgewalt über das Kloster oder dessen Eigenleute und Besitzungen haben und auch keine Steuern von ihnen eintreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vögte begegnen bereits mehrfach in den frühen Ranshofener Schenkungsnotizen aus der Zeit um 1100. Sie waren damals wohl vom König eingesetzt und hatten die Aufgabe, die unfreien Untergebenen vor Gericht zu vertreten, konnten aber auch selbst Streitigkeiten schlichten und Strafen verhängen. Bei Schenkungen an die Kirche fungierten sie als wichtige Zeugen. In späteren Traditionsnotizen wird fallweise der Herzog selbst als Vogt des Klosters angesprochen, so nach 1180 der Wittelsbacher Otto I. (&amp;quot;tune temporis dux Bawariae et eiusdem loci advocatus&amp;quot;). Nach dem Zeugnis der beiden angeführten päpstlichen Privilegien ließen sich aber schon zuvor die Herzöge in dieser Funktion durch von ihnen bestellte Untervögte vertreten. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts werden diese dann meistens als Richter (&amp;quot;judex&amp;quot;) angesprochen. Ob die Ranshofener Untervögte ihre Stellung - wie etwa in Reichersberg - zur persönlichen Besitzerweiterung und Bereicherung missbraucht haben, ist aus den Quellen nicht mehr zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf verschiebt sich die rechtliche Verfügungsgewalt mehr und mehr zugunsten des Landesfürsten. Der ehemalige Pfalzbereich wird dem herzoglichen Amt Burghausen zugeordnet. Einen Höhepunkt erreicht diese Entwicklung mit Kaiser Ludwig dem Bayern, der in sich ja Königs- und Herzogsamt vereinigte. Von ihm erhielt der Propst 1345 das Recht der niederen Gerichtsbarkeit über alle Stiftsuntertanen. Vögte des Chorherrenstiftes Ranshofen treten in der Folgezeit nicht mehr in Erscheinung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Von den Chorherren, die in der frühen Zeit dem Stift Ranshofen angehört haben, kennen wir nur einzelne Namen, die außerdem meistens wenig über ihre soziale Herkunft aussagen. Ein im Traditionskodex vor 1120 mehrfach genannt er Pfarrer [[Erenbert]] wird &lt;br /&gt;
anlässlich der Schenkung seines Gutes Pfaffing in einer der Notizen als &amp;quot;canonicus s. Pancratii mart.&amp;quot; bezeichnet, was ihn als Säkularkanoniker charakterisieren könnte. Ob er später auch noch dem Regularkanonikerkonvent angehört hat, ist ebenso fraglich, wie die - in der Literatur vielfach angenommene - Übernahme der ältesten Augustiner-Chorherren aus dem Salzburger Domstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die ersten Pröpste gibt es vereinzelte Hypothesen ihrer Herkunft, sowohl in genealogischer wie in geistlicher Hinsicht, die freilich einer kritischen Überprüfung kaum standhalten. Einen Ansatzpunkt für die Beantwortung der Frage nach dem sozialen Umfeld der ältesten Ranshofener Regularkanoniker gewinnen wir aus jener Traditionsnotiz von 1138/39, nach welcher der Reichsministeriale Friedrich von Rohr und seine Gemahlin Berta in Anw esenheit des Salzburger Erzbischofs Konrad I. und des Bischofs Roman von Gurk ihr ganzes Gut in Rohr (im oberösterreichischen Kremstal) übergaben, als sie ihren Sohn Richer dem Kloster zur geistlichen Ausbildung anvertrauten. Und in unmittelbarer Nachbarschaft zu dieser Notiz lesen wir im Traditionskodex von der Schenkung eines Eginbert, eines Neffen des Kadelhoch von Rohr, anlässlich seines Eintritts in das Stift (&amp;quot;tradidit semetipsum ad aram s. Pancratii secundum regulam communis vitae ibidem degendum&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu passen auch die spärlichen Angaben, die wir aus einem - nur im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr auszugsweise überlieferten - Ranshofener Nekrolog dieses Zeitabschnitts schöpfen können. Als verstorbene Chorherren wurden darin [[Konrad von Retenbach]], [[Bernhard von Hut]], [[Hartwig von Sattelbogen]], [[Heinrich von Loitzenkirchen]], [[Heinrich von Braunau]], [[Friedrich von Weilhart]], [[Pabo von Ering]] und [[Wilhelm von Mattsee]] genannt. Es sind vorwiegend Familienangehörige der Ministerialen, die aufgrund ihrer Dienste für den König oder den Herzog unfreie Bauernhöfe, Lehengüter, manchmal auch Eigenbesitz im engeren oder weiteren Umfeld Ranshofens, bewirtschafteten und das Kloster von seinen Anfängen an immer wieder beschenkten. Manche dieser Familien - sie werden in den Urkundentexten einmal als Reichsdienstmannen (&amp;quot;ministeriales regni&amp;quot;) und einmal als Herzogsdienstleute (&amp;quot;ministeria les ducis&amp;quot;) bezeichnet, was wiederum mit der schwankenden Rechtslage der Ranshofener Pfalz zusammenzusehen sein dürfte - hatten im Kloster auch ihre Grablege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gleiche Bild zeigen die in das Totenbuch eingetragenen Namen der Chorfrauen, aber auch der Laienbrüder und -schwestern, die im Stift Aufnahme gefunden hatten. Aus der - schon oben erwähnten - Supplik des Propstes Sifrid an den Papst Clemens IV. wissen wir, dass vor den kriegerischen Ereignissen, durch die Ranshofen um die Mitte des 13. Jahrhunderts großen Schaden genommen hatte, vierzehn Priester versorgt worden waren, während zu seiner Zeit der Konvent auf drei Angehörige zusammengeschmolzen war. Auch das Chorfrauenstift war den Zerstörungen zum Opfer gefallen. Unter Propst Konrad I. wurde es jedoch erneuert. Es sollten aber nicht mehr als sechs Frauen aufgenommen werden, von denen eine zur Vorsteherin (&amp;quot;magistra&amp;quot;) bestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Herkunft der Chorherren anlangt, so begegnen in der Folgezeit weiterhin viele Angehörige von Ministerialenfamilien aus dem Umkreis Ranshofens. Mit dem Ausgang des Mittelalters ändert sich dieses Bild. Zunächst verschwinden die Chorfrauen aus den Quellen. Die überlieferten Namensformen der Chorherren lassen erkennen, dass die in das Stift eingetretenen Personen jetzt mehr und mehr bürgerlicher Herkunft waren und daran änderte sich auch in der Neuzeit nichts. Die Unterlagen, die darüber Auskunft geben, sind vor allem der Visitationsbericht von 1559/60, ferner zwei Namenskataloge der Ranshofener Chorherren von 1665 und 1687 im &amp;quot;Inventarium&amp;quot; des Propstes Benno Meier und schließlich zwei Nekrologaufzeichnungen, die von 1619 bis 1771 reichen (Bayerische Staatsbibliothek München, Clm. 12721, fol. 135-141).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Aufhebung im Jahr 1811 traten die verbliebenen Chorherren in den Weltpriesterstand über. Der St. Florianer Historiker Franz Xaver Pritz schreibt dazu: Einer der Chorherren weinte über dieses Schicksal, die Anderen verließen das Stift ohne Leid und Freude. Jeder erhielt eine Pension von 600 Gulden Reichs-Währung, die später um 100 Gulden vermindert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der Bücherbestand der Ranshofener Klosterbibliothek wurde durch die Aufhebung des Augustiner-Chorherrenstiftes in alle Winde verstreut. Dies gilt zunächst für die alten Handschriften, von denen der größte Teil 1811 nach München abtransportiert und in der jetzigen Bayerischen Staatsbibliothek untergebracht wurde. Andere Ranshofener Kodizes sind während des 19. Jahrhunderts vorwiegend über den Antiquariatshandel in verschiedene andere Bibliotheken gelangt: drei liegen - &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;nach derzeitigem Wissensstand&amp;lt;/span&amp;gt; - in der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin, drei in der Bodleian Library in Oxford, zwei in der russischen Staatsbibliothek in St. Petersburg, um die zwanzig schenkte ein Augsburger Antiquar nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 der Straßburger Universitätsbibliothek, Einzelstücke wurden schließlich noch in Linz (OÖ. Landesbibliothek), in Paris, in Budapest und in New York (Library of Saint Bonaventura College) festgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Provenienz der Handschriften bei der Katalogisierung soweit wie möglich erfasst wurde, ist es bei den gedruckten Büchern meistens schwieriger, ihre Ranshofener Herkunft nachzuweisen. Eine Reihe von Inkunabeln und Frühdrucken aus dem 16. Jahrhundert kamen bereits 1784 anlässlich der Abtrennung der Diözese Linz vom Passauer Bistum im Zusammenhang mit der Errichtung eines Priesterseminars an die jetzige Bibliothek der Katholisch-theologischen Hochschule in Linz. Nur wenige Einzelstücke verblieben im Raum von Ranshofen und Braunau. Erst mit der breiteren Überlieferung von Ranshofener Handschriften aus dem 12. und 13. Jahrhundert wird eine verhältnismäßig sichere Beantwortung der Fragen nach dem Skriptorium und der Bibliothek des Chorherrenstiftes im hoh en Mittelalter möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgangspunkt der diesbezüglichen Überlegungen war dabei zunächst jenes Ranshofener Evangeliar, das die Bodleian Library in Oxford aus dem Nachlass des venezianischen Ex-Jesuiten Luigi Canonici 1817 erworben hat (Canon . Bibi. Lat. 60). Den vier Evangelien sind jeweils ganzseitige Deckfarbenminiaturen der einzelnen Evangelisten vorangestellt; im Zusammenhang mit der Passionsgeschichte begegnet innerhalb des Johannesevangeliums auch eine ganzseitige &amp;quot;Kreuzigung Christi&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Zur künstlerischen Ausgestaltung gehören weiters die Kanontafeln und kunstvolle Initialen von verschiedener Form und Größe. Den reichsten Schmuck zeigen hier die zu Zierseiten ausgestalteten Textanfänge. In einer Eintragung am Schluss der Handschrift werden der Propst Adelhard von Ranshofen und der Schatzmeister Liutold im Zusammenhang mit der Bezahlung des 1178 vollendeten Buches erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Swarzenski hat als erster die große Stilverwandtschaft der Deckfarbenminiaturen des Ranshofener Kodex mit denen eines Evangeliars, das bei der Aufhebung des Benediktinerstiftes Mondsee in die Österreichische Nationalbibliothek gelangt ist (Cvp. 1244), aufgezeigt. Da nun im Mondseer Evangeliar ein &amp;quot;Liutoldus monachus&amp;quot; von sich sagt, er habe die Handschrift geschrieben und seinem Können gemäß ausgeschmückt , hat Swarzenski erwogen, den Mönch Liutold mit dem Ranshofener Thesaurar gleichen Namens zu identifizieren. Diese These verfestigte sich dann zur Annahme einer Ranshofener Schreib- und Malschule, als deren Mittelpunkt man den von Mondsee nach Ranshofen übergewechselten Liutold ansehen wollte. In den letzten Jahrzehnten setzte sich jedoch mehr und mehr die Meinung durch, das Ranshofener Evangeliar sei mit einem Salzburger Skriptorium (am ehesten im Benediktinerstift St. Peter) in Verbindung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Salzburger Herkunft wird heute auch für eine dreiteilige lateinische Bibelhandschrift angenommen, von der bis vor kurzem nur die beiden ersten Bände mit Texten aus dem Alten Testament, die bei der Aufhebung Ranshofens nach München kamen (Clm. 23039, Clm. 12601), bekannt waren. Erst im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zur Reichersberger Chorherrenausstellung von 1984 fand Kurt Holter heraus, dass sich der dazugehörige dritte Teil mit dem Psalter und den Schriften des Neuen Testaments ebenfalls in Oxford befindet (Canon. Bibi. Lat. 76). Jeder der drei Bände ist mit verschieden gestalteten Federzeichnungs- oder Deckfarbeninitialen ausgeschmückt. Leider wurden einzelne von ihnen durch nachträgliche Übermalungen entstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den zahlreichen übrigen Ranshofener Handschriften des hohen Mittelalters (mit Werken der Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor dem Großen, ferner Schriften des Kirchenlehrers Isidor von Sevilla, der Symbolisten Rupert von Deutz, Hugo von St. Victor und Bernhard von Clairvaux sowie des der Frühscholastik nahestehenden Honorius Augustodunensis) hat Elisabeth Klemm die der Bayerischen Staatsbibliothek gehörenden eingehend untersucht und genau beschrieben. Für eine Reihe von ihnen nimmt sie mit Sicherheit eine Entstehung in Ranshofen an (Clm. 12608, Clm. 12613-12616, Clm. 12631, Clm. 12633, Clm. 12641 und Clm. 23603), für andere gilt ihr das zumindest als wahrscheinlich. So lässt dies auf den Bestand eines Skriptoriums seit der Einrichtung des Regularkanonikerstiftes schließen, in dem die meisten der weniger anspruchsvollen Gebrauchshandschriften hergestellt worden sein dürften. Nur für besonders repräsentative Kodizes scheint man auf qualitativ leistungsfähigere Werkstätten zurückgegriffen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Hinweis auf den frühen Verlust von Büchern erhalten wir aus einem Bericht der &amp;quot;Mattseer Annalen&amp;quot; über einen Überfall von Kriegsleuten des Passauer Bischofs auf Ranshofen, der dort zwar zum Jahr 1250 überliefert wird, höchstwahrscheinlich aber auf das Jahr 1242 anzusetzen ist. Damals sei das Kloster geplündert und die Pfarrkirche St. Michael in Brand gesteckt worden. Missalien und Bücher, welche der schulischen Unterweisung gedient haben, seien dabei zugrunde gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen freilich nur unvollständigen Überblick über den alten Ranshofener Bücherschatz vermittelt ein um die Mitte des 14. Jahrhunderts geschriebenes Fragment eines Bibliothekskatalogs, der nachträglich in einen Kodex mit der &amp;quot;Legenda aurea&amp;quot; des Jacobus de Voragine eingebunden worden ist (Clm. 12643, fol. 356). Die verzeichneten Handschriften sind in zwei Gruppen aufgegliedert. Zuerst wird eine Reihe von 89 Kodizes aufgezählt, von denen es heißt, sie würden oberhalb der Sakristei des Prälaten aufbewahrt, womit ein Hinweis auf die Lage der Bibliothek während des Mittelalters gegeben erscheint. Die zweite Gruppe wird als in einem langen Kasten befindlich beschrieben. Hier bricht die Reihe allerdings mitten im 21. Titel ab. Das folgende Blatt mit der Fortsetzung ist verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das bedeutendste Denkmal humanistischen Geistes, welches Ranshofen hervorgebracht hat, war wohl das über Anregung des Propstes Kaspar Türndl bereits 1517 hier begonnene &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; des bayerischen Historikers Aventin. Aventin selbst kennzeichnet seinen Versuch einer auf die Quellen zurückgehenden Geschichtsdarstellung im Sinne seines Lehrers Konrad Celtis in der Vorrede durch den Hinweis auf sein Studium der alten Urkunden, des Traditionsbuches und der Kodizes der Stiftsbibliothek. Dass seine Ergebnisse einer kritischen Überprüfung nicht immer standhalten, steht außer Frage. Dennoch war seine Arbeit maßgeblich für alle späteren Darstellungen der Geschichte Ranshofens. Eine Handschrift des Werkes gelangte nach der Aufhebung des Klosters in das OÖ. Landesarchiv nach Linz, eine weitere Abschrift als Geschenk des letzten Stiftsdechants Pankraz Hauser nach Reichersberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die humanistische Gesinnung von Propst Augustin I. Münich bezeugt die Widmungsschrift an den Propst zu den in Sophonias Pämingers &amp;quot;Poematum libri duo&amp;quot; von 1557 veröffentlichten Elegien seines Bruders Balthasar Päminger. Den reformatorischen Tendenzen der Zeit entsprechend nimmt es nicht wunder, wenn im Bericht der Passauer Diözesanvisitationskommission von 1559/60 am Büchervorrat Kritik geübt wird. Zwar fand man in der &amp;quot;Liberei&amp;quot; viele &amp;quot;guete katholische Authores&amp;quot;; aber in einem Stüblein wurden neben unverdächtigen Büchern auch elf Schriften mit protestantischem Inhalt entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit dem Neubau des Konventgebäudes unter den Pröpsten Philipp Vetterl und Simon Meier Mitte des 17. Jahrhunderts wurde ein neuer Bibliotheksraum im Südtrakt des Klosters eingerichtet. Der Ranshofener Stiftsdechant Hieronymus Mayr verfasste damals sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot;, ein zweibändiges Geschichtswerk über Ranshofen. Der erste Band ist in vier Teile gegliedert. Enthalten sind Angaben über den hl. Pankraz, über Gründer und Wohltäter von Kirche und Kloster, über die Lebensweise der Chorherren, aber auch Verzeichnisse der Konventsmitglieder aus älterer und jüngerer Zeit. Der abschließende vierte Teil bringt eine nach den Pröpsten geordnete Stiftsgeschichte bis 1634. Die Titelseite zeigt in Form einer Federzeichnung das Aussehen des Klosters nach der Erneuerung. Dieser Band ist heute im Besitz des OÖ. Landesarchivs. Die Fortsetzung dazu über die Jahre von 1635 bis 1665 befindet sich in der Bibliothek des [[Stift St. Florian|Chorherrenstiftes St. Florian]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Quelle für unsere Kenntnis der Ranshofener Bibliotheksgeschichte während des ausgehenden 17. Jahrhunderts ist ein &amp;quot;Inventarium der geistlichen Sachen des Stiftes Ranshofen&amp;quot;, das Propst Benno Meier anlässlich seiner Resignation 1687 anfertigen ließ. Es enthält neben Inventaraufschreibungen und zwei Namenskatalogen der Ranshofener Chorherren vor allem eine katalogartige Liste sämtlicher unter seiner Herrschaft angekauften Druckwerke (&amp;quot;Libri comparati&amp;quot;). Einige der genannten Bücher befinden sich heute in der Braunauer Studienbibliothek. Ranshofener Herkunft ist wohl auch für den dort ebenfalls vorhandenen Bericht über die Ranshofener 800-Jahr-Feier von 1699 (&amp;quot;Saeculum octavum&amp;quot;, Augsburg 1702) vorauszusetzen. Nach der Widmung an Propst Ivo Kurzbauer werden im ersten Teil die Texte der Predigten, die während des &amp;quot;Acht-tägigen hoch-feyerlichen Jubel-Festes&amp;quot; von verschiedenen Kanzelrednern gehalten wurden, abgedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
===Baugeschichte=== &lt;br /&gt;
Der älteste Kirchenbau in Ranshofen war die zwischen 896 und 898 durch Kaiser Arnulf errichtete und dem hl. Pankraz geweihte karolingische Pfalzkapelle. Eine in der älteren Forschung diskutierte noch frühere Marienkapelle ist quellenmäßig nicht zu belegen. Diese Pfalzkapelle wurde dann mehr als zwei Jahrhunderte später zur ersten Klosterkirche des Augustiner-Chorherrenstiftes umgewandelt. Bei seiner Einrichtung überließ der damals hier herrschende Bayernherzog den Regularkanonikern seine Kapelle für den Gottesdienst. Als Seelsorgekirche wurde daneben eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche gebaut. Leider ist von der alten Pfalzkapelle - ebenso wie von der Königs- beziehungsweise Herzogspfalz, zu der sie gehört hat - kaum mehr etwas erhalten geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grabungen, die der um die Archäologie der Umgebung von Braunau bemühte Maler Hugo von Preen zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Auftrag der k.u.k. Zentralkommission durchführte, blieben ohne nennenswerte Ergebnisse. Nur in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Stiftskirche stieß er auf Reste alter Grundmauern, die man mit der Pfalz in Verbindung bringen konnte. Im Zusammenhang mit einer Nachricht aus den „Mattseer Annalen&amp;quot; über die Zerstörung Ranshofens zum Jahr 1242, aus der hervorgeht, dass die Pfalz damals zwischen dem Kloster und der Pfarrkirche St. Michael gestanden war, hat Schiffmann dann aufgrund dieser Grabungen die Hypothese abgeleitet, die Pfalz sei westlich von der Pfalzkapelle, etwa an der Stelle, wo das Hauptschiff und der Turm der heutigen Kirche stehen, gelegen gewesen. Die Pfalzkapelle selbst aber - damals noch nicht größer als das jetzige Presbyterium - habe den Ostabschluss des Pfalzgebäudes gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Neubau des Chorherrenklosters oder eine Erweiterung des vorher ja schon anzunehmenden Säkularkanonikerstiftes nach 1125 ist naheliegend. Höchst fragwürdig erscheint allerdings eine Kirchweihnotiz für das Kloster und den &amp;quot;Pankrazaltar&amp;quot; (&amp;quot;monasterium et altare s. Pancratii&amp;quot;) von 1135. Sie nennt nämlich neben dem weihenden Bischof Reginbert von Passau den Kaiser Heinrich II., eine Reihe von Bischöfen und einen Herzog Heinrich von Bayern und Sachsen als Anwesende. Reginbert wurde allerdings erst 1138 Passauer Bischof (sein Vorgänger hieß Reginmar) und der Kaiser und die übrigen Bischöfe scheinen aus der verfälschten Urkunde Kaiser Heinrichs III. von 1040 übernommen zu sein. Nur Herzog Heinrich X. (der Stolze) von Bayern, der allerdings auch erst 1137 zusätzlich mit Sachsen belehnt worden war, käme als &amp;quot;Zeitzeuge&amp;quot; in Betracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach schweren Schäden, die Kirche und Kloster bei den kriegerischen Überfällen von 1242, 1250 und 1266 erlitten hatten, wurden beide wiederhergestellt und schließlich 1283 durch den Regensburger Bischof Heinrich neu eingeweiht. Die kunstgeschichtliche Forschung vermutet für die Kirche einen Bau im Stil der frühen Gotik. Reste von zwei säulentragenden Steinlöwen und drei Medaillonbilder an der südlichen Außenmauer des Chores, die stilistisch zu dieser Bauperiode gehören, lassen jedenfalls erkennen, dass beim spätgotischen Kirchenbau zu Beginn des 16. Jahrhunderts zumindest ein Teil des Mauerwerks übernommen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1337 stiftete der Braunauer Bürger Ulrich Schön eine Friedhofskapelle (Karner), die dem Hl. Geist und dem hl. Oswald geweiht wurde. Sie ist als achteckiger Tuffsteinbau mit spitzbogigem Portal und drei Fenstern erhalten geblieben. Im Inneren enden die von verschieden gestalteten Konsolen ausgehenden Rippen in einem Schlussstein mit großer Rose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Seelsorgekirche wurde 1474 von Propst Wolfgang der Grundstein zu einem gotischen Neubau gelegt. Auf den ältesten erhaltenen Abbildungen ist ihr Turm noch mit einem spitzzulaufenden Helm gedeckt. Als ältestes Element des Um- bzw. Neubaus der Stiftskirche ist die unter Propst Blasius Rosenstingl (1494-1504) neu gestaltete Marienkapelle (&amp;quot;Rosenkranzkapelle&amp;quot;) anzusehen, die später - als ostseitiger Abschluss des nördlichen Seitenschiffs - in die Konstruktion der Kirche einbezogen wurde. Von diesem unter Propst Kaspar Türndl (1504-15 26) errichteten spätgotischen Bau ist freilich heute kaum mehr etwas zu erkennen, wenn man von der schlichten Außenerscheinung mit den glatt geputzten Wänden, dem Tuffsockel und den dreifach gestuften Stützmauern des Langhauses absieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Inneren ist die gotische Baukonstruktion fast zur Gänze durch die Umformungen der Barockzeit verdeckt. Nur das einfache Kreuzrippengewölbe des oberen Konventchores oberhalb der Sakristei ist vom Kirchenschiff aus noch sichtbar. Im Hinblick auf die der gleichen Bauperiode angehörenden Bauten der Ranshofener Filialkirchen in Neukirchen/Enknach und Hochburg, vor allem aber der Bürgerspitalskirche in der nahen Stadt Braunau, die als inkorporierte Pfarre ja ebenfalls an das Stift gebunden war, spricht Brucher in seiner Darstellung der &amp;quot;Gotik in Österreich&amp;quot; von einer Innviertler Bautengruppe, die nachhaltig im künstlerischen Ausstrahlungsbereich des Hans von Burghausen stand. Eine Nähe solcher Tendenzen wird man für die Stiftskirche selbst zumindest hypothetisch voraussetzen dürfen, auch wenn der Nachweis dafür nur schwer zu erbringen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild der baulichen Entwicklung Ranshofens ist in den folgenden Jahren von der Barockisierung geprägt, die in mehreren Phasen vor allem dem Innenraum der Stiftskirche ein völlig neues Aussehen verlieh. Die ersten Ansätze dazu sind schon für die Zeit von Propst Hilarius Steyrer (1610-1620) überliefert. Zu großen Veränderungen kam es unter seinem Nachfolger, Propst Philipp Vetterl (1620-1634). 1621 war der Turm der Stiftskirche eingestürzt. In der Folge ließ der Propst - er wird in der Grabinschrift als &amp;quot;architectus insignis&amp;quot; gerühmt - einen neuen bauen, der allerdings weiter nach Westen verlagert wurde, da man zwischen Turm und Kirchenschiff eine halbrunde Westkonche einschob. Diese diente der Errichtung einer Musikempore, auf der eine damals neu angeschaffte Orgel aufgestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1624 begann Propst Philipp auch noch mit der Erneuerung des Stiftsgebäudes, wofür er aus Italien Maurer berief (&amp;quot;ex Italia murarios conducens&amp;quot;). Im Stadium seines vollen Ausbaus, wie es Ansichten aus der Zeit nach 1700 sichtbar machen, bestand das Kloster mit seinen Nebengebäuden aus drei in Nord-Süd-Richtung aneinander anschließenden Gevierten: dem Konventgebäude mit der Prälatur, der Dekanei und der Bibliothek, einem verbindenden Zwischengebäude und dem Meierhof mit dem Bräuhaus. Nach Osten zu waren verschiedene Gärten angelegt (der Blumengarten, der Konventgarten, der Baumgarten und der sogenannte &amp;quot;Kuchelgarten&amp;quot;). Das Ganze wurde von einer Einfriedungsmauer mit einem Torturm umschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1650 standen davon nur der unter Propst Philipp erbaute Konventtrakt und der Meierhof, den Propst Philipps Nachfolger, Propst Simon Meier (1634-1665), neu errichten ließ. Als Baumeister hat Martin dafür einen Bartolomeo Viscardi ausfindig gemacht, der sich in einem Kommissionsprotokoll der Jesuitenkirche in Burghausen als &amp;quot;Stift Ranshofenscher Baumeister&amp;quot; bezeichnet. Schon vorher nannte Schiffmann einen Kaspar Regeton, der 1624/25 auch am Stiftsneubau in Reichersberg beteiligt war. Ulm hat ihn als einen Kaspar Righettoni aus Castenada im Misoxtal in Graubünden identifiziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verbindungstrakt zwischen Konventgebäude und Meierhof entstand erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts, ebenso ein westlich von der Stiftskirche ausgeführter Gasttrakt. Die umfangreichsten Veränderungen an der Stiftskirche wurden unter Propst Ivo Kurzbauer (1687-1715) im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 vorgenommen. Abgesehen von der großzügig erneuerten Innenausstattung kam es zu zahlreichen Eingriffen in die Bausubstanz der Kirche, die alle dem Zweck dienen sollten, den Innenraum in Einklang mit dem barocken Gesamtbild zu bringen. Dazu gehörten vor allem eine Erweiterung der Fensterflächen, das Abtragen einiger Pfeiler, die von außen das Kircheninnere verfinsterten, und schließlich im Chor die Konstruktion einer in den Dachraum hineinragenden Kuppel, um so dem neuen Hochaltar eine entsprechende Höhenausdehnung zu ermöglichen. Propst Ivo begann auch noch mit dem Bau eines neuen Turmes mit barockem Helm für die Pfarrkirche [[St. Michael]], der unter seinem Nachfolger, Propst Augustin II., nach 1715 fertiggestellt wurde. 1799 wurde diese Kirche jedoch zur Gänze abgetragen. Das dabei freigewordene Material verwendete man zum Ausbau der Festung Braunau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert wurden nach der Aufhebung und der damit verbundenen Profanierung des Stiftes der nördliche und der östliche Teil des Konventgebäudes abgetragen. 1859 brannte der Turm der ehemaligen Stiftskirche aus, wobei die Barockorgel völlig zerstört wurde. Die spitze Helmform, welche der Turm beim Wiederaufbau erhielt, könnte als unbeholfener Versuch einer Regotisierung gemeint gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildende Kunst=== &lt;br /&gt;
Abgesehen von den kunstgeschichtlich wertvollen romanischen Handschriften sind nur ganz wenige mittelalterliche Denkmäler der bildenden Kunst aus Ranshofen erhalten geblieben. Zu nennen sind hier zunächst jene drei Medaillonbilder im sogenannten &amp;quot;Rollgang&amp;quot; an der südlichen Außenmauer des Chores der ehemaligen Stiftskirche vom Beginn des 14. Jahrhunderts. Sie wurden in der älteren Literatur als Apostelköpfe gedeutet, zuletzt wurde auch erwogen, ob man sie nicht mit einer Notiz Aventins in Zusammenhang bringen könnte, nach der die Bischöfe Reginbert von Passau und Heinrich von Regensburg auf Fresken dargestellt waren. Dem gleichen Zeitabschnitt sind stilistisch jene zwei säulentragenden Portallöwen aus Ranshofen zuzuordnen, die heute die Besuchergarderobe im Braunauer Bezirksmuseum behüten. In der Stiftskirche selbst ist noch die schön gestaltete gotische Grabplatte des Propstes Blasius Rosenstingl, die dem Salzburger Bildhauer Hans Valkenauer zugeschrieben wird, zu sehen. Rosenstingls Verehrung der Gottesmutter - er hat ja auch den Neubau der Marienkapelle durchgeführt - findet darauf in einer Darstellung der hl. Maria, die von zwei musizierenden Engeln begleitet wird, beredten Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Umkreis der Ranshofener Filialkirchen wären noch zwei qualitativ hervorragende Holzreliefs mit Darstellungen des Marientodes in Hochburg (um 1490) und in Neukirchen/Enknach (um 1510) hervorzuheben sowie eine Monstranz aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert, die der heutigen Pfarrkirche in Handenberg gehört, ferner der &amp;quot;Bäckeraltar&amp;quot; in der Braunauer Stadtpfarrkirche. Obwohl für die Zeit des beginnenden Barock mehrfach über Altarerneuerungen in Ranshofen berichtet wird, ist kaum etwas namhaft zu machen, was aus dieser Periode an kunstgeschichtlich Bedeutsamem erhalten wäre. In jüngerer Zeit hat allerdings Lipp die Herkunft einer im Braunauer Bezirksmuseum aufgestellten Holzplastik aus Ranshofen aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts von einem Ranshofener Altarwerk zur Diskussion gestellt. Diese wollte man aufgrund der Krone und der Reichsinsignien früher als eine Darstellung des Kaisers Arnulf ansehen. Lipp deutete sie als den heilig gesprochenen Kaiser Heinrich II., der ja im klostereigenen Geschichtsverständnis einen besonderen Stellenwert einnahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge mit einem Altarwerk der Stiftskirche werden auch für Holzplastiken des hl. Pankratius und vier Engelfiguren aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts vermutet, die heute als Aufsatzfiguren der Orgel dienen. Zwei herausragende Stücke kunstgewerblicher Arbeit sind schließlich noch die Monstranz und der Kelch, welche 1682 durch Propst Benno Meier bei dem Augsburger Goldschmied Georg Reischle in Auftrag gegeben wurden. Beide Geräte sind aus Silber gefertigt, teilweise vergoldet und mit Halbedelsteinen geschmückt. Zahlreiche Emailmedaillons mit Szenen aus dem Leben Christi gehören zur künstlerischen Ausstattung des Ensembles. Dazu kommen weitere Medaillons mit Grisaillebildern der Rosenkranzgeheimnisse, welche das herzförmige Fenster der Monstranz einrahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erscheinungsbild, das heute den Besucher der ehemaligen Stiftskirche in Ranshofen empfängt, ist geprägt von der großzügigen Umgestaltung, welche das Innere im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 erfahren hat. Dies gilt sowohl von den damals neu aufgestellten Altären als auch von den Deckenfresken im Haupt- und im nördlichen Seitenschiff. Die Bilder des monumental wirkenden Hochaltars, die Enthauptung des hl. Pankraz und darüber (als Aufsatzbild) die hl. Dreifaltigkeit darstellend, stammen von dem in Braunau geborenen bayerischen Hofmaler Johann Kaspar Sing. Sie werden von einem Aufbau aus gewundenen Säulen, Akanthusranken und einer Reihe von Heiligenfiguren eingerahmt, der dem Braunauer Bildhauer Sebastian Hagenauer zugeschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein genaueres Hinsehen verdient die Deckengestaltung mit der Stukkaturverzierung und den beiden Freskenzyklen zur Pankrazvita (im Chor und im Hauptschiff) und zum Marienleben (im nördlichen Seitenschiff). Das Besondere daran sind eine Fülle kleiner Emblembilder, die um die erzählenden Hauptbilder herum gruppiert sind und das dort dargestellte Geschehen kommentieren bzw. erläutern, eine Darstellungsform, die sich im Hochbarock einer gewissen Beliebtheit erfreute und der zahlreiche Handbücher gewidmet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reihe der Pankrazbilder etwa beginnt im Chorraum über dem Hochaltar mit einem Mittelbild, das die Unterweisung des jungen Pankraz durch den Papst zeigt. In zwei kleineren, flankierenden Seitenbildern wird die Landung des aus Phrygien stammenden Jünglings mit seiner Begleitung in Ostia bzw. der Empfang der Reisegruppe am Tor des päpstlichen Palastes geschildert. Die dazugehörenden Emblembilder zeigen eine Uhr, eine Sonnenblume, eine Feuerwerksrakete und eine Nachteule. Die Uhr, deren im Gehäuse verborgenes Werk die Zeiger treibt, symbolisiert die geheime Kraft, die den jungen Pankraz auf seine Reise trieb. Die Sonnenblume, die sich sogar der hinter Wolken versteckten Sonne zuwendet, verweist auf den Weg zum Glauben, den er auch durch Hindernisse unbeirrt geht. Die brennend zum Himmel aufsteigende Feuerwerksrakete ist ein Bild für den Feuereifer, mit dem der junge Mann seinen Weg zu Gott sucht. Die Nachteule schließlich, die von der aufgehenden Sonne vertrieben wird, zeigt seine Erleuchtung durch den päpstlichen Religionsunterricht an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer dieses komplizierte Bildprogramm entworfen hat, wissen wir nicht. Am ehesten ist an Propst Ivo Kurzbauer selbst zu denken. Die Ausführung der Bilder schreibt Martin in der Kunsttopographie des Bezirkes Braunau aufgrund einer Eintragung in den Ehematriken der Ranshofener Kirche dem Laienbruder Christof Lehrl aus dem bayerischen [[Chorherrenstift Högelwörth]] zu. Lehrl wird dort zusammen mit zwei Stukkateuren als Trauzeuge bei der Hochzeit des Malers Josef Pöckl aus Teisendorf, der später in Uttendorf ansässig war, genannt. Dass dieser Pöckl auch an den Fresken mitgemalt haben dürfte, ist Martin entgangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Signatur &amp;quot;I.P.&amp;quot; bei einem der Fresken des Seitenschiffs könnte aber mit &amp;quot;Iosephus Pöckl&amp;quot; aufzulösen sein. Dieses Monogramm findet sich übrigens auch bei einem der &amp;quot;Autorenbilder&amp;quot;, mit denen zur gleichen Zeit die Decke der Bibliothek im Konventtrakt ausgeschmückt wurde, wieder. Unter Propst Augustin II. Pariser wurde um 1730 die Rosenkranzkapelle mit Fresken ausgeschmückt, in den letzten Jahrzehnten des Bestehens des Chorherrenstiftes ist dann noch die Ausgestaltung von Teilen des Prälatentraktes mit Stuckverzierung von Johann Baptist Modler aus Kößlarn hervorzuheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikpflege==&lt;br /&gt;
Die einzige zur Gänze erhaltene mittelalterliche Musikhandschrift aus dem Chorherrenstift Ranshofen ist ein &amp;quot;Breviarium sive ordo&amp;quot; genannter Kodex des 13. Jahrhunderts in München (Bayerische Staatsbibliothek, Clm. 12635 B). Sie verzeichnet und erläutert die Reihenfolge der Gesänge für das Stundengebet und die Messe für die einzelnen Festtage im Verlauf des Kirchenjahres. Als Vorlage des Ranshofener Kodex ist ein &amp;quot;Ordinarium&amp;quot; des Salzburger Domstiftes aus dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts anzusehen (Universitätsbibliothek Salzburg, Cod. M II 6). Über weite Strecken textgleich mit der Ranshofener Handschrift ist außerdem der Vorauer Cod. 99, der ebenfalls dem 13. Jahrhundert angehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonderes Interesse seitens der Wissenschaft fand in diesen miteinander verwandten Handschriften die Aufzeichnung der &amp;quot;Visitatio sepulcri&amp;quot;, eines gesungenen geistlichen Spiels innerhalb der Osternachtsliturgie, in dem der Besuch der Frauen am Grabe Jesu, ihre Botschaft an Petrus und Johannes und deren Wettlauf zum leeren Grab in einer sehr zeremoniösen Weise dargestellt werden. Den Schluss bildet das vom Volk gesungene deutschsprachige Osterlied &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht in dieser sogenannten &amp;quot;Liturgischen Osterfeier&amp;quot; eine wesentliche Wurzel für die Entwicklung des mittelalterlichen Dramas. Aus inzwischen verlorengegangenen mittelalterlichen Liturgiebüchern hat schließlich noch im 17. Jahrhundert Hieronymus Mayr die Texte einer Sequenz (&amp;quot;Ante thronum majestatis&amp;quot;) und eines spätmittelalterlichen Reimoffiziums zum Pankrazfest in sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; kopiert. Schon für diesen Zeitraum ist eine intensive Musikpflege innerhalb der Stiftsschule vorauszusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der musikalischen Theorie, die im Rahmen der Unterweisung aus den &amp;quot;Sieben freien Künsten&amp;quot; vermittelt wurde, erfuhren die Klosterschüler eine gründliche Schulung in der Praxis des Singens, sodass sie beim Gottesdienst die Chorherren unter stützen, manchmal sogar vertreten konnten. Seit dem 16. Jahrhundert lassen sich dann auch für die Musikpflege in Ranshofen Erscheinungen beobachten, die mit der Ausbreitung der humanistischen Bewegung in Zusammenhang stehen. So traten in der Klosterschule an die Stelle des geistlichen &amp;quot;Scholasticus&amp;quot; weltliche Lehrer, die zusammen mit ihren Schülern auch in der Kirche sangen, wobei die mehrstimmigen Musikformen der Renaissance rasch in das Repertoire eindrangen. Die Wurzeln dafür kann man bis in die Regierungszeit des Propstes Kaspar Türndl zu rückverfolgen. Er ließ für die „Präbendisten&amp;quot; - die auf Kosten des Stiftes ausgebildeten Sängerknaben - eine eigene Unterkunft erbauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger, Propst Augustin Münich, wirkte hier vor 1550 ein Magister Johann Kappenstill als Lehrer, der später als Stadtschreiber in Passau im Umkreis des dortigen Humanismus große Wertschätzung genoss und zum Freundeskreis um Leonhard Päminger gehört hat. Seinem Nachfolger, Magister Stephan Vokenrieder, hat Päminger sogar zwei Spruchmotetten gewidmet, die später in die gedruckte Ausgabe der Pämingerschen &amp;quot;Cantiones ecclesiaticae&amp;quot; aufgenommen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein umfassendes Bild der schulischen Verhältnisse in Ranshofen um die Mitte des 16. Jahrhunderts vermittelt das Passauer Visitationsprotokoll von 1559/60. Der &amp;quot;cantor&amp;quot; hielt sich zur Zeit der Kirchenvisitation überhaupt von den Musikaufführungen fern (singt nicht zu Chor). Mit den Schülern, welche er unterrichtete, sang er jedoch regelmäßig vor Beginn des Unterrichts das &amp;quot;Veni, sancte Spiritus&amp;quot; und das &amp;quot;Veni creator&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den &amp;quot;scholasticus&amp;quot; erfahren wir, dass er mit den Schülern eine &amp;quot;Comoedia de coena Domini&amp;quot; (&amp;quot;Spiel vom Herrenmahl&amp;quot;) aufgeführt habe: ein Hinweis auf die Pflege des Schultheaters in Ranshofen. Die Größe der Stiftsschule wird daran erkennbar, dass neben dem Schulmeister und dem Kantor noch ein Magister Thomas Winter genannt wird. Er wird als &amp;quot;ludirector&amp;quot; bezeichnet, hatte also wohl neben dem Schuldienst auch noch die Leitung der Kirchenmusik zu versehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Musikrepertoire sind wir leider nur sehr bruchstückhaft informiert. Vorauszusetzen ist die fortlaufende Pflege des Gregorianischen Chorals. Daneben werden verschiedene protestantische Gemeindelieder genannt, die zunächst wohl einstimmig, fallweise vermutlich von der Schulkantorei in mehrstimmigen Sätzen gesungen wurden, in denen sie schon sehr früh Verbreitung gefunden hatten. Gewiss sang man daneben aber auch mehrstimmige lateinische Messkompositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Orgel hat es damals hier ebenfalls schon gegeben, denn im Visitationsbericht wird bereits ein Organist unter den Klosterdienern aufgezählt. Die noch in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts einsetzende Gegenreformation beginnt dann das Erscheinungsbild des Schulwesens und der Musikpflege alsbald zu verändern. In einer staatlichen Schulordnung von 1569 wurde für die Lateinschulen wieder das Singen der alten Choralweisen vorgeschrieben. Die gefälschten Psalmen und Lieder - gemeint sind die protestantischen Kirchenlieder - wurden aus Kirche und Schule verbannt. Ein Zeugnis dieser vorerst nur zögernd einsetzenden Entwicklung ist für Ranshofen der Visitationsbericht des römischen Kurienkardinals &amp;quot;Commendone&amp;quot; aus dem Jahre 1569. Nach ihm unterrichteten damals immer noch drei Lehrer etwa achtzig Schüler aus Grammatik und Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chorherren sangen das Offizium schön und mit Andacht auf dem alten Konventchor oberhalb der Sakristei. Während der Woche wurde die Messe nur gelesen. An Sonn- und Feiertagen jedoch sangen sie die Chorknaben in der Pfarrkirche St. Michael. Eine weitere wichtige Umstellung des Schulwesens erfolgte zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Nach dem Vorbild der Jesuitengymnasien übernahm jetzt wieder ein Geistlicher die Leitung der Schule und das Amt des &amp;quot;regens chori&amp;quot;. Weltliche Lehrer sind fortan nur noch in untergeordneter Stellung anzutreffen. Der erste geistliche Chorregent in Ranshofen, den wir dem Namen nach kennen, ist der spätere Propst Philipp Vetterl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; berichtet von argen Missständen, die damals im Kloster geherrscht hätten. So habe Frater Philippus das Offizium, besonders die abendliche Vesper, häufig mit den Chorknaben allein gesungen, während sich die übrigen Stiftsangehörigen in Wirtshäusern und Spelunken herumgetrieben hätten. Nach seiner Wahl zum Propst begann er jedoch zielstrebig das Kloster zu erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1622 wurde auf der neugebauten Musikempore der Stiftskirche eine neue Orgel aufgestellt. Noch die Grabinschrift des Propstes rühmt das Werk wegen der Größe der Pfeifen und der Lieblichkeit seines Klanges. Um die Mitte des 17. Jahrhund erts wirkte [[Sebastian Widerstain]] als Stiftsorganist in Ranshofen. Nach einem Musikalienkatalog des Münchener Buchhändlers Paul Parsdorffer gab er eine Sammlung von &amp;quot;Miserere&amp;quot; für vier bis acht Singstimmen, zwei Violinen und Orgel im Druck heraus, denen noch eine &amp;quot;Lauretanische Litanei&amp;quot; hinzugefügt ist. Die Besetzung der leider nirgends erhaltenen Sammlung Widerstains zeigt, dass damals bereits Musikformen des Frühbarock mit selbständig geführten instrumentalen Begleitstimmen im Raum Ranshofen verbreitet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1699 wurde zum 800-Jahr-Fest des Bestehens der Pankrazkapelle im oberen Konventchor eine kleine Chororgel aufgeste llt. Das musikalische Programm der Gottesdienste, die im Verlauf der eine Woche dauernden Festlichkeiten stattfanden, ist leider nicht im Detail überliefert. Von Biber ist in Kremsmünster die Abschrift einer &amp;quot;Missa Sti. Henrici&amp;quot; erhalten. Es ist nicht auszuschließen, dass sie in diesem Zusammenhang von Ranshofen in Auftrag gegeben worden ist, verehrte man doch damals den heiligen Kaiser Heinrich II. - wenn auch nur irrtümlich - als einen der Gründer des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vierteljahrhundert später begegnet in [[Wilhelm Ganspeckh]] (1687-1770) der erste und gleichzeitig einzige Ranshofener Chorherr, der nachweisbar auch als Komponist tätig gewesen ist. Der Vater und zwei seiner Brüder waren unter Kurfürst Max Emanuel Musiker an der Bayerischen Hofmusikkapelle. Nach seinen Studien und der Priesterweihe war er lange Zeit Chorregent im Kloster. Von seinen musikalischen Werken ist einzelnes erhalten geblieben, vor allem ein Druck mit acht Messen und einem Requiem, der 1724 unter dem Titel &amp;quot;Octiduum sacrum&amp;quot; erschienen ist. Als zweiter Teil sind noch zwölf Offertorien angehängt. Die Messen sind nach den Altarheiligen der Stiftskirche benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Sekundiz des letzten Ranshofener Propstes Johann Nepomuk Kierl wurde 1805 noch eine eigens dafür komponierte Kantate (&amp;quot;Heut möge jede Brust das mächtige Gefühl der Freude schwellen&amp;quot;) eines unbekannten Komponisten aufgeführt, deren Partitur erhalten ist. Sie ist das letzte Zeugnis der Musikpflege im Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien== &lt;br /&gt;
Das Ranshofener Stiftsarchiv enthielt seinerzeit eine große Zahl von Originalurkunden, dazu mehrere Kopialbücher, andere Handschriften und sonstige Akten. Das meiste davon kam bei der Aufhebung 1811 nach München in das jetzige Bayerische Hauptstaatsarchiv. Kleinere Aktenbestände befanden sich außerdem im Staatsarchiv in Landshut, wurden von dort aber in der Zwischenzeit ebenfalls an das Hauptstaatsarchiv in München abgegeben. Nur weniges ist im Ranshofener Pfarrhof zurückgeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die älteste erhaltene Urkunde ist die von Kaiser Arnulf über die „Verleihung&amp;quot; der Pfalzkapelle an den Priester Ellimprecht (Bayr. HStA München, Kaiserselekt 87 = Ranshofen Urk. 1) aus dem Jahr 898. Sie muss seit der Karolingerzeit durchgehend an der Pankrazkirche aufbewahrt worden sein. Im Bayerischen Hauptstaatsarchiv befindet sich auch die Urkunde Herzog Heinrichs IX. von 1125, der sogenannte „Stiftbrief&amp;quot; des Augustiner-Chorherrenklosters (Ranshofen Urk. 2), neben weiteren Königs- und Herzogsurkunden. Auch päpstliche Privilegien für Ranshofen liegen dort auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Handschriften des Archivs ist jene des alten Traditionskodex seit der Aufhebung des Klosters leider verschollen. Die einzige auf das Originalmanuskript zurückgehende Textedition ist die der &amp;quot;Monumenta Boica&amp;quot; von 1764. Diese Textform wurde dann 1852 im ersten Band des Urkundenbuches des Landes ob der Enns neuerlich abgedruckt. Etwa gleichzeitig fand der St. Florianer Chorherr [[Jodok Stülz]] im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr eine große Zahl von Traditionen, die Mayr um 1650 aus dem Traditionskodex kopiert hatte. Ein Reihe von weiteren Notizen sind darin in regestenartiger Form wiedergegeben. Diese Überlieferung wertete Konrad Schiffmann 1905 in einer Neuedition aus und erläuterte seine daraus abgeleiteten Erkenntnisse in einer ausführlichen Einleitung. Zum einen kann man nämlich aus dem Vergleich der verschiedenen Überlieferungen erkennen, dass im Monumenta-Boica-Text eine Reihe von Notizen ausgelassen wurden. Zum anderen lassen sich aus den von Mayr gemachten Angaben über die Folien, auf denen er die einzelnen Traditionen gefunden hatte, wertvolle Hinweise auf die ursprüngliche Zusammensetzung des Kodex gewinnen. Dabei wird deutlich, dass die Handschrift aus mehreren vorerst voneinander unabhängig bestehenden Lagen schließlich zu einem Kodex verbunden wurde. Einzelne Lagen erscheinen hinsichtlich der Chronologie falsch aneinandergereiht. Außerdem begegnen die Notizen der ersten Lage in einem späteren Teil ein zweites Mal, wobei die älteste Lage mit der Notiz über die vom Bayernherzog Welf II. getätigte Schenkung von Besitzungen in Handenberg an die Pankrazkirche und die als zugehörige Filialkirche zu denkende Jakobikapelle in Handenberg (Schiffmann II 1, um 1110) eröffnet worden sein dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den erhalten gebliebenen Handschriften des Archivs ist das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes Konrad I. von 1277/1303 die wichtigste (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Ransh. Lit. 1). Sie enthält neben den beiden - bereits oben im Abschnitt über die wirtschaftliche Entwicklung gestreiften - Urbaren zwei Kopialbücher mit wichtigen Urkundenabschriften. Die vier Teile wurden vermutlich erst im 17. Jahrhundert zu einem Kodex zusammengebund en. Die beiden Kopialbücher enthalten wertvolle Zeugnisse zum Ranshofener Urkundenwesen, darunter Kopien von heute verschollenen Originalurkunden, wie etwa die Abschriften jener beiden Urkundentexte, die als verfälschte Fassungen eines Diploms Kaiser Heinrichs III. für Ranshofen anzusehen sind. Auf fol. 47ff. finden sich Angaben über verschiedene Altarweihen, die Schiffmann im Anhang seiner Ranshofener Baugeschichte publiziert hat (&amp;quot;Die Kirchweih-Chronik von Ranshofen&amp;quot;). Zwei weitere Kopialbücher schrieb am Beginn des 15. Jahrhunderts der Chorherr [[Christian Perger]] aus Eggenfelden (Ransh. Lit. 4 bzw. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein von Propst Philipp Vetterl 1623 angelegtes Urkundenbuch befindet sich im Braunauer Stadtpfarrkirchenarchiv. Es enthält zunächst Kopien von Urkunden, die sich auf die Braunauer Stadtpfarre St. Stephan beziehen, im weiteren Verlauf sind auch andere Stiftungen zugunsten des Klosters oder seiner Filialkirchen in den Text aufgenommen. Zum Archivbestand haben wohl auch der Bericht des Propstes Benno Meier über die niederösterreichischen Besitzungen von 1670 und das von ihm angelegte &amp;quot;Inventarium&amp;quot; von 1665/1687 gehört (vgl. oben die Abschnitte &amp;quot;Wirtschaftliche Verhältnisse&amp;quot; und &amp;quot;Bibliothek&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Bernhard Bischoff: Die südostdeutschen Schreibschulen der Karolingerzeit. Band 2. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Gotische Baukunst in Österreich. Salzburg 1990.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
* Rudolf Guby: Die Kunstdenkmäler des oberösterreichischen Innviertels. Wien 1921.&lt;br /&gt;
* Siegfried Haider: Zum Problem karolingischer Pfalzen in Oberösterreich. In: Baiern, Ungarn und Slawen im Donauraum. Hg. von Willibald Katzinger / Marckhgott, Gerhart. Linz 1991 (Forschungen zur Geschichte der Städte und Märkte Österreichs, 4), S. 11–16.&lt;br /&gt;
* Peter Herde: Ranshofener Urkundenstudien. In: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte 24 (1961), S. 183–228. [http://periodika.digitale-sammlungen.de/zblg/kapitel/zblg24_kap8 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die mittelalterliche Buchkunst der Chorherrenstifte am Inn. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 205–231.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Klemm: Die romanischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München. Teil 1: Die Diözesen Regensburg, Passau und Salzburg. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Sigrid Krämer: Die Bibliothek von Ranshofen im frühen und hohen Mittelalter. Band 2. In: The Role of Book in Medieval Culture. Hg. von Peter Felix Ganz. Turnhout 1986 (Bibliologia Elementa ad Librorum Studia Pertinantia, 4), S. 41–72.&lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme der Chorherrenkirche in Ranshofen. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 6 (1966), S. 179–219.&lt;br /&gt;
* Wilfried L. Lipp: Das ehemalige Augustiner Chorherrenstift Ranshofen - Ein Beitrag zur Kunstgeschichte. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, 149–160.&lt;br /&gt;
* Walther Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften des deutschen Sprachgebietes. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 7 (1971), S. 7–102.&lt;br /&gt;
* Alfred Marks: Oberösterreich in alten Ansichten. Linz 1968.&lt;br /&gt;
* Franz Martin (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Braunau. Wien 1947 (Österreichische Kunsttopographie, 30).&lt;br /&gt;
* August Prenninger: Hinweise zur Bevölkerungsstruktur Ranshofens vom Mittelalter bis zur Bauernbefreiung 1848. In: Rantesdorf 788-1988, 1200 Jahre Ranshofen. Ausstellung vom 28. Mai bis 17. Juli 1988. Hg. von Walter Pilshofer / Rudolf Schmidt. Braunau am Inn 1988, S. 39–44.&lt;br /&gt;
* [[Franz Xaver Pritz]]: Geschichte des aufgelassenen Stiftes der regulirten Chorherren des heiligen Augustin zu Ranshofen in Oberösterreich. In: Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen 17 (1857), S. 327–435. [https://books.google.at/books?id=U5YJAAAAIAAJ&amp;amp;vq=pritz&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA327#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Baugeschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Archiv für die Geschichte der Diözese Linz 5/1 (1908), S. 3–26.&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Aufhebung des Stiftes Ranshofen. In: Unterhaltungsbeilage der Linzer Tages-Post, Nr. 42, Jg. 1911 (15. Oktober 1911).&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Ranshofener Stiftsschule im Zeitalter des Humanismus und der Reformation. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 117 (1972), S. 199–212. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_117a_0199-0212.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Musik im Stift Ranshofen. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 120 (1975), S. 67-110 [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_120a_0067-0110.pdf (Digitalisat)]; 121 (1976), S. 179–222. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_121a_0179-0222.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Überlieferung der Ranshofener Traditionen. Vorbemerkungen zu einer künftigen Neuedition In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 16 (1990), S. 5–16. [https://www.ooegeschichte.at/fileadmin/media/migrated/bibliografiedb/mooela_16_0005-0016.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Das Ranshofener Evangeliar in Oxford (Manuscript Canonici Bible Latin 60 der Bodleian Library). Ranshofen 2012.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in den jüngeren Teilen des Ranshofener Traditionskodex. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 22 (2011), S. 291–320.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in Notizen aus dem ältesten Teil des Ranshofener Traditionskomplex. Zum Erscheinen der Schiffmann-Ausgabe vor 100 Jahren. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 21 (2008), S. 107–142.&lt;br /&gt;
* Hubert Schopf: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen am Inn im Mittelalter 1125–1426. Diss. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1985.&lt;br /&gt;
* Max Schrott: Die Conföderationen unserer Stifte. In: In Unum Congregati 5 (1985), S. 123–154.&lt;br /&gt;
* Georg Swarzenski: Die Salzburger Malerei von den ersten Anfängen bis zur Blütezeit des romanischen Stils. Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
* Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 245–294.&lt;br /&gt;
* Margareta Vyoral-Tschapka: Die Klosteranlage des ehemaligen Augustiner Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege Oberösterreich 160: Festschrift für Georg Heilingsetzer zum 70. Geburtstag (2015), S. 577–616.&lt;br /&gt;
* Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert. Köln 1975 (Kölner historische Abhandlungen, 24).&lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Königsherzogsgut in Oberösterreich. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 3 (1954), S. 101–145.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Zur Rechtsgeschichte des Stiftes Ranshofen und seiner Pfarreien. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 161–170.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Ranshofen</title>
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		<updated>2022-07-14T08:01:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Entwicklung im Hoch-und Spätmittelalter */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1125&lt;br /&gt;
|Datum bis=1811/10/28&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis Ende des 18. Jahrhunderts)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=&amp;quot;curtis rantesdorf&amp;quot;, Hof Rantesdorf (788)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Pankraz, hl. Michael, hl. Jungfrau Maria&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte== &lt;br /&gt;
===Vorgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Errichtung des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen kurz vor oder im Jahr 1125 knüpfte an Voraussetzungen an, die durch eine damals schon Jahrhunderte währende Geschichte gegeben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen war zunächst ein Hof der bayerischen Agilolfingerherzöge, deren letzter, der unglückliche Tassilo III., im gleichen Jahr durch Karl den Großen seine Herrscherwürde einbüßte, in dem Ranshofen – als &amp;quot;Rantesdorf&amp;quot; – erstmals im Licht einer geschichtlichen Nachricht erscheint. Unter den Nachfolgern Karls des Großen wurde Ranshofen eine königliche Pfalz, ein Ort, der dem Herrscher als Aufenthalt und Verwaltungsstützpunkt diente. Kaiser Arnulf, einer der letzten ostfränkischen Karolinger, ließ hier zwischen 896 und 898 eine dem hl. Pankraz geweihte Kapelle erbauen und stattete sie mit Besitzungen, liturgischen Geräten, kostbaren Glasfenstern und Tapisserien sehr großzügig aus. Ein Priester Ellimprecht – wohl ein Mitglied der kaiserlichen Hofkapelle – erhielt die neu errichtete Pfalzkapelle zunächst als Lehen übertragen. Mit einer Urkunde vom 17. Oktober 898 wandelte Kaiser Arnulf dieses Lehen dann in ein freies Eigentum des Priesters Ellimprecht um. Nach dessen Tod sollte alles dem von Arnulfs Vater in Alt-Ötting gegründeten Säkularkanonikerstift zufallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Monate später fertigte Arnulf dann zugunsten der Ranshofener Pankrazkapelle eine weitere Urkunde aus, die allerdings nur in mittelalterlichen Abschriften überliefert wird. An ihrem Text fällt auf, dass vom Priester Ellimprecht nun keine Rede mehr ist. Als Empfänger der gegebenen Güter erscheinen vielmehr &amp;quot;die Kleriker, die dort den Gottesdienst verrichten&amp;quot;. Aus dieser Formulierung hat man auf die nachträgliche Gründung eines Säkularkanonikerstifts in Ranshofen schließen wollen, über dessen Bestand sonst jedoch keine Nachrichten existieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das weitere Schicksal der Pfalz mit der dazugehörigen Pankrazkapelle ist dann nämlich über Jahrzehnte hinweg völlig ungewiss. Wir wissen nicht, ob schon Herzog Arnulf aus dem Geschlecht der Luitpoldinger, der nach dem Tod von König Ludwig (&amp;quot;dem Kind&amp;quot;) 911 die Herrschaft über Bayern an sich gerissen hatte, im Zuge seiner Enteignungen von Kirchengütern die ursprünglich vorgesehene Schenkung der Ranshofener Kapelle an das Stift Alt-Ötting wieder rückgängig gemacht hat oder ob das Abhängigkeitsverhältnis erst später gelöst wurde. Auch über die Auswirkungen der Ungarneinfälle auf das Gebiet schweigen die Quellen. Erst gegen Ende des 10. Jahrhunderts finden wir hier unter Herzog Heinrich dem Zänker einen bayerischen Landtag versammelt, der die sogenannten &amp;quot;Ranshofener Landgesetze&amp;quot; beschließt. Dessen Sohn, der 1002 zum König gewählte und später zum Kaiser gekrönte Heinrich II. (&amp;quot;der Heilige&amp;quot;) ließ am Weihnachtstag des Jahres 996 – noch als bayerischer Herzog – in der Pfalzkapelle den Mönch [[Gotthart von Niederaltaich]] zum Abt dieses Klosters weihen. Heinrichs Gemahlin Kunigunde schließlich verfügte 1025 über die Ranshofener Pfalz wie über familiären Privatbesitz, indem sie diese zusammen mit anderen Königshöfen gegen Güter des Bistums Freising abtauschen wollte. Der Nachfolger Heinrichs II., König Konrad II., scheint diesen Tausch aber nicht anerkannt zu haben. Jedenfalls gehörte das &amp;quot;praedium Ranteshoven&amp;quot; – so der neue Name der Siedlung seit dem ausgehenden 10. Jahrhundert – mit der dazugehörigen Kapelle weiterhin zum Reichsgut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Gründung – oder Wiederbelebung – eines Kanonikerstiftes verweisen erst wieder zwei Urkunden, die Kaiser Heinrich III. im Jahr 1040 für Ranshofen ausgestellt haben soll. Auch sie sind nur in Abschriften überliefert und gelten der Urkundenforschung in ihrer vorliegenden Gestalt als Fälschungen. Man hat allerdings den Versuch unternommen, in beiden authentische Abschnitte von späteren Zusätzen zu trennen. Dabei begegnet im vermutlich echten Text die Angabe über eine Schenkung von Zehenten zugunsten der in Ranshofen &amp;quot;weilenden Priester ..., damit der Gottesdienst dort täglich gefeiert werde.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutet man dies als Hinweis auf eine Klerikergemeinschaft, so dürfte diese in den Wirren der Zeit des Investiturstreits wieder zerfallen sein. Jedenfalls begegnen in den ältesten Schenkungsnotizen des Ranshofener Traditionskodex, deren Textüberlieferung vor 1070 einsetzt, zunächst nur einzelne Priester der Pankrazkirche, die mehrfach auch als Pfarrer bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte===&lt;br /&gt;
Erste Anzeichen für die erneute Einrichtung einer Kanonikergemeinschaft kann man am Text der Ranshofener Traditionen seit etwa 1120 beobachten. Die hier aufgezeichneten Schenkungen erfolgen jetzt nämlich zugunsten der an der Pankrazkirche &amp;quot;für Gott streitenden Brüder (fratres Deo militantes)&amp;quot;, eine Formulierung, die im Zusammenhang mit Regularkanonikern auch andernorts immer wieder begegnet, vereinzelt freilich auch für Angehörige eines weltlichen Kanonikerstiftes gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicheren Boden gewinnen wir somit erst mit der Schenkungsurkunde des Bayernherzogs Heinrich IX. des Schwarzen (1120–1126) vom 30. Juli 1125, in welcher dieser zusammen mit seiner Gemahlin Wulfhilde in der Ranshofener Pfalz den &amp;quot;an der Pankrazkirche nach der Regel des hl. Augustinus Christus dienenden Brüdern Zehent im Gau&amp;quot; Ranshofen sowie verschiedene Güter übergibt. Auf dieser Urkunde basiert dann auch die Darstellung des bayerischen Historikers Aventin, der in seinem um 1520 geschriebenen &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; annimmt, Herzog Heinrich IX. habe hier im Jahr 1125 auf &amp;quot;Geheiß und Rat&amp;quot; des Salzburger Erzbischofs Konrad I. ein Augustiner-Chorherrenstift gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aventins Annahme ist freilich nur mit gewissen Vorbehalten zu übernehmen, denn eine zu diesem Zeitpunkt erst beschlossene Neugründung eines Klosters wird im Urkundentext ebensowenig erwähnt wie ein Zusammenwirken oder Zusammentreffen mit dem Salzburger Erzbischof. Ein Regularkanonikerkloster wird vielmehr als bereits bestehend vorausgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist die Einführung von Augustiner-Chorherren in Ranshofen vielleicht schon zwischen 1120 und 1125 erfolgt. Der weitere Ausbau des Stiftes zu einem Kloster für Chorherren, Chorfrauen und Konversen dürfte sich allerdings noch über die Zeit Heinrichs IX. hinaus bis in die Jahre der Herrschaft seines Sohnes Heinrich X. des Stolzen (1126–1139) erstreckt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Einrichtung eines Augustiner-Chorherrenstiftes erfasste eine wichtige religiöse Erneuerungsbewegung des Mittelalters Ranshofen. Eine Schlüsselfigur ihrer weiteren Ausbreitung war zweifelsohne der Salzburger Erzbischof Konrad I. (1109–1147). Er gilt als Gründer oder Erneuerer einer großen Zahl von Chorherrenstiften innerhalb und außerhalb seines engeren Diözesanbereiches. So ist seine Einflussnahme bei der Errichtung eines Chorherrenklosters in Ranshofen nicht auszuschließen. Quellenmäßig greifbar wird ein Zusammenhang mit ihm freilich erst um 1138/39. Damals nahm Konrad I. zusammen mit Bischof Roman von Gurk in Ranshofen eine Schenkung von Besitzungen der Ministerialen von Rohr im Kremstal für das Kloster entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Entwicklung im Hoch-und Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
Neben der Gestaltung der Liturgie in der Messfeier und beim Chorgebet war die Seelsorge ein wichtiges Anliegen des neuen Ordens. Da der Ranshofener Seelsorgesprengel sehr umfangreich war, wurden schon damals im weiten Umkreis Kirchen dafür neu gebaut oder vorhandene Kapellen übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ranshofen selbst baute man neben der Stiftskirche eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche. Andere Aufgaben waren die Krankenpflege, die schulische Unterweisung und die wissenschaftlichen Studien. Für letztere benötigte man ebenso wie für den Gottesdienst Handschriften, die zu einem großen Teil in der Schreibstube des Klosters, dem &amp;quot;scriptorium&amp;quot;, von den Chorherren selbst in mühevoller Arbeit hergestellt wurden. Aus Urkunden und Traditionsnotizen kennen wir einige Namen von Pröpsten des 12. und beginnenden 13. Jahrhunderts. Genannt werden ein [[Manegold]], der mit dem Magistertitel ausgezeichnet erscheint, nach ihm [[Meginhard]], [[Altmann (Stift Ranshofen)|Altmann]] und [[Adelhard]], unter dem 1178 das berühmte Evangeliar angekauft wurde, danach [[Liutold]] – wohl identisch mit dem im Evangelienbuch bezeugten Schatzmeister gleichen Namens –, dann nochmals ein Adelhard, der mit dem ersten Propst dieses Namens eine Person sein könnte, schließlich noch [[Etticho]] und [[Wichard]]. In verschiedenen Totenbüchern der Salzburger Diözese wird außerdem ein Propst [[Liutfrid von Ranshofen]] verzeichnet, der nur schwer einzuordnen ist. Vielleicht gehört er an den Anfang der Reihe gestellt, anstelle des von Aventin aus der Urkunde Heinrichs IX. von 1125 übernommenen [[Raffold]]. (Letzterer war vermutlich kein geistlicher Propst, sondern einer der Verwalter des Pfalzgutes.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1140 kam es zu einer Kontroverse mit dem Passauer Bischof Reginbert um die Seelsorgerechte und die daraus erwachsenden Zehentforderungen. Im Zusammenhang damit hat der Passauer Ordinarius den Kanonikern einen ungenannten jugendlichen Propst aufgezwungen, gegen den sie sich mit Erfolg aufgelehnt haben. Freiheit der Propstwahl ist dann auch eines der wichtigsten Rechte, das Ranshofen immer wieder urkundlich zugesichert wird, zum ersten Mal in dem großen Schutzprivileg des Papstes Eugen III. von 1147.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts – inzwischen hatten die Wittelsbacher den durch Kaiser Friedrich Barbarossa abgesetzten Heinrich den Löwen in der Herrschaft über Bayern abgelöst – begann für Ranshofen einer der unruhigsten Abschnitte seiner Geschichte. 1233 plünderten Truppen des Babenbergerherzogs Friedrich des Streitbaren bei Kämpfen mit Herzog Otto II. von Bayern Neukirchen an der Enknach, wobei die dortige Filialkirche zu schwerem Schaden kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Jahre danach, wahrscheinlich 1242, überfielen von der Burg Obernberg kommende Leute des Passauer Bischofs Ranshofen selbst und verbrannten zusammen mit der herzoglichen Pfalz auch die beiden Kirchen. 1250 drohten neue Gefahren. Bischof Rüdiger von Passau war durch den päpstlichen Legaten Albert Beham abgesetzt worden, und Berthold, ein gebürtiger Graf von Sigmaringen, sollte seine Stelle einnehmen. Doch Rüdiger leistete Widerstand und wurde dabei durch den bayerischen Herzog unterstützt. So durchzogen Soldaten des Gegenbischofs im November 1250 neuerlich plündernd den angrenzenden Weilhartsforst und verwüsteten das Land. Die Stiftskirche soll anschließend wieder aufgebaut und 1255 neu eingeweiht worden sein. Doch bald danach wurde das Gebiet um den unteren Inn im Zusammenhang mit Kämpfen zwischen Herzog Heinrich von Niederbayern – das Herzogtum war inzwischen nach dem Tod Ottos II. unter seinen Söhnen geteilt worden – und König Ottokar von Böhmen neuerlich Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen wurde 1266 ein zweites Mal niedergebrannt und dabei fast zur Gänze zerstört. So klagte Propst [[Sifrid]] (1255–1277) in einer Bittschrift an Papst Klemens IV. darüber, dass im Kloster nur mehr drei Leute Unterhalt fänden, während davor 14 Priester und 50 weitere Stiftsangehörige mühelos versorgt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Resignation Sifrids erlebte Ranshofen aber dann unter seinem Nachfolger [[Konrad I.]] (1277–1311) eine Zeit des Wiederaufschwungs. Neben den nun wieder günstigeren äußeren Verhältnissen ist diese Blüte vor allem in der Tatkraft und Zielstrebigkeit jenes Prälaten begründet. Bereits im Jahr seiner Erwählung begann er mit der Anlage eines Privilegienbuches, in das die Urkunden des Klosters in übersichtlicher Form eingetragen werden sollten. In dem angeschlossenen Urbar wurden die Stiftsgüter verzeichnet. Beide Teile hat Propst Konrad I. später in etwas abgewandelter Form nochmals redigiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der schon unter seinem Vorgänger begonnene Neubau der Stiftskirche wurde 1283 abgeschlossen und in Gegenwart des bayerischen Herzogs durch den Bischof von Regensburg eingeweiht. Auch das Kanonissenstift wurde erneuert und Einrichtungen für die Krankenpflege geschaffen. Schon mit Konrads gleichnamigem Nachfolger [[Konrad II.]] (1311–1332) setzte allerdings neuerlich eine Zeit des Niedergangs ein. Später besserten sich die Verhältnisse wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift wurde im 14. und 15. Jahrhundert vielfach durch Privilegien der Herzöge von Bayern und von Österreich ausgezeichnet. Auch Kaiser Ludwig der Bayer und später Maximilian I. reihten sich unter die Förderer ein. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts mehrten sich ganz allgemein die Versuche, dem damals drohenden Verfall der Klöster entgegenzuwirken. Erste Ansätze einer solchen Reform in Ranshofen unter den Pröpsten [[Erasmus Ridmund]] (1435–1444), [[Friedrich Gunderstorfer]] (1444–1448) und Thomas Wittel (1451–1462) zeigten jedoch keinen nachhaltigen Erfolg. Erst der aus dem niederösterreichischen [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] berufene Propst [[Wolfgang]] konnte das Kloster im Sinne einer vom böhmischen Stift Raudnitz ausgehenden Reformbewegung erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Nachdem Ranshofen im bayerischen Erbfolgekrieg trotz bedrohlicher Nähe des Kriegsgeschehens glimpflich davongekommen war, begann 1508 Propst [[Kaspar Türndl]] (1504—1529) mit dem Neubau der Stiftskirche. Gleichzeitig kam es zu einer Blütezeit humanistischen Geistes, die sich in den erhaltenen Handschriften und Frühdrucken aus der Klosterbibliothek spiegelt. Aber auch erste Anzeichen für eine beginnende Auseinandersetzung mit den Lehren Martin Luthers lassen sich von 1520 an beobachten. Eine Steigerung dieser Tendenzen ergab sich unter Propst [[Augustin I. Münich]] (1529—1560). Zeitgenossen rühmten ihn als Freund der Studien und Wissenschaften. Die Stiftsschule war unter seiner Herrschaft eine der größten Unterrichtsanstalten von ganz Bayern. Aus dem Protokoll einer Passauer Kirchenvisitation von 1559/60, der wichtigsten Quelle unserer Kenntnis über die Ausbreitung der Reformation im Innviertel, erfahren wir jedoch, dass die an dieser Schule wirkenden Schulmeister eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der protestantischen Glaubenslehren gespielt haben. Vielleicht steht die bald nach der Visitation erfolgte Resignation des Propstes im Zusammenhang mit seiner toleranten Einstellung gegenüber den Anhängern des neuen Glaubens. Unter seinem Nachfolger [[Adam Gensleitner]] (1560—1587) wurde jedenfalls sehr rasch die Gegenreformation voll zur Geltung gebracht, sodass der römische Kurienkardinal Commendone, der Ranshofen 1569 visitiert hat, den Zustand von Kirche, Kloster und Schule bereits als zufriedenstellend beurteilte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren neuerlichen Verfalls an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert begann nach 1620 eine der glanzvollsten Perioden der Geschichte Ranshofens. Der klostereigenen Geschichtsschreibung gilt sie als das Werk von vier aufeinanderfolgenden Prälaten. Trotz wachsender Bedrohung durch den Dreißigjährigen Krieg erneuerte Propst Philipp Vetterl (1620—1634) nicht nur die schwer darniederliegende Disziplin des Gemeinschaftslebens, sondern begann auch einen frühbarocken Neubau der Klosteranlage. 1628 erhielt der Propst durch Papst Urban VIII. für sich und seine Nachfolger das Recht des Gebrauchs der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1634 kam der bayerische Kurfürst Maximilian I. mit seiner Familie und seinem Hofstaat auf der Flucht vor den schwedischen Truppen, die München besetzt hatten, nach Ranshofen und blieb hier bis zum Frühjahr 1635. Während des Aufenthalts im Kloster ist die Kurfürstin Elisabeth am 4. Jänner 1635 gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Gegenwart des Kurfürsten gewählte Propst [[Simon Meier]] (1635—1665) kümmerte sich besonders um die Neuordnung der Bibliothek und um die wissenschaftlichen Studien der Stiftsangehörigen. Propst [[Benno Meier]] (1665—1687) - ein Neffe seines Vorgängers - ließ im Schloss Neukirchen eine theologische Studienanstalt einrichten. Besondere Sorgfalt widmete er dem Stiftsarchiv mit den alten Urkunden. Seinem Ordnungssinn ist es zu verdanken, dass wir für die Zeit seiner Regierung genaue Aufzeichnungen über die vorhandenen Kirchengeräte und einen Katalog der erworbenen Bücher besitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ivo Kurzbauer]] (1687—1715) erneuerte schließlich Kirche und Kloster für ein 1699 gefeiertes &amp;quot;Acht-tägiges hochfeierliches Jubel-Fest&amp;quot; zum Gedächtnis der achthundertjährigen Geschichte der Pankrazkirche und krönte damit die Bestrebungen seiner Vorgänger, eine Entwicklung, die [[Augustin II. Pariser]] (1715—1741) zwar weiterführen, aber nicht mehr steigern konnte. Die barocke Glanzzeit des Stiftes hatte damit ihren Höhepunkt bereits überschritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild, das Ranshofen dann von der Mitte des 18. Jahrhunderts an bietet, ist eher uneinheitlich. Man kann es nur verstehen, wenn man die Erscheinungen von zwei Seiten her eingrenzt: vom Weiterführen überkommener Lebensformen des Barock einerseits und von der damals auch in Bayern bereits einsetzenden Aufklärungsbewegung andererseits. Mit dem Frieden von Teschen (1779) fiel das lnnviertel an Österreich. Dadurch wurden die vom Geist jener Zeit geprägten Reformen Kaiser Josephs II. alsbald auch in Ranshofen wirksam. Im Zusammenhang mit der Neuorganisation des Pfarrnetzes wurden verschiedene Filialkirchen in Pfarrkirchen umgewandelt, die Formen des Gottesdienstes reformiert, die Ranshofener Pfarrkirche St. Michael gesperrt und später abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Abtrennung der Diözese Linz vom Bistum Passau löste altgewohnte Bindungen. Vor allem die Franzosenkriege brachten dann neuerlich große Unruhe in das Kloster. Das Stift wurde einmal von diesen und einmal von jenen Truppen als Militärspital beansprucht. Es kam zu Gewalttaten und Plünderungen. Aber auch die Klostergemeinde selbst war vom Geist der Aufklärung angekränkelt.&lt;br /&gt;
Vor allem der letzte, 1784 gewählte Propst [[Johann Nepomuk Kierl]] gilt als schwach und verschwenderisch. Nach seinem Tod im Jahr 1809 kommt es innerhalb der zerfallenen und in sich gespaltenen Gemeinschaft zu keiner Neuwahl mehr. So findet die von der &amp;quot;Rieder Regierung&amp;quot; während der französischen Besatzung 1810 angekündigte Aufhebung Ranshofen bereits im Zustand der Krise.&lt;br /&gt;
Der Übertritt in den Weltpriesterstand kommt den damals noch hier lebenden Chorherren eher gelegen. Vor der endgültigen Aufhebung am 28. Oktober 1811 brachte man die als wertvoll angesehenen Archivalien in das Hauptstaatsarchiv nach München und einen großen Teil der Bibliotheksbestände in die jetzige Bayerische Staatsbibliothek. Anderes wurde in der ganzen Welt verstreut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammen mit dem, was in Ranshofen selbst heute noch sichtbar ist, legen diese Dokumente ein beredtes Zeugnis ab von der Pflege von Religion, Wissenschaft und Kunst im Chorherrenstift Ranshofen im Verlauf seiner Jahrhunderte währenden Geschichte. Indirekt kann man aus ihnen aber auch ahnen, wie bedeutungsvoll dieses Wirken der Chorherren für jene Menschen gewesen sein muss, die im Umkreis des Klosters gelebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Nachgeschichte===&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung erwarb der bayerische General Graf von Montjoie-Frohberg die Stiftsgebäude und den ausgedehnten Grundbesitz und wandelte einen Teil der ehemaligen Klosteranlage zum &amp;quot;Schloss Ranshofen&amp;quot; um. Anderes wurde abgetragen. Die frühere Stiftskirche blieb als Pfarrkirche erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erster Pfarrer wurde der seinerzeitige Stiftsdechant [[Pankraz Hauser]]. Der Pfarrer war damals einige Jahrzehnte hindurch auch Repräsentant der weltlichen Verwaltung. Erst im Zuge der Reformen bekam Ranshofen im Jahr 1848 eine eigene Gemeindeverwaltung. Auch erhielten die bis dahin unfreien Bauern die Möglichkeit, den Grund und Boden, den sie vorher als Untertanen bewirtschaftet hatten, gegen ein geringes Entgelt als Eigentum zu erwerben.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1851 kaufte dann Ferdinand Wertheimer, der später als Abgeordneter dem oberösterreichischen Landtag angehörte, die &amp;quot;Herrschaft Ranshofen&amp;quot; und wandelte im Laufe der Jahre den immer noch beachtlichen Großgrundbesitz in einen landwirtschaftlichen Musterbetriebum. Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland im März 1938 wurde der Wertheimersche Familienbesitz jedoch vom Deutschen Reich &amp;quot;abgelöst&amp;quot;. Im Oktober des gleichen Jahres wurde die vorher selbständige Geme inde Ranshofen der Stadt Braunau einverleibt und ein Jahr später begann man bereits auf den Wertheimer-Gründen mit dem Bau eines Aluminiumwerkes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute ist man bemüht, das noch Vorhandene zu erhalten und zu pflegen, wobei der Komplex von Kirche und ehemaligem Stift besitzmäßig auf die Diözese Linz, die Stadt Braunau und private Eigentümer verteilt ist. Die Kirche und der Bibliothekssaal im ehemaligen Konventgebäude werden - abgesehen von der liturgischen Verwendung des Gotteshauses - auch für kulturelle Veranstaltungen genützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Will man sich ein Bild von den wirtschaftlichen Verhältnissen des Chorherrenstiftes Ranshofen im Mittelalter machen, wird man zunächst von der Urkunde Herzog Heinrichs IX. von Bayern aus dem Jahre 1125 ausgehen müssen. Sie gilt in der Literatur ja als &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; des Klosters. Als geschenktes Gut werden darin Güter in Handenberg, Braunau und einem - nicht mehr bestimmbaren - Dürrnberg nördlich der Donau, sowie verschiedene kleinere Liegenschaften angeführt. Letztere wurden den Regularkanonikern teils als Eigenbesitz, teils als Lehen überlassen. Dazu kamen die herzoglichen Zehenten &amp;quot;im Gau&amp;quot; Ranshofen und die Kirche Enknach (&amp;quot;Enkinacha&amp;quot;) - vermutlich am Ort oder in der Nähe des heutigen Neukirchen an der Enknach gelegen - mit dem dazugehörigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich erst nach Ausfertigung der Urkunde wurde an einer bestimmten Stelle nachträglich noch ein Hinweis eingefügt, dass jene Hörigen, die vorher in der Hand des Herzogs oder des Kämmerers bzw. des - herzoglichen - Propstes gewesen seien, nun auch dem Kloster unterstellt würden. So reichhaltig diese Schenkung gewesen ist, so wird damit keineswegs der gesamte wirtschaftliche Besitz Ranshofens zur Zeit der Gründung des Chorherrenstiftes umschrieben. Die Einrichtung des mittelalterlichen Klosters erfolgte ja nicht in der Einöde eines unerschlossenen Gebietes, sondern knüpfte an eine Jahrhunderte währende Vorgeschichte an. Schon Kaiser Arnulf hatte ja die von ihm erbaute Pfalzkapelle reich mit Gütern ausgestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den umfangreichsten Einblick in die Ranshofener Besitzverhältnisse im hohen Mittelalter gewähren jedoch die Notizen des Traditionskodex, deren Inhalte den Zeitraum von etwa 1070 bis 1250 umspannen, also auch schon vor 1125 einsetzen. Die Texte bezeugen die Übergabe von Gütern im näheren und weiteren Umkreis von Ranshofen, darüber hinaus die Schenkung von 5-Pfennig- Zensualen, sowie von Knechten und Mägden. Wie in anderen Klöstern machen auch in Ranshofen die Selbstübergaben von ehemals freien Personen, in der Absicht sich unter dem Schutz des Stiftes gegen Übergriffe von Mächtigeren abzusichern, einen beträchtlichen Teil der Zensualenschenkungen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere wichtige Quelle zur mittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte Ranshofens ist dann das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes [[Konrad I.]] Die Handschrift enthält neben zwei Kopialbüchern zwei Urbare, welche 1277 beziehungsweise 1303 angelegt wurden. Da im älteren Urbar die erste Lage der Handschrift verlorengegangen ist, kann man nur aus dem jüngeren erkennen, dass der Grundbesitz sich damals auf acht Urbarämter verteilte, die im Innviertel (Haselbach, Überackern, Neukirchen/Enknach, Nonsbach und Ranshofen), im oberösterreichischen Kremstal (Rohr) und in den jetzigen bayerischen Landkreisen Rottal-Inn und Alt-Ötting gelegen waren (Kollbach und &amp;quot;Trans Enum&amp;quot;). Dazu kamen noch Weingärten in der Wachau. Im Abgabenverzeichnis über die im Dorf Ranshofen ausgegebenen Lehen werden auch zwei Schuster, ein Schneider, ein Fleischer, ein Koch und ein Bader angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte Ranshofens stiegen in der Folgezeit dann noch durch die Stiftung von Jahrtagen in Form von &amp;quot;Seelgeräten&amp;quot;, das sind Schenkungen zugunsten von jährlich, manchmal sogar wöchentlich zu lesenden Messen für das Seelenheil von Verstorbenen. Ähnliche Stiftungen begegnen auch in den Filialkirchen des Klosters, unter denen die Braunauer Stephanskirche durch die Befestigung der Siedlung und die Stadterhebung im Jahr 1260 bald eine Sonderstellung einnehmen sollte. Kaiser Ludwig der Bayer (1314–1347) stiftete 1345 eine täglich zu lesende Messe für sich und seine Vorfahren und Nachkommen. Gleichzeitig schenkte er dem Kloster jene Güter im Dorf Ranshofen, die bis dahin noch herzoglicher Besitz gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schiffstransport des Klosterweins aus den Weingärten in der Wachau auf Donau und Inn erhielt das Chorherrenstift verschiedentlich Privilegien über die Mautfreiheit, so 1287 vom österreichischen Herzog Albrecht I., die er 1295 und sein Sohn Friedrich der Schöne 1314 nochmals bekräftigten. Eine Bestätigung dieser Privilegien durch Kaiser Maximilian I. erbaten der Propst und das Kapitel von Ranshofen schließlich noch 1498. In einzelnen Fällen hat das Kloster aber auch ältere Besitzungen, die schwer zu bewirtschaften waren oder den erwarteten Ertrag nicht erbrachten, wieder abgestoßen. Ein wertvolles Dokument solcher wirtschaftlicher Veränderungen ist eine von Propst [[Benno Meier]] 1670 verfasste &amp;quot;Relation von den Ranshoverischen in Österreich gelegenen Höf und Weingärten&amp;quot;. Darin verzeichnete der Prälat zunächst alles, was er aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen über die niederösterreichischen Besitzungen Ranshofens in Erfahrung bringen konnte. Es handelte sich um Höfe und Weingärten in Schwallenbach, Spitz, Loiben, Stein, Krems und Gobelsburg in der Wachau und um Weingärten in Kritzendorf bei Klosterneuburg. Zu seiner Zeit waren davon fast nur mehr die Weingärten in Unterloiben - ihre Riednamen sind vielfach bis heute in Gebrauch - dem Stift verblieben. Ihr Zentrum war ein großer Lesehof in Unterloiben nahe der Kirche, der als der heutige &amp;quot;Loibnerhof&amp;quot; identifiziert werden kann. Weil die Kosten-Nutzen-Rechnung des Propstes auch darüber negativ ausfiel, hat er ein Jahr später den ganzen Komplex an das Kloster Tegernsee verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen guten Überblick über den Stiftsbesitz und die Untertanen im Bereich von Ranshofen selbst in der Zeit des beginnenden 18. Jahrhunderts gibt ein im Auftrag des Propstes Ivo (1687–1715) durch den bayerischen Geometer Matthäus Paur im Jahre 1714 angelegtes Mappenwerk (&amp;quot;Gruntrys mit angehengter Beschreibung&amp;quot;, in der Literatur im allgemeinen als &amp;quot;Grundriss-Libell&amp;quot; bezeichnet). Der davon erhaltene Teil besteht aus Plandarstellungen aller Besitzungen im Bereich der sogenannten &amp;quot;Hofmark&amp;quot; Ranshofen mit darauf bezogenen Erläuterungen. Diese umfasste damals 81 Häuser, von denen die meisten vom Stift auf Erb- oder Leibrechtsbasis verliehen waren. Etwa die Hälfte davon wurde landwirtschaftlich genutzt. Der Rest war an Gewerbetreibende vergeben, unter denen sich auch ein Saitenmacher, ein Sattler, ein Bierbrauer und ein Metzger aus Braunau finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge der Abtrennung des Innviertels von Bayern durch den Frieden von Teschen ergaben sich während der letzten Jahrzehnte des Bestandes des Klosters Probleme mit der Verwaltung der bei Bayern verbliebenen Besitzungen jenseits des Inn. So wurden etwa im Verlauf der napoleonischen Kriege - Bayern kämpfte damals auf der Seite der Franzosen gegen Österreich - die Erträgnisse von Grundherrschaften, die auf bayerischem Gebiet gelegen waren, für das Stift gesperrt. 1810 schließlich begann man im Zuge der Auflösung die beweglichen Güter und die Wertsachen zu versteigern. Die Einnahmen betrugen 13.000 Gulden, die nach Salzburg, von wo aus kurzzeitig auch das Innviertel verwaltet wurde, abgeliefert werden mussten. Das 400 Joch große Stiftsgut, bestehend aus Äckern, Wiesen, Auen, Gärten und anderem, kaufte am 17. August 1812 der bayerische General und königliche Adjutant Graf Montjoie-Frohberg um 54.000 Gulden. Nur den unteren Teil des Lachforstes und ein Haus in Dietfurt (unterhalb von Braunau) behielt der bayerische Staat für sich zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Die rechtliche Lage der Ranshofener Pfalz war vom ausgehenden 11. bis um die Mitte des 12. Jahrhunderts eine eher wechselhafte. Dies findet auch in der damals beginnenden Geschichte des Chorherrenstiftes seinen Niederschlag. Die Pfalz und die dazugehörende Pankrazkapelle waren ja seit der Karolingerzeit Reichsgut und als solches der Verfügungsgewalt des Königs unterstellt. Den Bayernherzögen war zwischendurch zwar die Nutzung überlassen, sie wurden gegen Ende des 11. Jahrhunderts wegen ihrer reichsfeindlichen Politik im Zusammenhang mit dem Investiturstreit aber wiederholt durch Kaiser Heinrich IV. abgesetzt: zuerst Otto von Nordheim und später Welf I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So begegnet in einer vermutlich 1074 anzusetzenden Traditionsnotiz Kaiser Heinrich IV. selbst als Eigentümer von Ranshofen (&amp;quot;cuius praedium erat, quod Ranshovin vocatur&amp;quot;). Erst seit 1096 wurden die Welfen wieder mit Bayern belehnt und waren damit innerhalb bestimmter Grenzen über das Land am Inn verfügungsberechtigt. Die schwankende Rechtslage von Ranshofen kommt dann besonders in der &amp;quot;Gründungsurkunde&amp;quot; Herzog Heinrichs IX. von 1125 zum Ausdruck. Ihre Textform und ihre Ausstattung schließen sich in vielem dem Vorbild königlicher Siegelurkunden an. Dem Stil der Herrscherurkunden entspricht wohl auch der Hinweis auf die Mitwirkung und Zustimmung von Heinrichs Gemahlin Wulfhilde. Gerade dies ist allerdings rechtlich höchst fragwürdig, da es sich bei den geschenkten Gütern ja nicht um welfischen Eigenbesitz, sondern um dem Herzog überantwortetes Reichsgut gehandelt hat, für dessen Vergabe viel eher die Zustimmung des Königs erforderlich gewesen wäre. (Freilich war im Juli des Jahres 1125 nach dem Tod Kaiser Heinrichs V. Lothar III. noch nicht gewählt.) Die Strafformel, welche eine Bußzahlung von 60 Gulden an die Kammer des Königs bzw. des Kaisers bei Eingriffen in das Schenkungsgut vorsieht, bestätigt diese Auffassung. Dennoch versuchte Herzog Heinrich der Löwe später die Meinung durchzusetzen, Ranshofen sei ein Eigenstift seiner Familie, so vor allem, wenn er die dort dienenden Regularkanoniker als zu seiner Kapelle gehörig bezeichnet und die Gründung insgesamt fälschlicherweise mit seinem Vater Heinrich dem Stolzen in Verbindung bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1139 hatte nach dem Tod Heinrichs des Stolzen zunäch stder Babenberger Leopold IV. zusammen mit dem Herzogtum Bayern das Reichsgut um Ranshofen erhalten. Er ist jedoch bereits zwei Jahre später verstorben. Damals behielt König Konrad III. dann für kurze Zeit Bayern selbst in der Hand. In diesen Zeitabschnitt fällt das große Schutzprivileg Konrads von 1142, in dem der König die Besitzungen des Chorherrenstiftes, das er eine Gründung seines Urgroßvaters, des Kaisers Heinrich III., nennt, bestätigt. Eine Erwähnung einer Erneuerung durch die Welfen wurde in der Urkunde - offensichtlich aus politischen Gründen - unterdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Jahr belehnte der König den Babenberger Heinrich &amp;quot;Jasomirgott&amp;quot; mit Bayern. Das ist wohl jener &amp;quot;Heinricus Dux Bawariae&amp;quot;, welcher in einer anderen Tradition das an den Obstgarten der Regularkanoniker angrenzende Land am Altar des hl. Pankraz übergibt. Auch erscheint er in dem großen Privileg des Papstes Eugen III. von 1147 als Fürsprecher des Stiftes. Darin wird unter anderem erwähnt, dass der Vogt (&amp;quot;advocatus&amp;quot;) über das Herzogsgut gleichzeitig der Vogt des Klosters Ranshofen sei. Diese Bestimmung wird dann auch im Privileg des Papstes Hadrian IV. von 1158 wiederholt. Diesmal ist jedoch bereits Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, der Schirmherr des Klosters. Friedrich Barbarossa hatte ihn inzwischen 1154 mit dem von ihm zurückgeforderten Bayern belehnt. Schon 1157 hatte Heinrich der Löwe in einer Urkunde verfügt, dass der Vogt nicht nur die herzogliche Pfalz mit deren Untertanen, sondern auch die Stiftsleute an seiner Stelle beschützen und beschirmen sollte. Er habe auch die Klagen der Kanoniker und ihrer Eigenleute anzuhören und ihnen gebührend Recht zu verschaffen. Geld sollte er dafür nicht von ihnen fordern, sondern nur von des Herzogs Kammer nach altem Herkommen seinen Lohn empfangen. Darüber hinaus solle er keine Verfügungsgewalt über das Kloster oder dessen Eigenleute und Besitzungen haben und auch keine Steuern von ihnen eintreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vögte begegnen bereits mehrfach in den frühen Ranshofener Schenkungsnotizen aus der Zeit um 1100. Sie waren damals wohl vom König eingesetzt und hatten die Aufgabe, die unfreien Untergebenen vor Gericht zu vertreten, konnten aber auch selbst Streitigkeiten schlichten und Strafen verhängen. Bei Schenkungen an die Kirche fungierten sie als wichtige Zeugen. In späteren Traditionsnotizen wird fallweise der Herzog selbst als Vogt des Klosters angesprochen, so nach 1180 der Wittelsbacher Otto I. (&amp;quot;tune temporis dux Bawariae et eiusdem loci advocatus&amp;quot;). Nach dem Zeugnis der beiden angeführten päpstlichen Privilegien ließen sich aber schon zuvor die Herzöge in dieser Funktion durch von ihnen bestellte Untervögte vertreten. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts werden diese dann meistens als Richter (&amp;quot;judex&amp;quot;) angesprochen. Ob die Ranshofener Untervögte ihre Stellung - wie etwa in Reichersberg - zur persönlichen Besitzerweiterung und Bereicherung missbraucht haben, ist aus den Quellen nicht mehr zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf verschiebt sich die rechtliche Verfügungsgewalt mehr und mehr zugunsten des Landesfürsten. Der ehemalige Pfalzbereich wird dem herzoglichen Amt Burghausen zugeordnet. Einen Höhepunkt erreicht diese Entwicklung mit Kaiser Ludwig dem Bayern, der in sich ja Königs- und Herzogsamt vereinigte. Von ihm erhielt der Propst 1345 das Recht der niederen Gerichtsbarkeit über alle Stiftsuntertanen. Vögte des Chorherrenstiftes Ranshofen treten in der Folgezeit nicht mehr in Erscheinung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Von den Chorherren, die in der frühen Zeit dem Stift Ranshofen angehört haben, kennen wir nur einzelne Namen, die außerdem meistens wenig über ihre soziale Herkunft aussagen. Ein im Traditionskodex vor 1120 mehrfach genannt er Pfarrer [[Erenbert]] wird &lt;br /&gt;
anlässlich der Schenkung seines Gutes Pfaffing in einer der Notizen als &amp;quot;canonicus s. Pancratii mart.&amp;quot; bezeichnet, was ihn als Säkularkanoniker charakterisieren könnte. Ob er später auch noch dem Regularkanonikerkonvent angehört hat, ist ebenso fraglich, wie die - in der Literatur vielfach angenommene - Übernahme der ältesten Augustiner-Chorherren aus dem Salzburger Domstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die ersten Pröpste gibt es vereinzelte Hypothesen ihrer Herkunft, sowohl in genealogischer wie in geistlicher Hinsicht, die freilich einer kritischen Überprüfung kaum standhalten. Einen Ansatzpunkt für die Beantwortung der Frage nach dem sozialen Umfeld der ältesten Ranshofener Regularkanoniker gewinnen wir aus jener Traditionsnotiz von 1138/39, nach welcher der Reichsministeriale Friedrich von Rohr und seine Gemahlin Berta in Anw esenheit des Salzburger Erzbischofs Konrad I. und des Bischofs Roman von Gurk ihr ganzes Gut in Rohr (im oberösterreichischen Kremstal) übergaben, als sie ihren Sohn Richer dem Kloster zur geistlichen Ausbildung anvertrauten. Und in unmittelbarer Nachbarschaft zu dieser Notiz lesen wir im Traditionskodex von der Schenkung eines Eginbert, eines Neffen des Kadelhoch von Rohr, anlässlich seines Eintritts in das Stift (&amp;quot;tradidit semetipsum ad aram s. Pancratii secundum regulam communis vitae ibidem degendum&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu passen auch die spärlichen Angaben, die wir aus einem - nur im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr auszugsweise überlieferten - Ranshofener Nekrolog dieses Zeitabschnitts schöpfen können. Als verstorbene Chorherren wurden darin [[Konrad von Retenbach]], [[Bernhard von Hut]], [[Hartwig von Sattelbogen]], [[Heinrich von Loitzenkirchen]], [[Heinrich von Braunau]], [[Friedrich von Weilhart]], [[Pabo von Ering]] und [[Wilhelm von Mattsee]] genannt. Es sind vorwiegend Familienangehörige der Ministerialen, die aufgrund ihrer Dienste für den König oder den Herzog unfreie Bauernhöfe, Lehengüter, manchmal auch Eigenbesitz im engeren oder weiteren Umfeld Ranshofens, bewirtschafteten und das Kloster von seinen Anfängen an immer wieder beschenkten. Manche dieser Familien - sie werden in den Urkundentexten einmal als Reichsdienstmannen (&amp;quot;ministeriales regni&amp;quot;) und einmal als Herzogsdienstleute (&amp;quot;ministeria les ducis&amp;quot;) bezeichnet, was wiederum mit der schwankenden Rechtslage der Ranshofener Pfalz zusammenzusehen sein dürfte - hatten im Kloster auch ihre Grablege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gleiche Bild zeigen die in das Totenbuch eingetragenen Namen der Chorfrauen, aber auch der Laienbrüder und -schwestern, die im Stift Aufnahme gefunden hatten. Aus der - schon oben erwähnten - Supplik des Propstes Sifrid an den Papst Clemens IV. wissen wir, dass vor den kriegerischen Ereignissen, durch die Ranshofen um die Mitte des 13. Jahrhunderts großen Schaden genommen hatte, vierzehn Priester versorgt worden waren, während zu seiner Zeit der Konvent auf drei Angehörige zusammengeschmolzen war. Auch das Chorfrauenstift war den Zerstörungen zum Opfer gefallen. Unter Propst Konrad I. wurde es jedoch erneuert. Es sollten aber nicht mehr als sechs Frauen aufgenommen werden, von denen eine zur Vorsteherin (&amp;quot;magistra&amp;quot;) bestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Herkunft der Chorherren anlangt, so begegnen in der Folgezeit weiterhin viele Angehörige von Ministerialenfamilien aus dem Umkreis Ranshofens. Mit dem Ausgang des Mittelalters ändert sich dieses Bild. Zunächst verschwinden die Chorfrauen aus den Quellen. Die überlieferten Namensformen der Chorherren lassen erkennen, dass die in das Stift eingetretenen Personen jetzt mehr und mehr bürgerlicher Herkunft waren und daran änderte sich auch in der Neuzeit nichts. Die Unterlagen, die darüber Auskunft geben, sind vor allem der Visitationsbericht von 1559/60, ferner zwei Namenskataloge der Ranshofener Chorherren von 1665 und 1687 im &amp;quot;Inventarium&amp;quot; des Propstes Benno Meier und schließlich zwei Nekrologaufzeichnungen, die von 1619 bis 1771 reichen (Bayerische Staatsbibliothek München, Clm. 12721, fol. 135-141).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Aufhebung im Jahr 1811 traten die verbliebenen Chorherren in den Weltpriesterstand über. Der St. Florianer Historiker Franz Xaver Pritz schreibt dazu: Einer der Chorherren weinte über dieses Schicksal, die Anderen verließen das Stift ohne Leid und Freude. Jeder erhielt eine Pension von 600 Gulden Reichs-Währung, die später um 100 Gulden vermindert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der Bücherbestand der Ranshofener Klosterbibliothek wurde durch die Aufhebung des Augustiner-Chorherrenstiftes in alle Winde verstreut. Dies gilt zunächst für die alten Handschriften, von denen der größte Teil 1811 nach München abtransportiert und in der jetzigen Bayerischen Staatsbibliothek untergebracht wurde. Andere Ranshofener Kodizes sind während des 19. Jahrhunderts vorwiegend über den Antiquariatshandel in verschiedene andere Bibliotheken gelangt: drei liegen - &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;nach derzeitigem Wissensstand&amp;lt;/span&amp;gt; - in der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin, drei in der Bodleian Library in Oxford, zwei in der russischen Staatsbibliothek in St. Petersburg, um die zwanzig schenkte ein Augsburger Antiquar nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 der Straßburger Universitätsbibliothek, Einzelstücke wurden schließlich noch in Linz (OÖ. Landesbibliothek), in Paris, in Budapest und in New York (Library of Saint Bonaventura College) festgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Provenienz der Handschriften bei der Katalogisierung soweit wie möglich erfasst wurde, ist es bei den gedruckten Büchern meistens schwieriger, ihre Ranshofener Herkunft nachzuweisen. Eine Reihe von Inkunabeln und Frühdrucken aus dem 16. Jahrhundert kamen bereits 1784 anlässlich der Abtrennung der Diözese Linz vom Passauer Bistum im Zusammenhang mit der Errichtung eines Priesterseminars an die jetzige Bibliothek der Katholisch-theologischen Hochschule in Linz. Nur wenige Einzelstücke verblieben im Raum von Ranshofen und Braunau. Erst mit der breiteren Überlieferung von Ranshofener Handschriften aus dem 12. und 13. Jahrhundert wird eine verhältnismäßig sichere Beantwortung der Fragen nach dem Skriptorium und der Bibliothek des Chorherrenstiftes im hoh en Mittelalter möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgangspunkt der diesbezüglichen Überlegungen war dabei zunächst jenes Ranshofener Evangeliar, das die Bodleian Library in Oxford aus dem Nachlass des venezianischen Ex-Jesuiten Luigi Canonici 1817 erworben hat (Canon . Bibi. Lat. 60). Den vier Evangelien sind jeweils ganzseitige Deckfarbenminiaturen der einzelnen Evangelisten vorangestellt; im Zusammenhang mit der Passionsgeschichte begegnet innerhalb des Johannesevangeliums auch eine ganzseitige &amp;quot;Kreuzigung Christi&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Zur künstlerischen Ausgestaltung gehören weiters die Kanontafeln und kunstvolle Initialen von verschiedener Form und Größe. Den reichsten Schmuck zeigen hier die zu Zierseiten ausgestalteten Textanfänge. In einer Eintragung am Schluss der Handschrift werden der Propst Adelhard von Ranshofen und der Schatzmeister Liutold im Zusammenhang mit der Bezahlung des 1178 vollendeten Buches erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Swarzenski hat als erster die große Stilverwandtschaft der Deckfarbenminiaturen des Ranshofener Kodex mit denen eines Evangeliars, das bei der Aufhebung des Benediktinerstiftes Mondsee in die Österreichische Nationalbibliothek gelangt ist (Cvp. 1244), aufgezeigt. Da nun im Mondseer Evangeliar ein &amp;quot;Liutoldus monachus&amp;quot; von sich sagt, er habe die Handschrift geschrieben und seinem Können gemäß ausgeschmückt , hat Swarzenski erwogen, den Mönch Liutold mit dem Ranshofener Thesaurar gleichen Namens zu identifizieren. Diese These verfestigte sich dann zur Annahme einer Ranshofener Schreib- und Malschule, als deren Mittelpunkt man den von Mondsee nach Ranshofen übergewechselten Liutold ansehen wollte. In den letzten Jahrzehnten setzte sich jedoch mehr und mehr die Meinung durch, das Ranshofener Evangeliar sei mit einem Salzburger Skriptorium (am ehesten im Benediktinerstift St. Peter) in Verbindung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Salzburger Herkunft wird heute auch für eine dreiteilige lateinische Bibelhandschrift angenommen, von der bis vor kurzem nur die beiden ersten Bände mit Texten aus dem Alten Testament, die bei der Aufhebung Ranshofens nach München kamen (Clm. 23039, Clm. 12601), bekannt waren. Erst im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zur Reichersberger Chorherrenausstellung von 1984 fand Kurt Holter heraus, dass sich der dazugehörige dritte Teil mit dem Psalter und den Schriften des Neuen Testaments ebenfalls in Oxford befindet (Canon. Bibi. Lat. 76). Jeder der drei Bände ist mit verschieden gestalteten Federzeichnungs- oder Deckfarbeninitialen ausgeschmückt. Leider wurden einzelne von ihnen durch nachträgliche Übermalungen entstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den zahlreichen übrigen Ranshofener Handschriften des hohen Mittelalters (mit Werken der Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor dem Großen, ferner Schriften des Kirchenlehrers Isidor von Sevilla, der Symbolisten Rupert von Deutz, Hugo von St. Victor und Bernhard von Clairvaux sowie des der Frühscholastik nahestehenden Honorius Augustodunensis) hat Elisabeth Klemm die der Bayerischen Staatsbibliothek gehörenden eingehend untersucht und genau beschrieben. Für eine Reihe von ihnen nimmt sie mit Sicherheit eine Entstehung in Ranshofen an (Clm. 12608, Clm. 12613-12616, Clm. 12631, Clm. 12633, Clm. 12641 und Clm. 23603), für andere gilt ihr das zumindest als wahrscheinlich. So lässt dies auf den Bestand eines Skriptoriums seit der Einrichtung des Regularkanonikerstiftes schließen, in dem die meisten der weniger anspruchsvollen Gebrauchshandschriften hergestellt worden sein dürften. Nur für besonders repräsentative Kodizes scheint man auf qualitativ leistungsfähigere Werkstätten zurückgegriffen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Hinweis auf den frühen Verlust von Büchern erhalten wir aus einem Bericht der &amp;quot;Mattseer Annalen&amp;quot; über einen Überfall von Kriegsleuten des Passauer Bischofs auf Ranshofen, der dort zwar zum Jahr 1250 überliefert wird, höchstwahrscheinlich aber auf das Jahr 1242 anzusetzen ist. Damals sei das Kloster geplündert und die Pfarrkirche St. Michael in Brand gesteckt worden. Missalien und Bücher, welche der schulischen Unterweisung gedient haben, seien dabei zugrunde gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen freilich nur unvollständigen Überblick über den alten Ranshofener Bücherschatz vermittelt ein um die Mitte des 14. Jahrhunderts geschriebenes Fragment eines Bibliothekskatalogs, der nachträglich in einen Kodex mit der &amp;quot;Legenda aurea&amp;quot; des Jacobus de Voragine eingebunden worden ist (Clm. 12643, fol. 356). Die verzeichneten Handschriften sind in zwei Gruppen aufgegliedert. Zuerst wird eine Reihe von 89 Kodizes aufgezählt, von denen es heißt, sie würden oberhalb der Sakristei des Prälaten aufbewahrt, womit ein Hinweis auf die Lage der Bibliothek während des Mittelalters gegeben erscheint. Die zweite Gruppe wird als in einem langen Kasten befindlich beschrieben. Hier bricht die Reihe allerdings mitten im 21. Titel ab. Das folgende Blatt mit der Fortsetzung ist verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das bedeutendste Denkmal humanistischen Geistes, welches Ranshofen hervorgebracht hat, war wohl das über Anregung des Propstes Kaspar Türndl bereits 1517 hier begonnene &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; des bayerischen Historikers Aventin. Aventin selbst kennzeichnet seinen Versuch einer auf die Quellen zurückgehenden Geschichtsdarstellung im Sinne seines Lehrers Konrad Celtis in der Vorrede durch den Hinweis auf sein Studium der alten Urkunden, des Traditionsbuches und der Kodizes der Stiftsbibliothek. Dass seine Ergebnisse einer kritischen Überprüfung nicht immer standhalten, steht außer Frage. Dennoch war seine Arbeit maßgeblich für alle späteren Darstellungen der Geschichte Ranshofens. Eine Handschrift des Werkes gelangte nach der Aufhebung des Klosters in das OÖ. Landesarchiv nach Linz, eine weitere Abschrift als Geschenk des letzten Stiftsdechants Pankraz Hauser nach Reichersberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die humanistische Gesinnung von Propst Augustin I. Münich bezeugt die Widmungsschrift an den Propst zu den in Sophonias Pämingers &amp;quot;Poematum libri duo&amp;quot; von 1557 veröffentlichten Elegien seines Bruders Balthasar Päminger. Den reformatorischen Tendenzen der Zeit entsprechend nimmt es nicht wunder, wenn im Bericht der Passauer Diözesanvisitationskommission von 1559/60 am Büchervorrat Kritik geübt wird. Zwar fand man in der &amp;quot;Liberei&amp;quot; viele &amp;quot;guete katholische Authores&amp;quot;; aber in einem Stüblein wurden neben unverdächtigen Büchern auch elf Schriften mit protestantischem Inhalt entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit dem Neubau des Konventgebäudes unter den Pröpsten Philipp Vetterl und Simon Meier Mitte des 17. Jahrhunderts wurde ein neuer Bibliotheksraum im Südtrakt des Klosters eingerichtet. Der Ranshofener Stiftsdechant Hieronymus Mayr verfasste damals sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot;, ein zweibändiges Geschichtswerk über Ranshofen. Der erste Band ist in vier Teile gegliedert. Enthalten sind Angaben über den hl. Pankraz, über Gründer und Wohltäter von Kirche und Kloster, über die Lebensweise der Chorherren, aber auch Verzeichnisse der Konventsmitglieder aus älterer und jüngerer Zeit. Der abschließende vierte Teil bringt eine nach den Pröpsten geordnete Stiftsgeschichte bis 1634. Die Titelseite zeigt in Form einer Federzeichnung das Aussehen des Klosters nach der Erneuerung. Dieser Band ist heute im Besitz des OÖ. Landesarchivs. Die Fortsetzung dazu über die Jahre von 1635 bis 1665 befindet sich in der Bibliothek des [[Stift St. Florian|Chorherrenstiftes St. Florian]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Quelle für unsere Kenntnis der Ranshofener Bibliotheksgeschichte während des ausgehenden 17. Jahrhunderts ist ein &amp;quot;Inventarium der geistlichen Sachen des Stiftes Ranshofen&amp;quot;, das Propst Benno Meier anlässlich seiner Resignation 1687 anfertigen ließ. Es enthält neben Inventaraufschreibungen und zwei Namenskatalogen der Ranshofener Chorherren vor allem eine katalogartige Liste sämtlicher unter seiner Herrschaft angekauften Druckwerke (&amp;quot;Libri comparati&amp;quot;). Einige der genannten Bücher befinden sich heute in der Braunauer Studienbibliothek. Ranshofener Herkunft ist wohl auch für den dort ebenfalls vorhandenen Bericht über die Ranshofener 800-Jahr-Feier von 1699 (&amp;quot;Saeculum octavum&amp;quot;, Augsburg 1702) vorauszusetzen. Nach der Widmung an Propst Ivo Kurzbauer werden im ersten Teil die Texte der Predigten, die während des &amp;quot;Acht-tägigen hoch-feyerlichen Jubel-Festes&amp;quot; von verschiedenen Kanzelrednern gehalten wurden, abgedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
===Baugeschichte=== &lt;br /&gt;
Der älteste Kirchenbau in Ranshofen war die zwischen 896 und 898 durch Kaiser Arnulf errichtete und dem hl. Pankraz geweihte karolingische Pfalzkapelle. Eine in der älteren Forschung diskutierte noch frühere Marienkapelle ist quellenmäßig nicht zu belegen. Diese Pfalzkapelle wurde dann mehr als zwei Jahrhunderte später zur ersten Klosterkirche des Augustiner-Chorherrenstiftes umgewandelt. Bei seiner Einrichtung überließ der damals hier herrschende Bayernherzog den Regularkanonikern seine Kapelle für den Gottesdienst. Als Seelsorgekirche wurde daneben eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche gebaut. Leider ist von der alten Pfalzkapelle - ebenso wie von der Königs- beziehungsweise Herzogspfalz, zu der sie gehört hat - kaum mehr etwas erhalten geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grabungen, die der um die Archäologie der Umgebung von Braunau bemühte Maler Hugo von Preen zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Auftrag der k.u.k. Zentralkommission durchführte, blieben ohne nennenswerte Ergebnisse. Nur in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Stiftskirche stieß er auf Reste alter Grundmauern, die man mit der Pfalz in Verbindung bringen konnte. Im Zusammenhang mit einer Nachricht aus den „Mattseer Annalen&amp;quot; über die Zerstörung Ranshofens zum Jahr 1242, aus der hervorgeht, dass die Pfalz damals zwischen dem Kloster und der Pfarrkirche St. Michael gestanden war, hat Schiffmann dann aufgrund dieser Grabungen die Hypothese abgeleitet, die Pfalz sei westlich von der Pfalzkapelle, etwa an der Stelle, wo das Hauptschiff und der Turm der heutigen Kirche stehen, gelegen gewesen. Die Pfalzkapelle selbst aber - damals noch nicht größer als das jetzige Presbyterium - habe den Ostabschluss des Pfalzgebäudes gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Neubau des Chorherrenklosters oder eine Erweiterung des vorher ja schon anzunehmenden Säkularkanonikerstiftes nach 1125 ist naheliegend. Höchst fragwürdig erscheint allerdings eine Kirchweihnotiz für das Kloster und den &amp;quot;Pankrazaltar&amp;quot; (&amp;quot;monasterium et altare s. Pancratii&amp;quot;) von 1135. Sie nennt nämlich neben dem weihenden Bischof Reginbert von Passau den Kaiser Heinrich II., eine Reihe von Bischöfen und einen Herzog Heinrich von Bayern und Sachsen als Anwesende. Reginbert wurde allerdings erst 1138 Passauer Bischof (sein Vorgänger hieß Reginmar) und der Kaiser und die übrigen Bischöfe scheinen aus der verfälschten Urkunde Kaiser Heinrichs III. von 1040 übernommen zu sein. Nur Herzog Heinrich X. (der Stolze) von Bayern, der allerdings auch erst 1137 zusätzlich mit Sachsen belehnt worden war, käme als &amp;quot;Zeitzeuge&amp;quot; in Betracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach schweren Schäden, die Kirche und Kloster bei den kriegerischen Überfällen von 1242, 1250 und 1266 erlitten hatten, wurden beide wiederhergestellt und schließlich 1283 durch den Regensburger Bischof Heinrich neu eingeweiht. Die kunstgeschichtliche Forschung vermutet für die Kirche einen Bau im Stil der frühen Gotik. Reste von zwei säulentragenden Steinlöwen und drei Medaillonbilder an der südlichen Außenmauer des Chores, die stilistisch zu dieser Bauperiode gehören, lassen jedenfalls erkennen, dass beim spätgotischen Kirchenbau zu Beginn des 16. Jahrhunderts zumindest ein Teil des Mauerwerks übernommen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1337 stiftete der Braunauer Bürger Ulrich Schön eine Friedhofskapelle (Karner), die dem Hl. Geist und dem hl. Oswald geweiht wurde. Sie ist als achteckiger Tuffsteinbau mit spitzbogigem Portal und drei Fenstern erhalten geblieben. Im Inneren enden die von verschieden gestalteten Konsolen ausgehenden Rippen in einem Schlussstein mit großer Rose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Seelsorgekirche wurde 1474 von Propst Wolfgang der Grundstein zu einem gotischen Neubau gelegt. Auf den ältesten erhaltenen Abbildungen ist ihr Turm noch mit einem spitzzulaufenden Helm gedeckt. Als ältestes Element des Um- bzw. Neubaus der Stiftskirche ist die unter Propst Blasius Rosenstingl (1494-1504) neu gestaltete Marienkapelle (&amp;quot;Rosenkranzkapelle&amp;quot;) anzusehen, die später - als ostseitiger Abschluss des nördlichen Seitenschiffs - in die Konstruktion der Kirche einbezogen wurde. Von diesem unter Propst Kaspar Türndl (1504-15 26) errichteten spätgotischen Bau ist freilich heute kaum mehr etwas zu erkennen, wenn man von der schlichten Außenerscheinung mit den glatt geputzten Wänden, dem Tuffsockel und den dreifach gestuften Stützmauern des Langhauses absieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Inneren ist die gotische Baukonstruktion fast zur Gänze durch die Umformungen der Barockzeit verdeckt. Nur das einfache Kreuzrippengewölbe des oberen Konventchores oberhalb der Sakristei ist vom Kirchenschiff aus noch sichtbar. Im Hinblick auf die der gleichen Bauperiode angehörenden Bauten der Ranshofener Filialkirchen in Neukirchen/Enknach und Hochburg, vor allem aber der Bürgerspitalskirche in der nahen Stadt Braunau, die als inkorporierte Pfarre ja ebenfalls an das Stift gebunden war, spricht Brucher in seiner Darstellung der &amp;quot;Gotik in Österreich&amp;quot; von einer Innviertler Bautengruppe, die nachhaltig im künstlerischen Ausstrahlungsbereich des Hans von Burghausen stand. Eine Nähe solcher Tendenzen wird man für die Stiftskirche selbst zumindest hypothetisch voraussetzen dürfen, auch wenn der Nachweis dafür nur schwer zu erbringen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild der baulichen Entwicklung Ranshofens ist in den folgenden Jahren von der Barockisierung geprägt, die in mehreren Phasen vor allem dem Innenraum der Stiftskirche ein völlig neues Aussehen verlieh. Die ersten Ansätze dazu sind schon für die Zeit von Propst Hilarius Steyrer (1610-1620) überliefert. Zu großen Veränderungen kam es unter seinem Nachfolger, Propst Philipp Vetterl (1620-1634). 1621 war der Turm der Stiftskirche eingestürzt. In der Folge ließ der Propst - er wird in der Grabinschrift als &amp;quot;architectus insignis&amp;quot; gerühmt - einen neuen bauen, der allerdings weiter nach Westen verlagert wurde, da man zwischen Turm und Kirchenschiff eine halbrunde Westkonche einschob. Diese diente der Errichtung einer Musikempore, auf der eine damals neu angeschaffte Orgel aufgestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1624 begann Propst Philipp auch noch mit der Erneuerung des Stiftsgebäudes, wofür er aus Italien Maurer berief (&amp;quot;ex Italia murarios conducens&amp;quot;). Im Stadium seines vollen Ausbaus, wie es Ansichten aus der Zeit nach 1700 sichtbar machen, bestand das Kloster mit seinen Nebengebäuden aus drei in Nord-Süd-Richtung aneinander anschließenden Gevierten: dem Konventgebäude mit der Prälatur, der Dekanei und der Bibliothek, einem verbindenden Zwischengebäude und dem Meierhof mit dem Bräuhaus. Nach Osten zu waren verschiedene Gärten angelegt (der Blumengarten, der Konventgarten, der Baumgarten und der sogenannte &amp;quot;Kuchelgarten&amp;quot;). Das Ganze wurde von einer Einfriedungsmauer mit einem Torturm umschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1650 standen davon nur der unter Propst Philipp erbaute Konventtrakt und der Meierhof, den Propst Philipps Nachfolger, Propst Simon Meier (1634-1665), neu errichten ließ. Als Baumeister hat Martin dafür einen Bartolomeo Viscardi ausfindig gemacht, der sich in einem Kommissionsprotokoll der Jesuitenkirche in Burghausen als &amp;quot;Stift Ranshofenscher Baumeister&amp;quot; bezeichnet. Schon vorher nannte Schiffmann einen Kaspar Regeton, der 1624/25 auch am Stiftsneubau in Reichersberg beteiligt war. Ulm hat ihn als einen Kaspar Righettoni aus Castenada im Misoxtal in Graubünden identifiziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verbindungstrakt zwischen Konventgebäude und Meierhof entstand erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts, ebenso ein westlich von der Stiftskirche ausgeführter Gasttrakt. Die umfangreichsten Veränderungen an der Stiftskirche wurden unter Propst Ivo Kurzbauer (1687-1715) im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 vorgenommen. Abgesehen von der großzügig erneuerten Innenausstattung kam es zu zahlreichen Eingriffen in die Bausubstanz der Kirche, die alle dem Zweck dienen sollten, den Innenraum in Einklang mit dem barocken Gesamtbild zu bringen. Dazu gehörten vor allem eine Erweiterung der Fensterflächen, das Abtragen einiger Pfeiler, die von außen das Kircheninnere verfinsterten, und schließlich im Chor die Konstruktion einer in den Dachraum hineinragenden Kuppel, um so dem neuen Hochaltar eine entsprechende Höhenausdehnung zu ermöglichen. Propst Ivo begann auch noch mit dem Bau eines neuen Turmes mit barockem Helm für die Pfarrkirche [[St. Michael]], der unter seinem Nachfolger, Propst Augustin II., nach 1715 fertiggestellt wurde. 1799 wurde diese Kirche jedoch zur Gänze abgetragen. Das dabei freigewordene Material verwendete man zum Ausbau der Festung Braunau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert wurden nach der Aufhebung und der damit verbundenen Profanierung des Stiftes der nördliche und der östliche Teil des Konventgebäudes abgetragen. 1859 brannte der Turm der ehemaligen Stiftskirche aus, wobei die Barockorgel völlig zerstört wurde. Die spitze Helmform, welche der Turm beim Wiederaufbau erhielt, könnte als unbeholfener Versuch einer Regotisierung gemeint gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildende Kunst=== &lt;br /&gt;
Abgesehen von den kunstgeschichtlich wertvollen romanischen Handschriften sind nur ganz wenige mittelalterliche Denkmäler der bildenden Kunst aus Ranshofen erhalten geblieben. Zu nennen sind hier zunächst jene drei Medaillonbilder im sogenannten &amp;quot;Rollgang&amp;quot; an der südlichen Außenmauer des Chores der ehemaligen Stiftskirche vom Beginn des 14. Jahrhunderts. Sie wurden in der älteren Literatur als Apostelköpfe gedeutet, zuletzt wurde auch erwogen, ob man sie nicht mit einer Notiz Aventins in Zusammenhang bringen könnte, nach der die Bischöfe Reginbert von Passau und Heinrich von Regensburg auf Fresken dargestellt waren. Dem gleichen Zeitabschnitt sind stilistisch jene zwei säulentragenden Portallöwen aus Ranshofen zuzuordnen, die heute die Besuchergarderobe im Braunauer Bezirksmuseum behüten. In der Stiftskirche selbst ist noch die schön gestaltete gotische Grabplatte des Propstes Blasius Rosenstingl, die dem Salzburger Bildhauer Hans Valkenauer zugeschrieben wird, zu sehen. Rosenstingls Verehrung der Gottesmutter - er hat ja auch den Neubau der Marienkapelle durchgeführt - findet darauf in einer Darstellung der hl. Maria, die von zwei musizierenden Engeln begleitet wird, beredten Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Umkreis der Ranshofener Filialkirchen wären noch zwei qualitativ hervorragende Holzreliefs mit Darstellungen des Marientodes in Hochburg (um 1490) und in Neukirchen/Enknach (um 1510) hervorzuheben sowie eine Monstranz aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert, die der heutigen Pfarrkirche in Handenberg gehört, ferner der &amp;quot;Bäckeraltar&amp;quot; in der Braunauer Stadtpfarrkirche. Obwohl für die Zeit des beginnenden Barock mehrfach über Altarerneuerungen in Ranshofen berichtet wird, ist kaum etwas namhaft zu machen, was aus dieser Periode an kunstgeschichtlich Bedeutsamem erhalten wäre. In jüngerer Zeit hat allerdings Lipp die Herkunft einer im Braunauer Bezirksmuseum aufgestellten Holzplastik aus Ranshofen aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts von einem Ranshofener Altarwerk zur Diskussion gestellt. Diese wollte man aufgrund der Krone und der Reichsinsignien früher als eine Darstellung des Kaisers Arnulf ansehen. Lipp deutete sie als den heilig gesprochenen Kaiser Heinrich II., der ja im klostereigenen Geschichtsverständnis einen besonderen Stellenwert einnahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge mit einem Altarwerk der Stiftskirche werden auch für Holzplastiken des hl. Pankratius und vier Engelfiguren aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts vermutet, die heute als Aufsatzfiguren der Orgel dienen. Zwei herausragende Stücke kunstgewerblicher Arbeit sind schließlich noch die Monstranz und der Kelch, welche 1682 durch Propst Benno Meier bei dem Augsburger Goldschmied Georg Reischle in Auftrag gegeben wurden. Beide Geräte sind aus Silber gefertigt, teilweise vergoldet und mit Halbedelsteinen geschmückt. Zahlreiche Emailmedaillons mit Szenen aus dem Leben Christi gehören zur künstlerischen Ausstattung des Ensembles. Dazu kommen weitere Medaillons mit Grisaillebildern der Rosenkranzgeheimnisse, welche das herzförmige Fenster der Monstranz einrahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erscheinungsbild, das heute den Besucher der ehemaligen Stiftskirche in Ranshofen empfängt, ist geprägt von der großzügigen Umgestaltung, welche das Innere im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 erfahren hat. Dies gilt sowohl von den damals neu aufgestellten Altären als auch von den Deckenfresken im Haupt- und im nördlichen Seitenschiff. Die Bilder des monumental wirkenden Hochaltars, die Enthauptung des hl. Pankraz und darüber (als Aufsatzbild) die hl. Dreifaltigkeit darstellend, stammen von dem in Braunau geborenen bayerischen Hofmaler Johann Kaspar Sing. Sie werden von einem Aufbau aus gewundenen Säulen, Akanthusranken und einer Reihe von Heiligenfiguren eingerahmt, der dem Braunauer Bildhauer Sebastian Hagenauer zugeschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein genaueres Hinsehen verdient die Deckengestaltung mit der Stukkaturverzierung und den beiden Freskenzyklen zur Pankrazvita (im Chor und im Hauptschiff) und zum Marienleben (im nördlichen Seitenschiff). Das Besondere daran sind eine Fülle kleiner Emblembilder, die um die erzählenden Hauptbilder herum gruppiert sind und das dort dargestellte Geschehen kommentieren bzw. erläutern, eine Darstellungsform, die sich im Hochbarock einer gewissen Beliebtheit erfreute und der zahlreiche Handbücher gewidmet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reihe der Pankrazbilder etwa beginnt im Chorraum über dem Hochaltar mit einem Mittelbild, das die Unterweisung des jungen Pankraz durch den Papst zeigt. In zwei kleineren, flankierenden Seitenbildern wird die Landung des aus Phrygien stammenden Jünglings mit seiner Begleitung in Ostia bzw. der Empfang der Reisegruppe am Tor des päpstlichen Palastes geschildert. Die dazugehörenden Emblembilder zeigen eine Uhr, eine Sonnenblume, eine Feuerwerksrakete und eine Nachteule. Die Uhr, deren im Gehäuse verborgenes Werk die Zeiger treibt, symbolisiert die geheime Kraft, die den jungen Pankraz auf seine Reise trieb. Die Sonnenblume, die sich sogar der hinter Wolken versteckten Sonne zuwendet, verweist auf den Weg zum Glauben, den er auch durch Hindernisse unbeirrt geht. Die brennend zum Himmel aufsteigende Feuerwerksrakete ist ein Bild für den Feuereifer, mit dem der junge Mann seinen Weg zu Gott sucht. Die Nachteule schließlich, die von der aufgehenden Sonne vertrieben wird, zeigt seine Erleuchtung durch den päpstlichen Religionsunterricht an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer dieses komplizierte Bildprogramm entworfen hat, wissen wir nicht. Am ehesten ist an Propst Ivo Kurzbauer selbst zu denken. Die Ausführung der Bilder schreibt Martin in der Kunsttopographie des Bezirkes Braunau aufgrund einer Eintragung in den Ehematriken der Ranshofener Kirche dem Laienbruder Christof Lehrl aus dem bayerischen [[Chorherrenstift Högelwörth]] zu. Lehrl wird dort zusammen mit zwei Stukkateuren als Trauzeuge bei der Hochzeit des Malers Josef Pöckl aus Teisendorf, der später in Uttendorf ansässig war, genannt. Dass dieser Pöckl auch an den Fresken mitgemalt haben dürfte, ist Martin entgangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Signatur &amp;quot;I.P.&amp;quot; bei einem der Fresken des Seitenschiffs könnte aber mit &amp;quot;Iosephus Pöckl&amp;quot; aufzulösen sein. Dieses Monogramm findet sich übrigens auch bei einem der &amp;quot;Autorenbilder&amp;quot;, mit denen zur gleichen Zeit die Decke der Bibliothek im Konventtrakt ausgeschmückt wurde, wieder. Unter Propst Augustin II. Pariser wurde um 1730 die Rosenkranzkapelle mit Fresken ausgeschmückt, in den letzten Jahrzehnten des Bestehens des Chorherrenstiftes ist dann noch die Ausgestaltung von Teilen des Prälatentraktes mit Stuckverzierung von Johann Baptist Modler aus Kößlarn hervorzuheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikpflege==&lt;br /&gt;
Die einzige zur Gänze erhaltene mittelalterliche Musikhandschrift aus dem Chorherrenstift Ranshofen ist ein &amp;quot;Breviarium sive ordo&amp;quot; genannter Kodex des 13. Jahrhunderts in München (Bayerische Staatsbibliothek, Clm. 12635 B). Sie verzeichnet und erläutert die Reihenfolge der Gesänge für das Stundengebet und die Messe für die einzelnen Festtage im Verlauf des Kirchenjahres. Als Vorlage des Ranshofener Kodex ist ein &amp;quot;Ordinarium&amp;quot; des Salzburger Domstiftes aus dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts anzusehen (Universitätsbibliothek Salzburg, Cod. M II 6). Über weite Strecken textgleich mit der Ranshofener Handschrift ist außerdem der Vorauer Cod. 99, der ebenfalls dem 13. Jahrhundert angehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonderes Interesse seitens der Wissenschaft fand in diesen miteinander verwandten Handschriften die Aufzeichnung der &amp;quot;Visitatio sepulcri&amp;quot;, eines gesungenen geistlichen Spiels innerhalb der Osternachtsliturgie, in dem der Besuch der Frauen am Grabe Jesu, ihre Botschaft an Petrus und Johannes und deren Wettlauf zum leeren Grab in einer sehr zeremoniösen Weise dargestellt werden. Den Schluss bildet das vom Volk gesungene deutschsprachige Osterlied &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht in dieser sogenannten &amp;quot;Liturgischen Osterfeier&amp;quot; eine wesentliche Wurzel für die Entwicklung des mittelalterlichen Dramas. Aus inzwischen verlorengegangenen mittelalterlichen Liturgiebüchern hat schließlich noch im 17. Jahrhundert Hieronymus Mayr die Texte einer Sequenz (&amp;quot;Ante thronum majestatis&amp;quot;) und eines spätmittelalterlichen Reimoffiziums zum Pankrazfest in sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; kopiert. Schon für diesen Zeitraum ist eine intensive Musikpflege innerhalb der Stiftsschule vorauszusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der musikalischen Theorie, die im Rahmen der Unterweisung aus den &amp;quot;Sieben freien Künsten&amp;quot; vermittelt wurde, erfuhren die Klosterschüler eine gründliche Schulung in der Praxis des Singens, sodass sie beim Gottesdienst die Chorherren unter stützen, manchmal sogar vertreten konnten. Seit dem 16. Jahrhundert lassen sich dann auch für die Musikpflege in Ranshofen Erscheinungen beobachten, die mit der Ausbreitung der humanistischen Bewegung in Zusammenhang stehen. So traten in der Klosterschule an die Stelle des geistlichen &amp;quot;Scholasticus&amp;quot; weltliche Lehrer, die zusammen mit ihren Schülern auch in der Kirche sangen, wobei die mehrstimmigen Musikformen der Renaissance rasch in das Repertoire eindrangen. Die Wurzeln dafür kann man bis in die Regierungszeit des Propstes Kaspar Türndl zu rückverfolgen. Er ließ für die „Präbendisten&amp;quot; - die auf Kosten des Stiftes ausgebildeten Sängerknaben - eine eigene Unterkunft erbauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger, Propst Augustin Münich, wirkte hier vor 1550 ein Magister Johann Kappenstill als Lehrer, der später als Stadtschreiber in Passau im Umkreis des dortigen Humanismus große Wertschätzung genoss und zum Freundeskreis um Leonhard Päminger gehört hat. Seinem Nachfolger, Magister Stephan Vokenrieder, hat Päminger sogar zwei Spruchmotetten gewidmet, die später in die gedruckte Ausgabe der Pämingerschen &amp;quot;Cantiones ecclesiaticae&amp;quot; aufgenommen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein umfassendes Bild der schulischen Verhältnisse in Ranshofen um die Mitte des 16. Jahrhunderts vermittelt das Passauer Visitationsprotokoll von 1559/60. Der &amp;quot;cantor&amp;quot; hielt sich zur Zeit der Kirchenvisitation überhaupt von den Musikaufführungen fern (singt nicht zu Chor). Mit den Schülern, welche er unterrichtete, sang er jedoch regelmäßig vor Beginn des Unterrichts das &amp;quot;Veni, sancte Spiritus&amp;quot; und das &amp;quot;Veni creator&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den &amp;quot;scholasticus&amp;quot; erfahren wir, dass er mit den Schülern eine &amp;quot;Comoedia de coena Domini&amp;quot; (&amp;quot;Spiel vom Herrenmahl&amp;quot;) aufgeführt habe: ein Hinweis auf die Pflege des Schultheaters in Ranshofen. Die Größe der Stiftsschule wird daran erkennbar, dass neben dem Schulmeister und dem Kantor noch ein Magister Thomas Winter genannt wird. Er wird als &amp;quot;ludirector&amp;quot; bezeichnet, hatte also wohl neben dem Schuldienst auch noch die Leitung der Kirchenmusik zu versehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Musikrepertoire sind wir leider nur sehr bruchstückhaft informiert. Vorauszusetzen ist die fortlaufende Pflege des Gregorianischen Chorals. Daneben werden verschiedene protestantische Gemeindelieder genannt, die zunächst wohl einstimmig, fallweise vermutlich von der Schulkantorei in mehrstimmigen Sätzen gesungen wurden, in denen sie schon sehr früh Verbreitung gefunden hatten. Gewiss sang man daneben aber auch mehrstimmige lateinische Messkompositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Orgel hat es damals hier ebenfalls schon gegeben, denn im Visitationsbericht wird bereits ein Organist unter den Klosterdienern aufgezählt. Die noch in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts einsetzende Gegenreformation beginnt dann das Erscheinungsbild des Schulwesens und der Musikpflege alsbald zu verändern. In einer staatlichen Schulordnung von 1569 wurde für die Lateinschulen wieder das Singen der alten Choralweisen vorgeschrieben. Die gefälschten Psalmen und Lieder - gemeint sind die protestantischen Kirchenlieder - wurden aus Kirche und Schule verbannt. Ein Zeugnis dieser vorerst nur zögernd einsetzenden Entwicklung ist für Ranshofen der Visitationsbericht des römischen Kurienkardinals &amp;quot;Commendone&amp;quot; aus dem Jahre 1569. Nach ihm unterrichteten damals immer noch drei Lehrer etwa achtzig Schüler aus Grammatik und Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chorherren sangen das Offizium schön und mit Andacht auf dem alten Konventchor oberhalb der Sakristei. Während der Woche wurde die Messe nur gelesen. An Sonn- und Feiertagen jedoch sangen sie die Chorknaben in der Pfarrkirche St. Michael. Eine weitere wichtige Umstellung des Schulwesens erfolgte zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Nach dem Vorbild der Jesuitengymnasien übernahm jetzt wieder ein Geistlicher die Leitung der Schule und das Amt des &amp;quot;regens chori&amp;quot;. Weltliche Lehrer sind fortan nur noch in untergeordneter Stellung anzutreffen. Der erste geistliche Chorregent in Ranshofen, den wir dem Namen nach kennen, ist der spätere Propst Philipp Vetterl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; berichtet von argen Missständen, die damals im Kloster geherrscht hätten. So habe Frater Philippus das Offizium, besonders die abendliche Vesper, häufig mit den Chorknaben allein gesungen, während sich die übrigen Stiftsangehörigen in Wirtshäusern und Spelunken herumgetrieben hätten. Nach seiner Wahl zum Propst begann er jedoch zielstrebig das Kloster zu erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1622 wurde auf der neugebauten Musikempore der Stiftskirche eine neue Orgel aufgestellt. Noch die Grabinschrift des Propstes rühmt das Werk wegen der Größe der Pfeifen und der Lieblichkeit seines Klanges. Um die Mitte des 17. Jahrhund erts wirkte [[Sebastian Widerstain]] als Stiftsorganist in Ranshofen. Nach einem Musikalienkatalog des Münchener Buchhändlers Paul Parsdorffer gab er eine Sammlung von &amp;quot;Miserere&amp;quot; für vier bis acht Singstimmen, zwei Violinen und Orgel im Druck heraus, denen noch eine &amp;quot;Lauretanische Litanei&amp;quot; hinzugefügt ist. Die Besetzung der leider nirgends erhaltenen Sammlung Widerstains zeigt, dass damals bereits Musikformen des Frühbarock mit selbständig geführten instrumentalen Begleitstimmen im Raum Ranshofen verbreitet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1699 wurde zum 800-Jahr-Fest des Bestehens der Pankrazkapelle im oberen Konventchor eine kleine Chororgel aufgeste llt. Das musikalische Programm der Gottesdienste, die im Verlauf der eine Woche dauernden Festlichkeiten stattfanden, ist leider nicht im Detail überliefert. Von Biber ist in Kremsmünster die Abschrift einer &amp;quot;Missa Sti. Henrici&amp;quot; erhalten. Es ist nicht auszuschließen, dass sie in diesem Zusammenhang von Ranshofen in Auftrag gegeben worden ist, verehrte man doch damals den heiligen Kaiser Heinrich II. - wenn auch nur irrtümlich - als einen der Gründer des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vierteljahrhundert später begegnet in [[Wilhelm Ganspeckh]] (1687-1770) der erste und gleichzeitig einzige Ranshofener Chorherr, der nachweisbar auch als Komponist tätig gewesen ist. Der Vater und zwei seiner Brüder waren unter Kurfürst Max Emanuel Musiker an der Bayerischen Hofmusikkapelle. Nach seinen Studien und der Priesterweihe war er lange Zeit Chorregent im Kloster. Von seinen musikalischen Werken ist einzelnes erhalten geblieben, vor allem ein Druck mit acht Messen und einem Requiem, der 1724 unter dem Titel &amp;quot;Octiduum sacrum&amp;quot; erschienen ist. Als zweiter Teil sind noch zwölf Offertorien angehängt. Die Messen sind nach den Altarheiligen der Stiftskirche benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Sekundiz des letzten Ranshofener Propstes Johann Nepomuk Kierl wurde 1805 noch eine eigens dafür komponierte Kantate (&amp;quot;Heut möge jede Brust das mächtige Gefühl der Freude schwellen&amp;quot;) eines unbekannten Komponisten aufgeführt, deren Partitur erhalten ist. Sie ist das letzte Zeugnis der Musikpflege im Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien== &lt;br /&gt;
Das Ranshofener Stiftsarchiv enthielt seinerzeit eine große Zahl von Originalurkunden, dazu mehrere Kopialbücher, andere Handschriften und sonstige Akten. Das meiste davon kam bei der Aufhebung 1811 nach München in das jetzige Bayerische Hauptstaatsarchiv. Kleinere Aktenbestände befanden sich außerdem im Staatsarchiv in Landshut, wurden von dort aber in der Zwischenzeit ebenfalls an das Hauptstaatsarchiv in München abgegeben. Nur weniges ist im Ranshofener Pfarrhof zurückgeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die älteste erhaltene Urkunde ist die von Kaiser Arnulf über die „Verleihung&amp;quot; der Pfalzkapelle an den Priester Ellimprecht (Bayr. HStA München, Kaiserselekt 87 = Ranshofen Urk. 1) aus dem Jahr 898. Sie muss seit der Karolingerzeit durchgehend an der Pankrazkirche aufbewahrt worden sein. Im Bayerischen Hauptstaatsarchiv befindet sich auch die Urkunde Herzog Heinrichs IX. von 1125, der sogenannte „Stiftbrief&amp;quot; des Augustiner-Chorherrenklosters (Ranshofen Urk. 2), neben weiteren Königs- und Herzogsurkunden. Auch päpstliche Privilegien für Ranshofen liegen dort auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Handschriften des Archivs ist jene des alten Traditionskodex seit der Aufhebung des Klosters leider verschollen. Die einzige auf das Originalmanuskript zurückgehende Textedition ist die der &amp;quot;Monumenta Boica&amp;quot; von 1764. Diese Textform wurde dann 1852 im ersten Band des Urkundenbuches des Landes ob der Enns neuerlich abgedruckt. Etwa gleichzeitig fand der St. Florianer Chorherr [[Jodok Stülz]] im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr eine große Zahl von Traditionen, die Mayr um 1650 aus dem Traditionskodex kopiert hatte. Ein Reihe von weiteren Notizen sind darin in regestenartiger Form wiedergegeben. Diese Überlieferung wertete Konrad Schiffmann 1905 in einer Neuedition aus und erläuterte seine daraus abgeleiteten Erkenntnisse in einer ausführlichen Einleitung. Zum einen kann man nämlich aus dem Vergleich der verschiedenen Überlieferungen erkennen, dass im Monumenta-Boica-Text eine Reihe von Notizen ausgelassen wurden. Zum anderen lassen sich aus den von Mayr gemachten Angaben über die Folien, auf denen er die einzelnen Traditionen gefunden hatte, wertvolle Hinweise auf die ursprüngliche Zusammensetzung des Kodex gewinnen. Dabei wird deutlich, dass die Handschrift aus mehreren vorerst voneinander unabhängig bestehenden Lagen schließlich zu einem Kodex verbunden wurde. Einzelne Lagen erscheinen hinsichtlich der Chronologie falsch aneinandergereiht. Außerdem begegnen die Notizen der ersten Lage in einem späteren Teil ein zweites Mal, wobei die älteste Lage mit der Notiz über die vom Bayernherzog Welf II. getätigte Schenkung von Besitzungen in Handenberg an die Pankrazkirche und die als zugehörige Filialkirche zu denkende Jakobikapelle in Handenberg (Schiffmann II 1, um 1110) eröffnet worden sein dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den erhalten gebliebenen Handschriften des Archivs ist das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes Konrad I. von 1277/1303 die wichtigste (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Ransh. Lit. 1). Sie enthält neben den beiden - bereits oben im Abschnitt über die wirtschaftliche Entwicklung gestreiften - Urbaren zwei Kopialbücher mit wichtigen Urkundenabschriften. Die vier Teile wurden vermutlich erst im 17. Jahrhundert zu einem Kodex zusammengebund en. Die beiden Kopialbücher enthalten wertvolle Zeugnisse zum Ranshofener Urkundenwesen, darunter Kopien von heute verschollenen Originalurkunden, wie etwa die Abschriften jener beiden Urkundentexte, die als verfälschte Fassungen eines Diploms Kaiser Heinrichs III. für Ranshofen anzusehen sind. Auf fol. 47ff. finden sich Angaben über verschiedene Altarweihen, die Schiffmann im Anhang seiner Ranshofener Baugeschichte publiziert hat (&amp;quot;Die Kirchweih-Chronik von Ranshofen&amp;quot;). Zwei weitere Kopialbücher schrieb am Beginn des 15. Jahrhunderts der Chorherr [[Christian Perger]] aus Eggenfelden (Ransh. Lit. 4 bzw. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein von Propst Philipp Vetterl 1623 angelegtes Urkundenbuch befindet sich im Braunauer Stadtpfarrkirchenarchiv. Es enthält zunächst Kopien von Urkunden, die sich auf die Braunauer Stadtpfarre St. Stephan beziehen, im weiteren Verlauf sind auch andere Stiftungen zugunsten des Klosters oder seiner Filialkirchen in den Text aufgenommen. Zum Archivbestand haben wohl auch der Bericht des Propstes Benno Meier über die niederösterreichischen Besitzungen von 1670 und das von ihm angelegte &amp;quot;Inventarium&amp;quot; von 1665/1687 gehört (vgl. oben die Abschnitte &amp;quot;Wirtschaftliche Verhältnisse&amp;quot; und &amp;quot;Bibliothek&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Bernhard Bischoff: Die südostdeutschen Schreibschulen der Karolingerzeit. Band 2. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Gotische Baukunst in Österreich. Salzburg 1990.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
* Rudolf Guby: Die Kunstdenkmäler des oberösterreichischen Innviertels. Wien 1921.&lt;br /&gt;
* Siegfried Haider: Zum Problem karolingischer Pfalzen in Oberösterreich. In: Baiern, Ungarn und Slawen im Donauraum. Hg. von Willibald Katzinger / Marckhgott, Gerhart. Linz 1991 (Forschungen zur Geschichte der Städte und Märkte Österreichs, 4), S. 11–16.&lt;br /&gt;
* Peter Herde: Ranshofener Urkundenstudien. In: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte 24 (1961), S. 183–228. [http://periodika.digitale-sammlungen.de/zblg/kapitel/zblg24_kap8 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die mittelalterliche Buchkunst der Chorherrenstifte am Inn. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 205–231.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Klemm: Die romanischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München. Teil 1: Die Diözesen Regensburg, Passau und Salzburg. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Sigrid Krämer: Die Bibliothek von Ranshofen im frühen und hohen Mittelalter. Band 2. In: The Role of Book in Medieval Culture. Hg. von Peter Felix Ganz. Turnhout 1986 (Bibliologia Elementa ad Librorum Studia Pertinantia, 4), S. 41–72.&lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme der Chorherrenkirche in Ranshofen. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 6 (1966), S. 179–219.&lt;br /&gt;
* Wilfried L. Lipp: Das ehemalige Augustiner Chorherrenstift Ranshofen - Ein Beitrag zur Kunstgeschichte. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, 149–160.&lt;br /&gt;
* Walther Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften des deutschen Sprachgebietes. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 7 (1971), S. 7–102.&lt;br /&gt;
* Alfred Marks: Oberösterreich in alten Ansichten. Linz 1968.&lt;br /&gt;
* Franz Martin (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Braunau. Wien 1947 (Österreichische Kunsttopographie, 30).&lt;br /&gt;
* August Prenninger: Hinweise zur Bevölkerungsstruktur Ranshofens vom Mittelalter bis zur Bauernbefreiung 1848. In: Rantesdorf 788-1988, 1200 Jahre Ranshofen. Ausstellung vom 28. Mai bis 17. Juli 1988. Hg. von Walter Pilshofer / Rudolf Schmidt. Braunau am Inn 1988, S. 39–44.&lt;br /&gt;
* [[Franz Xaver Pritz]]: Geschichte des aufgelassenen Stiftes der regulirten Chorherren des heiligen Augustin zu Ranshofen in Oberösterreich. In: Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen 17 (1857), S. 327–435. [https://books.google.at/books?id=U5YJAAAAIAAJ&amp;amp;vq=pritz&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA327#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Baugeschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Archiv für die Geschichte der Diözese Linz 5/1 (1908), S. 3–26.&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Aufhebung des Stiftes Ranshofen. In: Unterhaltungsbeilage der Linzer Tages-Post, Nr. 42, Jg. 1911 (15. Oktober 1911).&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Ranshofener Stiftsschule im Zeitalter des Humanismus und der Reformation. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 117 (1972), S. 199–212. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_117a_0199-0212.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Musik im Stift Ranshofen. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 120 (1975), S. 67-110 [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_120a_0067-0110.pdf (Digitalisat)]; 121 (1976), S. 179–222. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_121a_0179-0222.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Überlieferung der Ranshofener Traditionen. Vorbemerkungen zu einer künftigen Neuedition In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 16 (1990), S. 5–16. [https://www.ooegeschichte.at/fileadmin/media/migrated/bibliografiedb/mooela_16_0005-0016.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Das Ranshofener Evangeliar in Oxford (Manuscript Canonici Bible Latin 60 der Bodleian Library). Ranshofen 2012.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in den jüngeren Teilen des Ranshofener Traditionskodex. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 22 (2011), S. 291–320.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in Notizen aus dem ältesten Teil des Ranshofener Traditionskomplex. Zum Erscheinen der Schiffmann-Ausgabe vor 100 Jahren. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 21 (2008), S. 107–142.&lt;br /&gt;
* Hubert Schopf: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen am Inn im Mittelalter 1125–1426. Diss. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1985.&lt;br /&gt;
* Max Schrott: Die Conföderationen unserer Stifte. In: In Unum Congregati 5 (1985), S. 123–154.&lt;br /&gt;
* Georg Swarzenski: Die Salzburger Malerei von den ersten Anfängen bis zur Blütezeit des romanischen Stils. Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
* Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 245–294.&lt;br /&gt;
* Margareta Vyoral-Tschapka: Die Klosteranlage des ehemaligen Augustiner Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege Oberösterreich 160: Festschrift für Georg Heilingsetzer zum 70. Geburtstag (2015), S. 577–616.&lt;br /&gt;
* Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert. Köln 1975 (Kölner historische Abhandlungen, 24).&lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Königsherzogsgut in Oberösterreich. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 3 (1954), S. 101–145.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Zur Rechtsgeschichte des Stiftes Ranshofen und seiner Pfarreien. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 161–170.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Ranshofen</title>
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		<updated>2022-07-14T07:56:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Gründungsgeschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1125&lt;br /&gt;
|Datum bis=1811/10/28&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis Ende des 18. Jahrhunderts)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=&amp;quot;curtis rantesdorf&amp;quot;, Hof Rantesdorf (788)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Pankraz, hl. Michael, hl. Jungfrau Maria&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte== &lt;br /&gt;
===Vorgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Errichtung des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen kurz vor oder im Jahr 1125 knüpfte an Voraussetzungen an, die durch eine damals schon Jahrhunderte währende Geschichte gegeben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen war zunächst ein Hof der bayerischen Agilolfingerherzöge, deren letzter, der unglückliche Tassilo III., im gleichen Jahr durch Karl den Großen seine Herrscherwürde einbüßte, in dem Ranshofen – als &amp;quot;Rantesdorf&amp;quot; – erstmals im Licht einer geschichtlichen Nachricht erscheint. Unter den Nachfolgern Karls des Großen wurde Ranshofen eine königliche Pfalz, ein Ort, der dem Herrscher als Aufenthalt und Verwaltungsstützpunkt diente. Kaiser Arnulf, einer der letzten ostfränkischen Karolinger, ließ hier zwischen 896 und 898 eine dem hl. Pankraz geweihte Kapelle erbauen und stattete sie mit Besitzungen, liturgischen Geräten, kostbaren Glasfenstern und Tapisserien sehr großzügig aus. Ein Priester Ellimprecht – wohl ein Mitglied der kaiserlichen Hofkapelle – erhielt die neu errichtete Pfalzkapelle zunächst als Lehen übertragen. Mit einer Urkunde vom 17. Oktober 898 wandelte Kaiser Arnulf dieses Lehen dann in ein freies Eigentum des Priesters Ellimprecht um. Nach dessen Tod sollte alles dem von Arnulfs Vater in Alt-Ötting gegründeten Säkularkanonikerstift zufallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Monate später fertigte Arnulf dann zugunsten der Ranshofener Pankrazkapelle eine weitere Urkunde aus, die allerdings nur in mittelalterlichen Abschriften überliefert wird. An ihrem Text fällt auf, dass vom Priester Ellimprecht nun keine Rede mehr ist. Als Empfänger der gegebenen Güter erscheinen vielmehr &amp;quot;die Kleriker, die dort den Gottesdienst verrichten&amp;quot;. Aus dieser Formulierung hat man auf die nachträgliche Gründung eines Säkularkanonikerstifts in Ranshofen schließen wollen, über dessen Bestand sonst jedoch keine Nachrichten existieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das weitere Schicksal der Pfalz mit der dazugehörigen Pankrazkapelle ist dann nämlich über Jahrzehnte hinweg völlig ungewiss. Wir wissen nicht, ob schon Herzog Arnulf aus dem Geschlecht der Luitpoldinger, der nach dem Tod von König Ludwig (&amp;quot;dem Kind&amp;quot;) 911 die Herrschaft über Bayern an sich gerissen hatte, im Zuge seiner Enteignungen von Kirchengütern die ursprünglich vorgesehene Schenkung der Ranshofener Kapelle an das Stift Alt-Ötting wieder rückgängig gemacht hat oder ob das Abhängigkeitsverhältnis erst später gelöst wurde. Auch über die Auswirkungen der Ungarneinfälle auf das Gebiet schweigen die Quellen. Erst gegen Ende des 10. Jahrhunderts finden wir hier unter Herzog Heinrich dem Zänker einen bayerischen Landtag versammelt, der die sogenannten &amp;quot;Ranshofener Landgesetze&amp;quot; beschließt. Dessen Sohn, der 1002 zum König gewählte und später zum Kaiser gekrönte Heinrich II. (&amp;quot;der Heilige&amp;quot;) ließ am Weihnachtstag des Jahres 996 – noch als bayerischer Herzog – in der Pfalzkapelle den Mönch [[Gotthart von Niederaltaich]] zum Abt dieses Klosters weihen. Heinrichs Gemahlin Kunigunde schließlich verfügte 1025 über die Ranshofener Pfalz wie über familiären Privatbesitz, indem sie diese zusammen mit anderen Königshöfen gegen Güter des Bistums Freising abtauschen wollte. Der Nachfolger Heinrichs II., König Konrad II., scheint diesen Tausch aber nicht anerkannt zu haben. Jedenfalls gehörte das &amp;quot;praedium Ranteshoven&amp;quot; – so der neue Name der Siedlung seit dem ausgehenden 10. Jahrhundert – mit der dazugehörigen Kapelle weiterhin zum Reichsgut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Gründung – oder Wiederbelebung – eines Kanonikerstiftes verweisen erst wieder zwei Urkunden, die Kaiser Heinrich III. im Jahr 1040 für Ranshofen ausgestellt haben soll. Auch sie sind nur in Abschriften überliefert und gelten der Urkundenforschung in ihrer vorliegenden Gestalt als Fälschungen. Man hat allerdings den Versuch unternommen, in beiden authentische Abschnitte von späteren Zusätzen zu trennen. Dabei begegnet im vermutlich echten Text die Angabe über eine Schenkung von Zehenten zugunsten der in Ranshofen &amp;quot;weilenden Priester ..., damit der Gottesdienst dort täglich gefeiert werde.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutet man dies als Hinweis auf eine Klerikergemeinschaft, so dürfte diese in den Wirren der Zeit des Investiturstreits wieder zerfallen sein. Jedenfalls begegnen in den ältesten Schenkungsnotizen des Ranshofener Traditionskodex, deren Textüberlieferung vor 1070 einsetzt, zunächst nur einzelne Priester der Pankrazkirche, die mehrfach auch als Pfarrer bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte===&lt;br /&gt;
Erste Anzeichen für die erneute Einrichtung einer Kanonikergemeinschaft kann man am Text der Ranshofener Traditionen seit etwa 1120 beobachten. Die hier aufgezeichneten Schenkungen erfolgen jetzt nämlich zugunsten der an der Pankrazkirche &amp;quot;für Gott streitenden Brüder (fratres Deo militantes)&amp;quot;, eine Formulierung, die im Zusammenhang mit Regularkanonikern auch andernorts immer wieder begegnet, vereinzelt freilich auch für Angehörige eines weltlichen Kanonikerstiftes gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicheren Boden gewinnen wir somit erst mit der Schenkungsurkunde des Bayernherzogs Heinrich IX. des Schwarzen (1120–1126) vom 30. Juli 1125, in welcher dieser zusammen mit seiner Gemahlin Wulfhilde in der Ranshofener Pfalz den &amp;quot;an der Pankrazkirche nach der Regel des hl. Augustinus Christus dienenden Brüdern Zehent im Gau&amp;quot; Ranshofen sowie verschiedene Güter übergibt. Auf dieser Urkunde basiert dann auch die Darstellung des bayerischen Historikers Aventin, der in seinem um 1520 geschriebenen &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; annimmt, Herzog Heinrich IX. habe hier im Jahr 1125 auf &amp;quot;Geheiß und Rat&amp;quot; des Salzburger Erzbischofs Konrad I. ein Augustiner-Chorherrenstift gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aventins Annahme ist freilich nur mit gewissen Vorbehalten zu übernehmen, denn eine zu diesem Zeitpunkt erst beschlossene Neugründung eines Klosters wird im Urkundentext ebensowenig erwähnt wie ein Zusammenwirken oder Zusammentreffen mit dem Salzburger Erzbischof. Ein Regularkanonikerkloster wird vielmehr als bereits bestehend vorausgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist die Einführung von Augustiner-Chorherren in Ranshofen vielleicht schon zwischen 1120 und 1125 erfolgt. Der weitere Ausbau des Stiftes zu einem Kloster für Chorherren, Chorfrauen und Konversen dürfte sich allerdings noch über die Zeit Heinrichs IX. hinaus bis in die Jahre der Herrschaft seines Sohnes Heinrich X. des Stolzen (1126–1139) erstreckt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Einrichtung eines Augustiner-Chorherrenstiftes erfasste eine wichtige religiöse Erneuerungsbewegung des Mittelalters Ranshofen. Eine Schlüsselfigur ihrer weiteren Ausbreitung war zweifelsohne der Salzburger Erzbischof Konrad I. (1109–1147). Er gilt als Gründer oder Erneuerer einer großen Zahl von Chorherrenstiften innerhalb und außerhalb seines engeren Diözesanbereiches. So ist seine Einflussnahme bei der Errichtung eines Chorherrenklosters in Ranshofen nicht auszuschließen. Quellenmäßig greifbar wird ein Zusammenhang mit ihm freilich erst um 1138/39. Damals nahm Konrad I. zusammen mit Bischof Roman von Gurk in Ranshofen eine Schenkung von Besitzungen der Ministerialen von Rohr im Kremstal für das Kloster entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Entwicklung im Hoch-und Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
Neben der Gestaltung der Liturgie in der Messfeier und beim Chorgebet war die Seelsorge ein wichtiges Anliegen des neuen Ordens. Da der Ranshofener Seelsorgesprengel sehr umfangreich war, wurden schon damals im weiten Umkreis Kirchen dafür neu gebaut oder vorhandene Kapellen übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ranshofen selbst baute man neben der Stiftskirche eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche. Andere Aufgaben waren die Krankenpflege, die schulische Unterweisung und die wissenschaftlichen Studien. Für letztere benötigte man ebenso wie für den Gottesdienst Handschriften, die zu einem großen Teil in der Schreibstube des Klosters, dem &amp;quot;scriptorium&amp;quot;, von den Chorherren selbst in mühevoller Arbeit hergestellt wurden. Aus Urkunden und Traditionsnotizen kennen wir einige Namen von Pröpsten des 12. und beginnenden 13. Jahrhunderts. Genannt werden ein [[Manegold]], der mit dem Magistertitel ausgezeichnet erscheint, nach ihm [[Meginhard]], [[Altmann]] und [[Adelhard]], unter dem 1.178 das berühmte Evangeliar angekauft wurde, danach [[Liutold]] - wohl identisch mit dem im Evangelienbuch bezeugten Schatzmeister gleichen Namens -, dann nochmals ein Adelhard, der mit dem ersten Propst dieses Namens eine Person sein könnte, schließlich noch [[Etticho]] und [[Wichard]]. In verschiedenen Totenbüchern der Salzburger Diözese wird außerdem ein Propst [[Liutfrid von Ranshofen]] verzeichnet, der nur schwer einzuordnen ist. Vielleicht gehört er an den Anfang der Reihe gestellt, anstelle des von Aventin aus der Urkunde Heinrichs IX. von 1125 übernommenen [[Raffold]]. (Letzterer war vermutlich kein geistlicher Propst, sondern einer der Verwalter des Pfalzgutes.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1140 kam es zu einer Kontroverse mit dem Passauer Bischof Reginbert um die Seelsorgerechte und die daraus erwachsenden Zehentforderungen. Im Zusammenhang damit hat der Passauer Ordinarius den Kanonikern einen ungenannten jugendlichen Propst aufgezwungen, gegen den sie sich mit Erfolg aufgelehnt haben. Freiheit der Propstwahl ist dann auch eines der wichtigsten Rechte, das Ranshofen immer wieder urkundlich zugesichert wird, zum ersten Mal in dem großen Schutzprivileg des Papstes Eugen III. von 1147.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts - inzwischen hatten die Wittelsbacher den durch Kaiser Friedrich Barbarossa abgesetzten Heinrich den Löwen in der Herrschaft über Bayern abgelöst - begann für Ranshofen einer der unruhigsten Abschnitte seiner Geschichte. 1233 plünderten Truppen des Babenbergerherzogs Friedrich des Streitbaren bei Kämpfen mit Herzog Otto II. von Bayern Neukirchen an der Enknach, wobei die dortige Filialkirche zu schwerem Schaden kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Jahre danach, wahrscheinlich 1242, überfielen von der Burg Obernberg kommende Leute des Passauer Bischofs Ranshofen selbst und verbrannten zusammen mit der herzoglichen Pfalz auch die beiden Kirchen. 1250 drohten neue Gefahren. Bischof Rüdiger von Passau war durch den päpstlichen Legaten Albert Beham abgesetzt worden, und Berthold, ein gebürtiger Graf von Sigmaringen, sollte seine Stelle einnehmen. Doch Rüdiger leistete Widerstand und wurde dabei durch den bayerischen Herzog unterstützt. So durchzogen Soldaten des Gegenbischofs im November 1250 neuerlich plündernd den angrenzenden Weilhartsforst und verwüsteten das Land. Die Stiftskirche soll anschließend wieder aufgebaut und 1255 neu eingeweiht worden sein. Doch bald danach wurde das Gebiet um den unteren Inn im Zusammenhang mit Kämpfen zwischen Herzog Heinrich von Niederbayern - das Herzogtum war inzwischen nach dem Tod Ottos II. unter seinen Söhnen geteilt worden und König Ottokar von Böhmen neuerlich Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen wurde 1266 ein zweites Mal niedergebrannt und dabei fast zur Gänze zerstört. So klagte Propst [[Sifrid]] (1255-1277) in einer Bittschrift an Papst Klemens IV. darüber, dass im Kloster nur mehr drei Leute Unterhalt fänden, während davor 14 Priester und 50 weitere Stiftsangehörige mühelos versorgt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Resignation Sifrids erlebte Ranshofen aber dann unter seinem Nachfolger [[Konrad I.]] (1277- 1311) eine Zeit des Wiederaufschwungs. Neben den nun wieder günstigeren äußeren Verhältnissen ist diese Blüte vor allem in der Tatkraft und Zielstrebigkeit jenes Prälaten begründet. Bereits im Jahr seiner Erwählung begann er mit der Anlage eines Privilegienbuches, in das die Urkunden des Klosters in übersichtlicher Form eingetragen werden sollten. In dem angeschlossenen Urbar wurden die Stiftsgüter verzeichnet. Beide Teile hat Propst Konrad I. später in etwas abgewandelter Form nochmals redigiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der schon unter seinem Vorgänger begonnene Neubau der Stiftskirche wurde 1283 abgeschlossen und in Gegenwart des bayerischen Herzogs durch den Bischof von Regensburg eingeweiht. Auch das Kanonissenstift wurde erneuert und Einrichtungen für die Krankenpflege geschaffen. Schon mit Konrads gleichnamigem Nachfolger [[Konrad II.]] (1311-1332) setzte allerdings neuerlich eine Zeit des Niedergangs ein. Später besserten sich die Verhältnisse wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift wurde im 14. und 15. Jahrhundert vielfach durch Privilegien der Herzöge von Bayern und von Österreich ausgezeichnet. Auch Kaiser Ludwig der Bayer und später Maximilian I. reihten sich unter die Förderer ein. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts mehrten sich ganz allgemein die Versuche, dem damals drohenden Verfall der Klöster entgegenzuwirken. Erste Ansätze einer solchen Reform in Ranshofen unter den Pröpsten [[Erasmus Ridmund]] (1435-1444), [[Friedrich Gunderstorfer]] (1444-1448) und Thomas Wittel (1451-1462) zeigten jedoch keinen nachhaltigen Erfolg. Erst der aus dem niederösterreichischen [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] berufene Propst [[Wolfgang]] konnte das Kloster im Sinne einer vom böhmischen Stift Raudnitz ausgehenden Reformbewegung erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Nachdem Ranshofen im bayerischen Erbfolgekrieg trotz bedrohlicher Nähe des Kriegsgeschehens glimpflich davongekommen war, begann 1508 Propst [[Kaspar Türndl]] (1504—1529) mit dem Neubau der Stiftskirche. Gleichzeitig kam es zu einer Blütezeit humanistischen Geistes, die sich in den erhaltenen Handschriften und Frühdrucken aus der Klosterbibliothek spiegelt. Aber auch erste Anzeichen für eine beginnende Auseinandersetzung mit den Lehren Martin Luthers lassen sich von 1520 an beobachten. Eine Steigerung dieser Tendenzen ergab sich unter Propst [[Augustin I. Münich]] (1529—1560). Zeitgenossen rühmten ihn als Freund der Studien und Wissenschaften. Die Stiftsschule war unter seiner Herrschaft eine der größten Unterrichtsanstalten von ganz Bayern. Aus dem Protokoll einer Passauer Kirchenvisitation von 1559/60, der wichtigsten Quelle unserer Kenntnis über die Ausbreitung der Reformation im Innviertel, erfahren wir jedoch, dass die an dieser Schule wirkenden Schulmeister eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der protestantischen Glaubenslehren gespielt haben. Vielleicht steht die bald nach der Visitation erfolgte Resignation des Propstes im Zusammenhang mit seiner toleranten Einstellung gegenüber den Anhängern des neuen Glaubens. Unter seinem Nachfolger [[Adam Gensleitner]] (1560—1587) wurde jedenfalls sehr rasch die Gegenreformation voll zur Geltung gebracht, sodass der römische Kurienkardinal Commendone, der Ranshofen 1569 visitiert hat, den Zustand von Kirche, Kloster und Schule bereits als zufriedenstellend beurteilte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren neuerlichen Verfalls an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert begann nach 1620 eine der glanzvollsten Perioden der Geschichte Ranshofens. Der klostereigenen Geschichtsschreibung gilt sie als das Werk von vier aufeinanderfolgenden Prälaten. Trotz wachsender Bedrohung durch den Dreißigjährigen Krieg erneuerte Propst Philipp Vetterl (1620—1634) nicht nur die schwer darniederliegende Disziplin des Gemeinschaftslebens, sondern begann auch einen frühbarocken Neubau der Klosteranlage. 1628 erhielt der Propst durch Papst Urban VIII. für sich und seine Nachfolger das Recht des Gebrauchs der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1634 kam der bayerische Kurfürst Maximilian I. mit seiner Familie und seinem Hofstaat auf der Flucht vor den schwedischen Truppen, die München besetzt hatten, nach Ranshofen und blieb hier bis zum Frühjahr 1635. Während des Aufenthalts im Kloster ist die Kurfürstin Elisabeth am 4. Jänner 1635 gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Gegenwart des Kurfürsten gewählte Propst [[Simon Meier]] (1635—1665) kümmerte sich besonders um die Neuordnung der Bibliothek und um die wissenschaftlichen Studien der Stiftsangehörigen. Propst [[Benno Meier]] (1665—1687) - ein Neffe seines Vorgängers - ließ im Schloss Neukirchen eine theologische Studienanstalt einrichten. Besondere Sorgfalt widmete er dem Stiftsarchiv mit den alten Urkunden. Seinem Ordnungssinn ist es zu verdanken, dass wir für die Zeit seiner Regierung genaue Aufzeichnungen über die vorhandenen Kirchengeräte und einen Katalog der erworbenen Bücher besitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ivo Kurzbauer]] (1687—1715) erneuerte schließlich Kirche und Kloster für ein 1699 gefeiertes &amp;quot;Acht-tägiges hochfeierliches Jubel-Fest&amp;quot; zum Gedächtnis der achthundertjährigen Geschichte der Pankrazkirche und krönte damit die Bestrebungen seiner Vorgänger, eine Entwicklung, die [[Augustin II. Pariser]] (1715—1741) zwar weiterführen, aber nicht mehr steigern konnte. Die barocke Glanzzeit des Stiftes hatte damit ihren Höhepunkt bereits überschritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild, das Ranshofen dann von der Mitte des 18. Jahrhunderts an bietet, ist eher uneinheitlich. Man kann es nur verstehen, wenn man die Erscheinungen von zwei Seiten her eingrenzt: vom Weiterführen überkommener Lebensformen des Barock einerseits und von der damals auch in Bayern bereits einsetzenden Aufklärungsbewegung andererseits. Mit dem Frieden von Teschen (1779) fiel das lnnviertel an Österreich. Dadurch wurden die vom Geist jener Zeit geprägten Reformen Kaiser Josephs II. alsbald auch in Ranshofen wirksam. Im Zusammenhang mit der Neuorganisation des Pfarrnetzes wurden verschiedene Filialkirchen in Pfarrkirchen umgewandelt, die Formen des Gottesdienstes reformiert, die Ranshofener Pfarrkirche St. Michael gesperrt und später abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Abtrennung der Diözese Linz vom Bistum Passau löste altgewohnte Bindungen. Vor allem die Franzosenkriege brachten dann neuerlich große Unruhe in das Kloster. Das Stift wurde einmal von diesen und einmal von jenen Truppen als Militärspital beansprucht. Es kam zu Gewalttaten und Plünderungen. Aber auch die Klostergemeinde selbst war vom Geist der Aufklärung angekränkelt.&lt;br /&gt;
Vor allem der letzte, 1784 gewählte Propst [[Johann Nepomuk Kierl]] gilt als schwach und verschwenderisch. Nach seinem Tod im Jahr 1809 kommt es innerhalb der zerfallenen und in sich gespaltenen Gemeinschaft zu keiner Neuwahl mehr. So findet die von der &amp;quot;Rieder Regierung&amp;quot; während der französischen Besatzung 1810 angekündigte Aufhebung Ranshofen bereits im Zustand der Krise.&lt;br /&gt;
Der Übertritt in den Weltpriesterstand kommt den damals noch hier lebenden Chorherren eher gelegen. Vor der endgültigen Aufhebung am 28. Oktober 1811 brachte man die als wertvoll angesehenen Archivalien in das Hauptstaatsarchiv nach München und einen großen Teil der Bibliotheksbestände in die jetzige Bayerische Staatsbibliothek. Anderes wurde in der ganzen Welt verstreut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammen mit dem, was in Ranshofen selbst heute noch sichtbar ist, legen diese Dokumente ein beredtes Zeugnis ab von der Pflege von Religion, Wissenschaft und Kunst im Chorherrenstift Ranshofen im Verlauf seiner Jahrhunderte währenden Geschichte. Indirekt kann man aus ihnen aber auch ahnen, wie bedeutungsvoll dieses Wirken der Chorherren für jene Menschen gewesen sein muss, die im Umkreis des Klosters gelebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Nachgeschichte===&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung erwarb der bayerische General Graf von Montjoie-Frohberg die Stiftsgebäude und den ausgedehnten Grundbesitz und wandelte einen Teil der ehemaligen Klosteranlage zum &amp;quot;Schloss Ranshofen&amp;quot; um. Anderes wurde abgetragen. Die frühere Stiftskirche blieb als Pfarrkirche erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erster Pfarrer wurde der seinerzeitige Stiftsdechant [[Pankraz Hauser]]. Der Pfarrer war damals einige Jahrzehnte hindurch auch Repräsentant der weltlichen Verwaltung. Erst im Zuge der Reformen bekam Ranshofen im Jahr 1848 eine eigene Gemeindeverwaltung. Auch erhielten die bis dahin unfreien Bauern die Möglichkeit, den Grund und Boden, den sie vorher als Untertanen bewirtschaftet hatten, gegen ein geringes Entgelt als Eigentum zu erwerben.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1851 kaufte dann Ferdinand Wertheimer, der später als Abgeordneter dem oberösterreichischen Landtag angehörte, die &amp;quot;Herrschaft Ranshofen&amp;quot; und wandelte im Laufe der Jahre den immer noch beachtlichen Großgrundbesitz in einen landwirtschaftlichen Musterbetriebum. Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland im März 1938 wurde der Wertheimersche Familienbesitz jedoch vom Deutschen Reich &amp;quot;abgelöst&amp;quot;. Im Oktober des gleichen Jahres wurde die vorher selbständige Geme inde Ranshofen der Stadt Braunau einverleibt und ein Jahr später begann man bereits auf den Wertheimer-Gründen mit dem Bau eines Aluminiumwerkes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute ist man bemüht, das noch Vorhandene zu erhalten und zu pflegen, wobei der Komplex von Kirche und ehemaligem Stift besitzmäßig auf die Diözese Linz, die Stadt Braunau und private Eigentümer verteilt ist. Die Kirche und der Bibliothekssaal im ehemaligen Konventgebäude werden - abgesehen von der liturgischen Verwendung des Gotteshauses - auch für kulturelle Veranstaltungen genützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Will man sich ein Bild von den wirtschaftlichen Verhältnissen des Chorherrenstiftes Ranshofen im Mittelalter machen, wird man zunächst von der Urkunde Herzog Heinrichs IX. von Bayern aus dem Jahre 1125 ausgehen müssen. Sie gilt in der Literatur ja als &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; des Klosters. Als geschenktes Gut werden darin Güter in Handenberg, Braunau und einem - nicht mehr bestimmbaren - Dürrnberg nördlich der Donau, sowie verschiedene kleinere Liegenschaften angeführt. Letztere wurden den Regularkanonikern teils als Eigenbesitz, teils als Lehen überlassen. Dazu kamen die herzoglichen Zehenten &amp;quot;im Gau&amp;quot; Ranshofen und die Kirche Enknach (&amp;quot;Enkinacha&amp;quot;) - vermutlich am Ort oder in der Nähe des heutigen Neukirchen an der Enknach gelegen - mit dem dazugehörigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich erst nach Ausfertigung der Urkunde wurde an einer bestimmten Stelle nachträglich noch ein Hinweis eingefügt, dass jene Hörigen, die vorher in der Hand des Herzogs oder des Kämmerers bzw. des - herzoglichen - Propstes gewesen seien, nun auch dem Kloster unterstellt würden. So reichhaltig diese Schenkung gewesen ist, so wird damit keineswegs der gesamte wirtschaftliche Besitz Ranshofens zur Zeit der Gründung des Chorherrenstiftes umschrieben. Die Einrichtung des mittelalterlichen Klosters erfolgte ja nicht in der Einöde eines unerschlossenen Gebietes, sondern knüpfte an eine Jahrhunderte währende Vorgeschichte an. Schon Kaiser Arnulf hatte ja die von ihm erbaute Pfalzkapelle reich mit Gütern ausgestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den umfangreichsten Einblick in die Ranshofener Besitzverhältnisse im hohen Mittelalter gewähren jedoch die Notizen des Traditionskodex, deren Inhalte den Zeitraum von etwa 1070 bis 1250 umspannen, also auch schon vor 1125 einsetzen. Die Texte bezeugen die Übergabe von Gütern im näheren und weiteren Umkreis von Ranshofen, darüber hinaus die Schenkung von 5-Pfennig- Zensualen, sowie von Knechten und Mägden. Wie in anderen Klöstern machen auch in Ranshofen die Selbstübergaben von ehemals freien Personen, in der Absicht sich unter dem Schutz des Stiftes gegen Übergriffe von Mächtigeren abzusichern, einen beträchtlichen Teil der Zensualenschenkungen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere wichtige Quelle zur mittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte Ranshofens ist dann das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes [[Konrad I.]] Die Handschrift enthält neben zwei Kopialbüchern zwei Urbare, welche 1277 beziehungsweise 1303 angelegt wurden. Da im älteren Urbar die erste Lage der Handschrift verlorengegangen ist, kann man nur aus dem jüngeren erkennen, dass der Grundbesitz sich damals auf acht Urbarämter verteilte, die im Innviertel (Haselbach, Überackern, Neukirchen/Enknach, Nonsbach und Ranshofen), im oberösterreichischen Kremstal (Rohr) und in den jetzigen bayerischen Landkreisen Rottal-Inn und Alt-Ötting gelegen waren (Kollbach und &amp;quot;Trans Enum&amp;quot;). Dazu kamen noch Weingärten in der Wachau. Im Abgabenverzeichnis über die im Dorf Ranshofen ausgegebenen Lehen werden auch zwei Schuster, ein Schneider, ein Fleischer, ein Koch und ein Bader angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte Ranshofens stiegen in der Folgezeit dann noch durch die Stiftung von Jahrtagen in Form von &amp;quot;Seelgeräten&amp;quot;, das sind Schenkungen zugunsten von jährlich, manchmal sogar wöchentlich zu lesenden Messen für das Seelenheil von Verstorbenen. Ähnliche Stiftungen begegnen auch in den Filialkirchen des Klosters, unter denen die Braunauer Stephanskirche durch die Befestigung der Siedlung und die Stadterhebung im Jahr 1260 bald eine Sonderstellung einnehmen sollte. Kaiser Ludwig der Bayer (1314–1347) stiftete 1345 eine täglich zu lesende Messe für sich und seine Vorfahren und Nachkommen. Gleichzeitig schenkte er dem Kloster jene Güter im Dorf Ranshofen, die bis dahin noch herzoglicher Besitz gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schiffstransport des Klosterweins aus den Weingärten in der Wachau auf Donau und Inn erhielt das Chorherrenstift verschiedentlich Privilegien über die Mautfreiheit, so 1287 vom österreichischen Herzog Albrecht I., die er 1295 und sein Sohn Friedrich der Schöne 1314 nochmals bekräftigten. Eine Bestätigung dieser Privilegien durch Kaiser Maximilian I. erbaten der Propst und das Kapitel von Ranshofen schließlich noch 1498. In einzelnen Fällen hat das Kloster aber auch ältere Besitzungen, die schwer zu bewirtschaften waren oder den erwarteten Ertrag nicht erbrachten, wieder abgestoßen. Ein wertvolles Dokument solcher wirtschaftlicher Veränderungen ist eine von Propst [[Benno Meier]] 1670 verfasste &amp;quot;Relation von den Ranshoverischen in Österreich gelegenen Höf und Weingärten&amp;quot;. Darin verzeichnete der Prälat zunächst alles, was er aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen über die niederösterreichischen Besitzungen Ranshofens in Erfahrung bringen konnte. Es handelte sich um Höfe und Weingärten in Schwallenbach, Spitz, Loiben, Stein, Krems und Gobelsburg in der Wachau und um Weingärten in Kritzendorf bei Klosterneuburg. Zu seiner Zeit waren davon fast nur mehr die Weingärten in Unterloiben - ihre Riednamen sind vielfach bis heute in Gebrauch - dem Stift verblieben. Ihr Zentrum war ein großer Lesehof in Unterloiben nahe der Kirche, der als der heutige &amp;quot;Loibnerhof&amp;quot; identifiziert werden kann. Weil die Kosten-Nutzen-Rechnung des Propstes auch darüber negativ ausfiel, hat er ein Jahr später den ganzen Komplex an das Kloster Tegernsee verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen guten Überblick über den Stiftsbesitz und die Untertanen im Bereich von Ranshofen selbst in der Zeit des beginnenden 18. Jahrhunderts gibt ein im Auftrag des Propstes Ivo (1687–1715) durch den bayerischen Geometer Matthäus Paur im Jahre 1714 angelegtes Mappenwerk (&amp;quot;Gruntrys mit angehengter Beschreibung&amp;quot;, in der Literatur im allgemeinen als &amp;quot;Grundriss-Libell&amp;quot; bezeichnet). Der davon erhaltene Teil besteht aus Plandarstellungen aller Besitzungen im Bereich der sogenannten &amp;quot;Hofmark&amp;quot; Ranshofen mit darauf bezogenen Erläuterungen. Diese umfasste damals 81 Häuser, von denen die meisten vom Stift auf Erb- oder Leibrechtsbasis verliehen waren. Etwa die Hälfte davon wurde landwirtschaftlich genutzt. Der Rest war an Gewerbetreibende vergeben, unter denen sich auch ein Saitenmacher, ein Sattler, ein Bierbrauer und ein Metzger aus Braunau finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge der Abtrennung des Innviertels von Bayern durch den Frieden von Teschen ergaben sich während der letzten Jahrzehnte des Bestandes des Klosters Probleme mit der Verwaltung der bei Bayern verbliebenen Besitzungen jenseits des Inn. So wurden etwa im Verlauf der napoleonischen Kriege - Bayern kämpfte damals auf der Seite der Franzosen gegen Österreich - die Erträgnisse von Grundherrschaften, die auf bayerischem Gebiet gelegen waren, für das Stift gesperrt. 1810 schließlich begann man im Zuge der Auflösung die beweglichen Güter und die Wertsachen zu versteigern. Die Einnahmen betrugen 13.000 Gulden, die nach Salzburg, von wo aus kurzzeitig auch das Innviertel verwaltet wurde, abgeliefert werden mussten. Das 400 Joch große Stiftsgut, bestehend aus Äckern, Wiesen, Auen, Gärten und anderem, kaufte am 17. August 1812 der bayerische General und königliche Adjutant Graf Montjoie-Frohberg um 54.000 Gulden. Nur den unteren Teil des Lachforstes und ein Haus in Dietfurt (unterhalb von Braunau) behielt der bayerische Staat für sich zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Die rechtliche Lage der Ranshofener Pfalz war vom ausgehenden 11. bis um die Mitte des 12. Jahrhunderts eine eher wechselhafte. Dies findet auch in der damals beginnenden Geschichte des Chorherrenstiftes seinen Niederschlag. Die Pfalz und die dazugehörende Pankrazkapelle waren ja seit der Karolingerzeit Reichsgut und als solches der Verfügungsgewalt des Königs unterstellt. Den Bayernherzögen war zwischendurch zwar die Nutzung überlassen, sie wurden gegen Ende des 11. Jahrhunderts wegen ihrer reichsfeindlichen Politik im Zusammenhang mit dem Investiturstreit aber wiederholt durch Kaiser Heinrich IV. abgesetzt: zuerst Otto von Nordheim und später Welf I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So begegnet in einer vermutlich 1074 anzusetzenden Traditionsnotiz Kaiser Heinrich IV. selbst als Eigentümer von Ranshofen (&amp;quot;cuius praedium erat, quod Ranshovin vocatur&amp;quot;). Erst seit 1096 wurden die Welfen wieder mit Bayern belehnt und waren damit innerhalb bestimmter Grenzen über das Land am Inn verfügungsberechtigt. Die schwankende Rechtslage von Ranshofen kommt dann besonders in der &amp;quot;Gründungsurkunde&amp;quot; Herzog Heinrichs IX. von 1125 zum Ausdruck. Ihre Textform und ihre Ausstattung schließen sich in vielem dem Vorbild königlicher Siegelurkunden an. Dem Stil der Herrscherurkunden entspricht wohl auch der Hinweis auf die Mitwirkung und Zustimmung von Heinrichs Gemahlin Wulfhilde. Gerade dies ist allerdings rechtlich höchst fragwürdig, da es sich bei den geschenkten Gütern ja nicht um welfischen Eigenbesitz, sondern um dem Herzog überantwortetes Reichsgut gehandelt hat, für dessen Vergabe viel eher die Zustimmung des Königs erforderlich gewesen wäre. (Freilich war im Juli des Jahres 1125 nach dem Tod Kaiser Heinrichs V. Lothar III. noch nicht gewählt.) Die Strafformel, welche eine Bußzahlung von 60 Gulden an die Kammer des Königs bzw. des Kaisers bei Eingriffen in das Schenkungsgut vorsieht, bestätigt diese Auffassung. Dennoch versuchte Herzog Heinrich der Löwe später die Meinung durchzusetzen, Ranshofen sei ein Eigenstift seiner Familie, so vor allem, wenn er die dort dienenden Regularkanoniker als zu seiner Kapelle gehörig bezeichnet und die Gründung insgesamt fälschlicherweise mit seinem Vater Heinrich dem Stolzen in Verbindung bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1139 hatte nach dem Tod Heinrichs des Stolzen zunäch stder Babenberger Leopold IV. zusammen mit dem Herzogtum Bayern das Reichsgut um Ranshofen erhalten. Er ist jedoch bereits zwei Jahre später verstorben. Damals behielt König Konrad III. dann für kurze Zeit Bayern selbst in der Hand. In diesen Zeitabschnitt fällt das große Schutzprivileg Konrads von 1142, in dem der König die Besitzungen des Chorherrenstiftes, das er eine Gründung seines Urgroßvaters, des Kaisers Heinrich III., nennt, bestätigt. Eine Erwähnung einer Erneuerung durch die Welfen wurde in der Urkunde - offensichtlich aus politischen Gründen - unterdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Jahr belehnte der König den Babenberger Heinrich &amp;quot;Jasomirgott&amp;quot; mit Bayern. Das ist wohl jener &amp;quot;Heinricus Dux Bawariae&amp;quot;, welcher in einer anderen Tradition das an den Obstgarten der Regularkanoniker angrenzende Land am Altar des hl. Pankraz übergibt. Auch erscheint er in dem großen Privileg des Papstes Eugen III. von 1147 als Fürsprecher des Stiftes. Darin wird unter anderem erwähnt, dass der Vogt (&amp;quot;advocatus&amp;quot;) über das Herzogsgut gleichzeitig der Vogt des Klosters Ranshofen sei. Diese Bestimmung wird dann auch im Privileg des Papstes Hadrian IV. von 1158 wiederholt. Diesmal ist jedoch bereits Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, der Schirmherr des Klosters. Friedrich Barbarossa hatte ihn inzwischen 1154 mit dem von ihm zurückgeforderten Bayern belehnt. Schon 1157 hatte Heinrich der Löwe in einer Urkunde verfügt, dass der Vogt nicht nur die herzogliche Pfalz mit deren Untertanen, sondern auch die Stiftsleute an seiner Stelle beschützen und beschirmen sollte. Er habe auch die Klagen der Kanoniker und ihrer Eigenleute anzuhören und ihnen gebührend Recht zu verschaffen. Geld sollte er dafür nicht von ihnen fordern, sondern nur von des Herzogs Kammer nach altem Herkommen seinen Lohn empfangen. Darüber hinaus solle er keine Verfügungsgewalt über das Kloster oder dessen Eigenleute und Besitzungen haben und auch keine Steuern von ihnen eintreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vögte begegnen bereits mehrfach in den frühen Ranshofener Schenkungsnotizen aus der Zeit um 1100. Sie waren damals wohl vom König eingesetzt und hatten die Aufgabe, die unfreien Untergebenen vor Gericht zu vertreten, konnten aber auch selbst Streitigkeiten schlichten und Strafen verhängen. Bei Schenkungen an die Kirche fungierten sie als wichtige Zeugen. In späteren Traditionsnotizen wird fallweise der Herzog selbst als Vogt des Klosters angesprochen, so nach 1180 der Wittelsbacher Otto I. (&amp;quot;tune temporis dux Bawariae et eiusdem loci advocatus&amp;quot;). Nach dem Zeugnis der beiden angeführten päpstlichen Privilegien ließen sich aber schon zuvor die Herzöge in dieser Funktion durch von ihnen bestellte Untervögte vertreten. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts werden diese dann meistens als Richter (&amp;quot;judex&amp;quot;) angesprochen. Ob die Ranshofener Untervögte ihre Stellung - wie etwa in Reichersberg - zur persönlichen Besitzerweiterung und Bereicherung missbraucht haben, ist aus den Quellen nicht mehr zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf verschiebt sich die rechtliche Verfügungsgewalt mehr und mehr zugunsten des Landesfürsten. Der ehemalige Pfalzbereich wird dem herzoglichen Amt Burghausen zugeordnet. Einen Höhepunkt erreicht diese Entwicklung mit Kaiser Ludwig dem Bayern, der in sich ja Königs- und Herzogsamt vereinigte. Von ihm erhielt der Propst 1345 das Recht der niederen Gerichtsbarkeit über alle Stiftsuntertanen. Vögte des Chorherrenstiftes Ranshofen treten in der Folgezeit nicht mehr in Erscheinung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Von den Chorherren, die in der frühen Zeit dem Stift Ranshofen angehört haben, kennen wir nur einzelne Namen, die außerdem meistens wenig über ihre soziale Herkunft aussagen. Ein im Traditionskodex vor 1120 mehrfach genannt er Pfarrer [[Erenbert]] wird &lt;br /&gt;
anlässlich der Schenkung seines Gutes Pfaffing in einer der Notizen als &amp;quot;canonicus s. Pancratii mart.&amp;quot; bezeichnet, was ihn als Säkularkanoniker charakterisieren könnte. Ob er später auch noch dem Regularkanonikerkonvent angehört hat, ist ebenso fraglich, wie die - in der Literatur vielfach angenommene - Übernahme der ältesten Augustiner-Chorherren aus dem Salzburger Domstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die ersten Pröpste gibt es vereinzelte Hypothesen ihrer Herkunft, sowohl in genealogischer wie in geistlicher Hinsicht, die freilich einer kritischen Überprüfung kaum standhalten. Einen Ansatzpunkt für die Beantwortung der Frage nach dem sozialen Umfeld der ältesten Ranshofener Regularkanoniker gewinnen wir aus jener Traditionsnotiz von 1138/39, nach welcher der Reichsministeriale Friedrich von Rohr und seine Gemahlin Berta in Anw esenheit des Salzburger Erzbischofs Konrad I. und des Bischofs Roman von Gurk ihr ganzes Gut in Rohr (im oberösterreichischen Kremstal) übergaben, als sie ihren Sohn Richer dem Kloster zur geistlichen Ausbildung anvertrauten. Und in unmittelbarer Nachbarschaft zu dieser Notiz lesen wir im Traditionskodex von der Schenkung eines Eginbert, eines Neffen des Kadelhoch von Rohr, anlässlich seines Eintritts in das Stift (&amp;quot;tradidit semetipsum ad aram s. Pancratii secundum regulam communis vitae ibidem degendum&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu passen auch die spärlichen Angaben, die wir aus einem - nur im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr auszugsweise überlieferten - Ranshofener Nekrolog dieses Zeitabschnitts schöpfen können. Als verstorbene Chorherren wurden darin [[Konrad von Retenbach]], [[Bernhard von Hut]], [[Hartwig von Sattelbogen]], [[Heinrich von Loitzenkirchen]], [[Heinrich von Braunau]], [[Friedrich von Weilhart]], [[Pabo von Ering]] und [[Wilhelm von Mattsee]] genannt. Es sind vorwiegend Familienangehörige der Ministerialen, die aufgrund ihrer Dienste für den König oder den Herzog unfreie Bauernhöfe, Lehengüter, manchmal auch Eigenbesitz im engeren oder weiteren Umfeld Ranshofens, bewirtschafteten und das Kloster von seinen Anfängen an immer wieder beschenkten. Manche dieser Familien - sie werden in den Urkundentexten einmal als Reichsdienstmannen (&amp;quot;ministeriales regni&amp;quot;) und einmal als Herzogsdienstleute (&amp;quot;ministeria les ducis&amp;quot;) bezeichnet, was wiederum mit der schwankenden Rechtslage der Ranshofener Pfalz zusammenzusehen sein dürfte - hatten im Kloster auch ihre Grablege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gleiche Bild zeigen die in das Totenbuch eingetragenen Namen der Chorfrauen, aber auch der Laienbrüder und -schwestern, die im Stift Aufnahme gefunden hatten. Aus der - schon oben erwähnten - Supplik des Propstes Sifrid an den Papst Clemens IV. wissen wir, dass vor den kriegerischen Ereignissen, durch die Ranshofen um die Mitte des 13. Jahrhunderts großen Schaden genommen hatte, vierzehn Priester versorgt worden waren, während zu seiner Zeit der Konvent auf drei Angehörige zusammengeschmolzen war. Auch das Chorfrauenstift war den Zerstörungen zum Opfer gefallen. Unter Propst Konrad I. wurde es jedoch erneuert. Es sollten aber nicht mehr als sechs Frauen aufgenommen werden, von denen eine zur Vorsteherin (&amp;quot;magistra&amp;quot;) bestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Herkunft der Chorherren anlangt, so begegnen in der Folgezeit weiterhin viele Angehörige von Ministerialenfamilien aus dem Umkreis Ranshofens. Mit dem Ausgang des Mittelalters ändert sich dieses Bild. Zunächst verschwinden die Chorfrauen aus den Quellen. Die überlieferten Namensformen der Chorherren lassen erkennen, dass die in das Stift eingetretenen Personen jetzt mehr und mehr bürgerlicher Herkunft waren und daran änderte sich auch in der Neuzeit nichts. Die Unterlagen, die darüber Auskunft geben, sind vor allem der Visitationsbericht von 1559/60, ferner zwei Namenskataloge der Ranshofener Chorherren von 1665 und 1687 im &amp;quot;Inventarium&amp;quot; des Propstes Benno Meier und schließlich zwei Nekrologaufzeichnungen, die von 1619 bis 1771 reichen (Bayerische Staatsbibliothek München, Clm. 12721, fol. 135-141).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Aufhebung im Jahr 1811 traten die verbliebenen Chorherren in den Weltpriesterstand über. Der St. Florianer Historiker Franz Xaver Pritz schreibt dazu: Einer der Chorherren weinte über dieses Schicksal, die Anderen verließen das Stift ohne Leid und Freude. Jeder erhielt eine Pension von 600 Gulden Reichs-Währung, die später um 100 Gulden vermindert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der Bücherbestand der Ranshofener Klosterbibliothek wurde durch die Aufhebung des Augustiner-Chorherrenstiftes in alle Winde verstreut. Dies gilt zunächst für die alten Handschriften, von denen der größte Teil 1811 nach München abtransportiert und in der jetzigen Bayerischen Staatsbibliothek untergebracht wurde. Andere Ranshofener Kodizes sind während des 19. Jahrhunderts vorwiegend über den Antiquariatshandel in verschiedene andere Bibliotheken gelangt: drei liegen - &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;nach derzeitigem Wissensstand&amp;lt;/span&amp;gt; - in der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin, drei in der Bodleian Library in Oxford, zwei in der russischen Staatsbibliothek in St. Petersburg, um die zwanzig schenkte ein Augsburger Antiquar nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 der Straßburger Universitätsbibliothek, Einzelstücke wurden schließlich noch in Linz (OÖ. Landesbibliothek), in Paris, in Budapest und in New York (Library of Saint Bonaventura College) festgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Provenienz der Handschriften bei der Katalogisierung soweit wie möglich erfasst wurde, ist es bei den gedruckten Büchern meistens schwieriger, ihre Ranshofener Herkunft nachzuweisen. Eine Reihe von Inkunabeln und Frühdrucken aus dem 16. Jahrhundert kamen bereits 1784 anlässlich der Abtrennung der Diözese Linz vom Passauer Bistum im Zusammenhang mit der Errichtung eines Priesterseminars an die jetzige Bibliothek der Katholisch-theologischen Hochschule in Linz. Nur wenige Einzelstücke verblieben im Raum von Ranshofen und Braunau. Erst mit der breiteren Überlieferung von Ranshofener Handschriften aus dem 12. und 13. Jahrhundert wird eine verhältnismäßig sichere Beantwortung der Fragen nach dem Skriptorium und der Bibliothek des Chorherrenstiftes im hoh en Mittelalter möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgangspunkt der diesbezüglichen Überlegungen war dabei zunächst jenes Ranshofener Evangeliar, das die Bodleian Library in Oxford aus dem Nachlass des venezianischen Ex-Jesuiten Luigi Canonici 1817 erworben hat (Canon . Bibi. Lat. 60). Den vier Evangelien sind jeweils ganzseitige Deckfarbenminiaturen der einzelnen Evangelisten vorangestellt; im Zusammenhang mit der Passionsgeschichte begegnet innerhalb des Johannesevangeliums auch eine ganzseitige &amp;quot;Kreuzigung Christi&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Zur künstlerischen Ausgestaltung gehören weiters die Kanontafeln und kunstvolle Initialen von verschiedener Form und Größe. Den reichsten Schmuck zeigen hier die zu Zierseiten ausgestalteten Textanfänge. In einer Eintragung am Schluss der Handschrift werden der Propst Adelhard von Ranshofen und der Schatzmeister Liutold im Zusammenhang mit der Bezahlung des 1178 vollendeten Buches erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Swarzenski hat als erster die große Stilverwandtschaft der Deckfarbenminiaturen des Ranshofener Kodex mit denen eines Evangeliars, das bei der Aufhebung des Benediktinerstiftes Mondsee in die Österreichische Nationalbibliothek gelangt ist (Cvp. 1244), aufgezeigt. Da nun im Mondseer Evangeliar ein &amp;quot;Liutoldus monachus&amp;quot; von sich sagt, er habe die Handschrift geschrieben und seinem Können gemäß ausgeschmückt , hat Swarzenski erwogen, den Mönch Liutold mit dem Ranshofener Thesaurar gleichen Namens zu identifizieren. Diese These verfestigte sich dann zur Annahme einer Ranshofener Schreib- und Malschule, als deren Mittelpunkt man den von Mondsee nach Ranshofen übergewechselten Liutold ansehen wollte. In den letzten Jahrzehnten setzte sich jedoch mehr und mehr die Meinung durch, das Ranshofener Evangeliar sei mit einem Salzburger Skriptorium (am ehesten im Benediktinerstift St. Peter) in Verbindung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Salzburger Herkunft wird heute auch für eine dreiteilige lateinische Bibelhandschrift angenommen, von der bis vor kurzem nur die beiden ersten Bände mit Texten aus dem Alten Testament, die bei der Aufhebung Ranshofens nach München kamen (Clm. 23039, Clm. 12601), bekannt waren. Erst im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zur Reichersberger Chorherrenausstellung von 1984 fand Kurt Holter heraus, dass sich der dazugehörige dritte Teil mit dem Psalter und den Schriften des Neuen Testaments ebenfalls in Oxford befindet (Canon. Bibi. Lat. 76). Jeder der drei Bände ist mit verschieden gestalteten Federzeichnungs- oder Deckfarbeninitialen ausgeschmückt. Leider wurden einzelne von ihnen durch nachträgliche Übermalungen entstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den zahlreichen übrigen Ranshofener Handschriften des hohen Mittelalters (mit Werken der Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor dem Großen, ferner Schriften des Kirchenlehrers Isidor von Sevilla, der Symbolisten Rupert von Deutz, Hugo von St. Victor und Bernhard von Clairvaux sowie des der Frühscholastik nahestehenden Honorius Augustodunensis) hat Elisabeth Klemm die der Bayerischen Staatsbibliothek gehörenden eingehend untersucht und genau beschrieben. Für eine Reihe von ihnen nimmt sie mit Sicherheit eine Entstehung in Ranshofen an (Clm. 12608, Clm. 12613-12616, Clm. 12631, Clm. 12633, Clm. 12641 und Clm. 23603), für andere gilt ihr das zumindest als wahrscheinlich. So lässt dies auf den Bestand eines Skriptoriums seit der Einrichtung des Regularkanonikerstiftes schließen, in dem die meisten der weniger anspruchsvollen Gebrauchshandschriften hergestellt worden sein dürften. Nur für besonders repräsentative Kodizes scheint man auf qualitativ leistungsfähigere Werkstätten zurückgegriffen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Hinweis auf den frühen Verlust von Büchern erhalten wir aus einem Bericht der &amp;quot;Mattseer Annalen&amp;quot; über einen Überfall von Kriegsleuten des Passauer Bischofs auf Ranshofen, der dort zwar zum Jahr 1250 überliefert wird, höchstwahrscheinlich aber auf das Jahr 1242 anzusetzen ist. Damals sei das Kloster geplündert und die Pfarrkirche St. Michael in Brand gesteckt worden. Missalien und Bücher, welche der schulischen Unterweisung gedient haben, seien dabei zugrunde gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen freilich nur unvollständigen Überblick über den alten Ranshofener Bücherschatz vermittelt ein um die Mitte des 14. Jahrhunderts geschriebenes Fragment eines Bibliothekskatalogs, der nachträglich in einen Kodex mit der &amp;quot;Legenda aurea&amp;quot; des Jacobus de Voragine eingebunden worden ist (Clm. 12643, fol. 356). Die verzeichneten Handschriften sind in zwei Gruppen aufgegliedert. Zuerst wird eine Reihe von 89 Kodizes aufgezählt, von denen es heißt, sie würden oberhalb der Sakristei des Prälaten aufbewahrt, womit ein Hinweis auf die Lage der Bibliothek während des Mittelalters gegeben erscheint. Die zweite Gruppe wird als in einem langen Kasten befindlich beschrieben. Hier bricht die Reihe allerdings mitten im 21. Titel ab. Das folgende Blatt mit der Fortsetzung ist verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das bedeutendste Denkmal humanistischen Geistes, welches Ranshofen hervorgebracht hat, war wohl das über Anregung des Propstes Kaspar Türndl bereits 1517 hier begonnene &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; des bayerischen Historikers Aventin. Aventin selbst kennzeichnet seinen Versuch einer auf die Quellen zurückgehenden Geschichtsdarstellung im Sinne seines Lehrers Konrad Celtis in der Vorrede durch den Hinweis auf sein Studium der alten Urkunden, des Traditionsbuches und der Kodizes der Stiftsbibliothek. Dass seine Ergebnisse einer kritischen Überprüfung nicht immer standhalten, steht außer Frage. Dennoch war seine Arbeit maßgeblich für alle späteren Darstellungen der Geschichte Ranshofens. Eine Handschrift des Werkes gelangte nach der Aufhebung des Klosters in das OÖ. Landesarchiv nach Linz, eine weitere Abschrift als Geschenk des letzten Stiftsdechants Pankraz Hauser nach Reichersberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die humanistische Gesinnung von Propst Augustin I. Münich bezeugt die Widmungsschrift an den Propst zu den in Sophonias Pämingers &amp;quot;Poematum libri duo&amp;quot; von 1557 veröffentlichten Elegien seines Bruders Balthasar Päminger. Den reformatorischen Tendenzen der Zeit entsprechend nimmt es nicht wunder, wenn im Bericht der Passauer Diözesanvisitationskommission von 1559/60 am Büchervorrat Kritik geübt wird. Zwar fand man in der &amp;quot;Liberei&amp;quot; viele &amp;quot;guete katholische Authores&amp;quot;; aber in einem Stüblein wurden neben unverdächtigen Büchern auch elf Schriften mit protestantischem Inhalt entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit dem Neubau des Konventgebäudes unter den Pröpsten Philipp Vetterl und Simon Meier Mitte des 17. Jahrhunderts wurde ein neuer Bibliotheksraum im Südtrakt des Klosters eingerichtet. Der Ranshofener Stiftsdechant Hieronymus Mayr verfasste damals sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot;, ein zweibändiges Geschichtswerk über Ranshofen. Der erste Band ist in vier Teile gegliedert. Enthalten sind Angaben über den hl. Pankraz, über Gründer und Wohltäter von Kirche und Kloster, über die Lebensweise der Chorherren, aber auch Verzeichnisse der Konventsmitglieder aus älterer und jüngerer Zeit. Der abschließende vierte Teil bringt eine nach den Pröpsten geordnete Stiftsgeschichte bis 1634. Die Titelseite zeigt in Form einer Federzeichnung das Aussehen des Klosters nach der Erneuerung. Dieser Band ist heute im Besitz des OÖ. Landesarchivs. Die Fortsetzung dazu über die Jahre von 1635 bis 1665 befindet sich in der Bibliothek des [[Stift St. Florian|Chorherrenstiftes St. Florian]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Quelle für unsere Kenntnis der Ranshofener Bibliotheksgeschichte während des ausgehenden 17. Jahrhunderts ist ein &amp;quot;Inventarium der geistlichen Sachen des Stiftes Ranshofen&amp;quot;, das Propst Benno Meier anlässlich seiner Resignation 1687 anfertigen ließ. Es enthält neben Inventaraufschreibungen und zwei Namenskatalogen der Ranshofener Chorherren vor allem eine katalogartige Liste sämtlicher unter seiner Herrschaft angekauften Druckwerke (&amp;quot;Libri comparati&amp;quot;). Einige der genannten Bücher befinden sich heute in der Braunauer Studienbibliothek. Ranshofener Herkunft ist wohl auch für den dort ebenfalls vorhandenen Bericht über die Ranshofener 800-Jahr-Feier von 1699 (&amp;quot;Saeculum octavum&amp;quot;, Augsburg 1702) vorauszusetzen. Nach der Widmung an Propst Ivo Kurzbauer werden im ersten Teil die Texte der Predigten, die während des &amp;quot;Acht-tägigen hoch-feyerlichen Jubel-Festes&amp;quot; von verschiedenen Kanzelrednern gehalten wurden, abgedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
===Baugeschichte=== &lt;br /&gt;
Der älteste Kirchenbau in Ranshofen war die zwischen 896 und 898 durch Kaiser Arnulf errichtete und dem hl. Pankraz geweihte karolingische Pfalzkapelle. Eine in der älteren Forschung diskutierte noch frühere Marienkapelle ist quellenmäßig nicht zu belegen. Diese Pfalzkapelle wurde dann mehr als zwei Jahrhunderte später zur ersten Klosterkirche des Augustiner-Chorherrenstiftes umgewandelt. Bei seiner Einrichtung überließ der damals hier herrschende Bayernherzog den Regularkanonikern seine Kapelle für den Gottesdienst. Als Seelsorgekirche wurde daneben eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche gebaut. Leider ist von der alten Pfalzkapelle - ebenso wie von der Königs- beziehungsweise Herzogspfalz, zu der sie gehört hat - kaum mehr etwas erhalten geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grabungen, die der um die Archäologie der Umgebung von Braunau bemühte Maler Hugo von Preen zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Auftrag der k.u.k. Zentralkommission durchführte, blieben ohne nennenswerte Ergebnisse. Nur in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Stiftskirche stieß er auf Reste alter Grundmauern, die man mit der Pfalz in Verbindung bringen konnte. Im Zusammenhang mit einer Nachricht aus den „Mattseer Annalen&amp;quot; über die Zerstörung Ranshofens zum Jahr 1242, aus der hervorgeht, dass die Pfalz damals zwischen dem Kloster und der Pfarrkirche St. Michael gestanden war, hat Schiffmann dann aufgrund dieser Grabungen die Hypothese abgeleitet, die Pfalz sei westlich von der Pfalzkapelle, etwa an der Stelle, wo das Hauptschiff und der Turm der heutigen Kirche stehen, gelegen gewesen. Die Pfalzkapelle selbst aber - damals noch nicht größer als das jetzige Presbyterium - habe den Ostabschluss des Pfalzgebäudes gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Neubau des Chorherrenklosters oder eine Erweiterung des vorher ja schon anzunehmenden Säkularkanonikerstiftes nach 1125 ist naheliegend. Höchst fragwürdig erscheint allerdings eine Kirchweihnotiz für das Kloster und den &amp;quot;Pankrazaltar&amp;quot; (&amp;quot;monasterium et altare s. Pancratii&amp;quot;) von 1135. Sie nennt nämlich neben dem weihenden Bischof Reginbert von Passau den Kaiser Heinrich II., eine Reihe von Bischöfen und einen Herzog Heinrich von Bayern und Sachsen als Anwesende. Reginbert wurde allerdings erst 1138 Passauer Bischof (sein Vorgänger hieß Reginmar) und der Kaiser und die übrigen Bischöfe scheinen aus der verfälschten Urkunde Kaiser Heinrichs III. von 1040 übernommen zu sein. Nur Herzog Heinrich X. (der Stolze) von Bayern, der allerdings auch erst 1137 zusätzlich mit Sachsen belehnt worden war, käme als &amp;quot;Zeitzeuge&amp;quot; in Betracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach schweren Schäden, die Kirche und Kloster bei den kriegerischen Überfällen von 1242, 1250 und 1266 erlitten hatten, wurden beide wiederhergestellt und schließlich 1283 durch den Regensburger Bischof Heinrich neu eingeweiht. Die kunstgeschichtliche Forschung vermutet für die Kirche einen Bau im Stil der frühen Gotik. Reste von zwei säulentragenden Steinlöwen und drei Medaillonbilder an der südlichen Außenmauer des Chores, die stilistisch zu dieser Bauperiode gehören, lassen jedenfalls erkennen, dass beim spätgotischen Kirchenbau zu Beginn des 16. Jahrhunderts zumindest ein Teil des Mauerwerks übernommen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1337 stiftete der Braunauer Bürger Ulrich Schön eine Friedhofskapelle (Karner), die dem Hl. Geist und dem hl. Oswald geweiht wurde. Sie ist als achteckiger Tuffsteinbau mit spitzbogigem Portal und drei Fenstern erhalten geblieben. Im Inneren enden die von verschieden gestalteten Konsolen ausgehenden Rippen in einem Schlussstein mit großer Rose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Seelsorgekirche wurde 1474 von Propst Wolfgang der Grundstein zu einem gotischen Neubau gelegt. Auf den ältesten erhaltenen Abbildungen ist ihr Turm noch mit einem spitzzulaufenden Helm gedeckt. Als ältestes Element des Um- bzw. Neubaus der Stiftskirche ist die unter Propst Blasius Rosenstingl (1494-1504) neu gestaltete Marienkapelle (&amp;quot;Rosenkranzkapelle&amp;quot;) anzusehen, die später - als ostseitiger Abschluss des nördlichen Seitenschiffs - in die Konstruktion der Kirche einbezogen wurde. Von diesem unter Propst Kaspar Türndl (1504-15 26) errichteten spätgotischen Bau ist freilich heute kaum mehr etwas zu erkennen, wenn man von der schlichten Außenerscheinung mit den glatt geputzten Wänden, dem Tuffsockel und den dreifach gestuften Stützmauern des Langhauses absieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Inneren ist die gotische Baukonstruktion fast zur Gänze durch die Umformungen der Barockzeit verdeckt. Nur das einfache Kreuzrippengewölbe des oberen Konventchores oberhalb der Sakristei ist vom Kirchenschiff aus noch sichtbar. Im Hinblick auf die der gleichen Bauperiode angehörenden Bauten der Ranshofener Filialkirchen in Neukirchen/Enknach und Hochburg, vor allem aber der Bürgerspitalskirche in der nahen Stadt Braunau, die als inkorporierte Pfarre ja ebenfalls an das Stift gebunden war, spricht Brucher in seiner Darstellung der &amp;quot;Gotik in Österreich&amp;quot; von einer Innviertler Bautengruppe, die nachhaltig im künstlerischen Ausstrahlungsbereich des Hans von Burghausen stand. Eine Nähe solcher Tendenzen wird man für die Stiftskirche selbst zumindest hypothetisch voraussetzen dürfen, auch wenn der Nachweis dafür nur schwer zu erbringen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild der baulichen Entwicklung Ranshofens ist in den folgenden Jahren von der Barockisierung geprägt, die in mehreren Phasen vor allem dem Innenraum der Stiftskirche ein völlig neues Aussehen verlieh. Die ersten Ansätze dazu sind schon für die Zeit von Propst Hilarius Steyrer (1610-1620) überliefert. Zu großen Veränderungen kam es unter seinem Nachfolger, Propst Philipp Vetterl (1620-1634). 1621 war der Turm der Stiftskirche eingestürzt. In der Folge ließ der Propst - er wird in der Grabinschrift als &amp;quot;architectus insignis&amp;quot; gerühmt - einen neuen bauen, der allerdings weiter nach Westen verlagert wurde, da man zwischen Turm und Kirchenschiff eine halbrunde Westkonche einschob. Diese diente der Errichtung einer Musikempore, auf der eine damals neu angeschaffte Orgel aufgestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1624 begann Propst Philipp auch noch mit der Erneuerung des Stiftsgebäudes, wofür er aus Italien Maurer berief (&amp;quot;ex Italia murarios conducens&amp;quot;). Im Stadium seines vollen Ausbaus, wie es Ansichten aus der Zeit nach 1700 sichtbar machen, bestand das Kloster mit seinen Nebengebäuden aus drei in Nord-Süd-Richtung aneinander anschließenden Gevierten: dem Konventgebäude mit der Prälatur, der Dekanei und der Bibliothek, einem verbindenden Zwischengebäude und dem Meierhof mit dem Bräuhaus. Nach Osten zu waren verschiedene Gärten angelegt (der Blumengarten, der Konventgarten, der Baumgarten und der sogenannte &amp;quot;Kuchelgarten&amp;quot;). Das Ganze wurde von einer Einfriedungsmauer mit einem Torturm umschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1650 standen davon nur der unter Propst Philipp erbaute Konventtrakt und der Meierhof, den Propst Philipps Nachfolger, Propst Simon Meier (1634-1665), neu errichten ließ. Als Baumeister hat Martin dafür einen Bartolomeo Viscardi ausfindig gemacht, der sich in einem Kommissionsprotokoll der Jesuitenkirche in Burghausen als &amp;quot;Stift Ranshofenscher Baumeister&amp;quot; bezeichnet. Schon vorher nannte Schiffmann einen Kaspar Regeton, der 1624/25 auch am Stiftsneubau in Reichersberg beteiligt war. Ulm hat ihn als einen Kaspar Righettoni aus Castenada im Misoxtal in Graubünden identifiziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verbindungstrakt zwischen Konventgebäude und Meierhof entstand erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts, ebenso ein westlich von der Stiftskirche ausgeführter Gasttrakt. Die umfangreichsten Veränderungen an der Stiftskirche wurden unter Propst Ivo Kurzbauer (1687-1715) im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 vorgenommen. Abgesehen von der großzügig erneuerten Innenausstattung kam es zu zahlreichen Eingriffen in die Bausubstanz der Kirche, die alle dem Zweck dienen sollten, den Innenraum in Einklang mit dem barocken Gesamtbild zu bringen. Dazu gehörten vor allem eine Erweiterung der Fensterflächen, das Abtragen einiger Pfeiler, die von außen das Kircheninnere verfinsterten, und schließlich im Chor die Konstruktion einer in den Dachraum hineinragenden Kuppel, um so dem neuen Hochaltar eine entsprechende Höhenausdehnung zu ermöglichen. Propst Ivo begann auch noch mit dem Bau eines neuen Turmes mit barockem Helm für die Pfarrkirche [[St. Michael]], der unter seinem Nachfolger, Propst Augustin II., nach 1715 fertiggestellt wurde. 1799 wurde diese Kirche jedoch zur Gänze abgetragen. Das dabei freigewordene Material verwendete man zum Ausbau der Festung Braunau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert wurden nach der Aufhebung und der damit verbundenen Profanierung des Stiftes der nördliche und der östliche Teil des Konventgebäudes abgetragen. 1859 brannte der Turm der ehemaligen Stiftskirche aus, wobei die Barockorgel völlig zerstört wurde. Die spitze Helmform, welche der Turm beim Wiederaufbau erhielt, könnte als unbeholfener Versuch einer Regotisierung gemeint gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildende Kunst=== &lt;br /&gt;
Abgesehen von den kunstgeschichtlich wertvollen romanischen Handschriften sind nur ganz wenige mittelalterliche Denkmäler der bildenden Kunst aus Ranshofen erhalten geblieben. Zu nennen sind hier zunächst jene drei Medaillonbilder im sogenannten &amp;quot;Rollgang&amp;quot; an der südlichen Außenmauer des Chores der ehemaligen Stiftskirche vom Beginn des 14. Jahrhunderts. Sie wurden in der älteren Literatur als Apostelköpfe gedeutet, zuletzt wurde auch erwogen, ob man sie nicht mit einer Notiz Aventins in Zusammenhang bringen könnte, nach der die Bischöfe Reginbert von Passau und Heinrich von Regensburg auf Fresken dargestellt waren. Dem gleichen Zeitabschnitt sind stilistisch jene zwei säulentragenden Portallöwen aus Ranshofen zuzuordnen, die heute die Besuchergarderobe im Braunauer Bezirksmuseum behüten. In der Stiftskirche selbst ist noch die schön gestaltete gotische Grabplatte des Propstes Blasius Rosenstingl, die dem Salzburger Bildhauer Hans Valkenauer zugeschrieben wird, zu sehen. Rosenstingls Verehrung der Gottesmutter - er hat ja auch den Neubau der Marienkapelle durchgeführt - findet darauf in einer Darstellung der hl. Maria, die von zwei musizierenden Engeln begleitet wird, beredten Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Umkreis der Ranshofener Filialkirchen wären noch zwei qualitativ hervorragende Holzreliefs mit Darstellungen des Marientodes in Hochburg (um 1490) und in Neukirchen/Enknach (um 1510) hervorzuheben sowie eine Monstranz aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert, die der heutigen Pfarrkirche in Handenberg gehört, ferner der &amp;quot;Bäckeraltar&amp;quot; in der Braunauer Stadtpfarrkirche. Obwohl für die Zeit des beginnenden Barock mehrfach über Altarerneuerungen in Ranshofen berichtet wird, ist kaum etwas namhaft zu machen, was aus dieser Periode an kunstgeschichtlich Bedeutsamem erhalten wäre. In jüngerer Zeit hat allerdings Lipp die Herkunft einer im Braunauer Bezirksmuseum aufgestellten Holzplastik aus Ranshofen aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts von einem Ranshofener Altarwerk zur Diskussion gestellt. Diese wollte man aufgrund der Krone und der Reichsinsignien früher als eine Darstellung des Kaisers Arnulf ansehen. Lipp deutete sie als den heilig gesprochenen Kaiser Heinrich II., der ja im klostereigenen Geschichtsverständnis einen besonderen Stellenwert einnahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge mit einem Altarwerk der Stiftskirche werden auch für Holzplastiken des hl. Pankratius und vier Engelfiguren aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts vermutet, die heute als Aufsatzfiguren der Orgel dienen. Zwei herausragende Stücke kunstgewerblicher Arbeit sind schließlich noch die Monstranz und der Kelch, welche 1682 durch Propst Benno Meier bei dem Augsburger Goldschmied Georg Reischle in Auftrag gegeben wurden. Beide Geräte sind aus Silber gefertigt, teilweise vergoldet und mit Halbedelsteinen geschmückt. Zahlreiche Emailmedaillons mit Szenen aus dem Leben Christi gehören zur künstlerischen Ausstattung des Ensembles. Dazu kommen weitere Medaillons mit Grisaillebildern der Rosenkranzgeheimnisse, welche das herzförmige Fenster der Monstranz einrahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erscheinungsbild, das heute den Besucher der ehemaligen Stiftskirche in Ranshofen empfängt, ist geprägt von der großzügigen Umgestaltung, welche das Innere im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 erfahren hat. Dies gilt sowohl von den damals neu aufgestellten Altären als auch von den Deckenfresken im Haupt- und im nördlichen Seitenschiff. Die Bilder des monumental wirkenden Hochaltars, die Enthauptung des hl. Pankraz und darüber (als Aufsatzbild) die hl. Dreifaltigkeit darstellend, stammen von dem in Braunau geborenen bayerischen Hofmaler Johann Kaspar Sing. Sie werden von einem Aufbau aus gewundenen Säulen, Akanthusranken und einer Reihe von Heiligenfiguren eingerahmt, der dem Braunauer Bildhauer Sebastian Hagenauer zugeschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein genaueres Hinsehen verdient die Deckengestaltung mit der Stukkaturverzierung und den beiden Freskenzyklen zur Pankrazvita (im Chor und im Hauptschiff) und zum Marienleben (im nördlichen Seitenschiff). Das Besondere daran sind eine Fülle kleiner Emblembilder, die um die erzählenden Hauptbilder herum gruppiert sind und das dort dargestellte Geschehen kommentieren bzw. erläutern, eine Darstellungsform, die sich im Hochbarock einer gewissen Beliebtheit erfreute und der zahlreiche Handbücher gewidmet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reihe der Pankrazbilder etwa beginnt im Chorraum über dem Hochaltar mit einem Mittelbild, das die Unterweisung des jungen Pankraz durch den Papst zeigt. In zwei kleineren, flankierenden Seitenbildern wird die Landung des aus Phrygien stammenden Jünglings mit seiner Begleitung in Ostia bzw. der Empfang der Reisegruppe am Tor des päpstlichen Palastes geschildert. Die dazugehörenden Emblembilder zeigen eine Uhr, eine Sonnenblume, eine Feuerwerksrakete und eine Nachteule. Die Uhr, deren im Gehäuse verborgenes Werk die Zeiger treibt, symbolisiert die geheime Kraft, die den jungen Pankraz auf seine Reise trieb. Die Sonnenblume, die sich sogar der hinter Wolken versteckten Sonne zuwendet, verweist auf den Weg zum Glauben, den er auch durch Hindernisse unbeirrt geht. Die brennend zum Himmel aufsteigende Feuerwerksrakete ist ein Bild für den Feuereifer, mit dem der junge Mann seinen Weg zu Gott sucht. Die Nachteule schließlich, die von der aufgehenden Sonne vertrieben wird, zeigt seine Erleuchtung durch den päpstlichen Religionsunterricht an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer dieses komplizierte Bildprogramm entworfen hat, wissen wir nicht. Am ehesten ist an Propst Ivo Kurzbauer selbst zu denken. Die Ausführung der Bilder schreibt Martin in der Kunsttopographie des Bezirkes Braunau aufgrund einer Eintragung in den Ehematriken der Ranshofener Kirche dem Laienbruder Christof Lehrl aus dem bayerischen [[Chorherrenstift Högelwörth]] zu. Lehrl wird dort zusammen mit zwei Stukkateuren als Trauzeuge bei der Hochzeit des Malers Josef Pöckl aus Teisendorf, der später in Uttendorf ansässig war, genannt. Dass dieser Pöckl auch an den Fresken mitgemalt haben dürfte, ist Martin entgangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Signatur &amp;quot;I.P.&amp;quot; bei einem der Fresken des Seitenschiffs könnte aber mit &amp;quot;Iosephus Pöckl&amp;quot; aufzulösen sein. Dieses Monogramm findet sich übrigens auch bei einem der &amp;quot;Autorenbilder&amp;quot;, mit denen zur gleichen Zeit die Decke der Bibliothek im Konventtrakt ausgeschmückt wurde, wieder. Unter Propst Augustin II. Pariser wurde um 1730 die Rosenkranzkapelle mit Fresken ausgeschmückt, in den letzten Jahrzehnten des Bestehens des Chorherrenstiftes ist dann noch die Ausgestaltung von Teilen des Prälatentraktes mit Stuckverzierung von Johann Baptist Modler aus Kößlarn hervorzuheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikpflege==&lt;br /&gt;
Die einzige zur Gänze erhaltene mittelalterliche Musikhandschrift aus dem Chorherrenstift Ranshofen ist ein &amp;quot;Breviarium sive ordo&amp;quot; genannter Kodex des 13. Jahrhunderts in München (Bayerische Staatsbibliothek, Clm. 12635 B). Sie verzeichnet und erläutert die Reihenfolge der Gesänge für das Stundengebet und die Messe für die einzelnen Festtage im Verlauf des Kirchenjahres. Als Vorlage des Ranshofener Kodex ist ein &amp;quot;Ordinarium&amp;quot; des Salzburger Domstiftes aus dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts anzusehen (Universitätsbibliothek Salzburg, Cod. M II 6). Über weite Strecken textgleich mit der Ranshofener Handschrift ist außerdem der Vorauer Cod. 99, der ebenfalls dem 13. Jahrhundert angehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonderes Interesse seitens der Wissenschaft fand in diesen miteinander verwandten Handschriften die Aufzeichnung der &amp;quot;Visitatio sepulcri&amp;quot;, eines gesungenen geistlichen Spiels innerhalb der Osternachtsliturgie, in dem der Besuch der Frauen am Grabe Jesu, ihre Botschaft an Petrus und Johannes und deren Wettlauf zum leeren Grab in einer sehr zeremoniösen Weise dargestellt werden. Den Schluss bildet das vom Volk gesungene deutschsprachige Osterlied &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht in dieser sogenannten &amp;quot;Liturgischen Osterfeier&amp;quot; eine wesentliche Wurzel für die Entwicklung des mittelalterlichen Dramas. Aus inzwischen verlorengegangenen mittelalterlichen Liturgiebüchern hat schließlich noch im 17. Jahrhundert Hieronymus Mayr die Texte einer Sequenz (&amp;quot;Ante thronum majestatis&amp;quot;) und eines spätmittelalterlichen Reimoffiziums zum Pankrazfest in sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; kopiert. Schon für diesen Zeitraum ist eine intensive Musikpflege innerhalb der Stiftsschule vorauszusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der musikalischen Theorie, die im Rahmen der Unterweisung aus den &amp;quot;Sieben freien Künsten&amp;quot; vermittelt wurde, erfuhren die Klosterschüler eine gründliche Schulung in der Praxis des Singens, sodass sie beim Gottesdienst die Chorherren unter stützen, manchmal sogar vertreten konnten. Seit dem 16. Jahrhundert lassen sich dann auch für die Musikpflege in Ranshofen Erscheinungen beobachten, die mit der Ausbreitung der humanistischen Bewegung in Zusammenhang stehen. So traten in der Klosterschule an die Stelle des geistlichen &amp;quot;Scholasticus&amp;quot; weltliche Lehrer, die zusammen mit ihren Schülern auch in der Kirche sangen, wobei die mehrstimmigen Musikformen der Renaissance rasch in das Repertoire eindrangen. Die Wurzeln dafür kann man bis in die Regierungszeit des Propstes Kaspar Türndl zu rückverfolgen. Er ließ für die „Präbendisten&amp;quot; - die auf Kosten des Stiftes ausgebildeten Sängerknaben - eine eigene Unterkunft erbauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger, Propst Augustin Münich, wirkte hier vor 1550 ein Magister Johann Kappenstill als Lehrer, der später als Stadtschreiber in Passau im Umkreis des dortigen Humanismus große Wertschätzung genoss und zum Freundeskreis um Leonhard Päminger gehört hat. Seinem Nachfolger, Magister Stephan Vokenrieder, hat Päminger sogar zwei Spruchmotetten gewidmet, die später in die gedruckte Ausgabe der Pämingerschen &amp;quot;Cantiones ecclesiaticae&amp;quot; aufgenommen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein umfassendes Bild der schulischen Verhältnisse in Ranshofen um die Mitte des 16. Jahrhunderts vermittelt das Passauer Visitationsprotokoll von 1559/60. Der &amp;quot;cantor&amp;quot; hielt sich zur Zeit der Kirchenvisitation überhaupt von den Musikaufführungen fern (singt nicht zu Chor). Mit den Schülern, welche er unterrichtete, sang er jedoch regelmäßig vor Beginn des Unterrichts das &amp;quot;Veni, sancte Spiritus&amp;quot; und das &amp;quot;Veni creator&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den &amp;quot;scholasticus&amp;quot; erfahren wir, dass er mit den Schülern eine &amp;quot;Comoedia de coena Domini&amp;quot; (&amp;quot;Spiel vom Herrenmahl&amp;quot;) aufgeführt habe: ein Hinweis auf die Pflege des Schultheaters in Ranshofen. Die Größe der Stiftsschule wird daran erkennbar, dass neben dem Schulmeister und dem Kantor noch ein Magister Thomas Winter genannt wird. Er wird als &amp;quot;ludirector&amp;quot; bezeichnet, hatte also wohl neben dem Schuldienst auch noch die Leitung der Kirchenmusik zu versehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Musikrepertoire sind wir leider nur sehr bruchstückhaft informiert. Vorauszusetzen ist die fortlaufende Pflege des Gregorianischen Chorals. Daneben werden verschiedene protestantische Gemeindelieder genannt, die zunächst wohl einstimmig, fallweise vermutlich von der Schulkantorei in mehrstimmigen Sätzen gesungen wurden, in denen sie schon sehr früh Verbreitung gefunden hatten. Gewiss sang man daneben aber auch mehrstimmige lateinische Messkompositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Orgel hat es damals hier ebenfalls schon gegeben, denn im Visitationsbericht wird bereits ein Organist unter den Klosterdienern aufgezählt. Die noch in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts einsetzende Gegenreformation beginnt dann das Erscheinungsbild des Schulwesens und der Musikpflege alsbald zu verändern. In einer staatlichen Schulordnung von 1569 wurde für die Lateinschulen wieder das Singen der alten Choralweisen vorgeschrieben. Die gefälschten Psalmen und Lieder - gemeint sind die protestantischen Kirchenlieder - wurden aus Kirche und Schule verbannt. Ein Zeugnis dieser vorerst nur zögernd einsetzenden Entwicklung ist für Ranshofen der Visitationsbericht des römischen Kurienkardinals &amp;quot;Commendone&amp;quot; aus dem Jahre 1569. Nach ihm unterrichteten damals immer noch drei Lehrer etwa achtzig Schüler aus Grammatik und Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chorherren sangen das Offizium schön und mit Andacht auf dem alten Konventchor oberhalb der Sakristei. Während der Woche wurde die Messe nur gelesen. An Sonn- und Feiertagen jedoch sangen sie die Chorknaben in der Pfarrkirche St. Michael. Eine weitere wichtige Umstellung des Schulwesens erfolgte zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Nach dem Vorbild der Jesuitengymnasien übernahm jetzt wieder ein Geistlicher die Leitung der Schule und das Amt des &amp;quot;regens chori&amp;quot;. Weltliche Lehrer sind fortan nur noch in untergeordneter Stellung anzutreffen. Der erste geistliche Chorregent in Ranshofen, den wir dem Namen nach kennen, ist der spätere Propst Philipp Vetterl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; berichtet von argen Missständen, die damals im Kloster geherrscht hätten. So habe Frater Philippus das Offizium, besonders die abendliche Vesper, häufig mit den Chorknaben allein gesungen, während sich die übrigen Stiftsangehörigen in Wirtshäusern und Spelunken herumgetrieben hätten. Nach seiner Wahl zum Propst begann er jedoch zielstrebig das Kloster zu erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1622 wurde auf der neugebauten Musikempore der Stiftskirche eine neue Orgel aufgestellt. Noch die Grabinschrift des Propstes rühmt das Werk wegen der Größe der Pfeifen und der Lieblichkeit seines Klanges. Um die Mitte des 17. Jahrhund erts wirkte [[Sebastian Widerstain]] als Stiftsorganist in Ranshofen. Nach einem Musikalienkatalog des Münchener Buchhändlers Paul Parsdorffer gab er eine Sammlung von &amp;quot;Miserere&amp;quot; für vier bis acht Singstimmen, zwei Violinen und Orgel im Druck heraus, denen noch eine &amp;quot;Lauretanische Litanei&amp;quot; hinzugefügt ist. Die Besetzung der leider nirgends erhaltenen Sammlung Widerstains zeigt, dass damals bereits Musikformen des Frühbarock mit selbständig geführten instrumentalen Begleitstimmen im Raum Ranshofen verbreitet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1699 wurde zum 800-Jahr-Fest des Bestehens der Pankrazkapelle im oberen Konventchor eine kleine Chororgel aufgeste llt. Das musikalische Programm der Gottesdienste, die im Verlauf der eine Woche dauernden Festlichkeiten stattfanden, ist leider nicht im Detail überliefert. Von Biber ist in Kremsmünster die Abschrift einer &amp;quot;Missa Sti. Henrici&amp;quot; erhalten. Es ist nicht auszuschließen, dass sie in diesem Zusammenhang von Ranshofen in Auftrag gegeben worden ist, verehrte man doch damals den heiligen Kaiser Heinrich II. - wenn auch nur irrtümlich - als einen der Gründer des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vierteljahrhundert später begegnet in [[Wilhelm Ganspeckh]] (1687-1770) der erste und gleichzeitig einzige Ranshofener Chorherr, der nachweisbar auch als Komponist tätig gewesen ist. Der Vater und zwei seiner Brüder waren unter Kurfürst Max Emanuel Musiker an der Bayerischen Hofmusikkapelle. Nach seinen Studien und der Priesterweihe war er lange Zeit Chorregent im Kloster. Von seinen musikalischen Werken ist einzelnes erhalten geblieben, vor allem ein Druck mit acht Messen und einem Requiem, der 1724 unter dem Titel &amp;quot;Octiduum sacrum&amp;quot; erschienen ist. Als zweiter Teil sind noch zwölf Offertorien angehängt. Die Messen sind nach den Altarheiligen der Stiftskirche benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Sekundiz des letzten Ranshofener Propstes Johann Nepomuk Kierl wurde 1805 noch eine eigens dafür komponierte Kantate (&amp;quot;Heut möge jede Brust das mächtige Gefühl der Freude schwellen&amp;quot;) eines unbekannten Komponisten aufgeführt, deren Partitur erhalten ist. Sie ist das letzte Zeugnis der Musikpflege im Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien== &lt;br /&gt;
Das Ranshofener Stiftsarchiv enthielt seinerzeit eine große Zahl von Originalurkunden, dazu mehrere Kopialbücher, andere Handschriften und sonstige Akten. Das meiste davon kam bei der Aufhebung 1811 nach München in das jetzige Bayerische Hauptstaatsarchiv. Kleinere Aktenbestände befanden sich außerdem im Staatsarchiv in Landshut, wurden von dort aber in der Zwischenzeit ebenfalls an das Hauptstaatsarchiv in München abgegeben. Nur weniges ist im Ranshofener Pfarrhof zurückgeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die älteste erhaltene Urkunde ist die von Kaiser Arnulf über die „Verleihung&amp;quot; der Pfalzkapelle an den Priester Ellimprecht (Bayr. HStA München, Kaiserselekt 87 = Ranshofen Urk. 1) aus dem Jahr 898. Sie muss seit der Karolingerzeit durchgehend an der Pankrazkirche aufbewahrt worden sein. Im Bayerischen Hauptstaatsarchiv befindet sich auch die Urkunde Herzog Heinrichs IX. von 1125, der sogenannte „Stiftbrief&amp;quot; des Augustiner-Chorherrenklosters (Ranshofen Urk. 2), neben weiteren Königs- und Herzogsurkunden. Auch päpstliche Privilegien für Ranshofen liegen dort auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Handschriften des Archivs ist jene des alten Traditionskodex seit der Aufhebung des Klosters leider verschollen. Die einzige auf das Originalmanuskript zurückgehende Textedition ist die der &amp;quot;Monumenta Boica&amp;quot; von 1764. Diese Textform wurde dann 1852 im ersten Band des Urkundenbuches des Landes ob der Enns neuerlich abgedruckt. Etwa gleichzeitig fand der St. Florianer Chorherr [[Jodok Stülz]] im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr eine große Zahl von Traditionen, die Mayr um 1650 aus dem Traditionskodex kopiert hatte. Ein Reihe von weiteren Notizen sind darin in regestenartiger Form wiedergegeben. Diese Überlieferung wertete Konrad Schiffmann 1905 in einer Neuedition aus und erläuterte seine daraus abgeleiteten Erkenntnisse in einer ausführlichen Einleitung. Zum einen kann man nämlich aus dem Vergleich der verschiedenen Überlieferungen erkennen, dass im Monumenta-Boica-Text eine Reihe von Notizen ausgelassen wurden. Zum anderen lassen sich aus den von Mayr gemachten Angaben über die Folien, auf denen er die einzelnen Traditionen gefunden hatte, wertvolle Hinweise auf die ursprüngliche Zusammensetzung des Kodex gewinnen. Dabei wird deutlich, dass die Handschrift aus mehreren vorerst voneinander unabhängig bestehenden Lagen schließlich zu einem Kodex verbunden wurde. Einzelne Lagen erscheinen hinsichtlich der Chronologie falsch aneinandergereiht. Außerdem begegnen die Notizen der ersten Lage in einem späteren Teil ein zweites Mal, wobei die älteste Lage mit der Notiz über die vom Bayernherzog Welf II. getätigte Schenkung von Besitzungen in Handenberg an die Pankrazkirche und die als zugehörige Filialkirche zu denkende Jakobikapelle in Handenberg (Schiffmann II 1, um 1110) eröffnet worden sein dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den erhalten gebliebenen Handschriften des Archivs ist das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes Konrad I. von 1277/1303 die wichtigste (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Ransh. Lit. 1). Sie enthält neben den beiden - bereits oben im Abschnitt über die wirtschaftliche Entwicklung gestreiften - Urbaren zwei Kopialbücher mit wichtigen Urkundenabschriften. Die vier Teile wurden vermutlich erst im 17. Jahrhundert zu einem Kodex zusammengebund en. Die beiden Kopialbücher enthalten wertvolle Zeugnisse zum Ranshofener Urkundenwesen, darunter Kopien von heute verschollenen Originalurkunden, wie etwa die Abschriften jener beiden Urkundentexte, die als verfälschte Fassungen eines Diploms Kaiser Heinrichs III. für Ranshofen anzusehen sind. Auf fol. 47ff. finden sich Angaben über verschiedene Altarweihen, die Schiffmann im Anhang seiner Ranshofener Baugeschichte publiziert hat (&amp;quot;Die Kirchweih-Chronik von Ranshofen&amp;quot;). Zwei weitere Kopialbücher schrieb am Beginn des 15. Jahrhunderts der Chorherr [[Christian Perger]] aus Eggenfelden (Ransh. Lit. 4 bzw. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein von Propst Philipp Vetterl 1623 angelegtes Urkundenbuch befindet sich im Braunauer Stadtpfarrkirchenarchiv. Es enthält zunächst Kopien von Urkunden, die sich auf die Braunauer Stadtpfarre St. Stephan beziehen, im weiteren Verlauf sind auch andere Stiftungen zugunsten des Klosters oder seiner Filialkirchen in den Text aufgenommen. Zum Archivbestand haben wohl auch der Bericht des Propstes Benno Meier über die niederösterreichischen Besitzungen von 1670 und das von ihm angelegte &amp;quot;Inventarium&amp;quot; von 1665/1687 gehört (vgl. oben die Abschnitte &amp;quot;Wirtschaftliche Verhältnisse&amp;quot; und &amp;quot;Bibliothek&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Bernhard Bischoff: Die südostdeutschen Schreibschulen der Karolingerzeit. Band 2. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Gotische Baukunst in Österreich. Salzburg 1990.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
* Rudolf Guby: Die Kunstdenkmäler des oberösterreichischen Innviertels. Wien 1921.&lt;br /&gt;
* Siegfried Haider: Zum Problem karolingischer Pfalzen in Oberösterreich. In: Baiern, Ungarn und Slawen im Donauraum. Hg. von Willibald Katzinger / Marckhgott, Gerhart. Linz 1991 (Forschungen zur Geschichte der Städte und Märkte Österreichs, 4), S. 11–16.&lt;br /&gt;
* Peter Herde: Ranshofener Urkundenstudien. In: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte 24 (1961), S. 183–228. [http://periodika.digitale-sammlungen.de/zblg/kapitel/zblg24_kap8 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die mittelalterliche Buchkunst der Chorherrenstifte am Inn. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 205–231.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Klemm: Die romanischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München. Teil 1: Die Diözesen Regensburg, Passau und Salzburg. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Sigrid Krämer: Die Bibliothek von Ranshofen im frühen und hohen Mittelalter. Band 2. In: The Role of Book in Medieval Culture. Hg. von Peter Felix Ganz. Turnhout 1986 (Bibliologia Elementa ad Librorum Studia Pertinantia, 4), S. 41–72.&lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme der Chorherrenkirche in Ranshofen. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 6 (1966), S. 179–219.&lt;br /&gt;
* Wilfried L. Lipp: Das ehemalige Augustiner Chorherrenstift Ranshofen - Ein Beitrag zur Kunstgeschichte. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, 149–160.&lt;br /&gt;
* Walther Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften des deutschen Sprachgebietes. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 7 (1971), S. 7–102.&lt;br /&gt;
* Alfred Marks: Oberösterreich in alten Ansichten. Linz 1968.&lt;br /&gt;
* Franz Martin (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Braunau. Wien 1947 (Österreichische Kunsttopographie, 30).&lt;br /&gt;
* August Prenninger: Hinweise zur Bevölkerungsstruktur Ranshofens vom Mittelalter bis zur Bauernbefreiung 1848. In: Rantesdorf 788-1988, 1200 Jahre Ranshofen. Ausstellung vom 28. Mai bis 17. Juli 1988. Hg. von Walter Pilshofer / Rudolf Schmidt. Braunau am Inn 1988, S. 39–44.&lt;br /&gt;
* [[Franz Xaver Pritz]]: Geschichte des aufgelassenen Stiftes der regulirten Chorherren des heiligen Augustin zu Ranshofen in Oberösterreich. In: Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen 17 (1857), S. 327–435. [https://books.google.at/books?id=U5YJAAAAIAAJ&amp;amp;vq=pritz&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA327#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Baugeschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Archiv für die Geschichte der Diözese Linz 5/1 (1908), S. 3–26.&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Aufhebung des Stiftes Ranshofen. In: Unterhaltungsbeilage der Linzer Tages-Post, Nr. 42, Jg. 1911 (15. Oktober 1911).&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Ranshofener Stiftsschule im Zeitalter des Humanismus und der Reformation. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 117 (1972), S. 199–212. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_117a_0199-0212.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Musik im Stift Ranshofen. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 120 (1975), S. 67-110 [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_120a_0067-0110.pdf (Digitalisat)]; 121 (1976), S. 179–222. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_121a_0179-0222.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Überlieferung der Ranshofener Traditionen. Vorbemerkungen zu einer künftigen Neuedition In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 16 (1990), S. 5–16. [https://www.ooegeschichte.at/fileadmin/media/migrated/bibliografiedb/mooela_16_0005-0016.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Das Ranshofener Evangeliar in Oxford (Manuscript Canonici Bible Latin 60 der Bodleian Library). Ranshofen 2012.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in den jüngeren Teilen des Ranshofener Traditionskodex. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 22 (2011), S. 291–320.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in Notizen aus dem ältesten Teil des Ranshofener Traditionskomplex. Zum Erscheinen der Schiffmann-Ausgabe vor 100 Jahren. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 21 (2008), S. 107–142.&lt;br /&gt;
* Hubert Schopf: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen am Inn im Mittelalter 1125–1426. Diss. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1985.&lt;br /&gt;
* Max Schrott: Die Conföderationen unserer Stifte. In: In Unum Congregati 5 (1985), S. 123–154.&lt;br /&gt;
* Georg Swarzenski: Die Salzburger Malerei von den ersten Anfängen bis zur Blütezeit des romanischen Stils. Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
* Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 245–294.&lt;br /&gt;
* Margareta Vyoral-Tschapka: Die Klosteranlage des ehemaligen Augustiner Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege Oberösterreich 160: Festschrift für Georg Heilingsetzer zum 70. Geburtstag (2015), S. 577–616.&lt;br /&gt;
* Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert. Köln 1975 (Kölner historische Abhandlungen, 24).&lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Königsherzogsgut in Oberösterreich. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 3 (1954), S. 101–145.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Zur Rechtsgeschichte des Stiftes Ranshofen und seiner Pfarreien. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 161–170.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Ranshofen</title>
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		<updated>2022-07-14T07:53:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Vorgeschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1125&lt;br /&gt;
|Datum bis=1811/10/28&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis Ende des 18. Jahrhunderts)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=&amp;quot;curtis rantesdorf&amp;quot;, Hof Rantesdorf (788)&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Pankraz, hl. Michael, hl. Jungfrau Maria&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte== &lt;br /&gt;
===Vorgeschichte===&lt;br /&gt;
Die Errichtung des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen kurz vor oder im Jahr 1125 knüpfte an Voraussetzungen an, die durch eine damals schon Jahrhunderte währende Geschichte gegeben waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen war zunächst ein Hof der bayerischen Agilolfingerherzöge, deren letzter, der unglückliche Tassilo III., im gleichen Jahr durch Karl den Großen seine Herrscherwürde einbüßte, in dem Ranshofen – als &amp;quot;Rantesdorf&amp;quot; – erstmals im Licht einer geschichtlichen Nachricht erscheint. Unter den Nachfolgern Karls des Großen wurde Ranshofen eine königliche Pfalz, ein Ort, der dem Herrscher als Aufenthalt und Verwaltungsstützpunkt diente. Kaiser Arnulf, einer der letzten ostfränkischen Karolinger, ließ hier zwischen 896 und 898 eine dem hl. Pankraz geweihte Kapelle erbauen und stattete sie mit Besitzungen, liturgischen Geräten, kostbaren Glasfenstern und Tapisserien sehr großzügig aus. Ein Priester Ellimprecht – wohl ein Mitglied der kaiserlichen Hofkapelle – erhielt die neu errichtete Pfalzkapelle zunächst als Lehen übertragen. Mit einer Urkunde vom 17. Oktober 898 wandelte Kaiser Arnulf dieses Lehen dann in ein freies Eigentum des Priesters Ellimprecht um. Nach dessen Tod sollte alles dem von Arnulfs Vater in Alt-Ötting gegründeten Säkularkanonikerstift zufallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenige Monate später fertigte Arnulf dann zugunsten der Ranshofener Pankrazkapelle eine weitere Urkunde aus, die allerdings nur in mittelalterlichen Abschriften überliefert wird. An ihrem Text fällt auf, dass vom Priester Ellimprecht nun keine Rede mehr ist. Als Empfänger der gegebenen Güter erscheinen vielmehr &amp;quot;die Kleriker, die dort den Gottesdienst verrichten&amp;quot;. Aus dieser Formulierung hat man auf die nachträgliche Gründung eines Säkularkanonikerstifts in Ranshofen schließen wollen, über dessen Bestand sonst jedoch keine Nachrichten existieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das weitere Schicksal der Pfalz mit der dazugehörigen Pankrazkapelle ist dann nämlich über Jahrzehnte hinweg völlig ungewiss. Wir wissen nicht, ob schon Herzog Arnulf aus dem Geschlecht der Luitpoldinger, der nach dem Tod von König Ludwig (&amp;quot;dem Kind&amp;quot;) 911 die Herrschaft über Bayern an sich gerissen hatte, im Zuge seiner Enteignungen von Kirchengütern die ursprünglich vorgesehene Schenkung der Ranshofener Kapelle an das Stift Alt-Ötting wieder rückgängig gemacht hat oder ob das Abhängigkeitsverhältnis erst später gelöst wurde. Auch über die Auswirkungen der Ungarneinfälle auf das Gebiet schweigen die Quellen. Erst gegen Ende des 10. Jahrhunderts finden wir hier unter Herzog Heinrich dem Zänker einen bayerischen Landtag versammelt, der die sogenannten &amp;quot;Ranshofener Landgesetze&amp;quot; beschließt. Dessen Sohn, der 1002 zum König gewählte und später zum Kaiser gekrönte Heinrich II. (&amp;quot;der Heilige&amp;quot;) ließ am Weihnachtstag des Jahres 996 – noch als bayerischer Herzog – in der Pfalzkapelle den Mönch [[Gotthart von Niederaltaich]] zum Abt dieses Klosters weihen. Heinrichs Gemahlin Kunigunde schließlich verfügte 1025 über die Ranshofener Pfalz wie über familiären Privatbesitz, indem sie diese zusammen mit anderen Königshöfen gegen Güter des Bistums Freising abtauschen wollte. Der Nachfolger Heinrichs II., König Konrad II., scheint diesen Tausch aber nicht anerkannt zu haben. Jedenfalls gehörte das &amp;quot;praedium Ranteshoven&amp;quot; – so der neue Name der Siedlung seit dem ausgehenden 10. Jahrhundert – mit der dazugehörigen Kapelle weiterhin zum Reichsgut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Gründung – oder Wiederbelebung – eines Kanonikerstiftes verweisen erst wieder zwei Urkunden, die Kaiser Heinrich III. im Jahr 1040 für Ranshofen ausgestellt haben soll. Auch sie sind nur in Abschriften überliefert und gelten der Urkundenforschung in ihrer vorliegenden Gestalt als Fälschungen. Man hat allerdings den Versuch unternommen, in beiden authentische Abschnitte von späteren Zusätzen zu trennen. Dabei begegnet im vermutlich echten Text die Angabe über eine Schenkung von Zehenten zugunsten der in Ranshofen &amp;quot;weilenden Priester ..., damit der Gottesdienst dort täglich gefeiert werde.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutet man dies als Hinweis auf eine Klerikergemeinschaft, so dürfte diese in den Wirren der Zeit des Investiturstreits wieder zerfallen sein. Jedenfalls begegnen in den ältesten Schenkungsnotizen des Ranshofener Traditionskodex, deren Textüberlieferung vor 1070 einsetzt, zunächst nur einzelne Priester der Pankrazkirche, die mehrfach auch als Pfarrer bezeichnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte===&lt;br /&gt;
Erste Anzeichen für die erneute Einrichtung einer Kanonikergemeinschaft kann man am Text der Ranshofener Traditionen seit etwa 1120 beobachten. Die hier aufgezeichneten Schenkungen erfolgen jetzt nämlich zugunsten der an der Pankrazkirche &amp;quot;für Gott streitenden Brüder (fratres Deo militantes)&amp;quot;, eine Formulierung, die im Zusammenhang mit Regularkanonikern auch andernorts immer wieder begegnet, vereinzelt freilich auch für Angehörige eines weltlichen Kanonikerstiftes gebraucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicheren Boden gewinnen wir somit erst mit der Schenkungsurkunde des Bayernherzogs Heinrich IX. des Schwarzen (1120-1126) vom 30. Juli 1125, in welcher dieser zusammen mit seiner Gemahlin Wulfhilde in der Ranshofener Pfalz den &amp;quot;an der Pankrazkirche nach der Regel des hl. Augustinus Christus dienenden Brüdern Zehent im Gau&amp;quot; Ranshofen sowie verschiedene Güter übergibt. Auf dieser Urkunde basiert dann auch die Darstellung des bayerischen Historikers Aventin, der in seinem um 1520 geschriebenen &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; annimmt, Herzog Heinrich IX. habe hier im Jahre 1125 auf &amp;quot;Geheiß und Rat&amp;quot; des Salzburger Erzbischofs Konrad I. ein Augustiner-Chorherrenstift gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aventins Annahme ist freilich nur mit gewissen Vorbehalten zu übernehmen, denn eine zu diesem Zeitpunkt erst beschlossene Neugründung eines Klosters wird im Urkundentext ebensowenig erwähnt wie ein Zusammenwirken oder Zusammentreffen mit dem Salzburger Erzbischof. Ein Regularkanonikerkloster wird vielmehr als bereits bestehend vorausgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist die Einführung von Augustiner-Chorherren in Ranshofen vielleicht schon zwischen 1120 und 1125 erfolgt. Der weitere Ausbau des Stiftes zu einem Kloster für Chorherren, Chorfrauen und Konversen dürfte sich allerdings noch über die Zeit Heinrichs IX. hinaus bis in die Jahre der Herrschaft seines Sohnes Heinrich X. des Stolzen (1126-1139) erstreckt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Einrichtung eines Augustiner-Chorherrenstiftes erfasste eine wichtige religiöse Erneuerungsbewegung des Mittelalters Ranshofen. Eine Schlüsselfigur ihrer weiteren Ausbreitung war zweifelsohne der Salzburger Erzbischof Konrad I. (1109- 1147). Er gilt als Gründer oder Erneuerer einer großen Zahl von Chorherrenstiften innerhalb und außerhalb seines engeren Diözesanbereiches. So ist seine Einflussnahme bei der Errichtung eines Chorherrenklosters in Ranshofen nicht auszuschließen. Quellenmäßig greifbar wird ein Zusammenhang mit ihm freilich erst um 1138/39. Damals hat Konrad I. zusammen mit Bischof Roman von Gurk in Ranshofen eine Schenkung von Besitzungen der Ministerialen von Rohr im Kremstal für das Kloster entgegengenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Entwicklung im Hoch-und Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
Neben der Gestaltung der Liturgie in der Messfeier und beim Chorgebet war die Seelsorge ein wichtiges Anliegen des neuen Ordens. Da der Ranshofener Seelsorgesprengel sehr umfangreich war, wurden schon damals im weiten Umkreis Kirchen dafür neu gebaut oder vorhandene Kapellen übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ranshofen selbst baute man neben der Stiftskirche eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche. Andere Aufgaben waren die Krankenpflege, die schulische Unterweisung und die wissenschaftlichen Studien. Für letztere benötigte man ebenso wie für den Gottesdienst Handschriften, die zu einem großen Teil in der Schreibstube des Klosters, dem &amp;quot;scriptorium&amp;quot;, von den Chorherren selbst in mühevoller Arbeit hergestellt wurden. Aus Urkunden und Traditionsnotizen kennen wir einige Namen von Pröpsten des 12. und beginnenden 13. Jahrhunderts. Genannt werden ein [[Manegold]], der mit dem Magistertitel ausgezeichnet erscheint, nach ihm [[Meginhard]], [[Altmann]] und [[Adelhard]], unter dem 1.178 das berühmte Evangeliar angekauft wurde, danach [[Liutold]] - wohl identisch mit dem im Evangelienbuch bezeugten Schatzmeister gleichen Namens -, dann nochmals ein Adelhard, der mit dem ersten Propst dieses Namens eine Person sein könnte, schließlich noch [[Etticho]] und [[Wichard]]. In verschiedenen Totenbüchern der Salzburger Diözese wird außerdem ein Propst [[Liutfrid von Ranshofen]] verzeichnet, der nur schwer einzuordnen ist. Vielleicht gehört er an den Anfang der Reihe gestellt, anstelle des von Aventin aus der Urkunde Heinrichs IX. von 1125 übernommenen [[Raffold]]. (Letzterer war vermutlich kein geistlicher Propst, sondern einer der Verwalter des Pfalzgutes.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1140 kam es zu einer Kontroverse mit dem Passauer Bischof Reginbert um die Seelsorgerechte und die daraus erwachsenden Zehentforderungen. Im Zusammenhang damit hat der Passauer Ordinarius den Kanonikern einen ungenannten jugendlichen Propst aufgezwungen, gegen den sie sich mit Erfolg aufgelehnt haben. Freiheit der Propstwahl ist dann auch eines der wichtigsten Rechte, das Ranshofen immer wieder urkundlich zugesichert wird, zum ersten Mal in dem großen Schutzprivileg des Papstes Eugen III. von 1147.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts - inzwischen hatten die Wittelsbacher den durch Kaiser Friedrich Barbarossa abgesetzten Heinrich den Löwen in der Herrschaft über Bayern abgelöst - begann für Ranshofen einer der unruhigsten Abschnitte seiner Geschichte. 1233 plünderten Truppen des Babenbergerherzogs Friedrich des Streitbaren bei Kämpfen mit Herzog Otto II. von Bayern Neukirchen an der Enknach, wobei die dortige Filialkirche zu schwerem Schaden kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Jahre danach, wahrscheinlich 1242, überfielen von der Burg Obernberg kommende Leute des Passauer Bischofs Ranshofen selbst und verbrannten zusammen mit der herzoglichen Pfalz auch die beiden Kirchen. 1250 drohten neue Gefahren. Bischof Rüdiger von Passau war durch den päpstlichen Legaten Albert Beham abgesetzt worden, und Berthold, ein gebürtiger Graf von Sigmaringen, sollte seine Stelle einnehmen. Doch Rüdiger leistete Widerstand und wurde dabei durch den bayerischen Herzog unterstützt. So durchzogen Soldaten des Gegenbischofs im November 1250 neuerlich plündernd den angrenzenden Weilhartsforst und verwüsteten das Land. Die Stiftskirche soll anschließend wieder aufgebaut und 1255 neu eingeweiht worden sein. Doch bald danach wurde das Gebiet um den unteren Inn im Zusammenhang mit Kämpfen zwischen Herzog Heinrich von Niederbayern - das Herzogtum war inzwischen nach dem Tod Ottos II. unter seinen Söhnen geteilt worden und König Ottokar von Böhmen neuerlich Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ranshofen wurde 1266 ein zweites Mal niedergebrannt und dabei fast zur Gänze zerstört. So klagte Propst [[Sifrid]] (1255-1277) in einer Bittschrift an Papst Klemens IV. darüber, dass im Kloster nur mehr drei Leute Unterhalt fänden, während davor 14 Priester und 50 weitere Stiftsangehörige mühelos versorgt werden konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Resignation Sifrids erlebte Ranshofen aber dann unter seinem Nachfolger [[Konrad I.]] (1277- 1311) eine Zeit des Wiederaufschwungs. Neben den nun wieder günstigeren äußeren Verhältnissen ist diese Blüte vor allem in der Tatkraft und Zielstrebigkeit jenes Prälaten begründet. Bereits im Jahr seiner Erwählung begann er mit der Anlage eines Privilegienbuches, in das die Urkunden des Klosters in übersichtlicher Form eingetragen werden sollten. In dem angeschlossenen Urbar wurden die Stiftsgüter verzeichnet. Beide Teile hat Propst Konrad I. später in etwas abgewandelter Form nochmals redigiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der schon unter seinem Vorgänger begonnene Neubau der Stiftskirche wurde 1283 abgeschlossen und in Gegenwart des bayerischen Herzogs durch den Bischof von Regensburg eingeweiht. Auch das Kanonissenstift wurde erneuert und Einrichtungen für die Krankenpflege geschaffen. Schon mit Konrads gleichnamigem Nachfolger [[Konrad II.]] (1311-1332) setzte allerdings neuerlich eine Zeit des Niedergangs ein. Später besserten sich die Verhältnisse wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift wurde im 14. und 15. Jahrhundert vielfach durch Privilegien der Herzöge von Bayern und von Österreich ausgezeichnet. Auch Kaiser Ludwig der Bayer und später Maximilian I. reihten sich unter die Förderer ein. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts mehrten sich ganz allgemein die Versuche, dem damals drohenden Verfall der Klöster entgegenzuwirken. Erste Ansätze einer solchen Reform in Ranshofen unter den Pröpsten [[Erasmus Ridmund]] (1435-1444), [[Friedrich Gunderstorfer]] (1444-1448) und Thomas Wittel (1451-1462) zeigten jedoch keinen nachhaltigen Erfolg. Erst der aus dem niederösterreichischen [[Stift Dürnstein|Chorherrenstift Dürnstein]] berufene Propst [[Wolfgang]] konnte das Kloster im Sinne einer vom böhmischen Stift Raudnitz ausgehenden Reformbewegung erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Nachdem Ranshofen im bayerischen Erbfolgekrieg trotz bedrohlicher Nähe des Kriegsgeschehens glimpflich davongekommen war, begann 1508 Propst [[Kaspar Türndl]] (1504—1529) mit dem Neubau der Stiftskirche. Gleichzeitig kam es zu einer Blütezeit humanistischen Geistes, die sich in den erhaltenen Handschriften und Frühdrucken aus der Klosterbibliothek spiegelt. Aber auch erste Anzeichen für eine beginnende Auseinandersetzung mit den Lehren Martin Luthers lassen sich von 1520 an beobachten. Eine Steigerung dieser Tendenzen ergab sich unter Propst [[Augustin I. Münich]] (1529—1560). Zeitgenossen rühmten ihn als Freund der Studien und Wissenschaften. Die Stiftsschule war unter seiner Herrschaft eine der größten Unterrichtsanstalten von ganz Bayern. Aus dem Protokoll einer Passauer Kirchenvisitation von 1559/60, der wichtigsten Quelle unserer Kenntnis über die Ausbreitung der Reformation im Innviertel, erfahren wir jedoch, dass die an dieser Schule wirkenden Schulmeister eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der protestantischen Glaubenslehren gespielt haben. Vielleicht steht die bald nach der Visitation erfolgte Resignation des Propstes im Zusammenhang mit seiner toleranten Einstellung gegenüber den Anhängern des neuen Glaubens. Unter seinem Nachfolger [[Adam Gensleitner]] (1560—1587) wurde jedenfalls sehr rasch die Gegenreformation voll zur Geltung gebracht, sodass der römische Kurienkardinal Commendone, der Ranshofen 1569 visitiert hat, den Zustand von Kirche, Kloster und Schule bereits als zufriedenstellend beurteilte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jahren neuerlichen Verfalls an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert begann nach 1620 eine der glanzvollsten Perioden der Geschichte Ranshofens. Der klostereigenen Geschichtsschreibung gilt sie als das Werk von vier aufeinanderfolgenden Prälaten. Trotz wachsender Bedrohung durch den Dreißigjährigen Krieg erneuerte Propst Philipp Vetterl (1620—1634) nicht nur die schwer darniederliegende Disziplin des Gemeinschaftslebens, sondern begann auch einen frühbarocken Neubau der Klosteranlage. 1628 erhielt der Propst durch Papst Urban VIII. für sich und seine Nachfolger das Recht des Gebrauchs der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1634 kam der bayerische Kurfürst Maximilian I. mit seiner Familie und seinem Hofstaat auf der Flucht vor den schwedischen Truppen, die München besetzt hatten, nach Ranshofen und blieb hier bis zum Frühjahr 1635. Während des Aufenthalts im Kloster ist die Kurfürstin Elisabeth am 4. Jänner 1635 gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der in Gegenwart des Kurfürsten gewählte Propst [[Simon Meier]] (1635—1665) kümmerte sich besonders um die Neuordnung der Bibliothek und um die wissenschaftlichen Studien der Stiftsangehörigen. Propst [[Benno Meier]] (1665—1687) - ein Neffe seines Vorgängers - ließ im Schloss Neukirchen eine theologische Studienanstalt einrichten. Besondere Sorgfalt widmete er dem Stiftsarchiv mit den alten Urkunden. Seinem Ordnungssinn ist es zu verdanken, dass wir für die Zeit seiner Regierung genaue Aufzeichnungen über die vorhandenen Kirchengeräte und einen Katalog der erworbenen Bücher besitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ivo Kurzbauer]] (1687—1715) erneuerte schließlich Kirche und Kloster für ein 1699 gefeiertes &amp;quot;Acht-tägiges hochfeierliches Jubel-Fest&amp;quot; zum Gedächtnis der achthundertjährigen Geschichte der Pankrazkirche und krönte damit die Bestrebungen seiner Vorgänger, eine Entwicklung, die [[Augustin II. Pariser]] (1715—1741) zwar weiterführen, aber nicht mehr steigern konnte. Die barocke Glanzzeit des Stiftes hatte damit ihren Höhepunkt bereits überschritten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild, das Ranshofen dann von der Mitte des 18. Jahrhunderts an bietet, ist eher uneinheitlich. Man kann es nur verstehen, wenn man die Erscheinungen von zwei Seiten her eingrenzt: vom Weiterführen überkommener Lebensformen des Barock einerseits und von der damals auch in Bayern bereits einsetzenden Aufklärungsbewegung andererseits. Mit dem Frieden von Teschen (1779) fiel das lnnviertel an Österreich. Dadurch wurden die vom Geist jener Zeit geprägten Reformen Kaiser Josephs II. alsbald auch in Ranshofen wirksam. Im Zusammenhang mit der Neuorganisation des Pfarrnetzes wurden verschiedene Filialkirchen in Pfarrkirchen umgewandelt, die Formen des Gottesdienstes reformiert, die Ranshofener Pfarrkirche St. Michael gesperrt und später abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Abtrennung der Diözese Linz vom Bistum Passau löste altgewohnte Bindungen. Vor allem die Franzosenkriege brachten dann neuerlich große Unruhe in das Kloster. Das Stift wurde einmal von diesen und einmal von jenen Truppen als Militärspital beansprucht. Es kam zu Gewalttaten und Plünderungen. Aber auch die Klostergemeinde selbst war vom Geist der Aufklärung angekränkelt.&lt;br /&gt;
Vor allem der letzte, 1784 gewählte Propst [[Johann Nepomuk Kierl]] gilt als schwach und verschwenderisch. Nach seinem Tod im Jahr 1809 kommt es innerhalb der zerfallenen und in sich gespaltenen Gemeinschaft zu keiner Neuwahl mehr. So findet die von der &amp;quot;Rieder Regierung&amp;quot; während der französischen Besatzung 1810 angekündigte Aufhebung Ranshofen bereits im Zustand der Krise.&lt;br /&gt;
Der Übertritt in den Weltpriesterstand kommt den damals noch hier lebenden Chorherren eher gelegen. Vor der endgültigen Aufhebung am 28. Oktober 1811 brachte man die als wertvoll angesehenen Archivalien in das Hauptstaatsarchiv nach München und einen großen Teil der Bibliotheksbestände in die jetzige Bayerische Staatsbibliothek. Anderes wurde in der ganzen Welt verstreut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammen mit dem, was in Ranshofen selbst heute noch sichtbar ist, legen diese Dokumente ein beredtes Zeugnis ab von der Pflege von Religion, Wissenschaft und Kunst im Chorherrenstift Ranshofen im Verlauf seiner Jahrhunderte währenden Geschichte. Indirekt kann man aus ihnen aber auch ahnen, wie bedeutungsvoll dieses Wirken der Chorherren für jene Menschen gewesen sein muss, die im Umkreis des Klosters gelebt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Nachgeschichte===&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung erwarb der bayerische General Graf von Montjoie-Frohberg die Stiftsgebäude und den ausgedehnten Grundbesitz und wandelte einen Teil der ehemaligen Klosteranlage zum &amp;quot;Schloss Ranshofen&amp;quot; um. Anderes wurde abgetragen. Die frühere Stiftskirche blieb als Pfarrkirche erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erster Pfarrer wurde der seinerzeitige Stiftsdechant [[Pankraz Hauser]]. Der Pfarrer war damals einige Jahrzehnte hindurch auch Repräsentant der weltlichen Verwaltung. Erst im Zuge der Reformen bekam Ranshofen im Jahr 1848 eine eigene Gemeindeverwaltung. Auch erhielten die bis dahin unfreien Bauern die Möglichkeit, den Grund und Boden, den sie vorher als Untertanen bewirtschaftet hatten, gegen ein geringes Entgelt als Eigentum zu erwerben.&lt;br /&gt;
Im Jahr 1851 kaufte dann Ferdinand Wertheimer, der später als Abgeordneter dem oberösterreichischen Landtag angehörte, die &amp;quot;Herrschaft Ranshofen&amp;quot; und wandelte im Laufe der Jahre den immer noch beachtlichen Großgrundbesitz in einen landwirtschaftlichen Musterbetriebum. Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland im März 1938 wurde der Wertheimersche Familienbesitz jedoch vom Deutschen Reich &amp;quot;abgelöst&amp;quot;. Im Oktober des gleichen Jahres wurde die vorher selbständige Geme inde Ranshofen der Stadt Braunau einverleibt und ein Jahr später begann man bereits auf den Wertheimer-Gründen mit dem Bau eines Aluminiumwerkes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute ist man bemüht, das noch Vorhandene zu erhalten und zu pflegen, wobei der Komplex von Kirche und ehemaligem Stift besitzmäßig auf die Diözese Linz, die Stadt Braunau und private Eigentümer verteilt ist. Die Kirche und der Bibliothekssaal im ehemaligen Konventgebäude werden - abgesehen von der liturgischen Verwendung des Gotteshauses - auch für kulturelle Veranstaltungen genützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse== &lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Will man sich ein Bild von den wirtschaftlichen Verhältnissen des Chorherrenstiftes Ranshofen im Mittelalter machen, wird man zunächst von der Urkunde Herzog Heinrichs IX. von Bayern aus dem Jahre 1125 ausgehen müssen. Sie gilt in der Literatur ja als &amp;quot;Stiftbrief&amp;quot; des Klosters. Als geschenktes Gut werden darin Güter in Handenberg, Braunau und einem - nicht mehr bestimmbaren - Dürrnberg nördlich der Donau, sowie verschiedene kleinere Liegenschaften angeführt. Letztere wurden den Regularkanonikern teils als Eigenbesitz, teils als Lehen überlassen. Dazu kamen die herzoglichen Zehenten &amp;quot;im Gau&amp;quot; Ranshofen und die Kirche Enknach (&amp;quot;Enkinacha&amp;quot;) - vermutlich am Ort oder in der Nähe des heutigen Neukirchen an der Enknach gelegen - mit dem dazugehörigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich erst nach Ausfertigung der Urkunde wurde an einer bestimmten Stelle nachträglich noch ein Hinweis eingefügt, dass jene Hörigen, die vorher in der Hand des Herzogs oder des Kämmerers bzw. des - herzoglichen - Propstes gewesen seien, nun auch dem Kloster unterstellt würden. So reichhaltig diese Schenkung gewesen ist, so wird damit keineswegs der gesamte wirtschaftliche Besitz Ranshofens zur Zeit der Gründung des Chorherrenstiftes umschrieben. Die Einrichtung des mittelalterlichen Klosters erfolgte ja nicht in der Einöde eines unerschlossenen Gebietes, sondern knüpfte an eine Jahrhunderte währende Vorgeschichte an. Schon Kaiser Arnulf hatte ja die von ihm erbaute Pfalzkapelle reich mit Gütern ausgestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den umfangreichsten Einblick in die Ranshofener Besitzverhältnisse im hohen Mittelalter gewähren jedoch die Notizen des Traditionskodex, deren Inhalte den Zeitraum von etwa 1070 bis 1250 umspannen, also auch schon vor 1125 einsetzen. Die Texte bezeugen die Übergabe von Gütern im näheren und weiteren Umkreis von Ranshofen, darüber hinaus die Schenkung von 5-Pfennig- Zensualen, sowie von Knechten und Mägden. Wie in anderen Klöstern machen auch in Ranshofen die Selbstübergaben von ehemals freien Personen, in der Absicht sich unter dem Schutz des Stiftes gegen Übergriffe von Mächtigeren abzusichern, einen beträchtlichen Teil der Zensualenschenkungen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere wichtige Quelle zur mittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte Ranshofens ist dann das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes [[Konrad I.]] Die Handschrift enthält neben zwei Kopialbüchern zwei Urbare, welche 1277 beziehungsweise 1303 angelegt wurden. Da im älteren Urbar die erste Lage der Handschrift verlorengegangen ist, kann man nur aus dem jüngeren erkennen, dass der Grundbesitz sich damals auf acht Urbarämter verteilte, die im Innviertel (Haselbach, Überackern, Neukirchen/Enknach, Nonsbach und Ranshofen), im oberösterreichischen Kremstal (Rohr) und in den jetzigen bayerischen Landkreisen Rottal-Inn und Alt-Ötting gelegen waren (Kollbach und &amp;quot;Trans Enum&amp;quot;). Dazu kamen noch Weingärten in der Wachau. Im Abgabenverzeichnis über die im Dorf Ranshofen ausgegebenen Lehen werden auch zwei Schuster, ein Schneider, ein Fleischer, ein Koch und ein Bader angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einkünfte Ranshofens stiegen in der Folgezeit dann noch durch die Stiftung von Jahrtagen in Form von &amp;quot;Seelgeräten&amp;quot;, das sind Schenkungen zugunsten von jährlich, manchmal sogar wöchentlich zu lesenden Messen für das Seelenheil von Verstorbenen. Ähnliche Stiftungen begegnen auch in den Filialkirchen des Klosters, unter denen die Braunauer Stephanskirche durch die Befestigung der Siedlung und die Stadterhebung im Jahr 1260 bald eine Sonderstellung einnehmen sollte. Kaiser Ludwig der Bayer (1314–1347) stiftete 1345 eine täglich zu lesende Messe für sich und seine Vorfahren und Nachkommen. Gleichzeitig schenkte er dem Kloster jene Güter im Dorf Ranshofen, die bis dahin noch herzoglicher Besitz gewesen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Schiffstransport des Klosterweins aus den Weingärten in der Wachau auf Donau und Inn erhielt das Chorherrenstift verschiedentlich Privilegien über die Mautfreiheit, so 1287 vom österreichischen Herzog Albrecht I., die er 1295 und sein Sohn Friedrich der Schöne 1314 nochmals bekräftigten. Eine Bestätigung dieser Privilegien durch Kaiser Maximilian I. erbaten der Propst und das Kapitel von Ranshofen schließlich noch 1498. In einzelnen Fällen hat das Kloster aber auch ältere Besitzungen, die schwer zu bewirtschaften waren oder den erwarteten Ertrag nicht erbrachten, wieder abgestoßen. Ein wertvolles Dokument solcher wirtschaftlicher Veränderungen ist eine von Propst [[Benno Meier]] 1670 verfasste &amp;quot;Relation von den Ranshoverischen in Österreich gelegenen Höf und Weingärten&amp;quot;. Darin verzeichnete der Prälat zunächst alles, was er aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen über die niederösterreichischen Besitzungen Ranshofens in Erfahrung bringen konnte. Es handelte sich um Höfe und Weingärten in Schwallenbach, Spitz, Loiben, Stein, Krems und Gobelsburg in der Wachau und um Weingärten in Kritzendorf bei Klosterneuburg. Zu seiner Zeit waren davon fast nur mehr die Weingärten in Unterloiben - ihre Riednamen sind vielfach bis heute in Gebrauch - dem Stift verblieben. Ihr Zentrum war ein großer Lesehof in Unterloiben nahe der Kirche, der als der heutige &amp;quot;Loibnerhof&amp;quot; identifiziert werden kann. Weil die Kosten-Nutzen-Rechnung des Propstes auch darüber negativ ausfiel, hat er ein Jahr später den ganzen Komplex an das Kloster Tegernsee verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen guten Überblick über den Stiftsbesitz und die Untertanen im Bereich von Ranshofen selbst in der Zeit des beginnenden 18. Jahrhunderts gibt ein im Auftrag des Propstes Ivo (1687–1715) durch den bayerischen Geometer Matthäus Paur im Jahre 1714 angelegtes Mappenwerk (&amp;quot;Gruntrys mit angehengter Beschreibung&amp;quot;, in der Literatur im allgemeinen als &amp;quot;Grundriss-Libell&amp;quot; bezeichnet). Der davon erhaltene Teil besteht aus Plandarstellungen aller Besitzungen im Bereich der sogenannten &amp;quot;Hofmark&amp;quot; Ranshofen mit darauf bezogenen Erläuterungen. Diese umfasste damals 81 Häuser, von denen die meisten vom Stift auf Erb- oder Leibrechtsbasis verliehen waren. Etwa die Hälfte davon wurde landwirtschaftlich genutzt. Der Rest war an Gewerbetreibende vergeben, unter denen sich auch ein Saitenmacher, ein Sattler, ein Bierbrauer und ein Metzger aus Braunau finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge der Abtrennung des Innviertels von Bayern durch den Frieden von Teschen ergaben sich während der letzten Jahrzehnte des Bestandes des Klosters Probleme mit der Verwaltung der bei Bayern verbliebenen Besitzungen jenseits des Inn. So wurden etwa im Verlauf der napoleonischen Kriege - Bayern kämpfte damals auf der Seite der Franzosen gegen Österreich - die Erträgnisse von Grundherrschaften, die auf bayerischem Gebiet gelegen waren, für das Stift gesperrt. 1810 schließlich begann man im Zuge der Auflösung die beweglichen Güter und die Wertsachen zu versteigern. Die Einnahmen betrugen 13.000 Gulden, die nach Salzburg, von wo aus kurzzeitig auch das Innviertel verwaltet wurde, abgeliefert werden mussten. Das 400 Joch große Stiftsgut, bestehend aus Äckern, Wiesen, Auen, Gärten und anderem, kaufte am 17. August 1812 der bayerische General und königliche Adjutant Graf Montjoie-Frohberg um 54.000 Gulden. Nur den unteren Teil des Lachforstes und ein Haus in Dietfurt (unterhalb von Braunau) behielt der bayerische Staat für sich zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Die rechtliche Lage der Ranshofener Pfalz war vom ausgehenden 11. bis um die Mitte des 12. Jahrhunderts eine eher wechselhafte. Dies findet auch in der damals beginnenden Geschichte des Chorherrenstiftes seinen Niederschlag. Die Pfalz und die dazugehörende Pankrazkapelle waren ja seit der Karolingerzeit Reichsgut und als solches der Verfügungsgewalt des Königs unterstellt. Den Bayernherzögen war zwischendurch zwar die Nutzung überlassen, sie wurden gegen Ende des 11. Jahrhunderts wegen ihrer reichsfeindlichen Politik im Zusammenhang mit dem Investiturstreit aber wiederholt durch Kaiser Heinrich IV. abgesetzt: zuerst Otto von Nordheim und später Welf I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So begegnet in einer vermutlich 1074 anzusetzenden Traditionsnotiz Kaiser Heinrich IV. selbst als Eigentümer von Ranshofen (&amp;quot;cuius praedium erat, quod Ranshovin vocatur&amp;quot;). Erst seit 1096 wurden die Welfen wieder mit Bayern belehnt und waren damit innerhalb bestimmter Grenzen über das Land am Inn verfügungsberechtigt. Die schwankende Rechtslage von Ranshofen kommt dann besonders in der &amp;quot;Gründungsurkunde&amp;quot; Herzog Heinrichs IX. von 1125 zum Ausdruck. Ihre Textform und ihre Ausstattung schließen sich in vielem dem Vorbild königlicher Siegelurkunden an. Dem Stil der Herrscherurkunden entspricht wohl auch der Hinweis auf die Mitwirkung und Zustimmung von Heinrichs Gemahlin Wulfhilde. Gerade dies ist allerdings rechtlich höchst fragwürdig, da es sich bei den geschenkten Gütern ja nicht um welfischen Eigenbesitz, sondern um dem Herzog überantwortetes Reichsgut gehandelt hat, für dessen Vergabe viel eher die Zustimmung des Königs erforderlich gewesen wäre. (Freilich war im Juli des Jahres 1125 nach dem Tod Kaiser Heinrichs V. Lothar III. noch nicht gewählt.) Die Strafformel, welche eine Bußzahlung von 60 Gulden an die Kammer des Königs bzw. des Kaisers bei Eingriffen in das Schenkungsgut vorsieht, bestätigt diese Auffassung. Dennoch versuchte Herzog Heinrich der Löwe später die Meinung durchzusetzen, Ranshofen sei ein Eigenstift seiner Familie, so vor allem, wenn er die dort dienenden Regularkanoniker als zu seiner Kapelle gehörig bezeichnet und die Gründung insgesamt fälschlicherweise mit seinem Vater Heinrich dem Stolzen in Verbindung bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1139 hatte nach dem Tod Heinrichs des Stolzen zunäch stder Babenberger Leopold IV. zusammen mit dem Herzogtum Bayern das Reichsgut um Ranshofen erhalten. Er ist jedoch bereits zwei Jahre später verstorben. Damals behielt König Konrad III. dann für kurze Zeit Bayern selbst in der Hand. In diesen Zeitabschnitt fällt das große Schutzprivileg Konrads von 1142, in dem der König die Besitzungen des Chorherrenstiftes, das er eine Gründung seines Urgroßvaters, des Kaisers Heinrich III., nennt, bestätigt. Eine Erwähnung einer Erneuerung durch die Welfen wurde in der Urkunde - offensichtlich aus politischen Gründen - unterdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Jahr belehnte der König den Babenberger Heinrich &amp;quot;Jasomirgott&amp;quot; mit Bayern. Das ist wohl jener &amp;quot;Heinricus Dux Bawariae&amp;quot;, welcher in einer anderen Tradition das an den Obstgarten der Regularkanoniker angrenzende Land am Altar des hl. Pankraz übergibt. Auch erscheint er in dem großen Privileg des Papstes Eugen III. von 1147 als Fürsprecher des Stiftes. Darin wird unter anderem erwähnt, dass der Vogt (&amp;quot;advocatus&amp;quot;) über das Herzogsgut gleichzeitig der Vogt des Klosters Ranshofen sei. Diese Bestimmung wird dann auch im Privileg des Papstes Hadrian IV. von 1158 wiederholt. Diesmal ist jedoch bereits Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, der Schirmherr des Klosters. Friedrich Barbarossa hatte ihn inzwischen 1154 mit dem von ihm zurückgeforderten Bayern belehnt. Schon 1157 hatte Heinrich der Löwe in einer Urkunde verfügt, dass der Vogt nicht nur die herzogliche Pfalz mit deren Untertanen, sondern auch die Stiftsleute an seiner Stelle beschützen und beschirmen sollte. Er habe auch die Klagen der Kanoniker und ihrer Eigenleute anzuhören und ihnen gebührend Recht zu verschaffen. Geld sollte er dafür nicht von ihnen fordern, sondern nur von des Herzogs Kammer nach altem Herkommen seinen Lohn empfangen. Darüber hinaus solle er keine Verfügungsgewalt über das Kloster oder dessen Eigenleute und Besitzungen haben und auch keine Steuern von ihnen eintreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vögte begegnen bereits mehrfach in den frühen Ranshofener Schenkungsnotizen aus der Zeit um 1100. Sie waren damals wohl vom König eingesetzt und hatten die Aufgabe, die unfreien Untergebenen vor Gericht zu vertreten, konnten aber auch selbst Streitigkeiten schlichten und Strafen verhängen. Bei Schenkungen an die Kirche fungierten sie als wichtige Zeugen. In späteren Traditionsnotizen wird fallweise der Herzog selbst als Vogt des Klosters angesprochen, so nach 1180 der Wittelsbacher Otto I. (&amp;quot;tune temporis dux Bawariae et eiusdem loci advocatus&amp;quot;). Nach dem Zeugnis der beiden angeführten päpstlichen Privilegien ließen sich aber schon zuvor die Herzöge in dieser Funktion durch von ihnen bestellte Untervögte vertreten. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts werden diese dann meistens als Richter (&amp;quot;judex&amp;quot;) angesprochen. Ob die Ranshofener Untervögte ihre Stellung - wie etwa in Reichersberg - zur persönlichen Besitzerweiterung und Bereicherung missbraucht haben, ist aus den Quellen nicht mehr zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf verschiebt sich die rechtliche Verfügungsgewalt mehr und mehr zugunsten des Landesfürsten. Der ehemalige Pfalzbereich wird dem herzoglichen Amt Burghausen zugeordnet. Einen Höhepunkt erreicht diese Entwicklung mit Kaiser Ludwig dem Bayern, der in sich ja Königs- und Herzogsamt vereinigte. Von ihm erhielt der Propst 1345 das Recht der niederen Gerichtsbarkeit über alle Stiftsuntertanen. Vögte des Chorherrenstiftes Ranshofen treten in der Folgezeit nicht mehr in Erscheinung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse=== &lt;br /&gt;
Von den Chorherren, die in der frühen Zeit dem Stift Ranshofen angehört haben, kennen wir nur einzelne Namen, die außerdem meistens wenig über ihre soziale Herkunft aussagen. Ein im Traditionskodex vor 1120 mehrfach genannt er Pfarrer [[Erenbert]] wird &lt;br /&gt;
anlässlich der Schenkung seines Gutes Pfaffing in einer der Notizen als &amp;quot;canonicus s. Pancratii mart.&amp;quot; bezeichnet, was ihn als Säkularkanoniker charakterisieren könnte. Ob er später auch noch dem Regularkanonikerkonvent angehört hat, ist ebenso fraglich, wie die - in der Literatur vielfach angenommene - Übernahme der ältesten Augustiner-Chorherren aus dem Salzburger Domstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die ersten Pröpste gibt es vereinzelte Hypothesen ihrer Herkunft, sowohl in genealogischer wie in geistlicher Hinsicht, die freilich einer kritischen Überprüfung kaum standhalten. Einen Ansatzpunkt für die Beantwortung der Frage nach dem sozialen Umfeld der ältesten Ranshofener Regularkanoniker gewinnen wir aus jener Traditionsnotiz von 1138/39, nach welcher der Reichsministeriale Friedrich von Rohr und seine Gemahlin Berta in Anw esenheit des Salzburger Erzbischofs Konrad I. und des Bischofs Roman von Gurk ihr ganzes Gut in Rohr (im oberösterreichischen Kremstal) übergaben, als sie ihren Sohn Richer dem Kloster zur geistlichen Ausbildung anvertrauten. Und in unmittelbarer Nachbarschaft zu dieser Notiz lesen wir im Traditionskodex von der Schenkung eines Eginbert, eines Neffen des Kadelhoch von Rohr, anlässlich seines Eintritts in das Stift (&amp;quot;tradidit semetipsum ad aram s. Pancratii secundum regulam communis vitae ibidem degendum&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu passen auch die spärlichen Angaben, die wir aus einem - nur im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr auszugsweise überlieferten - Ranshofener Nekrolog dieses Zeitabschnitts schöpfen können. Als verstorbene Chorherren wurden darin [[Konrad von Retenbach]], [[Bernhard von Hut]], [[Hartwig von Sattelbogen]], [[Heinrich von Loitzenkirchen]], [[Heinrich von Braunau]], [[Friedrich von Weilhart]], [[Pabo von Ering]] und [[Wilhelm von Mattsee]] genannt. Es sind vorwiegend Familienangehörige der Ministerialen, die aufgrund ihrer Dienste für den König oder den Herzog unfreie Bauernhöfe, Lehengüter, manchmal auch Eigenbesitz im engeren oder weiteren Umfeld Ranshofens, bewirtschafteten und das Kloster von seinen Anfängen an immer wieder beschenkten. Manche dieser Familien - sie werden in den Urkundentexten einmal als Reichsdienstmannen (&amp;quot;ministeriales regni&amp;quot;) und einmal als Herzogsdienstleute (&amp;quot;ministeria les ducis&amp;quot;) bezeichnet, was wiederum mit der schwankenden Rechtslage der Ranshofener Pfalz zusammenzusehen sein dürfte - hatten im Kloster auch ihre Grablege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das gleiche Bild zeigen die in das Totenbuch eingetragenen Namen der Chorfrauen, aber auch der Laienbrüder und -schwestern, die im Stift Aufnahme gefunden hatten. Aus der - schon oben erwähnten - Supplik des Propstes Sifrid an den Papst Clemens IV. wissen wir, dass vor den kriegerischen Ereignissen, durch die Ranshofen um die Mitte des 13. Jahrhunderts großen Schaden genommen hatte, vierzehn Priester versorgt worden waren, während zu seiner Zeit der Konvent auf drei Angehörige zusammengeschmolzen war. Auch das Chorfrauenstift war den Zerstörungen zum Opfer gefallen. Unter Propst Konrad I. wurde es jedoch erneuert. Es sollten aber nicht mehr als sechs Frauen aufgenommen werden, von denen eine zur Vorsteherin (&amp;quot;magistra&amp;quot;) bestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Herkunft der Chorherren anlangt, so begegnen in der Folgezeit weiterhin viele Angehörige von Ministerialenfamilien aus dem Umkreis Ranshofens. Mit dem Ausgang des Mittelalters ändert sich dieses Bild. Zunächst verschwinden die Chorfrauen aus den Quellen. Die überlieferten Namensformen der Chorherren lassen erkennen, dass die in das Stift eingetretenen Personen jetzt mehr und mehr bürgerlicher Herkunft waren und daran änderte sich auch in der Neuzeit nichts. Die Unterlagen, die darüber Auskunft geben, sind vor allem der Visitationsbericht von 1559/60, ferner zwei Namenskataloge der Ranshofener Chorherren von 1665 und 1687 im &amp;quot;Inventarium&amp;quot; des Propstes Benno Meier und schließlich zwei Nekrologaufzeichnungen, die von 1619 bis 1771 reichen (Bayerische Staatsbibliothek München, Clm. 12721, fol. 135-141).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Aufhebung im Jahr 1811 traten die verbliebenen Chorherren in den Weltpriesterstand über. Der St. Florianer Historiker Franz Xaver Pritz schreibt dazu: Einer der Chorherren weinte über dieses Schicksal, die Anderen verließen das Stift ohne Leid und Freude. Jeder erhielt eine Pension von 600 Gulden Reichs-Währung, die später um 100 Gulden vermindert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Der Bücherbestand der Ranshofener Klosterbibliothek wurde durch die Aufhebung des Augustiner-Chorherrenstiftes in alle Winde verstreut. Dies gilt zunächst für die alten Handschriften, von denen der größte Teil 1811 nach München abtransportiert und in der jetzigen Bayerischen Staatsbibliothek untergebracht wurde. Andere Ranshofener Kodizes sind während des 19. Jahrhunderts vorwiegend über den Antiquariatshandel in verschiedene andere Bibliotheken gelangt: drei liegen - &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;nach derzeitigem Wissensstand&amp;lt;/span&amp;gt; - in der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin, drei in der Bodleian Library in Oxford, zwei in der russischen Staatsbibliothek in St. Petersburg, um die zwanzig schenkte ein Augsburger Antiquar nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 der Straßburger Universitätsbibliothek, Einzelstücke wurden schließlich noch in Linz (OÖ. Landesbibliothek), in Paris, in Budapest und in New York (Library of Saint Bonaventura College) festgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Provenienz der Handschriften bei der Katalogisierung soweit wie möglich erfasst wurde, ist es bei den gedruckten Büchern meistens schwieriger, ihre Ranshofener Herkunft nachzuweisen. Eine Reihe von Inkunabeln und Frühdrucken aus dem 16. Jahrhundert kamen bereits 1784 anlässlich der Abtrennung der Diözese Linz vom Passauer Bistum im Zusammenhang mit der Errichtung eines Priesterseminars an die jetzige Bibliothek der Katholisch-theologischen Hochschule in Linz. Nur wenige Einzelstücke verblieben im Raum von Ranshofen und Braunau. Erst mit der breiteren Überlieferung von Ranshofener Handschriften aus dem 12. und 13. Jahrhundert wird eine verhältnismäßig sichere Beantwortung der Fragen nach dem Skriptorium und der Bibliothek des Chorherrenstiftes im hoh en Mittelalter möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgangspunkt der diesbezüglichen Überlegungen war dabei zunächst jenes Ranshofener Evangeliar, das die Bodleian Library in Oxford aus dem Nachlass des venezianischen Ex-Jesuiten Luigi Canonici 1817 erworben hat (Canon . Bibi. Lat. 60). Den vier Evangelien sind jeweils ganzseitige Deckfarbenminiaturen der einzelnen Evangelisten vorangestellt; im Zusammenhang mit der Passionsgeschichte begegnet innerhalb des Johannesevangeliums auch eine ganzseitige &amp;quot;Kreuzigung Christi&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Zur künstlerischen Ausgestaltung gehören weiters die Kanontafeln und kunstvolle Initialen von verschiedener Form und Größe. Den reichsten Schmuck zeigen hier die zu Zierseiten ausgestalteten Textanfänge. In einer Eintragung am Schluss der Handschrift werden der Propst Adelhard von Ranshofen und der Schatzmeister Liutold im Zusammenhang mit der Bezahlung des 1178 vollendeten Buches erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Swarzenski hat als erster die große Stilverwandtschaft der Deckfarbenminiaturen des Ranshofener Kodex mit denen eines Evangeliars, das bei der Aufhebung des Benediktinerstiftes Mondsee in die Österreichische Nationalbibliothek gelangt ist (Cvp. 1244), aufgezeigt. Da nun im Mondseer Evangeliar ein &amp;quot;Liutoldus monachus&amp;quot; von sich sagt, er habe die Handschrift geschrieben und seinem Können gemäß ausgeschmückt , hat Swarzenski erwogen, den Mönch Liutold mit dem Ranshofener Thesaurar gleichen Namens zu identifizieren. Diese These verfestigte sich dann zur Annahme einer Ranshofener Schreib- und Malschule, als deren Mittelpunkt man den von Mondsee nach Ranshofen übergewechselten Liutold ansehen wollte. In den letzten Jahrzehnten setzte sich jedoch mehr und mehr die Meinung durch, das Ranshofener Evangeliar sei mit einem Salzburger Skriptorium (am ehesten im Benediktinerstift St. Peter) in Verbindung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Salzburger Herkunft wird heute auch für eine dreiteilige lateinische Bibelhandschrift angenommen, von der bis vor kurzem nur die beiden ersten Bände mit Texten aus dem Alten Testament, die bei der Aufhebung Ranshofens nach München kamen (Clm. 23039, Clm. 12601), bekannt waren. Erst im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zur Reichersberger Chorherrenausstellung von 1984 fand Kurt Holter heraus, dass sich der dazugehörige dritte Teil mit dem Psalter und den Schriften des Neuen Testaments ebenfalls in Oxford befindet (Canon. Bibi. Lat. 76). Jeder der drei Bände ist mit verschieden gestalteten Federzeichnungs- oder Deckfarbeninitialen ausgeschmückt. Leider wurden einzelne von ihnen durch nachträgliche Übermalungen entstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den zahlreichen übrigen Ranshofener Handschriften des hohen Mittelalters (mit Werken der Kirchenväter Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor dem Großen, ferner Schriften des Kirchenlehrers Isidor von Sevilla, der Symbolisten Rupert von Deutz, Hugo von St. Victor und Bernhard von Clairvaux sowie des der Frühscholastik nahestehenden Honorius Augustodunensis) hat Elisabeth Klemm die der Bayerischen Staatsbibliothek gehörenden eingehend untersucht und genau beschrieben. Für eine Reihe von ihnen nimmt sie mit Sicherheit eine Entstehung in Ranshofen an (Clm. 12608, Clm. 12613-12616, Clm. 12631, Clm. 12633, Clm. 12641 und Clm. 23603), für andere gilt ihr das zumindest als wahrscheinlich. So lässt dies auf den Bestand eines Skriptoriums seit der Einrichtung des Regularkanonikerstiftes schließen, in dem die meisten der weniger anspruchsvollen Gebrauchshandschriften hergestellt worden sein dürften. Nur für besonders repräsentative Kodizes scheint man auf qualitativ leistungsfähigere Werkstätten zurückgegriffen zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Hinweis auf den frühen Verlust von Büchern erhalten wir aus einem Bericht der &amp;quot;Mattseer Annalen&amp;quot; über einen Überfall von Kriegsleuten des Passauer Bischofs auf Ranshofen, der dort zwar zum Jahr 1250 überliefert wird, höchstwahrscheinlich aber auf das Jahr 1242 anzusetzen ist. Damals sei das Kloster geplündert und die Pfarrkirche St. Michael in Brand gesteckt worden. Missalien und Bücher, welche der schulischen Unterweisung gedient haben, seien dabei zugrunde gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen freilich nur unvollständigen Überblick über den alten Ranshofener Bücherschatz vermittelt ein um die Mitte des 14. Jahrhunderts geschriebenes Fragment eines Bibliothekskatalogs, der nachträglich in einen Kodex mit der &amp;quot;Legenda aurea&amp;quot; des Jacobus de Voragine eingebunden worden ist (Clm. 12643, fol. 356). Die verzeichneten Handschriften sind in zwei Gruppen aufgegliedert. Zuerst wird eine Reihe von 89 Kodizes aufgezählt, von denen es heißt, sie würden oberhalb der Sakristei des Prälaten aufbewahrt, womit ein Hinweis auf die Lage der Bibliothek während des Mittelalters gegeben erscheint. Die zweite Gruppe wird als in einem langen Kasten befindlich beschrieben. Hier bricht die Reihe allerdings mitten im 21. Titel ab. Das folgende Blatt mit der Fortsetzung ist verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das bedeutendste Denkmal humanistischen Geistes, welches Ranshofen hervorgebracht hat, war wohl das über Anregung des Propstes Kaspar Türndl bereits 1517 hier begonnene &amp;quot;Chronikon Ranshofense&amp;quot; des bayerischen Historikers Aventin. Aventin selbst kennzeichnet seinen Versuch einer auf die Quellen zurückgehenden Geschichtsdarstellung im Sinne seines Lehrers Konrad Celtis in der Vorrede durch den Hinweis auf sein Studium der alten Urkunden, des Traditionsbuches und der Kodizes der Stiftsbibliothek. Dass seine Ergebnisse einer kritischen Überprüfung nicht immer standhalten, steht außer Frage. Dennoch war seine Arbeit maßgeblich für alle späteren Darstellungen der Geschichte Ranshofens. Eine Handschrift des Werkes gelangte nach der Aufhebung des Klosters in das OÖ. Landesarchiv nach Linz, eine weitere Abschrift als Geschenk des letzten Stiftsdechants Pankraz Hauser nach Reichersberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die humanistische Gesinnung von Propst Augustin I. Münich bezeugt die Widmungsschrift an den Propst zu den in Sophonias Pämingers &amp;quot;Poematum libri duo&amp;quot; von 1557 veröffentlichten Elegien seines Bruders Balthasar Päminger. Den reformatorischen Tendenzen der Zeit entsprechend nimmt es nicht wunder, wenn im Bericht der Passauer Diözesanvisitationskommission von 1559/60 am Büchervorrat Kritik geübt wird. Zwar fand man in der &amp;quot;Liberei&amp;quot; viele &amp;quot;guete katholische Authores&amp;quot;; aber in einem Stüblein wurden neben unverdächtigen Büchern auch elf Schriften mit protestantischem Inhalt entdeckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit dem Neubau des Konventgebäudes unter den Pröpsten Philipp Vetterl und Simon Meier Mitte des 17. Jahrhunderts wurde ein neuer Bibliotheksraum im Südtrakt des Klosters eingerichtet. Der Ranshofener Stiftsdechant Hieronymus Mayr verfasste damals sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot;, ein zweibändiges Geschichtswerk über Ranshofen. Der erste Band ist in vier Teile gegliedert. Enthalten sind Angaben über den hl. Pankraz, über Gründer und Wohltäter von Kirche und Kloster, über die Lebensweise der Chorherren, aber auch Verzeichnisse der Konventsmitglieder aus älterer und jüngerer Zeit. Der abschließende vierte Teil bringt eine nach den Pröpsten geordnete Stiftsgeschichte bis 1634. Die Titelseite zeigt in Form einer Federzeichnung das Aussehen des Klosters nach der Erneuerung. Dieser Band ist heute im Besitz des OÖ. Landesarchivs. Die Fortsetzung dazu über die Jahre von 1635 bis 1665 befindet sich in der Bibliothek des [[Stift St. Florian|Chorherrenstiftes St. Florian]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Quelle für unsere Kenntnis der Ranshofener Bibliotheksgeschichte während des ausgehenden 17. Jahrhunderts ist ein &amp;quot;Inventarium der geistlichen Sachen des Stiftes Ranshofen&amp;quot;, das Propst Benno Meier anlässlich seiner Resignation 1687 anfertigen ließ. Es enthält neben Inventaraufschreibungen und zwei Namenskatalogen der Ranshofener Chorherren vor allem eine katalogartige Liste sämtlicher unter seiner Herrschaft angekauften Druckwerke (&amp;quot;Libri comparati&amp;quot;). Einige der genannten Bücher befinden sich heute in der Braunauer Studienbibliothek. Ranshofener Herkunft ist wohl auch für den dort ebenfalls vorhandenen Bericht über die Ranshofener 800-Jahr-Feier von 1699 (&amp;quot;Saeculum octavum&amp;quot;, Augsburg 1702) vorauszusetzen. Nach der Widmung an Propst Ivo Kurzbauer werden im ersten Teil die Texte der Predigten, die während des &amp;quot;Acht-tägigen hoch-feyerlichen Jubel-Festes&amp;quot; von verschiedenen Kanzelrednern gehalten wurden, abgedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte== &lt;br /&gt;
===Baugeschichte=== &lt;br /&gt;
Der älteste Kirchenbau in Ranshofen war die zwischen 896 und 898 durch Kaiser Arnulf errichtete und dem hl. Pankraz geweihte karolingische Pfalzkapelle. Eine in der älteren Forschung diskutierte noch frühere Marienkapelle ist quellenmäßig nicht zu belegen. Diese Pfalzkapelle wurde dann mehr als zwei Jahrhunderte später zur ersten Klosterkirche des Augustiner-Chorherrenstiftes umgewandelt. Bei seiner Einrichtung überließ der damals hier herrschende Bayernherzog den Regularkanonikern seine Kapelle für den Gottesdienst. Als Seelsorgekirche wurde daneben eine dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche gebaut. Leider ist von der alten Pfalzkapelle - ebenso wie von der Königs- beziehungsweise Herzogspfalz, zu der sie gehört hat - kaum mehr etwas erhalten geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grabungen, die der um die Archäologie der Umgebung von Braunau bemühte Maler Hugo von Preen zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Auftrag der k.u.k. Zentralkommission durchführte, blieben ohne nennenswerte Ergebnisse. Nur in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Stiftskirche stieß er auf Reste alter Grundmauern, die man mit der Pfalz in Verbindung bringen konnte. Im Zusammenhang mit einer Nachricht aus den „Mattseer Annalen&amp;quot; über die Zerstörung Ranshofens zum Jahr 1242, aus der hervorgeht, dass die Pfalz damals zwischen dem Kloster und der Pfarrkirche St. Michael gestanden war, hat Schiffmann dann aufgrund dieser Grabungen die Hypothese abgeleitet, die Pfalz sei westlich von der Pfalzkapelle, etwa an der Stelle, wo das Hauptschiff und der Turm der heutigen Kirche stehen, gelegen gewesen. Die Pfalzkapelle selbst aber - damals noch nicht größer als das jetzige Presbyterium - habe den Ostabschluss des Pfalzgebäudes gebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Neubau des Chorherrenklosters oder eine Erweiterung des vorher ja schon anzunehmenden Säkularkanonikerstiftes nach 1125 ist naheliegend. Höchst fragwürdig erscheint allerdings eine Kirchweihnotiz für das Kloster und den &amp;quot;Pankrazaltar&amp;quot; (&amp;quot;monasterium et altare s. Pancratii&amp;quot;) von 1135. Sie nennt nämlich neben dem weihenden Bischof Reginbert von Passau den Kaiser Heinrich II., eine Reihe von Bischöfen und einen Herzog Heinrich von Bayern und Sachsen als Anwesende. Reginbert wurde allerdings erst 1138 Passauer Bischof (sein Vorgänger hieß Reginmar) und der Kaiser und die übrigen Bischöfe scheinen aus der verfälschten Urkunde Kaiser Heinrichs III. von 1040 übernommen zu sein. Nur Herzog Heinrich X. (der Stolze) von Bayern, der allerdings auch erst 1137 zusätzlich mit Sachsen belehnt worden war, käme als &amp;quot;Zeitzeuge&amp;quot; in Betracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach schweren Schäden, die Kirche und Kloster bei den kriegerischen Überfällen von 1242, 1250 und 1266 erlitten hatten, wurden beide wiederhergestellt und schließlich 1283 durch den Regensburger Bischof Heinrich neu eingeweiht. Die kunstgeschichtliche Forschung vermutet für die Kirche einen Bau im Stil der frühen Gotik. Reste von zwei säulentragenden Steinlöwen und drei Medaillonbilder an der südlichen Außenmauer des Chores, die stilistisch zu dieser Bauperiode gehören, lassen jedenfalls erkennen, dass beim spätgotischen Kirchenbau zu Beginn des 16. Jahrhunderts zumindest ein Teil des Mauerwerks übernommen wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1337 stiftete der Braunauer Bürger Ulrich Schön eine Friedhofskapelle (Karner), die dem Hl. Geist und dem hl. Oswald geweiht wurde. Sie ist als achteckiger Tuffsteinbau mit spitzbogigem Portal und drei Fenstern erhalten geblieben. Im Inneren enden die von verschieden gestalteten Konsolen ausgehenden Rippen in einem Schlussstein mit großer Rose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Seelsorgekirche wurde 1474 von Propst Wolfgang der Grundstein zu einem gotischen Neubau gelegt. Auf den ältesten erhaltenen Abbildungen ist ihr Turm noch mit einem spitzzulaufenden Helm gedeckt. Als ältestes Element des Um- bzw. Neubaus der Stiftskirche ist die unter Propst Blasius Rosenstingl (1494-1504) neu gestaltete Marienkapelle (&amp;quot;Rosenkranzkapelle&amp;quot;) anzusehen, die später - als ostseitiger Abschluss des nördlichen Seitenschiffs - in die Konstruktion der Kirche einbezogen wurde. Von diesem unter Propst Kaspar Türndl (1504-15 26) errichteten spätgotischen Bau ist freilich heute kaum mehr etwas zu erkennen, wenn man von der schlichten Außenerscheinung mit den glatt geputzten Wänden, dem Tuffsockel und den dreifach gestuften Stützmauern des Langhauses absieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Inneren ist die gotische Baukonstruktion fast zur Gänze durch die Umformungen der Barockzeit verdeckt. Nur das einfache Kreuzrippengewölbe des oberen Konventchores oberhalb der Sakristei ist vom Kirchenschiff aus noch sichtbar. Im Hinblick auf die der gleichen Bauperiode angehörenden Bauten der Ranshofener Filialkirchen in Neukirchen/Enknach und Hochburg, vor allem aber der Bürgerspitalskirche in der nahen Stadt Braunau, die als inkorporierte Pfarre ja ebenfalls an das Stift gebunden war, spricht Brucher in seiner Darstellung der &amp;quot;Gotik in Österreich&amp;quot; von einer Innviertler Bautengruppe, die nachhaltig im künstlerischen Ausstrahlungsbereich des Hans von Burghausen stand. Eine Nähe solcher Tendenzen wird man für die Stiftskirche selbst zumindest hypothetisch voraussetzen dürfen, auch wenn der Nachweis dafür nur schwer zu erbringen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild der baulichen Entwicklung Ranshofens ist in den folgenden Jahren von der Barockisierung geprägt, die in mehreren Phasen vor allem dem Innenraum der Stiftskirche ein völlig neues Aussehen verlieh. Die ersten Ansätze dazu sind schon für die Zeit von Propst Hilarius Steyrer (1610-1620) überliefert. Zu großen Veränderungen kam es unter seinem Nachfolger, Propst Philipp Vetterl (1620-1634). 1621 war der Turm der Stiftskirche eingestürzt. In der Folge ließ der Propst - er wird in der Grabinschrift als &amp;quot;architectus insignis&amp;quot; gerühmt - einen neuen bauen, der allerdings weiter nach Westen verlagert wurde, da man zwischen Turm und Kirchenschiff eine halbrunde Westkonche einschob. Diese diente der Errichtung einer Musikempore, auf der eine damals neu angeschaffte Orgel aufgestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1624 begann Propst Philipp auch noch mit der Erneuerung des Stiftsgebäudes, wofür er aus Italien Maurer berief (&amp;quot;ex Italia murarios conducens&amp;quot;). Im Stadium seines vollen Ausbaus, wie es Ansichten aus der Zeit nach 1700 sichtbar machen, bestand das Kloster mit seinen Nebengebäuden aus drei in Nord-Süd-Richtung aneinander anschließenden Gevierten: dem Konventgebäude mit der Prälatur, der Dekanei und der Bibliothek, einem verbindenden Zwischengebäude und dem Meierhof mit dem Bräuhaus. Nach Osten zu waren verschiedene Gärten angelegt (der Blumengarten, der Konventgarten, der Baumgarten und der sogenannte &amp;quot;Kuchelgarten&amp;quot;). Das Ganze wurde von einer Einfriedungsmauer mit einem Torturm umschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1650 standen davon nur der unter Propst Philipp erbaute Konventtrakt und der Meierhof, den Propst Philipps Nachfolger, Propst Simon Meier (1634-1665), neu errichten ließ. Als Baumeister hat Martin dafür einen Bartolomeo Viscardi ausfindig gemacht, der sich in einem Kommissionsprotokoll der Jesuitenkirche in Burghausen als &amp;quot;Stift Ranshofenscher Baumeister&amp;quot; bezeichnet. Schon vorher nannte Schiffmann einen Kaspar Regeton, der 1624/25 auch am Stiftsneubau in Reichersberg beteiligt war. Ulm hat ihn als einen Kaspar Righettoni aus Castenada im Misoxtal in Graubünden identifiziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verbindungstrakt zwischen Konventgebäude und Meierhof entstand erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts, ebenso ein westlich von der Stiftskirche ausgeführter Gasttrakt. Die umfangreichsten Veränderungen an der Stiftskirche wurden unter Propst Ivo Kurzbauer (1687-1715) im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 vorgenommen. Abgesehen von der großzügig erneuerten Innenausstattung kam es zu zahlreichen Eingriffen in die Bausubstanz der Kirche, die alle dem Zweck dienen sollten, den Innenraum in Einklang mit dem barocken Gesamtbild zu bringen. Dazu gehörten vor allem eine Erweiterung der Fensterflächen, das Abtragen einiger Pfeiler, die von außen das Kircheninnere verfinsterten, und schließlich im Chor die Konstruktion einer in den Dachraum hineinragenden Kuppel, um so dem neuen Hochaltar eine entsprechende Höhenausdehnung zu ermöglichen. Propst Ivo begann auch noch mit dem Bau eines neuen Turmes mit barockem Helm für die Pfarrkirche [[St. Michael]], der unter seinem Nachfolger, Propst Augustin II., nach 1715 fertiggestellt wurde. 1799 wurde diese Kirche jedoch zur Gänze abgetragen. Das dabei freigewordene Material verwendete man zum Ausbau der Festung Braunau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert wurden nach der Aufhebung und der damit verbundenen Profanierung des Stiftes der nördliche und der östliche Teil des Konventgebäudes abgetragen. 1859 brannte der Turm der ehemaligen Stiftskirche aus, wobei die Barockorgel völlig zerstört wurde. Die spitze Helmform, welche der Turm beim Wiederaufbau erhielt, könnte als unbeholfener Versuch einer Regotisierung gemeint gewesen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bildende Kunst=== &lt;br /&gt;
Abgesehen von den kunstgeschichtlich wertvollen romanischen Handschriften sind nur ganz wenige mittelalterliche Denkmäler der bildenden Kunst aus Ranshofen erhalten geblieben. Zu nennen sind hier zunächst jene drei Medaillonbilder im sogenannten &amp;quot;Rollgang&amp;quot; an der südlichen Außenmauer des Chores der ehemaligen Stiftskirche vom Beginn des 14. Jahrhunderts. Sie wurden in der älteren Literatur als Apostelköpfe gedeutet, zuletzt wurde auch erwogen, ob man sie nicht mit einer Notiz Aventins in Zusammenhang bringen könnte, nach der die Bischöfe Reginbert von Passau und Heinrich von Regensburg auf Fresken dargestellt waren. Dem gleichen Zeitabschnitt sind stilistisch jene zwei säulentragenden Portallöwen aus Ranshofen zuzuordnen, die heute die Besuchergarderobe im Braunauer Bezirksmuseum behüten. In der Stiftskirche selbst ist noch die schön gestaltete gotische Grabplatte des Propstes Blasius Rosenstingl, die dem Salzburger Bildhauer Hans Valkenauer zugeschrieben wird, zu sehen. Rosenstingls Verehrung der Gottesmutter - er hat ja auch den Neubau der Marienkapelle durchgeführt - findet darauf in einer Darstellung der hl. Maria, die von zwei musizierenden Engeln begleitet wird, beredten Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Umkreis der Ranshofener Filialkirchen wären noch zwei qualitativ hervorragende Holzreliefs mit Darstellungen des Marientodes in Hochburg (um 1490) und in Neukirchen/Enknach (um 1510) hervorzuheben sowie eine Monstranz aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert, die der heutigen Pfarrkirche in Handenberg gehört, ferner der &amp;quot;Bäckeraltar&amp;quot; in der Braunauer Stadtpfarrkirche. Obwohl für die Zeit des beginnenden Barock mehrfach über Altarerneuerungen in Ranshofen berichtet wird, ist kaum etwas namhaft zu machen, was aus dieser Periode an kunstgeschichtlich Bedeutsamem erhalten wäre. In jüngerer Zeit hat allerdings Lipp die Herkunft einer im Braunauer Bezirksmuseum aufgestellten Holzplastik aus Ranshofen aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts von einem Ranshofener Altarwerk zur Diskussion gestellt. Diese wollte man aufgrund der Krone und der Reichsinsignien früher als eine Darstellung des Kaisers Arnulf ansehen. Lipp deutete sie als den heilig gesprochenen Kaiser Heinrich II., der ja im klostereigenen Geschichtsverständnis einen besonderen Stellenwert einnahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhänge mit einem Altarwerk der Stiftskirche werden auch für Holzplastiken des hl. Pankratius und vier Engelfiguren aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts vermutet, die heute als Aufsatzfiguren der Orgel dienen. Zwei herausragende Stücke kunstgewerblicher Arbeit sind schließlich noch die Monstranz und der Kelch, welche 1682 durch Propst Benno Meier bei dem Augsburger Goldschmied Georg Reischle in Auftrag gegeben wurden. Beide Geräte sind aus Silber gefertigt, teilweise vergoldet und mit Halbedelsteinen geschmückt. Zahlreiche Emailmedaillons mit Szenen aus dem Leben Christi gehören zur künstlerischen Ausstattung des Ensembles. Dazu kommen weitere Medaillons mit Grisaillebildern der Rosenkranzgeheimnisse, welche das herzförmige Fenster der Monstranz einrahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erscheinungsbild, das heute den Besucher der ehemaligen Stiftskirche in Ranshofen empfängt, ist geprägt von der großzügigen Umgestaltung, welche das Innere im Hinblick auf die 800-Jahr-Feier von 1699 erfahren hat. Dies gilt sowohl von den damals neu aufgestellten Altären als auch von den Deckenfresken im Haupt- und im nördlichen Seitenschiff. Die Bilder des monumental wirkenden Hochaltars, die Enthauptung des hl. Pankraz und darüber (als Aufsatzbild) die hl. Dreifaltigkeit darstellend, stammen von dem in Braunau geborenen bayerischen Hofmaler Johann Kaspar Sing. Sie werden von einem Aufbau aus gewundenen Säulen, Akanthusranken und einer Reihe von Heiligenfiguren eingerahmt, der dem Braunauer Bildhauer Sebastian Hagenauer zugeschrieben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein genaueres Hinsehen verdient die Deckengestaltung mit der Stukkaturverzierung und den beiden Freskenzyklen zur Pankrazvita (im Chor und im Hauptschiff) und zum Marienleben (im nördlichen Seitenschiff). Das Besondere daran sind eine Fülle kleiner Emblembilder, die um die erzählenden Hauptbilder herum gruppiert sind und das dort dargestellte Geschehen kommentieren bzw. erläutern, eine Darstellungsform, die sich im Hochbarock einer gewissen Beliebtheit erfreute und der zahlreiche Handbücher gewidmet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Reihe der Pankrazbilder etwa beginnt im Chorraum über dem Hochaltar mit einem Mittelbild, das die Unterweisung des jungen Pankraz durch den Papst zeigt. In zwei kleineren, flankierenden Seitenbildern wird die Landung des aus Phrygien stammenden Jünglings mit seiner Begleitung in Ostia bzw. der Empfang der Reisegruppe am Tor des päpstlichen Palastes geschildert. Die dazugehörenden Emblembilder zeigen eine Uhr, eine Sonnenblume, eine Feuerwerksrakete und eine Nachteule. Die Uhr, deren im Gehäuse verborgenes Werk die Zeiger treibt, symbolisiert die geheime Kraft, die den jungen Pankraz auf seine Reise trieb. Die Sonnenblume, die sich sogar der hinter Wolken versteckten Sonne zuwendet, verweist auf den Weg zum Glauben, den er auch durch Hindernisse unbeirrt geht. Die brennend zum Himmel aufsteigende Feuerwerksrakete ist ein Bild für den Feuereifer, mit dem der junge Mann seinen Weg zu Gott sucht. Die Nachteule schließlich, die von der aufgehenden Sonne vertrieben wird, zeigt seine Erleuchtung durch den päpstlichen Religionsunterricht an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer dieses komplizierte Bildprogramm entworfen hat, wissen wir nicht. Am ehesten ist an Propst Ivo Kurzbauer selbst zu denken. Die Ausführung der Bilder schreibt Martin in der Kunsttopographie des Bezirkes Braunau aufgrund einer Eintragung in den Ehematriken der Ranshofener Kirche dem Laienbruder Christof Lehrl aus dem bayerischen [[Chorherrenstift Högelwörth]] zu. Lehrl wird dort zusammen mit zwei Stukkateuren als Trauzeuge bei der Hochzeit des Malers Josef Pöckl aus Teisendorf, der später in Uttendorf ansässig war, genannt. Dass dieser Pöckl auch an den Fresken mitgemalt haben dürfte, ist Martin entgangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Signatur &amp;quot;I.P.&amp;quot; bei einem der Fresken des Seitenschiffs könnte aber mit &amp;quot;Iosephus Pöckl&amp;quot; aufzulösen sein. Dieses Monogramm findet sich übrigens auch bei einem der &amp;quot;Autorenbilder&amp;quot;, mit denen zur gleichen Zeit die Decke der Bibliothek im Konventtrakt ausgeschmückt wurde, wieder. Unter Propst Augustin II. Pariser wurde um 1730 die Rosenkranzkapelle mit Fresken ausgeschmückt, in den letzten Jahrzehnten des Bestehens des Chorherrenstiftes ist dann noch die Ausgestaltung von Teilen des Prälatentraktes mit Stuckverzierung von Johann Baptist Modler aus Kößlarn hervorzuheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Musikpflege==&lt;br /&gt;
Die einzige zur Gänze erhaltene mittelalterliche Musikhandschrift aus dem Chorherrenstift Ranshofen ist ein &amp;quot;Breviarium sive ordo&amp;quot; genannter Kodex des 13. Jahrhunderts in München (Bayerische Staatsbibliothek, Clm. 12635 B). Sie verzeichnet und erläutert die Reihenfolge der Gesänge für das Stundengebet und die Messe für die einzelnen Festtage im Verlauf des Kirchenjahres. Als Vorlage des Ranshofener Kodex ist ein &amp;quot;Ordinarium&amp;quot; des Salzburger Domstiftes aus dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts anzusehen (Universitätsbibliothek Salzburg, Cod. M II 6). Über weite Strecken textgleich mit der Ranshofener Handschrift ist außerdem der Vorauer Cod. 99, der ebenfalls dem 13. Jahrhundert angehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonderes Interesse seitens der Wissenschaft fand in diesen miteinander verwandten Handschriften die Aufzeichnung der &amp;quot;Visitatio sepulcri&amp;quot;, eines gesungenen geistlichen Spiels innerhalb der Osternachtsliturgie, in dem der Besuch der Frauen am Grabe Jesu, ihre Botschaft an Petrus und Johannes und deren Wettlauf zum leeren Grab in einer sehr zeremoniösen Weise dargestellt werden. Den Schluss bildet das vom Volk gesungene deutschsprachige Osterlied &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man sieht in dieser sogenannten &amp;quot;Liturgischen Osterfeier&amp;quot; eine wesentliche Wurzel für die Entwicklung des mittelalterlichen Dramas. Aus inzwischen verlorengegangenen mittelalterlichen Liturgiebüchern hat schließlich noch im 17. Jahrhundert Hieronymus Mayr die Texte einer Sequenz (&amp;quot;Ante thronum majestatis&amp;quot;) und eines spätmittelalterlichen Reimoffiziums zum Pankrazfest in sein &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; kopiert. Schon für diesen Zeitraum ist eine intensive Musikpflege innerhalb der Stiftsschule vorauszusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der musikalischen Theorie, die im Rahmen der Unterweisung aus den &amp;quot;Sieben freien Künsten&amp;quot; vermittelt wurde, erfuhren die Klosterschüler eine gründliche Schulung in der Praxis des Singens, sodass sie beim Gottesdienst die Chorherren unter stützen, manchmal sogar vertreten konnten. Seit dem 16. Jahrhundert lassen sich dann auch für die Musikpflege in Ranshofen Erscheinungen beobachten, die mit der Ausbreitung der humanistischen Bewegung in Zusammenhang stehen. So traten in der Klosterschule an die Stelle des geistlichen &amp;quot;Scholasticus&amp;quot; weltliche Lehrer, die zusammen mit ihren Schülern auch in der Kirche sangen, wobei die mehrstimmigen Musikformen der Renaissance rasch in das Repertoire eindrangen. Die Wurzeln dafür kann man bis in die Regierungszeit des Propstes Kaspar Türndl zu rückverfolgen. Er ließ für die „Präbendisten&amp;quot; - die auf Kosten des Stiftes ausgebildeten Sängerknaben - eine eigene Unterkunft erbauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger, Propst Augustin Münich, wirkte hier vor 1550 ein Magister Johann Kappenstill als Lehrer, der später als Stadtschreiber in Passau im Umkreis des dortigen Humanismus große Wertschätzung genoss und zum Freundeskreis um Leonhard Päminger gehört hat. Seinem Nachfolger, Magister Stephan Vokenrieder, hat Päminger sogar zwei Spruchmotetten gewidmet, die später in die gedruckte Ausgabe der Pämingerschen &amp;quot;Cantiones ecclesiaticae&amp;quot; aufgenommen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein umfassendes Bild der schulischen Verhältnisse in Ranshofen um die Mitte des 16. Jahrhunderts vermittelt das Passauer Visitationsprotokoll von 1559/60. Der &amp;quot;cantor&amp;quot; hielt sich zur Zeit der Kirchenvisitation überhaupt von den Musikaufführungen fern (singt nicht zu Chor). Mit den Schülern, welche er unterrichtete, sang er jedoch regelmäßig vor Beginn des Unterrichts das &amp;quot;Veni, sancte Spiritus&amp;quot; und das &amp;quot;Veni creator&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den &amp;quot;scholasticus&amp;quot; erfahren wir, dass er mit den Schülern eine &amp;quot;Comoedia de coena Domini&amp;quot; (&amp;quot;Spiel vom Herrenmahl&amp;quot;) aufgeführt habe: ein Hinweis auf die Pflege des Schultheaters in Ranshofen. Die Größe der Stiftsschule wird daran erkennbar, dass neben dem Schulmeister und dem Kantor noch ein Magister Thomas Winter genannt wird. Er wird als &amp;quot;ludirector&amp;quot; bezeichnet, hatte also wohl neben dem Schuldienst auch noch die Leitung der Kirchenmusik zu versehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Musikrepertoire sind wir leider nur sehr bruchstückhaft informiert. Vorauszusetzen ist die fortlaufende Pflege des Gregorianischen Chorals. Daneben werden verschiedene protestantische Gemeindelieder genannt, die zunächst wohl einstimmig, fallweise vermutlich von der Schulkantorei in mehrstimmigen Sätzen gesungen wurden, in denen sie schon sehr früh Verbreitung gefunden hatten. Gewiss sang man daneben aber auch mehrstimmige lateinische Messkompositionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Orgel hat es damals hier ebenfalls schon gegeben, denn im Visitationsbericht wird bereits ein Organist unter den Klosterdienern aufgezählt. Die noch in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts einsetzende Gegenreformation beginnt dann das Erscheinungsbild des Schulwesens und der Musikpflege alsbald zu verändern. In einer staatlichen Schulordnung von 1569 wurde für die Lateinschulen wieder das Singen der alten Choralweisen vorgeschrieben. Die gefälschten Psalmen und Lieder - gemeint sind die protestantischen Kirchenlieder - wurden aus Kirche und Schule verbannt. Ein Zeugnis dieser vorerst nur zögernd einsetzenden Entwicklung ist für Ranshofen der Visitationsbericht des römischen Kurienkardinals &amp;quot;Commendone&amp;quot; aus dem Jahre 1569. Nach ihm unterrichteten damals immer noch drei Lehrer etwa achtzig Schüler aus Grammatik und Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chorherren sangen das Offizium schön und mit Andacht auf dem alten Konventchor oberhalb der Sakristei. Während der Woche wurde die Messe nur gelesen. An Sonn- und Feiertagen jedoch sangen sie die Chorknaben in der Pfarrkirche St. Michael. Eine weitere wichtige Umstellung des Schulwesens erfolgte zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Nach dem Vorbild der Jesuitengymnasien übernahm jetzt wieder ein Geistlicher die Leitung der Schule und das Amt des &amp;quot;regens chori&amp;quot;. Weltliche Lehrer sind fortan nur noch in untergeordneter Stellung anzutreffen. Der erste geistliche Chorregent in Ranshofen, den wir dem Namen nach kennen, ist der spätere Propst Philipp Vetterl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; berichtet von argen Missständen, die damals im Kloster geherrscht hätten. So habe Frater Philippus das Offizium, besonders die abendliche Vesper, häufig mit den Chorknaben allein gesungen, während sich die übrigen Stiftsangehörigen in Wirtshäusern und Spelunken herumgetrieben hätten. Nach seiner Wahl zum Propst begann er jedoch zielstrebig das Kloster zu erneuern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1622 wurde auf der neugebauten Musikempore der Stiftskirche eine neue Orgel aufgestellt. Noch die Grabinschrift des Propstes rühmt das Werk wegen der Größe der Pfeifen und der Lieblichkeit seines Klanges. Um die Mitte des 17. Jahrhund erts wirkte [[Sebastian Widerstain]] als Stiftsorganist in Ranshofen. Nach einem Musikalienkatalog des Münchener Buchhändlers Paul Parsdorffer gab er eine Sammlung von &amp;quot;Miserere&amp;quot; für vier bis acht Singstimmen, zwei Violinen und Orgel im Druck heraus, denen noch eine &amp;quot;Lauretanische Litanei&amp;quot; hinzugefügt ist. Die Besetzung der leider nirgends erhaltenen Sammlung Widerstains zeigt, dass damals bereits Musikformen des Frühbarock mit selbständig geführten instrumentalen Begleitstimmen im Raum Ranshofen verbreitet waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1699 wurde zum 800-Jahr-Fest des Bestehens der Pankrazkapelle im oberen Konventchor eine kleine Chororgel aufgeste llt. Das musikalische Programm der Gottesdienste, die im Verlauf der eine Woche dauernden Festlichkeiten stattfanden, ist leider nicht im Detail überliefert. Von Biber ist in Kremsmünster die Abschrift einer &amp;quot;Missa Sti. Henrici&amp;quot; erhalten. Es ist nicht auszuschließen, dass sie in diesem Zusammenhang von Ranshofen in Auftrag gegeben worden ist, verehrte man doch damals den heiligen Kaiser Heinrich II. - wenn auch nur irrtümlich - als einen der Gründer des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Vierteljahrhundert später begegnet in [[Wilhelm Ganspeckh]] (1687-1770) der erste und gleichzeitig einzige Ranshofener Chorherr, der nachweisbar auch als Komponist tätig gewesen ist. Der Vater und zwei seiner Brüder waren unter Kurfürst Max Emanuel Musiker an der Bayerischen Hofmusikkapelle. Nach seinen Studien und der Priesterweihe war er lange Zeit Chorregent im Kloster. Von seinen musikalischen Werken ist einzelnes erhalten geblieben, vor allem ein Druck mit acht Messen und einem Requiem, der 1724 unter dem Titel &amp;quot;Octiduum sacrum&amp;quot; erschienen ist. Als zweiter Teil sind noch zwölf Offertorien angehängt. Die Messen sind nach den Altarheiligen der Stiftskirche benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Sekundiz des letzten Ranshofener Propstes Johann Nepomuk Kierl wurde 1805 noch eine eigens dafür komponierte Kantate (&amp;quot;Heut möge jede Brust das mächtige Gefühl der Freude schwellen&amp;quot;) eines unbekannten Komponisten aufgeführt, deren Partitur erhalten ist. Sie ist das letzte Zeugnis der Musikpflege im Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien== &lt;br /&gt;
Das Ranshofener Stiftsarchiv enthielt seinerzeit eine große Zahl von Originalurkunden, dazu mehrere Kopialbücher, andere Handschriften und sonstige Akten. Das meiste davon kam bei der Aufhebung 1811 nach München in das jetzige Bayerische Hauptstaatsarchiv. Kleinere Aktenbestände befanden sich außerdem im Staatsarchiv in Landshut, wurden von dort aber in der Zwischenzeit ebenfalls an das Hauptstaatsarchiv in München abgegeben. Nur weniges ist im Ranshofener Pfarrhof zurückgeblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die älteste erhaltene Urkunde ist die von Kaiser Arnulf über die „Verleihung&amp;quot; der Pfalzkapelle an den Priester Ellimprecht (Bayr. HStA München, Kaiserselekt 87 = Ranshofen Urk. 1) aus dem Jahr 898. Sie muss seit der Karolingerzeit durchgehend an der Pankrazkirche aufbewahrt worden sein. Im Bayerischen Hauptstaatsarchiv befindet sich auch die Urkunde Herzog Heinrichs IX. von 1125, der sogenannte „Stiftbrief&amp;quot; des Augustiner-Chorherrenklosters (Ranshofen Urk. 2), neben weiteren Königs- und Herzogsurkunden. Auch päpstliche Privilegien für Ranshofen liegen dort auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Handschriften des Archivs ist jene des alten Traditionskodex seit der Aufhebung des Klosters leider verschollen. Die einzige auf das Originalmanuskript zurückgehende Textedition ist die der &amp;quot;Monumenta Boica&amp;quot; von 1764. Diese Textform wurde dann 1852 im ersten Band des Urkundenbuches des Landes ob der Enns neuerlich abgedruckt. Etwa gleichzeitig fand der St. Florianer Chorherr [[Jodok Stülz]] im &amp;quot;Antiquarium Ranshovianum&amp;quot; des Hieronymus Mayr eine große Zahl von Traditionen, die Mayr um 1650 aus dem Traditionskodex kopiert hatte. Ein Reihe von weiteren Notizen sind darin in regestenartiger Form wiedergegeben. Diese Überlieferung wertete Konrad Schiffmann 1905 in einer Neuedition aus und erläuterte seine daraus abgeleiteten Erkenntnisse in einer ausführlichen Einleitung. Zum einen kann man nämlich aus dem Vergleich der verschiedenen Überlieferungen erkennen, dass im Monumenta-Boica-Text eine Reihe von Notizen ausgelassen wurden. Zum anderen lassen sich aus den von Mayr gemachten Angaben über die Folien, auf denen er die einzelnen Traditionen gefunden hatte, wertvolle Hinweise auf die ursprüngliche Zusammensetzung des Kodex gewinnen. Dabei wird deutlich, dass die Handschrift aus mehreren vorerst voneinander unabhängig bestehenden Lagen schließlich zu einem Kodex verbunden wurde. Einzelne Lagen erscheinen hinsichtlich der Chronologie falsch aneinandergereiht. Außerdem begegnen die Notizen der ersten Lage in einem späteren Teil ein zweites Mal, wobei die älteste Lage mit der Notiz über die vom Bayernherzog Welf II. getätigte Schenkung von Besitzungen in Handenberg an die Pankrazkirche und die als zugehörige Filialkirche zu denkende Jakobikapelle in Handenberg (Schiffmann II 1, um 1110) eröffnet worden sein dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den erhalten gebliebenen Handschriften des Archivs ist das &amp;quot;Registrum&amp;quot; des Propstes Konrad I. von 1277/1303 die wichtigste (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Ransh. Lit. 1). Sie enthält neben den beiden - bereits oben im Abschnitt über die wirtschaftliche Entwicklung gestreiften - Urbaren zwei Kopialbücher mit wichtigen Urkundenabschriften. Die vier Teile wurden vermutlich erst im 17. Jahrhundert zu einem Kodex zusammengebund en. Die beiden Kopialbücher enthalten wertvolle Zeugnisse zum Ranshofener Urkundenwesen, darunter Kopien von heute verschollenen Originalurkunden, wie etwa die Abschriften jener beiden Urkundentexte, die als verfälschte Fassungen eines Diploms Kaiser Heinrichs III. für Ranshofen anzusehen sind. Auf fol. 47ff. finden sich Angaben über verschiedene Altarweihen, die Schiffmann im Anhang seiner Ranshofener Baugeschichte publiziert hat (&amp;quot;Die Kirchweih-Chronik von Ranshofen&amp;quot;). Zwei weitere Kopialbücher schrieb am Beginn des 15. Jahrhunderts der Chorherr [[Christian Perger]] aus Eggenfelden (Ransh. Lit. 4 bzw. 3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein von Propst Philipp Vetterl 1623 angelegtes Urkundenbuch befindet sich im Braunauer Stadtpfarrkirchenarchiv. Es enthält zunächst Kopien von Urkunden, die sich auf die Braunauer Stadtpfarre St. Stephan beziehen, im weiteren Verlauf sind auch andere Stiftungen zugunsten des Klosters oder seiner Filialkirchen in den Text aufgenommen. Zum Archivbestand haben wohl auch der Bericht des Propstes Benno Meier über die niederösterreichischen Besitzungen von 1670 und das von ihm angelegte &amp;quot;Inventarium&amp;quot; von 1665/1687 gehört (vgl. oben die Abschnitte &amp;quot;Wirtschaftliche Verhältnisse&amp;quot; und &amp;quot;Bibliothek&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
* Bernhard Bischoff: Die südostdeutschen Schreibschulen der Karolingerzeit. Band 2. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Günter Brucher: Gotische Baukunst in Österreich. Salzburg 1990.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
* Rudolf Guby: Die Kunstdenkmäler des oberösterreichischen Innviertels. Wien 1921.&lt;br /&gt;
* Siegfried Haider: Zum Problem karolingischer Pfalzen in Oberösterreich. In: Baiern, Ungarn und Slawen im Donauraum. Hg. von Willibald Katzinger / Marckhgott, Gerhart. Linz 1991 (Forschungen zur Geschichte der Städte und Märkte Österreichs, 4), S. 11–16.&lt;br /&gt;
* Peter Herde: Ranshofener Urkundenstudien. In: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte 24 (1961), S. 183–228. [http://periodika.digitale-sammlungen.de/zblg/kapitel/zblg24_kap8 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Kurt Holter: Die mittelalterliche Buchkunst der Chorherrenstifte am Inn. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 205–231.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Klemm: Die romanischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München. Teil 1: Die Diözesen Regensburg, Passau und Salzburg. Wiesbaden 1980.&lt;br /&gt;
* Sigrid Krämer: Die Bibliothek von Ranshofen im frühen und hohen Mittelalter. Band 2. In: The Role of Book in Medieval Culture. Hg. von Peter Felix Ganz. Turnhout 1986 (Bibliologia Elementa ad Librorum Studia Pertinantia, 4), S. 41–72.&lt;br /&gt;
* Grete Lesky: Barocke Embleme der Chorherrenkirche in Ranshofen. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 6 (1966), S. 179–219.&lt;br /&gt;
* Wilfried L. Lipp: Das ehemalige Augustiner Chorherrenstift Ranshofen - Ein Beitrag zur Kunstgeschichte. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, 149–160.&lt;br /&gt;
* Walther Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften des deutschen Sprachgebietes. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg N.F. 7 (1971), S. 7–102.&lt;br /&gt;
* Alfred Marks: Oberösterreich in alten Ansichten. Linz 1968.&lt;br /&gt;
* Franz Martin (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Braunau. Wien 1947 (Österreichische Kunsttopographie, 30).&lt;br /&gt;
* August Prenninger: Hinweise zur Bevölkerungsstruktur Ranshofens vom Mittelalter bis zur Bauernbefreiung 1848. In: Rantesdorf 788-1988, 1200 Jahre Ranshofen. Ausstellung vom 28. Mai bis 17. Juli 1988. Hg. von Walter Pilshofer / Rudolf Schmidt. Braunau am Inn 1988, S. 39–44.&lt;br /&gt;
* [[Franz Xaver Pritz]]: Geschichte des aufgelassenen Stiftes der regulirten Chorherren des heiligen Augustin zu Ranshofen in Oberösterreich. In: Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen 17 (1857), S. 327–435. [https://books.google.at/books?id=U5YJAAAAIAAJ&amp;amp;vq=pritz&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA327#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Baugeschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Archiv für die Geschichte der Diözese Linz 5/1 (1908), S. 3–26.&lt;br /&gt;
* Konrad Schiffmann: Die Aufhebung des Stiftes Ranshofen. In: Unterhaltungsbeilage der Linzer Tages-Post, Nr. 42, Jg. 1911 (15. Oktober 1911).&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Ranshofener Stiftsschule im Zeitalter des Humanismus und der Reformation. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 117 (1972), S. 199–212. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_117a_0199-0212.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Musik im Stift Ranshofen. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 120 (1975), S. 67-110 [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_120a_0067-0110.pdf (Digitalisat)]; 121 (1976), S. 179–222. [https://www.zobodat.at/pdf/JOM_121a_0179-0222.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Die Überlieferung der Ranshofener Traditionen. Vorbemerkungen zu einer künftigen Neuedition In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 16 (1990), S. 5–16. [https://www.ooegeschichte.at/fileadmin/media/migrated/bibliografiedb/mooela_16_0005-0016.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Das Ranshofener Evangeliar in Oxford (Manuscript Canonici Bible Latin 60 der Bodleian Library). Ranshofen 2012.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in den jüngeren Teilen des Ranshofener Traditionskodex. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 22 (2011), S. 291–320.&lt;br /&gt;
* Rudolf Wolfgang Schmidt: Probleme der Chronologie und Genealogie in Notizen aus dem ältesten Teil des Ranshofener Traditionskomplex. Zum Erscheinen der Schiffmann-Ausgabe vor 100 Jahren. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 21 (2008), S. 107–142.&lt;br /&gt;
* Hubert Schopf: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen am Inn im Mittelalter 1125–1426. Diss. Univ. Innsbruck. Innsbruck 1985.&lt;br /&gt;
* Max Schrott: Die Conföderationen unserer Stifte. In: In Unum Congregati 5 (1985), S. 123–154.&lt;br /&gt;
* Georg Swarzenski: Die Salzburger Malerei von den ersten Anfängen bis zur Blütezeit des romanischen Stils. Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
* Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 245–294.&lt;br /&gt;
* Margareta Vyoral-Tschapka: Die Klosteranlage des ehemaligen Augustiner Chorherrenstiftes Ranshofen. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege Oberösterreich 160: Festschrift für Georg Heilingsetzer zum 70. Geburtstag (2015), S. 577–616.&lt;br /&gt;
* Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bischofspolitik im 12. Jahrhundert. Köln 1975 (Kölner historische Abhandlungen, 24).&lt;br /&gt;
* Alois Zauner: Königsherzogsgut in Oberösterreich. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs 3 (1954), S. 101–145.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Zur Rechtsgeschichte des Stiftes Ranshofen und seiner Pfarreien. In: 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Hg. von Dietmar Straub. Linz 1984, S. 161–170.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Herzogenburg</title>
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		<updated>2022-07-14T07:48:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Kunst- und Baugeschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1112&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (seit 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Stift St. Georgen, St. Georg in Herzogenburg, Ducumburgensis&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}, Niederösterreich&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.28677, 15.69721&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Georg, ursprünglich wahrscheinlich auch hl. Stephan und hl. Jungfrau Maria&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Fast im geographischen Mittelpunkt von Niederösterreich, gehört Herzogenburg heute zum politischen Bezirk St. Pölten-Land und ist ein eigener Gerichtsbezirk.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
An der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert konnten im unteren Traisental die Passauer Bischöfe ihren pastoralen Einfluss am erfolgreichsten geltend machen. Bischof [[Ulrich I. von Passau]] (1092–1121) stiftete mit der Gründungsurkunde vom 18. August 1112 ein Eigenkloster für Augustiner-Chorherren bei seiner Kirche in St. Georgen. Diese lag am linken Traisenufer, dort, wo damals der Fluss in die Donau mündete. Als seelsorgliches Aufgabengebiet und als Existenzgrundlage übergab der Bischof seinem Kloster St. Georgen die beiden Mutterpfarren Traisenburg und Herzogenburg. Wahrscheinlich sandte er aus dem reformierten [[Stift St. Nikola]] bei Passau oder auch aus dem [[Stift Rottenbuch|Reformstift Rottenbuch]] (Bayern) Chorherren nach St. Georgen an der Traisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Errichtung der Stiftsgebäude in St. Georgen unter dem ersten Propst [[Wisinto I.]] (1112–1117) sind wir leider nicht unterrichtet. In den ersten Jahrzehnten war die Existenz des Klosters einerseits von den Hochwassern der Donau und andererseits von der wirtschaftlichen Schwäche infolge zu geringer Dotierung bedroht.&lt;br /&gt;
Zur Beseitigung dieser Schwierigkeiten wollte nun der Passauer Bischof [[Konrad]] (1148/49–1164), ein Sohn des hl. Leopold, das Kloster St. Georgen mit der noch offenen Stiftung des Walter von Traisen vereinigen und den Konvent nach St. Andrä an der Traisen verlegen. Nach dem Widerstand des Testamentvollstreckers Otto III. von Rechberg-Lengbach, der den Wunsch des Verstorbenen erfüllen wollte und eine eigenständige Gründung anstrebte, bediente sich die Passauer Seite einer gefälschten päpstlichen Bestätigung, nach der der Bischof Propst [[Hartwig von St. Georgen]] die Kapelle des hl. Andreas anvertraut habe, und es kam am 30. Dezember 1160 zur Gründung des [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stiftes St. Andrä an der Traisen]]. Aufsicht und damit Verfügungsgewalt hatte der Propst von St. Georgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Otto wollte aber seine Rechte auf St. Andrä nicht aufgeben und überantwortete nach Beendigung des Schismas das neugegründete Stift St. Andrä dem päpstlichen Stuhl. 1185 kam ein päpstlicher Schutzbrief, der das Obereigentum des Papstes bestätigte und alle anderen Ansprüche ausschaltete. Der Besitz des Stiftes wurde bestätigt, ebenso die freie Propstwahl. Mit dieser Urkunde blieb das Stift St. Andrä selbständig und die Vereinigung mit Herzogenburg war verhindert worden.&lt;br /&gt;
Bischof Konrad verbesserte in den Jahren 1158 und 1160 die finanzielle Situation des Stiftes St. Georgen, indem er zur Entsumpfung der ungesunden Umgebung den Bau eines Wassergrabens ermöglichte und außerdem den Chorherren die [[Pfarre Marquardsurvar]] (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Haitzendorf|Haitzendorf]]) und den Schwaighof bei Zeiselmauer schenkte. 1175/76 wurde jedoch das Gebiet nördlich der Donau – und damit die Besitzungen des Stiftes im Waldviertel – durch den Einfall Herzog Sobieslaws verwüstet.&lt;br /&gt;
Unter den späteren Schenkungen an das Kloster während der Regierungszeit Propst [[Wisinto II.|Wisintos II.]] (1191–1204) ist ein Stiftungsbrief von 1201 bemerkenswert, der ein Nonnenkloster in St. Georgen voraussetzt. In einer Urkunde aus der Zeit um 1230 werden die Schwestern Kunigunde und Ehrentraud von Zebing als Kanonissen von St. Georgen genannt. Dieser Frauenkonvent ist anlässlich der Übersiedlung des Männerklosters nach Herzogenburg auch mitverlegt worden. Die Schwesterngemeinschaft war nicht sehr groß, hatte nur geringes Vermögen und stand wahrscheinlich unter der Oberaufsicht des Propstes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Engelschalk]] (1242–1267), dem zwölften Propst des Stiftes St. Georgen, kam es zu der unumgänglichen Übersiedlung. Das Stift hatte zwar in den vorangehenden Jahrzehnten sein Vermögen durch einige Schenkungen und günstigen Tauschhandel vermehren können und profitierte an der wirtschaftlichen Blüte des Landes unter Herzog Leopold VI., doch belastete es der Verlust der finanziellen Einnahmen in den Zehentgebieten nördlich der Donau durch die neuerlichen Einfälle der Böhmen und Mährer. Untragbar wurde die Situation durch die häufigen Überschwemmungen der Donau, die das Stift zeitweise sogar zur Insel machten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als neuer Wohnsitz kamen die beiden Pfarrbesitzungen des Stiftes in Frage, und zwar [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Traisenburg/Pfarrkirchen/Stollhofen|Traisenburg/Pfarrkirchen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg|Herzogenburg]]. Auch Pfarrkirchen war zu nahe an der Donau gelegen und so fiel die Wahl auf Herzogenburg.&lt;br /&gt;
Als sofortige Wirtschaftshilfe erteilte der Bischof dem Stift noch im selben Monat die Befreiung vom Bergrecht für die Weingärten in Königstetten. In der Übertragungsurkunde vom 19. März 1244 übergab er dem Konvent seine Rechte in der Pfarre Herzogenburg. Durch all diese Begünstigungen wurde Bischof [[Rudiger]] zum Retter und zweiten Gründer des Stiftes.&lt;br /&gt;
Die Stiftsgebäude in St. Georgen verfielen im Lauf der Zeit und wurden von der Donau überschwemmt. Im Jahr 1822 konnte man noch bei niedrigem Wasserstand der Donau die Fundamente des zerstörten Klosters sehen. Von den Nebengebäuden haben sich in unmittelbarer Nähe wahrscheinlich nur Mauerreste der Klostermühle in der heutigen Gutschermühle erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spätmittelalter=== &lt;br /&gt;
Propst Engelschalk (1242–1267) begann vermutlich gleich nach der Übersiedlung des Konvents (1244) mit dem Bau der Klosteranlage in Herzogenburg, die aus dem Konventgebäude der Chorherren, der Stiftskirche, dem Frauenkloster mit einer Kapelle und den Wirtschaftsgebäuden bestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der jahrzehntelangen Bauzeit siedelten sich in der Nähe des Stiftes, &amp;quot;auf der Widern&amp;quot;, Handwerker und Stiftsangestellte an. Diese Siedlung hatte einen eigenen Markt und wurde später nur mehr der Obere Markt genannt.&lt;br /&gt;
Die Übersiedlung des Chorherrenkonventes dürfte schon 1249, der Bau der Stiftskirche aber erst viele Jahrzehnte später abgeschlossen worden sein. Die romanische Pfarrkirche – mit der Gründungsurkunde vom 5. Juli 1014 hatte Kaiser Heinrich II. auch in Herzogenburg die Errichtung einer Pfarre ermöglicht – wurde daher in den ersten Jahrzehnten auch für die stiftlichen Funktionen verwendet. Nach der Fertigstellung der Stiftskirche war sie wieder normale Pfarrkirche und bestand als solche bis ins 16. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Leben der Chorherren im Mittelalter berichtet der Stiftschronist [[Frigdian Schmolk]] mit den Worten des 19. Jahrhunderts: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Die Lebensweise der Chorherren war eine sehr strenge: Schon zur Mitternachtsstunde gingen sie in Prozession zum Chore, um dort Gott zu loben und zu preisen; auch zur Arbeit und zur Mahlzeit gingen sie im geordneten Zuge. Täglich wurde nach der Prim ein &amp;quot;Capitel&amp;quot; gehalten, wo besonders von Besserung und Bestrafung der Fehlenden die Rede war; jeder sollte seine Fehler selbst bekennen oder anderen dieselben anzeigen. Nachher beschäftigten sich die Chorherren mit Handarbeit außer dem Stifte, oder innerhalb desselben mit Abschreiben von Büchern, mit Zurichten des Pergamentes, mit Lederarbeiten, Weberei, Drechslerei usw., außerdem hatten sie die Gärten zu pflegen, Unkraut auszurotten, ja selbst von Heu machen und Reinigen der Rüben wird in Handschriften erzählt. Für diese Verrichtung war die Zeit vom &amp;quot;Capitel&amp;quot; bis zur Terz, nachmittags bis zur Vesper bestimmt. Nach der feierlichen Conventmesse war die Zeit bis zur Sext zum Studieren, Lesen, für religiöse Gespräche und Krankenbesuche bestimmt. Das Mittagsmahl war sehr einfach bestellt, ausgenommen die sogenannten &amp;quot;pietantiae&amp;quot; oder &amp;quot;Frohmähler&amp;quot;, bei welcher Gelegenheit die Anzahl der Gerichte vergrößert wurde. Nach Tisch begaben sich die Regularen ins Dormitorium, wo man las, betete oder ausruhte bis 2 Uhr, um welche Zeit der Chor oder die Vigilien für die Todten abgehalten wurden. Hierauf war gemeinsamer Trunk im Refectorium, worauf man die Zeit bis zur Vesper mit Handarbeit ausfeilte. Dann folgte das Abendmahl, worauf die Zeit bis zur geistlichen &amp;quot;Collation&amp;quot; zum Lesen und Schreiben bestimmt war, wobei aber strenges Stillschweigen zu beobachten war. An die geistliche &amp;quot;Collation&amp;quot; reihte sich das Completorium, nach dessen Abbetung das Asperges folgte, worauf sich die Chorherren ins Dormitorium zur Ruhe begaben. Stillschweigen war an bestimmten Orten und zu gewissen Zeiten auferlegt. Die Fasten und Abstinenzen wurden sehr streng gehalten: Von der Pfingstoctave bis Mitte September wurde am Mittwoch und Freitag nur eine ordentliche Mahlzeit gehalten, im Advent und die ganze Fastenzeit war Abstinenz von Fleisch, ja sogar von Eiern und Käse geboten.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Pröpste von Herzogenburg waren nicht nur mit dem Stiftsbau, sondern auch mit der Errichtung von Befestigungsanlagen beschäftigt, da die Bürger des ausgehenden 13. Jahrhunderts durch Mongolenstürme, Ungarnangriffe und durch herumstreifende Kriegsscharen in der rechtlosen bzw. kaiserlosen Zeit besonders gefährdet waren. Der Untere Markt Herzogenburg hatte den Babenbergern gehört, bis er 1210 durch Tausch in den Besitz des bayerischen Klosters Formbach am Inn übergegangen war. Diese Zweiteilung der Grundherrschaft verhinderte auch, dass Herzogenburg schon früher zur Stadt erhoben wurde.&lt;br /&gt;
Die vielen Schenkungen an der Wende zum 14. Jahrhundert bezeugen, dass man sich dem jungen Kloster sehr verbunden fühlte, seine Leistungen anerkannte und sich gern in seinen geistlichen Schutz stellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die finanzielle Lage des Stiftes Herzogenburg war so gut, dass Propst [[Siegfried]] noch ein Haus in der Singerstraße in Wien erwerben konnte. Er kaufte auch einige Häuser auf der Widern, und nach und nach ging der Obere Markt von Herzogenburg in Stiftsbesitz über. Die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zählt zu den &amp;quot;goldenen Zeiten&amp;quot; des Stiftes. Unter dem folgenden Propst [[Nikolaus I. Payger von Würmla]] (1361–1374) erlebte das Stift Missernten und musste Kriegssteuern an Herzog Rudolf IV. und Papst Gregor XI. zahlen. Die Kurie forderte den zehnten Teil aller Einkünfte, um den Krieg gegen Florenz und Mailand fortführen zu können. Das Stift geriet nach langer Zeit wieder in Verschuldung, was Propst Nikolaus sehr bedrückte, wie aus seiner eigenhändigen Eintragung in ein Zehentregister zu entnehmen ist. Alle Klöster des Landes habe Herzog Rudolf ausgepresst und das Erbgut Christi in Soldgeld verwandelt. Die klösterlichen Chronisten seiner Zeit nannten Rudolf einen &amp;quot;neuen Nero&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Erleichterung der angespannten finanziellen Lage gewährten die Herzöge Albrecht III. und Leopold III. dem Stift Privilegien, da &amp;quot;die geistlichen ..., der Probst und das gotzhaus ze Herzogenburg in grozzer geltschulde und kumber sind.&amp;quot; 1373 wurde das Stift von der Pflicht der Gastung befreit: &amp;quot;deshalb wurde allen Herren, Rittern und Knechten, Edlen und Unedlen entboten, Herzogenburg in keiner Weise durch zu große Inanspruchnahme der Gastfreundschaft zu beschweren.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen interessanten Einblick in die Situation des Herzogenburger Konvents gibt eine Urkunde aus dem Jahr 1378. Vor der Propstwahl hatten die Chorherren folgende Forderung an den künftigen Propst zusammengestellt: Der Propst solle jährlich über alle Ausgaben und Einnahmen Rechnung legen. Er wurde angehalten, den Chorherren an bestimmten Festtagen und zur Aderlasszeit ungeschmälerte Mahlzeiten zu geben. Außerdem solle er täglich die Frühmesse halten. Alle Jahre habe er Sommer- und Wintergewänder für die Chorherren zu besorgen. Ohne Wissen des Dechants und der beiden ältesten Chorherren dürfe er keinen Kapitularen entfernen oder versetzen und ebensowenig jemanden ohne deren Zustimmung aufnehmen. Schließlich solle der für die Chorherren bestimmte Wein in einem eigenen Keller aufbewahrt werden.&lt;br /&gt;
Diese Forderungen spiegeln einerseits schon etwas von dem kapitularen Prinzip der Chorherren – der Vorsteher des Hauses ist bei wichtigen Entscheidungen an die Zustimmung seiner Kapitularen gebunden – andererseits aber auch etwas von der Bequemlichkeit des Konvents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch den Ausfall der Zehente im Waldviertel geriet das Stift unter Propst [[Johannes III.]] (1401–1433), einem der längstregierenden Pröpste, wieder in finanzielle Schwierigkeiten. Ursache dafür waren einerseits die Verwüstungen durch die Kriegshandlungen des angreifenden mährischen Markgrafen Procop, andererseits die Zehentübergriffe der Verteidiger unter dem Söldnerführer Zacharias Haderer. Propst Johannes III. erreichte als Entschädigung dafür von den Herzögen Wilhelm und Albrecht IV. die Begünstigung, im Schankhaus des Stiftes, dem &amp;quot;Mühlhofkeller&amp;quot;, zwölf Fass Wein ohne Ungeld (Steuer) ausschenken zu dürfen. Er bemühte sich auch erfolgreich um den Schutz des apostolischen Stuhles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Johannes III. fand eine Stiftsreform nach den Bestimmungen des Konstanzer Konzils statt. Bei der Visitation im Stift Herzogenburg 1418 war nachweislich auch der erste Propst des [[Stift Dürnstein|Chorherrenstiftes Dürnstein]], das 1410 im Geist der Raudnitzer Reform gegründet worden war, anwesend. Und so wurden die Raudnitzer Statuten auch in Herzogenburg Grundlage einer Erneuerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes war auch ein eifriger Förderer der Lateinschule des Stiftes. Hier legten im Zeitraum von 1399 bis 1433 zahlreiche Schüler den Grundstein zu ihrer Bildung, die sie befähigte, die Universität zu besuchen. In den Matriken der Universität Wien werden 20 Bürgersöhne aus Herzogenburg und der nächsten Umgebung genannt.&lt;br /&gt;
Während der Regierungszeit des Propstes [[Ludwig Gössel]] (1457–1465) kamen im Zusammenhang mit dem Bruderkrieg zwischen Kaiser Friedrich III. und Erzherzog Albrecht VI. die Truppen des Böhmenkönigs Georg von Podiebrad nach Niederösterreich und durchzogen, weil sie keinen Sold bekamen, plündernd das Land. Im Jahr 1463, am dritten Tag nach dem Osterfest, wurde der Markt Herzogenburg mit dem Stift von den Räuberscharen (ca. 3.000 Mann) unter Georg von Vetau eingenommen und verwüstet. Die Mehrzahl der Bürger und Chorherren verlor durch die fanatischen Hussiten ihr Leben. Nur wenigen gelang die Flucht, unter ihnen Propst Ludwig. Die zurückgebliebenen Chorherren wurden, weil sie sich weigerten, die heiligen Geräte herauszugeben, von den Soldaten niedergemetzelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrscheinlich ging damals auch der Konvent der Kanonissen zugrunde, oder aber er fand durch Mangel an Klostereintritten schon früher ein friedliches Ende.&lt;br /&gt;
Im Lauf des Jahres 1465 begannen die Chorherren mit dem Wiederaufbau des Stiftes. Dieser zweiten gotischen Bauphase des Stiftes sollte aber kein langer Bestand gegönnt sein, denn schon 1477 belagerten und eroberten die Soldaten des ungarischen Königs Matthias Corvinus nach ihrem Sieg über Kaiser Friedrich III. Herzogenburg. Wieder brannte das Kloster nieder. Der nach St. Pölten geflohene Propst konnte seine in Rudolfsberg bei Wagram gefangengehaltenen Mitbrüder erst nach Bezahlung einer hohen Summe in die Ruinen seines Klosters zurückführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Stiftschronik berichtet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Die Kleinodien, Kelche und den Schmuck der Kirche, heilige Bücher, sowie Getreide, Wein und verschiedenen Hausrat des Klosters haben die erwähnten Räuber fortgeschleppt. Was nach Abzug der Feinde noch übrig blieb, wurde von 'Freunden', von etwas zweifelhaften Bürgern, aber auch Adeligen, besonders von einem gewissen Baron von Tops, während die Konventualen in Fesseln waren, verschleppt.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb von 15 Jahren mussten die Chorherren diese zwei Schicksalsschläge verkraften. Sie begannen unter Propst [[Georg I. Eisner]] (1484–1513) mit dem erneuten Aufbau ihres Klosters. Dieser Propst konnte durch sorgfältige Verwaltung und durch Schenkungen des Matthias Corvinus, der die Verwüstungen seiner Söldner wieder gutzumachen versuchte, die wirtschaftlichen Verhältnisse seines Hauses sanieren. Es gelang ihm sogar, im Lauf der Jahre die Stiftsgebäude prächtig auszustatten. Ein Zeitgenosse schildert seine Eindrücke während eines Besuches im Stift Herzogenburg folgendermaßen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Das Kloster selbst hat manch Rühmenswertes: es ist mit großem Fleiß gebaut, so daß es die meisten auch in Österreich übertrifft. Es besitzt eine geräumige Kirche, große prächtige Häuser, unter welchen besonders diejenigen hervorragen, welche Propst Georg, welcher noch lebt, erbaut hat. Er errichtete eine neue Wohnung des Propstes, welche er derart an den Wänden mit Gemälden schmückte, daß ich kaum eine Schönere gesehen habe, außer in Vorau, welche aber nicht vollendet ist. In dem oberen Teil sind Gewölbe angebracht, an welchen eine Goldkugel befestigt ist, aber auch die Wände entbehren nicht des Schmuckes von Drechslerarbeiten. Georg erbaute auch zwei Refektorien, eines für den Winter, das andere für den Sommer. Er vollendete auch manch andere bequeme Räume, besonders auch einen, welcher dem Refektorium am nächsten ist. Dort ist ein enger Raum, wo die Brüder bei einem Trunke gemütlich beisammensitzen können. Das Kloster besitzt auch Graben, Wall und Mauern, so daß es nicht leicht eingenommen werden kann. Ein ungarischer Hauptmann warf einmal alle Brüder und den Propst aus dem Hause und machte aus dem Kapitelsaal einen Pferdestall.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tätigkeit des Propstes fand auch in Rom Anerkennung. 1498 erlaubte Papst Alexander VI. ihm und allen seinen Nachfolgern den Gebrauch der Mitra, des Stabes und Ringes und der anderen Pontifikalien.&lt;br /&gt;
Am 7. Mai 1512 brach in einem Haus auf dem Unteren Marktplatz ein Brand aus, der auch auf die Widern übergriff und die Stiftsgebäude teilweise in Schutt und Asche legte. Das Feuer zerstörte zuerst das Turmdach, griff auf das Dormitorium und Refektorium über, wobei alle Zellen der Brüder mit dem Winterrefektorium ausbrannten. Außerdem wurden das Krankenhaus, die Wohnung des Dechants, die Bibliothek und die Sakristei ein Raub der Flammen. Das Feuer sprang auch auf das Mariensacellum über und vernichtete dort die Orgel. Ebenso brannte die Schule nieder. Die Kirchenausstattung – die Tafelbilder und die Altäre – wurde verschont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation bis Barock=== &lt;br /&gt;
Der hochgelehrte Propst [[Johannes V. Bernhard von Nußdorf]] (1517–1533) begann sein Amt in einer sehr schwierigen Zeit. Im Jahr seiner Wahl trat Martin Luther zum ersten Mal in Erscheinung. Zu dieser geistig-religiösen Revolution kam noch die Türkennot, die 1529 ihren Höhepunkt mit der Belagerung Wiens erreichte. Die türkischen Streifscharen verschonten zwar Herzogenburg, das Stift wurde aber durch die Türkensteuer Ferdinands I. umso härter belastet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Bernhard I. Schönberger]] (1533–1541) wurden die Abgaben zur Finanzierung der Türkenkriege so groß, dass die Steuerschulden nur durch den Verkauf des Stiftshauses in Wien, Johannesgasse Nr. 3, abgedeckt werden konnten. In religiöser Hinsicht musste der Propst die ersten Auswirkungen der protestantischen Lehre verkraften. Sein Mitbruder [[Johann Peurl]] hatte das Einkommen von einigen Pfarrkirchen vergeudet, die priesterliche Kleidung abgelegt und seinen Orden verlassen. Für viele Jahre war Bernhard der letzte frei gewählte Propst von Herzogenburg. Die nun folgenden Pröpste waren Weltpriester oder stammten aus anderen Ordenshäusern, wurden postuliert oder vom Kaiser ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Wunsch Kaiser Ferdinands I. wählte der Konvent [[Philipp von Maugis]] (1541–1550) zum Propst. Philipp entstammte einer adeligen belgischen Familie, war ab 1545 Regent der niederösterreichischen Landesregierung und Erzieher der Söhne Ferdinands I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch im Jahr seines Amtsantrittes trat in Herzogenburg, wie in vielen Orten Österreichs, die Pest auf, an der täglich bis zu 30 Personen starben. Alle Chorherren im Stift mit Ausnahme des Propstes und eines Konventualen fielen der Seuche zum Opfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger war [[Bartholomäus von Cataneis]] (1550–1563). Er entstammte einer vornehmen italienischen Familie aus Bergamo, war palatinischer Graf, apostolischer Protonofär, oberster Hofkaplan u. v. a. m. Durch sein Administrationstalent gelang es ihm, das Stift über die finanziellen Hürden zu bringen. Wegen seiner Tüchtigkeit wurde er zum Administrator von Göttweig bestellt (1556–1563).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den letzten Jahren seiner Regierung erlebte das Stift jedoch einen seiner Tiefpunkte. Eine Kommission, die die Klöster visitierte, beanstandete, dass sich der Propst mit zwielichtigen Frauen herumtreibe und dass seine Konventualen alle sektisch seien und die Sakramente dem alten Kirchenbrauch zuwider spendeten. Die Kommissäre erteilten ihm einen strengen Verweis und ermahnten ihn, in Hinkunft keinen Verdacht zu erregen sowie den Hauptübeltäter, den Dechant, abzusetzen und einzusperren. Nach dem Visitationsbericht vom Jahr 1561 befanden sich im Stift Herzogenburg vier Konventualen, drei Konkubinen, kein Eheweib und sechs Kinder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende seines Lebens musste der Propst erkennen, dass er als Sonderbeauftragter in zu vielen Landesangelegenheiten unterwegs gewesen war, dass er in der Diplomatie zwar vieles geleistet, als Vorstehender des Hauses aber versagt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krisenzeit des Stiftes wurde der Prälat von St. Andrä [[Johannes VI. Pülzer]] (1563–1569) zum Propst bestimmt. In seinem Wahlinstrument hieß es, er sollte baldmöglichst die Zahl der Chorherren ergänzen, da sich dieselben fast alle &amp;quot;verloffen&amp;quot; hätten. Wirtschaftskrisen, Hungersnot, Erhöhung der Steuern und die Tatsache, dass viele seiner Mitbrüder lutherisch wurden, trieben Propst [[Johannes VII. Glaz]] (1569–1572) zu einem Verzweiflungsakt: in der Nacht des 14. September 1572 floh er in Begleitung eines Dieners aus dem Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun folgte ein Mann aus dem eigenen Haus, [[Jakob Reisser]] (1573–1577). Durch seine Sparsamkeit und energische Haltung ging es sowohl finanziell als auch disziplinär im Stift aufwärts. Im Visitationsbericht wurde vermerkt, dass er keine goldene Kette und auch keine kostbaren Kleider trug, keine Spiele gestattete und die Musik bei Tisch abgeschafft habe. Außerdem hätten Propst und Konventualen keine Konkubinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er bemühte sich, Mitarbeiter aus dem Ausland zu bekommen, um die Ausbreitung der lutherischen Lehre zu stoppen. Denn die Gemeinde Herzogenburg war zum Großteil schon protestantisch und die Pfarrkinder gingen bereits in die umliegenden Ortschaften, um bei den &amp;quot;sektischen Predigern&amp;quot; die Sakramente zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Acht Monate lang gab es nun ein Tauziehen bei der Besetzung der ansehnlichen Prälatur in Herzogenburg. Schließlich postulierte der Klosterrat für das Stift den Propst des [[Stift St. Dorothea|Chorherrenstiftes St. Dorothea]] in Wien, [[Georg II. Brenner]] (1578–1590). Georg war Hofkaplan bei Kaiser Maximilian II. gewesen, und so begab es sich, dass Kaiser Rudolf II. zweimal auf Reisen im Stift übernachtete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Parallele zur großen Politik der Rekatholisierung im Land lässt sich auch in Herzogenburg erkennen. Propst Georg schrieb 1579 an das Konsistorium und 1582 an Kaiser Rudolf II. einen Brief, in dem er die religiös gespaltene Situation in Herzogenburg schildert und den Herrscher um Unterstützung bittet, damit er den Unteren, Formbachischen Markt, der zum größten Teil protestantisch war, kaufen könne. Durch eine administrative Marktvereinigung und durch eine bessere religiöse Betreuung wollte der Propst die häufigen Streitigkeiten zwischen den Bürgern der beiden Märkte beseitigen. Die Trennung blieb jedoch bis 1806 bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1588 schlug der Klosterrat Georg sogar zum Bischof von Wiener Neustadt vor. Sein siegreicher Gegenkandidat Melchior Klesl half ihm einige Jahre später bei seinen Reformplänen. Die Bürger (vor allem die des Unteren Marktes) mussten nun an den Sonn- und Feiertagen dem Gottesdienst mit allen &amp;quot;vleis und gezimende Andacht&amp;quot; beiwohnen. Wer zu den &amp;quot;Predikanten auslief&amp;quot;, wurde mit schwersten Strafen bedroht. Ebenso mussten die Herzogenburger ihre Kinder in die katholische Schule schicken und dem Gesinde wurde verboten, sich während des sonntäglichen Gottesdienstes in Wirtshäusern oder auf Spielplätzen aufzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kirche, Kloster- und Wirtschaftsgebäude wurden nun renoviert und ausgebaut, Messgeräte, Bücher und Musikinstrumente angekauft. Der Lesehof in Königstetten wurde renoviert und der Hof von Klosterneuburg fast zur Gänze neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Krankheit stand dem Propst in den letzten Jahren [[Paul Zynkh]] als Koadjutor zur Seite. Da es nach dem Tod des Propstes bei der Neubesetzung zwischen Klosterrat und dem Passauer Bischof zu Unstimmigkeiten gekommen war, verwaltete Paul Zynkh über ein Jahr als Administrator das Stift, bis er zum Propst gewählt wurde (1591–1602).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der ständigen Türkengefahr wurden die Verteidigungsanlagen des Klosters gemäß dem kaiserlichen Mandat ausgebaut und die Rüstkammer des Stiftes mit moderneren Waffen versehen. Von den umfangreichen Restaurierungsarbeiten und Ankäufen gibt ein fünfeinhalb Seiten langes Verzeichnis Auskunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines halbjährigen Kuraufenthaltes des Propstes in St. Pölten ging es im Kloster drunter und drüber. Unter Lebensgefahr reiste der kranke Propst zurück und hielt ein Kapitel. Der Dechant wurde abgesetzt und im Lauf von drei Wochen bei Wasser und Brot &amp;quot;dasig&amp;quot; gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten drei Jahre seines Lebens war der Propst Deputierter der niederösterreichischen Stände und hielt sich oft in Wien auf. Aus diesem Grund kaufte er dort 1601 ein Wohnhaus, den &amp;quot;Heidelberger Hof&amp;quot; in der Annagasse. Das Gebäude ist heute noch im Besitz des Stiftes und trägt den Namen &amp;quot;Herzogenburgerhof&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Landesebene konnte der Protestantismus Schritt für Schritt zurückgedrängt werden. Propst Paul bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg. Dieser konnte durch seine eindrucksvollen Predigten viele Protestanten des Marktes zum katholischen Glauben zurückführen. Um die Jahrhundertwende war Herzogenburg wieder eine vorwiegend katholische Gemeinde. In den Dörfern ging die religiöse Erneuerung langsamer vor sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als [[Melchior Kniepichler]], ehemaliger Propst des Stiftes Dürnstein, von König Matthias als Propst postuliert wurde (1609–1615), protestierte der Herzogenburger Konventuale [[Johannes Held]] in einem Schreiben an den Passauer Offizial, weil Propst Melchior in St. Andrä (1592–1599) &amp;quot;Schulden gehäuft und von dann gezogen sei&amp;quot;, er habe dann &amp;quot;Tirnstain ohne Schulden angetreten und gehe nun mit Schulden weg&amp;quot; (1599–1609); beide Male in Folge seiner verschwenderischen Freigiebigkeit gegen Verwandte und Freunde. Weiters klagt er, dass Melchior dem Trunke ergeben und &amp;quot;in diesem Zustand unausstehlich streitsüchtig sei.&amp;quot; Schließlich, dass Melchior das weibliche Geschlecht liebe und gerne Tanzunterhaltungen besuche. In den Klosterratsakten hieß es, &amp;quot;dieser Mann war mehr Schelm als Mönch&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Öfters fuhr der Propst während seiner Regierungszeit in Herzogenburg nach Wien, ins Gasthaus &amp;quot;Zum goldenen Strauß&amp;quot; am Neuen Markt, wo die fünfzehnjährige Wirtstochter Katharina &amp;quot;zum Frohsinn des Herrn Prälaten das meiste beitrug&amp;quot;. Nachdem diese ein Kind bekommen hatte, kam unvermutet am 26. Juli 1615 eine Untersuchungs- und Strafkommission nach Herzogenburg. Aufgrund der strengen Linie Klesls wurde der Propst gefangen nach Wien geführt, verhört und einige Monate eingesperrt. Erst nach drei Jahren wurde Melchior rehabilitiert und zum zweiten Mal zum Propst von Dürnstein bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Wahlturbulenzen in den folgenden Jahren bestimmte Kaiser Ferdinand II. den Dechant des Kathedralstiftes Seckau [[Martin III. Müller]] zum Vorsteher in Herzogenburg (1621–1640). Er war ein eifriger Förderer der Gegenreformation, reformierte das klösterliche Leben und führte neue Statuten ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er erreichte auch, dass ihm die [[Pfarre Hain]] wieder zurückgegeben wurde, wo bisher nur protestantische Prediger angestellt waren. Den Konflikt mit der dort tonangebenden protestantischen Familie der Jörger konnte erst sein Nachfolger [[Johannes Bauer]] (1640–1653) beilegen. Propst [[Joseph Kupferschein]] (1653–1669) versuchte ebenfalls auf friedliche Weise die Protestanten zum katholischen Glauben zurückzugewinnen. Er war sowohl ein gelehrter Mann (1641 war er Rektor der Universität in Wien) als auch ein tüchtiger Wirtschafter. Propst [[Anton Sardena]] (1669–1687) begann mit viel Schwung die weiteren Restaurierungsarbeiten bzw. die Barockisierung des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679/80 wütete die Pest in Herzogenburg und kostete viele Menschen das Leben. In der Stiftsgeschichte von Dechant [[Beyer]] wird auch das Erscheinen eines Kometen vermerkt, der im Jahr 1680 am Fest des hl. Stephan zum ersten Mal erschien und als Vorbote der Türkenkriege interpretiert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 14. Juli 1683 erschienen 200 bis 300 Türken vor Herzogenburg. Sie ließen den gut befestigten Ort zunächst ungeschoren. Als die Gefahr immer größer wurde, flüchtete der Prälat auf Bitten seiner Geistlichen mit dem Archiv und der Schatzkammer nach Dürnstein. Eines Tages kam dann eine ungewöhnlich große Schar Türken (angeblich zwischen 10.000 und 12.000 Mann), um Herzogenburg einzunehmen. Sie schichteten aus den verlassenen Bauernhäusern und Scheunen Stroh vor die Markttore, um sie durch Feuer zu zerstören. Der Chorherr [[Gregor Nast]], der die Verteidigung von Herzogenburg leitete, ließ in aller Eile leere Weinfässer mit Erde und Sand füllen und hinter den Toren auftürmen, sodass die Belagerer durch die vom Feuer zerstörten Tore nicht eindringen konnten. Die Bürger leisteten mit ihren Schusswaffen so tapfer Widerstand, dass dieser türkische Eroberungsversuch fehlschlug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zeit erholten sich das Land und die Klöster von den Nachwirkungen der Türkenkriege und mit der Wiederkehr von geordneten Zuständen verbesserte sich auch die wirtschaftliche und religiöse Situation. Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) war lange Jahre ein eifriger Seelsorger und stand als Dechant und späterer Prälat seinen Mitbrüdern auf den Pfarren beim Wiederaufbau bei. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1714 entschloss sich der Herzogenburger Propst [[Wilhelm von Schmerling]] (1709–1721), das Stiftsgebäude neu zu errichten. Das gewaltige Bauvorhaben wurde durch Grund- und Gutsverkäufe finanziert. In einer zeitgenössischen Stiftsgeschichte wird folgendes berichtet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Im selben Jahr begann Propst Wilhelm mit großer Energie den kunstvollen Neubau des Klosters, den keiner seiner Vorgänger gewagt hatte, nach demselben weitläufigen und architektonischen Vorbild, wie er es in Melk gesehen hatte, das unter dem berühmten Abt Berthold in derselben Zeit errichtet wurde. Als Architekt nahm sich unser Wilhelm den, der die Bauten von Melk, bei St. Florian in Oberösterreich etc. errichtete, N. Brandauer von St. Pölten, einen erfahrenen Künstler. Er errichtete bei diesem Neubau zuerst den Trakt, der an die große Kirche anschließt, dann den anderen, in dessen Mitte der große Saal hervorgeht, den der kaiserliche Architekt Baron von Fischer senior entwarf und vollendete, und dann den entfernteren bis zum Haupttor, wo sich auch der Eingang von Norden her befindet ... Der Grundstein wurde am 25. Mai d. J. in aller Feierlichkeit an der Epistelseite (eine andere Hand: Evangeliumseite) außen am Presbyterium gelegt.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der in Herzogenburg geborene Propst [[Leopold von Planta]] (1721–1740) erreichte die Aufnahme seines Hauses in die Lateranensische Kongregation, mit der Erlaubnis, ein violettes Mozett zu tragen. Damit bekam er für sich und seine Nachfolger von Papst Innozenz XIII. am 18. September 1724 das Recht, den Titel eines Lateranensischen Abtes zu tragen. Propst Leopold führte auch in dieser Zeit nach dem Beispiel von Klosterneuburg den schwarzen Talar anstelle der weißen Kleidung für seine Mitbrüder ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende seines Lebens konnte Propst Leopold auf einen einheitlichen Stiftsbau blicken, der sich würdig in die Reihe der Stiftsbauten der großen österreichischen Barockprälaten einreiht. Die von Prandtauer gebauten Trakte sind vornehm und voll künstlerischen Lebens. Einzig an der Ostseite sprengt der Saalbau Fischers die Prandtauersche Fassade: er tritt um eine Achse hervor und überragt sie mit den Oberfenstern. Durch diese dramatische Vorgangsweise stellt Fischer seinen Rang als führender Architekt unter Beweis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Protest gegen die &amp;quot;Pragmatische Sanktion&amp;quot; verbrüderten sich die Bayern und die Preußen mit den Bourbonen und drangen 1741 bis nach St. Pölten vor. Besonders die Franzosen plünderten das Gebiet zwischen Melk und St. Pölten. Weil das Stift eine Kriegssteuer in Höhe von 14.000 Gulden nicht gleich aufbringen konnte, nahmen die Franzosen den 32-jährigen Propst [[Frigdian Knecht]] (1740–1775) als Geisel und er wurde nach den Worten des Stiftsdechanten &amp;quot;hin und hergeführt zu Schand und Spott&amp;quot;. Erst nach sechstägiger Gefangenschaft und Zahlung des hohen Lösegeldes konnte der Prälat wieder ins Stift zurückkehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich der Prälat, die Kirche durch den jungen Franz Munggenast neu erbauen zu lassen. Der Turm wurde 1767 nach Entwürfen von Johann Bernhard Fischer von Erlach durch Matthias Munggenast ausgeführt. Die Architektur dieser Kirche und die Ausstattung durch Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte können zu den großen Leistungen des österreichischen Barocks gezählt werden. In den Pfarren [[Stollhofen]], [[Hain]], [[Rottersdorf]] und [[Brunn]] ermöglichte Propst Frigdian ebenfalls die &amp;quot;Barockisierung&amp;quot; der Kirchen. Durch die Stiftung von 7.000 Gulden des Wiener Stadtrates Jakob Bodenreiter konnte in Theiß der Pfarrhof neu errichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seines wissenschaftlichen Interesses kaufte der Propst Jahr für Jahr viele wertvolle Bücher, ordnete das Archiv und unterstützte den Aufbau eines eigenen Münzkabinetts. Auf musikalischem Gebiet war sein Mitbruder [[Georg Johann Donberger|Georg Donberger]] tätig. Als Regens chori komponierte dieser unermüdlich und seine Werke sind in den Musikarchiven vieler österreichischer Stifte zu finden. Als Propst Frigdian Knecht nach 35-jähriger Amtszeit im Jahr 1775 starb, hinterließ er ein geordnetes Haus, das spirituell, künstlerisch und wirtschaftlich einen guten Ruf hatte. Er wird auch der dritte Gründer genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Josephinismus bis Gegenwart===&lt;br /&gt;
Mit Beginn der Alleinregierung durch Joseph II. 1780 kam auch für das Stift Herzogenburg eine Zeit, die nicht leicht zu bewältigen war. Die Reformen überstürzten sich. Zwei Monate nach der Regierungsübernahme des Kaisers wurde [[Michael Teufel]] vom Kapitel zum neuen Propst gewählt (1782–1809). Er zeigte sich der Problematik des &amp;quot;josephinischen Experimentes&amp;quot; sehr gut gewachsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Patent über die Klosteraufhebungen wurde auch für das Stift St. Andrä an der Traisen wirksam, das nach dem Tod des letzten Propstes [[Gregor Gründler]] 1783 dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde. Propst Michael musste dafür sorgen, dass die Auflösung ordnungsgemäß durchgeführt wurde. Das Chorherrenstift Dürnstein wurde 1788 mit dem Stift Herzogenburg &amp;quot;vereinigt&amp;quot;. Gegen diesen Bescheid wehrte sich der Bischof von St. Pölten, doch wurde mit Hofdekret vom 7. Juni 1788 die endgültige Aufhebung des Stiftes angeordnet und die bisherige Stiftskirche in eine Pfarrkirche umgewandelt. Ein Höhepunkt in der Regierungszeit des Propstes Michael Teufel war die Weihe der Stiftskirche. Am 2. Oktober 1785 wurde die Kirche von [[Heinrich Johannes von Kerens]], dem ersten Bischof, der in St. Pölten residierte, geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als durch die Aufhebung der Benediktinerabtei Formbach am Inn der Untere Markt Staatseigentum wurde, konnte ihn Propst Michael durch geschickte Verhandlungstaktik 1806 kaufen und mit dem Oberen Markt vereinigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 23. September 1805 hatte Napoleon an Österreich den Krieg erklärt und marschierte schließlich nach Wien. Am 11. November 1805 kam es zum Gefecht bei Dürnstein-Loiben, dem einzigen wirklichen Erfolg für die verbündeten Russen und Österreicher im unglücklichen Feldzug von 1805. In einem Tagebuch werden eindrucksvoll die Drangsale in Herzogenburg während dieser französischen Invasion geschildert: Am Tag vor der Schlacht kam eine unabsehbare Menge Feinde auf Herzogenburg zu. Ihr Anführer und Divisionskommandant General Le Gran bemühte sich, die ärgsten Greueltaten zu verhindern, aber dennoch wurden die Einwohner drangsaliert und der Marktrichter fürchterlich geschlagen. Die Keller wurden aufgebrochen, und unter Zechen, Plündern und Rauben verging die Nacht. Am Tag nach der Schlacht quartierten sich einige französische Generäle im Stift ein. Die Soldaten, die in Gärten und Feldern lagerten, zündeten abends über tausend Feuer an, die die ganze Gegend hell erleuchteten. Ende November kamen dann die Holländer; diese erwiesen sich als unbändige Säufer und benahmen sich ärger als die Franzosen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die oftmaligen hohen Geldforderungen der französischen Offiziere und die ständigen Einquartierungen von Soldaten war das Stift am Rande des Ruins. Propst Michael floh während des Krieges mit der Münzsammlung und anderen Kostbarkeiten nach Ungarn in die Abtei Zirc. Kämmerer [[Josef Leuthner]] brachte sich mit den anderen Wertgegenständen auf das Gut Primersdorf (Waldviertel) in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Österreichisch-Französischen Krieges im Jahr 1809 und der zweiten Eroberung Wiens durch Napoleon hatte Herzogenburg wieder unter französischen Truppen, ganz besonders unter den württembergischen Hilfstruppen zu leiden. Bei dieser zweiten Franzoseninvasion kam der Propst allerdings nicht mehr unbehelligt davon. Noch kurz vor seinem Tod wurde er in seinem Zimmer von einem französischen Husaren misshandelt und seines Kreuzes und Ringes beraubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Michael Teufel hat um das Stift beinahe so große Verdienste wie sein Gründer – der Volksmund unterstrich das Weiterbestehen des Stiftes mit dem Bonmot: &amp;quot;Der Teufel hat das Stift gerettet.&amp;quot; Im Geist der neuen josephinischen Begräbnisordnung wurde er als erster Stiftsvorsteher außerhalb des Ortes auf dem allgemeinen Friedhof in einem bescheidenen Mausoleum bestattet. 1977 wurden die sterblichen Überreste des Propstes exhumiert und neben seinem Grabdenkmal in der Stiftskirche beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ehemalige Stiftsdechant Propst [[Aquilin Leuthner]] (1811–1832) konnte das Haus nur insofern aus der finanziellen Not retten, als er von Kaiser Franz I., der viele Herren durch seinen Besuch im Stift im Jahr 1807 persönlich kannte, einen Nachlass der Schulden erreichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Jahren konnte der Propst das Bauvorhaben einer allgemeinen Schule in Herzogenburg durchführen. 1829 war der Bau des einstöckigen Schulgebäudes abgeschlossen, dem der Westtrakt des Kreuzganges mit seiner schönen gotischen Totenkapelle hatte weichen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Bernhard II. Kluwick]] (1832–1843) erreichte die aus Osteuropa kommende Choleraepidemie auch Niederösterreich. Die Angst vor dieser Seuche veranlasste die Stiftsherren, zur Versorgung der Kranken an den Gangenden sogenannte Choleraöfen zu errichten: &amp;quot;... also die Küche zu weit entfernt ist, um schnell den notwendigen Tee und warmes Wasser herbeizuschaffen.&amp;quot; Da die &amp;quot;Ärzteräthe&amp;quot; gegen diese Krankheit machtlos waren, versuchten sich die Gemeinden durch Abriegelung von der Umwelt sowie Immunisierung durch Alkohol zu helfen. So entstand die Spruchtafel im stiftlichen Kellerstüberl: &amp;quot;Die Angst vor Krieg und bösen Seuchen, der Reichersdorfer (Wein) wird's verscheuchen!&amp;quot; Das Lebenswerk von Propst Bernhard war die Erbauung der Pfarrkirche in [[Theiß]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Karl Stix]] (1843–1847) konnte einen weiteren bedeutenden Schuldenerlass bei Kaiser Franz I. erreichen. Aus Dankbarkeit feierte das Stift jahrzehntelang den Todestag des Monarchen mit dem &amp;quot;Kaiserrequiem&amp;quot;. Der Propst setzte sich auch für eine Erhöhung der Gehälter seiner Mitbrüder ein. 1844 konnte er die Jubiläumsfeier der Übertragung des Stiftes von St. Georgen nach Herzogenburg (1244) festlich begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Revolutionsjahr 1848 brachte auch entscheidende Veränderungen für das Stift unter Propst [[Josef II. Neugebauer]] (1847–1856). Am 19. Februar 1848 wurde dem Prälaten von der Regierung zwar der faktische Besitz der aufgelassenen Stifte St. Andrä und Dürnstein bestätigt, am 7. September 1848 hob der Reichstag jedoch die bäuerliche Untertänigkeit auf und das Feudalrecht mit Robot und Zehent wurde abgeschafft. Man war sich des Wertes dieser Gesetze für das Volk wohl bewusst, dem Ausfall eines großen Teils der Einnahmen konnte der Propst mit seinem Kapitel aber nur durch die Veräußerung des Gutes Primersdorf 1851 begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 8. Oktober 1848 kam – auf der Flucht von Wien in die Festung Olmütz – Kaiser Ferdinand I. mit seinem Gefolge nach Herzogenburg. Beim Aussteigen aus dem Wagen sprach der Kaiser zum Propst: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Herr Prälat! Mich freut's, einmal Ihr Stift zu sehen und zu betreten. Es ist mir ein recht schönes und freundliches Haus; ich habe es bisher noch nie gesehen. Ich muß Sie heute schon um ein Mittagmahl und auch um ein Nachtquartier bitten. Weil ich zum Nachmittagsgottesdienst zu spät gekommen bin, so ersuche ich Sie, uns um halb 6 Uhr noch einen heiligen Segen zu halten.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Am selben Abend unterzeichnete der Kaiser ein Manifest &amp;quot;An die Völker meiner deutsch-erbländischen Provinzen&amp;quot;. (...) &amp;quot;Als am nächsten Morgen der großartige Kaiserzug aus dem Weichbild Herzogenburgs schied, blieb kein Auge trocken.&amp;quot; Der Name &amp;quot;Kaisergasse&amp;quot; erinnert noch heute an diese Begebenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1853 gab es eine kanonische Visitation durch den St. Pöltener Bischof Feigerle, und zwei Jahre darauf visitierte auch der Linzer Bischof Rudiger in Vertretung des Kardinals Fürst Schwarzenberg das Stift Herzogenburg. Auch er war sehr zufrieden mit dem Stand des Hauses und &amp;quot;schied mit wahrer Herzensfreude vom Stift&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter dem nächsten Vorsteher des Stiftes Propst [[Norbert Zach]] (1857–1887) herrschte ein gutes Klima im Haus. Von den 34 Mitgliedern des Stiftes waren 25 Priester in der Seelsorge tätig, vier hatten häusliche Offizien, zwei Kleriker studierten an der theologischen Hauslehranstalt im [[Stift Klosterneuburg|Chorherrenstift Klosterneuburg]], zwei Novizen wurden im Haus in die Lebensnorm der Chorherren eingeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1862 gründete der Stiftskurat und spätere Dechant [[Ferdinand Mann]] den katholischen Gesellenverein, der sich um die seelsorglichen und menschlichen Anliegen der arbeitenden Bevölkerung kümmerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Herzogenburg begann den Schritt ins Industriezeitalter, als 1874 die Firma Vollrath (Nägel, Schrauben) von Wien nach Herzogenburg/Oberndorf übersiedelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1875 folgte ihm Carl Grundmann, ein pensionierter Danziger Lokomotivführer, der sich auf die Erzeugung von Türschlössern spezialisiert hatte. In diese Zeit fällt auch die Planung und der Bau der Eisenbahnlinien im Raum Herzogenburg: Am 3. August 1885 wurde die Strecke Tulln – St. Pölten, am 16. Juli 1889 die Strecke Herzogenburg – Krems eröffnet. Seit dieser Zeit &amp;quot;ist der Markt mit zwei Hauptverkehrsadern der Monarchie&amp;quot;, mit der West- und der Franz-Joseph-Bahn, verbunden. Um der rasch anwachsenden Bevölkerung eine bessere Ausbildung und damit größere Berufschancen geben zu können, wurde die Stiftsschule schon 1867 zu einer Pfarr-Hauptschule erweitert. Heute wird dieses Gebäude neben der Stiftskirche von der Sonderschule und der Musikschule benützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das äußere Bild des Ortes änderte sich Mitte des 19. Jahrhunderts. Drei Tore der alten Marktbefestigung wurden abgetragen; ebenso Teile der Ringmauer. Ein Stückchen dieses mittelalterlichen Ensembles ist heute noch im nördlichen Stiftsbereich zu sehen, wo Mauer, Graben, Verteidigungsturm und das einzige noch bestehende Stadttor, das &amp;quot;Au-Tor&amp;quot;, auch &amp;quot;Nordtor&amp;quot; genannt, erhalten blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Schlacht bei Königgrätz Mitte Juli 1866 drangen die preußischen Truppen bis ins Waldviertel vor und das österreichische Militär zog sich (größtenteils kampflos) auf das südliche Donauufer zurück. Das Stift richtete im Auftrag der k. k. Statthalterei ein Spital für die Soldaten ein. Für seine Verdienste wurde der Propst im Jahr 1879 vom Kaiser mit dem Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet. Während seiner zehnmonatigen Funktion als Administrator des Stiftes veranlasste Dechant Emmerich Wallner die Gestaltung des nach ihm benannten &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; im Westtrakt des Stiftsgebäudes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Person des folgenden Propstes [[Frigdian II. Schmolk]] (1888–1912) vereinigten sich glücklich Kirchenfürst und Staatsmann. 1902 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum Landmarschall (Vorsitzender des Landtages). Vier Jahre lang hatte er dieses Amt inne. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der Kaiser die Würde eines Wirklichen und Geheimen Rates und berief ihn auf Lebenszeit als Reichsrat in das Herrenhaus. Um 1900 erreichte das Stift seinen höchsten Personalstand: 40 Konventualen gehörten zum Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Frigdian wurden in den letzten beiden Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts das Stiftsgebäude, der Turm, die Orgel und das Innere der Kirche restauriert. Dechant Ferdinand Mann ließ auf seine Kosten 1903 den Maria-Lourdes-Altar errichten und die zwei Holzstatuen Herz-Jesu und Herz-Maria in der Kirche aufstellen. Sie zeugen von der Frömmigkeit des Volkes um die Jahrhundertwende. Von dieser Zeit sind noch die feierliche Erstkommunion und die Maiandachten lebendig geblieben. 1907 wurde der Zusammenschluss der österreichischen Chorherrenstifte zur &amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten Lateranensischen Chorherren&amp;quot; erreicht. Als Konvisitator wurde Propst Frigdian Schmolk gewählt. Eine innige Freundschaft verband Propst Frigdian mit dem Wiener Bürgermeister Dr. Karl Lueger. Als dieser tödlich erkrankte, berief er seinen langjährigen Freund zu sich, der ihm die Tröstungen der Religion reichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmolks Nachfolger wurde [[Georg III. Baumgartner]] (1913–1927). Mit größter Sparsamkeit und Umsicht lenkte er das Stift durch die wirtschaftlichen Erschütterungen des Ersten Weltkrieges. Er stellte das Sommerrefektorium als Kaserne für die Marschkompanien und den Theatersaal dem Roten Kreuz zur Pflege der Verwundeten zur Verfügung. Vom Krieg selbst wurde Herzogenburg nur mittelbar betroffen: durch die vielen Gefallenen. Ihre Namen sind auf einer Marmortafel, rechts beim Eingang der Kirche, eingemeißelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 ließ Propst Georg das veraltete stiftliche Elektrizitätswerk in eine moderne Wasserkraftanlage mit Turbinen umbauen, die das Stift und Teile der Stadt Herzogenburg jahrelang mit Strom versorgte. Bedeutende Verdienste erwarb sich Georg Baumgartner durch seine wissenschaftliche Forschung über die Urgeschichte. Bis zuletzt arbeitete er mit großer Genauigkeit an der Hausgeschichte und an der Baugeschichte der Kirche und des Stiftes und verfasste weiters den Artikel &amp;quot;Herzogenburg&amp;quot; in der Topographie von Niederösterreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die allgemeine Wirtschaftskrise machte sich auch im Stift bemerkbar. Das Steueramt St. Pölten drängte immer öfter unter Androhung der Zwangsverwaltung auf Bezahlung der Steuerschulden. Das Kapitel unter Propst Georg sah sich gezwungen, einem Beschluss zum &amp;quot;Verkauf einzelner Wertgegenstände näher zu treten&amp;quot;. Einige wertvolle Kunstgegenstände wurden verkauft. In diese politisch sehr schwierige Zeit fällt eines der größten Ereignisse für Herzogenburg, die Stadterhebung: Am 30. Juni 1927 beschloss der Landtag von Niederösterreich, den Markt Herzogenburg &amp;quot;trotz der verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl&amp;quot; (2.800) zur Stadt zu erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der spätere Landtagsabgeordnete und Vertreter des Klerus [[Ubald Steiner]] (1927–1946) wurde zum nächsten Propst gewählt. Es gelang ihm, das Stift durch die schwierige wirtschaftliche Lage der dreißiger Jahre zu führen. Leider ging es nicht ohne Verkauf von vielen Grundstücken und Kunstschätzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem 1933 Adolf Hitler in Deutschland an die Macht gekommen war, spürte man auch in Herzogenburg den nationalsozialistischen Trend. Eines Sonntags wehte vom Kirchturm, in den einige junge Männer heimlich eingedrungen waren, die Hakenkreuzfahne. Am 13. Dezember 1933 musste Prälat Steiner auf Weisung seiner kirchlichen Oberbehörde sein politisches Mandat in Herzogenburg zurücklegen. An seine Stelle trat Dechant [[Anton Rudolf]], &amp;quot;der von den Sozialdemokraten wohl bestgehasste Chorherr&amp;quot;. Er war der Typ von Priesterpolitiker, der die ohnehin spannungsgeladenen dreißiger Jahre durch sein Zelotentum und seine nie erlahmenden Bekehrungsversuche an ungläubigen &amp;quot;Marxisten&amp;quot; eher verschärfte denn beruhigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Volksabstimmung vom 10. April 1938 brachte in Herzogenburg 2.047 Ja-Stimmen für den Anschluss Österreichs an Deutschland und nur fünf Gegenstimmen. In der Folgezeit erhielt Herzogenburg den Namen &amp;quot;Stadt der Treue&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Jahren wurden die Repressalien gegenüber den kirchlichen Institutionen und der Geistlichkeit immer spürbarer. Die Stiftstaverne und der Theatersaal wurden beschlagnahmt. 400 Herzogenburger traten aus der Kirche aus, und rund 100 Kinder wurden vom Religionsunterricht abgemeldet. Das Herzogenburger Pfarrblatt, das seit 1915 erschien, wurde wegen &amp;quot;Papierknappheit&amp;quot; 1941 eingestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift konnte aber auch vielen Flüchtlingen helfen. Zu Kriegsbeginn wurden 60 belgische Kriegsgefangene im Theatersaal einquartiert, die tagsüber bei den Landwirten in der Umgebung arbeiten mussten. Sonntags durfte mit ihnen nur hinter verschlossenen Kirchentüren eine Messe gefeiert werden. 1940 kamen Flüchtlinge aus Bessarabien, später Umsiedler aus Serbien und aus der ungarischen Batschka, zuletzt 50 Flüchtlinge aus Siebenbürgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum &amp;quot;schwarzen Montag&amp;quot; wurde der 6. November 1944. 300 Bomben fielen in und um Herzogenburg: 20 Tote und große Sachschäden waren die traurige Bilanz. Am 14. April 1945 rückten nach einer kurzen Kanonade die Russen in Herzogenburg ein. Eine Gruppe von Herzogenburgern, unter ihnen Propst Ubald, ging ihnen mit der weißen Fahne entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Tagen glich das Stift einem Militärlager. Im Kammeramt wurde die Kommandatur, im Theatersaal die russische Schneiderei und im Meierhof die Wäscherei eingerichtet. Die Autorität des Prälaten flößte den Russen den nötigen Respekt ein, und so schützte er die 500 Herzogenburger, vor allem die Frauen und Mädchen, die sich vor den Kriegshandlungen in die Kellerräume des Stiftes geflüchtet hatten. Er ließ auch in der Prälatur eine Krankenstation errichten, das Prälaturarchiv war die Apotheke, der Salon die Isolierstation, das Schlafzimmer die Entbindungsstation – im Bett des Prälaten kamen sechs Kinder zur Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang Mai gab es die letzten Gefechte zwischen Russen und Deutschen. Am Morgen des 9. Mai wurde der Waffenstillstand verkündet. Die Stiftsgebäude waren durch einige russische Bomben leicht beschädigt worden. Im Haus allerdings herrschte eine furchtbare Verwüstung. Weiters wiesen die Stiftswälder in der Umgebung von Herzogenburg große Schäden auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inmitten der Aufbauarbeiten starb Propst Ubald Steiner. Er hatte den Konvent mit starker, aber väterlicher Hand geführt, sich mutig gegen die Nationalsozialisten durchgesetzt und aufgrund seiner persönlichen Kontakte eine Aufhebung des Stiftes verhindert sowie Stift und Ort vor größerem Schaden bewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger [[Georg IV. Hahnl]] konnte 1948 endlich vier neue Glocken in der Hoffnung weihen, dass sie länger als die vorhergehenden Glocken &amp;quot;Gott die Ehr' und den Menschen den Frieden&amp;quot; läuten mögen. 1942 hatten alle Glocken bis auf die größte, die Pummerin, der Rüstungsindustrie abgeliefert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Berühmtheit erlangte Propst Georg durch seine Arbeit auf dem Gebiet der Heimat- und Urgeschichtsforschung. Leider war fast seine ganze Regierungszeit als Propst von einer schweren Krankheit überschattet, was sich negativ auf das Klima und die Personalsituation des Stiftes auswirkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Resignation des Propstes Georg Hahnl wurde [[Thomas Zettel]] (1963–1969) zum nächsten Vorsteher des Hauses gewählt. Nach langen Vorbereitungen öffnete 1964 das Stift Herzogenburg seine Räume und Säle für über 100.000 Besucher anlässlich seiner (etwas verspäteten) 850-Jahr-Feier. Der ebenerdige Teil des Altstiftes war renoviert worden und das spätgotische Refektorium &amp;quot;glänzte&amp;quot; durch die kurz zuvor freigelegten Fresken von ca. 1500. Daneben im frühbarocken Refektorium waren die Funde aus der Ur- und Frühgeschichte neu aufgestellt worden. Im Barockgebäude waren im ersten Stock die Gästezimmer für die restaurierten Kunstschätze des Stiftes frei gemacht. Im Festsaal, in der Bibliothek, im Bildersaal und in elf weiteren Ausstellungsräumen erlebten und erleben bis heute die Besucher die Glanzzeiten des Hauses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1965 gab es eine einschneidende wirtschaftliche Umstellung: der Weinbau und die Landwirtschaft konnten in Eigenregie nicht mehr positiv geführt werden, deshalb wurden beide Wirtschaftszweige verpachtet. Der Forst als dritte Einnahmequelle wird bis heute noch selbst geführt, die Jagden sind verpachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leider kam es unter Propst Thomas wieder zum Verkauf von Kunstgegenständen und vieler Bücher, um die Zahlungsrückstände durch Renovierungen und den Waldankauf in Kleinzell zu begleichen. Ebenso wurde das Haus, in dem die ehemalige Stiftstaverne war, der Stadtgemeinde Herzogenburg verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1977 erreichten die ökumenischen Gespräche und Gottesdienste, die vom späteren Propst [[Maximilian]] initiiert wurden, ihren Höhepunkt in der Ausstellung &amp;quot;Kunst der Ostkirche&amp;quot;. Zum ersten Mal feierten in diesem Zusammenhang die Vertreter aller elf östlichen und westlichen Kirchen in Österreich einen gemeinsamen Gottesdienst in der Herzogenburger Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des Jubiläums &amp;quot;50 Jahre Stadt Herzogenburg&amp;quot; wurde die Nordeinfahrt des Stiftes restauriert und der Innenhof nach barockem Vorbild neu gestaltet. In diesem Jahr, 1977, wurde auch der Abschluss der Turmrenovierung gefeiert. Propst [[Clemens Moritz]] (1969–1979) wurde zum Ehrenbürger von Herzogenburg ernannt. Er war nicht ein Prälat im Sinne der prachtvollen Barockzeit – musste er doch einen personellen Tiefstand von nur 14 Mitgliedern erleben – wohl aber im Sinne des Ordensstifters Augustinus: ein Seelsorger, besorgt um seine Gemeinde und seine Mitbrüder. Auch nach der Resignation blieb Altpropst Clemens bis zum Jahr 1996 der Pfarrer von Herzogenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit [[Maximilian II. Fürnsinn]] (seit 1979) bekam das Stift nach 200 Jahren wieder einen gebürtigen Herzogenburger zum Propst. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Renovierung der Stifte und Pfarren. Allein mit einem Kostenaufwand von rund 50 Millionen Schilling wurde das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein in der Zeit von 1985 bis 1995 restauriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1982 wurde Propst Maximilian zum ersten Mal zum Vorsitzenden der niederösterreichischen Äbtekonferenz und zum Vorsitzenden der Diözesanen Superiorenkonferenz der männlichen Orden der Diözese St. Pölten gewählt. Von 1989 bis 1994 war er Vizepräsident der ökumenischen Stiftung Pro Oriente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den zentralen Anliegen des Konvents gehört heute, dass das Stift – entsprechend der jahrhundertelangen Tradition – eine offene Begegnungsstätte ist. So gehen auf die Initiative von Propst Maximilian viele Tagungen, Bildungsveranstaltungen und Zusammenkünfte von verschiedenen Institutionen und Vereinigungen zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den zuvor erwähnten ökumenischen Treffen haben etwa die Ritter vom Heiligen Grab in Jerusalem der Komturei St. Pölten hier regelmäßige Zusammenkünfte. Besonders erwähnenswert sind die &amp;quot;Herzogenburger Gespräche&amp;quot;, anlässlich derer mehrmals im Jahr 60 bis 80 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kirche zentrale gesellschaftliche Fragen behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bemühungen gehen dahin, das Haus auch zum geistlichen Zentrum der Pfarrseelsorge werden zu lassen. Insbesondere geht es dabei um die Bildung von Pfarrverbänden und um eine engere Zusammenarbeit der Mitbrüder in den Pfarren sowie auch um die Weiterbildung und geistliche Vertiefung der pfarrlichen Mitarbeiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wohl größte Veranstaltung des Jahres ist der &amp;quot;Niederösterreiche Kindersommer&amp;quot;. Zu diesem Fest kommen an zwei Wochenenden rund 15.000 Kinder in das Stift, welches auch seit vielen Jahren einer der Veranstaltungsorte von &amp;quot;Musica Sacra&amp;quot; ist – den internationalen Kirchenmusiktagen in Niederösterreich. Großen Wert wird auf eine gute musikalische Gestaltung der Gottesdienste an den großen Festen des Kirchenjahres und auf den vorbildlichen Einsatz der bedeutenden Orgel der Stiftskirche gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Bischof Ulrich I. von Passau (1092–1121) konnte seiner Neugründung, dem Augustiner-Chorherrenstift St. Georgen, nur wenig schenken. In der Gründungsurkunde des Klosters bemühte er daher auch die Heilige Schrift und erwähnt das Opfer der armen Witwe, die nur zwei Kupfermünzen in den Opferkasten des Tempels warf, die aber von Jesus gelobt wurde, weil sie alles gab, was sie besaß. Der Bischof schenkte einiges von seinem persönlichen Besitz her, vielleicht sogar alles, was er in der damaligen Ostmark sein Eigentum nannte. Und das war für die junge Kommunität gerade genug zum Überleben. Katastrophen oder wirtschaftliche Schwierigkeiten durfte es keine geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bischof übergab der Klostergemeinschaft seine ererbte Eigenkirche St. Georgen an der Traisenmündung mit Fischwassern, Weingärten, Wiesen und Wäldern. Ebenso vermachte er aus seinem persönlichen Besitz ein Gut und eine Hube zu Sebarn, eine Hube zu Perschling, Engabrunn und Gumpolding, eine halbe Hube in Pötzleinsdorf (bei Wien) und eine zu Kamp, je einen Weingarten zu Kuffern und Egelsee und zwei Weingärten in Inzersdorf. Aus dem bischöflichen Gut schenkte er drei Weingärten in Hundsheim mit einem Lehen, je einen Weingarten in Stein, Weinzierl und Plechingen (zwischen Stein und Krems), den dritten Teil des Zehents von Teras und Merzleinswerd, die Hälfte des Zehents von den Pfarren Herzogenburg und Traisenburg sowie das ganze Dorf Streithofen (im Tullnerfeld). Einige Jahre später schenkte Bischof Ulrich zur Aufbesserung noch sechs Weingärten dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der wirtschaftlichen Not des jungen Stiftes versuchte nun 1160 Bischof Konrad von Passau (1148–1164) mit einer (gefälschten) Urkunde zu helfen, in der er das neuzugründende Stift St. Andrä mit St. Georgen vereinigte. Dieser Zusammenschluss scheiterte am Widerstand Ottos von Rechberg, der schließlich ein eigenständiges Kloster St. Andrä errichten konnte. Als Entschädigung übertrug Bischof Konrad dem Stift St. Georgen die Pfarre Marquardsufer und den Schweighof bei Zeiselmauer, um der &amp;quot;materiellen Not des Stiftes abzuhelfen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam konnte das Stift in den folgenden Jahrhunderten seinen Besitz durch Schenkungen vermehren, wobei das Waldviertel und das untere Traisental zu Schwerpunkten der Besitzungen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Urkunde von 1163 werden als Zeugen zuerst die Äbte von Göttweig und Zwettl, der Propst von St. Pölten und dann der Propst von St. Georgen, Albert, angeführt. 25 Jahre später kommt Propst Berthold von St. Georgen in der Zeugenfolge nach den Äbten von Göttweig, Melk und Altenburg, jedoch vor den Pröpsten von St. Nikolai und St. Andrä. Diesen Platz in der Reihenfolge der niederösterreichischen Stifte nimmt Herzogenburg bis über die Barockzeit ein. Nach den Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II. dürfte das Stift Herzogenburg besitzmäßig an die letzte Stelle gerückt sein. Doch noch einmal zurück ins Mittelalter. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im 12. Jahrhundert konnte das Stift seine Besitzungen durch Kauf, vor allem aber durch Schenkungen vermehren. Die Vielzahl der Schenkungen im Mittelalter sind meist auch ein Zeugnis von guter Spiritualität: einem glaubensstarken Kloster vertraut man eher seine Gebetsanliegen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste große Finanzaufwand war der zweite Neubau des Klosters in Herzogenburg um 1244. Das älteste Zehentverzeichnis, das in das Jahr 1299 zurückreicht, zeigt jedoch schon eine wirtschaftliche Stabilisierung auf. Das Stift besaß nun zehn &amp;quot;Ämter&amp;quot;, i. e. Zehenthöfe, die für die Einhebung der Zehente notwendig waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten waren Abgaben für die Kreuzzüge zu entrichten. Später kamen dann die Steuern für die Finanzierung der Türkenkriege. Verwüstungen durch Kriege, Naturkatastrophen (Heuschreckenplage und Dürre) und Pestepidemien brachten einen wirtschaftlichen Tiefstand für das Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zeichen für das wirtschaftliche Auf und Ab war 1417 der Kauf eines Hauses in Wien, Johannesgasse. 1541 musste es wieder verkauft werden. Bezeichnend für diese schwierige Zeit war auch der Personalstand: 1569 war nur mehr ein Konventuale im Stift. Als 1601 wieder ein Haus in Wien, diesmal in der Annagasse, gekauft wurde, war dies zugleich auch ein Zeichen des neuen Erstarkens: sowohl wirtschaftlich als auch personell. Das Stift wurde renoviert, die Kirche barockisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Abwehr der Türken 1683 konnte das Stift im wirtschaftlichen Aufwind weitere Akzente setzen: ein Gut in Primersdorf (Waldviertel) wurde gekauft und ein großer, neuer Schüttkasten errichtet. In Wielandsthal wurde der Keller und in Haitzendorf der Pfarrhof von Prandtauer errichtet. Im barocken Neubau des Stiftes (ebenfalls von Prandtauer) und der dazugehörigen Kirche kam die wirtschaftliche Kraft zum Ausdruck. Allerdings mussten dafür Weingärten in Mautern, Mauternbach und Sallapulka, eine Mühle von St. Georgen, Meierhöfe in Reith bei Primersdorf, Großhain, Schwarzenbach usw. für eine Gesamtsumme von 17.600 Gulden verkauft werden. Das war ungefähr ein Drittel des Prandtauischen Kostenvoranschlages für den Neubau des Stiftes (54.000 Gulden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wirtschaftliches Tief lösten die napoleonischen Kriege und die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aus: 1851 wurde das Gut Primersdorf im Waldviertel veräußert. Jahre vorher konnte das Stift nur durch einen großzügigen Schuldenerlass von Kaiser Franz I. vor einem finanziellen Ruin gerettet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Stift nur durch den Verkauf von Grundstücken und von vielen Kunstgegenständen entgegenwirken. Einige Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg kam es wieder zu Veräußerungen von Kunstgegenständen, Teilen von Sammlungen (Mineraliensammlung) und Teilen der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre unter Propst Maximilian waren von einer klugen Wirtschaftspolitik gekennzeichnet. Trotz der bescheidenen Besitzungen von 2.625 ha (2.200 ha Wald, 25 ha Weinbau, 400 ha landwirtschaftliche Nutzung) konnten viele Restaurierungen am Stift und an den Kirchen und Pfarrhöfen vorgenommen werden. Am 29. April 1996 wurde die Außenrenovierung des Stiftes Dürnstein mit einem Gesamtumfang von 50 Millionen Schilling abgeschlossen. Eine Aufgabe für dieses Haus, etwa als Seminar- oder Vortragszentrum, wird noch zu finden sein.&lt;br /&gt;
Wenn auch schon vieles vollbracht worden ist, so warten doch noch weitere Aufgaben für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Vogtei===&lt;br /&gt;
Der Besitz des Bistums Passau im Raum Donau–Traisen stand unter der Vogtei der Babenberger. Diese übten sie durch die Burggrafen von Lengbach (Neulengbach) aus. Urkundlich sind die Vögte des Stiftes Herzogenburg sehr selten belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Übertragung des Stiftes nach Herzogenburg änderte sich in der Vogteiverwaltung nichts. Nach dem Aussterben der Babenberger siegelte 1252 Konrad von Zagging als Vogt des Hauses. Er dürfte in Verbindung mit König Ottokar Przemysl, dem neuen Landesherren, gestanden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Habsburger die Herrschaft übernahmen, wurden die Burggrafen von Neulengbach die Vögte von Herzogenburg. Bestätigt wird diese Annahme durch die Erklärung der Herzöge Wilhelm und Albrecht IV. vom 20. März 1396, in der sie ihre Pflicht zu besonderem Schutz und Schirm des Klosters und seiner Güter bestätigten, da sie ja jährlich das Vogtgeld von 17 Pfund und 6 Schillingen Wiener Pfennig und 1 Muth Hafer vom Stift empfingen. Das Stift Herzogenburg zahlte diese Summe bis zum Jahr 1848 nach Neulengbach, als die Herrschaft längst schon in Privatbesitz übergegangen war und das Vogtgeld umgerechnet nun 17 Gulden und 45 Kreuzer betrug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jenseits der Donau dürften die Kuenringer auf Dürnstein die Vogtei über die Stiftsgüter ausgeübt haben. Nach ihrem Aussterben erging 1356 eine Weisung des Herzogs Albrecht II. an seinen Pfleger in Krems, das Stift Herzogenburg in seinen Rechten und Besitzungen zu schirmen. Im Jahr 1445 übernahmen die Brüder Ulrich, Oswald und Stephan Eytzinger auf Bitten des Propstes die Vogtei auf 15 Jahre gegen die jährliche Abgabe von 6 Muth Hafer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Stift Herzogenburg lag jahrhundertelang wirtschaftlich im Mittelfeld der niederösterreichischen Klöster. So war es auch mit der Zahl der Mitglieder. Die frühen mittelalterlichen Chorherrengründungen waren nicht für riesige Konvente gedacht, sondern die Zahl zwölf war, von Jesus mit seinen Jüngern herkommend, die goldene Zahl. Bei der Gründung von St. Georgen werden wahrscheinlich eine Handvoll Chorherren die Aufbauarbeit an diesem Donaustift begonnen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1200 gab es die erste urkundliche Aufzählung des Konventes: zwölf Priester, drei Konversen (''fratres conversi''), fünf Familiaren und vier Brüder. Einige Jahre nach der Übersiedlung des Konventes von St. Georgen nach Herzogenburg wurden neun Priester, zwei Diakone und vier Brüder (''fratres barbati'') als Zeugen genannt. Ein Stiftshistoriker zählte diese bärtigen Brüder dem adeligen Stand zu, da er sie als Mitglieder von Bauhütten interpretierte, die Baumeister und Städteplaner waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Namen und aus der Stellung in der Zeugenreihe lassen sich auf die Abstammung der Chorherren Schlüsse ziehen. Wir finden im Konvent einige Mitglieder des niederen Adels. Diese Tatsache erklärt einen Teil der reichen Schenkungen des Adels der Umgebung, der so zur Versorgung seiner Söhne beitrug. Ein Nobelstift war Herzogenburg aber nie. Die meisten Novizen kamen aus der Umgebung, vereinzelt aus Oberösterreich, der Steiermark, Kärnten und Salzburg. Die Zusammensetzung des Konvents blieb also durchaus im Rahmen des damals Üblichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert dürfte sich die Zahl der Konventualen zwischen 20 und 25 bewegt haben. Der erste große Verlust kam durch die Ermordung einiger Chorherren bei der Eroberung von Herzogenburg im Jahr 1463 und dann durch die Pest. Die Reformation trug das ihre dazu bei, sodass es beim Tod des Propstes Bartholomäus von Cataneis 1563 wahrscheinlich überhaupt kein Konventmitglied mehr gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann gab es nur ein, später zwei Mitglieder, und mit dem Erstarken der Gegenreformation kam wieder Leben in die Stiftsgemäuer: im 17. Jahrhundert betrug der Personalstand zwischen acht und zehn Mitglieder. In der Barockzeit erreichte er die Zahl 25. Um 1800 waren 27 Priester, ein Kleriker und drei Novizen dem Stift zugehörig. Im 19. Jahrhundert stammten 47 Priester aus Niederösterreich, 21 aus der Tschechoslowakei und acht aus Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Jänner 1900 hatte dann das Haus den Höchststand in seiner Geschichte: von den 40 Mitgliedern waren 35 Priester, vier Kleriker und ein Novize. Im 20. Jahrhundert nahm die Zahl stetig ab, und zur Zeit gehören 13 Priester und drei Kleriker zum Stift. Die Priester stammten im letzen, d. h. im 20. Jahrhundert, zu gleichen Teilen aus dem Arbeiter- und Angestelltenstand bzw. aus der Landwirtschaft und aus Familien selbständig Tätiger (die Väter waren Fleischhauer, Fabrikanten usw.). Der größte Anteil von ihnen waren Niederösterreicher (15), dann Wiener (neun), sechs Priester kamen aus dem heutigen Tschechien. Je zwei stammten bzw. stammen aus Tirol, Deutschland und den Niederlanden. Je ein Professe kommt aus dem Burgenland und aus Belgien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Vom Ursprungskloster in St. Georgen haben sich keine Reste erhalten. Die frühesten Ansichten von diesem Bau stammen aus der Barockzeit. Es ist deshalb schwer zu beweisen, wie weit sie der Wirklichkeit entsprechen. Auf diesen Bildern ist eine Kirche als zentraler Rundbau zu sehen, wie es manchmal in der Romanik üblich war, davor zwei niedrigere Rundtürme mit der Prälatur, links davon der Küchenturm, der einem Rauchabzug ähnlich ist. Rechts von der Kirche befindet sich ein Fluchtturm mit den Glocken. Anschließend sind die Klostergebäude für die Chorherren und Gäste dargestellt. Der Klosterbau ist mit einer Mauer umgeben. Das Ganze ist wahrscheinlich ein liebevoller Versuch, das Ursprungskloster darzustellen. Diese Ansicht entspricht aber keiner romanischen Klosteranlage der damaligen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster in Herzogenburg sind wir besser informiert. Wahrscheinlich wurde 1244 zuerst mit dem Bau eines Konventtraktes begonnen, da der bestehende Pfarrhof für den 15 Mann starken Konvent zu klein gewesen ist. Von dieser Anlage hat sich noch der Südtrakt mit einem Kreuzgangabschnitt erhalten. Bei Renovierungsarbeiten zu Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Sandsteinsäulen mit herzförmigen Kapitellschilden und einfachen Rundsockeln freigelegt, die in die Mitte des 13. Jahrhunderts einzureihen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ehemalige Refektorium wurde zum Teil schon 1894 entdeckt, doch konnten die Fresken erst 1963 vollständig freigelegt werden. Diese Räume waren Teil des Gerichtsgebäudes: Wärterwohnung und Gefängniszellen. An der Südseite des gotischen Saales befinden sich drei Spitzbogenfenster. Den sechsjochigen Raum tragen zwei Steinpfeiler als Mittelstützen. An einem ist die Jahreszahl 1564 zu erkennen, die vielleicht auf eine spätere Renovierung zurückgeht. Ab einer Höhe von 1,70 m befinden sich figurale Wandmalereien. Die einzelnen Darstellungen des Zyklus sind unterschiedlich gut erhalten, zum Teil ist nur noch die rote Vorzeichnung vorhanden. Neben christologischen Szenen sind eine Sterbeszene im Kloster (vielleicht der Tod des Ordensgründers Augustinus) und ein hl. Georg wiedergegeben. Vom zweiten Bild der Nordwand ist die Darstellung des Stifters dieser Bilder Propst Georg Eisner mit seinem Konvent erhalten. Da er ohne Mitra gezeigt wird, ist die Entstehungszeit dieser Fresken kurz vor 1498 anzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der östlich an das Refektorium anschließende frühbarocke Saal wird auf einem Plan mit &amp;quot;Capitl&amp;quot; bezeichnet. Die Jahreszahl 1628 am Ostfenster gibt vielleicht den Abschluss des Umbaus an. Heute wird dieser Saal für das Urgeschichtsmuseum des Stiftes verwendet. Wahrscheinlich besaß dieser Konventtrakt aufgrund der Größe der Stiftsgemeinschaft ursprünglich schon einen ersten Stock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei anderen Flügel des Konventbaues wurden wegen des Kirchen- bzw. Schulneubaus weggerissen. Über die Funktion der Räumlichkeiten sind wir zum Teil durch einen Plan von Johann Michael Hergöth unterrichtet, den er um 1700 gezeichnet hat: ebenerdig gab es drei Sakristeiräume, eine Schneiderei, den Mesnerkeller und das erwähnte Refektorium. Im ersten Stock waren die Zimmer der Chorherren, die Wohnung des Dechants und die Bibliothek untergebracht. Im Kreuzgangbereich lag noch die alte Totenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite des Konventbereiches steht auch heute noch der Kirchenbau. Von der mittelalterlichen Kirche ist nur das gotische Kirchenportal aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten. Aus den Umbauplänen können wir schließen, dass dieser Bau als Pfeilerbasilika auf kreuzförmigem Grundriss errichtet war, ähnlich der Michaelerkirche in Wien. Nördlich der Kirche waren die Kanzleiräume und die Prälatur. Entlang des Baches lagen die Wirtschaftsräume mit einem weithin sichtbaren Fluchtturm (Kuchlturm). Von diesen Gebäuden steht nur noch die Mühle, die heute als Elektrizitätswerk die Wasserkraft nutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm von Schmerling (1709–1721) entschloss sich für den Neubau des Stiftes. Am 25. Mai 1714 wurde dazu der Grundstein gelegt und Jakob Prandtauer wurde mit der Planung und Ausführung betraut. Propst Hieronymus Übelbacher von Dürnstein bezeichnet Prandtauer als &amp;quot;fürnehmen baumeister zu St. Pölten und vielleicht fürnehmsten in ganz Österreich&amp;quot;. Prandtauer begann mit dem Bau des Südtraktes. Der Osttrakt mit dem großen Festsaal wurde nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet. 1720 wurde die Einfahrtshalle aufgeführt. Auch hier dürften Vorschläge von Fischer mitverarbeitet worden sein. Im Quertrakt, zwischen den beiden Höfen, wurden im Erdgeschoß die beiden Sakristeien eingerichtet: Herren- und Prälatensakristei. Die qualitätvollen Stukkaturen gehen auf Michael Bolla, 1717, zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1721 starb Propst Wilhelm Schmerling. Sein Nachfolger Leopold von Planta (1721–1740) ließ weiterbauen, und zur Zeit des Todes von Jakob Prandtauer war das Stiftsgebäude zu einem provisorischen Abschluss gekommen, der aber zum dauernden wurde, denn der Westtrakt des &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; blieb unausgeführt. Propst Leopold ließ vom Nachfolger Prandtauers, dem Stiftsbaumeister Joseph Munggenast, den Meierhof aufführen und in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts den Stiftsbau durch die Errichtung des nördlichen Vorbaues und des Georgitores äußerlich abschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Westtrakt aus Sparmaßnahmen nicht ausgeführt wurde, errichtete der Propst die dort geplante Bibliothek im Mitteltrakt, und die in diesem Teil schon begonnene Prälatur wurde in den Nordostteil des Gebäudes verlegt. Die Gärten ließ er in barocker Manier anlegen und die Brücke über den Mühlbach sowie den &amp;quot;Springbrunn unter dem Großen Saal&amp;quot; mit einigen &amp;quot;Kindln&amp;quot; (Sandsteinfiguren) versehen. Diese Gartenplastiken und auch die Zwergenfiguren aus dem Zwerglgarten sind heute verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leopold kaufte auch vom Wiener Goldschmied Johann Kaspar Holbein einige Brustkreuze, Kelche und vor allem eine wertvolle Monstranz, deren Entwurf auf Matthias Steinl zurückgehen könnte und die im Raritätenkabinett erhalten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung der fertiggestellten Stiftsgebäude erlebte Propst Leopold nicht mehr. Ein Jahr nach seinem Tod wurde die Weihe am Georgstag, den 24. April 1741, von seinem Nachfolger Frigdian Knecht (1740–1775) vorgenommen, der dann auch die &amp;quot;Kapitularen in die neue, freundliche Klausur&amp;quot; führen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich Propst Frigdian zum Neubau der Kirche. Am 26. Juni wurde unter Beisein des Malers Daniel Gran der Grundstein an der Epistelseite der Apsis (rechte Seite der Kirche) gelegt. Die Inschriftplatte aus vergoldetem Kupfer führt Franz Munggenast als Baumeister an. Im selben Jahr, in dem der Rohbau fertig wurde, 1748, starb der junge Baumeister mit 24 Jahren. Seine Genialität wird an dieser Kirche, die zu den großen Leistungen des österreichischen Barock gezählt werden darf, sichtbar. Sein Bruder Matthias folgte als Stiftsbaumeister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kircheninneren malte Daniel Gran 1746 das Hochaltarbild und im Presbyterium die beiden Fresken. Wegen finanzieller Unstimmigkeiten und anderer Meinungsverschiedenheiten kam es zum Bruch mit dem Künstler. Der Propst vergab daher die weiteren Arbeiten in der Kirche, die Freskenmalerei und sämtliche Altarbilder mit den Ovalbildern, an Bartolomeo Altomonte, der sie von 1753 bis 1771 ausführte. Die dekorative Malerei in den Kirchenkuppeln (oberhalb des Hauptgesimses) stammt von Domenico Francia aus Bologna. Die Aufbauten für den Hochaltar (1770) und die Seitenaltäre, die Ballustraden (Kommuniongitter) und die Kanzel (1773) der Kirche stammen von Jakob Mösl, die Altarplastiken von Johann Josef Rößler, das Chorgestühl (1772) und die Volksstühle (1775) vom Klostertischler Lorenz Horeß.&lt;br /&gt;
Die herrliche Ampel wurde 1770 von Johann Christoph Beuermann aus Wien geliefert. Das Glanzstück der Kirche ist die 1752 fertiggestellte Orgel von Johann Henke, dem bedeutendsten Wiener Orgelbauer dieser Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1680 befand sich in der alten Kirche ein aus Ungarn stammendes Marienbild, das &amp;quot;orientalische Frauenbild&amp;quot;, zu dem viele Wallfahrer kamen. Nach der Fertigstellung des barocken Seitenaltares im Neubau der Kirche wurde es 1771 von Propst Frigdian Knecht eigenhändig in einer Prozession, die ihn durch beide Märkte führte, auf den heutigen Platz übertragen. Gegenüber dem Marienaltar liegen in einem Schrein die Gebeine des hl. Urban. Sie stammen aus den Kalixtuskatakomben in Rom und wurden 1740 dem Stiftsdechant Michael Koch geschenkt.&lt;br /&gt;
Als 1771 der barocke Augustinusaltar fertiggestellt war, fand dort der urchristliche Märtyrer seine endgültige Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das jüngste Kunstwerk der Kirche ist der Volksaltar, der 1994 vom Wiener Künstler Wander Bertoni angefertigt wurde und die Schöpfung zum Thema hat. Die Krönung der Bautätigkeit des Propstes Frigdian Knecht war die Neugestaltung des Kirchturmes nach einem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach, unter Mithilfe des Baumeisters Matthias Munggenast. Mit Recht sieht der Stiftschronist Frigdian Mies im Turm den ins Große strebenden Geist des Propstes. Die originelle Turmspitze mit Herzogshut und Stiftskreuz wurde am 6. Juli 1767 &amp;quot;um die Mittagszeit unter Pauken- und Trompetenschall aufgesetzt&amp;quot;. 1756 hatte der Propst die Chorkapelle mit Fresken von Martin Johann Schmidt (&amp;quot;Kremser Schmidt&amp;quot;) und einem Verkündigungsbild von Martin Altomonte ausschmücken lassen. Im Festsaal malte Bartolomeo Altomonte 1772 das Fresko &amp;quot;Das seelsorgliche Wirken der Augustiner-Chorherren im Bistum Passau&amp;quot;. Das Fresko an der Decke der Prälatenstiege &amp;quot;Die Übertragung der Kanonie von St. Georgen nach Herzogenburg&amp;quot; ist signiert mit &amp;quot;Barto Altomonte fec. 1779 aetatis suae 79&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Augustin Beyer (1779–1780) wurde auch die Bildergalerie fertiggestellt. Die Gemälde sind nach einem dekorativen Schema angeordnet: ein zentrales Mittelstück, von kleineren Gemälden umrahmt. Die Bilder wurden zu diesem Zweck auch vergrößert, verkleinert oder sogar geteilt, um der Symmetrie zu entsprechen. Dieser &amp;quot;geistlichen Galerie&amp;quot; kommt nicht nur wegen ihres kulturgeschichtlichen Wertes große Bedeutung zu, es befinden sich unter den 144 Bildern auch hervorragende Kunstwerke, u. a. eine Vincenzo di Biagio Catena zugeschriebene &amp;quot;Heilige Familie&amp;quot; oder ein auf Holz gemaltes deutsches Männerporträt mit der Signatur &amp;quot;H. H. 1521&amp;quot;, das als Werk Holbein d. J. bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man in Österreich die Kunstschätze vergangener Jahrhunderte noch als entbehrlichen &amp;quot;Raritätenkram&amp;quot; verstand, förderte Propst Aguilin Leuthner (1811–1832) die seltsame Sammelleidenschaft seines Mitbruders Ludwig Mangold. Nach dem Vorbild der alten &amp;quot;Kunst- und Wunderkammern&amp;quot; aus der Renaissancezeit hatte der junge Ungar im Stift ein &amp;quot;Antiken- und Raritätenkabinett&amp;quot; im zweiten Stock über der Prälatur angelegt, das zum Grundstein der heutigen Stiftssammlung wurde. Ein Verzeichnis dieser Raritäten wurde im Juni 1815 von ihm angefangen und hat folgende Hauptabteilungen: &amp;quot;A Mahlerey und Mosaique, B Bildhauerey, Schnitz- und Gußwerk, C Kupferstiche und Handzeichnungen, D Glasarbeiten, E Uhren, F Becher und andere Gefaße, G Kleidungsstücke, H Musicalische Instrumente, I Waffen, K Römische Alterthümer, L Verschiedene Seltenheiten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die meisten der hier verzeichneten Gegenstände sind noch im Besitz des Stiftes und waren im Rahmen der Ausstellung &amp;quot;Kunstschätze im Stift Herzogenburg&amp;quot; zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunstwerke wurden 1964 in den ehemaligen Gästezimmern topographisch aufgestellt, d. h. nach Möglichkeit nach ihrem Herkunftsort gruppiert. Das Hauptstück der Sammlung ist der &amp;quot;Jüngere Aggsbacher Hochaltar&amp;quot;, ein 1501 in Krems gemaltes Werk von Jörg Breu von Augsburg. Eine vorzügliche Schnitzarbeit ist die realistisch gehaltene Skulpturengruppe des &amp;quot;Marientodes&amp;quot; um 1500, möglicherweise der Mittelteil der Predella des Jörg-Breu-Altares. Weiters soll hier die „Stiftertafel&amp;quot; aus der Zeit um 1500 erwähnt werden, eine Votivtafel mit dem Bildnis des Bischofs Ulrich I. von Passau und der &amp;quot;porträthaften&amp;quot; Darstellung des mittelalterlichen Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Höhepunkt der spätbarocken Abteilung bilden Werke von Daniel Gran, vor allem das vergoldete Modell für den Hochaltar um 1746 mit dem unmittelbaren Entwurf für das Hochaltarbild und ein äußerst lebendiges Selbstporträt. Einen besonderen Schatz stellt der Bestand von zehn Ölskizzen und Bildern von Bartolomeo Altomonte dar, darunter Entwürfe für die Fresken in der Stiftskirche und ein höchst interessantes Selbstporträt aus dem Jahr 1774. In der Prälatur haben sich auch einige erwähnenswerte Kunstgegenstände erhalten, z. B. ein seltener Venezianer Spiegel vom Beginn des 18. Jahrhunderts, der neben reichem Ornament und alter Verglasung gravierte bérainsche Ornamentik in dem Rahmenspiegelchen trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Refektorium wurde bis in die sechziger Jahre als Speisesaal der Chorherren benützt. 1975 wurde es renoviert und als &amp;quot;Augustinussaal&amp;quot; ein Veranstaltungszentrum für Stift und Pfarre. Im Südosten des Stiftes befindet sich im zweiten Stock das &amp;quot;Mexikanische Zimmer&amp;quot;. In diesem Raum war die von Propst Norbert Zach (1857–1887) erworbene Sammlung von Geräten, Waffen und Schmuckgegenständen der Ottawa-Indianer aufgestellt. Sie musste in den zwanziger Jahren veräußert werden.&lt;br /&gt;
Interessant ist das Zimmer heute wegen der zwölf Wandgemälde, die in der romantischen Gesinnung des späten 19. Jahrhunderts Motive aus Österreich darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Exponate der urgeschichtlichen Sammlung des Stiftes Herzogenburg kamen aus der Ausgrabung eines eisenzeitlichen Friedhofes von Statzendorf. Der Göttweiger Abt Adalbert Dungl war maßgeblich daran beteiligt. Die Pröpste Georg III. Baumgartner (1913–1927) und Georg IV. Hahnl (1946–1963) haben durch eigene Grabungen wesentlich zur Vervollständigung dieser Sammlung beigetragen. Zusammen mit Dungl waren sie die Pioniere der prähistorischen Archäologie im unteren Traisental.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Heute enthält die urgeschichtliche Sammlung eine Reihe von Steingeräten aus der Altsteinzeit, eine große Zahl von Fundstücken der Jungsteinzeit und Keramiken aus der frühen Bronzezeit, wie etwa den Fund von 17 Töpfen aus St. Andrä an der Traisen, Objekte der Hügelgräber und Urnenfelderkultur und weitere bedeutende Funde aus der Eisenzeit, wie Beigaben der Hallstadtkulturen aus den Gräberfeldern von St. Andrä und Statzendorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Römische Funde waren bis auf einige Münzen im Raum von Herzogenburg eher spärlich, bis 1972 aus der Zeit der römischen Kaiser ein Zeremonienhelm mit Gesichtsmaske unweit des Stiftes gefunden wurde, der zu den bedeutendsten Denkmälern römischer Kunst auf österreichischem Boden gerechnet werden muss. Mit seinen &amp;quot;Alexanderlocken&amp;quot; gehört er zum orientalischen Typus. Damit ist er ein Beispiel dafür, wie weit vorderorientalische Mysterienkulte im 2. und 3. Jahrhundert verbreitet waren. Dieses Unikat ist im Raritätenkabinett im ersten Stock ausgestellt, während alle anderen Funde im frühbarocken Refektorium im Altstift zu sehen sind. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Eine fachkundige Neuaufstellung wird derzeit von Univ.-Doz. Dr. Johannes-Wolfgang Neugebauer vorgenommen.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Als 1512 in Herzogenburg ein Großbrand wütete, wurden einige Trakte des Stiftes in Schutt und Asche gelegt. Die Bibliothek wurde dabei auch ein Raub der Flammen. Wahrscheinlich besaß damals das Stift über 100 handgeschriebene Bücher und vielleicht ebensoviele Inkunabeln. Wieviele Bücher gerettet werden konnten ist leider nicht überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten großen Förderer der mittelalterlichen Bibliothek waren die beiden Pröpste Johannes III. von Parsenbrunn (1401–1433) und Johannes IV. von Linz (1433–1457). Aus der Zeit vor dem Brand haben sich einige Buchfragmente erhalten. Fragment 42 aus dem 9. Jahrhundert ist das älteste Stück der Bibliothek.&lt;br /&gt;
Von der Wende des 12. zum 13. Jahrhundert stammt das Fragment 32 mit Teilen eines Legendars. Das Fragment 43 ist Teil eines Nekrologiums vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Es ist ein sicheres Zeugnis für die Schreibkultur des Stiftes in St. Georgen. Ob das Stift dann in Herzogenburg eine eigene Schreibschule besessen hat, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Auf jeden Fall sind keine Handschriften auf Pergament mit wertvollen Initialen auf uns gekommen, sondern nur anspruchslose, auf Papier geschriebene Bücher. Sie haben alle einen praktisch-theologischen Inhalt und stehen im Zusammenhang mit den Seelsorgeaufgaben des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Schreiber waren mit Sicherheit Klosterangehörige, von weiteren sieben ist es unsicher. Die kunsthistorisch kostbarsten Handschriften wurden erst in späteren Jahrhunderten angekauft. Den ersten größeren Zuwachs nach dem Brand erfuhr die Bibliothek durch Propst Philipp von Maugis (1541–1550), der vor allem humanistische Werke bzw. lateinische und griechische Klassikerausgaben erwarb und die von seinem Bruder ererbte Bibliothek der Stiftsbibliothek einverleibte.&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Herb (1687–1709) erbte ebenfalls von seinem Bruder 173 Bücher meist theologischen Inhalts, die in zwei Fässern und einer großen Truhe verpackt auf der Donau von Deutschland nach Krems transportiert und von dort ins Stift gebracht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge des barocken Stiftsneubaus wurde die Bibliothek von 1751 bis 1754 von Propst Frigdian Knecht (1740–1775) erbaut. Die Ornamentmalerei fertigte Domenico Francia an, die figuralen Grisaillen wurden von Bartolomeo Altomonte gemalt. Die einfachen, doppelteiligen Bücherschränke wurden vom Orgelbauer Johann Henke entworfen. Propst Frigdian sammelte die Bücher &amp;quot;mit einem unersättlichen Hunger&amp;quot;, wie er selber scherzend zu sagen pflegte. Er erwarb u. a. die Bibel von 1205 (HS 100) und die kostbare Handschrift &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; (HS 95) aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Stephan Peschka (1775–1779) und Michael Teufel (1781–1809) erwarben durch den Exjesuiten Abbé Johann Christoph Regelsberger viele Bände bei Bücherauktionen aus den Beständen aufgehobener Klöster. Mit der Übernahme der aufgehobenen Stifte St. Andrä an der Traisen 1783 und Dürnstein 1788 kamen nur wenige Bücher, nachweislich nur einige Handschriften und Inkunabeln, nach Herzogenburg. Der Großteil des Bücherschatzes kam in die Wiener Hofbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Petrus Schreiber]], von 1781 bis 1788 auch Stiftsdechant, war mit Unterbrechung fast 25 Jahre Bibliothekar. Eine große Anzahl von Büchern mit einheitlichen barocken Einbänden kam durch ihn in die Bibliothek. Sie tragen auf dem Einbanddeckel die goldenen Buchstaben &amp;quot;P. S.&amp;quot;. Ebenso vermachte er dem Stift 15 Inkunabeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Inventar von 1832 beziffert den Buchbestand summarisch mit etwa 10.000 Bänden. 1887 war der Besitz bereits auf 50.000 Bände, 253 Inkunabeln und 223 Handschriften angewachsen. Dieser Zuwachs dürfte auch die Erweiterung der Bibliotheksräumlichkeiten veranlasst haben. Unter Propst Norbert Zach (1857–1887) wurden 1870 die Gänge im zweiten Stock des Stiftes mit Bibliothekskästen ausgestattet. Unter ihm waren als Bibliothekare die bedeutenden Stiftshistoriker [[Wilhelm Bielsky]], [[Michael Faigl]] und Frigdian Schmolk tätig. Sie veröffentlichten viele Beiträge zur Stiftsgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine großzügige Erweiterung erfuhr die Stiftsbibliothek zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gräfin Maria Falkenhayn übergab 1905 dem Stift die 30.000 Bände ihrer Schlossbibliothek in Walpersdorf. Neben diesen gräflichen Exlibris finden sich in der Sammlung auch Werke mit den Besitzvermerken der Jörger, Colloredos und der Herrschaften Droß und Ottenschlag.&lt;br /&gt;
Während der Weltwirtschaftskrise kam es 1927 zur Veräußerung von Inkunabeln, die vergleichsweise die Höhe des Schätzwertes der ehemaligen Stiftstaverne ausmachten. Ebenso wurde in den sechziger Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eine große Anzahl von Büchern veräußert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anläßlich der Ausstellung im Jahr 1964 &amp;quot;Das Stift und seine Kunstschätze&amp;quot; wurde eine Neuaufstellung der Bücherbestände begonnen, die aber &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bis heute nicht fertiggestellt werden konnte&amp;lt;/span&amp;gt;. Derzeit ist die Bibliothek auf mehrere Standorte verteilt und lediglich die Handschriften, die Inkunabeln und die Druckwerke bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden nach dem Erscheinungsdatum geordnet. Der Rest ist weitgehend unbearbeitet. Der Gesamtbestand wird auf 80.000 Bände geschätzt. Dazu kommen noch 150 Inkunabeln und 150 mittelalterliche Handschriften. Die älteste Handschrift ist ein österreichisches Psalterium des 12. Jahrhunderts (HS 106). Die gut geschriebene Handschrift enthält eine Reihe von großartigen Initialen. Die bedeutendste Handschrift der Bibliothek ist Cod. 95 &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; von Gregor d. Gr. Sie wurde um 1260 in Mainz oder Regensburg geschrieben und enthält 36 ausgezeichnete Initialminiaturen im Stil der deutschen Malerei der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Cod. 223 ist eine oberitalienische Bibel der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit großen figurierten Initialen; fast alle Spalten tragen Federranken. Am Beginn der Genesis findet sich eine Gegenüberstellung der sieben Schöpfungstage mit christologischen Szenen. Ein österreichisches Graduale (HS 97) vom Beginn des 14. Jahrhunderts trägt auf jeder Seite Notenzeilen und stammt aus einem Zisterzienserkloster. Sehr schön ist eine französische Bibel mit Miniaturinitialen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (HS 99).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Ausgabe von Gregors &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; ist der zweibändige Cod. 94 aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts mit 18 figurierten Initialen, die von fünf Meistern stammen, die den Wenzelsbibelmeistern nahestehen. Die Handschrift wurde laut Eintragung in der Kartause Mauerbach geschrieben und war 1397 im Besitz der Kartause Olmütz. Wann und wie sie nach Herzogenburg kam, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der bedeutenden Sammlung von Wiegendrucken seien folgende hervorgehoben: ein sehr schöner Venezianer Druck von 1478, Lactantius Firmianus &amp;quot;Gegen die Haiden&amp;quot;; drei ausgezeichnete Kobergerdrucke aus Nürnberg, 1481; die Briefe des Ennea Sylvius Piccolomini (Papst Pius II.); ebenso von 1481 ein Kommentar zum Neuen Testament von Nicolaus de Lyra mit gezeichneten Initialen; und von 1483 ein Fastenbuch von Johannes Guitsch, gedruckt im Charakter der spätgotischen Handschriften. Ein Zisterzienser-Missale aus Paris um 1487 ist mit kleinen kolorierten Holzschnitten illustriert. Zwei sehr gute Ausgaben der interessanten Weltgeschichte von Rolewinck seien noch angeführt. Die eine Wiener Ausgabe von 1490 ist reich mit Holzschnitten illustriert, die zweite aus Köln mit vielen Holzschnitten in der Art der &amp;quot;Schedelschen Weltchronik&amp;quot; aus dem Ende des 15. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abschluss ist noch eine Postilla von Cuilcrinus, Augsburg 1495, die ebenfalls mit Holzschnitten illustriert ist, zu erwähnen. Die oben beschriebenen Handschriften und Frühdrucke sind im Hauptraum der Bibliothek in Vitrinen ausgestellt und bei jeder Führung durch das Stift zu besichtigen. In diesem Bibliothekssaal befinden sich in den Bücherschränken nur Bücher aus dem 18. Jahrhundert, um den Eindruck einer barocken Schaubibliothek zu vermitteln.&lt;br /&gt;
Durch die bescheidene Einrichtung wirkt die Bibliothek wie eine heimelige Studierstube. Die letzte Handschrift wurde 1990 erworben. Sie ist ein türkisches Gebetbuch aus dem 19. Jahrhundert in arabischer Zierschrift. In der Mitte des Buches finden sich zwei romantisch gemalte Ansichten der Moscheen in Mekka und Medina.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Das Herzogenburger Stiftsarchiv besteht aus vier Abteilungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) dem Archiv des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen/Herzogenburg mit 1.745 registrierten Urkunden (1112–1852) und zahlreichen nicht bearbeiteten Urkunden (ab 1852), 264 Büchern und 647 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit 327 registrierten Urkunden (998–1776), sechs Büchern und 225 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein mit 718 registrierten Urkunden (1306–1768), 36 Büchern und 90 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) dem Archiv des aufgehobenen Clarissenklosters Dürnstein mit 357 registrierten Urkunden (1289–1658) und ca. 20 Büchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Dokument im Stift Herzogenburg ist die Gründungsurkunde (1112) von Bischof Ulrich von Passau (Sta. Hn. 1a). Sie ist eine der formvollendetsten Urkunden aus der Schreibstube des Bistums Passau. Äußerst interessant ist die Traditionsnotiz (Sta. Hn. 1b), die ein Konzept zur Gründungsurkunde darstellt und sechs weitere protokollarische Notizen enthält, die an verschiedenen Orten abgefasst wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historisch bedeutsam für das Stift ist auch die Übertragungsurkunde von 1244 (Sta. Hn. 38). Die schweren Zeiten des 15. Jahrhunderts sowie der Brand des Klosters im Jahr 1512 dürften dem Archiv nicht allzusehr zugesetzt haben. Alle wichtigen Urkunden sind im Original vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes VII. Glaz (1569–1572) veranlasste eine Aufzeichnung und Registrierung der &amp;quot;Pergament-Brieff&amp;quot;. In dem 1570 angelegten Verzeichnis wird das Archiv als „Registratur&amp;quot; bezeichnet. Entsprechend dem damaligen Kanzleigebrauch, dessen Vorbild die Kanzlei des Regiments der niederösterreichischen Lande war, wurden auch in Herzogenburg die Urkunden, damals insgesamt 46 Stück, in einem mit Laden versehenen Kasten und die weniger wichtigen Akten in einem Sack aufbewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1683 wurden das Archiv und die Schatzkammer vor den heranrückenden Türken in das Chorherrenstift Dürnstein verlagert und 1684 wieder zurückgebracht. Die zeitlich nächstfolgende Bestandsaufnahme des Stiftsarchivs erfolgte zwischen 1730 und 1740. &amp;quot;Ain großer mit Eyßen schön beschlagener Casten, hat 36 unterschidliche litterirte gemahlene Laden&amp;quot;. Er diente als Aufbewahrungsort für das als &amp;quot;gehaimbtes Gwölb&amp;quot; bezeichnete Hauptarchiv. Diesem wurden 1745 Schriften und Akten des Hofrichters und des Stiftskämmerers einverleibt. Genaue, nach Grundherrschaften bzw. Sachgebieten angelegte und geordnete Inventarien zeugen von der Sorgfalt, mit der das Stiftsarchiv unter Propst Frigdian I. Knecht (1740–1775) betreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte im Streben nach dem Wissen über die eigene Vergangenheit die ersten wissenschaftlichen Bearbeitungen des Urkundenbestandes durch die Herzogenburger Chorherren [[Wilhelm Bielsky]] (Die ältesten Urkunden des Kanonikatsstiftes St. Georgen in Unterösterreich von 1112–1244, Wien 1852) und [[Michael Faigl]] (Die Urkunden des regulierten Chorherrenstiftes Herzogenburg vom Jahre seiner Übertragung von St. Georgen 1244–1450, Wien 1886).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich wurde in den Jahren 1930 bis 1935 der unübersehbare Bestand an Akten und Büchern durch Dr. Göhler geordnet und durch eine Zettelkartei der Forschung zugänglich gemacht. In der insgesamt 1.745 Urkunden umfassenden Urkundenreihe vom Stiftsarchiv Herzogenburg gibt es neben einer Vielzahl von Stiftungs- und Schenkungsurkunden auch Urkunden von Päpsten und Landesfürsten. Die älteste Papsturkunde wurde 1177 von Papst Alexander III. ausgestellt, die erste in deutscher Sprache abgefasste Urkunde stammt aus dem Jahr 1292.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als einzigartiges Dokument soll eine Urkunde Erwähnung finden, die von Mönchen des Katharinenklosters am Sinai und Chorherren des Stiftes Herzogenburg im Jahr 1491 gezeichnet wurde. Damals haben zwei griechische Sinaimönche Herzogenburg besucht und mit den hiesigen Chorherren eine Gebetsverbrüderung geschlossen und besiegelt – ein merkwürdiges und einmaliges Zeugnis für die Verbindung der Ost- und Westkirche im ausgehenden Mittelalter nach dem Fall von Konstantinopel (Sta. Hn. 538).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Grundbücher, wertvolle Unterlagen zur Erforschung der Besitz- und Bevölkerungsgeschichte im Raum Herzogenburg, wurden im 12. Jahrhundert angelegt. Hinzu tritt jene Masse des Archivmaterials, die als Akten des adeligen Richteramtes über die Untertanen aus der Amtstätigkeit des Stiftes erwachsen sind: Grundbuchsakten ab 1340, Testamente ab 1500, Verwaltungsakten über den Oberen Markt Herzogenburg, Korrespondenzen mit den umliegenden Grundherrschaften. Diese Schriftstücke zeigen den Kampf des Stiftes um seine Rechte und Besitzungen, unter welchen besonders Fischerei- und Wasserrechte auf der Traisen und Jagdrechte in den Auen im Vordergrund stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Rechnungsbüchern und Rechnungsakten finden sich genauere Aufzeichnungen über den Bau der barocken Stiftsgebäude und der inkorporierten Pfarrkirchen mit ihren Pfarrgebäuden. Eigenhändige Unterschriften auf den Quittungen sind zu finden von Jakob Prandtauer, der Familie Munggenast, Bartolomeo Altomonte, Daniel Gran, vom Salzburger Steinmetzmeister Jakob Mösl, vom Wiener Goldschmied Johann Caspar Holbein und vielen anderen. Bei der Durchsicht von unbearbeiteten Archivmaterialien konnte ein eigenhändig geschriebener Brief von Martin Luther von 1541 aufgefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Auflösung der Chorherrenstifte St. Andrä und Dürnstein kamen deren Archive nach Herzogenburg. Propst Michael Teufel (1781–1809) hat sich sehr um ihre Erhaltung und sichere Aufbewahrung bemüht. Die älteste Urkunde von St. Andrä ist eine Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. aus dem Jahr 998 (Sta. An. 1). Die Stiftungsurkunde von St. Andrä stammt aus dem Jahr 1160 und ist mit 44 Zeugen belegt (Sta. An. 4). Zu erwähnen ist noch eine prunkvolle Ernennungsurkunde des Chorherren Johannes Zwickl zum Kommissär für den Türkenablass des Papstes Innozenz VIII. von 1490 in teilvergoldeter Schrift mit reichen Initialen (Sta. An. 208). Alle drei Dokumente zählen zu den Zimelien dieser Urkundenreihe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Archiv der Chorherren von Dürnstein ist der Stiftungsbrief vom 18. Februar 1410 (Sta. CDn 147) der absolute Höhepunkt. Der linke Rand dieser Urkunde ist mit einer Reihe von höchst bedeutenden Miniaturen versehen, die sowohl der böhmischen wie der Wiener Buchmalerei des frühen 15. Jahrhunderts nahestehen. Die angehängten sechs Siegel sind noch vorhanden. Zwei im selben Jahr ausgestellte Urkunden tragen schöne Initialmalereien (Sta. CDn 149 und 150).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Im Gegensatz zum &amp;quot;Archiv Herzogenburg&amp;quot; sind die Urkunden, Bücher und Akten der drei anderen Archive noch nicht publiziert und daher wissenschaftlich noch wenig ausgewertet. &lt;br /&gt;
Derzeit (1995) wird die Einrichtung des Archives erneuert und auf den letzten technischen Stand gebracht. Damit ist auch der Wunsch verbunden, dass die letzten 150 Jahre archivmäßig aufgearbeitet werden.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Historische Namensformen===&lt;br /&gt;
* WEIGL, Heinrich, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, 8 Bde., Wien 1964–1981.&lt;br /&gt;
* SCHUSTER, Elisabeth, Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, 1. Teil (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B), Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
* HAUSNER, Isolde / SCHUSTER, Elisabeth, Altdeutsches Namenbuch, Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politische und kirchliche Topographie===&lt;br /&gt;
* WOLF, Hans, Niederösterreich (Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 6. Teil), Wien 1955.&lt;br /&gt;
* RUPP / SCHMIDTBAUER, Herzogenburg, 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Franz Reininger: Die Wiegendrucke der Stiftsbibliothek Herzogenburg. In: Mitteilungen des Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 12 (1908), S. 109–127.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Katalog der Handschriften der Stiftsbibliothek Herzogenburg. St. Pölten 1978. [https://manuscripta.at/diglit/winner_1978_1/0001 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Mayo Hope: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed for the Hill Monastic Manuscript Library, Austrian Libraries. Volume III: Herzogenburg. Collegeville, Minnesota, 1985. [https://archive.org/details/HMMLAustriaInventory3 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Franz Lackner: Datierte Handschriften in niederösterreichischen Archiven und Bibliotheken bis zum Jahre 1600. Wien 1988 (Katalog der datierten Schriften in lateinischer Sprache in Österreich, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kunst- und Baugeschichte===&lt;br /&gt;
* HEIDER, Gerhard / HÄUFLER, J. V., Archäologische Notizen (Archiv für österreichische Geschichte II/1), Wien 1850, 139–178.&lt;br /&gt;
* RIESENHUBER, Martin, Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Bistums St. Pölten, St. Pölten 1923.&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer. Der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* PETERMAIR, Hans, Die bauliche Anlage der Stifte in Altenburg, Herzogenburg und Seitenstetten und ihre baukünstlerischen Beziehungen im Mittelalter und in der Barocke, masch.geschr. techn. Diss., Wien 1934.&lt;br /&gt;
* STEINER, Ubald, Die Stiftskirche zu Herzogenburg. Beiträge zur Baugeschichte nach Aufzeichnungen des Propstes Georg Baumgartner, in: Pfarramtliche Nachrichten für den Kirchensprengel Herzogenburg 21 (1935), Nr. II/12.&lt;br /&gt;
* MUNGENAST, Emmerich, Joseph Munggenast. Der Stiftsbaumeister 1680–1741, Wien 1963.&lt;br /&gt;
* FEUCHTMÜLLER / WEBER, Stift und Kunstschätze, 1964.&lt;br /&gt;
* HEINZL, Brigitte, Bartolomeo Altomonte, Wien/München 1964.&lt;br /&gt;
* BIBA, Otto, Die Orgelakten des Stiftes Herzogenburg, in: Unsere Heimat, Zeitschrift des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 41 (1970), Heft 1, 9–24.&lt;br /&gt;
* GÜTHLEIN, Klaus, Der österreichische Barockbaumeister Franz Munggenast, phil. Diss., Heidelberg 1973.&lt;br /&gt;
* KNAB, Eckhart, Daniel Gran, Wien/München 1977.&lt;br /&gt;
* CÄSAR, Menz, Das Frühwerk Jörg Breus des Älteren, Augsburg 1982.&lt;br /&gt;
* EGGER / HESSLER / PAYRICH / PÜHRINGER / FASCHING, Stift Herzogenburg, 1982.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Hermann-Fichtenau: Der Bildersaal im Stift Herzogenburg, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 38 (1984).&lt;br /&gt;
* SERVUS, Die Entstehung der barocken Klosteranlage, 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Moseneder: Passau im Gedächtnis Herzogenburgs. Zur Ikonologie des Augustiner-Chorherrenstift. In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch 31 (1989), S. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;##&amp;lt;/span&amp;gt;.&lt;br /&gt;
* Karl Thomas (Bearb.): Die Baumeisterfamilie Munggenast. Sonderausstellung des Stadtmuseums St. Pölten anläßlich des 250. Todestages von Joseph Munggenast. St. Pölten 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Oskar Freiherr von Mitis: Studien zum älteren österreichischen Urkundenwesen. 5 Bände. Wien 1906–1912.&lt;br /&gt;
* Franz Stundner: Das Archiv des Stiftes. In: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Hg. von Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber. Herzogenburg 1964, S. 83–86.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sonstige Literatur===&lt;br /&gt;
* Georg Baumgartner: Herzogenburg. In: Topographie von Niederösterreich. Band IV. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Wien 1896, S. 209–238.&lt;br /&gt;
* Gerhart Egger / Walter Hessler / Wolfgang Payrich / Leonore Pühringer / Herbert Fasching: Stift Herzogenburg und seine Kunstschätze. St. Pölten 1982.&lt;br /&gt;
* Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Herzogenburg 1964.&lt;br /&gt;
* Maximilian Fürnsinn: Stift Herzogenburg 1938–1945. In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 22/4 (1975), S. 132–140.&lt;br /&gt;
* Maria Hasitscha-Köck: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg während der Zeit des Propstes Michael Teufel von 1781 bis 1809. Diss. Univ. Wien. Wien 1973.&lt;br /&gt;
* Andreas Karl Kaiser: 975 Jahre Pfarre Herzogenburg (1014–1989). Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1989.&lt;br /&gt;
* Gerhard Nikodim: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg von 1513 bis 1602. Diss. Univ. Wien. Wien 1968.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich: Das Stift Herzogenburg. Die 875-jährige Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen-Herzogenburg von 1112–1987. Dipl.-Arb. Univ. Linz. Linz 1987.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich / Hans Peter Schmidtbauer: Unsere Kirche lebt. 200 Jahre Stiftskirche Herzogenburg. St. Pölten 1985.&lt;br /&gt;
* Anton Rupp / Hans Peter Schmidtbauer: Herzogenburg. St. Pölten / Wien 1991.&lt;br /&gt;
* Werner Sandner: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg von 1244 bis 1513. Diss. Univ. Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Frigdian Schmolk: Stift der regulirten lateranensischen Chorherren zu Herzogenburg in Nieder-Oesterreich. In: Ein Chorherrenbuch. Geschichte und Beschreibung der Bestehenden und Anführung der aufgehobenen Chorherrenstifte. Augustiner und Prämonstratenser in Österreich-Ungarn, Deutschland und der Schweiz. Hg. von Sebastian Brunner. Würzburg 1883, S. 200–263. [https://books.google.at/books?id=GoJJAAAAIAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA199-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Harald Servus: Die Entstehung der barocken Klosteranlage in Herzogenburg und ihre geschichtlichen Voraussetzungen. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1987.&lt;br /&gt;
* Egon Wahl: Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit besonderer Berücksichtigung der rechtlichen, besitz- und personalgeschichtlichen Verhältnisse. Diss. Univ. Wien. Wien 1945.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Herzogenburg&amp;diff=10196</id>
		<title>Stift Herzogenburg</title>
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		<updated>2022-07-14T07:47:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Archiv */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1112&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (seit 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Stift St. Georgen, St. Georg in Herzogenburg, Ducumburgensis&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}, Niederösterreich&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.28677, 15.69721&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Georg, ursprünglich wahrscheinlich auch hl. Stephan und hl. Jungfrau Maria&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Fast im geographischen Mittelpunkt von Niederösterreich, gehört Herzogenburg heute zum politischen Bezirk St. Pölten-Land und ist ein eigener Gerichtsbezirk.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
An der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert konnten im unteren Traisental die Passauer Bischöfe ihren pastoralen Einfluss am erfolgreichsten geltend machen. Bischof [[Ulrich I. von Passau]] (1092–1121) stiftete mit der Gründungsurkunde vom 18. August 1112 ein Eigenkloster für Augustiner-Chorherren bei seiner Kirche in St. Georgen. Diese lag am linken Traisenufer, dort, wo damals der Fluss in die Donau mündete. Als seelsorgliches Aufgabengebiet und als Existenzgrundlage übergab der Bischof seinem Kloster St. Georgen die beiden Mutterpfarren Traisenburg und Herzogenburg. Wahrscheinlich sandte er aus dem reformierten [[Stift St. Nikola]] bei Passau oder auch aus dem [[Stift Rottenbuch|Reformstift Rottenbuch]] (Bayern) Chorherren nach St. Georgen an der Traisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Errichtung der Stiftsgebäude in St. Georgen unter dem ersten Propst [[Wisinto I.]] (1112–1117) sind wir leider nicht unterrichtet. In den ersten Jahrzehnten war die Existenz des Klosters einerseits von den Hochwassern der Donau und andererseits von der wirtschaftlichen Schwäche infolge zu geringer Dotierung bedroht.&lt;br /&gt;
Zur Beseitigung dieser Schwierigkeiten wollte nun der Passauer Bischof [[Konrad]] (1148/49–1164), ein Sohn des hl. Leopold, das Kloster St. Georgen mit der noch offenen Stiftung des Walter von Traisen vereinigen und den Konvent nach St. Andrä an der Traisen verlegen. Nach dem Widerstand des Testamentvollstreckers Otto III. von Rechberg-Lengbach, der den Wunsch des Verstorbenen erfüllen wollte und eine eigenständige Gründung anstrebte, bediente sich die Passauer Seite einer gefälschten päpstlichen Bestätigung, nach der der Bischof Propst [[Hartwig von St. Georgen]] die Kapelle des hl. Andreas anvertraut habe, und es kam am 30. Dezember 1160 zur Gründung des [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stiftes St. Andrä an der Traisen]]. Aufsicht und damit Verfügungsgewalt hatte der Propst von St. Georgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Otto wollte aber seine Rechte auf St. Andrä nicht aufgeben und überantwortete nach Beendigung des Schismas das neugegründete Stift St. Andrä dem päpstlichen Stuhl. 1185 kam ein päpstlicher Schutzbrief, der das Obereigentum des Papstes bestätigte und alle anderen Ansprüche ausschaltete. Der Besitz des Stiftes wurde bestätigt, ebenso die freie Propstwahl. Mit dieser Urkunde blieb das Stift St. Andrä selbständig und die Vereinigung mit Herzogenburg war verhindert worden.&lt;br /&gt;
Bischof Konrad verbesserte in den Jahren 1158 und 1160 die finanzielle Situation des Stiftes St. Georgen, indem er zur Entsumpfung der ungesunden Umgebung den Bau eines Wassergrabens ermöglichte und außerdem den Chorherren die [[Pfarre Marquardsurvar]] (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Haitzendorf|Haitzendorf]]) und den Schwaighof bei Zeiselmauer schenkte. 1175/76 wurde jedoch das Gebiet nördlich der Donau – und damit die Besitzungen des Stiftes im Waldviertel – durch den Einfall Herzog Sobieslaws verwüstet.&lt;br /&gt;
Unter den späteren Schenkungen an das Kloster während der Regierungszeit Propst [[Wisinto II.|Wisintos II.]] (1191–1204) ist ein Stiftungsbrief von 1201 bemerkenswert, der ein Nonnenkloster in St. Georgen voraussetzt. In einer Urkunde aus der Zeit um 1230 werden die Schwestern Kunigunde und Ehrentraud von Zebing als Kanonissen von St. Georgen genannt. Dieser Frauenkonvent ist anlässlich der Übersiedlung des Männerklosters nach Herzogenburg auch mitverlegt worden. Die Schwesterngemeinschaft war nicht sehr groß, hatte nur geringes Vermögen und stand wahrscheinlich unter der Oberaufsicht des Propstes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Engelschalk]] (1242–1267), dem zwölften Propst des Stiftes St. Georgen, kam es zu der unumgänglichen Übersiedlung. Das Stift hatte zwar in den vorangehenden Jahrzehnten sein Vermögen durch einige Schenkungen und günstigen Tauschhandel vermehren können und profitierte an der wirtschaftlichen Blüte des Landes unter Herzog Leopold VI., doch belastete es der Verlust der finanziellen Einnahmen in den Zehentgebieten nördlich der Donau durch die neuerlichen Einfälle der Böhmen und Mährer. Untragbar wurde die Situation durch die häufigen Überschwemmungen der Donau, die das Stift zeitweise sogar zur Insel machten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als neuer Wohnsitz kamen die beiden Pfarrbesitzungen des Stiftes in Frage, und zwar [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Traisenburg/Pfarrkirchen/Stollhofen|Traisenburg/Pfarrkirchen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg|Herzogenburg]]. Auch Pfarrkirchen war zu nahe an der Donau gelegen und so fiel die Wahl auf Herzogenburg.&lt;br /&gt;
Als sofortige Wirtschaftshilfe erteilte der Bischof dem Stift noch im selben Monat die Befreiung vom Bergrecht für die Weingärten in Königstetten. In der Übertragungsurkunde vom 19. März 1244 übergab er dem Konvent seine Rechte in der Pfarre Herzogenburg. Durch all diese Begünstigungen wurde Bischof [[Rudiger]] zum Retter und zweiten Gründer des Stiftes.&lt;br /&gt;
Die Stiftsgebäude in St. Georgen verfielen im Lauf der Zeit und wurden von der Donau überschwemmt. Im Jahr 1822 konnte man noch bei niedrigem Wasserstand der Donau die Fundamente des zerstörten Klosters sehen. Von den Nebengebäuden haben sich in unmittelbarer Nähe wahrscheinlich nur Mauerreste der Klostermühle in der heutigen Gutschermühle erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spätmittelalter=== &lt;br /&gt;
Propst Engelschalk (1242–1267) begann vermutlich gleich nach der Übersiedlung des Konvents (1244) mit dem Bau der Klosteranlage in Herzogenburg, die aus dem Konventgebäude der Chorherren, der Stiftskirche, dem Frauenkloster mit einer Kapelle und den Wirtschaftsgebäuden bestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der jahrzehntelangen Bauzeit siedelten sich in der Nähe des Stiftes, &amp;quot;auf der Widern&amp;quot;, Handwerker und Stiftsangestellte an. Diese Siedlung hatte einen eigenen Markt und wurde später nur mehr der Obere Markt genannt.&lt;br /&gt;
Die Übersiedlung des Chorherrenkonventes dürfte schon 1249, der Bau der Stiftskirche aber erst viele Jahrzehnte später abgeschlossen worden sein. Die romanische Pfarrkirche – mit der Gründungsurkunde vom 5. Juli 1014 hatte Kaiser Heinrich II. auch in Herzogenburg die Errichtung einer Pfarre ermöglicht – wurde daher in den ersten Jahrzehnten auch für die stiftlichen Funktionen verwendet. Nach der Fertigstellung der Stiftskirche war sie wieder normale Pfarrkirche und bestand als solche bis ins 16. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Leben der Chorherren im Mittelalter berichtet der Stiftschronist [[Frigdian Schmolk]] mit den Worten des 19. Jahrhunderts: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Die Lebensweise der Chorherren war eine sehr strenge: Schon zur Mitternachtsstunde gingen sie in Prozession zum Chore, um dort Gott zu loben und zu preisen; auch zur Arbeit und zur Mahlzeit gingen sie im geordneten Zuge. Täglich wurde nach der Prim ein &amp;quot;Capitel&amp;quot; gehalten, wo besonders von Besserung und Bestrafung der Fehlenden die Rede war; jeder sollte seine Fehler selbst bekennen oder anderen dieselben anzeigen. Nachher beschäftigten sich die Chorherren mit Handarbeit außer dem Stifte, oder innerhalb desselben mit Abschreiben von Büchern, mit Zurichten des Pergamentes, mit Lederarbeiten, Weberei, Drechslerei usw., außerdem hatten sie die Gärten zu pflegen, Unkraut auszurotten, ja selbst von Heu machen und Reinigen der Rüben wird in Handschriften erzählt. Für diese Verrichtung war die Zeit vom &amp;quot;Capitel&amp;quot; bis zur Terz, nachmittags bis zur Vesper bestimmt. Nach der feierlichen Conventmesse war die Zeit bis zur Sext zum Studieren, Lesen, für religiöse Gespräche und Krankenbesuche bestimmt. Das Mittagsmahl war sehr einfach bestellt, ausgenommen die sogenannten &amp;quot;pietantiae&amp;quot; oder &amp;quot;Frohmähler&amp;quot;, bei welcher Gelegenheit die Anzahl der Gerichte vergrößert wurde. Nach Tisch begaben sich die Regularen ins Dormitorium, wo man las, betete oder ausruhte bis 2 Uhr, um welche Zeit der Chor oder die Vigilien für die Todten abgehalten wurden. Hierauf war gemeinsamer Trunk im Refectorium, worauf man die Zeit bis zur Vesper mit Handarbeit ausfeilte. Dann folgte das Abendmahl, worauf die Zeit bis zur geistlichen &amp;quot;Collation&amp;quot; zum Lesen und Schreiben bestimmt war, wobei aber strenges Stillschweigen zu beobachten war. An die geistliche &amp;quot;Collation&amp;quot; reihte sich das Completorium, nach dessen Abbetung das Asperges folgte, worauf sich die Chorherren ins Dormitorium zur Ruhe begaben. Stillschweigen war an bestimmten Orten und zu gewissen Zeiten auferlegt. Die Fasten und Abstinenzen wurden sehr streng gehalten: Von der Pfingstoctave bis Mitte September wurde am Mittwoch und Freitag nur eine ordentliche Mahlzeit gehalten, im Advent und die ganze Fastenzeit war Abstinenz von Fleisch, ja sogar von Eiern und Käse geboten.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Pröpste von Herzogenburg waren nicht nur mit dem Stiftsbau, sondern auch mit der Errichtung von Befestigungsanlagen beschäftigt, da die Bürger des ausgehenden 13. Jahrhunderts durch Mongolenstürme, Ungarnangriffe und durch herumstreifende Kriegsscharen in der rechtlosen bzw. kaiserlosen Zeit besonders gefährdet waren. Der Untere Markt Herzogenburg hatte den Babenbergern gehört, bis er 1210 durch Tausch in den Besitz des bayerischen Klosters Formbach am Inn übergegangen war. Diese Zweiteilung der Grundherrschaft verhinderte auch, dass Herzogenburg schon früher zur Stadt erhoben wurde.&lt;br /&gt;
Die vielen Schenkungen an der Wende zum 14. Jahrhundert bezeugen, dass man sich dem jungen Kloster sehr verbunden fühlte, seine Leistungen anerkannte und sich gern in seinen geistlichen Schutz stellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die finanzielle Lage des Stiftes Herzogenburg war so gut, dass Propst [[Siegfried]] noch ein Haus in der Singerstraße in Wien erwerben konnte. Er kaufte auch einige Häuser auf der Widern, und nach und nach ging der Obere Markt von Herzogenburg in Stiftsbesitz über. Die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zählt zu den &amp;quot;goldenen Zeiten&amp;quot; des Stiftes. Unter dem folgenden Propst [[Nikolaus I. Payger von Würmla]] (1361–1374) erlebte das Stift Missernten und musste Kriegssteuern an Herzog Rudolf IV. und Papst Gregor XI. zahlen. Die Kurie forderte den zehnten Teil aller Einkünfte, um den Krieg gegen Florenz und Mailand fortführen zu können. Das Stift geriet nach langer Zeit wieder in Verschuldung, was Propst Nikolaus sehr bedrückte, wie aus seiner eigenhändigen Eintragung in ein Zehentregister zu entnehmen ist. Alle Klöster des Landes habe Herzog Rudolf ausgepresst und das Erbgut Christi in Soldgeld verwandelt. Die klösterlichen Chronisten seiner Zeit nannten Rudolf einen &amp;quot;neuen Nero&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Erleichterung der angespannten finanziellen Lage gewährten die Herzöge Albrecht III. und Leopold III. dem Stift Privilegien, da &amp;quot;die geistlichen ..., der Probst und das gotzhaus ze Herzogenburg in grozzer geltschulde und kumber sind.&amp;quot; 1373 wurde das Stift von der Pflicht der Gastung befreit: &amp;quot;deshalb wurde allen Herren, Rittern und Knechten, Edlen und Unedlen entboten, Herzogenburg in keiner Weise durch zu große Inanspruchnahme der Gastfreundschaft zu beschweren.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen interessanten Einblick in die Situation des Herzogenburger Konvents gibt eine Urkunde aus dem Jahr 1378. Vor der Propstwahl hatten die Chorherren folgende Forderung an den künftigen Propst zusammengestellt: Der Propst solle jährlich über alle Ausgaben und Einnahmen Rechnung legen. Er wurde angehalten, den Chorherren an bestimmten Festtagen und zur Aderlasszeit ungeschmälerte Mahlzeiten zu geben. Außerdem solle er täglich die Frühmesse halten. Alle Jahre habe er Sommer- und Wintergewänder für die Chorherren zu besorgen. Ohne Wissen des Dechants und der beiden ältesten Chorherren dürfe er keinen Kapitularen entfernen oder versetzen und ebensowenig jemanden ohne deren Zustimmung aufnehmen. Schließlich solle der für die Chorherren bestimmte Wein in einem eigenen Keller aufbewahrt werden.&lt;br /&gt;
Diese Forderungen spiegeln einerseits schon etwas von dem kapitularen Prinzip der Chorherren – der Vorsteher des Hauses ist bei wichtigen Entscheidungen an die Zustimmung seiner Kapitularen gebunden – andererseits aber auch etwas von der Bequemlichkeit des Konvents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch den Ausfall der Zehente im Waldviertel geriet das Stift unter Propst [[Johannes III.]] (1401–1433), einem der längstregierenden Pröpste, wieder in finanzielle Schwierigkeiten. Ursache dafür waren einerseits die Verwüstungen durch die Kriegshandlungen des angreifenden mährischen Markgrafen Procop, andererseits die Zehentübergriffe der Verteidiger unter dem Söldnerführer Zacharias Haderer. Propst Johannes III. erreichte als Entschädigung dafür von den Herzögen Wilhelm und Albrecht IV. die Begünstigung, im Schankhaus des Stiftes, dem &amp;quot;Mühlhofkeller&amp;quot;, zwölf Fass Wein ohne Ungeld (Steuer) ausschenken zu dürfen. Er bemühte sich auch erfolgreich um den Schutz des apostolischen Stuhles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Johannes III. fand eine Stiftsreform nach den Bestimmungen des Konstanzer Konzils statt. Bei der Visitation im Stift Herzogenburg 1418 war nachweislich auch der erste Propst des [[Stift Dürnstein|Chorherrenstiftes Dürnstein]], das 1410 im Geist der Raudnitzer Reform gegründet worden war, anwesend. Und so wurden die Raudnitzer Statuten auch in Herzogenburg Grundlage einer Erneuerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes war auch ein eifriger Förderer der Lateinschule des Stiftes. Hier legten im Zeitraum von 1399 bis 1433 zahlreiche Schüler den Grundstein zu ihrer Bildung, die sie befähigte, die Universität zu besuchen. In den Matriken der Universität Wien werden 20 Bürgersöhne aus Herzogenburg und der nächsten Umgebung genannt.&lt;br /&gt;
Während der Regierungszeit des Propstes [[Ludwig Gössel]] (1457–1465) kamen im Zusammenhang mit dem Bruderkrieg zwischen Kaiser Friedrich III. und Erzherzog Albrecht VI. die Truppen des Böhmenkönigs Georg von Podiebrad nach Niederösterreich und durchzogen, weil sie keinen Sold bekamen, plündernd das Land. Im Jahr 1463, am dritten Tag nach dem Osterfest, wurde der Markt Herzogenburg mit dem Stift von den Räuberscharen (ca. 3.000 Mann) unter Georg von Vetau eingenommen und verwüstet. Die Mehrzahl der Bürger und Chorherren verlor durch die fanatischen Hussiten ihr Leben. Nur wenigen gelang die Flucht, unter ihnen Propst Ludwig. Die zurückgebliebenen Chorherren wurden, weil sie sich weigerten, die heiligen Geräte herauszugeben, von den Soldaten niedergemetzelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrscheinlich ging damals auch der Konvent der Kanonissen zugrunde, oder aber er fand durch Mangel an Klostereintritten schon früher ein friedliches Ende.&lt;br /&gt;
Im Lauf des Jahres 1465 begannen die Chorherren mit dem Wiederaufbau des Stiftes. Dieser zweiten gotischen Bauphase des Stiftes sollte aber kein langer Bestand gegönnt sein, denn schon 1477 belagerten und eroberten die Soldaten des ungarischen Königs Matthias Corvinus nach ihrem Sieg über Kaiser Friedrich III. Herzogenburg. Wieder brannte das Kloster nieder. Der nach St. Pölten geflohene Propst konnte seine in Rudolfsberg bei Wagram gefangengehaltenen Mitbrüder erst nach Bezahlung einer hohen Summe in die Ruinen seines Klosters zurückführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Stiftschronik berichtet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Die Kleinodien, Kelche und den Schmuck der Kirche, heilige Bücher, sowie Getreide, Wein und verschiedenen Hausrat des Klosters haben die erwähnten Räuber fortgeschleppt. Was nach Abzug der Feinde noch übrig blieb, wurde von 'Freunden', von etwas zweifelhaften Bürgern, aber auch Adeligen, besonders von einem gewissen Baron von Tops, während die Konventualen in Fesseln waren, verschleppt.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb von 15 Jahren mussten die Chorherren diese zwei Schicksalsschläge verkraften. Sie begannen unter Propst [[Georg I. Eisner]] (1484–1513) mit dem erneuten Aufbau ihres Klosters. Dieser Propst konnte durch sorgfältige Verwaltung und durch Schenkungen des Matthias Corvinus, der die Verwüstungen seiner Söldner wieder gutzumachen versuchte, die wirtschaftlichen Verhältnisse seines Hauses sanieren. Es gelang ihm sogar, im Lauf der Jahre die Stiftsgebäude prächtig auszustatten. Ein Zeitgenosse schildert seine Eindrücke während eines Besuches im Stift Herzogenburg folgendermaßen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Das Kloster selbst hat manch Rühmenswertes: es ist mit großem Fleiß gebaut, so daß es die meisten auch in Österreich übertrifft. Es besitzt eine geräumige Kirche, große prächtige Häuser, unter welchen besonders diejenigen hervorragen, welche Propst Georg, welcher noch lebt, erbaut hat. Er errichtete eine neue Wohnung des Propstes, welche er derart an den Wänden mit Gemälden schmückte, daß ich kaum eine Schönere gesehen habe, außer in Vorau, welche aber nicht vollendet ist. In dem oberen Teil sind Gewölbe angebracht, an welchen eine Goldkugel befestigt ist, aber auch die Wände entbehren nicht des Schmuckes von Drechslerarbeiten. Georg erbaute auch zwei Refektorien, eines für den Winter, das andere für den Sommer. Er vollendete auch manch andere bequeme Räume, besonders auch einen, welcher dem Refektorium am nächsten ist. Dort ist ein enger Raum, wo die Brüder bei einem Trunke gemütlich beisammensitzen können. Das Kloster besitzt auch Graben, Wall und Mauern, so daß es nicht leicht eingenommen werden kann. Ein ungarischer Hauptmann warf einmal alle Brüder und den Propst aus dem Hause und machte aus dem Kapitelsaal einen Pferdestall.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tätigkeit des Propstes fand auch in Rom Anerkennung. 1498 erlaubte Papst Alexander VI. ihm und allen seinen Nachfolgern den Gebrauch der Mitra, des Stabes und Ringes und der anderen Pontifikalien.&lt;br /&gt;
Am 7. Mai 1512 brach in einem Haus auf dem Unteren Marktplatz ein Brand aus, der auch auf die Widern übergriff und die Stiftsgebäude teilweise in Schutt und Asche legte. Das Feuer zerstörte zuerst das Turmdach, griff auf das Dormitorium und Refektorium über, wobei alle Zellen der Brüder mit dem Winterrefektorium ausbrannten. Außerdem wurden das Krankenhaus, die Wohnung des Dechants, die Bibliothek und die Sakristei ein Raub der Flammen. Das Feuer sprang auch auf das Mariensacellum über und vernichtete dort die Orgel. Ebenso brannte die Schule nieder. Die Kirchenausstattung – die Tafelbilder und die Altäre – wurde verschont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation bis Barock=== &lt;br /&gt;
Der hochgelehrte Propst [[Johannes V. Bernhard von Nußdorf]] (1517–1533) begann sein Amt in einer sehr schwierigen Zeit. Im Jahr seiner Wahl trat Martin Luther zum ersten Mal in Erscheinung. Zu dieser geistig-religiösen Revolution kam noch die Türkennot, die 1529 ihren Höhepunkt mit der Belagerung Wiens erreichte. Die türkischen Streifscharen verschonten zwar Herzogenburg, das Stift wurde aber durch die Türkensteuer Ferdinands I. umso härter belastet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Bernhard I. Schönberger]] (1533–1541) wurden die Abgaben zur Finanzierung der Türkenkriege so groß, dass die Steuerschulden nur durch den Verkauf des Stiftshauses in Wien, Johannesgasse Nr. 3, abgedeckt werden konnten. In religiöser Hinsicht musste der Propst die ersten Auswirkungen der protestantischen Lehre verkraften. Sein Mitbruder [[Johann Peurl]] hatte das Einkommen von einigen Pfarrkirchen vergeudet, die priesterliche Kleidung abgelegt und seinen Orden verlassen. Für viele Jahre war Bernhard der letzte frei gewählte Propst von Herzogenburg. Die nun folgenden Pröpste waren Weltpriester oder stammten aus anderen Ordenshäusern, wurden postuliert oder vom Kaiser ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Wunsch Kaiser Ferdinands I. wählte der Konvent [[Philipp von Maugis]] (1541–1550) zum Propst. Philipp entstammte einer adeligen belgischen Familie, war ab 1545 Regent der niederösterreichischen Landesregierung und Erzieher der Söhne Ferdinands I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch im Jahr seines Amtsantrittes trat in Herzogenburg, wie in vielen Orten Österreichs, die Pest auf, an der täglich bis zu 30 Personen starben. Alle Chorherren im Stift mit Ausnahme des Propstes und eines Konventualen fielen der Seuche zum Opfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger war [[Bartholomäus von Cataneis]] (1550–1563). Er entstammte einer vornehmen italienischen Familie aus Bergamo, war palatinischer Graf, apostolischer Protonofär, oberster Hofkaplan u. v. a. m. Durch sein Administrationstalent gelang es ihm, das Stift über die finanziellen Hürden zu bringen. Wegen seiner Tüchtigkeit wurde er zum Administrator von Göttweig bestellt (1556–1563).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den letzten Jahren seiner Regierung erlebte das Stift jedoch einen seiner Tiefpunkte. Eine Kommission, die die Klöster visitierte, beanstandete, dass sich der Propst mit zwielichtigen Frauen herumtreibe und dass seine Konventualen alle sektisch seien und die Sakramente dem alten Kirchenbrauch zuwider spendeten. Die Kommissäre erteilten ihm einen strengen Verweis und ermahnten ihn, in Hinkunft keinen Verdacht zu erregen sowie den Hauptübeltäter, den Dechant, abzusetzen und einzusperren. Nach dem Visitationsbericht vom Jahr 1561 befanden sich im Stift Herzogenburg vier Konventualen, drei Konkubinen, kein Eheweib und sechs Kinder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende seines Lebens musste der Propst erkennen, dass er als Sonderbeauftragter in zu vielen Landesangelegenheiten unterwegs gewesen war, dass er in der Diplomatie zwar vieles geleistet, als Vorstehender des Hauses aber versagt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krisenzeit des Stiftes wurde der Prälat von St. Andrä [[Johannes VI. Pülzer]] (1563–1569) zum Propst bestimmt. In seinem Wahlinstrument hieß es, er sollte baldmöglichst die Zahl der Chorherren ergänzen, da sich dieselben fast alle &amp;quot;verloffen&amp;quot; hätten. Wirtschaftskrisen, Hungersnot, Erhöhung der Steuern und die Tatsache, dass viele seiner Mitbrüder lutherisch wurden, trieben Propst [[Johannes VII. Glaz]] (1569–1572) zu einem Verzweiflungsakt: in der Nacht des 14. September 1572 floh er in Begleitung eines Dieners aus dem Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun folgte ein Mann aus dem eigenen Haus, [[Jakob Reisser]] (1573–1577). Durch seine Sparsamkeit und energische Haltung ging es sowohl finanziell als auch disziplinär im Stift aufwärts. Im Visitationsbericht wurde vermerkt, dass er keine goldene Kette und auch keine kostbaren Kleider trug, keine Spiele gestattete und die Musik bei Tisch abgeschafft habe. Außerdem hätten Propst und Konventualen keine Konkubinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er bemühte sich, Mitarbeiter aus dem Ausland zu bekommen, um die Ausbreitung der lutherischen Lehre zu stoppen. Denn die Gemeinde Herzogenburg war zum Großteil schon protestantisch und die Pfarrkinder gingen bereits in die umliegenden Ortschaften, um bei den &amp;quot;sektischen Predigern&amp;quot; die Sakramente zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Acht Monate lang gab es nun ein Tauziehen bei der Besetzung der ansehnlichen Prälatur in Herzogenburg. Schließlich postulierte der Klosterrat für das Stift den Propst des [[Stift St. Dorothea|Chorherrenstiftes St. Dorothea]] in Wien, [[Georg II. Brenner]] (1578–1590). Georg war Hofkaplan bei Kaiser Maximilian II. gewesen, und so begab es sich, dass Kaiser Rudolf II. zweimal auf Reisen im Stift übernachtete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Parallele zur großen Politik der Rekatholisierung im Land lässt sich auch in Herzogenburg erkennen. Propst Georg schrieb 1579 an das Konsistorium und 1582 an Kaiser Rudolf II. einen Brief, in dem er die religiös gespaltene Situation in Herzogenburg schildert und den Herrscher um Unterstützung bittet, damit er den Unteren, Formbachischen Markt, der zum größten Teil protestantisch war, kaufen könne. Durch eine administrative Marktvereinigung und durch eine bessere religiöse Betreuung wollte der Propst die häufigen Streitigkeiten zwischen den Bürgern der beiden Märkte beseitigen. Die Trennung blieb jedoch bis 1806 bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1588 schlug der Klosterrat Georg sogar zum Bischof von Wiener Neustadt vor. Sein siegreicher Gegenkandidat Melchior Klesl half ihm einige Jahre später bei seinen Reformplänen. Die Bürger (vor allem die des Unteren Marktes) mussten nun an den Sonn- und Feiertagen dem Gottesdienst mit allen &amp;quot;vleis und gezimende Andacht&amp;quot; beiwohnen. Wer zu den &amp;quot;Predikanten auslief&amp;quot;, wurde mit schwersten Strafen bedroht. Ebenso mussten die Herzogenburger ihre Kinder in die katholische Schule schicken und dem Gesinde wurde verboten, sich während des sonntäglichen Gottesdienstes in Wirtshäusern oder auf Spielplätzen aufzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kirche, Kloster- und Wirtschaftsgebäude wurden nun renoviert und ausgebaut, Messgeräte, Bücher und Musikinstrumente angekauft. Der Lesehof in Königstetten wurde renoviert und der Hof von Klosterneuburg fast zur Gänze neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Krankheit stand dem Propst in den letzten Jahren [[Paul Zynkh]] als Koadjutor zur Seite. Da es nach dem Tod des Propstes bei der Neubesetzung zwischen Klosterrat und dem Passauer Bischof zu Unstimmigkeiten gekommen war, verwaltete Paul Zynkh über ein Jahr als Administrator das Stift, bis er zum Propst gewählt wurde (1591–1602).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der ständigen Türkengefahr wurden die Verteidigungsanlagen des Klosters gemäß dem kaiserlichen Mandat ausgebaut und die Rüstkammer des Stiftes mit moderneren Waffen versehen. Von den umfangreichen Restaurierungsarbeiten und Ankäufen gibt ein fünfeinhalb Seiten langes Verzeichnis Auskunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines halbjährigen Kuraufenthaltes des Propstes in St. Pölten ging es im Kloster drunter und drüber. Unter Lebensgefahr reiste der kranke Propst zurück und hielt ein Kapitel. Der Dechant wurde abgesetzt und im Lauf von drei Wochen bei Wasser und Brot &amp;quot;dasig&amp;quot; gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten drei Jahre seines Lebens war der Propst Deputierter der niederösterreichischen Stände und hielt sich oft in Wien auf. Aus diesem Grund kaufte er dort 1601 ein Wohnhaus, den &amp;quot;Heidelberger Hof&amp;quot; in der Annagasse. Das Gebäude ist heute noch im Besitz des Stiftes und trägt den Namen &amp;quot;Herzogenburgerhof&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Landesebene konnte der Protestantismus Schritt für Schritt zurückgedrängt werden. Propst Paul bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg. Dieser konnte durch seine eindrucksvollen Predigten viele Protestanten des Marktes zum katholischen Glauben zurückführen. Um die Jahrhundertwende war Herzogenburg wieder eine vorwiegend katholische Gemeinde. In den Dörfern ging die religiöse Erneuerung langsamer vor sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als [[Melchior Kniepichler]], ehemaliger Propst des Stiftes Dürnstein, von König Matthias als Propst postuliert wurde (1609–1615), protestierte der Herzogenburger Konventuale [[Johannes Held]] in einem Schreiben an den Passauer Offizial, weil Propst Melchior in St. Andrä (1592–1599) &amp;quot;Schulden gehäuft und von dann gezogen sei&amp;quot;, er habe dann &amp;quot;Tirnstain ohne Schulden angetreten und gehe nun mit Schulden weg&amp;quot; (1599–1609); beide Male in Folge seiner verschwenderischen Freigiebigkeit gegen Verwandte und Freunde. Weiters klagt er, dass Melchior dem Trunke ergeben und &amp;quot;in diesem Zustand unausstehlich streitsüchtig sei.&amp;quot; Schließlich, dass Melchior das weibliche Geschlecht liebe und gerne Tanzunterhaltungen besuche. In den Klosterratsakten hieß es, &amp;quot;dieser Mann war mehr Schelm als Mönch&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Öfters fuhr der Propst während seiner Regierungszeit in Herzogenburg nach Wien, ins Gasthaus &amp;quot;Zum goldenen Strauß&amp;quot; am Neuen Markt, wo die fünfzehnjährige Wirtstochter Katharina &amp;quot;zum Frohsinn des Herrn Prälaten das meiste beitrug&amp;quot;. Nachdem diese ein Kind bekommen hatte, kam unvermutet am 26. Juli 1615 eine Untersuchungs- und Strafkommission nach Herzogenburg. Aufgrund der strengen Linie Klesls wurde der Propst gefangen nach Wien geführt, verhört und einige Monate eingesperrt. Erst nach drei Jahren wurde Melchior rehabilitiert und zum zweiten Mal zum Propst von Dürnstein bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Wahlturbulenzen in den folgenden Jahren bestimmte Kaiser Ferdinand II. den Dechant des Kathedralstiftes Seckau [[Martin III. Müller]] zum Vorsteher in Herzogenburg (1621–1640). Er war ein eifriger Förderer der Gegenreformation, reformierte das klösterliche Leben und führte neue Statuten ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er erreichte auch, dass ihm die [[Pfarre Hain]] wieder zurückgegeben wurde, wo bisher nur protestantische Prediger angestellt waren. Den Konflikt mit der dort tonangebenden protestantischen Familie der Jörger konnte erst sein Nachfolger [[Johannes Bauer]] (1640–1653) beilegen. Propst [[Joseph Kupferschein]] (1653–1669) versuchte ebenfalls auf friedliche Weise die Protestanten zum katholischen Glauben zurückzugewinnen. Er war sowohl ein gelehrter Mann (1641 war er Rektor der Universität in Wien) als auch ein tüchtiger Wirtschafter. Propst [[Anton Sardena]] (1669–1687) begann mit viel Schwung die weiteren Restaurierungsarbeiten bzw. die Barockisierung des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679/80 wütete die Pest in Herzogenburg und kostete viele Menschen das Leben. In der Stiftsgeschichte von Dechant [[Beyer]] wird auch das Erscheinen eines Kometen vermerkt, der im Jahr 1680 am Fest des hl. Stephan zum ersten Mal erschien und als Vorbote der Türkenkriege interpretiert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 14. Juli 1683 erschienen 200 bis 300 Türken vor Herzogenburg. Sie ließen den gut befestigten Ort zunächst ungeschoren. Als die Gefahr immer größer wurde, flüchtete der Prälat auf Bitten seiner Geistlichen mit dem Archiv und der Schatzkammer nach Dürnstein. Eines Tages kam dann eine ungewöhnlich große Schar Türken (angeblich zwischen 10.000 und 12.000 Mann), um Herzogenburg einzunehmen. Sie schichteten aus den verlassenen Bauernhäusern und Scheunen Stroh vor die Markttore, um sie durch Feuer zu zerstören. Der Chorherr [[Gregor Nast]], der die Verteidigung von Herzogenburg leitete, ließ in aller Eile leere Weinfässer mit Erde und Sand füllen und hinter den Toren auftürmen, sodass die Belagerer durch die vom Feuer zerstörten Tore nicht eindringen konnten. Die Bürger leisteten mit ihren Schusswaffen so tapfer Widerstand, dass dieser türkische Eroberungsversuch fehlschlug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zeit erholten sich das Land und die Klöster von den Nachwirkungen der Türkenkriege und mit der Wiederkehr von geordneten Zuständen verbesserte sich auch die wirtschaftliche und religiöse Situation. Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) war lange Jahre ein eifriger Seelsorger und stand als Dechant und späterer Prälat seinen Mitbrüdern auf den Pfarren beim Wiederaufbau bei. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1714 entschloss sich der Herzogenburger Propst [[Wilhelm von Schmerling]] (1709–1721), das Stiftsgebäude neu zu errichten. Das gewaltige Bauvorhaben wurde durch Grund- und Gutsverkäufe finanziert. In einer zeitgenössischen Stiftsgeschichte wird folgendes berichtet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Im selben Jahr begann Propst Wilhelm mit großer Energie den kunstvollen Neubau des Klosters, den keiner seiner Vorgänger gewagt hatte, nach demselben weitläufigen und architektonischen Vorbild, wie er es in Melk gesehen hatte, das unter dem berühmten Abt Berthold in derselben Zeit errichtet wurde. Als Architekt nahm sich unser Wilhelm den, der die Bauten von Melk, bei St. Florian in Oberösterreich etc. errichtete, N. Brandauer von St. Pölten, einen erfahrenen Künstler. Er errichtete bei diesem Neubau zuerst den Trakt, der an die große Kirche anschließt, dann den anderen, in dessen Mitte der große Saal hervorgeht, den der kaiserliche Architekt Baron von Fischer senior entwarf und vollendete, und dann den entfernteren bis zum Haupttor, wo sich auch der Eingang von Norden her befindet ... Der Grundstein wurde am 25. Mai d. J. in aller Feierlichkeit an der Epistelseite (eine andere Hand: Evangeliumseite) außen am Presbyterium gelegt.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der in Herzogenburg geborene Propst [[Leopold von Planta]] (1721–1740) erreichte die Aufnahme seines Hauses in die Lateranensische Kongregation, mit der Erlaubnis, ein violettes Mozett zu tragen. Damit bekam er für sich und seine Nachfolger von Papst Innozenz XIII. am 18. September 1724 das Recht, den Titel eines Lateranensischen Abtes zu tragen. Propst Leopold führte auch in dieser Zeit nach dem Beispiel von Klosterneuburg den schwarzen Talar anstelle der weißen Kleidung für seine Mitbrüder ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende seines Lebens konnte Propst Leopold auf einen einheitlichen Stiftsbau blicken, der sich würdig in die Reihe der Stiftsbauten der großen österreichischen Barockprälaten einreiht. Die von Prandtauer gebauten Trakte sind vornehm und voll künstlerischen Lebens. Einzig an der Ostseite sprengt der Saalbau Fischers die Prandtauersche Fassade: er tritt um eine Achse hervor und überragt sie mit den Oberfenstern. Durch diese dramatische Vorgangsweise stellt Fischer seinen Rang als führender Architekt unter Beweis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Protest gegen die &amp;quot;Pragmatische Sanktion&amp;quot; verbrüderten sich die Bayern und die Preußen mit den Bourbonen und drangen 1741 bis nach St. Pölten vor. Besonders die Franzosen plünderten das Gebiet zwischen Melk und St. Pölten. Weil das Stift eine Kriegssteuer in Höhe von 14.000 Gulden nicht gleich aufbringen konnte, nahmen die Franzosen den 32-jährigen Propst [[Frigdian Knecht]] (1740–1775) als Geisel und er wurde nach den Worten des Stiftsdechanten &amp;quot;hin und hergeführt zu Schand und Spott&amp;quot;. Erst nach sechstägiger Gefangenschaft und Zahlung des hohen Lösegeldes konnte der Prälat wieder ins Stift zurückkehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich der Prälat, die Kirche durch den jungen Franz Munggenast neu erbauen zu lassen. Der Turm wurde 1767 nach Entwürfen von Johann Bernhard Fischer von Erlach durch Matthias Munggenast ausgeführt. Die Architektur dieser Kirche und die Ausstattung durch Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte können zu den großen Leistungen des österreichischen Barocks gezählt werden. In den Pfarren [[Stollhofen]], [[Hain]], [[Rottersdorf]] und [[Brunn]] ermöglichte Propst Frigdian ebenfalls die &amp;quot;Barockisierung&amp;quot; der Kirchen. Durch die Stiftung von 7.000 Gulden des Wiener Stadtrates Jakob Bodenreiter konnte in Theiß der Pfarrhof neu errichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seines wissenschaftlichen Interesses kaufte der Propst Jahr für Jahr viele wertvolle Bücher, ordnete das Archiv und unterstützte den Aufbau eines eigenen Münzkabinetts. Auf musikalischem Gebiet war sein Mitbruder [[Georg Johann Donberger|Georg Donberger]] tätig. Als Regens chori komponierte dieser unermüdlich und seine Werke sind in den Musikarchiven vieler österreichischer Stifte zu finden. Als Propst Frigdian Knecht nach 35-jähriger Amtszeit im Jahr 1775 starb, hinterließ er ein geordnetes Haus, das spirituell, künstlerisch und wirtschaftlich einen guten Ruf hatte. Er wird auch der dritte Gründer genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Josephinismus bis Gegenwart===&lt;br /&gt;
Mit Beginn der Alleinregierung durch Joseph II. 1780 kam auch für das Stift Herzogenburg eine Zeit, die nicht leicht zu bewältigen war. Die Reformen überstürzten sich. Zwei Monate nach der Regierungsübernahme des Kaisers wurde [[Michael Teufel]] vom Kapitel zum neuen Propst gewählt (1782–1809). Er zeigte sich der Problematik des &amp;quot;josephinischen Experimentes&amp;quot; sehr gut gewachsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Patent über die Klosteraufhebungen wurde auch für das Stift St. Andrä an der Traisen wirksam, das nach dem Tod des letzten Propstes [[Gregor Gründler]] 1783 dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde. Propst Michael musste dafür sorgen, dass die Auflösung ordnungsgemäß durchgeführt wurde. Das Chorherrenstift Dürnstein wurde 1788 mit dem Stift Herzogenburg &amp;quot;vereinigt&amp;quot;. Gegen diesen Bescheid wehrte sich der Bischof von St. Pölten, doch wurde mit Hofdekret vom 7. Juni 1788 die endgültige Aufhebung des Stiftes angeordnet und die bisherige Stiftskirche in eine Pfarrkirche umgewandelt. Ein Höhepunkt in der Regierungszeit des Propstes Michael Teufel war die Weihe der Stiftskirche. Am 2. Oktober 1785 wurde die Kirche von [[Heinrich Johannes von Kerens]], dem ersten Bischof, der in St. Pölten residierte, geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als durch die Aufhebung der Benediktinerabtei Formbach am Inn der Untere Markt Staatseigentum wurde, konnte ihn Propst Michael durch geschickte Verhandlungstaktik 1806 kaufen und mit dem Oberen Markt vereinigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 23. September 1805 hatte Napoleon an Österreich den Krieg erklärt und marschierte schließlich nach Wien. Am 11. November 1805 kam es zum Gefecht bei Dürnstein-Loiben, dem einzigen wirklichen Erfolg für die verbündeten Russen und Österreicher im unglücklichen Feldzug von 1805. In einem Tagebuch werden eindrucksvoll die Drangsale in Herzogenburg während dieser französischen Invasion geschildert: Am Tag vor der Schlacht kam eine unabsehbare Menge Feinde auf Herzogenburg zu. Ihr Anführer und Divisionskommandant General Le Gran bemühte sich, die ärgsten Greueltaten zu verhindern, aber dennoch wurden die Einwohner drangsaliert und der Marktrichter fürchterlich geschlagen. Die Keller wurden aufgebrochen, und unter Zechen, Plündern und Rauben verging die Nacht. Am Tag nach der Schlacht quartierten sich einige französische Generäle im Stift ein. Die Soldaten, die in Gärten und Feldern lagerten, zündeten abends über tausend Feuer an, die die ganze Gegend hell erleuchteten. Ende November kamen dann die Holländer; diese erwiesen sich als unbändige Säufer und benahmen sich ärger als die Franzosen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die oftmaligen hohen Geldforderungen der französischen Offiziere und die ständigen Einquartierungen von Soldaten war das Stift am Rande des Ruins. Propst Michael floh während des Krieges mit der Münzsammlung und anderen Kostbarkeiten nach Ungarn in die Abtei Zirc. Kämmerer [[Josef Leuthner]] brachte sich mit den anderen Wertgegenständen auf das Gut Primersdorf (Waldviertel) in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Österreichisch-Französischen Krieges im Jahr 1809 und der zweiten Eroberung Wiens durch Napoleon hatte Herzogenburg wieder unter französischen Truppen, ganz besonders unter den württembergischen Hilfstruppen zu leiden. Bei dieser zweiten Franzoseninvasion kam der Propst allerdings nicht mehr unbehelligt davon. Noch kurz vor seinem Tod wurde er in seinem Zimmer von einem französischen Husaren misshandelt und seines Kreuzes und Ringes beraubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Michael Teufel hat um das Stift beinahe so große Verdienste wie sein Gründer – der Volksmund unterstrich das Weiterbestehen des Stiftes mit dem Bonmot: &amp;quot;Der Teufel hat das Stift gerettet.&amp;quot; Im Geist der neuen josephinischen Begräbnisordnung wurde er als erster Stiftsvorsteher außerhalb des Ortes auf dem allgemeinen Friedhof in einem bescheidenen Mausoleum bestattet. 1977 wurden die sterblichen Überreste des Propstes exhumiert und neben seinem Grabdenkmal in der Stiftskirche beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ehemalige Stiftsdechant Propst [[Aquilin Leuthner]] (1811–1832) konnte das Haus nur insofern aus der finanziellen Not retten, als er von Kaiser Franz I., der viele Herren durch seinen Besuch im Stift im Jahr 1807 persönlich kannte, einen Nachlass der Schulden erreichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Jahren konnte der Propst das Bauvorhaben einer allgemeinen Schule in Herzogenburg durchführen. 1829 war der Bau des einstöckigen Schulgebäudes abgeschlossen, dem der Westtrakt des Kreuzganges mit seiner schönen gotischen Totenkapelle hatte weichen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Bernhard II. Kluwick]] (1832–1843) erreichte die aus Osteuropa kommende Choleraepidemie auch Niederösterreich. Die Angst vor dieser Seuche veranlasste die Stiftsherren, zur Versorgung der Kranken an den Gangenden sogenannte Choleraöfen zu errichten: &amp;quot;... also die Küche zu weit entfernt ist, um schnell den notwendigen Tee und warmes Wasser herbeizuschaffen.&amp;quot; Da die &amp;quot;Ärzteräthe&amp;quot; gegen diese Krankheit machtlos waren, versuchten sich die Gemeinden durch Abriegelung von der Umwelt sowie Immunisierung durch Alkohol zu helfen. So entstand die Spruchtafel im stiftlichen Kellerstüberl: &amp;quot;Die Angst vor Krieg und bösen Seuchen, der Reichersdorfer (Wein) wird's verscheuchen!&amp;quot; Das Lebenswerk von Propst Bernhard war die Erbauung der Pfarrkirche in [[Theiß]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Karl Stix]] (1843–1847) konnte einen weiteren bedeutenden Schuldenerlass bei Kaiser Franz I. erreichen. Aus Dankbarkeit feierte das Stift jahrzehntelang den Todestag des Monarchen mit dem &amp;quot;Kaiserrequiem&amp;quot;. Der Propst setzte sich auch für eine Erhöhung der Gehälter seiner Mitbrüder ein. 1844 konnte er die Jubiläumsfeier der Übertragung des Stiftes von St. Georgen nach Herzogenburg (1244) festlich begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Revolutionsjahr 1848 brachte auch entscheidende Veränderungen für das Stift unter Propst [[Josef II. Neugebauer]] (1847–1856). Am 19. Februar 1848 wurde dem Prälaten von der Regierung zwar der faktische Besitz der aufgelassenen Stifte St. Andrä und Dürnstein bestätigt, am 7. September 1848 hob der Reichstag jedoch die bäuerliche Untertänigkeit auf und das Feudalrecht mit Robot und Zehent wurde abgeschafft. Man war sich des Wertes dieser Gesetze für das Volk wohl bewusst, dem Ausfall eines großen Teils der Einnahmen konnte der Propst mit seinem Kapitel aber nur durch die Veräußerung des Gutes Primersdorf 1851 begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 8. Oktober 1848 kam – auf der Flucht von Wien in die Festung Olmütz – Kaiser Ferdinand I. mit seinem Gefolge nach Herzogenburg. Beim Aussteigen aus dem Wagen sprach der Kaiser zum Propst: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Herr Prälat! Mich freut's, einmal Ihr Stift zu sehen und zu betreten. Es ist mir ein recht schönes und freundliches Haus; ich habe es bisher noch nie gesehen. Ich muß Sie heute schon um ein Mittagmahl und auch um ein Nachtquartier bitten. Weil ich zum Nachmittagsgottesdienst zu spät gekommen bin, so ersuche ich Sie, uns um halb 6 Uhr noch einen heiligen Segen zu halten.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Am selben Abend unterzeichnete der Kaiser ein Manifest &amp;quot;An die Völker meiner deutsch-erbländischen Provinzen&amp;quot;. (...) &amp;quot;Als am nächsten Morgen der großartige Kaiserzug aus dem Weichbild Herzogenburgs schied, blieb kein Auge trocken.&amp;quot; Der Name &amp;quot;Kaisergasse&amp;quot; erinnert noch heute an diese Begebenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1853 gab es eine kanonische Visitation durch den St. Pöltener Bischof Feigerle, und zwei Jahre darauf visitierte auch der Linzer Bischof Rudiger in Vertretung des Kardinals Fürst Schwarzenberg das Stift Herzogenburg. Auch er war sehr zufrieden mit dem Stand des Hauses und &amp;quot;schied mit wahrer Herzensfreude vom Stift&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter dem nächsten Vorsteher des Stiftes Propst [[Norbert Zach]] (1857–1887) herrschte ein gutes Klima im Haus. Von den 34 Mitgliedern des Stiftes waren 25 Priester in der Seelsorge tätig, vier hatten häusliche Offizien, zwei Kleriker studierten an der theologischen Hauslehranstalt im [[Stift Klosterneuburg|Chorherrenstift Klosterneuburg]], zwei Novizen wurden im Haus in die Lebensnorm der Chorherren eingeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1862 gründete der Stiftskurat und spätere Dechant [[Ferdinand Mann]] den katholischen Gesellenverein, der sich um die seelsorglichen und menschlichen Anliegen der arbeitenden Bevölkerung kümmerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Herzogenburg begann den Schritt ins Industriezeitalter, als 1874 die Firma Vollrath (Nägel, Schrauben) von Wien nach Herzogenburg/Oberndorf übersiedelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1875 folgte ihm Carl Grundmann, ein pensionierter Danziger Lokomotivführer, der sich auf die Erzeugung von Türschlössern spezialisiert hatte. In diese Zeit fällt auch die Planung und der Bau der Eisenbahnlinien im Raum Herzogenburg: Am 3. August 1885 wurde die Strecke Tulln – St. Pölten, am 16. Juli 1889 die Strecke Herzogenburg – Krems eröffnet. Seit dieser Zeit &amp;quot;ist der Markt mit zwei Hauptverkehrsadern der Monarchie&amp;quot;, mit der West- und der Franz-Joseph-Bahn, verbunden. Um der rasch anwachsenden Bevölkerung eine bessere Ausbildung und damit größere Berufschancen geben zu können, wurde die Stiftsschule schon 1867 zu einer Pfarr-Hauptschule erweitert. Heute wird dieses Gebäude neben der Stiftskirche von der Sonderschule und der Musikschule benützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das äußere Bild des Ortes änderte sich Mitte des 19. Jahrhunderts. Drei Tore der alten Marktbefestigung wurden abgetragen; ebenso Teile der Ringmauer. Ein Stückchen dieses mittelalterlichen Ensembles ist heute noch im nördlichen Stiftsbereich zu sehen, wo Mauer, Graben, Verteidigungsturm und das einzige noch bestehende Stadttor, das &amp;quot;Au-Tor&amp;quot;, auch &amp;quot;Nordtor&amp;quot; genannt, erhalten blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Schlacht bei Königgrätz Mitte Juli 1866 drangen die preußischen Truppen bis ins Waldviertel vor und das österreichische Militär zog sich (größtenteils kampflos) auf das südliche Donauufer zurück. Das Stift richtete im Auftrag der k. k. Statthalterei ein Spital für die Soldaten ein. Für seine Verdienste wurde der Propst im Jahr 1879 vom Kaiser mit dem Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet. Während seiner zehnmonatigen Funktion als Administrator des Stiftes veranlasste Dechant Emmerich Wallner die Gestaltung des nach ihm benannten &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; im Westtrakt des Stiftsgebäudes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Person des folgenden Propstes [[Frigdian II. Schmolk]] (1888–1912) vereinigten sich glücklich Kirchenfürst und Staatsmann. 1902 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum Landmarschall (Vorsitzender des Landtages). Vier Jahre lang hatte er dieses Amt inne. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der Kaiser die Würde eines Wirklichen und Geheimen Rates und berief ihn auf Lebenszeit als Reichsrat in das Herrenhaus. Um 1900 erreichte das Stift seinen höchsten Personalstand: 40 Konventualen gehörten zum Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Frigdian wurden in den letzten beiden Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts das Stiftsgebäude, der Turm, die Orgel und das Innere der Kirche restauriert. Dechant Ferdinand Mann ließ auf seine Kosten 1903 den Maria-Lourdes-Altar errichten und die zwei Holzstatuen Herz-Jesu und Herz-Maria in der Kirche aufstellen. Sie zeugen von der Frömmigkeit des Volkes um die Jahrhundertwende. Von dieser Zeit sind noch die feierliche Erstkommunion und die Maiandachten lebendig geblieben. 1907 wurde der Zusammenschluss der österreichischen Chorherrenstifte zur &amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten Lateranensischen Chorherren&amp;quot; erreicht. Als Konvisitator wurde Propst Frigdian Schmolk gewählt. Eine innige Freundschaft verband Propst Frigdian mit dem Wiener Bürgermeister Dr. Karl Lueger. Als dieser tödlich erkrankte, berief er seinen langjährigen Freund zu sich, der ihm die Tröstungen der Religion reichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmolks Nachfolger wurde [[Georg III. Baumgartner]] (1913–1927). Mit größter Sparsamkeit und Umsicht lenkte er das Stift durch die wirtschaftlichen Erschütterungen des Ersten Weltkrieges. Er stellte das Sommerrefektorium als Kaserne für die Marschkompanien und den Theatersaal dem Roten Kreuz zur Pflege der Verwundeten zur Verfügung. Vom Krieg selbst wurde Herzogenburg nur mittelbar betroffen: durch die vielen Gefallenen. Ihre Namen sind auf einer Marmortafel, rechts beim Eingang der Kirche, eingemeißelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 ließ Propst Georg das veraltete stiftliche Elektrizitätswerk in eine moderne Wasserkraftanlage mit Turbinen umbauen, die das Stift und Teile der Stadt Herzogenburg jahrelang mit Strom versorgte. Bedeutende Verdienste erwarb sich Georg Baumgartner durch seine wissenschaftliche Forschung über die Urgeschichte. Bis zuletzt arbeitete er mit großer Genauigkeit an der Hausgeschichte und an der Baugeschichte der Kirche und des Stiftes und verfasste weiters den Artikel &amp;quot;Herzogenburg&amp;quot; in der Topographie von Niederösterreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die allgemeine Wirtschaftskrise machte sich auch im Stift bemerkbar. Das Steueramt St. Pölten drängte immer öfter unter Androhung der Zwangsverwaltung auf Bezahlung der Steuerschulden. Das Kapitel unter Propst Georg sah sich gezwungen, einem Beschluss zum &amp;quot;Verkauf einzelner Wertgegenstände näher zu treten&amp;quot;. Einige wertvolle Kunstgegenstände wurden verkauft. In diese politisch sehr schwierige Zeit fällt eines der größten Ereignisse für Herzogenburg, die Stadterhebung: Am 30. Juni 1927 beschloss der Landtag von Niederösterreich, den Markt Herzogenburg &amp;quot;trotz der verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl&amp;quot; (2.800) zur Stadt zu erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der spätere Landtagsabgeordnete und Vertreter des Klerus [[Ubald Steiner]] (1927–1946) wurde zum nächsten Propst gewählt. Es gelang ihm, das Stift durch die schwierige wirtschaftliche Lage der dreißiger Jahre zu führen. Leider ging es nicht ohne Verkauf von vielen Grundstücken und Kunstschätzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem 1933 Adolf Hitler in Deutschland an die Macht gekommen war, spürte man auch in Herzogenburg den nationalsozialistischen Trend. Eines Sonntags wehte vom Kirchturm, in den einige junge Männer heimlich eingedrungen waren, die Hakenkreuzfahne. Am 13. Dezember 1933 musste Prälat Steiner auf Weisung seiner kirchlichen Oberbehörde sein politisches Mandat in Herzogenburg zurücklegen. An seine Stelle trat Dechant [[Anton Rudolf]], &amp;quot;der von den Sozialdemokraten wohl bestgehasste Chorherr&amp;quot;. Er war der Typ von Priesterpolitiker, der die ohnehin spannungsgeladenen dreißiger Jahre durch sein Zelotentum und seine nie erlahmenden Bekehrungsversuche an ungläubigen &amp;quot;Marxisten&amp;quot; eher verschärfte denn beruhigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Volksabstimmung vom 10. April 1938 brachte in Herzogenburg 2.047 Ja-Stimmen für den Anschluss Österreichs an Deutschland und nur fünf Gegenstimmen. In der Folgezeit erhielt Herzogenburg den Namen &amp;quot;Stadt der Treue&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Jahren wurden die Repressalien gegenüber den kirchlichen Institutionen und der Geistlichkeit immer spürbarer. Die Stiftstaverne und der Theatersaal wurden beschlagnahmt. 400 Herzogenburger traten aus der Kirche aus, und rund 100 Kinder wurden vom Religionsunterricht abgemeldet. Das Herzogenburger Pfarrblatt, das seit 1915 erschien, wurde wegen &amp;quot;Papierknappheit&amp;quot; 1941 eingestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift konnte aber auch vielen Flüchtlingen helfen. Zu Kriegsbeginn wurden 60 belgische Kriegsgefangene im Theatersaal einquartiert, die tagsüber bei den Landwirten in der Umgebung arbeiten mussten. Sonntags durfte mit ihnen nur hinter verschlossenen Kirchentüren eine Messe gefeiert werden. 1940 kamen Flüchtlinge aus Bessarabien, später Umsiedler aus Serbien und aus der ungarischen Batschka, zuletzt 50 Flüchtlinge aus Siebenbürgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum &amp;quot;schwarzen Montag&amp;quot; wurde der 6. November 1944. 300 Bomben fielen in und um Herzogenburg: 20 Tote und große Sachschäden waren die traurige Bilanz. Am 14. April 1945 rückten nach einer kurzen Kanonade die Russen in Herzogenburg ein. Eine Gruppe von Herzogenburgern, unter ihnen Propst Ubald, ging ihnen mit der weißen Fahne entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Tagen glich das Stift einem Militärlager. Im Kammeramt wurde die Kommandatur, im Theatersaal die russische Schneiderei und im Meierhof die Wäscherei eingerichtet. Die Autorität des Prälaten flößte den Russen den nötigen Respekt ein, und so schützte er die 500 Herzogenburger, vor allem die Frauen und Mädchen, die sich vor den Kriegshandlungen in die Kellerräume des Stiftes geflüchtet hatten. Er ließ auch in der Prälatur eine Krankenstation errichten, das Prälaturarchiv war die Apotheke, der Salon die Isolierstation, das Schlafzimmer die Entbindungsstation – im Bett des Prälaten kamen sechs Kinder zur Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang Mai gab es die letzten Gefechte zwischen Russen und Deutschen. Am Morgen des 9. Mai wurde der Waffenstillstand verkündet. Die Stiftsgebäude waren durch einige russische Bomben leicht beschädigt worden. Im Haus allerdings herrschte eine furchtbare Verwüstung. Weiters wiesen die Stiftswälder in der Umgebung von Herzogenburg große Schäden auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inmitten der Aufbauarbeiten starb Propst Ubald Steiner. Er hatte den Konvent mit starker, aber väterlicher Hand geführt, sich mutig gegen die Nationalsozialisten durchgesetzt und aufgrund seiner persönlichen Kontakte eine Aufhebung des Stiftes verhindert sowie Stift und Ort vor größerem Schaden bewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger [[Georg IV. Hahnl]] konnte 1948 endlich vier neue Glocken in der Hoffnung weihen, dass sie länger als die vorhergehenden Glocken &amp;quot;Gott die Ehr' und den Menschen den Frieden&amp;quot; läuten mögen. 1942 hatten alle Glocken bis auf die größte, die Pummerin, der Rüstungsindustrie abgeliefert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Berühmtheit erlangte Propst Georg durch seine Arbeit auf dem Gebiet der Heimat- und Urgeschichtsforschung. Leider war fast seine ganze Regierungszeit als Propst von einer schweren Krankheit überschattet, was sich negativ auf das Klima und die Personalsituation des Stiftes auswirkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Resignation des Propstes Georg Hahnl wurde [[Thomas Zettel]] (1963–1969) zum nächsten Vorsteher des Hauses gewählt. Nach langen Vorbereitungen öffnete 1964 das Stift Herzogenburg seine Räume und Säle für über 100.000 Besucher anlässlich seiner (etwas verspäteten) 850-Jahr-Feier. Der ebenerdige Teil des Altstiftes war renoviert worden und das spätgotische Refektorium &amp;quot;glänzte&amp;quot; durch die kurz zuvor freigelegten Fresken von ca. 1500. Daneben im frühbarocken Refektorium waren die Funde aus der Ur- und Frühgeschichte neu aufgestellt worden. Im Barockgebäude waren im ersten Stock die Gästezimmer für die restaurierten Kunstschätze des Stiftes frei gemacht. Im Festsaal, in der Bibliothek, im Bildersaal und in elf weiteren Ausstellungsräumen erlebten und erleben bis heute die Besucher die Glanzzeiten des Hauses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1965 gab es eine einschneidende wirtschaftliche Umstellung: der Weinbau und die Landwirtschaft konnten in Eigenregie nicht mehr positiv geführt werden, deshalb wurden beide Wirtschaftszweige verpachtet. Der Forst als dritte Einnahmequelle wird bis heute noch selbst geführt, die Jagden sind verpachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leider kam es unter Propst Thomas wieder zum Verkauf von Kunstgegenständen und vieler Bücher, um die Zahlungsrückstände durch Renovierungen und den Waldankauf in Kleinzell zu begleichen. Ebenso wurde das Haus, in dem die ehemalige Stiftstaverne war, der Stadtgemeinde Herzogenburg verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1977 erreichten die ökumenischen Gespräche und Gottesdienste, die vom späteren Propst [[Maximilian]] initiiert wurden, ihren Höhepunkt in der Ausstellung &amp;quot;Kunst der Ostkirche&amp;quot;. Zum ersten Mal feierten in diesem Zusammenhang die Vertreter aller elf östlichen und westlichen Kirchen in Österreich einen gemeinsamen Gottesdienst in der Herzogenburger Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des Jubiläums &amp;quot;50 Jahre Stadt Herzogenburg&amp;quot; wurde die Nordeinfahrt des Stiftes restauriert und der Innenhof nach barockem Vorbild neu gestaltet. In diesem Jahr, 1977, wurde auch der Abschluss der Turmrenovierung gefeiert. Propst [[Clemens Moritz]] (1969–1979) wurde zum Ehrenbürger von Herzogenburg ernannt. Er war nicht ein Prälat im Sinne der prachtvollen Barockzeit – musste er doch einen personellen Tiefstand von nur 14 Mitgliedern erleben – wohl aber im Sinne des Ordensstifters Augustinus: ein Seelsorger, besorgt um seine Gemeinde und seine Mitbrüder. Auch nach der Resignation blieb Altpropst Clemens bis zum Jahr 1996 der Pfarrer von Herzogenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit [[Maximilian II. Fürnsinn]] (seit 1979) bekam das Stift nach 200 Jahren wieder einen gebürtigen Herzogenburger zum Propst. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Renovierung der Stifte und Pfarren. Allein mit einem Kostenaufwand von rund 50 Millionen Schilling wurde das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein in der Zeit von 1985 bis 1995 restauriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1982 wurde Propst Maximilian zum ersten Mal zum Vorsitzenden der niederösterreichischen Äbtekonferenz und zum Vorsitzenden der Diözesanen Superiorenkonferenz der männlichen Orden der Diözese St. Pölten gewählt. Von 1989 bis 1994 war er Vizepräsident der ökumenischen Stiftung Pro Oriente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den zentralen Anliegen des Konvents gehört heute, dass das Stift – entsprechend der jahrhundertelangen Tradition – eine offene Begegnungsstätte ist. So gehen auf die Initiative von Propst Maximilian viele Tagungen, Bildungsveranstaltungen und Zusammenkünfte von verschiedenen Institutionen und Vereinigungen zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den zuvor erwähnten ökumenischen Treffen haben etwa die Ritter vom Heiligen Grab in Jerusalem der Komturei St. Pölten hier regelmäßige Zusammenkünfte. Besonders erwähnenswert sind die &amp;quot;Herzogenburger Gespräche&amp;quot;, anlässlich derer mehrmals im Jahr 60 bis 80 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kirche zentrale gesellschaftliche Fragen behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bemühungen gehen dahin, das Haus auch zum geistlichen Zentrum der Pfarrseelsorge werden zu lassen. Insbesondere geht es dabei um die Bildung von Pfarrverbänden und um eine engere Zusammenarbeit der Mitbrüder in den Pfarren sowie auch um die Weiterbildung und geistliche Vertiefung der pfarrlichen Mitarbeiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wohl größte Veranstaltung des Jahres ist der &amp;quot;Niederösterreiche Kindersommer&amp;quot;. Zu diesem Fest kommen an zwei Wochenenden rund 15.000 Kinder in das Stift, welches auch seit vielen Jahren einer der Veranstaltungsorte von &amp;quot;Musica Sacra&amp;quot; ist – den internationalen Kirchenmusiktagen in Niederösterreich. Großen Wert wird auf eine gute musikalische Gestaltung der Gottesdienste an den großen Festen des Kirchenjahres und auf den vorbildlichen Einsatz der bedeutenden Orgel der Stiftskirche gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Bischof Ulrich I. von Passau (1092–1121) konnte seiner Neugründung, dem Augustiner-Chorherrenstift St. Georgen, nur wenig schenken. In der Gründungsurkunde des Klosters bemühte er daher auch die Heilige Schrift und erwähnt das Opfer der armen Witwe, die nur zwei Kupfermünzen in den Opferkasten des Tempels warf, die aber von Jesus gelobt wurde, weil sie alles gab, was sie besaß. Der Bischof schenkte einiges von seinem persönlichen Besitz her, vielleicht sogar alles, was er in der damaligen Ostmark sein Eigentum nannte. Und das war für die junge Kommunität gerade genug zum Überleben. Katastrophen oder wirtschaftliche Schwierigkeiten durfte es keine geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bischof übergab der Klostergemeinschaft seine ererbte Eigenkirche St. Georgen an der Traisenmündung mit Fischwassern, Weingärten, Wiesen und Wäldern. Ebenso vermachte er aus seinem persönlichen Besitz ein Gut und eine Hube zu Sebarn, eine Hube zu Perschling, Engabrunn und Gumpolding, eine halbe Hube in Pötzleinsdorf (bei Wien) und eine zu Kamp, je einen Weingarten zu Kuffern und Egelsee und zwei Weingärten in Inzersdorf. Aus dem bischöflichen Gut schenkte er drei Weingärten in Hundsheim mit einem Lehen, je einen Weingarten in Stein, Weinzierl und Plechingen (zwischen Stein und Krems), den dritten Teil des Zehents von Teras und Merzleinswerd, die Hälfte des Zehents von den Pfarren Herzogenburg und Traisenburg sowie das ganze Dorf Streithofen (im Tullnerfeld). Einige Jahre später schenkte Bischof Ulrich zur Aufbesserung noch sechs Weingärten dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der wirtschaftlichen Not des jungen Stiftes versuchte nun 1160 Bischof Konrad von Passau (1148–1164) mit einer (gefälschten) Urkunde zu helfen, in der er das neuzugründende Stift St. Andrä mit St. Georgen vereinigte. Dieser Zusammenschluss scheiterte am Widerstand Ottos von Rechberg, der schließlich ein eigenständiges Kloster St. Andrä errichten konnte. Als Entschädigung übertrug Bischof Konrad dem Stift St. Georgen die Pfarre Marquardsufer und den Schweighof bei Zeiselmauer, um der &amp;quot;materiellen Not des Stiftes abzuhelfen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam konnte das Stift in den folgenden Jahrhunderten seinen Besitz durch Schenkungen vermehren, wobei das Waldviertel und das untere Traisental zu Schwerpunkten der Besitzungen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Urkunde von 1163 werden als Zeugen zuerst die Äbte von Göttweig und Zwettl, der Propst von St. Pölten und dann der Propst von St. Georgen, Albert, angeführt. 25 Jahre später kommt Propst Berthold von St. Georgen in der Zeugenfolge nach den Äbten von Göttweig, Melk und Altenburg, jedoch vor den Pröpsten von St. Nikolai und St. Andrä. Diesen Platz in der Reihenfolge der niederösterreichischen Stifte nimmt Herzogenburg bis über die Barockzeit ein. Nach den Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II. dürfte das Stift Herzogenburg besitzmäßig an die letzte Stelle gerückt sein. Doch noch einmal zurück ins Mittelalter. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im 12. Jahrhundert konnte das Stift seine Besitzungen durch Kauf, vor allem aber durch Schenkungen vermehren. Die Vielzahl der Schenkungen im Mittelalter sind meist auch ein Zeugnis von guter Spiritualität: einem glaubensstarken Kloster vertraut man eher seine Gebetsanliegen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste große Finanzaufwand war der zweite Neubau des Klosters in Herzogenburg um 1244. Das älteste Zehentverzeichnis, das in das Jahr 1299 zurückreicht, zeigt jedoch schon eine wirtschaftliche Stabilisierung auf. Das Stift besaß nun zehn &amp;quot;Ämter&amp;quot;, i. e. Zehenthöfe, die für die Einhebung der Zehente notwendig waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten waren Abgaben für die Kreuzzüge zu entrichten. Später kamen dann die Steuern für die Finanzierung der Türkenkriege. Verwüstungen durch Kriege, Naturkatastrophen (Heuschreckenplage und Dürre) und Pestepidemien brachten einen wirtschaftlichen Tiefstand für das Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zeichen für das wirtschaftliche Auf und Ab war 1417 der Kauf eines Hauses in Wien, Johannesgasse. 1541 musste es wieder verkauft werden. Bezeichnend für diese schwierige Zeit war auch der Personalstand: 1569 war nur mehr ein Konventuale im Stift. Als 1601 wieder ein Haus in Wien, diesmal in der Annagasse, gekauft wurde, war dies zugleich auch ein Zeichen des neuen Erstarkens: sowohl wirtschaftlich als auch personell. Das Stift wurde renoviert, die Kirche barockisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Abwehr der Türken 1683 konnte das Stift im wirtschaftlichen Aufwind weitere Akzente setzen: ein Gut in Primersdorf (Waldviertel) wurde gekauft und ein großer, neuer Schüttkasten errichtet. In Wielandsthal wurde der Keller und in Haitzendorf der Pfarrhof von Prandtauer errichtet. Im barocken Neubau des Stiftes (ebenfalls von Prandtauer) und der dazugehörigen Kirche kam die wirtschaftliche Kraft zum Ausdruck. Allerdings mussten dafür Weingärten in Mautern, Mauternbach und Sallapulka, eine Mühle von St. Georgen, Meierhöfe in Reith bei Primersdorf, Großhain, Schwarzenbach usw. für eine Gesamtsumme von 17.600 Gulden verkauft werden. Das war ungefähr ein Drittel des Prandtauischen Kostenvoranschlages für den Neubau des Stiftes (54.000 Gulden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wirtschaftliches Tief lösten die napoleonischen Kriege und die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aus: 1851 wurde das Gut Primersdorf im Waldviertel veräußert. Jahre vorher konnte das Stift nur durch einen großzügigen Schuldenerlass von Kaiser Franz I. vor einem finanziellen Ruin gerettet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Stift nur durch den Verkauf von Grundstücken und von vielen Kunstgegenständen entgegenwirken. Einige Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg kam es wieder zu Veräußerungen von Kunstgegenständen, Teilen von Sammlungen (Mineraliensammlung) und Teilen der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre unter Propst Maximilian waren von einer klugen Wirtschaftspolitik gekennzeichnet. Trotz der bescheidenen Besitzungen von 2.625 ha (2.200 ha Wald, 25 ha Weinbau, 400 ha landwirtschaftliche Nutzung) konnten viele Restaurierungen am Stift und an den Kirchen und Pfarrhöfen vorgenommen werden. Am 29. April 1996 wurde die Außenrenovierung des Stiftes Dürnstein mit einem Gesamtumfang von 50 Millionen Schilling abgeschlossen. Eine Aufgabe für dieses Haus, etwa als Seminar- oder Vortragszentrum, wird noch zu finden sein.&lt;br /&gt;
Wenn auch schon vieles vollbracht worden ist, so warten doch noch weitere Aufgaben für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Vogtei===&lt;br /&gt;
Der Besitz des Bistums Passau im Raum Donau–Traisen stand unter der Vogtei der Babenberger. Diese übten sie durch die Burggrafen von Lengbach (Neulengbach) aus. Urkundlich sind die Vögte des Stiftes Herzogenburg sehr selten belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Übertragung des Stiftes nach Herzogenburg änderte sich in der Vogteiverwaltung nichts. Nach dem Aussterben der Babenberger siegelte 1252 Konrad von Zagging als Vogt des Hauses. Er dürfte in Verbindung mit König Ottokar Przemysl, dem neuen Landesherren, gestanden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Habsburger die Herrschaft übernahmen, wurden die Burggrafen von Neulengbach die Vögte von Herzogenburg. Bestätigt wird diese Annahme durch die Erklärung der Herzöge Wilhelm und Albrecht IV. vom 20. März 1396, in der sie ihre Pflicht zu besonderem Schutz und Schirm des Klosters und seiner Güter bestätigten, da sie ja jährlich das Vogtgeld von 17 Pfund und 6 Schillingen Wiener Pfennig und 1 Muth Hafer vom Stift empfingen. Das Stift Herzogenburg zahlte diese Summe bis zum Jahr 1848 nach Neulengbach, als die Herrschaft längst schon in Privatbesitz übergegangen war und das Vogtgeld umgerechnet nun 17 Gulden und 45 Kreuzer betrug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jenseits der Donau dürften die Kuenringer auf Dürnstein die Vogtei über die Stiftsgüter ausgeübt haben. Nach ihrem Aussterben erging 1356 eine Weisung des Herzogs Albrecht II. an seinen Pfleger in Krems, das Stift Herzogenburg in seinen Rechten und Besitzungen zu schirmen. Im Jahr 1445 übernahmen die Brüder Ulrich, Oswald und Stephan Eytzinger auf Bitten des Propstes die Vogtei auf 15 Jahre gegen die jährliche Abgabe von 6 Muth Hafer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Stift Herzogenburg lag jahrhundertelang wirtschaftlich im Mittelfeld der niederösterreichischen Klöster. So war es auch mit der Zahl der Mitglieder. Die frühen mittelalterlichen Chorherrengründungen waren nicht für riesige Konvente gedacht, sondern die Zahl zwölf war, von Jesus mit seinen Jüngern herkommend, die goldene Zahl. Bei der Gründung von St. Georgen werden wahrscheinlich eine Handvoll Chorherren die Aufbauarbeit an diesem Donaustift begonnen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1200 gab es die erste urkundliche Aufzählung des Konventes: zwölf Priester, drei Konversen (''fratres conversi''), fünf Familiaren und vier Brüder. Einige Jahre nach der Übersiedlung des Konventes von St. Georgen nach Herzogenburg wurden neun Priester, zwei Diakone und vier Brüder (''fratres barbati'') als Zeugen genannt. Ein Stiftshistoriker zählte diese bärtigen Brüder dem adeligen Stand zu, da er sie als Mitglieder von Bauhütten interpretierte, die Baumeister und Städteplaner waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Namen und aus der Stellung in der Zeugenreihe lassen sich auf die Abstammung der Chorherren Schlüsse ziehen. Wir finden im Konvent einige Mitglieder des niederen Adels. Diese Tatsache erklärt einen Teil der reichen Schenkungen des Adels der Umgebung, der so zur Versorgung seiner Söhne beitrug. Ein Nobelstift war Herzogenburg aber nie. Die meisten Novizen kamen aus der Umgebung, vereinzelt aus Oberösterreich, der Steiermark, Kärnten und Salzburg. Die Zusammensetzung des Konvents blieb also durchaus im Rahmen des damals Üblichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert dürfte sich die Zahl der Konventualen zwischen 20 und 25 bewegt haben. Der erste große Verlust kam durch die Ermordung einiger Chorherren bei der Eroberung von Herzogenburg im Jahr 1463 und dann durch die Pest. Die Reformation trug das ihre dazu bei, sodass es beim Tod des Propstes Bartholomäus von Cataneis 1563 wahrscheinlich überhaupt kein Konventmitglied mehr gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann gab es nur ein, später zwei Mitglieder, und mit dem Erstarken der Gegenreformation kam wieder Leben in die Stiftsgemäuer: im 17. Jahrhundert betrug der Personalstand zwischen acht und zehn Mitglieder. In der Barockzeit erreichte er die Zahl 25. Um 1800 waren 27 Priester, ein Kleriker und drei Novizen dem Stift zugehörig. Im 19. Jahrhundert stammten 47 Priester aus Niederösterreich, 21 aus der Tschechoslowakei und acht aus Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Jänner 1900 hatte dann das Haus den Höchststand in seiner Geschichte: von den 40 Mitgliedern waren 35 Priester, vier Kleriker und ein Novize. Im 20. Jahrhundert nahm die Zahl stetig ab, und zur Zeit gehören 13 Priester und drei Kleriker zum Stift. Die Priester stammten im letzen, d. h. im 20. Jahrhundert, zu gleichen Teilen aus dem Arbeiter- und Angestelltenstand bzw. aus der Landwirtschaft und aus Familien selbständig Tätiger (die Väter waren Fleischhauer, Fabrikanten usw.). Der größte Anteil von ihnen waren Niederösterreicher (15), dann Wiener (neun), sechs Priester kamen aus dem heutigen Tschechien. Je zwei stammten bzw. stammen aus Tirol, Deutschland und den Niederlanden. Je ein Professe kommt aus dem Burgenland und aus Belgien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Vom Ursprungskloster in St. Georgen haben sich keine Reste erhalten. Die frühesten Ansichten von diesem Bau stammen aus der Barockzeit. Es ist deshalb schwer zu beweisen, wie weit sie der Wirklichkeit entsprechen. Auf diesen Bildern ist eine Kirche als zentraler Rundbau zu sehen, wie es manchmal in der Romanik üblich war, davor zwei niedrigere Rundtürme mit der Prälatur, links davon der Küchenturm, der einem Rauchabzug ähnlich ist. Rechts von der Kirche befindet sich ein Fluchtturm mit den Glocken. Anschließend sind die Klostergebäude für die Chorherren und Gäste dargestellt. Der Klosterbau ist mit einer Mauer umgeben. Das Ganze ist wahrscheinlich ein liebevoller Versuch, das Ursprungskloster darzustellen. Diese Ansicht entspricht aber keiner romanischen Klosteranlage der damaligen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster in Herzogenburg sind wir besser informiert. Wahrscheinlich wurde 1244 zuerst mit dem Bau eines Konventtraktes begonnen, da der bestehende Pfarrhof für den 15 Mann starken Konvent zu klein gewesen ist. Von dieser Anlage hat sich noch der Südtrakt mit einem Kreuzgangabschnitt erhalten. Bei Renovierungsarbeiten zu Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Sandsteinsäulen mit herzförmigen Kapitellschilden und einfachen Rundsockeln freigelegt, die in die Mitte des 13. Jahrhunderts einzureihen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ehemalige Refektorium wurde zum Teil schon 1894 entdeckt, doch konnten die Fresken erst 1963 vollständig freigelegt werden. Diese Räume waren Teil des Gerichtsgebäudes: Wärterwohnung und Gefängniszellen. An der Südseite des gotischen Saales befinden sich drei Spitzbogenfenster. Den sechsjochigen Raum tragen zwei Steinpfeiler als Mittelstützen. An einem ist die Jahreszahl 1564 zu erkennen, die vielleicht auf eine spätere Renovierung zurückgeht. Ab einer Höhe von 1,70 m befinden sich figurale Wandmalereien. Die einzelnen Darstellungen des Zyklus sind unterschiedlich gut erhalten, zum Teil ist nur noch die rote Vorzeichnung vorhanden. Neben christologischen Szenen sind eine Sterbeszene im Kloster (vielleicht der Tod des Ordensgründers Augustinus) und ein hl. Georg wiedergegeben. Vom zweiten Bild der Nordwand ist die Darstellung des Stifters dieser Bilder Propst Georg Eisner mit seinem Konvent erhalten. Da er ohne Mitra gezeigt wird, ist die Entstehungszeit dieser Fresken kurz vor 1498 anzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der östlich an das Refektorium anschließende frühbarocke Saal wird auf einem Plan mit &amp;quot;Capitl&amp;quot; bezeichnet. Die Jahreszahl 1628 am Ostfenster gibt vielleicht den Abschluss des Umbaus an. Heute wird dieser Saal für das Urgeschichtsmuseum des Stiftes verwendet. Wahrscheinlich besaß dieser Konventtrakt aufgrund der Größe der Stiftsgemeinschaft ursprünglich schon einen ersten Stock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei anderen Flügel des Konventbaues wurden wegen des Kirchen- bzw. Schulneubaus weggerissen. Über die Funktion der Räumlichkeiten sind wir zum Teil durch einen Plan von Johann Michael Hergöth unterrichtet, den er um 1700 gezeichnet hat: ebenerdig gab es drei Sakristeiräume, eine Schneiderei, den Mesnerkeller und das erwähnte Refektorium. Im ersten Stock waren die Zimmer der Chorherren, die Wohnung des Dechants und die Bibliothek untergebracht. Im Kreuzgangbereich lag noch die alte Totenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite des Konventbereiches steht auch heute noch der Kirchenbau. Von der mittelalterlichen Kirche ist nur das gotische Kirchenportal aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten. Aus den Umbauplänen können wir schließen, dass dieser Bau als Pfeilerbasilika auf kreuzförmigem Grundriss errichtet war, ähnlich der Michaelerkirche in Wien. Nördlich der Kirche waren die Kanzleiräume und die Prälatur. Entlang des Baches lagen die Wirtschaftsräume mit einem weithin sichtbaren Fluchtturm (Kuchlturm). Von diesen Gebäuden steht nur noch die Mühle, die heute als Elektrizitätswerk die Wasserkraft nutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm von Schmerling (1709–1721) entschloss sich für den Neubau des Stiftes. Am 25. Mai 1714 wurde dazu der Grundstein gelegt und Jakob Prandtauer wurde mit der Planung und Ausführung betraut. Propst Hieronymus Übelbacher von Dürnstein bezeichnet Prandtauer als &amp;quot;fürnehmen baumeister zu St. Pölten und vielleicht fürnehmsten in ganz Österreich&amp;quot;. Prandtauer begann mit dem Bau des Südtraktes. Der Osttrakt mit dem großen Festsaal wurde nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet. 1720 wurde die Einfahrtshalle aufgeführt. Auch hier dürften Vorschläge von Fischer mitverarbeitet worden sein. Im Quertrakt, zwischen den beiden Höfen, wurden im Erdgeschoß die beiden Sakristeien eingerichtet: Herren- und Prälatensakristei. Die qualitätvollen Stukkaturen gehen auf Michael Bolla, 1717, zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1721 starb Propst Wilhelm Schmerling. Sein Nachfolger Leopold von Planta (1721–1740) ließ weiterbauen, und zur Zeit des Todes von Jakob Prandtauer war das Stiftsgebäude zu einem provisorischen Abschluss gekommen, der aber zum dauernden wurde, denn der Westtrakt des &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; blieb unausgeführt. Propst Leopold ließ vom Nachfolger Prandtauers, dem Stiftsbaumeister Joseph Munggenast, den Meierhof aufführen und in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts den Stiftsbau durch die Errichtung des nördlichen Vorbaues und des Georgitores äußerlich abschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Westtrakt aus Sparmaßnahmen nicht ausgeführt wurde, errichtete der Propst die dort geplante Bibliothek im Mitteltrakt, und die in diesem Teil schon begonnene Prälatur wurde in den Nordostteil des Gebäudes verlegt. Die Gärten ließ er in barocker Manier anlegen und die Brücke über den Mühlbach sowie den &amp;quot;Springbrunn unter dem Großen Saal&amp;quot; mit einigen &amp;quot;Kindln&amp;quot; (Sandsteinfiguren) versehen. Diese Gartenplastiken und auch die Zwergenfiguren aus dem Zwerglgarten sind heute verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leopold kaufte auch vom Wiener Goldschmied Johann Kaspar Holbein einige Brustkreuze, Kelche und vor allem eine wertvolle Monstranz, deren Entwurf auf Matthias Steinl zurückgehen könnte und die im Raritätenkabinett erhalten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung der fertiggestellten Stiftsgebäude erlebte Propst Leopold nicht mehr. Ein Jahr nach seinem Tod wurde die Weihe am Georgstag, den 24. April 1741, von seinem Nachfolger Frigdian Knecht (1740–1775) vorgenommen, der dann auch die &amp;quot;Kapitularen in die neue, freundliche Klausur&amp;quot; führen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich Propst Frigdian zum Neubau der Kirche. Am 26. Juni wurde unter Beisein des Malers Daniel Gran der Grundstein an der Epistelseite der Apsis (rechte Seite der Kirche) gelegt. Die Inschriftplatte aus vergoldetem Kupfer führt Franz Munggenast als Baumeister an. Im selben Jahr, in dem der Rohbau fertig wurde, 1748, starb der junge Baumeister mit 24 Jahren. Seine Genialität wird an dieser Kirche, die zu den großen Leistungen des österreichischen Barock gezählt werden darf, sichtbar. Sein Bruder Matthias folgte als Stiftsbaumeister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kircheninneren malte Daniel Gran 1746 das Hochaltarbild und im Presbyterium die beiden Fresken. Wegen finanzieller Unstimmigkeiten und anderer Meinungsverschiedenheiten kam es zum Bruch mit dem Künstler. Der Propst vergab daher die weiteren Arbeiten in der Kirche, die Freskenmalerei und sämtliche Altarbilder mit den Ovalbildern, an Bartolomeo Altomonte, der sie von 1753 bis 1771 ausführte. Die dekorative Malerei in den Kirchenkuppeln (oberhalb des Hauptgesimses) stammt von Domenico Francia aus Bologna. Die Aufbauten für den Hochaltar (1770) und die Seitenaltäre, die Ballustraden (Kommuniongitter) und die Kanzel (1773) der Kirche stammen von Jakob Mösl, die Altarplastiken von Johann Josef Rößler, das Chorgestühl (1772) und die Volksstühle (1775) vom Klostertischler Lorenz Horeß.&lt;br /&gt;
Die herrliche Ampel wurde 1770 von Johann Christoph Beuermann aus Wien geliefert. Das Glanzstück der Kirche ist die 1752 fertiggestellte Orgel von Johann Henke, dem bedeutendsten Wiener Orgelbauer dieser Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1680 befand sich in der alten Kirche ein aus Ungarn stammendes Marienbild, das &amp;quot;orientalische Frauenbild&amp;quot;, zu dem viele Wallfahrer kamen. Nach der Fertigstellung des barocken Seitenaltares im Neubau der Kirche wurde es 1771 von Propst Frigdian Knecht eigenhändig in einer Prozession, die ihn durch beide Märkte führte, auf den heutigen Platz übertragen. Gegenüber dem Marienaltar liegen in einem Schrein die Gebeine des hl. Urban. Sie stammen aus den Kalixtuskatakomben in Rom und wurden 1740 dem Stiftsdechant Michael Koch geschenkt.&lt;br /&gt;
Als 1771 der barocke Augustinusaltar fertiggestellt war, fand dort der urchristliche Märtyrer seine endgültige Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das jüngste Kunstwerk der Kirche ist der Volksaltar, der 1994 vom Wiener Künstler Wander Bertoni angefertigt wurde und die Schöpfung zum Thema hat. Die Krönung der Bautätigkeit des Propstes Frigdian Knecht war die Neugestaltung des Kirchturmes nach einem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach, unter Mithilfe des Baumeisters Matthias Munggenast. Mit Recht sieht der Stiftschronist Frigdian Mies im Turm den ins Große strebenden Geist des Propstes. Die originelle Turmspitze mit Herzogshut und Stiftskreuz wurde am 6. Juli 1767 &amp;quot;um die Mittagszeit unter Pauken- und Trompetenschall aufgesetzt&amp;quot;. 1756 hatte der Propst die Chorkapelle mit Fresken von Martin Johann Schmidt (&amp;quot;Kremser Schmidt&amp;quot;) und einem Verkündigungsbild von Martin Altomonte ausschmücken lassen. Im Festsaal malte Bartolomeo Altomonte 1772 das Fresko &amp;quot;Das seelsorgliche Wirken der Augustiner-Chorherren im Bistum Passau&amp;quot;. Das Fresko an der Decke der Prälatenstiege &amp;quot;Die Übertragung der Kanonie von St. Georgen nach Herzogenburg&amp;quot; ist signiert mit &amp;quot;Barto Altomonte fec. 1779 aetatis suae 79&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Augustin Beyer (1779–1780) wurde auch die Bildergalerie fertiggestellt. Die Gemälde sind nach einem dekorativen Schema angeordnet: ein zentrales Mittelstück, von kleineren Gemälden umrahmt. Die Bilder wurden zu diesem Zweck auch vergrößert, verkleinert oder sogar geteilt, um der Symmetrie zu entsprechen. Dieser &amp;quot;geistlichen Galerie&amp;quot; kommt nicht nur wegen ihres kulturgeschichtlichen Wertes große Bedeutung zu, es befinden sich unter den 144 Bildern auch hervorragende Kunstwerke, u. a. eine Vincenzo di Biagio Catena zugeschriebene &amp;quot;Heilige Familie&amp;quot; oder ein auf Holz gemaltes deutsches Männerporträt mit der Signatur &amp;quot;H. H. 1521&amp;quot;, das als Werk Holbein d. J. bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man in Österreich die Kunstschätze vergangener Jahrhunderte noch als entbehrlichen &amp;quot;Raritätenkram&amp;quot; verstand, förderte Propst Aguilin Leuthner (1811–1832) die seltsame Sammelleidenschaft seines Mitbruders Ludwig Mangold. Nach dem Vorbild der alten &amp;quot;Kunst- und Wunderkammern&amp;quot; aus der Renaissancezeit hatte der junge Ungar im Stift ein &amp;quot;Antiken- und Raritätenkabinett&amp;quot; im zweiten Stock über der Prälatur angelegt, das zum Grundstein der heutigen Stiftssammlung wurde. Ein Verzeichnis dieser Raritäten wurde im Juni 1815 von ihm angefangen und hat folgende Hauptabteilungen: &amp;quot;A Mahlerey und Mosaique, B Bildhauerey, Schnitz- und Gußwerk, C Kupferstiche und Handzeichnungen, D Glasarbeiten, E Uhren, F Becher und andere Gefaße, G Kleidungsstücke, H Musicalische Instrumente, I Waffen, K Römische Alterthümer, L Verschiedene Seltenheiten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die meisten der hier verzeichneten Gegenstände sind noch im Besitz des Stiftes und waren im Rahmen der Ausstellung &amp;quot;Kunstschätze im Stift Herzogenburg&amp;quot; zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunstwerke wurden 1964 in den ehemaligen Gästezimmern topographisch aufgestellt, d. h. nach Möglichkeit nach ihrem Herkunftsort gruppiert. Das Hauptstück der Sammlung ist der &amp;quot;Jüngere Aggsbacher Hochaltar&amp;quot;, ein 1501 in Krems gemaltes Werk von Jörg Breu von Augsburg. Eine vorzügliche Schnitzarbeit ist die realistisch gehaltene Skulpturengruppe des &amp;quot;Marientodes&amp;quot; um 1500, möglicherweise der Mittelteil der Predella des Jörg-Breu-Altares. Weiters soll hier die „Stiftertafel&amp;quot; aus der Zeit um 1500 erwähnt werden, eine Votivtafel mit dem Bildnis des Bischofs Ulrich I. von Passau und der &amp;quot;porträthaften&amp;quot; Darstellung des mittelalterlichen Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Höhepunkt der spätbarocken Abteilung bilden Werke von Daniel Gran, vor allem das vergoldete Modell für den Hochaltar um 1746 mit dem unmittelbaren Entwurf für das Hochaltarbild und ein äußerst lebendiges Selbstporträt. Einen besonderen Schatz stellt der Bestand von zehn Ölskizzen und Bildern von Bartolomeo Altomonte dar, darunter Entwürfe für die Fresken in der Stiftskirche und ein höchst interessantes Selbstporträt aus dem Jahr 1774. In der Prälatur haben sich auch einige erwähnenswerte Kunstgegenstände erhalten, z. B. ein seltener Venezianer Spiegel vom Beginn des 18. Jahrhunderts, der neben reichem Ornament und alter Verglasung gravierte bérainsche Ornamentik in dem Rahmenspiegelchen trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Refektorium wurde bis in die sechziger Jahre als Speisesaal der Chorherren benützt. 1975 wurde es renoviert und als &amp;quot;Augustinussaal&amp;quot; ein Veranstaltungszentrum für Stift und Pfarre. Im Südosten des Stiftes befindet sich im zweiten Stock das &amp;quot;Mexikanische Zimmer&amp;quot;. In diesem Raum war die von Propst Norbert Zach (1857–1887) erworbene Sammlung von Geräten, Waffen und Schmuckgegenständen der Ottawa-Indianer aufgestellt. Sie musste in den zwanziger Jahren veräußert werden.&lt;br /&gt;
Interessant ist das Zimmer heute wegen der zwölf Wandgemälde, die in der romantischen Gesinnung des späten 19. Jahrhunderts Motive aus Österreich darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Exponate der urgeschichtlichen Sammlung des Stiftes Herzogenburg kamen aus der Ausgrabung eines eisenzeitlichen Friedhofes von Statzendorf. Der Göttweiger Abt Adalbert Dungl war maßgeblich daran beteiligt. Die Pröpste Georg III. Baumgartner (1913–1927) und Georg IV. Hahnl (1946–1963) haben durch eigene Grabungen wesentlich zur Vervollständigung dieser Sammlung beigetragen. Zusammen mit Dungl waren sie die Pioniere der prähistorischen Archäologie im unteren Traisental.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Heute enthält die urgeschichtliche Sammlung eine Reihe von Steingeräten aus der Altsteinzeit, eine große Zahl von Fundstücken der Jungsteinzeit und Keramiken aus der frühen Bronzezeit, wie etwa den Fund von 17 Töpfen aus St. Andrä an der Traisen, Objekte der Hügelgräber und Urnenfelderkultur und weitere bedeutende Funde aus der Eisenzeit, wie Beigaben der Hallstadtkulturen aus den Gräberfeldern von St. Andrä und Statzendorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Römische Funde waren bis auf einige Münzen im Raum von Herzogenburg eher spärlich, bis 1972 aus der Zeit der römischen Kaiser ein Zeremonienhelm mit Gesichtsmaske unweit des Stiftes gefunden wurde, der zu den bedeutendsten Denkmälern römischer Kunst auf österreichischem Boden gerechnet werden muss. Mit seinen &amp;quot;Alexanderlocken&amp;quot; gehört er zum orientalischen Typus. Damit ist er ein Beispiel dafür, wie weit vorderorientalische Mysterienkulte im 2. und 3. Jahrhundert verbreitet waren. Dieses Unikat ist im Raritätenkabinett im ersten Stock ausgestellt, während alle anderen Funde im frühbarocken Refektorium im Altstift zu sehen sind. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Eine fachkundige Neuaufstellung wird derzeit von Univ.-Doz. Dr. Johannes-Wolfgang Neugebauer vorgenommen.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Als 1512 in Herzogenburg ein Großbrand wütete, wurden einige Trakte des Stiftes in Schutt und Asche gelegt. Die Bibliothek wurde dabei auch ein Raub der Flammen. Wahrscheinlich besaß damals das Stift über 100 handgeschriebene Bücher und vielleicht ebensoviele Inkunabeln. Wieviele Bücher gerettet werden konnten ist leider nicht überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten großen Förderer der mittelalterlichen Bibliothek waren die beiden Pröpste Johannes III. von Parsenbrunn (1401–1433) und Johannes IV. von Linz (1433–1457). Aus der Zeit vor dem Brand haben sich einige Buchfragmente erhalten. Fragment 42 aus dem 9. Jahrhundert ist das älteste Stück der Bibliothek.&lt;br /&gt;
Von der Wende des 12. zum 13. Jahrhundert stammt das Fragment 32 mit Teilen eines Legendars. Das Fragment 43 ist Teil eines Nekrologiums vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Es ist ein sicheres Zeugnis für die Schreibkultur des Stiftes in St. Georgen. Ob das Stift dann in Herzogenburg eine eigene Schreibschule besessen hat, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Auf jeden Fall sind keine Handschriften auf Pergament mit wertvollen Initialen auf uns gekommen, sondern nur anspruchslose, auf Papier geschriebene Bücher. Sie haben alle einen praktisch-theologischen Inhalt und stehen im Zusammenhang mit den Seelsorgeaufgaben des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Schreiber waren mit Sicherheit Klosterangehörige, von weiteren sieben ist es unsicher. Die kunsthistorisch kostbarsten Handschriften wurden erst in späteren Jahrhunderten angekauft. Den ersten größeren Zuwachs nach dem Brand erfuhr die Bibliothek durch Propst Philipp von Maugis (1541–1550), der vor allem humanistische Werke bzw. lateinische und griechische Klassikerausgaben erwarb und die von seinem Bruder ererbte Bibliothek der Stiftsbibliothek einverleibte.&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Herb (1687–1709) erbte ebenfalls von seinem Bruder 173 Bücher meist theologischen Inhalts, die in zwei Fässern und einer großen Truhe verpackt auf der Donau von Deutschland nach Krems transportiert und von dort ins Stift gebracht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge des barocken Stiftsneubaus wurde die Bibliothek von 1751 bis 1754 von Propst Frigdian Knecht (1740–1775) erbaut. Die Ornamentmalerei fertigte Domenico Francia an, die figuralen Grisaillen wurden von Bartolomeo Altomonte gemalt. Die einfachen, doppelteiligen Bücherschränke wurden vom Orgelbauer Johann Henke entworfen. Propst Frigdian sammelte die Bücher &amp;quot;mit einem unersättlichen Hunger&amp;quot;, wie er selber scherzend zu sagen pflegte. Er erwarb u. a. die Bibel von 1205 (HS 100) und die kostbare Handschrift &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; (HS 95) aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Stephan Peschka (1775–1779) und Michael Teufel (1781–1809) erwarben durch den Exjesuiten Abbé Johann Christoph Regelsberger viele Bände bei Bücherauktionen aus den Beständen aufgehobener Klöster. Mit der Übernahme der aufgehobenen Stifte St. Andrä an der Traisen 1783 und Dürnstein 1788 kamen nur wenige Bücher, nachweislich nur einige Handschriften und Inkunabeln, nach Herzogenburg. Der Großteil des Bücherschatzes kam in die Wiener Hofbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Petrus Schreiber]], von 1781 bis 1788 auch Stiftsdechant, war mit Unterbrechung fast 25 Jahre Bibliothekar. Eine große Anzahl von Büchern mit einheitlichen barocken Einbänden kam durch ihn in die Bibliothek. Sie tragen auf dem Einbanddeckel die goldenen Buchstaben &amp;quot;P. S.&amp;quot;. Ebenso vermachte er dem Stift 15 Inkunabeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Inventar von 1832 beziffert den Buchbestand summarisch mit etwa 10.000 Bänden. 1887 war der Besitz bereits auf 50.000 Bände, 253 Inkunabeln und 223 Handschriften angewachsen. Dieser Zuwachs dürfte auch die Erweiterung der Bibliotheksräumlichkeiten veranlasst haben. Unter Propst Norbert Zach (1857–1887) wurden 1870 die Gänge im zweiten Stock des Stiftes mit Bibliothekskästen ausgestattet. Unter ihm waren als Bibliothekare die bedeutenden Stiftshistoriker [[Wilhelm Bielsky]], [[Michael Faigl]] und Frigdian Schmolk tätig. Sie veröffentlichten viele Beiträge zur Stiftsgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine großzügige Erweiterung erfuhr die Stiftsbibliothek zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gräfin Maria Falkenhayn übergab 1905 dem Stift die 30.000 Bände ihrer Schlossbibliothek in Walpersdorf. Neben diesen gräflichen Exlibris finden sich in der Sammlung auch Werke mit den Besitzvermerken der Jörger, Colloredos und der Herrschaften Droß und Ottenschlag.&lt;br /&gt;
Während der Weltwirtschaftskrise kam es 1927 zur Veräußerung von Inkunabeln, die vergleichsweise die Höhe des Schätzwertes der ehemaligen Stiftstaverne ausmachten. Ebenso wurde in den sechziger Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eine große Anzahl von Büchern veräußert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anläßlich der Ausstellung im Jahr 1964 &amp;quot;Das Stift und seine Kunstschätze&amp;quot; wurde eine Neuaufstellung der Bücherbestände begonnen, die aber &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bis heute nicht fertiggestellt werden konnte&amp;lt;/span&amp;gt;. Derzeit ist die Bibliothek auf mehrere Standorte verteilt und lediglich die Handschriften, die Inkunabeln und die Druckwerke bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden nach dem Erscheinungsdatum geordnet. Der Rest ist weitgehend unbearbeitet. Der Gesamtbestand wird auf 80.000 Bände geschätzt. Dazu kommen noch 150 Inkunabeln und 150 mittelalterliche Handschriften. Die älteste Handschrift ist ein österreichisches Psalterium des 12. Jahrhunderts (HS 106). Die gut geschriebene Handschrift enthält eine Reihe von großartigen Initialen. Die bedeutendste Handschrift der Bibliothek ist Cod. 95 &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; von Gregor d. Gr. Sie wurde um 1260 in Mainz oder Regensburg geschrieben und enthält 36 ausgezeichnete Initialminiaturen im Stil der deutschen Malerei der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Cod. 223 ist eine oberitalienische Bibel der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit großen figurierten Initialen; fast alle Spalten tragen Federranken. Am Beginn der Genesis findet sich eine Gegenüberstellung der sieben Schöpfungstage mit christologischen Szenen. Ein österreichisches Graduale (HS 97) vom Beginn des 14. Jahrhunderts trägt auf jeder Seite Notenzeilen und stammt aus einem Zisterzienserkloster. Sehr schön ist eine französische Bibel mit Miniaturinitialen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (HS 99).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Ausgabe von Gregors &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; ist der zweibändige Cod. 94 aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts mit 18 figurierten Initialen, die von fünf Meistern stammen, die den Wenzelsbibelmeistern nahestehen. Die Handschrift wurde laut Eintragung in der Kartause Mauerbach geschrieben und war 1397 im Besitz der Kartause Olmütz. Wann und wie sie nach Herzogenburg kam, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der bedeutenden Sammlung von Wiegendrucken seien folgende hervorgehoben: ein sehr schöner Venezianer Druck von 1478, Lactantius Firmianus &amp;quot;Gegen die Haiden&amp;quot;; drei ausgezeichnete Kobergerdrucke aus Nürnberg, 1481; die Briefe des Ennea Sylvius Piccolomini (Papst Pius II.); ebenso von 1481 ein Kommentar zum Neuen Testament von Nicolaus de Lyra mit gezeichneten Initialen; und von 1483 ein Fastenbuch von Johannes Guitsch, gedruckt im Charakter der spätgotischen Handschriften. Ein Zisterzienser-Missale aus Paris um 1487 ist mit kleinen kolorierten Holzschnitten illustriert. Zwei sehr gute Ausgaben der interessanten Weltgeschichte von Rolewinck seien noch angeführt. Die eine Wiener Ausgabe von 1490 ist reich mit Holzschnitten illustriert, die zweite aus Köln mit vielen Holzschnitten in der Art der &amp;quot;Schedelschen Weltchronik&amp;quot; aus dem Ende des 15. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abschluss ist noch eine Postilla von Cuilcrinus, Augsburg 1495, die ebenfalls mit Holzschnitten illustriert ist, zu erwähnen. Die oben beschriebenen Handschriften und Frühdrucke sind im Hauptraum der Bibliothek in Vitrinen ausgestellt und bei jeder Führung durch das Stift zu besichtigen. In diesem Bibliothekssaal befinden sich in den Bücherschränken nur Bücher aus dem 18. Jahrhundert, um den Eindruck einer barocken Schaubibliothek zu vermitteln.&lt;br /&gt;
Durch die bescheidene Einrichtung wirkt die Bibliothek wie eine heimelige Studierstube. Die letzte Handschrift wurde 1990 erworben. Sie ist ein türkisches Gebetbuch aus dem 19. Jahrhundert in arabischer Zierschrift. In der Mitte des Buches finden sich zwei romantisch gemalte Ansichten der Moscheen in Mekka und Medina.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Das Herzogenburger Stiftsarchiv besteht aus vier Abteilungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) dem Archiv des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen/Herzogenburg mit 1.745 registrierten Urkunden (1112–1852) und zahlreichen nicht bearbeiteten Urkunden (ab 1852), 264 Büchern und 647 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit 327 registrierten Urkunden (998–1776), sechs Büchern und 225 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein mit 718 registrierten Urkunden (1306–1768), 36 Büchern und 90 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) dem Archiv des aufgehobenen Clarissenklosters Dürnstein mit 357 registrierten Urkunden (1289–1658) und ca. 20 Büchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Dokument im Stift Herzogenburg ist die Gründungsurkunde (1112) von Bischof Ulrich von Passau (Sta. Hn. 1a). Sie ist eine der formvollendetsten Urkunden aus der Schreibstube des Bistums Passau. Äußerst interessant ist die Traditionsnotiz (Sta. Hn. 1b), die ein Konzept zur Gründungsurkunde darstellt und sechs weitere protokollarische Notizen enthält, die an verschiedenen Orten abgefasst wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historisch bedeutsam für das Stift ist auch die Übertragungsurkunde von 1244 (Sta. Hn. 38). Die schweren Zeiten des 15. Jahrhunderts sowie der Brand des Klosters im Jahr 1512 dürften dem Archiv nicht allzusehr zugesetzt haben. Alle wichtigen Urkunden sind im Original vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes VII. Glaz (1569–1572) veranlasste eine Aufzeichnung und Registrierung der &amp;quot;Pergament-Brieff&amp;quot;. In dem 1570 angelegten Verzeichnis wird das Archiv als „Registratur&amp;quot; bezeichnet. Entsprechend dem damaligen Kanzleigebrauch, dessen Vorbild die Kanzlei des Regiments der niederösterreichischen Lande war, wurden auch in Herzogenburg die Urkunden, damals insgesamt 46 Stück, in einem mit Laden versehenen Kasten und die weniger wichtigen Akten in einem Sack aufbewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1683 wurden das Archiv und die Schatzkammer vor den heranrückenden Türken in das Chorherrenstift Dürnstein verlagert und 1684 wieder zurückgebracht. Die zeitlich nächstfolgende Bestandsaufnahme des Stiftsarchivs erfolgte zwischen 1730 und 1740. &amp;quot;Ain großer mit Eyßen schön beschlagener Casten, hat 36 unterschidliche litterirte gemahlene Laden&amp;quot;. Er diente als Aufbewahrungsort für das als &amp;quot;gehaimbtes Gwölb&amp;quot; bezeichnete Hauptarchiv. Diesem wurden 1745 Schriften und Akten des Hofrichters und des Stiftskämmerers einverleibt. Genaue, nach Grundherrschaften bzw. Sachgebieten angelegte und geordnete Inventarien zeugen von der Sorgfalt, mit der das Stiftsarchiv unter Propst Frigdian I. Knecht (1740–1775) betreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte im Streben nach dem Wissen über die eigene Vergangenheit die ersten wissenschaftlichen Bearbeitungen des Urkundenbestandes durch die Herzogenburger Chorherren [[Wilhelm Bielsky]] (Die ältesten Urkunden des Kanonikatsstiftes St. Georgen in Unterösterreich von 1112–1244, Wien 1852) und [[Michael Faigl]] (Die Urkunden des regulierten Chorherrenstiftes Herzogenburg vom Jahre seiner Übertragung von St. Georgen 1244–1450, Wien 1886).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich wurde in den Jahren 1930 bis 1935 der unübersehbare Bestand an Akten und Büchern durch Dr. Göhler geordnet und durch eine Zettelkartei der Forschung zugänglich gemacht. In der insgesamt 1.745 Urkunden umfassenden Urkundenreihe vom Stiftsarchiv Herzogenburg gibt es neben einer Vielzahl von Stiftungs- und Schenkungsurkunden auch Urkunden von Päpsten und Landesfürsten. Die älteste Papsturkunde wurde 1177 von Papst Alexander III. ausgestellt, die erste in deutscher Sprache abgefasste Urkunde stammt aus dem Jahr 1292.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als einzigartiges Dokument soll eine Urkunde Erwähnung finden, die von Mönchen des Katharinenklosters am Sinai und Chorherren des Stiftes Herzogenburg im Jahr 1491 gezeichnet wurde. Damals haben zwei griechische Sinaimönche Herzogenburg besucht und mit den hiesigen Chorherren eine Gebetsverbrüderung geschlossen und besiegelt – ein merkwürdiges und einmaliges Zeugnis für die Verbindung der Ost- und Westkirche im ausgehenden Mittelalter nach dem Fall von Konstantinopel (Sta. Hn. 538).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Grundbücher, wertvolle Unterlagen zur Erforschung der Besitz- und Bevölkerungsgeschichte im Raum Herzogenburg, wurden im 12. Jahrhundert angelegt. Hinzu tritt jene Masse des Archivmaterials, die als Akten des adeligen Richteramtes über die Untertanen aus der Amtstätigkeit des Stiftes erwachsen sind: Grundbuchsakten ab 1340, Testamente ab 1500, Verwaltungsakten über den Oberen Markt Herzogenburg, Korrespondenzen mit den umliegenden Grundherrschaften. Diese Schriftstücke zeigen den Kampf des Stiftes um seine Rechte und Besitzungen, unter welchen besonders Fischerei- und Wasserrechte auf der Traisen und Jagdrechte in den Auen im Vordergrund stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Rechnungsbüchern und Rechnungsakten finden sich genauere Aufzeichnungen über den Bau der barocken Stiftsgebäude und der inkorporierten Pfarrkirchen mit ihren Pfarrgebäuden. Eigenhändige Unterschriften auf den Quittungen sind zu finden von Jakob Prandtauer, der Familie Munggenast, Bartolomeo Altomonte, Daniel Gran, vom Salzburger Steinmetzmeister Jakob Mösl, vom Wiener Goldschmied Johann Caspar Holbein und vielen anderen. Bei der Durchsicht von unbearbeiteten Archivmaterialien konnte ein eigenhändig geschriebener Brief von Martin Luther von 1541 aufgefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Auflösung der Chorherrenstifte St. Andrä und Dürnstein kamen deren Archive nach Herzogenburg. Propst Michael Teufel (1781–1809) hat sich sehr um ihre Erhaltung und sichere Aufbewahrung bemüht. Die älteste Urkunde von St. Andrä ist eine Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. aus dem Jahr 998 (Sta. An. 1). Die Stiftungsurkunde von St. Andrä stammt aus dem Jahr 1160 und ist mit 44 Zeugen belegt (Sta. An. 4). Zu erwähnen ist noch eine prunkvolle Ernennungsurkunde des Chorherren Johannes Zwickl zum Kommissär für den Türkenablass des Papstes Innozenz VIII. von 1490 in teilvergoldeter Schrift mit reichen Initialen (Sta. An. 208). Alle drei Dokumente zählen zu den Zimelien dieser Urkundenreihe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Archiv der Chorherren von Dürnstein ist der Stiftungsbrief vom 18. Februar 1410 (Sta. CDn 147) der absolute Höhepunkt. Der linke Rand dieser Urkunde ist mit einer Reihe von höchst bedeutenden Miniaturen versehen, die sowohl der böhmischen wie der Wiener Buchmalerei des frühen 15. Jahrhunderts nahestehen. Die angehängten sechs Siegel sind noch vorhanden. Zwei im selben Jahr ausgestellte Urkunden tragen schöne Initialmalereien (Sta. CDn 149 und 150).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Im Gegensatz zum &amp;quot;Archiv Herzogenburg&amp;quot; sind die Urkunden, Bücher und Akten der drei anderen Archive noch nicht publiziert und daher wissenschaftlich noch wenig ausgewertet. &lt;br /&gt;
Derzeit (1995) wird die Einrichtung des Archives erneuert und auf den letzten technischen Stand gebracht. Damit ist auch der Wunsch verbunden, dass die letzten 150 Jahre archivmäßig aufgearbeitet werden.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Historische Namensformen===&lt;br /&gt;
* WEIGL, Heinrich, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, 8 Bde., Wien 1964–1981.&lt;br /&gt;
* SCHUSTER, Elisabeth, Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, 1. Teil (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B), Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
* HAUSNER, Isolde / SCHUSTER, Elisabeth, Altdeutsches Namenbuch, Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politische und kirchliche Topographie===&lt;br /&gt;
* WOLF, Hans, Niederösterreich (Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 6. Teil), Wien 1955.&lt;br /&gt;
* RUPP / SCHMIDTBAUER, Herzogenburg, 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Franz Reininger: Die Wiegendrucke der Stiftsbibliothek Herzogenburg. In: Mitteilungen des Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 12 (1908), S. 109–127.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Katalog der Handschriften der Stiftsbibliothek Herzogenburg. St. Pölten 1978. [https://manuscripta.at/diglit/winner_1978_1/0001 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Mayo Hope: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed for the Hill Monastic Manuscript Library, Austrian Libraries. Volume III: Herzogenburg. Collegeville, Minnesota, 1985. [https://archive.org/details/HMMLAustriaInventory3 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Franz Lackner: Datierte Handschriften in niederösterreichischen Archiven und Bibliotheken bis zum Jahre 1600. Wien 1988 (Katalog der datierten Schriften in lateinischer Sprache in Österreich, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kunst- und Baugeschichte===&lt;br /&gt;
* HEIDER, Gerhard / HÄUFLER, J. V., Archäologische Notizen (Archiv für österreichische Geschichte II/1), Wien 1850, 139–178.&lt;br /&gt;
* RIESENHUBER, Martin, Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Bistums St. Pölten, St. Pölten 1923.&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer. Der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* PETERMAIR, Hans, Die bauliche Anlage der Stifte in Altenburg, Herzogenburg und Seitenstetten und ihre baukünstlerischen Beziehungen im Mittelalter und in der Barocke, masch.geschr. techn. Diss., Wien 1934.&lt;br /&gt;
* STEINER, Ubald, Die Stiftskirche zu Herzogenburg. Beiträge zur Baugeschichte nach Aufzeichnungen des Propstes Georg Baumgartner, in: Pfarramtliche Nachrichten für den Kirchensprengel Herzogenburg 21 (1935), Nr. II/12.&lt;br /&gt;
* MUNGENAST, Emmerich, Joseph Munggenast. Der Stiftsbaumeister 1680–1741, Wien 1963.&lt;br /&gt;
* FEUCHTMÜLLER / WEBER, Stift und Kunstschätze, 1964.&lt;br /&gt;
* HEINZL, Brigitte, Bartolomeo Altomonte, Wien/München 1964.&lt;br /&gt;
* BIBA, Otto, Die Orgelakten des Stiftes Herzogenburg, in: Unsere Heimat, Zeitschrift des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 41 (1970), Heft 1, 9–24.&lt;br /&gt;
* GÜTHLEIN, Klaus, Der österreichische Barockbaumeister Franz Munggenast, phil. Diss., Heidelberg 1973.&lt;br /&gt;
* KNAB, Eckhart, Daniel Gran, Wien/München 1977.&lt;br /&gt;
* CÄSAR, Menz, Das Frühwerk Jörg Breus des Älteren, Augsburg 1982.&lt;br /&gt;
* EGGER / HESSLER / PAYRICH / PÜHRINGER / FASCHING, Stift Herzogenburg, 1982.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Hermann-Fichtenau: Der Bildersaal im Stift Herzogenburg, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 38 (1984).&lt;br /&gt;
* SERVUS, Die Entstehung der barocken Klosteranlage, 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Moseneder: Passau im Gedächtnis Herzogenburgs. Zur Ikonologie des Augustiner-Chorherrenstift. In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch 31 (1989), S. ##.&lt;br /&gt;
* Karl Thomas (Bearb.): Die Baumeisterfamilie Munggenast. Sonderausstellung des Stadtmuseums St. Pölten anläßlich des 250. Todestages von Joseph Munggenast. St. Pölten 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Oskar Freiherr von Mitis: Studien zum älteren österreichischen Urkundenwesen. 5 Bände. Wien 1906–1912.&lt;br /&gt;
* Franz Stundner: Das Archiv des Stiftes. In: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Hg. von Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber. Herzogenburg 1964, S. 83–86.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sonstige Literatur===&lt;br /&gt;
* Georg Baumgartner: Herzogenburg. In: Topographie von Niederösterreich. Band IV. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Wien 1896, S. 209–238.&lt;br /&gt;
* Gerhart Egger / Walter Hessler / Wolfgang Payrich / Leonore Pühringer / Herbert Fasching: Stift Herzogenburg und seine Kunstschätze. St. Pölten 1982.&lt;br /&gt;
* Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Herzogenburg 1964.&lt;br /&gt;
* Maximilian Fürnsinn: Stift Herzogenburg 1938–1945. In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 22/4 (1975), S. 132–140.&lt;br /&gt;
* Maria Hasitscha-Köck: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg während der Zeit des Propstes Michael Teufel von 1781 bis 1809. Diss. Univ. Wien. Wien 1973.&lt;br /&gt;
* Andreas Karl Kaiser: 975 Jahre Pfarre Herzogenburg (1014–1989). Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1989.&lt;br /&gt;
* Gerhard Nikodim: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg von 1513 bis 1602. Diss. Univ. Wien. Wien 1968.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich: Das Stift Herzogenburg. Die 875-jährige Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen-Herzogenburg von 1112–1987. Dipl.-Arb. Univ. Linz. Linz 1987.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich / Hans Peter Schmidtbauer: Unsere Kirche lebt. 200 Jahre Stiftskirche Herzogenburg. St. Pölten 1985.&lt;br /&gt;
* Anton Rupp / Hans Peter Schmidtbauer: Herzogenburg. St. Pölten / Wien 1991.&lt;br /&gt;
* Werner Sandner: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg von 1244 bis 1513. Diss. Univ. Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Frigdian Schmolk: Stift der regulirten lateranensischen Chorherren zu Herzogenburg in Nieder-Oesterreich. In: Ein Chorherrenbuch. Geschichte und Beschreibung der Bestehenden und Anführung der aufgehobenen Chorherrenstifte. Augustiner und Prämonstratenser in Österreich-Ungarn, Deutschland und der Schweiz. Hg. von Sebastian Brunner. Würzburg 1883, S. 200–263. [https://books.google.at/books?id=GoJJAAAAIAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA199-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Harald Servus: Die Entstehung der barocken Klosteranlage in Herzogenburg und ihre geschichtlichen Voraussetzungen. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1987.&lt;br /&gt;
* Egon Wahl: Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit besonderer Berücksichtigung der rechtlichen, besitz- und personalgeschichtlichen Verhältnisse. Diss. Univ. Wien. Wien 1945.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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		<title>Stift Herzogenburg</title>
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		<updated>2022-07-14T07:40:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Flora Prohaska: /* Bibliothek */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1112&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (seit 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=Stift St. Georgen, St. Georg in Herzogenburg, Ducumburgensis&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}, Niederösterreich&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.28677, 15.69721&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Hl. Georg, ursprünglich wahrscheinlich auch hl. Stephan und hl. Jungfrau Maria&lt;br /&gt;
|Politische Topographie=Fast im geographischen Mittelpunkt von Niederösterreich, gehört Herzogenburg heute zum politischen Bezirk St. Pölten-Land und ist ein eigener Gerichtsbezirk.&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichte==&lt;br /&gt;
===Gründung===&lt;br /&gt;
An der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert konnten im unteren Traisental die Passauer Bischöfe ihren pastoralen Einfluss am erfolgreichsten geltend machen. Bischof [[Ulrich I. von Passau]] (1092–1121) stiftete mit der Gründungsurkunde vom 18. August 1112 ein Eigenkloster für Augustiner-Chorherren bei seiner Kirche in St. Georgen. Diese lag am linken Traisenufer, dort, wo damals der Fluss in die Donau mündete. Als seelsorgliches Aufgabengebiet und als Existenzgrundlage übergab der Bischof seinem Kloster St. Georgen die beiden Mutterpfarren Traisenburg und Herzogenburg. Wahrscheinlich sandte er aus dem reformierten [[Stift St. Nikola]] bei Passau oder auch aus dem [[Stift Rottenbuch|Reformstift Rottenbuch]] (Bayern) Chorherren nach St. Georgen an der Traisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Errichtung der Stiftsgebäude in St. Georgen unter dem ersten Propst [[Wisinto I.]] (1112–1117) sind wir leider nicht unterrichtet. In den ersten Jahrzehnten war die Existenz des Klosters einerseits von den Hochwassern der Donau und andererseits von der wirtschaftlichen Schwäche infolge zu geringer Dotierung bedroht.&lt;br /&gt;
Zur Beseitigung dieser Schwierigkeiten wollte nun der Passauer Bischof [[Konrad]] (1148/49–1164), ein Sohn des hl. Leopold, das Kloster St. Georgen mit der noch offenen Stiftung des Walter von Traisen vereinigen und den Konvent nach St. Andrä an der Traisen verlegen. Nach dem Widerstand des Testamentvollstreckers Otto III. von Rechberg-Lengbach, der den Wunsch des Verstorbenen erfüllen wollte und eine eigenständige Gründung anstrebte, bediente sich die Passauer Seite einer gefälschten päpstlichen Bestätigung, nach der der Bischof Propst [[Hartwig von St. Georgen]] die Kapelle des hl. Andreas anvertraut habe, und es kam am 30. Dezember 1160 zur Gründung des [[Stift St. Andrä an der Traisen|Stiftes St. Andrä an der Traisen]]. Aufsicht und damit Verfügungsgewalt hatte der Propst von St. Georgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Otto wollte aber seine Rechte auf St. Andrä nicht aufgeben und überantwortete nach Beendigung des Schismas das neugegründete Stift St. Andrä dem päpstlichen Stuhl. 1185 kam ein päpstlicher Schutzbrief, der das Obereigentum des Papstes bestätigte und alle anderen Ansprüche ausschaltete. Der Besitz des Stiftes wurde bestätigt, ebenso die freie Propstwahl. Mit dieser Urkunde blieb das Stift St. Andrä selbständig und die Vereinigung mit Herzogenburg war verhindert worden.&lt;br /&gt;
Bischof Konrad verbesserte in den Jahren 1158 und 1160 die finanzielle Situation des Stiftes St. Georgen, indem er zur Entsumpfung der ungesunden Umgebung den Bau eines Wassergrabens ermöglichte und außerdem den Chorherren die [[Pfarre Marquardsurvar]] (heute [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Haitzendorf|Haitzendorf]]) und den Schwaighof bei Zeiselmauer schenkte. 1175/76 wurde jedoch das Gebiet nördlich der Donau – und damit die Besitzungen des Stiftes im Waldviertel – durch den Einfall Herzog Sobieslaws verwüstet.&lt;br /&gt;
Unter den späteren Schenkungen an das Kloster während der Regierungszeit Propst [[Wisinto II.|Wisintos II.]] (1191–1204) ist ein Stiftungsbrief von 1201 bemerkenswert, der ein Nonnenkloster in St. Georgen voraussetzt. In einer Urkunde aus der Zeit um 1230 werden die Schwestern Kunigunde und Ehrentraud von Zebing als Kanonissen von St. Georgen genannt. Dieser Frauenkonvent ist anlässlich der Übersiedlung des Männerklosters nach Herzogenburg auch mitverlegt worden. Die Schwesterngemeinschaft war nicht sehr groß, hatte nur geringes Vermögen und stand wahrscheinlich unter der Oberaufsicht des Propstes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Engelschalk]] (1242–1267), dem zwölften Propst des Stiftes St. Georgen, kam es zu der unumgänglichen Übersiedlung. Das Stift hatte zwar in den vorangehenden Jahrzehnten sein Vermögen durch einige Schenkungen und günstigen Tauschhandel vermehren können und profitierte an der wirtschaftlichen Blüte des Landes unter Herzog Leopold VI., doch belastete es der Verlust der finanziellen Einnahmen in den Zehentgebieten nördlich der Donau durch die neuerlichen Einfälle der Böhmen und Mährer. Untragbar wurde die Situation durch die häufigen Überschwemmungen der Donau, die das Stift zeitweise sogar zur Insel machten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als neuer Wohnsitz kamen die beiden Pfarrbesitzungen des Stiftes in Frage, und zwar [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg #Traisenburg/Pfarrkirchen/Stollhofen|Traisenburg/Pfarrkirchen]] und [[Liste der Pfarren des Stiftes Herzogenburg|Herzogenburg]]. Auch Pfarrkirchen war zu nahe an der Donau gelegen und so fiel die Wahl auf Herzogenburg.&lt;br /&gt;
Als sofortige Wirtschaftshilfe erteilte der Bischof dem Stift noch im selben Monat die Befreiung vom Bergrecht für die Weingärten in Königstetten. In der Übertragungsurkunde vom 19. März 1244 übergab er dem Konvent seine Rechte in der Pfarre Herzogenburg. Durch all diese Begünstigungen wurde Bischof [[Rudiger]] zum Retter und zweiten Gründer des Stiftes.&lt;br /&gt;
Die Stiftsgebäude in St. Georgen verfielen im Lauf der Zeit und wurden von der Donau überschwemmt. Im Jahr 1822 konnte man noch bei niedrigem Wasserstand der Donau die Fundamente des zerstörten Klosters sehen. Von den Nebengebäuden haben sich in unmittelbarer Nähe wahrscheinlich nur Mauerreste der Klostermühle in der heutigen Gutschermühle erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Spätmittelalter=== &lt;br /&gt;
Propst Engelschalk (1242–1267) begann vermutlich gleich nach der Übersiedlung des Konvents (1244) mit dem Bau der Klosteranlage in Herzogenburg, die aus dem Konventgebäude der Chorherren, der Stiftskirche, dem Frauenkloster mit einer Kapelle und den Wirtschaftsgebäuden bestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während der jahrzehntelangen Bauzeit siedelten sich in der Nähe des Stiftes, &amp;quot;auf der Widern&amp;quot;, Handwerker und Stiftsangestellte an. Diese Siedlung hatte einen eigenen Markt und wurde später nur mehr der Obere Markt genannt.&lt;br /&gt;
Die Übersiedlung des Chorherrenkonventes dürfte schon 1249, der Bau der Stiftskirche aber erst viele Jahrzehnte später abgeschlossen worden sein. Die romanische Pfarrkirche – mit der Gründungsurkunde vom 5. Juli 1014 hatte Kaiser Heinrich II. auch in Herzogenburg die Errichtung einer Pfarre ermöglicht – wurde daher in den ersten Jahrzehnten auch für die stiftlichen Funktionen verwendet. Nach der Fertigstellung der Stiftskirche war sie wieder normale Pfarrkirche und bestand als solche bis ins 16. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Leben der Chorherren im Mittelalter berichtet der Stiftschronist [[Frigdian Schmolk]] mit den Worten des 19. Jahrhunderts: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Die Lebensweise der Chorherren war eine sehr strenge: Schon zur Mitternachtsstunde gingen sie in Prozession zum Chore, um dort Gott zu loben und zu preisen; auch zur Arbeit und zur Mahlzeit gingen sie im geordneten Zuge. Täglich wurde nach der Prim ein &amp;quot;Capitel&amp;quot; gehalten, wo besonders von Besserung und Bestrafung der Fehlenden die Rede war; jeder sollte seine Fehler selbst bekennen oder anderen dieselben anzeigen. Nachher beschäftigten sich die Chorherren mit Handarbeit außer dem Stifte, oder innerhalb desselben mit Abschreiben von Büchern, mit Zurichten des Pergamentes, mit Lederarbeiten, Weberei, Drechslerei usw., außerdem hatten sie die Gärten zu pflegen, Unkraut auszurotten, ja selbst von Heu machen und Reinigen der Rüben wird in Handschriften erzählt. Für diese Verrichtung war die Zeit vom &amp;quot;Capitel&amp;quot; bis zur Terz, nachmittags bis zur Vesper bestimmt. Nach der feierlichen Conventmesse war die Zeit bis zur Sext zum Studieren, Lesen, für religiöse Gespräche und Krankenbesuche bestimmt. Das Mittagsmahl war sehr einfach bestellt, ausgenommen die sogenannten &amp;quot;pietantiae&amp;quot; oder &amp;quot;Frohmähler&amp;quot;, bei welcher Gelegenheit die Anzahl der Gerichte vergrößert wurde. Nach Tisch begaben sich die Regularen ins Dormitorium, wo man las, betete oder ausruhte bis 2 Uhr, um welche Zeit der Chor oder die Vigilien für die Todten abgehalten wurden. Hierauf war gemeinsamer Trunk im Refectorium, worauf man die Zeit bis zur Vesper mit Handarbeit ausfeilte. Dann folgte das Abendmahl, worauf die Zeit bis zur geistlichen &amp;quot;Collation&amp;quot; zum Lesen und Schreiben bestimmt war, wobei aber strenges Stillschweigen zu beobachten war. An die geistliche &amp;quot;Collation&amp;quot; reihte sich das Completorium, nach dessen Abbetung das Asperges folgte, worauf sich die Chorherren ins Dormitorium zur Ruhe begaben. Stillschweigen war an bestimmten Orten und zu gewissen Zeiten auferlegt. Die Fasten und Abstinenzen wurden sehr streng gehalten: Von der Pfingstoctave bis Mitte September wurde am Mittwoch und Freitag nur eine ordentliche Mahlzeit gehalten, im Advent und die ganze Fastenzeit war Abstinenz von Fleisch, ja sogar von Eiern und Käse geboten.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Pröpste von Herzogenburg waren nicht nur mit dem Stiftsbau, sondern auch mit der Errichtung von Befestigungsanlagen beschäftigt, da die Bürger des ausgehenden 13. Jahrhunderts durch Mongolenstürme, Ungarnangriffe und durch herumstreifende Kriegsscharen in der rechtlosen bzw. kaiserlosen Zeit besonders gefährdet waren. Der Untere Markt Herzogenburg hatte den Babenbergern gehört, bis er 1210 durch Tausch in den Besitz des bayerischen Klosters Formbach am Inn übergegangen war. Diese Zweiteilung der Grundherrschaft verhinderte auch, dass Herzogenburg schon früher zur Stadt erhoben wurde.&lt;br /&gt;
Die vielen Schenkungen an der Wende zum 14. Jahrhundert bezeugen, dass man sich dem jungen Kloster sehr verbunden fühlte, seine Leistungen anerkannte und sich gern in seinen geistlichen Schutz stellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die finanzielle Lage des Stiftes Herzogenburg war so gut, dass Propst [[Siegfried]] noch ein Haus in der Singerstraße in Wien erwerben konnte. Er kaufte auch einige Häuser auf der Widern, und nach und nach ging der Obere Markt von Herzogenburg in Stiftsbesitz über. Die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zählt zu den &amp;quot;goldenen Zeiten&amp;quot; des Stiftes. Unter dem folgenden Propst [[Nikolaus I. Payger von Würmla]] (1361–1374) erlebte das Stift Missernten und musste Kriegssteuern an Herzog Rudolf IV. und Papst Gregor XI. zahlen. Die Kurie forderte den zehnten Teil aller Einkünfte, um den Krieg gegen Florenz und Mailand fortführen zu können. Das Stift geriet nach langer Zeit wieder in Verschuldung, was Propst Nikolaus sehr bedrückte, wie aus seiner eigenhändigen Eintragung in ein Zehentregister zu entnehmen ist. Alle Klöster des Landes habe Herzog Rudolf ausgepresst und das Erbgut Christi in Soldgeld verwandelt. Die klösterlichen Chronisten seiner Zeit nannten Rudolf einen &amp;quot;neuen Nero&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Erleichterung der angespannten finanziellen Lage gewährten die Herzöge Albrecht III. und Leopold III. dem Stift Privilegien, da &amp;quot;die geistlichen ..., der Probst und das gotzhaus ze Herzogenburg in grozzer geltschulde und kumber sind.&amp;quot; 1373 wurde das Stift von der Pflicht der Gastung befreit: &amp;quot;deshalb wurde allen Herren, Rittern und Knechten, Edlen und Unedlen entboten, Herzogenburg in keiner Weise durch zu große Inanspruchnahme der Gastfreundschaft zu beschweren.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen interessanten Einblick in die Situation des Herzogenburger Konvents gibt eine Urkunde aus dem Jahr 1378. Vor der Propstwahl hatten die Chorherren folgende Forderung an den künftigen Propst zusammengestellt: Der Propst solle jährlich über alle Ausgaben und Einnahmen Rechnung legen. Er wurde angehalten, den Chorherren an bestimmten Festtagen und zur Aderlasszeit ungeschmälerte Mahlzeiten zu geben. Außerdem solle er täglich die Frühmesse halten. Alle Jahre habe er Sommer- und Wintergewänder für die Chorherren zu besorgen. Ohne Wissen des Dechants und der beiden ältesten Chorherren dürfe er keinen Kapitularen entfernen oder versetzen und ebensowenig jemanden ohne deren Zustimmung aufnehmen. Schließlich solle der für die Chorherren bestimmte Wein in einem eigenen Keller aufbewahrt werden.&lt;br /&gt;
Diese Forderungen spiegeln einerseits schon etwas von dem kapitularen Prinzip der Chorherren – der Vorsteher des Hauses ist bei wichtigen Entscheidungen an die Zustimmung seiner Kapitularen gebunden – andererseits aber auch etwas von der Bequemlichkeit des Konvents.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch den Ausfall der Zehente im Waldviertel geriet das Stift unter Propst [[Johannes III.]] (1401–1433), einem der längstregierenden Pröpste, wieder in finanzielle Schwierigkeiten. Ursache dafür waren einerseits die Verwüstungen durch die Kriegshandlungen des angreifenden mährischen Markgrafen Procop, andererseits die Zehentübergriffe der Verteidiger unter dem Söldnerführer Zacharias Haderer. Propst Johannes III. erreichte als Entschädigung dafür von den Herzögen Wilhelm und Albrecht IV. die Begünstigung, im Schankhaus des Stiftes, dem &amp;quot;Mühlhofkeller&amp;quot;, zwölf Fass Wein ohne Ungeld (Steuer) ausschenken zu dürfen. Er bemühte sich auch erfolgreich um den Schutz des apostolischen Stuhles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Johannes III. fand eine Stiftsreform nach den Bestimmungen des Konstanzer Konzils statt. Bei der Visitation im Stift Herzogenburg 1418 war nachweislich auch der erste Propst des [[Stift Dürnstein|Chorherrenstiftes Dürnstein]], das 1410 im Geist der Raudnitzer Reform gegründet worden war, anwesend. Und so wurden die Raudnitzer Statuten auch in Herzogenburg Grundlage einer Erneuerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes war auch ein eifriger Förderer der Lateinschule des Stiftes. Hier legten im Zeitraum von 1399 bis 1433 zahlreiche Schüler den Grundstein zu ihrer Bildung, die sie befähigte, die Universität zu besuchen. In den Matriken der Universität Wien werden 20 Bürgersöhne aus Herzogenburg und der nächsten Umgebung genannt.&lt;br /&gt;
Während der Regierungszeit des Propstes [[Ludwig Gössel]] (1457–1465) kamen im Zusammenhang mit dem Bruderkrieg zwischen Kaiser Friedrich III. und Erzherzog Albrecht VI. die Truppen des Böhmenkönigs Georg von Podiebrad nach Niederösterreich und durchzogen, weil sie keinen Sold bekamen, plündernd das Land. Im Jahr 1463, am dritten Tag nach dem Osterfest, wurde der Markt Herzogenburg mit dem Stift von den Räuberscharen (ca. 3.000 Mann) unter Georg von Vetau eingenommen und verwüstet. Die Mehrzahl der Bürger und Chorherren verlor durch die fanatischen Hussiten ihr Leben. Nur wenigen gelang die Flucht, unter ihnen Propst Ludwig. Die zurückgebliebenen Chorherren wurden, weil sie sich weigerten, die heiligen Geräte herauszugeben, von den Soldaten niedergemetzelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrscheinlich ging damals auch der Konvent der Kanonissen zugrunde, oder aber er fand durch Mangel an Klostereintritten schon früher ein friedliches Ende.&lt;br /&gt;
Im Lauf des Jahres 1465 begannen die Chorherren mit dem Wiederaufbau des Stiftes. Dieser zweiten gotischen Bauphase des Stiftes sollte aber kein langer Bestand gegönnt sein, denn schon 1477 belagerten und eroberten die Soldaten des ungarischen Königs Matthias Corvinus nach ihrem Sieg über Kaiser Friedrich III. Herzogenburg. Wieder brannte das Kloster nieder. Der nach St. Pölten geflohene Propst konnte seine in Rudolfsberg bei Wagram gefangengehaltenen Mitbrüder erst nach Bezahlung einer hohen Summe in die Ruinen seines Klosters zurückführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Stiftschronik berichtet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Die Kleinodien, Kelche und den Schmuck der Kirche, heilige Bücher, sowie Getreide, Wein und verschiedenen Hausrat des Klosters haben die erwähnten Räuber fortgeschleppt. Was nach Abzug der Feinde noch übrig blieb, wurde von 'Freunden', von etwas zweifelhaften Bürgern, aber auch Adeligen, besonders von einem gewissen Baron von Tops, während die Konventualen in Fesseln waren, verschleppt.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb von 15 Jahren mussten die Chorherren diese zwei Schicksalsschläge verkraften. Sie begannen unter Propst [[Georg I. Eisner]] (1484–1513) mit dem erneuten Aufbau ihres Klosters. Dieser Propst konnte durch sorgfältige Verwaltung und durch Schenkungen des Matthias Corvinus, der die Verwüstungen seiner Söldner wieder gutzumachen versuchte, die wirtschaftlichen Verhältnisse seines Hauses sanieren. Es gelang ihm sogar, im Lauf der Jahre die Stiftsgebäude prächtig auszustatten. Ein Zeitgenosse schildert seine Eindrücke während eines Besuches im Stift Herzogenburg folgendermaßen: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Das Kloster selbst hat manch Rühmenswertes: es ist mit großem Fleiß gebaut, so daß es die meisten auch in Österreich übertrifft. Es besitzt eine geräumige Kirche, große prächtige Häuser, unter welchen besonders diejenigen hervorragen, welche Propst Georg, welcher noch lebt, erbaut hat. Er errichtete eine neue Wohnung des Propstes, welche er derart an den Wänden mit Gemälden schmückte, daß ich kaum eine Schönere gesehen habe, außer in Vorau, welche aber nicht vollendet ist. In dem oberen Teil sind Gewölbe angebracht, an welchen eine Goldkugel befestigt ist, aber auch die Wände entbehren nicht des Schmuckes von Drechslerarbeiten. Georg erbaute auch zwei Refektorien, eines für den Winter, das andere für den Sommer. Er vollendete auch manch andere bequeme Räume, besonders auch einen, welcher dem Refektorium am nächsten ist. Dort ist ein enger Raum, wo die Brüder bei einem Trunke gemütlich beisammensitzen können. Das Kloster besitzt auch Graben, Wall und Mauern, so daß es nicht leicht eingenommen werden kann. Ein ungarischer Hauptmann warf einmal alle Brüder und den Propst aus dem Hause und machte aus dem Kapitelsaal einen Pferdestall.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tätigkeit des Propstes fand auch in Rom Anerkennung. 1498 erlaubte Papst Alexander VI. ihm und allen seinen Nachfolgern den Gebrauch der Mitra, des Stabes und Ringes und der anderen Pontifikalien.&lt;br /&gt;
Am 7. Mai 1512 brach in einem Haus auf dem Unteren Marktplatz ein Brand aus, der auch auf die Widern übergriff und die Stiftsgebäude teilweise in Schutt und Asche legte. Das Feuer zerstörte zuerst das Turmdach, griff auf das Dormitorium und Refektorium über, wobei alle Zellen der Brüder mit dem Winterrefektorium ausbrannten. Außerdem wurden das Krankenhaus, die Wohnung des Dechants, die Bibliothek und die Sakristei ein Raub der Flammen. Das Feuer sprang auch auf das Mariensacellum über und vernichtete dort die Orgel. Ebenso brannte die Schule nieder. Die Kirchenausstattung – die Tafelbilder und die Altäre – wurde verschont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformation bis Barock=== &lt;br /&gt;
Der hochgelehrte Propst [[Johannes V. Bernhard von Nußdorf]] (1517–1533) begann sein Amt in einer sehr schwierigen Zeit. Im Jahr seiner Wahl trat Martin Luther zum ersten Mal in Erscheinung. Zu dieser geistig-religiösen Revolution kam noch die Türkennot, die 1529 ihren Höhepunkt mit der Belagerung Wiens erreichte. Die türkischen Streifscharen verschonten zwar Herzogenburg, das Stift wurde aber durch die Türkensteuer Ferdinands I. umso härter belastet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Bernhard I. Schönberger]] (1533–1541) wurden die Abgaben zur Finanzierung der Türkenkriege so groß, dass die Steuerschulden nur durch den Verkauf des Stiftshauses in Wien, Johannesgasse Nr. 3, abgedeckt werden konnten. In religiöser Hinsicht musste der Propst die ersten Auswirkungen der protestantischen Lehre verkraften. Sein Mitbruder [[Johann Peurl]] hatte das Einkommen von einigen Pfarrkirchen vergeudet, die priesterliche Kleidung abgelegt und seinen Orden verlassen. Für viele Jahre war Bernhard der letzte frei gewählte Propst von Herzogenburg. Die nun folgenden Pröpste waren Weltpriester oder stammten aus anderen Ordenshäusern, wurden postuliert oder vom Kaiser ernannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Wunsch Kaiser Ferdinands I. wählte der Konvent [[Philipp von Maugis]] (1541–1550) zum Propst. Philipp entstammte einer adeligen belgischen Familie, war ab 1545 Regent der niederösterreichischen Landesregierung und Erzieher der Söhne Ferdinands I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch im Jahr seines Amtsantrittes trat in Herzogenburg, wie in vielen Orten Österreichs, die Pest auf, an der täglich bis zu 30 Personen starben. Alle Chorherren im Stift mit Ausnahme des Propstes und eines Konventualen fielen der Seuche zum Opfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger war [[Bartholomäus von Cataneis]] (1550–1563). Er entstammte einer vornehmen italienischen Familie aus Bergamo, war palatinischer Graf, apostolischer Protonofär, oberster Hofkaplan u. v. a. m. Durch sein Administrationstalent gelang es ihm, das Stift über die finanziellen Hürden zu bringen. Wegen seiner Tüchtigkeit wurde er zum Administrator von Göttweig bestellt (1556–1563).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den letzten Jahren seiner Regierung erlebte das Stift jedoch einen seiner Tiefpunkte. Eine Kommission, die die Klöster visitierte, beanstandete, dass sich der Propst mit zwielichtigen Frauen herumtreibe und dass seine Konventualen alle sektisch seien und die Sakramente dem alten Kirchenbrauch zuwider spendeten. Die Kommissäre erteilten ihm einen strengen Verweis und ermahnten ihn, in Hinkunft keinen Verdacht zu erregen sowie den Hauptübeltäter, den Dechant, abzusetzen und einzusperren. Nach dem Visitationsbericht vom Jahr 1561 befanden sich im Stift Herzogenburg vier Konventualen, drei Konkubinen, kein Eheweib und sechs Kinder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende seines Lebens musste der Propst erkennen, dass er als Sonderbeauftragter in zu vielen Landesangelegenheiten unterwegs gewesen war, dass er in der Diplomatie zwar vieles geleistet, als Vorstehender des Hauses aber versagt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Krisenzeit des Stiftes wurde der Prälat von St. Andrä [[Johannes VI. Pülzer]] (1563–1569) zum Propst bestimmt. In seinem Wahlinstrument hieß es, er sollte baldmöglichst die Zahl der Chorherren ergänzen, da sich dieselben fast alle &amp;quot;verloffen&amp;quot; hätten. Wirtschaftskrisen, Hungersnot, Erhöhung der Steuern und die Tatsache, dass viele seiner Mitbrüder lutherisch wurden, trieben Propst [[Johannes VII. Glaz]] (1569–1572) zu einem Verzweiflungsakt: in der Nacht des 14. September 1572 floh er in Begleitung eines Dieners aus dem Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun folgte ein Mann aus dem eigenen Haus, [[Jakob Reisser]] (1573–1577). Durch seine Sparsamkeit und energische Haltung ging es sowohl finanziell als auch disziplinär im Stift aufwärts. Im Visitationsbericht wurde vermerkt, dass er keine goldene Kette und auch keine kostbaren Kleider trug, keine Spiele gestattete und die Musik bei Tisch abgeschafft habe. Außerdem hätten Propst und Konventualen keine Konkubinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er bemühte sich, Mitarbeiter aus dem Ausland zu bekommen, um die Ausbreitung der lutherischen Lehre zu stoppen. Denn die Gemeinde Herzogenburg war zum Großteil schon protestantisch und die Pfarrkinder gingen bereits in die umliegenden Ortschaften, um bei den &amp;quot;sektischen Predigern&amp;quot; die Sakramente zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Acht Monate lang gab es nun ein Tauziehen bei der Besetzung der ansehnlichen Prälatur in Herzogenburg. Schließlich postulierte der Klosterrat für das Stift den Propst des [[Stift St. Dorothea|Chorherrenstiftes St. Dorothea]] in Wien, [[Georg II. Brenner]] (1578–1590). Georg war Hofkaplan bei Kaiser Maximilian II. gewesen, und so begab es sich, dass Kaiser Rudolf II. zweimal auf Reisen im Stift übernachtete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Parallele zur großen Politik der Rekatholisierung im Land lässt sich auch in Herzogenburg erkennen. Propst Georg schrieb 1579 an das Konsistorium und 1582 an Kaiser Rudolf II. einen Brief, in dem er die religiös gespaltene Situation in Herzogenburg schildert und den Herrscher um Unterstützung bittet, damit er den Unteren, Formbachischen Markt, der zum größten Teil protestantisch war, kaufen könne. Durch eine administrative Marktvereinigung und durch eine bessere religiöse Betreuung wollte der Propst die häufigen Streitigkeiten zwischen den Bürgern der beiden Märkte beseitigen. Die Trennung blieb jedoch bis 1806 bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1588 schlug der Klosterrat Georg sogar zum Bischof von Wiener Neustadt vor. Sein siegreicher Gegenkandidat Melchior Klesl half ihm einige Jahre später bei seinen Reformplänen. Die Bürger (vor allem die des Unteren Marktes) mussten nun an den Sonn- und Feiertagen dem Gottesdienst mit allen &amp;quot;vleis und gezimende Andacht&amp;quot; beiwohnen. Wer zu den &amp;quot;Predikanten auslief&amp;quot;, wurde mit schwersten Strafen bedroht. Ebenso mussten die Herzogenburger ihre Kinder in die katholische Schule schicken und dem Gesinde wurde verboten, sich während des sonntäglichen Gottesdienstes in Wirtshäusern oder auf Spielplätzen aufzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kirche, Kloster- und Wirtschaftsgebäude wurden nun renoviert und ausgebaut, Messgeräte, Bücher und Musikinstrumente angekauft. Der Lesehof in Königstetten wurde renoviert und der Hof von Klosterneuburg fast zur Gänze neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Krankheit stand dem Propst in den letzten Jahren [[Paul Zynkh]] als Koadjutor zur Seite. Da es nach dem Tod des Propstes bei der Neubesetzung zwischen Klosterrat und dem Passauer Bischof zu Unstimmigkeiten gekommen war, verwaltete Paul Zynkh über ein Jahr als Administrator das Stift, bis er zum Propst gewählt wurde (1591–1602).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund der ständigen Türkengefahr wurden die Verteidigungsanlagen des Klosters gemäß dem kaiserlichen Mandat ausgebaut und die Rüstkammer des Stiftes mit moderneren Waffen versehen. Von den umfangreichen Restaurierungsarbeiten und Ankäufen gibt ein fünfeinhalb Seiten langes Verzeichnis Auskunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während eines halbjährigen Kuraufenthaltes des Propstes in St. Pölten ging es im Kloster drunter und drüber. Unter Lebensgefahr reiste der kranke Propst zurück und hielt ein Kapitel. Der Dechant wurde abgesetzt und im Lauf von drei Wochen bei Wasser und Brot &amp;quot;dasig&amp;quot; gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten drei Jahre seines Lebens war der Propst Deputierter der niederösterreichischen Stände und hielt sich oft in Wien auf. Aus diesem Grund kaufte er dort 1601 ein Wohnhaus, den &amp;quot;Heidelberger Hof&amp;quot; in der Annagasse. Das Gebäude ist heute noch im Besitz des Stiftes und trägt den Namen &amp;quot;Herzogenburgerhof&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Landesebene konnte der Protestantismus Schritt für Schritt zurückgedrängt werden. Propst Paul bestellte den Weltpriester Georg Tirher aus Konstanz als Pfarrer für Herzogenburg. Dieser konnte durch seine eindrucksvollen Predigten viele Protestanten des Marktes zum katholischen Glauben zurückführen. Um die Jahrhundertwende war Herzogenburg wieder eine vorwiegend katholische Gemeinde. In den Dörfern ging die religiöse Erneuerung langsamer vor sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als [[Melchior Kniepichler]], ehemaliger Propst des Stiftes Dürnstein, von König Matthias als Propst postuliert wurde (1609–1615), protestierte der Herzogenburger Konventuale [[Johannes Held]] in einem Schreiben an den Passauer Offizial, weil Propst Melchior in St. Andrä (1592–1599) &amp;quot;Schulden gehäuft und von dann gezogen sei&amp;quot;, er habe dann &amp;quot;Tirnstain ohne Schulden angetreten und gehe nun mit Schulden weg&amp;quot; (1599–1609); beide Male in Folge seiner verschwenderischen Freigiebigkeit gegen Verwandte und Freunde. Weiters klagt er, dass Melchior dem Trunke ergeben und &amp;quot;in diesem Zustand unausstehlich streitsüchtig sei.&amp;quot; Schließlich, dass Melchior das weibliche Geschlecht liebe und gerne Tanzunterhaltungen besuche. In den Klosterratsakten hieß es, &amp;quot;dieser Mann war mehr Schelm als Mönch&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Öfters fuhr der Propst während seiner Regierungszeit in Herzogenburg nach Wien, ins Gasthaus &amp;quot;Zum goldenen Strauß&amp;quot; am Neuen Markt, wo die fünfzehnjährige Wirtstochter Katharina &amp;quot;zum Frohsinn des Herrn Prälaten das meiste beitrug&amp;quot;. Nachdem diese ein Kind bekommen hatte, kam unvermutet am 26. Juli 1615 eine Untersuchungs- und Strafkommission nach Herzogenburg. Aufgrund der strengen Linie Klesls wurde der Propst gefangen nach Wien geführt, verhört und einige Monate eingesperrt. Erst nach drei Jahren wurde Melchior rehabilitiert und zum zweiten Mal zum Propst von Dürnstein bestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Wahlturbulenzen in den folgenden Jahren bestimmte Kaiser Ferdinand II. den Dechant des Kathedralstiftes Seckau [[Martin III. Müller]] zum Vorsteher in Herzogenburg (1621–1640). Er war ein eifriger Förderer der Gegenreformation, reformierte das klösterliche Leben und führte neue Statuten ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er erreichte auch, dass ihm die [[Pfarre Hain]] wieder zurückgegeben wurde, wo bisher nur protestantische Prediger angestellt waren. Den Konflikt mit der dort tonangebenden protestantischen Familie der Jörger konnte erst sein Nachfolger [[Johannes Bauer]] (1640–1653) beilegen. Propst [[Joseph Kupferschein]] (1653–1669) versuchte ebenfalls auf friedliche Weise die Protestanten zum katholischen Glauben zurückzugewinnen. Er war sowohl ein gelehrter Mann (1641 war er Rektor der Universität in Wien) als auch ein tüchtiger Wirtschafter. Propst [[Anton Sardena]] (1669–1687) begann mit viel Schwung die weiteren Restaurierungsarbeiten bzw. die Barockisierung des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1679/80 wütete die Pest in Herzogenburg und kostete viele Menschen das Leben. In der Stiftsgeschichte von Dechant [[Beyer]] wird auch das Erscheinen eines Kometen vermerkt, der im Jahr 1680 am Fest des hl. Stephan zum ersten Mal erschien und als Vorbote der Türkenkriege interpretiert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 14. Juli 1683 erschienen 200 bis 300 Türken vor Herzogenburg. Sie ließen den gut befestigten Ort zunächst ungeschoren. Als die Gefahr immer größer wurde, flüchtete der Prälat auf Bitten seiner Geistlichen mit dem Archiv und der Schatzkammer nach Dürnstein. Eines Tages kam dann eine ungewöhnlich große Schar Türken (angeblich zwischen 10.000 und 12.000 Mann), um Herzogenburg einzunehmen. Sie schichteten aus den verlassenen Bauernhäusern und Scheunen Stroh vor die Markttore, um sie durch Feuer zu zerstören. Der Chorherr [[Gregor Nast]], der die Verteidigung von Herzogenburg leitete, ließ in aller Eile leere Weinfässer mit Erde und Sand füllen und hinter den Toren auftürmen, sodass die Belagerer durch die vom Feuer zerstörten Tore nicht eindringen konnten. Die Bürger leisteten mit ihren Schusswaffen so tapfer Widerstand, dass dieser türkische Eroberungsversuch fehlschlug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Zeit erholten sich das Land und die Klöster von den Nachwirkungen der Türkenkriege und mit der Wiederkehr von geordneten Zuständen verbesserte sich auch die wirtschaftliche und religiöse Situation. Propst [[Maximilian I. Herb]] (1687–1709) war lange Jahre ein eifriger Seelsorger und stand als Dechant und späterer Prälat seinen Mitbrüdern auf den Pfarren beim Wiederaufbau bei. In Haitzendorf wurde mit Hilfe von Jakob Prandtauer die Kirche renoviert und der Pfarrhof zur Sommerresidenz der Pröpste ausgebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1714 entschloss sich der Herzogenburger Propst [[Wilhelm von Schmerling]] (1709–1721), das Stiftsgebäude neu zu errichten. Das gewaltige Bauvorhaben wurde durch Grund- und Gutsverkäufe finanziert. In einer zeitgenössischen Stiftsgeschichte wird folgendes berichtet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Im selben Jahr begann Propst Wilhelm mit großer Energie den kunstvollen Neubau des Klosters, den keiner seiner Vorgänger gewagt hatte, nach demselben weitläufigen und architektonischen Vorbild, wie er es in Melk gesehen hatte, das unter dem berühmten Abt Berthold in derselben Zeit errichtet wurde. Als Architekt nahm sich unser Wilhelm den, der die Bauten von Melk, bei St. Florian in Oberösterreich etc. errichtete, N. Brandauer von St. Pölten, einen erfahrenen Künstler. Er errichtete bei diesem Neubau zuerst den Trakt, der an die große Kirche anschließt, dann den anderen, in dessen Mitte der große Saal hervorgeht, den der kaiserliche Architekt Baron von Fischer senior entwarf und vollendete, und dann den entfernteren bis zum Haupttor, wo sich auch der Eingang von Norden her befindet ... Der Grundstein wurde am 25. Mai d. J. in aller Feierlichkeit an der Epistelseite (eine andere Hand: Evangeliumseite) außen am Presbyterium gelegt.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der in Herzogenburg geborene Propst [[Leopold von Planta]] (1721–1740) erreichte die Aufnahme seines Hauses in die Lateranensische Kongregation, mit der Erlaubnis, ein violettes Mozett zu tragen. Damit bekam er für sich und seine Nachfolger von Papst Innozenz XIII. am 18. September 1724 das Recht, den Titel eines Lateranensischen Abtes zu tragen. Propst Leopold führte auch in dieser Zeit nach dem Beispiel von Klosterneuburg den schwarzen Talar anstelle der weißen Kleidung für seine Mitbrüder ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende seines Lebens konnte Propst Leopold auf einen einheitlichen Stiftsbau blicken, der sich würdig in die Reihe der Stiftsbauten der großen österreichischen Barockprälaten einreiht. Die von Prandtauer gebauten Trakte sind vornehm und voll künstlerischen Lebens. Einzig an der Ostseite sprengt der Saalbau Fischers die Prandtauersche Fassade: er tritt um eine Achse hervor und überragt sie mit den Oberfenstern. Durch diese dramatische Vorgangsweise stellt Fischer seinen Rang als führender Architekt unter Beweis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Protest gegen die &amp;quot;Pragmatische Sanktion&amp;quot; verbrüderten sich die Bayern und die Preußen mit den Bourbonen und drangen 1741 bis nach St. Pölten vor. Besonders die Franzosen plünderten das Gebiet zwischen Melk und St. Pölten. Weil das Stift eine Kriegssteuer in Höhe von 14.000 Gulden nicht gleich aufbringen konnte, nahmen die Franzosen den 32-jährigen Propst [[Frigdian Knecht]] (1740–1775) als Geisel und er wurde nach den Worten des Stiftsdechanten &amp;quot;hin und hergeführt zu Schand und Spott&amp;quot;. Erst nach sechstägiger Gefangenschaft und Zahlung des hohen Lösegeldes konnte der Prälat wieder ins Stift zurückkehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich der Prälat, die Kirche durch den jungen Franz Munggenast neu erbauen zu lassen. Der Turm wurde 1767 nach Entwürfen von Johann Bernhard Fischer von Erlach durch Matthias Munggenast ausgeführt. Die Architektur dieser Kirche und die Ausstattung durch Daniel Gran und Bartolomeo Altomonte können zu den großen Leistungen des österreichischen Barocks gezählt werden. In den Pfarren [[Stollhofen]], [[Hain]], [[Rottersdorf]] und [[Brunn]] ermöglichte Propst Frigdian ebenfalls die &amp;quot;Barockisierung&amp;quot; der Kirchen. Durch die Stiftung von 7.000 Gulden des Wiener Stadtrates Jakob Bodenreiter konnte in Theiß der Pfarrhof neu errichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seines wissenschaftlichen Interesses kaufte der Propst Jahr für Jahr viele wertvolle Bücher, ordnete das Archiv und unterstützte den Aufbau eines eigenen Münzkabinetts. Auf musikalischem Gebiet war sein Mitbruder [[Georg Johann Donberger|Georg Donberger]] tätig. Als Regens chori komponierte dieser unermüdlich und seine Werke sind in den Musikarchiven vieler österreichischer Stifte zu finden. Als Propst Frigdian Knecht nach 35-jähriger Amtszeit im Jahr 1775 starb, hinterließ er ein geordnetes Haus, das spirituell, künstlerisch und wirtschaftlich einen guten Ruf hatte. Er wird auch der dritte Gründer genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Josephinismus bis Gegenwart===&lt;br /&gt;
Mit Beginn der Alleinregierung durch Joseph II. 1780 kam auch für das Stift Herzogenburg eine Zeit, die nicht leicht zu bewältigen war. Die Reformen überstürzten sich. Zwei Monate nach der Regierungsübernahme des Kaisers wurde [[Michael Teufel]] vom Kapitel zum neuen Propst gewählt (1782–1809). Er zeigte sich der Problematik des &amp;quot;josephinischen Experimentes&amp;quot; sehr gut gewachsen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Patent über die Klosteraufhebungen wurde auch für das Stift St. Andrä an der Traisen wirksam, das nach dem Tod des letzten Propstes [[Gregor Gründler]] 1783 dem Stift Herzogenburg einverleibt wurde. Propst Michael musste dafür sorgen, dass die Auflösung ordnungsgemäß durchgeführt wurde. Das Chorherrenstift Dürnstein wurde 1788 mit dem Stift Herzogenburg &amp;quot;vereinigt&amp;quot;. Gegen diesen Bescheid wehrte sich der Bischof von St. Pölten, doch wurde mit Hofdekret vom 7. Juni 1788 die endgültige Aufhebung des Stiftes angeordnet und die bisherige Stiftskirche in eine Pfarrkirche umgewandelt. Ein Höhepunkt in der Regierungszeit des Propstes Michael Teufel war die Weihe der Stiftskirche. Am 2. Oktober 1785 wurde die Kirche von [[Heinrich Johannes von Kerens]], dem ersten Bischof, der in St. Pölten residierte, geweiht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als durch die Aufhebung der Benediktinerabtei Formbach am Inn der Untere Markt Staatseigentum wurde, konnte ihn Propst Michael durch geschickte Verhandlungstaktik 1806 kaufen und mit dem Oberen Markt vereinigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 23. September 1805 hatte Napoleon an Österreich den Krieg erklärt und marschierte schließlich nach Wien. Am 11. November 1805 kam es zum Gefecht bei Dürnstein-Loiben, dem einzigen wirklichen Erfolg für die verbündeten Russen und Österreicher im unglücklichen Feldzug von 1805. In einem Tagebuch werden eindrucksvoll die Drangsale in Herzogenburg während dieser französischen Invasion geschildert: Am Tag vor der Schlacht kam eine unabsehbare Menge Feinde auf Herzogenburg zu. Ihr Anführer und Divisionskommandant General Le Gran bemühte sich, die ärgsten Greueltaten zu verhindern, aber dennoch wurden die Einwohner drangsaliert und der Marktrichter fürchterlich geschlagen. Die Keller wurden aufgebrochen, und unter Zechen, Plündern und Rauben verging die Nacht. Am Tag nach der Schlacht quartierten sich einige französische Generäle im Stift ein. Die Soldaten, die in Gärten und Feldern lagerten, zündeten abends über tausend Feuer an, die die ganze Gegend hell erleuchteten. Ende November kamen dann die Holländer; diese erwiesen sich als unbändige Säufer und benahmen sich ärger als die Franzosen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die oftmaligen hohen Geldforderungen der französischen Offiziere und die ständigen Einquartierungen von Soldaten war das Stift am Rande des Ruins. Propst Michael floh während des Krieges mit der Münzsammlung und anderen Kostbarkeiten nach Ungarn in die Abtei Zirc. Kämmerer [[Josef Leuthner]] brachte sich mit den anderen Wertgegenständen auf das Gut Primersdorf (Waldviertel) in Sicherheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Österreichisch-Französischen Krieges im Jahr 1809 und der zweiten Eroberung Wiens durch Napoleon hatte Herzogenburg wieder unter französischen Truppen, ganz besonders unter den württembergischen Hilfstruppen zu leiden. Bei dieser zweiten Franzoseninvasion kam der Propst allerdings nicht mehr unbehelligt davon. Noch kurz vor seinem Tod wurde er in seinem Zimmer von einem französischen Husaren misshandelt und seines Kreuzes und Ringes beraubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Michael Teufel hat um das Stift beinahe so große Verdienste wie sein Gründer – der Volksmund unterstrich das Weiterbestehen des Stiftes mit dem Bonmot: &amp;quot;Der Teufel hat das Stift gerettet.&amp;quot; Im Geist der neuen josephinischen Begräbnisordnung wurde er als erster Stiftsvorsteher außerhalb des Ortes auf dem allgemeinen Friedhof in einem bescheidenen Mausoleum bestattet. 1977 wurden die sterblichen Überreste des Propstes exhumiert und neben seinem Grabdenkmal in der Stiftskirche beigesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ehemalige Stiftsdechant Propst [[Aquilin Leuthner]] (1811–1832) konnte das Haus nur insofern aus der finanziellen Not retten, als er von Kaiser Franz I., der viele Herren durch seinen Besuch im Stift im Jahr 1807 persönlich kannte, einen Nachlass der Schulden erreichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Jahren konnte der Propst das Bauvorhaben einer allgemeinen Schule in Herzogenburg durchführen. 1829 war der Bau des einstöckigen Schulgebäudes abgeschlossen, dem der Westtrakt des Kreuzganges mit seiner schönen gotischen Totenkapelle hatte weichen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Bernhard II. Kluwick]] (1832–1843) erreichte die aus Osteuropa kommende Choleraepidemie auch Niederösterreich. Die Angst vor dieser Seuche veranlasste die Stiftsherren, zur Versorgung der Kranken an den Gangenden sogenannte Choleraöfen zu errichten: &amp;quot;... also die Küche zu weit entfernt ist, um schnell den notwendigen Tee und warmes Wasser herbeizuschaffen.&amp;quot; Da die &amp;quot;Ärzteräthe&amp;quot; gegen diese Krankheit machtlos waren, versuchten sich die Gemeinden durch Abriegelung von der Umwelt sowie Immunisierung durch Alkohol zu helfen. So entstand die Spruchtafel im stiftlichen Kellerstüberl: &amp;quot;Die Angst vor Krieg und bösen Seuchen, der Reichersdorfer (Wein) wird's verscheuchen!&amp;quot; Das Lebenswerk von Propst Bernhard war die Erbauung der Pfarrkirche in [[Theiß]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Karl Stix]] (1843–1847) konnte einen weiteren bedeutenden Schuldenerlass bei Kaiser Franz I. erreichen. Aus Dankbarkeit feierte das Stift jahrzehntelang den Todestag des Monarchen mit dem &amp;quot;Kaiserrequiem&amp;quot;. Der Propst setzte sich auch für eine Erhöhung der Gehälter seiner Mitbrüder ein. 1844 konnte er die Jubiläumsfeier der Übertragung des Stiftes von St. Georgen nach Herzogenburg (1244) festlich begehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Revolutionsjahr 1848 brachte auch entscheidende Veränderungen für das Stift unter Propst [[Josef II. Neugebauer]] (1847–1856). Am 19. Februar 1848 wurde dem Prälaten von der Regierung zwar der faktische Besitz der aufgelassenen Stifte St. Andrä und Dürnstein bestätigt, am 7. September 1848 hob der Reichstag jedoch die bäuerliche Untertänigkeit auf und das Feudalrecht mit Robot und Zehent wurde abgeschafft. Man war sich des Wertes dieser Gesetze für das Volk wohl bewusst, dem Ausfall eines großen Teils der Einnahmen konnte der Propst mit seinem Kapitel aber nur durch die Veräußerung des Gutes Primersdorf 1851 begegnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 8. Oktober 1848 kam – auf der Flucht von Wien in die Festung Olmütz – Kaiser Ferdinand I. mit seinem Gefolge nach Herzogenburg. Beim Aussteigen aus dem Wagen sprach der Kaiser zum Propst: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Herr Prälat! Mich freut's, einmal Ihr Stift zu sehen und zu betreten. Es ist mir ein recht schönes und freundliches Haus; ich habe es bisher noch nie gesehen. Ich muß Sie heute schon um ein Mittagmahl und auch um ein Nachtquartier bitten. Weil ich zum Nachmittagsgottesdienst zu spät gekommen bin, so ersuche ich Sie, uns um halb 6 Uhr noch einen heiligen Segen zu halten.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt; Am selben Abend unterzeichnete der Kaiser ein Manifest &amp;quot;An die Völker meiner deutsch-erbländischen Provinzen&amp;quot;. (...) &amp;quot;Als am nächsten Morgen der großartige Kaiserzug aus dem Weichbild Herzogenburgs schied, blieb kein Auge trocken.&amp;quot; Der Name &amp;quot;Kaisergasse&amp;quot; erinnert noch heute an diese Begebenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1853 gab es eine kanonische Visitation durch den St. Pöltener Bischof Feigerle, und zwei Jahre darauf visitierte auch der Linzer Bischof Rudiger in Vertretung des Kardinals Fürst Schwarzenberg das Stift Herzogenburg. Auch er war sehr zufrieden mit dem Stand des Hauses und &amp;quot;schied mit wahrer Herzensfreude vom Stift&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch unter dem nächsten Vorsteher des Stiftes Propst [[Norbert Zach]] (1857–1887) herrschte ein gutes Klima im Haus. Von den 34 Mitgliedern des Stiftes waren 25 Priester in der Seelsorge tätig, vier hatten häusliche Offizien, zwei Kleriker studierten an der theologischen Hauslehranstalt im [[Stift Klosterneuburg|Chorherrenstift Klosterneuburg]], zwei Novizen wurden im Haus in die Lebensnorm der Chorherren eingeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1862 gründete der Stiftskurat und spätere Dechant [[Ferdinand Mann]] den katholischen Gesellenverein, der sich um die seelsorglichen und menschlichen Anliegen der arbeitenden Bevölkerung kümmerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Herzogenburg begann den Schritt ins Industriezeitalter, als 1874 die Firma Vollrath (Nägel, Schrauben) von Wien nach Herzogenburg/Oberndorf übersiedelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1875 folgte ihm Carl Grundmann, ein pensionierter Danziger Lokomotivführer, der sich auf die Erzeugung von Türschlössern spezialisiert hatte. In diese Zeit fällt auch die Planung und der Bau der Eisenbahnlinien im Raum Herzogenburg: Am 3. August 1885 wurde die Strecke Tulln – St. Pölten, am 16. Juli 1889 die Strecke Herzogenburg – Krems eröffnet. Seit dieser Zeit &amp;quot;ist der Markt mit zwei Hauptverkehrsadern der Monarchie&amp;quot;, mit der West- und der Franz-Joseph-Bahn, verbunden. Um der rasch anwachsenden Bevölkerung eine bessere Ausbildung und damit größere Berufschancen geben zu können, wurde die Stiftsschule schon 1867 zu einer Pfarr-Hauptschule erweitert. Heute wird dieses Gebäude neben der Stiftskirche von der Sonderschule und der Musikschule benützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das äußere Bild des Ortes änderte sich Mitte des 19. Jahrhunderts. Drei Tore der alten Marktbefestigung wurden abgetragen; ebenso Teile der Ringmauer. Ein Stückchen dieses mittelalterlichen Ensembles ist heute noch im nördlichen Stiftsbereich zu sehen, wo Mauer, Graben, Verteidigungsturm und das einzige noch bestehende Stadttor, das &amp;quot;Au-Tor&amp;quot;, auch &amp;quot;Nordtor&amp;quot; genannt, erhalten blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Schlacht bei Königgrätz Mitte Juli 1866 drangen die preußischen Truppen bis ins Waldviertel vor und das österreichische Militär zog sich (größtenteils kampflos) auf das südliche Donauufer zurück. Das Stift richtete im Auftrag der k. k. Statthalterei ein Spital für die Soldaten ein. Für seine Verdienste wurde der Propst im Jahr 1879 vom Kaiser mit dem Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet. Während seiner zehnmonatigen Funktion als Administrator des Stiftes veranlasste Dechant Emmerich Wallner die Gestaltung des nach ihm benannten &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; im Westtrakt des Stiftsgebäudes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Person des folgenden Propstes [[Frigdian II. Schmolk]] (1888–1912) vereinigten sich glücklich Kirchenfürst und Staatsmann. 1902 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum Landmarschall (Vorsitzender des Landtages). Vier Jahre lang hatte er dieses Amt inne. In Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der Kaiser die Würde eines Wirklichen und Geheimen Rates und berief ihn auf Lebenszeit als Reichsrat in das Herrenhaus. Um 1900 erreichte das Stift seinen höchsten Personalstand: 40 Konventualen gehörten zum Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Frigdian wurden in den letzten beiden Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts das Stiftsgebäude, der Turm, die Orgel und das Innere der Kirche restauriert. Dechant Ferdinand Mann ließ auf seine Kosten 1903 den Maria-Lourdes-Altar errichten und die zwei Holzstatuen Herz-Jesu und Herz-Maria in der Kirche aufstellen. Sie zeugen von der Frömmigkeit des Volkes um die Jahrhundertwende. Von dieser Zeit sind noch die feierliche Erstkommunion und die Maiandachten lebendig geblieben. 1907 wurde der Zusammenschluss der österreichischen Chorherrenstifte zur &amp;quot;Österreichischen Kongregation der regulierten Lateranensischen Chorherren&amp;quot; erreicht. Als Konvisitator wurde Propst Frigdian Schmolk gewählt. Eine innige Freundschaft verband Propst Frigdian mit dem Wiener Bürgermeister Dr. Karl Lueger. Als dieser tödlich erkrankte, berief er seinen langjährigen Freund zu sich, der ihm die Tröstungen der Religion reichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmolks Nachfolger wurde [[Georg III. Baumgartner]] (1913–1927). Mit größter Sparsamkeit und Umsicht lenkte er das Stift durch die wirtschaftlichen Erschütterungen des Ersten Weltkrieges. Er stellte das Sommerrefektorium als Kaserne für die Marschkompanien und den Theatersaal dem Roten Kreuz zur Pflege der Verwundeten zur Verfügung. Vom Krieg selbst wurde Herzogenburg nur mittelbar betroffen: durch die vielen Gefallenen. Ihre Namen sind auf einer Marmortafel, rechts beim Eingang der Kirche, eingemeißelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1916 ließ Propst Georg das veraltete stiftliche Elektrizitätswerk in eine moderne Wasserkraftanlage mit Turbinen umbauen, die das Stift und Teile der Stadt Herzogenburg jahrelang mit Strom versorgte. Bedeutende Verdienste erwarb sich Georg Baumgartner durch seine wissenschaftliche Forschung über die Urgeschichte. Bis zuletzt arbeitete er mit großer Genauigkeit an der Hausgeschichte und an der Baugeschichte der Kirche und des Stiftes und verfasste weiters den Artikel &amp;quot;Herzogenburg&amp;quot; in der Topographie von Niederösterreich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die allgemeine Wirtschaftskrise machte sich auch im Stift bemerkbar. Das Steueramt St. Pölten drängte immer öfter unter Androhung der Zwangsverwaltung auf Bezahlung der Steuerschulden. Das Kapitel unter Propst Georg sah sich gezwungen, einem Beschluss zum &amp;quot;Verkauf einzelner Wertgegenstände näher zu treten&amp;quot;. Einige wertvolle Kunstgegenstände wurden verkauft. In diese politisch sehr schwierige Zeit fällt eines der größten Ereignisse für Herzogenburg, die Stadterhebung: Am 30. Juni 1927 beschloss der Landtag von Niederösterreich, den Markt Herzogenburg &amp;quot;trotz der verhältnismäßig geringen Einwohnerzahl&amp;quot; (2.800) zur Stadt zu erheben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der spätere Landtagsabgeordnete und Vertreter des Klerus [[Ubald Steiner]] (1927–1946) wurde zum nächsten Propst gewählt. Es gelang ihm, das Stift durch die schwierige wirtschaftliche Lage der dreißiger Jahre zu führen. Leider ging es nicht ohne Verkauf von vielen Grundstücken und Kunstschätzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem 1933 Adolf Hitler in Deutschland an die Macht gekommen war, spürte man auch in Herzogenburg den nationalsozialistischen Trend. Eines Sonntags wehte vom Kirchturm, in den einige junge Männer heimlich eingedrungen waren, die Hakenkreuzfahne. Am 13. Dezember 1933 musste Prälat Steiner auf Weisung seiner kirchlichen Oberbehörde sein politisches Mandat in Herzogenburg zurücklegen. An seine Stelle trat Dechant [[Anton Rudolf]], &amp;quot;der von den Sozialdemokraten wohl bestgehasste Chorherr&amp;quot;. Er war der Typ von Priesterpolitiker, der die ohnehin spannungsgeladenen dreißiger Jahre durch sein Zelotentum und seine nie erlahmenden Bekehrungsversuche an ungläubigen &amp;quot;Marxisten&amp;quot; eher verschärfte denn beruhigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Volksabstimmung vom 10. April 1938 brachte in Herzogenburg 2.047 Ja-Stimmen für den Anschluss Österreichs an Deutschland und nur fünf Gegenstimmen. In der Folgezeit erhielt Herzogenburg den Namen &amp;quot;Stadt der Treue&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Jahren wurden die Repressalien gegenüber den kirchlichen Institutionen und der Geistlichkeit immer spürbarer. Die Stiftstaverne und der Theatersaal wurden beschlagnahmt. 400 Herzogenburger traten aus der Kirche aus, und rund 100 Kinder wurden vom Religionsunterricht abgemeldet. Das Herzogenburger Pfarrblatt, das seit 1915 erschien, wurde wegen &amp;quot;Papierknappheit&amp;quot; 1941 eingestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift konnte aber auch vielen Flüchtlingen helfen. Zu Kriegsbeginn wurden 60 belgische Kriegsgefangene im Theatersaal einquartiert, die tagsüber bei den Landwirten in der Umgebung arbeiten mussten. Sonntags durfte mit ihnen nur hinter verschlossenen Kirchentüren eine Messe gefeiert werden. 1940 kamen Flüchtlinge aus Bessarabien, später Umsiedler aus Serbien und aus der ungarischen Batschka, zuletzt 50 Flüchtlinge aus Siebenbürgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum &amp;quot;schwarzen Montag&amp;quot; wurde der 6. November 1944. 300 Bomben fielen in und um Herzogenburg: 20 Tote und große Sachschäden waren die traurige Bilanz. Am 14. April 1945 rückten nach einer kurzen Kanonade die Russen in Herzogenburg ein. Eine Gruppe von Herzogenburgern, unter ihnen Propst Ubald, ging ihnen mit der weißen Fahne entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Tagen glich das Stift einem Militärlager. Im Kammeramt wurde die Kommandatur, im Theatersaal die russische Schneiderei und im Meierhof die Wäscherei eingerichtet. Die Autorität des Prälaten flößte den Russen den nötigen Respekt ein, und so schützte er die 500 Herzogenburger, vor allem die Frauen und Mädchen, die sich vor den Kriegshandlungen in die Kellerräume des Stiftes geflüchtet hatten. Er ließ auch in der Prälatur eine Krankenstation errichten, das Prälaturarchiv war die Apotheke, der Salon die Isolierstation, das Schlafzimmer die Entbindungsstation – im Bett des Prälaten kamen sechs Kinder zur Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang Mai gab es die letzten Gefechte zwischen Russen und Deutschen. Am Morgen des 9. Mai wurde der Waffenstillstand verkündet. Die Stiftsgebäude waren durch einige russische Bomben leicht beschädigt worden. Im Haus allerdings herrschte eine furchtbare Verwüstung. Weiters wiesen die Stiftswälder in der Umgebung von Herzogenburg große Schäden auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inmitten der Aufbauarbeiten starb Propst Ubald Steiner. Er hatte den Konvent mit starker, aber väterlicher Hand geführt, sich mutig gegen die Nationalsozialisten durchgesetzt und aufgrund seiner persönlichen Kontakte eine Aufhebung des Stiftes verhindert sowie Stift und Ort vor größerem Schaden bewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger [[Georg IV. Hahnl]] konnte 1948 endlich vier neue Glocken in der Hoffnung weihen, dass sie länger als die vorhergehenden Glocken &amp;quot;Gott die Ehr' und den Menschen den Frieden&amp;quot; läuten mögen. 1942 hatten alle Glocken bis auf die größte, die Pummerin, der Rüstungsindustrie abgeliefert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Berühmtheit erlangte Propst Georg durch seine Arbeit auf dem Gebiet der Heimat- und Urgeschichtsforschung. Leider war fast seine ganze Regierungszeit als Propst von einer schweren Krankheit überschattet, was sich negativ auf das Klima und die Personalsituation des Stiftes auswirkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Resignation des Propstes Georg Hahnl wurde [[Thomas Zettel]] (1963–1969) zum nächsten Vorsteher des Hauses gewählt. Nach langen Vorbereitungen öffnete 1964 das Stift Herzogenburg seine Räume und Säle für über 100.000 Besucher anlässlich seiner (etwas verspäteten) 850-Jahr-Feier. Der ebenerdige Teil des Altstiftes war renoviert worden und das spätgotische Refektorium &amp;quot;glänzte&amp;quot; durch die kurz zuvor freigelegten Fresken von ca. 1500. Daneben im frühbarocken Refektorium waren die Funde aus der Ur- und Frühgeschichte neu aufgestellt worden. Im Barockgebäude waren im ersten Stock die Gästezimmer für die restaurierten Kunstschätze des Stiftes frei gemacht. Im Festsaal, in der Bibliothek, im Bildersaal und in elf weiteren Ausstellungsräumen erlebten und erleben bis heute die Besucher die Glanzzeiten des Hauses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1965 gab es eine einschneidende wirtschaftliche Umstellung: der Weinbau und die Landwirtschaft konnten in Eigenregie nicht mehr positiv geführt werden, deshalb wurden beide Wirtschaftszweige verpachtet. Der Forst als dritte Einnahmequelle wird bis heute noch selbst geführt, die Jagden sind verpachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leider kam es unter Propst Thomas wieder zum Verkauf von Kunstgegenständen und vieler Bücher, um die Zahlungsrückstände durch Renovierungen und den Waldankauf in Kleinzell zu begleichen. Ebenso wurde das Haus, in dem die ehemalige Stiftstaverne war, der Stadtgemeinde Herzogenburg verkauft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1977 erreichten die ökumenischen Gespräche und Gottesdienste, die vom späteren Propst [[Maximilian]] initiiert wurden, ihren Höhepunkt in der Ausstellung &amp;quot;Kunst der Ostkirche&amp;quot;. Zum ersten Mal feierten in diesem Zusammenhang die Vertreter aller elf östlichen und westlichen Kirchen in Österreich einen gemeinsamen Gottesdienst in der Herzogenburger Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des Jubiläums &amp;quot;50 Jahre Stadt Herzogenburg&amp;quot; wurde die Nordeinfahrt des Stiftes restauriert und der Innenhof nach barockem Vorbild neu gestaltet. In diesem Jahr, 1977, wurde auch der Abschluss der Turmrenovierung gefeiert. Propst [[Clemens Moritz]] (1969–1979) wurde zum Ehrenbürger von Herzogenburg ernannt. Er war nicht ein Prälat im Sinne der prachtvollen Barockzeit – musste er doch einen personellen Tiefstand von nur 14 Mitgliedern erleben – wohl aber im Sinne des Ordensstifters Augustinus: ein Seelsorger, besorgt um seine Gemeinde und seine Mitbrüder. Auch nach der Resignation blieb Altpropst Clemens bis zum Jahr 1996 der Pfarrer von Herzogenburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit [[Maximilian II. Fürnsinn]] (seit 1979) bekam das Stift nach 200 Jahren wieder einen gebürtigen Herzogenburger zum Propst. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Renovierung der Stifte und Pfarren. Allein mit einem Kostenaufwand von rund 50 Millionen Schilling wurde das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein in der Zeit von 1985 bis 1995 restauriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1982 wurde Propst Maximilian zum ersten Mal zum Vorsitzenden der niederösterreichischen Äbtekonferenz und zum Vorsitzenden der Diözesanen Superiorenkonferenz der männlichen Orden der Diözese St. Pölten gewählt. Von 1989 bis 1994 war er Vizepräsident der ökumenischen Stiftung Pro Oriente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den zentralen Anliegen des Konvents gehört heute, dass das Stift – entsprechend der jahrhundertelangen Tradition – eine offene Begegnungsstätte ist. So gehen auf die Initiative von Propst Maximilian viele Tagungen, Bildungsveranstaltungen und Zusammenkünfte von verschiedenen Institutionen und Vereinigungen zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den zuvor erwähnten ökumenischen Treffen haben etwa die Ritter vom Heiligen Grab in Jerusalem der Komturei St. Pölten hier regelmäßige Zusammenkünfte. Besonders erwähnenswert sind die &amp;quot;Herzogenburger Gespräche&amp;quot;, anlässlich derer mehrmals im Jahr 60 bis 80 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kirche zentrale gesellschaftliche Fragen behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bemühungen gehen dahin, das Haus auch zum geistlichen Zentrum der Pfarrseelsorge werden zu lassen. Insbesondere geht es dabei um die Bildung von Pfarrverbänden und um eine engere Zusammenarbeit der Mitbrüder in den Pfarren sowie auch um die Weiterbildung und geistliche Vertiefung der pfarrlichen Mitarbeiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wohl größte Veranstaltung des Jahres ist der &amp;quot;Niederösterreiche Kindersommer&amp;quot;. Zu diesem Fest kommen an zwei Wochenenden rund 15.000 Kinder in das Stift, welches auch seit vielen Jahren einer der Veranstaltungsorte von &amp;quot;Musica Sacra&amp;quot; ist – den internationalen Kirchenmusiktagen in Niederösterreich. Großen Wert wird auf eine gute musikalische Gestaltung der Gottesdienste an den großen Festen des Kirchenjahres und auf den vorbildlichen Einsatz der bedeutenden Orgel der Stiftskirche gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Bischof Ulrich I. von Passau (1092–1121) konnte seiner Neugründung, dem Augustiner-Chorherrenstift St. Georgen, nur wenig schenken. In der Gründungsurkunde des Klosters bemühte er daher auch die Heilige Schrift und erwähnt das Opfer der armen Witwe, die nur zwei Kupfermünzen in den Opferkasten des Tempels warf, die aber von Jesus gelobt wurde, weil sie alles gab, was sie besaß. Der Bischof schenkte einiges von seinem persönlichen Besitz her, vielleicht sogar alles, was er in der damaligen Ostmark sein Eigentum nannte. Und das war für die junge Kommunität gerade genug zum Überleben. Katastrophen oder wirtschaftliche Schwierigkeiten durfte es keine geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bischof übergab der Klostergemeinschaft seine ererbte Eigenkirche St. Georgen an der Traisenmündung mit Fischwassern, Weingärten, Wiesen und Wäldern. Ebenso vermachte er aus seinem persönlichen Besitz ein Gut und eine Hube zu Sebarn, eine Hube zu Perschling, Engabrunn und Gumpolding, eine halbe Hube in Pötzleinsdorf (bei Wien) und eine zu Kamp, je einen Weingarten zu Kuffern und Egelsee und zwei Weingärten in Inzersdorf. Aus dem bischöflichen Gut schenkte er drei Weingärten in Hundsheim mit einem Lehen, je einen Weingarten in Stein, Weinzierl und Plechingen (zwischen Stein und Krems), den dritten Teil des Zehents von Teras und Merzleinswerd, die Hälfte des Zehents von den Pfarren Herzogenburg und Traisenburg sowie das ganze Dorf Streithofen (im Tullnerfeld). Einige Jahre später schenkte Bischof Ulrich zur Aufbesserung noch sechs Weingärten dazu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der wirtschaftlichen Not des jungen Stiftes versuchte nun 1160 Bischof Konrad von Passau (1148–1164) mit einer (gefälschten) Urkunde zu helfen, in der er das neuzugründende Stift St. Andrä mit St. Georgen vereinigte. Dieser Zusammenschluss scheiterte am Widerstand Ottos von Rechberg, der schließlich ein eigenständiges Kloster St. Andrä errichten konnte. Als Entschädigung übertrug Bischof Konrad dem Stift St. Georgen die Pfarre Marquardsufer und den Schweighof bei Zeiselmauer, um der &amp;quot;materiellen Not des Stiftes abzuhelfen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam konnte das Stift in den folgenden Jahrhunderten seinen Besitz durch Schenkungen vermehren, wobei das Waldviertel und das untere Traisental zu Schwerpunkten der Besitzungen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Urkunde von 1163 werden als Zeugen zuerst die Äbte von Göttweig und Zwettl, der Propst von St. Pölten und dann der Propst von St. Georgen, Albert, angeführt. 25 Jahre später kommt Propst Berthold von St. Georgen in der Zeugenfolge nach den Äbten von Göttweig, Melk und Altenburg, jedoch vor den Pröpsten von St. Nikolai und St. Andrä. Diesen Platz in der Reihenfolge der niederösterreichischen Stifte nimmt Herzogenburg bis über die Barockzeit ein. Nach den Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph II. dürfte das Stift Herzogenburg besitzmäßig an die letzte Stelle gerückt sein. Doch noch einmal zurück ins Mittelalter. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im 12. Jahrhundert konnte das Stift seine Besitzungen durch Kauf, vor allem aber durch Schenkungen vermehren. Die Vielzahl der Schenkungen im Mittelalter sind meist auch ein Zeugnis von guter Spiritualität: einem glaubensstarken Kloster vertraut man eher seine Gebetsanliegen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste große Finanzaufwand war der zweite Neubau des Klosters in Herzogenburg um 1244. Das älteste Zehentverzeichnis, das in das Jahr 1299 zurückreicht, zeigt jedoch schon eine wirtschaftliche Stabilisierung auf. Das Stift besaß nun zehn &amp;quot;Ämter&amp;quot;, i. e. Zehenthöfe, die für die Einhebung der Zehente notwendig waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten waren Abgaben für die Kreuzzüge zu entrichten. Später kamen dann die Steuern für die Finanzierung der Türkenkriege. Verwüstungen durch Kriege, Naturkatastrophen (Heuschreckenplage und Dürre) und Pestepidemien brachten einen wirtschaftlichen Tiefstand für das Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zeichen für das wirtschaftliche Auf und Ab war 1417 der Kauf eines Hauses in Wien, Johannesgasse. 1541 musste es wieder verkauft werden. Bezeichnend für diese schwierige Zeit war auch der Personalstand: 1569 war nur mehr ein Konventuale im Stift. Als 1601 wieder ein Haus in Wien, diesmal in der Annagasse, gekauft wurde, war dies zugleich auch ein Zeichen des neuen Erstarkens: sowohl wirtschaftlich als auch personell. Das Stift wurde renoviert, die Kirche barockisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Abwehr der Türken 1683 konnte das Stift im wirtschaftlichen Aufwind weitere Akzente setzen: ein Gut in Primersdorf (Waldviertel) wurde gekauft und ein großer, neuer Schüttkasten errichtet. In Wielandsthal wurde der Keller und in Haitzendorf der Pfarrhof von Prandtauer errichtet. Im barocken Neubau des Stiftes (ebenfalls von Prandtauer) und der dazugehörigen Kirche kam die wirtschaftliche Kraft zum Ausdruck. Allerdings mussten dafür Weingärten in Mautern, Mauternbach und Sallapulka, eine Mühle von St. Georgen, Meierhöfe in Reith bei Primersdorf, Großhain, Schwarzenbach usw. für eine Gesamtsumme von 17.600 Gulden verkauft werden. Das war ungefähr ein Drittel des Prandtauischen Kostenvoranschlages für den Neubau des Stiftes (54.000 Gulden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wirtschaftliches Tief lösten die napoleonischen Kriege und die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aus: 1851 wurde das Gut Primersdorf im Waldviertel veräußert. Jahre vorher konnte das Stift nur durch einen großzügigen Schuldenerlass von Kaiser Franz I. vor einem finanziellen Ruin gerettet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Stift nur durch den Verkauf von Grundstücken und von vielen Kunstgegenständen entgegenwirken. Einige Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg kam es wieder zu Veräußerungen von Kunstgegenständen, Teilen von Sammlungen (Mineraliensammlung) und Teilen der Bibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Jahre unter Propst Maximilian waren von einer klugen Wirtschaftspolitik gekennzeichnet. Trotz der bescheidenen Besitzungen von 2.625 ha (2.200 ha Wald, 25 ha Weinbau, 400 ha landwirtschaftliche Nutzung) konnten viele Restaurierungen am Stift und an den Kirchen und Pfarrhöfen vorgenommen werden. Am 29. April 1996 wurde die Außenrenovierung des Stiftes Dürnstein mit einem Gesamtumfang von 50 Millionen Schilling abgeschlossen. Eine Aufgabe für dieses Haus, etwa als Seminar- oder Vortragszentrum, wird noch zu finden sein.&lt;br /&gt;
Wenn auch schon vieles vollbracht worden ist, so warten doch noch weitere Aufgaben für die Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Vogtei===&lt;br /&gt;
Der Besitz des Bistums Passau im Raum Donau–Traisen stand unter der Vogtei der Babenberger. Diese übten sie durch die Burggrafen von Lengbach (Neulengbach) aus. Urkundlich sind die Vögte des Stiftes Herzogenburg sehr selten belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Übertragung des Stiftes nach Herzogenburg änderte sich in der Vogteiverwaltung nichts. Nach dem Aussterben der Babenberger siegelte 1252 Konrad von Zagging als Vogt des Hauses. Er dürfte in Verbindung mit König Ottokar Przemysl, dem neuen Landesherren, gestanden sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Habsburger die Herrschaft übernahmen, wurden die Burggrafen von Neulengbach die Vögte von Herzogenburg. Bestätigt wird diese Annahme durch die Erklärung der Herzöge Wilhelm und Albrecht IV. vom 20. März 1396, in der sie ihre Pflicht zu besonderem Schutz und Schirm des Klosters und seiner Güter bestätigten, da sie ja jährlich das Vogtgeld von 17 Pfund und 6 Schillingen Wiener Pfennig und 1 Muth Hafer vom Stift empfingen. Das Stift Herzogenburg zahlte diese Summe bis zum Jahr 1848 nach Neulengbach, als die Herrschaft längst schon in Privatbesitz übergegangen war und das Vogtgeld umgerechnet nun 17 Gulden und 45 Kreuzer betrug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jenseits der Donau dürften die Kuenringer auf Dürnstein die Vogtei über die Stiftsgüter ausgeübt haben. Nach ihrem Aussterben erging 1356 eine Weisung des Herzogs Albrecht II. an seinen Pfleger in Krems, das Stift Herzogenburg in seinen Rechten und Besitzungen zu schirmen. Im Jahr 1445 übernahmen die Brüder Ulrich, Oswald und Stephan Eytzinger auf Bitten des Propstes die Vogtei auf 15 Jahre gegen die jährliche Abgabe von 6 Muth Hafer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das Stift Herzogenburg lag jahrhundertelang wirtschaftlich im Mittelfeld der niederösterreichischen Klöster. So war es auch mit der Zahl der Mitglieder. Die frühen mittelalterlichen Chorherrengründungen waren nicht für riesige Konvente gedacht, sondern die Zahl zwölf war, von Jesus mit seinen Jüngern herkommend, die goldene Zahl. Bei der Gründung von St. Georgen werden wahrscheinlich eine Handvoll Chorherren die Aufbauarbeit an diesem Donaustift begonnen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1200 gab es die erste urkundliche Aufzählung des Konventes: zwölf Priester, drei Konversen (''fratres conversi''), fünf Familiaren und vier Brüder. Einige Jahre nach der Übersiedlung des Konventes von St. Georgen nach Herzogenburg wurden neun Priester, zwei Diakone und vier Brüder (''fratres barbati'') als Zeugen genannt. Ein Stiftshistoriker zählte diese bärtigen Brüder dem adeligen Stand zu, da er sie als Mitglieder von Bauhütten interpretierte, die Baumeister und Städteplaner waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Namen und aus der Stellung in der Zeugenreihe lassen sich auf die Abstammung der Chorherren Schlüsse ziehen. Wir finden im Konvent einige Mitglieder des niederen Adels. Diese Tatsache erklärt einen Teil der reichen Schenkungen des Adels der Umgebung, der so zur Versorgung seiner Söhne beitrug. Ein Nobelstift war Herzogenburg aber nie. Die meisten Novizen kamen aus der Umgebung, vereinzelt aus Oberösterreich, der Steiermark, Kärnten und Salzburg. Die Zusammensetzung des Konvents blieb also durchaus im Rahmen des damals Üblichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis ins 15. Jahrhundert dürfte sich die Zahl der Konventualen zwischen 20 und 25 bewegt haben. Der erste große Verlust kam durch die Ermordung einiger Chorherren bei der Eroberung von Herzogenburg im Jahr 1463 und dann durch die Pest. Die Reformation trug das ihre dazu bei, sodass es beim Tod des Propstes Bartholomäus von Cataneis 1563 wahrscheinlich überhaupt kein Konventmitglied mehr gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann gab es nur ein, später zwei Mitglieder, und mit dem Erstarken der Gegenreformation kam wieder Leben in die Stiftsgemäuer: im 17. Jahrhundert betrug der Personalstand zwischen acht und zehn Mitglieder. In der Barockzeit erreichte er die Zahl 25. Um 1800 waren 27 Priester, ein Kleriker und drei Novizen dem Stift zugehörig. Im 19. Jahrhundert stammten 47 Priester aus Niederösterreich, 21 aus der Tschechoslowakei und acht aus Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Jänner 1900 hatte dann das Haus den Höchststand in seiner Geschichte: von den 40 Mitgliedern waren 35 Priester, vier Kleriker und ein Novize. Im 20. Jahrhundert nahm die Zahl stetig ab, und zur Zeit gehören 13 Priester und drei Kleriker zum Stift. Die Priester stammten im letzen, d. h. im 20. Jahrhundert, zu gleichen Teilen aus dem Arbeiter- und Angestelltenstand bzw. aus der Landwirtschaft und aus Familien selbständig Tätiger (die Väter waren Fleischhauer, Fabrikanten usw.). Der größte Anteil von ihnen waren Niederösterreicher (15), dann Wiener (neun), sechs Priester kamen aus dem heutigen Tschechien. Je zwei stammten bzw. stammen aus Tirol, Deutschland und den Niederlanden. Je ein Professe kommt aus dem Burgenland und aus Belgien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte== &lt;br /&gt;
Vom Ursprungskloster in St. Georgen haben sich keine Reste erhalten. Die frühesten Ansichten von diesem Bau stammen aus der Barockzeit. Es ist deshalb schwer zu beweisen, wie weit sie der Wirklichkeit entsprechen. Auf diesen Bildern ist eine Kirche als zentraler Rundbau zu sehen, wie es manchmal in der Romanik üblich war, davor zwei niedrigere Rundtürme mit der Prälatur, links davon der Küchenturm, der einem Rauchabzug ähnlich ist. Rechts von der Kirche befindet sich ein Fluchtturm mit den Glocken. Anschließend sind die Klostergebäude für die Chorherren und Gäste dargestellt. Der Klosterbau ist mit einer Mauer umgeben. Das Ganze ist wahrscheinlich ein liebevoller Versuch, das Ursprungskloster darzustellen. Diese Ansicht entspricht aber keiner romanischen Klosteranlage der damaligen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster in Herzogenburg sind wir besser informiert. Wahrscheinlich wurde 1244 zuerst mit dem Bau eines Konventtraktes begonnen, da der bestehende Pfarrhof für den 15 Mann starken Konvent zu klein gewesen ist. Von dieser Anlage hat sich noch der Südtrakt mit einem Kreuzgangabschnitt erhalten. Bei Renovierungsarbeiten zu Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Sandsteinsäulen mit herzförmigen Kapitellschilden und einfachen Rundsockeln freigelegt, die in die Mitte des 13. Jahrhunderts einzureihen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ehemalige Refektorium wurde zum Teil schon 1894 entdeckt, doch konnten die Fresken erst 1963 vollständig freigelegt werden. Diese Räume waren Teil des Gerichtsgebäudes: Wärterwohnung und Gefängniszellen. An der Südseite des gotischen Saales befinden sich drei Spitzbogenfenster. Den sechsjochigen Raum tragen zwei Steinpfeiler als Mittelstützen. An einem ist die Jahreszahl 1564 zu erkennen, die vielleicht auf eine spätere Renovierung zurückgeht. Ab einer Höhe von 1,70 m befinden sich figurale Wandmalereien. Die einzelnen Darstellungen des Zyklus sind unterschiedlich gut erhalten, zum Teil ist nur noch die rote Vorzeichnung vorhanden. Neben christologischen Szenen sind eine Sterbeszene im Kloster (vielleicht der Tod des Ordensgründers Augustinus) und ein hl. Georg wiedergegeben. Vom zweiten Bild der Nordwand ist die Darstellung des Stifters dieser Bilder Propst Georg Eisner mit seinem Konvent erhalten. Da er ohne Mitra gezeigt wird, ist die Entstehungszeit dieser Fresken kurz vor 1498 anzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der östlich an das Refektorium anschließende frühbarocke Saal wird auf einem Plan mit &amp;quot;Capitl&amp;quot; bezeichnet. Die Jahreszahl 1628 am Ostfenster gibt vielleicht den Abschluss des Umbaus an. Heute wird dieser Saal für das Urgeschichtsmuseum des Stiftes verwendet. Wahrscheinlich besaß dieser Konventtrakt aufgrund der Größe der Stiftsgemeinschaft ursprünglich schon einen ersten Stock.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei anderen Flügel des Konventbaues wurden wegen des Kirchen- bzw. Schulneubaus weggerissen. Über die Funktion der Räumlichkeiten sind wir zum Teil durch einen Plan von Johann Michael Hergöth unterrichtet, den er um 1700 gezeichnet hat: ebenerdig gab es drei Sakristeiräume, eine Schneiderei, den Mesnerkeller und das erwähnte Refektorium. Im ersten Stock waren die Zimmer der Chorherren, die Wohnung des Dechants und die Bibliothek untergebracht. Im Kreuzgangbereich lag noch die alte Totenkapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite des Konventbereiches steht auch heute noch der Kirchenbau. Von der mittelalterlichen Kirche ist nur das gotische Kirchenportal aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten. Aus den Umbauplänen können wir schließen, dass dieser Bau als Pfeilerbasilika auf kreuzförmigem Grundriss errichtet war, ähnlich der Michaelerkirche in Wien. Nördlich der Kirche waren die Kanzleiräume und die Prälatur. Entlang des Baches lagen die Wirtschaftsräume mit einem weithin sichtbaren Fluchtturm (Kuchlturm). Von diesen Gebäuden steht nur noch die Mühle, die heute als Elektrizitätswerk die Wasserkraft nutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Wilhelm von Schmerling (1709–1721) entschloss sich für den Neubau des Stiftes. Am 25. Mai 1714 wurde dazu der Grundstein gelegt und Jakob Prandtauer wurde mit der Planung und Ausführung betraut. Propst Hieronymus Übelbacher von Dürnstein bezeichnet Prandtauer als &amp;quot;fürnehmen baumeister zu St. Pölten und vielleicht fürnehmsten in ganz Österreich&amp;quot;. Prandtauer begann mit dem Bau des Südtraktes. Der Osttrakt mit dem großen Festsaal wurde nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtet. 1720 wurde die Einfahrtshalle aufgeführt. Auch hier dürften Vorschläge von Fischer mitverarbeitet worden sein. Im Quertrakt, zwischen den beiden Höfen, wurden im Erdgeschoß die beiden Sakristeien eingerichtet: Herren- und Prälatensakristei. Die qualitätvollen Stukkaturen gehen auf Michael Bolla, 1717, zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1721 starb Propst Wilhelm Schmerling. Sein Nachfolger Leopold von Planta (1721–1740) ließ weiterbauen, und zur Zeit des Todes von Jakob Prandtauer war das Stiftsgebäude zu einem provisorischen Abschluss gekommen, der aber zum dauernden wurde, denn der Westtrakt des &amp;quot;Emmerichhofes&amp;quot; blieb unausgeführt. Propst Leopold ließ vom Nachfolger Prandtauers, dem Stiftsbaumeister Joseph Munggenast, den Meierhof aufführen und in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts den Stiftsbau durch die Errichtung des nördlichen Vorbaues und des Georgitores äußerlich abschließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Westtrakt aus Sparmaßnahmen nicht ausgeführt wurde, errichtete der Propst die dort geplante Bibliothek im Mitteltrakt, und die in diesem Teil schon begonnene Prälatur wurde in den Nordostteil des Gebäudes verlegt. Die Gärten ließ er in barocker Manier anlegen und die Brücke über den Mühlbach sowie den &amp;quot;Springbrunn unter dem Großen Saal&amp;quot; mit einigen &amp;quot;Kindln&amp;quot; (Sandsteinfiguren) versehen. Diese Gartenplastiken und auch die Zwergenfiguren aus dem Zwerglgarten sind heute verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Leopold kaufte auch vom Wiener Goldschmied Johann Kaspar Holbein einige Brustkreuze, Kelche und vor allem eine wertvolle Monstranz, deren Entwurf auf Matthias Steinl zurückgehen könnte und die im Raritätenkabinett erhalten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einweihung der fertiggestellten Stiftsgebäude erlebte Propst Leopold nicht mehr. Ein Jahr nach seinem Tod wurde die Weihe am Georgstag, den 24. April 1741, von seinem Nachfolger Frigdian Knecht (1740–1775) vorgenommen, der dann auch die &amp;quot;Kapitularen in die neue, freundliche Klausur&amp;quot; führen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1743 entschloss sich Propst Frigdian zum Neubau der Kirche. Am 26. Juni wurde unter Beisein des Malers Daniel Gran der Grundstein an der Epistelseite der Apsis (rechte Seite der Kirche) gelegt. Die Inschriftplatte aus vergoldetem Kupfer führt Franz Munggenast als Baumeister an. Im selben Jahr, in dem der Rohbau fertig wurde, 1748, starb der junge Baumeister mit 24 Jahren. Seine Genialität wird an dieser Kirche, die zu den großen Leistungen des österreichischen Barock gezählt werden darf, sichtbar. Sein Bruder Matthias folgte als Stiftsbaumeister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kircheninneren malte Daniel Gran 1746 das Hochaltarbild und im Presbyterium die beiden Fresken. Wegen finanzieller Unstimmigkeiten und anderer Meinungsverschiedenheiten kam es zum Bruch mit dem Künstler. Der Propst vergab daher die weiteren Arbeiten in der Kirche, die Freskenmalerei und sämtliche Altarbilder mit den Ovalbildern, an Bartolomeo Altomonte, der sie von 1753 bis 1771 ausführte. Die dekorative Malerei in den Kirchenkuppeln (oberhalb des Hauptgesimses) stammt von Domenico Francia aus Bologna. Die Aufbauten für den Hochaltar (1770) und die Seitenaltäre, die Ballustraden (Kommuniongitter) und die Kanzel (1773) der Kirche stammen von Jakob Mösl, die Altarplastiken von Johann Josef Rößler, das Chorgestühl (1772) und die Volksstühle (1775) vom Klostertischler Lorenz Horeß.&lt;br /&gt;
Die herrliche Ampel wurde 1770 von Johann Christoph Beuermann aus Wien geliefert. Das Glanzstück der Kirche ist die 1752 fertiggestellte Orgel von Johann Henke, dem bedeutendsten Wiener Orgelbauer dieser Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 1680 befand sich in der alten Kirche ein aus Ungarn stammendes Marienbild, das &amp;quot;orientalische Frauenbild&amp;quot;, zu dem viele Wallfahrer kamen. Nach der Fertigstellung des barocken Seitenaltares im Neubau der Kirche wurde es 1771 von Propst Frigdian Knecht eigenhändig in einer Prozession, die ihn durch beide Märkte führte, auf den heutigen Platz übertragen. Gegenüber dem Marienaltar liegen in einem Schrein die Gebeine des hl. Urban. Sie stammen aus den Kalixtuskatakomben in Rom und wurden 1740 dem Stiftsdechant Michael Koch geschenkt.&lt;br /&gt;
Als 1771 der barocke Augustinusaltar fertiggestellt war, fand dort der urchristliche Märtyrer seine endgültige Ruhestätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das jüngste Kunstwerk der Kirche ist der Volksaltar, der 1994 vom Wiener Künstler Wander Bertoni angefertigt wurde und die Schöpfung zum Thema hat. Die Krönung der Bautätigkeit des Propstes Frigdian Knecht war die Neugestaltung des Kirchturmes nach einem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach, unter Mithilfe des Baumeisters Matthias Munggenast. Mit Recht sieht der Stiftschronist Frigdian Mies im Turm den ins Große strebenden Geist des Propstes. Die originelle Turmspitze mit Herzogshut und Stiftskreuz wurde am 6. Juli 1767 &amp;quot;um die Mittagszeit unter Pauken- und Trompetenschall aufgesetzt&amp;quot;. 1756 hatte der Propst die Chorkapelle mit Fresken von Martin Johann Schmidt (&amp;quot;Kremser Schmidt&amp;quot;) und einem Verkündigungsbild von Martin Altomonte ausschmücken lassen. Im Festsaal malte Bartolomeo Altomonte 1772 das Fresko &amp;quot;Das seelsorgliche Wirken der Augustiner-Chorherren im Bistum Passau&amp;quot;. Das Fresko an der Decke der Prälatenstiege &amp;quot;Die Übertragung der Kanonie von St. Georgen nach Herzogenburg&amp;quot; ist signiert mit &amp;quot;Barto Altomonte fec. 1779 aetatis suae 79&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Augustin Beyer (1779–1780) wurde auch die Bildergalerie fertiggestellt. Die Gemälde sind nach einem dekorativen Schema angeordnet: ein zentrales Mittelstück, von kleineren Gemälden umrahmt. Die Bilder wurden zu diesem Zweck auch vergrößert, verkleinert oder sogar geteilt, um der Symmetrie zu entsprechen. Dieser &amp;quot;geistlichen Galerie&amp;quot; kommt nicht nur wegen ihres kulturgeschichtlichen Wertes große Bedeutung zu, es befinden sich unter den 144 Bildern auch hervorragende Kunstwerke, u. a. eine Vincenzo di Biagio Catena zugeschriebene &amp;quot;Heilige Familie&amp;quot; oder ein auf Holz gemaltes deutsches Männerporträt mit der Signatur &amp;quot;H. H. 1521&amp;quot;, das als Werk Holbein d. J. bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als man in Österreich die Kunstschätze vergangener Jahrhunderte noch als entbehrlichen &amp;quot;Raritätenkram&amp;quot; verstand, förderte Propst Aguilin Leuthner (1811–1832) die seltsame Sammelleidenschaft seines Mitbruders Ludwig Mangold. Nach dem Vorbild der alten &amp;quot;Kunst- und Wunderkammern&amp;quot; aus der Renaissancezeit hatte der junge Ungar im Stift ein &amp;quot;Antiken- und Raritätenkabinett&amp;quot; im zweiten Stock über der Prälatur angelegt, das zum Grundstein der heutigen Stiftssammlung wurde. Ein Verzeichnis dieser Raritäten wurde im Juni 1815 von ihm angefangen und hat folgende Hauptabteilungen: &amp;quot;A Mahlerey und Mosaique, B Bildhauerey, Schnitz- und Gußwerk, C Kupferstiche und Handzeichnungen, D Glasarbeiten, E Uhren, F Becher und andere Gefaße, G Kleidungsstücke, H Musicalische Instrumente, I Waffen, K Römische Alterthümer, L Verschiedene Seltenheiten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die meisten der hier verzeichneten Gegenstände sind noch im Besitz des Stiftes und waren im Rahmen der Ausstellung &amp;quot;Kunstschätze im Stift Herzogenburg&amp;quot; zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunstwerke wurden 1964 in den ehemaligen Gästezimmern topographisch aufgestellt, d. h. nach Möglichkeit nach ihrem Herkunftsort gruppiert. Das Hauptstück der Sammlung ist der &amp;quot;Jüngere Aggsbacher Hochaltar&amp;quot;, ein 1501 in Krems gemaltes Werk von Jörg Breu von Augsburg. Eine vorzügliche Schnitzarbeit ist die realistisch gehaltene Skulpturengruppe des &amp;quot;Marientodes&amp;quot; um 1500, möglicherweise der Mittelteil der Predella des Jörg-Breu-Altares. Weiters soll hier die „Stiftertafel&amp;quot; aus der Zeit um 1500 erwähnt werden, eine Votivtafel mit dem Bildnis des Bischofs Ulrich I. von Passau und der &amp;quot;porträthaften&amp;quot; Darstellung des mittelalterlichen Passau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Höhepunkt der spätbarocken Abteilung bilden Werke von Daniel Gran, vor allem das vergoldete Modell für den Hochaltar um 1746 mit dem unmittelbaren Entwurf für das Hochaltarbild und ein äußerst lebendiges Selbstporträt. Einen besonderen Schatz stellt der Bestand von zehn Ölskizzen und Bildern von Bartolomeo Altomonte dar, darunter Entwürfe für die Fresken in der Stiftskirche und ein höchst interessantes Selbstporträt aus dem Jahr 1774. In der Prälatur haben sich auch einige erwähnenswerte Kunstgegenstände erhalten, z. B. ein seltener Venezianer Spiegel vom Beginn des 18. Jahrhunderts, der neben reichem Ornament und alter Verglasung gravierte bérainsche Ornamentik in dem Rahmenspiegelchen trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Refektorium wurde bis in die sechziger Jahre als Speisesaal der Chorherren benützt. 1975 wurde es renoviert und als &amp;quot;Augustinussaal&amp;quot; ein Veranstaltungszentrum für Stift und Pfarre. Im Südosten des Stiftes befindet sich im zweiten Stock das &amp;quot;Mexikanische Zimmer&amp;quot;. In diesem Raum war die von Propst Norbert Zach (1857–1887) erworbene Sammlung von Geräten, Waffen und Schmuckgegenständen der Ottawa-Indianer aufgestellt. Sie musste in den zwanziger Jahren veräußert werden.&lt;br /&gt;
Interessant ist das Zimmer heute wegen der zwölf Wandgemälde, die in der romantischen Gesinnung des späten 19. Jahrhunderts Motive aus Österreich darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Exponate der urgeschichtlichen Sammlung des Stiftes Herzogenburg kamen aus der Ausgrabung eines eisenzeitlichen Friedhofes von Statzendorf. Der Göttweiger Abt Adalbert Dungl war maßgeblich daran beteiligt. Die Pröpste Georg III. Baumgartner (1913–1927) und Georg IV. Hahnl (1946–1963) haben durch eigene Grabungen wesentlich zur Vervollständigung dieser Sammlung beigetragen. Zusammen mit Dungl waren sie die Pioniere der prähistorischen Archäologie im unteren Traisental.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Heute enthält die urgeschichtliche Sammlung eine Reihe von Steingeräten aus der Altsteinzeit, eine große Zahl von Fundstücken der Jungsteinzeit und Keramiken aus der frühen Bronzezeit, wie etwa den Fund von 17 Töpfen aus St. Andrä an der Traisen, Objekte der Hügelgräber und Urnenfelderkultur und weitere bedeutende Funde aus der Eisenzeit, wie Beigaben der Hallstadtkulturen aus den Gräberfeldern von St. Andrä und Statzendorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Römische Funde waren bis auf einige Münzen im Raum von Herzogenburg eher spärlich, bis 1972 aus der Zeit der römischen Kaiser ein Zeremonienhelm mit Gesichtsmaske unweit des Stiftes gefunden wurde, der zu den bedeutendsten Denkmälern römischer Kunst auf österreichischem Boden gerechnet werden muss. Mit seinen &amp;quot;Alexanderlocken&amp;quot; gehört er zum orientalischen Typus. Damit ist er ein Beispiel dafür, wie weit vorderorientalische Mysterienkulte im 2. und 3. Jahrhundert verbreitet waren. Dieses Unikat ist im Raritätenkabinett im ersten Stock ausgestellt, während alle anderen Funde im frühbarocken Refektorium im Altstift zu sehen sind. &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Eine fachkundige Neuaufstellung wird derzeit von Univ.-Doz. Dr. Johannes-Wolfgang Neugebauer vorgenommen.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Als 1512 in Herzogenburg ein Großbrand wütete, wurden einige Trakte des Stiftes in Schutt und Asche gelegt. Die Bibliothek wurde dabei auch ein Raub der Flammen. Wahrscheinlich besaß damals das Stift über 100 handgeschriebene Bücher und vielleicht ebensoviele Inkunabeln. Wieviele Bücher gerettet werden konnten ist leider nicht überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten großen Förderer der mittelalterlichen Bibliothek waren die beiden Pröpste Johannes III. von Parsenbrunn (1401–1433) und Johannes IV. von Linz (1433–1457). Aus der Zeit vor dem Brand haben sich einige Buchfragmente erhalten. Fragment 42 aus dem 9. Jahrhundert ist das älteste Stück der Bibliothek.&lt;br /&gt;
Von der Wende des 12. zum 13. Jahrhundert stammt das Fragment 32 mit Teilen eines Legendars. Das Fragment 43 ist Teil eines Nekrologiums vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Es ist ein sicheres Zeugnis für die Schreibkultur des Stiftes in St. Georgen. Ob das Stift dann in Herzogenburg eine eigene Schreibschule besessen hat, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Auf jeden Fall sind keine Handschriften auf Pergament mit wertvollen Initialen auf uns gekommen, sondern nur anspruchslose, auf Papier geschriebene Bücher. Sie haben alle einen praktisch-theologischen Inhalt und stehen im Zusammenhang mit den Seelsorgeaufgaben des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieben Schreiber waren mit Sicherheit Klosterangehörige, von weiteren sieben ist es unsicher. Die kunsthistorisch kostbarsten Handschriften wurden erst in späteren Jahrhunderten angekauft. Den ersten größeren Zuwachs nach dem Brand erfuhr die Bibliothek durch Propst Philipp von Maugis (1541–1550), der vor allem humanistische Werke bzw. lateinische und griechische Klassikerausgaben erwarb und die von seinem Bruder ererbte Bibliothek der Stiftsbibliothek einverleibte.&lt;br /&gt;
Propst Maximilian Herb (1687–1709) erbte ebenfalls von seinem Bruder 173 Bücher meist theologischen Inhalts, die in zwei Fässern und einer großen Truhe verpackt auf der Donau von Deutschland nach Krems transportiert und von dort ins Stift gebracht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zuge des barocken Stiftsneubaus wurde die Bibliothek von 1751 bis 1754 von Propst Frigdian Knecht (1740–1775) erbaut. Die Ornamentmalerei fertigte Domenico Francia an, die figuralen Grisaillen wurden von Bartolomeo Altomonte gemalt. Die einfachen, doppelteiligen Bücherschränke wurden vom Orgelbauer Johann Henke entworfen. Propst Frigdian sammelte die Bücher &amp;quot;mit einem unersättlichen Hunger&amp;quot;, wie er selber scherzend zu sagen pflegte. Er erwarb u. a. die Bibel von 1205 (HS 100) und die kostbare Handschrift &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; (HS 95) aus dem 13. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Stephan Peschka (1775–1779) und Michael Teufel (1781–1809) erwarben durch den Exjesuiten Abbé Johann Christoph Regelsberger viele Bände bei Bücherauktionen aus den Beständen aufgehobener Klöster. Mit der Übernahme der aufgehobenen Stifte St. Andrä an der Traisen 1783 und Dürnstein 1788 kamen nur wenige Bücher, nachweislich nur einige Handschriften und Inkunabeln, nach Herzogenburg. Der Großteil des Bücherschatzes kam in die Wiener Hofbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Petrus Schreiber]], von 1781 bis 1788 auch Stiftsdechant, war mit Unterbrechung fast 25 Jahre Bibliothekar. Eine große Anzahl von Büchern mit einheitlichen barocken Einbänden kam durch ihn in die Bibliothek. Sie tragen auf dem Einbanddeckel die goldenen Buchstaben &amp;quot;P. S.&amp;quot;. Ebenso vermachte er dem Stift 15 Inkunabeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Inventar von 1832 beziffert den Buchbestand summarisch mit etwa 10.000 Bänden. 1887 war der Besitz bereits auf 50.000 Bände, 253 Inkunabeln und 223 Handschriften angewachsen. Dieser Zuwachs dürfte auch die Erweiterung der Bibliotheksräumlichkeiten veranlasst haben. Unter Propst Norbert Zach (1857–1887) wurden 1870 die Gänge im zweiten Stock des Stiftes mit Bibliothekskästen ausgestattet. Unter ihm waren als Bibliothekare die bedeutenden Stiftshistoriker [[Wilhelm Bielsky]], [[Michael Faigl]] und Frigdian Schmolk tätig. Sie veröffentlichten viele Beiträge zur Stiftsgeschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine großzügige Erweiterung erfuhr die Stiftsbibliothek zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gräfin Maria Falkenhayn übergab 1905 dem Stift die 30.000 Bände ihrer Schlossbibliothek in Walpersdorf. Neben diesen gräflichen Exlibris finden sich in der Sammlung auch Werke mit den Besitzvermerken der Jörger, Colloredos und der Herrschaften Droß und Ottenschlag.&lt;br /&gt;
Während der Weltwirtschaftskrise kam es 1927 zur Veräußerung von Inkunabeln, die vergleichsweise die Höhe des Schätzwertes der ehemaligen Stiftstaverne ausmachten. Ebenso wurde in den sechziger Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eine große Anzahl von Büchern veräußert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anläßlich der Ausstellung im Jahr 1964 &amp;quot;Das Stift und seine Kunstschätze&amp;quot; wurde eine Neuaufstellung der Bücherbestände begonnen, die aber &amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;bis heute nicht fertiggestellt werden konnte&amp;lt;/span&amp;gt;. Derzeit ist die Bibliothek auf mehrere Standorte verteilt und lediglich die Handschriften, die Inkunabeln und die Druckwerke bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden nach dem Erscheinungsdatum geordnet. Der Rest ist weitgehend unbearbeitet. Der Gesamtbestand wird auf 80.000 Bände geschätzt. Dazu kommen noch 150 Inkunabeln und 150 mittelalterliche Handschriften. Die älteste Handschrift ist ein österreichisches Psalterium des 12. Jahrhunderts (HS 106). Die gut geschriebene Handschrift enthält eine Reihe von großartigen Initialen. Die bedeutendste Handschrift der Bibliothek ist Cod. 95 &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; von Gregor d. Gr. Sie wurde um 1260 in Mainz oder Regensburg geschrieben und enthält 36 ausgezeichnete Initialminiaturen im Stil der deutschen Malerei der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Cod. 223 ist eine oberitalienische Bibel der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit großen figurierten Initialen; fast alle Spalten tragen Federranken. Am Beginn der Genesis findet sich eine Gegenüberstellung der sieben Schöpfungstage mit christologischen Szenen. Ein österreichisches Graduale (HS 97) vom Beginn des 14. Jahrhunderts trägt auf jeder Seite Notenzeilen und stammt aus einem Zisterzienserkloster. Sehr schön ist eine französische Bibel mit Miniaturinitialen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (HS 99).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Ausgabe von Gregors &amp;quot;Moralia in Job&amp;quot; ist der zweibändige Cod. 94 aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts mit 18 figurierten Initialen, die von fünf Meistern stammen, die den Wenzelsbibelmeistern nahestehen. Die Handschrift wurde laut Eintragung in der Kartause Mauerbach geschrieben und war 1397 im Besitz der Kartause Olmütz. Wann und wie sie nach Herzogenburg kam, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der bedeutenden Sammlung von Wiegendrucken seien folgende hervorgehoben: ein sehr schöner Venezianer Druck von 1478, Lactantius Firmianus &amp;quot;Gegen die Haiden&amp;quot;; drei ausgezeichnete Kobergerdrucke aus Nürnberg, 1481; die Briefe des Ennea Sylvius Piccolomini (Papst Pius II.); ebenso von 1481 ein Kommentar zum Neuen Testament von Nicolaus de Lyra mit gezeichneten Initialen; und von 1483 ein Fastenbuch von Johannes Guitsch, gedruckt im Charakter der spätgotischen Handschriften. Ein Zisterzienser-Missale aus Paris um 1487 ist mit kleinen kolorierten Holzschnitten illustriert. Zwei sehr gute Ausgaben der interessanten Weltgeschichte von Rolewinck seien noch angeführt. Die eine Wiener Ausgabe von 1490 ist reich mit Holzschnitten illustriert, die zweite aus Köln mit vielen Holzschnitten in der Art der &amp;quot;Schedelschen Weltchronik&amp;quot; aus dem Ende des 15. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abschluss ist noch eine Postilla von Cuilcrinus, Augsburg 1495, die ebenfalls mit Holzschnitten illustriert ist, zu erwähnen. Die oben beschriebenen Handschriften und Frühdrucke sind im Hauptraum der Bibliothek in Vitrinen ausgestellt und bei jeder Führung durch das Stift zu besichtigen. In diesem Bibliothekssaal befinden sich in den Bücherschränken nur Bücher aus dem 18. Jahrhundert, um den Eindruck einer barocken Schaubibliothek zu vermitteln.&lt;br /&gt;
Durch die bescheidene Einrichtung wirkt die Bibliothek wie eine heimelige Studierstube. Die letzte Handschrift wurde 1990 erworben. Sie ist ein türkisches Gebetbuch aus dem 19. Jahrhundert in arabischer Zierschrift. In der Mitte des Buches finden sich zwei romantisch gemalte Ansichten der Moscheen in Mekka und Medina.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv== &lt;br /&gt;
Das Herzogenburger Stiftsarchiv besteht aus vier Abteilungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) dem Archiv des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen/Herzogenburg mit 1.745 registrierten Urkunden (1112–1852) und zahlreichen nicht bearbeiteten Urkunden (ab 1852), 264 Büchern und 647 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit 327 registrierten Urkunden (998–1776), sechs Büchern und 225 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) dem Archiv des aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein mit 718 registrierten Urkunden (1306–1768), 36 Büchern und 90 Akten;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) dem Archiv des aufgehobenen Clarissenklosters Dürnstein mit 357 registrierten Urkunden (1289–1658) und ca. 20 Büchern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das älteste Dokument im Stift Herzogenburg ist die Gründungsurkunde (1112) von Bischof Ulrich von Passau (Sta. Hn. 1a). Sie ist eine der formvollendetsten Urkunden aus der Schreibstube des Bistums Passau. Äußerst interessant ist die Traditionsnotiz (Sta. Hn. 1b), die ein Konzept zur Gründungsurkunde darstellt und sechs weitere protokollarische Notizen enthält, die an verschiedenen Orten abgefasst wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Historisch bedeutsam für das Stift ist auch die Übertragungsurkunde von 1244 (Sta. Hn. 38). Die schweren Zeiten des 15. Jahrhunderts sowie der Brand des Klosters im Jahre 1512 dürften dem Archiv nicht allzusehr zugesetzt haben. Alle wichtigen Urkunden sind im Original vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Johannes VII. Glaz (1569–1572) veranlasste eine Aufzeichnung und Registrierung der &amp;quot;Pergament-Brieff&amp;quot;. In dem 1570 angelegten Verzeichnis wird das Archiv als „Registratur&amp;quot; bezeichnet. Entsprechend dem damaligen Kanzleigebrauch, dessen Vorbild die Kanzlei des Regiments der niederösterreichischen Lande war, wurden auch in Herzogenburg die Urkunden, damals insgesamt 46 Stück, in einem mit Laden versehenen Kasten und die weniger wichtigen Akten in einem Sack aufbewahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1683 wurden das Archiv und die Schatzkammer vor den heranrückenden Türken in das Chorherrenstift Dürnstein verlagert und 1684 wieder zurückgebracht. Die zeitlich nächstfolgende Bestandsaufnahme des Stiftsarchivs erfolgte zwischen 1730 und 1740. &amp;quot;Ain großer mit Eyßen schön beschlagener Casten, hat 36 unterschidliche litterirte gemahlene Laden&amp;quot;. Er diente als Aufbewahrungsort für das &amp;quot;gehaimbtes Gwölb&amp;quot; bezeichnete Hauptarchiv. Diesem wurden 1745 Schriften und Akten des Hofrichters und des Stiftskämmerers einverleibt. Genaue, nach Grundherrschaften bzw. Sachgebieten angelegte und geordnete Inventarien zeugen von der Sorgfalt, mit der das Stiftsarchiv unter Propst Frigdian I. Knecht (1740–1775) betreut wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte im Streben nach dem Wissen über die eigene Vergangenheit die ersten wissenschaftlichen Bearbeitungen des Urkundenbestandes durch die Herzogenburger Chorherren [[Wilhelm Bielsky]] (Die ältesten Urkunden des Kanonikatsstiftes St. Georgen in Unterösterreich von 1112–1244, Wien 1852) und [[Michael Faigl]] (Die Urkunden des regulierten Chorherrenstiftes Herzogenburg vom Jahre seiner Übertragung von St. Georgen 1244–1450, Wien 1886).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich wurde in den Jahren 1930 bis 1935 der unübersehbare Bestand an Akten und Büchern durch Dr. Göhler geordnet und durch eine Zettelkartei der Forschung zugänglich gemacht. In der insgesamt 1.745 Urkunden umfassenden Urkundenreihe vom Stiftsarchiv Herzogenburg gibt es neben einer Vielzahl von Stiftungs- und Schenkungsurkunden auch Urkunden von Päpsten und Landesfürsten. Die älteste Papsturkunde wurde 1177 von Papst Alexander III. ausgestellt, die erste in deutscher Sprache abgefasste Urkunde stammt aus dem Jahr 1292.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als einzigartiges Dokument soll eine Urkunde Erwähnung finden, die von Mönchen des Katharinenklosters am Sinai und Chorherren des Stiftes Herzogenburg im Jahr 1491 gezeichnet wurde. Damals haben zwei griechische Sinaimönche Herzogenburg besucht und mit den hiesigen Chorherren eine Gebetsverbrüderung geschlossen und besiegelt - ein merkwürdiges und einmaliges Zeugnis für die Verbindung der Ost- und Westkirche im ausgehenden Mittelalter nach dem Fall von Konstantinopel (Sta. Hn. 538).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Grundbücher, wertvolle Unterlagen zur Erforschung der Besitz- und Bevölkerungsgeschichte im Raum Herzogenburg, wurden im 12. Jahrhundert angelegt. Hinzu tritt jene Masse des Archivmaterials, die als Akten des adeligen Richteramtes über die Untertanen aus der Amtstätigkeit des Stiftes erwachsen sind: Grundbuchsakten ab 1340, Testamente ab 1500, Verwaltungsakten über den Oberen Markt Herzogenburg, Korrespondenzen mit den umliegenden Grundherrschaften. Diese Schriftstücke zeigen den Kampf des Stiftes um seine Rechte und Besitzungen, unter welchen besonders Fischerei- und Wasserrechte auf der Traisen und Jagdrechte in den Auen im Vordergrund stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Rechnungsbüchern und Rechnungsakten finden sich genauere Aufzeichnungen über den Bau der barocken Stiftsgebäude und der inkorporierten Pfarrkirchen mit ihren Pfarrgebäuden. Eigenhändige Unterschriften auf den Quittungen sind zu finden von Jakob Prandtauer, der Familie Munggenast, Bartolomeo Altomonte, Daniel Gran, vom Salzburger Steinmetzmeister Jakob Mösl, vom Wiener Goldschmied Johann Caspar Holbein und vielen anderen. Bei der Durchsicht von unbearbeiteten Archivmaterialien konnte ein eigenhändig geschriebener Brief von Martin Luther von 1541 aufgefunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Auflösung der Chorherrenstifte St. Andrä und Dürnstein kamen deren Archive nach Herzogenburg. Propst Michael Teufel (1781–1809) hat sich sehr um ihre Erhaltung und sichere Aufbewahrung bemüht. Die älteste Urkunde von St. Andrä ist eine Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. aus dem Jahre 998 (Sta. An. 1). Die Stiftungsurkunde von St. Andrä stammt aus dem Jahre 1160 und ist mit 44 Zeugen belegt (Sta. An. 4). Zu erwähnen ist noch eine prunkvolle Ernennungsurkunde des Chorherren Johannes Zwickl zum Kommissär für den Türkenablass des Papstes Innozenz VIII. von 1490 in teilvergoldeter Schrift mit reichen Initialen (Sta. An. 208). Alle drei Dokumente zählen zu den Zimelien dieser Urkundenreihe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Archiv der Chorherren von Dürnstein ist der Stiftungsbrief vom 18. Februar 1410 (Sta. CDn 147) der absolute Höhepunkt. Der linke Rand dieser Urkunde ist mit einer Reihe von höchst bedeutenden Miniaturen versehen, die sowohl der böhmischen wie der Wiener Buchmalerei des frühen 15. Jahrhunderts nahestehen. Die angehängten sechs Siegel sind noch vorhanden. Zwei im selben Jahr ausgestellte Urkunden tragen schöne Initialmalereien (Sta. CDn 149 und 150).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;background-color: #FFFF00;&amp;quot;&amp;gt;Im Gegensatz zum &amp;quot;Archiv Herzogenburg&amp;quot; sind die Urkunden, Bücher und Akten der drei anderen Archive noch nicht publiziert und daher wissenschaftlich noch wenig ausgewertet. &lt;br /&gt;
Derzeit (1995) wird die Einrichtung des Archives erneuert und auf den letzten technischen Stand gebracht. Damit ist auch der Wunsch verbunden, dass die letzten 150 Jahre archivmäßig aufgearbeitet werden.&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Historische Namensformen===&lt;br /&gt;
* WEIGL, Heinrich, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, 8 Bde., Wien 1964–1981.&lt;br /&gt;
* SCHUSTER, Elisabeth, Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen, 1. Teil (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B), Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
* HAUSNER, Isolde / SCHUSTER, Elisabeth, Altdeutsches Namenbuch, Wien 1989 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Politische und kirchliche Topographie===&lt;br /&gt;
* WOLF, Hans, Niederösterreich (Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, II. Abt.: Die Kirchen- und Grafschaftskarte, 6. Teil), Wien 1955.&lt;br /&gt;
* RUPP / SCHMIDTBAUER, Herzogenburg, 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
* Franz Reininger: Die Wiegendrucke der Stiftsbibliothek Herzogenburg. In: Mitteilungen des Österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 12 (1908), S. 109–127.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Katalog der Handschriften der Stiftsbibliothek Herzogenburg. St. Pölten 1978. [https://manuscripta.at/diglit/winner_1978_1/0001 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Mayo Hope: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed for the Hill Monastic Manuscript Library, Austrian Libraries. Volume III: Herzogenburg. Collegeville, Minnesota, 1985. [https://archive.org/details/HMMLAustriaInventory3 (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Franz Lackner: Datierte Handschriften in niederösterreichischen Archiven und Bibliotheken bis zum Jahre 1600. Wien 1988 (Katalog der datierten Schriften in lateinischer Sprache in Österreich, 8).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kunst- und Baugeschichte===&lt;br /&gt;
* HEIDER, Gerhard / HÄUFLER, J. V., Archäologische Notizen (Archiv für österreichische Geschichte II/1), Wien 1850, 139–178.&lt;br /&gt;
* RIESENHUBER, Martin, Die kirchlichen Kunstdenkmäler des Bistums St. Pölten, St. Pölten 1923.&lt;br /&gt;
* HANTSCH, Hugo, Jakob Prandtauer. Der Klosterarchitekt des österreichischen Barock, Wien 1926.&lt;br /&gt;
* PETERMAIR, Hans, Die bauliche Anlage der Stifte in Altenburg, Herzogenburg und Seitenstetten und ihre baukünstlerischen Beziehungen im Mittelalter und in der Barocke, masch.geschr. techn. Diss., Wien 1934.&lt;br /&gt;
* STEINER, Ubald, Die Stiftskirche zu Herzogenburg. Beiträge zur Baugeschichte nach Aufzeichnungen des Propstes Georg Baumgartner, in: Pfarramtliche Nachrichten für den Kirchensprengel Herzogenburg 21 (1935), Nr. II/12.&lt;br /&gt;
* MUNGENAST, Emmerich, Joseph Munggenast. Der Stiftsbaumeister 1680–1741, Wien 1963.&lt;br /&gt;
* FEUCHTMÜLLER / WEBER, Stift und Kunstschätze, 1964.&lt;br /&gt;
* HEINZL, Brigitte, Bartolomeo Altomonte, Wien/München 1964.&lt;br /&gt;
* BIBA, Otto, Die Orgelakten des Stiftes Herzogenburg, in: Unsere Heimat, Zeitschrift des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 41 (1970), Heft 1, 9–24.&lt;br /&gt;
* GÜTHLEIN, Klaus, Der österreichische Barockbaumeister Franz Munggenast, phil. Diss., Heidelberg 1973.&lt;br /&gt;
* KNAB, Eckhart, Daniel Gran, Wien/München 1977.&lt;br /&gt;
* CÄSAR, Menz, Das Frühwerk Jörg Breus des Älteren, Augsburg 1982.&lt;br /&gt;
* EGGER / HESSLER / PAYRICH / PÜHRINGER / FASCHING, Stift Herzogenburg, 1982.&lt;br /&gt;
* Elisabeth Hermann-Fichtenau: Der Bildersaal im Stift Herzogenburg, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 38 (1984).&lt;br /&gt;
* SERVUS, Die Entstehung der barocken Klosteranlage, 1987.&lt;br /&gt;
* Karl Moseneder: Passau im Gedächtnis Herzogenburgs. Zur Ikonologie des Augustiner-Chorherrenstift. In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch 31 (1989), S. ##.&lt;br /&gt;
* Karl Thomas (Bearb.): Die Baumeisterfamilie Munggenast. Sonderausstellung des Stadtmuseums St. Pölten anläßlich des 250. Todestages von Joseph Munggenast. St. Pölten 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
* Oskar Freiherr von Mitis: Studien zum älteren österreichischen Urkundenwesen. 5 Bände. Wien 1906–1912.&lt;br /&gt;
* Franz Stundner: Das Archiv des Stiftes. In: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Hg. von Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber. Herzogenburg 1964, S. 83–86.&lt;br /&gt;
* Heinrich Fichtenau: Das Urkundenwesen in Österreich vom 8. bis zum frühen 13. Jahrhundert. Wien 1971 (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Erg.-Bd. 23).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sonstige Literatur===&lt;br /&gt;
* Georg Baumgartner: Herzogenburg. In: Topographie von Niederösterreich. Band IV. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Wien 1896, S. 209–238.&lt;br /&gt;
* Gerhart Egger / Walter Hessler / Wolfgang Payrich / Leonore Pühringer / Herbert Fasching: Stift Herzogenburg und seine Kunstschätze. St. Pölten 1982.&lt;br /&gt;
* Rupert Feuchtmüller / Fritz Weber: Herzogenburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Katalog der Ausstellung im Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg, Niederösterreich, von Juni bis November 1964. Herzogenburg 1964.&lt;br /&gt;
* Maximilian Fürnsinn: Stift Herzogenburg 1938–1945. In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 22/4 (1975), S. 132–140.&lt;br /&gt;
* Maria Hasitscha-Köck: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg während der Zeit des Propstes Michael Teufel von 1781 bis 1809. Diss. Univ. Wien. Wien 1973.&lt;br /&gt;
* Andreas Karl Kaiser: 975 Jahre Pfarre Herzogenburg (1014–1989). Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1989.&lt;br /&gt;
* Gerhard Nikodim: Die Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg von 1513 bis 1602. Diss. Univ. Wien. Wien 1968.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich: Das Stift Herzogenburg. Die 875-jährige Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes St. Georgen-Herzogenburg von 1112–1987. Dipl.-Arb. Univ. Linz. Linz 1987.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Payrich / Hans Peter Schmidtbauer: Unsere Kirche lebt. 200 Jahre Stiftskirche Herzogenburg. St. Pölten 1985.&lt;br /&gt;
* Anton Rupp / Hans Peter Schmidtbauer: Herzogenburg. St. Pölten / Wien 1991.&lt;br /&gt;
* Werner Sandner: Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg von 1244 bis 1513. Diss. Univ. Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Frigdian Schmolk: Stift der regulirten lateranensischen Chorherren zu Herzogenburg in Nieder-Oesterreich. In: Ein Chorherrenbuch. Geschichte und Beschreibung der Bestehenden und Anführung der aufgehobenen Chorherrenstifte. Augustiner und Prämonstratenser in Österreich-Ungarn, Deutschland und der Schweiz. Hg. von Sebastian Brunner. Würzburg 1883, S. 200–263. [https://books.google.at/books?id=GoJJAAAAIAAJ&amp;amp;hl=de&amp;amp;pg=PA199-IA2#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Harald Servus: Die Entstehung der barocken Klosteranlage in Herzogenburg und ihre geschichtlichen Voraussetzungen. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1987.&lt;br /&gt;
* Egon Wahl: Geschichte des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes St. Andrä an der Traisen mit besonderer Berücksichtigung der rechtlichen, besitz- und personalgeschichtlichen Verhältnisse. Diss. Univ. Wien. Wien 1945.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Flora Prohaska</name></author>
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